4 January 2010

Chapter 26

Als alle mit dem Essen fertig waren verkrümelte ich mich kurz in die Küche um den Nachtisch zu holen. Ich kann Rafa ja sicher mal ein paar Minuten mit meinen Eltern alleine lassen. Zumindest dachte ich, dass ich alleine in der Küche wäre. “Soll ich dir helfen?” Kam es plötzlich von hinter mir, meine Mutter, es war so klar! Sie will es wohl jetzt genau wissen und gibt nicht auf. Ich drehte mich um und zog ein lächeln. “Nein, geht schon” Sie kam näher und blieb neben mir stehen. Was gleich kommt ahnte ich schon. “Hättest du uns nicht vorwarnen können?” ”Warum? Er tut keinem was, ihr hättet euch nur unnötig Gedanken gemacht” ”Von dem Schock erholt sich dein Vater nie” Jetzt musste ich aber doch lachen.
“Warum denn? Ist doch nichts passiert” ”Weil dein Vater zufällig auch guckt wenn hier mal Tennis im fernsehen übertragen wird. Sein Gesicht war doch eindeutig oder nicht? Ich gebe zu, dass ich erst nicht wusste wer das ist aber wie groß muss der Schock erst für jemanden sein der Tennis guckt wenn er spielt” ”Ja, ich kann auch nichts dafür das alle erschrecken wenn sie Rafa sehen. Ich wusste wirklich nicht das er hier her kommt sonst hätte ich euch nicht auch noch eingeladen” Sie grinste mich so verdächtig von der Seite an.
“Na das kann ich mir vorstellen! Wie bist du eigentlich an den geraten?” ”Na im Mai als ich mit Sara in Porto Cristo gewesen bin. Ich war da alleine in einer Bar weil Sara woanders hingehen wollte. Rafa wohnt dort und ist auch dort aufgetaucht, na und der Rest ist eine lange Geschichte” “Ja aber ich meine ihr wart doch nur eine Woche dort. Wieso taucht er ein halbes Jahr später plötzlich hier auf?” Inzwischen fiel mir auch ein auf was sie anspielte. Mir war kurz entfallen das sie nicht wissen wo ich war als ich zuletzt auf Mallorca war vor knapp sechs Wochen. “Das war nicht nur dort. Ich war doch im August auch in Berlin mit Sara zu dem Turnier und na ja im September war ich doch noch mal in Spanien. Das ich mit Sara dort Urlaub gemacht habe war nur die halbe Wahrheit” Sie zog gleich wieder so ein herrliches Gesicht.
“Du warst also gar nicht mit Sara im Urlaub? Jetzt sage nicht du bist heimlich mit ihm abgetaucht” ”Das war nicht heimlich, er war eben zu Hause in der Woche. Sara dachte ich bin mit euch in Österreich in der Woche. Ich weiß, dass ich es hätte eher sagen sollen aber was hätte ich denn machen sollen? Hättet ihr mir das geglaubt?” ”Wahrscheinlich nicht. Du musst zugeben das die Story ein bisschen zu abgedreht klingt” ”Eben” Das grinsen meiner Mutter wurde immer breiter. ”Ich hätte an deiner Stelle auch nicht lange überlegt” Ich rollte mit den Augen und hoffte das sie wieder locker lässt. “Es ist nicht so das ich dachte ich muss ihn mir warm halten weil er eine Menge Geld hat” ”Sagt ja auch niemand. Wir sind deine Eltern und wollen eben wissen mit wem du zusammen bist” ”Wir sind nicht zusammen” “Warum nicht? Den würde ich an deiner Stelle nicht gehen lassen” Ich rollte mit den Augen und gab es auf.
Meine Mutter konnte manchmal extrem nerven. ”Das ist noch nicht spruchreif” ”Schon gut von uns erfährt niemand etwas. Jedenfalls solange dein Vater sich beherrschen kann. Wenn ich den nicht zwinge zu gehen, sind wir morgen noch hier. Für den ist Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Erst jammert er weil hier kein Tennis kommt und dann taucht Rafael Nadal hier auf. Der fragt ihn bis in alle Ewigkeit aus wenn du ihn lässt“ “Ich glaube es wird Rafa nicht stören, der ist es gewohnt das alle Fragen stellen“ Bevor sie noch weiter nervt, lief ich mit der Crema Catalana wieder ins Wohnzimmer. Da war ich sicher vor nervigen Fragen von meiner Mutter.

