3 June 2010

Chapter 49

Ich streckte ein paar Minuten später meinen rechten Arm aus und versuchte mein Handy zu erreichen was gleich neben dem Bett lag weil ich mal auf die Uhr sehen wollte. Es ist tatsächlich noch nicht mal um sechs, es könnte so bequem sein. Da es nichts Neues gab, legte ich mein Handy wieder weg und sah leicht zur Seite. Großartig suchen musste ich nicht, Rafa liegt ja direkt an mir. Es war keine gute Idee gewesen jetzt faul im Bett zu liegen weil ich keine Lust habe wieder aufzustehen. Ich wusste, dass es ein Fehler als ich ihm in Monte Carlo großspurig und voreilig unmoralische Versprechen gegeben habe. Das er dann nicht mehr locker lässt hätte mir doch klar sein müssen! Kurz beobachtete ich ihn und überlegte ob er wirklich schläft oder nicht. Er hatte jedenfalls seine Augen geschlossen und gab kein Lebenszeichen von sich. „Schläfst du?“ Fragte ich dann da ich das nicht glauben konnte. „Jetzt nicht mehr“ Kam es gleich zurück. Kurz darauf schlug er erst seine Augen auf und zog dann ein breites Lächeln.
„Dann hat sich das ja mit dem Essen gehen erledigt“ “Wieso?“ Fragte ich zurück und sah ihn skeptisch an. „Sollte nur ein Vorwand sein damit du nicht wieder auf dumme Ideen kommst und mich abblitzen lässt“ Ich schnappte nach Luft und dachte ich höre schlecht! Wenn er mich nicht so übertrieben angrinsen würde, käme ich noch in Versuchung ihm das zu glauben. „Und jetzt wo du hast was du wolltest, ist es dir egal oder wie?“ Fragte ich gespannt und war schon ganz neugierig darauf wie er versuchen wird sich da rauszureden. Er drehte sich auf die Seite und grinste mich weiter so unverschämt an. „War Spaß, natürlich ist es mir nicht egal. Außerdem würde ich dir ja damit nur wieder eine weitere Bestätigung liefern für die Theorie, dass ich nichts tue ohne den Hintergedanken zu haben dir irgendwie näher kommen zu wollen“ “Ist doch auch so! Wäre es nicht so, würden wir jetzt nicht hier liegen“ “Ich stehe trotzdem dazu. Es ist lange her das wir uns gesehen haben und wenn du mir in Monte Carlo schon ein Versprechen der Art gegeben hast, wäre ich ja blöd wenn ich noch lange abwarte, no?“ Ich sah ihn an und musste lachen weil er das wohl so richtig ernst meinte.
„Ist für dich Sex so eine Art einkalkuliertes Training? Das hört sich so an als würdest du das systematisch einplanen zwischen den Matches und Trainingsstunden“ Sein grinsen ging immer noch vom einen Ohr zum anderen. “Du wirst es nicht schaffen mir ein schlechtes Gewissen einzureden“ “Das habe ich nicht vor weil ich weiß das du sowieso nie genug kriegen kannst, ich frage nur so aus Neugierde“ Ich weiß doch, dass er Spaß macht. Es würde mir nicht im Traum einfallen ihm zu unterstellen, dass er alles Mögliche nur tut um mich in sein Bett zu locken. Er verzog dann sein Gesicht und sah mich übertrieben deprimiert an. „Außerdem kann ich nichts dafür!“ Na jetzt wurde es aber richtig interessant! Er kann nichts dafür! Diese Ausrede habe ich schon mehrmals gehört, ein Mann kann grundsätzlich für nichts. “Wie kommst du zu der Annahme?“ Fragte ich interessiert nach.
