Was mir als erstes auffiel, war die Größe. Er hatte zwar mal erzählt, dass seine Schwester meistens bei ihm wohnt wenn er zu Hause ist aber das wäre selbst für zwei Personen viel zu groß, da könnten ja zwei Familien drinnen wohnen. Es war überall dunkel und kein Licht war zu sehen abgesehen von der Beleuchtung der Einfahrt. Vor dem Haus war noch Rasen und ein paar große Palmen gemischt mit Strelizien und dann gab es nichts weiter zu sehen abgesehen von dem Metallzaun der das Grundstück abgrenzt.
Rein von der Architektur her war es auf jeden Fall ein neuerer Baustil und ganz offensichtlich war es absichtlich so gebaut, dass es von der Straßenseite aus nichts zu sehen gibt. Pool muss es einen geben da Rafa mal einen erwähnt hatte also wird der wohl auf der anderen Seite sein. Ich sah mich kurz auf der anderen Straßenseite um, da waren ähnliche Häuser das war hier wohl so was wie die Wohngegend der finanziell besser Gestellten.
Bestimmt ist auch das Meer gleich in der Nähe, da würde ich mich überraschen lassen wenn es morgen Früh hell wird. Jetzt war ich erstmal gespannt darauf das Haus und vor allem Rafa zu sehen.
Ich sammelte mich noch mal kurz und drückte dann auf die Klingel. Dabei sah ich auch das dort nichts auf dem Schild steht. So was hatte ich schon erwartet, da mir schon in früheren Urlauben aufgefallen war, dass hier nirgends Namen an den Briefkästen und Klingelschildern stehen. Das war nicht nur in Porto Cristo so sondern auf der ganzen Insel, ab einer gewissen Größe der Häuser blieb alles anonym obwohl ich trotzdem nicht daran zweifelte das trotzdem alle wissen wer wo wohnt. Von hier aus sah es auch nicht so aus als wenn jemand zu Hause wäre aber Rafa meinte er wäre spätestens um neun da und da er sich nicht gemeldet hatte, wird er wohl da sein.
Ohne das ich etwas sagen musste, öffnete sich dann wie von Geisterhand das Tor. Ich lief rein und war schon richtig aufgeregt, es wurde immer schlimmer! Als ich etwa in der Hälfte der Einfahrt war, kam Rafa mir entgegen gelaufen. Aww, wie lange hatte ich mich auf diesen Moment gefreut. Es war richtig schön ihn endlich wieder zu sehen und nicht nur zu hören. Ich zog ein breites Lächeln und blieb vor ihm stehen, so richtig konnte ich noch nicht glauben das ich ihn endlich wieder mal sehe. “Hola” Sagte ich dann mit einem breiten Lächeln und dachte ich träume das eben.
”Hi, ich dachte schon du hast den Weg nicht gefunden” Erst zog er ein Lächeln vom einen Ohr bis zum anderen und dann umarmte er mich spontan. Ich schlang meine Arme um ihn damit ich nicht nach hinten falle und musste lachen über den stürmischen Empfang. “Und ich dachte schon du bist nicht da weil alles dunkel ist” Er liess mich wieder los und grinste mich frech an. ”Ich würde dir kaum anbieten das du hier her kommen kannst wenn ich nicht da bin. Außer mir ist niemand hier und ich mache ja nicht aus Spaß überall Licht an” Es war also wirklich niemand da und Rafa wohnt alleine hier? Das macht mir Angst zu wissen das ich die ganze Woche mit ihm alleine bin. Ein kichern konnte ich mir dann nicht länger verkneifen.
“Heißt das wir sind alleine?” ”Sí, du musst aber keine Angst haben vor mir. Das du dich wehren kannst weiss ich ja schon” Meinte er jetzt die Ohrfeige? Tolles Thema, schön das er gleich damit anfängt. “Ich würde es wieder tun” Antwortete ich dann nur mit einem übertriebenen Lächeln. “Davon bin ich überzeugt! Ich habe auch Angst vor dir” Es klang so herrlich wie er das sagte, fast würde ich es ihm glauben auch wenn sein übertriebenes Lächeln schon klarstellte wie ernst er das gemeint hatte. ”Dann wäre das ja geklärt” ”Es ist ja gerade niemand hier von mir abgesehen und ich freue mich über ein bisschen Gesellschaft” Ich musste mich beherrschen nicht laut zu kreischen vor lachen. Das klang echt gut!
