Geht bitte nicht zu der Adresse die gleich erwähnt wird, ich war selbst dort, da gibt es nichts interessantes zu sehen.
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Am nächsten Tag machte ich endlich mal Bekanntschaft mit Jenny. Es war ja nicht so geplant aber Sara wollte plötzlich mitkommen nach Soller und hatte dummerweise Jenny gefragt ob sie auch mitkommen will. Eigentlich wollte ich alleine fahren, je mehr Leute dabei sind umso unterschiedlicher sind die Wünsche wo nun hingefahren wird aber war wohl nix. Ich fragte mich schon was plötzlich los war das die plötzlich alle so wild darauf waren Ausflüge zu machen.
Vielleicht hat es ihnen ja gestern Abend den Rest gegeben und sie sind jetzt so richtig gefrustet weil Rafa nirgends auftaucht wo sie sind. Mich freute es, so kam ich doch noch zu meinem Ausflug. Ich wäre die ganze Woche kreuz und quer über die Insel gefahren wenn ich das Auto gehabt hätte. Ich liege sicher nicht die ganze Woche am Strand ohne was zu sehen von der Insel.
Einige Ecken kannte ich zwar schon da ich auch nicht zum ersten mal hier war aber man lernt ja nie aus. Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir also nach Manacor Jenny noch abholen. Sara hatte ja erzählt, das sie nicht Anfang zwanzig wie wir ist aber ich staunte nicht schlecht als sie einstieg. Wie sich später rausstellen sollte war sie 41.
Das war ja auch nicht so alt aber wenn man bedenkt warum sie hier war, erschien die Sache in einem anderen Licht. Ich verkniff es mir nach den genauen Gründen zu fragen warum sie Rafa verfolgt denn ich wollte keine Endlosdiskussion anzetteln obwohl es mich wirklich interessierte.
Nach knapp zwei Stunden Fahrt waren wir endlich in Soller, besser gesagt Puerto de Soller. Hier sah es doch gleich ganz anders aus als in Porto Cristo. Auf der einen Seite der Insel sind flache Sandstrände und auf der anderen an der Westseite ist plötzlich Steilküste. Es hat aber echt was, sah direkt malerisch aus wie die Häuser teilweise am Hang klebten. Hier würde ich mir sofort ein Haus kaufen. An den Hängen waren Oliven und Mandelbäume und dann der freie Blick auf das Mittelmeer. Man könnte denken das man was falsch macht.
Wenn ich das hier sehe, würde ich am liebsten gleich für immer hier bleiben. Auf das schlechte Wetter in Deutschland kann ich auch gut und gerne verzichten. Das Schöne war, dass wir Zeit hatten. Bei organisierten Ausflügen mit dem Bus wird man ja wie eine Viehherde durch die Gegend getrieben. Zwar mussten wir so auch alles alleine suchen da wir ja niemanden dabei hatten der sich hier auskennt aber das meiste von dem was die Reiseführer erzählen vergisst man doch sowieso wieder und Bilder kann ich auch so machen.
Am frühen Nachmittag hatten wir soweit alles gesehen und überlegten was wir noch anstellen den restlichen Tag. Wenn wir wieder nach Manacor fahren, müssen wir sowieso zuerst nach Palma fahren. Auf der Insel sind anscheinend alle Strassen so gebaut, dass sie nach Palma führen. Von Soller nach Manacor über die Landstrassen zu schleichen war noch langsamer als den Umweg über Palma zu nehmen, dass war dann wenigstens alles Autobahn.
In Palma war ich zwar schon mal mit Sara aber da kann man auch ruhig mehrmals hinfahren. Durch trödeln verzögerte sich dann der Ausflug etwas. Es gab eine Menge sehr einladend aussehender Restaurants in der Altstadt von Palma also hatten wir spontan entschlossen dort Essen zu gehen statt bei uns im Hotel.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber wir waren doch tatsächlich erst um 10 Abends wieder in Porto Cristo. Halb tot ließ ich mich gleich rückwärts aufs Bett fallen in unserem Hotelzimmer. Das waren zu viele Eindrücke gewesen heute, ich war total breit und könnte auf der Stelle einschlafen.
