“Warum hast du damals nicht gesagt das du mit mir zusammen sein willst?” Fragte ich dann direkt und versuchte meine Nervosität zu kontrollieren. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hat er mit allem gerechnet, nur nicht mit der Frage, das war auch meine Absicht. “Weil ich mir nicht sicher war ob du das willst, ich wollte dich zu nichts drängen” Kam es ein paar Sekunden später als er sich wohl vom ersten Schock erholt hatte. Ich nahm seine Hand in meine und zog ihn näher zu mir bis er direkt vor mir stand, seinen Blick konnte ich kaum ertragen. Eben als ich ansetzen wollte etwas zu sagen legte er seinen Zeigefinder auf meine Lippen und hielt mich so davon ab.
“Als du gesagt hast das du keinen Kontakt mehr willst dachte ich erst das ist ein Scherz aber als du dich tatsächlich nicht mehr gemeldet hast wurde mir klar, das es kein Scherz war. Ich weiß das ich am Telefon gesagt habe das ich es dann wohl so akzeptieren muss aber das hatte ich nie vor denn ich habe zu viel investiert um mich so abspeisen zu lassen. Es hört sich abgedroschen an aber ich muss mir genau überlegen auf wen ich mich einlasse, es ist ja nicht so das es hier um etwas Oberflächliches geht. Ich meine, bei meinen Freunden die ich schon 20 Jahre kenne weiß ich das die nicht mit mir befreundet sind weil ich bekannt bin aber ich kenne dich nun mal nicht so lange. Nicht das du jetzt denkst ich will nur mit dir zusammen sein weil ich weiß das du mich nicht als Sprungbrett nutzen willst. Ich dachte echt das könnte was werden und als du dich dann gar nicht mehr gemeldet hast dachte ich es ist dir total egal, das ist der Grund warum ich so reagiere. Mir war nicht klar wie du innerhalb weniger Tage total deine Meinung ändern kannst. Ich wusste, dass es hätte anders ausgehen können als ich zu dir gekommen bin aber ich wollte dann schon von dir hören das es dir egal ist. Ich habe dir sowieso nicht geglaubt das du wirklich den Kontakt abbrechen wolltest also musste ich dich wohl zu einer Reaktion zwingen”
Mir verschlug es direkt die Sprache. Das es so auf ihn wirkt, habe ich nicht mal ansatzweise geahnt. Ich bin davon ausgegangen das er ja nicht lange nach jemandem suchen muss der ihm ein bisschen Gesellschaft leistet. Darüber hatten wir ja letzte Woche auch schon diskutiert aber da war mir das Ausmaß nicht bekannt. Jedenfalls fühlte ich mich jetzt schlecht. Was ich jetzt sagen soll wusste ich nicht also legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn an mich so nah es ging. Das war eben ein bisschen viel alles gewesen aber jetzt war mal alles raus. Nach ein paar Sekunden hatte ich mich wieder im Griff und löste mich soweit von ihm das ich in sein Gesicht sehen konnte. “Ich wollte dich nicht verletzen damit, ich hatte keine Ahnung das du das so empfindest” ”Du weißt es ja jetzt” Kam es mir dann mit einem vorsichtigen Lächeln entgegen.
Ich musste auch wieder lächeln und zog ihn wieder an mich. “Hättest du eher was gesagt, hätte ich mir das vielleicht noch überlegt mit dem überstürzten Rückflug. Ich dachte nur du denkst sowieso das ich es nicht Ernst meine und da konnte ich auch gehen” ”Lief eben blöd trotzdem hättest du dich melden können!” “Wollte ich ja aber ich habe mich nicht getraut und dann dachte ich das du dir jemand anderes suchst” ”Du müsstest inzwischen wissen das ich gar nichts von one night stands halte. Klingt jetzt blöd wegen Berlin aber es ist ja nicht so das wir uns vorher nie gesehen hatten. Wenn du das geglaubt hast, kennst du mich wirklich schlecht” ”Dann gib mir die Chance dich besser kennen zu lernen”
Sein Lächeln wurde langsam wieder breiter. “Wenn es nach mir ginge, wären wir längst zusammen. Ich weiß das es nicht einfach ist aber wenn du willst, funktioniert das auch irgendwie” “Ok” Sagte ich dann nur und gab es auf mich von ihm fernhalten zu wollen, es klappt sowieso nicht. “Ok?” Fragte er nur mit hochgezogenen Augenbrauen zurück, er hatte sich wohl eine andere Antwort erhofft. Ich musste gleich lachen über seine Reaktion.