Er müsste sicher nicht lange nach jemandem suchen der ihm freiwillig Gesellschaft leistet. “Heißt das jetzt du hast nur gesagt ich kann hier her kommen weil es dir alleine langweilig wird?” Nicht das ich die Frage ernst gemeint hatte, ich wollte nur seine Reaktion sehen. “Was denkst du warum ich dir angeboten habe hier her zu kommen?” Tja was wohl, er könnte auch sagen das er mich unbedingt sehen wollte. Na schön, offensichtlich wird er also wieder frech, dass konnte ja noch heiter werden...
Ich holte meinen Koffer und den Schirm aus dem Auto und war schon mal gespannt darauf wie das Haus von innen aussieht. Vielleicht hat er ja überall seine ganzen Auszeichnungen verteilt? Nach ein paar Minuten musste ich aber feststellen, dass es ziemlich normal aussieht, es gab gar keine Trophäen zu sehen. Nur ein paar Auszeichnungen aus Glas standen in einem Schrank. Auf mein Nachfragen wo der Rest ist bekam ich als Antwort, dass alles verpackt in Kisten ist.
Alles was nicht aus Glas ist, reagiert zu empfindlich auf die ständig hohe Luftfeuchte hier und Rafa ist zu faul alles ständig zu polieren. Ist eigentlich schade, gerade der Pokal von Wimbledon würde sich doch gut auf dem Kaminsims machen. Da drängt sich mir die Frage auf wozu er einen Kamin braucht wenn es Fußbodenheizung gibt. War wohl zu Dekozwecken oder nach dem Motto was man hat, hat man. An Technik hat er jedenfalls nicht gespart und offensichtlich hat er auch den größten Fernseher gekauft der hergestellt wird. Ich dachte mir nur meinen Teil und verkniff mir immer die Frage nach dem Preis.
Nachdem wir in der unteren Etage überall waren, zumindest dachte ich das, ging es oben weiter. Praktischerweise gab es auch ein Gästezimmer mit eigenem Bad. Bäder gab es auch noch zwei weitere, eins hatte sich seine Schwester einverleibt, das andere Rafa selbst. Zwar hatte ich auch mein eigenes Bad in meiner Wohnung aber es ist so verdammt klein das man sich kaum drehen kann. Hier ist wesentlich mehr Platz, zu viel für eine Person. Warum baut er sich so ein riesen Haus wenn er alleine hier wohnt? Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich ihm gerne länger Gesellschaft leisten. Es war irgendwie alles zu perfekt, so was sah man normalerweise nur in Zeitungen oder im fernsehen. Ich hätte zu gerne gefragt was das Haus plus die Einrichtung gekostet hat.
Mir ist durchaus bekannt, das Baugrundstücke mit Meerblick auf Mallorca ein Vermögen kosten, vom Haus abgesehen. Wäre das ganze ein Hotel, dann hätte es sicher fünf Sterne, es war offensichtlich von der Aufteilung der Räume bis hin zur Einrichtung komplett durchgeplant. Es passte alles zusammen, ich kann mir nur schwer vorstellen das Rafa das alles ohne fremde Hilfe geschafft hat. Er scheint auch noch viel mehr Geld zu haben als ich vermutet habe. Zwar hatte ich mit Sara da nie so drüber gesprochen was er verdient bei den Turniersiegen und den ganzen Werbeverträgen die er hat aber es muss sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen.
Ich war jedenfalls erstmal total platt als ich alles gesehen hatte. Ich könnte direkt neidisch werden, er ist genauso alt wie ich und kann sich so ein Haus leisten. Das würde ich mir wahrscheinlich mein ganzes Leben lang nicht leisten können. Es war unvermeidlich das da so was wie Neid aufkommt. Klar würde ich auch lieber hier in einem großen Haus mit Meerblick wohnen anstatt in dem kleinen Kaff wo ich wohne mich zu Tode zu langweilen.
Es passte jedenfalls zu Rafa. Zwar hatte ich keinerlei Ahnung was ich erwarten kann aber mir war klar, dass da höchstwahrscheinlich eine Menge Geld drinnen steckt. Erst gibt er sich total Bescheiden und Bodenständig und dann das. Zumindest prahlt er nicht öffentlich damit was er sich alles leisten kann.