Kaum das wir mit dem Nachtisch fertig waren drängelte meine Mutter das sie nach Hause will. Mein Vater wollte zwar noch bleiben aber meine Mutter setzte ihren Kopf durch. Sie dachte wohl ich will mit Rafa alleine sein und wollte deswegen so schnell gehen. So auffällig hätte sie es aber nicht gleich machen müssen. Es kam mir ja durchaus entgegen wenn sie gehen, so haben wir noch ein bisschen unsere Ruhe. Tja, was sollten wir machen?
Ehe ich es mir versah standen meine Eltern im Flur und verabschiedeten sich. Spätestens als meine Mutter mir so verräterisch zuzwinkerte wusste ich warum sie so drängt zu gehen. Als die Luft wieder sauber war atmete ich tief durch und lief dann ins Wohnzimmer zurück. Rafa saß am Tisch und zog ein breites Lächeln als er mich reinkommen sah. Wortlos setzte ich mich wieder neben ihn und sah auf das Geschirr auf dem Tisch. “Das war's dann wohl” ”Es ging doch als sie den ersten Schock überwunden hatten” ”Ja, es hätte schlimmer kommen können” ”Du kannst mich jetzt immer mit Rafa ansprechen” Jetzt da er es sagte fiel mir das erst auf. Bis jetzt hatte ich ihn immer mit dem vollen Name angesprochen auch wenn ich sonst an seinen Spitzname Rafa gewöhnt war.
“Wenn du darauf bestehst” ”Sí, ich bin es gewohnt, die halbe Welt spricht mich so an. Es ist selten das mich jemand mit dem vollen Name anspricht außer meine Eltern, die bestehen auf dem kompletten Name” ”Das ist ja wie mein Vater, der dreht durch wenn es sich jemand traut ihn mit Nando anzusprechen, das kann er gar nicht leiden” ”Aber es lief doch ganz gut oder?” ”Mhh, wenn man bedenkt das sie keine Ahnung hatten was sie erwartet schon. Das Gesicht von meinem Vater war echt herrlich, ich hatte keine Ahnung das er Tennis guckt“

Ich räumte erst mal den Tisch ab und suchte dann nach einer Flasche Rotwein, von der ich mir sicher war das sie irgendwo in meiner Abstellkammer ist. Als ich sie endlich gefunden hatte lief ich zurück ins Wohnzimmer und stellte die Flasche auf den Tisch. “Willst du mich abfüllen?” Kam es auch gleich. “Im Gegenteil, so was habe ich nicht nötig und dieses mal passe ich auf wie viel du trinkst” Sein grinsen verging ihm gleich. Ja, ich dachte da an diesen Abend in Manacor der so harmlos anfing und für Rafa beinahe im Vollrausch endete. “Erinnere mich nicht daran” Ich holte noch zwei Gläser und setzte mich dann neben ihn.
“Hast du eigentlich den Zeitungsartikel mit dem Bild aufgehoben?” ”Sí obwohl ich normalerweise keine Artikel über mich aufhebe. Wenn du in der Zeitung bist muss ich es aufheben” ”Kannst du mal einscannen und mir schicken wenn du daran denkst” ”Kannst mich ja erinnern falls ich es vergesse. Hat dich jemand erkannt auf dem Bild?” Meinte er jetzt Sara? Ich sah auf das Weinglas und trank erst mal einen großen Schluck. “Falls du Sara meinst, sie kam zwei Tage nachdem sie wieder hier war hier her und hat mir die Freundschaft gekündigt” Sein Gesicht wurde immer besser. Ein bisschen betroffen sah er schon aus. “Wirklich? Nur wegen dem Bild?” ”No, das Bild war nur der Auslöser. Ich habe sie doch monatelang an der Nase rumgeführt. Irgendwie kann ich sie auch verstehen, ich weiß doch selber das es daneben war. Sie ist ja nicht mal ausgeflippt, sie war nur ein paar Minuten hier und hat gesagt das ich die längste Zeit ihre Freundin war. Bevor ich reagieren konnte war sie schon wieder weg. Tja, das ist jetzt über fünf Wochen her und sie hat sich nicht gemeldet seit dem Tag” Rafa sah mich immer noch so nachdenklich an.
