Zu meiner Überraschung war nach 30 Minuten schon Schluss mit trainieren. Ich war schon erstaunt weil ich dachte das es länger geht. Es ging auch noch weiter aber nicht jetzt, sondern heute Nachmittag nach dem Spiel. Rafa packte sein Zeug zusammen und verschwand. Ich blieb an der selben Stelle stehen wo ich auch die letzte halbe Stunde gestanden hatte und wartete. Wenn ich das eben richtig verstanden hatte, will Rafa gleich noch mal kurz hier auftauchen aber da war ich mir nicht mehr so sicher. Als mir schon in den Sinn kam wieder zu gehen, erschien er aber doch noch mal. “Sorry, ich musste erst noch meinen Onkel los werden” ”Hat er ein Problem mit mir?” ”No aber ich will ihm keine Steilvorlage liefern die er nutzen kann wenn ich angeblich schlecht spiele” ”Was machst du jetzt?” ”Essen gehen, du kannst gerne mitkommen” ”Ich habe zwar keinen Hunger aber von mir aus” Wir suchten das player’s restaurant und ich setzte mich schon immer an einen freien Tisch, da ich ja nichts essen wollte.
So blieb mir auch Zeit Rafa mal ein paar Minuten zu beobachten, es war nicht zu übersehen, dass er auch hier beobachtet wird wenn auch lange nicht so direkt wie von seinen Fans. Ein paar andere Spieler waren hier bestimmt auch, leider kannte ich mich da nicht wirklich gut aus. Wenn nicht gerade Roger Federer am Tisch neben an sitzt, würde ich gar nicht merken wer es ist. Da fiel mir eben auf das ich den auch noch gar nicht gesehen hatte. Von Spielern abgesehen waren hier ja auch noch sämtlich Betreuer und was weiß ich alles und die taten alle extrem wichtig. Ich war mir durchaus bewusst, dass ich unfreiwillig auch im Fokus einiger stehe wenn Rafa bei mir am Tisch sitzt, soweit war es aber noch nicht. Als er endlich was essbares gefunden hatte und sich mir gegenüber an den Tisch setzte, sah ich erst mal etwas verwundert auf sein Tablett. Joghurt und Bananen? “Nicht gerade ein Galamenü oder?” Fragte ich etwas amüsiert. Das herrliche Lächeln erschien gleich.
“Ich habe dann noch ein Spiel und kann mir jetzt nicht den Bauch vollschlagen sonst komme ich dann nicht mehr von der Stelle” ”Denkst du das das Spiel dann so schwierig wird?” ”Ich lasse mich überraschen, kann man nie vorher genau wissen. Was machst du denn eigentlich hier? Ich meine außer auf jemanden zu warten” Tja, was mache ich hier, dass fragte ich mich eben selbst auch. Ich hätte nicht wirklich gedacht vor ein paar Tagen, dass ich es mal ins player’s restaurant schaffen würde. “Eigentlich wollte ich nur jemandem einen Gefallen tun. Meine beste Freundin wollte unbedingt hier her fahren und hatte niemanden der mitgeht also blieb mir ja keine Wahl. Sie brutzelt eben in der Sonne und beobachtet Verdasco beim trainieren. Ich hatte keine Lust lange in der Sonne zu stehen und dachte ich warte da wo ein bisschen Schatten ist. Erst hat Djokovic mich fast ko geschlagen und dann bist du aufgetaucht”
Sein Gesicht wurde immer besser. “Was hat er gemacht?” ”Ich stand direkt am Netz und hatte plötzlich einen Ball am Kopf weil der wie ein Irrer Aufschläge trainiert hat” ”Direkt an der Absperrung lebt man immer gefährlich” ”Das habe ich dann auch ganz schnell kapiert, ich gehe mal davon aus das er es nicht mit Absicht getan hat” ”Bleibst du bis zum Finale hier?” ”Nein, wir haben für morgen ground tickets und dann für das Viertelfinale” ”Übermorgen ist aber das Halbfinale, das Viertelfinale ist morgen” Ach ehrlich? Hatte ich eben einen Denkfehler? Er wird es wohl am besten wissen. Ich kam schon ganz durcheinander was an welchem Tag ist.