Wir gingen dann wieder nach unten und setzten uns auf die Terrasse. Meine Gedanken gingen weg von dem Haus hin zu der Frage wo er mich einquartieren wird. Bisher hatte er nichts davon gesagt. Ich vermute mal das er mir das Gästezimmer geben wird. Zumindest war es nicht mein Plan mich in seinem Bett einzuquartieren. Nachdem wir uns ein paar Wochen nicht gesehen haben, müssen wir ja nicht gleich übertreiben. Ich bin grundsätzlich dafür alles langsam angehen zu lassen auch wenn Rafa dafür eigentlich keine Zeit hat.
Mir erschien es auch nicht so als wenn er sich überstürzt auf jemanden einlassen würde. Es erklärte warum seine Exfreundin von hier war und das er sie schon lange kannte bevor er mit ihr zusammen war. Klar ist es einfacher mit jemandem den man schon kennt als wenn man jemanden kennen lernt von dem man nicht genau weiss was er eigentlich will. Sicherlich wird bei ihm immer die Frage mit durch den Kopf gehen ob jemand an ihm als Person oder als Tennisspieler interessiert ist. So genau wusste ich gar nicht wie er darüber denkt. Eigentlich wusste ich gar nicht viel von ihm, die Gespräche am Telefon waren meistens nicht so tiefgründig auch wenn es eine Menge zu lachen gab. Vielleicht bin ich nach der einen Woche schlauer.
Wir hatten es ja auch irgendwie geschafft, nicht weiter über die Vorkommnisse in Berlin zu sprechen. Zumindest nicht über die abseits vom Platz. Die Ohrfeige mussten wir auch nicht mehr auswerten, dazu war alles gesagt. Die Nacht eigentlich auch nicht nur würden wir kaum ewig drumrumreden können. One night stand kann man es nicht wirklich bezeichnen, ich wusste gar nicht wie ich es einordnen soll. Es hatte sich eben ergeben auch wenn das doof klingt.
“Willst du Minzetee trinken?” Kam es plötzlich von hinten. Ich drehte meinen Kopf nach hinten und musste dann lachen. Rafa stand in der Tür zur Terrasse und sah mich fragend an. Er sollte mal nicht so ernst tun! “Machst du gleich fünf Liter?” Fragte ich zurück. Das Lächeln liess auch nicht lange auf sich warten bei ihm. “Wenn du willst schon” Würde er alles tun was ich ihm sage?
Interessante Frage! “Dann würde ich die restliche Nacht im Bad verbringen, no?” ”Schon möglich, ich würde sagen das hängt von deiner Blase ab” Ich musste wieder lachen und konnte nicht glauben, dass wir wirklich darüber reden. “Dann nehme ich erstmal nur eine Tasse” ”Bueno” Er drehte sich um und verschwand wieder ins Haus. Ich schüttelte mit dem Kopf und musste immer wieder lachen. Der ist echt verrückt!
Das vermisse ich ja auch wenn ich ihn nicht sehen kann, es macht nur halb so viel Spaß wenn man sich nur hört und nicht sieht, da kommen solche komischen Situationen nicht zu stande. Ein paar Minuten brauchte ich um mich daran zu gewöhnen ihn plötzlich wieder zu sehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte das nicht sechs Wochen gedauert aber er hatte ja nicht eher Zeit.
Ich stand dann auf und lief ihm nach in die Küche. Da er mich nicht bemerkt hatte, verhielt ich mich ruhig und lehnte mich seitlich an den Schrank während ich ihn beobachtete. Zwar sah ich ihn nur von hinten aber das reichte aus, ich könnte ihn auch längere Zeit beobachten auch wenn ich dann früher oder später auf dumme Gedanken komme. Rafael Nadal gehört zu den Menschen, die von allen Seiten eine gute Figur machen. Irgendeine Spielerin der WTA Tour hatte mal gesagt Rafa hätte den schönsten Hintern der ATP Tour, das würde ich sofort unterschreiben! Leider hatte er ziemlich viel an aber das könnte man sicher ändern.
