17 January 2010

Chapter 27 - Porto Cristo III

“Bist du nächstes Wochenende zu Hause?” Fragte ich dann spontan. Sein Lächeln wurde immer breiter. “Warum, willst du mich etwa besuchen?” Ich umarmte ihn soweit das möglich war und sah ihn an. “Vielleicht” “Du kannst auch gleich mitkommen” Oh ja, dass klang richtig gut! Der Gedanke gleich mitzufliegen war extrem verlockend. Ich will ihn ja auch sehen und habe keine Lust mich morgen früh von ihm zu verabschieden auch wenn wir uns in einer Woche wieder sehen. Ich würde die eine Woche lieber mit Rafa verbringen als arbeiten zu gehen und ihn erst nächstes Wochenende wieder zu sehen.
“Da muss ich dich leider enttäuschen, daraus wird nichts weil ich arbeiten muss” ”Das kannst du auch in Manacor, also ich meine wenn das dein Hobby ist und du unbedingt arbeiten musst. Meine Mutter wäre sicher dankbar wenn ihr jemand hilft den ganzen Papierkram zu erledigen” ”Kann ich nicht irgendetwas machen das wir uns sehen?” Er fing schon wieder an so blöd zu grinsen. ”Ich dachte du spielst kein Tennis” Ja, da hatte er absolut Recht, vielleicht spiele ich noch Tennis mit ihm. Ganz so lebensmüde bin ich noch nicht.
”Genau und dabei wird es auch bleiben, du musst auf mich als Trainingspartner verzichten” ”Wie du meinst, dann sehen wir uns eben nächstes Wochenende” Ich dachte schon weiter als nächstes Wochenende und machte dann ein ernstes Gesicht. “Und danach? Ich meine, das Wochenende ist nicht sehr lang” Nach ein paar Sekunden verschwand sein breites Lächeln auch. Er sah auf meine Hände in seinen und dann wieder in mein Gesicht. ”Mal sehen. Ich bin im Moment eingespannt mit Training und habe nicht unbegrenzt freie Zeit. Das meinte ich als ich zu dir in Porto Cristo gesagt habe das du dir das überlegen sollst. Es geht nicht anders und obwohl ich weiß das ich da ziemlich viel von dir verlange kann ich es nicht ändern. Mir ist bewusst das meine häufige Abwesenheit nicht besonders förderlich ist für Beziehungen jeder Art” Ich zog ein Lächeln auch wenn er wohl etwas anderes erwartet hat.
“Das nutzt mir gar nichts das du mir das jetzt sagst. Ich weiß, das ich das eigentlich nicht will aber ich kann nicht nein sagen. Aus mir nicht näher bekannten Gründe ist es unmöglich das ich mich von dir fern halte” ”Das stört mich nicht direkt”

Da es ja heute relativ frisch war, liefen wir eine halbe Stunde später zum Auto zurück und fuhren wieder zu meiner Wohnung. Es war doch bequemer bei dem Wetter in der Wohnung zu bleiben. Leider verging die Zeit wie im Flug, ich wunderte mich wie schnelle es plötzlich Abends war. Und leider muss ich etwas früher ins Bett gehen da ich sonst morgen früh nicht raus komme. Ich löste mich schweren Herzens von ihm und stand auf bevor ich noch hier auf der Couch einschlafe. “Ich gehe duschen” ”Mhh”
Lust hatte ich zwar keine auf duschen aber es nutzt ja alles nichts. Rafa würde mir sicher gerne behilflich sein aber dann duschen wir Mitternacht noch. “Amaia” ”Jaaa?” Rief ich laut und war etwas erstaunt darüber das er offenbar im Bad ist. Von der Duschkabine aus hatte ich nicht gesehen das er reingekommen war. “Wollte nur hören ob du noch lebst” War ich echt so lange weg? Ich öffnete die Duschkabine etwas und sah raus.
“Alles ok” Antwortete ich mit einem breiten Lächeln und stellte mich absichtlich so das er nichts von mir sah außer meinen Kopf. Ich wollte ihn nur ein bisschen ärgern weil ich genau wusste was er eigentlich wollte. Langsam wurde sein Lächeln dann auch breiter. “Soll ich dir helfen?” ”Du kannst mir später helfen” Bevor er dazu kam etwas zu sagen hatte ich schon die Duschkabine wieder zugeschoben.
Ich trocknete mich dann ab und wickelte ein großes Handtuch um mich bevor ich aus der Dusche stieg. “Du bist ja immer noch da!” Ich tat so als wäre ich überrascht dabei hatte ich damit gerechnet das er noch hier ist. “Ich warte nur bis du fertig bist” ”Bin fertig!” Breit grinsend ließ ich ihn stehen und verließ das Bad.

