17 October 2009

Chapter 13 - Porto Cristo II

“Ja also das Bild ist aus Porto Cristo” Sagte ich leise und versuchte ganz ruhig zu bleiben. Zu sagen das ich nervös bin ist noch weit untertrieben, ich fühlte mich eben als hätte ich etwas schlimmes getan und wäre dabei erwischt worden. Vielleicht sollte ich doch sagen ich bin es nicht? Oder noch besser, das ist nicht Rafael auch wenn es so aussieht, er hat eben einen guten Doppelgänger. Würde er nicht direkt in die Kamera sehen und wäre das Bild nicht so perfekt ausgeleuchtet, hätte ich da noch Spielraum aber so gab es kein Entkommen.
Ich könnte auch behaupten das ich keine Ahnung habe wie Rafa auf das Bild gekommen ist, ich war doch alleine dort! Kann ich was dafür das er sich mit auf das Foto drängelt? Wäre doch witzig wobei Sara das sicher nicht witzig fände. Sie setzte sich dann hin und warf das Bild auf den Tisch. “Ja Kasbah, dass weiss ich inzwischen auch. Du bist echt eine tolle Freundin, du lässt mich mit Jenny durch Manacor irren während du in aller Ruhe mit Rafael Nadal Tee schlürfen gehst. Ich glaubs einfach nicht. Ich dachte ja Jenny ist diejenige die immer von allem zu viel weiss aber offenbar ist sie nicht die Einzige” Jetzt sah ich mich zur Verteidigung genötigt. Wieso macht sie mich jetzt so blöd von der Seite an und tut so als hätte ich vorher gewusst das Rafa dort ist und ihr es absichtlich nicht gesagt?
“Woher soll ich denn wissen das der dort auftaucht, dass war doch nicht geplant! Außerdem war es alleine deine Entscheidung lieber nach Manacor zu fahren, du hättest ja auch mit mir gehen können aber nein, es gab ja wichtigeres. Du wusstest ja nicht mal ob er dort auftaucht aber das hat ja schon gereicht das du freiwillig den ganzen Abend dort rumgehangen hast mit dieser Verrückten” Sie schnappte mal wieder nach Luft und sah mich an als wenn sie mich gleich erwürgt. “Ach so, sind wir jetzt wieder beim Thema verrückt? Nur weil du es nicht verstehst musst du ja nicht gleich alles total abwerten. Es gibt noch ganz andere, gegen die bin ich harmlos. Kann ich was dafür das es dich nicht interessiert?” ”Nein aber ihr übertreibt total. Du würdest doch überall hin gehen wenn du wüsstest das er dort ist egal ob er das will oder nicht” ”Na toll, danke auch! Ich fasse es echt nicht! Und warum sagst du keinen Ton? Ich meine, warum waren wir denn in Spanien? Das ist echt die Spitze! Die ganze Zeit tust du so als wäre nichts gewesen und lässt mich stundenlang über ihn reden und dann das! Da drängt sich mir die Frage auf was du noch alles verheimlichst obwohl ich dachte das wir keine Geheimnisse voreinander haben”
Ein wenig in Rage geriet ich jetzt doch. Kann sie sich nicht erst mal beruhigen? ”Genau deswegen. Denkst du ich habe Lust permanent über ihn zu reden? Mir steht es echt bis obenhin manchmal. Du bist verrückt, so was muss ich ja wohl nicht noch unterstützen. Ich war jedenfalls ganz sicher nicht wegen ihm auf Mallorca” ”Ach so siehst du das also. Ich dachte du bist meine Freundin, stattdessen hältst du es nichtmal für nötig zu sagen das du Rafa getroffen hast! Eigentlich dachte ich du unterstützt mich, stattdessen fällst du mir in den Rücken” ”Was wäre denn gewesen wenn ich es gesagt hätte? Erstens habe ich keine Lust mich detailliert darüber auszulassen und dann wärst du doch jeden Abend mit dieser durchgeknallten Jenny dorthin gerannt” ”Bist du jetzt schon auf seiner Seite und fühlst dich dazu berufen seine Privatsphäre zu schützen? Das ist ja niedlich, sollte ich da noch was wissen?” Ich wusste es, es hat keinen Sinn! Sie versteht es sowieso nicht, war doch völlig klar. Sie war total verblendet und kennt keine Grenze aber aus mir wird sie gar nichts über den Abend rauskriegen. Es ist mir egal wie sie darauf reagiert, dass geht echt zu weit.
Das war jetzt sicher nicht das letzte mal das sie versucht nachzubohren in der Hoffnung das ich doch mal einen schwachen Moment habe und ihr alles erzähle. “Du spinnst ja total!” Sagte ich nur und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. “Nein, tue ich nicht! Du hättest ja auch an dem Abend anrufen können aber wahrscheinlich hätte deine sabbernde beste Freundin die Zweisamkeit zu sehr gestört” Musste ich mir das wirklich anhören von einer sogenannten Freundin? Nein! Ich schluckte noch mal kräftig bevor ich aufstand und meine Tasche mitnahm. “Wir reden wieder wenn du wieder normal bist” Da sie nichts mehr sagte verließ ich ohne ein weiteres Wort ihre Wohnung und ging zu meinem Auto.