“Ich meine, die Frage ob ich mit dir zusammen sein will oder nicht steht gar nicht. Ich dachte nur erst es ist zu kompliziert alles aber da du nicht locker lässt wird mir wohl keine Wahl bleiben” ”Sieht so aus!” Kam es mit einem frechen Lächeln. Da er mich so anlächelte, konnte ich mich nicht mehr länger beherrschen und küsste ihn. Zu dumm das wir gerade hier sind, ich würde ihn am liebsten auffressen. Eigentlich vergaß ich relativ schnell wo wir sind. Das wurde mir erst wieder klar, als ich eine Hand hinten unter seiner Jacke verschwinden ließ und er meine Hand festhielt.
“Wir sollten Essen gehen” Kam es dann nur mit einem breiten Lächeln. Ich löste mich von ihm und zog meine Sachen wieder gerade. “Sage nicht das du gerade an Essen denkst!” ”Das habe ich auch nicht behauptet aber das ist gerade ein bisschen ungünstig hier. Denke einfach daran ob du das in den Zeitungen sehen wältest” Blöde Frage, natürlich nicht! Ich will nicht halb Spanien als Zuschauer haben. “Du schaffst es echt jegliche Stimmung zu versauen!” ”Ich weiß” Er küsste mich kurz und lief wieder um das Auto. “Steige ein!” Während ich mit den Augen rollte, stieg ich wieder ein.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber es gab dann doch noch etwas zu Essen in Sóller. Zwar musste ich daran denken als ich mit Jenny und Sara hier war aber ich versuchte das zu verdrängen. Damals hätte ich nie geglaubt das ich mal mit Rafa hier bin und schon gar nicht, dass ich mit ihm zusammen bin. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen. Zwar hatten wir unsere Ruhe aber mir entging nicht das uns einige Leute nachsahen. Nach dem Essen drehten wir noch eine kleine Runde durch den Hafen.
Das war schon etwas neues mit ihm Hand in Hand zu gehen. Die paar Leute hier waren nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was kommt wenn sozusagen offiziell rauskommt das ich mit Rafa zusammen bin. Da musste ich durch und ein bisschen Zeit mich daran zu gewöhnen hatte ich ja. Es wird sich nicht vermeiden lassen das ich in den Medien erscheine auch wenn Rafa nichts sagt. Ich könnte ja nicht mal zu seinen Spielen gehen wenn ich nicht will das mich jemand sieht und eigentlich wollte ich mir schon ein paar Spiele ansehen.
Da dachte ich eben daran das die ja im fernsehen immer einblenden wie die Trainer und Betreuer heißen von den Spielern. Fragt sich wie lange es dauert bis die bei mir schreiben würden Nadal’s girlfriend. Das wäre die Krönung, Sara wird ohnmächtig vor dem Fernseher! “Amaia” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah neben mich. “Mhh?” ”Alles ok?” Ich sah nach unten auf meine Hand in seiner und musste dann wieder lächeln. ”Sí, ich war nur kurz in Gedanken. Wenn ich zu einem Spiel von dir gehe und die im fernsehen diese girlfriend Beschreibung einblenden, fällt Sara vom Stuhl vor Schreck!” ”Sie hat keine Wahl, no?” Ich ließ meinen Blick wieder über das Meer schweifen und zuckte mit den Schultern.
