26 April 2010

Chapter 43 - Monte Carlo

Lange dauerte es auch nicht bis Sara mich so verdächtig ansah. Sie riecht Lunte, ich kann es ihr schon ansehen! Ihr kann ich nun mal schlecht etwas vormachen. „Was ist los?“ Fragte sie dann und ich werde das Gefühl nicht los das sie nicht mehr locker lässt bis ich alles erzählt habe. Ich überlegte kurz ob ich es ihr sage oder nicht. „Warum?“ Fragte ich erst mal. „Weil ich dich kenne, wenn du dich so verhältst ist immer etwas“ Ja, sie hatte ja Recht. Ich war nervös und spielte die ganze Zeit verräterisch mit den Fingern. „Maymó hat heute früh hier angerufen“
Im nächsten Augenblick wurde ihr Gesicht immer besser, ihre Augen wurden immer größer. „Was?“ Fragte sie etwas schockiert. „Ja, das war auch mein erster Gedanke!“ “Was will der denn von dir?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. Es war auch absurd alles! “Ich soll nach Monte Carlo kommen weil er glaubt das ich einen guten Einfluss auf Rafa habe“ Sie schien gar nichts zu verstehen, dass hatte ich schon erwartet. „Und wieso sollst du dahin kommen? Ich meine, was sollst du machen?“ “Weiß ich auch nicht genau weil er nicht damit rausrücken wollte aber Rafa nervt offensichtlich alle. Anders formuliert ist es ihm wohl doch nicht egal was ich mache. Maymó meinte das Rafa nicht weiß, dass er mich angerufen hat weil er ausflippen würde. Ich weiß das Rafa unbequem werden kann wenn er nicht sein gewohntes Umfeld hat und alles zu viel wird oder wenn es nicht so läuft wie er sich das vorstellt“
Sie schüttelte mit dem Kopf und sagte eine Weile nichts. „Und was hast du ihm geantwortet?“ “Das es mir egal ist“ Sie kaute etwas betreten auf ihrer Unterlippe und schnappte dann nach Luft. „Du solltest ihn nicht anlügen“ Ich rollte genervt mit den Augen und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. „Das ist endgültig vorbei, Nadal braucht nicht denken das ich ihm nachlaufe. Ich lasse mich sicher nicht nochmal auf ihn ein, dass muss ich echt nicht nochmal haben“ Sie sah mich an wie ein angeschossenes Reh und zuckte hilflos mit den Schultern. „Einerseits kann ich dich verstehen aber auf der anderen Seite nicht. Ich kenne sehr viele Leute die nur zu gerne an deiner Stelle werden“ “Meinst du die Fans oder wie? Die haben alle keine Ahnung, nicht mal ansatzweise, du kannst ihn geschenkt haben wenn du willst“ Sie zog kurz ein breites Lächeln, welches aber gleich wieder verschwand. „Da würde ich sofort ja sagen aber es würde mir wahrscheinlich nichts nutzen da es ja so scheint als wenn er dich will“ Ich wurde wieder nachdenklich aber meine Entscheidung stand fest. „Man will so manches“

Die Stimmung wurde leicht drückend in den nächsten Augenblicken. „Willst du das wirklich nicht? Ich meine, ich glaube nicht, dass er dir egal ist“ Warum lässt sie nicht locker? Das bringt doch sowieso alles nichts. “Das behaupte ich ja auch nicht. Ich habe aber keine Lust das es nochmal soweit kommt. Auf die Dauer halten meine Nerven das hin und her nicht aus. Ich lasse mich auf ihn ein und als Dank serviert er mich ab bei der ersten Gelegenheit. Da drängt sich mir die Frage auf in wieweit er das wirklich ernst gemeint hat was er vorher alles gesagt hat“ “Zwar kenne ich ihn nicht aber ich glaube kaum das er sagen würde das er dich liebt obwohl er es gar nicht so meint. Ich meine, die Leute sagen viel wenn der Tag lang ist aber doch nicht sowas!“
Was bezweckt sie eigentlich? Sie will mich ja doch nur wieder mit ihm verkuppeln. Ich hasse das wenn alle sich einmischen und ihren Senf dazu geben müssen. „Wie auch immer, es ist zu spät“ “Zu spät ist es nie. Ich weiß, dass es dir nicht passt wenn alle schlaue Ratschläge geben aber ich sage das nicht weil ich dich ärgern will. Ich werde nur das Gefühl nicht los das du nicht fertig bist mit dem Ganzen. Das du sauer auf ihn bist kann ich verstehen, das war wirklich nicht besonders intelligent was er da gesagt hat aber wenn keiner nachgibt, wird es wirklich nichts mehr“ “Warum ich?“ “Ich fahre auch hin aber ich bezweifle, dass Rafa das irgendwie kümmert wenn ich da auftauche. Der oder in diesem Fall die Klügere gibt nach“ Meinte sie mit einem frechen Grinsen.
„Und falls du einen Grund brauchst, sehe dir Gypsy an“ Meinte sie gleich hinterher. Oh Gott, jetzt geht das wieder los! Ich hatte ihr Mal erzählt das ich das Video noch nicht gesehen habe und sie versucht jetzt bei jeder Gelegenheit mich zu überzeugen. „Ich brauche kein Musikvideo um mir darüber klarzuwerden was ich will“ “Trotzdem solltest du das mal ansehen. Abgesehen vom Ende ist es wirklich gut. Ok, es wirkt stellenweise etwas hölzern aber er ist eben kein George Clooney. Ich finde den Kuss am Ende auch überflüssig, das sieht so gestellt aus das es besser gewesen wäre das wegzulassen aber es ist eben so“ Jetzt wusste ich gar nicht mehr was ich machen soll!
Vor ein paar Stunden war ich mir noch sicher, dass ich mich nicht von Maymó einwickeln lasse aber wenn Sara jetzt auch noch so anfängt… „Ich will es nur deshalb nicht weil ich nicht will, dass er nochmal sowas macht. Je mehr ich mich auf ihn einlasse umso mehr Schaden kann er anrichten und die ersten Tage nach Barcelona waren echt nicht schön. Manchmal denke ich, dass ich mich selbst vor ihm schützen muss. Ich habe damals nur gesagt das ich ein bisschen nachdenken will und der denkt gleich das ich ihn nicht mehr sehen will und macht Schluss. Anscheinend merkt er gar nicht was er anrichtet“ “Typisch Mann! Kennste einen, kennste alle. Wenn ich’s mir recht überlege, will ich ihn doch nicht geschenkt haben“ Kam es dann mit einem dramatischen Augenrollen. Obwohl die Stimmung angespannt war, musste ich lachen. Sie trifft den Nagel auf den Kopf.
„Wenn ich hinfahre, wickelt er mich sowieso wieder ein, dass weiß ich jetzt schon“ “Kann sein aber sieh es doch mal von einer anderen Seite. Zu verlieren hast du doch nichts. Bis jetzt habt ihr doch nicht darüber geredet und es wäre doch eine gute Gelegenheit. Wenn er dir blöd kommt, kannst du ihn doch abblitzen lassen und du müsstest dir selbst später nicht vorwerfen es nicht versucht zu haben. Ich meine wenn er wirklich so verbohrt ist, kann man es dann auch nicht ändern aber wenn du es nicht versuchst wird sich auch nichts ändern“ Ich hasse es wenn sie Recht hat! Es klingt ja auch alles logisch was sie sagt aber in Liebesdingen gibt es keine Logik, da herrschen eigene Gesetze. Und wie blöd würde ich mir denn vorkommen wenn ich hinfahre und er mich dann vielleicht gar nicht sehen will? Das Risiko ist mir zu hoch, ich bin nicht scharf darauf mir noch eine Abfuhr einzuhandeln. Auf der anderen Seite hat Sara Recht, zu verlieren habe ich nichts und ich könnte ihm mal meine Meinung geigen.

Monte Carlo – April 2010

Welcher Teufel mich geritten hat weiß ich auch nicht aber Sara hatte es tatsächlich geschafft mich breitzuschlagen. Maymó tat sein Übriges, er gab sich wirklich Mühe am Telefon mir das ganze schmackhaft zu machen auch wenn er nicht weiß wie Rafa auf mich reagiert. Vielleicht geht es auch alles total nach hinten los und Rafa will mich gar nicht sehen. Dann hat Maymó aber ein richtiges Problem. Zu große Erwartungen hatte ich auch nicht da ich skeptisch bin ob der Plan aufgehen wird. In der Haut von Rafa möchte ich auch nicht stecken, er ahnt ja nichts Schlimmes.
Auf sein Gesicht wenn er mich sieht bin ich schon gespannt. Selbst als ich in Monte Carlo ankam, kam es mir noch total unwirklich vor alles. Flughafen gibt es keinen in der Nähe also flog ich nach Nizza und dann ging es mit dem Auto weiter, sind ja nur ein paar Kilometer nach Monte Carlo. Kümmern musste ich mich um nichts, es gibt ja immer einen Shuttle Service bei den Turnieren und der holt mich ab und bringt mich direkt zum Hotel. In Monte Carlo war ich schon mal Urlaub machen aber das ist ein paar Jahre her und ich fahre ja nicht hin um Urlaub zu machen wobei ich dort gerne mal länger bleiben würde. Tennis gucken könnte ich auch, dass Turnier läuft ja noch dieses Wochenende. Morgen am Samstag spielt Rafa das Halbfinale und am Sonntag dann das Finale, falls er bis dahin kommt. Hoffentlich schnappt er nicht über wenn er mich sieht und fliegt aus dem Turnier.
Ich bin jetzt auch hier weil ich nur wenige Tage zum Überlegen hatte. Lange grübeln konnte ich also nicht und es kann ja nur schief gehen. Es ist exakt vier Tage her als Maymó das erste Mal bei mir anrief. Der machte sicher gedanklich Luftsprünge als ich ihm sagte, dass ich es mir doch anders überlegt hatte. Er kann sich bei Sara bedanken, die es wohl zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hatte mich davon zu überzeugen doch hier her zu fahren. Die hängt doch nur emotional an Rafa und will nicht auf neuen Klatsch verzichten.

Der Ernst der Lage wurde mir erst klar als der Shuttle vor dem Hotel hielt und ich schon sah das Maymó wohl auf mich wartete. Es war schon abends, da ich erst losfliegen konnte als ich mit arbeiten fertig war und die Spiele für heute sind alle schon vorbei. Die Spieler sind sicher alle längst in dem Hotel vor dem ich gerade stehe. Es ist nicht zu fassen, dass ich jetzt wirklich hier bin, ich staunte über mich selbst. Richtig nervös nahm ich meinen Koffer und blieb dann vor ihm stehen.
„Hi“ Sagte ich nur. Er scheint sich wirklich zu freuen, dass ich hier bin, hoffentlich ist Rafa auch der Ansicht. „Hi, ich freue mich das du hier bist auch wenn ich erst dachte, dass das nie passieren wird“ “Hoffen wir das du nicht der Einzige bist der sich freut mich zu sehen“ “Ich glaube nicht, zumindest hoffe ich es. Rafa ahnt zwar nichts aber ich kann mir nicht vorstellen das er sich nicht freut“ “Er ahnt also gar nichts?“ “No, er ist mit Tennis beschäftigt. Wir sind ja hier auch nicht in Deutschland wo er damit rechnen könnte das du doch auftauchst“ “Ich habe ehrlich gesagt kein gutes Gefühl bei der Sache, wir überrumpeln ihn total“ “Das ist Absicht weil der sonst nie einlenkt wenn man ihn nicht dazu zwingt“ Ich konnte nur nervös lächeln und hoffte das er Recht hat. Klar stimmt es das man Rafa zwingen muss aber das ist vielleicht zu viel des Guten.
„Wenn man es von der Seite aus betrachtet hast du Recht. Der ist manchmal so bockig wie ein Kleinkind dem man Spielzeug wegnimmt“ Er sah mich etwas überrascht an aber es stimmt doch! „Ich frage mich woher das kommt“ “Das sind die Probleme wenn man mit Anfang Zwanzig Millionär ist“
Wir liefen ins Hotel und fuhren nach Oben. Einchecken musste ich nicht, dass war alles schon erledigt. Zumindest hatte ich ein eigenes Zimmer, für alle Fälle. Toni ahnt auch nichts wie sich dann rausstellte, nur Carlos Costa ist eingeweiht. Maymó hielt es für keine gute Idee wenn ich Rafa heute Abend noch überfalle also sollte ich im Zimmer bleiben. Gut, dass fand ich einleuchtend. Ist vielleicht auch besser für mich wenn ich erstmal meine Ruhe habe. Da bin ich ja gespannt wie Maymó das Einfädeln will.
Morgen Nachmittag um zwei spielt Rafa das Halbfinale und danach soll er noch trainieren. Entweder ich überfalle ihn vorher und riskiere, dass das Halbfinale schief geht oder ich mache es danach aber dann ist ja noch das Finale. So sehr wird es Rafa schon nicht schockieren mich zu sehen. So hatte ich Zeit die Aussicht vom Balkon aus zu genießen. Hätte Maymó nicht eher anrufen können? Ich fühlte mich gleich wie im Urlaub, zu schade das ich nur zwei Tage hier bleiben werde. Es ist viel zu schön für einen Kurztrip.