“Und du denkst nicht das sie sich wieder beruhigt?” Ich zuckte mit den Schultern und fragte mich das selbst. “Ich weiß nicht. Erst dachte ich sie hält es sowieso nicht lange aus ohne sich zu melden aber inzwischen fürchte ich fast das sie Ernst macht. Ich meine, die letzten zehn Jahre hatten wir nie länger als drei Tage keinen Kontakt. Ich traue mich nicht sie anzurufen weil ich fürchte das es alles noch schlimmer machen würde wenn ich versuche mich rauszureden” Rafa lehnte sich seitlich an mich und umarmte mich dann.
“Ich wollte das natürlich nicht, ich will nicht Schuld sein das du nicht mehr mit ihr befreundet bist wegen mir” ”Das bist du nicht. Also nicht direkt, ich hätte sie ja nicht anlügen müssen dann wäre auch nichts passiert” ”Wäre das so schlimm gewesen es ihr zu sagen?” ”Frage ich mich auch. Ich habe es nur nicht getan weil ich nicht wollte das sie mich nutzt um an Informationen über dich zu kommen. Eigentlich hält sie dicht aber ich traue ihr nicht in der Hinsicht, sie hat schon immer gerne getratscht” ”Ich will ja nicht urteilen aber das hast du wirklich toll hinbekommen” Ich zog nur ein gequältes Lächeln, ich bin an allem Schuld, dass ist nichts neues.
“Gracias, wenn ich so überlege, du bist doch Schuld an allem” Das war natürlich ein Scherz von mir. “Sí aber das stört mich nicht, bin ich gewohnt” ”Es muss so was wie Schicksal sein das du hier bist. Die letzten drei Jahre hatte ich einen riesigen Spaß dabei mich über Sara lustig zu machen weil sie ein Spiel von dir angucken musste oder weil sie stundenlang Bilder von dir anguckt und dann sabbert. Ich habe ihr Gebetsmühlenartig vorgepredigt das sie aufhören soll damit weil sie dich sowieso nicht länger als zehn Minuten sehen wird und dann werde ausgerechnet ich eines Besseren belehrt” ”Tja, jetzt hast du mich am Hals. So ist das wenn man es zu gut meint” ”Ich war ja nur realistisch. Wenn sie es schon nicht ist dachte ich mir das ich sie wenigstens darauf hinweise das sie verrückt ist. Leider hat sie das so interpretiert das ich neidisch bin oder es ihr nicht gönne”

Schneller als ich wollte, zeigte der Wein seine Wirkung bei mir. Ich war plötzlich so müde das ich schon dachte das ich es gar nicht mehr alleine von hier bis in mein Bett schaffe. Außerdem müsste ich dazu Rafa loslassen und ich lag eben so bequem an ihm. Er war so schön warm, kein Wunder das ich an Ort und Stelle einschlafen könnte.
“Schläfst du schon?” Kam es dann leise. Er sah ja mein Gesicht nicht da ich meinen Kopf an seiner Schulter liegen hatte. ”Mhh, fast” Antwortete ich leise. “Vielleicht solltest du ja ins Bett gehen” ”Ich schaffe es nicht mehr” Ein paar Augenblicke später stand er auf und hob mich plötzlich hoch. Ich klammerte mich an ihm fest und wurde aus meinem Dämmerschlaf gerissen. “Was soll das werden?” ”Du schläfst gleich ein” Ja, das stimmte.
Gerechnet hätte ich damit nie aber er trug mich tatsächlich in mein Bett, von mir aus kann er das jetzt jeden Abend machen. Es wäre mir aber noch lieber gewesen wenn er gar nicht aufgestanden wäre. Es war doch gleich sehr viel bequemer im Bett zu liegen als auf der Couch. Er deckte mich zu und küsste mich kurz auf die Stirn. “Bin gleich zurück, ich gehe nur schnell duschen” ”Mhh” Ich sah ihm nach wie er aus dem Zimmer ging und schloss dann meine Augen.

