12 December 2010

Chapter 72

„Was sollen wir jetzt mit den Flügen machen? Wir haben die schon bezahlt, wenn wir jetzt nicht fliegen, ist das Geld so und so weg“ Rafa sagte weiterhin nicht viel und zuckte nur leicht mit den Schultern. Er hat also auch keine Ahnung, das überrascht mich nicht. „Ich würde wirklich spielen wenn nicht die US Open bald wären aber ich kann es nicht ändern. Wenn es nicht anders geht müsst ihr eben fliegen, mit dem Hotel das lässt sich schon regeln. Ich hätte jetzt gesagt buche doch um auf Palma aber wenn das nicht geht, ist die Idee auch nichts wert“
Tja, das ist eben das Risiko wenn man den günstigsten Tarif bucht, dann ist man null flexibel und genau das wird uns ja offenbar zum Verhängnis. Es wäre ja aber auch blöd wenn wir jetzt nur so aus Spaß nach Berlin fliegen, ich wollte da Rafa sehen und nicht die Stadt angucken. Vielleicht sollte ich erstmal mit Sara reden. Sie kann zwar auch nichts daran ändern aber sie weiß ja noch gar nichts von ihrem Glück. Das Rafa hier ist weiß sie ja aber wir hatten noch nichts ausgemacht, sie spekuliert aber sicher darauf, dass sie Rafa Morgen oder Übermorgen mal zu Gesicht bekommt. Da kann Rafa ihr ja gleich persönlich sagen das er gar nicht spielt wobei ich denke, dass sie es aus dem Internet schneller erfahren wird.
„Ich werde ja sehen was Sara sagt, sie wird alles andere als erfreut sein aber sie hat ja keine Wahl“ Ein bisschen wartete ich nur darauf das Sara anruft und dann total am Rad dreht. Insgeheim freute ich mich schon darauf weil es herrlich ist zu sehen wie sie sich dann aufregt wenn es um Rafa geht.

„Es ist total ungewohnt dich hier zu sehen“ Meinte ich leicht geistesabwesend mehr zu mir selbst. Rafa fühlte sich aber angesprochen, er sah zu mir rüber und zog seine Augenbrauen hoch. „Wieso? Du solltest dich inzwischen an den Schock gewöhnt haben mich früh als erstes zu sehen“ Woher wusste ich nur das er es garantiert anderes auffasst als ich es meine? Außerdem weiß er schon seit längerer Zeit das er gar nicht erst in mein Bett kommen würde wenn mich das stören würde. „Du würdest jetzt gar nicht hier liegen wenn es mich stören würde aber so meinte ich das auch gar nicht“ “Wie dann?“ Darauf habe ich nur gewartet, jetzt will er es wohl ganz genau wissen.
„Na ja als du das letzte Mal hier warst, war es Dezember. Ich hätte damals nie gedacht das es über ein halbes Jahr dauern würde bis du wieder hier bist“ “Das ich jetzt hier bin ist auch ein Wunder. Ich meine so kurz vor einem Masters Turnier geht das eigentlich nicht das ich das Wochenende vorher nicht trainiere“ “Aber?“ Fragte ich jetzt mich hochgezogenen Augenbrauen. „Ich hatte sowieso nicht vor Berlin unbedingt gewinnen zu wollen. Wäre zwar schön gewesen aber mir sind die US Open wichtiger. Jetzt ist es ja sowieso egal“ So ein leicht fahler Nachgeschmack blieb da schon bei mir. Das klingt ja so als wäre er nur hier weil es eben am Weg lag, streng genommen ist es auch so. Mir ist klar das ich die zweite Geige spiele und er seine Karriere ganz oben anstellt. So lange er das aber nicht allzu deutlich raushängen lässt, kann ich damit leben.
„Dann kann ich mich ja bei Toni bedanken, das er dich hier her kommen lassen hat“ Meinte ich dann mit einem ernüchterten Gesicht. Das Lächeln war Rafa inzwischen auch vergangen und er drehte sich auf die Seite um mich zu umarmen. „Ich mache das nicht absichtlich aber ich kann es nicht ändern“ “Ich weiß, wird dir das denn nie zu viel das dein Leben total verplant wird? Es sind ja nicht nur die Turniere, es ist ja fast jeden Tag irgendwas und ständig kommen neue Verpflichtungen dazu“ “Klar stört es mich manchmal das ich nie selbst entscheiden kann. Durch Verträge mit allen möglichen Leuten und Firmen kann ich gar nicht nein sagen. Ich kann aber ja bis maximal Anfang 30 spielen, vielleicht weniger daher versuche ich das Maximale rauszuholen so lange es geht. Ich könnte ja auch eine schlimmere Verletzung haben das ich schon viel eher meine Karriere an den Nagel hängen muss und danach habe ich immer noch Zeit zum entspannen. Auf ewig will ich das stressige Leben mit Sicherheit nicht“ Klingt zu schön um wahr zu sein nur kann ich mir davon jetzt auch nichts kaufen.
Die nächsten sechs, sieben Jahre gehen für Rafa mit Sicherheit so weiter wenn nichts dazwischen kommt. „Aus dem Grund wollte ich auch nach Porto Cristo, damit ich dich wenigstens ab und zu mal sehen kann“ “Weiß eigentlich irgendwer von den Plänen?“ “No, von dir abgesehen niemand“ Es war ein bisschen erschreckend das es noch niemand wusste. „Wann willst du es deinen Eltern sagen?““Ich dachte heute Abend weil ich dich dabei haben will“ “Hältst du das für eine gute Idee?“ Ja, ich kann die Skepsis von Rafa verstehen, mir war das selbst nicht ganz geheuer. Ich denke zwar das sie nichts dagegen haben werden aber so genau kann man das nie vorher wissen. Wenn Rafa dabei ist, werden sie mit Sicherheit nichts unangebrachtes sagen. „Die werden es schon überleben, Sara wird interessanter. Ich traue mich gar nicht ihr das zu sagen“ “Besser wär's wenn du sie nicht vor vollendete Tatsachen stellen willst“ “Genau so ist es doch, die Würfel sind schon lange gefallen, sie kann es nur hinnehmen oder nicht. Damit das sie ausflippt rechne ich aber daher warte ich den passenden Moment ab. Mir ist klar das es noch eine Weile hin ist bis Weihnachten aber ich kann es sowieso nicht lange für mich behalten“
Das grinsen von Rafa war indessen zurückgekehrt. „Du wirst es nicht glauben aber ich bin wirklich gespannt was sie sagt. Mir kommt es so vor als wenn sie ein wenig durchgeknallt ist“ “Das kommt dir nicht nur so vor, wir können sie ja erstmal über Berlin aufklären und ihr einen Besuch abstatten“ Meinte ich und musste selbst lachen. „Gut aber sage ihr nicht das ich mitkomme, ich will sehen wie sie erschrickt“ “Du bist gemein!“ Versuchte ich ernst zu sagen aber Rafa konnte sich gar nicht mehr halten vor lachen und irgendwie gefiel mir die Idee auch.

Wir frühstückten entspannt und machten uns dann auf den Weg zu Sara. Gemeldet hat sie sich noch nicht und da ich denke, dass sie schon unzählige Male bei mir angerufen hätte wenn sie wüsste das Rafa gar nicht spielt, ahnt sie wohl noch nichts böses. Sie ahnt bisher ja auch noch nicht, das Rafa gleich in ihrer Wohnung stehen wird. In Ohnmacht fallen wird sie schon nicht gleich und Rafa tut ja nix, er amüsiert sich nur köstlich darüber wie die Leute erschrecken wenn sie ihn sehen. Wir klingelten an der Haustür und ich ließ sie in dem Glauben das ich alleine bin also dachte sie wohl nichts weiter und drückte am Türöffner das wir ins Haus können.
„Sie denkt ich bin alleine“ Meinte ich feixend und konnte mir die Vorfreude auf ihr Gesicht wenn sie Rafa sieht nicht verkneifen. „Vielleicht hättest du sie doch vorwarnen sollen...“ “Sie weiß doch das du hier bist dieses Wochenende, das ist doch Vorwarnung genug außerdem wolltest du doch das ich nichts sage“ Rafa rollte nur mit den Augen aber etwas anderes konnte er jetzt auch nicht mehr tun. Wir standen kaum vor der Tür, als Sara von innen öffnete und mich breit anlächelte. Damit war es aber vorbei als sie Rafa hinter mir entdeckte. Ich musste mir ein feixen verkneifen weil sie so ein geschocktes Gesicht zog. Man müsste denken sie gewöhnt sich irgendwann mal daran ihn zu sehen. Sie versuche sich nichts anmerken zu lassen, was ihn nur bedingt gelang. Für Außenstehende war es vielleicht überzeugend aber ich kenne sie ja, sie hat wohl eben einen Puls von 180.
„Hättest du nicht sagen können das er mitkommt?“ Fragte sie leise als sie direkt neben mir stand. „Ich wusste nicht das du ihn nicht sehen willst“ Gab ich nur unschuldig zurück und verstand die Aufregung nicht. Ja, gut ein bisschen kann ich sie verstehen, es ist doch der Traum aller Fans das Rafa plötzlich vor der Tür steht. „Das schon aber du weißt noch nicht das ich ein Poster von Wimbledon im Wohnzimmer hängen habe. Es ist etwas... sagen wir groß“ Was meinte sie denn damit? Das muss dann neu sein denn ich konnte mich nicht an sowas erinnern. Das es ihr peinlich ist, belustigt mich aber doch. Rafa wird ihr nicht den Kopf abreißen, schlimmstenfalls denkt er das sie verrückt ist und in der Pubertät stecken geblieben ist aber er denkt ja sowieso schon das sie durchgeknallt ist. Da muss sie jetzt aber durch wenn wir nicht im Flur stehen bleiben sollen. Ich war schon ein bisschen gespannt als wir ihr nachliefen, ihr Gesicht nahm eine leicht rote Färbung an und Rafa sah so aus als wenn er sich fragen würde wieso. Zwar wollte ich sie nicht in Verlegenheit bringen aber jetzt ist es zu spät. Als wir endlich mal im Wohnzimmer waren, musste ich mir ein lautes Lachen verkneifen.
Zwar habe ich nicht gedacht das sie Witze machte als sie von dem Poster erzählte aber es war wirklich groß. Von der Decke bis zum Boden um genau zu sein, man sollte es Tapete nennen. Da frage ich mich wo sie das her hat, muss doch extra für sie angefertigt worden sein. Mein Blick wanderte zur Seite und Rafa schien auch Probleme zu haben keinen passenden Spruch zum besten zu geben, er versuchte ernst zu bleiben, mit mäßigem Erfolg. Sara zappelte nervös rum und schien zu beten, dass jemand was sagt um das Thema zu wechseln. „Ja also eigentlich sind wir nicht hier um deine Wohnung zu bestaunen. Ich weiß nicht ob du es schon gehört hast aber mit Berlin wird das wohl nichts werden...“ Ihr Gesicht wurde immer ernster je mehr ich sagte. Eigentlich war jetzt die Stelle das sie fragt wieso aber sie starrte nur abwechselnd zwischen mir und Rafa hin und her. „Rafa fliegt zwar hin aber nicht wie geplant am Dienstag sondern am Montag früh. Da ich dich nicht länger auf die Folter spannen will sage ich es einfach direkt. Es gibt am Montag eine Pressekonferenz wo er verkünden wird das er nicht spielt und dann fliegt er zurück nach Hause“ Sie sah mich an als hätte ich gerade verkündet das ich mit Rafa auf den Mond auswandern will. „Was?“ Fragte sie nach ein paar Sekunden und schnappte dabei hektisch nach Luft.
Ihre Verlegenheit von eben war einem fassungslosen Gesicht gewichen. Ich konnte ihre Gedanken schon lesen, sie sah zwar zu Rafa, sagte aber nichts. Mir schoss auch gleich durch den Kopf das er gar nicht so krank aussieht als er mir davon erzählt hat aber die Verletzungen die Rafa so zu haben pflegt, sind allesamt unsichtbar. „Was ist es dieses mal?“ Fragte sie dann aber doch mit einem nicht zu überhörenden Unterton, ich bin ja auch enttäuscht. „Handgelenk, eine Verletzung aus dem Training. Ist nichts schlimmes aber die US Open stehen vor der Tür“ Meinte ich nur und zuckte mit den Schultern. Rafa verstand zwar nichts aber er wird sich denken können was los ist. Er zog ein Gesicht als wenn er sich davor fürchtet, das wir unseren Frust gleich an ihm auslassen. Eigentlich sieht er gut aus wenn er so ein verlegenes Lächeln zieht nur half uns das jetzt auch nicht weiter.

