„Amaia“ Rief da irgendwer nach mir? „Hey!“ Ich spürte ein rütteln an meiner Schulter und schlug mühsam meine Augen wieder auf. Rafa sah mich leicht besorgt an auch wenn ich nicht weiß warum. „Mhh?“ Fragte ich leise. „Ich dachte schon du bist ohnmächtig oder sowas“ Ich zog ein breites Lächeln und legte meine Arme um seinen Hals. „No, ich relaxe nur ein bisschen“ Das war noch untertrieben, ich war total entspannt und fühlte mich als könnte ich Bäume ausreißen.
Rafa legte seinen Kopf wieder an meine Schulter und blieb an mir liegen. Ich dachte ein bisschen nach während ich mit einer Hand langsam durch seine Haare fuhr. Das ist alles ein bisschen zu viel des Guten. Manchmal kommt es mir so vor als hätte ich das alles gar nicht verdient. Leider musste ich daran denken, dass es nicht ewig so weiter geht. Irgendwann bin ich wieder zu Hause und Rafa wochenlang unterwegs. Darauf habe ich gar keine Lust, ich vermisse ihn schon wenn ich nur daran denke. Mit telefonieren ist das auch nicht das Wahre, mir fehlt dann trotzdem die Nähe zu ihm. Wenn ich so darüber nachdenke… ich bin höchstwahrscheinlich doch krank nächste Woche. Ich mache das schon passend wenn ich zum Arzt muss und übertreibe einfach ein wenig.
Wenn er mir schon anbietet nach Barcelona zu kommen, kann ich nicht ablehnen. Kurz schoss mir der Gedanke durch den Kopf das ich so auch ein Auge auf ihn haben kann. Es ist natürlich nicht meine Absicht ihn zu kontrollieren oder ihm nachzuschnüffeln. Ich kriege aber nie ganz aus dem Hinterkopf, dass tausende Frauen es auf ihn abgesehen haben. Grund zum Misstrauen gibt er mir ja nicht, eher im Gegenteil. Ich vertraue ihm blind und kann mir nicht vorstellen, dass er Dummheiten macht. „Wie lange bist du eigentlich genau in Barcelona?“ Fragte ich dann leise.
Ein paar Sekunden wartete ich aber es kam keine Reaktion. Etwas skeptisch hob ich meinen Kopf etwas und musste dann verlegen lächeln. Er lag total entspannt mit geschlossenen Augen an mir, an den Anblick könnte ich mich gewöhnen. „Schläfst du schon?“ Fragte ich leise aber es kam wieder keine Reaktion. Na schön, er schläft anscheinend wirklich also wollte ich ihn nicht wieder wecken und machte es mir auch bequem und schloss meine Augen.
Geweckt wurde ich durch etwas an meinem Rücken. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde bis mir klar war wer das ist. Ich war noch total müde und drehte mich auf den Bauch. Rafa ließ aber nicht locker, er strich meine Haare bei Seite und küsste sich langsam meinen Nacken nach oben. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich konnte dann nicht anders und musste kichern weil es kitzelte. Meine Müdigkeit war blitzartig verflogen, so fängt der Tag doch gut an!
Ich blieb liegen und ließ ihn einfach weitermachen. „Das kannst du den ganzen Tag machen“ Murmelte ich leise. „Wolltest du nicht mal nach Palma?“ Wenn er das so in mein Ohr flüstert, komme ich nur auf dumme Gedanken. “Mhh“ Machte ich nur. „Wie wär’s mit heute?“ “Da muss ich ja aufstehen“ “Wir können ja noch liegen bleiben wenn es dich glücklich macht“ Oh ja, das klang gut! „Bist ein Schatz“ Sagte ich leise mit geschlossenen Augen und zog ein Lächeln.
Er küsste mich wieder kurz auf den Nacken und machte es sich dann bequem neben mir. „Ich weiß“ Kam es plötzlich noch. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber wir blieben tatsächlich noch eine Weile liegen.
Die Idee mit Palma war gut, ich kann immer irgendwas gebrauchen und da ich nicht fahren kann blieb Rafa gar keine andere Wahl als mitzukommen. Ich dachte daran wie der letzte Shoppingtrip nach Palma sein Ende fand. Das war der Tag im September an dem ich überstürzt zurückgeflogen bin.