“Na jedenfalls haben wir tickets für Übermorgen” ”Ich würde ja noch so eine Besucher ID für deine Freundin besorgen aber das ist hier nicht so einfach. Wenn ich einmal frage sagt keiner was aber die stellen sich hier bisschen an mit unangemeldeten Gästen” ”Schon ok, sie wird es überleben” Während Rafa dabei war sein Galadinner zu verzehren blieb mein Blick an seiner linken Hand hängen. Vom Daumen abgesehen hat er an allen Fingern Tapes. Die Tapes waren aber nicht der Grund wieso ich meinen Blick kaum von seinen Händen lösen konnte. Vielmehr dachte ich daran was er außer Tennis spielen noch alles damit macht oder machen könnte. Er hat so schöne lange Finger, mir blieb keine Wahl außer auf unanständige Gedanken zu kommen. Ich stellte mir eben vor wie er langsam mit seiner Hand die Innenseite meiner Oberschenkel nach oben fährt und mich dann um den Verstand bringt.
Alleine die Vorstellung bringt mich zum schwitzen und ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl umher. Am liebsten würde ich jetzt aufspringen und ihn dann in einen Raum zerren wo wir völlig ungestört sind und ich meiner Fantasie in der Realität freien Lauf lassen kann. Ich sah erst mal kurz weg und schnappte nach Luft. Wenn ich nicht noch eine peinliche Situation riskieren will, sollte ich aufhören länger über seine Hände nachzudenken. Die Banane gab mir dann noch den Rest. Es war nicht so das er damit unanständiges andeutete aber das war auch gar nicht mehr nötig. Alleine das zu sehen was zu viel für meine Nerven. Ich zwar mich notgedrungen an etwas anderes zu denken auch wenn es mir richtig schwer fiel.
Das erschreckende war, dass ich über mich selbst erschrocken war. Es war nicht mein Plan mich in die Reihe derer einzureihen die nur auf eine Gelegenheit warten Rafa etwas näher kennen zu lernen oder am liebsten gleich so nah wie möglich. So lange wir nicht alleine sind, ist auch alles ok und ich komme gar nicht erst auf den Gedanke doch irgendwas zu tun oder zu sagen um ihn wissen zu lassen was ich denke. Vielleicht findet er es auch gar nicht so toll wenn ich die Initiative ergreife? Das käme dann aber auf einen Versuch an.
“Hast du heute Abend schon was vor?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und überlegte kurz da ich eben gedanklich abwesend war. “Wieso? Kennst du hier auch solche Kellerverliese die als Bar genutzt werden?” ”Leider nicht, ich war hier ja noch nie. Das einzige was ich kenne bis jetzt ist das Hotel und die Anlage hier. Kannst ja ins Hotel kommen wenn dir langweilig ist” Ich saß da und sah ihn mit großen Augen an ohne einen Ton zu sagen. Nach ein paar Sekunden war meine Schockstarre vorbei. Was hat er eben gesagt? Ich soll zum Hotel kommen? Und dann? “Also ich meine nur, dass ich zu sehr auffalle wenn ich mich vom Hotel weg wage. Du musst keine Angst haben, dass ich dunkle Pläne habe” Sagte er dann gleich noch hinterher, da er wohl mein Gesicht entsprechend interpretiert hatte. Ich räusperte mich und sah ihn wieder direkt an.
