Ich kann mir schon das Gesicht von Toni vorstellen, der denkt sicher nichts schlimmes von Rafa. Das niemand Freudensprünge macht wenn ich Rafa während dem Turnier ein bisschen ablenke war mir ja klar aber deswegen muss er mich ja nicht gleich im Bad schmoren lassen. Zum Glück hatte ich mich dazu entschieden so lange hier zu warten bis Rafa mal rein kommt. Hoffentlich musste jetzt keiner von denen die eben hier auf Besuch waren auf Toilette. Wenigstens gab es hier ein Fenster im Bad und ich musste nicht im dunkeln sitzen, dass wäre noch die Krönung gewesen.
Es dauerte und dauerte... ich sah dann mal auf meine Uhr, es wurden 10 Minuten und dann 15 Minuten und nichts tat sich. Ist Rafa unfähig zum Ausdruck zu bringen das die alle aus seinem Zimmer verschwinden sollen? Inzwischen hatte ich genug Zeit gehabt das Bad aus allen Winkeln zu betrachten, so spannend war es nun wirklich nicht. Mir fiel nur spontan auf, das er offensichtlich unnatürlich viele Schuhe hat. Im Zimmer sind welche aber hier standen auch noch zwei paar unter dem Waschbecken und das Beste ist, die sind alle identisch. Mir war ja klar das er nicht nur ein paar mit hat aber so einen Verschleiß kann kein Mensch haben.
Die waren passend zu seinem aktuellen Outfit lila, nichtmal dunkel sondern richtig schön Pastell. Wer dachte, dass sein pinkes Outfit bei den French Open ausgefallen war, der irrte sich. Inzwischen war er zu lila übergegangen und es schockt niemanden mehr. Die meisten haben sich schon daran gewöhnt das Rafa den Hang zu eher untypischen Farben hat. Bei anderen Spielern würden alle laut kreischen aber bei Rafa schockt es keinen mehr.
Ein Wunder, dass so etwas überhaupt hergestellt wurde aber sicherlich ist alles was er trägt Maßanfertigung und die würden extra für Rafa auch die verrücktesten Kombinationen produzieren. Die Zeit verging aber auch davon nicht wenn ich nachdenke was Rafa alles so an hat. Wenn sich in den nächsten fünf Minuten nichts tut, gehe ich von alleine ins Zimmer und es ist mir egal ob mich dann irgendjemand sieht, ich habe keine Lust den Rest des Tages im Bad zu verbringen. Ein paar Minuten später ging die Tür wieder zu, kam jetzt noch jemand?
Bevor ich mich seelisch darauf vorbereiten konnte noch Stunden hier zu schmoren, ging die Tür weiter auf und Rafa steckte seinen Kopf rein. “Du bist ja noch da!” Es klingt richtig gut wenn er so begeistert ist, trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los das er mich auf den Arm nehmen will. Sein breites Lächeln machte es nicht gerade besser, man könnte denken er freut sich unheimlich darüber das ich hier ewig auf ihn warte. Ganz so begeistert wie er war ich von dem ganzen nicht. “Sí, ich habe auch erst überlegt aus dem Fenster zu springen aber dort standen Leute und ich will keine Unbeteiligten schädigen” “Es tut mir leid, mein Onkel hatte ein großes Bedürfnis mit mir über das Training zu reden” Ich rollte mit den Augen und blieb erst mal sitzen.
Zu gerne wäre ich jetzt sauer aber das geht nicht wenn Rafa mich so frech anlächelt. “Hätte es noch länger gedauert, hätte ich derweil Haare waschen können” ”Wie gesagt, es war nicht geplant das er plötzlich hier auftaucht” Er kam dann näher und setzte sich neben mich, wobei man es sitzen nicht nennen konnte sondern eher hocken. “Ist echt bequem hier” ”Wie man es nimmt, erwartest du noch weiteren Besuch?” Antwortete ich nur und sah zu ihm rüber.
