6 October 2009

Chapter 11

Ich löste mich dann doch wieder von ihm, zumindest soweit das ich ihn wieder ansehen konnte. Zwar stand er noch unmittelbar vor mir aber das machte mich jetzt auch nicht noch nervöser. Die paar Zentimeter Entfernung zwischen uns taten auch ganz gut. Mir wurde nach und nach bewusst was hier vor sich geht. Ich hätte mir vor einer Woche nie träumen lassen mal Rafael Nadal zu trösten. Das war die eine Seite, die andere ist das er es tatsächlich zulässt.
Hat er nicht genug Vertraute in seinem Umfeld, die ihn im Notfall auch mal Umarmen um ihn zu trösten? Oder will er nicht das jemand der ihn besser kennt einen falschen Eindruck von ihm bekommt? Es wird ihn sicher niemand als Weichei abstempeln nur weil er ein bisschen Aufmunterung braucht. “Warum machst du das?” Kam es plötzlich. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und überlegte was ich sage. Warum machte ich das?
Gute Frage! Plötzlich wurde ich doch wieder nervös, was damit zusammenhing, dass ich nicht sofort eine Antwort auf seine Frage hatte. “Was?” Fragte ich zögerlich und hatte Mühe seinem Blick standzuhalten. Ich wollte nur etwas mehr Zeit zum überlegen gewinnen. “Das hier” Seine Depriphase schien er ja schnell überwunden zu haben, so einen frustrierten Eindruck machte er eben nicht auf mich. Scheint so als wenn er versucht die Kontrolle über die Situation an sich zu reißen. ”Ich weiss nicht” Sagte ich nach ein paar Sekunden zögernd und schluckte dann kräftig, dass wurde mir langsam zu heiß alles.
“Ich meine, du hast mich doch hier her bestellt” Hing ich dann noch an und überlegte ob ich stehen bleibe oder sicherheitshalber einen Schritt zurück gehe. Spontan entschied ich mich für die zweite Variante und machte einen kleinen Schritt rückwärts um etwas mehr Abstand zu ihm zu bekommen. Ich dachte, er bleibt stehen aber je mehr ich zurück ging umso näher kam er mir. So langsam machte ich mir Gedanken als ich unerwartet stehen bleiben musste weil ich mit dem Rücken zur Wand stand. Ja, dass Sprichwort passte eben perfekt nur das mir nicht nach scherzen war.
Ich wusste nicht wirklich was das hier werden soll, eigentlich wollte ich auch gar nicht darüber nachdenken jetzt. Zumindest lag es jetzt nicht mehr an mir, ich kann nichts tun wenn ich nicht weiter zurückweichen kann und Rafael unmittelbar vor mir steht und mich mit einem interessierten Blick mustert.

Ohne das er einen Ton sagte, kam er so nahe, dass ich mich schon beherrschen musste nichts unanständiges zu tun. Je näher er kam umso mehr schwitzte ich. Wenn er noch lange so weiter macht und mich so ansieht, kann ich für absolut nichts mehr garantieren. Ich könnte mich in seinen Augen verlieren, am liebsten würde ich ihn stundenlang beobachten.
Gestört wurde ich als er meine Hand in seine nahm, dass fühlte sich an als wenn ein leichter Stromschlag meinen Körper durchfährt. Es knisterte zu sehr zwischen uns und das bilde ich mir ganz sicher nicht ein. Bevor ich wusste wie mir geschieht, spürte ich seine Lippen auf meinen. Fantasiere ich eben oder küsst er mich wirklich?

Ein paar Sekunden später machte er aber deutlich, dass ich mir das nicht einbilde. Ich würde mich doch gerne darauf einlassen! An dem Punkt dachte ich überhaupt gar nicht mehr nach dafür wurde ich nervös, noch viel schlimmer als vorher. Mir war dann egal was er tut so lange er nicht aufhört mich zu küssen. Nachdem ich mir sicher war, dass er kein Problem damit hat wenn ich mich revanchiere, versuchte ich das ganze unter Kontrolle zu bringen.