Ich war direkt dankbar dafür am nächsten Tag an den Strand gehen zu können wo ich meine Ruhe habe und nichts machen muss. Wir wären vielleicht besser gekommen wenn wir zwei Ausflüge gemacht hätten anstatt alles an einem Tag zu machen aber jetzt war's zu spät. Ich sah mir erst mal in Ruhe die ganzen Bilder auf der Kamera an die ich gestern alle gemacht hatte.
Zeit hatte ich ja denn Sara hatte sich natürlich wieder mit Jenny nach Manacor verdünnisiert. Die Einsicht Rafa in Ruhe zu lassen währte leider nur sehr kurz. Der eine Tag gestern scheint aufregend genug gewesen zu sein so das die heute wieder stundenlang an dem Tennisclub warten. Es hatte mich schon erstaunt, dass Sara sich gestern zurückgehalten hatte und das Thema Rafael Nadal nicht einmal zur Sprache kam. Ist ihr aber bestimmt wirklich schwer gefallen, ich fühlte mich geehrt mal einen Tag lang nichts von ihm zu hören oder zu sehen.
Vielleicht fühlte er sich ja genauso geehrt gestern Abend weil ich nicht in dieser Bar aufgetaucht bin. Ich hatte echt keine Lust mehr gestern noch irgendwohin zu gehen Abends. Vielleicht war die Frage ob ich jetzt immer dahin komme auch so was wie ein Scherz gewesen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen warum er so wild darauf ist mich zu sehen. Vielleicht war's auch alles ein riesen Zufall gewesen, dass ich ihm zweimal dort begegnet bin. Ich würde sicher nicht jeden Abend dorthin gehen in der Hoffnung ihn zu treffen.
Es bringt mir nicht wirklich was, ich fliege morgen nach Hause und dann könnte ich ihn sowieso nicht mehr sehen. Ich hatte mich sowieso noch nicht ganz von dem Schreck erholt, dass er mich eingeladen hat. Vielleicht sollte ich ja heute Abend mein Glück versuchen. Sara hatte zwar noch nicht gesagt was sie plant aber ich bin mir sicher, dass die den letzten Abend hier sicher nicht im Hotel verbringt. In Deutschland sind wir dann wieder weit genug weg also wird sie es wohl heute noch mal wissen wollen.
Wenn sie Glück hat, trainiert er wenigstens heute, wo er heute Abend ist werden wir ja noch sehen. Sicher versuchen sie es wieder in Manacor aber da würde ich nicht mitgehen. Die Chancen das er dort nicht auftaucht waren viel höher als die das er plötzlich doch dort erscheint. Dann werde ich vielleicht noch Zeuge wie Jenny seine Schwester in die Mangel nimmt, da wollte ich nicht dabei sein. Fremdschämen wollte ich mich nicht schon wieder.
Tatsächlich eröffnete mir Sara dann, dass sie heute Abend mit Jenny losziehen will. Darauf hatte ich mich moralisch schon eingerichtet. Morgen geht’s ab nach Hause und dann hat der Spuk endlich ein Ende. Bestimmt fehlt ihr dann richtig was wenn sie sich wieder damit begnügen muss vor dem Fernseher zu sabbern. Selbst wenn sie Rafa nicht erwischen, immerhin waren sie hier schon sehr nah an ihm dran.
Zu dumm, dass er ausgerechnet heute natürlich nicht trainiert hat, zumindest nicht in Manacor in dem Tennisclub wo er sonst immer ist. Würde mich nicht wundern wenn er heimlich woanders trainiert damit er nicht andauernd ungebetene Gäste hat die zugucken. Fast fühlte ich mich wie in einem Wettrennen wer es schafft Rafa so oft wie möglich zu sehen. Dann lag ich wohl 2:1 in Führung. Man kann es durchaus auch von der lustigen Seite sehen.
