Ich holte kurz Luft und öffnete dann die Tür mit Absicht so weit, dass er sehen konnte das ich eine merkwürdige Art von Bekleidung trage. “Hola” Sagte ich dann mit einem breiten Lächeln. Sein Gesicht war so herrlich, der sah mich an als wäre ich ein Alien oder so was. Anscheinend hatte es ihm auch die Sprache verschlagen, hoffentlich wird er nicht noch ohnmächtig. Ich sah schon das er wohl für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ob er vor der richtigen Tür steht oder warum sah er sonst kurz auf die Nummer an der Tür? “Bon dia” Stammelte er dann leise und sah mich so an als wenn er auf eine richtig gute Erklärung warten würde aber die Ehre würde ich Rafa überlassen. Vielleicht ist er auch eben so geschockt, dass er nicht weiss was er sagen soll.
Wäre ich ganz gemein, würde ich ihm sagen was Rafa gestern Abend nach dem Spiel alles noch gemacht hat. “Amaia Canteras, ich wollte Sie ja schon immer mal kennen lernen” Antwortete ich ihm dann und streckte ihm meine Hand hin. Er zögerte erst, schüttelte dann aber doch meine Hand. Da es nicht aussah als wenn er noch etwas sagen würde, lag es also an mir die Lage zu retten. “Ähh Rafael ist eben im Bad, Moment” Er blieb vor der Tür stehen und schien sich noch von dem Schock mich zu sehen zu erholen während ich zum Bad lief. Da ich nicht wusste was Rafa dort drinnen macht, blieb ich sicherheitshalber vor der Tür stehen.
“Dein Onkel Toni wartet an der Tür” Rief ich laut und war schon so gespannt darauf das Gesicht von Rafa zu sehen. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und Rafa sah mich mit großen Augen leicht schockiert an. “Was?” Fragte er nur und schien wohl zu hoffen, dass ich einen ganz schlechten Scherz machte. ”Dein Onkel wartet an der Tür. Willst du ihm sagen was ich hier mache oder soll ich es selbst sagen?” Wiederholte ich noch mal mit einem breiten Grinsen und freute mich über seine Reaktion. Er öffnete die Badtür weiter und lief dann an mir vorbei während er mir einen warnenden Blick zuwarf. Offensichtlich war er eben duschen, zumindest waren seine Haare nass und von dem Handtuch was er sich um die Hüften gewickelt hatte abgesehen schien er nichts an zu haben.
Leider kam ich nicht dazu den Anblick lange zu genießen da er zur Tür lief. Ich wartete in sicherer Entfernung und sah zur Tür. Zwar sah ich nur Rafa von hinten aber ich war mir sicher, dass sein Onkel die ein oder andere Frage haben wird. Es kam mir sehr gelegen das Rafa nichts an hatte außer dem Handtuch, es verschlimmert die Lage noch weiter. Das Gesicht von Toni wurde auch immer eigenartiger wie ich so sah, ich rieb mir gedanklich schon voller Schadenfreude die Hände. Soll ich mich jetzt ungefragt einmischen und mit einem dämlichen Grinsen sagen das es nicht so ist wie es aussieht? Bin ja mal gespannt, wie Rafa sich da wieder rausredet. Manche Dinge rächen sich eben sofort...
Schneller als ich dachte machte Rafa die Tür dann wieder zu bevor er sich zu mir umdrehte. Ich sah schon daran wie er nach Luft schnappte und langsam näher kam, dass er nicht sehr begeistert davon war. “Was sollte das?” Fragte er dann auch gleich mit einem todernsten Gesicht. “Hätte ja wichtig sein können” Sagte ich als wenn nichts wäre und zuckte ganz unschuldig mit den Schultern. “Musstest du so gehen?” Die Art wie er das sagte gefiel mir ganz und gar nicht, gestern hat es ihn auch nicht gestört wenn ich so gut wie nichts an habe und jetzt stellt er das so dar als wenn es etwas schlimmes wäre. Ich sah kurz an mir nach unten und sah ihn dann wieder an.