“Ich sehe mich als Opfer der Evolution“ Kam es ganz ernst. Im nächsten Moment brach ich in schallendes Gelächter aus und hielt mir eine Hand vor den Mund weil ich mich nicht mehr beherrschen konnte. Das ist mit Abstand die verrückteste Ausrede die ich je gehört habe von einem Mann. „Du solltest den Arzt wechseln oder mal ganz kalt duschen gehen“ Meinte ich nach einer Weile und musste immer noch kichern. Kurz küsste er mich bevor sein breites Lächeln wieder erschien. „Bist du dir sicher, dass ich verschwinden soll?“ Wenn er schon so fragt, hat er viel Zeit? Bevor ich antworten konnte, wurden wir abgelenkt von einem klopfen an der Zimmertür. Kurz sah ich zur Tür und dachte nur oh nein! „Ist nicht für mich“ Kam es gleich als ich ihn fragend ansah.
„Woher willst du das wissen?“ Er lehnte sich über mich und griff nach meinem Handy um auf die Uhr zu sehen. „Weil ich jetzt keine Termine habe außerdem hat es nur einmal geklopft“ “Machst du immer noch den Quatsch mit dem zweimal klopfen?“ “Es funktioniert“ Kam es direkt als Antwort. Im nächsten Moment kam mir Sara in den Sinn. Sie hatte doch vorhin gesagt, dass sie auch erstmal ihren Koffer auspackt und wir uns dann wieder sehen. „Sara“ Sagte ich nur und ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen. „Wollte sie hier her kommen?“ “Wir haben keine Zeit ausgemacht. Ich hatte nur vorhin gesagt, dass sie ihr Zeug auspacken soll und wir uns später wieder sehen. Sie glaubt das du noch nicht hier bist“ “Das erklärt einiges“ Kam es dann mit einem wenig begeisterten Gesichtsausdruck. Scheint so als wenn es vorbei ist mit dem faulen im Bett liegen. Die Mühe aufzustehen machte ich mir aber auch nicht. So kann ich unmöglich zur Tür gehen!
Ich könnte mir zwar einen Bademantel umhängen aber ich weiß nicht wie Sara es findet wenn sie nichts ahnend reinkommt und dann Rafa im Bett liegt und breit grinst. Die würde wohl ihren Augen nicht trauen, davon träumt sie sicher heimlich. Auf dem Fußboden liegen überall diverse Kleidungsstücke verteilt, hier kann man gar keinen mehr reinlassen ohne dass es peinlich wird. „Willst du nicht nachsehen?“ Fragte er nach ein paar Sekunden da ich mich nicht rührte. „No, wenn sie dich schon sieht, wäre es vielleicht angebracht wenn du vorher etwas anziehst“ Es klopfte dann nochmal kurz aber da wir nicht reagierten, war dann auch wieder Ruhe. „Gehen wir duschen?“ Fragte ich und gab es auf im Bett bleiben zu wollen weil wir sowieso nicht lange unsere Ruhe haben werden. „Zusammen?“ Fragte er gleich mit einem interessierten Gesichtsausdruck zurück. „Klar, so können wir Wasser sparen und die Erde retten“

Ob wir wirklich Wasser sparen wenn wir zusammen duschen darf bezweifelt werden. Es dauert dann von der Zeit her einfach länger aber dafür war es auch interessanter als alleine zu duschen. Ich würde ihn am liebsten gar nicht mehr aus den Augen lassen, bis morgen früh hat er ja auch Zeit. Wenn da Sara nur nicht wäre. Mal sehen wann sich eine günstige Chance ergibt, dass sie Rafa sehen kann ohne überzuschnappen. Da wir ja nun schon mal duschen waren, nutzte ich die Chance dann gleich etwas kurzärmeliges anzuziehen, hier ist es ja schon fast Sommer während bei mir zu Hause noch Winter herrscht. Ich dachte es ist vielleicht nicht verkehrt wenn ich Sara mal aufkläre wegen vorhin also machte ich mich dann alleine auf den Weg zu ihrem Zimmer. Kaum hatte ich geklopft, ging die Tür auch schon auf und sie strahlte mich breit an.