„Willst du trotzdem nach Berlin?“ Fragte sie nachdem wir alles ausführlich besprochen hatten. „Ich weiß nicht, was sollen wir da machen?“ “Gute Frage, ich weiß nicht mehr was ich da machen soll, ich kenne die Stadt auswendig“ Meinte sie und zuckte dann mit den Schultern. „Wenn du lieber nach Mallorca willst das Wochenende habe ich auch kein Problem damit. So teuer waren die Tickets ja nicht, dann machen wir nichts und fliegen einfach nicht. Ist eben dumm gelaufen“ Wenn sie auch nicht unbedingt nach Berlin will, bringt es ja wirklich nichts. Da kann ich auch nach Mallorca fliegen statt nach Berlin.
“Bist du nächstes Wochenende zu Hause?“ Fragte ich Rafa der etwas überrascht schien das ich ihn ansprach, er war wohl eben dabei das Wohnzimmer zu betrachten. „Sí, ich bin bis Ende der ersten Augustwoche zu Hause“ “Er ist bis Anfang August zu Hause“ Übersetzte ich für Sara und überlegte derweil was ich mache. Es wäre kein Problem nach Mallorca zu fliegen aber ich hätte schon ein schlechtes Gewissen die Flüge nach Berlin einfach so verfallen zu lassen. Umbuchen geht aber ja nicht, es scheint keinen Ausweg zu geben. „Hast du nicht so eine Vielfliegerkarte? Kann man da nichts machen wenn du da anrufst?“ Gut, auf die Idee war ich noch nicht gekommen. Ich hatte schon etliche Meilen gesammelt aber es würde mich wundern wenn das ausreicht das die mir entgegen kommen, es ist ja nicht so das ich die Millionen Meilen Grenzen überschritten hätte. „Ich kann's versuchen aber wenn die nicht einlenken, lassen wir es eben“ Sie warf einen kuren Blick zu Rafa und sah mich dann verschwörerisch an.
„Und Carlos Costa kann da auch nichts machen?“ Ich war etwas erstaunt wie gerissen Sara ist. Die Idee Costa das Problem lösen zu lassen kam mir noch gar nicht. Jetzt wo sie es sagt, er findet sicher einen Weg das zu lösen aber ich will nicht, das ich nur Rafa und Costa zu verdanken habe das die blöde Airline einlenkt. „Ich will nicht so viele Leute mit reinziehen, so teuer waren die Flüge doch nicht, der Aufwand lohnt sich nicht“ “Ja gut, stimmt auch wieder, war nur eine Idee, vergiss es gleich wieder“ “Gut, dann bleibt es dabei das wir nicht fliegen“ “Ja, endgültig“ Gut, das wollte ich ja nur hören. Ob ich nächste Woche nach Mallorca fliege oder nicht kann ich ja später mit Rafa noch klären.

28 November 2010

Chapter 71

Da ist Rafa gerade der Richtige wenn er meint das er kein Problem damit hat wenn er eine Weile nur faul ist. Das geht doch schon nach ein paar Tagen los das er unruhig wird weil ihm die ganze Bewegung fehlt. Ich hätte das ja nicht für möglich gehalten aber er hat tatsächlich fast zwei Wochen lang keinen Tennisschläger angefasst. Erst drei Tage bevor ich wieder nach Hause musste hat er wieder angefangen zu trainieren.
Berlin steht ja an und dann geht es in die USA, er hat ja viel vor bei den US Open. Lust hatte ich nicht wirklich wieder nach Hause zu fliegen. Die zwei Wochen waren zu schön um wahr zu sein und ich weiß ja das es eine Ausnahme war weil Rafa sonst nicht so viele freie Zeit hat. Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte ich auch weil mir nicht entgangen ist das sich ein paar Freunde von ihm bei ihm beschwert haben das er seine ganze Freizeit mit mir verbringt. Wir waren zwar auch öfters ausgegangen abends aber davon abgesehen blieb nicht viel Zeit für seine Freunde übrig.
Das wollte Rafa aber unbedingt so, ich habe ihm mehrmals gesagt das er auch alleine wohin gehen kann. Golf spielen war er ja dann auch alleine, er hat mich gar nicht gefragt ob ich mitkomme weil er schon wusste das ich ablehne. Wir klebten zwar fast zwei Wochen lang permanent zusammen aber Golf spielen werde ich niemals und zugucken ist langweilig auch wenn Rafa da gänzlich anderer Meinung war. Er würde wohl wenn er könnte mehr Zeit auf dem Golfplatz zubringen als Tennis zu spielen.

Diese dämlichen Verlobungsgerüchte waren zum Glück wieder vom Tisch auch wenn Rafa sich gerne derbe Scherze erlaubte und mich seinen Freunden als seine Verlobte vorgestellt hat. Da wussten aber schon längst alle das es eine Ente war. Auch wenn er nur Spaß gemacht hat, klingt das beängstigend wenn er mich als seine Verlobte bezeichnet. Soweit ist es noch lange nicht, momentan haben wir genug zu überlegen mit dem Umzug.
Davon wusste vor allem noch keiner. Rafa bindet ja seinen Eltern immer gleich alles auf die Nase aber davon wusste niemand. Ich hatte schon ein bisschen bammel davor das Sara zu sagen und es fiel mir schwer dicht zu halten als ich wieder zu Hause war und sie mich besuchte. Natürlich würde ich es ihr sagen aber ich wollte mich erstmal bisschen an den Gedanke gewöhnen bevor ich es allen verkünde. Zu wissen das ich bald für längere Zeit in Porto Cristo bleibe machte es zumindest einfacher als ich mich von Rafa verabschieden musste weil mein Urlaub vorbei war. Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben und gar nicht mehr zurückgeflogen.
Lange muss ich ja auch nicht warten um ihn wieder zu sehen, eigentlich nur eine Woche weil er an dem Wochenende vor dem Turnier in Berlin zu mir kommen will. Die Zeit zwischen den French Open und Wimbledon war nicht schön daher versuchen wir das so zu planen das wir uns schon ab und zu mal sehen können. Meine Eltern freuen sich schon darauf Rafa wieder zu sehen, es ist ja inzwischen fast ein halbes Jahr her das er zuletzt bei mir war.
Das es so lange dauert hatte ich natürlich nicht gehofft aber es ging nicht anders und er kann ja nichts machen in Deutschland außer mich besuchen daher war ich immer zu ihm gefahren. Mal sehen wie meine Eltern das finden mit dem umziehen, ich wollte es eigentlich sagen wenn Rafa dabei ist.

Wieder arbeiten zu gehen fiel mir sehr schwer aber es ist ja nur eine Woche bis Rafa mich mit seiner Anwesenheit beehrt. Sara freute sich bestimmt auch schon richtig auch wenn es erst knapp vier Wochen her ist das sie ihn gesehen hat bei Wimbledon. Berlin kommt schließlich auch noch und da werden wir ja hinfahren vom Freitag bis zum Sonntag.
Darauf freute ich mich schon richtig auch wenn ich das vor einem Jahr nicht für möglich gehalten hätte. Auch wenn eigentlich alles in Porto Cristo angefangen hat, wäre ich ohne Berlin nicht da wo ich heute bin. Nach dem Turnier in Berlin spielt er ja in Cincinnati und dort wird er auf meine Anwesenheit verzichten müssen da ich nicht wegen einem Wochenende in die USA fliege. Ich habe ihm mehr oder weniger die Wahl gelassen ob ich nach Cincinnati oder zu den US Open kommen soll wobei das keine Wahl war weil ich wusste das er US Open sagen wird.
Dann steht ja noch der Urlaub an also werden wir uns häufiger sehen in den nächsten Monaten. Wir wissen immer noch nicht was wir da genau machen aber das müssen wir spätestens in der Woche bevor ich nach New York fliege wissen damit ich mich darauf einrichten kann.

