24 October 2010

Chapter 67

Abgeschlossen hatte er nicht also öffnete ich die Tür mit großem Schwung und sah dann Rafa am Fenster stehen. Er stand mit den Rücken zu mir und sah stur raus. „Immer verschwindest du wenn es unbequem wird, das geht mir echt auf die Nerven!“ Sagte ich dann etwas lauter da ich auch nicht mehr an mich halten konnte. „Dann geh doch wenn es dir nicht passt!“ Kam es dann ziemlich gleichgültig. Obwohl ich mit vielem gerechnet hatte, war das etwas Neues. Wirft er mich jetzt raus oder wie soll ich das interpretieren? Ich musste schon ziemlich schlucken aber so wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Ich lief näher zu ihm und zog an seinem Arm das er sich zu mir umdrehen musste. „Jetzt hörst du mir mal zu! Das wird mir echt zu blöd langsam. Erst behandelst du mich wie Luft und dann sagst du ich soll gehen. Wenn du meinst, dass wieder mal die ganze Welt gegen dich ist, kann ich es auch nicht ändern. Ich weiß überhaupt nicht warum du jetzt so ausflippst“
Er blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen und zog ein übertrieben genervtes Gesicht. „Du vertraust mir ja offensichtlich sowieso nicht, wie soll ich da mit dir zusammen sein? Wenn du wirklich glaubst, dass ich nicht will das du hier bist, sollten wir uns echt mal überlegen ob es alles noch Sinn macht“ “Das ist totaler Quatsch! Was würdest du denn denken an meiner Stelle? Immer wenn ich anfange mit dem Thema blockst du total ab“ “Das hat auch seinen Grund!“ Kam es dann fest entschlossen. Oh Wahnsinn, er redet ja doch noch mit mir! Ich redete mir selbst gut zu und war schon auf seine Erklärung gespannt. „Ach, ja? Und welchen Grund hat es dann?“
Das wollte ich jetzt doch genauer wissen also sah ich ihn an und wartete gespannt aber es passierte nicht viel. Er sah mich kurz an und dann von mir weg auf den Boden. Er ist offensichtlich nervös aber ich habe Zeit, viel Zeit. „Das du behauptest das ich gar nicht will das du hier bist ist nicht fair. Ich habe das nie gesagt“ Da er dann nichts mehr sagte, musste ich wohl weiter nachbohren. „So kommt das aber an bei mir. Ich habe ja auch nicht vor hier einzuziehen und mich breitzumachen falls das dein Problem ist. Ich meine, sage doch einfach wenn du nicht willst, dass ich hier einziehe. Das könnte ich noch eher verstehen als wenn du gar nichts sagst“ “Das ist doch gar nicht der Punkt“ Langsam könnte ich verzweifeln an ihm. „Was denn dann?“ Fragte ich ungeduldig, langsam geht meine Geduld zur Neige. Ich sah ihn gespannt an aber er schien erstmal länger nachdenken zu müssen.
Er drehte sich dann um und setzte sich auf das Bett und ich dachte schon er flüchtet wieder. Natürlich fragte ich mich was jetzt wieder los ist, erst hat er sich ja aufgeregt und jetzt ist er total ruhig. Ich lief näher zu ihm und blieb dann stehen. „Wie stellst du dir das vor?“ Fragte er dann direkt und sah mich immerhin wieder an. Mit der Frage hatte ich nicht wirklich gerechnet. „Na ob ich hier wohne und dann meine Eltern besuche oder in Deutschland und dann hier her komme macht doch keinen Unterschied“ Er schüttelte langsam mit dem Kopf und schien da wohl anderer Meinung zu sein.
„Ich kann schon nachvollziehen, das es nervig ist mit dem hin und her fliegen immer aber es macht schon einen Unterschied ob du immer hier bist. Ich meine, ich bin zusammengerechnet 10 Monate im Jahr unterwegs. Was hättest du denn da gekonnt wenn du hier bist? Ich sage das sicher nicht weil ich nicht will das du hier bist aber ich bin mir nicht sicher ob dir klar ist auf was du dich da einlässt“ “Ich will ja auch nicht morgen umziehen. Wenn du immer hier bist, hätte ich auch keine Garantie, dass alles glatt geht. Das du so oft weg bist weiß ich, mir ist klar das du immer nur ein paar Tage hier bist oder wenn es hoch kommt mal drei Wochen“ “Ich will nicht, das es dann an mir hängen bleibt wenn du hier her ziehst und das dann anders abläuft als du dir das vorgestellt hast. Wenn du hier bist ist das ja keine Garantie das ich automatisch mehr Zeit für dich habe“ Ich kann ja verstehen, dass er nicht will das ich es an ihm auslasse wenn es schief geht aber deswegen kann ich es ja trotzdem versuchen.

