24 June 2010

Chapter 52

Sara setzte sich hin und holte tief Luft. „Wir wurden enttarnt“ Ich ging näher hin und tatsächlich, da stand mein Name und auch der von Sara! Das war aber nicht die Seite von einer Fotoagentur sondern es sah eher nach der Fanseite aus wo Sara immer ist. Im ersten Moment war ich erschrocken meinen Name dort zu sehen aber das war nur eine Zeitfrage von daher war ich darauf vorbereitet. „Na super“ Murmelte ich nur und schnappte nach Luft. Sara schüttelte langsam mit dem Kopf und sah dann wieder zu mir.
„Das war Jenny“ Im ersten Moment glaubte ich mich verhört zu haben. Jenny? Bei dem Name klingelte es bei mir. Etwa die Jenny, die ich vermute? Jetzt musste ich doch erstmal tief Luft holen. „Das ist nicht dein Ernst!“ Sagte ich vorsichtig und wusste aber schon, dass sie es gewesen ist. „Doch“ Kam es nur deprimiert mit einem Kopfschütteln. „Der Kontakt zu ihr ist schon vor ein paar Monaten abgerissen. Ich weiß nicht was die geritten hat das die unsere Namen da schreibt. Als dieses Bild aus der Bar auftauchte, hat sie noch gesagt, dass sie nichts erzählen wird“ Ganz toll, ich wusste gleich das die mit Vorsicht zu genießen ist aber das die wirklich so dreist ist, hätte ich nicht gedacht. Was für ein Glück das ich sie nur zweimal gesehen habe. Sollen wir uns noch bei ihr bedanken das sie nicht gleich noch unsere Adresse dazu geschrieben hat?
Das zeigt eindeutig, dass man niemandem aus dem Internet trauen sollte. Rafa fiel mir inzwischen wieder ein, der stand noch neben mir und hatte keine Ahnung was los ist also brachte ich ihn mal auf den aktuellen Stand. Begeistert war er auch nicht aber was konnten wir schon tun? Rafa zuckte jedenfalls nur mit den Schultern und sah dann fragend zu mir. Sara hatte vielleicht Angst das Rafa sie einen Kopf kürzer macht aber aufregen bringt doch auch nichts. „Können wir jetzt auch nicht mehr ändern“ Meinte ich dann nur zu Sara. „Schon aber es ist echt deprimierend das sie erst einen auf beste Freundin macht und dann sowas“ “Du hättest es mir ja nicht geglaubt wenn ich es gesagt hätte aber ich wusste gleich das die mit Vorsicht zu genießen ist. Du weißt doch was sie alles gemacht hat, wie normal kann so jemand schon sein?“ “Ich wollte das wirklich nicht“ Ich lief näher zu ihr und zog sie vom Tisch hoch.
„Vergiss es und denke nicht so viel nach, ich habe Hunger und will jetzt nicht den ganzen Abend nachgrübeln“ “Du bist also nicht sauer auf mich?“ “Nein, was hätte ich denn davon? Außerdem ist es doch nicht deine Schuld“ Sie konnte sogar schon wieder ganz leicht lächeln. „Schon gut, ich wollte es ja nur zeigen“ Sie hatte wohl vor Schreck sogar Rafa vergessen da sie sonst ja kein Wort rauskriegt wenn er in der Nähe ist.

