21 April 2010

Chapter 42

Immerhin nahm Sara dann Rücksicht auf mich und belästigte mich nicht mehr mit Spielergebnissen oder ähnlichem. Nach der unfreiwilligen Zwangspause spielte Rafa Mitte März in Indian Wells ja wieder mal Tennis nachdem er genug andere Schlagzeilen gemacht hat mit dem Video. Inzwischen war das Shakira Video offiziell erschienen und ich hatte es nicht ein einziges Mal gesehen. Ich konnte mir das einfach nicht ansehen, das würden meine Nerven nicht aushalten. Klar interessierte es mich zu sehen wie es geworden ist zumal alle Welt von dem Kuss am Ende redet.
Das zieht mich aber nur wieder runter wenn ich das sehe. Nach allem was war kann ich ja meine Gefühle nicht einfach so abstellen und das letzte was ich sehen will ist Rafa in trauter Zweisamkeit mit Shakira. Zu schade, dass ich meine Gefühle nicht selbst kontrollieren kann sonst hätte ich Rafa schon längst aus meinem Leben gestrichen. Zwar liebe ich ihn aber ich bin einfach nur enttäuscht von ihm. Immerhin muss ich ihn nicht sehen wenn ich nicht will. Kam mir auch gelegen das die Turniere in den USA sind, da ist er ganz weit weg und es wird auch hier nicht in den Medien berichtet. In Deutschland spielt Tennis keine große Rolle also berichtet auch kaum jemand darüber.
Sara verfolgt natürlich jedes Spiel live wenn es zeitlich machbar ist. Immerhin kam Rafa in Indian Wells bis ins Halbfinale. Da er Titelverteidiger war, wollte er sicher viel mehr aber besser als gar nichts. Er hat schließlich länger nicht gespielt vorher und dann hat er ja noch zusammen mit Marc Lopez die Doppel Konkurrenz gewonnen. Als ich an einem Abend einen schwachen Moment hatte, suchte ich im Internet nach Bildern aus Indian Wells und Miami, wo er gerade spielte. Was hatte ich auch erwartet? Es war alles normal wie immer. Auf einigen Bildern lächelte Rafa für meinen Geschmack ein bisschen zu breit, ihm scheint es ja blendend zu gehen. Fehlt ja nur das er sich mit einer vermeintlich neuen Freundin sehen lässt. Klar ärgert es mich, dass es ihm offenbar nichts ausmacht. Ein paar Wochen waren vergangen aber ich knabberte immer noch daran.
Insgeheim wünschte ich mir, dass er wieder einfach so hier auftaucht aber das wird bestimmt nicht passieren. Er ist sowieso beschäftigt und selbst wenn er Zeit hätte würde er es wohl nicht machen. Sehen würde ich ihn schon gerne, ich hätte das nie für möglich gehalten aber es fühlt sich an als würde ein Teil von mir fehlen. Es gibt kaum Situationen die mich nicht auf irgendeine Weise an ihn erinnern. Freiwillig würde ich aber nicht über meinen Schatten springen, vielleicht soll es einfach nicht sein obwohl ich vor ein paar Wochen noch das Gefühl hatte das es wirklich klappen könnte.