Wie schön das ich die ganze kommende Woche Zeit habe Rafa zu beobachten. “Beobachtest du mich etwa?” Fragte er plötzlich ohne das er sich umdrehte. Ich fühlte mich eben leicht ertappt und wurde sicher rot. Es wurde mir zumindest warm im Gesicht, woher wusste er das ich hier war? Nach ein paar mal tief luftholen hatte ich mich wieder unter Kontrolle. Wo ich doch eben in so interessante Gedanken vertieft war! “Sí” Antwortete ich dann direkt. Er sah mich kurz an und dann wieder auf den Wasserkocher. Fast sah es so aus als wenn er mit der Antwort nicht gerechnet hatte. “Gibt es was interessantes zu sehen?” Ihn zu beobachten war doch immer interessant, da würden mir sicher eine menge Leute zustimmen.
“Von dir abgesehen nicht, nein” Sagte ich dann direkt bevor ich lange überlegt hatte. Kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht bevor er sich wieder umdrehte. Sicher war ich mir nicht aber ich wurde den Eindruck nicht los, das ihn zu direkte Komplimente in Verlegenheit bringen. Dazu bestand wirklich kein Grund aber mir gefiel seine Reaktion. Das zeigt zumindest, dass er sich selbst nicht für den Allergrößten hält. Ich sagte erstmal nichts weiter und wartete bis das Wasser kochte bevor wir wieder raus liefen auf die Terrasse.
Im ersten Moment hatte ich das für einen Scherz gehalten als er mich gefragt hatte ob ich Tee trinken will aber der Gedanke war gar nicht so dumm. Am ersten Abend muss ich mich ja nicht gleich total betrinken. Es war ja schon nach um neun als ich hier angekommen war also beließen wir es bei der einen Tasse Tee bevor ich total müde ins Bett fiel. Ich durfte mich in dem Gästezimmer breit machen, mir war aber egal wo ich schlafe so lange es ein Bett gibt. Immerhin hatte ich es noch geschafft zu duschen. Ohne weitere Umwege verschwand ich vom Bad aus direkt ins Bett.
Ah, endlich liegen! Der Tag war echt anstrengend. Ich musste ja heute früh aufstehen weil ich bis Mittags noch arbeiten war, dann den Koffer gepackt habe und zum Flughafen gefahren bin und dann eben noch hier vom Flughafen nach Porto Cristo. Jetzt war ich jedenfalls ko. Ich gähnte und machte es mir dann bequem. Leider war die Tür zum Flur noch offen, ich bin aber so faul und habe absolut keine Lust jetzt noch mal aufzustehen. Wenn ich Glück habe kommt Rafa noch mal vorbei, dann kann er sich um das Problem mit der Tür kümmern. Wie auf Bestellung stand er auch ein paar Augenblicke später in der Tür.
Ein wenig überrascht sah er schon aus, er hatte wohl nicht damit gerechnet das ich schon im Bett liege. “Ich ähm, wollte dich nicht stören” Ich zog ein Lächeln und rollte mit den Augen. “Komme her” Er kam näher und setzte sich auf die Bettkante. “Du störst nicht und wenn hier jemand den Satz sagen kann dann ich. Ich meine, es ist doch dein Haus” “Sí aber ich will dich nicht vom schlafen abhalten” Schade! Am liebsten hätte ich das auch laut gesagt. Wenn es Rafa ist der mich davon abhält zu schlafen, habe ich kein Problem damit. “Ich denke, ich kann damit leben wenn du mich vom schlafen abhältst”
Bei dem Lächeln das er daraufhin zog, hätte ich wegschmelzen können. Zum Glück lag ich schon, sonst hätte ich jetzt wieder weiche Knie bekommen. Das war es was ich schon so vermisst hatte, dieses umwerfende Lächeln. “Ich wünsche dir eine Gute Nacht” Ich biss mir auf die Zunge um nicht zu sagen das die Nacht noch viel schöner wäre wenn er hier bleiben würde. “Dir auch” Antwortete ich dann mit einem Lächeln. Bevor ich es mir versah, küsste er mich auf die Stirn ehe er aufstand und das Zimmer verließ.
Ich drehte mich auf die Seite und machte das Licht aus. Müde war ich aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch schlafen kann. Mir ging die ganze Zeit durch den Kopf, dass Rafa nur ein paar Zimmer entfernt ist. Ich wäre zu gerne wieder aufgestanden und hätte ihn so lange genervt bis er mich in sein Bett lässt aber ich wollte nicht gleich am ersten Tag übertreiben.
