Eigentlich wollten wir auf Rafa warten und dann zusammen zum Hotel fahren aber er tauchte nicht mehr auf, wahrscheinlich dauert die Pressekonferenz heute länger. Es war schon bald um acht also gaben wir es auf und fuhren alleine zum Hotel zurück. Ich machte es mir alleine im Bett bequem und war froh mal ein bisschen Ruhe zu haben nach dem turbulenten Abend. Zwar hatte ich nicht geplant jetzt den ganzen Abend fernsehen zu gucken aber zumindest bis Rafa hier ist kann ich ja gucken. Ich zappte ein bisschen durch die Kanäle und blieb bei einem Musiksender hängen. Kaum war ich durch mein Handy kurz abgelenkt, ertönten die ersten Takte von Gypsy.
Ich traute erst meinen Ohren nicht und sah dann wieder zum TV. Es fiel mir schwer nicht gleich nach der Fernbedienung zu greifen um umzuschalten. Das fehlte mir jetzt gerade noch. Jetzt lief es aber sowieso schon und ich kann nicht wegsehen wenn ich Rafa sehe. Außerdem merkt ja jetzt keiner, dass ich es sehe. Ich war schon stolz auf mich das ich in den letzten Monaten erfolgreich einen Bogen darum gemacht hatte und jetzt kommt das hier! Wegschalten kann ich dann ja immer noch oder wegsehen also versuchte ich entspannt zu bleiben. Erstaunlicherweise hielt ich es bis zum bitteren Ende aus und holte dann erstmal tief Luft. In der fertigen Version sieht es natürlich nochmal anders aus als ich es gesehen habe. Besonders glücklich bin ich nicht über das Ende aber es ist jetzt auch egal.
Ich habe mich schon lange genug darüber aufgeregt und inzwischen stehe ich da drüber. Ich sehe mich lieber selbst in der Rolle die Shakira da spielt. Vielleicht habe ich mich da wirklich in etwas verrannt und völlig unnötig Panik erzeugt.
So lange konnte ich auch nicht nachdenken weil sich Rafa inzwischen die Ehre gab und erschien. „Auch schon da?“ Fragte ich vom Bett aus und zog ein breites Lächeln. „Hast du etwa auf mich gewartet?“ Kam es zurück bevor er sich neben mir auf dem Bett längs fallen ließ. „No, wie kommst du darauf das ich wegen dir hier bin?“ Fragte ich zurück mit hochgezogenen Augenbrauen. Im nächsten Moment drehte er sich auf die Seite und umarmte mich dann. „Die Fragen waren heute besonders dumm“ “Es war ja auch ein besonderes Spiel. Ich dachte echt ich bekomme einen Herzinfarkt!“ “Ich wollte es so auch nicht, das kannst du mir glauben. Zwar habe ich sowas erwartet aber es war dann doch ziemlich eng. Mich wundert es das ich überhaupt gewonnen habe, denn eine Glanzleistung war das mit Sicherheit heute nicht aber ich freue mich natürlich im Finale zu sein“ “Ob du gut warst oder nicht ist jetzt egal, ich freue mich das du es am Ende doch noch geschafft hast“ Sein Lächeln ging im nächsten Augenblick vom einen Ohr zum anderen und ich bekomme immer weiche Knie davon.
„Das klingt wirklich gut wenn du es sagst“ Wenn er sich so freut, könnte ich schmelzen. In meinem Bauch kribbelt es richtig, das Gefühl hatte mir richtig gefehlt die letzten Wochen. Mir wurde da wieder klar, wie knapp es wirklich war. Um Haaresbreite hätten wir uns nie wieder gesehen, ein fürchterlicher Gedanke und das alles nur weil Rafa mindestens genauso stur ist wie ich. Die Stimmung wandelte sich langsam von der Ausgelassenheit hin zum Ernsten. Ich hatte das dringende Gefühl ihm nochmal sagen zu müssen, dass ich es wirklich zu schätzen weiß, dass er mir sozusagen noch eine Chance gibt. „Ich bin wirklich froh, dass wir wieder zusammen sind. Die ersten Tage nach Barcelona waren nicht schön. Ich habe dich schon vermisst als ich noch gar nicht zu Hause war. Irgendwie wird mir jetzt erst so richtig klar wie knapp es alles war, ich hätte es möglicherweise den Rest meines Lebens bereut wenn das so mit uns auseinander gegangen wäre“ Ich sah schon das er damit nicht gerechnet hatte, sein Lächeln verschwand dann nach und nach.
