1 October 2009

Chapter 9

Ich sah wie er eine Hand an seiner Wange hatte und mich etwas erschrocken ansah. Erschrocken war ich auch aber aus anderen Gründen. Es war als wäre ich eben aus einem Trance aufgewacht. Als mir klar wurde was ich eben getan hatte, wäre ich am liebsten tot umgefallen. Ich weiss nicht wer mehr erschrocken war, Rafa oder ich. Wie konnte es nur so weit kommen? Normalerweise verlor ich nicht so einfach die Kontrolle über mich und verteile dann Ohrfeigen. Genau genommen hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben jemanden geohrfeigt. Getrunken hatte ich auch nicht so viel das ich es auf den Wein schieben könnte.
Nein, der Grund stand direkt vor mir und sah mich immer noch an als wenn er nicht glauben könnte was eben passiert war. Wenigstens war der aggressive Blick verschwunden. “Ich... es tut mir leid... ich meine, dass wollte ich nicht” Stammelte ich dann leise und suchte fieberhaft nach den richtigen Worten. Ich kam mächtig ins schwitzen und schluckte nervös während mein Hals trocken wurde. Aww, ich hatte eben Rafael Nadal eine Ohrfeige verpasst!
Das könnte unangenehm für mich werden wenn er es darauf anlegt. Ich wollte das doch alles nicht, es war so spontan passiert. Er ist auch selbst schuld, er hat mich doch bis zum äußersten gereizt und das war eben die Quittung dafür. Da er mal wieder nichts sagte, drehte ich mich um und lief dann langsam zur Tür. Zu flüchten erschien mir plötzlich als eine sehr bequeme Angelegenheit.

“Amaia” Ich war schon fast an der Tür und blieb stehen. Bisschen hatte ich doch gehofft das er nichts mehr sagt und mich gehen lässt aber es war wohl nicht an dem. Langsam drehte ich mich wieder um und sah ihn an auch wenn es mir sehr schwer fiel. Wortlos kam er näher bis er wieder direkt vor mir stand. Ich sah in seine Augen und wurde wieder nervös aber nicht weil er mich aggressiv ansah sondern irgendwie anders. Die aufgeladene Stimmung war weg und die Lage schien sich langsam zu entspannen.
Momentan wusste ich nicht was als nächstes passiert und das gefiel mir gar nicht. Im nächsten Augenblick umfasste er mit seiner Hand mein Handgelenk. Ich wollte erst meinen Arm zurückziehen, ließ es aber bleiben. Seine Hand an meinem Arm bewirkte gleich das mein Puls schneller wurde. Obwohl er sich eben total daneben benommen hat, kann ich nicht so richtig sauer auf ihn sein. Es war schon aufregend seine Hand auf meiner zu spüren. Ich verfluche mich selbst dafür das ich es zulasse das er mich einwickelt. Wenn er mich umarmt, fängt es auch immer an leicht zu kribbeln aber davon sind wir weit entfernt.
Vielleicht hätte ich das auch nur gerne und bilde mir alles ein, es war etwas viel gewesen eben. “Es tut mir leid” Sagte er dann leise mit einem verlegenen Blick bevor er seinen Blick senkte und auf meine Hand in seiner sah. Ja mir tat es auch leid, dass ich hier her gekommen bin und das es so weit kommen konnte. Inzwischen bereute ich fast schon nach Berlin gefahren zu sein, es wäre besser gewesen wenn ich zu Hause geblieben wäre, Sara hätte sicher jemand anderes gefunden der mitgeht. Mir wurde das alles zu viel, ich konnte und wollte mit der Situation nicht länger umgehen.
Kann sein das er sich das so vorstellt aber ich kann nicht von einer Sekunde zur anderen tun als wäre nichts gewesen. Zwar schaffte er es mich einzuwickeln aber ich kam rechtzeitig noch zu Sinnen. Es ist vorbei. Ich holte tief Luft, ging einen Schritt zurück und öffnete die Tür. Kurz sah ich noch mal zu Rafa, er blieb stehen und sah weiterhin nach unten auf den Boden. Ohne ein weiteres Wort verließ ich sein Zimmer und beeilte mich auf schnellstem Wege aus dem Hotel zu kommen.