“No sonst hätte ich dich auch kaum jetzt hier her gebeten” ”Kann ja sein du stehst drauf Frauen ins Bad zu sperren” Er schüttelte mit dem Kopf und lächelte dabei vom einen Ohr zum anderen. Ich würde alles mögliche zu ihm sagen um im Gegenzug das Lächeln von ihm zu sehen. “Natürlich, es war alles abgesprochen mit meinem Onkel. Du kannst froh sein, dass jetzt erst Nachmittag ist und ich heute Abend noch spielen muss sonst müsstest du die ganze Nacht hier drinnen bleiben” Die Vorstellung hatte auch was, Rafa macht es sich alleine bequem in einem Bett wo vier Personen drinnen schlafen könnten und mich würde er ins Bad sperren. Vermutlich wird der Großteil seiner Fans sich eine Nacht mit ihm anders vorstellen als im Bad auf dem Wannenrand zu hocken. Ich konnte nicht anders als zu lächeln.
“Ich wusste das dein öffentliches Image alles nur Fassade ist. Wenn ich mir das so überlege, möchte ich dir lieber nicht im dunkeln begegnen. Vielleicht sollte ich ja gehen, ich meine so lange ich noch die Gelegenheit dazu habe” ”Ich könnte dich trotzdem hier einsperren. Ich kann ja von außen die Tür verriegeln während ich spiele” ”Ich weiss nur nicht was das für ein Licht auf dich wirft wenn ich über das Telefon Hilfe holen muss” ”Hast du etwa Hoffnung das dir jemand glauben würde? Ich meine, ich kann doch kein Wässerchen trüben” ”Ist klar, diejenigen die harmlos aussehen, sind immer die schlimmsten von allen. Vielleicht würde ich ja auch freiwillig hier bleiben und du müsstest mich gar nicht einsperren” ”Du würdest auch so hier bleiben?” War ja richtig niedlich wie er das so hoffnungsvoll fragte. Ich musste wieder lachen und schüttelte mit dem Kopf. “No, jetzt nicht mehr”
Leider kamen wir nicht dazu die äußerst interessante Unterhaltung fortzuführen da Rafa noch Pressetermine hatte. War ja klar, dass er nicht untätig im Hotelzimmer sitzt wenn er nicht spielt, dafür war er zu gefragt. Ich fühlte mich schon geehrt, ihn wenigstens für ein paar Minuten alleine zu sehen. Sobald er das Hotelzimmer verlässt, ist er permanent von Menschen umgeben und wenn es nur sein Onkel und Trainer Toni ist. Zu meiner Überraschung machte er mir das verlockende Angebot die Unterhaltung morgen Abend fortzuführen. Nun, dass würde davon abhängen wie lange sein Spiel geht, er muss es ja nicht zwangsweise über drei Sätze ziehen. Sicher habe ich keine Lust vielleicht nach Mitternacht noch hier her zu kommen. Dann werde ich noch bezüchtigt ihn vom schlafen abzuhalten und mache mir dann nur Vorwürfe wenn er verliert. Da ich letztendlich doch nicht so lange im Hotel war wie ich erst angenommen hatte, war ich sogar noch vor um fünf wieder auf dem Gelände der Tennisanlagen. Da blieb mir auch wieder Zeit das ich mich darüber ärgern kann das Rafa mich so einfach überredet hat heute Abend ins Hotel zu kommen. Wahrscheinlich macht er es auch noch unbewusst, es lag an mir.
Sara hatte sich auch gar nicht gemeldet, die ist sicher mit ihren zwei neuen Freundinnen irgendwo versackt. Oder gucken die etwa noch die Bilder vom Training von vorhin an? Wobei, so unheimlich viele Bilder konnten die gar nicht gemacht haben. Während ich über die Anlage schlenderte, überlegte ich was ich heute Abend mache. Es wird langsam verdächtig wenn ich Abends immer verschwinde ohne genau zu sagen wohin. Da mir so was normalerweise auch nie in den Sinn kommen würde, war das ganze auch um so schwerer zu erklären. Sara glaubt ja das ich mich mit jemandem treffe den ich erst seit zwei Tagen kenne, kein Wunder das sie dachte ich bin verrückt geworden. Es wäre ziemlich umständlich wieder eine neue Ausrede zu erfinden und ich wusste doch das sie mir nicht alles glaubt, leider kennt sie mich zu gut. Auf der anderen Seite würde ich schon gerne Rafa sehen, fern ab von allen Tennisplätzen und Trainingseinheiten, die mehr Zuschauer haben als manche Spiele auf dem Centre Court.
