30 October 2009

Chapter 15

Da sage noch jemand Rafa wäre es gewohnt mit der Knieverletzung umzugehen. So klang das eben nicht. Es scheint ihn ja doch ziemlich zu beeinträchtigen. Zwar kenne ich mich damit nicht aus aber wenn es wirklich so ist wie er sagt, dann frage ich mich warum er sich das alles antut. Inzwischen scheint es sich ja auch mental bei ihm auszuwirken. Jetzt verstehe ich auch warum Sara immer fast einen Herzinfarkt bekommt wenn wieder mal berichtet wird das Rafa Probleme mit dem Knie hat. Das scheint ja so was wie seine größte Schwachstelle zu sein.
“Wie lange ist es her das du nicht irgendwo ein Problem hattest?” ”Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern, das ist schon Jahre her. Irgendwo zwickt es immer” Bei jedem anderen hätte ich jetzt gelacht aber ich zweifelte nicht daran das er das bitterernst meinte. Das hörte sich an als wenn er uralt wäre dabei ist er erst 23, wo soll das denn enden wenn ihm jetzt schon alles weh tut? Irgendwie zieht mich das auch gleich runter wenn ich ihn so sehe. Ich war doch nicht hier um mit ihm solche Probleme zu lösen. Hören will er es mit Sicherheit nicht aber ich würde am liebsten sagen, dass er eine Weile aufhören soll mit spielen. Es bringt doch so nichts, er setzt wissentlich seine Gesundheit aufs Spiel. Mir kann keiner erzählen, dass sich das nicht später mal rächen wird. Kurz sah ich mich um, jetzt sind wir hier alleine und trotzdem kann ich es nicht genießen. Nicht wenn Rafa so ein Gesicht zieht wie gerade eben.
Langsam drängt sich mir die Frage auf warum ihn keiner davon abhält trotzdem noch zu spielen. Es kann unmöglich sein, dass niemand bemerkt wie ihn das beschäftigt. Es kann doch nicht sein das alle nur die Siege und Weltranglistenpunkte vor Augen haben. Sicherlich gibt es eine menge Leute die gutes Geld mit Rafa verdienen, die werden logischerweise nicht wollen das er unnötig lange pausiert. “Warum hörst du nicht auf?” Ich wollte das erst nicht fragen aber jetzt waren wir sowieso schon dabei. Er nickte mit dem Kopf und zuckte dann mit den Schultern. “Die Frage habe ich mir schon mehr als einmal gestellt. Manchmal frage ich mich schon ob es das alles wert ist. Klar sind die Siege schön aber im Moment überwiegen die negativen Seiten. Ich will ja spielen sonst würde ich mir das alles auch nicht antun aber mir ist klar das der Preis den ich dafür zahle ziemlich hoch ist” Ich rückte näher an ihn und legte eine Hand auf seine Schulter. “Vielleicht solltest du einfach mal relaxen” Wenigstens erschien ansatzweise ein Lächeln bei ihm.
Das sah viel besser aus, ich wollte sicher nicht das er jetzt den restlichen Tag über sein Knie nachgrübelt. “Versuche ich ja. Es tut mir leid wenn ich dich mit meinen Problemen langweile” ”Das tust du nicht” ”Was glaubst du würde passieren wenn ich von heute auf morgen verkünde das ich aufhöre zu spielen?” Ja, was würde passieren? Die Nummer zwei der Welt verkündet ohne Vorwarnung das Karriereende, dass wäre der Super-GAU. Ich möchte mir nicht vorstellen was Sara machen würde. Vielleicht würde es gar keiner glauben und alle würden denken Rafa macht einen ganz schlechten Scherz. Es wäre sicher die Schlagzeile des Jahres in Spanien. Irgendwann wird er ja sowieso aufhören aber nicht jetzt und dann sicher nicht ohne Vorwarnung. So gut wie er ist wäre es schade wenn er aufhört aber für ihn selbst wär's vielleicht gar nicht so schlecht. Es wäre ein herber Verlust für die Tenniswelt wenn Rafa nicht mehr dabei wäre. Was würde denn werden wenn Federer plötzlich keine Konkurrenz mehr hat?
Zwar gibt's noch Murray und Djokovic aber die sind beide keine wirkliche Konkurrenz für Federer und der gewinnt dann potentiell überall wenn ihm Rafa nicht mehr im Weg steht. Sara sagt immer Tennis ohne Rafa ist sinnlos und langweilig, teilweise stimmt das wohl auch. Ich nickte mit dem Kopf und musste dann spontan lachen weil die Vorstellung absolut unglaublich war. Das erschien mir schon absolut verrückt und ich beschäftige mich nicht so intensiv mit Tennis. “Das wäre ziemlich dramatisch” Sagte ich dann nur. ”Stimmt, letztes Jahr war die Saison ja auch vorzeitig beendet für mich. Vielleicht sollte ich ja beim planen für nächstes Jahr nur noch Turniere bis zum Sommer einplanen” ”Macht es Sinn sechs Monate extrem viel zu spielen und die restlichen sechs Monate die ganzen Verletzungen auszukurieren?” ”Natürlich nicht aber die Turnierpläne sind so eng, dass mir keine Wahl bleibt. Bei manchen Turnieren muss ich spielen und kann mich nur durch eine Verletzung drücken. Bei dem nächste Woche hätte ich zwar nicht spielen müssen aber ich könnte sowieso nicht spielen und wenn ich nicht zu 100% fit bin brauche ich gar nicht erst anfangen” Heißt das er hätte eigentlich gar nicht frei gehabt jetzt? So hörte sich das jedenfalls gerade an.
“Wo solltest du spielen nächste Woche?” ”In Bangkok, eigentlich sollte ich mit meinen Eltern eine Woche vorher also diese Woche hinfliegen und dort noch Urlaub machen. Hat der Tourismusverband so eingefädelt. Zwar hätte ich trotzdem hinfliegen können um Urlaub zu machen aber meinen Eltern passt es sowieso gerade nicht und wenn ich schon frei habe, bin ich lieber zu Hause als schon wieder woandershin zu fliegen” Also habe ich die Woche hier seiner Knieverletzung zu verdanken. “Was hast du denn als offiziellen Grund gesagt für die Absage?” ”Die Knieverletzung. Mein Management übertreibt ein wenig und behauptet ich könnte kaum laufen” ”Dann bete das dich niemand auf dem Jet-ski sieht” Es war schön das er wieder mal lächelt. “Dann war es eben eine spontane Genesung über Nacht. Ganz so schlimm ist es nicht aber ich will nicht riskieren das mir jemand vorwirft ich würde mich drücken weil ich keine Lust habe nach Thailand zu fahren deswegen bauschen die die Verletzung ein wenig auf. Ich würde ja hinfahren aber jetzt passt es mir so gar nicht. Es ist ja nicht so das mir das Knie gleich abfällt”
Ja, ich würde an seiner Stelle auch lieber hier alleine am Strand sitzen als in Thailand medienwirksam am Strand zu liegen und dann vielleicht noch so tun als wenn ich nicht wüsste das ich fotografiert werde. “Und trainieren musst du auch nicht?” ”No, nicht diese Woche. Ich habe noch ein bisschen Zeit bis ich wieder spiele und lasse es langsam angehen. Klar könnte ich jetzt mich so behandeln lassen das ich in zwei Wochen das Turnier spielen kann aber das hatte ich schon oft genug in diesem Jahr” ”Wo spielst du denn als nächstes?” ”In Shanghai ist ein Masters im Oktober aber das hatte ich sowieso gar nicht geplant. Ich spiele als nächstes das Masters in Paris Mitte November” Oh ja, dass klang gut. Dann hätte er ja fast zwei Monate Zeit mal nichts zu machen. Kein Wunder das er jetzt erstmal nicht trainiert.

Ich lehnte mich nach hinten bis ich auf dem Rücken lag und schloss meine Augen. Zwei Monate würde ich auch hier bleiben und mir die Sonne faul auf den Pelz scheinen lassen. “Kann ich bis November hier bleiben?” Fragte ich aus meinen Gedanken raus. “Glaubst du das du mich so lange ertragen könntest?” Fragte er zurück. Die Frage war überflüssig, klar würde ich es eine Weile aushalten mit ihm. So anstrengend ist er nun auch nicht das ich nach ein paar Tagen flüchten müsste um mich erstmal abzureagieren. Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich sofort hier bleiben. Das war ja auch das schlimme, dass wir uns auch über einen längeren Zeitraum verstehen würden. Ich würde mich mehr als nur geehrt fühlen wenn er will das ich länger hier bleibe.
Mir ist ja durchaus bewusst das ich nicht die Einzige bin die Interesse an Rafa hat. Ich schlug meine Augen wieder auf und sah zur Seite. Rafa lag neben mir und schien mich zu beobachten. “Beobachtest du mich?” Fragte ich übertrieben empört. “Hast du etwas dagegen?” Ich zog ein breites Lächeln und hielt mir eine Hand über die Augen da mich die Sonne blendete. ”Das macht mich nervös” ”Muss es nicht, ich tue nichts. Jedenfalls nichts das du nicht willst” Es macht mich in der Tat nervös wenn er mich so ansieht. Sollte ich jetzt darauf eingehen? Wer weiss wo das dann hinführen würde... Ich würde ihn am liebsten umarmen und das würde sicher nicht dazu beitragen das ich nicht auf unanständige Gedanken komme.
Da ich nicht anders konnte, rückte ich zumindest näher an ihn und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich musste erstmal tief Luft holen, es war ein bisschen zu viel Nähe. Irgendwie war es alles aufregend, ich fühlte mich eben als wenn ich wieder 14 wäre und mein Puls war bestimmt auf 300. Ich dachte dann zurück an den Urlaub den wir im Mai hier verbracht hatten. Damals habe ich mich ja alleine gelangweilt am Strand und hätte mich gefreut wenn Rafa mir Gesellschaft leisten würde. Tja, so schnell konnte es gehen. Gut, ich hätte auch nicht damit gerechnet das er mich in sein Haus lässt und mir so eine Art hinter die Kulissen Blick ermöglicht.
Er scheint auf jeden Fall Öffentlichkeit und Privatleben zu trennen daher ist es umso spannender die private Seite von ihm zu sehen. Es ist auf jeden Fall ein Vertrauensbeweis mir gegenüber das er mir die Möglichkeit gibt ihn mal abseits von dem ganzen Rummel der Turniere zu sehen. Mir ist es auch lieber mit ihm alleine hier zu sein als in einem Tennisstadion zu sitzen und zu sehen wie ihn tausende Leute anfeuern. Klar war das auch gut aber da ist Rafa irgendwie in einer anderen Welt. Außerdem müssten wir da ständig aufpassen wer uns sieht, das Problem bestand hier nicht. Hier könnte ich mich auch nirgends verstecken wie in Berlin als er mich charmant wie er ist ins Bad verbannt hatte. Es war doch gut zu wissen das er nicht alles perfekt macht, dann wäre er mir auch zu langweilig.

Wenn es nach mir gegangen wäre, wären wir bis zum Sonnenuntergang am Strand geblieben aber Rafa wollte unbedingt Essen gehen. Nein, es wurde kein Galadinner sondern eher ein kurzer Stop auf dem Weg zurück zu seinem Haus. In unserem Strandoutfit wäre es sowieso nichts vornehmes geworden. Außerdem machte er sich lustig über mich indem er fragte ob wir jetzt feiern müssen, dass ich den Ausflug mit dem Jet-ski überlebt habe. Ein paar Stunden später flogen wir wieder aus zu der arabischen Bar Kasbah. Es war doch ein merkwürdiges Gefühl dort wieder hinzugehen. Obwohl so viel seitdem ich zum letzten mal da gewesen bin passiert ist, hatte sich nichts verändert. Bei mir wurden gleich Erinnerungen wach als ich das alles sah.
Glücklicherweise war Rafa mit hier und nicht nur Teil meiner Erinnerungen. Vor einem halben Jahr dachte ich wirklich das es das war als sich unsere Wege vor der Bar trennten. Hätte ich damals gewusst, dass ich Rafa nicht so schnell los werde, hätte ich mir dann die ganzen Vorwürfe das ich es vermasselt habe sparen können. Berlin war so was wie Schicksal auch wenn Sara zu einem großen Anteil schuld an allem ist. Ich musste an die schrägen Bilder denken und alleine die Vorstellung brachte mich zum lachen. Als ich zur Seite sah, schien es mir als wenn Rafa sich fragen würde wieso ich plötzlich so lachen muss. “Ich dachte nur an die Bilder” Sagte ich dann kichernd. Rafa kannte die inzwischen auch da ich die ihm mal als E-Mail geschickt hatte um ihn nach einem verlorenen Spiel ein bisschen aufzumuntern.
“Das war ein Desaster” ”Ich sehe heute noch dein Gesicht vor mir. Je länger du probiert hast ein ordentliches Bild zu machen umso mehr musste ich lachen” ”Genau das hat mich auch so angespornt” ”Du hast so groß getönt es besser zu können das es dir zu recht geschah” ”Dachte ich auch, es hätte ja auch beim ersten mal klappen können aber nein, natürlich ging alles schief!” Ich trank einen Schluck und lächelte ihn dann wieder an. “Hochmut kommt vor dem Fall. Hast du eigentlich das Bild gesehen was auf der Webseite ist?” ”Sí aber das ist nicht annähernd so gut wie die die ich gemacht habe” Ja, dass musste man ihm lassen. Wenn es darum geht die Leute nur halb zu fotografieren war Rafa einsame Spitze. “Ich habe mich nicht getraut eins von denen das du gemacht hast irgendwo zu veröffentlichen. Was hätten deine Fans denn gedacht?” ”Das ich einen im Tee habe vielleicht” Oh ja, es würde sein Lupenreines Image zerstören wenn Bilder auftauchen bei denen man sich fragen muss was mit Rafa los gewesen ist. Jetzt wär's ja nichts neues mehr Bilder zu machen und ich brauchte ja kein Beweisfoto da ich Rafa noch ein paar Tage sehe und sich sicher noch eine Gelegenheit bietet ihn zu fotografieren.

Ich könnte mich daran gewöhnen hier in aller Ruhe Tee zu schlürfen. War direkt mal was anderes weil man sich nicht wie in einem Club wo so laute Musik ist das man kein Wort mehr verstehen kann anschreien muss wenn man sich unterhalten will. Ich muss auch nicht unbedingt Alkohol trinken um gut drauf zu sein, wahrscheinlich wäre es für Rafa am besten wenn er keinen einzigen Tropfen Alkohol trinkt aber ab und zu wird er sich schon mal einen Schluck gönnen. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als er seinen Kopf an meine Schulter legte.
Es war aber nicht so das er übertriebene Annäherungsversuche startet sondern ich glaube eher das er müde ist. Ein wenig erstaunte es mich aber schon das er näher rückte, zwar saßen wir in einer Ecke so das uns nicht alle anderen Gäste beobachten können aber theoretisch könnte uns schon jemand sehen. Von mir aus kann er ruhig näher rücken, mich stört es nicht, im Gegenteil. Den Gedanke das wir nicht ungestört sind kann ich aber nur schwer verdrängen. Es scheint zwar schon so zu sein, dass ihn hier alle kennen und hier niemand ist der dann zur Presse rennt und sagt das Rafa hier war. Bevor es noch entspannter wird sollten wir vielleicht gehen.
Mir geisterte immer die Horrorvorstellung im Kopf rum das uns Paparazzi abschießen und ich dann in den Klatschspalten lande. “Wann bist du aufgestanden?” Fragte ich leise und umarmte ihn. Ob uns eben jemand sieht war mir egal, es war zu verlockend und ich hätte nichts gegen ein bisschen mehr Nähe einzuwenden. “Halb sieben” Kam es nach ein paar Sekunden als Antwort. Halb sieben? Das war ja wirklich früh! Hätte ich gar nicht gedacht, kein Wunder das er jetzt müde ist. Ich dachte er wäre so um neun oder später aufgestanden aber doch nicht mitten in der Nacht! Jetzt war es zwar erst um 11 Abends aber es schien mir als wenn er ein bisschen Schlaf vertragen könnte. “Warum sagst du nichts? Wir hätten auch eher gehen können wenn du müde bist” ”Ist aber eben so bequem” Ich trank meinen Tee aus und löste mich von ihm auch wenn es mir schwer fiel.
Wäre es nicht so das uns hier alle sehen können, würde ich ihn so schnell nicht mehr los lassen. “Ich will aber nicht das du wegen mir hier einschläfst” “Ist aber eben so bequem. Bueno, lass uns verschwinden” Die frische Luft als wir zum Auto liefen tat richtig gut. Zwar hätten wir auch bis zu seinem Haus laufen können aber das hätte mindestens 30 Minuten gedauert und wir waren faul und das Auto stand ja gleich um die Ecke. Ich dachte gleich wieder daran wie der Abend vor fünf Monaten hier geendet ist. Damals wäre ich auch mit zu seinem Auto gelaufen wenn er es mir angeboten hätte aber dann kam alles ganz anders. Umso besser das ich mir jetzt keine Gedanken darum machen musste Rafa nicht mehr zu sehen.