Als ich in meinem Auto saß, hatte ich Zeit kurz in Ruhe nachzudenken. Das war ja echt super gelaufen, schlimmer hätte es gar nicht mehr kommen können! Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Je länger ich nachdachte, um so mehr Wut bekam ich, er kann froh sein, dass es bei der Ohrfeige geblieben ist. Ich hätte ihn um liebsten ungespitzt in den Boden gerammt. Umbringen würde ich ihn am liebsten. Vielleicht hätte er es ja auch gerne wenn ich bis zum äußersten gehe um an Karten zu kommen.
Hätte ich vielleicht auf sein unmoralisches Angebot eingehen sollen? Mir war ja klar, dass er das nicht ernst gemeint hat aber manche brauchen so was. Das ist ja wohl echt die Spitze was er sich da geleistet hat. Ich frage ganz normal und er glaubt sonst was. Nicht meine schuld wenn er mich erst einlädt und mir das dann auch noch zum Vorwurf macht. Ich habe ihn ja nicht gezwungen irgendwas zu tun. Ich fuhr erst mal los und musste mich schon beherrschen meinen Frust nicht an der Strasse auszulassen aber ich brauche meinen Führerschein noch. Rafa war es gar nicht wert, ich hätte ihn auch anders eingeschätzt aber ich lag eben falsch.
Das war es auch was mich so schockierte, dass er plötzlich so reagiert. So was hätte ich ihm nicht zugetraut aber bekanntlich zeigt sich der wahre Charakter erst in Extremsituationen. Es ist echt eine Frechheit das er mir vorwirft, dass ich ihn ins Bett kriegen will um an Karten zu kommen. Wenn ich das vorgehabt hätte, dann hätte ich nicht so viel Zeit verschwendet.

Knapp eine halbe Stunde nach dem Desaster war ich zurück in der Pension wo wir übernachten und platzte ohne Vorwarnung ins Zimmer. Sara sah erst zu mir und dann auf ihre Uhr. “Du bist schon zurück?” Ich setzte mich wortlos auf meine Seite vom Bett und sah von ihr weg. “Mhh” Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte, drehte ich mich und sah dann aus dem Augenwinkel zu ihr. Ich ahnte schon, dass sie sich fragt was los war.
“Was?” Fragte ich dann nur etwas gereizt. “Was ist auf einmal los mit dir?” ”Nichts, es lief nur total beschissen um nicht zu sagen es war das totale Desaster” Erst mal fragte sie nicht weiter, war mir auch recht so. Ich war nicht in Stimmung mich darüber auszulassen obwohl ich ihr gerne mal sagen würde wie Rafa so drauf ist. Für meinen Teil hatte sich das erledigt, so etwas muss ich mir nun wirklich nicht bieten lassen. War schade weil es die vorherigen Ereignisse mit überschattete aber es ist zu spät. Unter diesen Umständen sehe ich keine Möglichkeit das sich die Situation noch einmal ändern könnte. Seine Entschuldigung kann er sich wohin stecken, er hätte besser mal vorher überlegt was er sagt. Ich bin sicher nicht übertrieben nachtragend aber damit hat er den Bogen eindeutig überspannt.

Am nächsten Tag war meine Laune auch nicht besser. Ich wollte ja Sara auch nicht den Spaß verderben aber ich konnte auch nicht anders, mir war eben nicht nach superhappy. Am liebsten würde ich gar nicht mehr zu der Tennisanlage gehen, da kriege ich nur noch schlechtere Laune. Natürlich musste Rafa auch heute auf einem Außenplatz trainieren den man von allen Seiten aus einsehen kann. Es standen Unmengen an Menschen rund um den Platz, wahrscheinlich sitzt gar keiner mehr im Stadion bei den aktuellen Spielen weil es interessanter ist zu gucken wie Rafa trainiert. Ich war nicht wild darauf ihn zu sehen aber Sara schnappte fast über vor Begeisterung.
Sie glaubte sicher das heute ihr Glückstag ist, wenigstens einer der sich freut. Ich blieb etwas im Hintergrund und tat als wenn es mich alles nichts anging. Gelegentlich erhaschte ich einen Blick auf ihn, zum Glück hatte meine Spontanreaktion gestern keine sichtbaren Spuren bei ihm hinterlassen. Wäre doch witzig wenn er mit einem blauen Auge erscheint und dann sagen müsste das ihn eine Frau geohrfeigt hat. Das Rafa mich sieht glaube ich nicht, zwischen den anderen falle ich doch nicht auf. Falls er mich doch erkennt, ist es mir auch egal.
Fragt sich nur was die alle an ihm finden. Nach knapp einer Stunde hörte er zum Glück auf mit trainieren und packte seine Sachen wieder zusammen. Endlich verschwindet er wieder und ich habe meine Ruhe. Ruck zuck waren die meisten Leute verschwunden, es gab auch nichts mehr zu sehen. Am Rand warteten Kinder auf Autogramme und ein paar hartnäckige Fans, unter ihnen Sara, machten Bilder bis zum Umfallen.