“Scheint so, ist mir auch egal inzwischen” ”Ich denke sie weiß das wir zusammen sind?” ”Schon aber es gab ja keine Bilder mehr von uns zusammen. Es ist eine Sache es zu wissen aber eine andere es auch zu sehen. Ich meine, deine Fans drehen wahrscheinlich am Rad, die wissen ja nicht genau was los ist. Es gab ja nur das eine Bild aus der Bar und dann das aus Manacor und dazwischen waren vier Monate” ”Ich habe kein Interesse daran meine Fans über mein Privatleben aufzuklären” ”Ich weiß, sie wird es überstehen. Eigentlich würde ich jetzt darauf warten wann sie sich wieder meldet weil sie denkt das ich ihr Karten beschaffen kann aber ich glaube ihr Stolz ist zu groß dafür. Die nimmt es lieber in Kauf dich nur im TV zu sehen” ”Mal sehen, fahren wir zurück?” ”Können wir, ich habe genug Bilder gemacht”
Knapp eine Stunde später waren wir zurück in Porto Cristo. Eigentlich wollten wir ja nur Essen gehen und da es ein längerer Ausflug wurde als geplant, war es schon Nachmittag ehe wir zurück waren. Hilfe, morgen um diese Zeit muss ich schon zum Flughafen! Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Während ich am Rand vom Pool stand und in das Wasser sah, dachte ich mal wieder daran mich spontan allen Verpflichtungen zu entziehen und einfach hier zu bleiben. “Machst du dir immer noch Gedanken wegen Sara?”
Rafa stand inzwischen hinter mir und sah mich fragend an. “Daran dachte ich gerade nicht” Er trat einen Schritt näher zu mir und umarmte mich von hinten. Das tat gut, ich schloss meine Augen und lehnte mich nach hinten in seine Arme. “Ich dachte nur daran hier zu bleiben” ”Wieder mal?” Kam es dann direkt neben meinem Ohr. “Das ist nicht komisch” Als er mich umdrehte, schlug ich meine Augen wieder auf. Loslassen wollte ich ihn aber nicht also schlang ich meine Arme um seine Hüften und legte meinen Kopf an seine Schulter.
“Was machst du wenn ich sagen würde das du hier bleiben sollst?” Will er etwa eine ehrliche Antwort auf die Frage? ”Das sollst du niemals zu mir sagen weil du mich sonst nicht mehr los wirst” Er antwortete nichts und fuhr mit seinen Händen langsam meinen Rücken auf und ab. Vielleicht würde ich wirklich hier bleiben wenn er so etwas sagt. Ich kann ihm jetzt schon nichts abschlagen, er hat mich total unter Kontrolle. Irgendwie kann ich nicht klar denken wenn ich ihn sehe, ich weiß nur, dass ich ihn am liebsten jeden Tag um mich hätte.
Wie war das noch mal, man kann sich nicht aussuchen in wen man sich verliebt? Das muss wohl so stimmen da ich mir erst sicher war, dass ich mich nicht noch mal auf ihn einlasse. Während ich darüber nachdachte, machten sich meine Hände selbständig und verschwanden hinten unter seinem Pullover. Zwar hatte ich keine kalten Hände aber Rafa ist immer so schön warm und er riecht schon wieder so verführerisch. Eine Weile blieben wir so stehen, ich hatte schon vergessen wo wir waren. Wäre vielleicht auch bequemer wenn wir uns hinsetzen. “Setzen wir uns hin?” Fragte ich dann. “Wir können auch was anderes machen”
Es war so klar das er es so auslegen würde! Typisch Mann, ich will ihn nur umarmen und er denkt das ich es kaum erwarten kann ihn aus seinen Sachen zu kriegen. “Denke nicht mal daran!” ”Dann höre auf mich zu umarmen und nimm’ deine Hände von meinem Rücken!” ”Kann ich nicht, du bist so schön warm “ ”Komme mit”
Da ich ihn nicht loslassen wollte, stolperten wir umschlungen die Treppen nach oben in sein Schlafzimmer. Als wir vor dem Bett standen drückte er mich nach hinten bis ich auf dem Bett lag. “Du lässt nicht locker, no?” Fragte ich mit einem breiten grinsen. Rafa stand noch vor dem Bett und sah zu mir. “Wenn du schon so fragst, no! Du bist selbst Schuld wenn du mich so ansiehst” Ich setzte mich wieder hin und sah in seine Augen. “Ich sehe dich ganz normal an” ”Du meinst also ich bilde mir das nur ein?” Ich zog an seinem Pullover bis er sich neben mir fallen ließ. “Sí!” ”Was schlägst du vor?” ”Entspanne dich” Meinte ich nur mit einem breiten Lächeln und ließ meine Hand unter seinem Pullover verschwinden.