Ich machte es mir in meinem Bett bequem und überlegte ob ich etwas anziehe oder nicht. Vermutlich würde Rafa mir auch beim ausziehen behilflich sein. Gut, ich hatte ja noch das Handtuch um mich gewickelt also beließ ich es vorerst dabei. Da Rafa noch nicht hier war, stellte ich derweil den Wecker damit ich es nicht vergesse, zu spät auf Arbeit kommen kann ich mir nicht leisten. Kaum hatte ich den Wecker gestellt und wieder hingestellt, erschien Rafa in der Tür nur mit einem Handtuch um die Hüften. Ich sah zu ihm und schluckte erst mal.
Kann er nicht etwas anziehen? Er braucht sich nicht zu wundern das ich mich nicht beherrschen kann wenn er so rumläuft. Der Anblick war wirklich zu viel für meine Nerven, mir lief gleich das Wasser im Mund zusammen und warm wurde es mir auch. “Ist was?” Fragte er als wenn nichts wäre. Ich holte tief Luft und schluckte nur. “No” Sagte ich nur obwohl ich am liebsten aus dem Bett springen würde. Mein Blick klebte an ihm, ich war unfähig woanders hinzusehen. Er lief um das Bett auf die andere Seite und verschwand dann unter der Bettdecke.
Verflucht, jetzt gibt es nichts mehr zu sehen! Ich sah zu ihm rüber und musste plötzlich laut lachen. “Du bist gemein!” ”Warum?” Fragte er breit grinsend. “Tue nicht so” ”Das gleiche zurück!” Ich drehte mich auf die Seite und rückte näher zu ihm. “Hast du nichts zum anziehen gefunden?” Fragte ich scheinheilig. “Doch aber mir war plötzlich so warm” Ich musste mich wirklich beherrschen nicht aufdringlich zu werden, er riecht so lecker und das er nichts an hat macht alles noch viel schlimmer. Irgendwie wurde ich leicht nervös. “Dir war es warm?” Fragte ich weiter und küsste ihn am Hals während ich eine Hand über seinen Bauch nach unten wandern ließ. “Mhh” Kam es nur, was mich noch mehr zum lachen brachte. “Woran das wohl liegen wird” Er umarmte mich und lächelte vom einen Ohr zum anderen.
“Du bist wirklich gut darin die Unschuldige zu spielen, fast würde ich es glauben” Ich schlang eine Bein um seine Hüften und küsste ihn verführerisch. “Ich habe keine Ahnung was du meinst” Seine Hand verschwand in meinem Handtuch und fuhr langsam meinen Rücken nach oben. “Sieht so aus als müsste ich dir etwas auf die Sprünge helfen!” Oh ja, darauf war ich schon gespannt!