Nachdem ich Sara angeklingelt hatte, konnten wir auch einen Treffpunkt ausmachen damit wir uns wieder finden auf der großen Anlage hier. Sie hatte sich die Zeit auch gut vertrieben wie ich dann erfuhr. Kein Wunder, die konnte Stunden über Rafa philosophieren, vorausgesetzt man lässt sie dazu kommen. Offenbar hatte sie sich so gut mit den zwei anderen Fans verstanden, dass sie sich heute Abend nach dem Spiel noch mal treffen wollten. Um das Turnier ausklingen zu lassen, wie sie meinte. Das Finale ist zwar erst morgen aber es findet definitiv ohne uns statt, egal wie Rafa heute Abend spielt. Morgen ist Sonntag und wir fahren wieder nach Hause. Am Montag müssen wir wieder arbeiten und wir würden es nicht mehr schaffen erst nach dem Finale loszufahren.
Der nächste Tag verlief ähnlich spannend wie die letzten auch. Sara schleifte mich Runde für Runde quer über die Anlage damit sie auch ja nichts wichtiges verpasst. Am liebsten wäre sie wohl überall zugleich. Rafa tat mir den Gefallen und trainierte nicht öffentlich sonst schnappt sie noch über. Gestern hatten wir ja keine Karten und Sara konnte nur über die Leinwand genießen wie Rafa seinen Gegner vom Platz fegte. Hoffentlich ist es heute nicht wieder in einer Stunde zu Ende, ich will was sehen für mein Geld! Pünktlich um acht waren wir dann auch am Centre Court und warteten gespannt bis es los geht. Rafa darf gegen Djokovic spielen, dass könnte eng werden, meinte zumindest Sara. Nach diesem denkwürdigen match bei dem Masters in Madrid, dass Rafa nur mit Mühe und viel Glück gewann gab es jetzt die Revanche. Letztes Jahr hatten die auch in Queens gegeneinander gespielt, mit dem besseren Ende für Rafa aber bei Djokovic wusste man eben nie was man erwarten kann. Er hat zumindest auf Hardplatz das Potential Rafa zu schlagen. Bei den Finals in Rom und Monte Carlo hat er Rafa ja auch gut beschäftigt bevor er ihm den Sieg überlassen hat oder überlassen musste. Es wissen ja auch alle das die Hartplätze nicht der liebste Belag von Rafa sind. Das gab mir Hoffnung heute mal ein etwas interessanteres Spiel zu sehen. Neben mir wurde Sara gleich wieder hibbelig als Rafa kurz nach Djokovic auf dem Platz erschien. Die Show konnte beginnen! Es war ja das zweite Halbfinale heute, wie auch anders zu erwarten steht Andy Murray schon im Finale. Der hatte die Ehre gegen Roger Federer zu spielen und nachdem er den ersten Satz 6-2 verloren hatte, glaubten alle an einen sicheren Sieg von Federer. Tja, damit war es nichts, Murray drehte im zweiten Satz voll auf und schaffte es das ganze in drei Sätzen zu gewinnen. Federer wird es verkraften, nach den French Open hat er eine Reihe weitere Turniere gewonnen auch wenn sein Lieblingsturnier Wimbledon nicht dazu gehörte. Ihm tut die Niederlage hier jedenfalls nicht so weh wie Rafa, wenn man es rein auf die Ranglistenpunkte bezieht. Mir wär's recht wenn Rafa jetzt keine drei Sätze braucht, sonst wird es wirklich Mitternacht bis er im Hotel ist. Ich grübelte noch wie ich mich von Sara abseilen kann. Sie wusste noch nicht das ich dann noch was vor habe. Ich dachte das ich warte bis das Spiel vorbei ist und wenn sie sich dann mit den zwei anderen trifft, muss ich mich eben unter einem Vorwand ausklinken. Hoffentlich klappt es auch. Erst mal ging das Spiel los, heute waren auch mehr Zuschauer da, es war nicht ausverkauft aber sicher zu 80% besetzt.