Es ging nur nicht, ich könnte mich total vergessen in seinen Küssen. Aufhören ging auch nicht, da müsste ich ja mehr als blöd sein. Es war ja jetzt egal also umarmte ich ihn und fuhr mit den Händen durch seine Haare. Ich wollte schon immer mal seine Frisur zerstören weil er irgendwie heiß aussieht mit zerwühlten Haaren. Am liebsten würde ich noch ganz andere Dinge mit ihm machen. Wäre doch schade wenn es nur bei küssen bleibt. Es ließ sich nicht vermeiden, dass es mir wärmer wurde je länger das ging.
Ich zog ein wenig an seinem Oberteil und ließ meine Hand dann an seinem Rücken darunter verschwinden da mir irgendwie zuviel Stoff zwischen uns war. Es fiel mir immer schwerer mich gegen die sehr verlockenden Gedanken das bis zum Ende auszunutzen zu wehren. Wenn er mich schon so küsst, was kann ich denn dann noch erwarten? Mir schwirrte immer im Hinterkopf rum das ich das hier nicht tun sollte aber ich kann einfach nicht nein sagen. Ich würde ihm am liebsten alle Klamotten runterreißen. Es passierte höchst selten, dass ich total die Kontrolle über mich verliere aber ich fürchte, es wird genau dazu kommen. Wie in einem Rausch zog ich ihm sein Poloshirt über den Kopf auch wenn ich mich dazu kurz von seinen Lippen lösen musste. Ich konnte nicht anders als den Anblick genießen, es lag nicht mehr in meiner Hand was ich tue. Rafa nur in weißen Hosen und mit einer total zerwühlten Frisur, ich könnte ihn auffressen.
Ich war sicher nicht nur auf Äußerlichkeiten aus aber offensichtlich scheint sich das ganze Training zu lohnen, er ist von oben bis unten durchtrainiert. Sein feuriger Blick gab mir noch den Rest also zog ich ihn wieder an mich. Inzwischen waren seine Hände auch an meinem Rücken und ich konnte nicht anders als das ganze zu genießen, zwar hätte ich seine Hände lieber woanders aber was nicht ist kann ja noch werden. Mein Oberteil verflüchtigte sich dann auch bald und je weniger Stoff zwischen uns war umso heißer wurde es mir. Jetzt würde ich garantiert nicht mehr locker lassen! Irgendwie schafften wir es umschlungen von der Wand zum Bett zu stolpern. Ich ließ mich dann rückwärts fallen und zog ihn hinterher.

Langsam küsste er meinen Hals nach unten während er mir meinen Rock auszog und dann mit seinen Händen Streicheleinheiten auf meinem Körper verteilte. Das war echt mehr als ich vertragen konnte, er schien instinktiv zu wissen was mich total zum ausflippen bringt. Er kann tun was er will so lange er nicht aufhört. Jedenfalls hatte ich schon Mühe nicht die Beherrschung zu verlieren dabei machte er gar nichts weiter oder lag es daran das er nebenbei seine Zunge um meine Brustwarze kreisen liess? Mit einer Hand fuhr ich über seinen Rücken während ich mir auf die Unterlippe biss um nicht die Beherrschung zu verlieren.
Seine Küsse waren kaum zum aushalten, es war zuviel des Guten. Je weiter er sich nach unten küsste umso unruhiger wurde ich. Bevor ich total die Kontrolle über mich verlor, holte ich kurz Luft und drehte ihn auf den Rücken. Ich wollte auch mal Küsse auf ihm verteilen und dazu wäre ich sonst nicht mehr gekommen. Damit er mich nicht ablenkt, hielt ich seine Handgelenke auf dem Bettlaken fest und fing an Küsse an seinem Hals zu verteilen. Wer weiss ob ich die Gelegenheit noch mal bekomme also nutzte ich das aus und küsste mich langsam an ihm nach unten bis zu seinem Bauchnabel. Rafa riecht nicht nur unverschämt gut, er schmeckt auch so.