„Hey, ich war vorhin bei dir aber du hast es wahrscheinlich nicht gehört“ Ich schluckte und hoffte, dass ich nicht zu rot im Gesicht werde, meine Wangen wurden ziemlich warm. “Kann sein, ich war beschäftigt“ Sagte ich nur zögerlich und wurde nervös weil ihr Gesicht schon dementsprechend war. „Na ja, ich habe nur meinen Koffer ausgeräumt“ Schob ich gleich noch nach. Zumindest bis Rafa erschien, dachte ich so für mich, sagte das aber nicht mehr. Ihr Gesicht entspannte sich dann auch wieder und sie fraß das anscheinend auch. „Ach so, macht ja nichts“ “Macht es dir etwas aus heute Abend alleine zu essen?“ Fragte ich vorsichtig und hoffte, dass sie es nachvollziehen kann. Lange dauerte es auch nicht bis sie mit dem Kopf nickte. „Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen. Ich kann verstehen, dass du mit ihm alleine sein willst. Ich bin froh überhaupt hier zu sein und morgen die Spiele zu sehen also verschwinde schon. Außerdem kommt heute Abend die Wiederholung vom Finale letztes Jahr, habe ich schon mehrfach gesehen aber dann gucke ich es eben nochmal an. Es macht nichts wenn wir uns erst am Sonntag wieder sehen“ “Wir werden uns sicher eher wieder sehen, ich dachte du willst Rafa mal abseits der Tennisanlage sehen“ “Wenn es ihn nicht stört schon“ “Sei nicht albern, er kennt dich namentlich sowieso schon und von Bildern“ “Du hast mich hoffentlich nicht als total verrückt dargestellt?“ Fragte sie hoffnungsvoll und an ihrem Gesicht sah ich schon, dass die Frage kein Scherz war.
„Natürlich nicht sonst wärst du jetzt auch nicht hier. Mache dir nicht so viele Gedanken, er hat schon viel verrücktere Leute getroffen. Es stört ihn wirklich nicht. Ich weiß, dass er überall belagert wird und alle etwas von ihm wollen aber der ist das gewohnt. Ich weiß nicht ob es heute noch klappt, falls nicht, kannst du ihn morgen früh beim Training nerven“

Sara waren wir also vorerst los. Es war natürlich nicht so, dass ich mit Rafa Essen gehen kann und es niemand merkt. Fans scheinen überall zu sein und die kennen ja auch die Hotels wo die Spieler sind. Als wir endlich in einem Restaurant saßen, hatten wir vorerst unsere Ruhe aber nur solange, bis wir zum Hotel zurück wollten denn vorm Eingang warteten auch welche und wollten Bilder mit Rafa und Autogramme. Sowas hatte ich erwartet aber wenigstens hat uns beim Essen niemand gestört. Ein bisschen schockt es mich immer wieder zu sehen wie ihn fremde Menschen einfach so ansprechen. Rafa kann wirklich keinen Schritt unbeobachtet machen. Es stört ihn aber nicht, er schreibt brav Autogramme und macht Bilder, ich habe noch nie erlebt, dass er abgelehnt hat wenn jemand nach Bildern oder Autogrammen gefragt hat.
Wirklich unsere Ruhe werden wir erst in Porto Cristo haben, darauf freue ich mich schon richtig. Im Hotelzimmer waren wir ja auch alleine aber ich will mich schon mal aus dem Zimmer wagen mit ihm. Der restliche Abend verlief relativ entspannt da wir keine Lust mehr auf Zuschauer hatten und einfach auf dem Zimmer blieben. Ich habe immer nur darauf gewartet wenn jemand anruft und Rafa doch noch wohin muss aber es passierte nichts. Es ist schon was Neues wenn Rafa Zeit hat und nicht ständig überlegt zu welchem Termin er als nächstes muss.

Dem entspannten Abend folgte ein hektischer Morgen. Wie konnte ich auch nur so blöd sein und glauben, dass ich am Samstag mal ausschlafen kann! Es war kurz nach um sieben als der Wecker klingelte und Rafa in der nächsten Sekunde auch schon aus dem Bett sprang und ins Bad verschwand. Das war mir zu viel Stress am Morgen also drehte ich mich gemütlich auf die andere Seite aber schlafen konnte ich nicht weil Rafa ständig etwas suchte und wie aufgezogen kreuz und quer durch das Zimmer rannte. Mir wäre es lieber gewesen wenn er im Bett geblieben wäre statt hier so eine Stress zu erzeugen.
