25 May 2010

Chapter 48 - Rom

Rom – April 2010

Kaum zwei Wochen nach dem Monaco Trip war ich wieder am Flughafen und dieses Mal nicht alleine! Natürlich hatte ich Sara doch gefragt ob sie mitkommt und ich hätte nicht fragen brauchen weil das doch sowieso schon feststand. Wie erwartet glaubte sie mir erst nicht als ich sie fragte und dann stimmte sie zu ohne eine Sekunde darüber zu überlegen. Die rastete total aus, ich bekam schon Angst was sie dann erst aufführt wenn sie Rafa wirklich sieht. Der entscheidende Unterschied ist ja das sie dann nicht eine von vielen ist die als Zuschauer gucken wie er trainiert.
Ich bin ja mal gespannt was passiert wenn wir in Rom sind. Sie wusste auch nicht das Rafa die Idee hatte das sie nach Rom kommen soll, dass hätte sie nicht verkraftet und sie weiß auch noch nicht das wir in der Player Box sitzen wenn Rafa spielt. Sie glaubt noch, dass ich normale Karten habe ab sie würde wohl auch ganz weit oben in den Rängen sitzen, Hauptsache Rafa spielt. Es war auch nicht zu überhören wie sie sich freute als ich ihr sagte das es vielleicht doch noch sowas wie ein happy end gibt mit Rafa. Wäre ich bösartig, würde ich ihr unterstellen, dass sie alles Mögliche getan hätte um mich davon zu überzeugen Rafa eine Chance zu geben weil sie ja auch nicht leer ausgeht. Sie schreibt sich jetzt sicher groß auf die Fahnen, dass sie mich überredet hat nach Monaco zu fahren. Maymó hätte es alleine nie geschafft mich zu überzeugen und Rafa selbst schon gar nicht.

Es wäre zwar nicht nötig gewesen weil Rafa ab und zu sowas erlebt aber ich habe ihm vorsichtshalber gesagt, dass er sich nicht wundern soll wenn sie sich absonderlich verhalten sollte. Vielleicht starrt sie ihn ja nur mit großen Augen an und gibt undefinierbare Laute von sich? Es ist ihr ja jetzt auch superpeinlich was sie da in Porto Cristo gemacht hat. Hoffentlich fällt sie nicht vor Rafa auf die Knie und entschuldigt sich. Noch ist es aber nicht so weit, als es endlich losging, sind es immer noch zwei Stunden Flug bis wir in Rom landen. Aufgeregt war ich auch schon, ich freute mich richtig Rafa dann gleich zu sehen.
In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht ausmalen können, dass ich mal mit ihr nach Rom fliege um Rafa zu sehen. Mir schien es schon fern jeglicher Realität, dass ich überhaupt mal in die Situation komme es nicht erwarten zu können Rafael Nadal zu sehen. Jetzt fliegen wir praktisch beide aus demselben Grund nach Rom! Dort war ich auch noch nie aber ich werde wahrscheinlich nicht viel sehen von der Stadt. Wenn wir sehen wie Rafa ein weiteres Turnier gewinnt, reicht das schon aus.

Ich war schon richtig hibbelig als wir endlich da waren. Jetzt kann das Abenteuer beginnen! Unsere Koffer waren zum Glück auch da also liefen wir zum Ausgang und hielten nach unserem Abholservice Ausschau. Dank Rafa konnten wir den Fahrservice der Spieler nutzen und mussten uns um nichts kümmern sonst wüssten wir gar nicht wie wir vom Flughafen zum Hotel kommen. Ich sah aus dem Fenster und hoffte, dass es nicht mehr lange dauert. Gelegentlich ließ ich meinen Blick nach links schweifen. Sara war plötzlich ganz ruhig und sagte gar nichts mehr. Ich beobachtete sie nur und sagte nichts. Vielleicht realisiert sie ja langsam, dass sie gerade die Seiten wechselt vom normalen Fan zum Insider. Ich kann wirklich nur ansatzweise erahnen was in ihr vorgeht.
Für mich war es zwar auch anfangs alles neu aber ich habe mich nicht jahrelang damit so intensiv beschäftigt und erlebe plötzlich Dinge die ich früher nur aus dem Fernsehen oder Internet kannte. Hätte ich Rafa auch jahrelang angebetet, hätte ich keinen klaren Satz rausgebracht als ich ihn gesehen habe daher bin ich fast froh, dass ich mich vorher nicht damit beschäftigt habe. Es muss für sie fast schon langweilig sein wenn sie Rafa einfach so sehen kann ohne vorher alles exakt planen zu müssen. Die ganze Spannung ist dann weg ob es auch alles klappt am Ende.

