25 May 2010

Chapter 48 - Rom

Rom – April 2010

Kaum zwei Wochen nach dem Monaco Trip war ich wieder am Flughafen und dieses Mal nicht alleine! Natürlich hatte ich Sara doch gefragt ob sie mitkommt und ich hätte nicht fragen brauchen weil das doch sowieso schon feststand. Wie erwartet glaubte sie mir erst nicht als ich sie fragte und dann stimmte sie zu ohne eine Sekunde darüber zu überlegen. Die rastete total aus, ich bekam schon Angst was sie dann erst aufführt wenn sie Rafa wirklich sieht. Der entscheidende Unterschied ist ja das sie dann nicht eine von vielen ist die als Zuschauer gucken wie er trainiert.
Ich bin ja mal gespannt was passiert wenn wir in Rom sind. Sie wusste auch nicht das Rafa die Idee hatte das sie nach Rom kommen soll, dass hätte sie nicht verkraftet und sie weiß auch noch nicht das wir in der Player Box sitzen wenn Rafa spielt. Sie glaubt noch, dass ich normale Karten habe ab sie würde wohl auch ganz weit oben in den Rängen sitzen, Hauptsache Rafa spielt. Es war auch nicht zu überhören wie sie sich freute als ich ihr sagte das es vielleicht doch noch sowas wie ein happy end gibt mit Rafa. Wäre ich bösartig, würde ich ihr unterstellen, dass sie alles Mögliche getan hätte um mich davon zu überzeugen Rafa eine Chance zu geben weil sie ja auch nicht leer ausgeht. Sie schreibt sich jetzt sicher groß auf die Fahnen, dass sie mich überredet hat nach Monaco zu fahren. Maymó hätte es alleine nie geschafft mich zu überzeugen und Rafa selbst schon gar nicht.

Es wäre zwar nicht nötig gewesen weil Rafa ab und zu sowas erlebt aber ich habe ihm vorsichtshalber gesagt, dass er sich nicht wundern soll wenn sie sich absonderlich verhalten sollte. Vielleicht starrt sie ihn ja nur mit großen Augen an und gibt undefinierbare Laute von sich? Es ist ihr ja jetzt auch superpeinlich was sie da in Porto Cristo gemacht hat. Hoffentlich fällt sie nicht vor Rafa auf die Knie und entschuldigt sich. Noch ist es aber nicht so weit, als es endlich losging, sind es immer noch zwei Stunden Flug bis wir in Rom landen. Aufgeregt war ich auch schon, ich freute mich richtig Rafa dann gleich zu sehen.
In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht ausmalen können, dass ich mal mit ihr nach Rom fliege um Rafa zu sehen. Mir schien es schon fern jeglicher Realität, dass ich überhaupt mal in die Situation komme es nicht erwarten zu können Rafael Nadal zu sehen. Jetzt fliegen wir praktisch beide aus demselben Grund nach Rom! Dort war ich auch noch nie aber ich werde wahrscheinlich nicht viel sehen von der Stadt. Wenn wir sehen wie Rafa ein weiteres Turnier gewinnt, reicht das schon aus.

Ich war schon richtig hibbelig als wir endlich da waren. Jetzt kann das Abenteuer beginnen! Unsere Koffer waren zum Glück auch da also liefen wir zum Ausgang und hielten nach unserem Abholservice Ausschau. Dank Rafa konnten wir den Fahrservice der Spieler nutzen und mussten uns um nichts kümmern sonst wüssten wir gar nicht wie wir vom Flughafen zum Hotel kommen. Ich sah aus dem Fenster und hoffte, dass es nicht mehr lange dauert. Gelegentlich ließ ich meinen Blick nach links schweifen. Sara war plötzlich ganz ruhig und sagte gar nichts mehr. Ich beobachtete sie nur und sagte nichts. Vielleicht realisiert sie ja langsam, dass sie gerade die Seiten wechselt vom normalen Fan zum Insider. Ich kann wirklich nur ansatzweise erahnen was in ihr vorgeht.
Für mich war es zwar auch anfangs alles neu aber ich habe mich nicht jahrelang damit so intensiv beschäftigt und erlebe plötzlich Dinge die ich früher nur aus dem Fernsehen oder Internet kannte. Hätte ich Rafa auch jahrelang angebetet, hätte ich keinen klaren Satz rausgebracht als ich ihn gesehen habe daher bin ich fast froh, dass ich mich vorher nicht damit beschäftigt habe. Es muss für sie fast schon langweilig sein wenn sie Rafa einfach so sehen kann ohne vorher alles exakt planen zu müssen. Die ganze Spannung ist dann weg ob es auch alles klappt am Ende.

Grund zur Aufregung bestand aber vorerst nicht weil Rafa gar nicht im Hotel ist. Ich hatte ja kaum mein Handy wieder angeschaltet als er sich meldete und sagte, dass er noch trainiert. Er hatte ja heute auch schon ein Match gespielt aber es war vergleichsweise einfach das Halbfinale zu erreichen. Wenn er das so sagt, wird es schon stimmen. Es wäre auch zu Dumm gewesen wenn wir hier sind und er heute gescheitert wäre, dann hätten wir gleich wieder abreisen können. Nach den letzten Wochen erwarte ich jetzt, dass er auch gewinnt. Das er nicht im Hotel ist, hat auch Vorteile da kann ich ein bisschen was aus meinem Koffer räumen. Wir hatten ja ein Doppelzimmer aber sie fragte nicht weiter nach als ich ihr eröffnete, dass sie sich ruhig ausbreiten kann weil ich nicht in dem Zimmer schlafen werde. Ich ließ sie also alleine und lief zu dem Zimmer das Rafa hat. Es war auch nicht zu übersehen das er schon ein paar Tage hier ist.
Er hat Unmengen an Schuhen und Sachen überall verteilt. Die Schuhe waren alle blau aber die restlichen Sachen hatten alle möglichen Farben. Ich weiß ja, dass er zurzeit in blau und gelb spielt aber zum Trainieren zieht er alles Mögliche an. Es sieht zwar chaotisch aus aber ich bin froh das zu sehen weil das immer bedeutet, dass Rafa nicht weit weg ist. Das komische ist das in dem Haus in Porto Cristo immer Ordnung herrscht und wenn er unterwegs ist, schafft Rafa innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Chaos. Seine Mutter hat mal gemeint, dass sie gelegentlich aufräumt in dem Haus in Porto Cristo, was ich erst für einen Scherz hielt aber vielleicht stimmt das ja wirklich. Mir kribbelt es dann immer in den Fingern wenn ich das sehe, am liebsten würde ich gleich mal gründlich aufräumen. Dann regt er sich aber nur wieder auf weil das angeblich alles seinen Sinn hat.

Kurz sah ich mich im Zimmer um und verschwand dann ins Bad um dort diverse Kosmetikartikel zu verteilen. Ich bin schon auf den Schrei gespannt wenn er sieht, dass ich sein Zeug alles zur Seite gerückt habe um Platz zu schaffen. Große Bäder sind doch sowieso für Frauen gedacht. Kaum hatte ich alles feinsäuberlich aufgereiht, hörte ich die Tür vom Zimmer auf und kurz darauf wieder zu gehen. Automatisch sah ich auf meine Uhr, es war kurz nach fünf, ich denke er trainiert noch ewig? Im nächsten Augenblick stand Rafa in der Tür und sah mich mit großen Augen an. Mein Puls beschleunigte gleich als ich ihn sah, darauf freute ich mich seit fast zwei Wochen! „Was machst du da?“ Fragte er dann aber mit einem entgeisterten Gesicht und sah zum Waschbecken. Ich wusste doch, dass er so reagiert also rollte ich nur mit den Augen und blieb stehen.
„Ich freue mich auch dich zu sehen“ Sagte ich trocken und dachte nur, typisch Mann! Kaum eine Sekunde später erschien das breite Lächeln und er kam langsam näher. „Es tut mir leid, ich war nur überrascht. Klar freue ich mich das du hier bist“ Bevor ich dazu kam etwas zu antworten, umarmte er mich also schlang ich auch meine Arme um ihn. Worte waren da überflüssig, wir können ruhig länger so stehen bleiben wenn es nach mir ginge. In meinem Bauch fing es wieder an so herrlich zu kribbeln, bestimmt habe ich eben einen Puls von 180. „Ich dachte du trainierst noch?“ Fragte ich ihn dann und ließ meine Arme gleich um seinen Hals liegen. „Habe ich doch auch. Irgendwann reicht es auch mal außerdem wusste ich, dass du hier bist“ “Und was heißt das? Kannst du keinen klaren Gedanken fassen oder wie?“ Fragte ich und musste kichern. “Ich weiß auch nicht woran das liegt. Außerdem hatte ich gar keine richtige Ruhe weil ich genau wusste, dass du als erstes ins Bad rennst und alles umräumst“ “Ich tue es nur weil ich weiß das es dir gefällt“ Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. “Du bist gemein zu mir aber ich bin es schon gewohnt“ Ich küsste ihn kurz und löste mich dann aus seiner Umarmung.
„Mir kommen gleich die Tränen, geh‘ doch zu Maymó und heule dich bei ihm aus. Er glaubt anscheinend, dass meine Anwesenheit die Lösung aller Probleme ist. Man kann sich täuschen!“ “Das kommt nur davon, dass er sich einbildet mich zu kennen“ Ich räumte weiter Zeug aus meiner Kosmetiktasche und beachtete Rafa nicht weiter aber er verschwand nicht sondern er blieb stehen und sah mir zu. „Außerdem löst deine Anwesenheit sicher nicht alle Probleme aber die wichtigsten“ Ich sah über den Spiegel zu ihm und sein dämliches grinsen sagte schon alles also rollte ich nur mit den Augen. Warum werde ich nur das Gefühl nicht los, dass Tennis bei ihm an zweiter Stelle steht? „Ist es wirklich so ein großes Problem das du alleine schlafen musst?“ “Nach ein paar Wochen schon“ Kam es gleich zurück. Ich drehte mich um das ich ihn direkt ansehen konnte und musste mir ein blödes feixen verkneifen. „Ich dachte eigentlich, dass du inzwischen bemerkt hast, dass du mit deinen Händen auch noch mehr machen kannst als nur Tennis spielen“ “Ich habe keine Ahnung was du meinst“
Er sagte das so überzeugend das man es fast glauben könnte. Die Presse kann er so vielleicht verarschen aber mich schon lange nicht mehr. Dazu lächelt er noch so unschuldig als wenn er kein Wässerchen trüben könnte. „Und die Erde ist eine Scheibe“ Meinte ich nur mit einem sarkastischen Augenrollen.

Er kam wieder näher zu mir und umarmte mich von hinten. „Gehen wir heute Abend Essen? Ich meine alleine“ Ich lehnte mich etwas nach hinten und legte meine Hände über seine Arme. Das Bild wie er mich umarmt sah wirklich gut aus im Spiegel und seine Frage klang auch wirklich verlockend aber es gibt da einen Haken. „Und Sara?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. „Habe ich total vergessen“ Kam es leise. In der nächsten Sekunde verging ihm das Lachen, wie ich über den Spiegel sehen konnte. Sein Gesicht war so herrlich, dass ich jetzt lachen musste. „Wir werden unser romantisches Dinner also entweder ein paar Tage verschieben müssen oder dir fällt etwas ein wie wir sie loswerden“ Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und sah mich mit so einem Bettelblick an den ich nicht ertragen kann. Leider standen wir vor dem Spiegel sonst würde ich ihn jetzt gar nicht sehen. „Kannst du ihr nicht sagen, dass wir unsere Ruhe haben wollen? Sie kann doch zu den Matches kommen und von mir aus auch zum Training aber ich will auch mal eine Weile mit dir alleine sein und das nicht nur hier im Zimmer“
Er macht es mir wirklich nicht einfach. Natürlich kann ich verstehen, dass er nicht ständig noch jemanden dabei haben will. Mir geht es ja auch so, ich habe ihn ja eine Weile nicht gesehen und wäre nur zu gerne mit ihm alleine aber jetzt ist Sara hier. Ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen wenn sie erst hier mit herkommt und wir uns dann nicht mehr sehen. Das klang aber zu gut mit dem Essen! Ich drehte mich in seinen Armen um und holte tief Luft. „Mir fällt schon was ein wie wir sie loswerden. Ich fühle mich nur komisch wenn ich erst sage sie soll hier her kommen und dann jeder seins macht“ “Du siehst sie doch den ganzen Tag, sie wird wohl mal eine Weile auf dich verzichten können. Als ich sagte, dass sie hier her kommen kann meinte ich damit nicht das ich sie ständig sehen will“ Es war auch unfair, wenn er mich umarmt kann ich doch nicht nein sagen. Er ist nicht nur schön warm, er riecht auch richtig lecker. Je länger ich über ihn nachdenke, umso schwerer fällt es mir einen klaren Gedanken zu fassen.
Da ich jetzt nicht länger über Sara nachdenken wollte, schloss ich meine Augen und legte meinen Kopf an seine Schulter. Seine Hände auf meinem Rücken waren aber nicht beruhigend sondern das Gegenteil trat ein. Wenn er mir so nahe ist, komme ich nur auf unanständige Ideen und dabei bleibt es meistens auch weil er bestimmt noch wohin muss. Es ist schon frustrierend immer nur ein bisschen zu bekommen, wenn ich mich nicht beherrsche, wäre ich schon längst über ihn hergefallen.