Als am nächsten Tag früh der Wecker klingelte, hätte ich ihn am liebsten unter das Kopfkissen gesteckt und weitergeschlafen. 5:45 Uhr aufstehen ist ja schon fast unmenschlich. Montags kam ich immer besonders schwer aus dem Bett und Rafa macht es auch nicht besser. Ich würde auch lieber bis Mittag mit ihm im Bett bleiben statt zu arbeiten. Wenn er mich umarmt, fällt es mir noch viel schwerer aufzustehen, es war auch noch so dunkel, wie in der Nacht. Es war doch viel schöner im Bett. Nachdem der Abend gestern so interessant angefangen hatte, passte das jetzt so gar nicht dazu. Mit einer Hand suchte ich den Wecker und schaltete ihn aus.
Um nicht wieder einzuschlafen, schaltete ich die Nachttischlampe an. Nach ein paar Sekunden kam ich langsam zu mir und sah dann neben mich. Rafa lag auf der Seite mit dem Gesicht in meine Richtung und schlief als wenn nichts wäre. Tja, ausschlafen kann er heute nicht, zwar hat er noch Zeit bevor er zurück fliegt aber ich muss kurz vor um sieben los. Ich ließ ihn erst mal schlafen und ging derweil ins Bad duschen auch wenn es mir schwer fiel mich aus seiner Umarmung zu lösen. Nach 20 Minuten war ich fertig und lief zurück zum Schlafzimmer, vorsichtig lief ich näher zum Bett. Er schläft ja immer noch!
Der Anblick war richtig gut aber es nutzte nichts. Ich sah das Handtuch was ich gestern Abend an hatte vor dem Bett liegen und musste dann breit lächeln. Da wird mir nur wieder klar wie blöd ich war so lange auf ihn zu verzichten. Eine Nacht würde kaum reichen um das wieder auszugleichen aber es war zumindest ein guter Anfang. “Hey, aufstehen” Sagte ich dann laut. Es kam keine Reaktion also strich ich mit einer Hand seine Haare aus dem Gesicht und küsste ihn dann auf die Schläfe. “Ich muss gleich los” Flüsterte ich in sein Ohr und wartete. ”Mhh” Kam es nur leise, wenigstens blinzelte er mich dann schon mal an.
Am liebsten würde ich mich auch gleich wieder zu ihm ins Bett legen. Er drehte sich dann auf den Rücken und gähnte erst mal. “Wie spät ist es?” ”Gleich halb sieben” Er schaffte es dann auf wundersame Weise doch irgendwie aus dem Bett zu kommen und ins Bad zu gehen.

“Stehst du immer so früh auf?” Ich sah ihn an als er in die Küche kam und musste dann lächeln. “Sí auch wenn es eine unmenschliche Zeit ist” ”Stimmt, dass würde ich nicht aushalten auf die Dauer” Er setzte sich dann mir gegenüber an den Tisch und sah in die Tasse mit der Schokolade. Ich sah ihm schon an, dass er noch halb schlief. “Du kannst ja am Flughafen noch ein bisschen schlafen” ”Mhh, ich gehe heute Abend um acht ins Bett” ”Du kannst dann auch in Ruhe schlafen” Langsam erschien sein breites Lächeln. ”Ich kann damit leben wenn du mich vom schlafen abhältst” Ich dachte auch eben daran das ich heute Abend wieder auf ihn verzichten muss.
Kaum ist er hier, muss er schon wieder weg wo ich mich doch eben an ihn gewöhnt hatte. “Ich habe gar keine Lust heute Abend alleine zu schlafen” Sagte ich nach ein paar Sekunden. ”Wir sehen uns doch am Freitag, wenn du nett bist, lasse ich dich auch in mein Bett” ”Ich glaube ich bin eindeutig zu nett zu dir. Wenn du jetzt frech wirst, bereust du es spätestens am Freitag” Sein grinsen ging schon vom einen Ohr zum anderen. “Du kannst dich doch sowieso nicht von mir fern halten” Kurz sah ich auf meine Uhr.
“Ich würde gerne noch weiter mit dir diskutieren aber ich muss gleich los” ”Ok” Rafa packte sein Zeug zusammen und wartete im Flur auf mich. Ich packte noch mein Frühstück in meine Tasche und zog mich dann auch an. “Ziehe nicht so ein Gesicht!” Kam es plötzlich. Ich sah ihn an und zog meine Jacke an. “Ich will nicht arbeiten, kannst du nicht hier bleiben? Ich bin einfach krank” ”Das geht nicht, ich muss trainieren” Ich verzog mein Gesicht und wusste doch schon das es nicht geht. “Gut, dann verschwinde eben” ”Willst du mich jetzt los werden?” ”No aber Drama machen nutzt auch nichts. Wir sehen uns am Freitag” Er kam näher und umarmte mich. “Drei Tage kann ich gerade so aushalten ohne dich zu sehen”
Muss er jetzt so anfangen? Ich komme nie von ihm los... ”Du hast es die letzten sechs Wochen irgendwie ohne mich ausgehalten” ”Sí, ich habe die schlechte Laune an meiner Schwester und meinen Freunden ausgelassen” Ich zog ihn näher und küsste ihn kurz. “Das musst du ja jetzt nicht mehr” Je länger ich ihn ansehe umso größer wird die Versuchung gleich mit nach Spanien zu fliegen. “War das schon alles?” Fragte er plötzlich. ”Sí, ich komme sonst auf dumme Gedanken” ”Ok” Kam es dann nur mit einem eigenartigen Blick. Glaubte er wirklich das war alles? Bevor er reagieren konnte zog ich ihn wieder an mich und küsste ihn. Vermutlich sollte ich das nicht tun weil ich sonst nie dazu komme mich von ihm zu verabschieden. Bevor ich die Kontrolle über mich verliere, löste ich mich wieder von ihm. “Ich muss los” ”Mhh”
Wir liefen zusammen die Treppen nach unten und ich verzichtete lieber darauf ihn noch mal zu umarmen weil ich weiß wo das hinführt. Ich saß in meinem Auto, sah ihm nach wie er in sein Auto einstieg und fuhr dann los, ich war schon viel zu spät dran. Bestimmt fällt es auf wenn ich mit einem zu breiten Lächeln rumlaufe die nächsten Tage. Es dauert eine Weile bis ich mich davon erholt habe Rafa zu sehen.
Bis Freitag kann ich vielleicht gerade so auf ihn verzichten. Ich hatte es geahnt das es dann so werden würde... Wahrscheinlich werde ich zum Vielflieger und fliege öfters mal nach Mallorca. Immer nur übers Wochenende lohnt sich aber nicht. Es ist nicht nur teuer sondern nicht sehr effektiv, Schade um den Aufwand wegen den zwei Tagen.

