Zu meiner Überraschung war nach 30 Minuten schon Schluss mit trainieren. Ich war schon erstaunt weil ich dachte das es länger geht. Es ging auch noch weiter aber nicht jetzt, sondern heute Nachmittag nach dem Spiel. Rafa packte sein Zeug zusammen und verschwand. Ich blieb an der selben Stelle stehen wo ich auch die letzte halbe Stunde gestanden hatte und wartete. Wenn ich das eben richtig verstanden hatte, will Rafa gleich noch mal kurz hier auftauchen aber da war ich mir nicht mehr so sicher. Als mir schon in den Sinn kam wieder zu gehen, erschien er aber doch noch mal. “Sorry, ich musste erst noch meinen Onkel los werden” ”Hat er ein Problem mit mir?” ”No aber ich will ihm keine Steilvorlage liefern die er nutzen kann wenn ich angeblich schlecht spiele” ”Was machst du jetzt?” ”Essen gehen, du kannst gerne mitkommen” ”Ich habe zwar keinen Hunger aber von mir aus” Wir suchten das player’s restaurant und ich setzte mich schon immer an einen freien Tisch, da ich ja nichts essen wollte.
So blieb mir auch Zeit Rafa mal ein paar Minuten zu beobachten, es war nicht zu übersehen, dass er auch hier beobachtet wird wenn auch lange nicht so direkt wie von seinen Fans. Ein paar andere Spieler waren hier bestimmt auch, leider kannte ich mich da nicht wirklich gut aus. Wenn nicht gerade Roger Federer am Tisch neben an sitzt, würde ich gar nicht merken wer es ist. Da fiel mir eben auf das ich den auch noch gar nicht gesehen hatte. Von Spielern abgesehen waren hier ja auch noch sämtlich Betreuer und was weiß ich alles und die taten alle extrem wichtig. Ich war mir durchaus bewusst, dass ich unfreiwillig auch im Fokus einiger stehe wenn Rafa bei mir am Tisch sitzt, soweit war es aber noch nicht. Als er endlich was essbares gefunden hatte und sich mir gegenüber an den Tisch setzte, sah ich erst mal etwas verwundert auf sein Tablett. Joghurt und Bananen? “Nicht gerade ein Galamenü oder?” Fragte ich etwas amüsiert. Das herrliche Lächeln erschien gleich.
“Ich habe dann noch ein Spiel und kann mir jetzt nicht den Bauch vollschlagen sonst komme ich dann nicht mehr von der Stelle” ”Denkst du das das Spiel dann so schwierig wird?” ”Ich lasse mich überraschen, kann man nie vorher genau wissen. Was machst du denn eigentlich hier? Ich meine außer auf jemanden zu warten” Tja, was mache ich hier, dass fragte ich mich eben selbst auch. Ich hätte nicht wirklich gedacht vor ein paar Tagen, dass ich es mal ins player’s restaurant schaffen würde. “Eigentlich wollte ich nur jemandem einen Gefallen tun. Meine beste Freundin wollte unbedingt hier her fahren und hatte niemanden der mitgeht also blieb mir ja keine Wahl. Sie brutzelt eben in der Sonne und beobachtet Verdasco beim trainieren. Ich hatte keine Lust lange in der Sonne zu stehen und dachte ich warte da wo ein bisschen Schatten ist. Erst hat Djokovic mich fast ko geschlagen und dann bist du aufgetaucht”
Sein Gesicht wurde immer besser. “Was hat er gemacht?” ”Ich stand direkt am Netz und hatte plötzlich einen Ball am Kopf weil der wie ein Irrer Aufschläge trainiert hat” ”Direkt an der Absperrung lebt man immer gefährlich” ”Das habe ich dann auch ganz schnell kapiert, ich gehe mal davon aus das er es nicht mit Absicht getan hat” ”Bleibst du bis zum Finale hier?” ”Nein, wir haben für morgen ground tickets und dann für das Viertelfinale” ”Übermorgen ist aber das Halbfinale, das Viertelfinale ist morgen” Ach ehrlich? Hatte ich eben einen Denkfehler? Er wird es wohl am besten wissen. Ich kam schon ganz durcheinander was an welchem Tag ist.
“Na jedenfalls haben wir tickets für Übermorgen” ”Ich würde ja noch so eine Besucher ID für deine Freundin besorgen aber das ist hier nicht so einfach. Wenn ich einmal frage sagt keiner was aber die stellen sich hier bisschen an mit unangemeldeten Gästen” ”Schon ok, sie wird es überleben” Während Rafa dabei war sein Galadinner zu verzehren blieb mein Blick an seiner linken Hand hängen. Vom Daumen abgesehen hat er an allen Fingern Tapes. Die Tapes waren aber nicht der Grund wieso ich meinen Blick kaum von seinen Händen lösen konnte. Vielmehr dachte ich daran was er außer Tennis spielen noch alles damit macht oder machen könnte. Er hat so schöne lange Finger, mir blieb keine Wahl außer auf unanständige Gedanken zu kommen. Ich stellte mir eben vor wie er langsam mit seiner Hand die Innenseite meiner Oberschenkel nach oben fährt und mich dann um den Verstand bringt.
Alleine die Vorstellung bringt mich zum schwitzen und ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl umher. Am liebsten würde ich jetzt aufspringen und ihn dann in einen Raum zerren wo wir völlig ungestört sind und ich meiner Fantasie in der Realität freien Lauf lassen kann. Ich sah erst mal kurz weg und schnappte nach Luft. Wenn ich nicht noch eine peinliche Situation riskieren will, sollte ich aufhören länger über seine Hände nachzudenken. Die Banane gab mir dann noch den Rest. Es war nicht so das er damit unanständiges andeutete aber das war auch gar nicht mehr nötig. Alleine das zu sehen was zu viel für meine Nerven. Ich zwar mich notgedrungen an etwas anderes zu denken auch wenn es mir richtig schwer fiel.
Das erschreckende war, dass ich über mich selbst erschrocken war. Es war nicht mein Plan mich in die Reihe derer einzureihen die nur auf eine Gelegenheit warten Rafa etwas näher kennen zu lernen oder am liebsten gleich so nah wie möglich. So lange wir nicht alleine sind, ist auch alles ok und ich komme gar nicht erst auf den Gedanke doch irgendwas zu tun oder zu sagen um ihn wissen zu lassen was ich denke. Vielleicht findet er es auch gar nicht so toll wenn ich die Initiative ergreife? Das käme dann aber auf einen Versuch an.
“Hast du heute Abend schon was vor?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und überlegte kurz da ich eben gedanklich abwesend war. “Wieso? Kennst du hier auch solche Kellerverliese die als Bar genutzt werden?” ”Leider nicht, ich war hier ja noch nie. Das einzige was ich kenne bis jetzt ist das Hotel und die Anlage hier. Kannst ja ins Hotel kommen wenn dir langweilig ist” Ich saß da und sah ihn mit großen Augen an ohne einen Ton zu sagen. Nach ein paar Sekunden war meine Schockstarre vorbei. Was hat er eben gesagt? Ich soll zum Hotel kommen? Und dann? “Also ich meine nur, dass ich zu sehr auffalle wenn ich mich vom Hotel weg wage. Du musst keine Angst haben, dass ich dunkle Pläne habe” Sagte er dann gleich noch hinterher, da er wohl mein Gesicht entsprechend interpretiert hatte. Ich räusperte mich und sah ihn wieder direkt an.
“Also ich kann nichts versprechen” Auf die erste Bemerkung ging ich lieber nicht weiter ein. Schade auch wenn er keine Absichten mir gegenüber hat abgesehen davon das er jedes mal vorher nachfragt ob er mich umarmen darf. Fragt er auch wenn er was anderes will? Ahhh, ich dachte ja schon wieder an etwas anderes. Vielleicht müsste ich mal ganz kalt duschen. “War nur so eine Idee, wenn du keine Zeit hast macht es nichts” Eigentlich ging es auch nicht da ich Sara irgendwie vertrösten muss aber für Rafa würde ich mir doch gerne Zeit nehmen. Ich müsste ja blöd sein da nein zu sagen. “Wird schon irgendwie passen. Bist du im offiziellen Hotel der Spieler?” ”Sí, Zimmer 408. Ich bin ungefähr um acht wieder im Hotel. Da ist übrigens eine Klingel an der Tür, bitte zweimal klingeln sonst mache ich mir nicht erst die Mühe zur Tür zu gehen”
Das klang ja amüsant mit dem zweimal klingeln. ”Geheimer Code?” Fragte ich und musste kichern. “Reine Vorsichtsmaßnahme. Zwar ist überall Security aber manchmal schaffen es doch Fans bis zu den Zimmern. Falls die dich nicht ins Hotel lassen wollen zeige die Besucher ID von hier” Wenn ich mir das so anhöre, das klingt ja so als wäre das Hotel gesichert wie ein Gefängnis. “Ich versuche mir alles zu merken, ich kann aber nicht versprechen das ich wirklich komme” ”Ich lasse mich überraschen” Er sah kurz auf seine Uhr bevor sein Lächeln einem verlegenen Grinsen wich.
“Ich will nicht unhöflich sein aber ich muss los, habe noch Pressetermine” ”Schon gut, ich will dich nicht aufhalten. Viel Glück dann bei dem Spiel und lasse dir ein bisschen mehr Zeit wie gestern Abend” ”Hast du das gesehen?” ”Ja, ich wurde gezwungen. Leider war's nach einer Stunde schon vorbei, ich will ein bisschen mehr sehen für mein Geld” ”Ich werde sehen was sich machen lässt Übermorgen. Bis später vielleicht” ”Adíos” Er stand auf und brachte sein Tablett weg bevor er das player’s restaurant verließ.
Ich blieb noch sitzen und ließ die letzten Minuten Revue passieren. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen? Irgendwie dachte ich gar nicht nach und hätte zu allem möglichen ja und amen gesagt. Das er wirklich will das ich heute Abend zum Hotel komme, kann ich nicht so richtig glauben. Ich kam mir eben vor wie ein Groupie. Nur das ich niemanden bestechen musste um zu erfahren in welchem Zimmer Rafa ist. Verrückt wie schnell man das alles in Erfahrung bringen konnte. Gedanklich war ich schon bei heute Abend.
Was soll ich nur anziehen? Und was will Rafa da machen? Etwa Essen? Bilde ich mir alles ein und messe dem ganzen eine andere Bedeutung zu als Rafa? Es war ja nicht so, dass es ein Date werden sollte. Darauf war ich auch nicht vorbereitet, dass fing schon bei meinen Sachen an. Natürlich hatte ich nicht meine besten Sachen mitgenommen um Tennis zu gucken. Ich kann ja nicht ahnen, dass ich bei ihm im Gedächtnis geblieben bin und er mich in sein Hotelzimmer bestellt. Mir schwebte da eben das Bild von Rockbands vor, die nach den Auftritten reihenweise Groupies vernaschen. In die Kategorie würde ich Rafa nicht einordnen aber so was kann man nie vorher wissen.
Er hat vermutlich andere Sorgen und hat es nicht darauf abgesehen einige seiner Fans in seinem Hotelzimmer etwas näher kennenzulernen. Andererseits sind Männer in dem Alter doch alle gleich. Wenn er so lange unterwegs ist und um die Welt reist wird er ja wohl nicht immer alleine sein oder doch? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich bei den Spielen so verausgabt, dass er dann im Hotel total ko ins Bett fällt und sofort einschläft. Es gibt sicher auch solche extrem anstrengenden Spiele aber er spielt ja nicht jeden Tag.
Das interessierte mich jetzt wirklich, danach kann ich ihn aber schlecht fragen. Erst mal frage ich Sara unauffällig was sie so weiss. Sie hat gelegentlich von seiner Freundin geredet aber ich hatte nie so richtig zugehört weil es bei mir links rein und rechts raus ging und hatte jetzt keine Peilung. Gesehen hatte ich die auch noch nie und Sara zwang mich schon zu dem ein oder anderen Spiel in dem sie am TV klebte und ich notgedrungen mitguckte.
Eine große Hilfe war Sara dann auch wirklich nicht. Sobald es um das Privatleben von Rafa ging, wurden die Informationen sehr dünn. Er schaffte es irgendwie so gut wie gar nichts privates öffentlich zu machen. Das gilt auch für seine Familie, erstaunlich wie die das hinkriegen bei dem Bekanntheitsgrad. Für so was war Mallorca wohl perfekt, dort kann man echt in Ruhe leben ohne das einen jemand stört und behelligt. Jedenfalls gab es nur schwammige Informationen was seine Freundin betraf. Sie war so gut wie nie bei Turnieren dabei, wenn es hoch kommt ist sie bei zwei oder drei Turnieren pro Jahr.
Gelegentlich tauchen Bilder auf wenn Rafa mit ihr Urlaub macht aber das auch nur einmal pro Jahr. Das ging wohl die letzten drei oder vier Jahre so. Entweder sie schafft es wirklich undercover zu bleiben oder es ist eine Ente. Ja, es gab nicht wenige die der Meinung sind, dass es alles ein PR Gag ist und das sie gar nicht seine Freundin ist. Wenn sie monatelang nirgends gesichtet wurde tauchten dann wieder Gerüchte aller Art auf und dann taucht sie plötzlich auf und verschwindet dann wieder für die nächsten Monate aus der Öffentlichkeit. Das nutzte mir alles richtig viel, jetzt war ich so schlau wie vorher auch schon.
Wenn er wirklich so glücklich liiert ist, wieso bestellt er mich dann in sein Zimmer? Ich bilde mir vielleicht eben mehr ein als da ist aber ich bin nicht blind. Er würde mich kaum umarmen wollen wenn er nur mit mir reden will. Davon abgesehen hätte er dann ja gar keinen Grund mich zum Hotel zu bestellen. So richtig ergab es alles kein Bild, am besten ich vergesse alles und lasse mich einfach von ihm überraschen. Es kann ja nur schief gehen. Er wusste zwar auch nichts von mir aber ich hatte ihn auch nicht mehrmals zu diversen Getränken eingeladen und dann ins Hotel bestellt.
Die Ansicht mit dem schief gehen teilte Sara auch. Sie konnte überhaupt gar nicht nachvollziehen wie ich mit jemandem weggehen kann den ich gar nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht wiedersehe wenn wir wieder nach Hause fahren. Es sieht mir ja auch gar nicht ähnlich, unter anderen Umständen würde ich niemals mit jemandem weggehen den ich nicht kenne. Am Ende mischt mir noch jemand was ins Glas und den Rest will ich mir gar nicht erst vorstellen.
Das von Rafa kein erhöhtes Gefahrenpotential ausgeht wusste ich doch nur kann ich das Sara nicht rüberbringen. Ich musste ihr ja sagen wo ich abends bin also zog ich mir eine Story aus den Fingern und sagte ihr das ich mit jemandem weg gehe heute Abend. Erst sah sie mich nur mit großen Augen an und wartete wohl das ich anfange laut zu lachen und dann sage das alles ein Witz war. Ich war aber fest entschlossen und würde mich von nichts und niemandem davon abbringen lassen. Sie war auch entsprechend verwirrt, sie hätte wohl nie gedacht, dass ich mal meine Grundsätze über Bord werfe. Möglicherweise glaubt sie das ich jetzt durchdrehe, sie kannte ja auch nur die halbe Wahrheit.
Pünktlich um acht stand ich dann wirklich in dem Hotel vor dem Zimmer 408 und holte in Ruhe Luft. Noch konnte ich zurück ohne das jemand erfahren müsste das ich hier war. Natürlich kam ich nicht bis hier her ohne die ID Karte von dem Turnier zu zeigen. Das man so bestrebt war mich fern zu halten, brachte mich noch mehr ins schwanken, dadurch fühlte ich mich noch mehr wie ein ungebetener Gast. Groupie wäre wohl eher das treffende Wort. Mir schossen tausende Fragen durch den Kopf und ich war schon total nervös.
Eigentlich bestand kein Grund dazu, Rafa beißt ja nicht. Erst konnte ich mich ewig nicht entscheiden was ich anziehe, dann was ich mit meinen Haaren mache und so ging das weiter. Am Ende wäre ich fast noch zu spät losgefahren weil alles außer Kontrolle geriet. Erst überlegte ich ewig was ich anziehen soll, um am Ende doch Jeans anzuziehen. Sara machte schon Witze ich würde mich benehmen als wenn ich 14 wäre und zum ersten Date gehen würde. Ja, so in etwa fühlte ich mich auch. Es erstaunte mich doch selbst wie ich mich plötzlich benehme.
Ich sprach mir selbst Mut zu und klingelte dann mutig zweimal. Nach ein paar Sekunden ging die Tür einen Spalt auf und ich wurde beäugt von einem braunen Auge. Das hatte auch was, ich konnte mir ein breites Lächeln nicht verkneifen. “Ich weiss nicht wen du erwartet hast aber ich bin es nur” Im nächsten Augenblick ging die Tür weiter auf. “Ich habe niemanden anderes erwartet” Ich sah kurz an ihm nach unten und würde ihn am liebsten gleich umarmen. Die Sportklamotten hatte er getauscht gegen Jeans und ein weißes Hemd. An sich unspektakulär aber ich weiß auch nicht wie der es schafft immer so auszusehen das ich ihn am liebsten anspringen würde.
Mein Blutdruck ging sicher wieder in die Höhe während ich damit beschäftigt war mir nichts weiter anmerken zu lassen. Da er eine einladende Handbewegung machte, lief ich an ihm vorbei ins Zimmer. Kurz sah ich mich um, dass kann man schon fast Wohnung nennen. Zimmer in einem fünf Sterne Hotel sah ich ja auch nicht jeden Tag. Es war auch kein normales Zimmer, gemäss der Position der Weltrangliste werden wohl in den Hotels auch die Suiten verteilt und da hat Rafa ja freie Auswahl. Die Einrichtung war komplett in hellen Farbtönen gehalten und technisch war auch alles auf dem letzten Stand. “Hier würde ich auch sofort einziehen” Sagte ich dann etwas ehrfürchtig. “Kein Problem, wenn du 200 Euro pro Nacht ausgeben willst” Ja gut, der Preis überstieg dann doch meine finanziellen Möglichkeiten.
Für 200 Euro kann man schon fast eine Woche nach Mallorca fahren, dann würde ich lieber das machen von dem Geld. ”Dann sollte ich vielleicht vorher ein bisschen Lotto spielen” ”Willst du was trinken?” Ich musste etwas schmunzeln weil es echt herrlich aussieht, wenn er nur eine Augenbraue hochzieht. Das hatte ich selten gesehen und Rafa kann das besonders gut. “Etwas alkoholfreies bitte” Ich wollte ja nicht gleich mit zu viel Alkohol anfangen. Es ist ja nicht so das ich nach einem Glas unter den Tisch falle aber ich will ja nur das Risiko minimieren, dass ich mich in eine unangenehme Situation bringe weil ich mich selbst nicht mehr unter Kontrolle habe.
Zum Glück legte sich dann meine Nervosität wieder, ich kriege nur immer einen Schreck wenn ich daran denke wer da eigentlich neben mir sitzt. Es war verrückt wie normal er noch ist, das treffende Wort wäre wohl easygoing. Ich wurde das Gefühl nicht los, das ich mich richtig gut mit ihm verstehen könnte. Es kam mir vor als würde ich ihn schon ewig kennen. Ja und mir schwirrte auch durch den Hinterkopf, dass er in weniger als einer Woche mal wieder alle Zelte hier abbricht und in die USA fliegt. Was soll’s deswegen kann ich ja trotzdem mit ihm reden.
Das Thema Tennis war ja kaum vermeidbar obwohl ich nicht wusste ob es ihn vielleicht stört wenn alle nur über Tennis reden. Ich wollte das auch nicht unbedingt aber da konnte ich nicht viel falsch machen. Das Spiel heute Nachmittag hatte er ja ohne Probleme gewonnen, da gab es nicht viel drüber zu erzählen. Morgen habe ich ja noch mal ground tickets und dann ja die Karten für das Halbfinale. Ich dachte es wäre das Viertelfinale aber darüber hatte Rafa mich ja schon heute Mittag aufgeklärt. Für das Finale hatten wir keine Karten weil die mir zu teuer waren und Sara hatte sich das zu spät überlegt. Ich habe ihr ja gesagt, dass sie eben alleine gehen soll und ich derweil irgendwo warte. Damit hätte ich dann auch kein Problem gehabt aber es war zu spät.
Die paar Karten die es noch gab waren alle in den oberen Rängen und dann noch dazu meistens in Ecken, von denen man keine so gute Sicht hat. Außerdem fahren wir ja wieder nach Hause und könnten nicht zum Finale gehen. “Hättest du eigentlich die Möglichkeit an gute Karten für das Finale am Sonntag zu kommen?” Ich fragte das so total spontan aus meinen Gedanken heraus. In der nächsten Sekunde fiel ihm das Lächeln förmlich aus dem Gesicht und er sah mich total ernst an während er nach Luft schnappte.
Ich schluckte kräftig und kam leicht ins schwitzen. Hatte ich eben einen Fehler begangen als ich nach Karten fragte? Als ich seine Reaktion sah, bereute ich es sofort danach gefragt zu haben. Die Stimmung hatte sich doch merklich abgekühlt, plötzlich hatte ich nicht mehr den Eindruck, das wir auf einer Wellenlänge sind. Je länger niemand etwas sagte, umso unangenehmer wurde das ganze. Wieso sieht er mich jetzt gleich so aggressiv an? Ich habe das doch nicht böse gemeint, es war eine wirklich spontane Frage ohne Berechnung und Hintergedanken. Um nicht alles noch schlimmer zu machen, traute ich mich erst mal nicht mehr überhaupt noch irgendein Wort zu sagen.
Ich weiss ja nicht auf was er noch empfindlich reagiert, wie ich die Situation retten könnte wusste ich auch nicht, vielleicht hatte ich auch eben alles leichtfertig verspielt. Mit so einer Reaktion wie jetzt gerade hätte ich nie gerechnet. Von seiner lockeren und umgänglichen Art war nichts mehr zu spüren. Ich sah ihn an und wartete was passiert während die Sekunden anscheinend nie vergehen wollten. Wenn er nicht reagiert, würde ich irgendwann einfach aufstehen und gehen.
Ohne das er mich noch eines Blickes würdigte sprang er dann ein paar Sekunden später von der Couch auf und lief zum Fenster. Ich beobachtete ihn eine Weile wie er am Fenster stand und rein gar nichts machte. Wenn er wenigstens laut rumschreien würde aber es kam kein Ton von ihm. Kurz dachte ich daran einfach zu gehen, dass wäre mit Sicherheit der angenehmste Weg das zu beenden aber das wollte ich jetzt nicht auf mir sitzen lassen. Inzwischen wurde mir klar wie die Frage bei ihm angekommen ist.
Vermutlich glaubt er ich hätte das alles nur gemacht um an Karten für das Finale zu kommen. Wenn er das wirklich denkt, dann kann ich ihn sowieso nicht mehr vom Gegenteil überzeugen. Das war echt nicht meine Absicht aber er wird mir sicher nicht mehr glauben. Ich stand dann auch auf und lief langsam näher zu ihm, er sah mich ja nicht da er mit dem Rücken zu mir stand. Kurz drehte ich mich um und sah die Gläser auf dem Tisch stehen. Inzwischen waren wir von alkoholfreiem Wasser bei Rotwein angelangt. Er kann aber ja nicht so viel trinken da er morgen spielen muss also hielten wir uns einfach an dem einen Glas auf. Mit der entspannten Stimmung war es aber leider vorbei. Ich drehte meinen Kopf wieder nach vorn, Rafa stand mit den Händen in den Hosentaschen direkt am Fenster und sah raus oder zumindest tat er so.
Es war dunkel, viel konnte er sowieso nicht beobachten. “Rafael” Obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, drehte er sich um und sah mich direkt an. Ich musste gleich wieder kräftig schlucken, mir gefiel sein Blick überhaupt gar nicht. Ich verstand ja gar nicht warum er jetzt so extrem reagierte, dass lief eben blöd mit meiner Frage aber er kann ja sagen das es ihn stört oder nicht? Wahrscheinlich kann ich froh sein wenn er überhaupt noch ein einziges Wort zu mir sagt. “Verschwinde” Kam es mir dann nur mit einem weniger freundlichen Tonfall entgegen.
Für einen kurzen Moment verschlug es mir die Sprache, eigentlich wollte ich was antworten aber sein Blick hielt mich davon ab. Obwohl das eine klare Ansage war, wurde ich jetzt auch so langsam wütend. Was glaubt der eigentlich wer er ist? Ich sollte vielleicht wirklich einfach gehen und alles vergessen aber das kratzte jetzt an meinem Ego und ich würde mir das sicher nicht bieten lassen, jedenfalls nicht von ihm! Er soll gefälligst sagen das es ihn stört und nicht eine Mauer aus Schweigen um sich aufbauen.
Da ich stehen blieb und keinen Zentimeter zurückweichte, kam er näher bis er direkt vor mir stand. Es war nicht so, dass ich seine unmissverständliche Aufforderung zu gehen nicht verstanden hatte aber so einfach wird er mich nicht los. Ich sah in seine Augen während ich mit den Zähnen knirrschte und meine Hände zur Faust ballte. Es war mir nicht wirklich geheuer, dass er so nah vor mir steht, ich würde nicht sagen das ich Angst vor ihm habe aber es ging in die Richtung. “Wie weit würdest du gehen um an Karten zu kommen?” Ich holte tief Luft und zwang mich selbst ruhig zu bleiben, nur zu gerne würde ich ihm sagen was ich denke.