Den Sieg konnte mir auch keiner mehr nehmen denn ich würde fast darauf wetten, dass es zwecklos ist heute Abend nach Manacor zu fahren. Sara würde mir aber sowieso niemals glauben, sie denkt dann noch ich will sie davon abhalten und macht es dann extra. Sieht wohl so aus als würden wir den Abend dann mal wieder getrennt verbringen.
So hatte ich mir das auch vorgestellt vor einer Woche als wir zu Hause die Koffer eingepackt haben. Zwar wusste ich, dass sie nicht den ganzen Tag faul am Strand liegen würde aber das die echt so verrückt ist und stundenlang irgendwo wartet, war mir neu. So hartnäckig kannte ich sie gar nicht von zu Hause. Ist ja schön wenn man sich für etwas so begeistern kann aber sie übertreibt in meinen Augen.
In aller Ruhe überlegte ich was ich anziehe. Nachdem ich fast alles aus meinem Koffer anprobiert hatte, zog ich doch das an was mir zuerst in den Sinn gekommen war, weiße Stoffhosen und dazu eine gelbe Bluse. Vorsichtshalber hatte ich auch ein Kleid in den Koffer gepackt aber das würde ich doch nicht anziehen.
Nachher glaubt Rafa noch ich würde es wegen ihm machen. Ich will ja gleich allen Missverständnissen vorbeugen. Make up durfte auch nicht fehlen, ich hielt es schlicht aber der gelbe Lidschatten musste unbedingt sein. Nach einer ausgefallenen Frisur war mir auch nicht zu mute also machte ich einfach einen Pferdeschwanz. Ich sah noch mal kurz in den Spiegel und fand dann, dass ich ganz ok aussah.
Ich fand sogar jetzt schon den Weg ganz ohne Stadtplan! Langsam werde ich heimisch hier. Je näher ich kam umso aufgeregter und hibbeliger wurde ich. Mir konnte ja eigentlich nichts passieren, Rafa tut nichts aber aufgeregt war ich schon. Ich wusste nicht so richtig was mich erwartet. Bestimmt kommt er heute gar nicht und ich bin dann enttäuscht. Bevor ich reinging, holte ich noch mal tief Luft und versuchte ganz ruhig zu bleiben.
Neugierig ließ ich meinen Blick schweifen als ich es mir an der Bar bequem gemacht hatte. Leute waren da aber leider niemand den ich kenne. Na toll, ich wusste es! War ja klar das er nicht jeden Abend hier her kommt. Ich wartete bis der Barkeeper mich fragte was ich trinken will und bestellte erst mal Vodka-Lemon.
Nach ein paar Minuten kam er wieder und stellte mir ein Glas hin. Von dem Glas abgesehen schob er mir noch einen Zettel mit über den Tresen. Ich sah ihn erst mal entgeistert an, sollte das eine ganz dreiste Anmache werden? “Was ist das?” Fragte ich erst mal skeptisch. “Soll ich dir geben” Bevor ich weiter nachhaken konnte, war er schon wider damit beschäftigt andere Gäste zu bedienen.
So viele Personen kamen nicht in Frage die ich hier kenne um nicht zu sagen nur eine. Na jetzt war ich aber gespannt. Ich faltete den Zettel auseinander und runzelte dann erst mal die Stirn. In der Mitte stand mit Handschrift geschrieben Calle de Villalonga 36, weiter gar nichts.
Ich drehte den Zettel um, vielleicht war auf der Rückseite noch was aber Fehlanzeige. Mhh, was sollte ich jetzt damit anfangen? Gibt er mir jetzt seine Privatadresse oder wie? So leichtsinnig wird er ja wohl nicht sein oder etwa doch? Für alle Fälle hatte ich aber vorhin den Stadtplan eingepackt, vielleicht nutzt der mir ja was. Die Strasse fand ich dann auch ziemlich schnell aber deswegen wusste ich trotzdem nicht was dort ist.
Auf dem Plan waren Häuser eingezeichnet aber ich glaube nicht, das Rafa mitten im Ort wohnt, dass wäre doch sicher zu auffällig. Ich schätze wenn ich wissen will was dort ist bleibt mir nichts anderes übrig als dorthin zu gehen und nachzusehen. Da ich mir eben was zu trinken bestellt hatte und das Glas noch voll war, hatte ich ja noch etwas Zeit um zu überlegen was ich mache. Entweder ich reagiere gar nicht oder ich gehe hin.