Ich gebe es ja zu, mir war bisher noch kein Mann untergekommen der so durchtrainiert ist das einem die Luft weg bleibt vor Begeisterung. Einige würden wohl töten wenn sie dafür mit mir tauschen könnten. Ich könnte ewig Küsse auf ihm verteilen, es war zu schön ihn nicht nur zu sehen sondern auch zu spüren. Allmählich wurde er dann unruhig, es hätte mich auch gewundert, wenn die Küsse keine Reaktion bei ihm hervorrufen. Da ich eben dabei war, kümmerte ich mich auch gleich noch um seine weißen Hosen, die störten nur.
Den Anblick konnte ich aber nicht genießen da er dann unruhig wurde und den Spieß wieder umdrehte. Mir schlug das Herz bis zum Hals als er sich langsam an mir nach unten küsste und mir währenddessen meine noch verbliebene Unterwäsche auszog. Ich biss mir erst auf die Unterlippe aber ich konnte dann ein stöhnen nicht länger unterdrücken. Seine Hände und Küsse taten zu gut, es war lange her das ich mich mit jemandem so wohl fühlte wie mit ihm...

Ein wenig erschrak ich schon als ich wieder soviel Kontrolle über mich selbst hatte das ich klar denken konnte. Irgendwie wollte ich aber jetzt gar nicht nachdenken, war doch sowieso zu spät und somit egal. Außerdem war ich gerade viel zu entspannt und total glücklich um negative Gedanken zu hegen. Nach und nach wurde mir dann klar wer mich da eben so umarmt. Ich lag auf der Seite direkt an Rafa und hatte einen Arm quer über seinen Bauch liegen.
Es war wirklich nicht meine Absicht mit ihm im Bett zu landen. War schon schlimm genug das es überhaupt so weit kam und dann auch noch ausgerechnet mit Rafa! Am liebsten würde ich gleich gehen, mir wurde alles entschieden zu viel. Es ist nicht so das ich jetzt verschwinde nachdem ich bekommen hatte was ich wolle aber es ging einfach nicht. Da er mich so umarmt, machte ich mir schon ein paar Gedanken. Damit das er mich jetzt rauswirft hatte ich ja gar nicht gerechnet aber er war für meinen Geschmack ein bisschen zu anhänglich. Wäre es nicht so das ich ihn morgen nicht mehr sehe, würde ich nicht daran denken jetzt zu gehen.
Es war zu bequem und der Gedanke direkt neben ihm zu schlafen war sehr verlockend. “Ich muss los” Hörte ich mich dann selbst sagen. Es war schon ein bisschen komisch, ich wollte nicht das er denkt das ich ihn ausnutze aber hier bleiben ging auch nicht. Erst kam keine Reaktion von ihm, schläft er vielleicht? Das wäre die Gelegenheit! Obwohl es mir schwer fiel, versuchte ich mich aus seinen Armen zu befreien. Leider hielt er mich fest und dachte gar nicht daran mich loszulassen. Täuscht er etwa vor das er schläft weil er keine Lust hat jetzt zu reden? “Wo willst du hin?” Kam es plötzlich doch im dunkeln. Wie, wo ich hin will? Der war gut, so schwer kann's ja wohl nicht zu erraten sein oder doch? “Ich muss los, Sara glaubt noch mir ist was zugestoßen. Sie ist noch auf der Anlage und wartet auf mich”
Mir entging natürlich nicht sein vorwurfsvoller Blick, darauf hatte ich nur gewartet! Es war dunkel aber vom Fenster schien ein bisschen Licht von draußen rein so das ich ihn sehen konnte. Dachte ich nicht vorhin das er mich jetzt los werden will? So schien es nicht zu sein, sein Blick sagte schon alles auch wenn er nichts sagte. Mir wurde dann zumindest klar, dass er mich nicht einfach so gehen lässt. Zwar steht es mir frei einfach zu verschwinden aber ich weiss das ich dann ein schlechtes Gewissen hätte und er weiss es auch und diesen Umstand nutzt er gerade aus. Finde ich zwar nicht in Ordnung das er mich auf die Art dazu bringt hier zu bleiben aber ich war auch selbst Schuld wenn ich darauf reagiere.