Warum eigentlich nicht? Ich schulde ihm nichts und sehen werde ich ihn ja auch nicht mehr. “Ich dachte nicht wirklich, dass du so eine bist aber so kann man sich täuschen. Gehörte das in Porto Cristo auch alles mit zu deiner Show? Falls ja bin ich wirklich erstaunt was du alles machst nur um an solche beschissenen Karten zu kommen. Ich meine solche Leute begegnen mir ab und zu aber mir ist selten jemand mit so einer Dreistigkeit begegnet” Jetzt reichte es aber so langsam, wenn er nicht gleich aufhört, garantiere ich für absolut gar nichts mehr. So langsam fragte ich mich doch was ich noch hier mache, ich sollte gehen, der war es gar nicht wert.
Ich kam mir eben vor wie in einem schlechten Film. Offenbar nahm er sich selbst viel zu wichtig. “Es passt ja auch alles wirklich super zusammen” Sagte ich dann nur mit einer Mischung aus Frust und Enttäuschung. “Es ist mir egal, ich will deine Ausreden gar nicht hören. Mal angenommen ich würde dir Karten geben, was würdest du im Gegenzug dafür tun? Würdest du auch mit mir schlafen um an Karten zu kommen? Ich habe zufällig noch nichts vor heute Nacht. Vielleicht springen ja auch Karten für ein weiteres Finale raus wenn du dir Mühe gibst” In der nächsten Sekunde verlor ich total die Kontrolle über mich. Das war ja wohl die Spitze! So eine Unverschämtheit! Falls er mich provozieren wollte, hat er das geschafft. Ohne das ich groß vorher nachdachte, verpasste ich ihm eine Ohrfeige.
23 September 2009
Chapter 7
Endlich durften wir dann auch mal zu unseren Plätzen. Wir kamen noch ganz gut weg, wir saßen fast in der Mitte also wenn wir geradeaus sehen, erscheint das Netz auf dem Spielfeld als Linie. Zwar waren wir in den oberen Rängen aber zu meinem Erstaunen sah man auch von hier noch etwas. Mit etwas Glück kann man vielleicht sogar den Ball von hier aus sehen! Nach und nach trudelten dann alle ein obwohl ich bezweifle, das hier alles voll werden wird. Ich war schon gespannt was passiert wenn Rafa erscheint.
Bis jetzt war von ihm nichts zu sehen gewesen außer übermäßigen Plakaten die überall hingen. Von der Position wo wir sitzen aus muss ich auch keine Angst haben das er mich eventuell sehen würde. Ich kramte nach einem Taschentuch als Sara auch anfing in ihrer Tasche zu wühlen. Als ich mehr zufällig zu ihr rübersah, bekam ich erst mal einen Schreck. Sehe ich das gerade richtig, das sie eben eine überdimensional große spanische Flagge auspackt? Was das sollte, war aber nicht so schwer zu erraten. “Was soll das denn?” Fragte ich mit schockiertem Gesicht.
Ich sah hier niemand weiter der mit so einer Fahne ausgerüstet hier erschienen war. “Hey, dass ist nur eine Fahne, tut auch nicht weh” “Muss es so groß ausfallen? Die sieht man ja vom Weltraum aus noch” Sie rollte nur mit den Augen und sagte nichts mehr. Während ich kräftig schluckte, befestigte sie ihre Fahne vor uns am Geländer. Ich dachte nur, oh nein! Sie war perfekt vorbereitet, dass musste man ihr lassen. “Ich sage dir was, wenn du anfängst hysterisch nach ihm zu schreien und in mein Ohr kreischst, schlage ich dich ko” Das würde ich im Notfall wirklich tun.
“Keine Panik, ich will mich ja nicht unbeliebt machen. Sieh dich doch mal um, hier sind kaum Fans die irgendwas mitgebracht haben” ”Glaubst du er legt wert auf eine Fahne im Publikum?” ”Nein aber es kann doch nicht schaden” “Du willst dich doch nur einschleimen damit er dir Autogramme gibt” Sie schluckte erst und kicherte dann. “Das würde ich nie tun” Es war zwecklos also gab ich es auf.
Um 8 war es dann endlich mal aber es passierte nichts. Bis jetzt waren die Plätze nur etwa zur Hälfte besetzt, interessiert es etwa niemanden? Wenigstens wurde zur Unterhaltung Musik gespielt, es war irgendwie wie Volksfeststimmung. Sara rollte mit den Augen und sah jede Minute auf ihre Uhr. “Geht bestimmt gleich los” Sagte ich nur. Kaum hatte ich den Satz zu Ende gesagt, erfolgte auch schon die Ankündigung für Mardy Fish.
Von dem hatte ich noch nie irgendwas gehört und Sara meinte nur, das Spiel dürfte höchstens so was wie eine bessere Trainingsstunde für Rafa werden. Na die war sich ja sehr sicher, auf die Idee das Rafa auch mal verlieren könnte kam sie anscheinend nicht. Es war ja wirklich so das Rafa meistens gewann egal auf welchem Untergrund aber ab und zu verliert er eben. Nachdem der Ansager den halben Lebenslauf von Fish erzählt hatte ging es weiter mit Rafa.
Wenn der von ihm auch noch alle Siege einzeln aufzählt, sitzen wir morgen um diese Zeit noch hier. Ich konnte mich aber nicht mehr auf das was da erzählt wurde konzentrieren da inzwischen Fish erschienen war und ein paar Sekunden später Rafa. Wenigstens gab es Applaus von den Zuschauern. Endlich tut sich mal etwas auf dem Platz! Es war nicht zu fassen, dass ich Rafa noch mal sehe und dann auch noch bei einem Tennismatch, ich war über mich selbst erschrocken.
Bevor es losging, gab es ja noch Zeit zum Aufwärmen obwohl es so aussah als wenn Rafa schon vorher ein paar Minuten gespielt hat. Es kann unmöglich sein, dass er nach zwei Minuten Aufwärmen schon ins schwitzen kommt. Gespannt war ich trotzdem was gleich passiert. Sara hat mich schon angesteckt mit ihrem grenzenlosen Optimismus. Ich sah neben mich, es war so ruhig und ich dachte sie fängt an zu kreischen wenn Rafa sich blicken lässt. Vielleicht ist sie ja so ergriffen, das sie erst mal ruhig ist. “Ich kann es nicht glauben hier zu sein” Ich sah verwundert zur Seite und musste lächeln. “Stand das jemals in Frage?” ”Ich wollte eigentlich nicht hier her fahren” ”Aber?” Inzwischen grinste sie auch schon so breit.
“Ich konnte nicht anders, es war zu verlockend. Man könnte es wahrscheinlich im Fernsehen besser sehen aber es ist was anderes hier zu sitzen, sozusagen live dabei zu sein” Ich sah wieder auf den Platz und dachte nur wie recht sie doch damit hat! Am liebsten würde ich auf den Platz rennen und Rafa um den Hals fallen. So weit weg war er ja gar nicht von uns und trotzdem kommen wir nicht näher an ihn ran, zu schade auch. Wir hätten doch nicht hergehen sollen, man will dann nur immer mehr haben. Zumindest hätte ich nichts dagegen ihn etwas näher zu sehen. Lange konnte ich aber nicht mehr fantasieren, da das Spiel dann losging mit dem Aufschlag von Mardy Fish. Erst dachte ich ja das Sara übertreibt als sie sagte das es wohl nicht sehr lange dauern wird aber der erste Satz war dann tatsächlich schon nach 30 Minuten zu Ende.
Hat Rafael Nadal noch etwas vor heute Abend weil er sich so beeilt? Bei 6-2 gab es auch nicht viel zu tun für ihn, er hat nur den Schläger hingehalten und Fish hat die Fehler ganz von alleine gemacht. Für meine 30 Euro will ich auch was sehen und nicht so eine bessere Trainingsstunde. Rafa kann sicher nebenbei noch Autogramme geben ohne das ihm ein Punkt entgeht. Der zweite Satz ging gleich mit einem break für Rafa los. Es stand praktisch schon fest, dass dieses Spiel nach zwei Sätzen zu Ende sein wird, die Frage war nur ob es dann nach dem zweiten Satz 6-0 oder 6-1 stehen wird. Knapp 30 Minuten später war es dann auch zu Ende. 6-2 und 6-0 in knapp einer Stunde. Bevor ich mich an das Spiel gewöhnen konnte war es schon wieder vorbei. Die Begeisterung hielt sich danach bei allen in Grenzen, wirklich was zu sehen bekam keiner für sein Geld, entsprechend war auch die Stimmung. Rafa spielte ein paar signierte Bälle in die Zuschauer bevor er seine Sachen zusammenpackte und wieder verschwand.
Große Gefühlsausbrüche konnte wohl auch keiner erwarten in der zweiten Runde. Rafa hat zwar auch gespielt aber Fish hat praktisch von selbst verloren. So hätte ich auch spielen können oder war er in Schockstarre weil Rafa auf der anderen Seite stand? Sara legte ihre Fahne wieder zusammen und packte sie in ihre Tasche. “Das ging ja fix” Bemerkte sie dann nur. ”Mhh, hätte mir auch gewünscht das es länger geht für das Geld” ”Vielleicht haben wir beim Halbfinale mehr Glück” ”Falls Rafa bis dahin kommt” Hing ich scherzhaft noch an. Ich wollte doch nur ihr Gesicht sehen! “Machst du Witze? Gegen wen sollte er denn verlieren bis dahin? Das passiert nur wenn ihm eine Verletzung dazwischen kommt” ”Der kann doch auch mal einen schlechten Tag haben” ”Selbst dann gewinnt er noch, zumindest gegen jemand wie Fish”
Es kam uns dann doch gelegen, dass das Spiel nur eine Stunde gedauert hatte, wir mussten ja noch eine halbe Stunde fahren bis wir an unserer Pension sind. Total ko fielen wir ins Bett und ich schlief auch 10 Sekunden später schon. Das ganze rumlaufen hatte mich total geschafft.
Die nächsten Tage werden sicher noch interessant. Wir hatten zwar nur noch tickets für das Halbfinale aber es gab ja noch ground tickets. Tolle Sache, die sind fast geschenkt und man kann damit auf das Gelände, nur eben nicht in die einzelnen Stadien. Zumindest die Außenplätze können wir damit sehen.
Kaum 12 Stunden seit wir Berlin und die Anlage von dem Tennisturnier verlassen hatten, waren wir wieder zurück. Puh, noch ein Tag mit Tennis von früh bis spät. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich notgedrungen damit zu befassen. Für die Leute wie uns, die keine Tickets für ein Stadion haben, gibt es große Leinwände wo das Geschehen vom Centre Court live übertragen wird. Zumindest hatten die hier an alles gedacht, was die Tennisfans so glücklich macht. Wenn man davon absieht, dass Rafa, Federer und Co. sich rar machen von den Spielen abgesehen. Ich hatte aber auch nicht erwartet, dass Rafa sich unter das Fußvolk mischt und mal kurz hola sagt.
Von dem war heute wieder nichts zu sehen, er spielt zwar das Achtelfinale am Nachmittag aber das können wir sowieso nur auf der Leinwand verfolgen. Davon abgesehen muss der doch aber auch mal trainieren oder nicht? Die Außenplätze hatten wir relativ schnell abgegrast, nix interessantes in Sicht abgesehen von Fernando Verdasco. Erstaunlich wie resistent seine hochgegelte Frisur ist. Bestimmt kann er auch Kopfstand machen und es würde sich kein Haar dabei verändern. Interessante Vorstellung auch wenn ich zweifle das er es in die Tat umsetzen würde. Von seinen Haaren abgesehen hatte er ja in der Vergangenheit eher mit seinem Privatleben als mit seinen Spielen für Schlagzeilen gesorgt. Das Wetter war heute auch erstaunlich, es waren wieder weit über 20 Grad. Aus dem Grund waren wir auch geflüchtet von den Außenplätzen, dass hält kein Mensch aus direkt in der Sonne. Ein Wunder wie manche da trainieren können bei der Hitze. Spieler wie Verdasco fühlen sich sicher heimisch bei den Temperaturen, in Spanien ist es ja jeden Tag so heiß im Sommer.
Sara gab dann aber keine Ruhe und wollte noch eine Runde laufen, gucken ob sich zwischenzeitlich was interessantes getan hatte. Mir war es echt zu warm also wartete ich am Rand von einem der Außenplätze. Man konnte nicht auf alle Plätze sehen, zwei waren verhüllt durch die üblichen grünen Netze. Komplett blickdicht waren die nicht, schemenhaft konnte man Umrisse und Bewegungen sehen. Die waren auch extra drei Meter hoch, damit auch ja niemand drüber sehen konnte. Dadurch gab es aber wenigstens ein bisschen Schatten wenn die Sonne günstig stand.
Ich stellte mich direkt mit dem Rücken an das Netz und fächelte mir mit einem Prospekt etwas Luft zu. Hoffentlich kommt Sara bald wieder. Es gab auch klimatisierte Räume, dass wäre doch echt perfekt jetzt. Von einem Schlag an den Hinterkopf wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich bekam einen Schreck und machte automatisch einen Schritt nach vorn ehe ich mit einer Hand über die Stelle am Kopf rieb und mich verwundert umdrehte.
War man hier nirgends sicher vor diesen Verrückten, die auch bei 50 Grad noch trainieren? Sehe konnte ich ja nicht viel durch das Netz aber es kamen noch mehr Bälle ans Netz geflogen. Jetzt war ich aber schon neugierig wer sich dahinter verschanzt hat. An einer Ecke war tatsächlich ein kleiner Spalt. Vom sehen her kannte ich den auch der da eben wie manisch Aufschläge übte. Nach intensivem nachgrübeln fiel mir dann ein, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit Novak Djokovic ist. Es standen noch andere Leute um den Platz verteilt aber die kannte ich nicht. Hoffentlich sah eben keiner wie ich hier stehe und durch den Spalt sehe.
Ich fühlte mich eben wie ein Spanner! Ein bisschen konnte ich das Netz noch zur Seite schieben, immerhin konnte ich dann ganz normal dastehen und in aller Ruhe alles beobachten. Beschweren konnte ich mich auch nicht bei Djokovic, da er ein paar Minuten später anfing seine Sachen zusammenzuräumen. Die mag ich ganz besonders, erst schlägt er mich halb ko und dann macht er die Biege.
Kaum war niemand mehr zu sehen, kamen die nächsten mit Taschen und nahmen alles in Beschlag. Gestört wurden dann meine Beobachtungen von zwei Stimmen, die direkt hinter dem Netz waren. Entweder ich habe jetzt auch schon Wahnvorstellungen oder Rafa steht hier irgendwo in unmittelbarer Nähe, es hörte sich jedenfalls nach ihm an. Dieses Mallorquí ist so eine Sprache, die man auch nicht versteht wenn man spanisch kann. Ich denke nicht das noch andere Spieler hier Mallorquí sprechen von Rafa und seinem Team abgesehen. Ich konnte aber nichts sehen, da das doofe Netz mir keinen Blick um die Ecke erlaubte.
Im nächsten Moment lief jemand an mir vorbei ohne mich zu bemerken. Wenn ich das in aller Eile eben richtig gesehen hatte, war das Toni Nadal. Habe ich doch gleich geahnt das Rafa hier irgendwo ist. Ein paar Sekunden später sah ich Rafa auch mal, wenn auch nur von hinten. Er hatte weiße Hosen an und oben ein blaues Shirt. Kurz dachte ich daran laut nach ihm zu rufen aber das war mir dann doch irgendwie zu peinlich also sagte ich nichts und beobachtete nur. Hoffentlich probiert er nicht wie sein Vorgänger Aufschläge, ich will ja keinen Ball im Gesicht haben. Ein paar Aufschläge gab es tatsächlich, zum Glück nicht in meine Richtung. Rafa stand jetzt so, dass er mich eigentlich sehen könnte aber er war total konzentriert auf sein Spiel. Ich fühlte mich schon reichlich sicher als sein Blick plötzlich in meine Richtung ging.
Erst wollte ich in Deckung gehen aber dazu war es zu spät. Für ein paar Sekunden blieb er stehen und sah direkt zu mir bevor er weiter spielte als wenn nichts gewesen wäre. Vielleicht kann er sich ja doch nicht erinnern? Wundern würde mich das nicht wirklich, es waren immerhin drei Monate vergangen seit ich auf Mallorca war. Wo war denn Sara nun schon wieder? Die verpasst noch alles wenn sie nicht gleich hier erscheint.
Toni sah ich dann vom Platz verschwinden und kaum das er nicht mehr zu sehen war, kam Rafa direkt in meine Richtung gelaufen. Kurz überlegte ich was ich jetzt sage, ich wollte ja keine peinliche Situation entstehen lassen. Je näher er zu mir kam, umso breiter wurde sein Lächeln, sah doch gut aus! Kann er sich etwa doch noch erinnern? Er blieb direkt vor mir stehen und schüttelte leicht mit dem Kopf als wenn er nicht glauben könnte was er sieht. “Hola, ich fasse es nicht! Das ist direkt mal eine gute Überraschung. Was machst du hier?” Ich zuckte leicht nervös mit den Schultern und zog dann auch ein verlegenes Lächeln.
“Dich beobachten. Ich warte eigentlich auf jemanden” ”Wieder mal? Hast du Zeit?” Ich wägte im Bruchteil von Sekunden alle Möglichkeiten ab. Die Frage klang richtig interessant! “Kommt drauf an wofür” Sagte ich erst mal nur um nicht zu euphorisch zu klingen. “Komme rein” Ich sah kurz an dem Netz nach oben bis zum Rand. ”Ich kann leider nicht so gut klettern” ”Am Ende von dem anderen Platz da ist ein Eingang. Ich schicke jemanden hin” Ich brauchte ein paar Sekunden um das zu verarbeiten. “Ähh ok” Sagte ich dann nur und machte mich auf den Weg. Da war ich aber mal gespannt. Es hatte mich schon gewundert wie Rafa hier her gekommen war ohne Aufsehen zu erregen. Die Plätze waren hier ganz am Ende also dachte ich er muss einmal quer über das Gelände aber wenn dort auch ein Eingang ist, kann man wohl fast mit dem Auto auf den Platz fahren. Ich suchte den Eingang und war noch immer skeptisch.
Wie auch anders zu erwarten, standen auch hier zwei Leute von der Security. Ohne das ich ein Wort sagen musste, ging die Tür wie von Zauberhand von innen auf. Ein Mann wartete auf mich und gab mir eine Plastikkarte, etwa so groß wie eine Postkarte. Ich sah kurz drauf und sah nur den großen player’s guest Aufdruck. Alle Leute hier liefen mit solchen Ausweisen rum. Wow, man kam ja schnell zu so was mit den richtigen connections! Ich bedankte mich dafür und lief zu dem Platz wo Rafa war. Nie hätte ich mir träumen lassen mal so schnell auf die andere Seite zu kommen.
Rafa stand inzwischen am Netz und wartete bis ich am Rand vom Spielfeld war. “Ich schätze die Aussicht ist von hier aus besser, no?” Ich musste gleich wieder lachen. “Wie man es nimmt, ich war eigentlich nur auf ein bisschen Schatten aus” ”Ich gebe zu, dass ich ein wenig schockiert bin dich hier zu sehen” Ich wunk mit einer Hand ab und trank kurz einen Schluck Wasser.
“Der Schock ist ganz auf meiner Seite. Ich habe nicht damit gerechnet das du hier bist” Das konnte ich mir nicht verkneifen, wie kann ich auch ahnen das Rafa hier ist? “Ich mache dieses Jahr Urlaub in Berlin und da es mir langweilig war, dachte ich mir das ich ja doch das Turnier spielen könnte was zufällig gerade stattfindet” Zu schade das er darauf eingestiegen war ich dachte schon er braucht ein bisschen länger dazu. “Ich fühle mich geehrt das du dich an mich erinnerst” ”So lange ist es nun auch nicht her, waren doch höchstens ein paar Monate oder?” ”Drei um genau zu sein. Kannst du dich an jeden erinnern den du in der Zeit getroffen hast?” ”Natürlich nicht, nur an diejenigen die mir positiv oder negativ in Erinnerung geblieben sind”
Für einen Moment verschlug es mir die Sprache. Es schien mir so als wenn er da weitermacht wo er in Porto Cristo aufgehört hat. Das interpretiere ich jetzt so das er mich nicht bei denen einordnet die in negativer Erinnerung bleiben. Sein Lächeln sah auch zu schön aus obwohl er nur dort stand und nichts machte, könnte ich an Ort und Stelle schmelzen. Das Lächeln hatte ich schon richtig vermisst. Ich würde ihn auch dabei beobachten wie er nur dasteht und gar nichts macht. “Darf ich dich umarmen?” Ich konnte mir das nicht verkneifen und hatte es auch gesagt bevor ich nachdachte. Rafa sah kurz nach hinten und kam dann näher zu mir. “So lange mein Onkel nicht zurück ist schon” Damit kein falscher Eindruck entsteht, umarmte ich ihn nur kurz. Das reichte aber schon aus um meinen Puls etwas zu beschleunigen. Es wäre sowieso nicht gut für mich wenn ich ihn länger umarme, dass bringt mich nur wieder durcheinander.
Mir entging nicht, dass wir beobachtet wurden. Toni war zwar noch nicht zurück aber es standen noch zwei Männer da, einer ungefähr so alt wie Rafa, der andere vielleicht Anfang vierzig. Die hatte ich zwar schon öfters in der Nähe von Rafa gesehen aber ich hatte trotzdem keine Ahnung wer das war. Rafa folgte dann meinem Blick. “Links das ist mein Physiotherapeut Rafael Maymo und daneben mein Manager Carlos Costa” ”Die kamen mir vom sehen her bekannt vor” Bevor Rafa weitere Erklärungen abgeben konnte, kam Toni wieder. Er sah zu mir und dann fragend zu Rafa. Wie er seinem Onkel meine Anwesenheit erklärte weiss ich nicht da er näher zu ihm lief und ich nicht verstehen konnte was er zu ihm sagte. Zumindest sagte niemand das ich wieder gehen soll also blieb ich am Rand stehen und verhielt mich ruhig.
Ich war nur darauf bedacht so zu stehen, dass ich von außen nicht sichtbar bin. Kann ja sein Sara späht auch durch einen Spalt. Da fiel mir erst mal ein, dass sie ja gar nicht wusste wo ich hin war. Mir blieb vorhin keine Zeit lange zu überlegen. Ich plante auch nicht bis zum Ende von dem Training hier zu bleiben. Das konnte ja manchmal 3 Stunden gehen, so lange kann ich nicht hier sein ohne das Sara etwas merkt.
Sara meldete sich dann mal von ihrem Handy aus und sagte, dass sie sich derweil die Zeit damit vertreibt Fernando Verdasco zu beobachten. Irgendwer hatte ihr gesagt das Rafa später trainiert und jetzt wollte sie warten. Später war ein dehnbarer Begriff, jetzt würde es wohl eher treffen. Ich hätte sagen können das Rafa auch hier ist aber von außen sieht man ja nicht viel und ich will ja nicht provozieren das sie mich hier sieht. Die dreht mir den Hals zweimal um wenn sie rausfindet das ich nicht ganz so ahnungslos bin wie ich tue.
Ich hatte mich ja schon mal um haaresbreite verquatscht als ich sie gefragt hatte seit wann Rafa einen Aston Martin fährt. Daraufhin sah sie mich mit großen Augen an und fragte mich wie ich auf so was verrücktes komme. In der letzten Sekunde konnte ich die Kurve kratzen indem ich sagte, dass ich das wahrscheinlich verwechselt habe. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es nicht allgemein bekannt ist was er für ein Auto fährt. Wie schon zu ahnen ließ sie nicht locker und fragte genauer nach. Ich hatte ja nicht lange Zeit zu überlegen also sagte ich da wäre ein Bericht gewesen im TV als wir in Spanien waren und das ich mich eben nicht mehr genau erinnern kann.
Das sollte sich als instinktiv richtig rausstellen denn Wochen später tauchten Bilder auf von Rafa mit dem Auto und Sara staunte nicht schlecht, sie wollte mir ja erst nicht glauben. Zum Glück hatte ich die Geschichte mit dem TV Bericht erfunden, sonst fragt sie sich woher ich das wissen konnte ohne Rafa zu sehen. Das war mir eine Lehre gewesen also fragte ich dann besser nichts mehr und verkniff mir jegliche Kommentare wenn jemand behauptete das Rafa bei seinen Eltern in Manacor wohnt, was ja auch nur der halben Wahrheit entsprach.
Bis jetzt war von ihm nichts zu sehen gewesen außer übermäßigen Plakaten die überall hingen. Von der Position wo wir sitzen aus muss ich auch keine Angst haben das er mich eventuell sehen würde. Ich kramte nach einem Taschentuch als Sara auch anfing in ihrer Tasche zu wühlen. Als ich mehr zufällig zu ihr rübersah, bekam ich erst mal einen Schreck. Sehe ich das gerade richtig, das sie eben eine überdimensional große spanische Flagge auspackt? Was das sollte, war aber nicht so schwer zu erraten. “Was soll das denn?” Fragte ich mit schockiertem Gesicht.
Ich sah hier niemand weiter der mit so einer Fahne ausgerüstet hier erschienen war. “Hey, dass ist nur eine Fahne, tut auch nicht weh” “Muss es so groß ausfallen? Die sieht man ja vom Weltraum aus noch” Sie rollte nur mit den Augen und sagte nichts mehr. Während ich kräftig schluckte, befestigte sie ihre Fahne vor uns am Geländer. Ich dachte nur, oh nein! Sie war perfekt vorbereitet, dass musste man ihr lassen. “Ich sage dir was, wenn du anfängst hysterisch nach ihm zu schreien und in mein Ohr kreischst, schlage ich dich ko” Das würde ich im Notfall wirklich tun.