In Miami sollte Rafa auch kein Turniergewinn vergönnt sein wie sich dann rausstellte. Er kam dort aber immerhin bis ins Halbfinale. Gesehen hatte ich keins von den Spielen, ich hatte nur mit einem Auge den Turnierverlauf mitverfolgt. Nach Miami war eine Woche Zeit und dann geht es ja weiter in Monte Carlo. Rafa hat sicher gar keine Zeit sich hängen zu lassen und schlechte Laune zu verbreiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich mehr erhofft hat als das Halbfinale, er ist auch so knapp gescheitert, was es sicher noch schlimmer macht. Er ist doch so abgelenkt überall das er gar nicht total zur Ruhe kommen kann.
Sara hoffte wohl auch deshalb das es sich nochmal einrenkt weil sie auf Autogramme oder ähnliches spekulierte aber es scheint so als wenn sich die Hoffnung nicht erfüllt. Inzwischen ist es April und ich habe endgültig abgeschlossen mit dem Kapitel. Ewig in der Vergangenheit zu leben bringt mich auch nicht weiter. So wütend wie erst war ich jetzt nicht mehr, vielleicht habe ich meinen Teil dazu beigetragen das es nicht ging. Es war im Nachhinein gesehen total verrückt wie ein harmloses Gespräch so eskalieren konnte.
Das passierte auch noch öfters, ich bin eigentlich nicht streitsüchtig veranlagt aber Rafa schafft es irgendwie mich total zum ausflippen zu bringen, im positiven wie auch im negativen Sinne. Zwar hätte ich schon gerne nochmal mit Rafa gesprochen aber es ist wohl besser so. Seine Nummer habe ich noch aber ich werde ihn nie anrufen, es ist zu viel Zeit vergangen. Je länger ich keinen Kontakt zu ihm habe umso höher wird die Hemmung den ersten Schritt zu machen. Zwar habe ich erstmal die Nase voll von Beziehungen aber das wird sich auch wieder geben. Es erschien mir nahezu paradiesisch mit jemandem zusammen zu sein der ein normales Leben führt, nicht bekannt ist und auch Zeit für mich hat.
Mir wird erst jetzt klar wie verrückt die letzten Monate mit Rafa waren, das war wie eine andere Welt. Damals war es mir nicht so klar aber ich hätte noch mehr in Kauf genommen um mit ihm zusammen sein zu können. Wahrscheinlich finde ich jetzt nie mehr einen Freund weil Rafa meinen Geschmack gründlich versaut hat. Jemanden wie ihn finde ich mit Sicherheit nicht so schnell wieder. In dem Punkt konnte Sara mich sogar verstehen. Und ich kann auch verstehen wieso sie keinen Freund hat und das obwohl sie nicht mit Rafa zusammen war, die hohen Ansprüche sind wohl allgemein ein Problem.
Jetzt sitzen wir im selben Boot. Inzwischen kann ich darüber auch lachen, es machte schon Spaß mit ihr wegzugehen und dann festzustellen, dass wir wohl als frustrierte Alleinstehende enden werden auch wenn es nicht so richtig ernst gemeint war.

Ich hatte mich jedenfalls prächtig amüsiert als ich mit ihr abends ausgegangen war und wir wieder mal die Grundsatzprobleme des Lebens in allen Details erörtert hatten. Wenigstens hat sich das mit Sara wieder eingerenkt, es war wie früher und als wäre nie etwas zwischen uns gewesen.
Leicht beschwipst stieg ich unter lautem Gekicher aus ihrem Auto und ging nach oben in meine Wohnung wo ich todmüde sofort in mein Bett fiel. Am nächsten Tag wollte ich meine Eltern anrufen und sah, dass mein Telefon zwei unbekannte Anrufe anzeigte. Da aber keine Nummer dastand, weiß ich nicht wer es war. Was soll’s waren sicher meine Eltern. Die waren es aber doch nicht wie sich rausstellte als ich sie anrief und Sara war es ja auch nicht aber derjenige wird sich schon nochmal melden wenn es wichtig ist also verschwendete ich keinen Gedanken mehr daran und machte mich an das Frühstück.
Es war doch schön, dass ich überhaupt heute Zeit hatte zum trödeln. Schichtarbeit kann auch Vorteile haben, so kann ich auch unter der Woche mal weg gehen abends und am nächsten Tag ausschlafen.