Ich starrte ein paar Minuten im dunkeln auf das Lenkrad und verfluchte mich selbst das es soweit kommen konnte. Nie hätte ich gedacht das wir wegen einem Mann so einen Streit haben könnten und dann ist es auch noch ausgerechnet Rafa. Wie konnte ich auch so naiv sein zu glauben das niemand die Bilder finden würde im Internet.
Seine Fans schnüffeln wahrscheinlich die Gästebücher aller Restaurants von Manacor und Umgebung durch auf der Suche nach einem Lebenszeichen von Rafa. Hätte ich geahnt wohin das führt hätte ich nie zugestimmt das die Bilder auf der Webseite von der Bar auftauchen. Rafa hatte zwar gesagt das da keine Namen erscheinen aber offenbar reicht das nicht aus zur Tarnung. Es hätte nie so ein Tamtam gegeben wenn Rafa nicht bekannt wäre.
Sonst interessiert es Sara doch auch nicht so brennend mit wem ich mich treffe und bei Rafa dreht die plötzlich am Rad. Ich würde jetzt liebend gerne mal so richtig Dampf ablassen. Am liebsten würde ich das alles Rafa erzählen aber ich will ihn nicht am Telefon damit langweilen, dass kann ich auch noch tun falls ich ihn wieder mal treffen sollte. Das hatte ich ja echt alles super hingekriegt.

