10 May 2010

Chapter 46

Am nächsten Morgen musste ich neben mich sehen um sicher zu sein das ich nicht träume. Rafa schlief noch, da blieben mir ein paar Minuten zum Nachdenken. Vor ein paar Tagen hätte ich das für schlichtweg unmöglich gehalten jetzt hier zu sein. Wenn ich ihn neben mir sehe denke ich immer, dass ich eigentlich nicht auf ihn verzichten will, egal welchen Mist er baut. Nur dachte ich dann an die Woche nach Barcelona und das war nicht mehr so schön. So schön es ist mit Rafa zusammen zu sein, umso schlimmer ist es wenn er mich scheinbar grundlos abserviert.
Und in Barcelona hatte er eindeutig keinen Grund. Es kratzte wohl an seinem Ego das ich es nicht gut finde, dass er das Video gemacht hat aber das rechtfertigt nicht das er so reagiert. Ich kann aber sowieso nicht nein sagen wenn ich ihn sehe weil ich dann keine Kontrolle über mich habe. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl ihn neben mir zu sehen. Ich musste zwar früher auch meistens alleine schlafen weil wir uns ja nicht so oft sehen konnten aber es ist nie vorgekommen, dass wir uns mal zwei Monate lang nicht gesehen haben, ausgenommen die Zeit wo wir uns gestritten hatten.
Drei bis vier Wochen ist das höchste was man aushalten kann ohne schlechte Laune zu bekommen. Dann fängt man schon an zu überlegen wie es zeitlich und logistisch klappen könnte, dass wir uns mal sehen. Irgendwann schnappe ich über wegen ihm.

Wecken musste ich ihn nicht weil er sich auf die Seite drehte und mich dann mit einem Auge anblinzelte, was mich zum Schmunzeln brachte. So richtig schön verschlafen sieht er wirklich gut aus. „Bon dia, hast du gut geschlafen?“ Er zog ein lächeln und rückte näher zu mir. „Neben dir doch immer“ Kam es leise. Da er so nah es ging an mich rückte, umarmte ich ihn und fuhr mit einer Hand langsam durch seine Haare. Ich weiß, dass er das hasst aber da muss er jetzt durch. Wir sollten öfters einfach faul im Bett liegen, jetzt war es ja doch wieder wie vor Barcelona.
Erst dachte ich es dauert ein bisschen bis es wieder so ist aber es ging schneller als ich erwartet habe, zumindest war diese Anspannung weg. Schade, dass er heute noch spielen muss, mir wäre es lieber wenn wir mal den ganzen Tag Zeit für uns hätten. In nächster Zeit wird das nicht vorkommen, er hat ja erst nach dem Turnier in Rom ein paar Tage frei. „Hast du Zeit?“ Fragte ich leise. „Ein bisschen, das Match ist ja erst heute Nachmittag“ Ich wollte zwar nicht die Stimmung versauen aber es musste sein, wir müssen mal Klarheit schaffen. Nach dem Spiel hat er vielleicht auch keine Zeit und ich will ihn nicht zwischen Tür und Angel damit behelligen. „Wir müssen nochmal Klartext reden“ Fing ich vorsichtig an. Er hob seinen Kopf und sah mich etwas überrascht an. Dachte er etwa etwas anderes als ich fragte ob er Zeit hat?
“Haben wir doch gestern“ Meinte er nur dazu. “Ich meinte richtig“ Er sagte nichts aber ich sah schon an seinem Gesicht das er genau weiß, dass noch lange nicht alles geklärt ist. Vielleicht hat er gehofft, dass ich es dabei belasse aber er müsste mich inzwischen kennen. „Können wir wenigstens vorher in Ruhe frühstücken?“ Ich musste lachen und nickte mit dem Kopf. “So dringend ist es auch nicht“

Kam mir auch gelegen, ich will in Ruhe essen und nicht dabei noch Probleme wälzen. Frühstücken können wir aber nicht ewig auch wenn es sehr angenehm ist auf dem Balkon zu frühstücken und dabei die Aussicht auf Monte Carlo und das Mittelmeer zu genießen. Rafa war schon fertig mit essen und sah mir zu wie ich einen Schluck Kaffee trank. „Ok, von mir aus kannst du mir alle Bosheiten an den Kopf werfen die dir einfallen. Ich versuche ruhig zu bleiben“ Meinte er dann mit einem breiten Lächeln. Sein Lächeln passte nicht zu dem was er gesagt hat. Ich stellte meine Tasse wieder hin und legte meine Hand über seine auf dem Tisch. „Das will ich doch gar nicht, ich will dich nicht bestrafen oder sowas“ “Aber?“ Fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen zurück.