Schlafen konnte ich natürlich nicht, kaum zu glauben das Rafa nur ein paar Zimmer weiter ist. Ich hätte ihn schon gerne heute noch gesehen. Inzwischen freute ich mich schon ein bisschen ihn zu sehen. Nach einer unruhigen Nacht stand ich schon relativ früh am nächsten Morgen wieder auf. Es könnte zu schön sein, ich ging auf den Balkon und genoss den Blick über das glitzernde Mittelmeer. Hier könnte ich es auch länger aushalten. Das Frühstück genoss ich auf dem Balkon von meinem Zimmer. Rafa isst zwar auch immer in seinem Zimmer aber man kann ja nicht wissen. Wer weiß was heute alles so passiert.
Mir kommt es so vor als wenn immer irgendwo ein Problem ist. Entweder Sara macht Stress oder Rafa. Das wird langsam nervig, dass immer jemand wegen sinnlosen Dingen sauer auf mich ist. Es klopfte an der Tür also stand ich auf und lief hin. Nach einem kurzen Blick durch den Spion öffnete ich die Tür. „Hi“ “Bon dia“ Kam es mir entgegen während Maymó an mir vorbei ins Zimmer lief. Er folgte mir auf den Balkon und setzte sich mit an den Tisch. „Wie stellst du dir das jetzt vor?“ Fragte ich aus reiner Neugierde während ich an meinem Kaffee nippte. Soll ich zu dem Spiel gehen und Rafa so den Schock seines Lebens bekommen? „Na ja, ich dachte das ich ihn unter einem Vorwand hier her locke“ Das wird ja immer schöner, es ist wie in einem schlechten Film.
“Soll ich mich im Bad verstecken damit er mich nicht gleich sieht und du willst dann von außen die Tür verriegeln? Vielleicht springt er ja vom Balkon wenn er mich sieht“ Meinte ich mit einem Augenrollen. Er geht eindeutig zu verbissen an die Sache. Was wenn es schief geht oder hat er dafür auch noch einen Plan? “Quatsch! Hast du eine bessere Idee? Ich meine es muss ja nicht auf der Tennisanlage sein, da ist er zu abgelenkt“ Ich gab dann auf, was Besseres fiel mir so schnell auch nicht ein. “Von mir aus schicke ihn rüber. Wenn du länger als eine Stunde kein Lebenszeichen hörst kannst du ja mal an der Tür klopfen“ “Spätestens kurz vor 12 muss er sowieso los zur Anlage“ “Ok“
Er verschwand also wieder und Costa wird Rafa gleich zu einem erfundenen Interview hier her schicken. Rafa wird es nicht gut finden wenn sein Manager auch noch versucht sein Privatleben zu managen aber auf mich hört ja niemand. Die sind ja echt erfinderisch alle, dass kann einem Angst machen. Angst hatte ich auch und zwar vor der Reaktion von Rafa. So nervös und aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Bestimmt bekomme ich vor Schreck kein Wort raus wenn Rafa vor mir steht.

21 April 2010

Chapter 42

Immerhin nahm Sara dann Rücksicht auf mich und belästigte mich nicht mehr mit Spielergebnissen oder ähnlichem. Nach der unfreiwilligen Zwangspause spielte Rafa Mitte März in Indian Wells ja wieder mal Tennis nachdem er genug andere Schlagzeilen gemacht hat mit dem Video. Inzwischen war das Shakira Video offiziell erschienen und ich hatte es nicht ein einziges Mal gesehen. Ich konnte mir das einfach nicht ansehen, das würden meine Nerven nicht aushalten. Klar interessierte es mich zu sehen wie es geworden ist zumal alle Welt von dem Kuss am Ende redet.
Das zieht mich aber nur wieder runter wenn ich das sehe. Nach allem was war kann ich ja meine Gefühle nicht einfach so abstellen und das letzte was ich sehen will ist Rafa in trauter Zweisamkeit mit Shakira. Zu schade, dass ich meine Gefühle nicht selbst kontrollieren kann sonst hätte ich Rafa schon längst aus meinem Leben gestrichen. Zwar liebe ich ihn aber ich bin einfach nur enttäuscht von ihm. Immerhin muss ich ihn nicht sehen wenn ich nicht will. Kam mir auch gelegen das die Turniere in den USA sind, da ist er ganz weit weg und es wird auch hier nicht in den Medien berichtet. In Deutschland spielt Tennis keine große Rolle also berichtet auch kaum jemand darüber.
Sara verfolgt natürlich jedes Spiel live wenn es zeitlich machbar ist. Immerhin kam Rafa in Indian Wells bis ins Halbfinale. Da er Titelverteidiger war, wollte er sicher viel mehr aber besser als gar nichts. Er hat schließlich länger nicht gespielt vorher und dann hat er ja noch zusammen mit Marc Lopez die Doppel Konkurrenz gewonnen. Als ich an einem Abend einen schwachen Moment hatte, suchte ich im Internet nach Bildern aus Indian Wells und Miami, wo er gerade spielte. Was hatte ich auch erwartet? Es war alles normal wie immer. Auf einigen Bildern lächelte Rafa für meinen Geschmack ein bisschen zu breit, ihm scheint es ja blendend zu gehen. Fehlt ja nur das er sich mit einer vermeintlich neuen Freundin sehen lässt. Klar ärgert es mich, dass es ihm offenbar nichts ausmacht. Ein paar Wochen waren vergangen aber ich knabberte immer noch daran.
Insgeheim wünschte ich mir, dass er wieder einfach so hier auftaucht aber das wird bestimmt nicht passieren. Er ist sowieso beschäftigt und selbst wenn er Zeit hätte würde er es wohl nicht machen. Sehen würde ich ihn schon gerne, ich hätte das nie für möglich gehalten aber es fühlt sich an als würde ein Teil von mir fehlen. Es gibt kaum Situationen die mich nicht auf irgendeine Weise an ihn erinnern. Freiwillig würde ich aber nicht über meinen Schatten springen, vielleicht soll es einfach nicht sein obwohl ich vor ein paar Wochen noch das Gefühl hatte das es wirklich klappen könnte.

In Miami sollte Rafa auch kein Turniergewinn vergönnt sein wie sich dann rausstellte. Er kam dort aber immerhin bis ins Halbfinale. Gesehen hatte ich keins von den Spielen, ich hatte nur mit einem Auge den Turnierverlauf mitverfolgt. Nach Miami war eine Woche Zeit und dann geht es ja weiter in Monte Carlo. Rafa hat sicher gar keine Zeit sich hängen zu lassen und schlechte Laune zu verbreiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich mehr erhofft hat als das Halbfinale, er ist auch so knapp gescheitert, was es sicher noch schlimmer macht. Er ist doch so abgelenkt überall das er gar nicht total zur Ruhe kommen kann.
Sara hoffte wohl auch deshalb das es sich nochmal einrenkt weil sie auf Autogramme oder ähnliches spekulierte aber es scheint so als wenn sich die Hoffnung nicht erfüllt. Inzwischen ist es April und ich habe endgültig abgeschlossen mit dem Kapitel. Ewig in der Vergangenheit zu leben bringt mich auch nicht weiter. So wütend wie erst war ich jetzt nicht mehr, vielleicht habe ich meinen Teil dazu beigetragen das es nicht ging. Es war im Nachhinein gesehen total verrückt wie ein harmloses Gespräch so eskalieren konnte.
Das passierte auch noch öfters, ich bin eigentlich nicht streitsüchtig veranlagt aber Rafa schafft es irgendwie mich total zum ausflippen zu bringen, im positiven wie auch im negativen Sinne. Zwar hätte ich schon gerne nochmal mit Rafa gesprochen aber es ist wohl besser so. Seine Nummer habe ich noch aber ich werde ihn nie anrufen, es ist zu viel Zeit vergangen. Je länger ich keinen Kontakt zu ihm habe umso höher wird die Hemmung den ersten Schritt zu machen. Zwar habe ich erstmal die Nase voll von Beziehungen aber das wird sich auch wieder geben. Es erschien mir nahezu paradiesisch mit jemandem zusammen zu sein der ein normales Leben führt, nicht bekannt ist und auch Zeit für mich hat.
Mir wird erst jetzt klar wie verrückt die letzten Monate mit Rafa waren, das war wie eine andere Welt. Damals war es mir nicht so klar aber ich hätte noch mehr in Kauf genommen um mit ihm zusammen sein zu können. Wahrscheinlich finde ich jetzt nie mehr einen Freund weil Rafa meinen Geschmack gründlich versaut hat. Jemanden wie ihn finde ich mit Sicherheit nicht so schnell wieder. In dem Punkt konnte Sara mich sogar verstehen. Und ich kann auch verstehen wieso sie keinen Freund hat und das obwohl sie nicht mit Rafa zusammen war, die hohen Ansprüche sind wohl allgemein ein Problem.
Jetzt sitzen wir im selben Boot. Inzwischen kann ich darüber auch lachen, es machte schon Spaß mit ihr wegzugehen und dann festzustellen, dass wir wohl als frustrierte Alleinstehende enden werden auch wenn es nicht so richtig ernst gemeint war.

Ich hatte mich jedenfalls prächtig amüsiert als ich mit ihr abends ausgegangen war und wir wieder mal die Grundsatzprobleme des Lebens in allen Details erörtert hatten. Wenigstens hat sich das mit Sara wieder eingerenkt, es war wie früher und als wäre nie etwas zwischen uns gewesen.
Leicht beschwipst stieg ich unter lautem Gekicher aus ihrem Auto und ging nach oben in meine Wohnung wo ich todmüde sofort in mein Bett fiel. Am nächsten Tag wollte ich meine Eltern anrufen und sah, dass mein Telefon zwei unbekannte Anrufe anzeigte. Da aber keine Nummer dastand, weiß ich nicht wer es war. Was soll’s waren sicher meine Eltern. Die waren es aber doch nicht wie sich rausstellte als ich sie anrief und Sara war es ja auch nicht aber derjenige wird sich schon nochmal melden wenn es wichtig ist also verschwendete ich keinen Gedanken mehr daran und machte mich an das Frühstück.
Es war doch schön, dass ich überhaupt heute Zeit hatte zum trödeln. Schichtarbeit kann auch Vorteile haben, so kann ich auch unter der Woche mal weg gehen abends und am nächsten Tag ausschlafen.

Während ich mein Müsli kaute, überlegte ich was ich heute noch mache. Ab um 12 muss ich ja arbeiten also ist nicht mehr so viel Zeit. Ich kam aber nicht dazu ausführlich zu überlegen weil mein Telefon sich meldete. Gemütlich schlurfte ich in den Flur und drückte annehmen ohne nachzusehen wer es ist. „Ja?“ Ging ich etwas gelangweilt ran und lief derweil wieder in die Küche.
„Amaia?“ Ich überlegte wer das ist als ich mich hinsetzte aber es fiel mir einfach nicht ein. Ist es peinlich nachzufragen wer es ist? Ich kenne die Stimme zumindest nicht. „Wer ist da?“ Fragte ich also doch und rührte nebenbei in der Schüssel. „Rafael Maymó“ Im nächsten Moment fiel mir das Müsli buchstäblich vom Löffel. Hatte ich das eben richtig gehört? „Aha hola“ Meinte ich nur und ahnte nichts Gutes. Wenn der hier anruft, weiß ich schon was los ist oder ahne es.
Der Physio von Rafael Nadal wird nicht ohne Grund bei mir anrufen. So richtig kannte ich Maymó auch nicht, er war mir ein paar Mal begegnet und wir hatten ein paar Worte gewechselt aber mehr eben auch nicht. Mir war auch gar nicht bekannt, dass er meine Telefonnummer hat aber die wird er sich irgendwie besorgt haben. In meinem Magen drehte sich schon alles und nervös wurde ich auch. „Damit habe ich nicht gerechnet. Wie komme ich zu der Ehre?“ Fragte ich dann zurückhaltend als ich mich wieder unter Kontrolle hatte. Meine Begeisterung hielt sich verständlicherweise in Grenzen. „Also na ja, wie soll ich anfangen. Ich rufe nicht ganz uneigennützig an. Du kannst dir ja vermutlich schon denken um wen es geht“
Ja, und wieso eiert der so rum? Das macht mich verrückt, der soll endlich sagen was er will und mich dann in Ruhe lassen! Ich werde nur wütend wenn er mich hinhalten will. „Falls er dich dazu gezwungen hat mich anzurufen sage ihm, dass er gefälligst selbst anrufen soll wenn er etwas will“ Sagte ich distanziert. “Rafa weiß nicht das ich dich anrufe, er würde es sicher nicht wollen“ Na toll, dass kann ja heiter werden. Plant er eine Verschwörung? Ich lehnte mich entspannt zurück und versuchte nicht gleich durchzudrehen. „Was ist los?“ Fragte ich und war mir gar nicht sicher ob ich das wirklich wissen will, ohne Grund ruft der sicher nicht an. „Ich will nicht neugierig sein oder unverschämt aber hast du am kommenden Wochenende Zeit?“ “Ich wüsste nicht was dich das angeht aber ich habe noch nichts genaues geplant“ “Es mag sich komisch anhören oder verrückt aber könntest du vielleicht nach Monte Carlo kommen?“
Obwohl ich seiner Stimme entnehmen konnte das er ziemlich angespannt ist, musste ich spontan anfangen zu lachen. Nicht weil ich das lustig fand, ich war nur total überrascht. Na der ist gut! Der traut sich echt was mich einfach so zu fragen ob ich dahin komme! Das war nicht komisch oder verrückt sondern beides zusammen.