Stunden später wachte ich wieder auf weil ich dringend auf Toilette musste. Ich drehte mich auf den Rücken und schlug meine Augen auf, es war alles dunkel um mich rum, sicher war es mitten in der Nacht. Mit der linken Hand suchte ich neben mir nach Rafa aber er war nicht da, ich spürte nur die Bettdecke und das Bettlaken neben mir. Wieso ist er nicht hier? Ich dachte er geht duschen und schläft dann mit hier.
Aufstehen musste ich ja sowieso also quälte ich mich hoch und schlich im Dunkeln ins Bad. Jetzt war ich sowieso schon mal auf den Beinen also lief ich dann weiter zum Wohnzimmer und spähte rein. Rafa lag tatsächlich auf der Couch und schlief! Ich dachte es wäre klar gewesen das er neben mir schläft aber offensichtlich hat er es anders interpretiert. Eigentlich wollte ich ja warten bis er wieder zurück ist vom duschen aber ich muss wohl vorher eingeschlafen sein. Zwar hatte ich nicht direkt gesagt das er neben mir schlafen soll aber ich dachte auf die Idee kommt er auch von selbst. Ich lief näher zur Couch und ging davor in die Hocke, wecken wollte ich Rafa ja auch nicht aber zu Zweit ist es definitiv zu eng auf der Couch.
Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden im Dunkeln und fuhr dann mit einer Hand durch seine Haare, es störte ihn nur gar nicht. Kurz kam ich ins schwanken doch wieder ins Bett zu gehen und ihn in Ruhe schlafen zu lassen. Auch auf die Gefahr hin das er vielleicht sauer ist wenn ich ihn wecke... ich rüttelte sanft an seiner Schulter und wartete bis er ein Lebenszeichen von sich gibt. “Rafa?” Fragte ich leise und ließ nicht locker. Er wurde dann unruhig und drehte sich auf die Seite.
“Mhh?” Kam es dann leise. Ich sah ihn an soweit das im Dunkeln ging und strich ihm seine Haare aus dem Gesicht. “Ich will neben dir schlafen” Flüsterte ich leise und war gespannt auf seine Reaktion. „Du kannst mir gerne Gesellschaft leisten, es ist wirklich bequem hier“ Irgendwie klang das jetzt so als wenn er das Gegenteil meinte, zumindest der letzte Teil. Gut, kann schon sein das die Couch etwas kurz ist oder Rafa ist einfach zu groß je nachdem wie man es nimmt. „Wo ist es denn unbequem? Wenn dir das nicht ausreicht, liegt es nicht an der Couch sondern an dir. Ziehe einfach die Füße ein“ „Du bist zu freundlich“ „Falls es dich beruhigt, mein Bett ist etwas länger als die Couch“ “Ist ja gut, ich komme mit“ Ich stand also wieder auf und zog ihn an der Hand hinter mir her in mein Schlafzimmer.
Nachdem ich gewartet hatte bis er bequem lag, rückte ich so nah es ging an ihn. War doch gleich viel bequemer so! Vor ein paar Wochen war ich mir sicher das ich ihn nie in mein Bett lassen würde aber so ändern sich eben die Dinge. Ich habe irgendwie keine Kontrolle über mich wenn ich ihn sehe.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte und neben mich sah, musste ich gleich lächeln. In den letzten Wochen hatte ich mir oft genug gewünscht neben Rafa aufzuwachen. Das er jetzt hier ist, erscheint mir so unreal. Wäre ja noch schöner gewesen wenn er ab jetzt immer auf der Couch schläft. Ich drehte mich auf die Seite und umarmte ihn. Da er noch schlief konnte ich ihn ja beobachten. Das könnte ich öfters tun, mir hatte schon was gefehlt die letzten Wochen wenn ich aufwache und dann alleine bin. Natürlich hätte ich mir selbst nie eingestanden das ich Rafa vermisse auch wenn es so war, umso schöner das er jetzt hier ist.