Kann man nicht irgendwie die Batterien rausnehmen bei ihm? Mit einem mürrischen Gesicht zog ich die Decke etwas nach unten und setzte mich dann hin um mich erstmal zu strecken. Während ich noch halb schlafe, scheint Rafa schon einen Puls von 300 zu haben und das macht mich wahnsinnig wenn er so planlos rumrennt. Um mich nicht gleich zu überanstrengen, lehnte ich mich zur Seite und suchte etwas zum Anziehen auf dem Fußboden nur fand ich nichts von mir in Reichweite also zog ich das Hemd an, welches Rafa gestern Abend getragen hatte.

Als er sah, dass ich mich hingesetzt hatte kam er näher zum Bett und setzte sich hin. „Du kannst ruhig noch weiterschlafen“ Ich rollte mit den Augen und sah ihn ernst an. „Sehr komisch! Ich musste die ganze Woche früh aufstehen und dann verbreitest du hier eine Hektik, dass kein Mensch schlafen kann. Und das alles nur weil du so früh schon trainieren musst“ Schlechte Laune habe ich ja nicht, es dauert nur etwas bis ich munter bin. Er lächelte mich breit an und rückte etwas näher zu mir. „Du kannst in Porto Cristo ausschlafen und morgen trainiere ich auch nicht. Von mir aus kannst du die ganze nächste Woche im Bett bleiben. Das Frühstück kommt übrigens gleich hier her“ “Das heißt ich muss etwas anziehen“ Ich meinte das einfach als Feststellung und ohne Hintergedanken aber sein grinsen wurde gleich unverschämt. „Wegen mir musst du nichts anziehen“ “Das hättest du nicht extra erwähnen müssen“ Entgegnete ich ihm trocken.
„Jetzt ziehe nicht so ein Gesicht! Außerdem musst du doch von Montag bis Freitag auch aufstehen“ “Genau deswegen will ich dann am Wochenende ausschlafen“ Ich lehnte mich bequem an ihn und würde am liebsten gleich weiterschlafen. „Tja, wenn du darauf bestehst lange zu schlafen, kannst du ja heute Abend woanders übernachten“ Es war doch so klar, dass er das sagen würde! „Schon gut, ich sage nix mehr“ Blieb mir ja jetzt keine andere Wahl als das zu sagen. Sein grinsen wurde gleich wieder breiter. „Heule mir ja morgen früh nicht die Ohren voll!“ “Ich denke du trainierst da nicht?“ “Das heißt aber nicht das ich bis Mittag im Bett bleiben kann“ “Wir werden sehen“ Murmelte ich mehr zu mir selbst und stand auf um ins Bad zu schleichen. Lange war ich nicht im Bad aber das Frühstück war inzwischen eingetroffen wie ich merkte als ich aus dem Bad kam. Es roch nach Kaffee, vielleicht wache ich danach ja richtig auf. Rafa trinkt ja keinen Kaffee also bestellt er nur extra für mich welchen aber das war eine gute Idee weil er wohl dachte, dass ich dann aufhöre zu jammern. Gemütlich war es aber nicht lange weil er halb zehn schon trainiert und ich dann alleine da saß.

Da ich Zeit hatte sah ich in seine leere Tasse und dachte über Schokolade nach. Wenn er könnte, würde er sich nur von Schokolade in allen Varianten ernähren. Das er welche trinkt, schockt mich schon nicht mehr denn er erscheint ja auch zu Pressekonferenzen so das er Cookies mit extragroßen Schokostücken isst. Was die Journalisten dann denken, will ich gar nicht so genau wissen. Für einen Profisportler ist Rafa ziemlich verfressen. Vielleicht sollte ich ihm zum Geburtstag eine lebensgroße Kopie von sich selbst schenken, nur eben aus Schokolade.