Wenn es nicht geht, kann ich ja dann wieder zurück nach Deutschland gehen. „Es ist ja nicht so das es dann kein Zurück mehr gibt, wenn es nicht geht, kann ich ja dann immer noch zurück nach Deutschland“ Er sah mich schon wieder so verunsichert an, das ich nicht anders konnte und mich neben ihn setzte. Er kam wohl ins Schwanken, das muss ich ausnutzen! „Du willst es unbedingt, no?“ Kam es dann nach ein paar Sekunden leise mit einem ernsten Blick. Ich musste schmunzeln und nahm seine Hand in meine. „Nicht um jeden Preis. Wenn du absolut dagegen bist, muss und werde ich das auch akzeptieren. Ich will nicht, dass dieses Thema dauerhaft zwischen uns steht. Das du oft weg bist stimmt schon aber es wäre schon vieles einfacher wenn ich nicht immer erst hier her fliegen muss um dich zu sehen. Ich habe keine Lust dauerhaft eine Fernbeziehung zu führen und damit meine ich nicht das du so oft weg bist sondern das hin und her zwischen hier und Deutschland. Das ist kein spontaner Entschluss oder sowas und ich würde jetzt nicht mir dir darüber reden wenn mir das nicht ernst wäre“ “Es ist ja nicht so das ich es absolut nicht will. Klar ist es schön, wenn du schon hier bist wenn ich nach Hause komme. Du brauchst nicht denken das ich nicht mit dir zusammen wohnen will. Wir sehen uns ja nicht jeden Tag so das ein paar Stunden mehr oder weniger schon einen Unterschied machen aber was willst du hier machen wenn ich nicht da bin?“ “Ich mache es natürlich wegen dir aber das ergibt sich dann schon, dass ich auch die restliche Zeit irgendwie rumkriege. So weit weg ist ja Deutschland auch nicht, ich muss ja dort nicht alle Zelte abbrechen. Sara oder meine Eltern können auch hier her kommen“ Anscheinend gab er auf, zumindest deutete sein Gesicht das an.
„Wenn es so ist, das du es unbedingt willst und ich es dir nicht ausreden kann, dann soll es nicht an mir scheitern. Ich meine, klar freue ich mich wenn du hier bist, ich würde dich am liebsten jeden Tag sehen. Wenn du dir das vorher genau überlegst, kriegen wir das schon irgendwie hin zusammen“ Das klang ja richtig gut! Kann ich Rafa am Ende doch noch davon überzeugen? Ein breites Lächeln konnte ich mir nicht länger verkneifen. „Klingt schon besser“ Sagte ich und musste dann kichern. Nach und nach hellte sich sein Gesicht dann auch wieder auf. „Behaupte nie wieder das ich nicht will das du hier bist weil das absolut nicht stimmt“ “Ich glaube das auch nicht aber du hast dich immer so komisch verhalten bei dem Thema. Ich will ja auch nichts überstürzen, ich hätte dich schon gerne dabei beim Planen und der Umsetzung davon. Ich dachte am Jahresende oder so“ “Du kannst auf mich zählen, klar unterstütze ich dich wenn du es wirklich machst. Du brauchst nicht denken das ich darüber nicht selbst schon nachgedacht hätte aber ich will dich nicht dazu drängen weil ich ja kaum hier bin. Die Vorstellung mit dir hier zu wohnen ist ein bisschen zu schön um wahr zu sein“ Ich muss zugeben, dass ich ein wenig überrascht war, dass er es plötzlich doch will. Und wieso spricht er von hier?