17 May 2010

Chapter 47

Ich fuhr zurück zum Hotel und bestellte mir erstmal was Kaltes zu trinken. Das war ja um Haaresbreite nochmal gut gegangen. Vielleicht hätte ich die Tür abschließen sollen aber dann hätte er vielleicht an der Tür gehämmert. In dem Moment verschwendete ich keinen Gedanken daran wo wir eben sind, ich war gedanklich schon über die Küsse hinaus. Leider tauchte dann Maymó auf und zerstörte alle Hoffnungen. Immer nur ein bisschen zu bekommen ist noch schlimmer als gar nichts. Ich schätze mal Rafa wird Maymó verfluchen und ihn antreiben das er sich ein bisschen beeilen soll.
Es wird nicht lange dauern das Rafa hier erscheint. So auf Teufel komm raus macht es aber auch keinen Spaß, Sex auf Bestellung ist total langweilig. Viel Zeit ist auch nicht mehr, ich hatte schon alles eingepackt und warte praktisch nur auf den Abflug. Das Wochenende war doch sehr kurz gewesen aber dafür total aufregend. Es dauerte eine Weile bis ich wieder ruhig wurde und nicht dachte das ich auch gleich laut schreiend umher renne so wie Sara das gelegentlich tat bei Turniersiegen. Wenn ich heute Abend zu Hause bin, werde ich sicher kein Auge zumachen.

Eben stand ich auf dem Balkon und dachte über das turbulente Wochenende nach als Rafa neben mir erschien. „Auch schon hier?“ Fragte ich und sah auf meine Uhr. Das Lächeln was ich sehen wollte kam auch gleich. „Jetzt ja, mein Physio braucht nicht nur besonders lange bei den Massagen, er hat auch das Talent im blödesten Moment zu erscheinen. Das hat er mit meiner Mutter gemeinsam“ Ich musste kichern und nickte mit dem Kopf. “Du wusstest doch das er irgendwann auftauchen würde“ “Schon aber hätte es nicht zehn Minuten später sein können?“ “Das möchte ich mir nicht ausmalen“ Wer weiß in welch prekärer Lage er uns dann erst vorgefunden hätte! Auf Zuschauer stehe ich nun nicht so. Alleine bei dem Gedanken wird mir übel.
“Nun ist es auch egal“ Meinte er mit einem übertrieben frustrierten Gesicht. Ich musste lachen und schüttelte mit dem Kopf. Es scheint ihn ja alles ziemlich zu beschäftigen. Das Maymó praktisch dazwischen kam scheint ihn mehr zu kümmern als der Turniersieg. Kann er an gar nichts anderes mehr denken? Ich beschloss nur so aus Spaß mal darauf einzugehen. „Du musst das von einer anderen Seite sehen. Wir haben uns ja eine Weile nicht gesehen, da macht eine Woche mehr oder weniger doch auch nichts mehr aus. Rom ist doch in zwei Wochen und da werden wir uns schon etwas länger sehen“ Sagte ich mit einem amüsierten grinsen und wartete gespannt auf seine Antwort. Ich bin mir sicher, dass er darauf einsteigen wird. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Brüstung und verschränkte seine Arme vor dem Bauch. „Ihr Frauen versteht das nicht. Was denkst du wieso ich so viel Tennis spiele?“ Kam es ganz ernst. Im nächsten Augenblick prustete ich laut los und hielt mir dann eine Hand vor den Mund. Das ist die Spitze! Der Scherz war echt gut. Will er mir weismachen, dass er Sexsüchtig ist und den Entzug dann durch Tennis kompensiert?
„Du meinst also das du gewinnst liegt nicht daran das du einfach nur viel trainierst?“ Fragte ich weiter und hatte Mühe dabei ernst zu bleiben. Wenn es so ist das er nur gut spielt wenn wir uns eine Weile nicht sehen, dann ist das ganz ungünstig weil ich nicht plane wieder zwei Monate zu warten um ihn mal zu sehen. „Das ist nicht komisch“ Meinte er mit einem strengen Blick aber ich ließ mich nicht einschüchtern. „Doch! Entspanne dich doch mal. Es ist blöd das ich nur zwei Tage hier bin, mir passt es auch nicht aber es ging nicht anders“ Etwas entspannte sich sein Gesicht dann aber doch wieder. „Ich sage nichts mehr, Porto Cristo ist schon ewig her. Kommt mir vor wie zwei Jahre“ Er spielte wohl auf die letzte Nacht als ich dort war an, dass war ziemlich genau vor zwei Monaten. In Barcelona hatte ich ihn ja elegant abblitzen lassen und danach sahen wir uns ja nicht mehr. „Denke an etwas anderes“ “Will ich vielleicht gar nicht“ Kam es mit einem etwas zu breiten Lächeln zurück.

Ich beließ es vorerst dabei da es nichts bringt, wenn wir das könnte und vielleicht bis ins endlose auswalzen. Davon ändert sich auch nichts und er wird nur noch frustrierter, er muss sich eben bis Rom gedulden. „Hast du Gypsy eigentlich mal gesehen als fertiges Video?“ Ich war etwas überrascht und sah ihn an, sein Lächeln von eben war wieder verschwunden. Er sah ziemlich entschlossen aus und schien auf meine Antwort zu warten. In meinem Bauch wurde es gleich wieder unruhig, ich hatte geahnt, dass er irgendwann nochmal damit anfängt. Der Sieg hat sein Ego wohl ziemlich gepusht. „No“ Sagte ich nur und holte tief Luft. Er sah von mir weg und ließ seinen Blick über das Meer schweifen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er einen Ansatz sucht um darüber zu reden. Ein bisschen kenne ich ihn ja, er traut sich vielleicht nicht das Thema anzuschneiden weil er denkt, dass ich wieder ausflippe. „Ich kann ehrlich gesagt bis heute nicht nachvollziehen warum du so ausgeflippt bist ohne es gesehen zu haben. Ich habe es nur deshalb gemacht weil ich dachte das es kein Problem ist“ Kam es dann leise ohne das er mich ansah. Ich schluckte und wusste nicht sofort was ich sagen soll. Natürlich hat er Recht wenn er meint, dass mir kein Urteil zusteht ohne das ich es komplett gesehen habe.
Jetzt fühlte ich mich gleich richtig schlecht. Warum musste er auch die Stimmung versauen? „Ich weiß nicht warum ich so ausgeflippt bin“ Sagte ich dann leise und sah nach unten. Darüber hatte ich schon mehrfach nachgedacht und ich weiß wirklich nicht wie es dazu kam. War vielleicht doch ein bisschen Eifersucht obwohl er mir keinen Grund dazu gegeben hat. Ich habe keinen Zweifel daran, dass er wirklich nur mit Shakira befreundet ist. Es ist ja nicht nur Shakira, ich weiß doch das noch wesentlich mehr Leute Interesse an ihm haben und ich hätte mich nie auf ihn eingelassen wenn ich das Gefühl gehabt hätte das er es nicht ernst meint. Für mich ist das auch alles neu, ich muss mich erst daran gewöhnen das er so viel Aufmerksamkeit von den Fans und Medien bekommt. Er drehte sich dann vom Geländer weg und sah mich direkt an. „Das ich damals gesagt habe das wir uns trennen sollten lag nicht daran das ich nicht akzeptieren wollte das es dir nicht gefällt. Das hat mich zwar auch gestört aber damit hätte ich leben können. Der Punkt ist das du mir offensichtlich nicht vertraust dabei habe ich dir nie einen Grund gegeben“ Ich sah ihn nur von unten an und kaute nervös auf meiner Unterlippe. Kann sein das es bei ihm so ankam das ich ihm nicht vertraue aber das war nicht meine Absicht gewesen. Ich fühlte mich gerade wie vor dem Richter. Mir fiel nichts anderes ein als ein wenig hilflos mit den Schultern zu zucken. „Ich wollte nicht, dass du denkst, dass ich dir nicht vertraue. Es war einfach zu viel alles, ich will dir gar nicht unterstellen, dass du zu viel Spaß bei der Kussszene hattest. Ich habe nur keine Lust zu sehen wie du eine andere Frau küsst, egal ob es Shakira ist oder nicht“
Er kam näher bis er direkt vor mir stand und griff nach meiner Hand. „Ich kann verstehen, dass du das nicht sehen willst aber das war doch inszeniert. Es ist ja wohl ein Unterschied ob es gestellt ist oder nicht. Wenn ich so scharf darauf wäre jemand anderes zu küssen wäre ich wohl kaum mit dir zusammen“ Ging es noch eindeutiger? Ich hatte schon längst verstanden was er sagen will, er hätte mir nicht so den Kopf waschen müssen und das ich übertrieben reagiert habe, wusste ich auch schon. „Ich hab’s verstanden. Ich muss mich nur daran gewöhnen das dein Leben total anders ist als meins oder von den anderen Leuten. Zumindest kannte ich vor dir noch niemanden der ein Video mit Shakira gedreht hat. Ich wollte ja gar nicht so ausrasten aber mir fehlte ganz einfach ein Weg damit umzugehen“ Jetzt war es Rafa der mit den Schultern zuckte und nichts sagte. Fasst musste ich schon wieder lachen über die Situation. Es war wohl doch nicht so einfach wie wir dachten. Wenn er mich so unsicher ansieht, kann ich nicht anders als zu lächeln. Er sagte ja nichts mehr also griff ich nach seinem Shirt und zog ihn an mich um ihn zu umarmen. Ich dachte ja heute früh schon das alles geklärt ist aber dann eben jetzt. Es hatte mich schon gewundert, dass er heute früh nichts weiter gesagt hatte. Am Ende muss ich noch froh sein das es sich doch zum Positiven gewendet hat. Viel hätte nicht gefehlt das es wirklich schief gegangen wäre.
Nachdem wir eine Weile so umschlungen standen, löste er sich etwas von mir und sah in mein Gesicht. Sein Lächeln sah gut aus, dass steht ihm eindeutig besser als das ernste Gesicht. In meinem Bauch kribbelt es gleich wieder wenn er mich so ansieht. Ich war wirklich froh, dass sich die Stimmung wieder entspannt hatte. „Ich weiß ja nicht nach welchem Weg du suchst um damit umzugehen aber ich mache keine Scherze wenn ich sage das ich dich liebe. Das sollte dir reichen als Weg, no?“ Ich musste kichern und zog dann wieder ein verlegenes Lächeln. „Ich liebe dich und wenn es nicht so wäre würde ich mir gar nicht erst die Mühe machen nach einem Weg zu suchen“ Ehe ich wusste wie mir geschah, kam er näher und küsste mich. Etwas überrascht war ich schon aber im positiven Sinn. Ich hasse das, wie er es innerhalb von Sekunden schafft, dass ich total die Kontrolle über mich verliere. Es ist ja schön und ich weiß, dass er nie etwas machen würde was ich nicht will.
Manchmal würde ich ihn aber gerne zappeln lassen und er hat leider ziemlich schnell rausgefunden wie er das umgehen kann. Ich schmelze förmlich weg wenn er mich küsst. Leider mussten wir ab und zu auch mal Luft holen und ich musste im Hinterkopf daran denken das ich bald los muss zum Flughafen sonst würde ich mich jetzt nicht so zieren. Wenn ich ihn nicht davon abhalte, reißt er mir vielleicht meine Sachen runter, dass er seine Hände nicht unter Kontrolle hat habe ich ja schon gemerkt. So plötzlich wie er anfing mich zu küssen, hörte er scheinbar ohne Grund auch wieder auf, wenigstens umarmt er mich noch. Ich war etwas erstaunt als er sich von mir löste und schnappte erstmal nach Luft. Ist vielleicht ganz gut ein paar Sekunden die Gedanken zu ordnen, ein kleines bisschen wärmer war es mir schon geworden. „Ich will mir ja nicht die Vorfreude auf Rom verderben“ Kam es im nächsten Augenblick mit einem breiten Lächeln und einem begeisterten Kopfnicken. Kurz überlegte ich was er meint und als es mir einfiel, kniff ich ihn in die Seite. „Übertreibe es nicht oder du wirst es bereuen!“ Versuchte ich ernst zu sagen aber es störte ihn gar nicht, er grinste weiter vom einen Ohr zum anderen.
„Du hättest vorhin nicht sagen sollen, dass wir in Rom mehr Zeit haben. Ich werde mir die Woche extra dick im Kalender markieren“ “Denke lieber mal daran warum du überhaupt nach Rom fährst“ “Du meinst das Turnier? Darauf kann ich mich auch nächstes Jahr noch konzentrieren“ Ich konnte nicht anders als mit dem Kopf zu schütteln und zu lachen. „Wenn das so ist, kannst du ja auch gleich zu mir kommen in der Woche“ “Nicht nötig, ich denke ich kriege beides hin“ Kurz dachte ich nach, wenn ich mich richtig erinnere, werden in Rom maximal drei Sätze pro Match gespielt. Das reicht nicht aus um Rafa so zu beschäftigen das er dann nur noch seine Ruhe haben will. Dazu braucht es schon fünf Sätze, am besten noch mit mehreren tiebreaks.
„Wir werden ja sehen ob du dich zu weit aus dem Fenster lehnst“ “Das ist wie Weihnachten. Ich meine, ich überlege mir ja immer was ich mir praktisch selbst schenke wenn ich ein Grand Slam Turnier gewinne. So als Belohnung quasi weil man sich selbst immer noch die besten Geschenke macht aber das ist nicht der Punkt. Gewinne ich dann aber nicht und will es unbedingt haben, kaufe ich es eben dann auch. Ist manchmal ein komisches Gefühl weil ich theoretisch sofort alles Mögliche kaufen könnte ohne dafür sparen zu müssen aber dann macht es ja gar keinen Spaß mehr. Leider kann ich dich nicht kaufen“ Ich konnte nicht glauben, dass er wirklich so einen Vergleich bringt, am Ende vergleicht er mich noch mit seinem Lieblingsauto! „Du solltest mal ganz kalt duschen gehen“ “Das tue ich später“ “Für welches Turnier hast du dich denn mit dem Aston Martin selbst belohnt?“ “Roland Garros 2008, wäre auch was für Wimbledon gewesen aber da konnte ich ja nicht ahnen, dass ich Wimbledon auch gewinne“