Umringt von Autogrammjägern verließ Rafa ein paar Minuten später den Platz und lief direkt an mir vorbei. Er sah für den Bruchteil einer Sekunde zu mir und tat dann als wenn nichts weiter wäre. Das traf sich gut, ich würde auch so tun als wenn ich ihn nicht kenne. Es war ja nicht so das ich damit rechnete das er irgendwas zu mir sagt von dem her störte es mich auch nicht das er so tut als hätte er mich noch nie zuvor gesehen. Als der ganze Zauber vorbei war, blieben noch ein paar Fans stehen und redeten aufgeregt aber die Menschentraube hatte sich schnell aufgelöst. Sara kam dann auch wieder zum Vorschein, sie hatte sich ja unter Körpereinsatz bis in die erste Reihe gedrängelt. Im Gegensatz zu mir sah sie überglücklich aus. “Von mir aus könnte jeder Tag so laufen, ich könnte ihm stundenlang zusehen”
Als wäre das nicht schon schlimm genug, grinste sie auch noch vom einen Ohr zum anderen. Bestimmt ist sie überglücklich und bekommt kein Auge zu heute Nacht. Leider konnte ich eben nicht so zeigen das ich mich für sie freue. “Mhh” Machte ich dann nur um überhaupt zu reagieren. Natürlich freute es mich sie überglücklich zu sehen nur konnte ich das eben nicht so zeigen. “Ich bin schon gespannt auf die ganzen Bilder. Wenn die wirklich so gut sind wie ich denke, werden die Augen machen im Forum” Sie spielte wohl eben auf das Internetforum an wo sie sich immer aufhielt und nach den neuesten Bildern und Informationen suchte. “Bestimmt” Antwortete ich wieder knapp. Sie sah auf ihre Kamera und guckte wohl im schnellverfahren ihre Bilder an während sie ungläubig mit dem Kopf schüttelte. “Ich glaube, der hat Spaß dran sich umzuziehen wenn Fans in der Nähe sind” ”Vielleicht steht er ja drauf wenn alle sabbern” Sagte ich mit einem Augenrollen. Sie sah weiter in heller Begeisterung auf das kleine Display der Kamera und ging nicht näher auf meine letzte Bemerkung ein.
“Fast alle oder sabberst du neuerdings auch wenn er sich auszieht?” ”Das hätte er vielleicht gerne!” Antwortete ich mit einem verbissenen Gesicht und schnappte nach Luft. Sie gab mir die Kamera, ich griff also danach und sah mir das mal an. Das er sich ausgezogen hatte, war mir entgangen weil ich ja im Hintergrund war und vor mir zu viele Leute standen. Ich konnte Rafa gar nicht mehr sehen von da aus wo ich wartete. Ich gebe ja zu, die Bilder waren gut, vielleicht gefällt es ihm wirklich wie die Leute reagieren wenn er sich auszieht. Er hatte weiße Hosen an und ein rotes Shirt, bzw. später nur noch die Hosen. Die Frauen seufzen und bekommen große Augen und die Männer werden neidisch, es ist doch immer das selbe. Jetzt fehlt es nur noch das Rafa behauptet das käme alles nur vom Tennisspielen. Wenn ich ihn so sehe... zu blöd wie das gestern gelaufen ist, ich hätte nichts dagegen mir das mal aus der Nähe anzusehen.
“Kommt das alles nur vom spielen?” Fragte ich mehr zu mir selbst. “Nach seinen Angaben ja. Er hat aber eine komplett eingerichtete Folterkammer zu Hause. Seine Eltern haben in Manacor in dem Haus den Wintergarten und die Dachterrasse geräumt dafür” ”Du scheinst dich da ja auszukennen” ”Das ist so wenn man TV Teams in die Wohnung lässt. Ich würde mir das aber auch lieber persönlich ansehen als nur übers fernsehen” Ich gab ihr die Kamera wieder und sagte nichts mehr dazu sonst lasse ich mich nur zu einer gemeinen Antwort hinreißen.