Wenn ich ihn direkt neben mir sehe, wird mir klar wie blöd ich sein muss wen ich freiwillig darauf verzichte. Schon erstaunlich das er das Risiko eingegangen ist hier her zu kommen ohne Vorwarnung. Am Telefon hätte er mich sicher nicht so schnell einwickeln können. Da komme ich nur wieder ins grübeln. Einerseits ist es irgendwie sinnlos weil wir uns viel zu selten sehen können aber wenn ich ihn dann sehe, sind alle Zweifel wie weggewischt. Vielleicht ist er dann ja wieder vier oder sechs Wochen weg und ich würde es auf die Dauer nicht aushalten ihn nur aller ein paar Wochen mal für zwei oder drei Tage zu sehen, ich will das so auch gar nicht.
Auf der anderen Seite ist mir klar, dass ich blöd sein muss wenn ich ihn abblitzen lasse. Er wäre ja nicht hier wenn ich ihm egal wäre und ich glaube nicht das er noch mal einfach so hier her kommen würde wenn ich ihm sage das ich keinen Kontakt zu ihm will.

Ehe ich lange nachdenken konnte wachte Rafa aber auf. Es war so schön wie er mich so verschlafen ansah. “Bon dia” Sagte ich breit lächelnd. Er drehte sich auf die Seite und umarmte mich. Es war so bequem das ich direkt wieder einschlafen könnte. “Warum hast du es vorgezogen auf der Couch zu schlafen statt hier?” Fragte ich ihn dann gleich direkt. “Weil ich mir nicht sicher war ob du willst das ich hier schlafe” ”Klar will ich das du neben mir schläfst. Das wir uns eine Weile nicht gesehen haben heißt ja nicht das wir so tun müssen als wäre nie was gewesen” Das war ja echt verrückt, wenn jemand Ansprüche stellen kann neben mir zu schlafen dann ja wohl Rafa daher verstehe ich nicht warum er sich so ziert.
Ist aber auch egal jetzt, er ist ja hier. “Wie du meinst” Kam es dann nur. Ich fuhr mit den Fingerspitzen über seinen Arm und musste an vorhin denken. “Was machst du denn jetzt eigentlich jetzt? Ich meine außer mich besuchen“ “Nächste Woche geht die Vorbereitung für die neue Saison los. Ansonsten hatte ich genug Zeit zum relaxen. Langsam wird es auch langweilig weil ich es nicht gewohnt bin nicht viel zu machen. Ich würde am liebsten gleich wieder das Finale der Tour in London spielen aber Toni lässt mich sowieso nicht” ”Wenn du die letzten Monate gar nicht gespielt hast bist du auch nicht optimal vorbereitet oder?” ”Ich will ja auch nicht gleich gewinnen, mir würde für den Anfang auch das Halbfinale reichen. Wenn ich so viel Zeit zum überlegen habe komme ich auf dumme Ideen, deswegen bin ich auch hier” ”So dumm war die Idee gar nicht”
Langsam verschwand sein Lächeln dann wieder. “Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?” ”Habe ich doch schon gesagt, ich dachte du bist sauer auf mich” ”Ich meinte warum du den Kontakt abgebrochen hast. Etwa nur wegen dem was ich in Porto Cristo gesagt habe?” Ich überlegte kurz was ich sage. ”No also nicht nur. Es war nur ein guter Aufhänger, ich meine wir sehen uns doch kaum, wie stellst du dir das vor?” ”Du kannst jederzeit nach Mallorca zu mir kommen” ”Jetzt ja und wenn du nächstes Jahr wieder auf Tour bist?” Sein Gesicht sagte schon alles, er hat keine Ahnung, ich sehe es ihm förmlich an.
“Es wird schon irgendwie gehen vorausgesetzt du willst es. Ich wäre jetzt sicher nicht hier wenn ich der Ansicht wäre das es sinnlos ist” ”Ich will dich nicht nur aller paar Wochen mal sehen. Das soll auch kein Vorwurf sein weil ich weiß das du nichts daran ändern kannst” Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, glaubt er ich will ihn jetzt doch abservieren? Ich weiß doch selbst nicht was ich will. Klar will ich mit ihm zusammen sein aber das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt.

“Sieh mich nicht so an!” Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. “Was erwartest du?” Kam es immer noch so ernst. “Rafa, das sollte eben nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will. Im Gegenteil, ich bin total gerne mit dir zusammen daher will ich auch nicht auf dich verzichten” Wenigstens entspannte sich sein Gesicht wieder. “Was soll ich davon halten? Erst sagst du das du das so nicht willst und dann sagst du das du mit mir zusammen sein willst. Es ist ja nicht so das du nicht mitkommen kannst.