Ich plante jedenfalls nicht die restliche Woche auch hier zu schlafen. Berlin war lange genug her und ich hätte nichts gegen eine Wiederholung. Es ist nicht mein Hauptanliegen ihn ins Bett zu kriegen aber ich will zumindest neben ihm schlafen. Es würde mich wundern wenn er standhaft bleibt und es auch bei nur schlafen bleibt.
Ich könnte zumindest nicht versprechen ihn in Ruhe zu lassen wenn er neben mir liegt. Vielleicht sollte ich an etwas anderes denken sonst komme ich ja nie zum schlafen. Wäre ich nicht hier her gekommen, hätte ich es sicher früher oder später bereut. Ist doch egal ob ich ihm nachfliege oder nicht, ich wäre auch noch weiter geflogen um ihn zu sehen.
Als ich wieder aufwachte und auf die Uhr sah, bekam ich fast einen Herzinfarkt. Gleich halb 11! So lange schlafe ich zu Hause nie. Zwar wusste ich das es nach um acht sein musste da es schon hell war aber das fast Mittag ist hätte ich nun nicht gedacht. Ich setzte mich hin und streckte mich erstmal, immerhin war ich jetzt richtig schön ausgeschlafen. Als mein Blick zum Fenster schweifte, wurde ich neugierig. Gab es nun Meerblick oder nicht?
Vom Bett aus sah ich das aber nicht also stand ich auf und lief gespannt zum Fenster. Außen waren an allen Fenstern weiße Jalousien und zum Glück war die im Gästezimmer ein Stück hochgezogen und es kam ein bisschen Licht rein sonst hätte ich wohl bis zum Nachmittag geschlafen. Nebenbei bemerkte ich dann noch, dass dieses Fenster bis zum Boden ging, gestern war mir das auch schon aufgefallen. Normal war hier anscheinend nichts, ich hatte gestern auch in den anderen Räumen kein normales Fenster gesehen, die gingen überall bis zum Boden. Jalousie selbst nach oben leiern war auch mal, in der modernen zeit drückt man dazu auf einen Knopf und wartet dann einfach ab. Das tat ich jetzt auch gespannt.
Wenige Sekunden später stand ich mitten im Sonnenlicht und bewunderte erstmal die Aussicht. Lag ich doch richtig mit meiner Vermutung, es gab Meerblick und was für einen. Ich blieb erstmal stehen und liess das auf mich wirken, dass glitzernde Wasser hat irgendwie eine beruhigende Wirkung. Schönes Wetter war auch noch aber ich hatte nichts anderes erwartet. Bestimmt ist es mal wieder schlecht in Deutschland, da ist ja selbst im Sommer nicht solches Wetter wie hier im September. Ich sollte gleich ein paar Monate hier bleiben und nicht nur eine Woche. So richtig genießen kann Rafa das alles ja auch nicht da er so oft weg ist.
Ich verließ das Zimmer und schlurfte dann gemütlich die Treppen nach unten. Vielleicht ist Rafa ja gar nicht da obwohl er nicht erwähnt hatte, dass er heute etwas vor hat. Wie ich dann sah saß er vor dem PC, fehlt ja nur das er eben seine eigene Webseite anguckt oder noch besser das er nachsieht was seine Fans so über ihn schreiben.
Ich möchte auch mal bei mir zu Hause unter freiem Himmel am PC sitzen aber es würde sich da gar nicht lohnen den erst draußen aufzubauen, da es hier nicht regnet im Sommer lohnt es sich hier schon eher. Es gab ein schönes Bild ab wie Rafa da saß und mich nicht bemerkte. Leider blieb meine Anwesenheit dann aber nicht mehr lange unentdeckt. “Bon dia” Ich zog ein Lächeln und gähnte erstmal. “Buenas tardes, von Morgen kann man ja wohl nicht mehr sprechen” ”Ich dachte schon dir ist etwas zugestoßen” ”No, ich war selbst erschrocken als ich eben auf die Uhr sah. Es war nicht meine Absicht den Tag zu verschlafen” ”Falls du trotzdem frühstücken willst, ich habe alles stehen gelassen” ”Mhh ok” Zwar hatte ich nicht viel Hunger aber wenn sowieso schon alles auf dem Tisch stand, konnte ich es schlecht ablehnen.
