17 May 2010

Chapter 47

Ich fuhr zurück zum Hotel und bestellte mir erstmal was Kaltes zu trinken. Das war ja um Haaresbreite nochmal gut gegangen. Vielleicht hätte ich die Tür abschließen sollen aber dann hätte er vielleicht an der Tür gehämmert. In dem Moment verschwendete ich keinen Gedanken daran wo wir eben sind, ich war gedanklich schon über die Küsse hinaus. Leider tauchte dann Maymó auf und zerstörte alle Hoffnungen. Immer nur ein bisschen zu bekommen ist noch schlimmer als gar nichts. Ich schätze mal Rafa wird Maymó verfluchen und ihn antreiben das er sich ein bisschen beeilen soll.
Es wird nicht lange dauern das Rafa hier erscheint. So auf Teufel komm raus macht es aber auch keinen Spaß, Sex auf Bestellung ist total langweilig. Viel Zeit ist auch nicht mehr, ich hatte schon alles eingepackt und warte praktisch nur auf den Abflug. Das Wochenende war doch sehr kurz gewesen aber dafür total aufregend. Es dauerte eine Weile bis ich wieder ruhig wurde und nicht dachte das ich auch gleich laut schreiend umher renne so wie Sara das gelegentlich tat bei Turniersiegen. Wenn ich heute Abend zu Hause bin, werde ich sicher kein Auge zumachen.

Eben stand ich auf dem Balkon und dachte über das turbulente Wochenende nach als Rafa neben mir erschien. „Auch schon hier?“ Fragte ich und sah auf meine Uhr. Das Lächeln was ich sehen wollte kam auch gleich. „Jetzt ja, mein Physio braucht nicht nur besonders lange bei den Massagen, er hat auch das Talent im blödesten Moment zu erscheinen. Das hat er mit meiner Mutter gemeinsam“ Ich musste kichern und nickte mit dem Kopf. “Du wusstest doch das er irgendwann auftauchen würde“ “Schon aber hätte es nicht zehn Minuten später sein können?“ “Das möchte ich mir nicht ausmalen“ Wer weiß in welch prekärer Lage er uns dann erst vorgefunden hätte! Auf Zuschauer stehe ich nun nicht so. Alleine bei dem Gedanken wird mir übel.
“Nun ist es auch egal“ Meinte er mit einem übertrieben frustrierten Gesicht. Ich musste lachen und schüttelte mit dem Kopf. Es scheint ihn ja alles ziemlich zu beschäftigen. Das Maymó praktisch dazwischen kam scheint ihn mehr zu kümmern als der Turniersieg. Kann er an gar nichts anderes mehr denken? Ich beschloss nur so aus Spaß mal darauf einzugehen. „Du musst das von einer anderen Seite sehen. Wir haben uns ja eine Weile nicht gesehen, da macht eine Woche mehr oder weniger doch auch nichts mehr aus. Rom ist doch in zwei Wochen und da werden wir uns schon etwas länger sehen“ Sagte ich mit einem amüsierten grinsen und wartete gespannt auf seine Antwort. Ich bin mir sicher, dass er darauf einsteigen wird. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Brüstung und verschränkte seine Arme vor dem Bauch. „Ihr Frauen versteht das nicht. Was denkst du wieso ich so viel Tennis spiele?“ Kam es ganz ernst. Im nächsten Augenblick prustete ich laut los und hielt mir dann eine Hand vor den Mund. Das ist die Spitze! Der Scherz war echt gut. Will er mir weismachen, dass er Sexsüchtig ist und den Entzug dann durch Tennis kompensiert?
„Du meinst also das du gewinnst liegt nicht daran das du einfach nur viel trainierst?“ Fragte ich weiter und hatte Mühe dabei ernst zu bleiben. Wenn es so ist das er nur gut spielt wenn wir uns eine Weile nicht sehen, dann ist das ganz ungünstig weil ich nicht plane wieder zwei Monate zu warten um ihn mal zu sehen. „Das ist nicht komisch“ Meinte er mit einem strengen Blick aber ich ließ mich nicht einschüchtern. „Doch! Entspanne dich doch mal. Es ist blöd das ich nur zwei Tage hier bin, mir passt es auch nicht aber es ging nicht anders“ Etwas entspannte sich sein Gesicht dann aber doch wieder. „Ich sage nichts mehr, Porto Cristo ist schon ewig her. Kommt mir vor wie zwei Jahre“ Er spielte wohl auf die letzte Nacht als ich dort war an, dass war ziemlich genau vor zwei Monaten. In Barcelona hatte ich ihn ja elegant abblitzen lassen und danach sahen wir uns ja nicht mehr. „Denke an etwas anderes“ “Will ich vielleicht gar nicht“ Kam es mit einem etwas zu breiten Lächeln zurück.