„Wieso sollte ich das tun?“ Fragte ich ernst zurück und schüttelte dabei amüsiert mit dem Kopf. Alleine der Gedanke ist abstrus. „Es ist wegen Rafa, er ist etwas neben der Spur in den letzten Wochen. Ich weiß nicht was genau zwischen euch vorgefallen ist aber so geht das nicht weiter. Es kann doch nicht so schlimm sein das es sich nicht mehr klären lässt“ Wie ist der denn drauf? Ich frage mich eben was Rafa ihm erzählt hat, offenbar nur die halbe Wahrheit wenn der allen Ernstes glaubt das wir wieder zusammen kommen. „Also ich weiß nicht was er dir erzählt hat aber es gibt nichts mehr zu klären, das ist vorbei. Er wollte es so“ “Das glaube ich ganz sicher nicht das er das wollte! Wenn er es so gewollt hätte dann bestünde ja auch kein Grund das er sich hängen lässt“ Langsam wurde mir das jetzt aber zu bunt, ich fühlte mich wie vor dem Richter.
„Nimm‘ es nicht persönlich aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust mit dir darüber zu diskutieren“ “Es tut mir leid wenn ich dir zu nahe trete. Ich weiß, dass ich kein Recht habe mich einzumischen, das will ich auch nicht. Er bringt mich um wenn er rausfindet, dass ich dich angerufen habe, aber ich würde nicht anrufen wenn es mir nicht wichtig wäre. Ich mache das nicht aus Spaß! Ich weiß das du einen guten Einfluss auf ihn hast“ Meine Geduld ging langsam aber sicher zur Neige. Was er will ist eigentlich egal, es geht mich nichts mehr an und Rafa hat es genau so gewollt, basta! Wobei ich schon genau weiß was er will, Rafa macht Stress und Maymó glaubt wohl das ich ihn wieder auf den Teppich hole. Er will mich zu einer Art Psychodroge für Rafa machen aber daraus wird nichts werden. „Ich weiß nicht was du genau von mir willst aber ich muss dich enttäuschen. Ich komme nicht nach Monte Carlo. Daran wie die Dinge jetzt sind ist er selbst Schuld und ich sehe überhaupt nicht ein warum ich jetzt nachgeben soll nachdem er sich fast zwei Monate nicht gemeldet hat. Wenn er schlecht spielt oder anderweitige Probleme hat müsst ihr das anders regeln denn ich opfere mich nicht dafür“
Eine Weile kam keine Antwort und ich kann mir denken, dass er erstmal kräftig schlucken musste. Hat er geglaubt, dass ich nur darauf warte bis er hier anruft? „Ist das dein letztes Wort?“ Fragte er vorsichtig und schien zu hoffen, dass er mich noch umstimmen kann. “Ja“ Sagte ich voller Überzeugung. “Gut, dann kann man wohl nichts machen“ Er nötigte mich noch dazu seine Nummer aufzuschreiben bevor ich auflegen konnte. Falls ich es mir doch noch anders überlege soll ich ihn anrufen. Das wird sowieso nicht passieren.

Ich war richtig baff als ich den Hörer wieder weggelegt hatte. Der hat ja echt Nerven hier anzurufen! Es ist verrückt, nach wochenlanger Funkstille ruft ausgerechnet Maymó hier an. Warum nicht Toni oder die Eltern von Rafa? Wird sicher daran liegen das Rafa allen ausdrücklich verboten hat mit mir Kontakt aufzunehmen. Die Mutter von Rafa hat mir mal erzählt das Rafa es vorzieht Konflikten aus dem Weg zu gehen. Er löst die Dinge durch aussitzen.
Dadurch provoziert er aber alle selbst einzugreifen und dann ist er erst recht sauer. Man sieht es ja an Maymó, ich kann mir nicht vorstellen, dass er hier anrufen würde wenn er sich nichts davon verspricht. Ich weiß schon was der will. Es wird alle nerven wenn Rafa seine Launen rauslässt und ich soll ihn wohl wieder in die richtige Spur bringen. Mich hat er auch schon versucht zu nerven aber ich habe ihn dann meistens ziemlich schnell wieder auf den Teppich geholt. Warum soll ich das tun? Nur damit alle ihre Ruhe haben? Sicherlich nicht!

Der Tag fing so schön an und war dann natürlich gelaufen. Das ich arbeiten musste half mir auch nicht, ich grübelte trotzdem nach. Dabei werde ich auch noch schusselig und mache Fehler weil ich nicht bei der Sache bin. Zu allem Übel wollte Sara auch noch zu mir kommen heute Abend. Die wird mir den Rest geben obwohl ich gerne ihr Gesicht sehen würde wenn ich es ihr erzähle.
Natürlich kam mir mehr als einmal in den Sinn Maymó nochmal anzurufen und zumindest zu fragen was genau los ist. Dann besteht aber die Gefahr, dass er mich noch breitschlägt und ich wirklich nach Monte Carlo fahre. Zwar habe ich nichts mehr zu tun mit Rafa aber das heißt ja nicht, dass er mir egal ist. Es war ein sehr verlockender Gedanke ihn nochmal zu sehen. Ich weiß jetzt schon, dass er mich wieder rumkriegen würde und wir dann so weitermachen wie vor Barcelona. Wahrscheinlich kann ich mich sowieso nicht von Rafael Nadal fernhalten. Sara erschien dann und ich konnte nicht länger überlegen. Jetzt fehlt es nur das sie irgendwas merkt und anfängt nachzufragen.

18 April 2010

Chapter 41

„Ich habe über gestern Abend nachgedacht. Vielleicht hast du Recht und wir sollten wirklich getrennte Wege gehen“ Träume ich das gerade? Ich brauchte ein paar Sekunden um zu kapieren was er eben gesagt hat. Wieso spürte ich nur eben wieder diese unheimliche Wut in mir aufsteigen? Mir fiel es schwer nicht mit offenem Mund dazusitzen. Das ist ja echt irre, ich hätte mit allem gerechnet aber damit nie! Klar sagt man manchmal sinnloses Zeug aber Rafa sah gar nicht aus als wenn er mich nur ärgern will. Der meint das wirklich ernst! Außerdem hatte ich gestern gesagt, dass wir uns eine Weile aus dem Weg gehen sollten und nicht für immer, das ist ja wohl ein Unterschied.
„Ist das alles?“ Fragte ich distanziert und bemühte mich ruhig zu bleiben. Glaubt er, dass er mich abservieren kann wie es ihm gerade passt? Da ist er bei mir an der falschen Adresse. „Warum?“ Fragte ich mit einem gefassten Gesicht. Das wüsste ich dann schon gerne. Letzte Woche hat er mich noch halb angefleht das ich hier her kommen soll und jetzt überlegt er es sich wieder anders? Er zuckte mit den Schultern und biss auf seine Unterlippe. „Das war doch ausreichend genug gestern Abend. Wenn wir uns wegen scheinbar sinnlosen Dingen nicht einigen können, sehe ich keine andere Möglichkeit. Wenn es dir nicht gefällt, ist das eben so aber ich habe keine Lust mich deshalb von dir behandeln zu lassen als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Ich stehe dazu das ich das gemacht habe und ich lasse mir sicher von dir kein schlechtes Gewissen einreden“ Ich gebe zu das ich doch etwas in Rage geriet, wenn er so etwas sagt fühlt sich das richtig gut an.
Würgen könnte ich ihn und zwar so richtig! Kurz musste ich mich beruhigen und sah von ihm weg. „Wenn das so ist das du sowieso alle Entscheidungen alleine triffst hättest du mich ja gar nicht fragen müssen oder war das auch nur damit du deine Hände jetzt in Unschuld waschen kannst?“ Was glaubt der eigentlich wer er ist? Ich lasse mich doch von ihm nicht unterbuttern. Er sah von mir weg und reagierte gar nicht mehr. „Es tut mir leid“ Kam es plötzlich. Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Was denn genau? Wenn ich mich nicht beherrsche, springe ich auf und stürze mich auf ihn.
Das war mir entschieden zu viel also flüchtete ich wieder ins Bad. Das ist ja wohl echt die Spitze! Ich wusste gar nicht was ich zuerst denken sollte. Ich kann nicht glauben, dass er das Ernst meint das er Schluss machen will. Irgendwie dreht er wohl gerade durch. Das tue ich auch gleich, ich war viel zu wütend um die Tragweite des Ganzen zu begreifen. „Amaia“ Kam es leise von der anderen Seite der Tür. Was will er denn jetzt noch?

Ich blieb mit dem Rücken an die Tür gelehnt stehen ohne zu öffnen. „Verschwinde“ Rief ich laut und danach kam nichts mehr. Keine Ahnung ob er noch da ist oder ob er gegangen ist. Ich hoffe das er weg ist weil ich ihn nicht sehen will. Denkt er das er alles mit mir machen kann? So lasse ich mich ganz sicher nicht behandeln und von ihm schon gar nicht! Was mich am meisten aufregt ist das es ihm offensichtlich egal ist was ich dazu sage, er macht am Ende ja doch was er will.
Wenn er meint alles besser zu wissen muss er jetzt mit den Konsequenzen leben. Um das Video geht es doch schon lange nicht mehr, das war nur ein Aufhänger der in eine Grundsatzdiskussion ausartete. Ich musste hier weg und zwar dringend! Mit großem Schwung öffnete ich die Tür und stürmte ins Zimmer. Hatte ich nicht gehofft, dass er weg ist? War wohl ein zu schöner Traum denn er war noch da, er stand gleich neben der Badtür seitlich an die Wand gelehnt und sah mich vorsichtig an. Ich ignorierte ihn einfach und holte nur meine Tasche. „Amaia“ Ich blieb in sicherer Entfernung zu ihm stehen und schnappte nach Luft. „Du kannst dir deine Entschuldigung sparen. Ich lasse mich sicher von dir nicht so behandeln, dass ist echt das Letzte! Denkst du, dass du mich abservieren kannst wie es dir gerade passt? Mit dir bin ich fertig! Aber ist vielleicht gar nicht so dumm, es funktioniert ja offensichtlich sowieso nicht mit uns“
Ich dachte ja er sagt gar nichts aber das gefährliche Flackern tauchte wieder auf in seinen Augen. „Bueno, dann sind wir uns ja einig!“ Um nicht noch etwas Dummes zu tun drehte ich mich um und ging.

Ziellos irrte ich durch Barcelona und wusste nicht mal mehr wo ich genau bin. War auch egal, Hauptsache ich muss nicht nachdenken. Das war ein bisschen viel alles. Sicher dauert es ein paar Tage bis alles gesackt ist. Was neues war es ja nicht, an dem gleichen Punkt waren wir ja schon mal nur das es damals an mir lag. Es würde mich nicht wundern wenn Rafa dieses Mal nicht einlenkt. Er machte einen entschlossenen Eindruck auch wenn ich erst dachte das er es nur sagt um mich zu ärgern. Allmählich dämmerte es mir dann das er vielleicht keinen Scherz gemacht hat sondern das ernst meint.
Was mache ich eigentlich noch hier? Es ist ja wohl nicht erforderlich das ich noch länger hier bleibe. So einfach war es aber nicht, ich bekam keinen Flug eher! Da werde ich arm wenn ich von heute auf morgen einen Flug buche. Na schön, dann bleibe ich eben hier, sind ja sowieso nur noch drei Tage. Aber zumindest von dem Hotel muss ich weg. Unter keinen Umständen will ich Rafa sehen. Wie ferngesteuert lief ich am Nachmittag zurück zum Hotel und packte meine Sachen ein.
Zum Glück war ich alleine aber ich hatte nichts anderes erwartet. Als ich soweit alles eingepackt hatte, lief ich nochmal eine Runde um nachzusehen ob ich auch nichts vergessen habe. Sieht so aus als hätte ich alles also nichts wie weg! Mir doch egal was er denkt wenn er wieder kommt und sieht das meine Sachen weg sind. Kurz vor der Tür drehte ich mich nochmal um und ließ den Blick durch das Zimmer schweifen. Unglaublich wie weit es in zwei Tagen kommen kann.
Innerhalb von Minuten ändert sich mein ganzes Leben aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken, später wird dafür noch genug Zeit sein. Nachdem ich tief durchgeatmet hatte öffnete ich die Tür und zu meinem Entsetzen stand Rafa direkt vor mir. Er sah kurz an mir nach unten und dann wieder in mein Gesicht. So richtig zu bereuen scheint er nichts wenn ich sein Gesicht richtig deute. Zu sagen habe ich ihm nichts mehr also lief ich einfach an ihm vorbei und tat so als wenn er nicht da wäre auch wenn es mir schwer fällt. Ich kann nicht glauben, dass er wirklich will das es so endet mit uns aber sein Blick machte schon deutlich das ich mir keine Hoffnungen machen brauche das er noch einlenkt.
Es ist ja nicht so, dass ich hier bleiben würde wenn er versucht noch was zu retten aber er scheint es nicht mal zu versuchen. Mit einem deprimierten Gesicht zog ich also meinen Koffer hinter mir her und machte mich auf zu dem anderen Hotel.