“Ist dir nicht selbst aufgefallen, dass wir total überreagiert haben? Ich meine, klar war es blöd von mir so auszuflippen wegen einem Video aber du brauchst auch nicht den Unschuldigen spielen. Als ich sagte das wir eine Weile getrennte Wege gehen sollten meinte ich das ich ein bisschen in Ruhe Nachdenken will und nicht das ich nicht mehr mit dir zusammen sein will“ Sein breites Lächeln verschwand nach und nach. „Ich wollte das doch nicht. Ich gebe zu das ich es nicht ertragen konnte das es dir nicht gefällt, ich meine ich habe mir wirklich Mühe gegeben und fand es auch ganz gut. Mir wurde erst später klar, dass ich kein Recht habe von dir zu verlangen das du alles gut findest was ich mache. Ich war nur ziemlich sauer in dem Moment“ “Kann ich nachvollziehen. Außerdem habe ich gar nicht gesagt, dass ich es schlecht finde. Es ging doch nur um das Ende“ “Es tut mir wirklich leid was ich gesagt habe. Ich weiß selbst nicht wie ich so ausflippen konnte“ Er zog so ein zerknirschtes Gesicht, dass ich mich auch gleich schlecht fühlte. „Und dann meldest du dich einfach nicht mehr. Erst sagst du das du mich liebst und eine Woche später servierst du mich ab“ Sein Gesicht wurde immer besser. „Ich kann nicht mehr sagen außer, dass es mir leid tut. Du hättest mich ja auch anrufen können“ “Ich war sauer“ “Das ich dich liebe habe ich nicht aus Spaß gesagt, dass meine ich wirklich ernst. Ich würde das niemals nur so aus Spaß zu dir sagen“
Ich sah kurz nach unten auf den Tisch, natürlich fühlte ich mich geschmeichelt. „Es fiel mir schwer das zu glauben“ Sagte ich dann aber ernst und sah ihn dabei an. “Es ist die Wahrheit“ Kommt es jetzt soweit das er seine Gefühle rechtfertigt? Ich unterstelle ihm ja gar nicht das er es nicht ernst meint denn dazu reichen seine Schauspielkünste nicht aus. “Es war trotzdem blöd was du gemacht hast. Ich hätte für dich auf die Freundschaft zu Sara verzichtet. Inzwischen hat sich das wieder eingerenkt aber das konnte keiner ahnen. Wahrscheinlich hätte ich noch mehr riskiert um mit dir zusammen sein zu können. Wenn du dann aber sowas machst, tut es umso mehr weh. Je mehr ich mich auf dich einlasse umso schlimmer ist es dann denn lange halten meine Nerven solche Aktionen nicht aus“ Er sah mich nur vorsichtig von unten an und schluckte. „Was ich eigentlich sagen will ist das du sowas in Zukunft bleiben lassen sollst wenn du willst das ich dir noch eine Chance gebe und das wir uns gleich richtig verstehen, dass ist die letzte Chance“ “Ich hab es kapiert“ Meinte er dann kleinlaut und sah mich immer noch so deprimiert an. Das wollte ich natürlich nicht also lief ich um den Tisch und setzte mich auf seinen Schoss.