Ich beließ es vorerst dabei da es nichts bringt, wenn wir das könnte und vielleicht bis ins endlose auswalzen. Davon ändert sich auch nichts und er wird nur noch frustrierter, er muss sich eben bis Rom gedulden. „Hast du Gypsy eigentlich mal gesehen als fertiges Video?“ Ich war etwas überrascht und sah ihn an, sein Lächeln von eben war wieder verschwunden. Er sah ziemlich entschlossen aus und schien auf meine Antwort zu warten. In meinem Bauch wurde es gleich wieder unruhig, ich hatte geahnt, dass er irgendwann nochmal damit anfängt. Der Sieg hat sein Ego wohl ziemlich gepusht. „No“ Sagte ich nur und holte tief Luft. Er sah von mir weg und ließ seinen Blick über das Meer schweifen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er einen Ansatz sucht um darüber zu reden. Ein bisschen kenne ich ihn ja, er traut sich vielleicht nicht das Thema anzuschneiden weil er denkt, dass ich wieder ausflippe. „Ich kann ehrlich gesagt bis heute nicht nachvollziehen warum du so ausgeflippt bist ohne es gesehen zu haben. Ich habe es nur deshalb gemacht weil ich dachte das es kein Problem ist“ Kam es dann leise ohne das er mich ansah. Ich schluckte und wusste nicht sofort was ich sagen soll. Natürlich hat er Recht wenn er meint, dass mir kein Urteil zusteht ohne das ich es komplett gesehen habe.
Jetzt fühlte ich mich gleich richtig schlecht. Warum musste er auch die Stimmung versauen? „Ich weiß nicht warum ich so ausgeflippt bin“ Sagte ich dann leise und sah nach unten. Darüber hatte ich schon mehrfach nachgedacht und ich weiß wirklich nicht wie es dazu kam. War vielleicht doch ein bisschen Eifersucht obwohl er mir keinen Grund dazu gegeben hat. Ich habe keinen Zweifel daran, dass er wirklich nur mit Shakira befreundet ist. Es ist ja nicht nur Shakira, ich weiß doch das noch wesentlich mehr Leute Interesse an ihm haben und ich hätte mich nie auf ihn eingelassen wenn ich das Gefühl gehabt hätte das er es nicht ernst meint. Für mich ist das auch alles neu, ich muss mich erst daran gewöhnen das er so viel Aufmerksamkeit von den Fans und Medien bekommt. Er drehte sich dann vom Geländer weg und sah mich direkt an. „Das ich damals gesagt habe das wir uns trennen sollten lag nicht daran das ich nicht akzeptieren wollte das es dir nicht gefällt. Das hat mich zwar auch gestört aber damit hätte ich leben können. Der Punkt ist das du mir offensichtlich nicht vertraust dabei habe ich dir nie einen Grund gegeben“ Ich sah ihn nur von unten an und kaute nervös auf meiner Unterlippe. Kann sein das es bei ihm so ankam das ich ihm nicht vertraue aber das war nicht meine Absicht gewesen. Ich fühlte mich gerade wie vor dem Richter. Mir fiel nichts anderes ein als ein wenig hilflos mit den Schultern zu zucken. „Ich wollte nicht, dass du denkst, dass ich dir nicht vertraue. Es war einfach zu viel alles, ich will dir gar nicht unterstellen, dass du zu viel Spaß bei der Kussszene hattest. Ich habe nur keine Lust zu sehen wie du eine andere Frau küsst, egal ob es Shakira ist oder nicht“
Er kam näher bis er direkt vor mir stand und griff nach meiner Hand. „Ich kann verstehen, dass du das nicht sehen willst aber das war doch inszeniert. Es ist ja wohl ein Unterschied ob es gestellt ist oder nicht. Wenn ich so scharf darauf wäre jemand anderes zu küssen wäre ich wohl kaum mit dir zusammen“ Ging es noch eindeutiger? Ich hatte schon längst verstanden was er sagen will, er hätte mir nicht so den Kopf waschen müssen und das ich übertrieben reagiert habe, wusste ich auch schon. „Ich hab’s verstanden. Ich muss mich nur daran gewöhnen das dein Leben total anders ist als meins oder von den anderen Leuten. Zumindest kannte ich vor dir noch niemanden der ein Video mit Shakira gedreht hat. Ich wollte ja gar nicht so ausrasten aber mir fehlte ganz einfach ein Weg damit umzugehen“ Jetzt war es Rafa der mit den Schultern zuckte und nichts sagte. Fasst musste ich schon wieder lachen über die Situation. Es war wohl doch nicht so einfach wie wir dachten. Wenn er mich so unsicher ansieht, kann ich nicht anders als zu lächeln. Er sagte ja nichts mehr also griff ich nach seinem Shirt und zog ihn an mich um ihn zu umarmen. Ich dachte ja heute früh schon das alles geklärt ist aber dann eben jetzt. Es hatte mich schon gewundert, dass er heute früh nichts weiter gesagt hatte. Am Ende muss ich noch froh sein das es sich doch zum Positiven gewendet hat. Viel hätte nicht gefehlt das es wirklich schief gegangen wäre.