Grund zur Aufregung bestand aber vorerst nicht weil Rafa gar nicht im Hotel ist. Ich hatte ja kaum mein Handy wieder angeschaltet als er sich meldete und sagte, dass er noch trainiert. Er hatte ja heute auch schon ein Match gespielt aber es war vergleichsweise einfach das Halbfinale zu erreichen. Wenn er das so sagt, wird es schon stimmen. Es wäre auch zu Dumm gewesen wenn wir hier sind und er heute gescheitert wäre, dann hätten wir gleich wieder abreisen können. Nach den letzten Wochen erwarte ich jetzt, dass er auch gewinnt. Das er nicht im Hotel ist, hat auch Vorteile da kann ich ein bisschen was aus meinem Koffer räumen. Wir hatten ja ein Doppelzimmer aber sie fragte nicht weiter nach als ich ihr eröffnete, dass sie sich ruhig ausbreiten kann weil ich nicht in dem Zimmer schlafen werde. Ich ließ sie also alleine und lief zu dem Zimmer das Rafa hat. Es war auch nicht zu übersehen das er schon ein paar Tage hier ist.
Er hat Unmengen an Schuhen und Sachen überall verteilt. Die Schuhe waren alle blau aber die restlichen Sachen hatten alle möglichen Farben. Ich weiß ja, dass er zurzeit in blau und gelb spielt aber zum Trainieren zieht er alles Mögliche an. Es sieht zwar chaotisch aus aber ich bin froh das zu sehen weil das immer bedeutet, dass Rafa nicht weit weg ist. Das komische ist das in dem Haus in Porto Cristo immer Ordnung herrscht und wenn er unterwegs ist, schafft Rafa innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Chaos. Seine Mutter hat mal gemeint, dass sie gelegentlich aufräumt in dem Haus in Porto Cristo, was ich erst für einen Scherz hielt aber vielleicht stimmt das ja wirklich. Mir kribbelt es dann immer in den Fingern wenn ich das sehe, am liebsten würde ich gleich mal gründlich aufräumen. Dann regt er sich aber nur wieder auf weil das angeblich alles seinen Sinn hat.

Kurz sah ich mich im Zimmer um und verschwand dann ins Bad um dort diverse Kosmetikartikel zu verteilen. Ich bin schon auf den Schrei gespannt wenn er sieht, dass ich sein Zeug alles zur Seite gerückt habe um Platz zu schaffen. Große Bäder sind doch sowieso für Frauen gedacht. Kaum hatte ich alles feinsäuberlich aufgereiht, hörte ich die Tür vom Zimmer auf und kurz darauf wieder zu gehen. Automatisch sah ich auf meine Uhr, es war kurz nach fünf, ich denke er trainiert noch ewig? Im nächsten Augenblick stand Rafa in der Tür und sah mich mit großen Augen an. Mein Puls beschleunigte gleich als ich ihn sah, darauf freute ich mich seit fast zwei Wochen! „Was machst du da?“ Fragte er dann aber mit einem entgeisterten Gesicht und sah zum Waschbecken. Ich wusste doch, dass er so reagiert also rollte ich nur mit den Augen und blieb stehen.
„Ich freue mich auch dich zu sehen“ Sagte ich trocken und dachte nur, typisch Mann! Kaum eine Sekunde später erschien das breite Lächeln und er kam langsam näher. „Es tut mir leid, ich war nur überrascht. Klar freue ich mich das du hier bist“ Bevor ich dazu kam etwas zu antworten, umarmte er mich also schlang ich auch meine Arme um ihn. Worte waren da überflüssig, wir können ruhig länger so stehen bleiben wenn es nach mir ginge. In meinem Bauch fing es wieder an so herrlich zu kribbeln, bestimmt habe ich eben einen Puls von 180. „Ich dachte du trainierst noch?“ Fragte ich ihn dann und ließ meine Arme gleich um seinen Hals liegen. „Habe ich doch auch. Irgendwann reicht es auch mal außerdem wusste ich, dass du hier bist“ “Und was heißt das? Kannst du keinen klaren Gedanken fassen oder wie?“ Fragte ich und musste kichern. “Ich weiß auch nicht woran das liegt. Außerdem hatte ich gar keine richtige Ruhe weil ich genau wusste, dass du als erstes ins Bad rennst und alles umräumst“ “Ich tue es nur weil ich weiß das es dir gefällt“ Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. “Du bist gemein zu mir aber ich bin es schon gewohnt“ Ich küsste ihn kurz und löste mich dann aus seiner Umarmung.
„Mir kommen gleich die Tränen, geh‘ doch zu Maymó und heule dich bei ihm aus. Er glaubt anscheinend, dass meine Anwesenheit die Lösung aller Probleme ist. Man kann sich täuschen!“ “Das kommt nur davon, dass er sich einbildet mich zu kennen“ Ich räumte weiter Zeug aus meiner Kosmetiktasche und beachtete Rafa nicht weiter aber er verschwand nicht sondern er blieb stehen und sah mir zu. „Außerdem löst deine Anwesenheit sicher nicht alle Probleme aber die wichtigsten“ Ich sah über den Spiegel zu ihm und sein dämliches grinsen sagte schon alles also rollte ich nur mit den Augen. Warum werde ich nur das Gefühl nicht los, dass Tennis bei ihm an zweiter Stelle steht? „Ist es wirklich so ein großes Problem das du alleine schlafen musst?“ “Nach ein paar Wochen schon“ Kam es gleich zurück. Ich drehte mich um das ich ihn direkt ansehen konnte und musste mir ein blödes feixen verkneifen. „Ich dachte eigentlich, dass du inzwischen bemerkt hast, dass du mit deinen Händen auch noch mehr machen kannst als nur Tennis spielen“ “Ich habe keine Ahnung was du meinst“
Er sagte das so überzeugend das man es fast glauben könnte. Die Presse kann er so vielleicht verarschen aber mich schon lange nicht mehr. Dazu lächelt er noch so unschuldig als wenn er kein Wässerchen trüben könnte. „Und die Erde ist eine Scheibe“ Meinte ich nur mit einem sarkastischen Augenrollen.