Ich war ja auch ein wenig gespannt wie das Spiel ausgehen wird. Zwar bin ich nicht die Expertin aber man kann sich der Stimmung kaum entziehen wenn man live dabei ist. Am Anfang war alles ganz entspannt, es ging abwechselnd bis es 3-3 stand. Durch einen unerzwungenen Fehler von Rafa ins Netz gelang Djokovic dann aber tatsächlich ein Break zum 4-3. Da er auch mit seinem eigenen Aufschlag dran war und den auch locker durchbrachte, stand es plötzlich 5-3 gegen Rafa. Der Druck lastete jetzt auf Rafa, schafft er es nicht seinen eigenen Aufschlag durchzubringen, ist der Satz im Eimer. Wäre zwar noch kein Drama wenn er den ersten Satz nicht gewinnt aber es beruhigt doch erstmal. Sara wurde plötzlich ganz ruhig, sie zitterte förmlich mit. Merkte sie gar nicht mehr, dass sie meine Hand gleich zerquetscht? Sie krallte sich panisch an mir fest, wahrscheinlich ohne es zu merken. Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihr rüber, sie starrte gebannt auf den Platz und bemerkte mich gar nicht. Natürlich sah ich dann auch wieder auf den Platz, 30-30 stand es inzwischen und Rafa muss über den zweiten Aufschlag gehen weil der erste wie so oft im Netz verschwand. Es war eine gespenstige Ruhe, zwar wundert sich keiner wenn die Deutschen nicht gleich total ausrasten vor Emotionen aber es war unangenehm still. Als Rafa dann den zweiten Aufschlag auch noch im Netz versenkte und somit einen Doppelfehler produzierte, hatte Djokovic nicht nur einen Breakpunkt, sondern gleichzeitig auch einen Satzball. Ein wenig sollte sich Rafa vielleicht doch anstrengen wenn er den ersten Satz noch gewinnen will. Ein paar Sekunden später war alles vorbei, Djokovic nutzte gleich die erste Chance sich den ersten Satz zu holen. Ich schluckte erst mal und richtete mich also doch auf drei Sätze ein. Man musste zugeben, dass Rafa nicht überragend gespielt hat. Für seine Verhältnisse war das eine einzige Katastrophe. Es wird seine Gegner freuen zu sehen das auch ein Rafael Nadal richtig schlecht spielen kann, plötzlich tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf ihn zu schlagen. Djokovic hat gedanklich das Spiel sicher schon gewonnen auch wenn ihm dazu noch ein Satz fehlt aber wenn Rafa so weiter spielt wie bisher ist das kein Problem. Alle Bälle die er an die Linien spielte gingen heute aus und mit der Vorhand wollte irgendwie auch nichts klappen. Na ja und wenn dann der erste Aufschlag nicht kommt, verliert man eben den ersten Satz. Ich sah wieder zu Sara, sie sagte keinen Ton und zog ein Gesicht dem Spielstand entsprechend.
Ich zwickte sie in die Seite und wollte sie aufmuntern. “Hey, es sind doch noch zwei Sätze” Sie sah zu mir rüber und sah mich ernst an. “Das wird nichts, es klappt gar nichts. Ich glaube kaum das er sich im zweiten Satz so steigern kann. Djokovic spielt normal aber Rafa ist total neben der Spur. Ich meine, du hast es doch selbst gesehen. Glaubst du etwa der dreht das noch mal?” Ja, wenn sie das so formuliert, ist es doch einleuchtend. “Hast du nicht immer gesagt, dass man Rafa nie vorschnell abschreiben kann? Ich denke er hat es schon geschafft Sätze zu gewinnen bei denen er 5-1 zurück lag?” ”Schon aber das waren ganz andere Bedingungen und nicht gegen Djokovic, dazu ist der zu gut. Glaubs mir, dass wird heute nichts mehr” Ich gab dann doch erst mal auf, sie war schon so depri, da hilft nichts mehr. Es gab ja nur zwei Minuten Pause zwischen den Sätzen also ging es direkt weiter. Ich war noch nicht ganz so sicher von einer Niederlage wie Sara aber es deutete sich bald an, dass sie vielleicht Recht behält. Da Rafa mal wieder sein Service abgab, stand es ruck zuck 3-0 für Djokovic. Die Zuschauer wachten langsam auf und feuerten Rafa an aber es war eine verdammt mühselige Angelegenheit für ihn. Er hangelte sich mehr schlecht als recht durch die einzelnen Ballwechsel. Einige dachten wohl an ein Rebreak von Rafa, es kam aber ganz anders, er kassierte noch ein weiteres und so kam es zum Stand von 5-1. Es war schon zu sehen, dass er selbst auch nicht mehr an einen Sieg glaubte. Er ließ die Schultern hängen und freute sich auch nicht wenn er doch mal einen Punkt machte. Djokovic wurde dafür umso aktiver, der sah sicher seine große Chance gekommen endlich mal Rafa zu schlagen. Er schaffte den Sieg dann auch mit 6-3 6-1 in knapp über einer Stunde Spielzeit. Ich schluckte erst mal kräftig als der letzte Punkt gespielt war und Djokovic einen Freudenschrei ausstieß. Rafa gratulierte ihm kurz und packte so schnell es ging seine Sachen bevor er mit einem versteinerten Gesicht vom Platz verschwand.