Nachdem wir eine Weile so umschlungen standen, löste er sich etwas von mir und sah in mein Gesicht. Sein Lächeln sah gut aus, dass steht ihm eindeutig besser als das ernste Gesicht. In meinem Bauch kribbelt es gleich wieder wenn er mich so ansieht. Ich war wirklich froh, dass sich die Stimmung wieder entspannt hatte. „Ich weiß ja nicht nach welchem Weg du suchst um damit umzugehen aber ich mache keine Scherze wenn ich sage das ich dich liebe. Das sollte dir reichen als Weg, no?“ Ich musste kichern und zog dann wieder ein verlegenes Lächeln. „Ich liebe dich und wenn es nicht so wäre würde ich mir gar nicht erst die Mühe machen nach einem Weg zu suchen“ Ehe ich wusste wie mir geschah, kam er näher und küsste mich. Etwas überrascht war ich schon aber im positiven Sinn. Ich hasse das, wie er es innerhalb von Sekunden schafft, dass ich total die Kontrolle über mich verliere. Es ist ja schön und ich weiß, dass er nie etwas machen würde was ich nicht will.
Manchmal würde ich ihn aber gerne zappeln lassen und er hat leider ziemlich schnell rausgefunden wie er das umgehen kann. Ich schmelze förmlich weg wenn er mich küsst. Leider mussten wir ab und zu auch mal Luft holen und ich musste im Hinterkopf daran denken das ich bald los muss zum Flughafen sonst würde ich mich jetzt nicht so zieren. Wenn ich ihn nicht davon abhalte, reißt er mir vielleicht meine Sachen runter, dass er seine Hände nicht unter Kontrolle hat habe ich ja schon gemerkt. So plötzlich wie er anfing mich zu küssen, hörte er scheinbar ohne Grund auch wieder auf, wenigstens umarmt er mich noch. Ich war etwas erstaunt als er sich von mir löste und schnappte erstmal nach Luft. Ist vielleicht ganz gut ein paar Sekunden die Gedanken zu ordnen, ein kleines bisschen wärmer war es mir schon geworden. „Ich will mir ja nicht die Vorfreude auf Rom verderben“ Kam es im nächsten Augenblick mit einem breiten Lächeln und einem begeisterten Kopfnicken. Kurz überlegte ich was er meint und als es mir einfiel, kniff ich ihn in die Seite. „Übertreibe es nicht oder du wirst es bereuen!“ Versuchte ich ernst zu sagen aber es störte ihn gar nicht, er grinste weiter vom einen Ohr zum anderen.
„Du hättest vorhin nicht sagen sollen, dass wir in Rom mehr Zeit haben. Ich werde mir die Woche extra dick im Kalender markieren“ “Denke lieber mal daran warum du überhaupt nach Rom fährst“ “Du meinst das Turnier? Darauf kann ich mich auch nächstes Jahr noch konzentrieren“ Ich konnte nicht anders als mit dem Kopf zu schütteln und zu lachen. „Wenn das so ist, kannst du ja auch gleich zu mir kommen in der Woche“ “Nicht nötig, ich denke ich kriege beides hin“ Kurz dachte ich nach, wenn ich mich richtig erinnere, werden in Rom maximal drei Sätze pro Match gespielt. Das reicht nicht aus um Rafa so zu beschäftigen das er dann nur noch seine Ruhe haben will. Dazu braucht es schon fünf Sätze, am besten noch mit mehreren tiebreaks.