Kann ja nur schief gehen, ich weiss nur nicht was mich erwartet. Natürlich fühle ich mich geschmeichelt, dass er mir Zettel hinterlässt aber ein paar Zweifel bleiben. Wer weiss was er sich vorstellt, vielleicht hat er irgendwas falsch interpretiert vor zwei Tagen. Sara glaubt ja das Rafa nicht zu der Sorte Mann gehört die ständig andere Frauen haben aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Das bezieht sich auf sein öffentliches Image, wer weiss denn schon ob er privat auch so ist wie er öffentlich behauptet. Vielleicht sollte ich es ja so machen wie vor knapp einer Woche mit der Bar hier. Ich kann ja erst mal aus sicherer Entfernung gucken was sich hinter der Adresse nun genau verbirgt.
Die nächste Überraschung kam als ich meinen Drink bezahlen wollte. Angeblich geht es aufs Haus aber höchstwahrscheinlich steckt da auch jemand dahinter. Da hatte ich ja heute direkt mal eine gute Eingebung als ich den Stadtplan eingesteckt hatte sonst würde ich jetzt hier planlos durch die Strassen irren und die Adresse suchen. Diese Calle de Villalonga war auch gar nicht so weit vom Hotel entfernt, war zumindest nicht so weit vom Hotel weg wie diese Bar.
Von weitem war nichts besonderes zu sehen, es war ein Haus am anderen aber ich wusste auch nicht was ich erwarten soll. Schlimm genug das ich mich überhaupt von so was beeindrucken lasse aber ja ich gebe es zu, die Neugier siegte. Die Befürchtung, dass es sich um seine Privatadresse handelt bestätigte sich dann nicht. Darüber war ich auch ganz froh, sonst würde ich mir jetzt meinen Teil denken. Es gab offenbar noch mehr solcher versteckter Lokalitäten hier.
Wie auch schon bei der Bar namens Faro ging es hier in den Keller, nur mit dem Unterschied, dass auf dem Schild Kasbah statt. Jetzt sind wir also schon bei arabischen Namen, wird ja langsam spannend. Dunkel war mir im Gedächtnis geblieben das Kasbah das arabische Wort für Burg ist. Freiwillig hätte ich mich mit Sicherheit nicht hier her verirrt. Offensichtlich war der Ort doch nicht so verschlafen, wie er tagsüber erscheint. Na jetzt war ich aber mal gespannt ob Rafa auch wirklich hier ist, nicht das er mich weil es ihm Spaß macht quer durch den Ort laufen lässt.
Von der anderen Bar aus hätte doch auch jemand hier anrufen können, ich hätte nichts dagegen wenn Rafa mich mit dem Aston Martin abholt. Das Auto würde ich mir schon mal gerne von innen ansehen. Passt irgendwie nicht zusammen wenn Rafa nicht auffallen will. Noch dazu erwähnt er ständig öffentlich das er eigentlich eine andere Automarke bevorzugt, wahrscheinlich weil die ihn dafür gut bezahlen. Anders formuliert kann er lügen ohne dabei rot zu werden.
Kein Mensch glaubt ihm das und dann lässt er sich privat mit einem Aston Martin sehen. Das Auto hatte ich hier nirgends gesehen in der Nähe aber das war in den letzten Tagen auch so, wer weiß wo er das immer versteckt. Sicherlich gab es hier nicht viele Autos von der Sorte auf dieser Insel und damit könnte man ihn ja noch einfach finden als sonst also wird er das Auto sicher irgendwo verstecken wenn er nicht gerade damit fährt.