Rafa war kaum ein paar Minuten weg, als es an der Tür klopfte. Bin gespannt was er jetzt wieder vergessen hat also stand ich vom Tisch auf und lief zur Tür. Davor stand aber Sara, an sie dachte ich eben nicht. „Hi, ich hoffe, ich habe niemanden geweckt?“ Fragte sie vorsichtig und äugte neugierig an mir vorbei ins Zimmer. “Nicht wirklich, Rafa dreht total am Rad und steht in der Nacht auf. Du kannst ruhig reinkommen“ Sie blieb stehen und zögerte kurz. „Wirklich?“ “Ja, die Luft ist sauber, es ist nur ein bisschen Chaos“ Sie lief also an mir vorbei und sah sich kurz um, dass Zimmer war genauso wie ihres eingerichtet nur das in ihrem keine Tennisausrüstung liegt.
Viel gibt es nicht zu sehen, die Rackets hat Rafa vorhin alle mitgenommen, es liegen nur noch Teile seines blauen Outfits rum. Das war für sie wohl schon interessant genug wie ich dann sah. Vermutlich ist es das erste Mal, dass sie sowas aus der Nähe sieht. Die Shirts gibt es zwar auch in normalen Läden zu kaufen aber das für Rafa ist alles Maßanfertigung und neben der üblichen Größenhinweise ist überall sein Name aufgedruckt. „Was macht er denn so früh schon?“ Fragte sie dann als sie den ersten Schock überwunden hatte. “Trainieren, ich dachte auch das kann er später noch machen aber er hat sowieso keine Ruhe und wer weiß ob er nach dem Match heute Nachmittag noch Zeit hat“ “Und was machst du jetzt?“ “Warten bis du hier auftauchst und wir der Tennisanlage mal einen Besuch abstatten können, es sei denn du willst lieber die Stadt sehen“ “Dir wäre vielleicht Stadt angucken lieber aber wir sind doch nur zwei Tage hier und wenn er sowieso schon trainiert“ Ja ja, ich wusste doch das sie lieber guckt was Rafa macht als das Kolosseum oder den Vatikan anzusehen.

Ich trank meinen Kaffee noch aus und machte mich dann mit Sara auf den Weg zum Foro Italico. Das Stadion war erst neulich gebaut worden und feierte bei dem Turnier die Einweihung. Rafa trainiert natürlich wieder auf dem größten Platz der ganzen Anlage weil er gerne da trainiert wo er später auch spielt. Erst mussten wir uns aber die Besucher Pässe organisieren. Die sind ja mit so einer Art Passbild und ich sah aus wie ein Schwerverbrecher aber es ist zum Glück relativ klein. Die machen das mit dem Bild sicher damit ich damit nicht jemanden anderes reinschleusen kann. Sara sah aber auch schrecklich aus, wir hatten zumindest was zum Lachen. Bevor wir gucken was Rafa macht, drehten wir eine Runde über die Anlage. Wäre ich alleine, würde ich es mir jetzt im players restaurant bequem machen und Cappuccino schlürfen.
So wirklich spannend ist es nicht beim Training aber Sara war schon ganz aufgeregt. Es war schon ergreifend als wir das ganze Stadion überblicken konnten. Außerdem hatten andere Leute auch die Idee hier her zu kommen da doch schon ein paar Leute hier und das saßen und verfolgten was auf dem Platz vor sich geht. Sara blieb stehen wie angewurzelt und sah zu Rafa. Ich sah schweigend aus dem Augenwinkel neben mich und musste mir ein lachen verkneifen. Sie verhielt sich als wenn sie das achte Weltwunder sieht. Bevor ich etwas sagen konnte, stürzte sie die Ränge nach unten bis in die erste Reihe. Wie schön, dass man beim Training auch dort sitzen kann wo man sonst nie hinkommt. Eine Weile sah ich mir das mit an aber es war nicht so richtig spannend, zumindest für mich. Sara hat sicher schon 10.000 Bilder gemacht, sie schnappt sicher gleich über. So lange sieht sie ja Rafa nicht daher glaubt sie wohl das Maximum rausholen zu müssen. Bisher war es eigentlich wie in Berlin wo ich auch notgedrungen warten musste bis Rafa verschwand. Na ja, ich hatte mir aus dem Hotel eine Zeitung mitgebracht und las die dann eben derweil. Rafa hatte uns gar nicht bemerkt, was kein Wunder ist da wir zwischen den anderen Leuten nicht auffielen und ich ihm vorhin gesagt hatte das ich noch nicht weiß ob wir kommen.