Schweigend liefen wir zurück zu den Stadien und gingen erst mal etwas Essen. Inzwischen war es fast Mittag und mein Magen meldete sich. Wie gut, dass man hier überall etwas Essen konnte. Rafa spielt ja erst heute Abend also hatten wir noch viel Zeit. Zwar haben wir keine Karten für das Spiel aber ich schätze ich werde Sara nicht eher hier wegbewegen können bis niemand mehr spielt. Es ging ja um die Atmosphäre hier, na ja und die Leinwand war um einiges größer als der Mini TV in der Pension. Ich fragte mich eben wie langweilig der Tag wohl noch werden würde, als mir ein Zettel in meiner Tasche auffiel. Der klemmte oben am Reißverschluss um genau zu sein.
Wo kam der her? Ich hatte nicht bemerkt, dass jemand in der Nähe meiner Tasche gewesen ist und ich lasse nie meine Tasche aus den Augen. Von mir war der Zettel jedenfalls nicht. Damit Sara nicht so neugierig wird, faltete ich den Zettel in meiner Tasche auseinander. Es stand nur ein einziges Wort darauf, perdó. Ich runzelte erstmal die Stirn und drehte ihn um. Überraschenderweise stand auch auf der Rückseite etwas in Handschrift geschrieben, a las tres 408.
Im nächsten Moment spürte ich wieder die gleiche Wut wie gestern Abend in mir aufsteigen. Ich suchte zum Schein nach einem Taschentuch und stellte meine Tasche dann wieder hin. Sara war noch mit ihrem Salat beschäftigt und merkte daher nicht das ich nachgrübelte. Glaubt er wirklich, dass er mich so leicht in sein Hotelzimmer locken kann? Am liebsten würde ich jetzt mit offenem Mund dasitzen und staunen. Fragt sich wer hier wen verfolgt. Er verfolgt mich doch und dann traut er sich noch mir vorzuwerfen das ich hinter ihm her wäre. Anscheinend hat er da wohl etwas nicht ganz mitbekommen. Und dann muss ich mir noch sagen lassen das ich dreist wäre! Der sollte sich mal an seine eigene Nase fassen. Das ist wirklich nicht zu fassen!
Eigentlich würde ich ihm schon mal gerne sagen was ich von dem ganzen halte. Es war ja jetzt auch egal, ich sehe ihn bald nicht mehr also muss ich auch keine Rücksicht mehr nehmen. Ok, ich würde also die Chance nutzen ihm mal meine Version des Geschehens darzulegen. Ich fühle mich zu unrecht beschuldigt und wenn er das nicht kapiert, ist es mir auch egal. Wahrscheinlich ist er schon so paranoid das er in jedem gleich was schlechtes vermutet. Das ganze stachelt mich nur dazu an mal so richtig Dampf abzulassen. Endlich kann ich mal den ganzen Frust rauslassen der sich angestaut hatte die letzten Tage weil ich von früh bis spät genervt wurde.