“No, ich hätte auch nackt gehen können. Glaubst du das hätte deinem Onkel besser gefallen?” Er kam noch näher und stemmte dann seine Hände in seine Hüften. “Das hast du doch mit Absicht gemacht!” Ich sah an ihm nach unten und schluckte auch erst mal. Es sah wirklich gut aus wie das Wasser aus seinen Haaren tropfte und dann langsam an ihm nach unten lief. Er sollte etwas mehr anziehen, bevor ich noch etwas tue was ich später bereue. “Quatsch, würde ich doch nie tun” Sagte ich aber anhand der Tonlage machte ich ihm unmissverständlich klar das es Absicht war und das ich es wieder tun würde. “Das hast du echt ganz toll hinbekommen! Muchas gracias!”
Ich konnte mir ein breites Lächeln nicht länger verkneifen, er sah zu gut aus, wenn er sich so aufregt, hat das auch irgendwie etwas. “De nada, habe ich doch gerne getan” Antwortete ich mit einem amüsierten grinsen. Er drehte sich wieder um und lief zum Bad zurück. “Bist du jetzt sauer?” Fragte ich nur so aus Spaß. “No, wieso sollte ich?” Kam es in einer überspitzten Tonlage aus dem Bad zurück. War mir doch auch egal ob er jetzt sauer auf mich ist oder nicht. “Du kannst von mir aus duschen gehen wenn ich fertig bin” Kam es nach ein paar Sekunden dann noch. Was war jetzt los? Zeigte meine kleine Aktion etwa schon Wirkung bei ihm? Am liebsten würde ich gleich mit ihm ins Bad verschwinden, alleine duschen ist doch langweilig! “Ach, jetzt plötzlich?” Fragte ich laut damit er es auch im Bad hören konnte.
“Du gehst ja anscheinend nicht mehr” ”Wäre es dir lieber wenn ich gehe?” Zu schade, dass ich ihn nicht sehen konnte. Ich hätte zu gerne eine ehrliche Antwort auf diese Frage. “Selbst wenn es nicht so wäre, mir bleibt ja sowieso keine Wahl” Ich lehnte mich neben der Badtür seitlich an die Wand und sah nach unten auf den Teppich. Je mehr Zeit ich habe umso mehr komme ich ins grübeln. Eigentlich wollte ich gar nicht gehen, ich würde sofort mit ihm nach Mallorca fliegen. Es ist nicht so das ich ihn jetzt nie mehr sehen will. Ich beabsichtige nicht nur durch diese eine Nacht bei ihm im Gedächtnis zu bleiben. Gegen eine Wiederholung des gestrigen Abends hätte ich nichts einzuwenden. Hach, es könnte so schön sein... stattdessen fahre ich heute Nachmittag nach Hause und muss wieder arbeiten gehen. Langsam bereute ich doch alles, ich hätte nicht nach Berlin fahren sollen.
Es wirft mich nur aus der Bahn und ich trauere dann der einen Nacht ewig nach. Da ich nicht wollte, dass er merkt worüber ich nachdenke, zog ich meine Sachen wieder an und setzte mich dann an den Tisch um zu warten bis er mal fertig ist im Bad. Ich überlegte weiter und musste fast über mich selbst lachen. Wie oft hatte ich Sara verspottet und ihr gesagt es ist sinnlos Rafa zu verfolgen weil sie ihn sowieso nie länger als 10 Minuten sehen wird und jetzt saß ausgerechnet ich hier.
Ich verschwand dann schnellstmöglich ins Bad als er wieder erschien und ging erst mal duschen. Das tat gut auch wenn es nur kurzfristig nutzte und ich leider alleine war da Rafa es vorzog derweil im Zimmer zu warten. Es kam genau so wie ich schon vermutet hatte, ich denke permanent nach wobei es erst mal egal ist ob ich hier bin oder nicht. Wäre ich doch noch letzte Nacht zu der Pension gefahren, würde ich jetzt genauso nachdenken. Wenn ich schon an Sara denke, in was war ich da nur hineingeraten? Egal was ich ihr sage, die glaubt ich drehe durch. Letztendlich bleibt ihr ja keine Wahl als das was ich tue zu akzeptieren aber es würde mich wundern wenn sie nicht mit der moralischen Keule ankommt.