Vier Tage später war ich wieder zu Hause und fühlte mich erst Recht wie im falschen Film. Da ich die letzten drei Tage viel Zeit zum Nachdenken hatte, tat ich das auch ausgiebig. Die anfängliche Wut wandelte sich in Frustration und dann totale Niedergeschlagenheit. Wie gut das mich da niemand kannte, so fiel es nicht auf das ich den ganzen Tag nur im Hotelzimmer saß und geradeaus an die Wand starrte. Nach ein paar Tagen wurde mir klar was das alles bedeutet. Erst klammerte ich mich an die Hoffnung das Rafa es sich noch anders überlegt aber wer weiß ob das so gut wäre. Ich mache mich ja nur wieder abhängig von ihm. Außerdem weiß ich wie stur er ist, der sieht doch von selbst niemals ein, dass er einen Fehler gemacht hat. Es tut schon ziemlich weh auf welche Art das ganze geendet ist.
Niemals hätte ich geglaubt das es je soweit kommen könnte. Man sagt ja manchmal Dinge die man nicht so meint aber das war so verfahren alles. Mit dem Gedanke Rafa nie wieder zu sehen kann ich mich überhaupt gar nicht anfreunden. Obwohl ich total sauer auf ihn war, vermisste ich ihn schon nach zwei Tagen. Wenn wir uns nicht sehen können, telefonieren wir ja wenigstens aber es herrschte Funkstille. Einerseits war ich froh wieder zu Hause zu sein auf der anderen Seite nicht. Klar lenkt es mich ab weg zu sein von dem ganzen Chaos aber es holt mich sowieso wieder ein. Die große Entfernung zwischen uns macht es nur noch schwieriger. Durch die räumliche Entfernung steigen die Chancen, dass es das wirklich war.
Es ist ja nicht so das wir uns mal zufällig über den Weg laufen. So richtig geht das nicht in meinen Kopf rein was passiert ist. Ich kann und will mich damit nicht abfinden aber mir bleibt wohl keine Wahl. Ich bin auch zu sauer auf ihn um ihm das einfach so zu verzeihen. Ich lasse mich doch nicht einfach abschieben sobald ich nervig werde. Langsam kamen mir Zweifel ob er das wirklich ernst gemeint hat als er sagte das er mich liebt. Ist doch nicht normal das er innerhalb einer Woche so seine Meinung ändert. Ich komme mir echt verarscht vor, so beschissen fühlte ich mich schon lange nicht mehr. Er ist es nicht wert das ich wegen ihm Tränen vergieße auch wenn ich das tat.
Der Vorteil ist nur das niemand weiß warum ich mich so benehme. Meine Eltern sah ich gerade nicht und meine Arbeitskollegen wussten sowieso von nichts. Dummerweise hatte ich bevor ich nach Barcelona flog Sara davon erzählt. Die fragt doch mit Sicherheit wie es so war außerdem kennt sie mich zu gut. Die merkt sofort was los ist und ich bin nicht in Stimmung mit irgendwem darüber zu reden auch wenn sie mich vielleicht verstehen könnte. Da kommt nur alles wieder hoch und das zieht mich noch mehr runter.

Am Telefon konnte ich mich noch geschickt aus der Affäre ziehen aber sie meinte wir könnten uns ja mal wieder treffen. Tja, was sollte ich machen? Stimmt ja auch, ich kann und will ihr nicht ewig aus dem Weg gehen. Inzwischen war es ja auch egal, der Grund warum die Freundschaft zu ihr beinahe zerbrochen wäre hat sich ja in Luft aufgelöst.

Mit einem mulmigen Gefühl klingelte ich an ihrer Tür und wartete. Es dauerte auch gar nicht lange bis sie öffnete und mich rein ließ. Nachdem wir uns begrüßt hatten, lief ich von selbst ins Wohnzimmer und machte es mir bequem. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Es wäre alles so schön, wenn sie nicht an der Wand ein Foto von Rafa hängen hätte. Das war von der Siegerehrung in Indian Wells im letzten Jahr wie ich der Beschriftung entnehmen konnte.
Hinsehen konnte ich nur schlecht, ich fühlte mich sofort wieder an letzte Woche erinnert. Vor knapp zwei Wochen war ich ja mit ihm bei seinen Eltern und da hat er einen auf überglücklich gemacht und dann eine Woche später… Ich holte tief Luft und versuchte ruhig zu bleiben. Sara kam inzwischen mit Getränken rein die sie vor mir auf den Tisch stellte und setzte sich dann hin. „Jetzt erzähle doch mal! Ich meine etwas genauer als am Telefon. Was hast du denn genau gemacht in Barcelona?“ Tja, wenn sie so fragt, was habe ich eigentlich gemacht? Trübsal geblasen, ja das trifft es. Ich machte ein ernstes Gesicht und zuckte mit den Schultern.
„Nichts spezielles, ich war die Stadt angucken soweit es ging“ Sie sah mich ja erst so total begeistert und neugierig an aber inzwischen runzelte sie leicht die Stirn. „Aha“ Kam es erst mal nur. Die Stimmung wurde merkwürdig, ich will eigentlich gar nicht über Barcelona reden. „Amaia“ Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah sie an. „Mhh?“ Mir wurde dann erst klar, dass ich die ganze Zeit auf das Bild von Rafa gestarrt hatte. „Ist alles in Ordnung?“ Fragte sie dann mit einem besorgten Gesicht und sah mich fragend an. „Er hat Schluss gemacht“ Hörte ich mich selbst sagen und starrte wieder auf das Bild.
„Was?“ Fragte sie mit weit aufgerissenen Augen da sie wohl dachte ich will sie auf den Arm nehmen. Es war als würden wir über jemand anderes reden und nicht über mich. Ich schluckte und kämpfte mit meinen Emotionen. Was sagen konnte ich nicht also zuckte ich nur leicht hilflos mit den Schultern. Sie lief um den Tisch und setzte sich dann direkt neben mich. „Wie, er hat Schluss gemacht? Willst du mich verarschen? Falls ja, dann ist das ein ganz blöder Witz“ “Ist kein Scherz“ Antwortete ich leise und versank eben in meine eigene Welt. Mir fiel es Zusehens schwerer die Beherrschung zu wahren. Nach einer Weile merkte ich erst das sie ihre Hand auf meiner Schulter liegen hatte und wohl wartete bis ich etwas sage. Langsam drehte ich meinen Kopf und sah in ihr Gesicht. Ihr mitleidiger Blick war zu viel und brachte das Fass zum überlaufen.
Schnell drehte ich meinen Kopf von ihr weg und wischte mit einer Hand die Träne aus meinem Gesicht. Ein lautes schniefen konnte ich mir nicht verkneifen, spätestens jetzt weiß sie was los ist. „Was ist denn passiert?“ Fragte sie nach ein paar Minuten vorsichtig. Ich sah wieder zu ihr und konnte nur mit dem Kopf schütteln. „Ich weiß es nicht, es lief total beschissen“ War ja jetzt egal also konnte ich ihr auch alles erzählen. Da sieht man mal wo ein scheinbar harmloser Streit hinführen kann. Je mehr ich ihr erzählte, umso mieser fühlte ich mich aber ich konnte die Tränen sowieso nicht mehr zurückhalten. Es tat auch ganz gut mal alles rauszulassen. Ich war total durcheinander.

„Und seitdem hat er sich nicht mehr gemeldet?“ Fragte Sara dann als ich ihr alles erzählt hatte. Ich schüttelte verneinend mit dem Kopf und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. Inzwischen herrschte eine Götterdämmerungsstimmung. Sie schnappte nur noch nach Luft und schien nicht zu wissen was sie dazu sagen soll. „Ich kann nicht wirklich glauben das er das ernst meint“ Meinte sie dann leise. Bei mir machte sich inzwischen wieder die blanke Verzweiflung breit, mir war schon richtig schlecht.
Da sie darauf wohl keine Antwort hatte, biss sie nur auf ihre Unterlippe und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Wahrscheinlich ist eben ihre heile Welt eingestürzt da sie wohl nichts schlimmes von Rafa denkt. „Das ist unglaublich“ Sagte sie dann leise als wenn sie es nicht glauben könnte. „Und jetzt?“ Eine gute Frage! „Nichts, Ende der Geschichte oder sollte ich sagen Albtraum?“ Sie umarmte mich und wollte mich wohl aufheitern aber das war schier nicht möglich. „Mensch jetzt lasse dich nicht hängen. Ich weiß das es doof klingt aber das geht vorbei. Als ich meinen ersten Liebeskummer hatte dachte ich auch ich muss vom nächsten Hochhaus springen“
Ja, sie hat gut reden, die ist ja auch nicht in meiner Situation. „Ich vermisse ihn“ Sagte ich leise und sah sie mit einem wässrigen Blick an. „Kann ich verstehen. Zwar kenne ich ihn nicht aber sowas hätte ich ihm nicht zugetraut. Vielleicht gibt es sich ja doch wieder. Ich meine, nach einer Weile wenn ein bisschen Gras drüber gewachsen ist“ Sie meinte es nur gut aber es war zwecklos. „Denke ich nicht, wir waren zwar schon mal in einer ähnlichen Lage aber das war etwas anderes und ich mache sicher nicht den ersten Schritt“ Sieht so aus als wenn sie auch keinen nützlichen Rat weiß aber vielleicht gibt es den auch gar nicht.

10 April 2010

Chapter 40

Immer noch mit einem unguten Gefühl lief ich ungefähr eine Stunde später zurück zum Hotel. Es war alles ruhig auf dem Gang, ich blieb vor der Zimmertür stehen und sammelte mich nochmal. Vorhin stand ich schon mal hier aber da freute ich mich noch total darauf Rafa zu sehen. Zwar freue ich mich nach wie vor ihn zu sehen aber ich hatte mir das ein bisschen anders vorgestellt. Nervös klopfte ich dann an der Tür und holte tief Luft. Nach ein paar Sekunden öffnete Rafa die Tür und ließ mich rein ohne einen Ton von sich zu geben. Ich lief an ihm vorbei und blieb gleich neben ihm stehen.
Er machte die Tür zu und sah mich an als wenn er wartet was ich sage. „Es tut mir leid das ich so reagiert habe“ Sagte ich leise und sah auf meine Hände. Ich fühlte mich reichlich blöd, vielleicht habe ich zu empört reagiert aber ich neige nun mal zu Spontanreaktionen. „Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, es hätte mich erstaunt wenn du anders reagierst“ Sagte er dann mit einem vorsichtigen Lächeln. Ich zuckte mit den Schultern und wusste nicht was ich sagen soll. „Ich musste das erst mal verdauen. Vielleicht hättest du mich vorher abfüllen sollen“ Er nahm meine Hand in seine und nickte leicht mit dem Kopf. „Setz‘ dich“ Wie befohlen machte ich es mir auf der Couch bequem, Rafa direkt neben mir.
„Es ging mir ähnlich, ich meine, ich war auch erst total platt als ich hörte was das werden soll. Das war ganz sicher nicht meine Idee“ Hoffentlich müssen wir das nur einmal diskutieren. „Muss das wirklich sein?“ Fragte ich vorsichtig und hatte Hoffnung das er vielleicht ins schwanken kommt. “No aber sie hätte es eben gerne so“ “Ist klar, ich würde mir an ihrer Stelle auch die Chance nicht entgehen lassen. Was würdest du machen wenn ihr spontan einfällt das sie gerne noch mehr hätte als ein paar Küsse?“ Seine Antwort kam in Form eines genervten Augenrollens. „Ist doch wahr!“ Schob ich noch nach.
Die ist ja ganz schön gerissen. Privat ist sie ja schon ewig verlobt, wahrscheinlich verbindet sie so das angenehme mit dem nützlichen, ich könnte sie erwürgen! Eigentlich mag ich sie ja aber das ist heftig. „Wenn du gar nicht damit leben kannst, mache ich es nicht“ Es war so klar, dass er das jetzt sagen würde. Wir schieben doch praktisch nur den schwarzen Peter hin und her. Er soll mal nicht so tun als wenn es nur ihre Idee wäre, immerhin macht er ja mit also braucht er es gar nicht auf sie schieben. “Das Thema hatten wir ja schon. Ich will nicht der Grund sein das alles umgeplant werden muss“ “Und ich will nicht das du dann sauer auf mich bist“ “Das bin ich nicht. Ich weiß das es nur gestellt ist und da sicher zehn Leute ringsum stehen. Wenn du meinst, dass es unbedingt sein muss, dann musst du es eben machen. Du kannst dir sicher denken das ich nicht ausflippe vor Begeisterung aber an mir soll es nicht scheitern“ “Wirklich?“ Fragte er noch immer so zögerlich.
Jetzt musste ich schon wieder lachen darüber und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. „Glaubst du ich reiße dir den Kopf ab oder mache Schluss mit dir deswegen?“ Das war mehr eine rhetorische Frage nur schien Rafa das anders zu sehen, er sah mich skeptisch an. „War Spaß“ Sagte ich sicherheitshalber noch. „Ich weiß selbst nicht wie sie es geschafft hat mich dazu zu überreden. Es ist nicht so das ich gleich begeistert zugestimmt habe“ “Wie auch immer, ich habe keine Lust jetzt ein Schmierentheater deswegen zu veranstalten“ Hinterher kann ich es dann immer noch tun, schoss es mir durch den Kopf. Das ich jetzt sage das er es ruhig machen soll heißt ja nicht, dass ich nicht noch mal ausflippe wenn ich es dann sehe. Rafa sah mich recht skeptisch an, er denkt sicher das noch etwas kommt.
„Sage ihr das sie einen Versuch hat für die Kussszene. Wenn es nicht klappt hat sie Pech oder ich springe für sie ein“ Ich dachte ja er lacht vielleicht aber nichts passierte. „Das Video sollte schon eine Jugendfreigabe bekommen“ Jetzt konnte ich nicht länger ernst bleiben und musste mit dem Kopf schütteln. „Wie auch immer, ich gehe duschen“ Ich stand auf und verschwand ins Bad, ich hatte jetzt auch kein Lust mehr tiefgründige Diskussionen zu führen da ich müde war.