Das hieß auf der anderen Seite, ich muss mir mal wieder etwas aus den Fingern ziehen wie ich Sara loswerden kann. Wenn das so weiter geht, fällt mir bald nichts mehr ein an Ausreden. Über den Punkt wo ich ein schlechtes Gewissen habe war ich schon lange drüber hinaus, ich bereute gar nichts, noch nicht. Während ich noch überlegte wie ich mich am besten Abseilen kann ohne das es zu verdächtig wirkt, spielte mir ein Zufall in die Hände. Während wir über die Anlage schlenderten, tauchten zwei weitere Fans von Rafa wieder auf die vorhin beim Training neben Sara gestanden hatten. Die waren mit ihren spanischen Flaggen auch schon meilenweit entfernt zu identifizieren.
Wie sollte es auch anders sein, die hatten natürlich auch mehr als genug Bilder gemacht und die mussten die jetzt alle untereinander austauschen und natürlich musste alles ausführlich beredet werden. Ich kam mir vor wie ein Außenseiter, alle haben Bilder gemacht, abgesehen von mir natürlich. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber hier wird man schon schräg angesehen wenn man keine Bilder macht. Ruck zuck war eine Diskussion im Gange, bei der ich nicht so richtig mitreden konnte.
Mir war's nun wirklich egal ob Rafa gelb, blau oder pink mit Streifen und Punkten trägt während er spielt aber wie ich feststellte, führte das zu hitzigen Diskussionen unter seinen Anhängern. Irgendwie kann er es keinem recht machen, alle nörgeln ständig an seinen Outfits rum. Den einen passt die Farbe nicht, die nächsten jammern weil er plötzlich nicht mehr in diesen ärmellosen Shirts spielt, dann stört welche das Muster und so geht das noch ewig weiter. Kaum war die Diskussion um seine Outfits beendet, ging es weiter mit Porto Cristo und Manacor.
Dort waren anscheinend auch alle seine Fans, zwar konnte ich da direkt mal mit reden da ich zumindest die Orte kannte nur wusste ich auch nicht wie viele Häuser Rafa nun wo hat. Ich wusste nur von dem in Porto Cristo das es definitiv Rafa gehört und das er dort wohnt aber ich wollte niemanden auf dumme Gedanken bringen und sagte nichts davon. Meinetwegen sollen eben alle glauben das er bei seinen Eltern in Manacor wohnt. Kann ja sein seine Fans pilgern dann alle dort hin und ich bin schuld daran. Das war die Gelegenheit für mich! Ich sagte ich würde mich derweil noch ein bisschen hier auf der Anlage umsehen und verschwand dann. Sara wollte erst mitkommen aber ich sagte ihr sie soll ruhig in Ruhe noch alle Bilder zu Ende ansehen, ich würde schon alleine klarkommen. Mit Sicherheit würden sie noch stundenlang über Rafa reden also kann ich mich entspannen. Wir machten also aus das wir uns anrufen wenn wir uns wieder treffen wollen und damit war die Sache für mich erledigt.

Ich sah kurz auf die Uhr während ich zum Ausgang lief aber nicht der wo die Besucher liefen sondern der den die Spieler und andere Mitarbeiter hier nutzten. Vielleicht nutzt mir ja die ID Karte, die Rafa mir gestern gegeben hat, noch etwas. Dort stand kein Datum drauf also gehe ich mal davon aus das die für die Dauer von dem Turnier gilt. Es gab ja einen Shuttle-Service zwischen dem offiziellen Hotel der Spieler und der Anlage hier. Ich lief also zu einem Auto und fragte nett nach ob ich mit der Karte berechtigt bin den Shuttle zu nutzen. Zu meinem Erstaunen ging das wirklich und ich kam bequem zu dem Hotel wo Rafa logiert. Zwar hatte ich es nicht bis um drei geschafft aber 15 Minuten später waren vielleicht noch im Rahmen.
Kann ich ja auch nicht ändern, dass hier so viele Leute überall sind und ich ewig auf den Lift warten musste. Kaum das ich in der vierten Etage den Lift verließ, spürte ich wieder diese Nervosität. Was mich erwartet wusste ich ja nicht, entweder er will sich entschuldigen oder er will noch mal nachlegen und sich so eine weitere Ohrfeige oder schlimmeres einhandeln. Ich habe sicher keine Hemmung noch mal handgreiflich zu werden wenn er es übertreibt. Es tut mir ja auch leid, ein bisschen schäme ich mich für das was ich gestern getan hatte. Stolz bin ich sicher nicht darauf auch wenn es sicher nicht viele Leute gibt die von sich behaupten können das sie Rafael Nadal geohrfeigt haben. Auf der anderen Seite hat er es verdient, zumindest hatte ich angemessen reagiert.