Ich sah wieder auf meine Uhr und bekam einen Schreck. Wie schnell die Zeit doch verging! „Ich sage es nur ungern aber ich muss gleich los“ Sein Lächeln verschwand gleich wieder. „Wie du meinst, ist zwar schade das du schon los musst aber ich fliege heute Abend auch“ “Hast du eigentlich frei in der Woche nach Rom?“ Fragte ich um das Thema zu wechseln. Das ist nicht irgendeine Woche, denn es ist da genau ein Jahr her wo wir uns in dieser Bar kennengelernt haben daher hoffe ich das er auch in diesem Jahr ein paar Tage zu Hause ist. „Wie es jetzt aussieht ja, an dem Freitag fliege ich nach Madrid also bleiben mir immerhin vier Tage zu Hause“ “Ich muss erst alles klären aber könnte ich mitkommen nach Porto Cristo?“ Fragte ich vorsichtig. Er zog wieder das breite Lächeln und legte seine Hände an meine Hüften.
„Ich habe dir doch schon mehrfach gesagt, dass du nicht vorher fragen musst ob du zu mir kommen darfst“ Ich fragte auch nur weil ich mir nicht sicher war ob er die zwei Monate zwischen Barcelona und jetzt einfach so vergisst aber es scheint so als wenn er nicht alles langsam angehen lassen will. Wenn ich sehe wie er so vor mir steht, habe ich gar keine Lust jetzt zu gehen auch wenn ich weiß, dass wir uns in zwei Wochen wieder sehen. „Ich will nur sicher gehen, dass ich dich nicht störe. Kann ja sein du willst mal deine Ruhe haben“ “Sí aber mit dir und nicht vor dir. Ich wäre ja ziemlich blöd wenn ich sage das du nach Rom kommen kannst aber nicht nach Mallorca wo ich viel mehr freie Zeit habe als in Rom“ Gut, das wollte ich ja nur hören! „Ich will trotzdem nicht nach Hause“ Sagte ich trotzig und verzog mein Gesicht. Er umarmte mich wieder und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken langsam auf und ab. Es ist bestimmt keine gute Idee weil ich so nie zum Gehen komme aber ich legte meinen Kopf an seine Schulter und schloss meine Augen. Jetzt wo er mich umarmt wird mir langsam klar wie sehr ich das vermisst habe, er ist immer so schön warm und er riecht zum Anbeißen. „Ich würde dich auch lieber sehen aber so lange sind zwei Wochen auch nicht und es sind ja nicht mal zwei Wochen“ Wenn er das so sagt und mich dabei umarmt, klingt fast alles gut. Den Flug wollte ich auf keinen Fall verpassen also musste ich wirklich los. Schweren Herzens löste ich mich von ihm und lief ins Zimmer rein.
Es war schon alles fertig gepackt, ich musste nur noch gehen. So einfach ist es nur nicht, ich könnte gleich schlechte Laune bekommen. „Dann bleibt mir wohl nichts anderes zu sagen als bis demnächst“ Sagte ich und zuckte mit den Schultern. „Ich rufe dich an wenn ich heute Abend in Barcelona bin“ Jetzt musste ich doch schon wieder Lächeln. „Besser als gar nichts“ “Wenn es dich tröstet, können wir von mir aus jeden Tag telefonieren“ Das hob meine Laune doch wieder. Telefonterror klingt gut! Er hat keinen Schimmer auf was er sich da einlässt! „Das hättest du besser nicht gesagt“ “Ich weiß“ Ich machte einen Schritt auf ihn zu und wollte ihn umarmen aber das reichte ihm wohl nicht da er mich plötzlich küsste. Eigentlich wollte ich das schon aber ich habe keine Zeit. Mir blieb keine andere Wahl als ihn von mir weg zu drücken. „Ich muss los“ “Guten Flug“ “Dir auch“ Ich konnte nur sehr schwer der Versuchung wiederstehen ihn nochmal zu umarmen als ich aus dem Zimmer lief und mich nochmal umdrehte. Bevor ich wirklich noch etwas Dummes tue, holte ich tief Luft und lief weiter zum Lift. Die nächsten Stunden verliefen wie im Zeitraffer. Ich hatte kaum eingecheckt am Flughafen, ging es auch schon los und keine zwei Stunden später war ich wieder in Düsseldorf wo ich vor zwei Tagen gestartet war. Ich fühlte mich wie veräppelt, mir kam es vor als wäre ich zwei Wochen weg gewesen und nicht nur zwei Tage.

Als ich wieder bei mir in meiner Wohnung war und langsam zur Ruhe kam, fühlte es sich an als hätte ich die letzten zwei Tage nur geträumt. Es war so unreal alles das ich dachte ich war gar nicht in Monaco. Das ich mir nicht nur alles eingebildet habe wurde mir erst klar als Rafa anrief. Er meinte das wohl ernst mit dem jeden Tag anrufen. Den Koffer musste ich auch noch auspacken und Sara rief natürlich auch noch an weil sie wohl vor Neugierde platzte und wissen wollte wie es lief. Ich hatte sie ja schon von Monaco aus angerufen aber da hatten wir nicht Zeit alles detailliert zu besprechen. Nach dem Spiel heute Nachmittag war sie ja so hibbelig, dass sie kaum einen gerade Satz sagen konnte daher rief ich sie noch mal an. Der Abend war ruck zuck um und ich musste ins Bett weil ich ja früh raus muss morgen. Jetzt geht der Stress wieder los!
In den letzten beiden Monaten verlief alles normal, ich arbeitete von Montag bis Freitag und hatte dann ein entspanntes Wochenende. Jetzt wird es wohl so das ich an den Wochenenden zu den Turnieren hetze oder wahlweise nach Mallorca. Klar war das alles stressig mit dem hin und her immer aber es war Stress im positiven Sinne. Wenn ich ehrlich bin fehlte mir das schon mit dem ganzen Reisen. Man kann sich daran gewöhnen und so sieht man doch eine ganze Menge. Nur wegen dem Wetter wäre ich jetzt nicht nach Monaco gefahren und in zwei Wochen geht es schon wieder los nach Rom und dann weiter nach Mallorca. Bevor ich Rafa kannte, hätte ich das alles in drei Jahren gemacht, jeweils immer ein Urlaub. Es ist schon ziemlich spannend da ich nie so genau weiß was mich erwartet, langweilig wird es mir mit Rafa so schnell nicht werden.

Lange konnte ich meine gute Laune natürlich nicht verbergen. Obwohl, ich hätte auch so tun können als wenn ich mich über den Turniersieg so freue aber sie würde mir sowieso nicht glauben das ich nur wegen dem Turnier so ein breites Lächeln im Gesicht habe. Sara war ja schon im Bilde über die neuesten Ereignisse aber meine Eltern nicht. Die haben mal wieder erst hinterher erfahren, dass ich in Monte Carlo war. Ich wusste das es zu kompliziert wird das alles in zwei Sätzen am Telefon zu erklären also wartete ich damit bis ich sie besuchte an dem Wochenende darauf. Etwas skeptisch war ich schon wie sie darauf reagieren aber die Sorgen machte ich mir umsonst.
Mein Vater liebt Rafa sowieso, der war wohl insgeheim todunglücklich weil er in den letzten Wochen nichts Neues von Rafa gehört hat. Als hätte ich es geahnt, fragten sie dann tatsächlich wann Rafa wieder mal hier ist. Tja, darüber hatte ich mit ihm noch nicht gesprochen aber grob habe ich die nächsten Turniere alle im Kopf und er hatte auch mal erwähnt, dass er erst im Juli ein bisschen Luft hat, sprich vier Wochen Sommerpause. Wenn er überhaupt zu mir kommt, dann in der Zeit, ich ziehe es auch vor lieber nach Mallorca zu fahren, dort ist es viel schöner als hier.

Barcelona fing gut an... und endete abrupt noch bevor Rafa auf dem Platz war. Ich kam an dem Montag nach Monte Carlo nix schlimmes ahnend von Arbeit als Sara anrief und mich fragte wieso Rafa das Turnier in Barcelona abgesagt hat. Da staunte ich nicht schlecht weil ich absolut nichts davon wusste und als Rafa mich am Sonntagabend anrief, hatte er nichts davon erwähnt. Anfangs hielt ich das für einen Scherz aber ich weiß, dass Sara bei dem Thema gar keinen Spaß versteht. Es war schon ein komisches Gefühl, dass Sara eher informiert war als ich. Ich könnte mich jetzt hintergangen fühlen aber so eine große Sache war es doch nicht. Neugierig war ich dann auch also hakte ich bei Rafa nach und er war wiederum erstaunt weil ich es schon wusste.
Tja, auf Sara kann man sich verlassen. Es war aber gar nix schlimmes, Sara sah schon wieder Horrorszenarien wegen dem Knie und machte mich auch noch verrückt. So schlimm war es nicht, er will nur kein Risiko eingehen und meinte Rom wird auch anstrengend genug und er will in Roland Garros weiter kommen als im letzten Jahr also muss er sich ein bisschen schonen um nicht die gleichen Fehler wie im letzten Jahr zu machen. Das leuchtete mir ein und Sara beruhigte sich auch wieder. Jetzt hätte er sogar Zeit und ich muss arbeiten! Ein Drama, er hätte zu mir kommen können aber ich muss arbeiten und am Wochenende fliegt er schon nach Rom also bleibt alles wie schon abgemacht und wir sehen uns in Rom wieder.

Da er sich ein wenig zurücklehnte und viel Zeit zum Nachdenken hatte, kam er auf dumme Einfälle, denn er kam auf die schwachsinnige Idee, dass Sara mit nach Rom kommen soll. Erst dachte ich der will mich auf den Arm nehmen. Er kam nur auf die Idee weil er meinte, dass er ja nicht so viel Zeit hat und da würde es mir nicht langweilig werden. Tja und das Sara jemanden umbringen würde um ihn zu sehen wusste er ja auch schon. Er hat absolut keine Ahnung auf was er sich da einlässt! Für ihn ist es vielleicht nichts weiter, er kann damit umgehen aber was macht Sara? Die dreht doch total durch!
In Berlin hat sie stundenlang auf ihn gewartet und wenn sie nach Rom mitkommt, wird sie ihn vielleicht häufiger sehen als ihr gut tut. Die Erinnerung an die Woche Mallorca mit ihr letztes Jahr war doch beängstigend. Sie ist da schon wegen ein paar Bildern ausgeflippt, was wäre denn wenn sie Rafa mal einen ganzen Tag lang sieht? Ich war ja wirklich skeptisch, rein vom logischen hat er schon Recht, ich könnte mit ihr shoppen gehen wenn er wieder mal stundenlang trainiert. Wobei der Plan nicht aufgeht, Sara geht niemals shoppen wenn Rafa da gerade spielt. Auf der anderen Seite haben wir sie dann ständig am Hals. Er hat schon nicht viel Zeit, da bin ich nicht scharf darauf dann auch noch Sara ständig um mich zu haben. Nachdem ich ihm meine Skepsis ausführlich erklärt hatte, überließ er mir die Entscheidung. Ich bin ja nicht die ganze Woche in Rom sondern erst ab Freitag weil ich nicht unendlich viel Urlaub machen kann, am Sonntag ist das Finale und dann geht es direkt nach Mallorca. Ich hätte auch die ganze Woche in Rom sein können aber dann hätte ich keine Zeit mehr für Mallorca gehabt und da nehme ich lieber Mallorca und verzichte auf das Turnier. Spannend wird es sowieso erst ab dem Halbfinale also hatten wir noch nichts verpasst. Darüber das sie nicht mit nach Mallorca kommen soll waren wir uns zumindest schnell einig.
Nochmal will ich sicher nicht, dass Sara vor dem Haus lauert. Während der Turniere ist Rafa aber sowieso ständig im Stress also macht Sara auch nichts mehr aus und es sind ja nur drei Tage. Ich richtete mich moralisch darauf ein, dass er keine freie Zeit haben wird in Rom, das wird in Porto Cristo hoffentlich anders.