Nachdem Sara den Schreck mit dem Bild überwunden hatte konnten wir endlich mal Essen gehen. Ich dachte schon mein Magen knurrt noch laut wenn es nicht bald was zu essen gibt. Rafa durfte noch Autogramme schreiben und Bilder mit Fans machen vor dem Hotel also dauerte es so noch länger. Ich machte mit Sara einen Bogen um die Leute und wartete mit ihr im Auto auf Rafa. Obwohl Sara doch wissen müsste das es immer so ist wenn Rafa auftaucht, sah sie total sprachlos aus dem Fenster. Hoffentlich denkt sie jetzt nicht wieder nach und verfällt in einer erneute Schockstarre. Auf dem Weg zum Restaurant sagte niemand etwas aber es war nicht weit weg vom Hotel.
Costa hatte wohl alles eingefädelt und vorbestellt da keine Panik ausbrach als wir das Restaurant betraten. Einige Leute guckten teils erschrocken, teils erstaunt aber ansonsten passierte nichts weiter. Ich war auch mehr damit beschäftigt mir auszusuchen was ich esse als darüber nachzudenken ob mich eben jemand beobachtet. Rafa saß links neben mir und Sara rechts, Toni, Carlos und Maymó uns gegenüber auf der anderen Seite. Das ist ja nur die kleine Privatrunde, oft gehen da noch Turnierveranstalter, andere Spieler und was weiß ich alles mit Essen. Das Problem mit Sara ist nur das sie wohl nix versteht von dem was gesprochen wird. Mir zuliebe redet ja niemand mallorquí wenn ich dabei bin aber Sara kann auch mit dem normalen spanisch nix anfangen.
Es ist wirklich zu viel verlangt wenn alle nur wegen ihr englisch reden sollen. Wenn etwas Wichtiges passiert, kann ich es ja ihr übersetzen. „Ich fühle mich wie im Zoo“ Kam es plötzlich von der Seite. Ich sah zu Sara rüber und musste dann lachen. „Wieso das denn?“ Sie sah geradeaus auf den Tisch und nuschelte etwas unverständlich während sie so tat als wenn nichts wäre, es sollte wohl keiner merken. „Sieh mal ganz unauffällig zum Tisch schräg gegenüber. Die beobachtet mich ständig“ Ich versuchte so unauffällig wie nur möglich meinen Blick schweifen zu lassen. Da war nix weiter, da saß nur eine Familie mit zwei Kindern. Die eine Tochter war vielleicht ungefähr 14 und die starrte ganz unverfroren zu uns rüber.
„Mache dir nix draus, die beobachtet nicht dich“ “Weiß ich aber ich fühle mich wie bei big brother“ “Das ist überall so wo Rafa auftaucht. Mich stört es schon fast nicht mehr, ich meine am Anfang habe ich mich auch immer total blöd gefühlt, als hätte ich einen Fleck irgendwo oder so“ “Zum Glück bin ich nicht bekannt. Ich dachte immer das ist nicht so schlimm und das die Leute sich nicht so haben sollen aber es nervt schon. Das erinnert mich an diese hässliche Szene vom Flughafen in Palma als Rafa letztes Jahr die Australian Open gewonnen hatte und zu Hause ankam. Wenn mich jemand ungefragt umarmen würde, könnte ich für nichts mehr garantieren“ “Das war selbst Rafa zu viel und der hat sich da eigentlich nicht so“ Ich merkte dann auch das Rafa zu mir sah und wohl auch Interesse an meinem Gespräch mit Sara hatte. „Wir reden nur über dich“ Meinte ich breit grinsend. „Ist mir nicht entgangen“ Kam es mit einem breiten Lächeln zurück. Er braucht gar nicht so zu tun, er hat doch sowieso nix verstanden von seinem Name abgesehen. „Wir werten nur eben das Palma Flughafen Desaster nach den Australian Open letztes Jahr aus“ “Erinnere mich nicht daran!“

