10 April 2010

Chapter 40

Immer noch mit einem unguten Gefühl lief ich ungefähr eine Stunde später zurück zum Hotel. Es war alles ruhig auf dem Gang, ich blieb vor der Zimmertür stehen und sammelte mich nochmal. Vorhin stand ich schon mal hier aber da freute ich mich noch total darauf Rafa zu sehen. Zwar freue ich mich nach wie vor ihn zu sehen aber ich hatte mir das ein bisschen anders vorgestellt. Nervös klopfte ich dann an der Tür und holte tief Luft. Nach ein paar Sekunden öffnete Rafa die Tür und ließ mich rein ohne einen Ton von sich zu geben. Ich lief an ihm vorbei und blieb gleich neben ihm stehen.
Er machte die Tür zu und sah mich an als wenn er wartet was ich sage. „Es tut mir leid das ich so reagiert habe“ Sagte ich leise und sah auf meine Hände. Ich fühlte mich reichlich blöd, vielleicht habe ich zu empört reagiert aber ich neige nun mal zu Spontanreaktionen. „Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, es hätte mich erstaunt wenn du anders reagierst“ Sagte er dann mit einem vorsichtigen Lächeln. Ich zuckte mit den Schultern und wusste nicht was ich sagen soll. „Ich musste das erst mal verdauen. Vielleicht hättest du mich vorher abfüllen sollen“ Er nahm meine Hand in seine und nickte leicht mit dem Kopf. „Setz‘ dich“ Wie befohlen machte ich es mir auf der Couch bequem, Rafa direkt neben mir.
„Es ging mir ähnlich, ich meine, ich war auch erst total platt als ich hörte was das werden soll. Das war ganz sicher nicht meine Idee“ Hoffentlich müssen wir das nur einmal diskutieren. „Muss das wirklich sein?“ Fragte ich vorsichtig und hatte Hoffnung das er vielleicht ins schwanken kommt. “No aber sie hätte es eben gerne so“ “Ist klar, ich würde mir an ihrer Stelle auch die Chance nicht entgehen lassen. Was würdest du machen wenn ihr spontan einfällt das sie gerne noch mehr hätte als ein paar Küsse?“ Seine Antwort kam in Form eines genervten Augenrollens. „Ist doch wahr!“ Schob ich noch nach.
Die ist ja ganz schön gerissen. Privat ist sie ja schon ewig verlobt, wahrscheinlich verbindet sie so das angenehme mit dem nützlichen, ich könnte sie erwürgen! Eigentlich mag ich sie ja aber das ist heftig. „Wenn du gar nicht damit leben kannst, mache ich es nicht“ Es war so klar, dass er das jetzt sagen würde. Wir schieben doch praktisch nur den schwarzen Peter hin und her. Er soll mal nicht so tun als wenn es nur ihre Idee wäre, immerhin macht er ja mit also braucht er es gar nicht auf sie schieben. “Das Thema hatten wir ja schon. Ich will nicht der Grund sein das alles umgeplant werden muss“ “Und ich will nicht das du dann sauer auf mich bist“ “Das bin ich nicht. Ich weiß das es nur gestellt ist und da sicher zehn Leute ringsum stehen. Wenn du meinst, dass es unbedingt sein muss, dann musst du es eben machen. Du kannst dir sicher denken das ich nicht ausflippe vor Begeisterung aber an mir soll es nicht scheitern“ “Wirklich?“ Fragte er noch immer so zögerlich.
Jetzt musste ich schon wieder lachen darüber und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. „Glaubst du ich reiße dir den Kopf ab oder mache Schluss mit dir deswegen?“ Das war mehr eine rhetorische Frage nur schien Rafa das anders zu sehen, er sah mich skeptisch an. „War Spaß“ Sagte ich sicherheitshalber noch. „Ich weiß selbst nicht wie sie es geschafft hat mich dazu zu überreden. Es ist nicht so das ich gleich begeistert zugestimmt habe“ “Wie auch immer, ich habe keine Lust jetzt ein Schmierentheater deswegen zu veranstalten“ Hinterher kann ich es dann immer noch tun, schoss es mir durch den Kopf. Das ich jetzt sage das er es ruhig machen soll heißt ja nicht, dass ich nicht noch mal ausflippe wenn ich es dann sehe. Rafa sah mich recht skeptisch an, er denkt sicher das noch etwas kommt.
„Sage ihr das sie einen Versuch hat für die Kussszene. Wenn es nicht klappt hat sie Pech oder ich springe für sie ein“ Ich dachte ja er lacht vielleicht aber nichts passierte. „Das Video sollte schon eine Jugendfreigabe bekommen“ Jetzt konnte ich nicht länger ernst bleiben und musste mit dem Kopf schütteln. „Wie auch immer, ich gehe duschen“ Ich stand auf und verschwand ins Bad, ich hatte jetzt auch kein Lust mehr tiefgründige Diskussionen zu führen da ich müde war.