Am nächsten Tag ging ich also alleine in Barcelona shoppen und die bekannten Sehenswürdigkeiten mitnehmen während Rafa das Video dreht. Er kann Shakira küssen und bekommt dafür auch noch Geld! Die Welt ist schon sehr ungerecht. Er hat mir allen Ernstes angeboten das ich mitkommen soll zu dem Studio. Ich bin doch nicht wahnsinnig und stehe auch noch tatenlos daneben. Das Ergebnis werde ich schon noch zu sehen bekommen. Richtig Ruhe hatte ich nicht da ich mich schon fragte was da am Ende rauskommt. War keine schlechte Idee sich ein bisschen abzulenken.
Zeit konnte ich mir auch lassen da Rafa morgen noch einen Werbespot für einen Sponsor dreht und ich da wieder genügend Zeit habe. Was soll’s mir war klar das er beschäftigt sein wird. Als es Nachmittag wurde und ich in einem Café saß, dachte ich ja doch wieder nach. Ich war mehr als nur Neugierig auch wenn ich das Rafa nie sagen würde. Wo das Studio ist weiß ich, ist nur ein paar Minuten vom Hotel weg. Ich schwanke immer hin und her ob ich hingehe oder nicht.
Vielleicht rege ich mich dann nur wieder auf aber es ist ja egal da ich das fertige Video ja sowieso irgendwann sehe also wieso nicht gleich? Es ist sicher nicht fertig aber man bekommt ja einen Eindruck bei drehen. Ein paar Stunden drückte ich mich noch bis die Neugierde über meinen Verstand siegte und ich also doch sehen wollte was dort vor sich geht. Inzwischen war es schon Abends, ich weiß nicht wie lange es geht. Rafa meinte bis zum Ende, das war sehr hilfreich. Kann sein er ist erst nach um neun wieder im Hotel.

Ich lief also zielsicher da hin und guckte erst mal von weitem. Sah auf den ersten Blick aus als würde die NASA eine Mondlandung drehen. Es war eine Wüstenlandschaft nachgebildet und ringsum grüne Leinwände. Von Rafa oder Shakira war aber nichts zu sehen, hier rannten viele Leute hektisch umher aber es sah irgendwie so aus als wenn es schon zu Ende ist. War vielleicht gut das Rafa mich nicht gesehen hat, es kümmerte sich niemand darum das ich hier war, es weiß ja auch niemand wer ich bin. Technik war ja genug aufgebaut also stellte ich mich unauffällig neben einen Monitor wo eben einer irgendwas zusammenschneiden wollte wie es schien.
Ich schluckte erst mal nur als ich das sah. Er hatte ja schon erwähnt, dass er nicht ohne ausziehen wegkommt aber bei seinen Spielen läuft er nicht stundenlang halbnackt und verschwitzt in Jeans auf dem Platz rum. Was soll’s wäre auch schade drum wenn es niemand sehen würde abgesehen von mir. In meinem Bauch war wieder das ungute Gefühl bis ich ein paar Sekunden vom Ende sah. Es gibt verschiedene Arten von Kussszenen. Rafa hat nicht erwähnt, dass Shakira sich quasi spärlich bekleidet auf ihn stürzt. Ich musste mehr als schlucken, mir blieb die Spucke weg vor staunen. Das es so wird hätte ich nicht gedacht, dass heißt befürchtet habe ich es und gehofft das es doch harmlos wird.
Wenn ich nur die Szene sehen würde und nicht wüsste, dass es ein Musikvideo werden soll, würde ich glauben das ist die Anfangssequenz von einem Film der erst nach Mitternacht im TV läuft. Ich hatte doch geahnt, dass es nicht so harmlos wird wie Rafa mir glauben machen wollte. Na super, genau das wollte ich sehen! Grund hatte ich keinen aber ich laufe Gefahr mich mächtig aufzuregen wenn ich Rafa jetzt erwische daher zog ich mich diskret zurück und flüchtete so schnell ich konnte. Gesehen hatte ich genug! Jetzt war ich ja doch wieder auf 300 und ich würde am liebsten jemanden umbringen. Er kann nicht von mir verlangen, dass ich mich nicht aufrege! Ich würde ihn mal sehen wollen wenn ich das mache.

Erst ging ich Essen im Hotel und dann zu der Bar von gestern Abend. Heute trinke ich den Wodka aber aus! Das einzige was mich tröstet ist das der Kuss ziemlich gestellt aussah. Von Shakira kam wesentlich mehr als von Rafa, sie ist eindeutig die bessere Schauspielerin. Wäre der Kuss überzeugend geworden, würde ich ihm jetzt die Hölle heiß machen. Kann ja sein das die sich gut verstehen, dass rechtfertigt aber nicht alles. Ich denke nicht das er Angst davor hatte das er es bereut wenn er sich zu sehr darauf einlässt. Anscheinend gibt es ja doch eine Grenze bei ihm.
Es dauerte auch gar nicht lange bis sich mein Handy meldete. Ich hatte den Ton leise gestellt damit die anderen Gäste nicht gestört werden. Mir war schon klar wer anruft bevor ich auf das Display sah. Einen kurzen Blick riskierte ich dann doch und sah dann zu wie es munter vor sich hin klingelte. Nicht im Traum denke ich daran ranzugehen! Heißt es nicht immer man wird vom Alkohol lustig und ausgelassen? Das kann ich von mir nicht gerade behaupten, das Gegenteil passierte. Eine Weile drückte ich mich davor zum Hotel zurück zu gehen. Im Moment war ich nicht so wild drauf Rafa zu sehen und wenn ich nicht müsste, könnte er heute Abend ewig auf mich warten.
Ich hätte keinerlei Skrupel die Kurve zu kratzen aber leider bin ich nicht bei mir zu Hause und kann auch nicht flüchten weil meine ganzen Sachen im Hotelzimmer sind. Nachdem ich zwei große Runden um das gesamte Hotel gelaufen war, fasste ich allen Mut zusammen und ging doch rein. In meinem Bauch rumorte es gewaltig, ich habe kein gutes Gefühl weil ich fürchte das Rafa es schaffen wird das ich total ausflippe. Er wird sicher versuchen es zu verharmlosen und dann garantiere ich für nichts mehr.

Nach einem tiefen durchatmen klopfte ich an der Tür und versuchte ein neutrales Gesicht zu machen. Es dauerte auch nur ein paar Sekunden bis die Tür von innen auf ging und Rafa mich breit anstrahlte. „Hi, ich dachte schon du hast dich verlaufen und ich muss dich suchen“ Er scheint eine ätzende gute Laune zu haben, das Gegenteil von mir. Wortlos lief ich an ihm vorbei und hängte meine Tasche über die Lehne vom Stuhl. Rafa machte die Tür nach mir zu und drehte sich dann zu mir um. „Ich habe dich angerufen vorhin aber du hast es wahrscheinlich nicht gehört“ Ohne einen Ton zu sagen sah ich weiterhin geradeaus in den Spiegel der direkt über dem Schreibtisch hing.
Ich kann mir auch so vorstellen wie er mich eben ansieht. „Was ist?“ Kam es dann vorsichtig von der Seite. Ich biss auf meine Unterlippe und sah ihn dann an. „Was soll sein?“ Fragte ich zurück und zuckte mit den Schultern. Er kam langsam näher bis er direkt neben mir stand und lächelte immer noch so. Offenbar hat er noch immer nicht bemerkt, dass er sich auf sehr dünnem Eis befindet. „Ich dachte du kommst mal am Set vorbei. Ist zwar noch nicht fertig geschnitten aber ich denke man bekommt einen Eindruck“ Ich holte tief Luft und redete mir innerlich zu ganz ruhig zu bleiben. „Ich war da“ Sagte ich nervös und sah an ihm vorbei. Warum schwitzte ich nur so? Ganz allmählich verschwand sein Lächeln dann, anscheinend scheint er wohl zu merken, dass etwas in der Luft liegt. „Wirklich? Ich habe dich gar nicht gesehen“ Kam es leicht verunsichert zurück. „Warum hast du nicht gewartet?“ Fragte er dann allen Ernstes.
„Ich habe genug gesehen“ Sagte ich nur und schluckte kräftig. Den Blick deutete ich mal so, dass er noch immer überlegt was ich genau meine. Eine Weile herrschte schweigen zwischen uns und es wurde immer unangenehmer je mehr Zeit verging. Eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen. „Dir gefällt es also nicht“ Meinte er dann mit einem toternsten Gesicht. Ich verschränkte meine Arme vor dem Bauch und sah von ihm weg. War das jetzt eine Frage oder eine Feststellung? Vielleicht ja etwas von beidem. „Könnte man so sagen“ Antwortete ich dann leise ohne ihn anzusehen. Ich fühlte mich richtig unwohl, es war eine negative Spannung im Raum. Es fehlte nur ein kleiner Funken zum großen Knall. Es kam gar nichts mehr, Rafa blieb stehen wie erstarrt und schnappte nur nach Luft.
Wenn er so dasteht, könnte ich nur noch mehr ausrasten. „Ich gebe zu das ich auch ein wenig überrascht war als ich ein bisschen was gesehen habe aber so schlimm ist es doch gar nicht. Ich meine das war nicht halb so entspannt wie es vielleicht aussieht“ Kam es dann nach unzähligen Minuten vorsichtig, es klang nach einer Rechtfertigung obwohl er das nicht muss. Schließlich wollte er es ja so. „Je nachdem wie man es sieht“ Ich sah wie er schluckte und wohl hoffte das er noch glimpflich davon kommt. Ein Gespräch kam ja nicht so richtig in Gang daher dachte er wohl, dass er Taten folgen lassen muss. Ehe ich es mir versah, stand er hinter mir und umarmte mich. „Es tut mir Leid wenn du das nicht sehen willst. Ich will dich nicht verletzen“ Mir fiel es schwer nicht weich zu werden.
Das ich nichts sagte, wertete er wohl als gutes Zeichen aber als er mich auf den Nacken küsste, reichte es mir endgültig. Mich verfolgt dieses Bild von dem Kuss! Das war mir alles zu viel für den Moment also befreite ich mich aus seiner Umarmung und ging auf Abstand. „Willst du jetzt die nächsten Tage so weitermachen?“ So langsam wurde ich richtig sauer. „Vielleicht sollten wir uns eine Weile aus dem Weg gehen“ Kaum hatte ich den Satz zu Ende gesprochen, tauchte so ein gefährliches Flackern in seinen Augen auf. „Vielleicht sollten wir es auch ganz lassen. Ich habe keine Lust auf so einen Zirkus jedes Mal“ Spätestens jetzt war die Stimmung am kippen. „Du wolltest es doch so!“ Sagte ich etwas lauter da ich nicht mehr an mich halten konnte.
Er schüttelte mit dem Kopf und ging einen Schritt zurück. „Sí aber ich mache jetzt kein Theater. Du hast absolut keinen Grund dich so aufzuführen!“ “Das ist vielleicht deine Meinung, ich sehe das anders. Vielleicht machst du das ja öfters in Zukunft, soll ich vielleicht noch Beifall klatschen?“ Er schnappte nach Luft und wunk dann ab. „Wenn du das glaubst, haben wir uns nichts mehr zu sagen“ Im nächsten Moment drehte er sich um und verschwand mit einem lauten Türknallen aus dem Zimmer. Na toll, das war ja super gelaufen, er kann froh sein das er weg ist sonst würde ich ihn jetzt würgen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, musste ich gar nicht neben mich sehen um zu wissen, dass ich alleine im Bett liege. Geschlafen hatte ich nicht wirklich gut, mir ging zu viel durch den Kopf. Ist vielleicht besser das Rafa nicht hier ist auch wenn ich schon gerne wissen würde wo er übernachtet hat. Etwa gegen vier letzte Nacht war ich mal im Bad auf Toilette und da war Rafa noch nicht hier also ist er irgendwoanders. Nichts schlimmes ahnend drehte ich mich auf die andere Seite und setzte mich hin um aufzustehen als ich den Schreck meines Lebens bekam.
„Was machst du hier?“ Fragte ich etwas empört, muss wohl an dem Schreck liegen. Von wegen ich bin alleine, Rafa hat sich wohl doch noch die Ehre gegeben. Er saß seelenruhig in einem Sessel und schien mich zu beobachten. „Ich wohne zufällig hier“ Kam es dann nur mit einem ernsten Gesicht. „Man denkt nichts schlimmes“ Murmelte ich vor mich hin und verschwand ins Bad. Kurz musste ich mich wieder sammeln bis ich den Schreck verdaut hatte das er hier ist. Ich habe jetzt keine Lust die Diskussion von gestern fortzuführen. Da er ja höchstwahrscheinlich nicht verschwindet, bleibt mir wohl keine Wahl als ihn zu fragen was er will. Er hätte ja nicht hier her kommen müssen also wird er wohl etwas wollen. Sein Gesicht machte nachfragen überflüssig, er ist immer noch sauer.
Ich holte tief Luft und ging wieder ins Zimmer, er saß immer noch so wie vorhin also setzte ich mich auf die Kante vom Bett und sah ihn an. „Ich habe nachgedacht“ Kam es dann leise und dabei war ich mir nicht sicher ob er mich ansieht oder ob er durch mich hindurchsieht. Er machte einen unheimlichen Eindruck auf mich, ich hasse es wenn er so dicht macht. In meinem Bauch wurde es mir schon anders, wenn er mich so ansieht, kann es nichts Gutes sein. „Und?“ Fragte ich leise und etwas verunsichert. Eigentlich will ich gar keine Antwort haben. Die Sekunden verstrichen und nichts passierte, ich wurde immer nervöser.