Porto Cristo - November 2009

Ein paar Tage später sah ich das schon wieder anders mit dem hin und her fliegen. Klar lohnt es sich nicht aber besser als Rafa gar nicht zu sehen. Das ich am Freitag hinfliege war ja schon ausgemacht. Wie er sich das vorstellt wenn er wieder auf Tour ist werde ich ja sehen. Eigentlich wollte ich mir ja wieder ein Auto mieten und dann selbst vom Flughafen nach Porto Cristo fahren, da hatte ich aber nicht mit Rafa gerechnet.
Er meinte es wäre Unfug wenn ich ein Auto miete wenn er selbst genug Autos hat. Bevor ich etwas sagen konnte meinte er gleich noch das er seine Schwester zum Flughafen schickt mich abholen weil die sowieso in Palma ist. Ich wollte zwar erst nicht aber er ließ nicht mehr locker. Na gut, von mir aus soll sie mich eben abholen wenn Rafa darauf besteht. Ich kannte sie zwar nicht aber das wird sich ja bald ändern.

Ich war froh als ich endlich in Palma landete. Den ganzen Tag war ich schon im Stress. Um den Flug noch zu schaffen, ließ ich meine Mittagspause ausfallen damit ich eher gehen kann und trotzdem musste ich in Schallgeschwindigkeit zum Flughafen hetzen. Zum Glück hat alles geklappt und ich war nicht zu spät dran.
War schon komisch als ich schon wieder in Palma landete. Bisher war ich höchstens einmal pro Jahr auf Mallorca und jetzt war es schon das dritte mal in diesem Jahr und bestimmt war das nicht das letzte mal. Ist zwar erst vier Tage her das ich Rafa zuletzt gesehen habe aber die Versuchung hier her zu fliegen war zu groß. Leider werde ich Übermorgen schon wieder zurück fliegen aber daran wollte ich jetzt nicht denken, schließlich war ich noch gar nicht richtig hier.
Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich auf meinen Koffer wartete und die überdimensionale Werbung für Mallorca mit Rafa hängen sah. Die hatte ich nun schon paar mal gesehen aber sieht immer wieder gut aus wobei ich das Original der Werbung vorziehe. Ich bin schon gespannt darauf Rafa gleich zu sehen.

