Ich hätte Rafa ja abgeholt vom Flughafen aber er meinte sein Vater hätte sowieso das Auto dort geparkt und das ich ihn nicht abholen muss. Gut, dann werde ich ja merken wenn er hier erscheint. Er ist bestimmt noch leicht angeschlagen von gestern Abend. Spanien hat natürlich das Finale gewonnen und seitdem ist der Teufel los.
Die Medien drehen total durch und Rafa macht mit, auf allen TV Sendern geht es nur um Fußball und den historischen Sieg. Ich wusste ja das Rafa mich anrufen wird wenn das Spiel vorbei ist aber er konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Da er einige Spieler kennt, durfte er natürlich auch in die Umkleide zum gratulieren und den Pokal hat er sich auch schon aus nächster Nähe angesehen.
Das ist der Vorteil, dass er selbst bekannt ist, so kann er es mal ausnutzen. Bestimmt redet er die nächsten Tage von nichts anderem mehr. Der Trip nach Südafrika hat sich für ihn mehr als gelohnt, er scheint Wimbledon schon vergessen zu haben. Ein bisschen neidisch war ich ja schon als er erzählt hat, dass er mit der Mannschaft gefeiert hat nach dem Spiel.
Etwas überrascht war ich schon als ich jemanden an der Tür hörte. Kurz sah ich auf die Uhr, Rafa meinte doch heute früh noch er wäre nicht vor um sechs abends da und es war erst um fünf! Erst dachte ich es wäre vielleicht seine Mutter Ana Maria, da sie auch einen Schlüssel hat aber ein paar Sekunden später erschien tatsächlich Rafa, das war eine Überraschung. Ich sprang von der Couch auf und schaltete den TV aus.
„Hey, was machst du denn hier?“ Fragte ich etwas überrascht. “Ich wohne zufällig hier“ Antwortete er nur breit grinsend. „Du hast gesagt du kommst erst um sechs“ Er kam näher zu mir und umarmte mich etwas stürmisch. „Der Flug aus Südafrika war eher in Madrid als geplant, da habe ich einen früher nach Palma genommen. Hätte ich aber gewusst, dass du auf um sechs bestehst, wäre ich bei meinen Eltern geblieben so lange“ Ich musste lachen über den Empfang und umarmte ihn auch.
„Quatsch, klar freue ich mich dich eher zu sehen aber du hättest ja mal was sagen können“ “Ich dachte ich habe dich schon genug genervt mit Anrufen“ “Das hast du auch aber es gibt schlimmeres als mit dir zu telefonieren“ “Ich bin froh endlich hier zu sein, ich kann es kaum erwarten faul zu sein“ “Du hast es dir verdient“ Da er mich so breit anstrahlte, zog ich ihn näher an mich und küsste ihn kurz. Wir hätten ja auch noch eine Weile da stehen bleiben können aber er wollte unbedingt seinen Koffer auspacken also lief er nach oben, ich ihm nach.
Es war ungewohnt zu sehen wie er auspackt und ich nichts zu tun habe. Es ist sonst immer umgedreht das ich auspacke oder eben ein. Schlecht ist es aber nicht wenn ich selbst nichts packen muss. „War es dir eigentlich langweilig vorhin oder wolltest du geplant Fernsehen gucken?“ “Mir war es nicht langweilig, ich habe kaum mal zwei Minuten Ruhe seit ich hier bin. Gestern früh tauchte Nicole ungeplant auf und blieb ewig weil sie wohl zu viel freie Zeit hat und dann war ich bei deiner Mutter bis in die Nacht. Heute wollte ich eigentlich faul am Pool liegen aber daraus wurde nichts weil du ja eher erschienen bist“ “Urlaub ist eine stressige Angelegenheit“ Meinte er mit einem übertriebenen Grinsen. Ich ließ mich aus einer spontanen Laune heraus rückwärts auf das Bett fallen und betrachtete seine ganzen Klamotten die auf dem Bett verteilt lagen.