“Also ich kann nichts versprechen” Auf die erste Bemerkung ging ich lieber nicht weiter ein. Schade auch wenn er keine Absichten mir gegenüber hat abgesehen davon das er jedes mal vorher nachfragt ob er mich umarmen darf. Fragt er auch wenn er was anderes will? Ahhh, ich dachte ja schon wieder an etwas anderes. Vielleicht müsste ich mal ganz kalt duschen. “War nur so eine Idee, wenn du keine Zeit hast macht es nichts” Eigentlich ging es auch nicht da ich Sara irgendwie vertrösten muss aber für Rafa würde ich mir doch gerne Zeit nehmen. Ich müsste ja blöd sein da nein zu sagen. “Wird schon irgendwie passen. Bist du im offiziellen Hotel der Spieler?” ”Sí, Zimmer 408. Ich bin ungefähr um acht wieder im Hotel. Da ist übrigens eine Klingel an der Tür, bitte zweimal klingeln sonst mache ich mir nicht erst die Mühe zur Tür zu gehen”
Das klang ja amüsant mit dem zweimal klingeln. ”Geheimer Code?” Fragte ich und musste kichern. “Reine Vorsichtsmaßnahme. Zwar ist überall Security aber manchmal schaffen es doch Fans bis zu den Zimmern. Falls die dich nicht ins Hotel lassen wollen zeige die Besucher ID von hier” Wenn ich mir das so anhöre, das klingt ja so als wäre das Hotel gesichert wie ein Gefängnis. “Ich versuche mir alles zu merken, ich kann aber nicht versprechen das ich wirklich komme” ”Ich lasse mich überraschen” Er sah kurz auf seine Uhr bevor sein Lächeln einem verlegenen Grinsen wich.
“Ich will nicht unhöflich sein aber ich muss los, habe noch Pressetermine” ”Schon gut, ich will dich nicht aufhalten. Viel Glück dann bei dem Spiel und lasse dir ein bisschen mehr Zeit wie gestern Abend” ”Hast du das gesehen?” ”Ja, ich wurde gezwungen. Leider war's nach einer Stunde schon vorbei, ich will ein bisschen mehr sehen für mein Geld” ”Ich werde sehen was sich machen lässt Übermorgen. Bis später vielleicht” ”Adíos” Er stand auf und brachte sein Tablett weg bevor er das player’s restaurant verließ.
Ich blieb noch sitzen und ließ die letzten Minuten Revue passieren. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen? Irgendwie dachte ich gar nicht nach und hätte zu allem möglichen ja und amen gesagt. Das er wirklich will das ich heute Abend zum Hotel komme, kann ich nicht so richtig glauben. Ich kam mir eben vor wie ein Groupie. Nur das ich niemanden bestechen musste um zu erfahren in welchem Zimmer Rafa ist. Verrückt wie schnell man das alles in Erfahrung bringen konnte. Gedanklich war ich schon bei heute Abend.
Was soll ich nur anziehen? Und was will Rafa da machen? Etwa Essen? Bilde ich mir alles ein und messe dem ganzen eine andere Bedeutung zu als Rafa? Es war ja nicht so, dass es ein Date werden sollte. Darauf war ich auch nicht vorbereitet, dass fing schon bei meinen Sachen an. Natürlich hatte ich nicht meine besten Sachen mitgenommen um Tennis zu gucken. Ich kann ja nicht ahnen, dass ich bei ihm im Gedächtnis geblieben bin und er mich in sein Hotelzimmer bestellt. Mir schwebte da eben das Bild von Rockbands vor, die nach den Auftritten reihenweise Groupies vernaschen. In die Kategorie würde ich Rafa nicht einordnen aber so was kann man nie vorher wissen.
Er hat vermutlich andere Sorgen und hat es nicht darauf abgesehen einige seiner Fans in seinem Hotelzimmer etwas näher kennenzulernen. Andererseits sind Männer in dem Alter doch alle gleich. Wenn er so lange unterwegs ist und um die Welt reist wird er ja wohl nicht immer alleine sein oder doch? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich bei den Spielen so verausgabt, dass er dann im Hotel total ko ins Bett fällt und sofort einschläft. Es gibt sicher auch solche extrem anstrengenden Spiele aber er spielt ja nicht jeden Tag.
Das interessierte mich jetzt wirklich, danach kann ich ihn aber schlecht fragen. Erst mal frage ich Sara unauffällig was sie so weiss. Sie hat gelegentlich von seiner Freundin geredet aber ich hatte nie so richtig zugehört weil es bei mir links rein und rechts raus ging und hatte jetzt keine Peilung. Gesehen hatte ich die auch noch nie und Sara zwang mich schon zu dem ein oder anderen Spiel in dem sie am TV klebte und ich notgedrungen mitguckte.