10 May 2010

Chapter 46

Am nächsten Morgen musste ich neben mich sehen um sicher zu sein das ich nicht träume. Rafa schlief noch, da blieben mir ein paar Minuten zum Nachdenken. Vor ein paar Tagen hätte ich das für schlichtweg unmöglich gehalten jetzt hier zu sein. Wenn ich ihn neben mir sehe denke ich immer, dass ich eigentlich nicht auf ihn verzichten will, egal welchen Mist er baut. Nur dachte ich dann an die Woche nach Barcelona und das war nicht mehr so schön. So schön es ist mit Rafa zusammen zu sein, umso schlimmer ist es wenn er mich scheinbar grundlos abserviert.
Und in Barcelona hatte er eindeutig keinen Grund. Es kratzte wohl an seinem Ego das ich es nicht gut finde, dass er das Video gemacht hat aber das rechtfertigt nicht das er so reagiert. Ich kann aber sowieso nicht nein sagen wenn ich ihn sehe weil ich dann keine Kontrolle über mich habe. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl ihn neben mir zu sehen. Ich musste zwar früher auch meistens alleine schlafen weil wir uns ja nicht so oft sehen konnten aber es ist nie vorgekommen, dass wir uns mal zwei Monate lang nicht gesehen haben, ausgenommen die Zeit wo wir uns gestritten hatten.
Drei bis vier Wochen ist das höchste was man aushalten kann ohne schlechte Laune zu bekommen. Dann fängt man schon an zu überlegen wie es zeitlich und logistisch klappen könnte, dass wir uns mal sehen. Irgendwann schnappe ich über wegen ihm.

Wecken musste ich ihn nicht weil er sich auf die Seite drehte und mich dann mit einem Auge anblinzelte, was mich zum Schmunzeln brachte. So richtig schön verschlafen sieht er wirklich gut aus. „Bon dia, hast du gut geschlafen?“ Er zog ein lächeln und rückte näher zu mir. „Neben dir doch immer“ Kam es leise. Da er so nah es ging an mich rückte, umarmte ich ihn und fuhr mit einer Hand langsam durch seine Haare. Ich weiß, dass er das hasst aber da muss er jetzt durch. Wir sollten öfters einfach faul im Bett liegen, jetzt war es ja doch wieder wie vor Barcelona.
Erst dachte ich es dauert ein bisschen bis es wieder so ist aber es ging schneller als ich erwartet habe, zumindest war diese Anspannung weg. Schade, dass er heute noch spielen muss, mir wäre es lieber wenn wir mal den ganzen Tag Zeit für uns hätten. In nächster Zeit wird das nicht vorkommen, er hat ja erst nach dem Turnier in Rom ein paar Tage frei. „Hast du Zeit?“ Fragte ich leise. „Ein bisschen, das Match ist ja erst heute Nachmittag“ Ich wollte zwar nicht die Stimmung versauen aber es musste sein, wir müssen mal Klarheit schaffen. Nach dem Spiel hat er vielleicht auch keine Zeit und ich will ihn nicht zwischen Tür und Angel damit behelligen. „Wir müssen nochmal Klartext reden“ Fing ich vorsichtig an. Er hob seinen Kopf und sah mich etwas überrascht an. Dachte er etwa etwas anderes als ich fragte ob er Zeit hat?
“Haben wir doch gestern“ Meinte er nur dazu. “Ich meinte richtig“ Er sagte nichts aber ich sah schon an seinem Gesicht das er genau weiß, dass noch lange nicht alles geklärt ist. Vielleicht hat er gehofft, dass ich es dabei belasse aber er müsste mich inzwischen kennen. „Können wir wenigstens vorher in Ruhe frühstücken?“ Ich musste lachen und nickte mit dem Kopf. “So dringend ist es auch nicht“

Kam mir auch gelegen, ich will in Ruhe essen und nicht dabei noch Probleme wälzen. Frühstücken können wir aber nicht ewig auch wenn es sehr angenehm ist auf dem Balkon zu frühstücken und dabei die Aussicht auf Monte Carlo und das Mittelmeer zu genießen. Rafa war schon fertig mit essen und sah mir zu wie ich einen Schluck Kaffee trank. „Ok, von mir aus kannst du mir alle Bosheiten an den Kopf werfen die dir einfallen. Ich versuche ruhig zu bleiben“ Meinte er dann mit einem breiten Lächeln. Sein Lächeln passte nicht zu dem was er gesagt hat. Ich stellte meine Tasse wieder hin und legte meine Hand über seine auf dem Tisch. „Das will ich doch gar nicht, ich will dich nicht bestrafen oder sowas“ “Aber?“ Fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen zurück.
“Ist dir nicht selbst aufgefallen, dass wir total überreagiert haben? Ich meine, klar war es blöd von mir so auszuflippen wegen einem Video aber du brauchst auch nicht den Unschuldigen spielen. Als ich sagte das wir eine Weile getrennte Wege gehen sollten meinte ich das ich ein bisschen in Ruhe Nachdenken will und nicht das ich nicht mehr mit dir zusammen sein will“ Sein breites Lächeln verschwand nach und nach. „Ich wollte das doch nicht. Ich gebe zu das ich es nicht ertragen konnte das es dir nicht gefällt, ich meine ich habe mir wirklich Mühe gegeben und fand es auch ganz gut. Mir wurde erst später klar, dass ich kein Recht habe von dir zu verlangen das du alles gut findest was ich mache. Ich war nur ziemlich sauer in dem Moment“ “Kann ich nachvollziehen. Außerdem habe ich gar nicht gesagt, dass ich es schlecht finde. Es ging doch nur um das Ende“ “Es tut mir wirklich leid was ich gesagt habe. Ich weiß selbst nicht wie ich so ausflippen konnte“ Er zog so ein zerknirschtes Gesicht, dass ich mich auch gleich schlecht fühlte. „Und dann meldest du dich einfach nicht mehr. Erst sagst du das du mich liebst und eine Woche später servierst du mich ab“ Sein Gesicht wurde immer besser. „Ich kann nicht mehr sagen außer, dass es mir leid tut. Du hättest mich ja auch anrufen können“ “Ich war sauer“ “Das ich dich liebe habe ich nicht aus Spaß gesagt, dass meine ich wirklich ernst. Ich würde das niemals nur so aus Spaß zu dir sagen“
Ich sah kurz nach unten auf den Tisch, natürlich fühlte ich mich geschmeichelt. „Es fiel mir schwer das zu glauben“ Sagte ich dann aber ernst und sah ihn dabei an. “Es ist die Wahrheit“ Kommt es jetzt soweit das er seine Gefühle rechtfertigt? Ich unterstelle ihm ja gar nicht das er es nicht ernst meint denn dazu reichen seine Schauspielkünste nicht aus. “Es war trotzdem blöd was du gemacht hast. Ich hätte für dich auf die Freundschaft zu Sara verzichtet. Inzwischen hat sich das wieder eingerenkt aber das konnte keiner ahnen. Wahrscheinlich hätte ich noch mehr riskiert um mit dir zusammen sein zu können. Wenn du dann aber sowas machst, tut es umso mehr weh. Je mehr ich mich auf dich einlasse umso schlimmer ist es dann denn lange halten meine Nerven solche Aktionen nicht aus“ Er sah mich nur vorsichtig von unten an und schluckte. „Was ich eigentlich sagen will ist das du sowas in Zukunft bleiben lassen sollst wenn du willst das ich dir noch eine Chance gebe und das wir uns gleich richtig verstehen, dass ist die letzte Chance“ “Ich hab es kapiert“ Meinte er dann kleinlaut und sah mich immer noch so deprimiert an. Das wollte ich natürlich nicht also lief ich um den Tisch und setzte mich auf seinen Schoss.
„Ziehe nicht so ein Gesicht“ Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. Er umarmte mich und hatte wohl noch damit zu kämpfen was ich eben alles gesagt habe. „Ich wollte dir nicht weh tun, ich will das du glücklich bist“ Ich sah ihn an und war froh, dass der Tisch nicht mehr zwischen uns ist. “Vergiss es einfach, ist dumm gelaufen“ Antwortete ich und legte meine Arme um seinen Hals. “So einfach ist das nicht. Es war echt hart dich nicht zu sehen und nicht mit dir zu reden, ich war das schon total gewöhnt. Ich war nur noch von Tennis umgeben und kam da gar nicht mehr raus weil alle um mich rum ständig davon reden. Wie du es schaffst weiß ich nicht aber es ist richtig schön mal nicht ständig an Tennis zu denken, mir hat das richtig gefehlt. Ich gebe es ungern zu aber ich brauche jemanden der mir den Rücken freihält und mich ab und zu aus dem Zirkus rausholt weil ich sonst durchdrehe. Frage Maymó wenn du wissen willst was ich meine“

Ich musste schmunzeln und konnte mir denken was er meint. Maymó hat ja schon angedeutet das Rafa an ihm seine Launen ausgelassen hat und Rafa kann extrem nerven wenn er will. Er versucht dann sein ganzes Team zu nerven aber bei Toni blitzt er ab und bei den anderen traut er sich wohl nicht so richtig. „Es sieht so aus als wenn wir zusammen bleiben müssen. Sonst ruft Maymó nächste Woche wieder bei mir an und heult mir die Ohren voll das du ihn nervst“ Meinte ich dann feststellend und nickte eifrig mit dem Kopf. Ganz langsam wurde sein Lächeln wieder unverschämt. „Du machst das alles also nur damit mein Physio glücklich ist?“ “Natürlich! Was dachtest du denn?“ Fragte ich zurück und machte ein unschuldiges Gesicht. Sein Gesicht wurde immer besser, breiter kann sein Lächeln nicht mehr werden, es sah richtig gut aus.
Das Lächeln ist ansteckend und leider weiß er das auch. „Ich ahnte gleich, dass es ein Fehler war dich ihm vorzustellen“ Kam es dann noch trocken. „Hinterher ist man immer schlauer“ “Scheint so. Warum wurde mir eigentlich erst gestern früh die Ehre zuteil dich zu sehen? Ich meine, du warst doch am Freitagabend schon hier“ Das war eine gute Frage und eine richtige Antwort hatte ich nicht parat weil ich mich das inzwischen selbst fragte. Ich zog ein unschuldiges Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich wollte dich nicht so sehr schocken und Maymó hatte Angst das du dich zu sehr aufregst und dann nicht schlafen kannst“ “Höchstwahrscheinlich wäre auch genau das passiert aber auf der anderen Seite wäre es mir dann doch lieber gewesen wenn du am Freitag schon aufgetaucht wärst“ “Falls es dich beruhigt, ich habe in der Nacht zum Samstag auch ganz schlecht geschlafen weil ich den Gedanke nicht ertragen konnte das du nur ein paar Zimmer weg bist also war das schon Strafe genug“ Sein Gesicht wurde immer schöner, ich bekomme da immer so ein schlechtes Gewissen.
„Und heute Abend bist du schon wieder weg! Kaum sehen wir uns, musst du wieder weg“ Ja, daran dachte ich auch schon. Ich will gar nicht mehr nach Hause, am liebsten würde ich die kommenden Turniere alle mitmachen. Der Gedanke, dass ich heute Abend wieder alleine schlafen muss war fürchterlich! Inzwischen bereue ich es Rafa gestern Abend auf Abstand gehalten zu haben. „Ich würde auch lieber mit dir mitkommen“ “Kannst du nicht wenigstens am Wochenende da sein?“ Ich hasse es wenn er mich so flehend ansieht weil ich dann nicht mehr klar denken kann. „Nächste Woche geht wirklich nicht aber vielleicht in der Woche danach also Rom“ Mit nächster Woche das ist wirklich zu kurzfristig da bekomme ich sowieso keinen Urlaub und so schnell geht das auch nicht. Außerdem ist er nächste Woche in Barcelona, zur Abwechslung mal um Tennis zu spielen. An Barcelona hatte ich ja nicht die besten Erinnerungen also mache ich einen Bogen um das Turnier. „Bueno, dann eben Rom. Hauptsache ich sehe dich überhaupt mal“ Ich musste lachen und schüttelte mit dem Kopf. Mir fiel spontan eben Sara ein, die plant alles Generalstabsmäßig um Rafa mal zu sehen und er jammert rum weil er mich sehen will. Wenn er wie hier bei den Turnieren ist wird mir nur immer klar wie viele Fans Rafa wirklich hat.
Ich versuche ja mir das nicht zu Kopf steigen zu lassen weil ich Rafa nicht in erster Linie als Superstar sehe. Er sagt zwar gerne von sich selbst das er noch normal ist aber das trifft nur bedingt zu. Das Leben was er führt hat nichts mit dem von unbekannten Leuten gemeinsam. Es ist nicht mein Ziel durch ihn in diesen Tennis Zirkus mit einzusteigen aber ganz raushalten kann er mich ja nicht, dann könnte ich nicht zu den Turnieren kommen.