Wenn Sara jetzt schon so aufgekratzt ist mache ich mir Gedanken was passiert wenn sie Rafa aus der Nähe sieht. Entweder sie steht nur da und starrt ihn an oder sie fängt an hysterisch zu kreischen wobei ich dann eher auf das erste hoffe. Eine reichliche Stunde später packte Rafa seine sieben Sachen zusammen und verschwand wieder. Rafa war kaum vom Platz, als wir Zeuge eines in meinen Augen verrückten Vorfalles wurden. Maymó und Toni waren noch da und räumten Zeug in ihre Rucksäcke. Da allgemein bekannt ist, dass die Fans alles nehmen was von Rafa zu kriegen ist, warf Maymó die Bälle mit denen Rafa trainiert hatte in die Zuschauer. Damit war es aber nicht genug, ich hätte es nicht geglaubt wenn ich es nicht gesehen hatte aber Maymó angelte eine leere Flasche von Rafa wieder aus dem Mülleimer und gab sie einer Frau weil die ihn wohl darum gebeten hatte. Die war noch nicht mal in dem Alter wo man sowas noch entschuldigen könnte, die war locker über 40! Danach gab es wirklich nichts mehr zu sehen aber wir saßen mit offenem Mund da und schüttelten mit dem Kopf. „Ich fasse es nicht!“ Kam es dann total ergriffen von Sara. Aus ihren Mund will das schon etwas heißen!
Immerhin hat sie sich auch dazu hinreißen lassen nach Porto Cristo zu kommen aber das ist eindeutig krank. „Bestimmt baut die jetzt zu Hause einen Altar wo die Flasche dann steht. Da ist DNA von Rafa dran, zum Glück ist klonen noch verboten“ Kam es ganz fasziniert. Ich sah langsam aus dem Augenwinkel zu ihr rüber und wusste nicht was ich sagen soll. Das er öfters Autogramme gibt oder Fotos mit Fans macht kenne ich ja schon aber sowas ist mir auch neu. „Sowas habe ich ja noch nie gesehen“ Sagte ich dann als ich mich wieder im Griff hatte. „Gehört habe ich schon davon aber gesehen habe ich es auch noch nicht live. Wenn ich sowas sehe, beruhigt es mich denn so krank wie die bin ich noch lange nicht. Einen Tennisball würde ich auch nehmen aber doch keine leere Flasche!“ Langsam konnte ich dann wieder lachen. „Tennisbälle kann ich dir organisieren… Rafa persönlich auch“ “Was würde ich ohne dich machen“ Kam es gleich mit einem breiten Lächeln. „Ohne mich würdest du genau wie alle anderen Fans auch leere Flaschen von Rafa sammeln“ “Was macht er eigentlich jetzt?“ Ja, das war eine gute Frage und interessierte wohl auch alle. “Duschen gehen, dann wird er Maymó nerven, dann wird Toni noch so eine Art Kurzzusammenfassung vom Training zum Besten geben und dann erscheint vielleicht Carlos Costa noch und erinnert ihn an die nächsten Termine heute. Nach dem Training gibt er meistens auch noch Interviews. Da ja das Halbfinale in ein paar Stunden ist, wird Rafa nicht so richtig zum Entspannen kommen und aus dem Grund hoffe ich, dass Costa so intelligent war für heute Abend keine Termine zu machen weil ich Rafa nicht nur sehen will wenn er spielt“
Ihr breites Lächeln verschwand gleich wieder. „Das heißt er hat keine Zeit“ “Mache dir keine Sorgen, für ein paar Autogramme hat er immer Zeit, wir müssen ihn nur finden“

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