Während ich mein Müsli kaute, überlegte ich was ich heute noch mache. Ab um 12 muss ich ja arbeiten also ist nicht mehr so viel Zeit. Ich kam aber nicht dazu ausführlich zu überlegen weil mein Telefon sich meldete. Gemütlich schlurfte ich in den Flur und drückte annehmen ohne nachzusehen wer es ist. „Ja?“ Ging ich etwas gelangweilt ran und lief derweil wieder in die Küche.
„Amaia?“ Ich überlegte wer das ist als ich mich hinsetzte aber es fiel mir einfach nicht ein. Ist es peinlich nachzufragen wer es ist? Ich kenne die Stimme zumindest nicht. „Wer ist da?“ Fragte ich also doch und rührte nebenbei in der Schüssel. „Rafael Maymó“ Im nächsten Moment fiel mir das Müsli buchstäblich vom Löffel. Hatte ich das eben richtig gehört? „Aha hola“ Meinte ich nur und ahnte nichts Gutes. Wenn der hier anruft, weiß ich schon was los ist oder ahne es.
Der Physio von Rafael Nadal wird nicht ohne Grund bei mir anrufen. So richtig kannte ich Maymó auch nicht, er war mir ein paar Mal begegnet und wir hatten ein paar Worte gewechselt aber mehr eben auch nicht. Mir war auch gar nicht bekannt, dass er meine Telefonnummer hat aber die wird er sich irgendwie besorgt haben. In meinem Magen drehte sich schon alles und nervös wurde ich auch. „Damit habe ich nicht gerechnet. Wie komme ich zu der Ehre?“ Fragte ich dann zurückhaltend als ich mich wieder unter Kontrolle hatte. Meine Begeisterung hielt sich verständlicherweise in Grenzen. „Also na ja, wie soll ich anfangen. Ich rufe nicht ganz uneigennützig an. Du kannst dir ja vermutlich schon denken um wen es geht“
Ja, und wieso eiert der so rum? Das macht mich verrückt, der soll endlich sagen was er will und mich dann in Ruhe lassen! Ich werde nur wütend wenn er mich hinhalten will. „Falls er dich dazu gezwungen hat mich anzurufen sage ihm, dass er gefälligst selbst anrufen soll wenn er etwas will“ Sagte ich distanziert. “Rafa weiß nicht das ich dich anrufe, er würde es sicher nicht wollen“ Na toll, dass kann ja heiter werden. Plant er eine Verschwörung? Ich lehnte mich entspannt zurück und versuchte nicht gleich durchzudrehen. „Was ist los?“ Fragte ich und war mir gar nicht sicher ob ich das wirklich wissen will, ohne Grund ruft der sicher nicht an. „Ich will nicht neugierig sein oder unverschämt aber hast du am kommenden Wochenende Zeit?“ “Ich wüsste nicht was dich das angeht aber ich habe noch nichts genaues geplant“ “Es mag sich komisch anhören oder verrückt aber könntest du vielleicht nach Monte Carlo kommen?“
Obwohl ich seiner Stimme entnehmen konnte das er ziemlich angespannt ist, musste ich spontan anfangen zu lachen. Nicht weil ich das lustig fand, ich war nur total überrascht. Na der ist gut! Der traut sich echt was mich einfach so zu fragen ob ich dahin komme! Das war nicht komisch oder verrückt sondern beides zusammen.

