17 October 2010

Chapter 66

Ich blieb stehen und war erstmal platt. Was war das denn für ein Auftritt eben? Der kommt hier an und ist schon auf 300 und macht einen Aufstand wegen gar nichts. Vielleicht hätte ich vorher mit ihm reden sollen und nicht mit Nicole aber mit Rafa kann ich darüber nicht reden weil ich schon weiß was er sagt. Der hat da so verdrehte Ansichten, dass es sinnlos ist mit ihm darüber zu diskutieren, das führt zu nichts.
Ein bisschen sauer war ich jetzt auch, wie er mich einfach stehen lassen hat. Ich wartete ein paar Minuten um mich abzuregen bevor ich rein ging aber da sein Auto verschwunden war und alles ruhig ist, wird er mal wieder die Flucht nach vorn angetreten haben. Na super, so hatte ich mir das vorgestellt!
Der Tag fing so schön an und jetzt? Das er wieder kommt glaube ich nicht und ich wollte auch nicht warten also fuhr ich einfach alleine an den Strand. Besser alleine zu sein als seine absurden Behauptungen zu ertragen. So richtig Ruhe hatte ich natürlich nicht da ich mich frage was da vielleicht noch kommen wird. Rafa ist eigentlich immer relativ ausgeglichen und er regt sich nicht sofort über alles auf aber wenn er es tut, dann richtig.

