24 January 2010

Chapter 28

Als ich wieder aufwachte und mit einer Hand neben mir suchte, war da nichts außer dem Bettlaken. Ich gähnte und streckte mich bevor ich meine Augen aufschlug und neben mich sah. Zu meiner Überraschung lag ich alleine im Bett. Wo ist denn Rafa hin? Ich drehte mich auf die Seite und sah an die Uhr, es war gleich halb zehn. Eben war ich dabei mich hinzusetzen und dann aufzustehen als Rafa in der Tür erschien.
“Hey, du bist ja doch schon wach!” Ich blieb auf dem Bett sitzen und wickelte die Bettdecke um mich. “Jetzt ja, warum bist du geflüchtet?” Er kam näher und setzte sich neben mich. “Weil ich dich nicht wecken wollte. Ich war schon eher wach und wollte dich schlafen lassen wenn du schon die ganze Woche Stress hattest” Ich sah auf meine Füße und dann wieder neben mich. “Du hattest dir das gestern Abend anders vorgestellt, no?” Fragte ich dann vorsichtig. Sein Lächeln sah richtig gut aus. “Ach was, ich weiß doch das du Stress hattest. Außerdem war es nicht meine Absicht dich im Bett gefangen zu halten” Ich umarmte ihn und legte die Bettdecke mit um ihn.
“Hast du heute Zeit?” ”Sí” Das klang ja richtig gut! Und ich dachte schon er hat keine Zeit. ”Ich denke du musst trainieren?” ”Aber nicht 24 Stunden lang jeden Tag” Ich sah aus dem Fenster, das Wetter sah ganz gut aus. Es schien die Sonne und auch wenn keine 30 Grad waren, konnten wir uns ja aus dem Haus trauen. “Was schlägst du vor?” Fragte ich dann. ”Was willst du machen?” ”Nicht Jet-ski fahren” ”Wenn dir nichts einfällt, gehen wir Golf spielen. Du musst auch nichts machen außer alles hinter mir herzutragen” ”Sehr komisch!” “Wir können ja erst mal frühstücken und dann weiter überlegen” ”Mhh, na gut”
Das hieß zwar das ich Rafa loslassen muss und wir auch nicht im Bett bleiben aber es wird ja auch mal wieder Abend. Ich bin gerne total faul am Wochenende und mache gar nichts, schließlich habe ich doch an den Wochentagen genug Stress.

Da ich mir das gestern Abend geschenkt hatte, ging ich also erst duschen und zog mich um bevor ich nach unten ging. Zwar schwitze ich vielleicht aber ihn hänge da an einem bestimmten Rolli. Der war gelb und leider mit Rollkragen, nicht ganz das passende für diese Breitengrade aber dann ziehe ich eben nix mehr drüber. Passend dazu hatte ich nach unten ausgestellte Hosen in grau. Zu Hause würde ich nicht so vornehm rumlaufen aber ich gehe mal davon aus das wir nicht den ganzen Tag hier bleiben.
Eigentlich hatte ich auch gar nicht so viel Hunger aber jetzt hat Rafa sich einmal die Mühe gemacht mit dem Frühstück, da konnte ich nicht nein sagen. Mir entging auch nicht sein Gesicht als ich dann erschien. “Willst du irgendwohin?” Ich sah kurz an mir nach unten und dann wieder zu Rafa. “Wieso?” ”Du siehst so vornehm aus” Ja, das könnte ich von ihm auch behaupten, er hatte braune Hosen an und oben einen grauen Pullover. ”Stört es dich?” Fragte ich dann. ”No, du siehst wirklich gut aus” Ich setzte mich an den Tisch und musste breit lächeln. “Heißt das jetzt das ich nicht gut aussehe wenn ich das nicht an habe?”
Ich wusste schon das ich ihn eben in eine verfahrene Situation gebracht habe aus der er selbst nicht mehr raus kommt. Ernst meinte ich das nicht, wollte nur sehen was er macht. “Das habe ich nicht gesagt! Du siehst immer gut aus und jetzt versuche nicht mir die Worte im Mund umzudrehen!” Ab und zu schweifte mein Blick aus dem Fenster während ich nachgrübelte. Es ist schon verrückt das ich jetzt hier bin. Höchstwahrscheinlich hätte ich niemals eingelenkt und wenn Rafa nicht zu mir gekommen wäre hätte ich sicherlich irgendwann aufgegeben. Hatte ich ja auch schon, nur hatte ich mir das einfacher vorgestellt als es war. Ich kann ja meine Gefühle nicht abstellen und von heute auf morgen Rafa aus meinem Leben verbannen.
Sieht wohl so aus als wenn ich ihn nicht so einfach los werden kann. Es ist verrückt, viele Frauen würden keine Sekunde zögern sich auf Rafa einzulassen und er läuft mir nach. “Gehen wir Essen heute Mittag? Ich habe keine Lust zu kochen” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Klar, willst du in ein spezielles Restaurant?” ”No, wir werden schon was finden. So lange es nicht in Palma ist, wird schon nicht gleich eine Massenpanik ausbrechen. Ich kann mich hier zum Glück relativ frei bewegen ohne andauernd genervt zu werden” Das klang schon mal ganz gut also können wir ja losfahren und dann gucken wo wir ankommen.
“Dafür bin ich ja da, ich nerve dich gerne” ”Du schaffst es nicht mich zu nerven weil es mich rein zufällig nicht stört wenn du da bist” Das brachte noch mehr zum lachen. “Habe ich ja Glück gehabt!”