Nach einer Weile beruhigte sich Sara dann auch wieder, ich war froh das sie wohl langsam wieder auf den Teppich kam. Nach dem Schock mit Jenny kam ja alles zusammen heute. Nachdem wir eine Weile in dem Restaurant waren und sie wohl gemerkt hat, dass Rafa nicht Allgemeingefährlich ist, entspannte sie sich wieder ein wenig. Das ist wohl immer nur der Schock wenn die Leute Rafa zum ersten Mal sehen. Nach einer Weile geht es meistens wieder, ich war ja selbst erschrocken als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Vor ein paar Wochen hätte ich mir ja nie träumen lassen mal mit Sara und Rafa an einem Tisch zu sitzen. Das erschien mir da wie ein utopisches Märchen. So könnte das von mir aus öfters gehen. Ich könnte die ganze Tour mitmachen wenn Sara dabei ist, es wird nie langweilig mit ihr. Leider geht das aber nicht und ich muss mir meine freie Zeit einteilen.
Es wäre schon spannend mal ein Jahr lang mit Rafa um den Globus zu ziehen. Hätte ich genug Geld und müsste nicht arbeiten, würde ich das sofort machen. Es gibt ja Spieler die ihre Freundinnen oder Frauen überall dabei haben. Einerseits klingt das verlockend aber auf der anderen Seite würde mir das den Boden unter den Füßen wegziehen, mein ganzes Leben würde aus den Fugen geraten. Vorerst ist es schon gut so wie es jetzt ist, ein bisschen Freiraum schadet niemandem. Aus den Gedanken gerissen wurde ich dann erst wieder als mir auffiel, dass Sara ständig und ziemlich penetrant an mir vorbei sieht. Ich sah kurz nach links, Rafa hatte seinen rechten Arm auf dem Tisch liegen und außer den Tellern gab es sonst nichts zu sehen. Erst dachte ich sie hat ihre Uhr vergessen und versucht rauszufinden wie spät es ist aber ihre Uhr war an ihrem Handgelenk.
„Was ist?“ Fragte ich sie leise da ich keine Lust hatte lange zu überlegen was los ist. „Hast du dir mal die Uhr genauer angesehen?“ Ach, das meinte sie. Wenn sie so fragt, nein ich hatte mich auch nicht so genau damit befasst. Er hat mir erzählt, dass er die von einem neuen Sponsor bekommen hat und das er damit demnächst auch spielt aber ich hatte mich nicht weiter dafür interessiert. Rafa kann schon fast einzeln aufzählen was er nicht von irgendwoher geschenkt bekommen hat. „Nein aber wenn wir schon die Möglichkeit haben…“ Ich griff nach seiner Hand und zog seinen Arm näher zu uns. „Wir gucken nur deine Uhr an“ Meinte ich gleich da er uns fragend ansah. Damit gab er sich wohl zufrieden und sah wieder zu Toni. Es scheint mir so als wenn die jetzt den restlichen Abend Fußball Ergebnisse auswerten also bin ich froh das Sara hier ist.
Zwar sahen wir die Uhr jetzt falsch rum aber ich fand da sowieso nix besonderes dabei. Für mich wäre das ja nix, die war ganz einfach schwarz mit einem Kunststoffband. Da gab es nicht mal ein Ziffernblatt, stattdessen sah man verschiedene sich drehende Zeiger und Räder. „Mhh also ich weiß ehrlich gesagt nicht was er an dem Teil findet. Das sieht irgendwie einfach aus alles“ Meinte ich so aus den Gedanken heraus und sah dann aber das betroffene Gesicht von Sara. Die sah auch erst ganz fasziniert auf die Uhr nur traute sie sich nicht zuzugreifen. „Das stimmt, eine modische Sensation ist es nicht gerade. Ich hätte aber Angst sowas teures mit mir rumzutragen“ Ich runzelte meine Stirn und sah in ihr Gesicht. „Teuer?“ Was meinte sie mit teuer?
Ich will mir kein Urteil anmaßen aber so teuer wird die schon nicht sein, außerdem hat er ja nichts dafür bezahlt. „Na ja also ich finde 500.000 schon teuer“ Im nächsten Augenblick musste ich erstmal schlucken. Hat sie eben 500.000 gesagt? „Meinst du 500.000 Yen oder was?“ Fragte ich zurück und glaubte noch an einen Scherz von ihr. „Euro, nicht Yen. Die ist limitiert auf 50 Stück weltweit und da sind irgendwelche neuartige Materialien eingebaut, kostet jedenfalls 500.000 im Laden“ Jetzt war ich aber wirklich verblüfft. “Ach du Schande! Das wusste ich wirklich nicht, er hat es mir zwar erzählt aber danach habe ich nicht gefragt. Ich dachte nicht das es so teure Uhren überhaupt gibt, da ist ja eine Rolex ein Schnäppchen dagegen, die kostet viel mehr als sein Lieblingsauto!“ “Exakt, ich dachte du wüsstest davon!“ “Ist besser das ich es nicht wusste. Ich kann nicht glauben das er eine halbe Million am Arm spazieren trägt“ Sie zog ein verräterisches Lächeln und kicherte schon so. „Also wenn du mal schnell Geld brauchst…“
Sagte sie dann ganz verschwörerisch, dass brachte mich erst Recht zum Lachen. „…klaue ich ihm die Uhr und verscheuere sie meistbietend“ Vervollständigte ich ihren Satz und konnte mich kaum bremsen vor Lachen. „Fragt sich nur ob du einen Dummen findest der das Geld dafür ausgibt. Ich meine der Materialwert ist sicher nicht so hoch. Das ist wie mit teuren Bildern, die sind erst dann soviel wert wenn es einen Dummen gibt der das Geld wirklich ausgibt dafür“ “Woher weißt du eigentlich davon?“ “Im Internet bleibt nichts lange geheim. Offiziell macht er glaube ich erst ab den French Open dafür Werbung“ “Das wusste ich sogar auch schon!“ Ist ja nicht zu fassen, dass er mir dieses kleine aber doch wichtige Detail vorenthalten hat. Oder hat er nichts gesagt damit ich keinen Schreck bekomme? Da kann ich ihn ja in einer ruhigen Minute nochmal fragen.