Ich ging die Treppen nach unten und sah erst mal neugierig rein. Die Einrichtung war hier zumindest nicht weiß, dafür mit viel Holz. An den Wänden hingen orientalische Teppiche und es war eine schummrige Beleuchtung. Mir entgingen auch nicht die Wasserpfeifen und Goldgefäße, die anscheinend nur Deko waren. Sofort fühlte ich mich wie mitten im Orient. Da war wohl jemand ein begeisterter Anhänger von orientalischen Dingen und hatte sich hier bei der Dekoration so richtig ausgelassen.
Zu Hause hatte ich auch diverse Souvenirs von Urlauben aus Marokko und Tunesien, die würden hier prima herpassen. Ein paar Leute sahen dann kurz zu mir aber keiner sagte was. Kurz schweifte mein Blick über die Köpfe, niemand bekanntes dabei. “Hola Amaia” Kam es dann ein paar Sekunden später von hinter mir. Ich zog ein Lächeln und drehte mich dann um. Rafa stand direkt vor mir und lächelte wieder so unverschämt. Aww, ich könnte mich an sein Lächeln gewöhnen. Zugegeben, ich freute mich schon ihn zu sehen.
“Hola” Sagte ich und fragte mich ob ich das gerade richtig sah, dass er ein Poloshirt in lila an hat. Es war ja nichtmal ein dunkler Farbton, sondern richtig schön Pastell. Die schwarzen Hosen dazu waren da ja unspektakulär. Der hat offensichtlich keinerlei Hemmungen was Farben angeht, ich kenne einige Männer die laut kreischen würden wenn sie rosa oder lila tragen müssten. Er sieht selbst in lila noch umwerfend aus, wahrscheinlich steht ihm so gut wie alles. Zu schade das er nicht der Einrichtung entsprechend ein orientalisches Gewand an hatte aber dann hätte ich ihn sicher nicht mehr erkannt oder ich hätte angefangen laut zu lachen.
“Wie ich sehe hast du den Weg gefunden” ”Mit Stadtplan war es nicht so ein großes Problem. Was ist das hier? Ein arabischer Basar?” ”So was ähnliches” Wir setzten uns an einen Tisch und ich bestellte erst mal einen Tee bestehend aus süßer Minze. Die hatten sogar die Getränkekarte der Einrichtung angepasst. Ich betrachtete erst mal ausführlich die Einrichtung und dann Rafa und konnte mir ein breites Lächeln nicht mehr verkneifen. Mit seinem lila Shirt passte er nicht so richtig hier her. “Was?” Fragte er dann auch gleich. “Dein Shirt passt nicht zur Deko hier” Er sah kurz an sich nach unten und dann wieder zu mir.
”Stimmt, ich war vorhin noch etwas unschlüssig wo ich nun hingehe. Ich wollte erst mit meiner Schwester nach Manacor aber habe mich spontan umentschieden” Als er Manacor sagte, fiel mir Sara gleich wieder ein. Heißt das er ist Sara und Jenny nur knapp entkommen? Oder sie haben ihn knapp verpasst, wenn man es von der anderen Seite aus betrachtet. Sara hätte ihre Freude an seinem lila Shirt, die geht immer fast kaputt wenn er rosa trägt. “Ich habe mich schon gefragt, was das für eine Adresse auf dem Zettel ist” ”Was dachtest du denn was dort ist?” Er sollte mich mal nicht so angrinsen, was würde er denn an meiner Stelle denken? “Ich wusste überhaupt nicht was ich denken sollte” Antwortete ich diplomatisch. “Wo warst du eigentlich gestern Abend?”
Was wurde das jetzt, ein Verhör? Vom Tonfall her hörte sich das so an als wenn er wirklich damit gerechnet hatte das ich gestern zu der Bar komme. War er wirklich dort? Er musste ja zumindest dort gewesen sein und den Zettel dort hinterlassen haben. Ich hatte mich aber zu nichts verpflichtet gefühlt außerdem hatte ich ihm doch gesagt, dass er sich überraschen lassen soll. Wenn er die Antwort als ein ja interpretiert hat, kann ich es auch nicht ändern.