Eine große Hilfe war Sara dann auch wirklich nicht. Sobald es um das Privatleben von Rafa ging, wurden die Informationen sehr dünn. Er schaffte es irgendwie so gut wie gar nichts privates öffentlich zu machen. Das gilt auch für seine Familie, erstaunlich wie die das hinkriegen bei dem Bekanntheitsgrad. Für so was war Mallorca wohl perfekt, dort kann man echt in Ruhe leben ohne das einen jemand stört und behelligt. Jedenfalls gab es nur schwammige Informationen was seine Freundin betraf. Sie war so gut wie nie bei Turnieren dabei, wenn es hoch kommt ist sie bei zwei oder drei Turnieren pro Jahr.
Gelegentlich tauchen Bilder auf wenn Rafa mit ihr Urlaub macht aber das auch nur einmal pro Jahr. Das ging wohl die letzten drei oder vier Jahre so. Entweder sie schafft es wirklich undercover zu bleiben oder es ist eine Ente. Ja, es gab nicht wenige die der Meinung sind, dass es alles ein PR Gag ist und das sie gar nicht seine Freundin ist. Wenn sie monatelang nirgends gesichtet wurde tauchten dann wieder Gerüchte aller Art auf und dann taucht sie plötzlich auf und verschwindet dann wieder für die nächsten Monate aus der Öffentlichkeit. Das nutzte mir alles richtig viel, jetzt war ich so schlau wie vorher auch schon.
Wenn er wirklich so glücklich liiert ist, wieso bestellt er mich dann in sein Zimmer? Ich bilde mir vielleicht eben mehr ein als da ist aber ich bin nicht blind. Er würde mich kaum umarmen wollen wenn er nur mit mir reden will. Davon abgesehen hätte er dann ja gar keinen Grund mich zum Hotel zu bestellen. So richtig ergab es alles kein Bild, am besten ich vergesse alles und lasse mich einfach von ihm überraschen. Es kann ja nur schief gehen. Er wusste zwar auch nichts von mir aber ich hatte ihn auch nicht mehrmals zu diversen Getränken eingeladen und dann ins Hotel bestellt.
Die Ansicht mit dem schief gehen teilte Sara auch. Sie konnte überhaupt gar nicht nachvollziehen wie ich mit jemandem weggehen kann den ich gar nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht wiedersehe wenn wir wieder nach Hause fahren. Es sieht mir ja auch gar nicht ähnlich, unter anderen Umständen würde ich niemals mit jemandem weggehen den ich nicht kenne. Am Ende mischt mir noch jemand was ins Glas und den Rest will ich mir gar nicht erst vorstellen.
Das von Rafa kein erhöhtes Gefahrenpotential ausgeht wusste ich doch nur kann ich das Sara nicht rüberbringen. Ich musste ihr ja sagen wo ich abends bin also zog ich mir eine Story aus den Fingern und sagte ihr das ich mit jemandem weg gehe heute Abend. Erst sah sie mich nur mit großen Augen an und wartete wohl das ich anfange laut zu lachen und dann sage das alles ein Witz war. Ich war aber fest entschlossen und würde mich von nichts und niemandem davon abbringen lassen. Sie war auch entsprechend verwirrt, sie hätte wohl nie gedacht, dass ich mal meine Grundsätze über Bord werfe. Möglicherweise glaubt sie das ich jetzt durchdrehe, sie kannte ja auch nur die halbe Wahrheit.
Pünktlich um acht stand ich dann wirklich in dem Hotel vor dem Zimmer 408 und holte in Ruhe Luft. Noch konnte ich zurück ohne das jemand erfahren müsste das ich hier war. Natürlich kam ich nicht bis hier her ohne die ID Karte von dem Turnier zu zeigen. Das man so bestrebt war mich fern zu halten, brachte mich noch mehr ins schwanken, dadurch fühlte ich mich noch mehr wie ein ungebetener Gast. Groupie wäre wohl eher das treffende Wort. Mir schossen tausende Fragen durch den Kopf und ich war schon total nervös.