Gespannt lief ich mit meinem Koffer zum Ausgang und dann weiter zu den Bushaltestellen. Dort sollte ich warten bis seine Schwester Maria Isabel auftaucht. Mhh, na gut, ich sah mich kurz um, es war niemand zu sehen. Viel war nicht mehr los da es schon Abends war. Vielleicht kommt sie ja später also stellte ich meinen Koffer ab und suchte mein Handy in meiner Tasche. Ich schaltete es wieder an aber es gab nichts neues. Eben als ich es wieder in meine Tasche stecken wollte, bekam ich den Schreck meines Lebens als mir jemand von hinten die Augen zuhielt.
“Überraschung” Kam es dann nur. Ich holte tief Luft und musste dann lächeln da ich schon wusste wer es war. Rafa riecht immer so lecker, dass ich ihn auch so erkenne. Das war mal eine gute Überraschung! Ich legte meine Hände über seine und drehte mich dann um. Es war keine Täuschung, Rafa stand wirklich vor mir und er lächelte vom einen Ohr zum anderen. Er sah auch wieder zu gut aus in Jeans und einer schwarzen Lederjacke. Ich musste dann lachen und schüttelte mit dem Kopf. “Das ist eine gute Überraschung. Was machst du hier?” ”Ich kann ja wieder gehen wenn es dich stört” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir.
“Quatsch, ich bin ja froh dich zu sehen. Ich dachte nur wir sehen uns erst in Porto Cristo” ”Ich hatte eher Zeit und dachte ich hole dich ab” Da ich seinem Lächeln nicht länger widerstehen konnte, küsste ich ihn spontan. Ich konnte nicht anders und es war mir total egal ob es jemand sieht oder nicht. “Ich freue mich schon die ganze Woche darauf dich zu sehen” ”Ich merke es schon” Kam es nur mit einem lachen. “Wir sollten gehen” Ich ließ ihn wieder los und hielt nach seinem Auto Ausschau. So wie er das versteckt hatte war's ja kein Wunder das ich ihn nicht entdeckt hatte. Außer mir hat ihn wohl auch niemand weiter gesehen da es keinen kümmerte das Rafa hier ist.
Gut, hier waren weit und breit keine anderen Leute zu sehen. Was neues war nur das er meine Hand nicht los ließ als wir zum Auto liefen. Bisher waren wir ja nicht Hand in Hand gegangen. Damit outen wir uns aber das wird er schon wissen. Ich sah aus dem Augenwinkel zu Rafa und sagte dann nichts mehr. Mich stört es nicht, von mir aus können wir bis Sonntag zusammen kleben.

Als wir auf dem Weg nach Manacor waren, sah ich zu ihm rüber und musste dann wieder vom einen Ohr zum anderen lächeln. Es sah gut aus wie Rafa so konzentriert auf die Straße sieht. Am liebsten würde ich ihn umarmen und dann überall Küsse auf ihm verteilen. Nur muss ich mich beherrschen da ich nicht will, dass er irgendwo dagegen fährt.
Später ist ja auch noch Zeit und ich freute mich schon darauf ein bisschen mit ihm alleine zu sein. “Wie lief eigentlich das Training heute?” ”Mhh, ging schon. Ich bin zwar nicht in Bestform aber es wird schon noch werden. Zumindest kann ich wieder spielen, es wurde schon fast langweilig immer zu Hause zu sein” ”Sei froh das du mal entspannen konntest” ”So lange hätte es aber nicht gleich sein müssen. Andererseits hatte ich so Zeit dich zu besuchen” ”Vor allem überraschend, ich komme immer noch nicht drüber weg das du einfach zu mir gekommen bist” ”Hat sich doch gelohnt!”
Ich musste spontan laut lachen, meinte er das so zweideutig wie ich es verstanden habe? “Sí” Meinte ich dann nur mit einem Lächeln vom einen Ohr zum anderen.