Am besten ich warte ein paar Tage ab bis sich alle wieder beruhigt haben. Sie wird ja mir das jetzt nicht bis in alle Ewigkeit vorwerfen oder doch? Nachtragend ist sie eigentlich nicht aber bei Rafa macht sie sicher gerne eine Ausnahme. Unter diesen Bedingungen war es nahezu unmöglich, dass ich mich mit ihm treffe ohne das sie etwas davon merkt. Inzwischen fand ich aber die Idee noch mal nach Mallorca zu fahren gar nicht so schlecht, dort ist noch bis weit in den Oktober hinein Sommer, es wäre zu schön um wahr zu sein.
Ein bisschen Urlaub kann ja nie schaden. Es würde aber auffallen wenn ich eine Woche weg bin und nicht sage wo ich hinfahre. Misstrauisch wie Sara ist würde sie gleich wieder sonst was denken. Davon abgesehen war es noch lange nicht so weit das ich nach Mallorca fahre. Rafa hat zwar eine vage Andeutung gemacht das er nach den US Open zu Hause ist aber es war eben noch nichts konkret. Besser gesagt hat er nach dem Davis Cup Halbfinale eine Woche frei also nach dem 20. September. Im September fahren meine Eltern auch immer nach Österreich, da bin ich meistens mitgefahren. Ich könnte ja ... alleine der Gedanke bereitete mir Kopfzerbrechen.
Wäre ich ganz dreist, würde ich Sara sagen ich fahre mit meinen Eltern zum Skifahren nach Österreich während ich in Wirklichkeit nach Mallorca fliege in der Woche. Das heißt ich würde es nur machen wenn Rafa es von sich aus anbietet das ich ihn besuche da ich mich keinesfalls aufdrängen wollte oder noch besser, gleich selbst einladen! Klar war es verlockend Urlaub praktisch zum Nulltarif von den Flügen abgesehen zu machen aber das ist nicht mein Hauptanliegen. Meinen Eltern könnte ich ja sagen das ich die eine Woche mit Sara wegfahre.
Es wäre theoretisch möglich alle gegeneinander auszuspielen aber wenn das rauskommen würde, habe ich ein echtes Problem. Die Paparazzi interessieren sich nun mal auch für Rafa. Ich war schon froh, das Sara sich wieder abgeregt hatte als das Bild aufgetaucht war. Ich möchte mir aber nicht vorstellen was passiert wenn wieder Bilder auftauchen und das in einem Zeitraum wo ich eigentlich in Österreich sein soll. Bestimmt hat sie schon bei dem einen Bild einen Herzinfarkt bekommen als sie mich gesehen hat und wenn dann noch mehr Bilder auftauchen... ein Desaster!
So dumm war der Gedanke mit Österreich aber gar nicht, es wäre zumindest der einfachste Weg. Meine Eltern würden sowieso nichts sagen wenn ich sage das ich eine Woche wegfahre aber ich muss es ja so hindrehen das Sara nicht mitkommt. Wenn ich sage das ich alleine nach Mallorca fliege denkt die doch ich spinne. Nachher will sie noch mitkommen und das geht gar nicht also muss ich einen anderen Weg finden.

Porto Cristo - September 2009

Hatte ich nicht noch vor kurzem darüber nachgedacht alleine nach Spanien zu fahren? Nun über den Gedanke alleine war ich schon lange hinaus. Inzwischen saß ich im Flughafen am Gate und wartete auf den Abflug nach Palma. Ich sah durch die großen Scheiben auf das Vorfeld wo eben das Flugzeug abgefertigt wurde. Selbst jetzt da ich das Flugzeug direkt vor mir stehen sah, konnte ich nicht glauben das ich das wirklich tue.
Die anfangs hirnrissige Idee mit der Woche Österreich erwies sich als beste Ausrede überhaupt. Es passte nichtmal richtig zusammen da meine Eltern schon die letzte Woche in Österreich waren und morgen wieder nach Hause fahren. Sara hat aber keinen Kontakt zu meinen Eltern und da fällt es nicht auf, wenn die Wochen nicht zusammenpassen. Das meine Eltern immer im September nach Österreich fahren wusste sie und da ich letztes Jahr auch mitgefahren war, fragte sie auch nicht weiter nach als ich ihr eröffnete das ich auch dieses Jahr mitfahre.
Ich schämte mich doch ein bisschen wie ich alle gegeneinander ausspielte, dass ist auch nicht meine Art aber ich war da irgendwie reingerutscht und so ein klein wenig Spaß machte es auch langsam. Es war erschreckend einfach Sara an der Nase rumzuführen. Nur musste ich aufpassen was ich wem erzähle um mich nicht in Wiedersprüche zu verstricken. Rafa bringt mich in eine unmögliche Situation, gut er kann nichts dafür das ich es wirklich mache. Er hat nur gesagt, dass er zu Hause ist und das ich hinkommen kann wenn ich will.
In dem Moment wo er das sagte, war meine Entscheidung doch schon gefallen. Wer würde denn da nein sagen? Hätte nur gefehlt das er gesagt hätte das er mich sehen will aber das war nicht nötig, ich würde auch so hinfahren. Ich hätte auch viel eher schon gesagt, dass ich nach Mallorca kommen kann aber ich wollte mich nicht aufdrängen. Mir war ja klar das er keine Lust haben wird noch nach Deutschland zu kommen nachdem er über drei Wochen in den USA unterwegs war. Ist auch besser so, in dem Kaff wo ich wohne würde er sich zu Tode langweilen.
Ich fühlte mich ja schon geehrt das er mir angeboten hat nach Porto Cristo zu kommen. Natürlich freute ich mich darauf ihn wieder mal zu sehen, die Ehre würde mir die ganze kommende Woche zu Teil werden sollte nichts unvorhergesehenes dazwischen kommen. Das ich Rafa mal eine ganze Woche sehe hätte ich mir auch nie träumen lassen. Nachdem wie das in Berlin gelaufen ist dachte ich das ich ihn nie wieder sehen würde. Wäre auch schade, ein kleines bisschen hatte ich ihn schon vermisst die letzten Wochen. Zwar konnte ich die Spiele im fernsehen mitverfolgen aber das ist ja was ganz anderes.