“Keine Panik, ich will mich ja nicht unbeliebt machen. Sieh dich doch mal um, hier sind kaum Fans die irgendwas mitgebracht haben” ”Glaubst du er legt wert auf eine Fahne im Publikum?” ”Nein aber es kann doch nicht schaden” “Du willst dich doch nur einschleimen damit er dir Autogramme gibt” Sie schluckte erst und kicherte dann. “Das würde ich nie tun” Es war zwecklos also gab ich es auf.
Um 8 war es dann endlich mal aber es passierte nichts. Bis jetzt waren die Plätze nur etwa zur Hälfte besetzt, interessiert es etwa niemanden? Wenigstens wurde zur Unterhaltung Musik gespielt, es war irgendwie wie Volksfeststimmung. Sara rollte mit den Augen und sah jede Minute auf ihre Uhr. “Geht bestimmt gleich los” Sagte ich nur. Kaum hatte ich den Satz zu Ende gesagt, erfolgte auch schon die Ankündigung für Mardy Fish.
Von dem hatte ich noch nie irgendwas gehört und Sara meinte nur, das Spiel dürfte höchstens so was wie eine bessere Trainingsstunde für Rafa werden. Na die war sich ja sehr sicher, auf die Idee das Rafa auch mal verlieren könnte kam sie anscheinend nicht. Es war ja wirklich so das Rafa meistens gewann egal auf welchem Untergrund aber ab und zu verliert er eben. Nachdem der Ansager den halben Lebenslauf von Fish erzählt hatte ging es weiter mit Rafa.
Wenn der von ihm auch noch alle Siege einzeln aufzählt, sitzen wir morgen um diese Zeit noch hier. Ich konnte mich aber nicht mehr auf das was da erzählt wurde konzentrieren da inzwischen Fish erschienen war und ein paar Sekunden später Rafa. Wenigstens gab es Applaus von den Zuschauern. Endlich tut sich mal etwas auf dem Platz! Es war nicht zu fassen, dass ich Rafa noch mal sehe und dann auch noch bei einem Tennismatch, ich war über mich selbst erschrocken.
Bevor es losging, gab es ja noch Zeit zum Aufwärmen obwohl es so aussah als wenn Rafa schon vorher ein paar Minuten gespielt hat. Es kann unmöglich sein, dass er nach zwei Minuten Aufwärmen schon ins schwitzen kommt. Gespannt war ich trotzdem was gleich passiert. Sara hat mich schon angesteckt mit ihrem grenzenlosen Optimismus. Ich sah neben mich, es war so ruhig und ich dachte sie fängt an zu kreischen wenn Rafa sich blicken lässt. Vielleicht ist sie ja so ergriffen, das sie erst mal ruhig ist. “Ich kann es nicht glauben hier zu sein” Ich sah verwundert zur Seite und musste lächeln. “Stand das jemals in Frage?” ”Ich wollte eigentlich nicht hier her fahren” ”Aber?” Inzwischen grinste sie auch schon so breit.
“Ich konnte nicht anders, es war zu verlockend. Man könnte es wahrscheinlich im Fernsehen besser sehen aber es ist was anderes hier zu sitzen, sozusagen live dabei zu sein” Ich sah wieder auf den Platz und dachte nur wie recht sie doch damit hat! Am liebsten würde ich auf den Platz rennen und Rafa um den Hals fallen. So weit weg war er ja gar nicht von uns und trotzdem kommen wir nicht näher an ihn ran, zu schade auch. Wir hätten doch nicht hergehen sollen, man will dann nur immer mehr haben. Zumindest hätte ich nichts dagegen ihn etwas näher zu sehen. Lange konnte ich aber nicht mehr fantasieren, da das Spiel dann losging mit dem Aufschlag von Mardy Fish. Erst dachte ich ja das Sara übertreibt als sie sagte das es wohl nicht sehr lange dauern wird aber der erste Satz war dann tatsächlich schon nach 30 Minuten zu Ende.
Hat Rafael Nadal noch etwas vor heute Abend weil er sich so beeilt? Bei 6-2 gab es auch nicht viel zu tun für ihn, er hat nur den Schläger hingehalten und Fish hat die Fehler ganz von alleine gemacht. Für meine 30 Euro will ich auch was sehen und nicht so eine bessere Trainingsstunde. Rafa kann sicher nebenbei noch Autogramme geben ohne das ihm ein Punkt entgeht. Der zweite Satz ging gleich mit einem break für Rafa los. Es stand praktisch schon fest, dass dieses Spiel nach zwei Sätzen zu Ende sein wird, die Frage war nur ob es dann nach dem zweiten Satz 6-0 oder 6-1 stehen wird. Knapp 30 Minuten später war es dann auch zu Ende. 6-2 und 6-0 in knapp einer Stunde. Bevor ich mich an das Spiel gewöhnen konnte war es schon wieder vorbei. Die Begeisterung hielt sich danach bei allen in Grenzen, wirklich was zu sehen bekam keiner für sein Geld, entsprechend war auch die Stimmung. Rafa spielte ein paar signierte Bälle in die Zuschauer bevor er seine Sachen zusammenpackte und wieder verschwand.
Große Gefühlsausbrüche konnte wohl auch keiner erwarten in der zweiten Runde. Rafa hat zwar auch gespielt aber Fish hat praktisch von selbst verloren. So hätte ich auch spielen können oder war er in Schockstarre weil Rafa auf der anderen Seite stand? Sara legte ihre Fahne wieder zusammen und packte sie in ihre Tasche. “Das ging ja fix” Bemerkte sie dann nur. ”Mhh, hätte mir auch gewünscht das es länger geht für das Geld” ”Vielleicht haben wir beim Halbfinale mehr Glück” ”Falls Rafa bis dahin kommt” Hing ich scherzhaft noch an. Ich wollte doch nur ihr Gesicht sehen! “Machst du Witze? Gegen wen sollte er denn verlieren bis dahin? Das passiert nur wenn ihm eine Verletzung dazwischen kommt” ”Der kann doch auch mal einen schlechten Tag haben” ”Selbst dann gewinnt er noch, zumindest gegen jemand wie Fish”
Es kam uns dann doch gelegen, dass das Spiel nur eine Stunde gedauert hatte, wir mussten ja noch eine halbe Stunde fahren bis wir an unserer Pension sind. Total ko fielen wir ins Bett und ich schlief auch 10 Sekunden später schon. Das ganze rumlaufen hatte mich total geschafft.
Die nächsten Tage werden sicher noch interessant. Wir hatten zwar nur noch tickets für das Halbfinale aber es gab ja noch ground tickets. Tolle Sache, die sind fast geschenkt und man kann damit auf das Gelände, nur eben nicht in die einzelnen Stadien. Zumindest die Außenplätze können wir damit sehen.
Kaum 12 Stunden seit wir Berlin und die Anlage von dem Tennisturnier verlassen hatten, waren wir wieder zurück. Puh, noch ein Tag mit Tennis von früh bis spät. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich notgedrungen damit zu befassen. Für die Leute wie uns, die keine Tickets für ein Stadion haben, gibt es große Leinwände wo das Geschehen vom Centre Court live übertragen wird. Zumindest hatten die hier an alles gedacht, was die Tennisfans so glücklich macht. Wenn man davon absieht, dass Rafa, Federer und Co. sich rar machen von den Spielen abgesehen. Ich hatte aber auch nicht erwartet, dass Rafa sich unter das Fußvolk mischt und mal kurz hola sagt.
Von dem war heute wieder nichts zu sehen, er spielt zwar das Achtelfinale am Nachmittag aber das können wir sowieso nur auf der Leinwand verfolgen. Davon abgesehen muss der doch aber auch mal trainieren oder nicht? Die Außenplätze hatten wir relativ schnell abgegrast, nix interessantes in Sicht abgesehen von Fernando Verdasco. Erstaunlich wie resistent seine hochgegelte Frisur ist. Bestimmt kann er auch Kopfstand machen und es würde sich kein Haar dabei verändern. Interessante Vorstellung auch wenn ich zweifle das er es in die Tat umsetzen würde. Von seinen Haaren abgesehen hatte er ja in der Vergangenheit eher mit seinem Privatleben als mit seinen Spielen für Schlagzeilen gesorgt. Das Wetter war heute auch erstaunlich, es waren wieder weit über 20 Grad. Aus dem Grund waren wir auch geflüchtet von den Außenplätzen, dass hält kein Mensch aus direkt in der Sonne. Ein Wunder wie manche da trainieren können bei der Hitze. Spieler wie Verdasco fühlen sich sicher heimisch bei den Temperaturen, in Spanien ist es ja jeden Tag so heiß im Sommer.
Sara gab dann aber keine Ruhe und wollte noch eine Runde laufen, gucken ob sich zwischenzeitlich was interessantes getan hatte. Mir war es echt zu warm also wartete ich am Rand von einem der Außenplätze. Man konnte nicht auf alle Plätze sehen, zwei waren verhüllt durch die üblichen grünen Netze. Komplett blickdicht waren die nicht, schemenhaft konnte man Umrisse und Bewegungen sehen. Die waren auch extra drei Meter hoch, damit auch ja niemand drüber sehen konnte. Dadurch gab es aber wenigstens ein bisschen Schatten wenn die Sonne günstig stand.
Ich stellte mich direkt mit dem Rücken an das Netz und fächelte mir mit einem Prospekt etwas Luft zu. Hoffentlich kommt Sara bald wieder. Es gab auch klimatisierte Räume, dass wäre doch echt perfekt jetzt. Von einem Schlag an den Hinterkopf wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich bekam einen Schreck und machte automatisch einen Schritt nach vorn ehe ich mit einer Hand über die Stelle am Kopf rieb und mich verwundert umdrehte.
War man hier nirgends sicher vor diesen Verrückten, die auch bei 50 Grad noch trainieren? Sehe konnte ich ja nicht viel durch das Netz aber es kamen noch mehr Bälle ans Netz geflogen. Jetzt war ich aber schon neugierig wer sich dahinter verschanzt hat. An einer Ecke war tatsächlich ein kleiner Spalt. Vom sehen her kannte ich den auch der da eben wie manisch Aufschläge übte. Nach intensivem nachgrübeln fiel mir dann ein, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit Novak Djokovic ist. Es standen noch andere Leute um den Platz verteilt aber die kannte ich nicht. Hoffentlich sah eben keiner wie ich hier stehe und durch den Spalt sehe.
Ich fühlte mich eben wie ein Spanner! Ein bisschen konnte ich das Netz noch zur Seite schieben, immerhin konnte ich dann ganz normal dastehen und in aller Ruhe alles beobachten. Beschweren konnte ich mich auch nicht bei Djokovic, da er ein paar Minuten später anfing seine Sachen zusammenzuräumen. Die mag ich ganz besonders, erst schlägt er mich halb ko und dann macht er die Biege.
Kaum war niemand mehr zu sehen, kamen die nächsten mit Taschen und nahmen alles in Beschlag. Gestört wurden dann meine Beobachtungen von zwei Stimmen, die direkt hinter dem Netz waren. Entweder ich habe jetzt auch schon Wahnvorstellungen oder Rafa steht hier irgendwo in unmittelbarer Nähe, es hörte sich jedenfalls nach ihm an. Dieses Mallorquí ist so eine Sprache, die man auch nicht versteht wenn man spanisch kann. Ich denke nicht das noch andere Spieler hier Mallorquí sprechen von Rafa und seinem Team abgesehen. Ich konnte aber nichts sehen, da das doofe Netz mir keinen Blick um die Ecke erlaubte.
Im nächsten Moment lief jemand an mir vorbei ohne mich zu bemerken. Wenn ich das in aller Eile eben richtig gesehen hatte, war das Toni Nadal. Habe ich doch gleich geahnt das Rafa hier irgendwo ist. Ein paar Sekunden später sah ich Rafa auch mal, wenn auch nur von hinten. Er hatte weiße Hosen an und oben ein blaues Shirt. Kurz dachte ich daran laut nach ihm zu rufen aber das war mir dann doch irgendwie zu peinlich also sagte ich nichts und beobachtete nur. Hoffentlich probiert er nicht wie sein Vorgänger Aufschläge, ich will ja keinen Ball im Gesicht haben. Ein paar Aufschläge gab es tatsächlich, zum Glück nicht in meine Richtung. Rafa stand jetzt so, dass er mich eigentlich sehen könnte aber er war total konzentriert auf sein Spiel. Ich fühlte mich schon reichlich sicher als sein Blick plötzlich in meine Richtung ging.
Erst wollte ich in Deckung gehen aber dazu war es zu spät. Für ein paar Sekunden blieb er stehen und sah direkt zu mir bevor er weiter spielte als wenn nichts gewesen wäre. Vielleicht kann er sich ja doch nicht erinnern? Wundern würde mich das nicht wirklich, es waren immerhin drei Monate vergangen seit ich auf Mallorca war. Wo war denn Sara nun schon wieder? Die verpasst noch alles wenn sie nicht gleich hier erscheint.
Toni sah ich dann vom Platz verschwinden und kaum das er nicht mehr zu sehen war, kam Rafa direkt in meine Richtung gelaufen. Kurz überlegte ich was ich jetzt sage, ich wollte ja keine peinliche Situation entstehen lassen. Je näher er zu mir kam, umso breiter wurde sein Lächeln, sah doch gut aus! Kann er sich etwa doch noch erinnern? Er blieb direkt vor mir stehen und schüttelte leicht mit dem Kopf als wenn er nicht glauben könnte was er sieht. “Hola, ich fasse es nicht! Das ist direkt mal eine gute Überraschung. Was machst du hier?” Ich zuckte leicht nervös mit den Schultern und zog dann auch ein verlegenes Lächeln.
“Dich beobachten. Ich warte eigentlich auf jemanden” ”Wieder mal? Hast du Zeit?” Ich wägte im Bruchteil von Sekunden alle Möglichkeiten ab. Die Frage klang richtig interessant! “Kommt drauf an wofür” Sagte ich erst mal nur um nicht zu euphorisch zu klingen. “Komme rein” Ich sah kurz an dem Netz nach oben bis zum Rand. ”Ich kann leider nicht so gut klettern” ”Am Ende von dem anderen Platz da ist ein Eingang. Ich schicke jemanden hin” Ich brauchte ein paar Sekunden um das zu verarbeiten. “Ähh ok” Sagte ich dann nur und machte mich auf den Weg. Da war ich aber mal gespannt. Es hatte mich schon gewundert wie Rafa hier her gekommen war ohne Aufsehen zu erregen. Die Plätze waren hier ganz am Ende also dachte ich er muss einmal quer über das Gelände aber wenn dort auch ein Eingang ist, kann man wohl fast mit dem Auto auf den Platz fahren. Ich suchte den Eingang und war noch immer skeptisch.
Wie auch anders zu erwarten, standen auch hier zwei Leute von der Security. Ohne das ich ein Wort sagen musste, ging die Tür wie von Zauberhand von innen auf. Ein Mann wartete auf mich und gab mir eine Plastikkarte, etwa so groß wie eine Postkarte. Ich sah kurz drauf und sah nur den großen player’s guest Aufdruck. Alle Leute hier liefen mit solchen Ausweisen rum. Wow, man kam ja schnell zu so was mit den richtigen connections! Ich bedankte mich dafür und lief zu dem Platz wo Rafa war. Nie hätte ich mir träumen lassen mal so schnell auf die andere Seite zu kommen.
Rafa stand inzwischen am Netz und wartete bis ich am Rand vom Spielfeld war. “Ich schätze die Aussicht ist von hier aus besser, no?” Ich musste gleich wieder lachen. “Wie man es nimmt, ich war eigentlich nur auf ein bisschen Schatten aus” ”Ich gebe zu, dass ich ein wenig schockiert bin dich hier zu sehen” Ich wunk mit einer Hand ab und trank kurz einen Schluck Wasser.
“Der Schock ist ganz auf meiner Seite. Ich habe nicht damit gerechnet das du hier bist” Das konnte ich mir nicht verkneifen, wie kann ich auch ahnen das Rafa hier ist? “Ich mache dieses Jahr Urlaub in Berlin und da es mir langweilig war, dachte ich mir das ich ja doch das Turnier spielen könnte was zufällig gerade stattfindet” Zu schade das er darauf eingestiegen war ich dachte schon er braucht ein bisschen länger dazu. “Ich fühle mich geehrt das du dich an mich erinnerst” ”So lange ist es nun auch nicht her, waren doch höchstens ein paar Monate oder?” ”Drei um genau zu sein. Kannst du dich an jeden erinnern den du in der Zeit getroffen hast?” ”Natürlich nicht, nur an diejenigen die mir positiv oder negativ in Erinnerung geblieben sind”
Für einen Moment verschlug es mir die Sprache. Es schien mir so als wenn er da weitermacht wo er in Porto Cristo aufgehört hat. Das interpretiere ich jetzt so das er mich nicht bei denen einordnet die in negativer Erinnerung bleiben. Sein Lächeln sah auch zu schön aus obwohl er nur dort stand und nichts machte, könnte ich an Ort und Stelle schmelzen. Das Lächeln hatte ich schon richtig vermisst. Ich würde ihn auch dabei beobachten wie er nur dasteht und gar nichts macht. “Darf ich dich umarmen?” Ich konnte mir das nicht verkneifen und hatte es auch gesagt bevor ich nachdachte. Rafa sah kurz nach hinten und kam dann näher zu mir. “So lange mein Onkel nicht zurück ist schon” Damit kein falscher Eindruck entsteht, umarmte ich ihn nur kurz. Das reichte aber schon aus um meinen Puls etwas zu beschleunigen. Es wäre sowieso nicht gut für mich wenn ich ihn länger umarme, dass bringt mich nur wieder durcheinander.
Mir entging nicht, dass wir beobachtet wurden. Toni war zwar noch nicht zurück aber es standen noch zwei Männer da, einer ungefähr so alt wie Rafa, der andere vielleicht Anfang vierzig. Die hatte ich zwar schon öfters in der Nähe von Rafa gesehen aber ich hatte trotzdem keine Ahnung wer das war. Rafa folgte dann meinem Blick. “Links das ist mein Physiotherapeut Rafael Maymo und daneben mein Manager Carlos Costa” ”Die kamen mir vom sehen her bekannt vor” Bevor Rafa weitere Erklärungen abgeben konnte, kam Toni wieder. Er sah zu mir und dann fragend zu Rafa. Wie er seinem Onkel meine Anwesenheit erklärte weiss ich nicht da er näher zu ihm lief und ich nicht verstehen konnte was er zu ihm sagte. Zumindest sagte niemand das ich wieder gehen soll also blieb ich am Rand stehen und verhielt mich ruhig.
Ich war nur darauf bedacht so zu stehen, dass ich von außen nicht sichtbar bin. Kann ja sein Sara späht auch durch einen Spalt. Da fiel mir erst mal ein, dass sie ja gar nicht wusste wo ich hin war. Mir blieb vorhin keine Zeit lange zu überlegen. Ich plante auch nicht bis zum Ende von dem Training hier zu bleiben. Das konnte ja manchmal 3 Stunden gehen, so lange kann ich nicht hier sein ohne das Sara etwas merkt.
Sara meldete sich dann mal von ihrem Handy aus und sagte, dass sie sich derweil die Zeit damit vertreibt Fernando Verdasco zu beobachten. Irgendwer hatte ihr gesagt das Rafa später trainiert und jetzt wollte sie warten. Später war ein dehnbarer Begriff, jetzt würde es wohl eher treffen. Ich hätte sagen können das Rafa auch hier ist aber von außen sieht man ja nicht viel und ich will ja nicht provozieren das sie mich hier sieht. Die dreht mir den Hals zweimal um wenn sie rausfindet das ich nicht ganz so ahnungslos bin wie ich tue.
Ich hatte mich ja schon mal um haaresbreite verquatscht als ich sie gefragt hatte seit wann Rafa einen Aston Martin fährt. Daraufhin sah sie mich mit großen Augen an und fragte mich wie ich auf so was verrücktes komme. In der letzten Sekunde konnte ich die Kurve kratzen indem ich sagte, dass ich das wahrscheinlich verwechselt habe. Ich konnte ja nicht ahnen, dass es nicht allgemein bekannt ist was er für ein Auto fährt. Wie schon zu ahnen ließ sie nicht locker und fragte genauer nach. Ich hatte ja nicht lange Zeit zu überlegen also sagte ich da wäre ein Bericht gewesen im TV als wir in Spanien waren und das ich mich eben nicht mehr genau erinnern kann.
Das sollte sich als instinktiv richtig rausstellen denn Wochen später tauchten Bilder auf von Rafa mit dem Auto und Sara staunte nicht schlecht, sie wollte mir ja erst nicht glauben. Zum Glück hatte ich die Geschichte mit dem TV Bericht erfunden, sonst fragt sie sich woher ich das wissen konnte ohne Rafa zu sehen. Das war mir eine Lehre gewesen also fragte ich dann besser nichts mehr und verkniff mir jegliche Kommentare wenn jemand behauptete das Rafa bei seinen Eltern in Manacor wohnt, was ja auch nur der halben Wahrheit entsprach.
16 September 2009
Chapter 6 - Berlin
Berlin - August 2009
Drei Monate nach dem Mallorca Trip stand mal wieder eine Reise an. Nur leider dieses mal innerhalb von Deutschland und es wird mit fünf Tagen auch ein verhältnismäßig kurzer Urlaub. Von Urlaub im eigentlichen Sinne konnte man nicht sprechen, meine Lieblingsfreundin Sara fährt sicher nicht extra nach Berlin um sich den Reichstag und das Brandenburger Tor anzusehen. Obwohl sie noch vor drei Monaten gesagt hatte, dass sie nicht nach Berlin fährt wenn Rafa dort spielt, sah die Sache jetzt schon ganz anders aus. Ich war ja gleich skeptisch als sie sagte, dass sie nicht hinfährt aber am Ende war die Versuchung zu groß.
In dem Punkt kannte ich sie zu gut. Wenn Rafa in Deutschland spielt, musste sie da auf jeden Fall hin egal wie weit weg es ist und was es kostet. Ich fiel aus allen Wolken als sie mir eröffnete das sie nach Berlin fährt obwohl ich ein wenig damit gerechnet hatte. Besser gesagt wollte sie mich überreden mitzukommen denn alleine macht es ja keinen Spaß. Sie ließ mir auch kaum Spielraum zu überlegen, da sie unmissverständlich klar machte, dass sie auf jeden Fall nach Berlin fährt, notfalls auch alleine falls ich nicht mit will.
Von nicht mit wollen konnte keine Rede sein bei mir, ich habe nur keine Lust stundenlang irgendwelche Tennisspiele anzugucken wo mich das gar nicht so brennend interessiert. Karten hatte sie auch schon gekauft wie ich dann erfuhr. Netterweise hat sie an mich mit gedacht, wenn ich nicht mit will, verkauft sie eben die andere Karte wieder im Internet. Ah ja, sie scheint ja an alles gedacht zu haben, nur nicht daran mich zu fragen bevor sie Karten gekauft hat. Nur rein aus Interesse fragte ich was der Spaß denn so kosten soll. 30 Euro kam dann als Antwort, pro Tag versteht sich und das auch nur von der ersten bis zur dritten Runde.
Beim Finale ist man dann so mit 60 bis 80 Euro dabei. Ich dachte echt die will mich verarschen. Für 80 Euro gucke ich mir lieber ein Konzert von Robbie Williams an als das für ein Tennisspiel auszugeben und dann muss man die Karten ewig im Voraus kaufen und weiss gar nicht wer da spielt im Finale. Die brauchen sich ja nicht wundern wenn dort niemand hingeht bei den Preisen. Das war ja echt unverschämt. Anscheinend war die Sache wichtiger als ich dachte, dass es ausverkauft ist spricht für sich. Und ich dachte in Deutschland interessiert sich keiner für Tennis von Sara abgesehen.
Es wunderte mich schon, dass ich gar nichts mitbekommen hatte in den letzten Jahren davon. Wenn das wirklich so ein großes Ereignis ist, müsste doch mal jemand davon berichten oder nicht? Sara wusste natürlich auch darauf eine Antwort. Es war nicht so, dass ich nichts mitbekam, das Turnier war neu im ATP Kalender, eine Premiere sozusagen. Bis vor kurzem gab es die ganze Anlage wo da gespielt wird noch gar nicht. Es war ein Turnier in den USA aus dem ATP Kalender geflogen und dafür gab es jetzt das Masters in Berlin.
Obwohl es erst kaum einer glaubte, war tatsächlich die Weltelite fast komplett am Start, von den Top 10 der Weltrangliste waren immerhin 9 Spieler dabei. Es kann ja nicht schaden, wenn ich zumindest mal ein Spiel mit angucke, ich machte das mehr Sara zuliebe. Erst dachte ich sie sucht sich jemanden auf der Internetseite wo sie immer ist. Irgendwo wird es doch noch Fans von Rafa geben in Deutschland oder nicht?
Über 30 Euro kann man noch reden auch wenn ich das schon zu viel fand für die zweite Runde. Sara musste ja auf gut Glück Karten kaufen da wir nicht wissen wann Rafa nun genau spielt und die zweite Runde wird ja an zwei Tagen gespielt. Sie dachte aber Rafa spielt so spät wie möglich also hatte sie Karten für die evening session am zweiten Tag. Ich konnte nicht wirklich glauben, auf was ich mich da eingelassen hatte aber jetzt war's zu spät.