Ich kann schon hören was sie alles sagen wird und ich kann es ihr nicht mal übel nehmen. Sara war aber im Moment das geringste Problem. Jetzt hänge ich hier fest! Ich wünschte ich könnte mich in Luft auflösen. Warum war ich nicht doch verschwunden als er noch schlief? Im nachhinein wünschte ich das ich es getan hätte. Ich habe keine Lust eine erzwungene und übertrieben freundliche Konversation mit ihm zu führen. Vielleicht muss ich es doch wagen und einfach direkt nachfragen. Hätte ich ja auch schon längst getan wenn ich nicht befürchten müsste, das er mir sagt, dass er ja doch nur ein bisschen Ablenkung gestern Abend gebraucht hat. Vielleicht hat er ja aus genau dem selben Grund auch nicht nachgefragt. Ihm wird höchstwahrscheinlich klar sein, dass einige keine Sekunde zögern würden ihn näher kennenzulernen.
Neben seinen Erfolgen ist für einige Leute die größte Trophäe Rafa selbst. Es ist ja nicht so das ich es auf ihn abgesehen habe weil er die Nummer eins ist, dass wäre ja irre aber so was soll es geben. Auf der anderen Seite traue ich ihm nicht zu das er sagen würde das er nur ein bisschen Abwechslung haben wollte, selbst wenn es so wäre. Zumindest denke ich nicht das er ohne Rücksicht mit den Gefühlen anderer spielen würde. Ich sprach mir selbst Mut zu bevor ich das Bad wieder verließ und nahm mir vor schnellstmöglich zu gehen.
Als ich wieder im Zimmer war, saß Rafa am Tisch und sah zu mir. Ich sah auf den Tisch und staunte erst mal nicht schlecht, so was kann man wohl ein perfektes Frühstück nennen. Wo kam das alles her in der kurzen Zeit? Noch dazu würde das für mindestens fünf Personen reichen. “Ich habe mir die Freiheit genommen das Frühstück hier hoch zu bestellen. Leider weiss ich nicht was du isst also habe ich vorsichtshalber von allem etwas bestellt” Es war echt gut, wie er mich eben ansah, ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
Er hätte sagen sollen, dass er gleich ein ganzes Buffet bestellt hat. Schade das ich keine Kamera hier hatte, dass wäre ein perfektes Bild geworden wie Rafa am Tisch sitzt und mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansieht. Meine Pläne sofort zu gehen lösten sich in sekundenschnelle in Luft auf, ich kam wohl nicht um das Frühstück rum. Er hat mir ja praktisch keine Wahl gelassen ob ich überhaupt frühstücken will oder nicht. Ich machte also gute Mine zum bösen Spiel und setzte mich ihm gegenüber an den Tisch. Wenigstens kam ich so in den Genuss ihn noch ein paar Minuten länger zu sehen. Zum Glück war der Tisch zwischen uns, es erschien mir gefährlich ihm näher zu kommen. Gestern Abend hat mich das noch nicht gestört aber so lange ich nicht weiss wie das hier endet, würde ich auf zu viel Zweisamkeit lieber verzichten.
“Für wie viele Personen ist das?” Fragte ich dann interessiert, als ich meinen Blick noch mal über den Tisch schweifen ließ. “Zwei, die haben schon gesagt als ich das bestellt habe das es viel zu viel ist für zwei Personen aber Hartnäckigkeit zahlt sich meistens aus” Ich glaube nicht, dass er sich sehr anstrengen musste das alles zu bekommen. Das Hotel wird es freuen wenn der Umsatz steigt, denen ist doch egal ob hinterher alles weggeworfen wird. Gut, vielleicht sollte ich mit etwas zu trinken anfangen. Zu meinem Schrecken standen da auch mehrere Kannen. Mir blieb keine Wahl als nachzusehen was in jeder ist. War aber gar nicht so ausgefallen, in einer war Kaffee in der anderen nur Wasser und in der dritten Schokolade.