“Ich bin total entspannt, du hast doch deine Hände nicht unter Kontrolle” Wie ich dann merkte, hatte er noch was unter dem Pullover, vermutlich was Kurzärmeliges. “Warum hast du so viel an?” ”Damit du mehr Spaß daran hast mich auszuziehen” ”Sehr komisch!” Eigentlich gönnte ich es ihm nicht das er damit Erfolg hat aber er riecht so gut, ich konnte nicht anders als ihn zu küssen. Ich weiß doch was er von mir will und leider wird er es auch bekommen! Praktisch habe ich schon verloren wenn ich ihn küsse weil ich schon weiß wohin das führt.
Direkt abgeneigt war ich ja auch nicht. Mein Widerstand schmolz mehr und mehr und als seine Hände unter meinem Pullover an meinem Rücken waren, konnte ich sowieso nicht mehr nein sagen. Ich bin viel zu verrückt nach ihm um ihn abblitzen zu lassen. Ok, ich ergab mich meinem Schicksal und gab es auf. Rafa drehte mich auf den Rücken und verteilte Küsse auf meinem Hals, nur kam er nicht weit wegen dem schönen Rollkragen. Das sah er aber nicht als Problem, da er mir kurzerhand den Pullover auszog. Wenn schon denn schon dachte ich mir und zog ihm auch seinen Pullover über den Kopf. Das war noch schlimmer, wenn er oben nichts an hat, kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder klar denken konnte. Wer weiß wie spät es schon ist aber mir war eben total egal welche Uhrzeit es ist. Vielleicht sollte ich gleich den restlichen Tag im Bett bleiben und einfach nur relaxen. Eigentlich war ich ja schon mehr als entspannt, Rafa ist eindeutig zu nett zu mir, ich könnte wegschmelzen unter seinen Händen. Schlafen wäre doch auch eine gute Idee, ich döse ja sowieso eben vor mich hin.
Die friedliche Stille wurde aber dann gestört, durch ein Handyklingeln. Es hörte sich fast nach meinem Handy an und das lag nicht hier im Zimmer. Eigentlich hatte ich keine Lust jetzt ranzugehen. Ich wusste es! Kaum sind wir eine Weile alleine, will jemand etwas auch wenn es ausnahmsweise mein Handy war und nicht das von Rafa “Dein Handy klingelt” Kam es dann auch gleich. Ich musste kichern und setzte mich hin. “Du merkst auch alles!” Ein paar Sekunden blieb ich einfach sitzen und inzwischen hörte es wieder auf mit klingeln.
“Siehst du, manche Dinge erledigen sich von selbst” ”Sind das deine Eltern oder ist das deine Taktik Anrufe abzulehnen?” Als er Eltern sagte, fiel mir etwas ein. Mein Vater war noch mal bei mir bevor ich hier her kam weil er mir dringend was geben musste. Damit wollte ich aber Rafa jetzt nicht behelligen. Am liebsten würde ich gleich im Bett bleiben aber es war zu früh um gleich liegen zu bleiben. Ich suchte meine Sachen vom Fußboden zusammen und drehte mich dann nach hinten. Bleibt Rafa gleich liegen?