Durch das eine Spiel musste ich nun durch. Besser gesagt zwei, für das Viertelfinale hatte sie auch Karten. Kann auch sein das es das Halbfinale ist, mein Gedächtnis ist schwach in der Hinsicht. Interessierte mich auch erst nicht da ich nur plante zu dem einen Spiel zu gehen.
Immerhin würde ich Rafa wieder mal sehen, dass hätte ich ja nie für möglich gehalten. Vor drei Monaten hätte ich ja auch nicht gedacht, dass sie es je schaffen würde mich dazu zu überreden tatsächlich mit ihr ein Tennisspiel anzusehen. Ich wehrte mich normalerweise mit Händen und Füssen dagegen. Als ich an Rafa dachte, hatte ich einen schwachen Moment, was sie sofort ausgenutzt hat. Zwar wunderte sie sich, dass ich keinen Widerstand leistete aber sie war wohl happy das ich mitgehe und hakte nicht weiter nach.
Mein schlechtes Gewissen meldete sich dann auch gleich wieder. Sie wusste noch immer nicht mit wem ich mich in Porto Cristo vor drei Monaten amüsiert hatte. Ich hatte zwar nicht gesucht aber offensichtlich hat niemand die Bilder gefunden oder die hatten die gar nicht online gestellt. Erst gefiel mir der Gedanke nicht Rafa wieder zu sehen. Ich habe zwar nichts dagegen ihn zu sehen aber doch nicht so! Wenigstens sitzen wir nicht vorne, ich weiss ja nicht wie er reagiert wenn er mich zwischen den Zuschauern sieht.
Ich würde lieber mit ihm alleine reden anstatt zu gucken wie er kreuz und quer über den Platz hechelt. Zumindest gewöhnte ich mich dann gedanklich schon mal daran ihn spielen zu sehen, für mich war das Kapitel Rafael Nadal bis vor kurzem abgeschlossen. Ich machte mir ja auch keine Hoffnungen ihn vom Spiel abgesehen zu sehen, er wird sicher wie auch bei allen anderen Turnieren überall von Fans belagert.
Es würde mich zwar nicht stören aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn er mich nicht sieht. Ich weiss nicht wie er auf mich reagiert. Schlimmstenfalls kann er sich gar nicht mehr an mich erinnern. Könnte passieren auch wenn das an meinem Ego kratzen würde. Er sieht doch überall neue Leute, da kann man wohl nicht erwarten, dass er sich an einzelne erinnert und schon gar nicht nach drei Monaten.
Mit den French Open und Wimbledon war ja nach dem Turnier in Madrid und anderen kleineren inzwischen viel passiert. Es hätte kaum jemand für möglich gehalten aber Rafa ist bei den French Open völlig überraschend schon im Achtelfinale ausgeschieden. Das gab ein mächtiges Gezeter in der Presse, die Rafa schon vom Thron gestürzt sahen. Das war echt ein Drama vom feinsten, Sara ist total ausgeflippt. Die wollte in den Tagen danach nichts davon hören und sehen. Als dann noch jemand behauptete, dass Rafa nicht mehr die Nummer eins ist wenn er Wimbledon nicht gewinnt, dachte ich schon Sara springt aus dem nächstbesten Fenster.
Ich geb's ja zu ich war auch ein wenig überrascht, dass Rafa so schnell ausgeschieden ist in Roland Garros. Auf dem Papier galt er als sicherer Turniersieger und dann das! Obwohl er selbst hinterher gesagt hat das es ihn nicht überrascht hat das er verloren hat waren doch alle erst mal ziemlich geschockt. Wie es ihm selbst danach ging, will ich besser gar nicht wissen. Exakt eine Woche nach dem Abflug von Rafa krallte Roger Federer sich zum ersten mal in seiner Karriere den French Open Titel. Das war besonders bitter für Sara da sie Federer hasst und sich wohl gewünscht hat das er Roland Garros nie gewinnt.
Die Presse drehte erwartungsgemäß total am Rad und feierte Roger als den neuen Tennisgott, der am Ende doch seine Ziele irgendwie erreicht auch wenn es länger dauert. Die Revange kam dann aber bei Wimbledon, dort gab es zum Glück keine bösen Überraschungen außer vielleicht das Federer im Halbfinale ausgeschieden ist. Es stand ja lange nicht fest ob Rafa Wimbledon überhaupt spielt, da er das Turnier vorher offiziell wegen Knieproblemen abgesagt hat, kann auch sein das er nach der Niederlage in Paris auch psychisch eine Auszeit brauchte.
Nach dem spannenden Finale gegen Roger Federer im letzten Jahr war es dieses Jahr aber nicht so richtig spannend. Gegen Andy Murray brauchte Rafa im Finale nur vier Sätze und im vierten Satz war schnell klar wer gewinnen würde. Das Federer im Finale nicht dabei war müsste Rafa gelegen gekommen sein denn wenn Federer das Turnier gewonnen hätte und Rafa wieder so früh wie bei den French Open ausgeschieden wäre, hätte es einen Wechsel an der Spitze der Weltrangliste gegeben. Die Presse hätte wieder laut aufgeschrieen das die wahre Nummer eins zurück ist und das Rafa sich den ersten Platz nur ausgeliehen hätte. Zum Glück hatte sich das Problem erst mal erledigt. Ich konnte jetzt auch was mit anderen Namen anfangen! Andy Murray sagte mir schon mal was, die Top 10 Spieler kannte ich inzwischen auch. Ich war total stolz auf mich und Sara noch viel mehr. Sie ist es ja, die mich immer auf dem laufenden hält, egal ob ich es wissen will oder nicht.
Jetzt wo es sozusagen los ging war ich doch gespannt wie das alles so abläuft bei dem Turnier. Wir waren ja schon einen Tag eher in Berlin und wollten uns noch ein bisschen umsehen vorher. Um Geld zu sparen buchten wir eine Pension außerhalb von Berlin. Zwar müssen wir dann immer in die Stadt fahren aber das ist immer noch billiger als ein Hotel direkt in der Nähe von der Anlage zu buchen. Noch wussten wir ja auch nicht wer denn nun morgen Abend spielt.
Da Rafa heute nicht spielte, muss er morgen spielen aber es kann ja auch sein er spielt schon am Nachmittag, dann würde Sara sicher ein langes Gesicht machen. Das wäre bitter so knapp zu scheitern. Die Reihenfolge wer wann spielt wird aber erst heute Abend irgendwann auf der Webseite von dem Turnier veröffentlicht. Deswegen starrte sie auch manisch auf ihr Handy. Hier gab es keinen Internetanschluss aber sie wollte sich von einer die sie von der Internetseite kennt die Reihenfolge der Spiele auf ihr Handy schicken lassen.
Ich könnte es auch verkraften, wenn jemand anderes spielt morgen Abend aber das Gesicht von Sara würde bis zum Boden gehen und ich weiss genau, dass sie dann gefrustet ist und es an mir auslässt. Zwar wussten wir inzwischen auch in welchem Hotel die Spieler alle sind aber da brauchen wir nicht hingehen. Sara meinte es wäre sinnlos weil man gar nicht erst ins Hotel rein kommt wenn man da kein Zimmer gebucht hat. Die Spieler sind alle in einer Etage und dort steht extra security an den Aufzügen.
Gut, da blieb mir wenigstens stundenlanges warten am Hotel erspart. Ganz so verrückt war Sara doch noch nicht, das sie ewig am Hoteleingang wartet bis mal jemand erscheint. Heute konnten wir ja noch bisschen entspannen, wer weiss wie lange das morgen Abend geht. Theoretisch könnten wir morgen alle Spiele der evening session ansehen, meistens sind es ja zwei oder drei Spiele. Ich habe aber nicht vor mehr als ein Spiel anzugucken. Notfalls müsste ich irgendwo warten wenn Sara unbedingt alles ansehen will.
Eben als ich im Bad war und versuchte meine Haare zu waschen, hörte ich einen spitzen Schrei aus dem Zimmer. Was war denn jetzt los? Es hörte sich an als wenn etwas schlimmes passiert wäre. Ein paar Gedanken machte ich mir schon. Als die Neugier siegte, wickelte ich mir ein Handtuch um und stieg mit den nassen Haaren aus der Duschkabine. Um nicht auszurutschen auf den Fliessen lief ich vorsichtig zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Auf den ersten Blick war alles ok, Sara saß vor dem Fernseher und sah dann zu mir.
“Alles ok?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Wieso?” Kam es zurück. “Was war das für ein Schrei eben? Das klang echt gefährlich” Im nächsten Augenblick zog sie ein verräterisches Lächeln. “Nichts weiter, Rafa spielt morgen um acht” Ich rollte nur mit den Augen. “Ach so, ich dachte schon es wäre etwas schlimmes passiert” ”Hast du dir Sorgen um mich gemacht?” ”Musste ich ja bei dem Schrei” ”Ist nett von dir aber das kannst du dir für morgen Abend aufheben. Vielleicht kriege ich ja einen Herzinfarkt” ”Ich glaubs auch gleich! Vielleicht sollten wir für alle Fälle einen Psychologen mitnehmen” Ich machte die Tür wieder zu und ging wieder in die Duschkabine.
Was sie morgen Abend veranstaltet, wollte ich lieber gar nicht so genau wissen. Zu dumm, dass er erst um 8 spielt, bis dahin ist sie doch schon längst durchgedreht. Bestimmt macht sie kein Auge zu heute Nacht. Wäre vielleicht besser wenn ich etwas für meine Ohren mitnehme, kann ja sein sie kreischt mir zwei Stunden lang ins Ohr in der verzweifelten Hoffnung das Rafa sich dazu hinreißen lässt herzusehen.
Ich dachte ja das ich ausschlafen kann aber das war ein Irrtum, Sara stand schon in aller Herrgottsfrühe auf. So hatte ich mir das schon vorgestellt! Ich war noch nicht so richtig wach als wir frühstücken gingen. Vielleicht gibt sich das nach zwei Litern Kaffee. Im Gegensatz zu anderen Leuten dauert es früh bei mir eine Weile bis ich in Gang komme. Um 9 frühstücken war definitiv zu früh für meinen Geschmack, ich träumte noch ein bisschen vor mich hin und versuchte mich moralisch auf das was mir bevorsteht einzurichten. Wir hatten ja auch eine Menge Zeit daher verstehe ich nicht warum sie es so schrecklich eilig hat.
Es hatte ja sowieso keinen Zweck hier noch länger rumzusitzen und irgendwie die Zeit totzuschlagen also konnten wir dann auch losfahren. Eigentlich wollten wir erst am Nachmittag losfahren aber die Pension war in einem kleinen Dorf, es gab hier absolut gar nichts zu sehen. Mit unseren Eintrittskarten können wir ja jederzeit zumindest in die Anlage rein auch wenn wir noch nicht zum Centre Court können. Es gab noch zwei weitere Stadien so wie 20 Außenplätze. Shoppingmöglichkeiten gab es auch genügend und dann eben die üblichen Fressstände. Hier waren auch schon ziemlich viele Menschen unterwegs.
Es gab auch Autogrammstunden und so was, die waren immer heiß begehrt und dementsprechend stark besucht. Rein aus Interesse besuchten wir auch mal die Außenplätze. Spiele waren dort keine aber die waren beliebt zum trainieren. Man musste ja auch nur den Menschen nachlaufen, dort wo es interessant war, standen eben auch viele Leute. Auf einem Platz spielte Andy Murray mit einem Nachwuchsspieler aus dem Tennisclub, der das ganze hier veranstaltete.
Nach 10 Minuten sind wir aber wieder gegangen, von Rafa abgesehen zeigte Sara kein großes Interesse an anderen Spielern. Höchstens vielleicht noch für die anderen spanischen Spieler aber von denen war hier weit und breit nichts zu sehen, Glück für mich. Kam mir auch gelegen, es war ziemlich warm heute und ich hatte keine Lust stundenlang in der Sonne zu stehen. Wie gut, dass es heute Abend erst um 8 los ging, da ist es nicht mehr ganz so warm. Zumindest scheint die Sonne dann nicht mehr direkt auf den Centre Court. Da bekommt man ja einen Hitzschlag als Zuschauer wenn man stundenlang in der Sonne braten muss.
Nach einer Weile hatten wir alles ausführlich angesehen inklusive der Fressbuden und auch sämtliche Souvenirshops. Es gibt allen möglichem Mist mit dem Logo von dem Tennisclub drauf, Mützen waren ja nichts besonderes aber wer braucht schon eine Luftmatratze mit einem Tennislogo drauf. Wäre da eine spanische Flagge drauf könnte man vielleicht Sara ködern. Bisher waren nicht so viele andere frenetische Anhänger von Rafa aufgefallen. Einige liefen mit einer spanischen Fahne um den Hals gewickelt rum aber die meisten Besucher hatten normale Sachen an.
Es gab auch keine bestimmte Altersgruppe, hier war alles vertreten von kleinen Kindern bis hin zu Rentnern. Das ganze erfreut sich also Generationsübergreifend großer Beliebtheit. Die Veranstalter wird es freuen, die stehen sicher mächtig unter Druck das hier alles glatt geht und wenn möglich nicht vor leeren Zuschauerrängen. Nachdem ich es fast nicht für möglich gehalten hätte, kriegten wir doch die Zeit bis halb 8 irgendwie um.
Da wir viel Zeit hatten, konnten wir in aller Ruhe essen bevor das Spiel anfängt. Schlimmstenfalls geht das ja bei drei Sätzen über drei Stunden obwohl Sara meinte, das es wahrscheinlich höchstens 90 Minuten geht. Es würde auch nicht gerade für Rafa sprechen wenn er schon in der zweiten Runde drei Sätze benötigt um zu gewinnen. Obwohl hier auf Hartplatz gespielt wurde, was bekanntlich nicht der Lieblingsbelag von Rafa ist, wird er als Anwärter auf den Turniersieg gehandelt.
Drei Monate nach dem Mallorca Trip stand mal wieder eine Reise an. Nur leider dieses mal innerhalb von Deutschland und es wird mit fünf Tagen auch ein verhältnismäßig kurzer Urlaub. Von Urlaub im eigentlichen Sinne konnte man nicht sprechen, meine Lieblingsfreundin Sara fährt sicher nicht extra nach Berlin um sich den Reichstag und das Brandenburger Tor anzusehen. Obwohl sie noch vor drei Monaten gesagt hatte, dass sie nicht nach Berlin fährt wenn Rafa dort spielt, sah die Sache jetzt schon ganz anders aus. Ich war ja gleich skeptisch als sie sagte, dass sie nicht hinfährt aber am Ende war die Versuchung zu groß.
In dem Punkt kannte ich sie zu gut. Wenn Rafa in Deutschland spielt, musste sie da auf jeden Fall hin egal wie weit weg es ist und was es kostet. Ich fiel aus allen Wolken als sie mir eröffnete das sie nach Berlin fährt obwohl ich ein wenig damit gerechnet hatte. Besser gesagt wollte sie mich überreden mitzukommen denn alleine macht es ja keinen Spaß. Sie ließ mir auch kaum Spielraum zu überlegen, da sie unmissverständlich klar machte, dass sie auf jeden Fall nach Berlin fährt, notfalls auch alleine falls ich nicht mit will.
Von nicht mit wollen konnte keine Rede sein bei mir, ich habe nur keine Lust stundenlang irgendwelche Tennisspiele anzugucken wo mich das gar nicht so brennend interessiert. Karten hatte sie auch schon gekauft wie ich dann erfuhr. Netterweise hat sie an mich mit gedacht, wenn ich nicht mit will, verkauft sie eben die andere Karte wieder im Internet. Ah ja, sie scheint ja an alles gedacht zu haben, nur nicht daran mich zu fragen bevor sie Karten gekauft hat. Nur rein aus Interesse fragte ich was der Spaß denn so kosten soll. 30 Euro kam dann als Antwort, pro Tag versteht sich und das auch nur von der ersten bis zur dritten Runde.
Beim Finale ist man dann so mit 60 bis 80 Euro dabei. Ich dachte echt die will mich verarschen. Für 80 Euro gucke ich mir lieber ein Konzert von Robbie Williams an als das für ein Tennisspiel auszugeben und dann muss man die Karten ewig im Voraus kaufen und weiss gar nicht wer da spielt im Finale. Die brauchen sich ja nicht wundern wenn dort niemand hingeht bei den Preisen. Das war ja echt unverschämt. Anscheinend war die Sache wichtiger als ich dachte, dass es ausverkauft ist spricht für sich. Und ich dachte in Deutschland interessiert sich keiner für Tennis von Sara abgesehen.
Es wunderte mich schon, dass ich gar nichts mitbekommen hatte in den letzten Jahren davon. Wenn das wirklich so ein großes Ereignis ist, müsste doch mal jemand davon berichten oder nicht? Sara wusste natürlich auch darauf eine Antwort. Es war nicht so, dass ich nichts mitbekam, das Turnier war neu im ATP Kalender, eine Premiere sozusagen. Bis vor kurzem gab es die ganze Anlage wo da gespielt wird noch gar nicht. Es war ein Turnier in den USA aus dem ATP Kalender geflogen und dafür gab es jetzt das Masters in Berlin.
Obwohl es erst kaum einer glaubte, war tatsächlich die Weltelite fast komplett am Start, von den Top 10 der Weltrangliste waren immerhin 9 Spieler dabei. Es kann ja nicht schaden, wenn ich zumindest mal ein Spiel mit angucke, ich machte das mehr Sara zuliebe. Erst dachte ich sie sucht sich jemanden auf der Internetseite wo sie immer ist. Irgendwo wird es doch noch Fans von Rafa geben in Deutschland oder nicht?
Über 30 Euro kann man noch reden auch wenn ich das schon zu viel fand für die zweite Runde. Sara musste ja auf gut Glück Karten kaufen da wir nicht wissen wann Rafa nun genau spielt und die zweite Runde wird ja an zwei Tagen gespielt. Sie dachte aber Rafa spielt so spät wie möglich also hatte sie Karten für die evening session am zweiten Tag. Ich konnte nicht wirklich glauben, auf was ich mich da eingelassen hatte aber jetzt war's zu spät.
Durch das eine Spiel musste ich nun durch. Besser gesagt zwei, für das Viertelfinale hatte sie auch Karten. Kann auch sein das es das Halbfinale ist, mein Gedächtnis ist schwach in der Hinsicht. Interessierte mich auch erst nicht da ich nur plante zu dem einen Spiel zu gehen.
Immerhin würde ich Rafa wieder mal sehen, dass hätte ich ja nie für möglich gehalten. Vor drei Monaten hätte ich ja auch nicht gedacht, dass sie es je schaffen würde mich dazu zu überreden tatsächlich mit ihr ein Tennisspiel anzusehen. Ich wehrte mich normalerweise mit Händen und Füssen dagegen. Als ich an Rafa dachte, hatte ich einen schwachen Moment, was sie sofort ausgenutzt hat. Zwar wunderte sie sich, dass ich keinen Widerstand leistete aber sie war wohl happy das ich mitgehe und hakte nicht weiter nach.
Mein schlechtes Gewissen meldete sich dann auch gleich wieder. Sie wusste noch immer nicht mit wem ich mich in Porto Cristo vor drei Monaten amüsiert hatte. Ich hatte zwar nicht gesucht aber offensichtlich hat niemand die Bilder gefunden oder die hatten die gar nicht online gestellt. Erst gefiel mir der Gedanke nicht Rafa wieder zu sehen. Ich habe zwar nichts dagegen ihn zu sehen aber doch nicht so! Wenigstens sitzen wir nicht vorne, ich weiss ja nicht wie er reagiert wenn er mich zwischen den Zuschauern sieht.
Ich würde lieber mit ihm alleine reden anstatt zu gucken wie er kreuz und quer über den Platz hechelt. Zumindest gewöhnte ich mich dann gedanklich schon mal daran ihn spielen zu sehen, für mich war das Kapitel Rafael Nadal bis vor kurzem abgeschlossen. Ich machte mir ja auch keine Hoffnungen ihn vom Spiel abgesehen zu sehen, er wird sicher wie auch bei allen anderen Turnieren überall von Fans belagert.
Es würde mich zwar nicht stören aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn er mich nicht sieht. Ich weiss nicht wie er auf mich reagiert. Schlimmstenfalls kann er sich gar nicht mehr an mich erinnern. Könnte passieren auch wenn das an meinem Ego kratzen würde. Er sieht doch überall neue Leute, da kann man wohl nicht erwarten, dass er sich an einzelne erinnert und schon gar nicht nach drei Monaten.
Mit den French Open und Wimbledon war ja nach dem Turnier in Madrid und anderen kleineren inzwischen viel passiert. Es hätte kaum jemand für möglich gehalten aber Rafa ist bei den French Open völlig überraschend schon im Achtelfinale ausgeschieden. Das gab ein mächtiges Gezeter in der Presse, die Rafa schon vom Thron gestürzt sahen. Das war echt ein Drama vom feinsten, Sara ist total ausgeflippt. Die wollte in den Tagen danach nichts davon hören und sehen. Als dann noch jemand behauptete, dass Rafa nicht mehr die Nummer eins ist wenn er Wimbledon nicht gewinnt, dachte ich schon Sara springt aus dem nächstbesten Fenster.
Ich geb's ja zu ich war auch ein wenig überrascht, dass Rafa so schnell ausgeschieden ist in Roland Garros. Auf dem Papier galt er als sicherer Turniersieger und dann das! Obwohl er selbst hinterher gesagt hat das es ihn nicht überrascht hat das er verloren hat waren doch alle erst mal ziemlich geschockt. Wie es ihm selbst danach ging, will ich besser gar nicht wissen. Exakt eine Woche nach dem Abflug von Rafa krallte Roger Federer sich zum ersten mal in seiner Karriere den French Open Titel. Das war besonders bitter für Sara da sie Federer hasst und sich wohl gewünscht hat das er Roland Garros nie gewinnt.
Die Presse drehte erwartungsgemäß total am Rad und feierte Roger als den neuen Tennisgott, der am Ende doch seine Ziele irgendwie erreicht auch wenn es länger dauert. Die Revange kam dann aber bei Wimbledon, dort gab es zum Glück keine bösen Überraschungen außer vielleicht das Federer im Halbfinale ausgeschieden ist. Es stand ja lange nicht fest ob Rafa Wimbledon überhaupt spielt, da er das Turnier vorher offiziell wegen Knieproblemen abgesagt hat, kann auch sein das er nach der Niederlage in Paris auch psychisch eine Auszeit brauchte.
Nach dem spannenden Finale gegen Roger Federer im letzten Jahr war es dieses Jahr aber nicht so richtig spannend. Gegen Andy Murray brauchte Rafa im Finale nur vier Sätze und im vierten Satz war schnell klar wer gewinnen würde. Das Federer im Finale nicht dabei war müsste Rafa gelegen gekommen sein denn wenn Federer das Turnier gewonnen hätte und Rafa wieder so früh wie bei den French Open ausgeschieden wäre, hätte es einen Wechsel an der Spitze der Weltrangliste gegeben. Die Presse hätte wieder laut aufgeschrieen das die wahre Nummer eins zurück ist und das Rafa sich den ersten Platz nur ausgeliehen hätte. Zum Glück hatte sich das Problem erst mal erledigt. Ich konnte jetzt auch was mit anderen Namen anfangen! Andy Murray sagte mir schon mal was, die Top 10 Spieler kannte ich inzwischen auch. Ich war total stolz auf mich und Sara noch viel mehr. Sie ist es ja, die mich immer auf dem laufenden hält, egal ob ich es wissen will oder nicht.
Jetzt wo es sozusagen los ging war ich doch gespannt wie das alles so abläuft bei dem Turnier. Wir waren ja schon einen Tag eher in Berlin und wollten uns noch ein bisschen umsehen vorher. Um Geld zu sparen buchten wir eine Pension außerhalb von Berlin. Zwar müssen wir dann immer in die Stadt fahren aber das ist immer noch billiger als ein Hotel direkt in der Nähe von der Anlage zu buchen. Noch wussten wir ja auch nicht wer denn nun morgen Abend spielt.
Da Rafa heute nicht spielte, muss er morgen spielen aber es kann ja auch sein er spielt schon am Nachmittag, dann würde Sara sicher ein langes Gesicht machen. Das wäre bitter so knapp zu scheitern. Die Reihenfolge wer wann spielt wird aber erst heute Abend irgendwann auf der Webseite von dem Turnier veröffentlicht. Deswegen starrte sie auch manisch auf ihr Handy. Hier gab es keinen Internetanschluss aber sie wollte sich von einer die sie von der Internetseite kennt die Reihenfolge der Spiele auf ihr Handy schicken lassen.
Ich könnte es auch verkraften, wenn jemand anderes spielt morgen Abend aber das Gesicht von Sara würde bis zum Boden gehen und ich weiss genau, dass sie dann gefrustet ist und es an mir auslässt. Zwar wussten wir inzwischen auch in welchem Hotel die Spieler alle sind aber da brauchen wir nicht hingehen. Sara meinte es wäre sinnlos weil man gar nicht erst ins Hotel rein kommt wenn man da kein Zimmer gebucht hat. Die Spieler sind alle in einer Etage und dort steht extra security an den Aufzügen.