„Wir werden ja sehen ob du dich zu weit aus dem Fenster lehnst“ “Das ist wie Weihnachten. Ich meine, ich überlege mir ja immer was ich mir praktisch selbst schenke wenn ich ein Grand Slam Turnier gewinne. So als Belohnung quasi weil man sich selbst immer noch die besten Geschenke macht aber das ist nicht der Punkt. Gewinne ich dann aber nicht und will es unbedingt haben, kaufe ich es eben dann auch. Ist manchmal ein komisches Gefühl weil ich theoretisch sofort alles Mögliche kaufen könnte ohne dafür sparen zu müssen aber dann macht es ja gar keinen Spaß mehr. Leider kann ich dich nicht kaufen“ Ich konnte nicht glauben, dass er wirklich so einen Vergleich bringt, am Ende vergleicht er mich noch mit seinem Lieblingsauto! „Du solltest mal ganz kalt duschen gehen“ “Das tue ich später“ “Für welches Turnier hast du dich denn mit dem Aston Martin selbst belohnt?“ “Roland Garros 2008, wäre auch was für Wimbledon gewesen aber da konnte ich ja nicht ahnen, dass ich Wimbledon auch gewinne“

Ich sah wieder auf meine Uhr und bekam einen Schreck. Wie schnell die Zeit doch verging! „Ich sage es nur ungern aber ich muss gleich los“ Sein Lächeln verschwand gleich wieder. „Wie du meinst, ist zwar schade das du schon los musst aber ich fliege heute Abend auch“ “Hast du eigentlich frei in der Woche nach Rom?“ Fragte ich um das Thema zu wechseln. Das ist nicht irgendeine Woche, denn es ist da genau ein Jahr her wo wir uns in dieser Bar kennengelernt haben daher hoffe ich das er auch in diesem Jahr ein paar Tage zu Hause ist. „Wie es jetzt aussieht ja, an dem Freitag fliege ich nach Madrid also bleiben mir immerhin vier Tage zu Hause“ “Ich muss erst alles klären aber könnte ich mitkommen nach Porto Cristo?“ Fragte ich vorsichtig. Er zog wieder das breite Lächeln und legte seine Hände an meine Hüften.
„Ich habe dir doch schon mehrfach gesagt, dass du nicht vorher fragen musst ob du zu mir kommen darfst“ Ich fragte auch nur weil ich mir nicht sicher war ob er die zwei Monate zwischen Barcelona und jetzt einfach so vergisst aber es scheint so als wenn er nicht alles langsam angehen lassen will. Wenn ich sehe wie er so vor mir steht, habe ich gar keine Lust jetzt zu gehen auch wenn ich weiß, dass wir uns in zwei Wochen wieder sehen. „Ich will nur sicher gehen, dass ich dich nicht störe. Kann ja sein du willst mal deine Ruhe haben“ “Sí aber mit dir und nicht vor dir. Ich wäre ja ziemlich blöd wenn ich sage das du nach Rom kommen kannst aber nicht nach Mallorca wo ich viel mehr freie Zeit habe als in Rom“ Gut, das wollte ich ja nur hören! „Ich will trotzdem nicht nach Hause“ Sagte ich trotzig und verzog mein Gesicht. Er umarmte mich wieder und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken langsam auf und ab. Es ist bestimmt keine gute Idee weil ich so nie zum Gehen komme aber ich legte meinen Kopf an seine Schulter und schloss meine Augen. Jetzt wo er mich umarmt wird mir langsam klar wie sehr ich das vermisst habe, er ist immer so schön warm und er riecht zum Anbeißen. „Ich würde dich auch lieber sehen aber so lange sind zwei Wochen auch nicht und es sind ja nicht mal zwei Wochen“ Wenn er das so sagt und mich dabei umarmt, klingt fast alles gut. Den Flug wollte ich auf keinen Fall verpassen also musste ich wirklich los. Schweren Herzens löste ich mich von ihm und lief ins Zimmer rein.