„Ziehe nicht so ein Gesicht“ Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. Er umarmte mich und hatte wohl noch damit zu kämpfen was ich eben alles gesagt habe. „Ich wollte dir nicht weh tun, ich will das du glücklich bist“ Ich sah ihn an und war froh, dass der Tisch nicht mehr zwischen uns ist. “Vergiss es einfach, ist dumm gelaufen“ Antwortete ich und legte meine Arme um seinen Hals. “So einfach ist das nicht. Es war echt hart dich nicht zu sehen und nicht mit dir zu reden, ich war das schon total gewöhnt. Ich war nur noch von Tennis umgeben und kam da gar nicht mehr raus weil alle um mich rum ständig davon reden. Wie du es schaffst weiß ich nicht aber es ist richtig schön mal nicht ständig an Tennis zu denken, mir hat das richtig gefehlt. Ich gebe es ungern zu aber ich brauche jemanden der mir den Rücken freihält und mich ab und zu aus dem Zirkus rausholt weil ich sonst durchdrehe. Frage Maymó wenn du wissen willst was ich meine“

Ich musste schmunzeln und konnte mir denken was er meint. Maymó hat ja schon angedeutet das Rafa an ihm seine Launen ausgelassen hat und Rafa kann extrem nerven wenn er will. Er versucht dann sein ganzes Team zu nerven aber bei Toni blitzt er ab und bei den anderen traut er sich wohl nicht so richtig. „Es sieht so aus als wenn wir zusammen bleiben müssen. Sonst ruft Maymó nächste Woche wieder bei mir an und heult mir die Ohren voll das du ihn nervst“ Meinte ich dann feststellend und nickte eifrig mit dem Kopf. Ganz langsam wurde sein Lächeln wieder unverschämt. „Du machst das alles also nur damit mein Physio glücklich ist?“ “Natürlich! Was dachtest du denn?“ Fragte ich zurück und machte ein unschuldiges Gesicht. Sein Gesicht wurde immer besser, breiter kann sein Lächeln nicht mehr werden, es sah richtig gut aus.
Das Lächeln ist ansteckend und leider weiß er das auch. „Ich ahnte gleich, dass es ein Fehler war dich ihm vorzustellen“ Kam es dann noch trocken. „Hinterher ist man immer schlauer“ “Scheint so. Warum wurde mir eigentlich erst gestern früh die Ehre zuteil dich zu sehen? Ich meine, du warst doch am Freitagabend schon hier“ Das war eine gute Frage und eine richtige Antwort hatte ich nicht parat weil ich mich das inzwischen selbst fragte. Ich zog ein unschuldiges Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich wollte dich nicht so sehr schocken und Maymó hatte Angst das du dich zu sehr aufregst und dann nicht schlafen kannst“ “Höchstwahrscheinlich wäre auch genau das passiert aber auf der anderen Seite wäre es mir dann doch lieber gewesen wenn du am Freitag schon aufgetaucht wärst“ “Falls es dich beruhigt, ich habe in der Nacht zum Samstag auch ganz schlecht geschlafen weil ich den Gedanke nicht ertragen konnte das du nur ein paar Zimmer weg bist also war das schon Strafe genug“ Sein Gesicht wurde immer schöner, ich bekomme da immer so ein schlechtes Gewissen.
„Und heute Abend bist du schon wieder weg! Kaum sehen wir uns, musst du wieder weg“ Ja, daran dachte ich auch schon. Ich will gar nicht mehr nach Hause, am liebsten würde ich die kommenden Turniere alle mitmachen. Der Gedanke, dass ich heute Abend wieder alleine schlafen muss war fürchterlich! Inzwischen bereue ich es Rafa gestern Abend auf Abstand gehalten zu haben. „Ich würde auch lieber mit dir mitkommen“ “Kannst du nicht wenigstens am Wochenende da sein?“ Ich hasse es wenn er mich so flehend ansieht weil ich dann nicht mehr klar denken kann. „Nächste Woche geht wirklich nicht aber vielleicht in der Woche danach also Rom“ Mit nächster Woche das ist wirklich zu kurzfristig da bekomme ich sowieso keinen Urlaub und so schnell geht das auch nicht. Außerdem ist er nächste Woche in Barcelona, zur Abwechslung mal um Tennis zu spielen. An Barcelona hatte ich ja nicht die besten Erinnerungen also mache ich einen Bogen um das Turnier. „Bueno, dann eben Rom. Hauptsache ich sehe dich überhaupt mal“ Ich musste lachen und schüttelte mit dem Kopf. Mir fiel spontan eben Sara ein, die plant alles Generalstabsmäßig um Rafa mal zu sehen und er jammert rum weil er mich sehen will. Wenn er wie hier bei den Turnieren ist wird mir nur immer klar wie viele Fans Rafa wirklich hat.
Ich versuche ja mir das nicht zu Kopf steigen zu lassen weil ich Rafa nicht in erster Linie als Superstar sehe. Er sagt zwar gerne von sich selbst das er noch normal ist aber das trifft nur bedingt zu. Das Leben was er führt hat nichts mit dem von unbekannten Leuten gemeinsam. Es ist nicht mein Ziel durch ihn in diesen Tennis Zirkus mit einzusteigen aber ganz raushalten kann er mich ja nicht, dann könnte ich nicht zu den Turnieren kommen.