Nervös war ich schon als ich wieder zurück fuhr. Wir sollen ja eigentlich heute Abend bei seinen Eltern zum Essen erscheinen. Das war schon länger ausgemacht und ich weiß bisher nicht ob es dabei auch bleibt. Natürlich war er nicht da als ich in die Einfahrt fuhr aber damit hatte ich schon gerechnet. Duschen und Haare waschen musste ich ja sowieso nachdem ich am Strand war also tat ich das erstmal.
Wir hatten ausgemacht, dass wir um acht losfahren und es war ungefähr zehn Minuten vor um acht als Rafa wie aus dem nichts auftauchte. Sein Gesicht war dasselbe wie heute früh aber das schockt mich auch nicht mehr. „Bist du fertig?“ Fragte er nur als wenn gar nichts gewesen wäre. Ich blieb sitzen und sah ihn nur an. Will er mich verarschen? Ich hatte jetzt aber echt keine Lust auf sinnlose Diskussionen also lief ich einfach raus zu seinem Auto ohne einen Ton zu sagen. In weiser Voraussicht hatte ich mich schon vor einer halben Stunde umgezogen da ich ja nicht wusste ob wir zu seinen Eltern fahren oder nicht. Er kam ein paar Minuten später und stieg dann ein.
Die Stimmung war natürlich angespannt, keiner sagte einen Ton. Er sah stur geradeaus und würdigte mich keines Blickes, kann er haben dachte ich mir und sah einfach zur Seite aus dem Fenster. Ab und zu sah ich aus dem Augenwinkel zu ihm rüber. Es hat was wenn er so konzentriert auf die Straße sieht aber ich weiß, dass er nicht in Stimmung für Scherze ist. Es dauerte zum Glück nur zehn Minuten bis wir in Manacor waren. So schlecht war die Idee mit seinen Eltern gar nicht, ich habe jedenfalls keine Lust mit ihm alleine zu sein wenn er mich dann nur anschweigt. Komisch ist es ja das er mich mitgenommen hat, er hätte ja auch einfach alleine fahren können. Dann hätten seine Eltern aber sicher gefragt wo ich bin und das wird er wohl nicht wollen also hat er mich mitgenommen. So blöd sind sie aber nicht, seine Mutter merkt doch sofort, dass irgendwas los ist. Ich spielte das Spiel also einfach mal mit. Es war grotesk, mit seinen Eltern redet er als wenn nichts wäre und mich lässt er links liegen obwohl ich direkt neben ihm sitze.
Ich fühlte mich wie im falschen Film. Zwar versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen aber das kann ich mir sparen weil Ana Maria schon so merkwürdig guckte. Die ahnen doch was aber es ist mir ehrlich gesagt egal, Rafa wollte es doch so! Es dauerte nicht lange bis es wieder um Südafrika und das Finale ging also verzog ich mich mit seiner Mutter in die Küche. Sie meinte zwar ich soll sitzen bleiben weil sie keine Hilfe braucht aber ich ließ nicht locker also gab sie nach. Lange dauerte es auch nicht bis sie sich umdrehte und mich neugierig musterte.
„Was war denn los? Ich meine, es ist eine eigenartige Stimmung“ Fragte sie dann auch gleich mit einem vorsichtigen Lächeln. „Das wüsste ich auch gerne. Er hat keinen wirklichen Grund sich so aufzuführen, wenn er sowieso nicht mit mir reden will hätte er mich auch in Porto Cristo lassen können“ Antwortete ich ihr und zuckte mit den Schultern, ich fand es irgendwie schon zum Lachen alles. “Es ist zwar selten, dass er sich so aufregt aber das gibt sich auch wieder. Ich meine, du hast doch einen guten Einfluss auf ihn“ Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln aber mehr aus Verzweiflung.
„Davon merke ich nichts. Ich bringe wohl auch die negativen Seiten in ihm zum Vorschein“ “Hey, das liegt nicht an dir. Das macht er schon immer das er nicht redet wenn er sauer ist“ “Ich weiß ja nicht mal so richtig warum er sauer ist wenn er nicht redet. Manchmal benimmt er sich wie ein verwöhnter Vierjähriger“ Ihr Lächeln sah richtig schön aus, sie fand das wohl auch noch witzig. “Warte eine Weile ab“ “Inzwischen bin ich ja wieder zu Hause. Heute früh war alles noch normal und plötzlich tickt er aus“ “Es war ein bisschen viel alles die letzten Wochen“ Es überrascht mich nicht wirklich, dass sie Rafa in Schutz nimmt.
Ich weiß auch was er in den letzten Wochen alles gemacht hat, das rechtfertigt doch aber sein Verhalten nicht. „Kommt ihr morgen wieder zum Essen vorbei?“ Die Frage war gut! Eigentlich hätte ich gleich zugestimmt. So richtig Lust zu kochen haben wir ja nicht und wenn sie es sowieso schon anbietet. Ich weiß ja das Rafa an seiner Familie hängt und daher nicht lange überlegt ob er hinfährt oder nicht. “Wenn Rafael sich bis dahin entschließt doch noch mit mir zu reden vielleicht“ “Das wird schon wieder“

Meine Laune war im Keller angekommen als wir zurück fuhren. Rafa hat wohl Spaß dabei so zu tun als wenn ich nicht da wäre. Mit seinen Eltern redet er ganz normal und jetzt schweigt er mich wieder an! So ganz allmählich wurde mir das zu blöd. Ich war echt froh als wir wieder in Porto Cristo waren, da konnte ich ihm aus dem Weg gehen. Falls er glaubt, dass ich jetzt ein Bett mit ihm teile nachdem was er abgezogen hat, täuscht er sich!
Es kann Vorteile haben wenn man mehr als ein Schlafzimmer hat. Das Schlimme ist das es ihn offensichtlich gar nicht interessierte das ich mich ins Gästezimmer verzogen habe. Ich dachte ja er kommt nochmal rein aber das war ein Irrtum. Irgendwann gab ich es auf und machte das Licht aus. Mir ging so viel durch den Kopf, dass ich keine Ruhe fand. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt.
In England hat er noch rumgejammert das wir uns nicht sehen und das er sich freut, dass ich hier bin. Davon merke ich gerade nicht sehr viel. Zwar würde ich lieber neben ihm schlafen wenn ich schon hier bin aber das bringt mir auch nichts wenn er mich dann ignoriert. Das ist Schlimmer als wenn er rumschreien würde. Vielleicht hätte ich ja erst mit ihm reden sollen und nicht mit Nicole aber deswegen muss er doch nicht gleich so eine Welle machen.