Er kam wieder näher zu mir und umarmte mich von hinten. „Gehen wir heute Abend Essen? Ich meine alleine“ Ich lehnte mich etwas nach hinten und legte meine Hände über seine Arme. Das Bild wie er mich umarmt sah wirklich gut aus im Spiegel und seine Frage klang auch wirklich verlockend aber es gibt da einen Haken. „Und Sara?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. „Habe ich total vergessen“ Kam es leise. In der nächsten Sekunde verging ihm das Lachen, wie ich über den Spiegel sehen konnte. Sein Gesicht war so herrlich, dass ich jetzt lachen musste. „Wir werden unser romantisches Dinner also entweder ein paar Tage verschieben müssen oder dir fällt etwas ein wie wir sie loswerden“ Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und sah mich mit so einem Bettelblick an den ich nicht ertragen kann. Leider standen wir vor dem Spiegel sonst würde ich ihn jetzt gar nicht sehen. „Kannst du ihr nicht sagen, dass wir unsere Ruhe haben wollen? Sie kann doch zu den Matches kommen und von mir aus auch zum Training aber ich will auch mal eine Weile mit dir alleine sein und das nicht nur hier im Zimmer“
Er macht es mir wirklich nicht einfach. Natürlich kann ich verstehen, dass er nicht ständig noch jemanden dabei haben will. Mir geht es ja auch so, ich habe ihn ja eine Weile nicht gesehen und wäre nur zu gerne mit ihm alleine aber jetzt ist Sara hier. Ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen wenn sie erst hier mit herkommt und wir uns dann nicht mehr sehen. Das klang aber zu gut mit dem Essen! Ich drehte mich in seinen Armen um und holte tief Luft. „Mir fällt schon was ein wie wir sie loswerden. Ich fühle mich nur komisch wenn ich erst sage sie soll hier her kommen und dann jeder seins macht“ “Du siehst sie doch den ganzen Tag, sie wird wohl mal eine Weile auf dich verzichten können. Als ich sagte, dass sie hier her kommen kann meinte ich damit nicht das ich sie ständig sehen will“ Es war auch unfair, wenn er mich umarmt kann ich doch nicht nein sagen. Er ist nicht nur schön warm, er riecht auch richtig lecker. Je länger ich über ihn nachdenke, umso schwerer fällt es mir einen klaren Gedanken zu fassen.
Da ich jetzt nicht länger über Sara nachdenken wollte, schloss ich meine Augen und legte meinen Kopf an seine Schulter. Seine Hände auf meinem Rücken waren aber nicht beruhigend sondern das Gegenteil trat ein. Wenn er mir so nahe ist, komme ich nur auf unanständige Ideen und dabei bleibt es meistens auch weil er bestimmt noch wohin muss. Es ist schon frustrierend immer nur ein bisschen zu bekommen, wenn ich mich nicht beherrsche, wäre ich schon längst über ihn hergefallen.

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