Kurz sammelte ich mich noch mal als ich endlich vor dem richtigen Zimmer stand bevor ich all meinen Mut zusammen nahm und zweimal klingelte. Ein paar Sekunden später ging die Tür erst einen Spalt auf und im nächsten Augenblick etwas weiter. Ich sah kurz an ihm nach unten, hätte ich mich doch vorhin in die Diskussion über die Farben seiner Outfits einmischen sollen? Jetzt hatte er kurze weiße Hosen an und oben ein Shirt in lila!
Wenn ich so überlege, könnte das gleiche sein was er damals in Porto Cristo an hatte. Seltsamerweise stand es ihm auch noch, in normalen Farben wie weiss oder schwarz sah er direkt langweilig aus aber pink und lila hat echt was. Dagegen war ich ja spießig mit meinen beigen Hosen und dem gelben Top. Sara meinte immer es würde aussehen als wenn ich auf Safari gehen will, nur der Strohhut fehlt noch. “Hola” Sagte ich dann da ich ja irgendwas sagen musste.
“Hi Amaia” Kam es mir kurz mit einem flüchtigen Lächeln entgegen. Ich lief an ihm vorbei ins Zimmer und blieb dann stehen, vielleicht dauert es ja auch nicht lange und ich kann gleich wieder gehen. Mir fiel es sowieso schwer, ihn nicht gleich hysterisch anzuschreien da ich kurz davor war wieder auf 180 zu sein. “Du kannst dich ruhig setzen. Willst du was trinken?” ”Keinen Rotwein” Antwortete ich trocken und blieb demonstrativ stehen. Er sagte zwar nichts, dennoch war mir nicht entgangen das er mit den Augen rollte bevor er sich umdrehte und zur Minibar ging. “Wasser?” Ich setzte mich dann doch auf die Couch und machte es mir bequem. “Sí”