Es sah nicht aus als wenn er vor hätte demnächst aufzustehen. Überhaupt sah es gut aus wie er so total entspannt da lag und vor sich hindöste. Ich sollte mich auch wieder hinlegen auch wenn ich ihn dann mit Sicherheit nicht in Ruhe lassen könnte. “Bleibst du liegen?” Fragte ich sicherheitshalber mal nach. Er drehte seinen Kopf zur Seite und sah zu mir. “Vielleicht” ”Das heißt ich muss alleine duschen gehen?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Wenn du das willst, komme ich natürlich mit” Ich hatte es doch gewusst! “Sí, sonst würde ich dich ja nicht fragen!” Wir schafften es tatsächlich ohne größere Vorkommnisse zu duschen auch wenn ich das erst nicht für möglich gehalten hätte.
Mein Vater fiel mir inzwischen wieder ein. Ich lief gleich zu meiner Tasche und suchte etwas darin. Erst hielt ich das für einen Scherz aber mein Vater kam neulich zu mir um mir zwei Werbeanzeigen mit Rafa aus Zeitungen zu geben. Ehe ich fragen konnte was ich damit soll, meinte er doch allen Ernstes, dass er darauf Autogramme von Rafa haben will. Fast wäre ich umgefallen vor lachen, das konnte echt nicht wahr sein! Mal sehen wie Rafa das findet, das meine Eltern ihn jetzt schon nach Autogrammen fragen.
Mit den Anzeigen in der Hand lief ich wieder nach unten und suchte Rafa. “Du hast ja schon wieder etwas an!” Kam es dann übertrieben entrüstet als er mich sah. “Sieht wohl so aus, du kannst mir heute Abend beim ausziehen helfen wenn es dich glücklich macht” ”Es würde mich sehr glücklich machen” Kam es nur mit einem grinsen vom einen Ohr zum anderen. Ich rollte mit den Augen und hielt ihm die Anzeigen hin. “Was ist das?” Fragte er dann auch gleich. “Soll ich dir von meinem Vater geben” ”Wieso?” Fragte er nur mit einem verwirrten Gesichtsausdruck. “Er will Autogramme von dir” Sein Gesicht war so herrlich, wie schade das ich das nicht fotografiert hatte. “Du spinnst” Sagte er dann. “No, dass ist kein Scherz” Langsam begriff er dann wohl das ich keine Scherze machte, ich fand es ja selbst verrückt.
Im nächsten Moment griff er danach und verschwand dann damit. Wenige Sekunden später kam er wieder und gab mir die Anzeigen zurück. Ich sah darauf und musste dann mit dem Kopf schütteln. Das war echt verrückt, jetzt fragt mein Vater meinen Freund schon nach Autogrammen. “Er wird an die Decke springen vor Begeisterung” ”Warum hat er nicht gefragt als ich letzte Woche bei dir war?” Ich legte die Werbung weg und umarmte Rafa. “Weil er sich nicht getraut hat dich zu fragen. Er dachte es stört dich wenn dich jeder nach Autogrammen fragt” ”Aber doch nicht dein Vater. Ich meine klar stört es mich manchmal wenn es zu viel wird aber ich würde doch nicht ablehnen wenn deine Eltern mich fragen” ”Habe ich auch gesagt aber er wollte auf Nummer sicher gehen” ”Traut deine Mutter sich auch nicht zu fragen?” ”No, die guckt nicht so viel Sport im fernsehen. Die lacht auch schon wegen den Autogrammen” “Du kannst deinem Vater auch was anderes mitnehmen, ich habe eine Menge ausrangierte Schläger überall rumliegen. Damit kann ich sowieso nichts mehr anfangen“ Das klang gar nicht so schlecht, mein Vater würde Augen machen wenn Rafa ihm seine ausrangierten Schläger überlässt.