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Ein paar nützliche Links

Shakira - Gypsy Video
Shakira - Gitana Video
Making off Gypsy/Gitana

6 April 2010

Chapter 39 - Barcelona

„Amaia“ Rief da irgendwer nach mir? „Hey!“ Ich spürte ein rütteln an meiner Schulter und schlug mühsam meine Augen wieder auf. Rafa sah mich leicht besorgt an auch wenn ich nicht weiß warum. „Mhh?“ Fragte ich leise. „Ich dachte schon du bist ohnmächtig oder sowas“ Ich zog ein breites Lächeln und legte meine Arme um seinen Hals. „No, ich relaxe nur ein bisschen“ Das war noch untertrieben, ich war total entspannt und fühlte mich als könnte ich Bäume ausreißen.
Rafa legte seinen Kopf wieder an meine Schulter und blieb an mir liegen. Ich dachte ein bisschen nach während ich mit einer Hand langsam durch seine Haare fuhr. Das ist alles ein bisschen zu viel des Guten. Manchmal kommt es mir so vor als hätte ich das alles gar nicht verdient. Leider musste ich daran denken, dass es nicht ewig so weiter geht. Irgendwann bin ich wieder zu Hause und Rafa wochenlang unterwegs. Darauf habe ich gar keine Lust, ich vermisse ihn schon wenn ich nur daran denke. Mit telefonieren ist das auch nicht das Wahre, mir fehlt dann trotzdem die Nähe zu ihm. Wenn ich so darüber nachdenke… ich bin höchstwahrscheinlich doch krank nächste Woche. Ich mache das schon passend wenn ich zum Arzt muss und übertreibe einfach ein wenig.
Wenn er mir schon anbietet nach Barcelona zu kommen, kann ich nicht ablehnen. Kurz schoss mir der Gedanke durch den Kopf das ich so auch ein Auge auf ihn haben kann. Es ist natürlich nicht meine Absicht ihn zu kontrollieren oder ihm nachzuschnüffeln. Ich kriege aber nie ganz aus dem Hinterkopf, dass tausende Frauen es auf ihn abgesehen haben. Grund zum Misstrauen gibt er mir ja nicht, eher im Gegenteil. Ich vertraue ihm blind und kann mir nicht vorstellen, dass er Dummheiten macht. „Wie lange bist du eigentlich genau in Barcelona?“ Fragte ich dann leise.
Ein paar Sekunden wartete ich aber es kam keine Reaktion. Etwas skeptisch hob ich meinen Kopf etwas und musste dann verlegen lächeln. Er lag total entspannt mit geschlossenen Augen an mir, an den Anblick könnte ich mich gewöhnen. „Schläfst du schon?“ Fragte ich leise aber es kam wieder keine Reaktion. Na schön, er schläft anscheinend wirklich also wollte ich ihn nicht wieder wecken und machte es mir auch bequem und schloss meine Augen.

Geweckt wurde ich durch etwas an meinem Rücken. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde bis mir klar war wer das ist. Ich war noch total müde und drehte mich auf den Bauch. Rafa ließ aber nicht locker, er strich meine Haare bei Seite und küsste sich langsam meinen Nacken nach oben. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich konnte dann nicht anders und musste kichern weil es kitzelte. Meine Müdigkeit war blitzartig verflogen, so fängt der Tag doch gut an!
Ich blieb liegen und ließ ihn einfach weitermachen. „Das kannst du den ganzen Tag machen“ Murmelte ich leise. „Wolltest du nicht mal nach Palma?“ Wenn er das so in mein Ohr flüstert, komme ich nur auf dumme Gedanken. “Mhh“ Machte ich nur. „Wie wär’s mit heute?“ “Da muss ich ja aufstehen“ “Wir können ja noch liegen bleiben wenn es dich glücklich macht“ Oh ja, das klang gut! „Bist ein Schatz“ Sagte ich leise mit geschlossenen Augen und zog ein Lächeln.
Er küsste mich wieder kurz auf den Nacken und machte es sich dann bequem neben mir. „Ich weiß“ Kam es plötzlich noch. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber wir blieben tatsächlich noch eine Weile liegen.

Die Idee mit Palma war gut, ich kann immer irgendwas gebrauchen und da ich nicht fahren kann blieb Rafa gar keine andere Wahl als mitzukommen. Ich dachte daran wie der letzte Shoppingtrip nach Palma sein Ende fand. Das war der Tag im September an dem ich überstürzt zurückgeflogen bin.
Es war direkt erschreckend, dass Rafa wirklich Zeit hatte. Ich hätte nie gedacht, dass er fast eine Woche lang nicht viel macht. Er trainiert zwar trotzdem aber lange nicht so intensiv wie normalerweise. Mir kam es sehr gelegen auch wenn ich ihn gerne spielen sehe. Ich konnte nicht mal so richtig gefrustet sein als ich wieder nach Hause musste, weil ich ihn höchstens zwei Tage nicht sehe bis es nach Barcelona geht. Es lohnte sich gar nicht das ich erst nach Deutschland fliege aber ich musste ja zum Arzt und es war einfacher als ich dachte den Krankenschein zu bekommen. Wahrscheinlich hätte der Arzt mich auch krankgeschrieben wenn ich zu Hause wäre.
Das ging alles zu einfach aber mich stört es nicht. Ich war schon gespannt auf Barcelona oder besser gesagt darauf was Rafa dort macht. Nach ein paar Tagen hin und her spielt er nun also doch in dem Shakira Video mit. Ich wusste gleich das er es macht, jetzt bin ich auf die Umsetzung gespannt.

Barcelona - Februar 2010

Ich konnte es nicht wirklich fassen als ich zwei Tage nachdem ich von Mallorca zurück war schon wieder zum Flughafen fuhr. Langsam bekomme ich eine Ahnung wie man sich als Vielflieger fühlt. Schade ist nur das der Flug erst Abends geht und ich erst am späten Abend ankomme aber besser als gar nicht. Rafa wird mich nicht vermissen, er ist schon seit gestern in Barcelona und geht heute Abend mit Shakira Essen.
Ich sollte eigentlich dabei sein aber dann tauchte das Problem mit den Flugzeiten auf. Was soll’s, ich werde auch später erfahren was da los war. Ich würde sie ja schon gerne mal kennenlernen, ich hoffe das klappt noch in den nächsten Tagen. Es wird ja kein romantisches Dinner, da ist jeweils jemand vom Management mit dabei und auch von der Produktionsfirma die das Video drehen. Ich bin gespannt, was da auf Rafa zukommt. Er hat jetzt zugesagt also kann er am Konzept nichts mehr ändern, er kann nur noch Feinheiten ändern wenn ihm etwas nicht passt.

Natürlich hatte ich gehofft das es doch schneller gehen könnte aber es dauerte scheinbar endlos bis mein Koffer kam und dann schien das Hotel am anderen Ende der Stadt zu sein. Exakt um 21:46 Uhr stieg ich vor dem Hotel aus dem Taxi. Na endlich! Ich wusste die Zeit nur so genau weil ich auf meine Uhr sah. Anmelden musste ich mich nicht da Rafa ja schon hier ist also lief ich direkt zum Lift und fuhr nach oben. Hoffentlich ist Rafa auch da, sonst muss ich doch an die Rezeption gehen einen Schlüssel für das Zimmer holen. Ich sammelte mich kurz und holte tief Luft als ich vor der richtigen Tür stand. Etwas nervös klopfte ich an der Tür.
Ich hatte keinen Grund nervös zu sein, ich freute mich einfach Rafa gleich zu sehen. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und ein braunes Auge beobachtete mich. „Hola“ Sagte ich breit grinsend und legte meinen Kopf schief. Er öffnete die Tür weiter und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. „Hi, ich dachte schon du kommst erst morgen hier an“ Ich lief an ihm vorbei und stellte meinen Koffer ab. „Quatsch, ich lasse mir doch nicht die Nacht mit dir entgehen und sage jetzt nicht das du das öfters hörst!“ Er machte die Tür zu und schüttelte mit dem Kopf. „Davon träumen vielleicht welche aber ganz so dreist sind die Fans dann doch nicht“ Da er an der Tür stehen blieb, lief ich näher zu ihm. „Was würdest du machen bei einem derart direkten Angebot?“ “Dankend ablehnen. Du kannst es dir vielleicht nicht vorstellen aber so extrem dreist war noch niemand zu mir weil die meisten sich das gar nicht trauen würden“
Wäre ja auch noch schöner wenn seine Fans so weit gehen würden. Ich machte einen Schritt näher auf ihn zu und umarmte ihn. „Wie war es beim Arzt?“ Er musste ja heute noch mal zum Arzt wegen der Knieverletzung und bisher wusste ich nicht was dabei rausgekommen ist. Hoffentlich nichts schlechtes! „Es ist noch nicht ganz verheilt aber ich kann ab nächster Woche wieder trainieren“ “Bleibt es dabei das du Dubai und Davis Cup nicht spielst?“ “So wie es jetzt aussieht schon“ “Gut, ich dachte schon du hast ewig frei“ “Du bist doch nur neidisch!“ Ich musste lachen und küsste ihn kurz. „Das ist Quatsch!“ “Sagen dann alle“ Meinte er nur mit einem breiten Grinsen.
Ich löste mich von ihm und sah auf meinen Koffer. „Ich packe mal ein bisschen was aus“ “Mhh“ Da er mit den Händen in den Hosentaschen stehenblieb und mir nachsah, lief ich ins Bad. „Schicker Verband“ Ich musste wieder lachen und sah zur Tür, wo Rafa stand. Tja, ich hatte einen anderen Verband bekommen der nicht ganz so gefährlich aussieht. „Finde ich auch! Wie war es denn mit Shakira?“ Das interessierte mich brennend aber ich wollte ihn nicht gleich damit überfallen vorhin. Ich kam mir auch komisch vor so zu fragen, es hört sich irgendwie an als wenn ich sie persönlich kennen würde. Es ist ja nicht so das ich ihm was unterstellen will aber ich hätte sie auch gerne gesehen.
„Schön und es wäre sicher entspannter gewesen wenn nicht noch so viele Leute dabei gewesen wären“ “Das heißt du wärst lieber mit ihr alleine?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und wusste gerade nicht wie ich das deuten soll. „Nicht so wie du denkst! Ich meine nur die Leute um die Stars rum sind meistens schlimmer als die Betreffenden selbst“ “Was musst du morgen machen? Sollst du dich ölverschmiert mit ihr im Schlamm wälzen?“ Das war natürlich ein Scherz von mir, ich dachte nur an ihre früheren Videos und musste mir ein Lachen verkneifen. Die Vorstellung hatte wirklich was! Rafa fand es wohl nicht so lustig, sein breites grinsen verschwand nach und nach.
„Kannst du Gedanken lesen?“ Fragte er etwas verunsichert und lehnte sich an den Türrahmen. Jetzt wurde ich aber so langsam skeptisch, wieso reagiert er so ernst darauf? Es war doch eindeutig das ich das nicht ernst meinte oder nicht? „No, das war ein Witz!“ Sagte ich dann um die Stimmung zu retten und lief näher zu ihm. Er schien mir ziemlich nervös zu sein und ich habe keinen Schimmer warum. „Was ist?“ Fragte ich leise und nahm seine Hand in meine während ich ihn gespannt ansah. „Na ja, ich soll so tun als wäre ich mit ihr zusammen“ Mein Gesicht wurde immer verwirrter. Ich wusste es! „Das heißt du sollst dich ausziehen oder wie?“ Noch fand ich das komisch.
Es klang surreal im Moment, dass will ich erst sehen! “Auch aber das ist nicht der Punkt. Ich meine es gibt sowieso nicht mehr zu sehen als wenn ich mich bei einem Spiel umziehe und da sind noch viel mehr Zuschauer“ Irgendwie konnte ich ihm nicht ganz folgen. „Und weiter?“ Fragte ich neugierig. Rafa sah auf den Boden und schien tief Luft zu holen. „Es ist am Ende eine Kussszene geplant“ Ein paar Sekunden musste ich das sacken lassen. Habe ich das eben richtig gehört? „Was?“ Fragte ich total verblüfft, ich wusste gar nicht was ich sagen soll! Rafa sagte gar nichts mehr, er sah mich nur verunsichert an und kaute leicht auf seiner Unterlippe. Je mehr die Sekunden vergingen umso geschockter war ich. Ich musste mehr als nur ein bisschen schlucken, mir wurde es ziemlich warm und ich musste mich beherrschen ruhig zu bleiben.
Gerechnet hätte ich mit so ziemlich allem aber doch nicht damit! „Das ist nicht dein Ernst!“ Sagte ich dann mit einem todernsten Gesicht und hoffte das er gleich sagt das es ein Scherz war. „Doch“ Kam es zögerlich. Ich schnappte hektisch nach Luft und dachte ich bin im falschen Film. Es klingt irgendwie so als wenn er das tatsächlich machen will. Für den Moment wurde mir das zu viel also lief ich an ihm vorbei und lief an das andere Ende vom Zimmer ans Fenster. Das muss ich erstmal verdauen! Mir schossen unzählige Gedanken durch den Kopf. Soll ich jetzt auch noch froh sein, das es bei dem Kuss bleibt?
Klar gehört sowas dazu für einen Schauspieler aber Rafa ist kein Schauspieler und es handelt sich auch um kein Drehbuch das so angelegt ist das solche Szenen absolut notwendig sind. Er muss es ja nicht machen, zumindest keine Kussszenen. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl dabei. Es ist mir total egal ob es gestellt ist oder nicht, ich will das einfach nicht sehen. Keine Frau will doch sehen wie der Freund eine andere Frau küsst. Es fiel mir schwer ruhig zu bleiben und ich wusste das es besser ist wenn ich jetzt nichts dazu sage weil ich sonst für nichts garantieren kann. Ich bin auf 300 auch wenn bisher gar nichts passiert ist. Die gute Stimmung war damit endgültig im Eimer, es fühlte sich eben an wie eine Eiszeit.