Das mit dem Essen gehen war eine gute Idee von ihm. Da er in kein bestimmtes Restaurant wollte, nutzte ich das aus und ließ ihn quer über die Insel zur Westküste fahren. Dort war ich noch nicht so oft und könnte noch ein paar Bilder gebrauchen. Es war so herrlich ruhig an den Aussichtsplätzen weil nicht mehr so viele Touristen auf der Insel waren und die Einheimischen ja keine Sightseeing Trips machen. Abgesehen von Rafa, der konnte heute dank mir auch das Touristenprogramm genießen. Zu schade das ihn bis jetzt keiner gesehen hatte.
An so einem Aussichtspunkt kam mir eine Idee. Die Landschaft war perfekt, abfallende Felsen bis ins Meer und Oliven- und Mandelbäume soweit das Auge reicht und vor allem waren kaum Häuser zu sehen. Vom Panorama her schlägt das hier den Rest der Insel um längen. Da kommt nicht mal der freie Meerblick von seinem Haus in Porto Cristo mit. Ich drehte mich um und sah zum Auto. Rafa stand daneben und schien zu warten bis ich genug Bilder gemacht habe das wir weiterfahren können. “Gibt es schon einen offiziellen Kalender von dir?” Fragte ich laut. ”Sí, warum?” ”Na die Landschaft hier ist doch perfekt für solche Bilder, was viel besseres wirst du nicht finden abgesehen von Formentor. Das wäre gleichzeitig gute Werbung für die Insel” ”Du klingst schon wie jemand vom Tourismusministerium. Ich muss dich leider enttäuschen, der Kalender für nächstes Jahr ist schon fertig und da sind Bilder von den Turnieren drinnen”
Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen. ”Wieso habe ich noch keinen?“ ”Kannst dir ja einen kaufen wenn du der Meinung bist mich das ganze Jahr über sehen zu müssen” Ich lief zurück und stieg wieder ins Auto. “Hast du keine bei dir zu Hause?” ”No, ich hatte nicht vor Kalender von mir selbst in jedes Zimmer zu hängen” ”Bueno, wo fahren wir jetzt hin?” ”Essen” ”Ich weiß, du redest andauernd davon, hast du so großen Hunger?” ”No, ich ahnte nur nicht das du es ausnutzt und mich zu einer extra großen Inselrundfahrt zwingst” ”Ich zwinge dich zu gar nichts außerdem will ich doch ein paar Bilder machen”
Spontan hielt ich Rafa die Kamera vor das Gesicht und drückte ab. Er versuchte zwar seine Hand davor zu halten aber es war zu spät. Mit einem amüsierten grinsen sah ich mir das Bild an. “Du siehst selbst in der blödesten Situation noch gut aus” ”Ich kann auch nicht ändern das ich so unheimlich fotogen bin” Ich packte die Kamera weg und schlug dann scherzhaft nach ihm. Bei der Gelegenheit hielt er meinen Arm fest und zog mich näher zu sich. “Wenn du nicht aufhörst mich ständig zu fotografieren, gibt es ein Unglück! Ich dachte du willst die Landschaft fotografieren und nicht mich” Huh, jetzt bekam ich aber Angst vor ihm! ”Willst du mich hier aussetzen oder von den Felsen ins Meer stürzen?” ”Beides nacheinander aber vorher binde ich zur Sicherheit einen großen Stein an deine Füße“ Ich drehte mich etwas zur Seite und legte meine Arme um seinen Hals, was gar nicht so einfach war wenn man im Auto sitzt.
”Du bist so nett zu mir!” ”Ich weiß” Kam es mir nur mit einem frechen grinsen entgegen. “Ich könnte ja nach Hause fliegen” Antwortete ich ohne vorher nachzudenken. Ganz allmählich verschwand sein Lächeln dann wieder. “Ich würde jetzt sagen guter Witz aber dir traue ich das zu” Er glaubt wirklich das ich wieder flüchten würde wenn es unangenehm wird oder er etwas sagt das mich stört? Das breite Lächeln verging mir dann aber auch sofort. Woher sollte ich denn auch ahnen, dass ein als Scherz gemeinter Spruch die ganze Stimmung zum kippen bringt? Ich ließ ihn los, setzte mich wieder normal hin und sah geradeaus auf die Straße.
Ganz toll, genau das wollte ich von ihm hören! Im nächsten Moment stieg Rafa aus, lief um das Auto auf meine Seite und öffnete die Tür. Ich sah ihn an und überlegte was jetzt los ist. “Steige aus!”

