Lange dauerte es auch nicht bis Sara mich so verdächtig ansah. Sie riecht Lunte, ich kann es ihr schon ansehen! Ihr kann ich nun mal schlecht etwas vormachen. „Was ist los?“ Fragte sie dann und ich werde das Gefühl nicht los das sie nicht mehr locker lässt bis ich alles erzählt habe. Ich überlegte kurz ob ich es ihr sage oder nicht. „Warum?“ Fragte ich erst mal. „Weil ich dich kenne, wenn du dich so verhältst ist immer etwas“ Ja, sie hatte ja Recht. Ich war nervös und spielte die ganze Zeit verräterisch mit den Fingern. „Maymó hat heute früh hier angerufen“
Im nächsten Augenblick wurde ihr Gesicht immer besser, ihre Augen wurden immer größer. „Was?“ Fragte sie etwas schockiert. „Ja, das war auch mein erster Gedanke!“ “Was will der denn von dir?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. Es war auch absurd alles! “Ich soll nach Monte Carlo kommen weil er glaubt das ich einen guten Einfluss auf Rafa habe“ Sie schien gar nichts zu verstehen, dass hatte ich schon erwartet. „Und wieso sollst du dahin kommen? Ich meine, was sollst du machen?“ “Weiß ich auch nicht genau weil er nicht damit rausrücken wollte aber Rafa nervt offensichtlich alle. Anders formuliert ist es ihm wohl doch nicht egal was ich mache. Maymó meinte das Rafa nicht weiß, dass er mich angerufen hat weil er ausflippen würde. Ich weiß das Rafa unbequem werden kann wenn er nicht sein gewohntes Umfeld hat und alles zu viel wird oder wenn es nicht so läuft wie er sich das vorstellt“
Sie schüttelte mit dem Kopf und sagte eine Weile nichts. „Und was hast du ihm geantwortet?“ “Das es mir egal ist“ Sie kaute etwas betreten auf ihrer Unterlippe und schnappte dann nach Luft. „Du solltest ihn nicht anlügen“ Ich rollte genervt mit den Augen und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. „Das ist endgültig vorbei, Nadal braucht nicht denken das ich ihm nachlaufe. Ich lasse mich sicher nicht nochmal auf ihn ein, dass muss ich echt nicht nochmal haben“ Sie sah mich an wie ein angeschossenes Reh und zuckte hilflos mit den Schultern. „Einerseits kann ich dich verstehen aber auf der anderen Seite nicht. Ich kenne sehr viele Leute die nur zu gerne an deiner Stelle werden“ “Meinst du die Fans oder wie? Die haben alle keine Ahnung, nicht mal ansatzweise, du kannst ihn geschenkt haben wenn du willst“ Sie zog kurz ein breites Lächeln, welches aber gleich wieder verschwand. „Da würde ich sofort ja sagen aber es würde mir wahrscheinlich nichts nutzen da es ja so scheint als wenn er dich will“ Ich wurde wieder nachdenklich aber meine Entscheidung stand fest. „Man will so manches“
Die Stimmung wurde leicht drückend in den nächsten Augenblicken. „Willst du das wirklich nicht? Ich meine, ich glaube nicht, dass er dir egal ist“ Warum lässt sie nicht locker? Das bringt doch sowieso alles nichts. “Das behaupte ich ja auch nicht. Ich habe aber keine Lust das es nochmal soweit kommt. Auf die Dauer halten meine Nerven das hin und her nicht aus. Ich lasse mich auf ihn ein und als Dank serviert er mich ab bei der ersten Gelegenheit. Da drängt sich mir die Frage auf in wieweit er das wirklich ernst gemeint hat was er vorher alles gesagt hat“ “Zwar kenne ich ihn nicht aber ich glaube kaum das er sagen würde das er dich liebt obwohl er es gar nicht so meint. Ich meine, die Leute sagen viel wenn der Tag lang ist aber doch nicht sowas!“
Was bezweckt sie eigentlich? Sie will mich ja doch nur wieder mit ihm verkuppeln. Ich hasse das wenn alle sich einmischen und ihren Senf dazu geben müssen. „Wie auch immer, es ist zu spät“ “Zu spät ist es nie. Ich weiß, dass es dir nicht passt wenn alle schlaue Ratschläge geben aber ich sage das nicht weil ich dich ärgern will. Ich werde nur das Gefühl nicht los das du nicht fertig bist mit dem Ganzen. Das du sauer auf ihn bist kann ich verstehen, das war wirklich nicht besonders intelligent was er da gesagt hat aber wenn keiner nachgibt, wird es wirklich nichts mehr“ “Warum ich?“ “Ich fahre auch hin aber ich bezweifle, dass Rafa das irgendwie kümmert wenn ich da auftauche. Der oder in diesem Fall die Klügere gibt nach“ Meinte sie mit einem frechen Grinsen.