Das Chaos hatte mir richtig gefehlt die letzten Tage! Es ist alles so ordentlich wenn er nicht da ist weil ich keine Unordnung verbreite. Mir fehlt ja schon was wenn ich nicht ständig etwas hinter Rafa hertragen kann. Es ist zwar schön hier zu sein aber wenn Rafa nicht da ist macht es nur halb so viel Spaß daher freute ich mich wirklich, dass er endlich hier ist. „Es war gar kein Chaos hier die letzten Tage“ Meinte ich so mehr zu mir selbst während ich Rafa musterte. „Lass mich raten, meine Mutter hat wieder eine ihrer Stories zum Besten gegeben und hat gesagt ich sei die Unordnung in Person“ “Unter anderem. Da du nicht da warst konnten wir endlich mal über dich reden“ Antwortete ich nur mit einem Lachen. „Na das kann ich mir schon bildlich vorstellen. Schlimm genug das ihr zur Feier des Tages Essen wart“ “Du warst dafür in Südafrika“
Wenn ich Rafa so vor dem Bett stehen sehe, könnte ich auf dumme Gedanken kommen. Ich dachte ja er leistet mir Gesellschaft aber anscheinend wollte er wirklich seinen Koffer auspacken. Da er nicht weiter reagierte, zog ich einfach an seinem Shirt als er sich über den Koffer lehnte, immerhin lag er dann neben mir. Zwar lagen wir in mitten seiner Klamotten aber das ist nun auch egal, es riecht alles nach ihm, da könnte ich auch länger liegen bleiben. „Hey, ich wollte erstmal alles auspacken“ Damit er nicht gleich wieder aufsteht, lehnte ich mich halb über ihn und hielt seine Arme fest. „Kannst du später auch noch!“ Er schien es aufzugeben und blieb liegen. „Und jetzt?“ Fragte er mit großen Augen und einem verräterischen Grinsen.
Wenn er so fragt, mir würde da schon was einfallen. „Ich weiß auch nicht. Eigentlich wollte ich nur sagen das es zwar schön ist hier aber wenn du nicht da bist, fehlt richtig was“ “Ich bin ja jetzt da um Unordnung zu verbreiten“ Ich sah ihn an und musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen, ich könnte ihn den ganzen Tag betrachten. Dann werde ich aber nur sentimental und fange an darüber nachzudenken das ich habe was alle wollen. Ich muss aufpassen, dass mir das nicht alles zu Kopf steigt. Er ist so oft bei Turnieren das ich froh bin ihn mal zwei Wochen für mich alleine zu haben. Wenn ich jetzt anfange Küsse auf ihm zu verteilen, kann ich aber nicht mehr aufhören damit, bei mir kribbelt es schon wenn ich ihn nur ansehe. Langsam wurde ich unruhig weil er mich so entsprechend ansah. Er muss gar nicht viel machen, dass ich schon ins Schwitzen komme. Er will vermutlich erreichen, dass ich mich nicht mehr beherrschen kann und viel fehlte dazu auch nicht mehr. Ich konnte mich seinem Blick einfach nicht entziehen also rückte ich noch näher an ihn und lag schon halb über ihm, ich war ihm so nah das sich unsere Nasenspitzen fast berührten.
Seine Hände waren erst an meinen Hüften und wanderten dann langsam unter mein Oberteil. Plötzlich und ohne Vorwarnung fing doch tatsächlich mein Handy an zu klingeln. Das gibt es doch gar nicht, immer wenn wir mal alleine sind, klingt ein Handy im blödesten Moment! „Dein Handy klingelt“ Kam es dann nur breit grinsend da ich nur mit den Augen rollte und keine Anstalten machte ranzugehen. „Ist nur Sara“ Meinte ich mit einem Kopfnicken und wollte auch gar nicht rangehen. „Woher willst du das wissen ohne nachzusehen?“ Ich könnte es ja ignorieren aber Rafa sah zur Seite zu meiner Tasche wo das Handy drinnen ist. Na schön, die Stimmung war sowieso schon im Eimer und es hörte nicht auf zu klingeln.
Da er näher dran war, setzte Rafa sich hin und angelte nach meiner Tasche die über den Stuhl hing. Ich wühlte etwas als es aufhörte zu klingeln aber ich kann ja trotzdem nachsehen wer es war. Als ich es fand und auf das Display sah, rollte ich gleich nochmal mit den Augen und lehnte mich dann wieder nach hinten. Rafa lag neben mir und sah zu mir rüber. „Sie war es“ Sagte ich nur und verzog mein Gesicht. Jetzt haben wir zwar wieder unsere Ruhe aber mir war der Spaß inzwischen vergangen. Er beobachtete mich ein paar Sekunden und grinste dann wieder so breit.