Es war direkt erschreckend, dass Rafa wirklich Zeit hatte. Ich hätte nie gedacht, dass er fast eine Woche lang nicht viel macht. Er trainiert zwar trotzdem aber lange nicht so intensiv wie normalerweise. Mir kam es sehr gelegen auch wenn ich ihn gerne spielen sehe. Ich konnte nicht mal so richtig gefrustet sein als ich wieder nach Hause musste, weil ich ihn höchstens zwei Tage nicht sehe bis es nach Barcelona geht. Es lohnte sich gar nicht das ich erst nach Deutschland fliege aber ich musste ja zum Arzt und es war einfacher als ich dachte den Krankenschein zu bekommen. Wahrscheinlich hätte der Arzt mich auch krankgeschrieben wenn ich zu Hause wäre.
Das ging alles zu einfach aber mich stört es nicht. Ich war schon gespannt auf Barcelona oder besser gesagt darauf was Rafa dort macht. Nach ein paar Tagen hin und her spielt er nun also doch in dem Shakira Video mit. Ich wusste gleich das er es macht, jetzt bin ich auf die Umsetzung gespannt.
Barcelona - Februar 2010
Ich konnte es nicht wirklich fassen als ich zwei Tage nachdem ich von Mallorca zurück war schon wieder zum Flughafen fuhr. Langsam bekomme ich eine Ahnung wie man sich als Vielflieger fühlt. Schade ist nur das der Flug erst Abends geht und ich erst am späten Abend ankomme aber besser als gar nicht. Rafa wird mich nicht vermissen, er ist schon seit gestern in Barcelona und geht heute Abend mit Shakira Essen.
Ich sollte eigentlich dabei sein aber dann tauchte das Problem mit den Flugzeiten auf. Was soll’s, ich werde auch später erfahren was da los war. Ich würde sie ja schon gerne mal kennenlernen, ich hoffe das klappt noch in den nächsten Tagen. Es wird ja kein romantisches Dinner, da ist jeweils jemand vom Management mit dabei und auch von der Produktionsfirma die das Video drehen. Ich bin gespannt, was da auf Rafa zukommt. Er hat jetzt zugesagt also kann er am Konzept nichts mehr ändern, er kann nur noch Feinheiten ändern wenn ihm etwas nicht passt.
Natürlich hatte ich gehofft das es doch schneller gehen könnte aber es dauerte scheinbar endlos bis mein Koffer kam und dann schien das Hotel am anderen Ende der Stadt zu sein. Exakt um 21:46 Uhr stieg ich vor dem Hotel aus dem Taxi. Na endlich! Ich wusste die Zeit nur so genau weil ich auf meine Uhr sah. Anmelden musste ich mich nicht da Rafa ja schon hier ist also lief ich direkt zum Lift und fuhr nach oben. Hoffentlich ist Rafa auch da, sonst muss ich doch an die Rezeption gehen einen Schlüssel für das Zimmer holen. Ich sammelte mich kurz und holte tief Luft als ich vor der richtigen Tür stand. Etwas nervös klopfte ich an der Tür.
Ich hatte keinen Grund nervös zu sein, ich freute mich einfach Rafa gleich zu sehen. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und ein braunes Auge beobachtete mich. „Hola“ Sagte ich breit grinsend und legte meinen Kopf schief. Er öffnete die Tür weiter und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. „Hi, ich dachte schon du kommst erst morgen hier an“ Ich lief an ihm vorbei und stellte meinen Koffer ab. „Quatsch, ich lasse mir doch nicht die Nacht mit dir entgehen und sage jetzt nicht das du das öfters hörst!“ Er machte die Tür zu und schüttelte mit dem Kopf. „Davon träumen vielleicht welche aber ganz so dreist sind die Fans dann doch nicht“ Da er an der Tür stehen blieb, lief ich näher zu ihm. „Was würdest du machen bei einem derart direkten Angebot?“ “Dankend ablehnen. Du kannst es dir vielleicht nicht vorstellen aber so extrem dreist war noch niemand zu mir weil die meisten sich das gar nicht trauen würden“
Wäre ja auch noch schöner wenn seine Fans so weit gehen würden. Ich machte einen Schritt näher auf ihn zu und umarmte ihn. „Wie war es beim Arzt?“ Er musste ja heute noch mal zum Arzt wegen der Knieverletzung und bisher wusste ich nicht was dabei rausgekommen ist. Hoffentlich nichts schlechtes! „Es ist noch nicht ganz verheilt aber ich kann ab nächster Woche wieder trainieren“ “Bleibt es dabei das du Dubai und Davis Cup nicht spielst?“ “So wie es jetzt aussieht schon“ “Gut, ich dachte schon du hast ewig frei“ “Du bist doch nur neidisch!“ Ich musste lachen und küsste ihn kurz. „Das ist Quatsch!“ “Sagen dann alle“ Meinte er nur mit einem breiten Grinsen.