Ich war schon gespannt in was für einer mentalen Verfassung er ist. Die Saison war ja ein einziges auf und ab bis jetzt. Erst gewinnt der die Australian Open, dann der verletzungsbedingte Totalausfall bei den French Open im Achtelfinale, danach kam der von vielen kaum für möglich gehaltene Wimbledon Triumph und beim letzten Grad Slam, den US Open, legte er wieder mal einen vorzeitigen Abflug im Viertelfinale hin.
Ich wusste schon anhand seiner Stimme als er nach dem Viertelfinale der US Open bei mir anrief was los war auch wenn er es nicht gleich sagte. Zwar hat er dann noch die zwei Einzelspiele beim Davis Cup Halbfinale letzte Woche gewonnen aber es ging immer hin und her. Von den Australian Open und Wimbledon abgesehen kann man die Saison vergessen auch wenn er im Frühjahr einige Turniere gewonnen hat.
Die Nummer eins ist er inzwischen auch wieder los und wenn er nicht aufpasst rutscht er auf den dritten Platz ab. Einige Leute glauben hartnäckig, dass er sich noch immer mit der Knieverletzung rumärgert und es nur nicht sagen will. Rafa hat jedenfalls das nächste Turnier was er spielen sollte abgesagt aber keine genauen Gründe genannt, was die Spekulationen noch weiter anheizte.

Ein hin und her war es bei mir auch. Ich schwankte immer zwischen Euphorie und Skepsis was Rafa betrifft. Auf der einen Seite kann ich stundenlang über sinnlose Dinge mit ihm reden und auf der anderen Seite ist alles so kompliziert. Es liegt ja nicht an ihm selbst aber sein Leben wird bestimmt von Turnierplänen, Flugplänen und Zeitverschiebungen. Ich will ja nicht darauf spekulieren das er verletzungsbedingt über Monate ausfällt und so plötzlich viel Zeit hat.
Man neigt schnell dazu zu vergessen das Rafa bekannt ist wenn man mit ihm redet. Das wird mir nur immer wieder klar wenn ich ihn im Fernsehen spielen sehe. Manchmal frage ich mich ob es alles richtig ist so oder ob ich mich sinnlos in etwas reinsteigere was sowieso keine Zukunft hat. Es ist ja nicht so das ich von jetzt auf gleich mit ihm zusammen sein will aber normal kennen lernen kann man ihn gar nicht. Entweder ich sehe ihn wochenlang gar nicht oder dann gleich den ganzen Tag lang wobei ich ihn dann lieber jeden Tag sehe.
Noch dazu schnüffeln die Medien ständig hinter ihm her. Die machen gleich einen Sonderbericht in den spanischen Medien wenn Rafa mit einer vermeintlich neuen Freundin auftaucht. Wahrscheinlich ist es schon verdächtig wenn eine Frau mit weniger als zwei Metern Abstand neben ihm steht. Wobei ja niemand so richtig weiss was da Sache ist. Seine Freundin oder Exfreundin oder wie auch immer war ja nur aller ein paar Monate mal mit ihm zusammen irgendwo aufgetaucht also fragte auch keiner wenn sie mal drei Monate nirgends zu sehen war.
Sie kam nun mal nicht mit zu den Turnieren und fertig. Finde ich zwar komisch aber gut, ist nicht mein Problem. Sie wurde jedenfalls letztes Jahr im November zusammen mit Rafa gesichtet und danach nicht mehr. Gerüchte gab es eine Menge daher war ich ja auch so im Zweifel. Ich fände es schon gut wenn er mich zumindest mal auf den aktuellen Stand bringt nur wollte ich das er es von sich aus sagt und nicht weil ich ihn frage.
Es kommt immer irgendwie doof rüber wenn man nach dem Expartner fragt, nicht das er noch denkt ich würde in seinen Privatangelegenheiten schnüffeln wollen. Wenn er kein Interesse an mir hat, würde er mich aber ja nicht in sein Haus einladen also hoffe ich das er früher oder später mit der Wahrheit rausrückt.