Eigentlich bestand kein Grund dazu, Rafa beißt ja nicht. Erst konnte ich mich ewig nicht entscheiden was ich anziehe, dann was ich mit meinen Haaren mache und so ging das weiter. Am Ende wäre ich fast noch zu spät losgefahren weil alles außer Kontrolle geriet. Erst überlegte ich ewig was ich anziehen soll, um am Ende doch Jeans anzuziehen. Sara machte schon Witze ich würde mich benehmen als wenn ich 14 wäre und zum ersten Date gehen würde. Ja, so in etwa fühlte ich mich auch. Es erstaunte mich doch selbst wie ich mich plötzlich benehme.
Ich sprach mir selbst Mut zu und klingelte dann mutig zweimal. Nach ein paar Sekunden ging die Tür einen Spalt auf und ich wurde beäugt von einem braunen Auge. Das hatte auch was, ich konnte mir ein breites Lächeln nicht verkneifen. “Ich weiss nicht wen du erwartet hast aber ich bin es nur” Im nächsten Augenblick ging die Tür weiter auf. “Ich habe niemanden anderes erwartet” Ich sah kurz an ihm nach unten und würde ihn am liebsten gleich umarmen. Die Sportklamotten hatte er getauscht gegen Jeans und ein weißes Hemd. An sich unspektakulär aber ich weiß auch nicht wie der es schafft immer so auszusehen das ich ihn am liebsten anspringen würde.
Mein Blutdruck ging sicher wieder in die Höhe während ich damit beschäftigt war mir nichts weiter anmerken zu lassen. Da er eine einladende Handbewegung machte, lief ich an ihm vorbei ins Zimmer. Kurz sah ich mich um, dass kann man schon fast Wohnung nennen. Zimmer in einem fünf Sterne Hotel sah ich ja auch nicht jeden Tag. Es war auch kein normales Zimmer, gemäss der Position der Weltrangliste werden wohl in den Hotels auch die Suiten verteilt und da hat Rafa ja freie Auswahl. Die Einrichtung war komplett in hellen Farbtönen gehalten und technisch war auch alles auf dem letzten Stand. “Hier würde ich auch sofort einziehen” Sagte ich dann etwas ehrfürchtig. “Kein Problem, wenn du 200 Euro pro Nacht ausgeben willst” Ja gut, der Preis überstieg dann doch meine finanziellen Möglichkeiten.
Für 200 Euro kann man schon fast eine Woche nach Mallorca fahren, dann würde ich lieber das machen von dem Geld. ”Dann sollte ich vielleicht vorher ein bisschen Lotto spielen” ”Willst du was trinken?” Ich musste etwas schmunzeln weil es echt herrlich aussieht, wenn er nur eine Augenbraue hochzieht. Das hatte ich selten gesehen und Rafa kann das besonders gut. “Etwas alkoholfreies bitte” Ich wollte ja nicht gleich mit zu viel Alkohol anfangen. Es ist ja nicht so das ich nach einem Glas unter den Tisch falle aber ich will ja nur das Risiko minimieren, dass ich mich in eine unangenehme Situation bringe weil ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle habe.
Zum Glück legte sich dann meine Nervosität wieder, ich kriege nur immer einen Schreck wenn ich daran denke wer da eigentlich neben mir sitzt. Es war verrückt wie normal er noch ist, das treffende Wort wäre wohl easygoing. Ich wurde das Gefühl nicht los, das ich mich richtig gut mit ihm verstehen könnte. Es kam mir vor als würde ich ihn schon ewig kennen. Ja und mir schwirrte auch durch den Hinterkopf, dass er in weniger als einer Woche mal wieder alle Zelte hier abbricht und in die USA fliegt. Was soll’s deswegen kann ich ja trotzdem mit ihm reden.