Gut, da blieb mir wenigstens stundenlanges warten am Hotel erspart. Ganz so verrückt war Sara doch noch nicht, das sie ewig am Hoteleingang wartet bis mal jemand erscheint. Heute konnten wir ja noch bisschen entspannen, wer weiss wie lange das morgen Abend geht. Theoretisch könnten wir morgen alle Spiele der evening session ansehen, meistens sind es ja zwei oder drei Spiele. Ich habe aber nicht vor mehr als ein Spiel anzugucken. Notfalls müsste ich irgendwo warten wenn Sara unbedingt alles ansehen will.
Eben als ich im Bad war und versuchte meine Haare zu waschen, hörte ich einen spitzen Schrei aus dem Zimmer. Was war denn jetzt los? Es hörte sich an als wenn etwas schlimmes passiert wäre. Ein paar Gedanken machte ich mir schon. Als die Neugier siegte, wickelte ich mir ein Handtuch um und stieg mit den nassen Haaren aus der Duschkabine. Um nicht auszurutschen auf den Fliessen lief ich vorsichtig zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Auf den ersten Blick war alles ok, Sara saß vor dem Fernseher und sah dann zu mir.
“Alles ok?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Wieso?” Kam es zurück. “Was war das für ein Schrei eben? Das klang echt gefährlich” Im nächsten Augenblick zog sie ein verräterisches Lächeln. “Nichts weiter, Rafa spielt morgen um acht” Ich rollte nur mit den Augen. “Ach so, ich dachte schon es wäre etwas schlimmes passiert” ”Hast du dir Sorgen um mich gemacht?” ”Musste ich ja bei dem Schrei” ”Ist nett von dir aber das kannst du dir für morgen Abend aufheben. Vielleicht kriege ich ja einen Herzinfarkt” ”Ich glaubs auch gleich! Vielleicht sollten wir für alle Fälle einen Psychologen mitnehmen” Ich machte die Tür wieder zu und ging wieder in die Duschkabine.
Was sie morgen Abend veranstaltet, wollte ich lieber gar nicht so genau wissen. Zu dumm, dass er erst um 8 spielt, bis dahin ist sie doch schon längst durchgedreht. Bestimmt macht sie kein Auge zu heute Nacht. Wäre vielleicht besser wenn ich etwas für meine Ohren mitnehme, kann ja sein sie kreischt mir zwei Stunden lang ins Ohr in der verzweifelten Hoffnung das Rafa sich dazu hinreißen lässt herzusehen.
Ich dachte ja das ich ausschlafen kann aber das war ein Irrtum, Sara stand schon in aller Herrgottsfrühe auf. So hatte ich mir das schon vorgestellt! Ich war noch nicht so richtig wach als wir frühstücken gingen. Vielleicht gibt sich das nach zwei Litern Kaffee. Im Gegensatz zu anderen Leuten dauert es früh bei mir eine Weile bis ich in Gang komme. Um 9 frühstücken war definitiv zu früh für meinen Geschmack, ich träumte noch ein bisschen vor mich hin und versuchte mich moralisch auf das was mir bevorsteht einzurichten. Wir hatten ja auch eine Menge Zeit daher verstehe ich nicht warum sie es so schrecklich eilig hat.
Es hatte ja sowieso keinen Zweck hier noch länger rumzusitzen und irgendwie die Zeit totzuschlagen also konnten wir dann auch losfahren. Eigentlich wollten wir erst am Nachmittag losfahren aber die Pension war in einem kleinen Dorf, es gab hier absolut gar nichts zu sehen. Mit unseren Eintrittskarten können wir ja jederzeit zumindest in die Anlage rein auch wenn wir noch nicht zum Centre Court können. Es gab noch zwei weitere Stadien so wie 20 Außenplätze. Shoppingmöglichkeiten gab es auch genügend und dann eben die üblichen Fressstände. Hier waren auch schon ziemlich viele Menschen unterwegs.
Es gab auch Autogrammstunden und so was, die waren immer heiß begehrt und dementsprechend stark besucht. Rein aus Interesse besuchten wir auch mal die Außenplätze. Spiele waren dort keine aber die waren beliebt zum trainieren. Man musste ja auch nur den Menschen nachlaufen, dort wo es interessant war, standen eben auch viele Leute. Auf einem Platz spielte Andy Murray mit einem Nachwuchsspieler aus dem Tennisclub, der das ganze hier veranstaltete.
Nach 10 Minuten sind wir aber wieder gegangen, von Rafa abgesehen zeigte Sara kein großes Interesse an anderen Spielern. Höchstens vielleicht noch für die anderen spanischen Spieler aber von denen war hier weit und breit nichts zu sehen, Glück für mich. Kam mir auch gelegen, es war ziemlich warm heute und ich hatte keine Lust stundenlang in der Sonne zu stehen. Wie gut, dass es heute Abend erst um 8 los ging, da ist es nicht mehr ganz so warm. Zumindest scheint die Sonne dann nicht mehr direkt auf den Centre Court. Da bekommt man ja einen Hitzschlag als Zuschauer wenn man stundenlang in der Sonne braten muss.
Nach einer Weile hatten wir alles ausführlich angesehen inklusive der Fressbuden und auch sämtliche Souvenirshops. Es gibt allen möglichem Mist mit dem Logo von dem Tennisclub drauf, Mützen waren ja nichts besonderes aber wer braucht schon eine Luftmatratze mit einem Tennislogo drauf. Wäre da eine spanische Flagge drauf könnte man vielleicht Sara ködern. Bisher waren nicht so viele andere frenetische Anhänger von Rafa aufgefallen. Einige liefen mit einer spanischen Fahne um den Hals gewickelt rum aber die meisten Besucher hatten normale Sachen an.
Es gab auch keine bestimmte Altersgruppe, hier war alles vertreten von kleinen Kindern bis hin zu Rentnern. Das ganze erfreut sich also Generationsübergreifend großer Beliebtheit. Die Veranstalter wird es freuen, die stehen sicher mächtig unter Druck das hier alles glatt geht und wenn möglich nicht vor leeren Zuschauerrängen. Nachdem ich es fast nicht für möglich gehalten hätte, kriegten wir doch die Zeit bis halb 8 irgendwie um.
Da wir viel Zeit hatten, konnten wir in aller Ruhe essen bevor das Spiel anfängt. Schlimmstenfalls geht das ja bei drei Sätzen über drei Stunden obwohl Sara meinte, das es wahrscheinlich höchstens 90 Minuten geht. Es würde auch nicht gerade für Rafa sprechen wenn er schon in der zweiten Runde drei Sätze benötigt um zu gewinnen. Obwohl hier auf Hartplatz gespielt wurde, was bekanntlich nicht der Lieblingsbelag von Rafa ist, wird er als Anwärter auf den Turniersieg gehandelt.
11 September 2009
Chapter 5
Ich kam dann wieder in die Realität und sah ihn an. Sein Lächeln war inzwischen einem nachdenklichen Gesicht gewichen. Er kaute leicht auf seiner Unterlippe und sah mich ernst an. Das war noch besser als sein Lächeln, ich würde ihn am liebsten umarmen wenn er mich so ansieht. “Wann fliegst du eigentlich nach Hause?” Kam es plötzlich. Dachte er darüber eben nach? Sicher verschwand mein Lächeln dann auch so nach und nach.
“Morgen Mittag” Sagte ich leise und sah von ihm weg. Ein paar Sekunden sagte niemand etwas. Die Stimmung hatte sich ziemlich geändert, die ausgelassene Heiterkeit wich einer leicht peinlichen Stille. “Ich ähm, bin gleich wieder da” Bevor ich die Möglichkeit hatte etwas zu sagen war er schon aufgestanden und verschwunden. Ein wenig perplex war ich schon weil er so plötzlich verschwunden ist. Es war mir ein bisschen unheimlich, ich weiss nicht wie ich das einordnen soll was hier gerade passiert. Hat er ein Problem damit das ich morgen nicht mehr hier bin? Ich hätte nicht wirklich geglaubt, dass er sich so darauf einlässt.
Er trifft doch ständig Menschen, da bleibt doch eigentlich kaum Zeit jemanden richtig kennen zu lernen daher wundert es mich das er jetzt so reagiert. Ja, ich fühlte mich ja geschmeichelt aber das nutzte jetzt auch nichts. Es wäre schon schwierig genug wenn er hier wohnen würde und nicht bekannt wäre aber so war es gleich ganz aussichtslos. Vielleicht steige ich mich auch eben in was rein und es ist alles ganz anders. Ich hätte nichts dagegen, wenn er ein bisschen mehr Interesse an mir zeigt aber vielleicht bilde ich mir auch genau das ein. Er hat ja nichts in der Richtung gesagt aber sein Blick sprach Bände. Ich glaube auch nicht, dass er noch etwas in der Richtung sagen wird. Das wollte ich auch gar nicht hören, es macht alles nur noch komplizierter.
Ein paar Minuten später kam Rafa wieder und setzte sich wieder auf die andere Seite. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass er sich wieder neben mich setzt. Nachdem ich kurz auf meine Uhr gesehen hatte, sah ich ihn wieder an. Sein Lächeln war total verschwunden, fast könnte ich denken er sieht durch mich hindurch. Die angespannte Stimmung gefiel mir gar nicht, da fühlte ich mich zunehmend unwohl. Allmählich fragte ich mich schon ob es wirklich an mir liegt oder ob irgendwas anderes war weil er plötzlich so ernst war.
“Rafael?” Fragte ich vorsichtig. Er sah kurz auf sein Glas und dann wieder zu mir. “Mhh? Ich war nur kurz in Gedanken” Ich schnappte nach Luft und wusste nicht mehr was ich noch sagen soll. In einem Zug trank ich meinen Tee aus und sah noch mal kurz auf meine Uhr. “Ich ähhm, muss dann langsam mal los” Natürlich hätte ich noch Zeit gehabt, es war ja noch nichtmal um 12 aber ich denke es ist besser wenn ich gehe. Es wird nur immer unangenehmer je länger wir uns anschweigen. “Ok” Kam es dann nur leise. Immerhin zog er wieder ansatzweise ein Lächeln. Ich zog meine Jacke an und stand dann auf. Seltsam war nur das es aussah als wenn er auch gehen würde.
“Gehst du auch?” Fragte ich während ich mir meine Jacke anzog. “Sí, ich muss sowieso noch meine Schwester bei meinen Eltern abholen” Schweigend liefen wir die Treppen nach oben und blieben auf der Strasse stehen. “Wo musst du jetzt hin?” Er zeigte mit seiner Hand in eine Richtung. “Mein Auto steht gleich um die Ecke” ”Mhh, ich muss in die andere Richtung” Ich sah mich kurz um, es war dunkel und kein Mensch war zu sehen. Wenigstens gab es hier Straßenlaternen. Ich steckte meine Hände in meine Hosentaschen und wusste nicht was ich sagen soll, ich hasse es mich von jemandem verabschieden zu müssen.
Noch dazu wo ich weiss, das ich Rafa höchstwahrscheinlich nie mehr sehen werde. War irgendwie schade aber kann man eben nicht ändern, man kann eben nicht alles haben. Ich räusperte mich dann laut. “Ja also ich gehe dann mal” Sagte ich etwas nervös und sah nach unten. Er trat einen Schritt näher zu mir bis er direkt vor mir stand, zu nah für meinen Geschmack. Ich schluckte kräftig und hielt seinem Blick stand. “Ich wünsche dir was, pass auf dich auf” Langsam wurde mein Lächeln wieder breiter. “Du auch. Ich drücke dir die Daumen für Madrid” Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Lächeln noch mal von ihm sehe.
”Nur für Madrid?” ”Die anderen Turniere natürlich auch wenn du willst“ Er steckte seine Hände in seine Hosentaschen, genau wie ich und sah kurz von mir weg bevor er mich wieder so herrlich anlächelte. “Darf ich dich umarmen?” Ich musste spontan lachen, er war der erste der vorher nachfragt ob er mich umarmen darf. “Du kannst es zumindest versuchen”
Bevor ich wusste wie mir geschah kam er noch näher und umarmte mich tatsächlich. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und konnte nicht anders als breit zu lächeln. Seine Hände waren erst an meinen Hüften und dann an meinem Rücken. Vielleicht war das doch keine gute Idee, ich gewöhne mich nur daran. An die Art von Umarmung würde ich mich gerne gewöhnen. Ich merkte, wie mein Puls langsam schneller wurde, hoffentlich fällt es nicht zu sehr auf. Es war zu verlockend, Rafa riecht so unheimlich lecker, ich komme da nur auf unanständige Gedanken.
Am liebsten würde ich ihn nicht mehr loslassen. Es kam mir eben nicht so vor, als würde ich ihn erst seit sechs Tagen kennen sondern viel länger. Als mir das Kribbeln zu gefährlich wurde, ließ ich ihn wieder los, zu meiner eigenen Sicherheit. Vorsichtshalber ging ich noch einen Schritt von ihm weg. “Adíos” Sagte ich mit einem verlegenen Lächeln. “Hasta luego” Ich lief erst ein paar Schritte rückwärts ehe ich mich umdrehte und ging. Bevor ich an der nächsten Straßenecke abbog, drehte ich mich noch mal um aber es war niemand mehr zu sehen, es war als hätte Rafa nie dort gestanden. Ich atmete tief durch und lief gedankenverloren zum Hotel zurück.
Zum Glück war Sara nicht da als ich am Hotel ankam, ich hatte eben keine Lust mit jemandem zu reden. Ich nahm mir was zu trinken mit aufs Zimmer und setzte mich auf den Balkon. Es war total ruhig aber noch richtig schön warm. Eigentlich wollte ich nicht mehr an vorhin denken aber es war schwierig. Es war schon deprimierend, dass ich morgen wieder nach Hause muss. Aus dem Grunde war ich auch gegen Urlaubsflirts, weil das sowieso immer in einer Sackgasse endet.
Es bleibt nichts außer den Erinnerungen und in diesem Fall ein paar schräge Bilder. Passiert im eigentlichen Sinne war ja nichts weiter aber der Gedanke zählt mit. Ich hatte schon daran gedacht ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen aber es bringt mir nichts wenn ich ab und zu mit ihm telefoniere. Es war besser so als wie wenn wir uns dann nichts mehr zu sagen haben. Das Kapitel hatte in Porto Cristo angefangen und es wird auch hier geschlossen. Mehr oder minder gefrustet ging ich duschen und dann ins Bett auch wenn ich nicht schlafen konnte weil mir zu viel durch den Kopf ging.
Durch ein Türknallen wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Ein paar Sekunden später ging das Licht an. Ich blinzelte vorsichtig und sah Sara mit einem breiten Lächeln vor dem Bett stehen. “Tut mir leid wenn ich dich geweckt habe, ich dache du bist noch nicht da” ”Mhh, schon ok” Sagte ich während ich gähnte und mich dann wieder hinsetzte. Sie zog sich ihre Jacke aus und dann die Schuhe. “Wie war's?” Fragte ich als ich wieder voll bei Sinnen war.
Ihr Gesichtsausdruck und die übertrieben gute Laune hatten mich gleich stutzig gemacht. Sie lief um das Bett und setzte sich auf meiner Seite auf die Bettkante. “Señor Nadal hat sich doch blicken lassen, leider nur für 2 Minuten” ”Ist er dann vor euch geflüchtet?” Ich sah schon an ihrem Augenrollen, dass sie es nicht so lustig fand wie ich. “Er hat seine Schwester abgeholt und ist sofort wieder verschwunden” ”Aha” Sagte ich nur und schluckte kräftig da ich anfing zu schwitzen. “Ich kam nichtmal dazu ein Bild zu machen. Es hätte sowieso doof ausgesehen wenn ich da fotografiert hätte aber ohne Blitz oder so hätte man es ja wenigstens versuchen können damit es nicht so auffällt” Das hörte sich irgendwie an als wen sie unter die Paparazzi gehen will und versucht heimlich Bilder zu machen.
”Wenigstens ist er überhaupt aufgetaucht” ”Ja, zu schade das er gleich wieder gegangen ist. Er sah echt zum anbeißen aus in lila” Ich holte tief Luft und würde einfach mal ein bisschen Interesse vortäuschen. “Lila?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Ja, dem steht echt alles, der schafft es in den unmöglichsten Farben noch gut auszusehen” Das kann sie wohl laut sagen! Bevor sie noch misstrauisch wird, sagte ich besser nichts mehr. Erstaunlicherweise gab sie dann auch Ruhe und ging ins Bad duschen. Ich drehte mich wieder auf die Seite und starrte an die Wand. Ich weiss nicht was schlimmer ist, dass Sara nichts ahnt oder das ich absichtlich nicht mit Rafa in Kontakt bleiben will. Vermutlich würde ich letzteres am schnellsten bereuen aber es war zu spät. Am besten ich denke gar nicht mehr nach, morgen geht es zurück nach Hause und dann ist sowieso alles egal.
Am nächsten Tag packten wir unser Zeug zusammen und warteten dann auf den Bus, der uns zum Flughafen bringt. Natürlich waren wir schon zwei Stunden vor dem Abflug am Flughafen, wenigstens konnten wir schon einchecken und waren die Koffer erst mal los. Zeit war ja also bummelten wir durch die duty free Shops und machten es uns dann in den Plastiksitzen direkt am gate bequem. “Ich habe gar keine Lust nach Hause zu fliegen” Ich sah mit einem leicht deprimierten Gesicht durch die großen Scheiben auf das Flugzeug und verschränkte dann meine Arme vor dem Bauch. “Ich auch nicht” Antwortete ich kurz.
War es nicht immer so? Es geht doch vielen Leuten so, dass sie nicht nach Hause wollen wenn der Urlaub zu Ende geht. “Ich könnte es echt hier eine Weile aushalten, also länger als eine oder zwei Wochen” ”Das wird den meisten Leuten so gehen und irgendwann ist doch wieder mal Urlaub” ”Ja aber es passte eben alles so perfekt mit Jenny und so” Sie drehte sich zu mir und zog ein verlegenes Lächeln. “Es tut mir leid, dass ich in den letzten Tagen nicht so viel Zeit hatte für dich. Ich weiss das wir hier zusammen Urlaub machen wollten aber ich konnte mir die Gelegenheiten nicht entgehen lassen und ich wollte dich nicht die ganze Zeit nerven. Ich weiss ja, das dich das alles nicht interessiert” Was sollte ich jetzt sagen? Ich wusste doch das sie an Rafa hängt.
“Ich hab's ja überlebt” Antwortete ich dann nur und dachte mir meinen Teil. ”Du bist nicht sauer? Ich könnte es verstehen” Wenn sie so anfängt, kriege ich gleich ein schlechtes Gewissen. “Nein, bin ich nicht. Es war hier auf jeden Fall besser als zu Hause” Ich war wirklich nicht sauer, es wäre alles ganz anders gelaufen wenn sie nicht immer mit Jenny unterwegs gewesen wäre. “Mhh, jetzt wird es wieder echt langweilig und ich kann mit mit dem Computer und dem Fernseher begnügen” ”Spielt er nicht mal irgendwo in Deutschland?” ”Stuttgart war gar nicht geplant für dieses Jahr und Hamburg schenkt er sich seit das Turnier abgestuft wurde. Wegen 250 Punkten kommt er gar nicht erst. Bleibt nur noch das Masters in Berlin, da es ein Masters 1000 Turnier ist muss er dort spielen ob er will oder nicht” Klang doch gar nicht so schlecht, wo war denn ihre Begeisterung? Da soll sich noch jemand beschweren das Rafa nicht spielen würde in Deutschland.
“Und der Haken?” Fragte ich neugierig. “Die Preise für die Tickets dort sind astronomisch. Da es dort 1000 Punkte zu holen gibt, spielen da fast die gesamten Top 20 weil alle die Punkte wollen. Das hat zur Folge, dass die Preise durch die Decke gehen. Je mehr Top Spieler, umso teurer wird es” ”Berauschende Aussichten” Damit meinte ich nicht nur das Turnier. “Du sagst es. Es gibt ja billige Karten für die erste und zweite Runde aber die Chancen das Rafa an dem Tag nicht spielt sind zu hoch und für das Finale bekommt man eh keine Karten mehr. Ich will auch nicht einen haufen Geld ausgeben und dann vielleicht in der letzten Reihe sitzen und noch dazu Roger Federer sehen weil Rafa vielleicht gerade mal nicht spielt. Das ist so weit weg, dass man besser kommt wenn man es im Fernsehen anguckt anstatt hinzugehen” Kam es dann nur als Antwort.
Würde Rafa nicht an bessere Karten rankommen? Nicht das ich ihn nutzen wollte um gratis an Finalkarten zu kommen aber der Gedanke war nicht schlecht. Zu blöd, dass ich es selbst vermasselt habe. Sara würde Augen machen wenn ich Karten hätte, woher müsste sie ja erst mal nicht wissen aber die Möglichkeit stand ja nicht mehr.
20 Minuten vor dem Abflug konnten wir endlich mal einsteigen. Das war es dann also, jetzt gibt es kein zurück mehr. Noch zwei Stunden Flug und es wird mir vorkommen, als wäre ich nie von zu Hause weg gewesen obwohl es nur eine Woche war.
Als wir dann tatsächlich wieder in Deutschland waren, holten wir noch unser Gepäck und fuhren nach Hause. Mir kam es vor als wäre ich nie weg gewesen, als ich die Tür zu meiner Wohnung aufschloss. Das war's dann also, jetzt geht wieder der nervende und langweilige Alltag los. Meine Sachen musste ich ja alle noch waschen also packte ich gleich meinen Koffer aus. Nebenbei lud ich die Bilder von der Kamera auf meinen Rechner.
Es macht mehr Spaß die groß zu sehen als nur auf dem kleinen Display der Kamera. Als alle Bilder auf dem Rechner waren, löschte ich alle von der Kamera. Sicherheitshalber entfernte ich alle Bilder auf denen Rafa war und speicherte die in einem extra Ordner. Man kann ja nie wissen und sicher ist sicher. Bei der Gelegenheit sah ich mir gleich alle nochmal an und alleine schon davon musste ich wieder lachen. Irgendwie müsste ich die Bilder alle Rafa schicken, er würde sich sicher darüber freuen. Ich könnte die ja zur allgemeinen Belustigung auf der Fanseite hochladen aber dann fragt noch jemand was ich ihm ins Glas gemischt habe das es zu den Bildern kam.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass niemand das Bild von Rafa und mir im Gästebuch auf dieser Webseite findet. Wenn aber niemand weiß, dass Rafa dort hingeht, wird wohl auch niemand auf die Idee kommen danach zu suchen, zumindest hoffe ich das mal. Sollte es doch jemand finden und ich überall im Internet auftauchen, habe ich ein echtes Problem. Ich will mir lieber nicht vorstellen was passiert wenn Sara das erfährt.
Die flippt bestimmt total aus und wirft mir vor, dass ich Geheimnisse vor ihr hätte. Ich fühlte mich ja auch nicht so richtig gut bei dem ganzen aber es war am besten so, ich wollte nicht alles so breittreten. Ich glaube zwar nicht, dass sie alles im Internet veröffentlichen würde aber ich will nicht so detailliert darüber reden. Da würde ich mir vorkommen als wenn ich mich selbst verraten würde. In dem Moment als das Bild gemacht wurde dachte ich gar nicht darüber nach, dass ich es später vielleicht bereuen könnte.
“Morgen Mittag” Sagte ich leise und sah von ihm weg. Ein paar Sekunden sagte niemand etwas. Die Stimmung hatte sich ziemlich geändert, die ausgelassene Heiterkeit wich einer leicht peinlichen Stille. “Ich ähm, bin gleich wieder da” Bevor ich die Möglichkeit hatte etwas zu sagen war er schon aufgestanden und verschwunden. Ein wenig perplex war ich schon weil er so plötzlich verschwunden ist. Es war mir ein bisschen unheimlich, ich weiss nicht wie ich das einordnen soll was hier gerade passiert. Hat er ein Problem damit das ich morgen nicht mehr hier bin? Ich hätte nicht wirklich geglaubt, dass er sich so darauf einlässt.
Er trifft doch ständig Menschen, da bleibt doch eigentlich kaum Zeit jemanden richtig kennen zu lernen daher wundert es mich das er jetzt so reagiert. Ja, ich fühlte mich ja geschmeichelt aber das nutzte jetzt auch nichts. Es wäre schon schwierig genug wenn er hier wohnen würde und nicht bekannt wäre aber so war es gleich ganz aussichtslos. Vielleicht steige ich mich auch eben in was rein und es ist alles ganz anders. Ich hätte nichts dagegen, wenn er ein bisschen mehr Interesse an mir zeigt aber vielleicht bilde ich mir auch genau das ein. Er hat ja nichts in der Richtung gesagt aber sein Blick sprach Bände. Ich glaube auch nicht, dass er noch etwas in der Richtung sagen wird. Das wollte ich auch gar nicht hören, es macht alles nur noch komplizierter.
Ein paar Minuten später kam Rafa wieder und setzte sich wieder auf die andere Seite. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass er sich wieder neben mich setzt. Nachdem ich kurz auf meine Uhr gesehen hatte, sah ich ihn wieder an. Sein Lächeln war total verschwunden, fast könnte ich denken er sieht durch mich hindurch. Die angespannte Stimmung gefiel mir gar nicht, da fühlte ich mich zunehmend unwohl. Allmählich fragte ich mich schon ob es wirklich an mir liegt oder ob irgendwas anderes war weil er plötzlich so ernst war.