Ich löste mich von ihm und sah auf meinen Koffer. „Ich packe mal ein bisschen was aus“ “Mhh“ Da er mit den Händen in den Hosentaschen stehenblieb und mir nachsah, lief ich ins Bad. „Schicker Verband“ Ich musste wieder lachen und sah zur Tür, wo Rafa stand. Tja, ich hatte einen anderen Verband bekommen der nicht ganz so gefährlich aussieht. „Finde ich auch! Wie war es denn mit Shakira?“ Das interessierte mich brennend aber ich wollte ihn nicht gleich damit überfallen vorhin. Ich kam mir auch komisch vor so zu fragen, es hört sich irgendwie an als wenn ich sie persönlich kennen würde. Es ist ja nicht so das ich ihm was unterstellen will aber ich hätte sie auch gerne gesehen.
„Schön und es wäre sicher entspannter gewesen wenn nicht noch so viele Leute dabei gewesen wären“ “Das heißt du wärst lieber mit ihr alleine?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und wusste gerade nicht wie ich das deuten soll. „Nicht so wie du denkst! Ich meine nur die Leute um die Stars rum sind meistens schlimmer als die Betreffenden selbst“ “Was musst du morgen machen? Sollst du dich ölverschmiert mit ihr im Schlamm wälzen?“ Das war natürlich ein Scherz von mir, ich dachte nur an ihre früheren Videos und musste mir ein Lachen verkneifen. Die Vorstellung hatte wirklich was! Rafa fand es wohl nicht so lustig, sein breites grinsen verschwand nach und nach.
„Kannst du Gedanken lesen?“ Fragte er etwas verunsichert und lehnte sich an den Türrahmen. Jetzt wurde ich aber so langsam skeptisch, wieso reagiert er so ernst darauf? Es war doch eindeutig das ich das nicht ernst meinte oder nicht? „No, das war ein Witz!“ Sagte ich dann um die Stimmung zu retten und lief näher zu ihm. Er schien mir ziemlich nervös zu sein und ich habe keinen Schimmer warum. „Was ist?“ Fragte ich leise und nahm seine Hand in meine während ich ihn gespannt ansah. „Na ja, ich soll so tun als wäre ich mit ihr zusammen“ Mein Gesicht wurde immer verwirrter. Ich wusste es! „Das heißt du sollst dich ausziehen oder wie?“ Noch fand ich das komisch.
Es klang surreal im Moment, dass will ich erst sehen! “Auch aber das ist nicht der Punkt. Ich meine es gibt sowieso nicht mehr zu sehen als wenn ich mich bei einem Spiel umziehe und da sind noch viel mehr Zuschauer“ Irgendwie konnte ich ihm nicht ganz folgen. „Und weiter?“ Fragte ich neugierig. Rafa sah auf den Boden und schien tief Luft zu holen. „Es ist am Ende eine Kussszene geplant“ Ein paar Sekunden musste ich das sacken lassen. Habe ich das eben richtig gehört? „Was?“ Fragte ich total verblüfft, ich wusste gar nicht was ich sagen soll! Rafa sagte gar nichts mehr, er sah mich nur verunsichert an und kaute leicht auf seiner Unterlippe. Je mehr die Sekunden vergingen umso geschockter war ich. Ich musste mehr als nur ein bisschen schlucken, mir wurde es ziemlich warm und ich musste mich beherrschen ruhig zu bleiben.