„Und falls du einen Grund brauchst, sehe dir Gypsy an“ Meinte sie gleich hinterher. Oh Gott, jetzt geht das wieder los! Ich hatte ihr Mal erzählt das ich das Video noch nicht gesehen habe und sie versucht jetzt bei jeder Gelegenheit mich zu überzeugen. „Ich brauche kein Musikvideo um mir darüber klarzuwerden was ich will“ “Trotzdem solltest du das mal ansehen. Abgesehen vom Ende ist es wirklich gut. Ok, es wirkt stellenweise etwas hölzern aber er ist eben kein George Clooney. Ich finde den Kuss am Ende auch überflüssig, das sieht so gestellt aus das es besser gewesen wäre das wegzulassen aber es ist eben so“ Jetzt wusste ich gar nicht mehr was ich machen soll!
Vor ein paar Stunden war ich mir noch sicher, dass ich mich nicht von Maymó einwickeln lasse aber wenn Sara jetzt auch noch so anfängt… „Ich will es nur deshalb nicht weil ich nicht will, dass er nochmal sowas macht. Je mehr ich mich auf ihn einlasse umso mehr Schaden kann er anrichten und die ersten Tage nach Barcelona waren echt nicht schön. Manchmal denke ich, dass ich mich selbst vor ihm schützen muss. Ich habe damals nur gesagt das ich ein bisschen nachdenken will und der denkt gleich das ich ihn nicht mehr sehen will und macht Schluss. Anscheinend merkt er gar nicht was er anrichtet“ “Typisch Mann! Kennste einen, kennste alle. Wenn ich’s mir recht überlege, will ich ihn doch nicht geschenkt haben“ Kam es dann mit einem dramatischen Augenrollen. Obwohl die Stimmung angespannt war, musste ich lachen. Sie trifft den Nagel auf den Kopf.
„Wenn ich hinfahre, wickelt er mich sowieso wieder ein, dass weiß ich jetzt schon“ “Kann sein aber sieh es doch mal von einer anderen Seite. Zu verlieren hast du doch nichts. Bis jetzt habt ihr doch nicht darüber geredet und es wäre doch eine gute Gelegenheit. Wenn er dir blöd kommt, kannst du ihn doch abblitzen lassen und du müsstest dir selbst später nicht vorwerfen es nicht versucht zu haben. Ich meine wenn er wirklich so verbohrt ist, kann man es dann auch nicht ändern aber wenn du es nicht versuchst wird sich auch nichts ändern“ Ich hasse es wenn sie Recht hat! Es klingt ja auch alles logisch was sie sagt aber in Liebesdingen gibt es keine Logik, da herrschen eigene Gesetze. Und wie blöd würde ich mir denn vorkommen wenn ich hinfahre und er mich dann vielleicht gar nicht sehen will? Das Risiko ist mir zu hoch, ich bin nicht scharf darauf mir noch eine Abfuhr einzuhandeln. Auf der anderen Seite hat Sara Recht, zu verlieren habe ich nichts und ich könnte ihm mal meine Meinung geigen.