Andererseits macht es doch keinen Unterschied ob ich jetzt gehe oder morgen früh, irgendwann muss ich gehen. Seinen Blick konnte ich nicht länger ertragen also lehnte ich mich wieder nach hinten und umarmte ihn. Ich rückte so nah es ging an ihn und legte meinen Kopf an seine Schulter. Warum riecht er immer so gut? Ich wusste nicht mal wonach er genau riecht, irgendwas mit Zitrone auf jeden Fall. Wenn ich nicht müsste, würde ich ihn gar nicht mehr los lassen. Klar war es bequem so aber ich kann nicht ewig in seinen Armen liegen bleiben. “Soll ich hier bleiben?” Fragte ich dann leise obwohl ich mir die Frage hätte schenken können.
Seine Antwort kam in der Form, dass er mit seiner Hand meinen Rücken langsam auf und ab fuhr. Mir wäre es lieber gewesen er hätte gesagt das ich hier bleiben soll anstatt so zu reagieren. “Kriege ich jetzt Karten für das Finale?” Ich fragte deswegen so dreist weil ich ihn zu einer Antwort zwingen wollte und das er momentan zu entspannt ist um auszuflippen wusste ich auch. “Zu welchem Turnier willst du gehen?” Ich musste kichern und überlegte kurz. “Wimbledon nächstes Jahr. Und vorne irgendwo, ich will auch was sehen!” Ich dachte ja er schnappt jetzt hektisch nach Luft und springt dann aggressiv auf aber gar nichts passierte.
Hätte ich das gewusst, hätte ich Vorgestern nicht nach Karten gefragt sondern erst jetzt auch wenn er dann wirklich denken würde das ich alles tue für gute Karten. ”Was wenn ich es gar nicht ins Finale schaffe?” ”Warum nicht? Oder willst du mal jemanden anderes gewinnen lassen?” ”Mal sehen. Schlafe jetzt!” Ich musste gleich wieder kichern. “Mhh” Schlafen auf Kommando kann ich nicht außerdem war ich viel zu nervös um zu schlafen. Wenn ich schon hier übernachte, sollte ich es vielleicht auch ausnutzen.
Er hat ja nur zwei Sätze gespielt und kann daher unmöglich so kaputt sein das er nur noch schlafen will. Die Nacht ist noch lang und schlafen kann er auch morgen. Vielleicht sollte ich nicht darüber nachdenken was ich alles mit ihm anstellen könnte bis morgen Früh, auf die Art komme ich nie zum schlafen. “Ich kann nicht schlafen” Sagte ich nach ein paar Minuten leise. “Warte einfach ab, das gibt sich schon” Ich rollte mit den Augen auch wenn er es wohl nicht sah im dunkeln.
Klar, einfach abwarten und was soll ich machen? Däumchen drehen? Mir würde da ja schon was einfallen. Ich drehte mich auf die Seite und küsste ihn am Hals während ich mit einer Hand langsam durch seine Haare fuhr. Falls er glaubt, das ich ihn jetzt schlafen lasse, täuscht er sich!
“Wie wär’s mit dem French Open Finale nächstes Jahr?” Fragte ich dann ganz unschuldig. ”Jetzt werde mal nicht gierig!” “Ich würde mich auch erkenntlich zeigen” ”Ich merke es! Du gibt’s nicht auf, no? Würdest du das auch tun wenn ich dir keine Karten gebe?” Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen. ”Wenn du nett zu mir bist vielleicht schon. Ich meine, es ist ja noch viel Zeit bis morgen Früh” ”Was, wenn ich schlafen will?” ”Schlafen kannst du auch morgen!”

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, spürte ich eine Hand auf meinem Bauch und es war nicht meine eigene. Ich war noch nicht so richtig wach aber ich spürte, das etwas anders war als sonst. Ich rieb mir dann meine Augen während ich gähnte und blinzelte dann vorsichtig. Na nu, wo war ich denn hier? Sah aus wie ein Hotelzimmer, in einem ziemlich teuren Hotel! Mein Blick wanderte weiter zu der Hand auf meinem Bauch, es war also keine Einbildung von mir. Der gestrige Abend war kein Ergebnis meiner Fantasie sondern Realität. Obwohl ich inzwischen wusste wem die Hand gehört, brauchte ich eine visuelle Bestätigung.