Ein bisschen müde war ich inzwischen auch. Faul am Strand in der Sonne liegen strengte doch irgendwie auch an. Was anderes hatten wir ja heute nicht gemacht das so anstrengend war das ich jetzt müde sein könnte und ich hatte bekanntlich ein paar Stunden mehr als Rafa geschlafen. Duschen musste ich ja auch noch bevor ich ins Bett gehe also tat ich das erstmal. Es war so warm hier, dass mir kein Frostschauer über den Rücken lief als ich aus der Dusche stieg, so was passierte in Deutschland nicht. Aus diesem Grunde hasste ich es auch zu duschen, da friere ich dann hinterher nur, vorerst hatte ich das Problem ja nicht.
Über den Flur lief ich zurück zum Gästezimmer während ich überlegte ob ich noch mal kurz gucke was Rafa macht. Die Tür zu seinem Schlafzimmer war offen und es brannte auch noch Licht also wird er wohl noch nicht schlafen. Neugierig wie ich war blieb ich im Türrahmen stehen und spähte durch den Spalt ins Zimmer. Rafa war ja tatsächlich schon im Bett. Er hatte sich die Bettdecke beziehungsweise ein Bettlaken das als Decke fungierte bis zum Hals hochgezogen und sah zu mir. An den Anblick könnte ich mich gewöhnen!
“Komme her” Ich lief näher zum Bett und setzte mich auf die Kante. Es war genau wie gestern Abend nur mit vertauschten Rollen. Kaum das ich ein paar Sekunden saß, umhüllte mich eine Duftwolke. Offensichtlich hatte er es noch geschafft zu duschen bevor er ins Bett verschwunden ist. Wenn er so verführerisch riecht, komme ich nur auf dumme Gedanken, ich muss unbedingt rausfinden was er zum duschen benutzt. Mir drängte sich gleich wieder der Wunschgedanke auf neben ihm schlafen zu wollen. “Ich wünsche dir eine Gute Nacht” Sagte ich dann, genau die selben Worte die er gestern Abend zu mir gesagt hatte.
Sein Lächeln darauf hin sah gut aus, er machte überhaupt einen sehr entspannten Eindruck auf mich. “Usted también“ Eben als ich darüber nachdachte ob ich jetzt gehe oder nicht, spürte ich seine Hand an meinem Handgelenk. Langsam ließ ich meinen Blick zu seiner Hand an meinem Arm wandern. Bevor ich wusste wie mir geschah hob er seinen Kopf an und stützte sich auf dem Ellenbogen ab. “Bleibe hier” Kam es dann noch leise mit einem eindringlichen Blick. Ich war mir im ersten Moment nicht sicher ob ich ihn richtig verstanden habe. Bietet er wirklich eben an sein Bett mit mir zu teilen? “Wenn du willst natürlich nur” Schob er dann noch mit einem frechen Lächeln hinterher. Ich hatte den ersten Schock verwunden und musste auch wieder lächeln. “Gracias für das Angebot, ein anderes mal vielleicht”
In der nächsten Sekunde verging ihm das Lächeln erstmal dafür freute ich mich umso mehr. Glaubte er das etwa? Natürlich meinte ich das nicht ernst ich wollte nur seine Reaktion testen. “War ein Scherz” Sagte ich sicherheitshalber dann noch. Ich bin ja nicht blöd und lehne so ein Angebot ab. Kurz rollte er mit den Augen. “Das du hier schlafen sollst war auch ein Scherz von mir” Ich tat so als wäre ich total enttäuscht. “Jetzt hatte ich mich doch schon so darauf gefreut hier zu schlafen!” Er kicherte wieder und machte eine einladende Handbewegung. “Komme her bevor ich es mir wirklich noch mal anders überlege” Na das wollte ich aber auf keinen Fall riskieren!

Da ich sowieso schon mal aufgestanden war, machte ich gleich noch das Licht im Flur aus da Rafa nicht so aussah als wenn er Lust hätte noch mal aufzustehen. Ich lief dann auf die andere Seite von seinem Bett und machte es mir bequem. Das war wirklich was neues, ich hätte doch nicht gedacht das wir noch mal ein Bett teilen würden auch wenn es nur zum schlafen ist. “Hast du Angst alleine im Bett?” Er drehte sich auf die Seite und grinste schon wieder so verdächtig. “Sí auch wenn meine Eltern das nicht verstehen. Meine Mutter hat vor Jahren mal gesagt ich wäre alt genug um alleine zu schlafen” Ich konnte nicht anders als zu lachen, Rafa hörte sich eben an als wenn er höchstens vier Jahre alt wäre.
”Das würde ich auch so sehen” Da er ja wollte das ich neben ihm schlafe dürfte er doch auch kein Problem damit haben wenn ich näher an ihn rücke oder? Ich dachte mir Versuch macht klug und rückte näher an ihn. Dabei entging mir nicht das er offensichtlich nichts an hat, zumindest oben. Ganz so spärlich war ich nicht bekleidet, es würde dann sicher auch schwierig werden zu schlafen. Ich komme ja nur auf dumme Ideen. Die hatte ich sowieso aber wenn ich weiss das Rafa neben mir liegt und das er nicht viel an hat, macht es alles nur noch viel schlimmer! Es war unmöglich da nicht nervös zu werden auch wenn ich versuche mich zu beherrschen. Seit der Nacht in Berlin machte ich mir Hoffnungen das es nicht bei der einen Nacht bleibt.
“Hast du nichts an?” Fragte ich im dunkeln und fuhr mit einer Hand über seinen Bauch. “Du kannst gerne nachsehen” ”Es ist aber dunkel” ”Dir wird sicher auch etwas anderes einfallen um das rauszufinden, no?” Ich beschränkte meine Antwort auf ein kichern, bevor es noch total außer Kontrolle gerät. Natürlich würden mir noch andere Dinge einfallen und dann wäre er garantiert nicht mehr in der Lage solche Sprüche zu klopfen.
Nach ein paar Minuten hatte ich mich auch daran gewöhnt ihn zu umarmen. An die Nähe zu ihm könnte ich mich gewöhnen, es war nichtmal ungewohnt sondern ein bisschen zu vertraut. Es passte einfach, ich fühle mich richtig wohl in seinen Armen. Ein wenig erschreckte mich das da mir das so noch nicht passiert war. Vielleicht ist er ja auch einfach zu nett zu mir. Je länger ich ihn sehe umso größer wird die Versuchung gleich ganz hier zu bleiben.

Als ich wieder aufwachte, musste ich erstmal ein paar Sekunden den Anblick von Rafa genießen. Er lag mit etwas Abstand von mir auf der Seite mit dem Gesicht in meine Richtung und schlief. Ich könnte ihn stundenlang beobachten und immer wenn ich ihn sehe, fängt es an zu kribbeln bei mir. Es war durchaus eine schöne Vorstellung öfters neben ihm aufzuwachen. Wenn nicht alles so kompliziert wäre, würde ich mich sofort in ihn verlieben.
Zwar hat man seine Gefühle nur bedingt unter Kontrolle aber man muss sie ja nicht zeigen. Sicherlich wird es mir aber schwer fallen Rafa vorzuspielen das ich rein gar nichts für ihn empfinde. Das war auch überflüssig, ich hätte doch niemals in Berlin mit ihm geschlafen wenn er mir egal wäre. Unter anderen Umständen, hätte ich ihm schon längst zu verstehen gegeben das ich Interesse an ihm habe. Ich hatte nur irgendwie Angst, dass alles zu kompliziert ist.
Mir wurde dann aber langsam klar, dass der Plan nicht aufgehen wird. Da ich ihn jetzt jeden Tag sehe gewöhne ich mich ja doch an ihn ob ich will oder nicht. Wahrscheinlich denke ich auch einfach zu viel nach. Wecken wollte ich ihn nicht also stand ich vorsichtig auf und verließ sein Zimmer. War auch besser so, ich lasse mich nur zu dummen Aktionen hinreißen wenn ich ihn noch länger beobachte.

Ich ging erst mal ins Bad duschen und Kosmetik machen, er würde schon früher oder später aufwachen. Zeit hatte ich ja also ging ich nach unten und lief auf die Terrasse. Hier könnte ich die ganze Woche sitzen, das Mittelmeer lag da glatt wie ein Spiegel. Das glitzernde Wasser und der blaue Himmel vertreiben sofort jegliche schlechte Laune, bestimmt gibt es hier weniger Menschen mit Depressionen als in Deutschland. Es gab gleich neben dem Pool eine äußerst bequeme Sitzecke mit zwei Sesseln und einer Couch.
Noch dazu waren die Sessel so bequem, dass man kaum noch hochkommt wenn man erstmal sitzt. Ich könnte ja die ganze Woche faul auf der Couch liegen und von da aus den Pool oder das Meer beobachten. Hier würde ich wohl noch viel fauler sein als zu Hause, irgendwie kam es mir so vor als wenn hier alles entspannter abläuft als in Deutschland. Ein Leben ohne Stress und Hektik, daran könnte ich mich auch gewöhnen. Je länger ich nachdenke wie schön man hier leben könnte, umso weniger Lust hatte ich wieder nach Deutschland zu fliegen.
“Bon dia” Kam es plötzlich von hinter mir. Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa hinter meinem Sessel stehen. Es sah aus als wenn er noch nicht so richtig munter wäre, der verschlafene Blick bringt mich nur auf dumme Ideen. “Hey, ich wollte dich nicht wecken und bin immer aufgestanden” ”Mhh, gut zu wissen. Ich dachte schon du bist vor mir geflüchtet” Mein Lächeln wurde bestimmt wieder breiter. Er sollte mal nicht so tun, ich wäre doch nicht hier wenn ich ihn nicht sehen wälte. “So sehr nervst du mich nun auch nicht. Gehen wir heute wieder an den Strand?”
Im nächsten Augenblick verschwand sein Lächeln wieder, ich ahnte nichts gutes. “Ich habe leider keine Zeit für Strand, ich habe noch ein paar Termine wegen dem Knie” Kurz dachte ich nach. Er will mich da höchstwahrscheinlich nicht dabei haben und ich wollte doch sowieso mal nach Palma fahren. “Dann fahre ich nach Palma, wollte sowieso mal shoppen gehen dort. Bist du lange weg?” Er räusperte sich und schien nach den richtigen Worten zu suchen. “Na ja, es kann schon so vier bis fünf Stunden dauern” Was, so lange? Mein Gesicht war sicher gut. Was machen die mit seinem Knie in der Zeit?
“Dann lasse ich mir Zeit und komme erst heute Abend wieder hier her” Ein wenig erleichtert sah er dann schon aus. ”Du bist nicht sauer? Ich meine, ich trainiere zwar nicht aber deswegen habe ich nicht die ganze Woche frei” ”No, schon gut, wir müssen ja nicht ständig aufeinander hängen” Das meinte ich ernst, ich würde es schon mal ein paar Stunden ohne ihn aushalten außerdem sehe ich ihn doch spätestens heute Abend wieder auch wenn ich nicht damit gerechnet habe das wir uns tagsüber nicht sehen.

Gleich nach dem Frühstück startete ich nach Palma. Wenn Rafa dort wirklich so auffällt, ist es besser das er nicht dabei ist. Ich will ja durch die Läden ziehen und wenn er andauernd stehen bleiben muss wegen Bildern und Autogrammen, stört das doch nur. Bilder machte ich direkt mal keine, ich hatte jedes Mal wenn ich hier war welche gemacht und die Kathedrale sah noch genauso aus wie vor fünf Monaten also muss ich die ja nicht noch mal fotografieren. Ich vergaß total die Zeit während ich durch die Stadt schlenderte.
Alleine machte shoppen doch am meisten Spaß, man muss auf keinen Rücksicht nehmen. Ich gehe jedenfalls am liebsten ganz alleine, denn mit Sara wird es schon schwierig weil die ewig in der Umkleide ist. Zur Feier des Tages leistete ich mir neue Schuhe und ein paar weiße Hosen. Mit der Shoppingbeute lief ich dann zurück zur Kathedrale und ging erstmal entspannt etwas Essen. Unter freiem Himmel machte es doch erst richtig Spaß zu essen, ich würde am liebsten alle Restaurants hier mal ausprobieren. So könnte mir das gefallen, ganz entspannt im freien sitzen und das schöne Wetter genießen, arbeiten gehen können die anderen Leute.
Es machte doch viel mehr Spaß wenn man tun und lassen kann was man will. Wenn ich könnte, wäre ich so was von faul und würde wohl gar nicht mehr aus dem Knick kommen. Als ich meine Gedanken schweifen liess und die vorbeigehenden Leute beobachtete, musste ich an Rafa denken. Kann man mit ihm auch so spontan irgendwo Essen gehen ohne das er belagert und genervt wird? Mit so etwas kannte ich mich nicht aus und es fiel mir schwer ihn als eine Art Superstar zu sehen auch wenn er das für viele ist. Ich würde es schon komisch finden wenn er irgendwo ist und ihn andauernd jemand von der Seite anquatscht.

Nach dem Essen hatte ich keine Lust mehr noch länger durch die Stadt zu laufen. Bis ich wieder in Porto Cristo bin vergeht mit Sicherheit noch eine Dreiviertel Stunde. Inzwischen war ich seit vier Stunden in Palma und Rafa ist hoffentlich zu Hause wenn ich dort ankomme denn ich habe keinen Schlüssel zu seinem Haus. Kann ich auch nachvollziehen, ich würde auch nicht jedem Schlüssel zu meinem Haus geben.
Ich würde mich dort alleine auch unwohl fühlen wenn er nicht da ist. Heute früh sah er nicht begeistert aus als er von den Behandlungen an seinem Knie erzählte. Ich tippe mal darauf das es weh tut, einmal die Verletzung und dann die Behandlung. Wenn die ihn auf schnellstem Wege wieder fit kriegen wollen, werden die sicher nicht zimperlich mit Rafa umgehen und er muss eben die Zähne zusammen beißen. Da bin ich doch froh das ich keinen Leistungssport mache. Bestimmt gehört Rafa nicht zu der Sorte Mensch die bei jedem Wehwehchen jammern also wird es schon entsprechend sein wenn er es sich anmerken lässt.