Am nächsten Tag ging ich also alleine in Barcelona shoppen und die bekannten Sehenswürdigkeiten mitnehmen während Rafa das Video dreht. Er kann Shakira küssen und bekommt dafür auch noch Geld! Die Welt ist schon sehr ungerecht. Er hat mir allen Ernstes angeboten das ich mitkommen soll zu dem Studio. Ich bin doch nicht wahnsinnig und stehe auch noch tatenlos daneben. Das Ergebnis werde ich schon noch zu sehen bekommen. Richtig Ruhe hatte ich nicht da ich mich schon fragte was da am Ende rauskommt. War keine schlechte Idee sich ein bisschen abzulenken.
Zeit konnte ich mir auch lassen da Rafa morgen noch einen Werbespot für einen Sponsor dreht und ich da wieder genügend Zeit habe. Was soll’s mir war klar das er beschäftigt sein wird. Als es Nachmittag wurde und ich in einem Café saß, dachte ich ja doch wieder nach. Ich war mehr als nur Neugierig auch wenn ich das Rafa nie sagen würde. Wo das Studio ist weiß ich, ist nur ein paar Minuten vom Hotel weg. Ich schwanke immer hin und her ob ich hingehe oder nicht.
Vielleicht rege ich mich dann nur wieder auf aber es ist ja egal da ich das fertige Video ja sowieso irgendwann sehe also wieso nicht gleich? Es ist sicher nicht fertig aber man bekommt ja einen Eindruck bei drehen. Ein paar Stunden drückte ich mich noch bis die Neugierde über meinen Verstand siegte und ich also doch sehen wollte was dort vor sich geht. Inzwischen war es schon Abends, ich weiß nicht wie lange es geht. Rafa meinte bis zum Ende, das war sehr hilfreich. Kann sein er ist erst nach um neun wieder im Hotel.

Ich lief also zielsicher da hin und guckte erst mal von weitem. Sah auf den ersten Blick aus als würde die NASA eine Mondlandung drehen. Es war eine Wüstenlandschaft nachgebildet und ringsum grüne Leinwände. Von Rafa oder Shakira war aber nichts zu sehen, hier rannten viele Leute hektisch umher aber es sah irgendwie so aus als wenn es schon zu Ende ist. War vielleicht gut das Rafa mich nicht gesehen hat, es kümmerte sich niemand darum das ich hier war, es weiß ja auch niemand wer ich bin. Technik war ja genug aufgebaut also stellte ich mich unauffällig neben einen Monitor wo eben einer irgendwas zusammenschneiden wollte wie es schien.
Ich schluckte erst mal nur als ich das sah. Er hatte ja schon erwähnt, dass er nicht ohne ausziehen wegkommt aber bei seinen Spielen läuft er nicht stundenlang halbnackt und verschwitzt in Jeans auf dem Platz rum. Was soll’s wäre auch schade drum wenn es niemand sehen würde abgesehen von mir. In meinem Bauch war wieder das ungute Gefühl bis ich ein paar Sekunden vom Ende sah. Es gibt verschiedene Arten von Kussszenen. Rafa hat nicht erwähnt, dass Shakira sich quasi spärlich bekleidet auf ihn stürzt. Ich musste mehr als schlucken, mir blieb die Spucke weg vor staunen. Das es so wird hätte ich nicht gedacht, dass heißt befürchtet habe ich es und gehofft das es doch harmlos wird.
Wenn ich nur die Szene sehen würde und nicht wüsste, dass es ein Musikvideo werden soll, würde ich glauben das ist die Anfangssequenz von einem Film der erst nach Mitternacht im TV läuft. Ich hatte doch geahnt, dass es nicht so harmlos wird wie Rafa mir glauben machen wollte. Na super, genau das wollte ich sehen! Grund hatte ich keinen aber ich laufe Gefahr mich mächtig aufzuregen wenn ich Rafa jetzt erwische daher zog ich mich diskret zurück und flüchtete so schnell ich konnte. Gesehen hatte ich genug! Jetzt war ich ja doch wieder auf 300 und ich würde am liebsten jemanden umbringen. Er kann nicht von mir verlangen, dass ich mich nicht aufrege! Ich würde ihn mal sehen wollen wenn ich das mache.