Lange konnten wir nicht mehr diskutieren weil das Match zwar erst am Nachmittag ist aber er wollte unbedingt noch vorher trainieren und aufwärmen muss er sich ja auch kurz vor dem Match. Ich hatte also Zeit ausgiebig mit Sara zu telefonieren bevor ich zur Anlage ging. Noch konnte ich mich unbehelligt überall bewegen und niemand kümmerte es was ich mache. Ganz so blöd sind die Fans ja auch nicht aber mit mir rechnet wohl niemand hier. Klar ist es unlogisch das ich nur zum Finale hier auftauche aber die Fans kennen ja die Hintergründe auch nicht, niemand ahnt etwas von den letzten Wochen. Es wird dann so aussehen das ich es geschafft habe eine Weile Undercover zu bleiben. Seit Abu Dhabi war ich ja nicht mehr bei einem Turnier.
Eigentlich bin ich ganz froh darüber wenn mich niemand anspricht weil ich nicht weiß wie ich reagieren soll. Wenn sich jemand für mich interessiert, dann sowieso nur wegen Rafa. In der Players Box war ich vor neugierigen Leuten sicher. Toni und der Rest hatten es auch schon auf ihre Plätze geschafft. Es war ein herrliches Wetter und alle Leute schienen nur darauf zu warten, dass es beginnt. Fernando Verdasco erschien dann auch gleich auf dem Platz, dicht gefolgt von Rafa. Da bin ich aber mal gespannt was das heute wird. Alle rechneten damit das Djokovic hier im Finale ist aber Verdasco hat ihn gestern ziemlich deutlich geschlagen. Mir wär’s Recht wenn das heute eindeutig für Rafa ausgeht aber nach den letzten Turnieren kamen ein paar Zweifel bei mir auf. Das Rafa immer im Halbfinale gescheitert ist, ist natürlich besonders unglücklich.
Im Finale ist er ja hier aber wer weiß ob er auch die Nerven für einen Sieg hat. Ich gönne es ihm natürlich, er hat seit fast einem Jahr kein Turnier mehr gewonnen und ist jetzt entsprechend verbissen. Etwas nervös war er vorhin als ich ihn zuletzt gesehen habe schon. Er will jetzt um jeden Preis gewinnen und macht sich nur selbst noch mehr Druck. Der Beginn verlief noch normal, Verdasco begann mit seinem ersten Aufschlagspiel. Ein leichtes Match erwartet keiner, es ging immer hin und her bis es 6-5 für Verdasco stand und Rafa mal wieder Probleme mit seinem Aufschlag hat. Es ist immer dasselbe, wenn es ernst wird, macht er Fehler. Es wurde richtig spannend weil Verdasco sich ohne scheinbare Mühe zwei Satzbälle rausspielte. Oh weia, es fängt schon wieder an… noch schlimmer ist nur ein tiebreak. Ich würde am liebsten in das Geländer vor mir beißen weil ich so aufgeregt war. Toni saß total entspannt da, ich möchte wissen wie der das schafft. Ich würde mich bei jedem Spiel total aufregen und wäre danach nervlich fertig.
Oder ist das dann so wenn man seit fast zehn Jahren die Spiele sieht? Einen Satzball konnte Rafa noch abwehren aber der zweite Satzball wollte nicht so wie Rafa und Verdasco machte den Punkt und somit den Satz. Natürlich versuchte ich ruhig zu bleiben aber es war schwer. Das gibt es doch gar nicht, bei dem letzten Turnier in Berlin wo ich war, ist Rafa auch im Halbfinale gescheitert, vielleicht bringe ich ja Pech? Hoffentlich ändert sich alles im zweiten Satz. Sara steht wahrscheinlich auch schon der Angstschweiß auf der Stirn. Wer in Monte Carlo einen Satz gegen Rafael Nadal gewinnt, kann sich wirklich etwas einbilden denn das Schaffen nur ganz wenige. Lange grübeln konnte ich nicht weil es direkt weiter ging. Rafa kann sich also nur noch über den dritten Satz retten sonst war es das mit dem sechsten Turniersieg in Monte Carlo.

Ich hatte die Hoffnung das Rafa den zweiten Satz gewinnt und dann im dritten wieder alles offen ist. Verdasco war aber extrem hartnäckig, der wollte hier unbedingt in zwei Sätzen alles perfekt machen. Mit der Ruhe war es natürlich vorbei, es wurde erbittert um jeden einzelnen Ball gekämpft. Zwar habe ich nicht so viele Spiele von Rafa gesehen aber man sah auch so, dass er ein bisschen gefrustet ist. Es kam wie es kommen musste, als Rafa wieder mal mit seinem Aufschlag haderte, schlug Verdasco zu und holte sich das Break. Gedanklich hielt ich mir die Hand vor die Augen und schüttelte mit dem Kopf. Das war es, unter den heutigen Bedingungen wird das wohl nicht reichen für Rafa.
Beim Stand von 5-4 und Aufschlag Verdasco bleibt kein anderer Schluss übrig. Kurz wurde es nochmal spannend als Rafa sich einen Breakball erspielte. Gab es doch noch so etwas wie Hoffnung? In der nächsten Sekunde zerstörte Verdasco aber jeden Hoffnungsschimmer mit einem Ass. Was muss dem auch genau jetzt ein Ass gelingen? Ich sah nur noch mit einem Auge auf das Spielfeld und sah schon das Endergebnis vor meinem inneren Auge. Eigentlich hatte ich schon abgeschlossen mit dem Match aber Rafa war zäher als manche dachten. Der gibt einfach nicht auf, egal wie es steht. Es war sehr mühsam aber er fing sich wohl langsam wieder und schaffte den Ausgleich zum 5-5. Puh, das war knapp! Ich war froh, dass es noch nicht vorbei war aber beruhigen konnte ich mich nicht da es Schlag auf Schlag ging. Innerhalb von Minuten vergeigte Verdasco sein Aufschlagspiel und Rafa war plötzlich mit einem Break in Führung.
Wer hätte das vor ein paar Minuten für möglich gehalten? Vielleicht gibt es doch den dritten Satz! Ich bekam schon Angst vor den Aufschlägen von Rafa aber er machte direkt mal keine Fehler beim ersten Aufschlag und kam so zu drei Satzbällen. Das heißt aber noch gar nix, er muss sie auch nutzen! Der erste ging gleich schief, der zweite reichte dann endlich zum Satzausgleich. Das war aber extrem knapp gewesen, Rafa war mit einem Fuß schon aus dem Turnier.

Was wird im dritten Satz passieren? Verdasco durfte wieder beginnen und er dachte wohl noch über den letzten Satz nach. Anders ist es nicht zu erklären warum er Fehler machte und Rafa direkt drei Breakbälle hatte. Den ersten nutzte er auch sofort, dass fing ja gut an. Erst als es schon 3-0 für Rafa stand und er jetzt ein Doppelbreak hatte, entspannte ich mich etwas. Zwei Breaks geben eine gewisse Sicherheit. Das 4-0 war nur eine Frage von ein paar Minuten, Verdasco war völlig aus dem Rhythmus. Jetzt muss Rafa es nur durchziehen bis zum bitteren Ende, hoffentlich fängt er nicht an nachzudenken. Ich dachte schon es gibt ein 6-0 aber Verdasco wachte langsam wieder auf und verkürzte erst mal auf 4-1. Spannend wurde dann wieder das Aufschlagspiel von Rafa.
Es ist immer dieselbe Geschichte, der erste Aufschlag kommt nicht und dann fängt das große Zittern an. Das 5-1 schaffte Rafa nur mit viel Glück und weil Verdasco geschätzte 100 Breakbälle nicht nutzen konnte, es war wirklich knapp. So richtig glücklich sah Verdasco nicht aus, ich würde sagen Rafa hat ihn psychisch im Griff. Bei dem Spielstand würde wohl jeder gedanklich aufgeben. Noch fehlt ihm aber ein Spiel zum Triumph, an den vor einer halben Stunde niemand mehr geglaubt hat. Verdasco schien der sichere Überraschungssieger zu sein bis Rafa in der letzten Sekunde seinen Kopf aus der Schlinge zog und den dritten Satz erzwang. Das war das Problem, Verdasco glaubte sicher er ist in zwei Sätzen durch und plötzlich war alles dahin. Er hatte wohl aufgegeben da er nicht wirklich in die Ballwechsel einstieg und Rafa die drei Matchbälle im Handumdrehen hatte. Der zweite war es dann auch, Verdasco machte einen weiteren Fehler und Rafa ließ sich im nächsten Moment auf den Platz fallen und schlug sich die Hände vors Gesicht. Oh weia, war das eng gewesen!
Die Zuschauer standen alle auf und klatschten Beifall während Rafa sich auf dem Platz wälzte und dann wieder aufstand um sich feiern zu lassen. Ich konnte es noch gar nicht fassen, Rafa hat tatsächlich zum sechsten Mal in Folge gewonnen und trägt sich damit in die Geschichtsbücher ein denn das hat noch niemand geschafft. Ich kann nur erahnen, was in ihm vorgeht, er wollte ja unbedingt gewinnen und der letzte Turniersieg war lange her. Es wird eine Weile dauern bis meine Nerven sich von dem Match erholen. Was ihm der Sieg hier bedeutet sah man dann auch da er sich ein Handtuch vors Gesicht hielt und offensichtlich ein paar Tränen vergießt. Da fällt es mir schwer nicht auf den Platz zu rennen und ihn zu umarmen.
Natürlich freue ich mich total das Rafa gewonnen hat aber das hätte er auch in zwei Sätzen schaffen können. Die Siegehrung folgte direkt und spätestens da war ich froh doch hier her gekommen zu sein, die Stimmung war unbeschreiblich. Rafa strahlte vom einen Ohr zum anderen mit dem Pokal in den Händen. Meine Anwesenheit bringt wohl doch kein Pech und er hätte sicher auch gewonnen wenn ich nicht hier wäre. Der Anfang war Mist aber das Ende dafür umso überzeugender.

So schön der Sieg war, das heißt auf der anderen Seite, dass es lange dauert bis ich Rafa mal sehe weil sich jetzt alle um ihn reißen. Ich will ihn aber schon noch sehen bevor ich zum Flughafen muss. Er wird zwar nicht alleine sein aber ich kann mein Glück ja mal im locker room versuchen. Dort ist er ja bevor er die Pressekonferenz und die ganzen Interviews gibt. Maymó war noch nicht da wie ich dann sah, dafür aber Rafa. Er saß auf einer Liege und schien auf Maymó zu warten. Erst schien er überrascht zu sein als ich erschien aber er zog dann gleich ein breites Lächeln. „Hast du Maymó irgendwo gesehen?“ Ich blieb vor ihm stehen und zog auch ein breites Lächeln. „Soll ich wieder gehen wenn du ihn lieber sehen willst?“ “No, jetzt bist du ja sowieso schon hier“ Sein breites Lächeln scheint gar nicht mehr zu verschwinden. „Das klingt ja sehr begeistert! Ich weiß, dass du gerade sehr beschäftigt bist aber ich will dir nur zu diesem unglaublichen Sieg gratulieren. Im zweiten Satz hätte ich das nicht mehr für möglich gehalten, das war mehr als knapp. Ich bin total stolz auf dich, dass hast du wirklich gut gemacht“
Ich dachte sein Lächeln kann nicht mehr breiter werden aber ich täuschte mich. Der Anblick war zu herrlich, manchmal erinnert mich Rafa an ein kleines Kind zu Weihnachten. Er sah mich eben an als wenn er sich schon ewig etwas gewünscht hätte und heute hat er es endlich bekommen. „Gràcies, ich freue mich auch richtig über den Sieg, es hat ja lange genug gedauert. Ich kann es selbst gar nicht glauben“ Ich konnte mich nicht länger beherrschen und fiel ihm um den Hals, das war alles zu schön um wahr zu sein. Zum Glück kann ich ihn auch umarmen und muss mich nicht wie so viele andere mit Videos und Bildern begnügen. Sara flippt sicher eben total aus vor dem PC, ich kann mir schon vorstellen wie sie durchdreht. „So spannend hättest du es aber nicht machen müssen. Ich dachte echt du verlierst“ “Ich dachte die Zuschauer wollen ein packendes Finale sehen“ Ich musste lachen weil das so abgeklärt klang das man denken könnte er hat alles genau so geplant. „Es war einfach irre, vor allem der dritte Satz. Das hättest du auch gewonnen wenn ich nicht hier wäre aber ich bin froh, dass ich das live miterleben konnte“ Er sagte nichts mehr und strahlte mich nur breit an, meine Knie wurden richtig weich. Es war unmöglich nicht nervös zu werden, in meinem Bauch kribbelte es gleich wieder.
„Warum wolltest du gestern Abend, dass es bei der Umarmung bleibt?“ Fragte er plötzlich. Ich schluckte erstmal und musste ruhig Luft holen um nachdenken zu können. Denkt er jetzt darüber nach? Es fällt mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen weil ich wegschmelzen könnte wenn er mich so ansieht. Ich weiß doch selbst nicht was gestern Abend los war. Wir wären doch nie zum Schlafen gekommen wenn es zu dem Kuss gekommen wäre und es wäre garantiert nicht bei dem Kuss geblieben. Im Nachhinein sind die Gedanken verlockend. Ich habe ihn ja zwei Monate nicht gesehen und ich bin sicher nicht hier um ihn ins Bett zu kriegen aber nein gesagt hätte ich auch nicht wenn er hartnäckig gewesen wäre. „Frage ich mich auch“ Antwortete ich leise und sah dabei in seine Augen. „Ich wollte einfach nur mit dir zusammen sein. Leider sehen wir uns heute Abend nicht mehr“ Es dauerte nur Sekunden bis sein freches Grinsen wieder erschien.
„Du willst mich ärgern!“ Kam es fest entschlossen. Ich musste kichern und rollte mit den Augen. Ich hatte das ernst gemeint, Rafa war derjenige der es ins lächerliche zog. „Natürlich, es macht mir unheimlichen Spaß dich abblitzen zu lassen weil ich weiß was du willst“ “Du bist wirklich gemein, erst sehen wir uns ewig nicht und dann lässt du mich noch abblitzen“ Will er mir ein schlechtes Gewissen einreden? „Wenn du so Sexsüchtig bist und es nicht länger aushalten kannst, warum hast du dann nichts gesagt?“ Fragte ich ihn direkt. Er schluckte kurz und grinste dann wieder breit. „Weil es dir dann nur noch mehr Spaß gemacht hätte mich auflaufen zu lassen“ “Vielleicht hätte ich das auch gar nicht getan, du müsstest mich ein bisschen kennen, ich kann auch nur bis zu einem bestimmten Punkt no sagen“ Das Gesicht was er daraufhin machte war göttlich. Vermutlich wird er es sich nie verzeihen, dass er so einfach aufgegeben hat. Der einen Nacht trauert er wohl jetzt noch eine Weile nach. „Wenn du mir das jetzt sagst, nutzt mir das richtig viel“ Da er sein Gesicht verzog, legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn wieder näher an mich.
„Ist eben ganz blöd gelaufen“ “Du glaubst nicht wie mir das gefehlt hat das wir zwar grundsätzlich dasselbe wollen, es aber trotzdem schaffen aneinander vorbei zu reden“ Er rollte dazu noch so schön mit den Augen. Da es mich überkam und ich mich nicht länger beherrschen konnte und wollte, zog ich ihn an mich und küsste ihn einfach. Das war eindeutig zu viel für mich, ich kam gar nicht mehr los von ihm. Auffressen könnte ich ihn nachdem wir uns eine gefühlte Ewigkeit nicht gesehen hatten. Es ist wirklich schlimm darauf zu verzichten wenn man es gewohnt ist. Zum Glück saß ich schon, meine Knie wurden ganz weich in meinem Bauch kribbelte es wie verrückt. Deswegen wollte ich das gestern Abend nicht, weil ich genau wusste das wir dann nicht mehr aufhören können. Eigentlich ist es auch viel zu schön zum Aufhören. Ich war so aufgeregt als wäre das mein erster Kuss. Zum Nachdenken kam ich dann nicht mehr aber mir entging nicht, dass seine Hände hinten unter meinem Oberteil verschwanden und im nächsten Moment ging die Tür auf.
Etwas abrupt lösten wir uns voneinander und sahen erschrocken zur Tür. Dort stand Maymó und zog ein peinlich berührtes Lächeln. „Ich wollte nicht stören“ Stammelte er leise und blieb auf der Stelle stehen. Ich schnappte nach Luft und fing mich dann wieder. Wie gut das ich nichts ausgezogen hatte! Peinlicher kann es nicht mehr werden also stand ich auf und hängte meine Tasche über die Schulter. „Bis später dann“ Sagte ich zu Rafa bevor ich ihn nochmal kurz küsste und dann verschwand.