Gespannt sah ich durch das Gitter zum Haus als ich endlich wieder in Porto Cristo war. Inzwischen war es nach um zwei und hoffentlich ist Rafa da. Von hier aus konnte man das nicht sehen, es sah alles aus wie sonst auch, Auto war auch keins zu sehen aber das konnte ja auch in der Garage stehen. Man hält es nicht für möglich aber das Haus war so geschickt gebaut, dass man rein gar nichts sehen kann von der Straße aus. Ich drückte auf die Klingel und ohne das ich einen Ton sagen musste öffnete sich automatisch das Tor.
Nachdem ich mein Mietauto in der Einfahrt geparkt hatte, stieg ich aus und lief ins Haus. Wie ich sah war Rafa in der Küche also lief ich dort hin und blieb neben ihm stehen. Er sah zu mir rüber und grinste mich frech an. “Na, schon zurück?” ”Mhh, ich habe dir auch was mitgebracht” Seine Augen wurden gleich größer. “Echt? Was denn?” Es war herrlich, er sah mich eben an wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Ich griff nach den Beuteln und musste erstmal darin suchen. Es war nichts besonderes, ich war da an einem Laden hängengeblieben wo es eine Menge verschiedene Schlüsselanhänger gab.
Da gab es auch einen Mini-Tennisball dabei musste ich gleich an Rafa denken und hatte spontan zwei gekauft, den einen behalte ich selbst als Andenken. Ich holte einen der Anhänger aus dem Beutel und hielt ihn Rafa vor die Nase. Er griff danach und zog dann ein breites Lächeln. “Oh wow, tolles Geschenk. Was ist das für eine gelbe Filzkugel?” “Ein bisschen mehr Begeisterung bitte!” Antwortete ich und nahm ihm den Anhänger wieder weg. “Hey, gib her” ”Du machst dich lustig über mich” ”No, das war Spaß!” Ich gab ihm den Anhänger zurück und sah dann an ihm nach unten. Da er kurze Hosen an hatte, war mir so auch gleich aufgefallen, dass er eine Bandage um das linke Knie hat.
“Wie war dein Tag?” Fragte ich während ich sein Knie betrachtete. Ich hätte auch fragen können was die mit seinem Knie so lange veranstaltet haben aber er weiss ja was ich meine. Erwartungsgemäß verging ihm auch das Lachen bei der Frage. “Reden wir besser nicht darüber. Als Versuchskaninchen hat man kein recht zu jammern”
Mein Gott klang das wieder dramatisch! So langsam frage ich mich ob es wirklich so schlimm ist wie er es darstellt oder ob er nur will das ich ihn bemitleide. Da er sein Knie ein bisschen schonen musste, gingen wir nicht an den Strand sondern legten uns an den Pool. Ich wurde nach wie vor das Gefühl nicht los das er ein wenig übertreibt was seine Verletzung betrifft. Klar würde ich ihn bedauern aber er nutzt es aus weil es ihm anscheinend gefällt. Jedenfalls sah es nicht so aus als wenn er übertrieben starke Schmerzen hat als er gestern auf dem Jet-ski saß.

Nachdem ich es mir auf einer Liege am Pool bequem gemacht hatte, rief ich gleich mal meine Eltern an. Die wissen immerhin das ich in Spanien bin nur nicht bei wem da sie nach wie vor glauben, dass ich mit Sara in einem Hotel wohne. Bei meinen Eltern musste ich auch nicht überlegen was ich sage um mich nicht selbst zu verraten.
Das musste ich nur bei Sara, mein schlechtes Gewissen meldete sich gleich wieder als ich darüber nachdachte das sie sicher nach neuen Bildern von Rafa im Internet sucht während ich faul mit ihm am Pool liege. Bevor ich sie anrufe, müsste ich zumindest wissen wie das Wetter in Österreich ist, da sie sicher danach fragen wird. Ich legte meine Zeitung weg und sah zur Seite. “Kann ich mal kurz ins Internet gehen?” ”Klar, von mir aus surfe so lange du willst” Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und wollte gleich loslegen.

“Vermisst du den Schnee?” Kam es plötzlich von hinter mir. Ich drehte meinen Kopf und sah Rafa hinter mir stehen, anscheinend war er neugierig was ich mache. Um sicher zu gehen das Sara auch glaubt das ich in Österreich bin suchte ich die Webcam vom Hintertuxer Gletscher. Da gingen meine Eltern immer Ski fahren und dort lag echt eine Menge Schnee, mehr als in anderen Jahren um diese Zeit. “No, ich gucke nur wie das Wetter in Österreich ist” ”Sieht kalt aus” ”Temperaturen um Null Grad sind normal für 3250 Meter. Meine Eltern waren dort letzte Woche Ski fahren, macht echt Spaß” ”Dort? Das sieht ziemlich steil aus” Ja, es sah nicht nur steil aus, wenn man den Hang von unten sieht, bekommt man schon ein bisschen Angst aber von oben ging es eigentlich.
“Sieht nur so gefährlich aus” ”Also ich würde mich dort niemals runtertrauen” Er würde also kneifen? Hätte ich gar nicht gedacht aber wer nicht Ski fährt kann es auch nicht einschätzen. “Ich würde ja auch nicht mit dir Tennis spielen” Sein Lächeln ließ nicht lange auf sich warten, wusste ich doch das ihm das gefallen würde. ”Por qué?” ”Na das ist gefährlicher als Abfahrtsski. Djokovic hat mich schon fast ko geschlagen ohne zu zielen” ”Es ist ja auch nicht der Sinn von Tennis den Gegner ko zu schlagen außerdem würde ich nie direkt auf dich zielen” Wie schön das er extra noch mal klarstellte das er nicht direkt auf mich zielen würde! Wenn ich mir seine Arme so ansehe, würde ich mir sonst jetzt wirklich Gedanken machen was passieren würde wenn er absichtlich auf mich zielt.
Ich überlegte kurz und kam zu der Ansicht, dass jetzt gerade der perfekte Moment ist um ihm die Wahrheit über Sara zu sagen. Wer weiss wie er reagiert wenn ich gar nichts sage und dann alles irgendwie rauskommt. Das letzte was ich will ist das er glaubt das ich Spielchen mit ihm spiele. Ich schaltete den PC wieder aus und lief wieder raus zum Pool. Ein paar Sekunden überlegte ich nach den passenden Worten während ich nervös mit meinen Händen spielte. Wie wird Rafa wohl reagieren? Wenn es ganz dumm läuft, glaubt er ich hätte es nur auf seinen Name und Status abgesehen also lag es an mir ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

25 October 2009

Chapter 14

Was mir als erstes auffiel, war die Größe. Er hatte zwar mal erzählt, dass seine Schwester meistens bei ihm wohnt wenn er zu Hause ist aber das wäre selbst für zwei Personen viel zu groß, da könnten ja zwei Familien drinnen wohnen. Es war überall dunkel und kein Licht war zu sehen abgesehen von der Beleuchtung der Einfahrt. Vor dem Haus war noch Rasen und ein paar große Palmen gemischt mit Strelizien und dann gab es nichts weiter zu sehen abgesehen von dem Metallzaun der das Grundstück abgrenzt.
Rein von der Architektur her war es auf jeden Fall ein neuerer Baustil und ganz offensichtlich war es absichtlich so gebaut, dass es von der Straßenseite aus nichts zu sehen gibt. Pool muss es einen geben da Rafa mal einen erwähnt hatte also wird der wohl auf der anderen Seite sein. Ich sah mich kurz auf der anderen Straßenseite um, da waren ähnliche Häuser das war hier wohl so was wie die Wohngegend der finanziell besser Gestellten.
Bestimmt ist auch das Meer gleich in der Nähe, da würde ich mich überraschen lassen wenn es morgen Früh hell wird. Jetzt war ich erstmal gespannt darauf das Haus und vor allem Rafa zu sehen.

Ich sammelte mich noch mal kurz und drückte dann auf die Klingel. Dabei sah ich auch das dort nichts auf dem Schild steht. So was hatte ich schon erwartet, da mir schon in früheren Urlauben aufgefallen war, dass hier nirgends Namen an den Briefkästen und Klingelschildern stehen. Das war nicht nur in Porto Cristo so sondern auf der ganzen Insel, ab einer gewissen Größe der Häuser blieb alles anonym obwohl ich trotzdem nicht daran zweifelte das trotzdem alle wissen wer wo wohnt. Von hier aus sah es auch nicht so aus als wenn jemand zu Hause wäre aber Rafa meinte er wäre spätestens um neun da und da er sich nicht gemeldet hatte, wird er wohl da sein.
Ohne das ich etwas sagen musste, öffnete sich dann wie von Geisterhand das Tor. Ich lief rein und war schon richtig aufgeregt, es wurde immer schlimmer! Als ich etwa in der Hälfte der Einfahrt war, kam Rafa mir entgegen gelaufen. Aww, wie lange hatte ich mich auf diesen Moment gefreut. Es war richtig schön ihn endlich wieder zu sehen und nicht nur zu hören. Ich zog ein breites Lächeln und blieb vor ihm stehen, so richtig konnte ich noch nicht glauben das ich ihn endlich wieder mal sehe. “Hola” Sagte ich dann mit einem breiten Lächeln und dachte ich träume das eben.
”Hi, ich dachte schon du hast den Weg nicht gefunden” Erst zog er ein Lächeln vom einen Ohr bis zum anderen und dann umarmte er mich spontan. Ich schlang meine Arme um ihn damit ich nicht nach hinten falle und musste lachen über den stürmischen Empfang. “Und ich dachte schon du bist nicht da weil alles dunkel ist” Er liess mich wieder los und grinste mich frech an. ”Ich würde dir kaum anbieten das du hier her kommen kannst wenn ich nicht da bin. Außer mir ist niemand hier und ich mache ja nicht aus Spaß überall Licht an” Es war also wirklich niemand da und Rafa wohnt alleine hier? Das macht mir Angst zu wissen das ich die ganze Woche mit ihm alleine bin. Ein kichern konnte ich mir dann nicht länger verkneifen.
“Heißt das wir sind alleine?” ”Sí, du musst aber keine Angst haben vor mir. Das du dich wehren kannst weiss ich ja schon” Meinte er jetzt die Ohrfeige? Tolles Thema, schön das er gleich damit anfängt. “Ich würde es wieder tun” Antwortete ich dann nur mit einem übertriebenen Lächeln. “Davon bin ich überzeugt! Ich habe auch Angst vor dir” Es klang so herrlich wie er das sagte, fast würde ich es ihm glauben auch wenn sein übertriebenes Lächeln schon klarstellte wie ernst er das gemeint hatte. ”Dann wäre das ja geklärt” ”Es ist ja gerade niemand hier von mir abgesehen und ich freue mich über ein bisschen Gesellschaft” Ich musste mich beherrschen nicht laut zu kreischen vor lachen. Das klang echt gut!
Er müsste sicher nicht lange nach jemandem suchen der ihm freiwillig Gesellschaft leistet. “Heißt das jetzt du hast nur gesagt ich kann hier her kommen weil es dir alleine langweilig wird?” Nicht das ich die Frage ernst gemeint hatte, ich wollte nur seine Reaktion sehen. “Was denkst du warum ich dir angeboten habe hier her zu kommen?” Tja was wohl, er könnte auch sagen das er mich unbedingt sehen wollte. Na schön, offensichtlich wird er also wieder frech, dass konnte ja noch heiter werden...

Ich holte meinen Koffer und den Schirm aus dem Auto und war schon mal gespannt darauf wie das Haus von innen aussieht. Vielleicht hat er ja überall seine ganzen Auszeichnungen verteilt? Nach ein paar Minuten musste ich aber feststellen, dass es ziemlich normal aussieht, es gab gar keine Trophäen zu sehen. Nur ein paar Auszeichnungen aus Glas standen in einem Schrank. Auf mein Nachfragen wo der Rest ist bekam ich als Antwort, dass alles verpackt in Kisten ist.
Alles was nicht aus Glas ist, reagiert zu empfindlich auf die ständig hohe Luftfeuchte hier und Rafa ist zu faul alles ständig zu polieren. Ist eigentlich schade, gerade der Pokal von Wimbledon würde sich doch gut auf dem Kaminsims machen. Da drängt sich mir die Frage auf wozu er einen Kamin braucht wenn es Fußbodenheizung gibt. War wohl zu Dekozwecken oder nach dem Motto was man hat, hat man. An Technik hat er jedenfalls nicht gespart und offensichtlich hat er auch den größten Fernseher gekauft der hergestellt wird. Ich dachte mir nur meinen Teil und verkniff mir immer die Frage nach dem Preis.
Nachdem wir in der unteren Etage überall waren, zumindest dachte ich das, ging es oben weiter. Praktischerweise gab es auch ein Gästezimmer mit eigenem Bad. Bäder gab es auch noch zwei weitere, eins hatte sich seine Schwester einverleibt, das andere Rafa selbst. Zwar hatte ich auch mein eigenes Bad in meiner Wohnung aber es ist so verdammt klein das man sich kaum drehen kann. Hier ist wesentlich mehr Platz, zu viel für eine Person. Warum baut er sich so ein riesen Haus wenn er alleine hier wohnt? Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich ihm gerne länger Gesellschaft leisten. Es war irgendwie alles zu perfekt, so was sah man normalerweise nur in Zeitungen oder im fernsehen. Ich hätte zu gerne gefragt was das Haus plus die Einrichtung gekostet hat.
Mir ist durchaus bekannt, das Baugrundstücke mit Meerblick auf Mallorca ein Vermögen kosten, vom Haus abgesehen. Wäre das ganze ein Hotel, dann hätte es sicher fünf Sterne, es war offensichtlich von der Aufteilung der Räume bis hin zur Einrichtung komplett durchgeplant. Es passte alles zusammen, ich kann mir nur schwer vorstellen das Rafa das alles ohne fremde Hilfe geschafft hat. Er scheint auch noch viel mehr Geld zu haben als ich vermutet habe. Zwar hatte ich mit Sara da nie so drüber gesprochen was er verdient bei den Turniersiegen und den ganzen Werbeverträgen die er hat aber es muss sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen.
Ich war jedenfalls erstmal total platt als ich alles gesehen hatte. Ich könnte direkt neidisch werden, er ist genauso alt wie ich und kann sich so ein Haus leisten. Das würde ich mir wahrscheinlich mein ganzes Leben lang nicht leisten können. Es war unvermeidlich das da so was wie Neid aufkommt. Klar würde ich auch lieber hier in einem großen Haus mit Meerblick wohnen anstatt in dem kleinen Kaff wo ich wohne mich zu Tode zu langweilen.
Es passte jedenfalls zu Rafa. Zwar hatte ich keinerlei Ahnung was ich erwarten kann aber mir war klar, dass da höchstwahrscheinlich eine Menge Geld drinnen steckt. Erst gibt er sich total Bescheiden und Bodenständig und dann das. Zumindest prahlt er nicht öffentlich damit was er sich alles leisten kann.

Wir gingen dann wieder nach unten und setzten uns auf die Terrasse. Meine Gedanken gingen weg von dem Haus hin zu der Frage wo er mich einquartieren wird. Bisher hatte er nichts davon gesagt. Ich vermute mal das er mir das Gästezimmer geben wird. Zumindest war es nicht mein Plan mich in seinem Bett einzuquartieren. Nachdem wir uns ein paar Wochen nicht gesehen haben, müssen wir ja nicht gleich übertreiben. Ich bin grundsätzlich dafür alles langsam angehen zu lassen auch wenn Rafa dafür eigentlich keine Zeit hat.
Mir erschien es auch nicht so als wenn er sich überstürzt auf jemanden einlassen würde. Es erklärte warum seine Exfreundin von hier war und das er sie schon lange kannte bevor er mit ihr zusammen war. Klar ist es einfacher mit jemandem den man schon kennt als wenn man jemanden kennen lernt von dem man nicht genau weiss was er eigentlich will. Sicherlich wird bei ihm immer die Frage mit durch den Kopf gehen ob jemand an ihm als Person oder als Tennisspieler interessiert ist. So genau wusste ich gar nicht wie er darüber denkt. Eigentlich wusste ich gar nicht viel von ihm, die Gespräche am Telefon waren meistens nicht so tiefgründig auch wenn es eine Menge zu lachen gab. Vielleicht bin ich nach der einen Woche schlauer.
Wir hatten es ja auch irgendwie geschafft, nicht weiter über die Vorkommnisse in Berlin zu sprechen. Zumindest nicht über die abseits vom Platz. Die Ohrfeige mussten wir auch nicht mehr auswerten, dazu war alles gesagt. Die Nacht eigentlich auch nicht nur würden wir kaum ewig drumrumreden können. One night stand kann man es nicht wirklich bezeichnen, ich wusste gar nicht wie ich es einordnen soll. Es hatte sich eben ergeben auch wenn das doof klingt.