Nach schier endlosen Minuten drehte ich mich langsam um. Rafa lehnte noch immer seitlich am Türrahmen zum Bad und er sagte keinen Ton. Wie ferngesteuert schnappte ich mir meine Tasche, lief zur Tür und ohne Rafa noch eines Blickes zu würdigen verschwand ich aus dem Zimmer. Mit einem Tunnelblick lief ich aus dem Hotel und versackte in der nächstgelegenen Bar. Alkohol ist keine Lösung aber es war so bequem nicht mehr nachzudenken also bestellte ich mir Wodka mit Cola gemischt.
Sich jetzt die volle Dröhnung zu geben ist auch keine gute Lösung also trank ich nur ein paar Schlucke und bestellte noch was alkoholfreies dazu. Nach und nach kam ich dann auch wieder runter. Es ging echt nicht, ich musste eine Weile alleine sein. Alleine bin ich nicht, hier sind ziemlich viele Leute aber ich meine Niemanden der Rafa kennt. Mir spukte das die ganze Zeit im Kopf rum und ich hatte so ein Bild davon im Kopf und das verfolgte mich permanent. Das ist sicher kein Eifersuchtsanfall weil ich nicht glaube, dass dazu Grund besteht, es geht einfach ums Prinzip.
Wie fühlt man sich denn wenn man mit einem Schauspieler zusammen ist und der Liebesszenen dreht? Ich hätte nie gedacht, dass ich mich das jemals fragen würde. Die Frage ist warum Rafa es macht. Will er sich selbst was beweisen oder hat sie ihn breitgeschlagen? So hatte ich mir das nicht vorgestellt als ich hier her kam. Eigentlich dachte ich er hat vielleicht ein bisschen Zeit und jetzt flüchte ich vor ihm! Letzte Woche war alles so entspannt, mir hatte schon etwas gefehlt da wir uns gar nicht wegen Kleinigkeiten gestritten hatten. Gelegentlich redeten wir ja auch aneinander vorbei, dass fehlte mir auch schon. Hätte mir ja gleich denken können das es nicht so bleibt.
Zeit zum nachgrübeln hatte ich genug und je mehr Zeit verging umso entspannter wurde ich. Es wird alles andere als romantisch sein das zu drehen, ich würde es niemals tun aber wenn Rafa meint das er es machen muss, kann ich es auch nicht ändern. Ich bin alles andere als begeistert aber welche Wahl bleibt mir denn? Wenn ich jetzt Stress mache und verlange das es nicht so gedreht wird, bin ich wieder die Doofe. Dann heißt es doch ich würde ihm vorschreiben was er machen soll. Am Ende kann es mir auch egal sein, ist es nur nicht. Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden, dazu kam es ja noch nicht.

1 April 2010

Chapter 38

Aufgeregt war ich schon als ich auf sie zuging. Schließlich weiß ich nicht was mich erwartet. Ich lief von hinten auf sie zu und blieb dann am Tisch stehen. „Hallo“ Sagte ich erst mal neutral und sah sie an. Sie drehte ihren Kopf und zog ein Lächeln als sie mich sah. „Hi, ich dachte schon du kommst nicht“ “Ich wollte schon viel eher hier sein aber ich kam nicht aus dem Knick“ “Dachte ich mir. Gehen wir hoch? Ich habe ein schönes Zimmer mit Meerblick“ “Von mir aus“ Schweigend fuhren wir nach oben und gingen in ihr Zimmer. Die Stimmung war schon angespannt, dass kannte ich gar nicht weil es sonst eigentlich immer entspannt war zwischen uns. Wir setzten uns auf den Balkon in die Sonne und ich sah mich erst mal um. Die Aussicht war wirklich gut, man kann den ganzen Strand von hier aus überblicken.
„Woher weißt du eigentlich das ich hier bin?“ Fragte sie plötzlich. Ich sah sie an und schnappte nach Luft. Hält sie mich für total bescheuert oder wie? Denkt sie es fällt nicht auf wenn sie stundenlang vor der Einfahrt lauert? Obwohl, vielleicht glaubt sie das ja, sie hat uns ja nicht gesehen und auch niemand anderes. „Ich habe dich gesehen“ Sagte ich dann mit einem ernsten Gesicht. In der nächsten Sekunde kroch ihr die Röte ins Gesicht und ich sah wie sie schluckte. „Das war eine blöde Idee“ Sagte sie dann mit einem nervösen Lächeln. „Ich mache es nicht mehr, versprochen“ Kam es dann noch kleinlaut während sie nervös im Stuhl rumrutschte.
Und ich dachte schon ich wäre nervös! „Das hoffe ich“ Versuchte ich ernst zu sagen, musste dann aber doch lächeln. „Ich hatte einen schwachen Moment“ “Was machst du hier?“ Fragte ich ganz direkt. „So was ähnliches wie Urlaub. Bei meinen Eltern in der Firma ist gerade nicht so viel zu tun und ich musste mal raus aus dem ganzen Wetterchaos“ Ich nickte mit dem Kopf und suchte nach einer passenden Antwort. Es lief ein bisschen zäh, ich wurde das Gefühl nicht los das sie es um jeden Preis vermeiden will auch nur Ansatzweise über Rafa zu reden. Mir entging nicht, dass sie auf meine Hand sah. „Ist eine dumme Geschichte mit der Hand. Bin vor dem Haus auf den Stufen ausgerutscht und das war es dann. Jetzt kann ich die nächsten Wochen mit dem Verband rumlaufen. Ich hatte zwar Glück das nichts gebrochen ist aber der Verband nervt auch“ “Sieht echt gefährlich aus“ “Es täuscht“ “Mhh“ Ich hatte ja die Hoffnung, dass sich die Stimmung noch lockert aber da sollte ich falsch liegen. Sie will sich anscheinend mit mir über das Wetter unterhalten.
Ich zwinge sie sicher zu nichts oder traut sie sich nicht anzufangen weil sie fürchtet, dass ich es ihr übel nehme? Wieder mal sah ich auf meine Uhr, es war immerhin schon nach um fünf. Fast eine Stunde reden wir um den heißen Brei und ich hatte keine Lust mehr. Wer nicht will, der hat schon. „Musst du los?“ Sie dachte wohl ich habe noch etwas vor weil ich auf die Uhr sah. Ich beschloss ihr eine Art Steilvorlage zu geben und wenn sie nicht darauf einsteigt, kann ich es auch nicht ändern. „Nein, ich habe Zeit. Solange die Playstation noch funktioniert, vermisst Rafa mich sowieso nicht. Er hat gesagt ich soll mir ganz viel Zeit lassen“ Sie sah mich eine Weile von der Seite an und schien zu überlegen was sie sagt. „Was macht er denn jetzt?“ Ich zuckte mit den Schultern und überlegte was ich sage.
„Nicht viel, Tennis spielen darf er diese Woche nicht“ “Spielt er wirklich erst wieder in Indian Wells?“ Ich konnte nicht anders als zu lächeln, so kannte ich sie. Sie sagte das schon so leicht deprimiert, ich weiß ja das sie gerne Tennis guckt aber eben nur wenn Rafa spielt. „Steht noch nicht genau fest aber es sieht alles danach aus. Er würde auch lieber spielen aber es geht eben nicht“ “Das letzte Spiel bei den Australian Open war echt der Horror! Ich dachte nichts schlimmes und dann das! Wäre zwar sowieso eng geworden aber so ein Ende wollte wohl keiner“ “Mich hat es auch schockiert aber es sah schlimmer aus als es zum Glück ist. Die Begeisterung von Rafa hält sich in Grenzen aber er kann es nicht ändern. Es stürzt ihn zumindest nicht in Depressionen“ “Gut zu wissen“ Ihr vorsichtiges Lächeln wich dann gleich wieder einem ernsten Gesicht. Dabei war ich doch froh, dass sie die Stimmung entspannte! Macht sie jetzt wieder dicht?
„Ich weiß nicht was du denkst warum ich hier bin aber ich mache das nicht um an Informationen zu kommen. Ich meine, von mir erfährt niemand etwas“ Ich sah wie sie nervös mit den Händen spielte und wohl auf meine Antwort wartete. Etwas erstaunt war ich das sie das so direkt sagte. „Wenn ich das denke, wäre ich jetzt nicht hier“ Das war nicht so ganz die Wahrheit aber ich wollte sie nicht noch mehr verunsichern. “Das ist nicht ganz so einfach. Ich muss mich erst mal daran gewöhnen das du mit Rafa zusammen bist. Ich weiß nicht ob du das nachvollziehen kannst aber ich fühle mich irgendwie nicht gut dabei wenn wir über ihn reden. Das kommt mir immer so vor als würde ich zu weit gehen und seine Privatsphäre verletzen.“ Ich holte Luft und war froh, dass sie endlich mal auspackt.
„Ich kann’s verstehen aber mache dir nicht so viele Gedanken, er ist normaler als die meisten denken und es stört ihn nicht wenn wir über ihn reden. Das heißt, solange dann nichts im Internet auftaucht“ “Kann ich verstehen, ich weiß das er öffentlich nicht über sein Privatleben spricht. Ich gebe zu das es mir schwer fällt nichts zu sagen aber du kannst dich auf mich verlassen. Ich meine, ich stelle doch nicht meine beste Freundin bloß nur um den anderen was zum nachdenken zu geben. Ich lese es inzwischen nicht mehr aber ich weiß ja was los war als die ersten Bilder im Internet aufgetaucht sind. Klar wollen alle wissen wer du bist. Es klingt vielleicht blöd jetzt aber ich kann inzwischen verstehen warum du das gemacht hast“ Das klang gut! Endlich reden wir mal darüber, dass brannte mir schon lange auf der Seele. Was meinte sie jetzt genau? Alles zusammen?
„Das entschuldigt es trotzdem nicht. Ich fühle mich jetzt noch unwohl wenn ich daran denke. Mir ist klar das ich etwas unverzeihliches getan habe mit den ganzen Lügen“ “Ich war wahrscheinlich nicht ganz unschuldig daran. Im Nachhinein verstehe ich das du es für dich behalten wolltest. War sicher auch besser so“ “Da hatte ich so meine Zweifel. Natürlich wollte ich nicht die Freundschaft auf’s Spiel setzen aber ich musste mich entscheiden“ Langsam erschien ihr vorsichtiges Lächeln wieder. „Ich hätte mich wohl auch für ihn entschieden“ “Er kann dich aber nicht ersetzen“ “Ich habe wohl Überreagiert. Ich gebe es ja zu, ich war nur so sauer weil du nichts gesagt hast. Ich meine abgesehen davon das ich neidisch bin“ Ich musste lachen und schüttelte mit dem Kopf.
„Wirklich, ich gebe es auch zu weil alles andere gelogen wäre“ “Lief wohl blöd alles“ “Ja, ich hätte nie gedacht das Rafa es schaffen würde uns auseinander zu bringen. Er wollte es zwar sicher nicht aber er ist ja der Grund“ Mein Gesicht wurde gleich wieder ernst als ich daran dachte wie Rafa reagiert hatte als ich ihm das mit Sara erzählt habe. „Er wollte das nicht, dass kannst du mir glauben. Er kann die Aufregung nicht so richtig verstehen“ “Stimmt ja auch, eigentlich war es das alles nicht wert. Es wäre nie so weit gekommen wenn ich ein normales Hobby hätte“ „Und jetzt?“ Fragte ich dann vorsichtig. „Ich weiß nicht, vielleicht sollten wir es langsam angehen lassen. Ich meine wenn du willst, können wir uns ja mal treffen, ich meine zu Hause“ Klar wollte ich das! Die letzten Monate fehlte mir richtig jemand mit dem ich über alles und jeden tratschen kann.
„Das sollten wir machen“ Ich atmete innerlich erleichtert auf, endlich klärt sich alles und ich muss nicht befürchten das sie zur Presse rennt. Das hätte ich ihr sowieso nicht zugetraut aber ich war nur so skeptisch weil sie so extrem ausgeflippt ist und wer weiß denn schon ob sie sich nicht mal rächen will.