Au weia, dass war ja dumm ausgegangen. Man konnte auch nicht von einer knappen Niederlage sprechen, 6-1 war doch schon sehr deutlich. Vielleicht hat er ja einen schlechten Tag gehabt obwohl ich vorhin nicht den Eindruck gehabt hatte. Oder hat er etwa mal wieder eine Verletzung von der noch niemand etwas weiss? Sara stand dann plötzlich auf und sah mich ernst an. “Lass uns gehen” Ich stand auch auf und lief mit ihr zum Ausgang. Bestimmt ist sie jetzt gefrustet und hat schlechte Laune. “Das ist wohl nicht so gut gelaufen” ”Kannst du laut sagen. Wenn er so spielt, hat er es verdient zu verlieren, dass war wirklich gar nichts. Bin gespannt was Lara und Nadine sagen. Ich dachte, wir können alle anstoßen und dann so was” ”Aber ihr könnt doch trotzdem was trinken gehen” ”Ja aber es hätte eben mehr Spaß gemacht. Da spielt er schon mal in Deutschland und dann das. Es ist klar das er nicht jedes Spiel gewinnen kann aber das wäre machbar gewesen wenn er nicht total neben sich gestanden hätte. Immer geht alles schief wenn ich doch mal zu einem Spiel gehe. Ist zwar nicht vergleichbar mit diesem French Open Desaster aber trotzdem” “Das kann doch mal passieren” ”Ja mal, er hat viel zu viel dieses Jahr schon verloren. Es fing ja gleich an zwei Tage nach Silvester wo er gegen Murray verloren hat. Dann in Rotterdam wieder gegen Murray im Finale auch wenn er da mal wieder am Knie verletzt war. Miami im Viertelfinale gegen Del Potro, dann kam das riesen Desaster gegen Söderling in Paris und dann war es ganz aus. Wimbledon war doch auch ein paar mal mehr als eng, dass hat nichts mehr mit mal verlieren zu tun und die Nummer eins ist auch bald Geschichte” Irgendwie konnte ich das nicht ganz nachvollziehen. Die handvoll Niederlagen wurden doch durch die vierfache Zahl von Siegen wieder wettgemacht. “Was erwartest du denn? Du scheinst zu vergessen das Rafael Nadal keine Maschine ist die man auf Sieg programmieren kann” Sie ließ den Kopf hängen und verzog ihr Gesicht. “Ja aber es lief so gut letztes Jahr und jetzt geht irgendwie nichts mehr. Mir ist klar das es normal ist auch mal zu verlieren aber die Niederlagen in diesem Jahr waren alles welche wo es richtig weh tut, alle bei großen Turnieren” ”Aber er hat doch auch drei Turniere in Folge gewonnen” Wenigstens zog sie ansatzweise ein Lächeln. ”Stimmt, es tut mir leid das ich eben ein bisschen depri bin. Das legt sich wieder in ein paar Tagen ich bin jetzt nur gefrustet” “Vielleicht ist er ja verletzt?” ”Wenn es so wäre, ist er selbst Schuld wenn er trotzdem noch spielt. Nach den French Open müsste er eigentlich etwas schlauer sein und nicht mehr jedes Turnier spielen” ”Ich kann verstehen das du enttäuscht bist aber nimm dir nicht alles so zu Herzen, die Welt geht nicht unter wenn Rafa am Jahresende nicht auf der Nummer eins ist” ”Für mich schon” Ich kam wirklich ins schwanken ob ich zum Hotel fahre oder nicht. Wenn ich das vorhin richtig gesehen habe, machte Rafa ein ziemlich verbissenes Gesicht. Seine Lust auf Scherze wird sich in Grenzen halten und ich habe keine Lust ihm zuzusehen wie er sich hängen lässt. Ich weiss ja gar nicht wie ich reagieren soll. Entweder ich tröste ihn und es wird dadurch alles noch schlimmer oder ich sage er soll sich mal nicht so anstellen und dann flippt er erst recht aus. Vielleicht ist es wirklich besser ich gehe nicht hin und lasse ihn in Ruhe. Ich hätte an seiner Stelle zumindest jetzt keine Lust mehr Personen als unbedingt nötig zu sehen. Wenn Sara schon so gefrustet ist, frage ich mich wie es ihm dann erst geht.