Eine halbe Stunde nachdem wir vom Flughafen losgefahren waren, kamen wir endlich mal in Porto Cristo an. Es war inzwischen nach um acht und bei dem ganzen Stress den ich heute hatte dachte ich schon daran ob es nicht besser gewesen wäre erst am Samstag zu fliegen aber dann gleich am nächsten Tag zurück wäre ja noch sinnloser. Wenigstens musste ich nichts auspacken da ich nicht viel mit hatte. Theoretisch hätte ich nur mit Handgepäck fliegen können aber das sieht immer so komisch aus also hatte ich eine kleine Tasche und gab die einfach als Gepäck auf. Als ich an dem Gästezimmer vorbei lief, blieb ich stehen und sah kurz rein.
“Kann ich mir selbst aussuchen wo ich schlafe?” Rief ich laut, da Rafa noch unten irgendwo war. “Sí” Kam es ein paar Sekunden später laut. Ok, wie er meinte! Ich lief weiter zu seinem Schlafzimmer und warf meine Tasche im hohen Bogen auf das Bett. Eben als ich mich umdrehte, kam Rafa zur Tür rein. Erst sah er zu meiner Tasche und dann zu mir. “Das ist aber meine Seite” Ich folgte seinem Blick zum Bett und zog dann ein breites grinsen.
”Jetzt nicht mehr! Du hast gesagt ich kann mir aussuchen wo ich schlafe. Kannst ja vor dem Bett auf dem Teppich schlafen wenn du unbedingt auf diese Seite bestehst” Sein Lächeln wurde immer breiter. “Darf ich dich daran erinnern, dass es mein Haus ist? Wenn hier jemand entscheidet wo ich schlafe dann ich! Du solltest mir dankbar sein das ich dich überhaupt in mein Bett lasse und nicht auch noch Forderungen stellen” ”Deine Interpretation von dankbar sein kann ich mir schon sehr gut vorstellen” ”Letzte Woche hat dich das noch nicht gestört”
Ich lief zum Bett und ließ mich rückwärts fallen. “Ich bin zu nett zu dir” Rafa kam näher und setzte sich auf die Kante. “Das stört mich aber nicht” Ich sah zu ihm und rollte dann mit den Augen. “Würde ich dich nicht ein bisschen kennen, würde ich dir jetzt unterstellen das du nur wolltest das ich hier her komme weil es dir alleine langweilig wird im Bett” ”Wer sagt denn, dass ich sonst alleine im Bett bin?” Ich schlug nach ihm und setzte mich wieder hin. “An deiner Stelle wäre ich vorsichtig, sonst bereust du es sehr bald” ”Willst du mit Sexentzug drohen? Das funktioniert nicht” So sicher wie er wäre ich mir da aber nicht. ”Sagt der Richtige!” Antwortete ich nur mit einem kichern und warf mit dem Kopfkissen nach ihm.
Da er wohl fürchtete, dass ich weitere Dinge nach ihm werfe, hielt er meine Handgelenke fest. Leider gelang es mir auch nicht mich aus seinem Klammergriff zu befreien. “Lasse mich los!” Sagte ich während ich lachen musste und nebenbei versuchte mich zu befreien. Plötzlich gab er nach. “Ok, ich fasse dich nie wieder an” ”Das habe ich ja gar nicht gesagt” Bevor er auf die Idee kommt wieder aufzustehen, legte ich meine Arme um seinen Hals und hielt ihn fest. “Wenn ich wälte das du dich von mir fern hältst, wäre ich jetzt kaum hier no?” ”Kann ja sein das Wetter ist hier besser als bei dir zu Hause” Ja, dass stimmt auch aber inzwischen war es hier auch schon ziemlich kühl und baden gehen kann man höchstens noch im Schwimmbad.
“Du wirst es mir vermutlich sowieso nicht glauben aber ich bin wegen dir hier und nicht wegen dem Wetter” ”Dann will ich das einfach mal glauben” Bevor ich reagieren konnte, küsste er mich kurz und stand dann wieder auf. “Ich gehe duschen” Ich sah ihm nach bis er nicht mehr zu sehen war und sah dann auf meine Uhr. Es ist noch nicht mal um neun und ich könnte mich sofort auf die Seite drehen und schlafen. Die Woche war eindeutig zu lang und das frühe aufstehen bekommt mir auch nicht.