Pünktlich am Freitag abends um 11 war ich am Flughafen und wartete bis Rafa durch den Ausgang kommt. Zwar hatte ich ihn vermisst aber es war noch erträglich und kein Vergleich zu dem Wiedersehen in Wimbledon. Ich war ja letzten Sonntag zurückgeflogen also hatten wir uns wenn man den Freitag nicht mit rechnet vier Tage nicht gesehen. Etwas müde bin ich ja schon durch das frühe aufstehen und ich hatte nicht wirklich Lust Abends noch zum Flughafen zu fahren. Rafa hätte auch am Samstag fliegen können aber dann wäre er erst am Nachmittag da und wegen knapp 24 Stunden lohnt es sich gar nicht also wollte er am Freitag Abend fliegen.
Ich lief leicht nervös Runden und wartete gespannt, klar freue ich mich ihn gleich zu sehen. Alleine war ich nicht, hier warteten noch mehr Leute die jemanden abholen wollten.Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Rafa endlich erschien, ich sah schon ständig auf meine Uhr. Mein Lächeln ging bestimmt vom einen Ohr zum anderen als ich ihn sah, es ist irgendwie immer wieder aufregend. Ich zwang mich ruhig zu bleiben bis er direkt vor mir stand.
„Hola“ Kam es mir mit einem breiten Lächeln entgegen, da konnte ich mich nicht mehr beherrschen und fiel ihm um den Hals. „Ich freue mich total dich zu sehen“ Meinte ich während ich ihn umschlang, es war richtig schön ihn zu umarmen. „Ich merke es“ Etwas löste ich mich von ihm damit ich in sein Gesicht sehen konnte. „Ich habe dich vermisst, also ein bisschen zumindest. Es ist ja nicht so lange her das wir uns gesehen haben“ Sagte ich dann mit einem begeisterten Lächeln. “Stimmt aber ich freue mich trotzdem dich zu sehen“ Das klang wirklich richtig gut! Ich konnte mich nicht bremsen und musste ihn unbedingt küssen, das war ich schon gewohnt daher fehlte mir das schon die letzten Tage.
Es nahm auch niemand um uns rum Notiz von uns also macht es nichts wenn wir uns nicht beherrschen. Damit wir nicht die halbe Nacht am Flughafen zubringen, liefen wir dann zu meinem Auto und verzogen uns in meine Wohnung. Ich konnte mich nur schwer auf die Straße konzentrieren da ich ständig neben mich sehen musste. Zwar lächelte Rafa aber irgendwas hat er, ich kann aber nicht genau sagen was es ist. Ich dachte aber das er schon noch sagen wird was los ist und wollte ihn nicht bedrängen. Wer ihn nicht kennt würde wohl gar nicht auf die Idee kommen das etwas im Busch ist aber er lächelt einfach wenn er etwas überspielen will, das macht er ja in der Öffentlichkeit auch so. Was schlimmes wird es wohl nicht sein, da ich denke das er sonst schon am Telefon was angedeutet hätte.

Viel auspacken musste er ja nicht da er am Montag früh zurück nach Mallorca fliegt also machten wir es uns auf der Couch bequem. Wenn ich es mir so überlege, bin ich doch froh das er heute Abend schon geflogen ist und nicht erst morgen früh. „Wie war denn das Training heute?“ “Kurz, du wirst es nicht glauben aber es hat den ganzen Tag geregnet. Da musste ich nach Manacor fahren, Hartplätze gibt es zum Glück auch in der Halle“ “Hoffentlich regnet es nächste Woche in Berlin nicht, sonst wird es noch wie das Finale in Rom. Das war echt nervig nach der zweiten Regenunterbrechung“ “Mhh“ Meinte er nur und sah mit einem abwesenden Blick auf sein Glas. Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden und fragte mich warum er so in Gedanken versunken ist. „Ich hätte nicht gedacht das ich sowas jemals sagen würde aber ich freue mich richtig auf nächste Woche“
Er sah mich direkt an aber der nachdenkliche Blick blieb. Mir verging das Lächeln erst als er meine Hand in seine nahm und tief Luft zu holen schien. „Ich muss dir was sagen“ Ich schluckte kurz und war gespannt was gleich kommt. „Ich weiß das du dich total darauf freust aber ich spiele nächste Woche nicht in Berlin“ Was hat er eben gesagt, er spielt nicht in Berlin? Ich war erstmal platt von der Ansage. Ist das jetzt ein ganz dummer Scherz? „Was? Warum das denn?“ Fragte ich nach der ersten Verwirrung mit großen Augen. Da er nicht gleich antwortete und mich nur mit einem mitleidigen Blick ansah, reimte ich mir das selbst zusammen. Wenn er nicht spielt, kann es nur einen Grund geben...
„Sage nicht das Knie schon wieder!“ Meinte ich dann mehr feststellend. “No, ein bisschen weiter oben, linkes Handgelenk. Ich kann mir das selbst nicht erklären, ich habe ganz normal trainiert wie immer und plötzlich fing es an unangenehm zu ziehen bei einer bestimmten Bewegung. Ich finde das auch blöd weil ich die Matchpraxis brauche und lieber spielen würde. Ein paar Tage soll ich jetzt nicht trainieren, es ist nichts schlimmes weiter aber ich will kein unnötiges Risiko eingehen so kurz vor den US Open“ Das waren keine guten Neuigkeiten, ich hatte mich wirklich gefreut. Nicht nur das, ich hatte mit Sara auch schon die Flüge gebucht. Um das Hotel und die Eintrittskarten wollte sich ja Rafa kümmern. Mein Gesicht hing sicher bis zum Boden, dass ist wirklich schade das es nicht klappt.
„Warum sagst du das denn jetzt erst? Wir haben doch schon die Flüge nach Berlin gebucht!“ “Ich war doch erst heute Nachmittag beim Arzt und weiß es auch erst seit dem. Morgen früh wird die Turnierleitung meine Absage offiziell machen daher fliege ich auch nach Berlin am Montag eine Pressekonferenz geben bevor ich dann Abends nach Hause fliege“ “Das ist richtig blöd gelaufen, wir können die Flüge nicht stornieren oder umbuchen weil wir den günstigsten Tarif gebucht haben und daher nicht umbuchen können“ So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt! Es sollte doch so schön werden alles. „Es tut mir wirklich leid, ich weiß das du dich gefreut hast, ich freue mich auch nicht darüber“ Das er sich dafür entschuldigt will ich auch nicht, er kann ja nichts dafür. Ich denke zwar das er es wieder besonders gut machen wollte alles und daher übertrieben hat mit trainieren aber das ist jetzt auch egal.
„Da kann man wohl nichts machen“ Meinte ich immer noch ein bisschen deprimiert. „Sara wird ausflippen...“ Murmelte ich vor mich hin und überlegte derweil. Was sollen wir jetzt mit den Flügen anstellen wenn Rafa gar nicht in Berlin ist? Die Sekunden vergingen und keiner sagte ein Wort, Rafa sah mich nur mit großen Augen an als wenn er warten würde das ich etwas sage. „Tut es eigentlich weh?“ Fragte ich dann da er nicht weiter eingegangen war auf die Verletzung. “No, jetzt nicht, es ist nur wenn ich spiele“ Ich grübelte weiter nach und wägte alle Möglichkeiten ab. „Und wenn du trotzdem nach Berlin kommst? Ich meine wir können da ja auch was anderes machen wenn du nicht spielen kannst“ Er sah mich ein paar Sekunden an aber dem Gesicht das er zog nach zu urteilen war meine Idee nicht so gut.
„Das geht leider nicht, ich muss trainieren zu Hause“ Na super, meine Laune war inzwischen wieder im Keller... So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt! Da freut man sich und dann meint Rafa nicht spielen zu können nur weil es ihm mal im Handgelenk zwickt. Ich weiß ja das er auch lieber spielen würde aber langsam nervt es das immer diverse Verletzungen unsere Pläne durchkreuzen, noch dazu wo er selbst daran Schuld ist. Kann er nicht wie ein normaler Mensch trainieren? Rafa will immer 110%, das rächt sich meistens aber auch sehr bald. Vor meinem inneren Auge sah ich mich doch schon in Berlin in der Players Box sitzen mit Sara und jetzt fällt alles buchstäblich ins Wasser...