Aber auf der anderen Seite kann ich ja wieder gehen wenn ich merke, dass er nicht sehr unterhaltsam ist. Ich hatte mich erfolgreich abgeseilt mit der Begründung das ich keine Lust habe stundenlang über Rafa zu reden und das war doch der Sinn warum sie sich mit anderen Fans traf. Ich sagte ich bleibe auf dem Gelände der Anlage und vertreibe mir ein bisschen die Zeit indem ich gucke ob irgendwo was interessantes los ist. Es gab heute Abend noch ein Showmatch mit Boris Becker und Steffi Graf also würde das sicher noch bis nach Mitternacht gehen. Ich blieb sicherheitshalber noch eine halbe Stunde auf der Anlage als Sara verschwunden war. Rafa meinte es kann schon mal zwei Stunden dauern bis er nach dem Spiel wieder im Hotel ist also hatte ich Zeit. Woran ich erst nicht gedacht hatte war, was ich mache wenn er gar nicht alleine in seinem Zimmer ist. Kann ja sein, Toni will eben ausführliche Gespräche mit ihm führen. Ich trödelte noch ein bisschen über die Anlage und fuhr dann mit einem offiziellen Shuttle zum Hotel der Spieler. Es war jetzt schon nach um 11 und dementsprechend auch ruhig. In der Bar saßen ein paar Leute aber ansonsten war nicht mehr viel los. Klar, die meisten Spieler sind schon wieder abgereist und auf dem Weg zum nächsten Turnier. Je näher ich zu seinem Zimmer kam, umso mulmiger wurde mir zu mute. Vielleicht ist es doch keine gute Idee wenn ich dort jetzt auftauche, ich will mich nicht aufdrängen und ich will auch nicht das er nur mir zu liebe einen auf glücklich macht. Ich stand bestimmt fünf Minuten vor seinem Zimmer und überlegte ob ich gleich wieder gehe. Je länger ich nachdenke umso mehr überwiegt die Einsicht gleich wieder zu gehen. Zum Glück war hier niemand auf dem Gang, sonst wundert sich noch jemand wieso ich da vor dem Zimmer stehe ohne etwas zu machen. Es war auch nichts zu hören, entweder die hatten eine gute Isolierung oder Rafa war wirklich alleine.