Das Thema Tennis war ja kaum vermeidbar obwohl ich nicht wusste ob es ihn vielleicht stört wenn alle nur über Tennis reden. Ich wollte das auch nicht unbedingt aber da konnte ich nicht viel falsch machen. Das Spiel heute Nachmittag hatte er ja ohne Probleme gewonnen, da gab es nicht viel drüber zu erzählen. Morgen habe ich ja noch mal ground tickets und dann ja die Karten für das Halbfinale. Ich dachte es wäre das Viertelfinale aber darüber hatte Rafa mich ja schon heute Mittag aufgeklärt. Für das Finale hatten wir keine Karten weil die mir zu teuer waren und Sara hatte sich das zu spät überlegt. Ich habe ihr ja gesagt, dass sie eben alleine gehen soll und ich derweil irgendwo warte. Damit hätte ich dann auch kein Problem gehabt aber es war zu spät.
Die paar Karten die es noch gab waren alle in den oberen Rängen und dann noch dazu meistens in Ecken, von denen man keine so gute Sicht hat. Außerdem fahren wir ja wieder nach Hause und könnten nicht zum Finale gehen. “Hättest du eigentlich die Möglichkeit an gute Karten für das Finale am Sonntag zu kommen?” Ich fragte das so total spontan aus meinen Gedanken heraus. In der nächsten Sekunde fiel ihm das Lächeln förmlich aus dem Gesicht und er sah mich total ernst an während er nach Luft schnappte.
Ich schluckte kräftig und kam leicht ins schwitzen. Hatte ich eben einen Fehler begangen als ich nach Karten fragte? Als ich seine Reaktion sah, bereute ich es sofort danach gefragt zu haben. Die Stimmung hatte sich doch merklich abgekühlt, plötzlich hatte ich nicht mehr den Eindruck, das wir auf einer Wellenlänge sind. Je länger niemand etwas sagte, umso unangenehmer wurde das ganze. Wieso sieht er mich jetzt gleich so aggressiv an? Ich habe das doch nicht böse gemeint, es war eine wirklich spontane Frage ohne Berechnung und Hintergedanken. Um nicht alles noch schlimmer zu machen, traute ich mich erst mal nicht mehr überhaupt noch irgendein Wort zu sagen.
Ich weiss ja nicht auf was er noch empfindlich reagiert, wie ich die Situation retten könnte wusste ich auch nicht, vielleicht hatte ich auch eben alles leichtfertig verspielt. Mit so einer Reaktion wie jetzt gerade hätte ich nie gerechnet. Von seiner lockeren und umgänglichen Art war nichts mehr zu spüren. Ich sah ihn an und wartete was passiert während die Sekunden anscheinend nie vergehen wollten. Wenn er nicht reagiert, würde ich irgendwann einfach aufstehen und gehen.
Ohne das er mich noch eines Blickes würdigte sprang er dann ein paar Sekunden später von der Couch auf und lief zum Fenster. Ich beobachtete ihn eine Weile wie er am Fenster stand und rein gar nichts machte. Wenn er wenigstens laut rumschreien würde aber es kam kein Ton von ihm. Kurz dachte ich daran einfach zu gehen, dass wäre mit Sicherheit der angenehmste Weg das zu beenden aber das wollte ich jetzt nicht auf mir sitzen lassen. Inzwischen wurde mir klar wie die Frage bei ihm angekommen ist.
Vermutlich glaubt er ich hätte das alles nur gemacht um an Karten für das Finale zu kommen. Wenn er das wirklich denkt, dann kann ich ihn sowieso nicht mehr vom Gegenteil überzeugen. Das war echt nicht meine Absicht aber er wird mir sicher nicht mehr glauben. Ich stand dann auch auf und lief langsam näher zu ihm, er sah mich ja nicht da er mit dem Rücken zu mir stand. Kurz drehte ich mich um und sah die Gläser auf dem Tisch stehen. Inzwischen waren wir von alkoholfreiem Wasser bei Rotwein angelangt. Er kann aber ja nicht so viel trinken da er morgen spielen muss also hielten wir uns einfach an dem einen Glas auf. Mit der entspannten Stimmung war es aber leider vorbei. Ich drehte meinen Kopf wieder nach vorn, Rafa stand mit den Händen in den Hosentaschen direkt am Fenster und sah raus oder zumindest tat er so.