“Willst du Minzetee trinken?” Kam es plötzlich von hinten. Ich drehte meinen Kopf nach hinten und musste dann lachen. Rafa stand in der Tür zur Terrasse und sah mich fragend an. Er sollte mal nicht so ernst tun! “Machst du gleich fünf Liter?” Fragte ich zurück. Das Lächeln liess auch nicht lange auf sich warten bei ihm. “Wenn du willst schon” Würde er alles tun was ich ihm sage?
Interessante Frage! “Dann würde ich die restliche Nacht im Bad verbringen, no?” ”Schon möglich, ich würde sagen das hängt von deiner Blase ab” Ich musste wieder lachen und konnte nicht glauben, dass wir wirklich darüber reden. “Dann nehme ich erstmal nur eine Tasse” ”Bueno” Er drehte sich um und verschwand wieder ins Haus. Ich schüttelte mit dem Kopf und musste immer wieder lachen. Der ist echt verrückt!
Das vermisse ich ja auch wenn ich ihn nicht sehen kann, es macht nur halb so viel Spaß wenn man sich nur hört und nicht sieht, da kommen solche komischen Situationen nicht zu stande. Ein paar Minuten brauchte ich um mich daran zu gewöhnen ihn plötzlich wieder zu sehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte das nicht sechs Wochen gedauert aber er hatte ja nicht eher Zeit.

Ich stand dann auf und lief ihm nach in die Küche. Da er mich nicht bemerkt hatte, verhielt ich mich ruhig und lehnte mich seitlich an den Schrank während ich ihn beobachtete. Zwar sah ich ihn nur von hinten aber das reichte aus, ich könnte ihn auch längere Zeit beobachten auch wenn ich dann früher oder später auf dumme Gedanken komme. Rafael Nadal gehört zu den Menschen, die von allen Seiten eine gute Figur machen. Irgendeine Spielerin der WTA Tour hatte mal gesagt Rafa hätte den schönsten Hintern der ATP Tour, das würde ich sofort unterschreiben! Leider hatte er ziemlich viel an aber das könnte man sicher ändern.
Wie schön das ich die ganze kommende Woche Zeit habe Rafa zu beobachten. “Beobachtest du mich etwa?” Fragte er plötzlich ohne das er sich umdrehte. Ich fühlte mich eben leicht ertappt und wurde sicher rot. Es wurde mir zumindest warm im Gesicht, woher wusste er das ich hier war? Nach ein paar mal tief luftholen hatte ich mich wieder unter Kontrolle. Wo ich doch eben in so interessante Gedanken vertieft war! “Sí” Antwortete ich dann direkt. Er sah mich kurz an und dann wieder auf den Wasserkocher. Fast sah es so aus als wenn er mit der Antwort nicht gerechnet hatte. “Gibt es was interessantes zu sehen?” Ihn zu beobachten war doch immer interessant, da würden mir sicher eine menge Leute zustimmen.
“Von dir abgesehen nicht, nein” Sagte ich dann direkt bevor ich lange überlegt hatte. Kurz huschte ein Lächeln über sein Gesicht bevor er sich wieder umdrehte. Sicher war ich mir nicht aber ich wurde den Eindruck nicht los, das ihn zu direkte Komplimente in Verlegenheit bringen. Dazu bestand wirklich kein Grund aber mir gefiel seine Reaktion. Das zeigt zumindest, dass er sich selbst nicht für den Allergrößten hält. Ich sagte erstmal nichts weiter und wartete bis das Wasser kochte bevor wir wieder raus liefen auf die Terrasse.

Im ersten Moment hatte ich das für einen Scherz gehalten als er mich gefragt hatte ob ich Tee trinken will aber der Gedanke war gar nicht so dumm. Am ersten Abend muss ich mich ja nicht gleich total betrinken. Es war ja schon nach um neun als ich hier angekommen war also beließen wir es bei der einen Tasse Tee bevor ich total müde ins Bett fiel. Ich durfte mich in dem Gästezimmer breit machen, mir war aber egal wo ich schlafe so lange es ein Bett gibt. Immerhin hatte ich es noch geschafft zu duschen. Ohne weitere Umwege verschwand ich vom Bad aus direkt ins Bett.
Ah, endlich liegen! Der Tag war echt anstrengend. Ich musste ja heute früh aufstehen weil ich bis Mittags noch arbeiten war, dann den Koffer gepackt habe und zum Flughafen gefahren bin und dann eben noch hier vom Flughafen nach Porto Cristo. Jetzt war ich jedenfalls ko. Ich gähnte und machte es mir dann bequem. Leider war die Tür zum Flur noch offen, ich bin aber so faul und habe absolut keine Lust jetzt noch mal aufzustehen. Wenn ich Glück habe kommt Rafa noch mal vorbei, dann kann er sich um das Problem mit der Tür kümmern. Wie auf Bestellung stand er auch ein paar Augenblicke später in der Tür.
Ein wenig überrascht sah er schon aus, er hatte wohl nicht damit gerechnet das ich schon im Bett liege. “Ich ähm, wollte dich nicht stören” Ich zog ein Lächeln und rollte mit den Augen. “Komme her” Er kam näher und setzte sich auf die Bettkante. “Du störst nicht und wenn hier jemand den Satz sagen kann dann ich. Ich meine, es ist doch dein Haus” “Sí aber ich will dich nicht vom schlafen abhalten” Schade! Am liebsten hätte ich das auch laut gesagt. Wenn es Rafa ist der mich davon abhält zu schlafen, habe ich kein Problem damit. “Ich denke, ich kann damit leben wenn du mich vom schlafen abhältst”
Bei dem Lächeln das er daraufhin zog, hätte ich wegschmelzen können. Zum Glück lag ich schon, sonst hätte ich jetzt wieder weiche Knie bekommen. Das war es was ich schon so vermisst hatte, dieses umwerfende Lächeln. “Ich wünsche dir eine Gute Nacht” Ich biss mir auf die Zunge um nicht zu sagen das die Nacht noch viel schöner wäre wenn er hier bleiben würde. “Dir auch” Antwortete ich dann mit einem Lächeln. Bevor ich es mir versah, küsste er mich auf die Stirn ehe er aufstand und das Zimmer verließ.

Ich drehte mich auf die Seite und machte das Licht aus. Müde war ich aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich auch schlafen kann. Mir ging die ganze Zeit durch den Kopf, dass Rafa nur ein paar Zimmer entfernt ist. Ich wäre zu gerne wieder aufgestanden und hätte ihn so lange genervt bis er mich in sein Bett lässt aber ich wollte nicht gleich am ersten Tag übertreiben.
Ich plante jedenfalls nicht die restliche Woche auch hier zu schlafen. Berlin war lange genug her und ich hätte nichts gegen eine Wiederholung. Es ist nicht mein Hauptanliegen ihn ins Bett zu kriegen aber ich will zumindest neben ihm schlafen. Es würde mich wundern wenn er standhaft bleibt und es auch bei nur schlafen bleibt.
Ich könnte zumindest nicht versprechen ihn in Ruhe zu lassen wenn er neben mir liegt. Vielleicht sollte ich an etwas anderes denken sonst komme ich ja nie zum schlafen. Wäre ich nicht hier her gekommen, hätte ich es sicher früher oder später bereut. Ist doch egal ob ich ihm nachfliege oder nicht, ich wäre auch noch weiter geflogen um ihn zu sehen.

Als ich wieder aufwachte und auf die Uhr sah, bekam ich fast einen Herzinfarkt. Gleich halb 11! So lange schlafe ich zu Hause nie. Zwar wusste ich das es nach um acht sein musste da es schon hell war aber das fast Mittag ist hätte ich nun nicht gedacht. Ich setzte mich hin und streckte mich erstmal, immerhin war ich jetzt richtig schön ausgeschlafen. Als mein Blick zum Fenster schweifte, wurde ich neugierig. Gab es nun Meerblick oder nicht?
Vom Bett aus sah ich das aber nicht also stand ich auf und lief gespannt zum Fenster. Außen waren an allen Fenstern weiße Jalousien und zum Glück war die im Gästezimmer ein Stück hochgezogen und es kam ein bisschen Licht rein sonst hätte ich wohl bis zum Nachmittag geschlafen. Nebenbei bemerkte ich dann noch, dass dieses Fenster bis zum Boden ging, gestern war mir das auch schon aufgefallen. Normal war hier anscheinend nichts, ich hatte gestern auch in den anderen Räumen kein normales Fenster gesehen, die gingen überall bis zum Boden. Jalousie selbst nach oben leiern war auch mal, in der modernen zeit drückt man dazu auf einen Knopf und wartet dann einfach ab. Das tat ich jetzt auch gespannt.
Wenige Sekunden später stand ich mitten im Sonnenlicht und bewunderte erstmal die Aussicht. Lag ich doch richtig mit meiner Vermutung, es gab Meerblick und was für einen. Ich blieb erstmal stehen und liess das auf mich wirken, dass glitzernde Wasser hat irgendwie eine beruhigende Wirkung. Schönes Wetter war auch noch aber ich hatte nichts anderes erwartet. Bestimmt ist es mal wieder schlecht in Deutschland, da ist ja selbst im Sommer nicht solches Wetter wie hier im September. Ich sollte gleich ein paar Monate hier bleiben und nicht nur eine Woche. So richtig genießen kann Rafa das alles ja auch nicht da er so oft weg ist.

Ich verließ das Zimmer und schlurfte dann gemütlich die Treppen nach unten. Vielleicht ist Rafa ja gar nicht da obwohl er nicht erwähnt hatte, dass er heute etwas vor hat. Wie ich dann sah saß er vor dem PC, fehlt ja nur das er eben seine eigene Webseite anguckt oder noch besser das er nachsieht was seine Fans so über ihn schreiben.
Ich möchte auch mal bei mir zu Hause unter freiem Himmel am PC sitzen aber es würde sich da gar nicht lohnen den erst draußen aufzubauen, da es hier nicht regnet im Sommer lohnt es sich hier schon eher. Es gab ein schönes Bild ab wie Rafa da saß und mich nicht bemerkte. Leider blieb meine Anwesenheit dann aber nicht mehr lange unentdeckt. “Bon dia” Ich zog ein Lächeln und gähnte erstmal. “Buenas tardes, von Morgen kann man ja wohl nicht mehr sprechen” ”Ich dachte schon dir ist etwas zugestoßen” ”No, ich war selbst erschrocken als ich eben auf die Uhr sah. Es war nicht meine Absicht den Tag zu verschlafen” ”Falls du trotzdem frühstücken willst, ich habe alles stehen gelassen” ”Mhh ok” Zwar hatte ich nicht viel Hunger aber wenn sowieso schon alles auf dem Tisch stand, konnte ich es schlecht ablehnen.

Ein wenig wunderte ich mich schon darüber, dass er offensichtlich Zeit hat heute. Trainiert er nicht jeden Tag? Gestern war er ja auch irgendwo Tennis spielen. Es lag hoffentlich nicht an mir obwohl ich nicht glaube, dass ihn meine Anwesenheit vom Training abhält. Da wird er wohl als Profi keine Kompromisse eingehen was das betrifft. Den ganzen Tag wollte ich nicht hier bleiben obwohl ich auch hätte in den Pool springen können. Strand wäre mir am liebsten, den habe ich schließlich in Deutschland nicht.
Da er mich fragte wie ich mir den restlichen Tag vorstelle, nutzte ich die Chance gleich zu sagen das ich wenn es sich einrichten lässt gerne irgendwo an den Strand gehen würde. Entgegen meiner Erwartung leistete er keinerlei Widerstand also gehen wir eben zum Strand. Erst dachte ich das es ihm dort vielleicht zu langweilig ist denn wenn man ein ganzes Leben lang den Strand direkt vor der Haustür hat, geht man eben irgendwann nicht mehr hin. Vermutlich wird er sich nicht zwischen den ganzen Touristen an den Strand legen, es musste ihn ja nicht gleich jeder erkennen. Hoffentlich macht er es nicht nur weil er mir nicht den Urlaub versauen will, ich will nicht das er mitgeht um mir einen Gefallen zu tun.
Ich packte meine Badetasche zusammen und zog meinen Bikini an, von mir aus kann es los gehen. Sehr zu meinem Bedauern fuhr Rafa heute nicht den Aston Martin spazieren. Der stand zwar in der Garage aber ich musste mit einem unauffälligen Auto vorlieb nehmen. Immerhin traut er sich mit mir in einem Auto zu fahren, man muss ja damit rechnen das ihn jemand erkennt. Er fuhr erstmal direkt ins Zentrum von Porto Cristo, will er etwa doch hier an den Strand gehen? Es gab in Porto Cristo nur einen einzigen Strand und der war direkt im Ort, war auch sehr beliebt bei den ganzen Touristen. “Willst du hier an den Strand gehen?” Ich musste fragen, da ich es nicht glauben wollte. Rafa sah aus dem Augenwinkel zu mir rüber und zog dann ein Lächeln.
“Sehe ich aus als wenn ich verrückt wäre?” ”Das habe ich mich auch eben gefragt” ”Natürlich gehe ich nicht hier an den Strand, lasse dich überraschen” Gut, blieb mir wohl auch keine andere Wahl. Ein paar Gedanken machte ich mir doch als es direkt zum Hafen ging. Geht unser Ausflug etwa auf dem Wasser weiter? Da er in unmittelbarer Nähe der Anlegestellen parkte, war ich mir fast sicher, dass noch irgendwas kommt. “Hast du hier irgendwo eine Jacht?” Fragte ich mit einem kichern und meinte das eigentlich als Scherz. “Sí, du wirst sie gleich sehen” Wenn er so antwortet, kann das nichts gutes bedeuten. Wir liefen einen Anlegesteg entlang als er plötzlich stehen blieb. Ich drehte mich zur Seite und sah ins Wasser. Mein erster Gedanke war, oh nein!
“Das ist deine Jacht?” Fragte ich mit einem skeptischen Ton und hoffte das er eben Scherze machte. “Ist toll, ich weiss” Es handelte sich dabei um einen Jet-ski. Mein nächster Gedanke galt meiner Lebensversicherung. Zum Glück hatte ich eine! Sehr vertrauenserweckend sah das Gefährt nämlich nicht aus. Da schwammen sogar mehrere solcher Teile, falls er glaubt das ich mit so was fahre, täuscht er sich. “Willst du mit einem eigenen fahren?” Was für eine Frage! Sehe ich aus als wenn ich mich umbringen wälte? ”Nur über meine Leiche” Sagte ich dann und betete das wir heil am Strand ankommen. Ich hatte noch etwas Zeit alles genau zu betrachten da Rafa erst noch den Schlüssel organisieren musste.
Also gehört ihm das Teil nicht mal aber heutzutage kann man sich ja fast alles ausleihen. Schneller als mir lieb war stand Rafa wieder neben mir. “Du kannst hoffentlich damit umgehen?” Fragte ich nur vorsichtig, mir war das wirklich nicht geheuer. “Hey ich fahre nicht zum ersten mal damit. Vertraue mir einfach, dir wird nichts passieren” Ja, dass klang sehr gut nur überzeugte es mich nicht wirklich. “Gehört dir das Teil?” ”No, ich weiss das durch die Presse Geschichten geistern das es ein Geburtstagsgeschenk gewesen wäre, es war Zufall das da die Bilder mit dem Jet-ski entstanden sind. Es lohnt sich nicht einen eigenen zu kaufen, so oft habe ich nicht Zeit damit zu fahren” Mir blieb wohl keine Wahl, ich wollte auch nicht die Spielverderberin sein also muss ich da jetzt durch.
Ein wenig sicherer fühlte ich mich dann schon mit Schwimmweste auch wenn ich lieber nicht sehen wollte, wie ich aussehe damit. Rafa sah noch ganz ok aus aber der kann auch irgendwie einen Kartoffelsack anziehen und sieht noch gut aus damit. Selbst die Aussicht das ich Rafa umarmen kann da ich mich ja festhalten muss war nicht sehr verlockend. Ok, Augen zu und durch. “Du siehst echt toll aus mit der Schwimmweste” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn erst mal nur skeptisch an. Sein grinsen war so verräterisch das ich zu der Annahme kam das er mich auf den Arm nehmen will. “Klar” Antwortete ich nur und rollte mit den Augen.
“Wirklich! Ich meine das nicht als Scherz” Oh weia, wenn er so energisch reagiert komme ich ja direkt ins grübeln ob er es nicht doch ernst gemeint hat aber warum sieht er mich dann so an? ”Warum grinst du mich dann so an?” ”Darf ich das nicht? Oder wäre es dir lieber wenn ich die Mundwinkel bis zum Boden hängen lasse?” Ich zog es vor diese Diskussion nicht weiter zu vertiefen.