Aber so ohne Grund muss man so was ja nicht verschenken. “Das ist nett gemeint aber es ist ja auch bald Weihnachten“ “Wie du meinst. Es wundert mich ehrlich gesagt das du mich noch nicht nach Autogrammen gefragt hast” ”Die brauche ich nicht wenn ich dich habe außerdem hätte ich lieber was anderes von dir” ”Kannst du haben aber nicht jetzt. Gehen wir eigentlich heute Abend noch mal weg?” ”Willst du schon wieder Essen gehen?” ”Du bist auch eingeladen” “Ok” Na da musste ich natürlich nicht lange überlegen. Das hätte er nicht extra sagen müssen da ich auch so weiß, dass er mich einlädt. Ich glaube Rafa gehört zu der Sorte Mann die eine Frau niemals bezahlen lassen würden im Restaurant egal wie teuer es wird.
“Wir können auch noch woanders hingehen danach wenn du willst” So langsam wurde ich stutzig, auf was will er denn hinaus? “Gibt es etwas zu feiern?” Fragte ich dann und überlegte ob ich etwas vergessen hatte. Geburtstag hatte er aber nicht und Turniersieg war auch keiner der vielleicht letztes Jahr an dem Datum war. “Nicht direkt, außer vielleicht das wir am Ende doch noch irgendwie zusammengekommen sind. Ich meine, es war ja ziemlich knapp und wäre beinahe schief gegangen” ”Du meinst das muss groß gefeiert werden?” ”So groß nun auch nicht, muss ja nicht gleich alle Welt erfahren, es kommt noch früh genug raus. So lange es geht, hätte ich schon lieber meine Ruhe” “Ok, von mir aus“
Da wir Zeit hatten, fuhren wir nach Manacor. Das Haus wo er früher mit seinen Eltern gewohnt hat kannte ich zwar aber nicht von innen. Wir sind nicht extra nach Manacor gefahren damit ich mir das ansehe aber jetzt waren wir sowieso schon dort. Es war gar niemand da also konnte ich mich in Ruhe umsehen. Als wir auf der Dachterrasse waren, musste ich gleich an Sara denken.
Die hatte mir doch in Berlin als Rafa trainiert hat erzählt wie es hier aussieht weil das irgendwo im fernsehen gezeigt wurde. Es kam ihrer Beschreibung von einer Folterkammer nahe, gemütlich sah es nicht gerade aus. Während ich meinen Blick über die Kathedrale und den Ort schweifen ließ dachte ich weiter nach. Gestört wurde ich dann von Rafa, der sich neben mich stellte und mit nach unten sah. „Was machst du denn eigentlich zu Weihnachten?“
Ich sah zu ihm rüber und musste lächeln. „Wie kommst du jetzt darauf?“ “Nur so, ist ja nicht mehr lange hin“ “Ich schätze mal bei meinen Eltern Essen und dann wieder Essen“ „Wann feiert ihr denn genau?“ “Am 24. Dezember, ich weiß das es hier etwas länger dauert“ “Eigentlich schon aber wir feiern auch nicht erst am 6. Januar weil ich da nie zu Hause wäre Weihnachten“ “Wo bist du denn?“ “In Abu Dhabi ist ein Einladungsturnier. Es geht eigentlich um nichts, es gibt keine Punkte dafür eine Menge Geld. Deswegen mache ich es aber nicht, ich nehme das als Vorbereitung für die neue Saison weil dort nur Spieler der oberen Weltrangliste sind und ich so gucken kann wie es läuft. Der Nachteil ist das ich zum Jahreswechsel nicht hier bin und wenn hier Weihnachten ist auch nicht aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen“ “Das heißt du bist in Abu Dhabi zu Silvester?“ “Sí, es fängt am 31. Dezember an. Ich spiele erst am 1. aber ich muss ja noch hinfliegen also fliege ich am 30. Dezember hier los“