Durch ein Geräusch wurde ich aus einer Art Dämmerschlaf gerissen und schlug mühsam meine Augen auf. Rafa schien vor dem Bett zu stehen und sah mich mit großen Augen an. “Schläfst du schon?” Momentan konnte ich ihm nicht ganz folgen da ich erst mal meine Gedanken ordnen musste. “Mhh?” Machte ich nur leise. Da er nichts sagte und auf die andere Seite lief, drehte ich mich auf die andere Seite damit ich ihn sehen kann.
Inzwischen konnte ich auch wieder etwas genauer nachdenken, ich muss wohl vorhin eingeschlafen sein obwohl es nicht meine Absicht war. Zwar hatte ich noch alles an aber ich war jetzt wirklich zu faul noch mal aufzustehen um etwas anderes anzuziehen. So richtig bequem waren die Jeans aber auch nicht, schlafen wollte ich zumindest nicht darin. Mühselig zog ich wenigstens die Jeans aus. Als ich wieder bequem lag und neben mich sah, merkte ich erst das ich wohl beobachtet werde. “Was?” Fragte ich nur.
Im nächsten Moment wurde sein Lächeln breiter. “Nada, ich hatte nur nicht vor so früh ins Bett zu gehen” ”Früh? Ich hätte heute Nachmittag schon schlafen können. Die Woche war eindeutig zu lang, ich bin total breit. Du musst nicht ins Bett gehen wenn du noch nicht müde bist, es ist schon ok wenn du noch auf bleibst” ”Komme her” Ich rückte so nah es ging an ihn und machte es mir bequem. Seine Umarmung entschädigte gleich für sämtlichen Stress der letzten Tage, von mir aus bleiben wir bis zum Sonntag Nachmittag im Bett. Das wäre doch mal was! Er ist auch so schön warm, noch ein paar Minuten und ich bin im Tiefschlaf.
“Willst du schlafen?” Oh ja, schlafen, das klang herrlich! ”Mhh” Machte ich nur und sah ihn mit großen Augen an. “Dann wünsche ich dir eine Gute Nacht” Ich küsste ihn kurz und legte mich dann wieder hin. ”Dir auch” Es war richtig schön als das Licht aus ging und alles dunkel wurde. Leider konnte ich dann aber nicht einschlafen. Die Nähe von Rafa war zu aufregend. Die Idee heute hier her zu kommen war doch nicht so verkehrt, wenn ich schon so wenig Zeit habe hier zu bleiben muss ich es doch auch ausnutzen. Zu schade, dass ich Rafa nicht jeden Tag sehen kann. Nachdem ich vor ein paar Wochen der Meinung war, das es alles zu kompliziert wäre, sah ich das jetzt ein bisschen anders. Da ich offensichtlich sowieso nicht mehr von ihm los komme, kann ich ja auch aufhören mich gegen alles zu wehren.
Die Frage ob ich mit ihm zusammen sein will oder nicht steht gar nicht, das ist alles nur noch Formsache, zumindest von meiner Seite aus. Mir kommt es irgendwie sowieso schon vor als wenn wir zusammen sind auch wenn wir darüber noch nicht gesprochen haben. Zumindest hätte er nicht den ganzen Aufwand betreiben müssen um zu mir zu kommen wenn ich ihm egal wäre. Ich bin ja nicht blöd, mir ist klar das er im Handumdrehen jemanden anderes finden würde wenn er das wälte. Das es alleine an ihm liegt das ich jetzt hier bin ist mir auch bewusst. Ich hätte mich sicher nicht getraut ihn anzurufen und schon gar nicht einfach so hier her zu fahren und ihn zu überraschen. Da hätte ich sicher zu viel Angst gehabt das er mich dann abblitzen lässt nachdem wie das damals endete als ich zuletzt hier war.
Ich hätte mich wohl an seiner Stelle nicht getraut so was spontanes zu machen. Immerhin habe ich ihm ziemlich direkt gesagt das ich keinen Kontakt mehr mit ihm haben will. Zum Glück hat er sich davon nicht abschrecken lassen. Um Haaresbreite hätte ich alles vergeigt und wir hätten uns wohl nie wieder gesehen. Wenn es so gekommen wäre, hätte ich das sicher sehr bald bereut und würde Rafa ewig nachtrauern.

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