Es war schon alles fertig gepackt, ich musste nur noch gehen. So einfach ist es nur nicht, ich könnte gleich schlechte Laune bekommen. „Dann bleibt mir wohl nichts anderes zu sagen als bis demnächst“ Sagte ich und zuckte mit den Schultern. „Ich rufe dich an wenn ich heute Abend in Barcelona bin“ Jetzt musste ich doch schon wieder Lächeln. „Besser als gar nichts“ “Wenn es dich tröstet, können wir von mir aus jeden Tag telefonieren“ Das hob meine Laune doch wieder. Telefonterror klingt gut! Er hat keinen Schimmer auf was er sich da einlässt! „Das hättest du besser nicht gesagt“ “Ich weiß“ Ich machte einen Schritt auf ihn zu und wollte ihn umarmen aber das reichte ihm wohl nicht da er mich plötzlich küsste. Eigentlich wollte ich das schon aber ich habe keine Zeit. Mir blieb keine andere Wahl als ihn von mir weg zu drücken. „Ich muss los“ “Guten Flug“ “Dir auch“ Ich konnte nur sehr schwer der Versuchung wiederstehen ihn nochmal zu umarmen als ich aus dem Zimmer lief und mich nochmal umdrehte. Bevor ich wirklich noch etwas Dummes tue, holte ich tief Luft und lief weiter zum Lift. Die nächsten Stunden verliefen wie im Zeitraffer. Ich hatte kaum eingecheckt am Flughafen, ging es auch schon los und keine zwei Stunden später war ich wieder in Düsseldorf wo ich vor zwei Tagen gestartet war. Ich fühlte mich wie veräppelt, mir kam es vor als wäre ich zwei Wochen weg gewesen und nicht nur zwei Tage.

Als ich wieder bei mir in meiner Wohnung war und langsam zur Ruhe kam, fühlte es sich an als hätte ich die letzten zwei Tage nur geträumt. Es war so unreal alles das ich dachte ich war gar nicht in Monaco. Das ich mir nicht nur alles eingebildet habe wurde mir erst klar als Rafa anrief. Er meinte das wohl ernst mit dem jeden Tag anrufen. Den Koffer musste ich auch noch auspacken und Sara rief natürlich auch noch an weil sie wohl vor Neugierde platzte und wissen wollte wie es lief. Ich hatte sie ja schon von Monaco aus angerufen aber da hatten wir nicht Zeit alles detailliert zu besprechen. Nach dem Spiel heute Nachmittag war sie ja so hibbelig, dass sie kaum einen gerade Satz sagen konnte daher rief ich sie noch mal an. Der Abend war ruck zuck um und ich musste ins Bett weil ich ja früh raus muss morgen. Jetzt geht der Stress wieder los!
In den letzten beiden Monaten verlief alles normal, ich arbeitete von Montag bis Freitag und hatte dann ein entspanntes Wochenende. Jetzt wird es wohl so das ich an den Wochenenden zu den Turnieren hetze oder wahlweise nach Mallorca. Klar war das alles stressig mit dem hin und her immer aber es war Stress im positiven Sinne. Wenn ich ehrlich bin fehlte mir das schon mit dem ganzen Reisen. Man kann sich daran gewöhnen und so sieht man doch eine ganze Menge. Nur wegen dem Wetter wäre ich jetzt nicht nach Monaco gefahren und in zwei Wochen geht es schon wieder los nach Rom und dann weiter nach Mallorca. Bevor ich Rafa kannte, hätte ich das alles in drei Jahren gemacht, jeweils immer ein Urlaub. Es ist schon ziemlich spannend da ich nie so genau weiß was mich erwartet, langweilig wird es mir mit Rafa so schnell nicht werden.

Lange konnte ich meine gute Laune natürlich nicht verbergen. Obwohl, ich hätte auch so tun können als wenn ich mich über den Turniersieg so freue aber sie würde mir sowieso nicht glauben das ich nur wegen dem Turnier so ein breites Lächeln im Gesicht habe. Sara war ja schon im Bilde über die neuesten Ereignisse aber meine Eltern nicht. Die haben mal wieder erst hinterher erfahren, dass ich in Monte Carlo war. Ich wusste das es zu kompliziert wird das alles in zwei Sätzen am Telefon zu erklären also wartete ich damit bis ich sie besuchte an dem Wochenende darauf. Etwas skeptisch war ich schon wie sie darauf reagieren aber die Sorgen machte ich mir umsonst.
Mein Vater liebt Rafa sowieso, der war wohl insgeheim todunglücklich weil er in den letzten Wochen nichts Neues von Rafa gehört hat. Als hätte ich es geahnt, fragten sie dann tatsächlich wann Rafa wieder mal hier ist. Tja, darüber hatte ich mit ihm noch nicht gesprochen aber grob habe ich die nächsten Turniere alle im Kopf und er hatte auch mal erwähnt, dass er erst im Juli ein bisschen Luft hat, sprich vier Wochen Sommerpause. Wenn er überhaupt zu mir kommt, dann in der Zeit, ich ziehe es auch vor lieber nach Mallorca zu fahren, dort ist es viel schöner als hier.