So richtig konnte ich das erst nicht interpretieren aber ich tat es einfach und stieg aus. “Warum?” Fragte ich leicht skeptisch. Die Situation war plötzlich so ernst, ich konnte absolut nicht einschätzen was in Rafa vorgeht und das gefiel mir gar nicht. “Weil es so zu unbequem ist zum diskutieren oder willst du dich verrenken dabei?” Ich machte die Tür zu und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Er will also diskutieren?
“Das war ein Witz eben, ich hatte nicht vor zu flüchten” Sagte ich dann etwas unsicher da ich nicht wusste was das werden soll. Eigentlich wollte ich die Situation auflockern damit aber es gelang mir nicht wirklich. Ich dachte, er hat verstanden das ich Spaß gemacht habe aber er blieb direkt vor mir stehen und sah mich nachdenklich an. “Ich hoffe du kannst nachvollziehen das ich nicht sofort weiß ob du Witze machst oder nicht. Klar weiß ich das es Spaß war aber genau das dachte ich beim letzten mal auch und dann warst du eine halbe Stunde später weg” Ich holte erst mal nur Luft da mir nicht sofort etwas darauf einfiel. Ja, ich weiß ja was er denkt aber das war wirklich damals eine Kurzschlussreaktion gewesen, ich tue das sonst nicht das ich gleich weglaufe. Was ich nur erstaunlich finde ist das er jetzt wieder anfängt mit dem Thema.
Ich dachte das hätten wir letzte Woche als er bei mir war schon geklärt. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut, das war so eine spontane Reaktion” Antwortete ich dann betreten und wich seinem Blick aus. “Wenn du das selbe so noch mal machen würdest, könnte ich dir nicht versprechen das ich wieder zu dir kommen würde” Kam es dann leise. Obwohl es mir schwer fiel, hob ich meinen Kopf und sah ihn vorsichtig von unten an. So langsam frage ich mich was wir hier machen. Es ist verrückt, die Aussicht auf das Meer und die Landschaft sind grandios und Rafa sieht mich an als ginge die Welt gleich unter, das ist der totale Kontrast.
Das Problem ist das ich nicht verstehe warum ihn das so beschäftigt, ich hatte doch schon mehrfach gesagt das es mir leid tut. Ich kaute ein paar Sekunden auf meiner Unterlippe und dachte nach. “Warum hat dich das so schockiert?” Die Frage meinte ich bitterernst. Er wich meinem Blick kurz aus und sah mich dann aber wieder an, was mich kräftig zum schlucken brachte. Nervös war ich jetzt schon ein wenig. “Weil du mir erst nicht das Gefühl gegeben hast das du plötzlich verschwindest. Ich meine, erst telefonieren wir wochenlang, dann kommst du zu mir und plötzlich verschwindest du von einer Minute auf die andere einfach so. Ich konnte ja nicht mal mit dir reden weil du total dicht gemacht hast. Als du sagtest das du her kommst dachte ich du weißt was du willst. Erst lässt du dich darauf ein und dann rufst du mich an und sagst das du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Du hast mir ja praktisch gar nicht mehr zugehört. Du kannst dir sicher vorstellen das ich nicht so begeistert darüber war wie du mich abblitzen lassen hast” So langsam kam etwas Licht in die Sache. Kann es sein das bei ihm mehr Gefühle im Spiel waren als ich vermutet habe?
Das würde jedenfalls seine Reaktion erklären. Vielleicht dachte er ja das wir zusammen sind nach der einen Woche, dann kann ich verstehen, dass er umso enttäuschter war nach meinem Abgang. Ich wäre auch nicht begeistert wenn ich für jemanden etwas empfinde und derjenige mich dann so knallhart abblitzen lässt. Nur wusste ich davon doch nichts! Ich kann doch nicht ahnen was in ihm vorgeht. Mir war damals nicht klar was er genau von mir will daher hatte ich mich auch gehütet mit ihm darüber zu reden weil ich dachte das er nicht das sagt was ich hören will.
Eigentlich konnte ich mich jetzt freuen da er mir ja eben gesagt hat das er ja doch Interesse an mir hat. Vielleicht war ja jetzt ein guter Moment die Karten auf den Tisch zu legen. Das rätselroten was er nun von mir will und ewige hin und her nervte doch ein wenig daher entschloss ich mich zu einer direkten Frage, die total nach hinten losgehen kann wenn ich das eben falsch interpretiert habe aber das ist eben Risiko.

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