“Rafael?” Fragte ich vorsichtig. Er sah kurz auf sein Glas und dann wieder zu mir. “Mhh? Ich war nur kurz in Gedanken” Ich schnappte nach Luft und wusste nicht mehr was ich noch sagen soll. In einem Zug trank ich meinen Tee aus und sah noch mal kurz auf meine Uhr. “Ich ähhm, muss dann langsam mal los” Natürlich hätte ich noch Zeit gehabt, es war ja noch nichtmal um 12 aber ich denke es ist besser wenn ich gehe. Es wird nur immer unangenehmer je länger wir uns anschweigen. “Ok” Kam es dann nur leise. Immerhin zog er wieder ansatzweise ein Lächeln. Ich zog meine Jacke an und stand dann auf. Seltsam war nur das es aussah als wenn er auch gehen würde.
“Gehst du auch?” Fragte ich während ich mir meine Jacke anzog. “Sí, ich muss sowieso noch meine Schwester bei meinen Eltern abholen” Schweigend liefen wir die Treppen nach oben und blieben auf der Strasse stehen. “Wo musst du jetzt hin?” Er zeigte mit seiner Hand in eine Richtung. “Mein Auto steht gleich um die Ecke” ”Mhh, ich muss in die andere Richtung” Ich sah mich kurz um, es war dunkel und kein Mensch war zu sehen. Wenigstens gab es hier Straßenlaternen. Ich steckte meine Hände in meine Hosentaschen und wusste nicht was ich sagen soll, ich hasse es mich von jemandem verabschieden zu müssen.
Noch dazu wo ich weiss, das ich Rafa höchstwahrscheinlich nie mehr sehen werde. War irgendwie schade aber kann man eben nicht ändern, man kann eben nicht alles haben. Ich räusperte mich dann laut. “Ja also ich gehe dann mal” Sagte ich etwas nervös und sah nach unten. Er trat einen Schritt näher zu mir bis er direkt vor mir stand, zu nah für meinen Geschmack. Ich schluckte kräftig und hielt seinem Blick stand. “Ich wünsche dir was, pass auf dich auf” Langsam wurde mein Lächeln wieder breiter. “Du auch. Ich drücke dir die Daumen für Madrid” Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Lächeln noch mal von ihm sehe.
”Nur für Madrid?” ”Die anderen Turniere natürlich auch wenn du willst“ Er steckte seine Hände in seine Hosentaschen, genau wie ich und sah kurz von mir weg bevor er mich wieder so herrlich anlächelte. “Darf ich dich umarmen?” Ich musste spontan lachen, er war der erste der vorher nachfragt ob er mich umarmen darf. “Du kannst es zumindest versuchen”
Bevor ich wusste wie mir geschah kam er noch näher und umarmte mich tatsächlich. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und konnte nicht anders als breit zu lächeln. Seine Hände waren erst an meinen Hüften und dann an meinem Rücken. Vielleicht war das doch keine gute Idee, ich gewöhne mich nur daran. An die Art von Umarmung würde ich mich gerne gewöhnen. Ich merkte, wie mein Puls langsam schneller wurde, hoffentlich fällt es nicht zu sehr auf. Es war zu verlockend, Rafa riecht so unheimlich lecker, ich komme da nur auf unanständige Gedanken.
Am liebsten würde ich ihn nicht mehr loslassen. Es kam mir eben nicht so vor, als würde ich ihn erst seit sechs Tagen kennen sondern viel länger. Als mir das Kribbeln zu gefährlich wurde, ließ ich ihn wieder los, zu meiner eigenen Sicherheit. Vorsichtshalber ging ich noch einen Schritt von ihm weg. “Adíos” Sagte ich mit einem verlegenen Lächeln. “Hasta luego” Ich lief erst ein paar Schritte rückwärts ehe ich mich umdrehte und ging. Bevor ich an der nächsten Straßenecke abbog, drehte ich mich noch mal um aber es war niemand mehr zu sehen, es war als hätte Rafa nie dort gestanden. Ich atmete tief durch und lief gedankenverloren zum Hotel zurück.
Zum Glück war Sara nicht da als ich am Hotel ankam, ich hatte eben keine Lust mit jemandem zu reden. Ich nahm mir was zu trinken mit aufs Zimmer und setzte mich auf den Balkon. Es war total ruhig aber noch richtig schön warm. Eigentlich wollte ich nicht mehr an vorhin denken aber es war schwierig. Es war schon deprimierend, dass ich morgen wieder nach Hause muss. Aus dem Grunde war ich auch gegen Urlaubsflirts, weil das sowieso immer in einer Sackgasse endet.
Es bleibt nichts außer den Erinnerungen und in diesem Fall ein paar schräge Bilder. Passiert im eigentlichen Sinne war ja nichts weiter aber der Gedanke zählt mit. Ich hatte schon daran gedacht ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen aber es bringt mir nichts wenn ich ab und zu mit ihm telefoniere. Es war besser so als wie wenn wir uns dann nichts mehr zu sagen haben. Das Kapitel hatte in Porto Cristo angefangen und es wird auch hier geschlossen. Mehr oder minder gefrustet ging ich duschen und dann ins Bett auch wenn ich nicht schlafen konnte weil mir zu viel durch den Kopf ging.
Durch ein Türknallen wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Ein paar Sekunden später ging das Licht an. Ich blinzelte vorsichtig und sah Sara mit einem breiten Lächeln vor dem Bett stehen. “Tut mir leid wenn ich dich geweckt habe, ich dache du bist noch nicht da” ”Mhh, schon ok” Sagte ich während ich gähnte und mich dann wieder hinsetzte. Sie zog sich ihre Jacke aus und dann die Schuhe. “Wie war's?” Fragte ich als ich wieder voll bei Sinnen war.
Ihr Gesichtsausdruck und die übertrieben gute Laune hatten mich gleich stutzig gemacht. Sie lief um das Bett und setzte sich auf meiner Seite auf die Bettkante. “Señor Nadal hat sich doch blicken lassen, leider nur für 2 Minuten” ”Ist er dann vor euch geflüchtet?” Ich sah schon an ihrem Augenrollen, dass sie es nicht so lustig fand wie ich. “Er hat seine Schwester abgeholt und ist sofort wieder verschwunden” ”Aha” Sagte ich nur und schluckte kräftig da ich anfing zu schwitzen. “Ich kam nichtmal dazu ein Bild zu machen. Es hätte sowieso doof ausgesehen wenn ich da fotografiert hätte aber ohne Blitz oder so hätte man es ja wenigstens versuchen können damit es nicht so auffällt” Das hörte sich irgendwie an als wen sie unter die Paparazzi gehen will und versucht heimlich Bilder zu machen.
”Wenigstens ist er überhaupt aufgetaucht” ”Ja, zu schade das er gleich wieder gegangen ist. Er sah echt zum anbeißen aus in lila” Ich holte tief Luft und würde einfach mal ein bisschen Interesse vortäuschen. “Lila?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Ja, dem steht echt alles, der schafft es in den unmöglichsten Farben noch gut auszusehen” Das kann sie wohl laut sagen! Bevor sie noch misstrauisch wird, sagte ich besser nichts mehr. Erstaunlicherweise gab sie dann auch Ruhe und ging ins Bad duschen. Ich drehte mich wieder auf die Seite und starrte an die Wand. Ich weiss nicht was schlimmer ist, dass Sara nichts ahnt oder das ich absichtlich nicht mit Rafa in Kontakt bleiben will. Vermutlich würde ich letzteres am schnellsten bereuen aber es war zu spät. Am besten ich denke gar nicht mehr nach, morgen geht es zurück nach Hause und dann ist sowieso alles egal.
Am nächsten Tag packten wir unser Zeug zusammen und warteten dann auf den Bus, der uns zum Flughafen bringt. Natürlich waren wir schon zwei Stunden vor dem Abflug am Flughafen, wenigstens konnten wir schon einchecken und waren die Koffer erst mal los. Zeit war ja also bummelten wir durch die duty free Shops und machten es uns dann in den Plastiksitzen direkt am gate bequem. “Ich habe gar keine Lust nach Hause zu fliegen” Ich sah mit einem leicht deprimierten Gesicht durch die großen Scheiben auf das Flugzeug und verschränkte dann meine Arme vor dem Bauch. “Ich auch nicht” Antwortete ich kurz.
War es nicht immer so? Es geht doch vielen Leuten so, dass sie nicht nach Hause wollen wenn der Urlaub zu Ende geht. “Ich könnte es echt hier eine Weile aushalten, also länger als eine oder zwei Wochen” ”Das wird den meisten Leuten so gehen und irgendwann ist doch wieder mal Urlaub” ”Ja aber es passte eben alles so perfekt mit Jenny und so” Sie drehte sich zu mir und zog ein verlegenes Lächeln. “Es tut mir leid, dass ich in den letzten Tagen nicht so viel Zeit hatte für dich. Ich weiss das wir hier zusammen Urlaub machen wollten aber ich konnte mir die Gelegenheiten nicht entgehen lassen und ich wollte dich nicht die ganze Zeit nerven. Ich weiss ja, das dich das alles nicht interessiert” Was sollte ich jetzt sagen? Ich wusste doch das sie an Rafa hängt.
“Ich hab's ja überlebt” Antwortete ich dann nur und dachte mir meinen Teil. ”Du bist nicht sauer? Ich könnte es verstehen” Wenn sie so anfängt, kriege ich gleich ein schlechtes Gewissen. “Nein, bin ich nicht. Es war hier auf jeden Fall besser als zu Hause” Ich war wirklich nicht sauer, es wäre alles ganz anders gelaufen wenn sie nicht immer mit Jenny unterwegs gewesen wäre. “Mhh, jetzt wird es wieder echt langweilig und ich kann mit mit dem Computer und dem Fernseher begnügen” ”Spielt er nicht mal irgendwo in Deutschland?” ”Stuttgart war gar nicht geplant für dieses Jahr und Hamburg schenkt er sich seit das Turnier abgestuft wurde. Wegen 250 Punkten kommt er gar nicht erst. Bleibt nur noch das Masters in Berlin, da es ein Masters 1000 Turnier ist muss er dort spielen ob er will oder nicht” Klang doch gar nicht so schlecht, wo war denn ihre Begeisterung? Da soll sich noch jemand beschweren das Rafa nicht spielen würde in Deutschland.
“Und der Haken?” Fragte ich neugierig. “Die Preise für die Tickets dort sind astronomisch. Da es dort 1000 Punkte zu holen gibt, spielen da fast die gesamten Top 20 weil alle die Punkte wollen. Das hat zur Folge, dass die Preise durch die Decke gehen. Je mehr Top Spieler, umso teurer wird es” ”Berauschende Aussichten” Damit meinte ich nicht nur das Turnier. “Du sagst es. Es gibt ja billige Karten für die erste und zweite Runde aber die Chancen das Rafa an dem Tag nicht spielt sind zu hoch und für das Finale bekommt man eh keine Karten mehr. Ich will auch nicht einen haufen Geld ausgeben und dann vielleicht in der letzten Reihe sitzen und noch dazu Roger Federer sehen weil Rafa vielleicht gerade mal nicht spielt. Das ist so weit weg, dass man besser kommt wenn man es im Fernsehen anguckt anstatt hinzugehen” Kam es dann nur als Antwort.
Würde Rafa nicht an bessere Karten rankommen? Nicht das ich ihn nutzen wollte um gratis an Finalkarten zu kommen aber der Gedanke war nicht schlecht. Zu blöd, dass ich es selbst vermasselt habe. Sara würde Augen machen wenn ich Karten hätte, woher müsste sie ja erst mal nicht wissen aber die Möglichkeit stand ja nicht mehr.
20 Minuten vor dem Abflug konnten wir endlich mal einsteigen. Das war es dann also, jetzt gibt es kein zurück mehr. Noch zwei Stunden Flug und es wird mir vorkommen, als wäre ich nie von zu Hause weg gewesen obwohl es nur eine Woche war.
Als wir dann tatsächlich wieder in Deutschland waren, holten wir noch unser Gepäck und fuhren nach Hause. Mir kam es vor als wäre ich nie weg gewesen, als ich die Tür zu meiner Wohnung aufschloss. Das war's dann also, jetzt geht wieder der nervende und langweilige Alltag los. Meine Sachen musste ich ja alle noch waschen also packte ich gleich meinen Koffer aus. Nebenbei lud ich die Bilder von der Kamera auf meinen Rechner.
Es macht mehr Spaß die groß zu sehen als nur auf dem kleinen Display der Kamera. Als alle Bilder auf dem Rechner waren, löschte ich alle von der Kamera. Sicherheitshalber entfernte ich alle Bilder auf denen Rafa war und speicherte die in einem extra Ordner. Man kann ja nie wissen und sicher ist sicher. Bei der Gelegenheit sah ich mir gleich alle nochmal an und alleine schon davon musste ich wieder lachen. Irgendwie müsste ich die Bilder alle Rafa schicken, er würde sich sicher darüber freuen. Ich könnte die ja zur allgemeinen Belustigung auf der Fanseite hochladen aber dann fragt noch jemand was ich ihm ins Glas gemischt habe das es zu den Bildern kam.
Jetzt kann ich nur hoffen, dass niemand das Bild von Rafa und mir im Gästebuch auf dieser Webseite findet. Wenn aber niemand weiß, dass Rafa dort hingeht, wird wohl auch niemand auf die Idee kommen danach zu suchen, zumindest hoffe ich das mal. Sollte es doch jemand finden und ich überall im Internet auftauchen, habe ich ein echtes Problem. Ich will mir lieber nicht vorstellen was passiert wenn Sara das erfährt.
Die flippt bestimmt total aus und wirft mir vor, dass ich Geheimnisse vor ihr hätte. Ich fühlte mich ja auch nicht so richtig gut bei dem ganzen aber es war am besten so, ich wollte nicht alles so breittreten. Ich glaube zwar nicht, dass sie alles im Internet veröffentlichen würde aber ich will nicht so detailliert darüber reden. Da würde ich mir vorkommen als wenn ich mich selbst verraten würde. In dem Moment als das Bild gemacht wurde dachte ich gar nicht darüber nach, dass ich es später vielleicht bereuen könnte.
8 September 2009
Chapter 4
Geht bitte nicht zu der Adresse die gleich erwähnt wird, ich war selbst dort, da gibt es nichts interessantes zu sehen.
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Am nächsten Tag machte ich endlich mal Bekanntschaft mit Jenny. Es war ja nicht so geplant aber Sara wollte plötzlich mitkommen nach Soller und hatte dummerweise Jenny gefragt ob sie auch mitkommen will. Eigentlich wollte ich alleine fahren, je mehr Leute dabei sind umso unterschiedlicher sind die Wünsche wo nun hingefahren wird aber war wohl nix. Ich fragte mich schon was plötzlich los war das die plötzlich alle so wild darauf waren Ausflüge zu machen.
Vielleicht hat es ihnen ja gestern Abend den Rest gegeben und sie sind jetzt so richtig gefrustet weil Rafa nirgends auftaucht wo sie sind. Mich freute es, so kam ich doch noch zu meinem Ausflug. Ich wäre die ganze Woche kreuz und quer über die Insel gefahren wenn ich das Auto gehabt hätte. Ich liege sicher nicht die ganze Woche am Strand ohne was zu sehen von der Insel.
Einige Ecken kannte ich zwar schon da ich auch nicht zum ersten mal hier war aber man lernt ja nie aus. Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir also nach Manacor Jenny noch abholen. Sara hatte ja erzählt, das sie nicht Anfang zwanzig wie wir ist aber ich staunte nicht schlecht als sie einstieg. Wie sich später rausstellen sollte war sie 41.
Das war ja auch nicht so alt aber wenn man bedenkt warum sie hier war, erschien die Sache in einem anderen Licht. Ich verkniff es mir nach den genauen Gründen zu fragen warum sie Rafa verfolgt denn ich wollte keine Endlosdiskussion anzetteln obwohl es mich wirklich interessierte.
Nach knapp zwei Stunden Fahrt waren wir endlich in Soller, besser gesagt Puerto de Soller. Hier sah es doch gleich ganz anders aus als in Porto Cristo. Auf der einen Seite der Insel sind flache Sandstrände und auf der anderen an der Westseite ist plötzlich Steilküste. Es hat aber echt was, sah direkt malerisch aus wie die Häuser teilweise am Hang klebten. Hier würde ich mir sofort ein Haus kaufen. An den Hängen waren Oliven und Mandelbäume und dann der freie Blick auf das Mittelmeer. Man könnte denken das man was falsch macht.
Wenn ich das hier sehe, würde ich am liebsten gleich für immer hier bleiben. Auf das schlechte Wetter in Deutschland kann ich auch gut und gerne verzichten. Das Schöne war, dass wir Zeit hatten. Bei organisierten Ausflügen mit dem Bus wird man ja wie eine Viehherde durch die Gegend getrieben. Zwar mussten wir so auch alles alleine suchen da wir ja niemanden dabei hatten der sich hier auskennt aber das meiste von dem was die Reiseführer erzählen vergisst man doch sowieso wieder und Bilder kann ich auch so machen.
Am frühen Nachmittag hatten wir soweit alles gesehen und überlegten was wir noch anstellen den restlichen Tag. Wenn wir wieder nach Manacor fahren, müssen wir sowieso zuerst nach Palma fahren. Auf der Insel sind anscheinend alle Strassen so gebaut, dass sie nach Palma führen. Von Soller nach Manacor über die Landstrassen zu schleichen war noch langsamer als den Umweg über Palma zu nehmen, dass war dann wenigstens alles Autobahn.
In Palma war ich zwar schon mal mit Sara aber da kann man auch ruhig mehrmals hinfahren. Durch trödeln verzögerte sich dann der Ausflug etwas. Es gab eine Menge sehr einladend aussehender Restaurants in der Altstadt von Palma also hatten wir spontan entschlossen dort Essen zu gehen statt bei uns im Hotel.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber wir waren doch tatsächlich erst um 10 Abends wieder in Porto Cristo. Halb tot ließ ich mich gleich rückwärts aufs Bett fallen in unserem Hotelzimmer. Das waren zu viele Eindrücke gewesen heute, ich war total breit und könnte auf der Stelle einschlafen.
Ich war direkt dankbar dafür am nächsten Tag an den Strand gehen zu können wo ich meine Ruhe habe und nichts machen muss. Wir wären vielleicht besser gekommen wenn wir zwei Ausflüge gemacht hätten anstatt alles an einem Tag zu machen aber jetzt war's zu spät. Ich sah mir erst mal in Ruhe die ganzen Bilder auf der Kamera an die ich gestern alle gemacht hatte.
Zeit hatte ich ja denn Sara hatte sich natürlich wieder mit Jenny nach Manacor verdünnisiert. Die Einsicht Rafa in Ruhe zu lassen währte leider nur sehr kurz. Der eine Tag gestern scheint aufregend genug gewesen zu sein so das die heute wieder stundenlang an dem Tennisclub warten. Es hatte mich schon erstaunt, dass Sara sich gestern zurückgehalten hatte und das Thema Rafael Nadal nicht einmal zur Sprache kam. Ist ihr aber bestimmt wirklich schwer gefallen, ich fühlte mich geehrt mal einen Tag lang nichts von ihm zu hören oder zu sehen.
Vielleicht fühlte er sich ja genauso geehrt gestern Abend weil ich nicht in dieser Bar aufgetaucht bin. Ich hatte echt keine Lust mehr gestern noch irgendwohin zu gehen Abends. Vielleicht war die Frage ob ich jetzt immer dahin komme auch so was wie ein Scherz gewesen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen warum er so wild darauf ist mich zu sehen. Vielleicht war's auch alles ein riesen Zufall gewesen, dass ich ihm zweimal dort begegnet bin. Ich würde sicher nicht jeden Abend dorthin gehen in der Hoffnung ihn zu treffen.
Es bringt mir nicht wirklich was, ich fliege morgen nach Hause und dann könnte ich ihn sowieso nicht mehr sehen. Ich hatte mich sowieso noch nicht ganz von dem Schreck erholt, dass er mich eingeladen hat. Vielleicht sollte ich ja heute Abend mein Glück versuchen. Sara hatte zwar noch nicht gesagt was sie plant aber ich bin mir sicher, dass die den letzten Abend hier sicher nicht im Hotel verbringt. In Deutschland sind wir dann wieder weit genug weg also wird sie es wohl heute noch mal wissen wollen.
Wenn sie Glück hat, trainiert er wenigstens heute, wo er heute Abend ist werden wir ja noch sehen. Sicher versuchen sie es wieder in Manacor aber da würde ich nicht mitgehen. Die Chancen das er dort nicht auftaucht waren viel höher als die das er plötzlich doch dort erscheint. Dann werde ich vielleicht noch Zeuge wie Jenny seine Schwester in die Mangel nimmt, da wollte ich nicht dabei sein. Fremdschämen wollte ich mich nicht schon wieder.
Tatsächlich eröffnete mir Sara dann, dass sie heute Abend mit Jenny losziehen will. Darauf hatte ich mich moralisch schon eingerichtet. Morgen geht’s ab nach Hause und dann hat der Spuk endlich ein Ende. Bestimmt fehlt ihr dann richtig was wenn sie sich wieder damit begnügen muss vor dem Fernseher zu sabbern. Selbst wenn sie Rafa nicht erwischen, immerhin waren sie hier schon sehr nah an ihm dran.
Zu dumm, dass er ausgerechnet heute natürlich nicht trainiert hat, zumindest nicht in Manacor in dem Tennisclub wo er sonst immer ist. Würde mich nicht wundern wenn er heimlich woanders trainiert damit er nicht andauernd ungebetene Gäste hat die zugucken. Fast fühlte ich mich wie in einem Wettrennen wer es schafft Rafa so oft wie möglich zu sehen. Dann lag ich wohl 2:1 in Führung. Man kann es durchaus auch von der lustigen Seite sehen.
Den Sieg konnte mir auch keiner mehr nehmen denn ich würde fast darauf wetten, dass es zwecklos ist heute Abend nach Manacor zu fahren. Sara würde mir aber sowieso niemals glauben, sie denkt dann noch ich will sie davon abhalten und macht es dann extra. Sieht wohl so aus als würden wir den Abend dann mal wieder getrennt verbringen.
So hatte ich mir das auch vorgestellt vor einer Woche als wir zu Hause die Koffer eingepackt haben. Zwar wusste ich, dass sie nicht den ganzen Tag faul am Strand liegen würde aber das die echt so verrückt ist und stundenlang irgendwo wartet, war mir neu. So hartnäckig kannte ich sie gar nicht von zu Hause. Ist ja schön wenn man sich für etwas so begeistern kann aber sie übertreibt in meinen Augen.
In aller Ruhe überlegte ich was ich anziehe. Nachdem ich fast alles aus meinem Koffer anprobiert hatte, zog ich doch das an was mir zuerst in den Sinn gekommen war, weiße Stoffhosen und dazu eine gelbe Bluse. Vorsichtshalber hatte ich auch ein Kleid in den Koffer gepackt aber das würde ich doch nicht anziehen.
Nachher glaubt Rafa noch ich würde es wegen ihm machen. Ich will ja gleich allen Missverständnissen vorbeugen. Make up durfte auch nicht fehlen, ich hielt es schlicht aber der gelbe Lidschatten musste unbedingt sein. Nach einer ausgefallenen Frisur war mir auch nicht zu mute also machte ich einfach einen Pferdeschwanz. Ich sah noch mal kurz in den Spiegel und fand dann, dass ich ganz ok aussah.
Ich fand sogar jetzt schon den Weg ganz ohne Stadtplan! Langsam werde ich heimisch hier. Je näher ich kam umso aufgeregter und hibbeliger wurde ich. Mir konnte ja eigentlich nichts passieren, Rafa tut nichts aber aufgeregt war ich schon. Ich wusste nicht so richtig was mich erwartet. Bestimmt kommt er heute gar nicht und ich bin dann enttäuscht. Bevor ich reinging, holte ich noch mal tief Luft und versuchte ganz ruhig zu bleiben.
Neugierig ließ ich meinen Blick schweifen als ich es mir an der Bar bequem gemacht hatte. Leute waren da aber leider niemand den ich kenne. Na toll, ich wusste es! War ja klar das er nicht jeden Abend hier her kommt. Ich wartete bis der Barkeeper mich fragte was ich trinken will und bestellte erst mal Vodka-Lemon.
Nach ein paar Minuten kam er wieder und stellte mir ein Glas hin. Von dem Glas abgesehen schob er mir noch einen Zettel mit über den Tresen. Ich sah ihn erst mal entgeistert an, sollte das eine ganz dreiste Anmache werden? “Was ist das?” Fragte ich erst mal skeptisch. “Soll ich dir geben” Bevor ich weiter nachhaken konnte, war er schon wider damit beschäftigt andere Gäste zu bedienen.
So viele Personen kamen nicht in Frage die ich hier kenne um nicht zu sagen nur eine. Na jetzt war ich aber gespannt. Ich faltete den Zettel auseinander und runzelte dann erst mal die Stirn. In der Mitte stand mit Handschrift geschrieben Calle de Villalonga 36, weiter gar nichts.
Ich drehte den Zettel um, vielleicht war auf der Rückseite noch was aber Fehlanzeige. Mhh, was sollte ich jetzt damit anfangen? Gibt er mir jetzt seine Privatadresse oder wie? So leichtsinnig wird er ja wohl nicht sein oder etwa doch? Für alle Fälle hatte ich aber vorhin den Stadtplan eingepackt, vielleicht nutzt der mir ja was. Die Strasse fand ich dann auch ziemlich schnell aber deswegen wusste ich trotzdem nicht was dort ist.