Ich fragte mich schon wie er auf die Idee kam das ich heiße Schokolade zum Frühstück trinke aber wie ich dann sah, hatte er sich das selbst schon eingegossen. Es fiel mir schwer keinen gemeinen Spruch zu sagen. Die Nummer eins im Herrentennis trinkt Schokolade zum Frühstück, das hatte auch was! Er trägt nicht nur mit Vorliebe pink und lila sondern trinkt auch noch Schokolade, was kann da noch kommen? Mit drängt sich dann immer die Frage auf wie alt er eigentlich ist.
Wenn er auf dem Platz steht und spielt, würde ich sofort glauben das er 23 ist aber davon abgesehen geht er auch 10 Jahre jünger durch, fehlt ja nur noch das er Matchbox Autos in den Hosentaschen hat. Dazu passte auch sein Lieblingsauto. Teilweise erinnerte das irgendwie an ein Kind im Spielzeugladen nur mit dem Unterschied das Rafa sich alles kaufen kann was ihm gefällt und ihm scheint einiges zu gefallen, er könnte ja schon fast ein eigenes Autohaus eröffnen.
“Trinkst du immer Schokolade?” Ich konnte es doch nicht lassen nachzubohren, die Neugierde siegte einfach. Kurz sah er in seine Tasse und dann zu mir. “Du sagst das so als wäre das etwas schlimmes” Ich konnte mich nicht mehr beherrschen und musste lachen. “No, es ist nur etwas ungewöhnlich” ”Ich trinke keinen Kaffee und außer Tee bleibt mir dann ja keine Wahl” Mhh gut, wenn man es so betrachtete... Ich gönnte mir erst mal ein Croissant und dachte nebenbei weiter nach. Es entstand dann doch eine leicht drückende Stille zwischen uns. Je länger niemand etwas sagte, umso nervöser wurde ich. Am liebsten würde ich irgendwas fragen, Hauptsache wir reden nicht über gestern Abend. “Wo fliegst du eigentlich heute hin?” Jetzt da ich fragte wurde mir bewusst, dass ich zwar die letzte Nacht hier war aber keine Ahnung hatte was er als nächstes macht.
Überhaupt wusste ich gar nichts über ihn. Hört sich komisch an da er ja in der Öffentlichkeit steht aber es gehört viel mehr dazu bevor man jemanden wirklich kennt. “Erst nach Hause und Übermorgen dann nach Cincinnati” ”Hast du nur zwei Tage frei?” ”Leider ja, nach Cincinnati geht es direkt nach New York zu den US Open und dann ist Davis Cup die Woche darauf. Ich habe erst Mitte September ein paar Tage zum relaxen, dass heißt falls mein Knie so lange mit macht” Das klang ja richtig stressig. Es war ja verrückt, mit welchem Tempo die ATP Tour um die Welt zieht, jede Woche ein anderes Land. Interessant war es schon aber wenn ich mir das vorstelle mit den ständigen Langstreckenflügen und Zeitverschiebungen, echt anstrengend. Das schlimmste wäre für mich wohl nie in meinem eigenen Bett schlafen zu können.
Sicherlich kann man sich auch daran gewöhnen aber ich würde mich fühlen wie ein Nomade ohne Heimat. Zwar hatte Rafa ja vor Wimbledon ein paar Wochen Zeit zum relaxen aber das war ja wegen der Knieverletzung sonst wäre er da auch unterwegs gewesen. Auf der anderen Seite sieht man so die ganze Welt auch wenn Rafa sicher nicht viel Zeit hat sich die Städte in denen er ist genauer anzusehen. Dagegen war mein Leben ja richtig langweilig! “Klingt stressig alles” ”Das ist es meistens auch, die würden den Turnierplan noch enger machen wenn sie könnten” Als er von seinem Knie anfing zu reden, machte ich mir auch ein paar Gedanken. Es klingt ja so als würde er hoffen, dass nichts passiert.