Ein paar Minuten später sah ich Porto Cristo am Horizont immer kleiner werden. Zumindest fuhr Rafa nicht so schnell aber dann würde ich nach ihm schlagen und ihn so zwingen langsamer zu fahren. Wenn jetzt der Motor kaputt geht, treiben wir sicher raus aufs offene Meer und werden in zwei Wochen als Treibgut irgendwo in Algerien an den Strand gespült. Die Vorstellung war noch viel schrecklicher als die mit dem Flugzeug abzustürzen! Und als ehemalige Kurzzeit Flugbegleiterin weiss sich wovon ich spreche. Kaum hatte ich das Horrorszenario zu Ende durchdacht, blieben wir stehen. “Was ist?” Fragte ich und hatte Mühe nicht gleich das schlimmste zu befürchten. Rafa drehte seinen Kopf nach hinten und grinste mich frech an.
“Ich wäre dir sehr verbunden wenn du mich nicht gleich erquetschen würdest” So witzig fand ich das gar nicht aber ich liess erstmal ein bisschen locker. “Ich will ja nicht runterfallen” ”Das tust du auch nicht aber du krallst dich an mir fest als wenn es um Leben oder Tod geht” ”Sehr vertrauenserweckend wirkt das Ding auch nicht. Was wenn der Motor kaputt geht?” ”So weit weg vom Strand sind wir nun auch nicht, wir werden sicher nicht bis zum Festland abgetrieben” Warum werde ich nur das Gefühl nicht los das er sich über mich lustig macht? “Fahre weiter” Sagte ich dann nur um die Diskussion zu beenden. Zum Glück ging es nur in die nächste Bucht.
Ich war heilfroh als der Strand in Sicht kam. Da waren direkt mal keine Menschen zu sehen, so was war wirklich selten hier. Endlich wieder Land! Es war ein schönes Gefühl wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Die blöde Schwimmweste konnte ich auch wieder ausziehen, ich fühlte mich darin wie die Wurst in der Pelle. Rafa schien dafür umso mehr Spaß an dem ganzen zu haben. Typisch Mann, der fährt offensichtlich total auf technisches aller Art ab. “War gar nicht so schlimm, no?” Ich holte tief Luft und zwang mich zu einem Lächeln. “Wie man es sieht” ”Das war noch gar nichts, macht erst so richtig Spaß wenn richtig Wellengang ist” ”Gracias, ich verzichte” Ich packte schon immer mein Badetuch aus und machte es mir bequem während Rafa noch damit beschäftigt war den Jet-ski so festzumachen das er nicht wegschwimmt.
Die Vorstellung zurück nach Porto Cristo zu schwimmen war auch nicht sehr prickelnd. Als Rafa endlich mal fertig war und zu meinem Handtuch lief, fiel mir auf das er irgendwie anders läuft als sonst. Nicht das ich ihn so genau kennen würde aber es war verdächtig. Ich würde darauf wetten, dass er ein Problem mit dem linken Knie hat. Das hatte er ja sowieso, nicht umsonst hat er nach den French Open das Turnier abgesagt aber jetzt war doch schon Ende September und die French Open waren im Juni.
So würde sich auch erklären warum er nicht trainiert aber es müsste ja schon eine ernste Verletzung sein wenn er gar nicht trainieren kann. Soll ich ihn jetzt darauf ansprechen? Wenn es wirklich weh tut, wovon ich einfach mal ausgehe, hat er vielleicht gar keine Lust darüber zu reden. Erst wollte ich nichts sagen aber es ließ mir dann einfach keine Ruhe. Zwar merkte man ihm so nichts weiter an aber er wird in den letzten Jahren schon gelernt haben wie man alles vertuschen kann.

“Was ist mit deinem linken Knie?” Fragte ich dann einfach direkt. Er sah zu mir rüber und im nächsten Moment verschwand sein Lächeln. “Nichts schlimmes, es tut nur etwas weh” Etwas? Wenn man es ihm schon ansehen kann, wird es wohl ein bisschen mehr als nur etwas weh tun. “Nimm’ es nicht persönlich aber es sieht nicht aus als wenn es nichts weiter wäre” Er sah auf sein Knie und sagte vorerst nichts mehr. Ich wartete noch ein paar Sekunden ab nur passierte nichts. Eigentlich wollte ich dann etwas sagen aber sein nachdenklicher Blick hielt mich davon ab.
Er schien total in Gedanken versunken da traute ich mich kaum etwas zu sagen. Worüber er nachdenkt weiss ich natürlich nicht aber ich ahnte es schon. Kann es wohl sein, dass die Sache mit dem Knie ernster ist als er öffentlich zugibt? Wenn ich ihn so sehe, komme ich jedenfalls zu der Annahme. Ein paar Minuten später schien er wieder in die Realität zu kommen, zumindest sah er mich wieder an. “Perdó, ich war nur kurz in Gedanken” ”Habe ich gesehen” “Die Verletzung hat mich den fünften French Open Titel gekostet und auch den US Open Titel. Zwar hätte ich vielleicht sowieso verloren im Finale aber ich wäre sicher weiter als bis zum Viertelfinale gekommen wenn ich hätte zu 100% spielen können” Ich war ein wenig erstaunt wie er das sagte, da schien eine Menge Frust mit dabei zu sein. Vielleicht ist es doch besser wenn ich das Thema wechsle andererseits waren wir doch sowieso eben dabei.
Es war offensichtlich, dass dieses Thema ein wunder Punkt bei ihm ist. “Ist es immer noch die gleiche Verletzung die du schon im Mai hattest?” ”Mai? Schön wär's! Ich ärgere mich seit kurz nach den Australian Open damit rum” Das war bekanntlich im Januar, so langsam bekam ich eine vage Vorstellung von den Dimensionen. Sprich, er hat die Verletzung schon die gesamte Saison. Wenn man es so sieht, erscheinen die Siege in einem anderen Licht. “Ich glaube ich werde das nie mehr los. Mir fehlt die Zeit damit alles ausheilen kann. Ich weiss nicht was schlimmer ist, die Verletzung oder die Behandlung davon. Fast alle Spieler haben irgendwo Schmerzen also gehört es mit zum Job die Zähne zusammen zu beißen. Ich bin es gewohnt mit Schmerzen zu spielen aber irgendwann kommt der Punkt wo es einfach nicht mehr geht, das war bei den French Open im Achtelfinale der Fall. Die Behandlung macht auch nicht wirklich Spaß, ich fühle mich manchmal wie ein Versuchskaninchen” Ich schluckte nur und war kurzfristig sprachlos. Sein momentaner Blick sprach auch Bände, am liebsten würde ich ihn umarmen.

17 October 2009

Chapter 13 - Porto Cristo II

“Ja also das Bild ist aus Porto Cristo” Sagte ich leise und versuchte ganz ruhig zu bleiben. Zu sagen das ich nervös bin ist noch weit untertrieben, ich fühlte mich eben als hätte ich etwas schlimmes getan und wäre dabei erwischt worden. Vielleicht sollte ich doch sagen ich bin es nicht? Oder noch besser, das ist nicht Rafael auch wenn es so aussieht, er hat eben einen guten Doppelgänger. Würde er nicht direkt in die Kamera sehen und wäre das Bild nicht so perfekt ausgeleuchtet, hätte ich da noch Spielraum aber so gab es kein Entkommen.
Ich könnte auch behaupten das ich keine Ahnung habe wie Rafa auf das Bild gekommen ist, ich war doch alleine dort! Kann ich was dafür das er sich mit auf das Foto drängelt? Wäre doch witzig wobei Sara das sicher nicht witzig fände. Sie setzte sich dann hin und warf das Bild auf den Tisch. “Ja Kasbah, dass weiss ich inzwischen auch. Du bist echt eine tolle Freundin, du lässt mich mit Jenny durch Manacor irren während du in aller Ruhe mit Rafael Nadal Tee schlürfen gehst. Ich glaubs einfach nicht. Ich dachte ja Jenny ist diejenige die immer von allem zu viel weiss aber offenbar ist sie nicht die Einzige” Jetzt sah ich mich zur Verteidigung genötigt. Wieso macht sie mich jetzt so blöd von der Seite an und tut so als hätte ich vorher gewusst das Rafa dort ist und ihr es absichtlich nicht gesagt?
“Woher soll ich denn wissen das der dort auftaucht, dass war doch nicht geplant! Außerdem war es alleine deine Entscheidung lieber nach Manacor zu fahren, du hättest ja auch mit mir gehen können aber nein, es gab ja wichtigeres. Du wusstest ja nicht mal ob er dort auftaucht aber das hat ja schon gereicht das du freiwillig den ganzen Abend dort rumgehangen hast mit dieser Verrückten” Sie schnappte mal wieder nach Luft und sah mich an als wenn sie mich gleich erwürgt. “Ach so, sind wir jetzt wieder beim Thema verrückt? Nur weil du es nicht verstehst musst du ja nicht gleich alles total abwerten. Es gibt noch ganz andere, gegen die bin ich harmlos. Kann ich was dafür das es dich nicht interessiert?” ”Nein aber ihr übertreibt total. Du würdest doch überall hin gehen wenn du wüsstest das er dort ist egal ob er das will oder nicht” ”Na toll, danke auch! Ich fasse es echt nicht! Und warum sagst du keinen Ton? Ich meine, warum waren wir denn in Spanien? Das ist echt die Spitze! Die ganze Zeit tust du so als wäre nichts gewesen und lässt mich stundenlang über ihn reden und dann das! Da drängt sich mir die Frage auf was du noch alles verheimlichst obwohl ich dachte das wir keine Geheimnisse voreinander haben”
Ein wenig in Rage geriet ich jetzt doch. Kann sie sich nicht erst mal beruhigen? ”Genau deswegen. Denkst du ich habe Lust permanent über ihn zu reden? Mir steht es echt bis obenhin manchmal. Du bist verrückt, so was muss ich ja wohl nicht noch unterstützen. Ich war jedenfalls ganz sicher nicht wegen ihm auf Mallorca” ”Ach so siehst du das also. Ich dachte du bist meine Freundin, stattdessen hältst du es nichtmal für nötig zu sagen das du Rafa getroffen hast! Eigentlich dachte ich du unterstützt mich, stattdessen fällst du mir in den Rücken” ”Was wäre denn gewesen wenn ich es gesagt hätte? Erstens habe ich keine Lust mich detailliert darüber auszulassen und dann wärst du doch jeden Abend mit dieser durchgeknallten Jenny dorthin gerannt” ”Bist du jetzt schon auf seiner Seite und fühlst dich dazu berufen seine Privatsphäre zu schützen? Das ist ja niedlich, sollte ich da noch was wissen?” Ich wusste es, es hat keinen Sinn! Sie versteht es sowieso nicht, war doch völlig klar. Sie war total verblendet und kennt keine Grenze aber aus mir wird sie gar nichts über den Abend rauskriegen. Es ist mir egal wie sie darauf reagiert, dass geht echt zu weit.
Das war jetzt sicher nicht das letzte mal das sie versucht nachzubohren in der Hoffnung das ich doch mal einen schwachen Moment habe und ihr alles erzähle. “Du spinnst ja total!” Sagte ich nur und verschränkte meine Arme vor dem Bauch. “Nein, tue ich nicht! Du hättest ja auch an dem Abend anrufen können aber wahrscheinlich hätte deine sabbernde beste Freundin die Zweisamkeit zu sehr gestört” Musste ich mir das wirklich anhören von einer sogenannten Freundin? Nein! Ich schluckte noch mal kräftig bevor ich aufstand und meine Tasche mitnahm. “Wir reden wieder wenn du wieder normal bist” Da sie nichts mehr sagte verließ ich ohne ein weiteres Wort ihre Wohnung und ging zu meinem Auto.

Ich starrte ein paar Minuten im dunkeln auf das Lenkrad und verfluchte mich selbst das es soweit kommen konnte. Nie hätte ich gedacht das wir wegen einem Mann so einen Streit haben könnten und dann ist es auch noch ausgerechnet Rafa. Wie konnte ich auch so naiv sein zu glauben das niemand die Bilder finden würde im Internet.
Seine Fans schnüffeln wahrscheinlich die Gästebücher aller Restaurants von Manacor und Umgebung durch auf der Suche nach einem Lebenszeichen von Rafa. Hätte ich geahnt wohin das führt hätte ich nie zugestimmt das die Bilder auf der Webseite von der Bar auftauchen. Rafa hatte zwar gesagt das da keine Namen erscheinen aber offenbar reicht das nicht aus zur Tarnung. Es hätte nie so ein Tamtam gegeben wenn Rafa nicht bekannt wäre.
Sonst interessiert es Sara doch auch nicht so brennend mit wem ich mich treffe und bei Rafa dreht die plötzlich am Rad. Ich würde jetzt liebend gerne mal so richtig Dampf ablassen. Am liebsten würde ich das alles Rafa erzählen aber ich will ihn nicht am Telefon damit langweilen, dass kann ich auch noch tun falls ich ihn wieder mal treffen sollte. Das hatte ich ja echt alles super hingekriegt.