Ein wenig wunderte ich mich schon darüber, dass er offensichtlich Zeit hat heute. Trainiert er nicht jeden Tag? Gestern war er ja auch irgendwo Tennis spielen. Es lag hoffentlich nicht an mir obwohl ich nicht glaube, dass ihn meine Anwesenheit vom Training abhält. Da wird er wohl als Profi keine Kompromisse eingehen was das betrifft. Den ganzen Tag wollte ich nicht hier bleiben obwohl ich auch hätte in den Pool springen können. Strand wäre mir am liebsten, den habe ich schließlich in Deutschland nicht.
Da er mich fragte wie ich mir den restlichen Tag vorstelle, nutzte ich die Chance gleich zu sagen das ich wenn es sich einrichten lässt gerne irgendwo an den Strand gehen würde. Entgegen meiner Erwartung leistete er keinerlei Widerstand also gehen wir eben zum Strand. Erst dachte ich das es ihm dort vielleicht zu langweilig ist denn wenn man ein ganzes Leben lang den Strand direkt vor der Haustür hat, geht man eben irgendwann nicht mehr hin. Vermutlich wird er sich nicht zwischen den ganzen Touristen an den Strand legen, es musste ihn ja nicht gleich jeder erkennen. Hoffentlich macht er es nicht nur weil er mir nicht den Urlaub versauen will, ich will nicht das er mitgeht um mir einen Gefallen zu tun.
Ich packte meine Badetasche zusammen und zog meinen Bikini an, von mir aus kann es los gehen. Sehr zu meinem Bedauern fuhr Rafa heute nicht den Aston Martin spazieren. Der stand zwar in der Garage aber ich musste mit einem unauffälligen Auto vorlieb nehmen. Immerhin traut er sich mit mir in einem Auto zu fahren, man muss ja damit rechnen das ihn jemand erkennt. Er fuhr erstmal direkt ins Zentrum von Porto Cristo, will er etwa doch hier an den Strand gehen? Es gab in Porto Cristo nur einen einzigen Strand und der war direkt im Ort, war auch sehr beliebt bei den ganzen Touristen. “Willst du hier an den Strand gehen?” Ich musste fragen, da ich es nicht glauben wollte. Rafa sah aus dem Augenwinkel zu mir rüber und zog dann ein Lächeln.
“Sehe ich aus als wenn ich verrückt wäre?” ”Das habe ich mich auch eben gefragt” ”Natürlich gehe ich nicht hier an den Strand, lasse dich überraschen” Gut, blieb mir wohl auch keine andere Wahl. Ein paar Gedanken machte ich mir doch als es direkt zum Hafen ging. Geht unser Ausflug etwa auf dem Wasser weiter? Da er in unmittelbarer Nähe der Anlegestellen parkte, war ich mir fast sicher, dass noch irgendwas kommt. “Hast du hier irgendwo eine Jacht?” Fragte ich mit einem kichern und meinte das eigentlich als Scherz. “Sí, du wirst sie gleich sehen” Wenn er so antwortet, kann das nichts gutes bedeuten. Wir liefen einen Anlegesteg entlang als er plötzlich stehen blieb. Ich drehte mich zur Seite und sah ins Wasser. Mein erster Gedanke war, oh nein!
“Das ist deine Jacht?” Fragte ich mit einem skeptischen Ton und hoffte das er eben Scherze machte. “Ist toll, ich weiss” Es handelte sich dabei um einen Jet-ski. Mein nächster Gedanke galt meiner Lebensversicherung. Zum Glück hatte ich eine! Sehr vertrauenserweckend sah das Gefährt nämlich nicht aus. Da schwammen sogar mehrere solcher Teile, falls er glaubt das ich mit so was fahre, täuscht er sich. “Willst du mit einem eigenen fahren?” Was für eine Frage! Sehe ich aus als wenn ich mich umbringen wälte? ”Nur über meine Leiche” Sagte ich dann und betete das wir heil am Strand ankommen. Ich hatte noch etwas Zeit alles genau zu betrachten da Rafa erst noch den Schlüssel organisieren musste.