21 November 2010

Chapter 70

Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich gleich so ein unruhiges Gefühl in mir. Dazu bestand eigentlich kein Grund da kein Problem anstand. Im Gegensatz zu sonst war Rafa auch nicht mitten in der Nacht aufgestanden und ich wachte alleine auf. Es ist etwas ungewöhnlich, das es schon nach um neun ist und er noch schläft. Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden und konnte mir den Gedanke an gestern Abend nicht verkneifen.
Ich glaube seine Eltern waren nur so erschrocken über den Witz weil er sich gestern Abend grundlegend anders verhalten hat als Vorgestern. Er klebte mir ja ständig an den Fersen, da hat seine Mutter wohl für den Bruchteil einer Sekunde gedacht das es stimmen könnte. Es könnte mir ja egal sein aber mir lässt der Artikel keine Ruhe. Klar bin ich gespannt was passieren wird auch wenn das Dementi sofort folgt. Ich hatte mir ja fest vorgenommen nicht in Panik zu verfallen aber ich musste zumindest mal auf mein Handy sehen also drehte ich mich auf die Seite und griff nach meinem Handy. Es war auch kein große Überraschung das Sara in einer sms meinte das ich sie mal anrufen soll. Angerufen hatte sie auch schon zweimal aber sie müsste wissen das wir nicht vor um neun aufstehen.
Worum es geht kann ich mir denken, sie ist bestimmt vor Schreck fast vom Stuhl gekippt als sie ins Internet gegangen ist. Vermutlich wird es sich schon überall verbreitet haben in kürzester Zeit. „Was machst du da?“ Kam es plötzlich leise von hinter mir. Ich musste schmunzeln und drehte meinen Kopf nach hinten. Es sah wirklich gut aus wie Rafa mich so neugierig ansah. Er sah ein wenig verschlafen und zerzaust aus, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Nichts“ Antwortete ich und drehte mich wieder auf den Rücken. „Wenn du nichts machst, wieso hast du dann dein Handy in der Hand?“ Ich sah zu ihm rüber und wusste schon das ich mir die Erklärung sparen kann, er weiß sehr wohl was ich mache. „Sara macht Telefonterror“ In der nächsten Sekunde rollte er gleich mit den Augen. „Überrascht dich das? Ich werde zur Sicherheit gar nicht erst auf mein Handy sehen“ Ich rückte näher zu ihm und schloss meine Augen wieder. „Vergiss Sara“ Meinte er dann nur und nahm mir mein Handy weg bevor er mich umarmte.
„Willst du dich den ganzen Tag im Bett verstecken?“ “No aber ich will auch nicht ständig nachdenken. Es beruhigt sich schon alles wieder. Nicht das du mich falsch verstehst, klar stört es mich sowas in der Zeitung zu lesen vor allem wenn es gar nicht stimmt aber aufregen bringt nichts. Costa regelt das schon, der ist nicht erst seit gestern mein Manager“ Es klingt fast alles gut wenn Rafa nebenbei mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab wandert. Vielleicht sollten wir doch im Bett bleiben, jetzt haben wir ja endlich mal Zeit dazu. Es ist richtig komisch wenn Rafa den ganzen Tag Zeit hat, ich bin es gewohnt das er immer für ein paar Stunden weg ist. „Hast du den ganzen Tag Zeit?“ Fragte ich nur um sicher zu gehen. „Willst du mich los werden?“ Fragte er gleich zurück. Ich schlug meine Augen wieder auf und lächelte ihn breit an. „Quatsch, ich werde wohl noch fragen dürfen“ “Es wird dich erschüttern aber ich habe Zeit“ “Davon gehe ich aus da du sonst kaum im Bett liegen bleiben würdest“ “Das würde ich gerne öfters machen aber dazu fehlt mir sonst die Zeit und wenn du nicht da bist ist es langweilig alleine“ Das ist wirklich schade das er sonst so wenig Zeit hat weil ich mich daran gewöhnen könnte den Tag entspannt zu beginnen. Es könnte doch jeden Tag so schön sein auch wenn ich weiß das es keinen großen Unterschied macht ob ich hier wohne oder nicht.
Das Rafa Zeit hat liegt nur daran das er zwei Wochen Pause vom Tennis macht, sonst würde er jetzt längst auf einem Tennisplatz stehen und trainieren. „Gehen wir da wieder zum Strand heute?“ “Wenn du willst...“ Es ist total ungewohnt das ich entscheiden kann was wir machen heute und dabei keine Rücksicht auf Rafa nehmen muss weil er zu einer bestimmten Zeit wieder hier sein muss. So viele Möglichkeiten bleiben auch nicht, es wird ziemlich heiß werden um die Mittagszeit. Man braucht keine Wettervorhersage weil es immer um die 30 Grad oder knapp darüber sind und da hat man keine große Lust was anderes als Strand zu machen. „Dann gehen wir zum Strand“ “Dazu müssten wir aber aufstehen“ “Mhh, es ist aber eben so bequem“ Zwar kann er mich auch am Strand umarmen aber nicht so innig weil ich das nicht sehen will in den Zeitungen. Kussfotos will ich erst recht nicht sehen aber das lässt sich nicht immer vermeiden. Das wir zusammen sind wissen jetzt ja alle und wir müssen es ja nicht übertrieben öffentlich zur Schau stellen, das sollen andere Stars machen, manche haben ja Spaß dran ihre Beziehungen öffentlich auszuleben.
Da bin ich froh das Rafa so eine vermeintlich spießige Einstellung hat zu dem Thema und lieber zu wenig sagt als zu viel denn ich will keine Details von meiner Beziehung mit ihm in den Klatschblättern lesen.

„Dein Kleid sieht komisch aus auf dem Fußboden“ Ich hob meinen Kopf etwas und sah zur Seite. Es stimmt ja schon, es ist zu schade um auf dem Boden zu liegen aber da lagen ja noch mehr Sachen. An mir liegt das ja auch nicht, wenn Rafa mich nicht so abgelenkt hätte, würden meine Sachen jetzt nicht im ganzen Haus verteilt liegen. „Ich hatte gestern Abend keine Zeit es erst ordentlich zusammen zu legen aber wenn du nicht da wärst, würde es jetzt nicht auf dem Boden liegen“ Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. „Wenn du mich so anlächelst, kannst du alles mögliche zu mir sagen ohne das ich es dir übel nehme. Um aber auf das Thema zurückzukommen verbitte ich mir die Unterstellung, dass es an mir alleine liegt. Du hättest dich ja wehren können und ich habe dich zu nichts gezwungen“ “Das es mir ganz offensichtlich unmöglich ist no zu sagen müsstest du inzwischen gemerkt haben“ “Das würde ich aber nie ausnutzen“ Er grinste mich so unverschämt an als er das sagte, dass ich in schallendes Gelächter ausbrach.
„Ich kann schon deinen Heiligenschein sehen“ “Ich kann auch nichts dafür das niemand etwas böses von mir denkt“ “Es ist aber besser unterschätzt zu werden als überschätzt“ Rafa sah aus dem Augenwinkel auf mein Handy. „Sara hat lange Weile, no?“ Den Ton hatte ich ausgestellt aber man sah es ja am Display wenn jemand anruft. Der Aussage von Rafa entnehme ich mal das Sara versucht mich anzurufen also streckte ich mich etwas um an mein Handy zu gelangen. „Hey Sara, lange nichts gehört von dir“ Ging ich ran und das war ironisch gemeint denn wir hatten gestern Abend erst telefoniert aber da hatte ich nichts erwähnt von den vermeintlichen Neuigkeiten. Ich wollte nur sehen wie lange es dauert bis es sich herumspricht aber es ging offenbar sehr schnell. „Hallo, ich habe dich hoffentlich nicht geweckt oder sollte ich sagen euch?“ “Na ja, nicht wirklich“ Auf die zweite Bemerkung ging ich lieber nicht weiter ein. „Du glaubst nicht was im Internet los ist“ Na jetzt war ich aber gespannt und Rafa sah auch so aus als wenn es ihn interessiert. Zwar versteht er nichts aber es ist nicht schwer zu erraten wieso Sara anruft. Rafa tut wahrscheinlich nur so als wenn es ihm egal ist, insgeheim kann er es wahrscheinlich kaum erwarten zu hören wie das ankommt.
„Ich kann es mir vorstellen“ Meinte ich dann nur vielsagend und machte mich auf das Schlimmste gefasst. „Du weißt es schon?“ Oh, sie klang doch ein wenig enttäuscht. Dachte sie wir wissen noch nichts davon? „Aber nicht lange, Carlos Costa hat uns gestern vorgewarnt das der Artikel heute erscheint“ Beeilte ich mich gleich zu sagen da ich nicht will das sie sauer ist weil ich sie nicht vorgewarnt habe. „Warum konntest du mich nicht warnen gestern Abend? Na ja, egal jetzt, jedenfalls bin ich fast vom Glauben abgefallen als ich vorhin ins Internet ging und die Scans von der Zeitung gesehen habe!“ Es ist schon ein bisschen schade das ich nicht dabei war als sie das gesehen hat. Ihr Gesicht dabei kann ich mir schon bildlich vorstellen und das sie total geschockt war kann ich nachvollziehen, das ging mir ja selbst so.
„Was steht denn da? Ich weiß nur von dem Artikel und den Bildern aber nicht was da steht“ “Na da steht nicht so viel weil ja nicht wirklich was bekannt ist über dich außer dein Name und die spekulieren eben ob das ein Verlobungsring ist also quasi als Krönung von Wimbledon. Die Bilder toppen aber alles, da ist eines von uns in der Players Box von Wimbledon und da haben die extra als Ausschnitt nur den Ring vergrößert, der ja eigentlich meiner ist. Mir war gar nicht bekannt, dass die Öffentlichkeit so außerordentliches Interesse an meinem Schmuck hat“ Jetzt musste ich aber doch lachen, sie sagte das so als wenn sie sich das gar nicht erklären könnte. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht wohin das führen würde“ “Mache dir nix daraus, bis heute früh habe ich mir da auch keine Gedanken weiter gemacht aber die suchen wohl auf Teufel komm raus nach einer Story um die Seiten zu füllen. Das offizielle Dementi ist zwar schon auf der Seite von Rafa aber die Aufregung ist trotzdem groß. Ich hätte es auch nicht geglaubt wenn es kein Dementi geben würde“ “Wieso?“ Fragte ich nach und war da aber doch neugierig wie sie das meinte.
„Na ich will mich nicht weit aus dem Fenster lehnen und behaupten Rafa zu kennen aber das schien mir ein bisschen weit hergeholt. Sag' s mir wenn ich mich täusche aber mir scheint es nicht so als wenn er überstürzt Entscheidungen trifft“ “Du kennst mich ja auch aber die anderen haben ja keine Ahnung und können es nicht einschätzen“ “Stimmt! Außerdem gehe ich mal davon aus das du mir das sagen würdest bevor es in der Zeitung steht wenn es stimmen würde oder?“ “Klar würde ich es dir sagen und dann würde es auch nicht in der Zeitung stehen weil es dazu keine offizielle Meldung geben würde“ “Dachte ich mir auch schon aber ich war trotzdem erstmal erschrocken“ Ich versuchte mich auf das Gespräch zu konzentrieren aber es fiel mir schwer weil mir nicht der Blick von Rafa entging. Es nervt ihn wohl das ich jetzt mit Sara quatsche aber nicht weil er kein Wort versteht sondern weil wir immer eine halbe Ewigkeit telefonieren.
Er kennt das ja schon aber meistens rufe ich Sara an wenn ich alleine bin und viel Zeit habe. „Zwei Minuten, ok?“ Sagte ich leise und hielt meine Hand kurz über das Handy. Er rollte nur mit den Augen und verzog sein Gesicht aber er sagte zumindest nichts. „Du kannst ja noch ein bisschen beobachten was weiter passiert im Internet“ Widmete ich mich dann wieder Sara. “Wenn du meinst aber ich lese das nicht alles durch weil mir die Kommentare dazu zu blöd sind“ Zwei Minuten später hatte ich schon längst wieder vergessen was ich zu Rafa gesagt hatte. Ich hatte das auch nur gesagt damit er nicht meckert weil ich so lange telefoniere aber ich wurde dann wieder daran erinnert als er plötzlich aufstand und ohne einen Ton zu sagen aus dem Zimmer verschwand. Da es ja dann nicht mehr so viel zu bereden gab, beendete ich das Gespräch mit Sara und stand dann auf. Natürlich habe ich nicht gewollt das Rafa quasi aus seinem eigenen Bett flüchtet, vielleicht hätte ich doch nicht an mein Handy gehen sollen da ich ahnte das es ein längeres Gespräch wird.