Am besten ich warte ein paar Tage ab bis sich alle wieder beruhigt haben. Sie wird ja mir das jetzt nicht bis in alle Ewigkeit vorwerfen oder doch? Nachtragend ist sie eigentlich nicht aber bei Rafa macht sie sicher gerne eine Ausnahme. Unter diesen Bedingungen war es nahezu unmöglich, dass ich mich mit ihm treffe ohne das sie etwas davon merkt. Inzwischen fand ich aber die Idee noch mal nach Mallorca zu fahren gar nicht so schlecht, dort ist noch bis weit in den Oktober hinein Sommer, es wäre zu schön um wahr zu sein.
Ein bisschen Urlaub kann ja nie schaden. Es würde aber auffallen wenn ich eine Woche weg bin und nicht sage wo ich hinfahre. Misstrauisch wie Sara ist würde sie gleich wieder sonst was denken. Davon abgesehen war es noch lange nicht so weit das ich nach Mallorca fahre. Rafa hat zwar eine vage Andeutung gemacht das er nach den US Open zu Hause ist aber es war eben noch nichts konkret. Besser gesagt hat er nach dem Davis Cup Halbfinale eine Woche frei also nach dem 20. September. Im September fahren meine Eltern auch immer nach Österreich, da bin ich meistens mitgefahren. Ich könnte ja ... alleine der Gedanke bereitete mir Kopfzerbrechen.
Wäre ich ganz dreist, würde ich Sara sagen ich fahre mit meinen Eltern zum Skifahren nach Österreich während ich in Wirklichkeit nach Mallorca fliege in der Woche. Das heißt ich würde es nur machen wenn Rafa es von sich aus anbietet das ich ihn besuche da ich mich keinesfalls aufdrängen wollte oder noch besser, gleich selbst einladen! Klar war es verlockend Urlaub praktisch zum Nulltarif von den Flügen abgesehen zu machen aber das ist nicht mein Hauptanliegen. Meinen Eltern könnte ich ja sagen das ich die eine Woche mit Sara wegfahre.
Es wäre theoretisch möglich alle gegeneinander auszuspielen aber wenn das rauskommen würde, habe ich ein echtes Problem. Die Paparazzi interessieren sich nun mal auch für Rafa. Ich war schon froh, das Sara sich wieder abgeregt hatte als das Bild aufgetaucht war. Ich möchte mir aber nicht vorstellen was passiert wenn wieder Bilder auftauchen und das in einem Zeitraum wo ich eigentlich in Österreich sein soll. Bestimmt hat sie schon bei dem einen Bild einen Herzinfarkt bekommen als sie mich gesehen hat und wenn dann noch mehr Bilder auftauchen... ein Desaster!
So dumm war der Gedanke mit Österreich aber gar nicht, es wäre zumindest der einfachste Weg. Meine Eltern würden sowieso nichts sagen wenn ich sage das ich eine Woche wegfahre aber ich muss es ja so hindrehen das Sara nicht mitkommt. Wenn ich sage das ich alleine nach Mallorca fliege denkt die doch ich spinne. Nachher will sie noch mitkommen und das geht gar nicht also muss ich einen anderen Weg finden.

Porto Cristo - September 2009

Hatte ich nicht noch vor kurzem darüber nachgedacht alleine nach Spanien zu fahren? Nun über den Gedanke alleine war ich schon lange hinaus. Inzwischen saß ich im Flughafen am Gate und wartete auf den Abflug nach Palma. Ich sah durch die großen Scheiben auf das Vorfeld wo eben das Flugzeug abgefertigt wurde. Selbst jetzt da ich das Flugzeug direkt vor mir stehen sah, konnte ich nicht glauben das ich das wirklich tue.
Die anfangs hirnrissige Idee mit der Woche Österreich erwies sich als beste Ausrede überhaupt. Es passte nichtmal richtig zusammen da meine Eltern schon die letzte Woche in Österreich waren und morgen wieder nach Hause fahren. Sara hat aber keinen Kontakt zu meinen Eltern und da fällt es nicht auf, wenn die Wochen nicht zusammenpassen. Das meine Eltern immer im September nach Österreich fahren wusste sie und da ich letztes Jahr auch mitgefahren war, fragte sie auch nicht weiter nach als ich ihr eröffnete das ich auch dieses Jahr mitfahre.
Ich schämte mich doch ein bisschen wie ich alle gegeneinander ausspielte, dass ist auch nicht meine Art aber ich war da irgendwie reingerutscht und so ein klein wenig Spaß machte es auch langsam. Es war erschreckend einfach Sara an der Nase rumzuführen. Nur musste ich aufpassen was ich wem erzähle um mich nicht in Wiedersprüche zu verstricken. Rafa bringt mich in eine unmögliche Situation, gut er kann nichts dafür das ich es wirklich mache. Er hat nur gesagt, dass er zu Hause ist und das ich hinkommen kann wenn ich will.
In dem Moment wo er das sagte, war meine Entscheidung doch schon gefallen. Wer würde denn da nein sagen? Hätte nur gefehlt das er gesagt hätte das er mich sehen will aber das war nicht nötig, ich würde auch so hinfahren. Ich hätte auch viel eher schon gesagt, dass ich nach Mallorca kommen kann aber ich wollte mich nicht aufdrängen. Mir war ja klar das er keine Lust haben wird noch nach Deutschland zu kommen nachdem er über drei Wochen in den USA unterwegs war. Ist auch besser so, in dem Kaff wo ich wohne würde er sich zu Tode langweilen.
Ich fühlte mich ja schon geehrt das er mir angeboten hat nach Porto Cristo zu kommen. Natürlich freute ich mich darauf ihn wieder mal zu sehen, die Ehre würde mir die ganze kommende Woche zu Teil werden sollte nichts unvorhergesehenes dazwischen kommen. Das ich Rafa mal eine ganze Woche sehe hätte ich mir auch nie träumen lassen. Nachdem wie das in Berlin gelaufen ist dachte ich das ich ihn nie wieder sehen würde. Wäre auch schade, ein kleines bisschen hatte ich ihn schon vermisst die letzten Wochen. Zwar konnte ich die Spiele im fernsehen mitverfolgen aber das ist ja was ganz anderes.

Ich war schon gespannt in was für einer mentalen Verfassung er ist. Die Saison war ja ein einziges auf und ab bis jetzt. Erst gewinnt der die Australian Open, dann der verletzungsbedingte Totalausfall bei den French Open im Achtelfinale, danach kam der von vielen kaum für möglich gehaltene Wimbledon Triumph und beim letzten Grad Slam, den US Open, legte er wieder mal einen vorzeitigen Abflug im Viertelfinale hin.
Ich wusste schon anhand seiner Stimme als er nach dem Viertelfinale der US Open bei mir anrief was los war auch wenn er es nicht gleich sagte. Zwar hat er dann noch die zwei Einzelspiele beim Davis Cup Halbfinale letzte Woche gewonnen aber es ging immer hin und her. Von den Australian Open und Wimbledon abgesehen kann man die Saison vergessen auch wenn er im Frühjahr einige Turniere gewonnen hat.
Die Nummer eins ist er inzwischen auch wieder los und wenn er nicht aufpasst rutscht er auf den dritten Platz ab. Einige Leute glauben hartnäckig, dass er sich noch immer mit der Knieverletzung rumärgert und es nur nicht sagen will. Rafa hat jedenfalls das nächste Turnier was er spielen sollte abgesagt aber keine genauen Gründe genannt, was die Spekulationen noch weiter anheizte.

Ein hin und her war es bei mir auch. Ich schwankte immer zwischen Euphorie und Skepsis was Rafa betrifft. Auf der einen Seite kann ich stundenlang über sinnlose Dinge mit ihm reden und auf der anderen Seite ist alles so kompliziert. Es liegt ja nicht an ihm selbst aber sein Leben wird bestimmt von Turnierplänen, Flugplänen und Zeitverschiebungen. Ich will ja nicht darauf spekulieren das er verletzungsbedingt über Monate ausfällt und so plötzlich viel Zeit hat.
Man neigt schnell dazu zu vergessen das Rafa bekannt ist wenn man mit ihm redet. Das wird mir nur immer wieder klar wenn ich ihn im Fernsehen spielen sehe. Manchmal frage ich mich ob es alles richtig ist so oder ob ich mich sinnlos in etwas reinsteigere was sowieso keine Zukunft hat. Es ist ja nicht so das ich von jetzt auf gleich mit ihm zusammen sein will aber normal kennen lernen kann man ihn gar nicht. Entweder ich sehe ihn wochenlang gar nicht oder dann gleich den ganzen Tag lang wobei ich ihn dann lieber jeden Tag sehe.
Noch dazu schnüffeln die Medien ständig hinter ihm her. Die machen gleich einen Sonderbericht in den spanischen Medien wenn Rafa mit einer vermeintlich neuen Freundin auftaucht. Wahrscheinlich ist es schon verdächtig wenn eine Frau mit weniger als zwei Metern Abstand neben ihm steht. Wobei ja niemand so richtig weiss was da Sache ist. Seine Freundin oder Exfreundin oder wie auch immer war ja nur aller ein paar Monate mal mit ihm zusammen irgendwo aufgetaucht also fragte auch keiner wenn sie mal drei Monate nirgends zu sehen war.
Sie kam nun mal nicht mit zu den Turnieren und fertig. Finde ich zwar komisch aber gut, ist nicht mein Problem. Sie wurde jedenfalls letztes Jahr im November zusammen mit Rafa gesichtet und danach nicht mehr. Gerüchte gab es eine Menge daher war ich ja auch so im Zweifel. Ich fände es schon gut wenn er mich zumindest mal auf den aktuellen Stand bringt nur wollte ich das er es von sich aus sagt und nicht weil ich ihn frage.
Es kommt immer irgendwie doof rüber wenn man nach dem Expartner fragt, nicht das er noch denkt ich würde in seinen Privatangelegenheiten schnüffeln wollen. Wenn er kein Interesse an mir hat, würde er mich aber ja nicht in sein Haus einladen also hoffe ich das er früher oder später mit der Wahrheit rausrückt.

Was ich erwarten soll oder auch nicht wusste ich nicht genau. Vielleicht sollte ich es einfach auf mich zukommen lassen und dann entscheiden. Ich wusste ja nicht genau wie das ablaufen soll nächste Woche. Angeblich trainiert er ja jeden Tag und wenn es hoch kommt auch mal acht Stunden am Tag oder mehr. Es war nicht mein Traum am Rand zu sitzen und ihn zu beobachten wie er stundenlang das gleiche macht.
Vielleicht sollte ich ja mal mit ihm Tennis spielen? Die Idee gefiel mir wirklich! Das ich dabei keine gute Figur mache steht ja schon fest aber nur so aus Spaß. Gehässig wie ich bin würde ich ein Bild davon machen und das dann Sara schicken. Sie bekommt einen Herzinfarkt wenn sie so was sehen würde. Erst jammere ich auf hohem Niveau weil sie andauernd Tennis guckt und dann spiele ich es selbst. Nein, ich würde das nie tun und hoffe das es keine Bilder von mir mit Rafa geben wird.
Wenn doch, shit happened! Rafa ist mir nicht wichtiger wie die Freundschaft zu Sara aber ich kann es ihr doch nicht erzählen. Entweder sie glaubt das ich sie verarschen will oder sie flippt einfach aus. Was sie nicht weiss, macht sie nicht heiß. In diesem Sinne, auf nach Mallorca!

Drei Stunden nach dem Abflug in Deutschland stand ich in Palma an den Kofferbändern und wartete bis mein Koffer kommt. Nachdem ich geschätzte zwei Stunden quer durch den Flughafen gerannt war, kamen die Kofferbänder dann auch mal in Sicht. Ich sah mich auch gleich mit Rafa im Großformat konfrontiert. Er macht ja Werbung für die Balearen und hier hingen überall überdimensional große Plakate mit Rafa drauf, es war unmöglich das zu übersehen.
So fing das doch gleich gut an! Ist zumindest schön zu wissen das die Plakate nicht das einzige sind was ich von Rafa zu sehen bekomme. Mal sehen wann mein Koffer auftaucht. Ist ja immer spannend ob das eigene Gepäck auch ankommt. Wenn mein Koffer verloren geht, wäre das eine absolute Katastrophe daher war ich heilfroh, als ich meinen Koffer wieder vom Band nehmen konnte. Sogar mein Sonnenschirm war unbeschädigt angekommen.
Jetzt war es zu spät, nun war ich hier gelandet und fühlte mich so als wenn ich noch gar nicht richtig hier wäre. Ich lief zum Schalter für die Mietwagen und dann raus zum Auto. Mir schlug gleich die warme Luft entgegen als ich aus dem Terminal kam, an das Klima könnte ich mich gewöhnen. Meine Jacken kann ich wohl ganz weit unten in den Koffer packen, die werde ich hier sicher nicht brauchen.

Bevor ich losfuhr, saß ich erst mal ein paar Minuten ruhig da und holte nur Luft. In ein paar Minuten werde ich Rafa wieder sehen, der Gedanke war gut und irgendwie abwegig. Die letzten sechs Wochen hatte ich ihn ja nicht mehr gesehen daher war ich jetzt umso aufgeregter. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind kurz vor Weihnachten. Ab der Sekunde wo ich hier aus dem Flugzeug stieg, war jegliches schlechtes Gewissen weg.
Damit kann ich mich in einer Woche wenn ich wieder zu Hause bin auch noch ausseinandersetzen. Zum Glück hatte ich mich entschieden selbst ein Auto zu mieten. Rafa hatte mir auch angeboten das er jemanden zum Flughafen schickt der mich abholt aber ich wusste ja nicht wie lange es dauert bis mein Gepäck da ist und ich will nicht die Nerven von jemandem überstrapazieren den ich gar nicht kenne. Da es dunkel war hätte Rafa auch selbst zum Flughafen kommen können aber er trainierte noch und hätte sowieso keine Zeit gehabt.
Es war richtig schön wie mir die warme, feuchte Luft entgegenschlug als ich aus dem Terminal kam. Es war schon Abend und trotzdem noch weit über 20 Grad, warum konnte es nicht in Deutschland auch so sein? Ich hasste Kälte und fühlte mich daher gleich heimisch hier. Ich fuhr dann los und habe ja noch ein bisschen Zeit bis ich in Manacor bin. Zwar wollte ich nach Porto Cristo aber die Autobahn führt nur über Manacor, von da aus sind es ja auch nur noch 15 Kilometer bis nach Porto Cristo. Autobahn war es nichtmal auch wenn es genau so aussah.
Zum Glück hatte Rafa mir das noch gesagt sonst wäre ich schneller gefahren und wäre vielleicht noch geblitzt worden. So musste ich also mit 100 km/h vom Flughafen Son San Joan erst nach Palma und dann nach Manacor schleichen. Der Verkehr hält sich auf der Insel sowieso in Grenzen verglichen mit dem Wahnsinn der sich tagtäglich auf deutschen Autobahnen abspielte. Wörter wie Stau gab es hier nicht und da es jetzt schon Abends war, hatte ich die Autobahn die keine war für mich alleine. Es verleitet einen immer dazu mal zu sehen wie schnell das Auto fahren kann.

Meine Nervosität stieg je näher ich meinem Ziel kam. Wenigstens hatte ich ein paar Minuten Zeit gehabt mich an den Gedanke zu gewöhnen, dass ich tatsächlich in Spanien bin. Alleine war ich noch nie in den Urlaub gefahren auch wenn es kein Urlaub im eigentlichen Sinne ist. Ich fuhr direkt weiter nach Porto Cristo und wollte es mir nicht nehmen lassen an dem Hotel entlang zufahren wo wir im Mai gewohnt hatten. Es war zwar dunkel aber mir kam es alles vor als wäre es erst gestern gewesen jetzt wo ich hier war.
Es waren fast fünf Monate vergangen aber nichts hatte sich verändert, es kam mir vor als wäre ich gestern erst hier gewesen. Als ich mich von den ganzen schönen Erinnerungen an den letzten Urlaub hier lösen konnte, suchte ich den Stadtplan in meiner Tasche. Es war noch immer der gleiche Plan den mir damals die Mitarbeiterin von dem Hotel gegeben hatte nur das inzwischen eine Menge mehr eingezeichnet war als nur diese eine Bar die mir damals empfohlen wurde. Ich hatte noch die andere Bar mit eingezeichnet und die Adresse von Rafa, damit ich nicht erst vor Ort anfange die Strasse zu suchen.
Langsam fuhr ich wieder raus aus dem Ortszentrum, es war natürlich so das Rafa nicht so wohnt das alle Leute ihn finden können. Die Häuser lichteten sich dann und die Grundstücke wurden größer, mitten im Ort stand ja ein Haus direkt am anderen. Ich fuhr am Leuchtturm vorbei und sah noch mal kurz auf die Karte, irgendwo hier müsste es sein. Rafa meinte die Strasse würde an seinem Haus enden, dass half mir aber auch nicht weiter wenn ich die Strasse nicht finde.
Wäre es nicht dunkel, könnte ich auch die Hausnummern besser erkennen vom Auto aus. Vor dem vermeintlich richtigen Haus hielt ich an und stieg aus dem Auto, zumindest war hier Endstation und die Strasse hörte auf. Ich streckte mich erst mal und sah mir dann das Haus an soweit es machbar war von der Strasse aus.