Also gehört ihm das Teil nicht mal aber heutzutage kann man sich ja fast alles ausleihen. Schneller als mir lieb war stand Rafa wieder neben mir. “Du kannst hoffentlich damit umgehen?” Fragte ich nur vorsichtig, mir war das wirklich nicht geheuer. “Hey ich fahre nicht zum ersten mal damit. Vertraue mir einfach, dir wird nichts passieren” Ja, dass klang sehr gut nur überzeugte es mich nicht wirklich. “Gehört dir das Teil?” ”No, ich weiss das durch die Presse Geschichten geistern das es ein Geburtstagsgeschenk gewesen wäre, es war Zufall das da die Bilder mit dem Jet-ski entstanden sind. Es lohnt sich nicht einen eigenen zu kaufen, so oft habe ich nicht Zeit damit zu fahren” Mir blieb wohl keine Wahl, ich wollte auch nicht die Spielverderberin sein also muss ich da jetzt durch.
Ein wenig sicherer fühlte ich mich dann schon mit Schwimmweste auch wenn ich lieber nicht sehen wollte, wie ich aussehe damit. Rafa sah noch ganz ok aus aber der kann auch irgendwie einen Kartoffelsack anziehen und sieht noch gut aus damit. Selbst die Aussicht das ich Rafa umarmen kann da ich mich ja festhalten muss war nicht sehr verlockend. Ok, Augen zu und durch. “Du siehst echt toll aus mit der Schwimmweste” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn erst mal nur skeptisch an. Sein grinsen war so verräterisch das ich zu der Annahme kam das er mich auf den Arm nehmen will. “Klar” Antwortete ich nur und rollte mit den Augen.
“Wirklich! Ich meine das nicht als Scherz” Oh weia, wenn er so energisch reagiert komme ich ja direkt ins grübeln ob er es nicht doch ernst gemeint hat aber warum sieht er mich dann so an? ”Warum grinst du mich dann so an?” ”Darf ich das nicht? Oder wäre es dir lieber wenn ich die Mundwinkel bis zum Boden hängen lasse?” Ich zog es vor diese Diskussion nicht weiter zu vertiefen.
Ein paar Minuten später sah ich Porto Cristo am Horizont immer kleiner werden. Zumindest fuhr Rafa nicht so schnell aber dann würde ich nach ihm schlagen und ihn so zwingen langsamer zu fahren. Wenn jetzt der Motor kaputt geht, treiben wir sicher raus aufs offene Meer und werden in zwei Wochen als Treibgut irgendwo in Algerien an den Strand gespült. Die Vorstellung war noch viel schrecklicher als die mit dem Flugzeug abzustürzen! Und als ehemalige Kurzzeit Flugbegleiterin weiss sich wovon ich spreche. Kaum hatte ich das Horrorszenario zu Ende durchdacht, blieben wir stehen. “Was ist?” Fragte ich und hatte Mühe nicht gleich das schlimmste zu befürchten. Rafa drehte seinen Kopf nach hinten und grinste mich frech an.
“Ich wäre dir sehr verbunden wenn du mich nicht gleich erquetschen würdest” So witzig fand ich das gar nicht aber ich liess erstmal ein bisschen locker. “Ich will ja nicht runterfallen” ”Das tust du auch nicht aber du krallst dich an mir fest als wenn es um Leben oder Tod geht” ”Sehr vertrauenserweckend wirkt das Ding auch nicht. Was wenn der Motor kaputt geht?” ”So weit weg vom Strand sind wir nun auch nicht, wir werden sicher nicht bis zum Festland abgetrieben” Warum werde ich nur das Gefühl nicht los das er sich über mich lustig macht? “Fahre weiter” Sagte ich dann nur um die Diskussion zu beenden. Zum Glück ging es nur in die nächste Bucht.
Ich war heilfroh als der Strand in Sicht kam. Da waren direkt mal keine Menschen zu sehen, so was war wirklich selten hier. Endlich wieder Land! Es war ein schönes Gefühl wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Die blöde Schwimmweste konnte ich auch wieder ausziehen, ich fühlte mich darin wie die Wurst in der Pelle. Rafa schien dafür umso mehr Spaß an dem ganzen zu haben. Typisch Mann, der fährt offensichtlich total auf technisches aller Art ab. “War gar nicht so schlimm, no?” Ich holte tief Luft und zwang mich zu einem Lächeln. “Wie man es sieht” ”Das war noch gar nichts, macht erst so richtig Spaß wenn richtig Wellengang ist” ”Gracias, ich verzichte” Ich packte schon immer mein Badetuch aus und machte es mir bequem während Rafa noch damit beschäftigt war den Jet-ski so festzumachen das er nicht wegschwimmt.