Barcelona fing gut an... und endete abrupt noch bevor Rafa auf dem Platz war. Ich kam an dem Montag nach Monte Carlo nix schlimmes ahnend von Arbeit als Sara anrief und mich fragte wieso Rafa das Turnier in Barcelona abgesagt hat. Da staunte ich nicht schlecht weil ich absolut nichts davon wusste und als Rafa mich am Sonntagabend anrief, hatte er nichts davon erwähnt. Anfangs hielt ich das für einen Scherz aber ich weiß, dass Sara bei dem Thema gar keinen Spaß versteht. Es war schon ein komisches Gefühl, dass Sara eher informiert war als ich. Ich könnte mich jetzt hintergangen fühlen aber so eine große Sache war es doch nicht. Neugierig war ich dann auch also hakte ich bei Rafa nach und er war wiederum erstaunt weil ich es schon wusste.
Tja, auf Sara kann man sich verlassen. Es war aber gar nix schlimmes, Sara sah schon wieder Horrorszenarien wegen dem Knie und machte mich auch noch verrückt. So schlimm war es nicht, er will nur kein Risiko eingehen und meinte Rom wird auch anstrengend genug und er will in Roland Garros weiter kommen als im letzten Jahr also muss er sich ein bisschen schonen um nicht die gleichen Fehler wie im letzten Jahr zu machen. Das leuchtete mir ein und Sara beruhigte sich auch wieder. Jetzt hätte er sogar Zeit und ich muss arbeiten! Ein Drama, er hätte zu mir kommen können aber ich muss arbeiten und am Wochenende fliegt er schon nach Rom also bleibt alles wie schon abgemacht und wir sehen uns in Rom wieder.

Da er sich ein wenig zurücklehnte und viel Zeit zum Nachdenken hatte, kam er auf dumme Einfälle, denn er kam auf die schwachsinnige Idee, dass Sara mit nach Rom kommen soll. Erst dachte ich der will mich auf den Arm nehmen. Er kam nur auf die Idee weil er meinte, dass er ja nicht so viel Zeit hat und da würde es mir nicht langweilig werden. Tja und das Sara jemanden umbringen würde um ihn zu sehen wusste er ja auch schon. Er hat absolut keine Ahnung auf was er sich da einlässt! Für ihn ist es vielleicht nichts weiter, er kann damit umgehen aber was macht Sara? Die dreht doch total durch!
In Berlin hat sie stundenlang auf ihn gewartet und wenn sie nach Rom mitkommt, wird sie ihn vielleicht häufiger sehen als ihr gut tut. Die Erinnerung an die Woche Mallorca mit ihr letztes Jahr war doch beängstigend. Sie ist da schon wegen ein paar Bildern ausgeflippt, was wäre denn wenn sie Rafa mal einen ganzen Tag lang sieht? Ich war ja wirklich skeptisch, rein vom logischen hat er schon Recht, ich könnte mit ihr shoppen gehen wenn er wieder mal stundenlang trainiert. Wobei der Plan nicht aufgeht, Sara geht niemals shoppen wenn Rafa da gerade spielt. Auf der anderen Seite haben wir sie dann ständig am Hals. Er hat schon nicht viel Zeit, da bin ich nicht scharf darauf dann auch noch Sara ständig um mich zu haben. Nachdem ich ihm meine Skepsis ausführlich erklärt hatte, überließ er mir die Entscheidung. Ich bin ja nicht die ganze Woche in Rom sondern erst ab Freitag weil ich nicht unendlich viel Urlaub machen kann, am Sonntag ist das Finale und dann geht es direkt nach Mallorca. Ich hätte auch die ganze Woche in Rom sein können aber dann hätte ich keine Zeit mehr für Mallorca gehabt und da nehme ich lieber Mallorca und verzichte auf das Turnier. Spannend wird es sowieso erst ab dem Halbfinale also hatten wir noch nichts verpasst. Darüber das sie nicht mit nach Mallorca kommen soll waren wir uns zumindest schnell einig.
Nochmal will ich sicher nicht, dass Sara vor dem Haus lauert. Während der Turniere ist Rafa aber sowieso ständig im Stress also macht Sara auch nichts mehr aus und es sind ja nur drei Tage. Ich richtete mich moralisch darauf ein, dass er keine freie Zeit haben wird in Rom, das wird in Porto Cristo hoffentlich anders.

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