„Jetzt ziehe nicht so ein Gesicht! Wir haben doch später auch noch Zeit“ Es hat ja doch keinen Sinn also stand ich wieder auf und zerrte meine Sachen in Form, Rafa bequemte sich kurz nach mir vom Bett hoch. „Wie du meinst, dann kannst du ja auch deinen Koffer fertig auspacken“ Meinte ich nur mit einem Schulterzucken. Er trat einen Schritt näher zu mir und umarmte mich plötzlich. „Pass auf, ich packe jetzt noch den Rest aus und dann gehen wir Essen wohin du willst“ “Klingt schon besser“ Meinte ich darauf und konnte mir ein Lächeln nicht länger verkneifen. „Geht doch!“ Ich kann ja sowieso nicht lange schlechte Laune haben wenn Rafa vor mir steht und mich vom einen Ohr zum anderen anlächelt. Das sind vielleicht die Nachwirkungen von dem Finale gestern, er läuft vielleicht jetzt die nächsten Wochen mit einem eingemeißelten Lächeln durch die Gegend. Da er ja sowieso nicht auspacken kann wenn ich daneben stehe und ihn ablenke, küsste ich ihn kurz und verschwand dann wieder nach unten.
So schlecht war seine Idee mit dem Essen gehen gar nicht weil wir ein bisschen sehr faul sind und meistens keiner Lust hat zu kochen. Wenn ich nicht da bin, ist ja seine Mutter meistens da und die kocht dann eben auch. Ich dachte ja erst er ist vielleicht noch ko von gestern Abend und dem Rückflug, das er gar keine Lust hat noch aus dem Haus zu gehen. Wir hatten ja ausnahmsweise mal Zeit und es zog sich alles etwas hin. Es war schon dunkel als wir wieder zurück in Porto Cristo waren und da Rafa noch im Auto rumtrödelte, stieg ich immer aus und lief rein ins Haus.
„Warte“ Ertönte es plötzlich von hinter mir als ich die Treppen nach oben gehen wollte um zu duschen. Ich wunderte mich etwas und blieb direkt vor der Treppe stehen. „Wieso?“ Fragte ich etwas perplex und sah ihn fragend an. Das war ja jetzt was ganz neues. „Du sollst hier bleiben, soll eine Überraschung werden“ Meinte er nur mit einem breiten Lächeln. Kurz fragte ich mich ob er mich eben auf den Arm nehmen will, irgendwas hat er doch vor. Neugierig bin ich ja schon wenn er so auf geheimnisvoll macht. „Eine Überraschung?“ Fragte ich nur mit hochgezogenen Augenbrauen zurück. „Genau“ Meinte er nur und zog mich von der Treppe weg. Gut, wenn er meint, da bin ich aber gespannt. „Was soll ich tun?“ Fragte ich nur und gab es auf ihm entlocken zu wollen was er vor hat.
„Nur hier stehen bleiben“ Wie aus dem nichts hatte er plötzlich einen Schal in der Hand und bevor ich darüber nachdenken konnte, wollte er mir damit die Augen verbinden. Das passte mir zwar nicht so richtig aber ich wollte ihm nicht den Spaß verderben und machte gute Miene zum bösen Spiel. Ich kam mir vor als wenn wir Blinde Kuh spielen wollen. Er meinte dann nur noch, dass ich mich hinsetzen soll bevor er verschwand. Ich sah zwar nichts mehr aber den Geräuschen nach zu urteilen ging er nach oben. Jetzt sitze ich also im Flur und sehe nichts mehr. Natürlich frage ich mich was er geplant hat, bis jetzt hat er sowas noch nie gemacht.
Die Versuchung doch mal heimlich zu gucken war sehr groß. Ich kann ja so tun als wenn ich von nichts wüsste. Er ist ja nicht da also schob ich den Schal etwas nach oben und sah um mich. Zu meiner Überraschung saß ich im Dunkeln und sah gar nichts, der ist aber auch gemein! Wenn ich jetzt Licht anmache, merkt er es vielleicht also wird mir keine Wahl bleiben als abzuwarten bis er wieder hier ist.
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