Nachdem wir erst nicht so richtig in Schwung kamen, machte es dann umso mehr Spaß und ich vergaß total die Zeit. Ich könnte Stunden mit ihr quatschen ohne mich zu langweilen, dass es länger dauert merkte ich erst als es langsam dunkel wurde. Bis ich dazu kam mal zu gehen, war es um sieben durch. Ich hätte heute Mittag nicht gedacht, dass es so lange dauert aber ich war auch ganz froh darüber. War ein gutes Zeichen.
Ich wollte noch etwas frische Luft schnappen und lief dann vom Hotel zurück. Sie hat angeboten mich zu fahren aber ich wollte mal alleine sein ein paar Minuten. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, dass sich die Geschichte mit Sara doch noch zum Guten wendet. Wäre auch schade um die jahrelange Freundschaft. Vielleicht hat sie Recht, wir haben beide unseren Teil dazu beigetragen das es soweit kommen konnte.

Es war stockdunkel als ich am Ziel an kam. Licht brannte keins wie ich sah von der Straße aus aber vielleicht klebt Rafa ja noch an seiner heißgeliebten Playstation. Im Flur brannte aber Licht als ich rein kam und Musik lief auch also ist er nicht weit. Es roch auch nach Tomatensoße oder so was ähnliches, Hunger hatte ich jetzt auch, seit heute Mittag kam ich nicht mehr dazu etwas zu essen. Kocht er etwas wieder Pasta? Ist aber egal solange es überhaupt etwas zu Essen gibt. Ich zog meine Schuhe aus und lief dann gleich zielgerichtet in die Küche.
Der Anblick von Rafa vor dem Herd war ungewohnt. Es ist selten, dass er mal selbst kocht, er hat es wohl auch nur getan weil ich nicht da war. Bemerkt hat er mich wohl auch nicht also schlich ich mich von hinten an ihn ran und umarmte ich dann ohne Vorwarnung. Seiner Reaktion nach zu urteilen war er erschrocken. „Hey, bist du verrückt geworden?“ Kam es nur bevor er zur Seite sah. Ich zog ein breites Lächeln und sah über seine Schulter. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht stören“ “Ich dachte du bleibst bis Mitternacht weg“ “Hast du mich doch vermisst?“ “Ein bisschen“ “Ich denke du willst deine Ruhe? Vorhin wolltest du mich doch unbedingt für lange Zeit los werden“
Er drehte sich um und zog ein gefrustetes Gesicht. „Ich habe verloren“ Im nächsten Moment lachte ich laut los und schüttelte mit dem Kopf. Ich konnte mir das nicht verkneifen weil er mich so übertrieben deprimiert ansah. „Was hast du gespielt? Fußball?“ “Du hast es erraten“ “Soll ich dich trösten?“ Dauerte gar nicht lange bis sein Lächeln wieder erschien. „Das kannst du später“ Ich zog ihn an seinem Shirt näher zu mir und küsste ihn sanft. „Warum nicht gleich?“ “Weil das Essen gleich fertig ist“ Das wollte ich nicht hören also rollte ich mit den Augen und ließ ihn wieder los. „Wie du meinst“

Das Essen zog sich ziemlich in die Länge weil Rafa natürlich auch interessierte was Sara gesagt hat. Von mir aus bleiben wir den restlichen Abend hier sitzen, es war richtig gemütlich. Auf dem Tisch standen Kerzen und die Beleuchtung war leicht abgedunkelt, es war zu romantisch. Ich sah über den Tisch und könnte direkt auf unanständige Gedanken kommen, Rafa sah unverschämt gut aus in dem warmen Kerzenlicht. Wenn er mich dann noch mit so einem interessierten Blick mustert, könnte ich über den Tisch springen. „Bist du nächste Woche eigentlich auch noch krank?“ Ich wurde aus meinen schönen Gedanken gerissen und überlegte kurz. „Weiß ich noch nicht genau, ich muss am Montag nochmal zum Arzt. Ich fürchte aber fast das ich noch länger krank bin. Warum interessiert dich das so, willst du mich besuchen?“ „No, dafür werde ich leider keine Zeit haben weil ich nächste Woche in Barcelona bin“ “Wegen dem Knie?“ “Unter anderem, ich habe noch ein paar Termine mit Sponsoren“ „Mhhh“ “Kannst ja vorbei kommen wenn du Zeit hast“ Das klang gut, ich denke er hat keine Zeit? Jetzt kommt es ja doch noch so weit, dass er mich überall mit hinschleppt.
“Mal sehen, versprechen kann ich nichts. Irgendwann muss ich wieder mal arbeiten“ Er nickte leicht mit dem Kopf und sah mit einem abwesenden Blick auf die Kerze. Hört er mir überhaupt zu? Es schien mir nämlich nicht so. „Wie würdest du das finden wenn ich in einem Musikvideo mitspiele?“ Fragte er plötzlich leise und sah weiter auf die Kerze. „Was?“ Fragte ich nur und wusste gar nicht was jetzt Sache ist. Er sah dann wieder zu mir und zog seine Augenbrauen hoch. „Überlegst du jetzt so rein theoretisch oder wie?“ Fragte ich dann weiter. Ich konnte mir absolut nicht zusammenreimen wie er darauf kommt. Strebt er eine Karriere als Schauspieler an? „Shakira hätte mich gern in ihrem neuen Video“ Ich sah ihn ein paar Sekunden mit großen Augen an und fragte mich ob ich das eben richtig verstanden habe. Shakira will ihn in ihrem Video? Will er mich gerade verarschen? Es ist doch noch gar kein 1. April!
„Du spinnst!“ Sagte ich dann vorsichtig und war mir eben nicht so sicher ob es wirklich ein Scherz ist. Sein Lächeln ließ nicht lange auf sich warten. „No, tue ich nicht. Sie hat mich schon vor einer ganzen Weile gefragt“ Ok, er meint es also ernst. Ich war nur so perplex, weil ich nicht dachte das er es machen würde. „Willst du das machen?“ Fragte ich neugierig weiter. „Weiß ich nicht genau, deswegen frage ich dich doch! Sie dreht es nächste Woche in Barcelona. Ich meine, die haben es extra so gelegt das es passt mit meinem Terminkalender“ Ich nickte mit dem Kopf und dachte kurz darüber nach. Was soll er denn da machen in dem Video? Ich kenne ihre Videos und sie will Rafa sicher nicht als Tennisspieler haben. Man muss schon darauf gefasst sein, dass es ein bisschen was zu sehen gibt.
Daher wunderte es mich auch das er ernsthaft darüber nachdenkt. „Welcher Song wird es denn?“ “Gypsy beziehungsweise Gitana“ “Was sollst du da genau machen?“ Also das interessierte mich jetzt schon! Soll er sich passend zum Inhalt als Zigeuner verkleiden? „Ich habe keine Ahnung. Falls ich es mache, treffen wir uns nächste Woche bevor das losgeht und klären das. Ich lasse mich sicher zu nichts zwingen“ “Das heißt du willst es machen?“ “Weiß ich nicht. Ich meine, wenn ich sie nicht kennen würde, hätte ich gleich abgelehnt. Sie gehört sicher nicht zu meinem engeren Freundeskreis aber ich telefoniere ab und zu mit ihr. Es wäre zumindest mal etwas anderes“ Was ich davon halten sollte wusste ich auch nicht. So spontan überlegt habe ich kein gutes Gefühl dabei.
Es hängt davon ab was es für ein Video werden soll. Ich fürchte nur, dass er mir das übel nimmt, wenn ich es ihm versuche auszureden. Dann nutzt er jede Möglichkeit mir das vorzuwerfen weil ich ihn davon abhalte. Es ist am Ende nur ein Musikvideo, basta. „Würdest du es ablehnen wenn es mir nicht passt?“ Fragte ich dann ernst und wartete gespannt auf seine Antwort. Ich wollte es ihm gar nicht ausreden sondern nur sehen was er sagt. Da wird sich ja gleich zeigen, ob er auf mich Rücksicht nimmt oder ob es ihm egal ist was ich davon halte. “Sí, ich setze sicher nicht meine Beziehung auf’s Spiel um ihr einen Gefallen zu tun. Deswegen frage ich dich doch“ Hatte ich denn überhaupt eine Wahl? Am Ende heißt es dann das Rafa es nicht gemacht hat weil ich es ihm verboten habe. Dann bin ich wieder die Dumme.
Nebenbei fiel mir auf, wie ernst die Stimmung inzwischen geworden war, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich holte tief Luft und nickte dann mit dem Kopf. „Es ist deine Entscheidung, ich will mich nicht einmischen“ “Ich will aber nicht das du dann sauer auf mich bist“ “Mache dir nicht so viele Gedanken um mich. Ich weiß das du gelegentlich auch andere Dinge abseits von Tennis machst. So schlimm kann es nicht werden, no?“ Er sah mich ein paar Sekunden mit einem nervösen Lächeln an. “Abwarten“ Sein zögern verstehe ich nicht ganz, entweder er macht es oder eben nicht. Wo ist das Problem? “Ich hätte dich gerne dabei“ Kam es dann noch vorsichtig. „Warum?“ “Ich meine nicht wegen dem Video, ich meine allgemein. Wenn du sowieso noch krank bist geht es doch, no?“ Wenn er so fragt und mich dann noch so flehend ansieht, kann ich doch gar nicht anders als ja zu sagen.
Da ich dem Blick nicht widerstehen konnte, lief ich um den Tisch und setzte mich auf seinen Schoss. „Wenn dir so viel daran liegt, komme ich vorbei falls ich noch krank geschrieben bin“ Er legte seine Arme um meine Taille und zog das berühmte Lächeln. „Wenn ich zu aufdringlich werde, sage es“ Jetzt musste ich lachen. “No, ich bin nur etwas erstaunt“ “Weil ich dich sehen will?“ “Bis vor ein paar Wochen hast du mich im Dunkeln tappen lassen was du von mir willst und jetzt sagst du das du mich überall dabei haben willst“ “Es ist so. Ich weiß was ich verlange aber ich kann nicht anders. Wenn ich dich sehe wird alles andere irgendwie nebensächlich. Vor ein paar Jahren habe ich mich gefragt wie verrückt jemand sein muss der seine Karriere aufgibt um mehr Zeit für privates zu haben. Wer wirklich was erreichen will in dem verrückten Geschäft, muss früher oder später privates hintenan stellen. Inzwischen kann ich das aber verstehen weil ich ziemlich schnell gemerkt habe, dass ich als Ausgleich für den ganzen Stress ein total langweiliges Privatleben brauche um nicht abzuheben. Die Medien tun immer so als würde ich alles mit links machen aber das stimmt nicht. Die Energie für den ganzen Stress hole ich mir fernab von allen Tennisplätzen und seit ich dich kenne erscheint es mir alles viel einfacher“
Ich holte tief Luft und muss zugeben, dass ich etwas gerührt war von seine Ansprache. Das er mich sozusagen als Energiequelle nutzt, hätte ich nicht gedacht. Was ich sagen soll wusste ich nicht also sah ich ihn nur an. Ich kann nicht versprechen ihn in Ruhe zu lassen, die Nähe zu ihm war zu viel weil ich nicht nachdenken kann wenn er mich umarmt. Worte fielen mir keine ein also küsste ich ihn einfach, dass war doch auch eine angemessene Antwort. Anfänglich waren es noch ein paar sanfte Küsse aber das änderte sich schnell. Ich hatte schon völlig vergessen wo wir waren und meine Hände gingen auf Wanderschaft. Wie blöd, dass wir noch am Tisch saßen!
Aufhören wollte ich aber auch nicht mehr. Ich könnte absolut wahnsinnig werden von den gierigen Küssen. Seine Hände schoben mein Top etwas nach oben und verschwanden dann darunter. Ich spürte das kribbeln und diese gefährliche Spannung zwischen uns. Leider löste er sich sehr zu meinem Bedauern von mir. „Lass uns nach oben gehen“ Och nein, warum müssen wir hoch gehen? Das macht nur die Stimmung kaputt! Ich küsste ihn weiter am Hals also stand er auf und hob mich hoch. Ok, wenn er das so macht und ich ihn nicht loslassen muss, können wir darüber reden.
„Höre auf!“ Kam es ernst als wir etwas in der Hälfte der Treppe waren. „Warum?“ Flüsterte ich ihn sein Ohr und knabberte dann an seinem Ohrläppchen. „Weil ich dich sonst fallen lasse!“ Das will ich natürlich nicht aber ich kann nicht anders also ignorierte ich ihn einfach und machte weiter.