Ich kann ja nicht riechen, dass der das ernst gemeint hat. Es würde mich aber schon ein wenig überraschen, wenn er wirklich dort war weil er dachte das ich komme. “Gestern war ich erst in Port de Soller und dann in Palma. Wir waren abends essen in Palma in der Altstadt und dann noch was trinken. Verstehe mich nicht falsch aber in Palma ist abends mehr los als hier” ”Das stimmt, ich bin aber lieber hier. In Palma falle ich zu sehr auf, hier habe ich meine Ruhe weil es niemanden mehr schockt mich zu sehen” ”Bist du eigentlich lange hier?” ”No, ich fliege Übermorgen nach Madrid. Ich trainiere dort noch ein bisschen bevor das Turnier anfängt”
Tja, ich fahre ja morgen schon nach Hause davon wusste er aber noch nichts. “Und danach?” Fragte ich weiter. Eben dachte ich wieder an Sara, die mir sicher seinen Turnierplan für das restliche Jahr in allen Details erläutern könnte, nur war sie eben nicht da. ”Nach Madrid geht's kurz hier her zurück und dann nach Paris. Erst ein exhibition Turnier und dann Roland Garros, na ja und nach Queens ist Wimbledon dann auch schon in Sichtweite. Wahrscheinlich bin ich erst im Juli wieder ein paar Tage hier”
Mir wurde eben klar, dass ich Rafa höchstwahrscheinlich heute zum letzten mal sehe. Wenn nicht Sara andauernd so rumnerven würde, könnte ich mich direkt an ihn gewöhnen. Er kann ja nichts dafür das meine Freundin austickt wenn sie ihn sieht. Ich kann ja verstehen, dass ihm die Frauen nachlaufen dabei kennen ihn die meisten davon nicht persönlich sonst wären es sicher noch mehr. Im Gegensatz zu manch anderen Stars ist er richtig umgänglich und er schafft es Interesse zu zeigen ohne dabei aufdringlich zu werden.
Bestimmt würde er auch niemals so einen abgedroschenen Anmachspruch wie, ‘Ich habe meine Nummer verloren, kriege ich deine’ bringen. Solche Sprüche kommen meistens von Leuten die sich selbst wichtiger nehmen als sie sind. Rafa ist ein bisschen zu normal für den ganzen Erfolg. Es spricht aber eigentlich für ihn, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Nur fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich so bodenständig ist wie er öffentlich rüberkommt aber es sah alles danach aus wenn man jetzt mal von seinem Auto absieht.
Er lässt sich nicht anmerken das er so eine Art Superstar ist. Zu schade das er nie Zeit hat und noch dazu überall bekannt ist. Langsam wird es interessant, ich hätte nichts dagegen ihn öfters zu sehen auch wenn ich das vor einer Woche nicht für möglich gehalten hätte. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal freiwillig mit Rafael Nadal treffen würde und das ganz ohne das Sara etwas davon weiss. Mir schwirrte natürlich wieder im Hinterkopf rum sie anzurufen und zu sagen das sie hier her kommen soll aber dann wird es alles hektisch und ich beabsichtigte nicht Rafa zu teilen. Ich erhebe ja keine Ansprüche auf ihn aber wenn sie hier ist gerät alles außer Kontrolle und ich kann kein Wort mehr mit ihm reden.
Sie schafft es bestimmt sowieso nicht normal mit ihm zu reden dabei ist es ihm wohl am liebsten wenn er normal behandelt wird wie alle anderen auch. Es war ein bisschen so als wenn da eine andere Person auf dem Tennisplatz steht und spielt. “Amaia” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Sorry, ich war kurz gedanklich abwesend” ”Willst du noch was trinken?” Kann er nicht aufhören mich so anzulächeln? Da werde ich nur nervös, dass war zu viel für mich. Zum Glück saß ich gerade gut. “Willst du mich abfüllen?” Ich musste gleich wieder lachen, der Spruch passte doch eben! Seine Reaktion war auch zu herrlich. “Natürlich... mit Minzetee. Soll eine aphrodisierende Wirkung haben wenn man mehr als fünf Liter trinkt” Ich sah in meine Tasse und überlegte wie viele Tassen das dann wären.