Nach dem Desaster bei den French Open wo er ja schon verletzt war, stand ja die Teilnahme bei Wimbledon lange auf der Kippe. Ich sehe heute noch Sara vor mir die sich aufgeregt hat warum er so viel spielt. Es war ihrer Ansicht nach Unvertretbar ihn bei dem Masters in Madrid spielen zu lassen so kurz vor den French Open. Es stellte sich ja hinterher raus, dass er schon Wochen vor Roland Garros Probleme mit dem Knie hatte und es alle in seinem näheren Umfeld gewusst haben, trotzdem hat ihn niemand davon abgehalten zu spielen. War wohl so was wie ein Glücksspiel, eines das nach hinten los ging. Irgendwie fragte ich mich auch so langsam warum er Turniere auf Kosten seiner Gesundheit spielt. Kann ja nicht nur am Geld liegen oder? Was ich aber wusste war, dass er nicht gerne über das Knie spricht also wäre es vielleicht nicht so klug da genauer nachzufragen.
Ich war dann schon eher fertig mit dem frühstücken und überlegte schon immer mal was ich sage wenn ich gehe. Anstandshalber würde ich warten bis er auch fertig ist aber eben nicht länger als nötig. Als er dann auch endlich mal fertig war mit essen, entstand wieder so eine Stille und die wollte ich gleich nutzen. Ich war schon froh, dass er nicht mehr so aggressiv wie vorhin auf alles was ich sage reagierte aber wenn er gar nichts sagt, ist es auch komisch. Kurz sah ich auf meine Uhr, inzwischen war es nach um neun aber Sara flippt sowieso aus also ist es egal wann ich erscheine.
“Ich ähm, muss dann mal los” Ich wurde nervös als ich das gesagt hatte und war gespannt auf seine Reaktion. Erst mal tat sich nichts und er sah mich mit einem neutralen Gesichtsausdruck an. “Ich packe dann auch meine Sachen” Tolle Antwort, ich dachte er sagt was, dass ich als eine Art Aufhänger nutzen kann aber offenbar eben doch nicht.
Erschien mir fast so als wenn er sich alles aus der Nase ziehen lässt. Dränge ich mich auf wenn ich ihn nach seiner Nummer frage? Irgendwie ist mir das total peinlich, ich weiss nicht mal genau warum. Nach der letzten Nacht fühlte ich mich sowieso schon so als wenn ich einen riesigen Groupie Stempel auf der Stirn hätte. Es hat doch irgendwie einen faden Beigeschmack alles. Eigentlich bin ich mir auch zu schade für nur eine Nacht aber das hätte ich mir dann gestern Abend überlegen sollen. Der Grund das ich mich nie näher mit dem Gedanke befasst hatte war das ich nie gedacht hätte das es soweit kommen würde.
Lange und dramatische Abschiedsszenen hasse ich sowieso daher stand ich dann auf und lief zur Tür. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Rafa stand neben mir und machte einen leicht nervösen Eindruck auf mich. Nervös war ich selbst auch, mehr als das. Zu sagen das ich mich unwohl fühle war weit untertrieben. Mir war klar, dass ich sicher nicht noch mal die Chance bekomme Rafa zufällig zu treffen, also bin ich selbst Schuld wenn ich es jetzt wieder versaue. Ich war aber einfach zu stolz und würde nicht über meinen Schatten springen.
Das hat es noch nie gegeben das ich einem Mann nachgelaufen bin, in der Beziehung war ich altmodisch eingestellt. Kann er nicht einfach den ersten Schritt machen? Ich fasste allen Mut zusammen und bemühte mich ein Lächeln zu ziehen auch wenn es mir schwer fiel. “Ich drücke dir die Daumen für die nächsten Turniere” Im nächsten Moment erschien sein Lächeln, das wollte ich sehen! “Ich hoffe nicht das ich zu viel Glück brauche. Schlimmer als Roland Garros kann es ja nicht mehr werden. Obwohl, könnte es doch wenn ich auf den Ranglistenplatz tausend nochirgendwas abrutschte und den Schläger endgültig an den Nagel hänge” Will er mir jetzt Angst machen und mit dem Karriereende drohen? Nun, dass funktioniert bei mir nicht denn mir ist es egal ob er Tennis spielt oder nicht, so lange ich ihn sehen kann ist es mir egal was er macht.