Das konnte und durfte einfach nicht sein! Ich hielt die Luft an während ich meinen Kopf ganz leicht zur Seite drehte damit ich neben mich sehen kann. Oh weia, es war kein Traum, Rafael Nadal lag neben mir und schlief! Zwar nicht direkt an mir aber er war doch so nah, dass er bequem seine Hand auf meinem Bauch liegen hatte. Ein paar Augenblicke brauchte ich um das zu verdauen, dass war schon heftig. In der nächsten Sekunde sah ich mich augenblicklich mit den Ereignissen der letzten Nacht konfrontiert. Das verlorene Spiel, das enttäuschte Gesicht von Sara, die Umarmung, die Küsse und dann der Rest. Ich könnte mich an seine Küsse gewöhnen und auch daran neben ihm aufzuwachen.
Ok am Besten ich bleibe erst mal ganz ruhig. Das ging nur nicht, ich wäre am liebsten laut schreiend aus dem Bett gesprungen. Nicht weil mich seine Nähe stört sondern wegen allem. Wie konnte es nur so weit kommen? Mir schossen tausende Fragen gleichzeitig durch den Kopf. Sieht so aus als wenn ich ein kleines Problem hätte um nicht zu sagen ein etwas größeres Problem, es ist 1,86 m groß und liegt neben mir um genau zu sein. Es beunruhigt mich doch ein wenig das er es geschafft hat, dass ich total die Kontrolle über mich verloren habe. Ich kenne ihn nicht und es ist nicht meine Art mit praktisch Fremden ins Bett zu steigen.
Das mit dem nicht näher kennen hatte sich ja erledigt seit gestern Abend. Es war total unglaublich alles obwohl ich ja hier war und Rafa neben mir sah. Am liebsten würde ich ihn mit zu mir nach Hause nehmen und dann dort im Bett gefangen halten. Es ist nicht so das ich verzweifelt einen Freund suche aber bei Rafa würde ich es mir überlegen auch wenn ich mir da wahrscheinlich den Falschen aussuche. Es war ein riesen Fehler gestern Abend obwohl ich keine einzige Sekunde davon bereute. Nichts dergleichen was gestern Abend passiert ist war geplant.
Ich wollte ihn nur trösten und hatte ihn deswegen umarmt und nicht damit alles außer Kontrolle gerät und wir im Bett landen. Ich wollte eigentlich auch nicht so genau wissen was ich von ihm haben könnte aber heute sowieso nicht mehr kriege. Was bringt es mir eine Nacht mit ihm zu verbringen wenn ich genau weiss das ich ihn dann nicht mehr sehe? Diese Frage hätte ich mir gestern Abend stellen sollen.
Hatte ich ja auch aber die Versuchung war zu groß, ich konnte einfach nicht nein sagen. Kann schon sein das die Tatsache das ich in letzter Zeit keinen Freund hatte mit reingespielt hat. Ich würde mich ja nie als sexsüchtig bezeichnen aber es kann schon nicht schaden ab und zu, Rafa kam mir gewissermaßen eben gelegen auch wenn ich nicht plante ihn auf die Art auszunutzen.

Ich verhielt mich ruhig um ihn nicht zu wecken und beobachtete ihn. Er lag auf der Seite mit dem Gesicht in meine Richtung und seine Haare waren richtig schön zerwühlt. Je länger ich ihn beobachtete, umso offensichtlicher wurden die Gründe wieso es so weit kommen konnte. Er sieht selbst wenn er schläft noch gut aus, ich könnte direkt wieder auf unanständige Ideen kommen. Am liebsten würde ich mich in seine Arme kuscheln und gar nicht mehr nachdenken. Das war entgegen meinem ersten Instinkt als ich flüchten wollte aber ich weiss auch nicht woran das liegt, es passt einfach zwischen uns.