Monte Carlo – April 2010
Welcher Teufel mich geritten hat weiß ich auch nicht aber Sara hatte es tatsächlich geschafft mich breitzuschlagen. Maymó tat sein Übriges, er gab sich wirklich Mühe am Telefon mir das ganze schmackhaft zu machen auch wenn er nicht weiß wie Rafa auf mich reagiert. Vielleicht geht es auch alles total nach hinten los und Rafa will mich gar nicht sehen. Dann hat Maymó aber ein richtiges Problem. Zu große Erwartungen hatte ich auch nicht da ich skeptisch bin ob der Plan aufgehen wird. In der Haut von Rafa möchte ich auch nicht stecken, er ahnt ja nichts Schlimmes.
Auf sein Gesicht wenn er mich sieht bin ich schon gespannt. Selbst als ich in Monte Carlo ankam, kam es mir noch total unwirklich vor alles. Flughafen gibt es keinen in der Nähe also flog ich nach Nizza und dann ging es mit dem Auto weiter, sind ja nur ein paar Kilometer nach Monte Carlo. Kümmern musste ich mich um nichts, es gibt ja immer einen Shuttle Service bei den Turnieren und der holt mich ab und bringt mich direkt zum Hotel. In Monte Carlo war ich schon mal Urlaub machen aber das ist ein paar Jahre her und ich fahre ja nicht hin um Urlaub zu machen wobei ich dort gerne mal länger bleiben würde. Tennis gucken könnte ich auch, dass Turnier läuft ja noch dieses Wochenende. Morgen am Samstag spielt Rafa das Halbfinale und am Sonntag dann das Finale, falls er bis dahin kommt. Hoffentlich schnappt er nicht über wenn er mich sieht und fliegt aus dem Turnier.
Ich bin jetzt auch hier weil ich nur wenige Tage zum Überlegen hatte. Lange grübeln konnte ich also nicht und es kann ja nur schief gehen. Es ist exakt vier Tage her als Maymó das erste Mal bei mir anrief. Der machte sicher gedanklich Luftsprünge als ich ihm sagte, dass ich es mir doch anders überlegt hatte. Er kann sich bei Sara bedanken, die es wohl zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hatte mich davon zu überzeugen doch hier her zu fahren. Die hängt doch nur emotional an Rafa und will nicht auf neuen Klatsch verzichten.
Der Ernst der Lage wurde mir erst klar als der Shuttle vor dem Hotel hielt und ich schon sah das Maymó wohl auf mich wartete. Es war schon abends, da ich erst losfliegen konnte als ich mit arbeiten fertig war und die Spiele für heute sind alle schon vorbei. Die Spieler sind sicher alle längst in dem Hotel vor dem ich gerade stehe. Es ist nicht zu fassen, dass ich jetzt wirklich hier bin, ich staunte über mich selbst. Richtig nervös nahm ich meinen Koffer und blieb dann vor ihm stehen.
„Hi“ Sagte ich nur. Er scheint sich wirklich zu freuen, dass ich hier bin, hoffentlich ist Rafa auch der Ansicht. „Hi, ich freue mich das du hier bist auch wenn ich erst dachte, dass das nie passieren wird“ “Hoffen wir das du nicht der Einzige bist der sich freut mich zu sehen“ “Ich glaube nicht, zumindest hoffe ich es. Rafa ahnt zwar nichts aber ich kann mir nicht vorstellen das er sich nicht freut“ “Er ahnt also gar nichts?“ “No, er ist mit Tennis beschäftigt. Wir sind ja hier auch nicht in Deutschland wo er damit rechnen könnte das du doch auftauchst“ “Ich habe ehrlich gesagt kein gutes Gefühl bei der Sache, wir überrumpeln ihn total“ “Das ist Absicht weil der sonst nie einlenkt wenn man ihn nicht dazu zwingt“ Ich konnte nur nervös lächeln und hoffte das er Recht hat. Klar stimmt es das man Rafa zwingen muss aber das ist vielleicht zu viel des Guten.