Lange konnten wir nicht mehr diskutieren weil das Match zwar erst am Nachmittag ist aber er wollte unbedingt noch vorher trainieren und aufwärmen muss er sich ja auch kurz vor dem Match. Ich hatte also Zeit ausgiebig mit Sara zu telefonieren bevor ich zur Anlage ging. Noch konnte ich mich unbehelligt überall bewegen und niemand kümmerte es was ich mache. Ganz so blöd sind die Fans ja auch nicht aber mit mir rechnet wohl niemand hier. Klar ist es unlogisch das ich nur zum Finale hier auftauche aber die Fans kennen ja die Hintergründe auch nicht, niemand ahnt etwas von den letzten Wochen. Es wird dann so aussehen das ich es geschafft habe eine Weile Undercover zu bleiben. Seit Abu Dhabi war ich ja nicht mehr bei einem Turnier.
Eigentlich bin ich ganz froh darüber wenn mich niemand anspricht weil ich nicht weiß wie ich reagieren soll. Wenn sich jemand für mich interessiert, dann sowieso nur wegen Rafa. In der Players Box war ich vor neugierigen Leuten sicher. Toni und der Rest hatten es auch schon auf ihre Plätze geschafft. Es war ein herrliches Wetter und alle Leute schienen nur darauf zu warten, dass es beginnt. Fernando Verdasco erschien dann auch gleich auf dem Platz, dicht gefolgt von Rafa. Da bin ich aber mal gespannt was das heute wird. Alle rechneten damit das Djokovic hier im Finale ist aber Verdasco hat ihn gestern ziemlich deutlich geschlagen. Mir wär’s Recht wenn das heute eindeutig für Rafa ausgeht aber nach den letzten Turnieren kamen ein paar Zweifel bei mir auf. Das Rafa immer im Halbfinale gescheitert ist, ist natürlich besonders unglücklich.
Im Finale ist er ja hier aber wer weiß ob er auch die Nerven für einen Sieg hat. Ich gönne es ihm natürlich, er hat seit fast einem Jahr kein Turnier mehr gewonnen und ist jetzt entsprechend verbissen. Etwas nervös war er vorhin als ich ihn zuletzt gesehen habe schon. Er will jetzt um jeden Preis gewinnen und macht sich nur selbst noch mehr Druck. Der Beginn verlief noch normal, Verdasco begann mit seinem ersten Aufschlagspiel. Ein leichtes Match erwartet keiner, es ging immer hin und her bis es 6-5 für Verdasco stand und Rafa mal wieder Probleme mit seinem Aufschlag hat. Es ist immer dasselbe, wenn es ernst wird, macht er Fehler. Es wurde richtig spannend weil Verdasco sich ohne scheinbare Mühe zwei Satzbälle rausspielte. Oh weia, es fängt schon wieder an… noch schlimmer ist nur ein tiebreak. Ich würde am liebsten in das Geländer vor mir beißen weil ich so aufgeregt war. Toni saß total entspannt da, ich möchte wissen wie der das schafft. Ich würde mich bei jedem Spiel total aufregen und wäre danach nervlich fertig.
Oder ist das dann so wenn man seit fast zehn Jahren die Spiele sieht? Einen Satzball konnte Rafa noch abwehren aber der zweite Satzball wollte nicht so wie Rafa und Verdasco machte den Punkt und somit den Satz. Natürlich versuchte ich ruhig zu bleiben aber es war schwer. Das gibt es doch gar nicht, bei dem letzten Turnier in Berlin wo ich war, ist Rafa auch im Halbfinale gescheitert, vielleicht bringe ich ja Pech? Hoffentlich ändert sich alles im zweiten Satz. Sara steht wahrscheinlich auch schon der Angstschweiß auf der Stirn. Wer in Monte Carlo einen Satz gegen Rafael Nadal gewinnt, kann sich wirklich etwas einbilden denn das Schaffen nur ganz wenige. Lange grübeln konnte ich nicht weil es direkt weiter ging. Rafa kann sich also nur noch über den dritten Satz retten sonst war es das mit dem sechsten Turniersieg in Monte Carlo.