“Denke einfach an den Spruch schlimmer geht es immer” “Im positiven wie im negativen Sinne, no?” Ich musste lachen und dachte nebenbei darüber nach wie Recht er damit hat. Langsam kam wieder der Rafa zum Vorschein, den ich in Porto Cristo kennengelernt hatte, trotzdem musste ich gehen auch wenn ich ewig hier stehen könnte. Es nutzte ja alles nichts. Aus einem spontanen Impuls heraus umarmte ich ihn. Ach ja, ich könnte sehr lange so stehen bleiben... immerhin liess er sich umarmen und blockte nicht gleich ab. Es fiel mir schwer zu akzeptieren, dass ich ihn bald nicht mehr sehen kann. Warum muss auch alles immer so schrecklich kompliziert sein? Ich hätte sicher kein Problem damit ihn öfters zu sehen, im Gegenteil.
“Du musst mir vor jedem einzelnen Turnier sagen das du mir die Daumen drückst” Ich musste gleich wieder lachen und löste mich soweit von ihm das ich sein Gesicht wieder sehen konnte. “Tue nicht so als wenn du das nötig hättest! Du gewinnst doch auch so” ”Bueno, du willst also nicht ab und zu mit mir reden?” Ich benötigte ein paar Sekunden, bis ich verstanden hatte warum er das so formuliert hatte. Will er jetzt doch meine Nummer? Das wäre zu schön um wahr zu sein. “Das habe ich ja gar nicht gesagt” Ich versuchte erstmal nicht zu euphorisch zu werden, nicht das ich es falsch verstanden habe. Er holte sein Handy aus der Hosentasche und hielt es mir hin. Ich fühlte mich durchaus geschmeichelt, er wird ja nicht von jedem den er trifft Nummern sammeln oder? Ich sah auf das Handy und dann wieder in sein Gesicht.
“Nur wenn du versprichst meine Nummer nicht in den News auf deiner Webseite zu veröffentlichen” Das war natürlich ein Scherz von mir aber ich bin mir sicher er wird sich drüber freuen. Ich sah dann schon, dass der Spruch seine Wirkung nicht bei ihm verfehlte. Wenn er mich so anlächelt, könnte ich auf der Stelle schmelzen. “Das ist doch mein Lieblingshobby! Alles was Spaß macht wird einem vermiest heutzutage” Ich programmierte meinen Name und meine Nummer in sein Handy und gab es ihm dann zurück. “Man kann eben nicht alles haben, no?” “Das werden wir ja sehen” Meinte er dann nur vielsagend als er sein Handy wieder einsteckte, das brachte mich gleich wieder zum lachen. “Ich lasse mich überraschen, dann sehen oder besser gesagt hören wir uns ja irgendwann” ”Wird sich nicht vermeiden lassen” Ich schüttelte mit dem Kopf während ich die Tür öffnete und froh war, dass es kein übertriebenes Abschiedsdrama gibt.
“Hasta luego und rufe nicht nachts bei mir an oder du wirst es bereuen!” Ich bemühte mich es ernst klingen zu lassen aber sein Lächeln machte alles zu nichte. ”Jetzt bekomme ich aber so richtig Angst vor dir! Bis irgendwann” Zu gerne würde ich ihn jetzt umarmen aber dann komme ich nie mehr von ihm los also liess ich es bleiben. Bevor ich nie mehr dazu komme, ging ich dann und lief den Gang entlang bis zum Lift. Kurz bevor ich in den Lift stieg, sah ich noch mal den Gang entlang aber es war niemand mehr zu sehen. Gestern stand ich an genau der selben Stelle und hätte nie gedacht, wie sich der Abend dann noch entwickeln würde.