13 October 2009

Chapter 12

Ich holte kurz Luft und öffnete dann die Tür mit Absicht so weit, dass er sehen konnte das ich eine merkwürdige Art von Bekleidung trage. “Hola” Sagte ich dann mit einem breiten Lächeln. Sein Gesicht war so herrlich, der sah mich an als wäre ich ein Alien oder so was. Anscheinend hatte es ihm auch die Sprache verschlagen, hoffentlich wird er nicht noch ohnmächtig. Ich sah schon das er wohl für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ob er vor der richtigen Tür steht oder warum sah er sonst kurz auf die Nummer an der Tür? “Bon dia” Stammelte er dann leise und sah mich so an als wenn er auf eine richtig gute Erklärung warten würde aber die Ehre würde ich Rafa überlassen. Vielleicht ist er auch eben so geschockt, dass er nicht weiss was er sagen soll.
Wäre ich ganz gemein, würde ich ihm sagen was Rafa gestern Abend nach dem Spiel alles noch gemacht hat. “Amaia Canteras, ich wollte Sie ja schon immer mal kennen lernen” Antwortete ich ihm dann und streckte ihm meine Hand hin. Er zögerte erst, schüttelte dann aber doch meine Hand. Da es nicht aussah als wenn er noch etwas sagen würde, lag es also an mir die Lage zu retten. “Ähh Rafael ist eben im Bad, Moment” Er blieb vor der Tür stehen und schien sich noch von dem Schock mich zu sehen zu erholen während ich zum Bad lief. Da ich nicht wusste was Rafa dort drinnen macht, blieb ich sicherheitshalber vor der Tür stehen.
“Dein Onkel Toni wartet an der Tür” Rief ich laut und war schon so gespannt darauf das Gesicht von Rafa zu sehen. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und Rafa sah mich mit großen Augen leicht schockiert an. “Was?” Fragte er nur und schien wohl zu hoffen, dass ich einen ganz schlechten Scherz machte. ”Dein Onkel wartet an der Tür. Willst du ihm sagen was ich hier mache oder soll ich es selbst sagen?” Wiederholte ich noch mal mit einem breiten Grinsen und freute mich über seine Reaktion. Er öffnete die Badtür weiter und lief dann an mir vorbei während er mir einen warnenden Blick zuwarf. Offensichtlich war er eben duschen, zumindest waren seine Haare nass und von dem Handtuch was er sich um die Hüften gewickelt hatte abgesehen schien er nichts an zu haben.
Leider kam ich nicht dazu den Anblick lange zu genießen da er zur Tür lief. Ich wartete in sicherer Entfernung und sah zur Tür. Zwar sah ich nur Rafa von hinten aber ich war mir sicher, dass sein Onkel die ein oder andere Frage haben wird. Es kam mir sehr gelegen das Rafa nichts an hatte außer dem Handtuch, es verschlimmert die Lage noch weiter. Das Gesicht von Toni wurde auch immer eigenartiger wie ich so sah, ich rieb mir gedanklich schon voller Schadenfreude die Hände. Soll ich mich jetzt ungefragt einmischen und mit einem dämlichen Grinsen sagen das es nicht so ist wie es aussieht? Bin ja mal gespannt, wie Rafa sich da wieder rausredet. Manche Dinge rächen sich eben sofort...

Schneller als ich dachte machte Rafa die Tür dann wieder zu bevor er sich zu mir umdrehte. Ich sah schon daran wie er nach Luft schnappte und langsam näher kam, dass er nicht sehr begeistert davon war. “Was sollte das?” Fragte er dann auch gleich mit einem todernsten Gesicht. “Hätte ja wichtig sein können” Sagte ich als wenn nichts wäre und zuckte ganz unschuldig mit den Schultern. “Musstest du so gehen?” Die Art wie er das sagte gefiel mir ganz und gar nicht, gestern hat es ihn auch nicht gestört wenn ich so gut wie nichts an habe und jetzt stellt er das so dar als wenn es etwas schlimmes wäre. Ich sah kurz an mir nach unten und sah ihn dann wieder an.
“No, ich hätte auch nackt gehen können. Glaubst du das hätte deinem Onkel besser gefallen?” Er kam noch näher und stemmte dann seine Hände in seine Hüften. “Das hast du doch mit Absicht gemacht!” Ich sah an ihm nach unten und schluckte auch erst mal. Es sah wirklich gut aus wie das Wasser aus seinen Haaren tropfte und dann langsam an ihm nach unten lief. Er sollte etwas mehr anziehen, bevor ich noch etwas tue was ich später bereue. “Quatsch, würde ich doch nie tun” Sagte ich aber anhand der Tonlage machte ich ihm unmissverständlich klar das es Absicht war und das ich es wieder tun würde. “Das hast du echt ganz toll hinbekommen! Muchas gracias!”
Ich konnte mir ein breites Lächeln nicht länger verkneifen, er sah zu gut aus, wenn er sich so aufregt, hat das auch irgendwie etwas. “De nada, habe ich doch gerne getan” Antwortete ich mit einem amüsierten grinsen. Er drehte sich wieder um und lief zum Bad zurück. “Bist du jetzt sauer?” Fragte ich nur so aus Spaß. “No, wieso sollte ich?” Kam es in einer überspitzten Tonlage aus dem Bad zurück. War mir doch auch egal ob er jetzt sauer auf mich ist oder nicht. “Du kannst von mir aus duschen gehen wenn ich fertig bin” Kam es nach ein paar Sekunden dann noch. Was war jetzt los? Zeigte meine kleine Aktion etwa schon Wirkung bei ihm? Am liebsten würde ich gleich mit ihm ins Bad verschwinden, alleine duschen ist doch langweilig! “Ach, jetzt plötzlich?” Fragte ich laut damit er es auch im Bad hören konnte.
“Du gehst ja anscheinend nicht mehr” ”Wäre es dir lieber wenn ich gehe?” Zu schade, dass ich ihn nicht sehen konnte. Ich hätte zu gerne eine ehrliche Antwort auf diese Frage. “Selbst wenn es nicht so wäre, mir bleibt ja sowieso keine Wahl” Ich lehnte mich neben der Badtür seitlich an die Wand und sah nach unten auf den Teppich. Je mehr Zeit ich habe umso mehr komme ich ins grübeln. Eigentlich wollte ich gar nicht gehen, ich würde sofort mit ihm nach Mallorca fliegen. Es ist nicht so das ich ihn jetzt nie mehr sehen will. Ich beabsichtige nicht nur durch diese eine Nacht bei ihm im Gedächtnis zu bleiben. Gegen eine Wiederholung des gestrigen Abends hätte ich nichts einzuwenden. Hach, es könnte so schön sein... stattdessen fahre ich heute Nachmittag nach Hause und muss wieder arbeiten gehen. Langsam bereute ich doch alles, ich hätte nicht nach Berlin fahren sollen.
Es wirft mich nur aus der Bahn und ich trauere dann der einen Nacht ewig nach. Da ich nicht wollte, dass er merkt worüber ich nachdenke, zog ich meine Sachen wieder an und setzte mich dann an den Tisch um zu warten bis er mal fertig ist im Bad. Ich überlegte weiter und musste fast über mich selbst lachen. Wie oft hatte ich Sara verspottet und ihr gesagt es ist sinnlos Rafa zu verfolgen weil sie ihn sowieso nie länger als 10 Minuten sehen wird und jetzt saß ausgerechnet ich hier.

Ich verschwand dann schnellstmöglich ins Bad als er wieder erschien und ging erst mal duschen. Das tat gut auch wenn es nur kurzfristig nutzte und ich leider alleine war da Rafa es vorzog derweil im Zimmer zu warten. Es kam genau so wie ich schon vermutet hatte, ich denke permanent nach wobei es erst mal egal ist ob ich hier bin oder nicht. Wäre ich doch noch letzte Nacht zu der Pension gefahren, würde ich jetzt genauso nachdenken. Wenn ich schon an Sara denke, in was war ich da nur hineingeraten? Egal was ich ihr sage, die glaubt ich drehe durch. Letztendlich bleibt ihr ja keine Wahl als das was ich tue zu akzeptieren aber es würde mich wundern wenn sie nicht mit der moralischen Keule ankommt.
Ich kann schon hören was sie alles sagen wird und ich kann es ihr nicht mal übel nehmen. Sara war aber im Moment das geringste Problem. Jetzt hänge ich hier fest! Ich wünschte ich könnte mich in Luft auflösen. Warum war ich nicht doch verschwunden als er noch schlief? Im nachhinein wünschte ich das ich es getan hätte. Ich habe keine Lust eine erzwungene und übertrieben freundliche Konversation mit ihm zu führen. Vielleicht muss ich es doch wagen und einfach direkt nachfragen. Hätte ich ja auch schon längst getan wenn ich nicht befürchten müsste, das er mir sagt, dass er ja doch nur ein bisschen Ablenkung gestern Abend gebraucht hat. Vielleicht hat er ja aus genau dem selben Grund auch nicht nachgefragt. Ihm wird höchstwahrscheinlich klar sein, dass einige keine Sekunde zögern würden ihn näher kennenzulernen.
Neben seinen Erfolgen ist für einige Leute die größte Trophäe Rafa selbst. Es ist ja nicht so das ich es auf ihn abgesehen habe weil er die Nummer eins ist, dass wäre ja irre aber so was soll es geben. Auf der anderen Seite traue ich ihm nicht zu das er sagen würde das er nur ein bisschen Abwechslung haben wollte, selbst wenn es so wäre. Zumindest denke ich nicht das er ohne Rücksicht mit den Gefühlen anderer spielen würde. Ich sprach mir selbst Mut zu bevor ich das Bad wieder verließ und nahm mir vor schnellstmöglich zu gehen.

Als ich wieder im Zimmer war, saß Rafa am Tisch und sah zu mir. Ich sah auf den Tisch und staunte erst mal nicht schlecht, so was kann man wohl ein perfektes Frühstück nennen. Wo kam das alles her in der kurzen Zeit? Noch dazu würde das für mindestens fünf Personen reichen. “Ich habe mir die Freiheit genommen das Frühstück hier hoch zu bestellen. Leider weiss ich nicht was du isst also habe ich vorsichtshalber von allem etwas bestellt” Es war echt gut, wie er mich eben ansah, ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
Er hätte sagen sollen, dass er gleich ein ganzes Buffet bestellt hat. Schade das ich keine Kamera hier hatte, dass wäre ein perfektes Bild geworden wie Rafa am Tisch sitzt und mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansieht. Meine Pläne sofort zu gehen lösten sich in sekundenschnelle in Luft auf, ich kam wohl nicht um das Frühstück rum. Er hat mir ja praktisch keine Wahl gelassen ob ich überhaupt frühstücken will oder nicht. Ich machte also gute Mine zum bösen Spiel und setzte mich ihm gegenüber an den Tisch. Wenigstens kam ich so in den Genuss ihn noch ein paar Minuten länger zu sehen. Zum Glück war der Tisch zwischen uns, es erschien mir gefährlich ihm näher zu kommen. Gestern Abend hat mich das noch nicht gestört aber so lange ich nicht weiss wie das hier endet, würde ich auf zu viel Zweisamkeit lieber verzichten.
“Für wie viele Personen ist das?” Fragte ich dann interessiert, als ich meinen Blick noch mal über den Tisch schweifen ließ. “Zwei, die haben schon gesagt als ich das bestellt habe das es viel zu viel ist für zwei Personen aber Hartnäckigkeit zahlt sich meistens aus” Ich glaube nicht, dass er sich sehr anstrengen musste das alles zu bekommen. Das Hotel wird es freuen wenn der Umsatz steigt, denen ist doch egal ob hinterher alles weggeworfen wird. Gut, vielleicht sollte ich mit etwas zu trinken anfangen. Zu meinem Schrecken standen da auch mehrere Kannen. Mir blieb keine Wahl als nachzusehen was in jeder ist. War aber gar nicht so ausgefallen, in einer war Kaffee in der anderen nur Wasser und in der dritten Schokolade.
Ich fragte mich schon wie er auf die Idee kam das ich heiße Schokolade zum Frühstück trinke aber wie ich dann sah, hatte er sich das selbst schon eingegossen. Es fiel mir schwer keinen gemeinen Spruch zu sagen. Die Nummer eins im Herrentennis trinkt Schokolade zum Frühstück, das hatte auch was! Er trägt nicht nur mit Vorliebe pink und lila sondern trinkt auch noch Schokolade, was kann da noch kommen? Mit drängt sich dann immer die Frage auf wie alt er eigentlich ist.
Wenn er auf dem Platz steht und spielt, würde ich sofort glauben das er 23 ist aber davon abgesehen geht er auch 10 Jahre jünger durch, fehlt ja nur noch das er Matchbox Autos in den Hosentaschen hat. Dazu passte auch sein Lieblingsauto. Teilweise erinnerte das irgendwie an ein Kind im Spielzeugladen nur mit dem Unterschied das Rafa sich alles kaufen kann was ihm gefällt und ihm scheint einiges zu gefallen, er könnte ja schon fast ein eigenes Autohaus eröffnen.

“Trinkst du immer Schokolade?” Ich konnte es doch nicht lassen nachzubohren, die Neugierde siegte einfach. Kurz sah er in seine Tasse und dann zu mir. “Du sagst das so als wäre das etwas schlimmes” Ich konnte mich nicht mehr beherrschen und musste lachen. “No, es ist nur etwas ungewöhnlich” ”Ich trinke keinen Kaffee und außer Tee bleibt mir dann ja keine Wahl” Mhh gut, wenn man es so betrachtete... Ich gönnte mir erst mal ein Croissant und dachte nebenbei weiter nach. Es entstand dann doch eine leicht drückende Stille zwischen uns. Je länger niemand etwas sagte, umso nervöser wurde ich. Am liebsten würde ich irgendwas fragen, Hauptsache wir reden nicht über gestern Abend. “Wo fliegst du eigentlich heute hin?” Jetzt da ich fragte wurde mir bewusst, dass ich zwar die letzte Nacht hier war aber keine Ahnung hatte was er als nächstes macht.
Überhaupt wusste ich gar nichts über ihn. Hört sich komisch an da er ja in der Öffentlichkeit steht aber es gehört viel mehr dazu bevor man jemanden wirklich kennt. “Erst nach Hause und Übermorgen dann nach Cincinnati” ”Hast du nur zwei Tage frei?” ”Leider ja, nach Cincinnati geht es direkt nach New York zu den US Open und dann ist Davis Cup die Woche darauf. Ich habe erst Mitte September ein paar Tage zum relaxen, dass heißt falls mein Knie so lange mit macht” Das klang ja richtig stressig. Es war ja verrückt, mit welchem Tempo die ATP Tour um die Welt zieht, jede Woche ein anderes Land. Interessant war es schon aber wenn ich mir das vorstelle mit den ständigen Langstreckenflügen und Zeitverschiebungen, echt anstrengend. Das schlimmste wäre für mich wohl nie in meinem eigenen Bett schlafen zu können.
Sicherlich kann man sich auch daran gewöhnen aber ich würde mich fühlen wie ein Nomade ohne Heimat. Zwar hatte Rafa ja vor Wimbledon ein paar Wochen Zeit zum relaxen aber das war ja wegen der Knieverletzung sonst wäre er da auch unterwegs gewesen. Auf der anderen Seite sieht man so die ganze Welt auch wenn Rafa sicher nicht viel Zeit hat sich die Städte in denen er ist genauer anzusehen. Dagegen war mein Leben ja richtig langweilig! “Klingt stressig alles” ”Das ist es meistens auch, die würden den Turnierplan noch enger machen wenn sie könnten” Als er von seinem Knie anfing zu reden, machte ich mir auch ein paar Gedanken. Es klingt ja so als würde er hoffen, dass nichts passiert.
Nach dem Desaster bei den French Open wo er ja schon verletzt war, stand ja die Teilnahme bei Wimbledon lange auf der Kippe. Ich sehe heute noch Sara vor mir die sich aufgeregt hat warum er so viel spielt. Es war ihrer Ansicht nach Unvertretbar ihn bei dem Masters in Madrid spielen zu lassen so kurz vor den French Open. Es stellte sich ja hinterher raus, dass er schon Wochen vor Roland Garros Probleme mit dem Knie hatte und es alle in seinem näheren Umfeld gewusst haben, trotzdem hat ihn niemand davon abgehalten zu spielen. War wohl so was wie ein Glücksspiel, eines das nach hinten los ging. Irgendwie fragte ich mich auch so langsam warum er Turniere auf Kosten seiner Gesundheit spielt. Kann ja nicht nur am Geld liegen oder? Was ich aber wusste war, dass er nicht gerne über das Knie spricht also wäre es vielleicht nicht so klug da genauer nachzufragen.