Erst ging ich Essen im Hotel und dann zu der Bar von gestern Abend. Heute trinke ich den Wodka aber aus! Das einzige was mich tröstet ist das der Kuss ziemlich gestellt aussah. Von Shakira kam wesentlich mehr als von Rafa, sie ist eindeutig die bessere Schauspielerin. Wäre der Kuss überzeugend geworden, würde ich ihm jetzt die Hölle heiß machen. Kann ja sein das die sich gut verstehen, dass rechtfertigt aber nicht alles. Ich denke nicht das er Angst davor hatte das er es bereut wenn er sich zu sehr darauf einlässt. Anscheinend gibt es ja doch eine Grenze bei ihm.
Es dauerte auch gar nicht lange bis sich mein Handy meldete. Ich hatte den Ton leise gestellt damit die anderen Gäste nicht gestört werden. Mir war schon klar wer anruft bevor ich auf das Display sah. Einen kurzen Blick riskierte ich dann doch und sah dann zu wie es munter vor sich hin klingelte. Nicht im Traum denke ich daran ranzugehen! Heißt es nicht immer man wird vom Alkohol lustig und ausgelassen? Das kann ich von mir nicht gerade behaupten, das Gegenteil passierte. Eine Weile drückte ich mich davor zum Hotel zurück zu gehen. Im Moment war ich nicht so wild drauf Rafa zu sehen und wenn ich nicht müsste, könnte er heute Abend ewig auf mich warten.
Ich hätte keinerlei Skrupel die Kurve zu kratzen aber leider bin ich nicht bei mir zu Hause und kann auch nicht flüchten weil meine ganzen Sachen im Hotelzimmer sind. Nachdem ich zwei große Runden um das gesamte Hotel gelaufen war, fasste ich allen Mut zusammen und ging doch rein. In meinem Bauch rumorte es gewaltig, ich habe kein gutes Gefühl weil ich fürchte das Rafa es schaffen wird das ich total ausflippe. Er wird sicher versuchen es zu verharmlosen und dann garantiere ich für nichts mehr.