Mit einem breiten Lächeln lief ich zu meinem Auto und stieg ein. Bestimmt bekomme ich noch Gesichtslähmung von dem lächeln. Ein paar Minuten musste ich erst mal alles sacken lassen. Ich kann nicht fassen, dass er wirklich meine Nummer haben wollte. Hoffentlich stellt er keinen Unfug an damit und hoffentlich meldet er sich auch wirklich. Ich habe ja keine Nummer von ihm also liegt es alleine an ihm sich zu melden.
Vielleicht hätte ich ihn doch schon vor drei Monaten nach seiner Nummer fragen sollen aber damals hätte das ja noch komischer ausgesehen als jetzt. Es war ja schon ein sehr großer Zufall, dass wir uns hier wieder getroffen hatten. Ein drittes mal wollte ich es dann nicht auf Zufälle ankommen lassen. Meine leicht gedrückte Laune die ich vorhin hatte, war komplett verflogen, ich würde am liebsten die ganze Welt umarmen. Schon verrückt wie schnell sich die ganze Situation geändert hatte. Vor ein paar Stunden hätte ich Rafa am liebsten noch erwürgt und dann lande ich im Bett mit ihm. Kann sein das er ausgenutzt hat das ich nicht nein gesagt habe aber ich war bekanntlich auch beteiligt und war daher nicht in der Position die Schuld auf ihn alleine abzuwälzen.
Scheint ja doch noch ein gutes Ende zu nehmen... hoffentlich! Nur der Gedanke an Sara trübte meine Laune dann ein wenig, sie wird ausflippen und ich habe keine Lust auf Stress und Rechtfertigungen. Leider musste ich da aber durch und sie wird sicher nur noch misstrauischer wenn ich so übertrieben gute Laune habe. Da komme ich nur wieder ins grübeln, ob das so der richtige Weg ist. Klar kann ich mich auch daran gewöhnen sozusagen mehrgleisig zu fahren und ihr die Ahnungslose vorspielen während ich ein paar Stunden später mit Rafa telefoniere.
Entgegen meiner Erwartungen rastete sie aber gar nicht so richtig aus. Sauer war sie natürlich aber eher darüber das sie selbst irgendwie zu der Pension kommen musste. Zum Glück hatten die anderen zwei Fans mit denen sie weggegangen war Mitleid und haben sie hingefahren. Ich war zu dem Zeitpunkt ja nicht mehr erreichbar.
Tja, so viel zum Thema Zuverlässigkeit. Ja gut, ich habe sie hängen lassen aber ich wollte das ja so alles gar nicht, war keine böse Absicht. Sie fragte dann auch nicht mehr nach wo ich war und vor allem mit wem. Ich hätte es sowieso nicht gesagt aber das sie Neugierig ist dachte ich schon. Vielleicht wollte sie mich auch bestrafen indem sie so tat als würde es sie nicht kümmern. Sie dachte wohl ich bin wild drauf ihr alles haarklein zu erzählen und das sie mich ärgern kann wenn sie kein Interesse zeigt.
Zu Hause war es dann wieder vorbei mit Tennis. Inzwischen hatte ich mich doch schon fast an den ganzen Zirkus der bei den Turnieren veranstaltet wird gewöhnt. Das einzig spannende war ob Rafa sich mal meldet oder auch nicht aber das würde ich dann persönlich nehmen wenn er sich nicht meldet! Erst nach der Nummer fragen und dann nicht anrufen, solche mochte ich ganz besonders. Nach fast einer Woche meldete er sich aber dann doch mal und ich dachte wirklich er hat es sich anders überlegt.
Ein paar Hoffnungen machte ich mir eben doch. Ich überlegte schon wo er war und fragte dann nach. Cincinnati, jetzt fiel es mir auch wieder ein, er hatte davon ja was in Berlin erzählt. War mir auch unerklärlich das ich mich nicht erinnern konnte wo er ist obwohl er es vor eine Woche gesagt hat. Ob es Absicht war wusste ich nicht aber da er nicht seine Nummer unterdrückt hatte als er anrief, kam ich so auch gleich zu seiner Nummer ohne ihn fragen zu müssen. So richtig Spaß machte das ja nicht mit dem telefonieren aber besser als gar kein Lebenszeichen von ihm zu bekommen. Ich würde ihn lieber sehen aber das fällt aus in den nächsten Wochen.