Es war dunkel, viel konnte er sowieso nicht beobachten. “Rafael” Obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, drehte er sich um und sah mich direkt an. Ich musste gleich wieder kräftig schlucken, mir gefiel sein Blick überhaupt gar nicht. Ich verstand ja gar nicht warum er jetzt so extrem reagierte, dass lief eben blöd mit meiner Frage aber er kann ja sagen das es ihn stört oder nicht? Wahrscheinlich kann ich froh sein wenn er überhaupt noch ein einziges Wort zu mir sagt. “Verschwinde” Kam es mir dann nur mit einem weniger freundlichen Tonfall entgegen.
Für einen kurzen Moment verschlug es mir die Sprache, eigentlich wollte ich was antworten aber sein Blick hielt mich davon ab. Obwohl das eine klare Ansage war, wurde ich jetzt auch so langsam wütend. Was glaubt der eigentlich wer er ist? Ich sollte vielleicht wirklich einfach gehen und alles vergessen aber das kratzte jetzt an meinem Ego und ich würde mir das sicher nicht bieten lassen, jedenfalls nicht von ihm! Er soll gefälligst sagen das es ihn stört und nicht eine Mauer aus Schweigen um sich aufbauen.
Da ich stehen blieb und keinen Zentimeter zurückweichte, kam er näher bis er direkt vor mir stand. Es war nicht so, dass ich seine unmissverständliche Aufforderung zu gehen nicht verstanden hatte aber so einfach wird er mich nicht los. Ich sah in seine Augen während ich mit den Zähnen knirrschte und meine Hände zur Faust ballte. Es war mir nicht wirklich geheuer, dass er so nah vor mir steht, ich würde nicht sagen das ich Angst vor ihm habe aber es ging in die Richtung. “Wie weit würdest du gehen um an Karten zu kommen?” Ich holte tief Luft und zwang mich selbst ruhig zu bleiben, nur zu gerne würde ich ihm sagen was ich denke.
Warum eigentlich nicht? Ich schulde ihm nichts und sehen werde ich ihn ja auch nicht mehr. “Ich dachte nicht wirklich, dass du so eine bist aber so kann man sich täuschen. Gehörte das in Porto Cristo auch alles mit zu deiner Show? Falls ja bin ich wirklich erstaunt was du alles machst nur um an solche beschissenen Karten zu kommen. Ich meine solche Leute begegnen mir ab und zu aber mir ist selten jemand mit so einer Dreistigkeit begegnet” Jetzt reichte es aber so langsam, wenn er nicht gleich aufhört, garantiere ich für absolut gar nichts mehr. So langsam fragte ich mich doch was ich noch hier mache, ich sollte gehen, der war es gar nicht wert.
Ich kam mir eben vor wie in einem schlechten Film. Offenbar nahm er sich selbst viel zu wichtig. “Es passt ja auch alles wirklich super zusammen” Sagte ich dann nur mit einer Mischung aus Frust und Enttäuschung. “Es ist mir egal, ich will deine Ausreden gar nicht hören. Mal angenommen ich würde dir Karten geben, was würdest du im Gegenzug dafür tun? Würdest du auch mit mir schlafen um an Karten zu kommen? Ich habe zufällig noch nichts vor heute Nacht. Vielleicht springen ja auch Karten für ein weiteres Finale raus wenn du dir Mühe gibst” In der nächsten Sekunde verlor ich total die Kontrolle über mich. Das war ja wohl die Spitze! So eine Unverschämtheit! Falls er mich provozieren wollte, hat er das geschafft. Ohne das ich groß vorher nachdachte, verpasste ich ihm eine Ohrfeige.
Ok, nach einer Woche ohne TV oder Internet und dieses Chappie musste ich erstmal meine Augen vom Tisch heben und wieder in meinen Kopp reinstecken. Jetzt muss ich ganz schenll wissen wie es weiter geht :cry: Rafa verdient zwar die Ohrfeige aber ich will nicht dass alles so endet für die Nacht :cry: Die haben doch so gut angefangen *hopeless* Bit mehr ganz bald, ja? *hopeless*
ReplyDeleteEs geht bald weiter, versprochen!
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