Ich hatte die Hoffnung das Rafa den zweiten Satz gewinnt und dann im dritten wieder alles offen ist. Verdasco war aber extrem hartnäckig, der wollte hier unbedingt in zwei Sätzen alles perfekt machen. Mit der Ruhe war es natürlich vorbei, es wurde erbittert um jeden einzelnen Ball gekämpft. Zwar habe ich nicht so viele Spiele von Rafa gesehen aber man sah auch so, dass er ein bisschen gefrustet ist. Es kam wie es kommen musste, als Rafa wieder mal mit seinem Aufschlag haderte, schlug Verdasco zu und holte sich das Break. Gedanklich hielt ich mir die Hand vor die Augen und schüttelte mit dem Kopf. Das war es, unter den heutigen Bedingungen wird das wohl nicht reichen für Rafa.
Beim Stand von 5-4 und Aufschlag Verdasco bleibt kein anderer Schluss übrig. Kurz wurde es nochmal spannend als Rafa sich einen Breakball erspielte. Gab es doch noch so etwas wie Hoffnung? In der nächsten Sekunde zerstörte Verdasco aber jeden Hoffnungsschimmer mit einem Ass. Was muss dem auch genau jetzt ein Ass gelingen? Ich sah nur noch mit einem Auge auf das Spielfeld und sah schon das Endergebnis vor meinem inneren Auge. Eigentlich hatte ich schon abgeschlossen mit dem Match aber Rafa war zäher als manche dachten. Der gibt einfach nicht auf, egal wie es steht. Es war sehr mühsam aber er fing sich wohl langsam wieder und schaffte den Ausgleich zum 5-5. Puh, das war knapp! Ich war froh, dass es noch nicht vorbei war aber beruhigen konnte ich mich nicht da es Schlag auf Schlag ging. Innerhalb von Minuten vergeigte Verdasco sein Aufschlagspiel und Rafa war plötzlich mit einem Break in Führung.
Wer hätte das vor ein paar Minuten für möglich gehalten? Vielleicht gibt es doch den dritten Satz! Ich bekam schon Angst vor den Aufschlägen von Rafa aber er machte direkt mal keine Fehler beim ersten Aufschlag und kam so zu drei Satzbällen. Das heißt aber noch gar nix, er muss sie auch nutzen! Der erste ging gleich schief, der zweite reichte dann endlich zum Satzausgleich. Das war aber extrem knapp gewesen, Rafa war mit einem Fuß schon aus dem Turnier.

Was wird im dritten Satz passieren? Verdasco durfte wieder beginnen und er dachte wohl noch über den letzten Satz nach. Anders ist es nicht zu erklären warum er Fehler machte und Rafa direkt drei Breakbälle hatte. Den ersten nutzte er auch sofort, dass fing ja gut an. Erst als es schon 3-0 für Rafa stand und er jetzt ein Doppelbreak hatte, entspannte ich mich etwas. Zwei Breaks geben eine gewisse Sicherheit. Das 4-0 war nur eine Frage von ein paar Minuten, Verdasco war völlig aus dem Rhythmus. Jetzt muss Rafa es nur durchziehen bis zum bitteren Ende, hoffentlich fängt er nicht an nachzudenken. Ich dachte schon es gibt ein 6-0 aber Verdasco wachte langsam wieder auf und verkürzte erst mal auf 4-1. Spannend wurde dann wieder das Aufschlagspiel von Rafa.
Es ist immer dieselbe Geschichte, der erste Aufschlag kommt nicht und dann fängt das große Zittern an. Das 5-1 schaffte Rafa nur mit viel Glück und weil Verdasco geschätzte 100 Breakbälle nicht nutzen konnte, es war wirklich knapp. So richtig glücklich sah Verdasco nicht aus, ich würde sagen Rafa hat ihn psychisch im Griff. Bei dem Spielstand würde wohl jeder gedanklich aufgeben. Noch fehlt ihm aber ein Spiel zum Triumph, an den vor einer halben Stunde niemand mehr geglaubt hat. Verdasco schien der sichere Überraschungssieger zu sein bis Rafa in der letzten Sekunde seinen Kopf aus der Schlinge zog und den dritten Satz erzwang. Das war das Problem, Verdasco glaubte sicher er ist in zwei Sätzen durch und plötzlich war alles dahin. Er hatte wohl aufgegeben da er nicht wirklich in die Ballwechsel einstieg und Rafa die drei Matchbälle im Handumdrehen hatte. Der zweite war es dann auch, Verdasco machte einen weiteren Fehler und Rafa ließ sich im nächsten Moment auf den Platz fallen und schlug sich die Hände vors Gesicht. Oh weia, war das eng gewesen!