„Wie hier?“ Fragte ich vorsichtig nach. Er zog seine Augenbrauen hoch und schien sich zu fragen warum ich das frage. „Na ich dachte du willst hier her ziehen? Willst du woanders wohnen?“ Ich kam gar nicht so schnell nach mit denken. Ich dachte wir reden nur allgemein über umziehen, das er damit meinte das ich sozusagen in sein Haus einziehen soll, wusste ich nicht. „Du meinst ich soll hier einziehen?“ Fragte ich neugierig und etwas unsicher. Es war nur überraschend, dass er so schnell seine Meinung geändert hatte. Erst schien es mir so als wenn er es gar nicht will und dann soll ich hier einziehen? “Sí, ich meine wenn du willst natürlich nur. Hier ist genug Platz. Wolltest du alleine wohnen?“ Hat er das wirklich eben gesagt? Ich dachte ich träume das alles! So lange muss ich da auch nicht überlegen ich war nur ein bisschen überrascht. „No, ich meinte erstmal nur allgemein und ich wusste ja nicht ob du willst das ich hier einziehe. Wenn du das nicht willst, ist das ok für mich, du musst dich nicht dazu verpflichtet fühlen mir anzubieten das ich hier einziehen kann“ Erst zog er ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen und dann rollte er mit den Augen, es sah so herrlich aus das ich nicht anders konnte als zu lachen.
„Du spinnst! Es würde ja auch Sinn machen wenn ich erst sage das ich dich jeden Tag sehen will und dann aber nicht will das du hier einziehst. Hier ist mehr als genug Platz und es ist nur ein Angebot, ich bestehe nicht darauf aber ich würde es persönlich nehmen wenn du hier her ziehst und dann alleine wohnen willst“ Ich lehnte mich nach hinten und schlug mir die Hände vors Gesicht. Aber nicht weil ich deprimiert war sondern es war irgendwie lustig alles. Jetzt schieben wir wieder den schwarzen Peter hin und her. Wie ich sah beobachtete er mich mit großen Augen und schien auf meine Antwort zu warten. „Klar ziehe ich hier ein wenn du nix dagegen hast. Was Besseres werde ich ja sicherlich nicht finden“ “Mhh, da sei dir nicht so sicher, es gibt viele Millionäre hier auf der Insel“ “Komme her“ Er lehnte sich nach hinten, bis er neben mir lag. Ich drehte mich und die Seite und umarmte ihn. „Kann sein das es hier viele Leute mit Geld gibt aber deswegen bin ich nicht hier. Ich liebe dich und nicht dein Geld“ “Ich würde jetzt sagen das klingt gut aber dir glaube ich es direkt. Ich meine, erst hielt ich das für einen Scherz als du mir verboten hast dir teure Geschenke zu machen aber inzwischen wundert mich nichts mehr“ Ja, das stimmt, ich hatte ihm mal unmissverständlich klar gemacht, das er mir keine außergewöhnlich teuren Geschenke machen soll weil ich mir da blöd vorkomme. Damals hat er wohl auch gedacht ich mache Scherze aber das habe ich nicht und bisher hat er sich auch daran gehalten.
“Ich will ja nur nicht das du mir ohne Grund ein Auto schenkst oder sowas“ “Das ich dich liebe ist doch Grund genug oder? Ich verstehe das nicht so richtig. Ich bin in der glücklichen Position, dass ich mehr Geld habe als ich mein ganzes Leben ausgeben kann. Das hat nichts damit zu tun das ich dich kaufen will oder du mir dann was schuldig bist. Ich mache das gerne, klar arbeite ich hart dafür aber ich weiß sehr wohl, dass ich überbezahlt bin, die Preisgelder sind jenseits von irgendeiner Relation. Wenn ich das Geld habe, dann sollen auch die Menschen die mir wichtig sind was davon haben und du bist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben“ Ich war ein wenig geplättet von seiner Ansprache. Ich weiß ja schon das er mit mir zusammen ist weil er mich liebt aber ich habe ein bisschen Skepsis was passiert wenn ich sage das er mir alles schenken kann was er will.
Ich weiß, dass er sehr großzügig ist wenn es um seine Familie geht und ich will nicht das er mich zuschüttet mit Geschenken. „Ich weiß deine Großzügigkeit zu schätzen, ich will nur nicht das du mir so große Geschenke machst“ “Ich hatte auch nicht vor dir aus Spaß ein Auto zu schenken. Du könntest mir wenigstens versprechen, dass du mich nicht immer mit diesem bösen Blick ansiehst wenn wir shoppen sind und ich genau sehe das dir etwas gefällt“ “Weil ich weiß das du deine Finger schon an irgendeiner Kreditkarte hast wenn ich dich nicht so ansehe. Kann sein das ich etwas übertreibe aber du musst mich nicht mit Geschenken überhäufen“ “Ich tue es nicht, versprochen. Wenn du hier einziehst, versprichst du mir im Gegenzug, dass du nicht andauernd sagst, dass du nicht hinter meinem Geld her bist weil ich es inzwischen kapiert habe und wenn ich dir was schenke, dann weil ich es will und nicht weil ich eine Gegenleistung haben will. Mir geht das langsam echt auf die Nerven das ich dir nie irgendwas kaufen darf“ “Du lädst mich doch zu den Turnieren ein“ “Du weißt genau was ich meine“ Ja, gut vielleicht hat er ja Recht.
So wie es aussieht, lässt er jetzt nicht mehr locker und ringt mir das Versprechen ab das ich nicht immer ewig mit ihm diskutiere. „Ok, wenn du darauf bestehst“ Sagte ich dann nur und rollte mit den Augen. „Was machen wir jetzt?“ Fragte er mit einem übertrieben breiten Grinsen. Ich wollte gar nicht wissen was er eben dachte. „Bevor du vorschlägst im Bett zu bleiben sage ich wir gehen an den Strand“ “Wie kommst du darauf, dass ich im Bett bleiben will?“ Fragte er ganz unschuldig. Ich küsste ihn kurz und setzte mich wieder hin. „Weil ich dich kenne“

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