Was sollte ich davon halten? Zwar hatte ich über Weihnachten noch nicht nachgedacht aber ich dachte schon, dass ich Rafa mal sehe. Ich habe frei zwischen Weihnachten und Silvester. Wäre schade wenn es da nicht klappt. Das im Januar die neue Saison anfängt, wusste ich ja schon aber ich dachte zumindest das er Silvester zu Hause ist. „Und was kommt nach Abu Dhabi?“ Fragte ich dann neugierig. „Ein Turnier in Doha und dann geht es nach Australien“ “Mhh“ Meinte ich nur und dachte mir meinen Teil. „Was machst du zu Weihnachten?“ Fragte er dann noch mal. “Nichts spektakuläres, ich fahre zu meinen Eltern und bleibe dort bis zum neuen Jahr. Silvester feiern wir meistens jedes Jahr im selben Restaurant“ In den folgenden Sekunden entstand eine leicht drückende Stelle. Eigentlich gefällt mir das gar nicht wenn alles so ernst ist aber wenn ich so über alles nachdenke, würde ich am liebsten gleich wieder flüchten.
Genau so hatte ich mir das gedacht, ich habe frei und Rafa ist irgendwo. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass er unterwegs sein wird, er kann es doch kaum erwarten bis er wieder spielen kann. Nach ein paar Minuten sah ich zur Seite und merkte, dass Rafa mich aus dem Augenwinkel beobachtete. „Was?“ Fragte ich gleich. „Nada, ich beobachte dich nur. Musst du unbedingt mit deinen Eltern Silvester feiern?“ Ich drehte mich halb damit ich ihn besser sehen konnte und überlegte was das jetzt wird.
„No, muss ich nicht aber du bist ja nicht hier“ “Das heißt du wolltest mich besuchen?“ Jetzt musste ich aber doch wieder lächeln. „Jetzt tue nicht noch so überrascht!“ “Das kannst du doch. Ich meine, es ist doch egal ob du hier her fliegst oder nach Abu Dhabi, no?“ „Ich denke du sollst dort Tennis spielen?“ “Ist ja auch so aber nicht nur, das sind nur zwei Spiele. Es ist nicht so das ich rund um die Uhr beschäftigt bin“ Auf was er anspielt, ist mir schon klar. Wenn es nach Rafa geht, soll ich nach Abu Dhabi kommen.
Klingt ja auch alles gut aber es ist genau das was ich nicht wollte. Ich habe ja nix dagegen Urlaub zu machen oder Rafa zu sehen aber das ist erst der Anfang. Meinen Jahresurlaub kann man fast an zwei Händen abzählen. Ich könnte locker bis zu den Australian Open meinen gesamten Urlaub aufbrauchen. Im Januar hat das Jahr aber bekanntlich erst begonnen. Was kommt denn dann? Rafa wird bis zum Sommer total im Stress sein und ich kann keinen Urlaub machen um ihm überall nachzufliegen.
Ich habe keine Lust Rafa nur im fernsehen zu sehen, davon habe ich gar nichts. Auf der anderen Seite ist der Gedanke Rafa gar nicht mehr zu sehen ein echter Albtraum. Ich hatte sowieso geplant über Silvester Urlaub zu machen auch wenn ich da normalerweise zu Hause bin. Dieses Jahr ist es günstig und ich kann bis zum 4. frei machen. „Ich denke darüber nach“ Meinte ich dann nachdenklich. An dem Gesicht was Rafa zog sah ich schon, dass er sich wohl eine andere Antwort erhofft hat. Er dachte sicher ich flippe aus vor Begeisterung.
„Das klingt ja sehr begeistert“ Meinte er dann noch mit einem ernsten Gesicht. Da ich ein paar Sekunden nichts sagte und ihn nur ansah, drehte er sich dann um und ging einfach.
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