„Mir wurde auch erst viel zu spät klar, dass es vielleicht der falsche Weg gewesen ist. Zum Glück hat Maymó sich eingemischt. Ich finde es nicht gut was er gemacht hat aber am Ende bin ich froh das er reagiert hat. Das du jetzt hier bist ist der beste Beweis dafür. Natürlich freue ich mich morgen im Finale zu sein. Nach fast einem Jahr ohne Turniersieg hat Monte Carlo richtig gut getan und es wäre sehr schön hier auch zu gewinnen aber ich freue mich fast mehr darauf mit dir ein paar Tage alleine zu sein. Mir nützen alle Turniersiege nichts wenn ich es nicht mit dir teilen kann. Meine Familie und Freunde freuen sich ja auch aber das ist etwas anderes“ Wenn er nicht gleich aufhört, werde ich noch rot, mir wurde es schon warm im Gesicht. Klar fühle ich mich da geschmeichelt. Wenn Rafa spielt, kommt er immer ziemlich abgeklärt rüber aber die Person auf dem Platz hat nicht viel mit dem privaten Rafa gemeinsam.
„Dafür liebe ich dich“ Ich dachte ja sein breites Lächeln kommt gleich aber er machte ein verwirrtes Gesicht was mich noch mehr zum Schmunzeln brachte. „Wofür?“ Fragte er auch gleich. „Dafür das du eine Grenze ziehen kannst zwischen dem hier und deinem Leben in Porto Cristo. Dein Leben ist nicht wirklich so normal wie du es gerne siehst aber gemessen an dem was du machen könntest ist es noch langweilig. Ich meine du könntest ja Geld in Bündeln aus dem Hotelzimmer werfen einfach aus Spaß“ Immerhin erschien sein Lächeln dann wieder. “Das ist eine tolle Idee! Ich gehe gleich zur nächsten Bank und hole 10.000 Euro in bar“ Das war durchaus mein Ernst gewesen aber ich hätte ahnen können das er es ins lächerliche zieht, mir bleibt keine Wahl als mit dem Kopf zu schütteln. „Du bist wie ein Kleinkind manchmal!“ Er fand das aber gar nicht schlimm, im Gegenteil, sein Lächeln wurde noch breiter.
„Da musst du durch wenn du mit mir zusammen sein willst“ Ich legte einen Arm um seinen Hals und zog ihn näher zu mir, inzwischen lag er halb über mir und grinste mich breit an. „Ich schenke dir ein ferngesteuertes Auto zum Geburtstag oder willst du lieber einen Titanic Modellbausatz?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und übertrieben ernst. Bevor ich wusste was los war küsste er mich kurz und grinste dann weiter. „Also wenn du so direkt fragst, hätte ich gerne was anderes von dir“ Bei dem Gesicht das er eben machte, muss er gar nichts weiter sagen. Ich sagte nichts sondern rollte nur mit den Augen aber das hielt ihn nicht davon ab mich am Hals zu küssen. Seine Haare kitzelten nur an meinem Hals also musste ich kichern und versuchte ihn von mir fernzuhalten nur war er ziemlich hartnäckig. „Höre auf!“ Versuchte ich streng zu sagen aber es interessierte ihn gar nicht. Das er rausfindet das ich kitzelig bin darf auf keinen Fall passieren weil ich mich sonst nicht mehr beherrschen kann und er das dann ständig ausnutzt. Es artete etwas aus denn es war nicht mein Plan, dass wir uns quer über das Bett wälzen und das ich vor ihm flüchten muss, mir tat nur schon alles weh vom Lachen und ich versuchte ihm zu entkommen.