5 May 2010

Chapter 45

Ich machte meine Zimmertür wieder zu und lief kopfschüttelnd zur Couch zurück. Er sollte mal nicht so einen Zirkus veranstalten und so umständlich fragen ob ich mit ihm Essen gehe. Er tat ja gerade so als würden wir uns noch nicht so lange kennen dabei waren wir über den Punkt schon lange hinaus. Will er jetzt doch noch etwas retten? Wenn er sich aber so absonderlich verhält, weiß ich das er mir nichts vorspielt. Zeit war es noch ein bisschen bis um acht aber ich überlegte trotzdem was ich anziehe.
Auf sowas ähnliches wie ein Date war ich nicht wirklich vorbereitet also wird mir keine Wahl bleiben als die weißen Hosen anzuziehen. Ich hatte aber immerhin eine Tunika in Türkis dabei, die hatte ich heute Nachmittag zu dem Spiel auch schon an aber ich plane nicht mich dreimal am Tag komplett umzuziehen. Nervös wurde ich dann schon je näher es auf um acht zuging. So richtig war mir nicht klar was ich erwarten soll. Wir werden sicher kaum so tun können als wenn die letzten zwei Monate nicht gewesen wären. Ich wäre vielleicht schon bereit nochmal über alles nachzudenken aber nur wenn von ihm ein bisschen mehr kommt als immer nur eine Rechtfertigung. Hoffentlich bin ich heute Abend mit ihm alleine, nicht das sein Anhang auch noch mitgeht aber ich glaube es nicht, dann hätte er gesagt das noch jemand dabei ist.
Kurz vor um acht stand ich total hibbelig vor dem Spiegel zu zupfte ständig an meinen Haaren oder den Sachen rum. Ich war so aufgeregt als hätte ich mein erstes Date, hoffentlich bin ich dann nicht enttäuscht wenn ich zu viel erwarte. Es war sogar noch vor acht als es an der Tür klopfte. Das wäre das erste Mal das Rafa beinahe pünktlich ist! Wenn er bei Turnieren ist, erscheint er immer auf die Minute pünktlich aber sonst nimmt er es nicht so genau und das macht mich wahnsinnig. Ich habe aber den Versuch ihn umzuerziehen aufgegeben, er ist jetzt wohl nur pünktlich weil er Angst hat das ich ihn sonst gleich wieder abblitzen lasse. Mal sehen ob er sich jetzt den ganzen Abend so verhält. Wenn er wirklich so ein schlechtes Gewissen hat, sollte ich das vielleicht gnadenlos ausnutzen.

Ich sah zum tausendsten Mal in den Spiegel und holte dann tief Luft. Ok, alles wird gut! Gespannt lief ich zur Tür und öffnete sie. Rafa sah kurz an mir nach unten und zog dann ein breites Lächeln. Das wollte ich sehen! „Bist du fertig?“ “Mhh, wir können los“ “Du siehst wirklich gut aus“ Kam es dann noch mit einem schüchternen Lächeln. Bestimmt wurde ich eben dunkelrot, es wurde sehr warm in meinem Gesicht. „Du auch“ Antwortete ich und meinte das auch wirklich so.
Ich machte die Tür nach mir zu und hätte mich beinahe bei ihm eingehakt, das war so ein Reflex aber ich besann mich eines Besseren. Kurz sah ich an ihm nach unten, er hat dunkle Jeans an und oben ein schwarzes Hemd. Er sieht in vermeintlich normalen Sachen zum Anbeißen aus. Er würde mich einwickeln ohne einen Ton zu sagen, seine Anwesenheit reicht völlig aus. Außerdem riecht er immer so gut, mir hatte sein Geruch schon richtig gefehlt. Mir wird erst jetzt wo ich ihn sehe richtig klar wie sehr ich ihn vermisst habe.

Meine Sorge, dass wir nicht alleine sind war unbegründet. Es war zu schön, wir waren in einem Restaurant in den Bergen von wo aus man ganz Monaco überblicken konnte und was das Beste war, wir waren ungestört. Es würde der Beschreibung romantisches Dinner nahekommen. Es stimmte alles, bis auf den Rotwein. Den hätte ich alleine trinken müssen weil Rafa keinen Alkohol trinkt wenn er am nächsten Tag ein Spiel hat also verzichtete ich auch auf Alkohol.
Es war eigentlich zu schön, kurzfristig vergaß ich immer die letzten Wochen, dass erinnerte mich sehr an früher. Als ich in Porto Cristo war und wir keine Lust hatten zu kochen, waren wir ja auch öfters Essen gegangen. Leider waren wir hier in der Öffentlichkeit und ich musste mich beherrschen. Mehr als einmal dachte ich daran ihm näher zu kommen. Ich kann nicht anders wenn er direkt vor mir sitzt und mich breit anlächelt. Wer weiß ob es ihn stören würde aber ich wollte nicht gleich übertreiben. Mir würde es für den Anfang auch reichen wenn ich ihn umarmen kann auch wenn ich dann noch viel mehr von ihm will. Wir wälzten auch keine schwerwiegenden Probleme, es war richtig ausgelassen. Ich fühlte mich richtig wohl und ins Schwitzen geriet ich auch. In meinem Bauch waren alle möglichen Gefühle, ich war aufgeregt und nervös zugleich.
Es knisterte schon ein wenig zwischen uns und das ist meistens gefährlich. Auf mich macht Rafa einen recht entspannten Eindruck, ich weiß nicht warum Maymó so übertrieben hat. War auch egal, ich bin froh das er mich hier her geholt hat. Ich versuche gar nicht erst so zu tun als wenn er es nicht schaffen würde mich einzuwickeln. Leider weiß er ziemlich genau wie er mich im nu um den kleinen Finger wickeln kann aber ich kann ihn im Gegenzug genauso schnell einwickeln. Notfalls würde ich es auch ausnutzen, wenn die Chance dazu besteht.

Der Abend verging leider schneller als mir lieb war. Mir kam es so vor als wären wir eben erst losgefahren, da mussten wir schon zum Hotel zurück. Mir passte das nicht so richtig weil ich keine Lust habe auf Rafa zu verzichten. Er verschwindet in sein Zimmer, ich in meines und dann? Am liebsten würde ich alles vergessen was in letzter Zeit war. Ich würde nur zu gerne neben ihm schlafen. Zu wissen das er hier ist und ich ihn nicht sehen kann machte mich ja schon die letzten Nacht verrückt. Kein Auge bekam ich zu. So richtig traute ich mich aber nicht ihm das zu sagen. Vielleicht gehe ich dann zu weit und ich will nicht riskieren, dass alles wieder kaputt geht.
Schweigend fuhren wir mit dem Lift nach oben und liefen dann den Gang entlang. Mein Zimmer war zuerst also blieben wir da stehen. Ich wusste nicht was ich sagen soll, am liebsten würde ihn in mein Zimmer locken. Rafa blieb stehen und sah verlegen auf seine Füße, es scheint so als wenn er selbst nicht so richtig weiß was er machen soll. „Ich wünsche dir eine gute Nacht“ Im nächsten Moment sah ich meine Hoffnung schwinden, versuchte es mir aber nicht anmerken zu lassen. „Mhh, dir auch“ Er kam langsam näher und küsste mich kurz auf die Wange, mir wäre ein richtiger Kuss zwar lieber gewesen aber besser als gar nichts. Es knisterte zwar wieder aber er ging einen Schritt zurück. „Bis morgen“ Kam es dann mit einem vorsichtigen Lächeln. “Sí, bis morgen“ Meinte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln und öffnete die Tür zu meinem Zimmer.
Zwar hoffte ich bis zu Letzt, dass er es sich anders überlegt aber er schien tief Luft zu holen und lief dann doch zu seinem Zimmer. Ich machte die Tür zu und schluckte etwas, so hatte ich mir das nicht vorgestellt! Es war ja ein schöner Abend, besser als ich erwartet habe aber das Ende schmeckt mir gar nicht. Ich kann den Gedanke nicht ertragen das Rafa hier ist und wir uns nicht sehen. Scheiß auf die ganzen Höflichkeiten. Aus irgendeinem Grunde schien es mir so das er immer auf Distanz zu mir bleibt, warum auch immer. Ich habe aber keine Lust mehr dazu, ich will ein bisschen mehr von ihm als nur mit ihm Essen zu gehen. Er kann nicht erwarten das ich mich damit zufrieden gebe, wir haben uns doch lange genug nicht gesehen, da besteht kein Grund es jetzt noch länger hinauszuzögern.

Vielleicht mache ich mich aber auch total zum Deppen wenn ich jetzt vor seinem Zimmer stehe und ihn nerve das ich neben ihm schlafen will. Kann ja sein er lässt mich dann abblitzen wenn ich zu forsch bin aber wenn ich es versuche, kann ich mir dann keinen Vorwurf machen wenn es nicht klappt. Sonst wälze ich mich die halbe Nacht umher und überlege was gewesen wäre wenn. Nur macht es mich total nervös, alleine der Gedanke ihn gleich nochmal zu sehen! Meine Gefühle fuhren total Achterbahn heute. Heute früh habe ich ihn verflucht weil er so abweisend war und jetzt würde ich am liebsten mit ihm durchbrennen. Zu verlieren habe ich aber ja nichts mehr und das ich verrückt bin glaubt er ja sowieso schon.
Um mich abzulenken ging ich erstmal duschen aber das klappte auch nicht so richtig also wollte ich es doch riskieren. Ich verließ also mein Zimmer und blieb vor seinem Zimmer stehen. Ok, das ist die letzte Chance um einen Rückzieher zu machen. Ich holte ruhig Luft und versuchte ganz locker zu bleiben. Nachdem ich mich kurz gesammelt hatte, fasste ich allen Mut zusammen und klopfte an seiner Tür. Hoffentlich ist er nicht schon im Bett, es war zwar schon spät aber so spät nun auch nicht. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und Rafa sah mich etwas erstaunt an aber er sagte nichts. „Darf ich reinkommen?“ Fragte ich vorsichtig und sah ihn nervös an.