Auf dem Plan waren Häuser eingezeichnet aber ich glaube nicht, das Rafa mitten im Ort wohnt, dass wäre doch sicher zu auffällig. Ich schätze wenn ich wissen will was dort ist bleibt mir nichts anderes übrig als dorthin zu gehen und nachzusehen. Da ich mir eben was zu trinken bestellt hatte und das Glas noch voll war, hatte ich ja noch etwas Zeit um zu überlegen was ich mache. Entweder ich reagiere gar nicht oder ich gehe hin.
Kann ja nur schief gehen, ich weiss nur nicht was mich erwartet. Natürlich fühle ich mich geschmeichelt, dass er mir Zettel hinterlässt aber ein paar Zweifel bleiben. Wer weiss was er sich vorstellt, vielleicht hat er irgendwas falsch interpretiert vor zwei Tagen. Sara glaubt ja das Rafa nicht zu der Sorte Mann gehört die ständig andere Frauen haben aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Das bezieht sich auf sein öffentliches Image, wer weiss denn schon ob er privat auch so ist wie er öffentlich behauptet. Vielleicht sollte ich es ja so machen wie vor knapp einer Woche mit der Bar hier. Ich kann ja erst mal aus sicherer Entfernung gucken was sich hinter der Adresse nun genau verbirgt.
Die nächste Überraschung kam als ich meinen Drink bezahlen wollte. Angeblich geht es aufs Haus aber höchstwahrscheinlich steckt da auch jemand dahinter. Da hatte ich ja heute direkt mal eine gute Eingebung als ich den Stadtplan eingesteckt hatte sonst würde ich jetzt hier planlos durch die Strassen irren und die Adresse suchen. Diese Calle de Villalonga war auch gar nicht so weit vom Hotel entfernt, war zumindest nicht so weit vom Hotel weg wie diese Bar.
Von weitem war nichts besonderes zu sehen, es war ein Haus am anderen aber ich wusste auch nicht was ich erwarten soll. Schlimm genug das ich mich überhaupt von so was beeindrucken lasse aber ja ich gebe es zu, die Neugier siegte. Die Befürchtung, dass es sich um seine Privatadresse handelt bestätigte sich dann nicht. Darüber war ich auch ganz froh, sonst würde ich mir jetzt meinen Teil denken. Es gab offenbar noch mehr solcher versteckter Lokalitäten hier.
Wie auch schon bei der Bar namens Faro ging es hier in den Keller, nur mit dem Unterschied, dass auf dem Schild Kasbah statt. Jetzt sind wir also schon bei arabischen Namen, wird ja langsam spannend. Dunkel war mir im Gedächtnis geblieben das Kasbah das arabische Wort für Burg ist. Freiwillig hätte ich mich mit Sicherheit nicht hier her verirrt. Offensichtlich war der Ort doch nicht so verschlafen, wie er tagsüber erscheint. Na jetzt war ich aber mal gespannt ob Rafa auch wirklich hier ist, nicht das er mich weil es ihm Spaß macht quer durch den Ort laufen lässt.
Von der anderen Bar aus hätte doch auch jemand hier anrufen können, ich hätte nichts dagegen wenn Rafa mich mit dem Aston Martin abholt. Das Auto würde ich mir schon mal gerne von innen ansehen. Passt irgendwie nicht zusammen wenn Rafa nicht auffallen will. Noch dazu erwähnt er ständig öffentlich das er eigentlich eine andere Automarke bevorzugt, wahrscheinlich weil die ihn dafür gut bezahlen. Anders formuliert kann er lügen ohne dabei rot zu werden.
Kein Mensch glaubt ihm das und dann lässt er sich privat mit einem Aston Martin sehen. Das Auto hatte ich hier nirgends gesehen in der Nähe aber das war in den letzten Tagen auch so, wer weiß wo er das immer versteckt. Sicherlich gab es hier nicht viele Autos von der Sorte auf dieser Insel und damit könnte man ihn ja noch einfach finden als sonst also wird er das Auto sicher irgendwo verstecken wenn er nicht gerade damit fährt.
Ich ging die Treppen nach unten und sah erst mal neugierig rein. Die Einrichtung war hier zumindest nicht weiß, dafür mit viel Holz. An den Wänden hingen orientalische Teppiche und es war eine schummrige Beleuchtung. Mir entgingen auch nicht die Wasserpfeifen und Goldgefäße, die anscheinend nur Deko waren. Sofort fühlte ich mich wie mitten im Orient. Da war wohl jemand ein begeisterter Anhänger von orientalischen Dingen und hatte sich hier bei der Dekoration so richtig ausgelassen.
Zu Hause hatte ich auch diverse Souvenirs von Urlauben aus Marokko und Tunesien, die würden hier prima herpassen. Ein paar Leute sahen dann kurz zu mir aber keiner sagte was. Kurz schweifte mein Blick über die Köpfe, niemand bekanntes dabei. “Hola Amaia” Kam es dann ein paar Sekunden später von hinter mir. Ich zog ein Lächeln und drehte mich dann um. Rafa stand direkt vor mir und lächelte wieder so unverschämt. Aww, ich könnte mich an sein Lächeln gewöhnen. Zugegeben, ich freute mich schon ihn zu sehen.
“Hola” Sagte ich und fragte mich ob ich das gerade richtig sah, dass er ein Poloshirt in lila an hat. Es war ja nichtmal ein dunkler Farbton, sondern richtig schön Pastell. Die schwarzen Hosen dazu waren da ja unspektakulär. Der hat offensichtlich keinerlei Hemmungen was Farben angeht, ich kenne einige Männer die laut kreischen würden wenn sie rosa oder lila tragen müssten. Er sieht selbst in lila noch umwerfend aus, wahrscheinlich steht ihm so gut wie alles. Zu schade das er nicht der Einrichtung entsprechend ein orientalisches Gewand an hatte aber dann hätte ich ihn sicher nicht mehr erkannt oder ich hätte angefangen laut zu lachen.
“Wie ich sehe hast du den Weg gefunden” ”Mit Stadtplan war es nicht so ein großes Problem. Was ist das hier? Ein arabischer Basar?” ”So was ähnliches” Wir setzten uns an einen Tisch und ich bestellte erst mal einen Tee bestehend aus süßer Minze. Die hatten sogar die Getränkekarte der Einrichtung angepasst. Ich betrachtete erst mal ausführlich die Einrichtung und dann Rafa und konnte mir ein breites Lächeln nicht mehr verkneifen. Mit seinem lila Shirt passte er nicht so richtig hier her. “Was?” Fragte er dann auch gleich. “Dein Shirt passt nicht zur Deko hier” Er sah kurz an sich nach unten und dann wieder zu mir.
”Stimmt, ich war vorhin noch etwas unschlüssig wo ich nun hingehe. Ich wollte erst mit meiner Schwester nach Manacor aber habe mich spontan umentschieden” Als er Manacor sagte, fiel mir Sara gleich wieder ein. Heißt das er ist Sara und Jenny nur knapp entkommen? Oder sie haben ihn knapp verpasst, wenn man es von der anderen Seite aus betrachtet. Sara hätte ihre Freude an seinem lila Shirt, die geht immer fast kaputt wenn er rosa trägt. “Ich habe mich schon gefragt, was das für eine Adresse auf dem Zettel ist” ”Was dachtest du denn was dort ist?” Er sollte mich mal nicht so angrinsen, was würde er denn an meiner Stelle denken? “Ich wusste überhaupt nicht was ich denken sollte” Antwortete ich diplomatisch. “Wo warst du eigentlich gestern Abend?”
Was wurde das jetzt, ein Verhör? Vom Tonfall her hörte sich das so an als wenn er wirklich damit gerechnet hatte das ich gestern zu der Bar komme. War er wirklich dort? Er musste ja zumindest dort gewesen sein und den Zettel dort hinterlassen haben. Ich hatte mich aber zu nichts verpflichtet gefühlt außerdem hatte ich ihm doch gesagt, dass er sich überraschen lassen soll. Wenn er die Antwort als ein ja interpretiert hat, kann ich es auch nicht ändern.
Ich kann ja nicht riechen, dass der das ernst gemeint hat. Es würde mich aber schon ein wenig überraschen, wenn er wirklich dort war weil er dachte das ich komme. “Gestern war ich erst in Port de Soller und dann in Palma. Wir waren abends essen in Palma in der Altstadt und dann noch was trinken. Verstehe mich nicht falsch aber in Palma ist abends mehr los als hier” ”Das stimmt, ich bin aber lieber hier. In Palma falle ich zu sehr auf, hier habe ich meine Ruhe weil es niemanden mehr schockt mich zu sehen” ”Bist du eigentlich lange hier?” ”No, ich fliege Übermorgen nach Madrid. Ich trainiere dort noch ein bisschen bevor das Turnier anfängt”
Tja, ich fahre ja morgen schon nach Hause davon wusste er aber noch nichts. “Und danach?” Fragte ich weiter. Eben dachte ich wieder an Sara, die mir sicher seinen Turnierplan für das restliche Jahr in allen Details erläutern könnte, nur war sie eben nicht da. ”Nach Madrid geht's kurz hier her zurück und dann nach Paris. Erst ein exhibition Turnier und dann Roland Garros, na ja und nach Queens ist Wimbledon dann auch schon in Sichtweite. Wahrscheinlich bin ich erst im Juli wieder ein paar Tage hier”
Mir wurde eben klar, dass ich Rafa höchstwahrscheinlich heute zum letzten mal sehe. Wenn nicht Sara andauernd so rumnerven würde, könnte ich mich direkt an ihn gewöhnen. Er kann ja nichts dafür das meine Freundin austickt wenn sie ihn sieht. Ich kann ja verstehen, dass ihm die Frauen nachlaufen dabei kennen ihn die meisten davon nicht persönlich sonst wären es sicher noch mehr. Im Gegensatz zu manch anderen Stars ist er richtig umgänglich und er schafft es Interesse zu zeigen ohne dabei aufdringlich zu werden.
Bestimmt würde er auch niemals so einen abgedroschenen Anmachspruch wie, ‘Ich habe meine Nummer verloren, kriege ich deine’ bringen. Solche Sprüche kommen meistens von Leuten die sich selbst wichtiger nehmen als sie sind. Rafa ist ein bisschen zu normal für den ganzen Erfolg. Es spricht aber eigentlich für ihn, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Nur fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich so bodenständig ist wie er öffentlich rüberkommt aber es sah alles danach aus wenn man jetzt mal von seinem Auto absieht.
Er lässt sich nicht anmerken das er so eine Art Superstar ist. Zu schade das er nie Zeit hat und noch dazu überall bekannt ist. Langsam wird es interessant, ich hätte nichts dagegen ihn öfters zu sehen auch wenn ich das vor einer Woche nicht für möglich gehalten hätte. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal freiwillig mit Rafael Nadal treffen würde und das ganz ohne das Sara etwas davon weiss. Mir schwirrte natürlich wieder im Hinterkopf rum sie anzurufen und zu sagen das sie hier her kommen soll aber dann wird es alles hektisch und ich beabsichtigte nicht Rafa zu teilen. Ich erhebe ja keine Ansprüche auf ihn aber wenn sie hier ist gerät alles außer Kontrolle und ich kann kein Wort mehr mit ihm reden.
Sie schafft es bestimmt sowieso nicht normal mit ihm zu reden dabei ist es ihm wohl am liebsten wenn er normal behandelt wird wie alle anderen auch. Es war ein bisschen so als wenn da eine andere Person auf dem Tennisplatz steht und spielt. “Amaia” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Sorry, ich war kurz gedanklich abwesend” ”Willst du noch was trinken?” Kann er nicht aufhören mich so anzulächeln? Da werde ich nur nervös, dass war zu viel für mich. Zum Glück saß ich gerade gut. “Willst du mich abfüllen?” Ich musste gleich wieder lachen, der Spruch passte doch eben! Seine Reaktion war auch zu herrlich. “Natürlich... mit Minzetee. Soll eine aphrodisierende Wirkung haben wenn man mehr als fünf Liter trinkt” Ich sah in meine Tasse und überlegte wie viele Tassen das dann wären.
Außerdem wäre mir das was ganz neues wenn Tee so eine Wirkung hätte. “Dann musst du mich noch mehrmals einladen. Ich wette bei fünf Litern hat man dann auch ein Blasenproblem” Wieso fing er plötzlich an so zu kichern? Wirkt es bei ihm etwa schon eher? “Ich muss zugeben, dass ich keine eigenen Erfahrungen damit vorweisen kann” “Irgendwann ist eben immer das erste mal” ”Schon aber heute ist ein schlechter Zeitpunkt. Ich muss morgen noch ein bisschen trainieren und kann es mir nicht leisten die Nacht im Bad zu verbringen” ”Du würdest ja niemanden stören aber meine Freundin bringt mich um wenn ich aller 10 Minuten vom Bett aus ins Bad renne”
Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon im Minutentakt ins Bad flitzen, tolle Vorstellung! “Meine Schwester ist bei mir. Ich will gar nicht wissen was die denkt wenn ich stundenlang im Bad verschwinde” ”Die geht doch sicher irgendwann ins Bett” ”Nicht wenn sie bei mir übernachtet, dass macht sie nur bei unseren Eltern. Sie nutzt es aus und tanzt mir auf der Nase rum. Ich bleibe sicher nicht auf bis sie irgendwann mal kommt, sie ist alt genug. So lange sie ruhig ist und niemanden mitbringt ist es mir egal” ”Hast du etwas gegen Besucher?” ”Wenn ich sie nicht kenne und die in meinem Haus sind schon”
Er sah in meine Tasse und dann wieder in mein Gesicht. “Was willst du nun trinken?” Jetzt wo er fragte fiel mir auch wieder ein wie es zu der Diskussion kam. ”Ich nehme erst mal das gleiche noch mal” Ich sah ihm nach wie er aufstand und die Getränke holte. Vielleicht sollte ich dann doch wieder gehen. Warum er das alles macht weiss ich nicht aber ihm muss doch klar sein, dass wir uns bald nicht mehr sehen. Er wusste ja noch nicht das ich morgen nach Hause fliege aber wenn er Übermorgen nach Madrid fliegt wäre er ja spätestens dann nicht mehr hier. In der Hinsicht war ich zu realistisch um zu glauben, dass das ganze irgendwohin führen könnte. Daher will ich mich auch nicht zu weit auf ihn einlassen, es bringt mir sowieso nichts auch wenn ich die Unterhaltung von eben noch bis ins kleinste Detail ausweiten könnte.
Kaum war Rafa mit dem Tee wieder da, stand plötzlich eine Kellnerin mit einer Kamera an unserem Tisch. Ich wusste gar nicht was jetzt los ist und guckte erst mal nur. Will die jetzt Bilder von Rafa machen oder was? Langsam schweifte mein fragender Blick weiter zu Rafa. “Die machen immer Bilder hier von den Gästen und stellen die dann im Internet ins Gästebuch. Du musst aber keine Angst haben, dein Name erscheint nirgends” ”Aha ja, ok” Wenn Rafa kein Problem damit hat, mir ist es egal ob irgendwo ein Bild von mir ist. Er rückte um den Tisch bis er neben mir saß. Was sollte das jetzt werden?
Wenn ich das eben richtig verstehe, sollten das Bilder von mir mit ihm zusammen werden. Nachdem sie ein Bild gemacht hatte, verschwand die Kellnerin wieder und fotografierte die anderen Gäste. Ich dachte schon es ist nur wegen Rafa aber die anderen wurden auch verewigt. “Kann ich auch ein Bild machen?” Fragte ich spontan ohne vorher darüber nachzudenken. “Klar” Ich suchte meine Kamera in meiner Tasche und überlegte wie ich es am besten anstelle. So lang war mein Arm nicht, dass wir da beide draufpassen.
Auf gut Glück probierte ich es dann aber doch, indem ich die Kamera so weit wie möglich von mir weg hielt. Als ich mir das Bild ansehen wollte, musste ich mir verkneifen laut zu lachen. Mein Gesicht war nur bis zur Mitte ganz am Rand zu sehen und von Rafa fehlte auch die Hälfte. “War wohl nix” Kam es dann von neben mir. Er saß ja noch neben mir und sah eben mit einem amüsierten grinsen auf meine Kamera.
“Denkst du, dass du es besser hinkriegst?” ”Sicher” Kam es gleich total überzeugt. War ja klar, dass er glaubt das er es besser hinkriegt. Ohne noch was zu sagen gab ich ihm die Kamera. Er dachte wohl, dass er so nah es geht an mich rücken muss damit wir beide auf das Bild passen. Ein wenig nervös wurde ich schon, wenn er so nah neben mir sitzt, näher konnte er ja nicht mehr kommen. Ich sah dann in die Kamera und zog ein breites Lächeln. Rafa drehte die Kamera wieder um und sah auf das eben gemachte Bild. Ich schielte zu ihm rüber und brach in der nächsten Sekunde in schallendes Gelächter aus. Von wegen er kriegt es besser hin... wir waren zwar beide auf dem Bild aber leider hörte das Bild kurz über den Augen auf. Es fehlte direkt mal ein anderer Teil als vorhin. Es wäre ein richtig gutes Bild geworden wenn wir komplett drauf wären und nicht nur halb.
Geschah ihm auch zu recht, nachdem er eben noch groß getönt hat das er es besser kann. Nach ein paar mal tief luftholen konnte ich mich wieder halbwegs beherrschen. “So hätte ich das auch hingekriegt” Sagte ich dann und musste mich beherrschen nicht wieder zu lachen. “Du hast doch Zeit, no?” ”Wieso? Willst du jetzt den ganzen Abend lang Bilder machen?” ”Zumindest bis mal ein vernünftiges dabei rauskommt” So einfach war es aber gar nicht. Nachdem ein paar weitere Versuche mit Lachanfällen meinerseits endeten gab er auf und gab die Kamera einer Kellnerin.
Na also, es ging doch! Jetzt hatte ich ein paar echt schräge Bilder von Rafa, hoffentlich denke ich daran Sara nicht in die Nähe der Kamera zu lassen. Die fällt aus allen Wolken wenn die zufällig die Bilder sieht, sie ahnt ja nichts böses. Ich steckte meine Kamera wieder ein und musste immer noch kichern. Wahrscheinlich kratzte das eben mächtig an seinem Ego weil ich nach jeden Bild so lachen musste und er daraufhin nur noch verbissener darauf wurde ein gutes Bild hinzukriegen. “Du solltest wirklich beim Tennis spielen bleiben” Ich sah schon, wie er sich darüber freute.
Es war ja als Scherz gemeint und nicht um ihn zu ärgern. Ich konnte mir einfach so einen Spruch nicht verkneifen. “Gracias, sehr freundlich” ”Muss ich jetzt meine Getränke selbst bezahlen?” Fragte ich frech. ”Sí” ”Dann nehme ich alles zurück” “Zu spät!” ”Du hast gesagt du würdest es besser hinbekommen. Darunter stelle ich mir etwas anderes vor” ”Sei ruhig jetzt!” Ich musste nur noch mehr lachen je mehr er sich aufregte auch wenn ich weiss das er das nicht ernst meinte. Sein Lächeln war zu herrlich, er saß ja noch neben mir, ich würde ihn zu gerne in die Wangen kneifen. Ich könnte fast denken, dass er etwas plant.
Ein bisschen unangenehm wurde es mir dann schon, im positiven Sinne. Warum wusste ich auch nicht genau aber es macht mich nervös wenn er direkt neben mir sitzt. Ich komme dann nur auf dumme Gedanken, es hing schon eine gewisse Spannung in der Luft. Zu gerne würde ich mich darauf einlassen, wenn es nicht so wäre das ich ihn morgen nicht mehr sehe. Hat er keine Freundin oder warum ist er so übertrieben nett? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es darauf abgesehen hat mich in sein Bett zu locken selbst wenn es nur für eine Nacht ist. Ganz so verfallen war ich ihm noch nicht, dass ich so was machen würde auch wenn ich seine Aufmerksamkeit durchaus genieße.
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Am nächsten Tag machte ich endlich mal Bekanntschaft mit Jenny. Es war ja nicht so geplant aber Sara wollte plötzlich mitkommen nach Soller und hatte dummerweise Jenny gefragt ob sie auch mitkommen will. Eigentlich wollte ich alleine fahren, je mehr Leute dabei sind umso unterschiedlicher sind die Wünsche wo nun hingefahren wird aber war wohl nix. Ich fragte mich schon was plötzlich los war das die plötzlich alle so wild darauf waren Ausflüge zu machen.
Vielleicht hat es ihnen ja gestern Abend den Rest gegeben und sie sind jetzt so richtig gefrustet weil Rafa nirgends auftaucht wo sie sind. Mich freute es, so kam ich doch noch zu meinem Ausflug. Ich wäre die ganze Woche kreuz und quer über die Insel gefahren wenn ich das Auto gehabt hätte. Ich liege sicher nicht die ganze Woche am Strand ohne was zu sehen von der Insel.
Einige Ecken kannte ich zwar schon da ich auch nicht zum ersten mal hier war aber man lernt ja nie aus. Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir also nach Manacor Jenny noch abholen. Sara hatte ja erzählt, das sie nicht Anfang zwanzig wie wir ist aber ich staunte nicht schlecht als sie einstieg. Wie sich später rausstellen sollte war sie 41.
Das war ja auch nicht so alt aber wenn man bedenkt warum sie hier war, erschien die Sache in einem anderen Licht. Ich verkniff es mir nach den genauen Gründen zu fragen warum sie Rafa verfolgt denn ich wollte keine Endlosdiskussion anzetteln obwohl es mich wirklich interessierte.
Nach knapp zwei Stunden Fahrt waren wir endlich in Soller, besser gesagt Puerto de Soller. Hier sah es doch gleich ganz anders aus als in Porto Cristo. Auf der einen Seite der Insel sind flache Sandstrände und auf der anderen an der Westseite ist plötzlich Steilküste. Es hat aber echt was, sah direkt malerisch aus wie die Häuser teilweise am Hang klebten. Hier würde ich mir sofort ein Haus kaufen. An den Hängen waren Oliven und Mandelbäume und dann der freie Blick auf das Mittelmeer. Man könnte denken das man was falsch macht.
Wenn ich das hier sehe, würde ich am liebsten gleich für immer hier bleiben. Auf das schlechte Wetter in Deutschland kann ich auch gut und gerne verzichten. Das Schöne war, dass wir Zeit hatten. Bei organisierten Ausflügen mit dem Bus wird man ja wie eine Viehherde durch die Gegend getrieben. Zwar mussten wir so auch alles alleine suchen da wir ja niemanden dabei hatten der sich hier auskennt aber das meiste von dem was die Reiseführer erzählen vergisst man doch sowieso wieder und Bilder kann ich auch so machen.
Am frühen Nachmittag hatten wir soweit alles gesehen und überlegten was wir noch anstellen den restlichen Tag. Wenn wir wieder nach Manacor fahren, müssen wir sowieso zuerst nach Palma fahren. Auf der Insel sind anscheinend alle Strassen so gebaut, dass sie nach Palma führen. Von Soller nach Manacor über die Landstrassen zu schleichen war noch langsamer als den Umweg über Palma zu nehmen, dass war dann wenigstens alles Autobahn.
In Palma war ich zwar schon mal mit Sara aber da kann man auch ruhig mehrmals hinfahren. Durch trödeln verzögerte sich dann der Ausflug etwas. Es gab eine Menge sehr einladend aussehender Restaurants in der Altstadt von Palma also hatten wir spontan entschlossen dort Essen zu gehen statt bei uns im Hotel.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber wir waren doch tatsächlich erst um 10 Abends wieder in Porto Cristo. Halb tot ließ ich mich gleich rückwärts aufs Bett fallen in unserem Hotelzimmer. Das waren zu viele Eindrücke gewesen heute, ich war total breit und könnte auf der Stelle einschlafen.
Ich war direkt dankbar dafür am nächsten Tag an den Strand gehen zu können wo ich meine Ruhe habe und nichts machen muss. Wir wären vielleicht besser gekommen wenn wir zwei Ausflüge gemacht hätten anstatt alles an einem Tag zu machen aber jetzt war's zu spät. Ich sah mir erst mal in Ruhe die ganzen Bilder auf der Kamera an die ich gestern alle gemacht hatte.
Zeit hatte ich ja denn Sara hatte sich natürlich wieder mit Jenny nach Manacor verdünnisiert. Die Einsicht Rafa in Ruhe zu lassen währte leider nur sehr kurz. Der eine Tag gestern scheint aufregend genug gewesen zu sein so das die heute wieder stundenlang an dem Tennisclub warten. Es hatte mich schon erstaunt, dass Sara sich gestern zurückgehalten hatte und das Thema Rafael Nadal nicht einmal zur Sprache kam. Ist ihr aber bestimmt wirklich schwer gefallen, ich fühlte mich geehrt mal einen Tag lang nichts von ihm zu hören oder zu sehen.
Vielleicht fühlte er sich ja genauso geehrt gestern Abend weil ich nicht in dieser Bar aufgetaucht bin. Ich hatte echt keine Lust mehr gestern noch irgendwohin zu gehen Abends. Vielleicht war die Frage ob ich jetzt immer dahin komme auch so was wie ein Scherz gewesen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen warum er so wild darauf ist mich zu sehen. Vielleicht war's auch alles ein riesen Zufall gewesen, dass ich ihm zweimal dort begegnet bin. Ich würde sicher nicht jeden Abend dorthin gehen in der Hoffnung ihn zu treffen.
Es bringt mir nicht wirklich was, ich fliege morgen nach Hause und dann könnte ich ihn sowieso nicht mehr sehen. Ich hatte mich sowieso noch nicht ganz von dem Schreck erholt, dass er mich eingeladen hat. Vielleicht sollte ich ja heute Abend mein Glück versuchen. Sara hatte zwar noch nicht gesagt was sie plant aber ich bin mir sicher, dass die den letzten Abend hier sicher nicht im Hotel verbringt. In Deutschland sind wir dann wieder weit genug weg also wird sie es wohl heute noch mal wissen wollen.