Außerdem wäre mir das was ganz neues wenn Tee so eine Wirkung hätte. “Dann musst du mich noch mehrmals einladen. Ich wette bei fünf Litern hat man dann auch ein Blasenproblem” Wieso fing er plötzlich an so zu kichern? Wirkt es bei ihm etwa schon eher? “Ich muss zugeben, dass ich keine eigenen Erfahrungen damit vorweisen kann” “Irgendwann ist eben immer das erste mal” ”Schon aber heute ist ein schlechter Zeitpunkt. Ich muss morgen noch ein bisschen trainieren und kann es mir nicht leisten die Nacht im Bad zu verbringen” ”Du würdest ja niemanden stören aber meine Freundin bringt mich um wenn ich aller 10 Minuten vom Bett aus ins Bad renne”
Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon im Minutentakt ins Bad flitzen, tolle Vorstellung! “Meine Schwester ist bei mir. Ich will gar nicht wissen was die denkt wenn ich stundenlang im Bad verschwinde” ”Die geht doch sicher irgendwann ins Bett” ”Nicht wenn sie bei mir übernachtet, dass macht sie nur bei unseren Eltern. Sie nutzt es aus und tanzt mir auf der Nase rum. Ich bleibe sicher nicht auf bis sie irgendwann mal kommt, sie ist alt genug. So lange sie ruhig ist und niemanden mitbringt ist es mir egal” ”Hast du etwas gegen Besucher?” ”Wenn ich sie nicht kenne und die in meinem Haus sind schon”
Er sah in meine Tasse und dann wieder in mein Gesicht. “Was willst du nun trinken?” Jetzt wo er fragte fiel mir auch wieder ein wie es zu der Diskussion kam. ”Ich nehme erst mal das gleiche noch mal” Ich sah ihm nach wie er aufstand und die Getränke holte. Vielleicht sollte ich dann doch wieder gehen. Warum er das alles macht weiss ich nicht aber ihm muss doch klar sein, dass wir uns bald nicht mehr sehen. Er wusste ja noch nicht das ich morgen nach Hause fliege aber wenn er Übermorgen nach Madrid fliegt wäre er ja spätestens dann nicht mehr hier. In der Hinsicht war ich zu realistisch um zu glauben, dass das ganze irgendwohin führen könnte. Daher will ich mich auch nicht zu weit auf ihn einlassen, es bringt mir sowieso nichts auch wenn ich die Unterhaltung von eben noch bis ins kleinste Detail ausweiten könnte.
Kaum war Rafa mit dem Tee wieder da, stand plötzlich eine Kellnerin mit einer Kamera an unserem Tisch. Ich wusste gar nicht was jetzt los ist und guckte erst mal nur. Will die jetzt Bilder von Rafa machen oder was? Langsam schweifte mein fragender Blick weiter zu Rafa. “Die machen immer Bilder hier von den Gästen und stellen die dann im Internet ins Gästebuch. Du musst aber keine Angst haben, dein Name erscheint nirgends” ”Aha ja, ok” Wenn Rafa kein Problem damit hat, mir ist es egal ob irgendwo ein Bild von mir ist. Er rückte um den Tisch bis er neben mir saß. Was sollte das jetzt werden?
Wenn ich das eben richtig verstehe, sollten das Bilder von mir mit ihm zusammen werden. Nachdem sie ein Bild gemacht hatte, verschwand die Kellnerin wieder und fotografierte die anderen Gäste. Ich dachte schon es ist nur wegen Rafa aber die anderen wurden auch verewigt. “Kann ich auch ein Bild machen?” Fragte ich spontan ohne vorher darüber nachzudenken. “Klar” Ich suchte meine Kamera in meiner Tasche und überlegte wie ich es am besten anstelle. So lang war mein Arm nicht, dass wir da beide draufpassen.
Auf gut Glück probierte ich es dann aber doch, indem ich die Kamera so weit wie möglich von mir weg hielt. Als ich mir das Bild ansehen wollte, musste ich mir verkneifen laut zu lachen. Mein Gesicht war nur bis zur Mitte ganz am Rand zu sehen und von Rafa fehlte auch die Hälfte. “War wohl nix” Kam es dann von neben mir. Er saß ja noch neben mir und sah eben mit einem amüsierten grinsen auf meine Kamera.