„Wenn man es von der Seite aus betrachtet hast du Recht. Der ist manchmal so bockig wie ein Kleinkind dem man Spielzeug wegnimmt“ Er sah mich etwas überrascht an aber es stimmt doch! „Ich frage mich woher das kommt“ “Das sind die Probleme wenn man mit Anfang Zwanzig Millionär ist“
Wir liefen ins Hotel und fuhren nach Oben. Einchecken musste ich nicht, dass war alles schon erledigt. Zumindest hatte ich ein eigenes Zimmer, für alle Fälle. Toni ahnt auch nichts wie sich dann rausstellte, nur Carlos Costa ist eingeweiht. Maymó hielt es für keine gute Idee wenn ich Rafa heute Abend noch überfalle also sollte ich im Zimmer bleiben. Gut, dass fand ich einleuchtend. Ist vielleicht auch besser für mich wenn ich erstmal meine Ruhe habe. Da bin ich ja gespannt wie Maymó das Einfädeln will.
Morgen Nachmittag um zwei spielt Rafa das Halbfinale und danach soll er noch trainieren. Entweder ich überfalle ihn vorher und riskiere, dass das Halbfinale schief geht oder ich mache es danach aber dann ist ja noch das Finale. So sehr wird es Rafa schon nicht schockieren mich zu sehen. So hatte ich Zeit die Aussicht vom Balkon aus zu genießen. Hätte Maymó nicht eher anrufen können? Ich fühlte mich gleich wie im Urlaub, zu schade das ich nur zwei Tage hier bleiben werde. Es ist viel zu schön für einen Kurztrip.
Schlafen konnte ich natürlich nicht, kaum zu glauben das Rafa nur ein paar Zimmer weiter ist. Ich hätte ihn schon gerne heute noch gesehen. Inzwischen freute ich mich schon ein bisschen ihn zu sehen. Nach einer unruhigen Nacht stand ich schon relativ früh am nächsten Morgen wieder auf. Es könnte zu schön sein, ich ging auf den Balkon und genoss den Blick über das glitzernde Mittelmeer. Hier könnte ich es auch länger aushalten. Das Frühstück genoss ich auf dem Balkon von meinem Zimmer. Rafa isst zwar auch immer in seinem Zimmer aber man kann ja nicht wissen. Wer weiß was heute alles so passiert.
Mir kommt es so vor als wenn immer irgendwo ein Problem ist. Entweder Sara macht Stress oder Rafa. Das wird langsam nervig, dass immer jemand wegen sinnlosen Dingen sauer auf mich ist. Es klopfte an der Tür also stand ich auf und lief hin. Nach einem kurzen Blick durch den Spion öffnete ich die Tür. „Hi“ “Bon dia“ Kam es mir entgegen während Maymó an mir vorbei ins Zimmer lief. Er folgte mir auf den Balkon und setzte sich mit an den Tisch. „Wie stellst du dir das jetzt vor?“ Fragte ich aus reiner Neugierde während ich an meinem Kaffee nippte. Soll ich zu dem Spiel gehen und Rafa so den Schock seines Lebens bekommen? „Na ja, ich dachte das ich ihn unter einem Vorwand hier her locke“ Das wird ja immer schöner, es ist wie in einem schlechten Film.
“Soll ich mich im Bad verstecken damit er mich nicht gleich sieht und du willst dann von außen die Tür verriegeln? Vielleicht springt er ja vom Balkon wenn er mich sieht“ Meinte ich mit einem Augenrollen. Er geht eindeutig zu verbissen an die Sache. Was wenn es schief geht oder hat er dafür auch noch einen Plan? “Quatsch! Hast du eine bessere Idee? Ich meine es muss ja nicht auf der Tennisanlage sein, da ist er zu abgelenkt“ Ich gab dann auf, was Besseres fiel mir so schnell auch nicht ein. “Von mir aus schicke ihn rüber. Wenn du länger als eine Stunde kein Lebenszeichen hörst kannst du ja mal an der Tür klopfen“ “Spätestens kurz vor 12 muss er sowieso los zur Anlage“ “Ok“
Er verschwand also wieder und Costa wird Rafa gleich zu einem erfundenen Interview hier her schicken. Rafa wird es nicht gut finden wenn sein Manager auch noch versucht sein Privatleben zu managen aber auf mich hört ja niemand. Die sind ja echt erfinderisch alle, dass kann einem Angst machen. Angst hatte ich auch und zwar vor der Reaktion von Rafa. So nervös und aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Bestimmt bekomme ich vor Schreck kein Wort raus wenn Rafa vor mir steht.
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