Jetzt war es aber zu spät also stand ich dann auf und verschwand ins Bad, Rafa ist ja vermutlich gerade in dem anderen Bad. Hoffentlich ist er jetzt nicht sauer deswegen, ich habe keine Lust auf neuen Stress wegen Kleinigkeiten. Als ich wieder aus dem Bad kam, war Rafa zufällig eben im Flur. Er blieb stehen und sah mich an als wenn er wartet bis ich zuerst etwas sagte. Ich lief näher zu ihm und machte ein übertrieben betroffenes Gesicht. „Es tut mir leid wegen vorhin. Ich wollte nicht ewig mit ihr reden und ich will es auch nicht auf sie alleine schieben aber ich wollte schon wissen wie schnell sich das herumspricht“ Er verzog keine Mine und zuckte dann etwas hilflos mit den Schultern.
„Was soll ich sagen, ich kann es offensichtlich nicht ändern das du stundenlang mit ihr telefonierst“ Da er noch immer so ein ernstes Gesicht machte, nahm ich erst seine Hände in meine und umarmte ihn dann. „Sieh mich nicht so an“ Sagte er plötzlich mit einem vorsichtigen Lächeln. „Warum?“ Fragte ich übertrieben ahnungslos zurück. „Du weißt genau das ich den Blick nicht ertragen kann!“ Kam es mit einem breiten Lächeln zurück. Ich werde irgendwie immer nervös wenn er mich so breit anlächelt. Das ist richtig schön wie es kribbelt und genau da liegt ja das Problem wenn wir uns nicht sehen können. „Ich kann nachvollziehen das es dich nervt wenn sie andauernd anruft und ich wäre ja auch nicht ran gegangen wenn ich nicht gewusst hätte das sie andauernd anruft bis sie mich erwischt“ “Obwohl sie nicht hier ist, geht sie mir langsam auf die Nerven. Hat die niemand anderes zum reden?“ “No, zumindest keinen mit dem sie über dich reden kann deswegen musste ich es auch immer ertragen“ Da er nichts mehr sagte und mich nur verlegen musterte, umarmte ich ihn wieder und küsste ihn spontan.
Das lenkte ihn dann wenigstens davon ab über Sara zu meckern. Zugegeben, ich dachte auch nicht mehr lange über Sara nach. Zwar wollte ich ihn erst nur kurz küssen aber es stört mich auch nicht wenn es nicht dabei bleibt. „Das können wir den ganzen Tag machen“ Kam es dann mit einem breiten Lächeln. „Was? Hier stehen?“ Fragte ich mit einem kichern zurück. „Das auch“ “Was machen wir heute eigentlich? Zum Strand gehen?“ “Mhh, klingt ganz gut“ “Das ist total komisch das du andauernd Zeit hast“ “Weiß ich aber das wird bald wieder anders also gewöhne dich besser nicht daran wobei ich mich auch daran gewöhnen könnte eine Weile faul zu sein und nur mit dir am Strand zu liegen“ “Das hältst du höchstens zwei Wochen durch“ “Deswegen fange ich dann auch wieder mit dem Training an“

11 November 2010

Chapter 69

Ich dachte schon eine Weile darüber nach. Es ist eine Sache mit jemandem zusammen zu wohnen aber nochmal was ganz anderes zu heiraten. Vor einer Weile konnte ich es mir auch nicht vorstellen mit Rafa zusammen zu wohnen aber ich kenne ihn inzwischen gut genug um den Schritt zu wagen. Er würde es vielleicht auch schaffen mich zum Heiraten zu überreden wenn er hartnäckig wäre. Ich hatte ja vor Rafa auch schon Beziehungen aber an sowas wie heiraten hatte ich noch nie gedacht. Vielleicht war auch nur der Gedanke am Anfang so erschreckend, man kann sich an vieles gewöhnen.
Sollten wir in sechs oder sieben Jahren noch zusammen sein, könnten wir da ja mal genauer drüber nachdenken. Ich weiß ja das ich viel Glück habe Rafa als Freund zu haben und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Das einzige worüber wir uns aktuell den Kopf zerbrechen sollten ist was wir in der Woche nach den US Open machen. Er hat da ja frei und wir wollten ja Urlaub machen. Nach New York spielt er ja in Thailand ein Turnier also wäre es praktisch für ihn wenn wir sozusagen in Richtung Osten fliegen um Urlaub zu machen damit er dann nicht 10 Stunden oder mehr Zeitverschiebung hat wenn er nach Thailand fliegt. „Was wäre denn wenn du die US Open gewinnst?“ Fragte ich dann aus meinen Gedanken raus, das Gesicht was er zog war auch filmreif. So total fassungslos und schockiert.
„Höre auf davon zu reden! Das wird nicht passieren!“ “Wieso nicht, du hast doch in den letzten Monaten alles gewonnen, darunter zwei Grand Slam Turniere und drei Masters 1000 falls es dir entfallen ist“ “Gracias das du mich daran erinnerst. Das ist utopisch, daran denke ich jetzt noch nicht“ “Na ja ich meine ja auch nur so. Du hast doch gesagt, dass du frei hast in der Woche danach. Jetzt nur mal rein hypothetisch angenommen du gewinnst in New York, hast du dann auch frei in der Woche danach oder musst du dann nach Madrid und hier her sozusagen um dich feiern zu lassen?“ “Das käme dann drauf an. Also besser wäre es wenn wir zwei oder drei Tage Luft haben dazwischen für den unwahrscheinlichen Fall das ich da gewinne. Um eine Pressekonferenz in Madrid oder Barcelona würde ich dann sicher nicht drum rumkommen. Wo willst du hinfahren?“ “Na ja, du hast ja gesagt du spielst dann Bangkok also fällt vieles schon weg wenn wir uns irgendwo zwischen hier und Thailand aufhalten wollen. Mauritius warst du ja schon und in Kenia war ich schon. Ich hätte gesagt Vereinigte Arabische Emirate aber da waren wir ja auch schon und du kommst da ja nächstes Jahr wieder hin“ “Silvester und dann im Februar nochmal“ “Ok, lass mich überlegen… wie wär’s mit Sansibar?“ “Wo ist das?“ Das hatte ich mir gedacht, dass er das fragt. „Eine kleine Insel im indischen Ozean vor Tansania“ “Die Inseln sind da alle gleich oder nicht? Ich meine Mauritius, Seychellen und Malediven werden sich nicht so groß unterscheiden außer das Mauritius größer als die anderen ist“ “Bleibt noch Bali aber das ist ja auch eine Insel. Wie wär‘s mit Indien oder Sri Lanka?“ Ein paar Sekunden schien er zu überlegen.
„Indien wäre nicht schlecht, da war ich zuletzt in Chennai als ich dort gespielt habe, das war vor zwei Jahren glaube ich. Wir können auch gleich nach Thailand fliegen“ Er wusste wohl nicht warum aber ich musste plötzlich lachen. „Das sind echt Probleme, die Welt ist so groß und wir haben so wenig Zeit aber gut, bleiben wir vorerst bei Indien und Thailand“ “Mir ist das nicht so wichtig. Ich bin andauernd unterwegs und richte mich da nach dir, wenn du sagst du willst nach Indien machen wir das. Solange du dabei bist ist es mir egal wo wir hinfahren“ “Egal ist das nicht, es muss schon warm sein“ Es war schon verrückt, als ich Rafa noch nicht kannte, habe ich ganz normal wie jeder andere auch Geld gespart und bin dann im Sommer mit Sara nach Spanien oder irgendwo anders im Mittelmeerraum gefahren und jetzt kann ich es mir praktisch aussuchen wo ich hin will.
Ich habe ja schon viel gesehen in diesem Jahr und hätte auch auf einen weiteren Urlaub verzichten können aber ich kann verstehen das Rafa nicht zu Hause bleiben will. Die wenigen Wochen wo er mal frei hat ist die einzige Möglichkeit das er mal irgendwohin fahren kann wo er sonst nie hinkommt während der Turniere weil die ja auch immer an denselben Orten stattfinden.

Es war schon ein bisschen komisch, dass wir unsere Ruhe hatten am Strand. Mich stört das natürlich nicht, ich bin gerne mal mit ihm alleine und muss nicht ständig Leute um mich haben. Fast fühlte es sich an als wenn wir normale Touristen wären die den ganzen Tag faul am Strand liegen. Es fällt Rafa sicher schwer den ganzen Tag faul zu sein wobei er das auch mal nötig hatte. Die letzten Monate war er ja ständig auf Achse und das er jetzt tatsächlich keinen Tennisschläger anfasst, spricht für sich. Mit dem Essen gehen bei seinen Eltern kamen wir auch um das kochen drum rum. Ich würde es zwar schon machen wenn ich müsste aber so ist es bequemer. Ich musste ja vorher noch Haare waschen und duschen also verschwanden wir um fünf vom Strand und fuhren zurück nach Porto Cristo. Nachdem Rafa ja sich erst geweigert hat mit mir zu reden bin ich froh, dass sich alles wieder entspannt hat.