Er hat mir zumindest nicht das Gefühl gegeben das er das brauchte um die Niederlage zu verkraften. Klar war das ein guter Weg alles zu vergessen und nicht mehr nachzudenken aber wenn es ihm wirklich nur um den Sex gegangen wäre, hätte er nicht darauf bestanden das ich hier bleibe. Jedenfalls hat er nicht nur an sich gedacht, dass war schon mal viel wert und er wäre wirklich nicht der erste der im Bett zum Egoist wird und nur an sich selbst denkt. Zumindest hoffte ich das er das alles nicht nur getan hat um nach der Niederlage sein Ego zu pushen. Ich wollte eigentlich auch nicht hier übernachten aber er hat mich ja umarmt und nicht mehr losgelassen. Es wäre mir auch so schwer genug gefallen zu gehen, die verlockende Aussicht in seinen Armen zu schlafen überwiegte stärker als jegliche Logik also war ich eben geblieben.
Auf der anderen Seite wär's vielleicht doch besser wenn ich einfach verschwinde, es gibt doch sowieso nichts mehr zu sagen. Es wird nur peinlicher je länger wir alles hinauszögern. Letzte Nacht dachte ich noch ich kann auch später gehen aber jetzt gab es kein später mehr. Es ist ja nicht so das ich mir Hoffnungen mache, ich weiss doch das er heute Abend schon woanders sein wird. Ich wusste auch nicht wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Etwa so tun als wäre gar nichts gewesen?

Ich schielte auf sein Handgelenk oder genauer gesagt auf die Uhr an seinem Handgelenk. Es war noch nicht so spät, erst kurz nach acht aber Sara wird mir die Hölle heiß machen. Ich hatte ihr gestern noch eine sms geschickt und geschrieben das es sein kann das ich länger weg bin, sicherlich meinte ich damit nicht die ganze Nacht. Ja und später hatte ich mich nicht mehr um mein Handy gekümmert da ich abgelenkt war und keinen Gedanken an Sara verschwendete.
Ich verbrachte die nächsten Minuten damit zu überlegen, wie ich mich am elegantesten aus dieser leicht prekären Lage befreien könnte. Es wäre doch so schön einfach für alle Beteiligten wenn ich still und leise verschwinde. Kann sein, das Rafa da anderer Meinung ist aber was soll’s. Nicht das er wieder so ein Theater veranstaltet wie letzte Nacht als ich gehen wollte. Ich hob vorsichtig seinen Arm und versuchte ihn von mir weg zu schieben, es war nur nicht so einfach wie ich erst dachte. Obwohl er schläft, schiebt er seinen Arm immer wieder zu mir rüber. Ich drehte mich wieder auf die Seite mit dem Rücken zu ihm, zog die Bettdecke bis zum Kinn hoch und dachte angestrengt nach.
Sieht so aus als wenn ich nicht so einfach verschwinden kann. Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben als die direkte Konfrontation zu suchen. Gestört wurde ich in meinen Gedanken von seiner Hand an meinem Rücken. Kann er vielleicht mal aufhören ständig zu versuchen mich zu umarmen? Ich hatte eben kein gesteigertes Bedürfnis nach Kuscheleinheiten, zumindest nicht mit ihm. Es bestand kein Grund ihm noch näher zu kommen sofern das nach der letzten Nacht noch möglich ist. Da ich neugierig war, drehte ich dann meinen Kopf wieder nach hinten und zu meinem Erstaunen sah er mich an. Ich sah ein paar Sekunden in seine Augen und kam augenblicklich wieder ins schwanken doch näher an ihn zu rücken.
Sein verschlafener Blick hat irgendwie auch was, ich musste mich zwingen von ihm wegzusehen bevor ich etwas unüberlegtes tue. Es war echt verrückt, wenn er mich ansieht, kann ich absolut nicht nein sagen. Wahrscheinlich würde ich wieder schwach werden wenn er es versuchen würde. Ich überlegte was ich sage aber mein Kopf war plötzlich total leer. “Bon dia” Fiel es mir dann spontan ein. “Buenas tardes” Was sollte ich jetzt antworten? Was ganz neutrales also doch so tun als wäre nichts? Seine Hand an meinem Rücken wurde mir dann doch zu viel also setzte ich mich hin und sammelte meine Sachen vom Fußboden auf um sie anzuziehen, zumindest die die ich vom Bett aus erreichen konnte.