Er gab erst auf als er auf dem Rücken lag und ich über ihm. So bekam ich auch seine Hände zu fassen und er konnte mich nicht mehr kitzeln. „Ich wusste gar nicht das du so kitzelig bist“ Meinte er dann auch gleich breit grinsend. „Gibst du auf?“ Fragte ich um sicher zu gehen. „Ich verspreche es“ Meinte er dann mehr oder weniger überzeugend also ließ ich seine Hände wieder los und lehnte mich näher zu ihm. Seine Haare waren total zerwühlt also strich ich ihm mit einer Hand vorsichtig ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Dabei kam ich ihm aber zu nah und es knisterte schon die ganze Zeit zwischen uns. Ich konnte nicht anders und musste ihn einfach küssen. Leider währte die Freude nur sehr kurz da plötzlich jemand an der Tür klopfte. Ich dachte echt das kann jetzt nicht wahr sein! Eigentlich wollte ich das Ignorieren aber leider war die Stimmung im Eimer also holte ich tief Luft und setzte mich dann wieder hin. „Na super!“ Meinte ich dann gefrustet mehr zu mir selbst. „Alles hat sich gegen uns verschworen“ Kam es von hinter mir.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und musste plötzlich lachen. „Wir gegen den Rest der Welt, ich glaube es gleich!“ Da es jetzt egal war, stand ich auf und lief zur Tür. Da es nur einmal geklopft hatte, tippe ich auf Sara und bingo, sie strahlte mich breit an als ich die Tür öffnete. „Komme ich ungelegen?“ Fragte sie auch gleich und sah über meine Schulter ins Zimmer. Wie gut, dass sie die Frage auf deutsch gestellt hatte sonst hätte Rafa sich vielleicht noch zu einem Kommentar hinreißen lassen. „Ach was“ Sagte ich nur als Antwort. „Hast du heute Abend noch etwas vor? Ich meine, ich will euch nicht stören“ Ich drehte mich um und sah zu Rafa, er war immerhin schon vom Bett aufgestanden. „Haben wir heute Abend schon etwas vor?“ Fragte ich laut damit er merkt, dass ich mit ihm rede. Er kam näher und blieb hinter mir stehen.
Ich sah schon wie Sara schluckte aber sie blieb noch ganz locker, ich stand ja praktisch auch zwischen ihr und Rafa. „Toni und Carlos wollen chinesisch Essen gehen, wir können ja mitgehen“ Kurz überlegte ich mir das. Ist vielleicht keine schlechte Idee, wenn ich mit Rafa und Sara alleine Essen gehe ist sie doch das fünfte Rad am Wagen. „Willst du mit chinesisch Essen gehen? Also Toni und Carlos Costa kommen noch mit“ Übersetzte ich das Ganze dann noch für Sara und sah sie fragend an. „Wenn es niemanden stört schon“ Das sie sich die Chance nicht entgehen lässt war ja auch klar! Wir machten noch eine Zeit aus und sie verschwand dann wieder.
Ich machte die Tür dann wieder zu und gab die Hoffnung das Rafa mal eine Weile nichts zu tun hat auf. Kaum ist er hier, klingelt entweder sein Handy oder es ist jemand an der Tür. Soll ich ihm jetzt sagen das ich Gypsy eben gesehen habe? Auf seine Reaktion bin ich schon gespannt und wer weiß ob wir heute Abend nochmal auf das Thema zu sprechen kommen. Erstmal lief ich zum Bett zurück und wartete bis Rafa wieder erscheint weil er ins Bad verschwunden war. „Was ist?“ Fragte er auch gleich als er aus dem Bad kam und mich auf dem Bett sitzen sah. „Nichts“ Antwortete ich nur mit einem vorsichtigen Lächeln. Er setzte sich neben mich und nahm meine Hand in seine. „Ich kann auch nichts dafür, dass ständig jemand stört aber wir haben ja Übermorgen unsere Ruhe“ Das brachte mich noch mehr zum Schmunzeln.
„Daran dachte ich eben nicht“ “Nicht?“ Fragte er gleich etwas überrascht zurück. Ich lehnte mich seitlich an ihn und überlegte was ich sage, ich will nicht das wir wieder streiten deswegen. „Gypsy kam vorhin“ Sagte ich nur und wartete auf seine Reaktion. „Das Video ?“ Fragte er vorsichtig zurück. Ich nickte mit dem Kopf und sah schon das er etwas ins Schwitzen geriet. „Muss ich in Deckung gehen?“ Fragte er nur mit einem gequälten Lächeln. Hat er so eine Angst vor mir? Ich konnte da nicht länger ernst bleiben und musste kichern. „Sei nicht albern!“ Ein paar Sekunden sagte dann niemand etwas. Die Stimmung war aber bei weitem nicht so angespannt wie damals in Barcelona. „Und was sagst du dazu?“ Traute er es sich dann nach einer Weile zu fragen. „Deine weiblichen Fans werden sich sehr darüber gefreut haben, die haben doch schon immer davon geträumt dich so zu sehen. Eigentlich ist es wirklich gut geworden, wenn man bedenkt das du kein Schauspieler bist. Ich hätte ein anderes Ende bevorzugt aber ich will jetzt nicht wieder Theater machen wegen dem einen Kuss“ Sein Gesicht entspannte sich sichtbar im nächsten Moment. „Ich finde eigentlich auch das es gut geworden ist, ich stehe dazu das ich das gemacht habe. Es war mal was ganz anderes als die normalen Werbespots und ich habe das mit dem Kuss sicher nicht gemacht weil ich dich ärgern wollte. Das es dir egal ist habe ich nicht erwartet aber mit der Art Konsequenzen hatte ich nicht gerechnet sonst hätte ich es nicht gemacht“ Da er mich deprimiert ansah, musste ich schon wieder darüber lachen und umarmte ihn.