„Bist du fertig?“ Warum hat er es so eilig heute? Gut, es war schon nach um acht aber das macht doch nix wenn wir 10 Minuten später erscheinen. Eigentlich ist er es doch der immer ewig rumtrödelt und erst eine halbe Stunde später erscheint. „Bin gleich fertig“ Rief ich laut von oben und zog mein Kleid noch zurecht. Im gefiel ja das Kleid so was ich letzte Woche zum Champions Dinner getragen hatte und ich wollte es ja schon gestern Abend anziehen aber dann dachte ich mir das er es sowieso nicht zu schätzen weiß weil er so eine üble Laune hatte und keinen Ton gesagt hat. Wie ich sah stand er mit verschränkten Armen an der Haustür und wartete wohl auf mich. So total genervt sieht er irgendwie auch gut aus. Das erinnert mich an meinen Exfreund, der Pünktlichkeit über alles liebte und mir daher immer einen Riesenszene gemacht hat wenn er mal drei Minuten auf mich warten musste. Das Problem werde ich mit Rafa sicher nicht haben. Ich musste kichern als ich ihn so stehen sah und lief langsam die Treppen nach unten. „Deine Eltern werden uns schon nicht gleich vermisst melden wenn wir ein bisschen später kommen“ Meinte ich dann mit einem amüsierten lächeln.
Es sah so aus als wenn er etwas antworten wollte aber er blieb stehen und sah mich nur mit großen Augen an. Ich sah kurz an mir nach unten und blieb dann vor ihm stehen. „Dir hat das Kleid doch so gefallen letzte Woche“ Meinte ich dann da er nichts sagte und mich mit einem breiten Lächeln von oben bis unten musterte. Ein wenig nervös wurde ich da schon. „Es hat zwar lange gedauert aber du siehst echt umwerfend aus. Ich versuche mich zu beherrschen aber ich weiß nicht ob es mir gelingt“ Ich sah es schon an seinem Blick, das er sich freut. „Wir sind ja auch mal wieder hier, no?“ Meinte ich nur mit einem breiten Grinsen und lief raus zum Auto. Ich dachte ja er fährt mal los als wir im Auto saßen aber er sah zu mir und dachte wohl gar nicht daran loszufahren. Ganz langsam kam er näher zu mir aber ich konnte mir das nicht so richtig erklären. Werst dachte ich er will mich küssen aber so sah es nicht aus.
„Was ist?“ Fragte ich dann einfach. „Riechst du nach Schokolade?“ Kurz musste ich überlegen. Ich war ja vorhin duschen und hatte mich danach mit einer Körperbutter eingecremt wo Kakaobutter enthalten ist. Das es so extrem riecht, hatte ich aber nicht vermutet. „Ähhm könnte sein, ich habe mich vorhin eingecremt“ Im nächsten Augenblick umschlang er mich erst und küsste mich dann. Ein wenig überrascht war ich aber schon wobei mir nicht entgangen war, das er leicht nervös ist. „Hey, was soll das denn?“ Fragte ich dann und versuchte ihn von mir fern zu halten während ich lachen musste. Wenn ich jetzt darauf einsteige, kommen wir nie in Manacor an. Er drehte sich von mir weg und sah auf das Lenkrad, der Gesichtsausdruck erinnert mich an ein kleines Kind, das etwas angestellt hat und dabei erwischt wurde. „Es tut mir leid“ Kam es dann noch ganz sachlich. Ich musste wirklich lachen, er benimmt sich schon etwas absonderlich heute. „Fahre einfach los“ Sagte ich dann nur und zwickte ihn in den Arm.

Erst dachte ich seine Eltern sagen vielleicht was weil wir statt um acht erst halb neun erschienen sind aber es störte sie wohl nicht oder sie haben einfach damit gerechnet das wir nicht pünktlich sind weil wir das nie sind. Es fiel mir schon schwer nicht an gestern Abend zu denken, es war alles genauso wie gestern. Zwar gibt es was anderes zu essen aber das andere ist gleich. Rafa tat ja gestern so als hätte ich eine ansteckende Krankheit, der Meinung scheint er heute nicht mehr zu sein.
Er rückte ja so nah es ging an mich und dabei würde es sicher nicht bleiben wenn seine Eltern nicht da wären und er sich nicht beherrschen müsste. Zwar fragte seine Mutter nicht nach was gestern los war aber ich schätze man sieht es auch daran wie wir uns verhalten was los ist. Nachdem wir uns gestern ja weitgehend ignorierten, klebte Rafa heute wie ein Klette an mir. Er neigt gelegentlich dazu zu übertreiben und zwar in beide Richtungen, entweder er beachtet mich überhaupt gar nicht oder ich kann kaum in Ruhe Luft holen. Es wunderte mich schon das er seinen Eltern noch gar nicht verkündet hatte mit welch zweifelhaften Neuigkeiten wir morgen in der Presse auftauchen. Er hatte ja damals als er überraschend bei mir aufgetaucht war auch vorher gesagt wo er ist damit die Presse nicht schneller ist. Vielleicht ist die Geschichte aber so unglaublich, dass er meint es nicht sagen zu müssen weil es sowieso niemand glaubt.
Zumindest hatten wir nicht darüber geredet wie wir damit jetzt weiter umgehen. Vielleicht sollten wir einfach abwarten was passiert. Ich ging fest davon aus, dass nichts mehr passiert bis wir wieder gehen wollten und an der Tür standen. Rafa machte einen auf geheimnisvoll und meinte, er will noch etwas sagen. Entsprechend der Ankündigung sahen uns seine Eltern dann auch dementsprechend gespannt an. Ich wusste nicht warum ich wurde da ein bisschen nervös. Er blieb neben mir stehen und hielt meine Hand fest während er es wohl absichtlich spannend macht weil es ihm Spaß macht die Leute auf die Folter zu spannen. „Wir haben uns verlobt“ Kam es plötzlich ganz ernst.

Ich wartete schon ganz ungeduldig auf den Rest aber es kam nichts mehr! Kann es sein, dass er da ein bisschen was vergessen hat? Mir blieb im wortwörtlichen Sinne die Luft weg und seinen Eltern scheinbar auch wenn ich das richtig deutete, seiner Mutter fiel ja förmlich das Lächeln aus dem Gesicht. Irgendwie standen alle da wie vom Blitz getroffen, niemand sagte einen Ton, mich inbegriffen und ich wusste vorher schon davon. Wenn er das so sagt, ist es erschreckend das zu hören. Die Stimmung war blitzschnell am kippen, komisch fand ich das jetzt nicht mehr. Ist er verrückt geworden?
„Was?“ Fragte Ana Maria dann nur nach einer scheinbar endlosen Stille, die sicher nur wenige Sekunden dauerte aber mir erschien es wie Stunden. „Na da erscheint morgen so ein Artikel in einer Klatschzeitung, die haben da was missverstanden“ Puh, war ich froh das Rafa doch noch mit der ganzen Wahrheit raus rückte. Kurz dachte ich er will das wirklich so stehen lassen. Das Gesicht seiner Mutter entspannte sich sichtbar im nächsten Augenblick. „Tue das nie wieder!“ Sagte sie dann übertrieben streng und musste dann aber auch schon darüber lachen. Ich musste mich auch erst von dem Schreck erholen, für eine kurze zeit dachte ich Rafa ist jetzt total übergeschnappt. Kann er das nicht anders machen wenn er sehen will ob er die Leute damit schocken kann?

„Bist du total übergeschnappt?“ Fragte ich vielleicht etwas zu ernst als wir wieder im Auto saßen. Rafa war sich offenbar keiner Schuld bewusst, sein Lächeln war ein bisschen zu breit dafür. „Was denn? Ich konnte doch nicht ahnen das die so reagieren. Es war nicht meine Absicht alle zu erschrecken falls du das meinst, ich dachte die merken gleich das ich sie veralbern will“ So richtig lachen konnte ich nicht darüber. Jedenfalls fand ich es nicht so unheimlich komisch wie er. Das hat er doch mit Absicht so komisch formuliert sonst hätte er ja erst gesagt das es in der Zeitung steht und dann erst die Geschichte dazu. „Ich dachte schon du sagst gar nicht mehr das es eine Zeitungsente ist“ “Hey, entspanne dich, ging ja nochmal gut“ Ich sah geradeaus auf die Straße und fand es schade das er mit dem blöden Scherz die ganze Stimmung ruiniert hat. „Wäre es so schlimm wenn es stimmen würde?“ Kam es dann plötzlich. Ich sah kurz zu ihm rüber und rollte dann mit den Augen.
Da ich nicht noch mit ihm streiten wollte, sagte ich gar nichts mehr. Die Stimmung war schon drückend und ich war froh das es nicht weit ist bis nach Porto Cristo. „Es tut mir leid, ok? Ich wollte das so nicht“ Meinte er dann plötzlich als wir wieder bei seinem Haus waren. Ich stieg aus dem Auto und machte die Tür nach mir zu. Mir ist ja klar das er wohl nicht in Betracht gezogen hat das seine Eltern am zweifeln waren ob es stimmt oder nicht. Der absolute Knaller wäre ja gewesen wenn er es nicht aufgeklärt hätte. Ich war so platt in dem Moment, das ich wohl sicher nicht dazu gekommen wäre die Story richtig zu stellen wenn Rafa es nicht getan hätte. „Das du nicht mit bedacht hast das es glaubhaft wirkt habe ich gesehen“ Meinte ich dann nur und lief ihm nach zu der Sitzecke neben dem Pool. Er antwortete nichts und das Lachen war ihm wohl inzwischen auch vergangen da er mir nur einen ernsten Blick zuwarf. Da ich mir jetzt aber nicht den ganzen Abend davon versauen lassen wollte, holte ich uns was zu trinken und setzte mich dann neben Rafa. Es lief eben blöd aber jetzt ist es zu spät und seine Eltern werden ihm das schon nicht übel nehmen. Vorhin fand er seinen Witz ja noch ganz toll aber inzwischen sah er mich nur noch todernst von der Seite an.
Ich habe auch keine Lust jetzt den Rest des Abends darüber zu reden also drückte ich ihm sein Glas in die Hand. „Denke einfach nicht drüber nach“ Meinte ich dann um die Stimmung zu retten. Er sah gedankenverloren auf sein Glas und trank dann einen Schluck. „Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich denken das es stimmen könnte“ Kam es dann leise während er wohl in dem Glas sein Horoskop zu suchen scheint. „Na ja, du bist alt genug um das selbst zu entscheiden. Es gibt ja so verrückte die schon mit 18 heiraten“ Ich wollte ja die Stimmung auflockern aber es gelang mir nur teilweise, er zog immer noch so ein ernstes Gesicht. „Schon aber ich dachte das meine Eltern mich kennen und das einschätzen können wenn ich sowas sage“ Es war zwar nicht zum lachen aber ich musste spontan lachen, es hatte was wie er das sagte und so ein ernstes Gesicht dabei zog. „Das ist mein schlechter Einfluss auf dich“ Meinte ich nur mit einem feixen, immerhin lächelte er mal kurz. „So schlecht kann dein Einfluss auf mich nicht sein denn sonst hätte ich in diesem Jahr keine zwei Grand Slam Turniere und fünf Masters Turniere gewonnen“
Kurz überlegte ich, wenn er das so sagt... „Ich war nicht in Madrid und du hast trotzdem gewonnen“ Stellte ich fest und war froh das er mich nicht mehr so todernst ansieht. „Wir haben ja telefoniert, das zählt mit“ “Und das Jahr ist noch nicht um! Wenn du die US Open nicht gewinnst, kannst du gleich in New York bleiben!“ Ich musste über mich selbst lachen, das muss schon fast wie ein Drohung bei Rafa angekommen sein. Seinem Lächeln nach zu urteilen freute er sich darüber. „Du musst jetzt noch drohen das du nur nach New York kommst wenn ich im Finale spiele“ Bisher war das auch mein Plan. Das Halbfinale und Finale will ich schon live sehen falls er soweit kommt. „Sí! Es soll sich ja auch lohnen, ich will nicht umsonst so weit fliegen“ “Früher hat es dir auch gereicht mich nur zu sehen und jetzt verlangst du das ich ins Finale komme“ “Du tust ja gerade so als wäre das etwas absolut unmögliches“ “Es ist wirklich schwierig ins Finale zu kommen“ “Das streite ich gar nicht ab aber es läuft doch eben so gut da kannst du das Ding auch noch mitnehmen. Dich wird keiner als gierig bezeichnen nur weil du Trophäen sammelst wie andere Briefmarken“ “Du müsstest dich mal reden hören“ Als er das sagte, musste ich an Sara denken.
Die hatte ja auch schon oft bemerkt, das ich inzwischen so über Tennis rede als wenn ich mich seit Jahren damit befasse. Ich lehnte mich seitlich an ihn und legte meinen Kopf an seine Schulter. „Wenn du nicht gewinnst kann ich auch damit leben aber mir ist es lieber du gewinnst weil du sonst so eine üble Laune hast“ “Du kannst mich ja trösten“ Ich musterte ihn eine Weile und küsste ihn dann spontan am Hals nur war seine Reaktion anders als ich dachte. Statt darauf einzugehen fing er an zu kichern und hörte gar nicht mehr auf, mir war nicht bekannt das er kitzelig ist. Über mich macht er sich lustig und dann lacht er selbst. Ich wollte es ausnutzen und ihn ärgern aber er sprang auf und flüchtete vor mir. So einfach kommt er mir aber nicht davon, ich verfolgte ihn hartnäckig. Kurz kam mir der Gedanke in den Kopf das wir froh sein können das wir hier alleine sind und uns niemand sieht. Es siehst bestimmt bescheuert aus wie wir quer durch das Haus rennen und fangen spielen.