Der nächste Tag ging so weiter wie der davor aufgehört hatte. Ich war mir nicht sicher ob er noch schläft oder gar nicht mehr hier ist. Zumindest war alles ruhig im Haus also frühstückte ich alleine, blieb mir ja auch keine andere Wahl. Ich wäre ja gerne mit Rafa an den Strand gegangen aber damit wird es wohl nichts. Etwas überrascht war ich schon als ich von oben Geräusche vernahm. Ich lehnte mich leicht zur Seite damit ich die Treppe im Flur sehen kann und nach ein paar Sekunden kam Rafa total verschlafen nach unten geschlurft. Hat er so lange geschlafen? Es war schon nach um zehn.
Eigentlich war ich fest davon ausgegangen das er schon weg ist daher war ich etwas überrumpelt jetzt. Er setzte sich mir gegenüber hin und legte dann seine Hände auf den Tisch. „Es tut mir leid wegen gestern, ich ähm… es ging einfach nicht“ Ich stellte meine Tasse weg und sah ihn eine Weile an. Seine Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab und wenn er mich so verschlafen ansieht, komme ich auf ganz dumme Ideen. Da vergesse ich sogar für einen kurzen Moment, dass ich ja sauer auf ihn bin. „Wie, es ging nicht?“ Fragte ich dann da ich wirklich nicht wusste was er genau meint. Er sah auf seine Hände und wieder zu mir. „Ich kann nicht verstehen wieso du nicht mit mir redest darüber. Ich meine, falls du wirklich beabsichtigst hier her zu ziehen, geht mich das ja auch was an. Ist echt schön das von Dritten zu erfahren, ich kam mir total bescheuert vor“ Ich sah etwas betreten in meinen Kaffee und wurde nervös.
„Das war nicht meine Absicht und ich wollte das so nicht. Klar hätte ich mit dir geredet aber ich ahnte nicht, dass es gleich die ganze Insel weiß wenn ich mit Nicole darüber rede. Außerdem stellst du dich immer so an bei dem Thema, wie soll ich mit dir darüber reden ohne das du ausflippst?“ Er blieb zwar sitzen aber er zappelte ziemlich nervös rum, es fiel ihm wohl schwer ruhig zu bleiben. „Ich dachte du vertraust mir“ Kam es dann nur mit einem richtig bösen Blick. Was geht denn jetzt los? Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht aber hätte ich geahnt, dass Rafa gleich so einen Zirkus veranstaltet, hätte ich die Klappe gehalten. „Es tut mir leid, ok? Ich habe das nicht gemacht um dich zu ärgern“
Er sagte nichts und es war ein paar Minuten ruhig. Das er nicht weiter auf das Thema eingeht, spricht ja auch für sich. Jetzt waren wir doch gerade dabei und konnten mal reden aber nein, Rafa hält es wohl nicht für nötig. Klar war das deprimierend, ich habe ja schon öfters versucht mit ihm zu reden aber er lässt mich immer abblitzen. „Kann es sein, dass du gar nicht willst, dass ich hier her ziehe?“ Fragte ich dann direkt und sah ihn vorsichtig von unten an. Ich war echt frustriert und da musste das einfach mal raus.
Eigentlich wollte ich ihn nur provozieren damit. Ich glaube nicht, dass er nicht will das ich hier bin aber wenn er sich gar so komisch anstellt, beschleicht mich eben ab und zu der Gedanke. Sein Gesicht verfinsterte sich weiter bevor er einfach aufstand und ging. Ich sprang auch vom Tisch auf und lief ihm nach. „Rafael“ Er lief weiter die Treppen nach oben ohne mich zu beachten. Ich war noch in der Hälfte der Treppe als oben laut eine Tür zuknallte. Na super! Ich rollte mit den Augen und lief dem Geräusch nach.

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