Ok, was soll's. Ich klingelte zweimal kurz und holte tief Luft. Die Sekunden verstrichen und nichts tat sich. Ich wurde immer nervöser je länger nichts passierte. Ist er doch nicht da? Oder will er doch nicht mit mir reden? Kurz dachte ich daran noch mal zu klingeln aber das ändert doch nichts. Wenn er nicht öffnet, dann wird sich daran auch nichts ändern wenn ich zehnmal klingle. Ich würde es ihm auch nicht übel nehmen wenn er alleine sein will. Mit verstreichender Zeit sah ich die Chancen schwinden Rafa noch mal zu sehen, es soll eben nicht sein. Irgendwann hatte ich genug, es bringt ja doch nichts ewig zu warten. Ein wenig enttäuscht war ich schon, obwohl ich damit rechnen musste das es so kommt. Mir blieb ja keine andere Wahl als wieder zu gehen. Ich drehte mich um und lief zum Lift zurück. Das war wohl nichts... ich sah auf den Besucherpass in meiner Hand und holte tief Luft. Das war es dann wohl... morgen geht es zurück nach Hause und dann ist Rafa mal wieder weg. Es kommt mir so vor als wenn man gar keine Chance hat Rafa irgendwie näher kennenzulernen. Er ist permanent auf dem Sprung. Immer wenn ich ihn sehe weiss ich, das er in spätestens einer Woche wieder woanders sein wird. Es ist wesentlich einfacher sein Leben vom Fernseher und Computer aus zu verfolgen. Da bekommt man alles frei Haus geliefert. Von den Spielen abgesehen bietet sich so gut wie keine Möglichkeit ihn länger zu sehen. Er steht permanent unter Beobachtung und er hat nie Zeit. Etwas warten musste ich bis der Lift endlich mal kam. Ich sah kurz nach rechts und links, auf beiden Seiten waren nur leere Gänge zu sehen. Ein kurzer Gong deutete dann an das der Lift da war. Ich sah auf die Türen und wartete bis sie sich endlich mal öffnen.
“Amaia” Ich sah verwundert den Gang endlang und musste mir dann ein lautes Lachen verkneifen. Rafa hatte den Kopf in den Gang gesteckt und sah zu mir, es sah so herrlich aus. Ich blieb vor dem Lift stehen und drehte mich zur Seite. “Ich dachte du bist nicht da” ”Ich war nur eben im Bad und war mir nicht sicher ob es geklingelt hat oder nicht” Ich lief näher zu ihm und blieb vor der Tür stehen. “Gilt das Angebot von gestern noch? Ich meine, wenn nicht ist es auch ok” Ich wollte mich erst mal vorsichtig vortasten wie seine Stimmung so ist bevor ich mit der Tür ins Haus falle. “No, ist schon ok, komme rein” Ich lief an ihm vorbei in sein Zimmer und blieb dann stehen. Da nicht gleich etwas passierte, drehte ich mich dann um da ich neugierig war was los ist. Rafa stand mit dem Rücken an die Tür gelehnt und sah zu mir. Leider war von seinem ansteckenden Lächeln nichts mehr zu sehen. Wie ich das jetzt deuten sollte wusste ich nicht genau, soll ich ihn doch trösten? Ich lief näher zu ihm und blieb vor ihm stehen, nebenbei überlegte ich was ich sage ohne ihm dabei zu nahe zu treten. Ein wenig nervös wurde ich dann schon wieder, daher sah ich kurz nach unten auf den Boden. “War wohl nichts” Sagte ich dann leise und sah ihn vorsichtig an da ich nicht wusste wie er darauf reagieren wird. “Mhh, kannst du laut sagen, es war eine totale Katastrophe. Er hat verdient gewonnen, ist eben dumm gelaufen, ich kann ja nicht immer gewinnen” Kam es dann leise zurück. Wollte er zum Ausdruck bringen, dass es ihm egal ist das er verloren hat und das es ihm nichts aus macht? So sah er nämlich ganz und gar nicht aus. Am liebsten hätte ich jetzt gesagt das er aufhören kann mir was vorzuspielen, es ist doch normal das er frustriert ist und lieber gewonnen hätte. Wenn er mich so von unten ansieht, würde ich ihn am liebsten umarmen. “Willst du lieber alleine sein? Ich meine, ich könnte das verstehen. Ich will dich nicht zwingen so zu tun als wenn alles normal wäre” ”Ist es doch auch. Ich habe eben verloren, die Welt wird nicht untergehen davon. Kann sein das ich nicht die beste Unterhaltung bin heute Abend. Wenn du gehen willst ist es auch