Nach einem tiefen durchatmen klopfte ich an der Tür und versuchte ein neutrales Gesicht zu machen. Es dauerte auch nur ein paar Sekunden bis die Tür von innen auf ging und Rafa mich breit anstrahlte. „Hi, ich dachte schon du hast dich verlaufen und ich muss dich suchen“ Er scheint eine ätzende gute Laune zu haben, das Gegenteil von mir. Wortlos lief ich an ihm vorbei und hängte meine Tasche über die Lehne vom Stuhl. Rafa machte die Tür nach mir zu und drehte sich dann zu mir um. „Ich habe dich angerufen vorhin aber du hast es wahrscheinlich nicht gehört“ Ohne einen Ton zu sagen sah ich weiterhin geradeaus in den Spiegel der direkt über dem Schreibtisch hing.
Ich kann mir auch so vorstellen wie er mich eben ansieht. „Was ist?“ Kam es dann vorsichtig von der Seite. Ich biss auf meine Unterlippe und sah ihn dann an. „Was soll sein?“ Fragte ich zurück und zuckte mit den Schultern. Er kam langsam näher bis er direkt neben mir stand und lächelte immer noch so. Offenbar hat er noch immer nicht bemerkt, dass er sich auf sehr dünnem Eis befindet. „Ich dachte du kommst mal am Set vorbei. Ist zwar noch nicht fertig geschnitten aber ich denke man bekommt einen Eindruck“ Ich holte tief Luft und redete mir innerlich zu ganz ruhig zu bleiben. „Ich war da“ Sagte ich nervös und sah an ihm vorbei. Warum schwitzte ich nur so? Ganz allmählich verschwand sein Lächeln dann, anscheinend scheint er wohl zu merken, dass etwas in der Luft liegt. „Wirklich? Ich habe dich gar nicht gesehen“ Kam es leicht verunsichert zurück. „Warum hast du nicht gewartet?“ Fragte er dann allen Ernstes.
„Ich habe genug gesehen“ Sagte ich nur und schluckte kräftig. Den Blick deutete ich mal so, dass er noch immer überlegt was ich genau meine. Eine Weile herrschte schweigen zwischen uns und es wurde immer unangenehmer je mehr Zeit verging. Eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen. „Dir gefällt es also nicht“ Meinte er dann mit einem toternsten Gesicht. Ich verschränkte meine Arme vor dem Bauch und sah von ihm weg. War das jetzt eine Frage oder eine Feststellung? Vielleicht ja etwas von beidem. „Könnte man so sagen“ Antwortete ich dann leise ohne ihn anzusehen. Ich fühlte mich richtig unwohl, es war eine negative Spannung im Raum. Es fehlte nur ein kleiner Funken zum großen Knall. Es kam gar nichts mehr, Rafa blieb stehen wie erstarrt und schnappte nur nach Luft.
Wenn er so dasteht, könnte ich nur noch mehr ausrasten. „Ich gebe zu das ich auch ein wenig überrascht war als ich ein bisschen was gesehen habe aber so schlimm ist es doch gar nicht. Ich meine das war nicht halb so entspannt wie es vielleicht aussieht“ Kam es dann nach unzähligen Minuten vorsichtig, es klang nach einer Rechtfertigung obwohl er das nicht muss. Schließlich wollte er es ja so. „Je nachdem wie man es sieht“ Ich sah wie er schluckte und wohl hoffte das er noch glimpflich davon kommt. Ein Gespräch kam ja nicht so richtig in Gang daher dachte er wohl, dass er Taten folgen lassen muss. Ehe ich es mir versah, stand er hinter mir und umarmte mich. „Es tut mir Leid wenn du das nicht sehen willst. Ich will dich nicht verletzen“ Mir fiel es schwer nicht weich zu werden.
Das ich nichts sagte, wertete er wohl als gutes Zeichen aber als er mich auf den Nacken küsste, reichte es mir endgültig. Mich verfolgt dieses Bild von dem Kuss! Das war mir alles zu viel für den Moment also befreite ich mich aus seiner Umarmung und ging auf Abstand. „Willst du jetzt die nächsten Tage so weitermachen?“ So langsam wurde ich richtig sauer. „Vielleicht sollten wir uns eine Weile aus dem Weg gehen“ Kaum hatte ich den Satz zu Ende gesprochen, tauchte so ein gefährliches Flackern in seinen Augen auf. „Vielleicht sollten wir es auch ganz lassen. Ich habe keine Lust auf so einen Zirkus jedes Mal“ Spätestens jetzt war die Stimmung am kippen. „Du wolltest es doch so!“ Sagte ich etwas lauter da ich nicht mehr an mich halten konnte.
Er schüttelte mit dem Kopf und ging einen Schritt zurück. „Sí aber ich mache jetzt kein Theater. Du hast absolut keinen Grund dich so aufzuführen!“ “Das ist vielleicht deine Meinung, ich sehe das anders. Vielleicht machst du das ja öfters in Zukunft, soll ich vielleicht noch Beifall klatschen?“ Er schnappte nach Luft und wunk dann ab. „Wenn du das glaubst, haben wir uns nichts mehr zu sagen“ Im nächsten Moment drehte er sich um und verschwand mit einem lauten Türknallen aus dem Zimmer. Na toll, das war ja super gelaufen, er kann froh sein das er weg ist sonst würde ich ihn jetzt würgen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, musste ich gar nicht neben mich sehen um zu wissen, dass ich alleine im Bett liege. Geschlafen hatte ich nicht wirklich gut, mir ging zu viel durch den Kopf. Ist vielleicht besser das Rafa nicht hier ist auch wenn ich schon gerne wissen würde wo er übernachtet hat. Etwa gegen vier letzte Nacht war ich mal im Bad auf Toilette und da war Rafa noch nicht hier also ist er irgendwoanders. Nichts schlimmes ahnend drehte ich mich auf die andere Seite und setzte mich hin um aufzustehen als ich den Schreck meines Lebens bekam.
„Was machst du hier?“ Fragte ich etwas empört, muss wohl an dem Schreck liegen. Von wegen ich bin alleine, Rafa hat sich wohl doch noch die Ehre gegeben. Er saß seelenruhig in einem Sessel und schien mich zu beobachten. „Ich wohne zufällig hier“ Kam es dann nur mit einem ernsten Gesicht. „Man denkt nichts schlimmes“ Murmelte ich vor mich hin und verschwand ins Bad. Kurz musste ich mich wieder sammeln bis ich den Schreck verdaut hatte das er hier ist. Ich habe jetzt keine Lust die Diskussion von gestern fortzuführen. Da er ja höchstwahrscheinlich nicht verschwindet, bleibt mir wohl keine Wahl als ihn zu fragen was er will. Er hätte ja nicht hier her kommen müssen also wird er wohl etwas wollen. Sein Gesicht machte nachfragen überflüssig, er ist immer noch sauer.
Ich holte tief Luft und ging wieder ins Zimmer, er saß immer noch so wie vorhin also setzte ich mich auf die Kante vom Bett und sah ihn an. „Ich habe nachgedacht“ Kam es dann leise und dabei war ich mir nicht sicher ob er mich ansieht oder ob er durch mich hindurchsieht. Er machte einen unheimlichen Eindruck auf mich, ich hasse es wenn er so dicht macht. In meinem Bauch wurde es mir schon anders, wenn er mich so ansieht, kann es nichts Gutes sein. „Und?“ Fragte ich leise und etwas verunsichert. Eigentlich will ich gar keine Antwort haben. Die Sekunden verstrichen und nichts passierte, ich wurde immer nervöser.

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Ein paar nützliche Links

Shakira - Gypsy Video
Shakira - Gitana Video
Making off Gypsy/Gitana

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