Ich war dann schon eher fertig mit dem frühstücken und überlegte schon immer mal was ich sage wenn ich gehe. Anstandshalber würde ich warten bis er auch fertig ist aber eben nicht länger als nötig. Als er dann auch endlich mal fertig war mit essen, entstand wieder so eine Stille und die wollte ich gleich nutzen. Ich war schon froh, dass er nicht mehr so aggressiv wie vorhin auf alles was ich sage reagierte aber wenn er gar nichts sagt, ist es auch komisch. Kurz sah ich auf meine Uhr, inzwischen war es nach um neun aber Sara flippt sowieso aus also ist es egal wann ich erscheine.
“Ich ähm, muss dann mal los” Ich wurde nervös als ich das gesagt hatte und war gespannt auf seine Reaktion. Erst mal tat sich nichts und er sah mich mit einem neutralen Gesichtsausdruck an. “Ich packe dann auch meine Sachen” Tolle Antwort, ich dachte er sagt was, dass ich als eine Art Aufhänger nutzen kann aber offenbar eben doch nicht.
Erschien mir fast so als wenn er sich alles aus der Nase ziehen lässt. Dränge ich mich auf wenn ich ihn nach seiner Nummer frage? Irgendwie ist mir das total peinlich, ich weiss nicht mal genau warum. Nach der letzten Nacht fühlte ich mich sowieso schon so als wenn ich einen riesigen Groupie Stempel auf der Stirn hätte. Es hat doch irgendwie einen faden Beigeschmack alles. Eigentlich bin ich mir auch zu schade für nur eine Nacht aber das hätte ich mir dann gestern Abend überlegen sollen. Der Grund das ich mich nie näher mit dem Gedanke befasst hatte war das ich nie gedacht hätte das es soweit kommen würde.

Lange und dramatische Abschiedsszenen hasse ich sowieso daher stand ich dann auf und lief zur Tür. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Rafa stand neben mir und machte einen leicht nervösen Eindruck auf mich. Nervös war ich selbst auch, mehr als das. Zu sagen das ich mich unwohl fühle war weit untertrieben. Mir war klar, dass ich sicher nicht noch mal die Chance bekomme Rafa zufällig zu treffen, also bin ich selbst Schuld wenn ich es jetzt wieder versaue. Ich war aber einfach zu stolz und würde nicht über meinen Schatten springen.
Das hat es noch nie gegeben das ich einem Mann nachgelaufen bin, in der Beziehung war ich altmodisch eingestellt. Kann er nicht einfach den ersten Schritt machen? Ich fasste allen Mut zusammen und bemühte mich ein Lächeln zu ziehen auch wenn es mir schwer fiel. “Ich drücke dir die Daumen für die nächsten Turniere” Im nächsten Moment erschien sein Lächeln, das wollte ich sehen! “Ich hoffe nicht das ich zu viel Glück brauche. Schlimmer als Roland Garros kann es ja nicht mehr werden. Obwohl, könnte es doch wenn ich auf den Ranglistenplatz tausend nochirgendwas abrutschte und den Schläger endgültig an den Nagel hänge” Will er mir jetzt Angst machen und mit dem Karriereende drohen? Nun, dass funktioniert bei mir nicht denn mir ist es egal ob er Tennis spielt oder nicht, so lange ich ihn sehen kann ist es mir egal was er macht.
“Denke einfach an den Spruch schlimmer geht es immer” “Im positiven wie im negativen Sinne, no?” Ich musste lachen und dachte nebenbei darüber nach wie Recht er damit hat. Langsam kam wieder der Rafa zum Vorschein, den ich in Porto Cristo kennengelernt hatte, trotzdem musste ich gehen auch wenn ich ewig hier stehen könnte. Es nutzte ja alles nichts. Aus einem spontanen Impuls heraus umarmte ich ihn. Ach ja, ich könnte sehr lange so stehen bleiben... immerhin liess er sich umarmen und blockte nicht gleich ab. Es fiel mir schwer zu akzeptieren, dass ich ihn bald nicht mehr sehen kann. Warum muss auch alles immer so schrecklich kompliziert sein? Ich hätte sicher kein Problem damit ihn öfters zu sehen, im Gegenteil.
“Du musst mir vor jedem einzelnen Turnier sagen das du mir die Daumen drückst” Ich musste gleich wieder lachen und löste mich soweit von ihm das ich sein Gesicht wieder sehen konnte. “Tue nicht so als wenn du das nötig hättest! Du gewinnst doch auch so” ”Bueno, du willst also nicht ab und zu mit mir reden?” Ich benötigte ein paar Sekunden, bis ich verstanden hatte warum er das so formuliert hatte. Will er jetzt doch meine Nummer? Das wäre zu schön um wahr zu sein. “Das habe ich ja gar nicht gesagt” Ich versuchte erstmal nicht zu euphorisch zu werden, nicht das ich es falsch verstanden habe. Er holte sein Handy aus der Hosentasche und hielt es mir hin. Ich fühlte mich durchaus geschmeichelt, er wird ja nicht von jedem den er trifft Nummern sammeln oder? Ich sah auf das Handy und dann wieder in sein Gesicht.
“Nur wenn du versprichst meine Nummer nicht in den News auf deiner Webseite zu veröffentlichen” Das war natürlich ein Scherz von mir aber ich bin mir sicher er wird sich drüber freuen. Ich sah dann schon, dass der Spruch seine Wirkung nicht bei ihm verfehlte. Wenn er mich so anlächelt, könnte ich auf der Stelle schmelzen. “Das ist doch mein Lieblingshobby! Alles was Spaß macht wird einem vermiest heutzutage” Ich programmierte meinen Name und meine Nummer in sein Handy und gab es ihm dann zurück. “Man kann eben nicht alles haben, no?” “Das werden wir ja sehen” Meinte er dann nur vielsagend als er sein Handy wieder einsteckte, das brachte mich gleich wieder zum lachen. “Ich lasse mich überraschen, dann sehen oder besser gesagt hören wir uns ja irgendwann” ”Wird sich nicht vermeiden lassen” Ich schüttelte mit dem Kopf während ich die Tür öffnete und froh war, dass es kein übertriebenes Abschiedsdrama gibt.
“Hasta luego und rufe nicht nachts bei mir an oder du wirst es bereuen!” Ich bemühte mich es ernst klingen zu lassen aber sein Lächeln machte alles zu nichte. ”Jetzt bekomme ich aber so richtig Angst vor dir! Bis irgendwann” Zu gerne würde ich ihn jetzt umarmen aber dann komme ich nie mehr von ihm los also liess ich es bleiben. Bevor ich nie mehr dazu komme, ging ich dann und lief den Gang entlang bis zum Lift. Kurz bevor ich in den Lift stieg, sah ich noch mal den Gang entlang aber es war niemand mehr zu sehen. Gestern stand ich an genau der selben Stelle und hätte nie gedacht, wie sich der Abend dann noch entwickeln würde.

Mit einem breiten Lächeln lief ich zu meinem Auto und stieg ein. Bestimmt bekomme ich noch Gesichtslähmung von dem lächeln. Ein paar Minuten musste ich erst mal alles sacken lassen. Ich kann nicht fassen, dass er wirklich meine Nummer haben wollte. Hoffentlich stellt er keinen Unfug an damit und hoffentlich meldet er sich auch wirklich. Ich habe ja keine Nummer von ihm also liegt es alleine an ihm sich zu melden.
Vielleicht hätte ich ihn doch schon vor drei Monaten nach seiner Nummer fragen sollen aber damals hätte das ja noch komischer ausgesehen als jetzt. Es war ja schon ein sehr großer Zufall, dass wir uns hier wieder getroffen hatten. Ein drittes mal wollte ich es dann nicht auf Zufälle ankommen lassen. Meine leicht gedrückte Laune die ich vorhin hatte, war komplett verflogen, ich würde am liebsten die ganze Welt umarmen. Schon verrückt wie schnell sich die ganze Situation geändert hatte. Vor ein paar Stunden hätte ich Rafa am liebsten noch erwürgt und dann lande ich im Bett mit ihm. Kann sein das er ausgenutzt hat das ich nicht nein gesagt habe aber ich war bekanntlich auch beteiligt und war daher nicht in der Position die Schuld auf ihn alleine abzuwälzen.
Scheint ja doch noch ein gutes Ende zu nehmen... hoffentlich! Nur der Gedanke an Sara trübte meine Laune dann ein wenig, sie wird ausflippen und ich habe keine Lust auf Stress und Rechtfertigungen. Leider musste ich da aber durch und sie wird sicher nur noch misstrauischer wenn ich so übertrieben gute Laune habe. Da komme ich nur wieder ins grübeln, ob das so der richtige Weg ist. Klar kann ich mich auch daran gewöhnen sozusagen mehrgleisig zu fahren und ihr die Ahnungslose vorspielen während ich ein paar Stunden später mit Rafa telefoniere.

Entgegen meiner Erwartungen rastete sie aber gar nicht so richtig aus. Sauer war sie natürlich aber eher darüber das sie selbst irgendwie zu der Pension kommen musste. Zum Glück hatten die anderen zwei Fans mit denen sie weggegangen war Mitleid und haben sie hingefahren. Ich war zu dem Zeitpunkt ja nicht mehr erreichbar.
Tja, so viel zum Thema Zuverlässigkeit. Ja gut, ich habe sie hängen lassen aber ich wollte das ja so alles gar nicht, war keine böse Absicht. Sie fragte dann auch nicht mehr nach wo ich war und vor allem mit wem. Ich hätte es sowieso nicht gesagt aber das sie Neugierig ist dachte ich schon. Vielleicht wollte sie mich auch bestrafen indem sie so tat als würde es sie nicht kümmern. Sie dachte wohl ich bin wild drauf ihr alles haarklein zu erzählen und das sie mich ärgern kann wenn sie kein Interesse zeigt.

Zu Hause war es dann wieder vorbei mit Tennis. Inzwischen hatte ich mich doch schon fast an den ganzen Zirkus der bei den Turnieren veranstaltet wird gewöhnt. Das einzig spannende war ob Rafa sich mal meldet oder auch nicht aber das würde ich dann persönlich nehmen wenn er sich nicht meldet! Erst nach der Nummer fragen und dann nicht anrufen, solche mochte ich ganz besonders. Nach fast einer Woche meldete er sich aber dann doch mal und ich dachte wirklich er hat es sich anders überlegt.
Ein paar Hoffnungen machte ich mir eben doch. Ich überlegte schon wo er war und fragte dann nach. Cincinnati, jetzt fiel es mir auch wieder ein, er hatte davon ja was in Berlin erzählt. War mir auch unerklärlich das ich mich nicht erinnern konnte wo er ist obwohl er es vor eine Woche gesagt hat. Ob es Absicht war wusste ich nicht aber da er nicht seine Nummer unterdrückt hatte als er anrief, kam ich so auch gleich zu seiner Nummer ohne ihn fragen zu müssen. So richtig Spaß machte das ja nicht mit dem telefonieren aber besser als gar kein Lebenszeichen von ihm zu bekommen. Ich würde ihn lieber sehen aber das fällt aus in den nächsten Wochen.
Eigentlich bot sich gar keine Möglichkeit ihn in naher Zukunft zu sehen es sei denn ich fliege nach Mallorca wenn er mal dort ist. Es war aber nicht meine Absicht ihm nachzufliegen. Vielleicht sollte ich mir ja doch einen Freund hier in der Umgebung suchen anstatt jemandem nachzulaufen der sowieso nie Zeit hat. Leider ist Rafa zu verlockend und jetzt hatte ich ja sowieso schon Blut geleckt. Der einzige Weg das ich mich nicht noch weiter auf ihn einlasse ist das ich ihn nicht sehe. Das war auch gar nicht nötig, er wickelt mich auch am Telefon ein. Ich gewöhnte mich ziemlich schnell daran mit ihm zu telefonieren, dabei vergaß ich immer das er sich auf der anderen Seite der Erde befindet und die Telefongesellschaften durch uns reich werden. Es war zu witzig, wenn ich Mittagspause hatte war Rafa eben aufgestanden demnach war er manchmal nicht sehr gesprächig wenn es für seinen Geschmack zu früh war.
Er muss aber sowieso aufstehen auch wenn ich nicht anrufe also war's auch egal, ich weiss das er lieber ausschlafen würde aber da muss er durch, mich fragt auch keiner. Er hatte mal als Scherz gesagt das es ihm lieber ist das ich anrufe als wenn der Wecker klingelt. Ich konnte mich damals kaum halten vor lachen aber wenn er will spiele ich gerne seinen persönlichen Weckdienst, ich fühlte mich gleich richtig geehrt. New York klappte dann umgekehrt, er konnte dann bei mir dann anrufen und mich wecken. Vor Mitternacht kam er sowieso nicht ins Bett da er auch die evening session spielen musste bei den US Open also konnte er danach auch bei mir anrufen und mich wecken da ich in aller Herrgottsfrühe um sechs schon aufstehen musste.
Es lag dann an mir die Wortkarge zu sein während Rafa auf dem emotionalen Höhenflug war wenn er eben ein Spiel gewonnen hatte. In seltenen Momenten wünschte ich das er einfach mal die Klappe halten würde aber ich wollte ihm nicht die Freude über die Siege verderben, ich weiss ja was er alles investiert in seine Karriere. Nachvollziehbar ist es durchaus das er sich dann freut wenn er gewinnt. Nur hatte ich das Gefühl das er vergisst zwischendurch mal Luft zu holen und das er mir jeden Punkt einzeln detailliert erläutern muss.

Wie es immer so ist, kommen alle Dinge zusammen wenn etwas schief geht und ich sah mich plötzlich mit einem Bild aus Porto Cristo konfrontiert. Anders formuliert stand Sara vor mir und hielt mir das Bild hin während sie fragte was ich dazu zu sagen habe. Tja, das war das Bild von Rafa und mir das die Kellnerin in der Bar gemacht hatte. Das hatte ich ja schon total vergessen! Ich bekam einen Schreck und war für einen Moment sprachlos während ich mächtig ins schwitzen geriet. Huh, das könnte so richtig unangenehm werden!
Wie kommt die zu dem Bild? Mir schossen tausend Fragen gleichzeitig durch den Kopf. Das erwischte mich sozusagen aus heiterem Himmel. Wenn Sara mich so verbissen ansieht, traue ich mich ja kaum ihr die Wahrheit zu sagen. Vielleicht sollte ich es ja mit der Wahrheit versuchen also zumindest so ein bisschen. “Woher hast du das?” Stammelte ich verwirrt und erstaunt zugleich. “Aus dem Internet woher sonst? Vielleicht sollte ich dich auch eher fragen wie es dazu kam und warum du mir keinen Ton gesagt hast” An dem leicht feindseligen Unterton in ihrer Stimme erkannte ich schon, dass sie mächtig angefressen war. Gut, rausreden nutzt nichts mehr, es war klar wann das Bild entstanden sein musste.