Von mir aus kannst du die ganze Tour mitmachen” “Das geht nicht auch wenn es verlockend klingt” ”Ich meine ja nur, es ist nicht so das ich dich nicht dabei haben will bei den Turnieren. Mir wär's auch am liebsten wenn du überall dabei wärst aber ich weiß das ich das nicht von dir verlangen kann” Langsam erschien mein Lächeln wieder. “Na ja also das wichtigste könnte ich natürlich schon mitnehmen, Wimbledon würde ich mir schon mal ansehen” ”Dir geht es ja doch nur um Karten” Er sagte das so trocken, da musste ich noch mehr lachen. “Das ist eine verleumderische Unterstellung! Es ist nicht so das ich da auch hingehen würde wenn du aus irgendeinem Grund gar nicht spielst” ”Wenn du dort auftauchst, wird die Presse sich freuen. Die hatten viel zu lange keine Klatschgeschichten mehr über mein Privatleben” ”Das lässt sich dann wohl nicht ändern. Mir ist klar das ich unfreiwillig in der Presse lande” ”Ich sage sowieso nichts dazu. Sicherlich werde ich es nicht noch breittreten, geht auch keinen etwas an außer uns”
Wenn ich ihn so reden höre, es klingt ja irgendwie so als wenn wir richtig zusammen wären. Es scheint ihm ja wirklich alles ernst zu sein. Hat er eigentlich seinen Eltern gesagt das er bei mir ist? Damals wussten sie ja das ich in Porto Cristo war. “Wissen deine Eltern das du hier bist?” ”Mhh, ich habe gesagt das ich vor habe dich zu besuchen. Ich wusste ja nicht was passiert und ich will nicht das die Presse schneller ist. Eigentlich bin ich zwar aus dem Alter raus wo ich alles meinen Eltern erzählen muss aber meine Mutter hat reges Interesse an meinem Privatleben” Ist es also doch so das er nicht alles unter den Teppich gekehrt hat vor seinen Eltern. Nachdem ich so überraschend abgereist war hätte er ja auch sagen können das es sich erledigt hat.
Wenn er seine Eltern mit reinzieht, macht er es ja schon fast offiziell das wir zusammen sind. “Wie findet sie es das du hier her kommst und ich nichts ahne?” ”Genau das ist der Punkt, sie hat gesagt ich bin verrückt und das ich dich wenigstens vorwarnen soll” ”Du hättest auf sie hören sollen. Hätte sein können ich bin nicht da oder so” ”Das war Risiko. Meine Eltern glauben sowieso das ich übergeschnappt bin. Die sind bestimmt gespannt darauf dich mal zu sehen weil sie wissen wollen wie du es schaffst mich zu solchen Aktionen zu verleiten”
Mein lächeln sah bestimmt gut aus. Was kann ich dafür das Rafa sich nicht unter Kontrolle hat? Ich habe ihn nicht angebettelt das er hier her kommt. Hätte ich es getan wäre es interessant gewesen zu sehen wie viele Stunden er bis hier her gebraucht hätte.

Wir bequemten uns dann aus dem Bett und frühstückten erst mal. Ich wäre auch bis Mittag im Bett geblieben aber Rafa kann sowieso nicht lange ruhig liegen bleiben. Wahrscheinlich fehlt ihm schon das ganze Training und da muss er sich anderweitig abreagieren wenn er schon nicht Tennis spielen kann. Heute war verhältnismäßig schönes Wetter also müssen wir ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung bleiben.
Es gab unweit von meiner Wohnung einen kleinen See mitten im Wald. Baden gehen wäre schlecht um diese Jahreszeit aber man könnte zumindest dort spazieren gehen oder wenigstens ein bisschen frische Luft schnappen. Dort kann Rafa sich auch gänzlich unbeobachtet fühlen denn dort wird niemand sein und wenn dann gehen nur Rentner spazieren. Es wunderte mich nur das er nicht protestierte, ich dachte das ist ihm zu langweilig aber er sagte nichts also setzten wir das in die Tat um.