„Bleib stehen!“ Rief ich zum tausendsten Male aber er verschwand laut kichernd die Treppen nach oben. Ich lief langsam die Treppen nach oben um in Ruhe Luft zu holen und dachte manchmal ist er wie ein kleines Kind und er macht sich gar nichts daraus. Er blieb oben an der letzten Stufe stehen und wartete wohl auf mich. „Wie alt bist du? Vier oder fünf Jahre?“ Fragte ich als ich mit ihm auf einer Stufe stand. „Fünfeinhalb“ Kam es breit grinsend. “Gut, dann schreibe ich in meine Bewerbungen alleinerziehend“ “Du suchst ja nur einen Grund um mich zu schikanieren“ Ich hielt seine Hände fest damit er nicht wieder wegläuft und küsste ihn kurz. „Stimmt und wenn du nicht gleich aufhörst, fange ich sofort damit an und wir schlafen getrennt“ Erst dachte ich er gibt mir eine freche Antwort aber er umarmte mich nur und sah mich mit einem leicht überheblichen grinsen an. „Wollen wir wetten das du in meinem Bett schläfst?“
Ich sah in seine Augen und schluckte kräftig da ich ein wenig nervös wurde. Seine Hand wanderte unter meinem Oberteil langsam meinen Rücken nach oben während er mich interessiert musterte. Ertrinken könnte ich in seinen Augen und er weiß nur zu genau wie er mich einwickeln kann. Ich überlegte kurz aber es gab keinen Ausweg da ich weiß das er es sonst erst recht darauf anlegt mich in sein Bett zu locken und ich sowieso irgendwann schwach werde. „Dabei kann ich ja nur verlieren“ “Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und du wirst es nicht bereuen“ “Nimm' den Mund nicht so voll!“ Eigentlich wollte ich das richtig ernst sagen aber es gelang mir nicht da er mich so schön anlächelte und ich langsam die Kontrolle über mich verlor. „Komme mit“ Meinte er nur und zog mich an der Hand hinter sich her in Richtung Schlafzimmer.

31 October 2010

Chapter 68

Ich zog mich schnell um und wartete dann am Auto auf Rafa. Wenn er sich nicht beeilt, wird es wieder dunkel bis wir am Strand sind. „Es ist noch nicht mal Mittag!“ Meinte er dann aus allem raus als er erschien und wir ins Auto stiegen. „Hä?“ Fragte ich nur und sah ihn von der Seite an. „Na ja, du sahst eben so aus als wenn du gleich sagen würdest, das es schon zu spät ist um an den Strand zu gehen“ “So ähnlich, ich weiß das der Tag noch lang ist aber wir können ja nur bis um fünf oder so bleiben wenn wir um acht bei deinen Eltern sein sollen“ Er fuhr vom Grundstück auf die Straße und sah leicht überrascht zu mir.
„Wir gehen zu meinen Eltern?“ “Na deine Mutter hat mich gestern gefragt ob wir heute wieder vorbeikommen zum Essen“ “Aha, ist mir neu aber das können wir machen. Willst du deinen Bikini nächste Woche in den spanischen Klatschzeitungen sehen?“ “Wieso?“ “Na weil ich sonst zu einem Strand fahre wo uns niemand erwartet“ “Ich kann auf Paparazzi verzichten“ “Bueno“
Ich dachte so darüber nach und fragte mich dann wieso es manchmal Bilder von Rafa am Strand gibt wenn er weiß wo die Paparazzi auf ihn lauern. „Woher kommen dann die Bilder von dir am Strand wenn du weißt, dass die dich fotografieren?“ “Nicht alle Bilder waren geplant aber wenn ich mich nicht freiwillig ab und zu zeige, schnüffeln die mir nach. So habe ich meine Ruhe und kann wenigstens halbwegs beeinflussen was es für Bilder sind. Außerdem will ich nicht immer erst zur anderen Seite der Insel fahren um an den Strand zu gehen. Wenn ich mit Freunden da Fußball spiele ist es nicht so schlimm aber wenn du keine Lust auf Bilder hast kann ich das auch verstehen“ “Dauerhaft werden wir uns eh nicht unsichtbar machen können und letzte Woche gab es doch in England genug Bilder“ “Aber nicht von uns zusammen“
Ja, ich hatte auch ein paar Bilder von mir und Sara in der Players Box gesehen. Es stimmt schon, es gab zwar Berichte von Rafa und mir aber keine Bilder von uns zusammen, zumindest keine von Wimbledon. Manche Zeitungen hatten dann eben auch Bilder aus Rom gedruckt weil das die letzten von uns zusammen sind. Es ist eigentlich kaum verständlich bei den vielen Reportern und Fotografen die in England waren. Wir hatten nicht direkt Verstecken gespielt mit den Medien, wir waren ja auch ein paar Mal Essen aber da waren eben keine Paparazzi dabei.

Weit war es nicht bis zum Strand. Da waren wir schon mal, nur ist das der wo man das Auto mitten im Wald parken muss und dann noch den Rest laufen bis zum Strand aber das nehme ich in Kauf wenn wir dafür unsere Ruhe haben. Wobei Ruhe relativ ist, das Handy von Rafa klingelte andauernd. Er war nur im Wasser und merkte nichts davon und ich ignorierte es einfach. Ich wollte ja Zeitung lesen aber kaum hörte es auf zu klingeln, fing es wieder an. Da macht wohl jemand Telefonterror!
Ein bisschen genervt war ich schon also suchte ich sein Handy in meiner Tasche und sah zumindest nach wer anrief. Ich gehe doch nicht an sein Handy ohne ihn vorher zu fragen aber wenn er ewig im Wasser bleibt, habe ich keine andere Wahl. Es war sein Manager Carlos Costa wie ich dann sah. Der weiß doch genau das Rafa sowas wie Urlaub macht, kann der nicht später anrufen? Ist wahrscheinlich wieder was absolut dringendes und lebensnotwendiges wie immer. Ich stand auf und lief vor zum Wasser. „Dein Manager macht Telefonterror und ruft andauernd an“ Rief ich laut in seiner Richtung. „Carlos?“ Er fragte wohl nur weil er noch einen anderen Manager hat. „Genau, der hat bestimmt schon dreimal angerufen. Hat der lange Weile oder was?“ “Geh ran wenn er wieder anruft und sage ihm ich bin beschäftigt“ Gut, wie er meint. Ich drehte mich wieder um und lief zu meinem Handtuch zurück. Lange warten musste ich nicht bis es wieder klingelte, ich saß kaum auf meinem Handtuch als es anfing. „Ja?“ Fragte ich nur leicht genervt und war gespannt was es so wichtiges gibt.
„Wer ist da?“ Kam es dann aber nur, es überraschte ihn wohl das ich ranging. „Amaia“ “Oh hola, ich war nur ein bisschen überrascht weil Rafa sonst immer selbst ran geht. Wo seid ihr? Nirgendwo geht einer ans Telefon“ Hat er etwa in Porto Cristo und Manacor auch angerufen? Klingt ja fast so. „Na wir sind am Strand beziehungsweise Rafa im Wasser“ “Sag ihm er soll rauskommen, ich muss mit ihm reden“ Man, der tat aber echt gefährlich! Ich stand wieder auf und drehte mich um. „Er will unbedingt mit dir reden“ Rief ich laut und hielt eine Hand über das Handy. Zwar leierte er mit den Augen aber Rafa bequemte sich dann doch aus dem Wasser. Ich hielt ihm ein Handtuch hin und wartete bis er sich halbwegs abgetrocknet hat bevor ich ihm sein Handy gab und mich dann wieder hinsetzte. Ich hörte zwar nur was Rafa sagte aber es ging wohl um einen Bericht in einer Zeitung. „Der Ring den du letzte Woche zum Finale hattest war doch von Sara oder?“ Ich musste kurz überlegen was er jetzt meint. Wie kommt er denn jetzt darauf? Was los war wusste ich noch immer nicht und ich konnte es mir auch nicht zusammen reimen.
„Ähh ja, den hatte ich mir von ihr ausgeliehen weil der zu meiner Jacke passte“ “Dachte ich mir“ Damit gab er sich wohl zufrieden und quatschte weiter mit Costa. So richtig konnte ich mir keinen Reim darauf machen. Wieso interessiert Costa der Ring von Sara? Ein bisschen merkwürdig war das Gesicht von Rafa aber schon als er sein Handy wieder weglegte. Ich drehte mich auf die Seite und sah ihn neugierig an. „Was wollte der denn?“ Fragte ich dann da ich nicht länger warten konnte und Rafa nicht gleich sagte was los ist.