Als wir dann im Hotel zurück waren und alleine waren, wollte ich gleich nochmal nachhaken bevor ich es vergesse. „Warum hast du mir nicht gesagt wie viel die Uhr wert ist?“ Fiel ich gleich mit der Tür ins Haus als die Tür zu unserem Zimmer nach uns zu war. Sauer bin ich ja nicht, ich fragte aus reinem Interesse. Er sah kurz auf die Uhr und zog dann ein verlegenes Lächeln. „Ich wollte dich nicht so schocken“ “Trotzdem! Ich dachte schon Sara hat Anwandlungen weil sie so komisch guckte“ “Ich würde niemals damit rumlaufen oder spielen wenn ich wüsste, dass der reine Materialwert auch 500.000 ist. Das kommt daher weil es nur 50 Stück gibt“ “Meinte Sara auch aber das rechtfertigt es nicht. Hättest du die gekauft, würde ich dich für verrückt erklären“ “Da kann ich dich beruhigen, ich habe schon lange genug wegen dem Auto überlegt, ich hätte die mit Sicherheit nicht gekauft. So muss ich mein Geld nun nicht zum Fenster rauswerfen“
Ich sah kurz an mir nach unten und musste dann lachen, es war zu grotesk. „Die Hosen die ich eben an habe kamen gerade mal 15 Euro als ich die gekauft habe, war damals ein Sonderangebot. Für 500.000 Euro könnte ich grob überschlagen über 3300 Paar davon kaufen“ “Das sieht dir ähnlich das du so viele Klamotten kaufen würdest!“ “Teuer kaufen kann ja jeder, das ist kein Kunststück“ Rafa kam langsam näher und blieb dann direkt vor mir stehen. Ich sah in seine Augen und überlegte was das werden soll. „Willst du mir jetzt stundenlang Vorträge halten was du für 500.000 Euro alles kaufen könntest?“ Ich rollte mit den Augen und schlang meine Arme um seine Hüften, da er sowieso schon so nah vor mir stand.
„Warum? Hättest du das gerne so?“ Fragte ich ganz unschuldig zurück weil ich doch weiß, dass er das nicht hören will. Ich wollte doch nur sehen wie er sein Gesicht verzieht und lange musste ich darauf auch nicht warten. „Ich weiß das es der größte Fehler meines Lebens wäre aber ich würde zu gerne sehen was du alles kaufst wenn ich dir 500.000 Euro geben würde“ “Das kann ich dir sagen, außer Klamotten brauche ich auch immer Schuhe und Taschen in allen Varianten. Es gibt nichts Schlimmeres als wenn man keine passende Tasche zum Outfit hat. Überhaupt, wieso wäre das ein Fehler?“ “Nicht wegen dem Geld aber das Zeug muss ja dann alles irgendwo hin“ “Du kannst ja das Grundstück neben deinem Haus noch kaufen und dort für mich eine Lagerhalle bauen“ Ein paar Sekunden sah er mich andächtig an. „Du bist verrückt!“ Kam es dann entschlossen mit einem breiten Grinsen. „Gracias, das Kompliment zurück“ Antwortete ich frech.
„An deiner Stelle wäre ich vorsichtig sonst kannst du bei deiner besten Freundin übernachten“ “Das wäre kein Problem für mich. Die Frage ist wie lange es dauern würde bis du vor der Tür stehst und jammerst das ich hier schlafen soll“ “Ach so ist das, du glaubst also das ich sowieso nicht so verrückt bin dich woanders übernachten zu lassen weil ich keine Minute von dir getrennt sein kann?“ Ja, das war eine gute Zusammenfassung meiner Gedanken! Er würde mich doch niemals woanders übernachten lassen. „So in etwa“ Meinte ich ganz überzeugt. “Ok, ich habe es mir überlegt, du kannst doch hier bleiben“ Da er mich so anstrahlte, legte ich einen Arm um seine Schulter und küsste ihn kurz. „Ich wäre sowieso nicht gegangen. Ich bin vielleicht verrückt aber nicht so dumm freiwillig auf dich zu verzichten“

Am nächsten Tag konnte ich mal ausschlafen oder besser gesagt Rafa nannte es zumindest so. Er stand statt um sieben dann eben um acht auf. Da ich ihm aber ja versprechen musste mich nicht mehr aufzuregen sagte ich nichts. Nach dem doch sehr interessanten Abend gestern wäre es mir lieber gewesen wenn er noch eine Weile im Bett geblieben wäre aber damit war es nichts. Es ist immer das gleiche, abends kann er es kaum erwarten ins Bett zu kommen und am nächsten Tag steht er in aller Frühe auf. Er hatte ja auch am Freitag verkündet, dass er nicht trainiert vor dem Finale, das sah heute schon ganz anders aus. Ich saß noch im Bett als er aus dem Bad kam und versuchte nicht gleich wieder einzuschlafen.
„Musst du wirklich schon weg?“ Fragte ich etwas hilflos aber ich kannte die Antwort sowieso schon. Er kam näher und setzte sich neben mich auf die Bettkante. „Ich bin nicht lange weg, wir können morgen bis Mittag im Bett bleiben“ Langsam musste ich lächeln. „Versprochen?“ Er küsste mich kurz am Hals und zog dann das unwiderstehliche Lächeln. “Versprochen!“ Mhhh, also das klang doch schon richtig gut! „Ok, dann verschwinde!“ Meinte ich nur und gab es auf. Er küsste mich kurz und stand auf. „Bis später“

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