Wenn sie Glück hat, trainiert er wenigstens heute, wo er heute Abend ist werden wir ja noch sehen. Sicher versuchen sie es wieder in Manacor aber da würde ich nicht mitgehen. Die Chancen das er dort nicht auftaucht waren viel höher als die das er plötzlich doch dort erscheint. Dann werde ich vielleicht noch Zeuge wie Jenny seine Schwester in die Mangel nimmt, da wollte ich nicht dabei sein. Fremdschämen wollte ich mich nicht schon wieder.
Tatsächlich eröffnete mir Sara dann, dass sie heute Abend mit Jenny losziehen will. Darauf hatte ich mich moralisch schon eingerichtet. Morgen geht’s ab nach Hause und dann hat der Spuk endlich ein Ende. Bestimmt fehlt ihr dann richtig was wenn sie sich wieder damit begnügen muss vor dem Fernseher zu sabbern. Selbst wenn sie Rafa nicht erwischen, immerhin waren sie hier schon sehr nah an ihm dran.
Zu dumm, dass er ausgerechnet heute natürlich nicht trainiert hat, zumindest nicht in Manacor in dem Tennisclub wo er sonst immer ist. Würde mich nicht wundern wenn er heimlich woanders trainiert damit er nicht andauernd ungebetene Gäste hat die zugucken. Fast fühlte ich mich wie in einem Wettrennen wer es schafft Rafa so oft wie möglich zu sehen. Dann lag ich wohl 2:1 in Führung. Man kann es durchaus auch von der lustigen Seite sehen.
Den Sieg konnte mir auch keiner mehr nehmen denn ich würde fast darauf wetten, dass es zwecklos ist heute Abend nach Manacor zu fahren. Sara würde mir aber sowieso niemals glauben, sie denkt dann noch ich will sie davon abhalten und macht es dann extra. Sieht wohl so aus als würden wir den Abend dann mal wieder getrennt verbringen.
So hatte ich mir das auch vorgestellt vor einer Woche als wir zu Hause die Koffer eingepackt haben. Zwar wusste ich, dass sie nicht den ganzen Tag faul am Strand liegen würde aber das die echt so verrückt ist und stundenlang irgendwo wartet, war mir neu. So hartnäckig kannte ich sie gar nicht von zu Hause. Ist ja schön wenn man sich für etwas so begeistern kann aber sie übertreibt in meinen Augen.
In aller Ruhe überlegte ich was ich anziehe. Nachdem ich fast alles aus meinem Koffer anprobiert hatte, zog ich doch das an was mir zuerst in den Sinn gekommen war, weiße Stoffhosen und dazu eine gelbe Bluse. Vorsichtshalber hatte ich auch ein Kleid in den Koffer gepackt aber das würde ich doch nicht anziehen.
Nachher glaubt Rafa noch ich würde es wegen ihm machen. Ich will ja gleich allen Missverständnissen vorbeugen. Make up durfte auch nicht fehlen, ich hielt es schlicht aber der gelbe Lidschatten musste unbedingt sein. Nach einer ausgefallenen Frisur war mir auch nicht zu mute also machte ich einfach einen Pferdeschwanz. Ich sah noch mal kurz in den Spiegel und fand dann, dass ich ganz ok aussah.
Ich fand sogar jetzt schon den Weg ganz ohne Stadtplan! Langsam werde ich heimisch hier. Je näher ich kam umso aufgeregter und hibbeliger wurde ich. Mir konnte ja eigentlich nichts passieren, Rafa tut nichts aber aufgeregt war ich schon. Ich wusste nicht so richtig was mich erwartet. Bestimmt kommt er heute gar nicht und ich bin dann enttäuscht. Bevor ich reinging, holte ich noch mal tief Luft und versuchte ganz ruhig zu bleiben.
Neugierig ließ ich meinen Blick schweifen als ich es mir an der Bar bequem gemacht hatte. Leute waren da aber leider niemand den ich kenne. Na toll, ich wusste es! War ja klar das er nicht jeden Abend hier her kommt. Ich wartete bis der Barkeeper mich fragte was ich trinken will und bestellte erst mal Vodka-Lemon.
Nach ein paar Minuten kam er wieder und stellte mir ein Glas hin. Von dem Glas abgesehen schob er mir noch einen Zettel mit über den Tresen. Ich sah ihn erst mal entgeistert an, sollte das eine ganz dreiste Anmache werden? “Was ist das?” Fragte ich erst mal skeptisch. “Soll ich dir geben” Bevor ich weiter nachhaken konnte, war er schon wider damit beschäftigt andere Gäste zu bedienen.
So viele Personen kamen nicht in Frage die ich hier kenne um nicht zu sagen nur eine. Na jetzt war ich aber gespannt. Ich faltete den Zettel auseinander und runzelte dann erst mal die Stirn. In der Mitte stand mit Handschrift geschrieben Calle de Villalonga 36, weiter gar nichts.
Ich drehte den Zettel um, vielleicht war auf der Rückseite noch was aber Fehlanzeige. Mhh, was sollte ich jetzt damit anfangen? Gibt er mir jetzt seine Privatadresse oder wie? So leichtsinnig wird er ja wohl nicht sein oder etwa doch? Für alle Fälle hatte ich aber vorhin den Stadtplan eingepackt, vielleicht nutzt der mir ja was. Die Strasse fand ich dann auch ziemlich schnell aber deswegen wusste ich trotzdem nicht was dort ist.
Auf dem Plan waren Häuser eingezeichnet aber ich glaube nicht, das Rafa mitten im Ort wohnt, dass wäre doch sicher zu auffällig. Ich schätze wenn ich wissen will was dort ist bleibt mir nichts anderes übrig als dorthin zu gehen und nachzusehen. Da ich mir eben was zu trinken bestellt hatte und das Glas noch voll war, hatte ich ja noch etwas Zeit um zu überlegen was ich mache. Entweder ich reagiere gar nicht oder ich gehe hin.
Kann ja nur schief gehen, ich weiss nur nicht was mich erwartet. Natürlich fühle ich mich geschmeichelt, dass er mir Zettel hinterlässt aber ein paar Zweifel bleiben. Wer weiss was er sich vorstellt, vielleicht hat er irgendwas falsch interpretiert vor zwei Tagen. Sara glaubt ja das Rafa nicht zu der Sorte Mann gehört die ständig andere Frauen haben aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Das bezieht sich auf sein öffentliches Image, wer weiss denn schon ob er privat auch so ist wie er öffentlich behauptet. Vielleicht sollte ich es ja so machen wie vor knapp einer Woche mit der Bar hier. Ich kann ja erst mal aus sicherer Entfernung gucken was sich hinter der Adresse nun genau verbirgt.
Die nächste Überraschung kam als ich meinen Drink bezahlen wollte. Angeblich geht es aufs Haus aber höchstwahrscheinlich steckt da auch jemand dahinter. Da hatte ich ja heute direkt mal eine gute Eingebung als ich den Stadtplan eingesteckt hatte sonst würde ich jetzt hier planlos durch die Strassen irren und die Adresse suchen. Diese Calle de Villalonga war auch gar nicht so weit vom Hotel entfernt, war zumindest nicht so weit vom Hotel weg wie diese Bar.
Von weitem war nichts besonderes zu sehen, es war ein Haus am anderen aber ich wusste auch nicht was ich erwarten soll. Schlimm genug das ich mich überhaupt von so was beeindrucken lasse aber ja ich gebe es zu, die Neugier siegte. Die Befürchtung, dass es sich um seine Privatadresse handelt bestätigte sich dann nicht. Darüber war ich auch ganz froh, sonst würde ich mir jetzt meinen Teil denken. Es gab offenbar noch mehr solcher versteckter Lokalitäten hier.
Wie auch schon bei der Bar namens Faro ging es hier in den Keller, nur mit dem Unterschied, dass auf dem Schild Kasbah statt. Jetzt sind wir also schon bei arabischen Namen, wird ja langsam spannend. Dunkel war mir im Gedächtnis geblieben das Kasbah das arabische Wort für Burg ist. Freiwillig hätte ich mich mit Sicherheit nicht hier her verirrt. Offensichtlich war der Ort doch nicht so verschlafen, wie er tagsüber erscheint. Na jetzt war ich aber mal gespannt ob Rafa auch wirklich hier ist, nicht das er mich weil es ihm Spaß macht quer durch den Ort laufen lässt.
Von der anderen Bar aus hätte doch auch jemand hier anrufen können, ich hätte nichts dagegen wenn Rafa mich mit dem Aston Martin abholt. Das Auto würde ich mir schon mal gerne von innen ansehen. Passt irgendwie nicht zusammen wenn Rafa nicht auffallen will. Noch dazu erwähnt er ständig öffentlich das er eigentlich eine andere Automarke bevorzugt, wahrscheinlich weil die ihn dafür gut bezahlen. Anders formuliert kann er lügen ohne dabei rot zu werden.
Kein Mensch glaubt ihm das und dann lässt er sich privat mit einem Aston Martin sehen. Das Auto hatte ich hier nirgends gesehen in der Nähe aber das war in den letzten Tagen auch so, wer weiß wo er das immer versteckt. Sicherlich gab es hier nicht viele Autos von der Sorte auf dieser Insel und damit könnte man ihn ja noch einfach finden als sonst also wird er das Auto sicher irgendwo verstecken wenn er nicht gerade damit fährt.
Ich ging die Treppen nach unten und sah erst mal neugierig rein. Die Einrichtung war hier zumindest nicht weiß, dafür mit viel Holz. An den Wänden hingen orientalische Teppiche und es war eine schummrige Beleuchtung. Mir entgingen auch nicht die Wasserpfeifen und Goldgefäße, die anscheinend nur Deko waren. Sofort fühlte ich mich wie mitten im Orient. Da war wohl jemand ein begeisterter Anhänger von orientalischen Dingen und hatte sich hier bei der Dekoration so richtig ausgelassen.
Zu Hause hatte ich auch diverse Souvenirs von Urlauben aus Marokko und Tunesien, die würden hier prima herpassen. Ein paar Leute sahen dann kurz zu mir aber keiner sagte was. Kurz schweifte mein Blick über die Köpfe, niemand bekanntes dabei. “Hola Amaia” Kam es dann ein paar Sekunden später von hinter mir. Ich zog ein Lächeln und drehte mich dann um. Rafa stand direkt vor mir und lächelte wieder so unverschämt. Aww, ich könnte mich an sein Lächeln gewöhnen. Zugegeben, ich freute mich schon ihn zu sehen.
“Hola” Sagte ich und fragte mich ob ich das gerade richtig sah, dass er ein Poloshirt in lila an hat. Es war ja nichtmal ein dunkler Farbton, sondern richtig schön Pastell. Die schwarzen Hosen dazu waren da ja unspektakulär. Der hat offensichtlich keinerlei Hemmungen was Farben angeht, ich kenne einige Männer die laut kreischen würden wenn sie rosa oder lila tragen müssten. Er sieht selbst in lila noch umwerfend aus, wahrscheinlich steht ihm so gut wie alles. Zu schade das er nicht der Einrichtung entsprechend ein orientalisches Gewand an hatte aber dann hätte ich ihn sicher nicht mehr erkannt oder ich hätte angefangen laut zu lachen.
“Wie ich sehe hast du den Weg gefunden” ”Mit Stadtplan war es nicht so ein großes Problem. Was ist das hier? Ein arabischer Basar?” ”So was ähnliches” Wir setzten uns an einen Tisch und ich bestellte erst mal einen Tee bestehend aus süßer Minze. Die hatten sogar die Getränkekarte der Einrichtung angepasst. Ich betrachtete erst mal ausführlich die Einrichtung und dann Rafa und konnte mir ein breites Lächeln nicht mehr verkneifen. Mit seinem lila Shirt passte er nicht so richtig hier her. “Was?” Fragte er dann auch gleich. “Dein Shirt passt nicht zur Deko hier” Er sah kurz an sich nach unten und dann wieder zu mir.
”Stimmt, ich war vorhin noch etwas unschlüssig wo ich nun hingehe. Ich wollte erst mit meiner Schwester nach Manacor aber habe mich spontan umentschieden” Als er Manacor sagte, fiel mir Sara gleich wieder ein. Heißt das er ist Sara und Jenny nur knapp entkommen? Oder sie haben ihn knapp verpasst, wenn man es von der anderen Seite aus betrachtet. Sara hätte ihre Freude an seinem lila Shirt, die geht immer fast kaputt wenn er rosa trägt. “Ich habe mich schon gefragt, was das für eine Adresse auf dem Zettel ist” ”Was dachtest du denn was dort ist?” Er sollte mich mal nicht so angrinsen, was würde er denn an meiner Stelle denken? “Ich wusste überhaupt nicht was ich denken sollte” Antwortete ich diplomatisch. “Wo warst du eigentlich gestern Abend?”
Was wurde das jetzt, ein Verhör? Vom Tonfall her hörte sich das so an als wenn er wirklich damit gerechnet hatte das ich gestern zu der Bar komme. War er wirklich dort? Er musste ja zumindest dort gewesen sein und den Zettel dort hinterlassen haben. Ich hatte mich aber zu nichts verpflichtet gefühlt außerdem hatte ich ihm doch gesagt, dass er sich überraschen lassen soll. Wenn er die Antwort als ein ja interpretiert hat, kann ich es auch nicht ändern.
Ich kann ja nicht riechen, dass der das ernst gemeint hat. Es würde mich aber schon ein wenig überraschen, wenn er wirklich dort war weil er dachte das ich komme. “Gestern war ich erst in Port de Soller und dann in Palma. Wir waren abends essen in Palma in der Altstadt und dann noch was trinken. Verstehe mich nicht falsch aber in Palma ist abends mehr los als hier” ”Das stimmt, ich bin aber lieber hier. In Palma falle ich zu sehr auf, hier habe ich meine Ruhe weil es niemanden mehr schockt mich zu sehen” ”Bist du eigentlich lange hier?” ”No, ich fliege Übermorgen nach Madrid. Ich trainiere dort noch ein bisschen bevor das Turnier anfängt”
Tja, ich fahre ja morgen schon nach Hause davon wusste er aber noch nichts. “Und danach?” Fragte ich weiter. Eben dachte ich wieder an Sara, die mir sicher seinen Turnierplan für das restliche Jahr in allen Details erläutern könnte, nur war sie eben nicht da. ”Nach Madrid geht's kurz hier her zurück und dann nach Paris. Erst ein exhibition Turnier und dann Roland Garros, na ja und nach Queens ist Wimbledon dann auch schon in Sichtweite. Wahrscheinlich bin ich erst im Juli wieder ein paar Tage hier”
Mir wurde eben klar, dass ich Rafa höchstwahrscheinlich heute zum letzten mal sehe. Wenn nicht Sara andauernd so rumnerven würde, könnte ich mich direkt an ihn gewöhnen. Er kann ja nichts dafür das meine Freundin austickt wenn sie ihn sieht. Ich kann ja verstehen, dass ihm die Frauen nachlaufen dabei kennen ihn die meisten davon nicht persönlich sonst wären es sicher noch mehr. Im Gegensatz zu manch anderen Stars ist er richtig umgänglich und er schafft es Interesse zu zeigen ohne dabei aufdringlich zu werden.
Bestimmt würde er auch niemals so einen abgedroschenen Anmachspruch wie, ‘Ich habe meine Nummer verloren, kriege ich deine’ bringen. Solche Sprüche kommen meistens von Leuten die sich selbst wichtiger nehmen als sie sind. Rafa ist ein bisschen zu normal für den ganzen Erfolg. Es spricht aber eigentlich für ihn, dass er sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Nur fällt es mir schwer zu glauben, dass er wirklich so bodenständig ist wie er öffentlich rüberkommt aber es sah alles danach aus wenn man jetzt mal von seinem Auto absieht.
Er lässt sich nicht anmerken das er so eine Art Superstar ist. Zu schade das er nie Zeit hat und noch dazu überall bekannt ist. Langsam wird es interessant, ich hätte nichts dagegen ihn öfters zu sehen auch wenn ich das vor einer Woche nicht für möglich gehalten hätte. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal freiwillig mit Rafael Nadal treffen würde und das ganz ohne das Sara etwas davon weiss. Mir schwirrte natürlich wieder im Hinterkopf rum sie anzurufen und zu sagen das sie hier her kommen soll aber dann wird es alles hektisch und ich beabsichtigte nicht Rafa zu teilen. Ich erhebe ja keine Ansprüche auf ihn aber wenn sie hier ist gerät alles außer Kontrolle und ich kann kein Wort mehr mit ihm reden.
Sie schafft es bestimmt sowieso nicht normal mit ihm zu reden dabei ist es ihm wohl am liebsten wenn er normal behandelt wird wie alle anderen auch. Es war ein bisschen so als wenn da eine andere Person auf dem Tennisplatz steht und spielt. “Amaia” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Sorry, ich war kurz gedanklich abwesend” ”Willst du noch was trinken?” Kann er nicht aufhören mich so anzulächeln? Da werde ich nur nervös, dass war zu viel für mich. Zum Glück saß ich gerade gut. “Willst du mich abfüllen?” Ich musste gleich wieder lachen, der Spruch passte doch eben! Seine Reaktion war auch zu herrlich. “Natürlich... mit Minzetee. Soll eine aphrodisierende Wirkung haben wenn man mehr als fünf Liter trinkt” Ich sah in meine Tasse und überlegte wie viele Tassen das dann wären.
Außerdem wäre mir das was ganz neues wenn Tee so eine Wirkung hätte. “Dann musst du mich noch mehrmals einladen. Ich wette bei fünf Litern hat man dann auch ein Blasenproblem” Wieso fing er plötzlich an so zu kichern? Wirkt es bei ihm etwa schon eher? “Ich muss zugeben, dass ich keine eigenen Erfahrungen damit vorweisen kann” “Irgendwann ist eben immer das erste mal” ”Schon aber heute ist ein schlechter Zeitpunkt. Ich muss morgen noch ein bisschen trainieren und kann es mir nicht leisten die Nacht im Bad zu verbringen” ”Du würdest ja niemanden stören aber meine Freundin bringt mich um wenn ich aller 10 Minuten vom Bett aus ins Bad renne”
Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon im Minutentakt ins Bad flitzen, tolle Vorstellung! “Meine Schwester ist bei mir. Ich will gar nicht wissen was die denkt wenn ich stundenlang im Bad verschwinde” ”Die geht doch sicher irgendwann ins Bett” ”Nicht wenn sie bei mir übernachtet, dass macht sie nur bei unseren Eltern. Sie nutzt es aus und tanzt mir auf der Nase rum. Ich bleibe sicher nicht auf bis sie irgendwann mal kommt, sie ist alt genug. So lange sie ruhig ist und niemanden mitbringt ist es mir egal” ”Hast du etwas gegen Besucher?” ”Wenn ich sie nicht kenne und die in meinem Haus sind schon”
Er sah in meine Tasse und dann wieder in mein Gesicht. “Was willst du nun trinken?” Jetzt wo er fragte fiel mir auch wieder ein wie es zu der Diskussion kam. ”Ich nehme erst mal das gleiche noch mal” Ich sah ihm nach wie er aufstand und die Getränke holte. Vielleicht sollte ich dann doch wieder gehen. Warum er das alles macht weiss ich nicht aber ihm muss doch klar sein, dass wir uns bald nicht mehr sehen. Er wusste ja noch nicht das ich morgen nach Hause fliege aber wenn er Übermorgen nach Madrid fliegt wäre er ja spätestens dann nicht mehr hier. In der Hinsicht war ich zu realistisch um zu glauben, dass das ganze irgendwohin führen könnte. Daher will ich mich auch nicht zu weit auf ihn einlassen, es bringt mir sowieso nichts auch wenn ich die Unterhaltung von eben noch bis ins kleinste Detail ausweiten könnte.
Kaum war Rafa mit dem Tee wieder da, stand plötzlich eine Kellnerin mit einer Kamera an unserem Tisch. Ich wusste gar nicht was jetzt los ist und guckte erst mal nur. Will die jetzt Bilder von Rafa machen oder was? Langsam schweifte mein fragender Blick weiter zu Rafa. “Die machen immer Bilder hier von den Gästen und stellen die dann im Internet ins Gästebuch. Du musst aber keine Angst haben, dein Name erscheint nirgends” ”Aha ja, ok” Wenn Rafa kein Problem damit hat, mir ist es egal ob irgendwo ein Bild von mir ist. Er rückte um den Tisch bis er neben mir saß. Was sollte das jetzt werden?
Wenn ich das eben richtig verstehe, sollten das Bilder von mir mit ihm zusammen werden. Nachdem sie ein Bild gemacht hatte, verschwand die Kellnerin wieder und fotografierte die anderen Gäste. Ich dachte schon es ist nur wegen Rafa aber die anderen wurden auch verewigt. “Kann ich auch ein Bild machen?” Fragte ich spontan ohne vorher darüber nachzudenken. “Klar” Ich suchte meine Kamera in meiner Tasche und überlegte wie ich es am besten anstelle. So lang war mein Arm nicht, dass wir da beide draufpassen.
Auf gut Glück probierte ich es dann aber doch, indem ich die Kamera so weit wie möglich von mir weg hielt. Als ich mir das Bild ansehen wollte, musste ich mir verkneifen laut zu lachen. Mein Gesicht war nur bis zur Mitte ganz am Rand zu sehen und von Rafa fehlte auch die Hälfte. “War wohl nix” Kam es dann von neben mir. Er saß ja noch neben mir und sah eben mit einem amüsierten grinsen auf meine Kamera.
“Denkst du, dass du es besser hinkriegst?” ”Sicher” Kam es gleich total überzeugt. War ja klar, dass er glaubt das er es besser hinkriegt. Ohne noch was zu sagen gab ich ihm die Kamera. Er dachte wohl, dass er so nah es geht an mich rücken muss damit wir beide auf das Bild passen. Ein wenig nervös wurde ich schon, wenn er so nah neben mir sitzt, näher konnte er ja nicht mehr kommen. Ich sah dann in die Kamera und zog ein breites Lächeln. Rafa drehte die Kamera wieder um und sah auf das eben gemachte Bild. Ich schielte zu ihm rüber und brach in der nächsten Sekunde in schallendes Gelächter aus. Von wegen er kriegt es besser hin... wir waren zwar beide auf dem Bild aber leider hörte das Bild kurz über den Augen auf. Es fehlte direkt mal ein anderer Teil als vorhin. Es wäre ein richtig gutes Bild geworden wenn wir komplett drauf wären und nicht nur halb.
Geschah ihm auch zu recht, nachdem er eben noch groß getönt hat das er es besser kann. Nach ein paar mal tief luftholen konnte ich mich wieder halbwegs beherrschen. “So hätte ich das auch hingekriegt” Sagte ich dann und musste mich beherrschen nicht wieder zu lachen. “Du hast doch Zeit, no?” ”Wieso? Willst du jetzt den ganzen Abend lang Bilder machen?” ”Zumindest bis mal ein vernünftiges dabei rauskommt” So einfach war es aber gar nicht. Nachdem ein paar weitere Versuche mit Lachanfällen meinerseits endeten gab er auf und gab die Kamera einer Kellnerin.
Na also, es ging doch! Jetzt hatte ich ein paar echt schräge Bilder von Rafa, hoffentlich denke ich daran Sara nicht in die Nähe der Kamera zu lassen. Die fällt aus allen Wolken wenn die zufällig die Bilder sieht, sie ahnt ja nichts böses. Ich steckte meine Kamera wieder ein und musste immer noch kichern. Wahrscheinlich kratzte das eben mächtig an seinem Ego weil ich nach jeden Bild so lachen musste und er daraufhin nur noch verbissener darauf wurde ein gutes Bild hinzukriegen. “Du solltest wirklich beim Tennis spielen bleiben” Ich sah schon, wie er sich darüber freute.
Es war ja als Scherz gemeint und nicht um ihn zu ärgern. Ich konnte mir einfach so einen Spruch nicht verkneifen. “Gracias, sehr freundlich” ”Muss ich jetzt meine Getränke selbst bezahlen?” Fragte ich frech. ”Sí” ”Dann nehme ich alles zurück” “Zu spät!” ”Du hast gesagt du würdest es besser hinbekommen. Darunter stelle ich mir etwas anderes vor” ”Sei ruhig jetzt!” Ich musste nur noch mehr lachen je mehr er sich aufregte auch wenn ich weiss das er das nicht ernst meinte. Sein Lächeln war zu herrlich, er saß ja noch neben mir, ich würde ihn zu gerne in die Wangen kneifen. Ich könnte fast denken, dass er etwas plant.
Ein bisschen unangenehm wurde es mir dann schon, im positiven Sinne. Warum wusste ich auch nicht genau aber es macht mich nervös wenn er direkt neben mir sitzt. Ich komme dann nur auf dumme Gedanken, es hing schon eine gewisse Spannung in der Luft. Zu gerne würde ich mich darauf einlassen, wenn es nicht so wäre das ich ihn morgen nicht mehr sehe. Hat er keine Freundin oder warum ist er so übertrieben nett? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es darauf abgesehen hat mich in sein Bett zu locken selbst wenn es nur für eine Nacht ist. Ganz so verfallen war ich ihm noch nicht, dass ich so was machen würde auch wenn ich seine Aufmerksamkeit durchaus genieße.
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