“Und es ist dir wirklich nicht zu langweilig?” Fragte ich als wir am Parkplatz aus dem Auto stiegen. Ich sah in den Wald und dachte jetzt ist die letzte Möglichkeit das er sagen kann wenn er doch keine Lust hat. “No, ist schon ok, bisschen frische Luft kann ja nicht schaden. Ich bin zwar nicht solche Temperaturen gewohnt aber wir müssen ja nicht ewig hier bleiben” Tja, wahrscheinlich ist noch Sommer auf Mallorca oder zumindest Herbst während es hier schon wie Winter aussah.
Blätter waren schon lange keine mehr auf den Bäumen und die Landschaft war richtig kahl geworden. Von den Temperaturen dürfte sich es auch gravierend unterscheiden, hier schneit es manchmal schon auch wenn nichts liegen bleibt, Nachtfrost ist zumindest normal. “Also gut, wie du meinst“ Ich schloss das Auto ab und lief dann mit ihm los.

Nachdem wir ungefähr 20 Minuten liefen tauchte der See auf. Es war alles total ruhig und friedlich, im Sommer ist hier immer die Hölle los. So richtig schön einsam sah es auch gut aus, es waren auch keine Menschen weit und breit zu sehen. Ich sah auf das Wasser während ich meine Gedanken schweifen ließ. Hätte mir vor zwei Tagen einer gesagt das ich heute mit Rafa hier bin, hätte ich den für irre erklärt. Etwas frisch war es schon also steckte ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke. “Ist dir kalt?”
Fragte er gleich. Ihm entging auch nichts oder? “Geht schon” “Gib mir deine Hände” Ich zog ein lächeln und blieb auch stehen. ”Warum?” ”Lass dich überraschen” Gut, ich zog also meine Hände aus den Taschen der Jacke und hielt sie ihm hin. Mir wurde auch klar was er wollte als er meine Hände in seine nahm. Die Idee war gut, seine Hände waren richtig schön warm. Bei mir kribbelte es gleich wieder, ich konnte nicht anders als ihn breit anzulächeln. “Besser?” Fragte er dann auch gleich. ”Viel besser, das kannst du den ganzen Winter über machen“ ”Komme zu mir nach Spanien, dort ist es nicht so kalt”
Ja, es hörte sich gut an, ich musste auch nicht unbedingt Winter haben. Liebend gerne würde ich den ganzen Winter über in Spanien bleiben. “Höre auf solche Vorschläge zu machen, ich könnte mal ja sagen” ”Würde mich nicht stören” Würde er das auch sagen wenn ich ernst machen würde? Sein Gesicht wälte ich sehen wenn ich sage das ich nach Mallorca ziehe. “Kann ich bei dir einziehen?” Fragte ich direkt, ich wollte nur seine Reaktion sehen. Sein Lächeln verschwand aber nicht. “Das würdest du doch sowieso nicht machen!” ”Woher willst du das wissen?” ”Weil ich weiß das du hier arbeitest” ”Das muss ja nicht so bleiben. Ich spreche ja auch nicht von nächster Woche oder so, ganz so eilig habe ich es nun auch nicht” Eigentlich plante ich das gar nicht. Klar, so grob durchdacht stimmt es das ich auf Mallorca wesentlich schöner leben könnte als hier. Dafür müsste ich aber mein ganzes Leben umkrempeln.
”Ich denke darüber nach” Kam es dann nur. Das machte mir ein bisschen Angst, ich schätze mal er würde nicht so lange überlegen. Der Gedanke, das ich bei ihm einziehe war total absurd, das wäre mir nie in den Sinn gekommen vor ein paar Tagen. Umso erschreckender ist es zu wissen das er dem grundsätzlich nicht abgeneigt ist. Ich hatte damit gerechnet das er jetzt unzählige Gründe sagt die mich davon abhalten würden das zu tun. So ernst war das ja jetzt noch nicht zwischen uns das wir uns darum Gedanken machen müssten, das wäre dann nur längerfristig gesehen eine Überlegung wert. Auf die Dauer habe ich jedenfalls keine Lust zwischen Deutschland und Mallorca zu pendeln. Mit dem straffen Tourplan zusammen wird das ja der totale Stress es alles passend zu machen. Schon verrückt das wir bis vor zwei Tagen keinen Kontakt hatten und jetzt von umziehen reden.

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