Die Zuschauer standen alle auf und klatschten Beifall während Rafa sich auf dem Platz wälzte und dann wieder aufstand um sich feiern zu lassen. Ich konnte es noch gar nicht fassen, Rafa hat tatsächlich zum sechsten Mal in Folge gewonnen und trägt sich damit in die Geschichtsbücher ein denn das hat noch niemand geschafft. Ich kann nur erahnen, was in ihm vorgeht, er wollte ja unbedingt gewinnen und der letzte Turniersieg war lange her. Es wird eine Weile dauern bis meine Nerven sich von dem Match erholen. Was ihm der Sieg hier bedeutet sah man dann auch da er sich ein Handtuch vors Gesicht hielt und offensichtlich ein paar Tränen vergießt. Da fällt es mir schwer nicht auf den Platz zu rennen und ihn zu umarmen.
Natürlich freue ich mich total das Rafa gewonnen hat aber das hätte er auch in zwei Sätzen schaffen können. Die Siegehrung folgte direkt und spätestens da war ich froh doch hier her gekommen zu sein, die Stimmung war unbeschreiblich. Rafa strahlte vom einen Ohr zum anderen mit dem Pokal in den Händen. Meine Anwesenheit bringt wohl doch kein Pech und er hätte sicher auch gewonnen wenn ich nicht hier wäre. Der Anfang war Mist aber das Ende dafür umso überzeugender.

So schön der Sieg war, das heißt auf der anderen Seite, dass es lange dauert bis ich Rafa mal sehe weil sich jetzt alle um ihn reißen. Ich will ihn aber schon noch sehen bevor ich zum Flughafen muss. Er wird zwar nicht alleine sein aber ich kann mein Glück ja mal im locker room versuchen. Dort ist er ja bevor er die Pressekonferenz und die ganzen Interviews gibt. Maymó war noch nicht da wie ich dann sah, dafür aber Rafa. Er saß auf einer Liege und schien auf Maymó zu warten. Erst schien er überrascht zu sein als ich erschien aber er zog dann gleich ein breites Lächeln. „Hast du Maymó irgendwo gesehen?“ Ich blieb vor ihm stehen und zog auch ein breites Lächeln. „Soll ich wieder gehen wenn du ihn lieber sehen willst?“ “No, jetzt bist du ja sowieso schon hier“ Sein breites Lächeln scheint gar nicht mehr zu verschwinden. „Das klingt ja sehr begeistert! Ich weiß, dass du gerade sehr beschäftigt bist aber ich will dir nur zu diesem unglaublichen Sieg gratulieren. Im zweiten Satz hätte ich das nicht mehr für möglich gehalten, das war mehr als knapp. Ich bin total stolz auf dich, dass hast du wirklich gut gemacht“
Ich dachte sein Lächeln kann nicht mehr breiter werden aber ich täuschte mich. Der Anblick war zu herrlich, manchmal erinnert mich Rafa an ein kleines Kind zu Weihnachten. Er sah mich eben an als wenn er sich schon ewig etwas gewünscht hätte und heute hat er es endlich bekommen. „Gràcies, ich freue mich auch richtig über den Sieg, es hat ja lange genug gedauert. Ich kann es selbst gar nicht glauben“ Ich konnte mich nicht länger beherrschen und fiel ihm um den Hals, das war alles zu schön um wahr zu sein. Zum Glück kann ich ihn auch umarmen und muss mich nicht wie so viele andere mit Videos und Bildern begnügen. Sara flippt sicher eben total aus vor dem PC, ich kann mir schon vorstellen wie sie durchdreht. „So spannend hättest du es aber nicht machen müssen. Ich dachte echt du verlierst“ “Ich dachte die Zuschauer wollen ein packendes Finale sehen“ Ich musste lachen weil das so abgeklärt klang das man denken könnte er hat alles genau so geplant. „Es war einfach irre, vor allem der dritte Satz. Das hättest du auch gewonnen wenn ich nicht hier wäre aber ich bin froh, dass ich das live miterleben konnte“ Er sagte nichts mehr und strahlte mich nur breit an, meine Knie wurden richtig weich. Es war unmöglich nicht nervös zu werden, in meinem Bauch kribbelte es gleich wieder.