Was ich erwarten soll oder auch nicht wusste ich nicht genau. Vielleicht sollte ich es einfach auf mich zukommen lassen und dann entscheiden. Ich wusste ja nicht genau wie das ablaufen soll nächste Woche. Angeblich trainiert er ja jeden Tag und wenn es hoch kommt auch mal acht Stunden am Tag oder mehr. Es war nicht mein Traum am Rand zu sitzen und ihn zu beobachten wie er stundenlang das gleiche macht.
Vielleicht sollte ich ja mal mit ihm Tennis spielen? Die Idee gefiel mir wirklich! Das ich dabei keine gute Figur mache steht ja schon fest aber nur so aus Spaß. Gehässig wie ich bin würde ich ein Bild davon machen und das dann Sara schicken. Sie bekommt einen Herzinfarkt wenn sie so was sehen würde. Erst jammere ich auf hohem Niveau weil sie andauernd Tennis guckt und dann spiele ich es selbst. Nein, ich würde das nie tun und hoffe das es keine Bilder von mir mit Rafa geben wird.
Wenn doch, shit happened! Rafa ist mir nicht wichtiger wie die Freundschaft zu Sara aber ich kann es ihr doch nicht erzählen. Entweder sie glaubt das ich sie verarschen will oder sie flippt einfach aus. Was sie nicht weiss, macht sie nicht heiß. In diesem Sinne, auf nach Mallorca!

Drei Stunden nach dem Abflug in Deutschland stand ich in Palma an den Kofferbändern und wartete bis mein Koffer kommt. Nachdem ich geschätzte zwei Stunden quer durch den Flughafen gerannt war, kamen die Kofferbänder dann auch mal in Sicht. Ich sah mich auch gleich mit Rafa im Großformat konfrontiert. Er macht ja Werbung für die Balearen und hier hingen überall überdimensional große Plakate mit Rafa drauf, es war unmöglich das zu übersehen.
So fing das doch gleich gut an! Ist zumindest schön zu wissen das die Plakate nicht das einzige sind was ich von Rafa zu sehen bekomme. Mal sehen wann mein Koffer auftaucht. Ist ja immer spannend ob das eigene Gepäck auch ankommt. Wenn mein Koffer verloren geht, wäre das eine absolute Katastrophe daher war ich heilfroh, als ich meinen Koffer wieder vom Band nehmen konnte. Sogar mein Sonnenschirm war unbeschädigt angekommen.
Jetzt war es zu spät, nun war ich hier gelandet und fühlte mich so als wenn ich noch gar nicht richtig hier wäre. Ich lief zum Schalter für die Mietwagen und dann raus zum Auto. Mir schlug gleich die warme Luft entgegen als ich aus dem Terminal kam, an das Klima könnte ich mich gewöhnen. Meine Jacken kann ich wohl ganz weit unten in den Koffer packen, die werde ich hier sicher nicht brauchen.