Eigentlich bot sich gar keine Möglichkeit ihn in naher Zukunft zu sehen es sei denn ich fliege nach Mallorca wenn er mal dort ist. Es war aber nicht meine Absicht ihm nachzufliegen. Vielleicht sollte ich mir ja doch einen Freund hier in der Umgebung suchen anstatt jemandem nachzulaufen der sowieso nie Zeit hat. Leider ist Rafa zu verlockend und jetzt hatte ich ja sowieso schon Blut geleckt. Der einzige Weg das ich mich nicht noch weiter auf ihn einlasse ist das ich ihn nicht sehe. Das war auch gar nicht nötig, er wickelt mich auch am Telefon ein. Ich gewöhnte mich ziemlich schnell daran mit ihm zu telefonieren, dabei vergaß ich immer das er sich auf der anderen Seite der Erde befindet und die Telefongesellschaften durch uns reich werden. Es war zu witzig, wenn ich Mittagspause hatte war Rafa eben aufgestanden demnach war er manchmal nicht sehr gesprächig wenn es für seinen Geschmack zu früh war.
Er muss aber sowieso aufstehen auch wenn ich nicht anrufe also war's auch egal, ich weiss das er lieber ausschlafen würde aber da muss er durch, mich fragt auch keiner. Er hatte mal als Scherz gesagt das es ihm lieber ist das ich anrufe als wenn der Wecker klingelt. Ich konnte mich damals kaum halten vor lachen aber wenn er will spiele ich gerne seinen persönlichen Weckdienst, ich fühlte mich gleich richtig geehrt. New York klappte dann umgekehrt, er konnte dann bei mir dann anrufen und mich wecken. Vor Mitternacht kam er sowieso nicht ins Bett da er auch die evening session spielen musste bei den US Open also konnte er danach auch bei mir anrufen und mich wecken da ich in aller Herrgottsfrühe um sechs schon aufstehen musste.
Es lag dann an mir die Wortkarge zu sein während Rafa auf dem emotionalen Höhenflug war wenn er eben ein Spiel gewonnen hatte. In seltenen Momenten wünschte ich das er einfach mal die Klappe halten würde aber ich wollte ihm nicht die Freude über die Siege verderben, ich weiss ja was er alles investiert in seine Karriere. Nachvollziehbar ist es durchaus das er sich dann freut wenn er gewinnt. Nur hatte ich das Gefühl das er vergisst zwischendurch mal Luft zu holen und das er mir jeden Punkt einzeln detailliert erläutern muss.
Wie es immer so ist, kommen alle Dinge zusammen wenn etwas schief geht und ich sah mich plötzlich mit einem Bild aus Porto Cristo konfrontiert. Anders formuliert stand Sara vor mir und hielt mir das Bild hin während sie fragte was ich dazu zu sagen habe. Tja, das war das Bild von Rafa und mir das die Kellnerin in der Bar gemacht hatte. Das hatte ich ja schon total vergessen! Ich bekam einen Schreck und war für einen Moment sprachlos während ich mächtig ins schwitzen geriet. Huh, das könnte so richtig unangenehm werden!
Wie kommt die zu dem Bild? Mir schossen tausend Fragen gleichzeitig durch den Kopf. Das erwischte mich sozusagen aus heiterem Himmel. Wenn Sara mich so verbissen ansieht, traue ich mich ja kaum ihr die Wahrheit zu sagen. Vielleicht sollte ich es ja mit der Wahrheit versuchen also zumindest so ein bisschen. “Woher hast du das?” Stammelte ich verwirrt und erstaunt zugleich. “Aus dem Internet woher sonst? Vielleicht sollte ich dich auch eher fragen wie es dazu kam und warum du mir keinen Ton gesagt hast” An dem leicht feindseligen Unterton in ihrer Stimme erkannte ich schon, dass sie mächtig angefressen war. Gut, rausreden nutzt nichts mehr, es war klar wann das Bild entstanden sein musste.
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