“Denkst du, dass du es besser hinkriegst?” ”Sicher” Kam es gleich total überzeugt. War ja klar, dass er glaubt das er es besser hinkriegt. Ohne noch was zu sagen gab ich ihm die Kamera. Er dachte wohl, dass er so nah es geht an mich rücken muss damit wir beide auf das Bild passen. Ein wenig nervös wurde ich schon, wenn er so nah neben mir sitzt, näher konnte er ja nicht mehr kommen. Ich sah dann in die Kamera und zog ein breites Lächeln. Rafa drehte die Kamera wieder um und sah auf das eben gemachte Bild. Ich schielte zu ihm rüber und brach in der nächsten Sekunde in schallendes Gelächter aus. Von wegen er kriegt es besser hin... wir waren zwar beide auf dem Bild aber leider hörte das Bild kurz über den Augen auf. Es fehlte direkt mal ein anderer Teil als vorhin. Es wäre ein richtig gutes Bild geworden wenn wir komplett drauf wären und nicht nur halb.
Geschah ihm auch zu recht, nachdem er eben noch groß getönt hat das er es besser kann. Nach ein paar mal tief luftholen konnte ich mich wieder halbwegs beherrschen. “So hätte ich das auch hingekriegt” Sagte ich dann und musste mich beherrschen nicht wieder zu lachen. “Du hast doch Zeit, no?” ”Wieso? Willst du jetzt den ganzen Abend lang Bilder machen?” ”Zumindest bis mal ein vernünftiges dabei rauskommt” So einfach war es aber gar nicht. Nachdem ein paar weitere Versuche mit Lachanfällen meinerseits endeten gab er auf und gab die Kamera einer Kellnerin.
Na also, es ging doch! Jetzt hatte ich ein paar echt schräge Bilder von Rafa, hoffentlich denke ich daran Sara nicht in die Nähe der Kamera zu lassen. Die fällt aus allen Wolken wenn die zufällig die Bilder sieht, sie ahnt ja nichts böses. Ich steckte meine Kamera wieder ein und musste immer noch kichern. Wahrscheinlich kratzte das eben mächtig an seinem Ego weil ich nach jeden Bild so lachen musste und er daraufhin nur noch verbissener darauf wurde ein gutes Bild hinzukriegen. “Du solltest wirklich beim Tennis spielen bleiben” Ich sah schon, wie er sich darüber freute.
Es war ja als Scherz gemeint und nicht um ihn zu ärgern. Ich konnte mir einfach so einen Spruch nicht verkneifen. “Gracias, sehr freundlich” ”Muss ich jetzt meine Getränke selbst bezahlen?” Fragte ich frech. ”Sí” ”Dann nehme ich alles zurück” “Zu spät!” ”Du hast gesagt du würdest es besser hinbekommen. Darunter stelle ich mir etwas anderes vor” ”Sei ruhig jetzt!” Ich musste nur noch mehr lachen je mehr er sich aufregte auch wenn ich weiss das er das nicht ernst meinte. Sein Lächeln war zu herrlich, er saß ja noch neben mir, ich würde ihn zu gerne in die Wangen kneifen. Ich könnte fast denken, dass er etwas plant.
Ein bisschen unangenehm wurde es mir dann schon, im positiven Sinne. Warum wusste ich auch nicht genau aber es macht mich nervös wenn er direkt neben mir sitzt. Ich komme dann nur auf dumme Gedanken, es hing schon eine gewisse Spannung in der Luft. Zu gerne würde ich mich darauf einlassen, wenn es nicht so wäre das ich ihn morgen nicht mehr sehe. Hat er keine Freundin oder warum ist er so übertrieben nett? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es darauf abgesehen hat mich in sein Bett zu locken selbst wenn es nur für eine Nacht ist. Ganz so verfallen war ich ihm noch nicht, dass ich so was machen würde auch wenn ich seine Aufmerksamkeit durchaus genieße.
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