„Natürlich“ Ich lief an ihm vorbei nachdem er zur Seite gegangen war und wurde wieder nervös. War es doch ein Fehler nochmal hier her zu kommen? Er machte die Tür nach mir zu und lief dann zu mir. „Störe ich?“ Fragte ich weiter und sah mich kurz hier um. Es sah genauso aus wie mein Zimmer, nur das Rafa wesentlich mehr Chaos verbreitet. „No, ich wollte ins Bett gehen aber das kann ich auch später“ “Ich will nicht schuld sein das du nicht schlafen kannst“ “Ist schon ok“ Er stand zwar vor mir aber etwas zu weit weg also machte ich einen Schritt in seine Richtung bis ich direkt vor ihm stand.
Mir fiel es schwer in seine Augen zu sehen weil mich das ganz nervös macht. Andererseits liebe ich das Kribbeln auch wenn ich es nicht lange aushalten würde nur dazustehen und ihn zu betrachten. „Kann ich hier bleiben?“ Fragte ich leise und sah dabei direkt in seine Augen. Im nächsten Augenblick schlang er seine Arme um mich und zog mich an sich. Ich war erstaunt aber im positiven Sinne, ich dachte schon er macht das nie! Es war zu schön, ich fuhr mit meinen Händen seinen Rücken langsam auf und ab und würde am liebsten die ganze Nacht so stehen bleiben. Loslassen geht nicht mehr! Etwas viel war es schon, mir hatte die Nähe zu ihm richtig gefehlt daher überrumpelt mich das etwas. Seine schönen warmen Hände auf meinem Rücken sind zu viel für meine Nerven. Wenn es zu schön ist bekomme ich nur Angst, dass er mich doch noch abblitzen lässt.
Ein wenig löste er sich dann wieder von mir, zumindest soweit das er mich ansehen konnte. Sein Blick sprach Bände, es scheint mir so als wenn er nur darauf gewartet hat, dass ich ihn umarme. „Ich bestehe darauf, dass du hier bleibst“ Kam es dann noch als Antwort auf meine Frage. Ich musste lachen und zog ihn wieder so nah es ging an mich. Wenn ich nicht aufpasse, fange ich noch an zu heulen. Mein Puls erreichte sicher eben astronomische Höhen. Es war zu viel, ich konnte mir ein zwei Tränen nicht verkneifen. Als er merkte das ich schniefe, sah er mich besorgt an und wischte mit seiner Hand vorsichtig die Tränen weg. „Alles ok?“ Ich nickte mit dem Kopf und schluckte eifrig. „Ist nur etwas viel alles“ Sagte ich leise. Er dachte sicher, dass ich mich wieder beruhige aber dem war nicht so, ich wusste selbst nicht wo das jetzt her kam.
„Ich kann das nicht ertragen und wenn du nicht gleich damit aufhörst, muss ich auch noch heulen“ Ich sah von ihm weg und wischte mir die Tränen weg. Traurig bin ich ja nicht, es war einfach nur zu viel alles. „Ich versuche mich zu beherrschen“ Meinte ich einen Moment später und holte tief Luft. Sein Lächeln wurde dann auch langsam wieder breiter, er dachte wohl erst das ich deprimiert bin und deshalb Tränen fließen.

Das ich hier übernachte ist vielleicht doch keine gute Idee. Ich komme gar nicht zur Ruhe wenn Rafa neben mir liegt. Bis jetzt blieb es ja bei der Umarmung von vorhin. Er umarmt mich zwar jetzt auch aber mir reicht das nicht. Ich war so durcheinander das ich überhaupt nicht mehr weiß was ich will. Eigentlich bin ich ja sauer auf ihn und will ihn dafür bestrafen wie er mich abserviert hat aber auf der anderen Seite bin ich überglücklich wie das hier läuft. Näher konnte ich im Moment nicht mehr an ihn rücken und es war beruhigend und aufregend zugleich. Ich wusste es doch, dass er mich einwickeln würde. Ich liebe ihn und kann absolut nichts dagegen tun, will ich ja auch gar nicht. Wenn ich wüsste, dass er in Zukunft nicht wieder solchen Mist verzapft, wäre ich jetzt überglücklich. Ein paar Minuten wartete ich ab aber es nutzte nichts, ich war zu aufgeregt um zu schlafen!
„Ich kann nicht schlafen“ Sagte ich leise im Dunkeln um ihn nicht zu wecken falls er schon schläft. „Ich auch nicht“ Kam es plötzlich. Ich hob meinen Kopf und versuchte ihn im Dunkeln anzusehen. „Vor ein paar Tagen hätte ich nie gedacht jetzt hier zu sein“ “Frage mich mal! Ich bin total überfahren worden!“ Ich musste kichern und legte meinen Kopf wieder an seine Schulter. „Ich dachte mir, dass du nicht erfreut sein wirst“ “War ich auch nicht weil es mir zu viel auf einmal war. Klar freue ich mich dich zu sehen aber hättest du nichts sagen können?“ “Wollte ich aber dein Physio dachte das du dann abblockst“ “Mit dem muss ich noch ein paar Takte reden“ “Sei nicht so hart zu ihm, er hat es nur gut gemeint“ “Trotzdem, das gibt ihm nicht das Recht sich in meine Privatangelegenheiten einzumischen“ “Er sah sich genötigt“ Vielleicht war das ein guter Punkt mal zu fragen was genau vorgefallen war! Maymó eierte ja immer nur rum wenn ich von ihm wissen wollte was nun genau los war. „Was war denn los? Ich meine warum war er so verzweifelt und hat mich angerufen?“ “Ich schätze mal ich war nicht besonders nett zu den Leuten um mich rum. Bis Miami ging es eigentlich. Seit Barcelona war ich total im Stress und kam gar nicht zum Nachdenken. In Indian Wells war ich froh endlich wieder spielen zu können und klar wollte ich gewinnen. Das Ausscheiden im Halbfinale hat meine Laune nicht gerade beflügelt weil ich weiß, dass ich das hätte gewinnen können. Na ja und als dann Miami noch passierte ging es irgendwie nicht mehr. Letzte Woche war ja kein Turnier also war ich ein paar Tage zu Hause bevor ich hier her gekommen bin. Da hatte ich plötzlich keinen Stress mehr und das war ganz schlecht und brachte es zum Überlaufen. Mir kam es so vor als hätte ich seit Wochen zum ersten Mal Zeit zum Nachdenken und obwohl ich weiß das Barcelona fast zwei Monate her ist kam es mir vor als wenn es erst gestern gewesen wäre. Kann sein das ich ein bisschen ausgeflippt bin und ihn ungerecht behandelt habe aber das wollte ich nicht“ “Warum hast du nicht mal angerufen? Wir hätten doch darüber reden können. Du musst es nicht wochenlang in dich reinfressen und deine Umwelt nerven“ “Weiß ich aber ich hatte das Gefühl das alles was ich mache schief geht und das macht mich verrückt“
Langsam glaube ich das Rafa so stur wie er ist sich selbst im Weg steht. „Und welches Gefühl hast du jetzt?“ Fragte ich spontan und fuhr mit einer Hand langsam durch seine Haare. „Ein richtig gutes. Ich gebe es ungern zu aber der Plan von meinem Physio scheint aufzugehen. Ich bin wirklich froh, dass du hier bist. Kam dir zwar vielleicht erst anders vor aber ich war nur überrascht. Ich habe dich wirklich vermisst die letzten Wochen. Erst dachte ich, dass ich auch ohne dich klar komme aber mir wurde recht schnell klar, dass das mehr ein Wunsch ist als die Realität“ Es klang schon sehr gut das von ihm zu hören. Ich kann ihn doch gar nicht abblitzen lassen wenn er sowas sagt. „Ich habe dich auch vermisst. Irgendwie dachte ich es ist dir echt egal weil du dich gar nicht gemeldet hast“ “Das ist es nicht. Ich will mit dir zusammen sein, so richtig konnte ich mich aber nicht dazu durchringen dich anzurufen. Mir ist bewusst, dass ich Mist gebaut habe und ich wollte dich nicht noch mehr verletzen. Ich dachte ich habe schon genug Schaden angerichtet und das du mich sowieso nicht sehen willst“ “Ich will nicht abstreiten das ich gänzlich Unschuldig an allem bin. Wie ich wegen dem Video so ausflippen konnte frage ich mich heute noch, es lief total blöd alles. Wie soll das jetzt weiter gehen? Ich meine an der Vergangenheit können wir jetzt nichts mehr ändern“
Ich wurde gleich wieder nervös, hoffentlich sagt er das was ich hören will. Ich habe zwar schon ein gutes Gefühl weil er mich sonst auch nicht hier her gelassen hätte aber ein paar Zweifel bleiben. Er drehte sich auf die Seite und fuhr mit seiner Hand langsam über meine Wange. Inzwischen war er so nah das ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. „Gib mir eine Chance“ Kam es nur. Das klang gut aber es bleiben Zweifel bei mir. Ich muss auf jeden Fall nochmal Klartext mit ihm reden aber nicht jetzt. Ich will nicht riskieren, dass die Stimmung noch kippt weil ich froh bin, dass Rafa sich doch noch entspannt hat nach dem ersten Schock. Kann sein wenn ich jetzt zu direkt werde blockt er wieder ab. „Mir bleibt ja keine Wahl, no?“ Sagte ich dann nur ernst.
Damit gab er sich offensichtlich zufrieden. Ich weiß, dass er meine Antwort als ein direktes ja ausgelegt hat daher werde ich ihn morgen mal aufklären. Nicht das er glaubt das er mit einer halbherzigen Entschuldigung durchkommt. Mir fiel es schwer ihn nicht zu küssen da er so nah vor mir war aber ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist weil wir dann nie schlafen.

1 May 2010

Chapter 44

Da ich nicht wusste was ich machen soll, sah ich hektisch nochmal in den Spiegel und zog meine Sachen zurecht bevor ich wieder auf den Balkon lief. Von der Zimmertür aus kann man nicht auf den Balkon sehen aber bisher hörte ich auch niemanden an der Tür. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und zu und dann kam gar nichts, keiner sagte was. Gut, wenn Rafa wirklich alleine ist, wundert es mich auch nicht. Ich hatte kaum richtig darüber nachgedacht als Rafa an der Tür zum Balkon erschien. Er blieb stehen und sah mich an als wenn ihn soeben der Blitz getroffen hätte.
Oh weia, er schien mehr als nur überrascht zu sein. Das war ich auch und das obwohl ich wusste das ich ihn sehe. Am liebsten würde ich aufspringen und ihm um den Hals fallen, es könnte zu schön sein. Mein Puls war so hoch wie nie und was ich sagen sollte wusste ich auch nicht. Rafa starrte mich an als wäre ich ein Alien und an seinem Gesicht konnte ich auch nicht sehen was in ihm vorgeht. „Was machst du denn hier?“ Kam es dann plötzlich mit einem ernsten Gesicht.
Da ich nicht gleich etwas sagte, drehte er sich um und verschwand wieder. Na super, dass lief ja ganz toll! Seine Begeisterung scheint sich ja sehr in Grenzen zu halten, ich hatte es geahnt, dass es dumm war hier her zu kommen! Das er mir freudestrahlend um den Hals fällt erwarte ich ja gar nicht aber das er gleich wieder verschwindet ist nicht sehr nett.