„Wieso sollte ich das tun?“ Fragte ich ernst zurück und schüttelte dabei amüsiert mit dem Kopf. Alleine der Gedanke ist abstrus. „Es ist wegen Rafa, er ist etwas neben der Spur in den letzten Wochen. Ich weiß nicht was genau zwischen euch vorgefallen ist aber so geht das nicht weiter. Es kann doch nicht so schlimm sein das es sich nicht mehr klären lässt“ Wie ist der denn drauf? Ich frage mich eben was Rafa ihm erzählt hat, offenbar nur die halbe Wahrheit wenn der allen Ernstes glaubt das wir wieder zusammen kommen. „Also ich weiß nicht was er dir erzählt hat aber es gibt nichts mehr zu klären, das ist vorbei. Er wollte es so“ “Das glaube ich ganz sicher nicht das er das wollte! Wenn er es so gewollt hätte dann bestünde ja auch kein Grund das er sich hängen lässt“ Langsam wurde mir das jetzt aber zu bunt, ich fühlte mich wie vor dem Richter.
„Nimm‘ es nicht persönlich aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust mit dir darüber zu diskutieren“ “Es tut mir leid wenn ich dir zu nahe trete. Ich weiß, dass ich kein Recht habe mich einzumischen, das will ich auch nicht. Er bringt mich um wenn er rausfindet, dass ich dich angerufen habe, aber ich würde nicht anrufen wenn es mir nicht wichtig wäre. Ich mache das nicht aus Spaß! Ich weiß das du einen guten Einfluss auf ihn hast“ Meine Geduld ging langsam aber sicher zur Neige. Was er will ist eigentlich egal, es geht mich nichts mehr an und Rafa hat es genau so gewollt, basta! Wobei ich schon genau weiß was er will, Rafa macht Stress und Maymó glaubt wohl das ich ihn wieder auf den Teppich hole. Er will mich zu einer Art Psychodroge für Rafa machen aber daraus wird nichts werden. „Ich weiß nicht was du genau von mir willst aber ich muss dich enttäuschen. Ich komme nicht nach Monte Carlo. Daran wie die Dinge jetzt sind ist er selbst Schuld und ich sehe überhaupt nicht ein warum ich jetzt nachgeben soll nachdem er sich fast zwei Monate nicht gemeldet hat. Wenn er schlecht spielt oder anderweitige Probleme hat müsst ihr das anders regeln denn ich opfere mich nicht dafür“
Eine Weile kam keine Antwort und ich kann mir denken, dass er erstmal kräftig schlucken musste. Hat er geglaubt, dass ich nur darauf warte bis er hier anruft? „Ist das dein letztes Wort?“ Fragte er vorsichtig und schien zu hoffen, dass er mich noch umstimmen kann. “Ja“ Sagte ich voller Überzeugung. “Gut, dann kann man wohl nichts machen“ Er nötigte mich noch dazu seine Nummer aufzuschreiben bevor ich auflegen konnte. Falls ich es mir doch noch anders überlege soll ich ihn anrufen. Das wird sowieso nicht passieren.

Ich war richtig baff als ich den Hörer wieder weggelegt hatte. Der hat ja echt Nerven hier anzurufen! Es ist verrückt, nach wochenlanger Funkstille ruft ausgerechnet Maymó hier an. Warum nicht Toni oder die Eltern von Rafa? Wird sicher daran liegen das Rafa allen ausdrücklich verboten hat mit mir Kontakt aufzunehmen. Die Mutter von Rafa hat mir mal erzählt das Rafa es vorzieht Konflikten aus dem Weg zu gehen. Er löst die Dinge durch aussitzen.
Dadurch provoziert er aber alle selbst einzugreifen und dann ist er erst recht sauer. Man sieht es ja an Maymó, ich kann mir nicht vorstellen, dass er hier anrufen würde wenn er sich nichts davon verspricht. Ich weiß schon was der will. Es wird alle nerven wenn Rafa seine Launen rauslässt und ich soll ihn wohl wieder in die richtige Spur bringen. Mich hat er auch schon versucht zu nerven aber ich habe ihn dann meistens ziemlich schnell wieder auf den Teppich geholt. Warum soll ich das tun? Nur damit alle ihre Ruhe haben? Sicherlich nicht!

Der Tag fing so schön an und war dann natürlich gelaufen. Das ich arbeiten musste half mir auch nicht, ich grübelte trotzdem nach. Dabei werde ich auch noch schusselig und mache Fehler weil ich nicht bei der Sache bin. Zu allem Übel wollte Sara auch noch zu mir kommen heute Abend. Die wird mir den Rest geben obwohl ich gerne ihr Gesicht sehen würde wenn ich es ihr erzähle.
Natürlich kam mir mehr als einmal in den Sinn Maymó nochmal anzurufen und zumindest zu fragen was genau los ist. Dann besteht aber die Gefahr, dass er mich noch breitschlägt und ich wirklich nach Monte Carlo fahre. Zwar habe ich nichts mehr zu tun mit Rafa aber das heißt ja nicht, dass er mir egal ist. Es war ein sehr verlockender Gedanke ihn nochmal zu sehen. Ich weiß jetzt schon, dass er mich wieder rumkriegen würde und wir dann so weitermachen wie vor Barcelona. Wahrscheinlich kann ich mich sowieso nicht von Rafael Nadal fernhalten. Sara erschien dann und ich konnte nicht länger überlegen. Jetzt fehlt es nur das sie irgendwas merkt und anfängt nachzufragen.

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