„Es lief eben dumm, ich weiß das ich erst gesagt habe das ich dich nicht davon abhalten will aber es kommt manchmal anders als man denkt. Was ich wirklich schade finde ist das wir so lange keinen Kontakt hatten. Wir hätten ja auch nach einer Woche wieder reden können oder so, dass hätte deinem Physio eine Menge Stress erspart“ Sein Lächeln kehrte sofort zurück. „Nett von dir das du dir solche Gedanken um Maymó machst. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken das du ja ein sehr großes Interesse an ihm hast“ Ja ja, das fehlte jetzt noch das er mir unterstellt das ich auf Maymó scharf bin. “Das täuscht, ich meine er ist genauso oft weg wie du, da hätte ich ja nicht viel gekonnt oder?“ Rafa tat so als wenn er überlegen würde und nickte dann übertrieben mit dem Kopf. „Wenn du es von der Seite betrachtest stimmt das natürlich“ Ich konnte nicht mehr ernst bleiben und zwickte ihn in die Seite.
„Du spinnst aber man gewöhnt sich an vieles“ “Gleichfalls“ “Außerdem liebe ich dich. Aus welchem Grund sollte ich es dann auf Maymó abgesehen haben?“ “Das kann man nie so genau wissen“ Meinte er feixend also schlug ich scherzhaft nach ihm und stand auf. „Lass uns Essen gehen“
Fast pünktlich auf die Minute halb neun stand ich mit Rafa bei Sara vor der Tür. Wir wollten ja essen gehen und müssen jetzt erstmal alle Leute zusammensuchen. Kaum hatte ich an der Tür geklopft, ging sie auch schon auf von innen. „Bist du fertig?“ Fragte ich gleich gut gelaunt ohne abzuwarten was sie sagt. Sie sah mich etwas merkwürdig an und machte einen zögerlichen Eindruck auf mich. Etwas war los, ich sehe es ihr förmlich an. „Na ja, eigentlich schon aber ähhm hast du ganz kurz Zeit?“ Na jetzt wurde ich aber neugierig, ich sah kurz zu Rafa, er war mit seinem Handy beschäftigt und schien zu warten bis Sara erscheint. „Jetzt? Hat das nicht bis später Zeit?“ Fragte ich zurück. Sie sah mich schon fast mit einem flehenden Blick an, da kann man Angst bekommen. Mir entging nicht das sie unter Strom steht, warum auch immer.
„Dauert nicht lange, ich will dir nur was zeigen“ Na schön, wenn es ihr so wichtig ist, ein paar Minuten haben wir nun auch noch Zeit. „Gut aber beeile dich“ Sie drehte sich um und lief in ihr Zimmer zurück. Rafa merkte nichts und er hat ja auch nix verstanden also zog ich an seinem Ärmel und gab ihm zu verstehen, dass er mitkommen soll. Wir müssen ja nicht alles auf dem Gang klären. Erwartungsgemäß zog er ein fragendes Gesicht aber es war keine Zeit für Erklärungen. Sara drehte ihr Notebook zu uns um und im nächsten Moment sah ich mich selbst und Sara im Internet. Das war ein Bild von vorhin aus der players box, war doch klar das es davon Bilder geben würde. Die Aufregung verstand ich immer noch nicht. Ich sah kurz neben mich aber Rafa schien auch nichts zu verstehen. „Was ist so schlimm daran?“ Fragte ich dann da ich mir keinen Reim darauf machen konnte.
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