Kaum das er weg war, erschien er aber wieder an der Tür und sein Gesicht sah ziemlich genervt aus. „Würdest du bitte die Tür öffnen? Ich habe heute noch ein Match und habe jetzt keine Nerven für solche Spielchen“ “Die Tür ist offen“ Er blieb stehen und sagte nichts mehr also stand ich auf und ging selbst nachsehen. Tatsächlich ging die Tür vom Zimmer nicht auf. War das wirklich Maymó weil er geahnt hat das Rafa flüchten wird wenn er die Möglichkeit dazu bekommt? Der muss verrückt geworden sein mich mit Rafa allen Ernstes einzusperren! Kriminelle Energie hat der und zwar eine ganze Menge. Am Ende glaubt Rafa noch ich hätte das so eingefädelt! Wie peinlich ist das denn?
Das stellt mich als die total Verzweifelte dar! Die Reaktion von Rafa kann ich verstehen. „Ich war das wirklich nicht“ Meinte ich dann nur und setzte mich wieder hin. Rafa verschränkte seine Arme vor dem Bauch und verzog sein Gesicht. „Na toll und jetzt?“ “Sieht so aus als wenn du hier bleiben müsstest“ Er setzte sich an den Tisch und drehte seinen Stuhl so das er mich nicht sieht. Ich beobachtete ihn eine Weile und könnte ihn gleich wieder umbringen wenn er sich so abweisend verhält. Was hatte ich auch erwartet? Die Stimmung war sehr angespannt. Jetzt hatten wir schon die Möglichkeit mal alles zu klären, da schweigen wir uns an! Besser gesagt Rafa schweigt mich an, ich würde schon mit ihm reden aber nicht so. Ich hatte da echt keine Lust drauf, vielleicht gibt es wirklich nichts mehr zu retten auch wenn ich das hoffe.
„Rafael“ Er sah weiterhin auf das Meer und reagierte nicht weiter. „Was willst du hier?“ Fragte er wieder ohne mich anzusehen. So langsam reichte es mir. „Mit dir reden“ Es kam gar nichts mehr, er tat so als wäre ich nicht da. „Würdest du mich bitte ansehen wenn ich mit dir rede?“ Fragte ich dann laut und ziemlich sauer. „Vielleicht will ich aber nicht mit dir reden“ Kam es in einer gleichgültigen Tonlage. Jetzt reichte es mir aber, wenn ich könnte, würde ich ihn jetzt rauswerfen. So hat es keinen Sinn! Jetzt ist er aber einmal hier und weglaufen kann er nicht. Ich stand auf und lehnte mich mit dem Rücken an die Brüstung, da ich direkt vor ihm stand musste er mich jetzt ansehen. „Willst du jetzt die nächste Stunde hier sitzen und den Eingeschnappten spielen?“ Er sah wieder seitlich an mir vorbei also drehte ich mich um und sah von ihm weg. Ich schüttelte leicht mit dem Kopf und wurde das Gefühl nicht los das es zu nichts führen wird.
„Hat Maymó das eingefädelt?“ Fragte er dann plötzlich. “Er meinte es nur gut. Ich wusste gleich, dass du stur bist aber er wollte mir nicht glauben“ Ich setzte mich dann wieder hin und zu meinem Erstaunen drehte er dann seinen Stuhl und sah mich an. Ein wenig seltsam war es schon mit Rafa hier zu sitzen, schade ist nur das ich genau weiß das er jetzt nicht hier wäre wenn er die Wahl hätte. „Bist du nur hier weil du mit mir reden willst?“ Ich muss ja schon froh sein das er überhaupt mit mir redet auch wenn sich seine gute Laune in Grenzen hielt. “Dein sogenanntes Team macht sich Sorgen um dich“ “Die sehen Gespenster, dazu besteht kein Grund“ Langsam könnte ich verzweifeln, ich komme einfach nicht an ihn ran wenn er so dicht macht. „Wenn das so ist, reise ich wieder ab. Stell dir einfach vor ich wäre nicht hier und vergiss das hier gleich wieder“ Er blieb sitzen und sah mich direkt an, ich machte mir schon Gedanken wo das noch hinführt. „Es tut mir leid wenn du dir etwas anderes erhofft hast“ Meinte er dann und sah kurz von mir weg. Er scheint so seine Probleme damit zu haben mich direkt anzusehen. “Muss es nicht, ich habe geahnt das du so reagierst“ “Warum?“ “Weil ich dich kenne“ “Wie lange wolltest du hier bleiben?“ Fragte er dann mit einem nachdenklichen Blick.
„Bis morgen, das Turnier ist ja dann sowieso zu Ende. Ich kann aber auch heute Abend zurückfliegen wenn dir das lieber ist“ “Bleibe hier. Ich meine jetzt bist du ja schon mal hier“ War das sowas wie der Lichtstrahl am Horizont? Ein wenig hatte ich doch den Gedanke im Hinterkopf, dass er jetzt wirklich sagt, dass ich verschwinden soll. „Ich will dir nicht auf die Nerven gehen“ Zum ersten Mal huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht, es war aber wirklich nur ganz kurz. „Das tust du nicht. Das ist nur eben ein bisschen viel alles. Kann sein das du dir was anderes erhofft hast aber ich fühle mich eben total überrumpelt. Fast zwei Monate höre ich nichts von dir und dann bist du plötzlich hier“ “Das kann ich verstehen, ich würde mir an deiner Stelle auch verarscht vorkommen aber hättest du sonst gewollt das ich hier her komme?“ “No, also ich meine natürlich bin ich froh dich zu sehen aber um ehrlich zu sein habe ich mir nicht viel Hoffnungen gemacht dich überhaupt nochmal zu sehen daher schockt es mich jetzt ein wenig. Es hat ein paar Tage gedauert bis mir so richtig klar war was ich gesagt habe. Ich war mir ziemlich sicher, dass du nicht mit mir reden willst. Mir ist klar, dass ich es verbockt habe“
Fast musste ich darüber lachen, er sah mich so zerknirscht an und zuckte hilflos mit den Schultern. Das löst bei mir nur den Reflex aus ihn umarmen zu wollen. „Warum hast du dich nicht gemeldet? Klar war ich sauer aber wir hätten darüber reden können. Das du gelegentlich über’s Ziel hinausschießt weiß ich ja inzwischen. Wenn du dich überhaupt nicht mehr rührst, werde ich den Eindruck nicht los das es dir egal ist und du es daher nicht für nötig hältst dich zu melden“ “Das stimmt nicht!“ Sagte er leise während er immer weiter nach unten rutschte in seinem Stuhl. Gleich verschwindet er unter dem Tisch. Immerhin scheint er einzusehen, dass er es verbockt hat und wenn er mich so verunsichert ansieht, kann ich nicht länger sauer auf ihn sein. Ich wusste es, wenn ich ihn sehe, ist es vorbei mit sämtlichen guten Vorsätzen. „Kommst du heute Nachmittag zu dem Match?“ Kann ich es ihm überhaupt abschlagen wenn er so fragt? „Wenn es dich nicht stört schon“ Antwortete ich mit einem vorsichtigen Lächeln. Ein ganz klein wenig scheint sich die angespannte Stimmung zu lockern.
„Du kannst zu allen Spielen von mir kommen ohne mich vorher zu fragen. Ich würde mich freuen wenn du kommst“ Versucht er jetzt mich einzuwickeln? Seine Meinung ändert sich ja schnell, vor ein paar Minuten dachte ich es ist ihm lieber wenn ich verschwinde und jetzt soll ich doch zu dem Match kommen. „Ok“ Meinte ich und musste es mir verkneifen vom einen Ohr zum anderen zu Lächeln. So ganz langsam entspannte sich die Lage auch wenn es weit von dem wie früher entfernt ist. Immerhin blieb er hier bis er los musste wegen dem Spiel.

Rafa sah ich ja nicht mehr bis zu dem Spiel also hatte ich Zeit in Ruhe zu Essen und dann zur Anlage zu gehen. Es war schon richtig viel los, so viele Menschen auf einen Haufen sind immer erschreckend. Im Gang zum Players Restaurant tauchte Maymó plötzlich wieder auf, den hatte ich länger nicht mehr gesehen weil vorhin Costa erschienen war und Rafa abgeholt hat oder sollte man besser sagen befreit aus meinem Zimmer? Er kam näher und blieb vor mir stehen. „Und wie war’s?“ “Na ja, ich kann nicht hexen. Er redet zumindest mit mir“ “Ich wünschte ich könnte das selbe von mir behaupten. Er ist nicht wirklich begeistert darüber das ich mich eingemischt habe“ “Er sollte dir dankbar sein“ “Das werde ich ihm bei passender Gelegenheit schon noch unter die Nase reiben. Damit habe ich gerechnet, der beruhigt sich auch wieder. Ich meine, mich kann er nicht so leicht loswerden. Toni ist übrigens auch nicht begeistert. Ich glaube den stört es das er von nichts gewusst hat“
Ich rollte mit den Augen und fragte mich wer jetzt eigentlich nicht sauer auf jemanden ist. Wenn alle sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, hilft das auch niemandem. „Das wollte ich natürlich nicht“ “Er denkt das du Rafa nur noch mehr durcheinander bringst. Der weiß aber genau wie ich nicht genau was passiert ist“ Meint der das Ernst? Will er mir erzählen, dass Rafa nicht gesagt hat was genau los war? Sonst wertet Rafa doch auch jedes Detail mit seinem Team aus, dass scheint wohl nicht auf seine Privatangelegenheiten zuzutreffen. Was soll ich jetzt sagen? Ich zuckte nur mit den Schultern. “Mache dir keine Sorgen, dass regelt sich schon alles. Ich muss jetzt los, wir sehen uns später sicher noch“ Zum Glück musste er los. “Ja, bis dann“

Ich traute mich kaum in die Players Box. Wer weiß wie die auf mich reagieren. Erst passierte gar nichts, Toni erschien zusammen mit Costa und Maymó und setzte sich hin. Er grüßte mich und tat als wenn nichts gewesen wäre. Ich versuchte noch das einzuordnen als Rafa auf dem Platz erschien. Heute ist also das Halbfinale und David Ferrer hat die Ehre gegen Rafa spielen zu dürfen. Das sollte machbar sein für Rafa und Ferrer kennt er doch ziemlich gut. Bei den Buchmachern ist Rafa Haushoher Favorit auf den Turniersieg. Die letzten fünf Jahre hat Rafa hier gewonnen also erwarten das jetzt alle von ihm, möglichst noch ohne Satzverlust. Schön wär’s, er hat seit fast einem Jahr kein Turnier mehr gewonnen.
Muss hart sein für jemanden der sonst fünf oder mehr Turniere pro Jahr gewonnen hat. Spielerisch könnte Rafa locker gewinnen aber er hat ein Nervenproblem und schlägt sich praktisch immer selbst kurz vor dem Sieg. Vielleicht hat er jetzt hier auf Sand mehr Glück und gewinnt endlich mal wieder. Es sah doch gut aus, Rafa legte direkt los und angelte sich gleich am Anfang ein Break. Es lief zu gut, der erste Satz lief wie geschmiert und war auch ziemlich bald mit 6-3 zu Ende. Wenn Rafa es schafft im zweiten auch so zu spielen, schafft er es ganz entspannt ins Finale. Spannung kam nicht wirklich auf aber das ist mir lieber, ich kann tiebreaks auf den Tod nicht ausstehen. Früher konnte man davon ausgehen das Rafa gewinnt weil er so gut wie alle tiebreaks gewonnen hat aber inzwischen liegt dort seine größte Schwachstelle. Die Nerven spielen ihm da neuerdings einen Streich und er vergeigt alles. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Man konnte Rafa schon ansehen, dass er um jeden Preis hier gewinnen will.
Im Finale war er schon mal, mit 6-2 war der zweite Satz auch keine große Anstrengung gewesen. Nach dem letzten Ballwechsel freute sich Rafa so als wenn er das Turnier schon gewonnen hätte. Oh weia, ein Turniergewinn scheint gut für sein Ego zu sein. Ich freue mich wirklich, dass er es ins Finale geschafft hat, vielleicht ist seine Laune jetzt auch besser.

Ob Rafa jetzt Zeit hat oder ob noch Termine sind weiß ich gar nicht so genau aber es dauert in jedem Fall noch eine Weile bis er im Hotel ist also ging ich alleine wieder zurück und ließ mir viel Zeit. Eine kleine Runde drehte ich noch über die Anlage aber da jetzt alle Menschen aus dem Stadion strömten, war es ziemlich überfüllt überall so dass ich schnell verschwand. Vielleicht hat er ja wenigstens heute Abend Zeit wenn es jetzt schon nichts wird. Ich telefonierte in meinem Zimmer mit Sara aber so viel konnte ich nicht berichten und das Spiel hatte sie über Internet auch gesehen. Nicht nur das Spiel, mich hat sie auch gleich mit gesehen. Die Hoffnung das Rafa mal ein Lebenszeichen von sich gibt er füllte sich leider nicht, er war auch drei Stunden nach dem Spielende nicht im Hotel.
Inzwischen fiel mir wieder ein das er nach dem Spiel noch trainiert also kann es dauern. Das zweite Halbfinale lief eben, vielleicht guckt er sich das auch noch an um zu sehen was oder wer ihn morgen erwartet. Na ja, ist ja egal ob ich hier vor dem Fernseher sitze oder bei mir zu Hause. Immerhin kam ich auf einen Kurztrip mal ans Mittelmeer, wenn ich doch nur Zeit hätte und länger hier bleiben könnte! Ein klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken also stand ich auf und lief zur Tür. Ohne vorher durch den Spion zu sehen öffnete ich die Tür und zog dann ein Lächeln. „Hey, ich dachte schon du kommst gar nicht mehr ins Hotel“ Rafa lächelte mich vom einen Ohr zum anderen an. Der Sieg scheint sein Ego ja ziemlich beflügelt zu haben. “Ich hatte noch die Pressekonferenz und das Training“ “Mhh“ Machte ich nur und lehnte mich seitlich an die Tür. „Hast du heute Abend Zeit? Ich habe jetzt noch ein Interview aber heute Abend habe ich Zeit. Ich dachte wir könnten vielleicht zusammen Essen gehen wenn du nichts dagegen hast?“ Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, er sollte mal nicht so förmlich tun! Oder hat er Angst sich eine Abfuhr von mir einzuhandeln? Er macht einen total eingeschüchterten Eindruck auf mich wenn er so übertrieben vorsichtig fragt.
„Von mir aus“ Meinte ich kurz und sein Gesicht entspannte sich sichtbar im nächsten Augenblick. “Ok, dann hole ich dich um acht hier ab“ “Mhh, geht klar“ Antwortete ich und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. “Dann bis später“ Ich sah ihm noch nach wie er den Gang entlang lief und dann ein paar Zimmer weiter verschwand.