Die Vorstellung zurück nach Porto Cristo zu schwimmen war auch nicht sehr prickelnd. Als Rafa endlich mal fertig war und zu meinem Handtuch lief, fiel mir auf das er irgendwie anders läuft als sonst. Nicht das ich ihn so genau kennen würde aber es war verdächtig. Ich würde darauf wetten, dass er ein Problem mit dem linken Knie hat. Das hatte er ja sowieso, nicht umsonst hat er nach den French Open das Turnier abgesagt aber jetzt war doch schon Ende September und die French Open waren im Juni.
So würde sich auch erklären warum er nicht trainiert aber es müsste ja schon eine ernste Verletzung sein wenn er gar nicht trainieren kann. Soll ich ihn jetzt darauf ansprechen? Wenn es wirklich weh tut, wovon ich einfach mal ausgehe, hat er vielleicht gar keine Lust darüber zu reden. Erst wollte ich nichts sagen aber es ließ mir dann einfach keine Ruhe. Zwar merkte man ihm so nichts weiter an aber er wird in den letzten Jahren schon gelernt haben wie man alles vertuschen kann.
“Was ist mit deinem linken Knie?” Fragte ich dann einfach direkt. Er sah zu mir rüber und im nächsten Moment verschwand sein Lächeln. “Nichts schlimmes, es tut nur etwas weh” Etwas? Wenn man es ihm schon ansehen kann, wird es wohl ein bisschen mehr als nur etwas weh tun. “Nimm’ es nicht persönlich aber es sieht nicht aus als wenn es nichts weiter wäre” Er sah auf sein Knie und sagte vorerst nichts mehr. Ich wartete noch ein paar Sekunden ab nur passierte nichts. Eigentlich wollte ich dann etwas sagen aber sein nachdenklicher Blick hielt mich davon ab.
Er schien total in Gedanken versunken da traute ich mich kaum etwas zu sagen. Worüber er nachdenkt weiss ich natürlich nicht aber ich ahnte es schon. Kann es wohl sein, dass die Sache mit dem Knie ernster ist als er öffentlich zugibt? Wenn ich ihn so sehe, komme ich jedenfalls zu der Annahme. Ein paar Minuten später schien er wieder in die Realität zu kommen, zumindest sah er mich wieder an. “Perdó, ich war nur kurz in Gedanken” ”Habe ich gesehen” “Die Verletzung hat mich den fünften French Open Titel gekostet und auch den US Open Titel. Zwar hätte ich vielleicht sowieso verloren im Finale aber ich wäre sicher weiter als bis zum Viertelfinale gekommen wenn ich hätte zu 100% spielen können” Ich war ein wenig erstaunt wie er das sagte, da schien eine Menge Frust mit dabei zu sein. Vielleicht ist es doch besser wenn ich das Thema wechsle andererseits waren wir doch sowieso eben dabei.
Es war offensichtlich, dass dieses Thema ein wunder Punkt bei ihm ist. “Ist es immer noch die gleiche Verletzung die du schon im Mai hattest?” ”Mai? Schön wär's! Ich ärgere mich seit kurz nach den Australian Open damit rum” Das war bekanntlich im Januar, so langsam bekam ich eine vage Vorstellung von den Dimensionen. Sprich, er hat die Verletzung schon die gesamte Saison. Wenn man es so sieht, erscheinen die Siege in einem anderen Licht. “Ich glaube ich werde das nie mehr los. Mir fehlt die Zeit damit alles ausheilen kann. Ich weiss nicht was schlimmer ist, die Verletzung oder die Behandlung davon. Fast alle Spieler haben irgendwo Schmerzen also gehört es mit zum Job die Zähne zusammen zu beißen. Ich bin es gewohnt mit Schmerzen zu spielen aber irgendwann kommt der Punkt wo es einfach nicht mehr geht, das war bei den French Open im Achtelfinale der Fall. Die Behandlung macht auch nicht wirklich Spaß, ich fühle mich manchmal wie ein Versuchskaninchen” Ich schluckte nur und war kurzfristig sprachlos. Sein momentaner Blick sprach auch Bände, am liebsten würde ich ihn umarmen.
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