“Gestern Abend hat dich das noch nicht gestört” Kam es plötzlich von hinter mir. Hatte ich das eben richtig verstanden? Regt er sich jetzt auf weil es mich gestern auch nicht gestört hat wenn seine Hand an meinem Rücken ist? Es gab ganz andere Dinge die mich gestern auch nicht störten aber gestern war eben gestern. Ich drehte meinen Kopf damit ich ihn sehen konnte und holte dann tief Luft. “Gestern Abend ist vorbei” Versuchte ich sachlich zu sagen. In den folgenden Sekunden versteinerte sich sein Gesicht, ich konnte sehen das er erst mal kräftig schluckte.
Hat er das jetzt irgendwie falsch verstanden? Ich meinte das auch so, es sollte nicht bedeuten das ich ab heute so tue als wenn ich ihn nicht kenne. “Du findest den Weg zur Tür ja sicher selbst, no?” Warum ist er jetzt gleich wieder so aggressiv und abweisend? Ich rollte kurz mit den Augen und dachte dann so, ok wenn er will, kann er es so haben. “Du hast noch vergessen zu erwähnen das ich es von Anfang an nur darauf abgesehen hatte dich flach zu legen um an Karten zu kommen” Das wollte er doch sowieso hören. Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, es war fast wie Vorgestern Abend als er mich zu der Ohrfeige provoziert hatte. Ich hatte es doch gewusst, es ist einfach nicht möglich sachlich darüber zu reden da ich keine Ahnung habe wie er zu dem ganzen steht. Alles was ich sage fasst er grundsätzlich anders auf als ich es meine.
Ich gehe zumindest davon aus, dass es ein one night stand war und fertig. Etwas anderes zu glauben wäre ziemlich dumm. “Verschwinde” Kam es dann nur mit einem eiskalten Blick. Er sah mich eben an als wenn er mich gleich anspringt und dann erwürgt. Ich blieb sitzen und schüttelte mit dem Kopf. Es war echt kaum zu fassen, er glaubte tatsächlich das ich nur hier war weil ich ihn rumkriegen wollte. Wieso reagiert er gleich so extrem wenn es nicht nach seiner Nase geht? “Rafael, dass sollte eben nicht heißen das ich dich ab heute nicht mehr kenne. Ich habe nur gesagt das gestern eben nicht heute ist” Ich wurde nachdenklich und kam wieder ins schwitzen. “Was bringt das denn wenn wir so weitermachen wie gestern Abend, du bist doch sowieso in ein paar Stunden hier weg” Hatte ich mich eben verraten? Ich wollte das nur alles nicht weil es dann noch schlimmer wird wenn ich mich von ihm verabschieden muss. Ohne das er noch ein Wort sagte stand er auf und wickelte die Bettdecke um sich bevor er ins Bad verschwand.

Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und dachte ich bin eben in einem schlechten Traum. Fast könnte man glauben das er mich gar nicht verstehen will und es absichtlich auf eine Konfrontation anlegt. Da er jetzt im Bad ist, kann ich ja auch verschwinden, nach seiner letzten Äußerung wird es ihn ja freuen wenn er mich los ist. Plötzlich klingelte es an der Tür. Bisher hatte ich ja nur Unterwäsche an, so kann ich auf keinen Fall zur Tür gehen.
Sicherlich wäre es Rafa am liebsten wenn ich mich jetzt in Luft auflöse aber den Gefallen tue ich ihm nicht. Normalerweise würde ich nie zur Tür gehen wenn es nicht mein Zimmer ist aber ich war eben ein bisschen sauer auf ihn und würde ihn daher mit Vergnügen in eine peinliche Lage bringen. Ich wickelte also die Bettdecke um mich und lief dann gespannt zur Tür. Kurz sah ich durch den Spion, sah aus wie sein Onkel Toni Nadal, perfekt! Der kommt mir sehr gelegen. Es hätte gar niemand besseres sein können, mal sehen ob er sich freut wenn er mich sieht!

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