ok, ich brauche nur ein paar Minuten um wieder die Balance zu finden” “Hast du eine Knieverletzung und hast deswegen verloren?” Das wollte ich zumindest mal fragen da ich mir auch nicht erklären konnte wie er sonst so schlecht spielen kann. Er schüttelte langsam verneinend mit dem Kopf und sah mich dann von unten an. “No, genau das ist auch das Problem. Ich habe zwar die Knieverletzung aber das ist unter Kontrolle und es war nicht entscheidend für das Spiel. Warum weiss ich nicht aber es ging einfach nicht, es war kein gesundheitliches Problem” Seinen Blick konnte ich dann nicht länger ertragen. Zwar sagte er das es nicht an der Knieverletzung lag aber wenn jemand etwas so übertrieben abstreitet ist doch meistens etwas faul. Ich glaube eher das es schon daran lag und er es nur nicht einsehen will. Fragt sich nur ob er es nur mir nicht sagen will das es an dem Knie lag oder ob er sich selbst auch einredet das es schon alles werden wird irgendwie. Die Hartplatzsaison hat erst begonnen, wenn er jetzt schon mit dem Knie Probleme hat will ich gar nicht wissen wie lange er durchhält bis er wieder reihenweise Turniere absagen muss. Zu sagen das er niedergeschlagen ist wäre jedenfalls untertrieben. “Darf ich dich umarmen?” Für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein Lächeln über sein Gesicht. “No” Kam es dann nur mit einem breiten Lächeln. Dieses nein würde ich einfach als ja interpretieren. So wie er mich ansah, war das schon eine Art Reflex das man ihn umarmen will.
Ich zog ihn etwas von der Tür weg und umarmte ihn. Zumindest reagierte er schon mal indem er seine Arme um meinen Hals legte. Mir wurde es gleich wärmer und mein Puls beschleunigte sich auch. Hoffentlich fiel es nicht zu sehr auf, ich war die Nähe zu ihm ja nicht gewohnt aber ich würde mich gerne daran gewöhnen. Es war echt verrückt, dass hatte ich echt noch nicht erlebt das es mir vorkam das ich jemanden schon ewig kenne obwohl es nicht so ist. Es war ein bisschen zu vertraut. Ich versuchte nicht mehr nachzudenken und legte meinen Kopf an seine Schulter während ich mit meinen Händen seinen Rücken langsam auf und ab fuhr. Ich würde ihn gerne auch länger umarmen wenn er das will. Eigentlich wollte ich ihn ja nur trösten mit der Umarmung aber die Stimmung veränderte sich dann allmählich in eine Richtung die mir nicht gefiel. Eigentlich schon aber ich hatte mir fest vorgenommen mich nicht näher auf ihn einzulassen da ich genau weiss das er morgen wieder weg sein wird und mir das so auch nichts bringt, es zieht mich nur runter. Vielleicht würde es helfen wenn ich ihn los lasse? Konnte ich aber nicht, es war eben so bequem und aufregend, von mir aus bleiben wir jetzt für den Rest der Nacht hier stehen. Ich würde das jetzt genießen so lange es geht. Warum musste er auch 9 Monate im Jahr um die Welt fliegen... und warum riecht er immer so verführerisch? Es würde mir nicht schwer fallen auf dumme Gedanken zu kommen. Bestimmt verriet mein Herzschlag meine Gedanken auch wenn er mein Gesicht nicht sehen konnte. “Du riechst lecker” ”Was?” Erst als er fragte, wurde mir bewusst was ich eben gesagt hatte. Ich dachte nur eben über ihn nach und hatte nicht geplant das laut zu verkünden was ich denke. Spätestens jetzt wurde ich sicher rot, ich spürte schon die Wärme in meinem Gesicht. “Nada ich ähm, dachte nur laut nach” Ich holte tief Luft und betete, dass er nicht auf dem Thema rumreitet und mich so in noch mehr Verlegenheit bringt. “Du kannst mich jetzt immer trösten nach einer Niederlage” Ich zog gleich ein Lächeln, dass klang wirklich gut! “Wenn es hilft... ich hoffe trotzdem das es nicht so oft der Fall ist. Ich will ja nicht das du verlierst” ”Da wärst du nicht die Einzige außerdem kann es von da aus wo ich jetzt bin nur noch bergab gehen” ”Denen die wollen das du verlierst kannst du den größten Gefallen tun indem du gewinnst”
No comments:
Post a Comment