Gerechnet hätte ich mit so ziemlich allem aber doch nicht damit! „Das ist nicht dein Ernst!“ Sagte ich dann mit einem todernsten Gesicht und hoffte das er gleich sagt das es ein Scherz war. „Doch“ Kam es zögerlich. Ich schnappte hektisch nach Luft und dachte ich bin im falschen Film. Es klingt irgendwie so als wenn er das tatsächlich machen will. Für den Moment wurde mir das zu viel also lief ich an ihm vorbei und lief an das andere Ende vom Zimmer ans Fenster. Das muss ich erstmal verdauen! Mir schossen unzählige Gedanken durch den Kopf. Soll ich jetzt auch noch froh sein, das es bei dem Kuss bleibt?
Klar gehört sowas dazu für einen Schauspieler aber Rafa ist kein Schauspieler und es handelt sich auch um kein Drehbuch das so angelegt ist das solche Szenen absolut notwendig sind. Er muss es ja nicht machen, zumindest keine Kussszenen. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl dabei. Es ist mir total egal ob es gestellt ist oder nicht, ich will das einfach nicht sehen. Keine Frau will doch sehen wie der Freund eine andere Frau küsst. Es fiel mir schwer ruhig zu bleiben und ich wusste das es besser ist wenn ich jetzt nichts dazu sage weil ich sonst für nichts garantieren kann. Ich bin auf 300 auch wenn bisher gar nichts passiert ist. Die gute Stimmung war damit endgültig im Eimer, es fühlte sich eben an wie eine Eiszeit.
Nach schier endlosen Minuten drehte ich mich langsam um. Rafa lehnte noch immer seitlich am Türrahmen zum Bad und er sagte keinen Ton. Wie ferngesteuert schnappte ich mir meine Tasche, lief zur Tür und ohne Rafa noch eines Blickes zu würdigen verschwand ich aus dem Zimmer. Mit einem Tunnelblick lief ich aus dem Hotel und versackte in der nächstgelegenen Bar. Alkohol ist keine Lösung aber es war so bequem nicht mehr nachzudenken also bestellte ich mir Wodka mit Cola gemischt.
Sich jetzt die volle Dröhnung zu geben ist auch keine gute Lösung also trank ich nur ein paar Schlucke und bestellte noch was alkoholfreies dazu. Nach und nach kam ich dann auch wieder runter. Es ging echt nicht, ich musste eine Weile alleine sein. Alleine bin ich nicht, hier sind ziemlich viele Leute aber ich meine Niemanden der Rafa kennt. Mir spukte das die ganze Zeit im Kopf rum und ich hatte so ein Bild davon im Kopf und das verfolgte mich permanent. Das ist sicher kein Eifersuchtsanfall weil ich nicht glaube, dass dazu Grund besteht, es geht einfach ums Prinzip.
Wie fühlt man sich denn wenn man mit einem Schauspieler zusammen ist und der Liebesszenen dreht? Ich hätte nie gedacht, dass ich mich das jemals fragen würde. Die Frage ist warum Rafa es macht. Will er sich selbst was beweisen oder hat sie ihn breitgeschlagen? So hatte ich mir das nicht vorgestellt als ich hier her kam. Eigentlich dachte ich er hat vielleicht ein bisschen Zeit und jetzt flüchte ich vor ihm! Letzte Woche war alles so entspannt, mir hatte schon etwas gefehlt da wir uns gar nicht wegen Kleinigkeiten gestritten hatten. Gelegentlich redeten wir ja auch aneinander vorbei, dass fehlte mir auch schon. Hätte mir ja gleich denken können das es nicht so bleibt.
Zeit zum nachgrübeln hatte ich genug und je mehr Zeit verging umso entspannter wurde ich. Es wird alles andere als romantisch sein das zu drehen, ich würde es niemals tun aber wenn Rafa meint das er es machen muss, kann ich es auch nicht ändern. Ich bin alles andere als begeistert aber welche Wahl bleibt mir denn? Wenn ich jetzt Stress mache und verlange das es nicht so gedreht wird, bin ich wieder die Doofe. Dann heißt es doch ich würde ihm vorschreiben was er machen soll. Am Ende kann es mir auch egal sein, ist es nur nicht. Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden, dazu kam es ja noch nicht.
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