Bevor ich losfuhr, saß ich erst mal ein paar Minuten ruhig da und holte nur Luft. In ein paar Minuten werde ich Rafa wieder sehen, der Gedanke war gut und irgendwie abwegig. Die letzten sechs Wochen hatte ich ihn ja nicht mehr gesehen daher war ich jetzt umso aufgeregter. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind kurz vor Weihnachten. Ab der Sekunde wo ich hier aus dem Flugzeug stieg, war jegliches schlechtes Gewissen weg.
Damit kann ich mich in einer Woche wenn ich wieder zu Hause bin auch noch ausseinandersetzen. Zum Glück hatte ich mich entschieden selbst ein Auto zu mieten. Rafa hatte mir auch angeboten das er jemanden zum Flughafen schickt der mich abholt aber ich wusste ja nicht wie lange es dauert bis mein Gepäck da ist und ich will nicht die Nerven von jemandem überstrapazieren den ich gar nicht kenne. Da es dunkel war hätte Rafa auch selbst zum Flughafen kommen können aber er trainierte noch und hätte sowieso keine Zeit gehabt.
Es war richtig schön wie mir die warme, feuchte Luft entgegenschlug als ich aus dem Terminal kam. Es war schon Abend und trotzdem noch weit über 20 Grad, warum konnte es nicht in Deutschland auch so sein? Ich hasste Kälte und fühlte mich daher gleich heimisch hier. Ich fuhr dann los und habe ja noch ein bisschen Zeit bis ich in Manacor bin. Zwar wollte ich nach Porto Cristo aber die Autobahn führt nur über Manacor, von da aus sind es ja auch nur noch 15 Kilometer bis nach Porto Cristo. Autobahn war es nichtmal auch wenn es genau so aussah.
Zum Glück hatte Rafa mir das noch gesagt sonst wäre ich schneller gefahren und wäre vielleicht noch geblitzt worden. So musste ich also mit 100 km/h vom Flughafen Son San Joan erst nach Palma und dann nach Manacor schleichen. Der Verkehr hält sich auf der Insel sowieso in Grenzen verglichen mit dem Wahnsinn der sich tagtäglich auf deutschen Autobahnen abspielte. Wörter wie Stau gab es hier nicht und da es jetzt schon Abends war, hatte ich die Autobahn die keine war für mich alleine. Es verleitet einen immer dazu mal zu sehen wie schnell das Auto fahren kann.

Meine Nervosität stieg je näher ich meinem Ziel kam. Wenigstens hatte ich ein paar Minuten Zeit gehabt mich an den Gedanke zu gewöhnen, dass ich tatsächlich in Spanien bin. Alleine war ich noch nie in den Urlaub gefahren auch wenn es kein Urlaub im eigentlichen Sinne ist. Ich fuhr direkt weiter nach Porto Cristo und wollte es mir nicht nehmen lassen an dem Hotel entlang zufahren wo wir im Mai gewohnt hatten. Es war zwar dunkel aber mir kam es alles vor als wäre es erst gestern gewesen jetzt wo ich hier war.
Es waren fast fünf Monate vergangen aber nichts hatte sich verändert, es kam mir vor als wäre ich gestern erst hier gewesen. Als ich mich von den ganzen schönen Erinnerungen an den letzten Urlaub hier lösen konnte, suchte ich den Stadtplan in meiner Tasche. Es war noch immer der gleiche Plan den mir damals die Mitarbeiterin von dem Hotel gegeben hatte nur das inzwischen eine Menge mehr eingezeichnet war als nur diese eine Bar die mir damals empfohlen wurde. Ich hatte noch die andere Bar mit eingezeichnet und die Adresse von Rafa, damit ich nicht erst vor Ort anfange die Strasse zu suchen.
Langsam fuhr ich wieder raus aus dem Ortszentrum, es war natürlich so das Rafa nicht so wohnt das alle Leute ihn finden können. Die Häuser lichteten sich dann und die Grundstücke wurden größer, mitten im Ort stand ja ein Haus direkt am anderen. Ich fuhr am Leuchtturm vorbei und sah noch mal kurz auf die Karte, irgendwo hier müsste es sein. Rafa meinte die Strasse würde an seinem Haus enden, dass half mir aber auch nicht weiter wenn ich die Strasse nicht finde.
Wäre es nicht dunkel, könnte ich auch die Hausnummern besser erkennen vom Auto aus. Vor dem vermeintlich richtigen Haus hielt ich an und stieg aus dem Auto, zumindest war hier Endstation und die Strasse hörte auf. Ich streckte mich erst mal und sah mir dann das Haus an soweit es machbar war von der Strasse aus.

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