Ein paar Sekunden später saß Rafa neben mir, mit genügend Sicherheitsabstand natürlich. Kurz musste ich an Sara denken, die ist bestimmt eben total begeistert über die Bilder. Während sie davon träumt Rafa zu treffen, wird mir die Ehre zuteil auch wenn es mir nicht ganz geheuer war. Ich trank einen Schluck Wasser und sah ihn dann an. Freundlicherweise würde ich ihm den Anfang überlassen. War er nervös oder bilde ich es mir ein? Ich kenne ihn zwar nicht aber das ist bei allen Menschen gleich, er spielte so verräterisch mit seinen Fingern. “Du fragst dich sicher warum ich dich hier her gebeten habe” ”Sí und woher der Zettel kommt interessiert mich auch” ”Den hat mein Physio in deine Tasche geschmuggelt als ich an dir vorbeigelaufen bin. Da waren so viele Menschen das es nicht auffiel”
Ich nickte erstmal nur und hatte irgendwie Spaß dabei zu sehen wie er nach den richtigen Worten sucht. Er ist eben ganz und gar nicht mehr so selbstsicher wie wenn er eine Pressekonferenz nach einem Spiel gibt. Er sah dann kurz von mir weg und holte Luft. “Also ich wollte eigentlich nur noch mal sagen, dass es mir wirklich leid tut was ich gestern gesagt habe. Ich hätte es verstehen können wenn du gar nicht hier her gekommen wärst. Ich weiss nicht wie es dazu kommen konnte, es kam nur irgendwie alles zusammen und dann ist mir das rausgerutscht. Mir ist klar das ich überreagiert habe, ich war nur ein wenig überrascht und wusste nicht damit umzugehen” Ich sah ihn erst mal nur an. War es ihm etwa wirklich ernst mit der Entschuldigung? Es hatte was wenn er die Seite von sich zeigt, die man in der Öffentlichkeit nicht sieht.
Erst dachte ich er macht mir etwas vor aber irgendwas sagte mir das er es wirklich so meint wie er es sagt, lag es an seinem Blick? Meine ganze Wut und Aggression war plötzlich verschwunden. Shit, er würde es wieder schaffen mich einzuwickeln! Jetzt war wohl der Moment wo ich mich auch mal entschuldigen konnte auch wenn ich es nur teilweise bereute. “Ich ähm, mir tut es auch leid auch wenn es dafür keine Entschuldigung gibt. Es ist mir wirklich peinlich was ich getan habe und das du mich rausgeschmissen hast war die logische Konsequenz.. Bei mir brannte da nur eine Sicherung durch in dem Moment” Ich sah wie er nach Luft schnappte und mich dann wieder ernst ansah. ”War vielleicht nötig. Mir wurde erst danach klar was ich kurz zuvor gesagt hatte. Im nachhinein schockiert es mich selbst, ich verliere normalerweise nicht so extrem die Fassung” Ich lehnte mich etwas weiter zu ihm, damit ich sein Gesicht besser sehen konnte.
“Zum Glück sieht man nichts mehr” Für mich überraschend zog er daraufhin ein Lächeln, dass beruhigte mich schon mal etwas. ”Sonst hätte ich mir was ausdenken müssen. Wenn mein Onkel erfahren hätte, dass mich eine Frau geohrfeigt hat, hätte der sich todgelacht” Mein Plan die ganz Coole zu spielen ging nicht auf, Rafa schafft es irgendwie immer mich zum lächeln zu bringen. “Ich kann ja das nächste mal mehr ausholen” Sein Lächeln wurde auch langsam breiter, dass gefiel mir schon viel besser! Er nahm es wohl mit Humor, dass beruhigt mein schlechtes Gewissen etwas. “Gracias, ich verzichte. Jahrelang übe ich schnellstmöglich zu reagieren und dann so was. Ich gebe zu das ich nicht damit gerechnet hatte das du so reagierst” ”Das konnte ich mir nicht bieten lassen” ”Es lag an mir, ich gebe es ja zu. Du hast ja nur nach Karten gefragt”
Ich schluckte und wurde wieder ernst. ”Es sollte nicht so rüberkommen das ich nur hier bin um an Karten zu kommen. Das war nur eine spontane Idee gewesen. Wir fahren sowieso am Sonntag nach Hause und könnten nicht warten bis das Finale zu Ende ist. Ich würde das alles nicht machen nur um an irgendwelche Karten zu kommen. Wenn das bei dir so angekommen ist tut es mir leid. Es ist nicht meine Absicht dich als Sprungbrett zu nutzen um dann bei Wimbledon in der ersten Reihe sitzen zu können” Im nächsten Moment wurden wir von der Klingel an der Tür gestört. Rafa sah zur Tür und dann wieder zu mir. “Soll ich mich jetzt im Bad verstecken?” Fragte ich und musste dabei kichern. Er sagte keinen Ton aber sein Gesichtsausdruck deutete an, dass ich genau das tun soll. Da wir nicht die Zeit hatten lange zu diskutieren, stand ich auf und verschwand im Bad.

Das war ja echt nicht zu fassen! Jetzt sitze ich hier auf dem Wannenrand und warte, bis die Luft wieder sauber ist. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen... Langsam frage ich mich warum er es um jeden Preis vermeiden will, dass sein Onkel oder jemand anderes von seinem Team mich sieht. So extrem daneben würde ich mich nun auch nicht benehmen das er Angst haben muss mit mir gesehen zu werden. Besonders charmant war das ganze nicht aber es waren ja auch besondere Umstände. Wer uns jetzt gestört hatte, wusste ich auch nicht.
Die Tür zum Zimmer war einen Spalt offen, ich hörte zwar Stimmen aber ich verstand nichts. Mallorquí oder Catalan hat mit dem normalen Spanisch nichts gemeinsam, ich verstand höchstens zwei Worte wenn es hoch kam. Nach ein paar Minuten hörte ich die Tür auf und zu gehen. Kann ich mich jetzt endlich wieder aus dem Bad trauen? Kurz darauf war noch eine weitere männliche Stimme zu hören. Meine Hoffnungen das ich hier raus komme wurden jäh zerstört.
Oh man, wird das hier eine Versammlung oder was? Anscheinend gab es öfters spontane meetings in seinem Zimmer da jemand freundlicherweise den Hocker der eigentlich im Bad war ins Zimmer geschafft hatte. So kam es auch das ich es mir auf dem Rand der Wanne bequem machen darf. Vielleicht sollte ich ja eine Runde planschen, mir doch egal was die denken wenn jemand rein kommt.

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