„Warum wolltest du gestern Abend, dass es bei der Umarmung bleibt?“ Fragte er plötzlich. Ich schluckte erstmal und musste ruhig Luft holen um nachdenken zu können. Denkt er jetzt darüber nach? Es fällt mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen weil ich wegschmelzen könnte wenn er mich so ansieht. Ich weiß doch selbst nicht was gestern Abend los war. Wir wären doch nie zum Schlafen gekommen wenn es zu dem Kuss gekommen wäre und es wäre garantiert nicht bei dem Kuss geblieben. Im Nachhinein sind die Gedanken verlockend. Ich habe ihn ja zwei Monate nicht gesehen und ich bin sicher nicht hier um ihn ins Bett zu kriegen aber nein gesagt hätte ich auch nicht wenn er hartnäckig gewesen wäre. „Frage ich mich auch“ Antwortete ich leise und sah dabei in seine Augen. „Ich wollte einfach nur mit dir zusammen sein. Leider sehen wir uns heute Abend nicht mehr“ Es dauerte nur Sekunden bis sein freches Grinsen wieder erschien.
„Du willst mich ärgern!“ Kam es fest entschlossen. Ich musste kichern und rollte mit den Augen. Ich hatte das ernst gemeint, Rafa war derjenige der es ins lächerliche zog. „Natürlich, es macht mir unheimlichen Spaß dich abblitzen zu lassen weil ich weiß was du willst“ “Du bist wirklich gemein, erst sehen wir uns ewig nicht und dann lässt du mich noch abblitzen“ Will er mir ein schlechtes Gewissen einreden? „Wenn du so Sexsüchtig bist und es nicht länger aushalten kannst, warum hast du dann nichts gesagt?“ Fragte ich ihn direkt. Er schluckte kurz und grinste dann wieder breit. „Weil es dir dann nur noch mehr Spaß gemacht hätte mich auflaufen zu lassen“ “Vielleicht hätte ich das auch gar nicht getan, du müsstest mich ein bisschen kennen, ich kann auch nur bis zu einem bestimmten Punkt no sagen“ Das Gesicht was er daraufhin machte war göttlich. Vermutlich wird er es sich nie verzeihen, dass er so einfach aufgegeben hat. Der einen Nacht trauert er wohl jetzt noch eine Weile nach. „Wenn du mir das jetzt sagst, nutzt mir das richtig viel“ Da er sein Gesicht verzog, legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn wieder näher an mich.
„Ist eben ganz blöd gelaufen“ “Du glaubst nicht wie mir das gefehlt hat das wir zwar grundsätzlich dasselbe wollen, es aber trotzdem schaffen aneinander vorbei zu reden“ Er rollte dazu noch so schön mit den Augen. Da es mich überkam und ich mich nicht länger beherrschen konnte und wollte, zog ich ihn an mich und küsste ihn einfach. Das war eindeutig zu viel für mich, ich kam gar nicht mehr los von ihm. Auffressen könnte ich ihn nachdem wir uns eine gefühlte Ewigkeit nicht gesehen hatten. Es ist wirklich schlimm darauf zu verzichten wenn man es gewohnt ist. Zum Glück saß ich schon, meine Knie wurden ganz weich in meinem Bauch kribbelte es wie verrückt. Deswegen wollte ich das gestern Abend nicht, weil ich genau wusste das wir dann nicht mehr aufhören können. Eigentlich ist es auch viel zu schön zum Aufhören. Ich war so aufgeregt als wäre das mein erster Kuss. Zum Nachdenken kam ich dann nicht mehr aber mir entging nicht, dass seine Hände hinten unter meinem Oberteil verschwanden und im nächsten Moment ging die Tür auf.
Etwas abrupt lösten wir uns voneinander und sahen erschrocken zur Tür. Dort stand Maymó und zog ein peinlich berührtes Lächeln. „Ich wollte nicht stören“ Stammelte er leise und blieb auf der Stelle stehen. Ich schnappte nach Luft und fing mich dann wieder. Wie gut das ich nichts ausgezogen hatte! Peinlicher kann es nicht mehr werden also stand ich auf und hängte meine Tasche über die Schulter. „Bis später dann“ Sagte ich zu Rafa bevor ich ihn nochmal kurz küsste und dann verschwand.

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