“Ach, nichts Wichtiges weiter, nur zur Verlobung gratulieren“ Kam es plötzlich. Meine Augen wurden immer größer, ich verstand gar nichts mehr. „Welche Verlobung denn?“ Fragte ich mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck. Obwohl er erst nicht so aussah, fing Rafa plötzlich an laut zu lachen. „Na unsere. Einige dachten wohl der Ring sei von mir“ Das fand ich jetzt aber gar nicht mehr zum Lachen! Ich muss zugeben, dass ich erstmal schlucken musste. Nach etwas überlegen fiel es mir dann auch ein. „Das ist nicht dein Ernst!“ Sagte ich dann nur mit einem todernsten Gesicht. „Doch, morgen erscheint ein haarsträubender Artikel. Die haben sich aus den Bildern irgendeine kranke Story zusammengereimt“ Ich schnappte nach Luft und wusste nicht ob ich lachen oder heulen soll darüber.
„Und jetzt?“ Rafa grinste immer noch so breit. Ich verstehe nicht, dass ihm das offenbar total egal ist. Wenn ich es nicht wüsste, würde ich denken er freut sich darüber. „Na nichts, ich sage nichts dazu. Es ist mir egal was die denken. Er hat gesagt das er alles dementieren wird und das ist das einzige was ich dazu sagen werde“ Langsam dämmerte es mir dann was da auf mich zukommt. Seine Fans werden ausflippen und das sicher nicht nur vor Begeisterung. Auch wenn dann klein irgendwo das Dementi erscheint, wird das Geschrei erstmal groß sein. „Ich fasse es nicht“ Sagte ich mehr zu mir selbst und schüttelte langsam mit dem Kopf. Wie konnte ich auch nur so blöd sein und mit dem Ring rumlaufen! Der war ganz normal Silber mit einem relativ großen Kristall in der Mitte, den man auch für einen Brillanten oder Diamanten von weitem halten könnte. Das war wirklich nur Schmuck, ich kam nicht auf die Idee das wirklich jemand so blöd ist und das anders auslegt.
„Die Presse ist noch dümmer als ich sowieso schon dachte“ Ja ja, Rafa fand es auch noch lustig. „Kannst du darüber lachen?“ “Irgendwie schon, die Story ist so verrückt, dass es schon wieder gut ist. Du darfst das alles nicht so ernst nehmen, die schreiben andauernd Mist über mich“ “Schon aber das ist ein bisschen zu heftig. Ich hätte nicht gedacht mal aus der Zeitung zu erfahren, dass ich verlobt bin“ “Ich habe schon öfters Dinge über mich aus der Zeitung erfahren die ich selbst auch noch nicht wusste“ Ich rückte näher an ihn und legte meinen Kopf an seine Schulter. „Ich habe sie auch noch gefragt ob der Ring teuer war weil ich ja nicht mit wertvollem Schmuck von ihr rumlaufen will. Sie hat gesagt der kam knapp 50 Euro“ Es war ja schon ein bisschen amüsant alles. Rafa strahlte mich immer noch vom einen Ohr zum anderen an, dass war direkt ansteckend.
„Solltest du jemals auf die Idee kommen mir einen Antrag zu machen und kommst dann mit einem 50 Euro Ring an, brauchst du mich gar nicht erst fragen“ Schob ich dann mit einem ernsten Gesicht noch hinterher. Erwartungsgemäß freute er sich auch darüber. „Was denkst du von mir? Ganz so geizig bin ich nun auch nicht“ Es war schon irre alles, ich war schon froh das ich ihn breitschlagen konnte, dass ich hier her ziehe und die Zeitung schreibt wir wären verlobt. Das geht ein bisschen fix alles. Zwar hatten wir über das Thema noch nicht groß geredet aber ich glaube nicht, dass Rafa plant in naher Zukunft zu heiraten. Für mich steht das nicht zur Diskussion in den nächsten Jahren, ich brauche keinen Ring und ein Stück Papier um glücklich zu sein. Ein Problem hätte ich wenn er wirklich fragen würde weil ich mich irgendwie zu jung fühle zum Heiraten, das hat sowas endgültiges irgendwie. Es hat ja nichts damit zu tun das ich glaube das Rafa nicht der Richtige ist, ich kann es mir allgemein nicht vorstellen in nächster Zeit. “Ich hatte nicht vor demnächst zu heiraten“ Sagte ich dann aber doch.
Besser ich sage es gleich direkt, bevor er noch auf dumme Ideen kommt. „Das heißt du würdest no sagen wenn ich dich frage?“ Fragte er zurück und grinste immer noch so breit. Es sieht wirklich schön aus wenn er mich so anlächelt aber nicht bei dem Thema. „Vielleicht, ich will es ja schon irgendwann aber nicht jetzt. Ich bin froh, dass ich dich überreden konnte, dass es besser ist wenn ich hier her ziehe. Da bin ich doch nicht so blöd und fange auch noch an eine Hochzeit zu planen“ “Du musst keine Angst haben das ich jetzt gleich das ganze Programm abziehen will. So lange ich noch Tennis spiele und keine Zeit habe wollte ich warten mit Heiraten, Familie gründen und so Zeug was viel Zeit in Anspruch nimmt“ “Sind wir uns ja einig, ich bin auch so glücklich“

24 October 2010

Chapter 67

Abgeschlossen hatte er nicht also öffnete ich die Tür mit großem Schwung und sah dann Rafa am Fenster stehen. Er stand mit den Rücken zu mir und sah stur raus. „Immer verschwindest du wenn es unbequem wird, das geht mir echt auf die Nerven!“ Sagte ich dann etwas lauter da ich auch nicht mehr an mich halten konnte. „Dann geh doch wenn es dir nicht passt!“ Kam es dann ziemlich gleichgültig. Obwohl ich mit vielem gerechnet hatte, war das etwas Neues. Wirft er mich jetzt raus oder wie soll ich das interpretieren? Ich musste schon ziemlich schlucken aber so wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Ich lief näher zu ihm und zog an seinem Arm das er sich zu mir umdrehen musste. „Jetzt hörst du mir mal zu! Das wird mir echt zu blöd langsam. Erst behandelst du mich wie Luft und dann sagst du ich soll gehen. Wenn du meinst, dass wieder mal die ganze Welt gegen dich ist, kann ich es auch nicht ändern. Ich weiß überhaupt nicht warum du jetzt so ausflippst“
Er blieb stehen mit den Händen in den Hosentaschen und zog ein übertrieben genervtes Gesicht. „Du vertraust mir ja offensichtlich sowieso nicht, wie soll ich da mit dir zusammen sein? Wenn du wirklich glaubst, dass ich nicht will das du hier bist, sollten wir uns echt mal überlegen ob es alles noch Sinn macht“ “Das ist totaler Quatsch! Was würdest du denn denken an meiner Stelle? Immer wenn ich anfange mit dem Thema blockst du total ab“ “Das hat auch seinen Grund!“ Kam es dann fest entschlossen. Oh Wahnsinn, er redet ja doch noch mit mir! Ich redete mir selbst gut zu und war schon auf seine Erklärung gespannt. „Ach, ja? Und welchen Grund hat es dann?“
Das wollte ich jetzt doch genauer wissen also sah ich ihn an und wartete gespannt aber es passierte nicht viel. Er sah mich kurz an und dann von mir weg auf den Boden. Er ist offensichtlich nervös aber ich habe Zeit, viel Zeit. „Das du behauptest das ich gar nicht will das du hier bist ist nicht fair. Ich habe das nie gesagt“ Da er dann nichts mehr sagte, musste ich wohl weiter nachbohren. „So kommt das aber an bei mir. Ich habe ja auch nicht vor hier einzuziehen und mich breitzumachen falls das dein Problem ist. Ich meine, sage doch einfach wenn du nicht willst, dass ich hier einziehe. Das könnte ich noch eher verstehen als wenn du gar nichts sagst“ “Das ist doch gar nicht der Punkt“ Langsam könnte ich verzweifeln an ihm. „Was denn dann?“ Fragte ich ungeduldig, langsam geht meine Geduld zur Neige. Ich sah ihn gespannt an aber er schien erstmal länger nachdenken zu müssen.
Er drehte sich dann um und setzte sich auf das Bett und ich dachte schon er flüchtet wieder. Natürlich fragte ich mich was jetzt wieder los ist, erst hat er sich ja aufgeregt und jetzt ist er total ruhig. Ich lief näher zu ihm und blieb dann stehen. „Wie stellst du dir das vor?“ Fragte er dann direkt und sah mich immerhin wieder an. Mit der Frage hatte ich nicht wirklich gerechnet. „Na ob ich hier wohne und dann meine Eltern besuche oder in Deutschland und dann hier her komme macht doch keinen Unterschied“ Er schüttelte langsam mit dem Kopf und schien da wohl anderer Meinung zu sein.
„Ich kann schon nachvollziehen, das es nervig ist mit dem hin und her fliegen immer aber es macht schon einen Unterschied ob du immer hier bist. Ich meine, ich bin zusammengerechnet 10 Monate im Jahr unterwegs. Was hättest du denn da gekonnt wenn du hier bist? Ich sage das sicher nicht weil ich nicht will das du hier bist aber ich bin mir nicht sicher ob dir klar ist auf was du dich da einlässt“ “Ich will ja auch nicht morgen umziehen. Wenn du immer hier bist, hätte ich auch keine Garantie, dass alles glatt geht. Das du so oft weg bist weiß ich, mir ist klar das du immer nur ein paar Tage hier bist oder wenn es hoch kommt mal drei Wochen“ “Ich will nicht, das es dann an mir hängen bleibt wenn du hier her ziehst und das dann anders abläuft als du dir das vorgestellt hast. Wenn du hier bist ist das ja keine Garantie das ich automatisch mehr Zeit für dich habe“ Ich kann ja verstehen, dass er nicht will das ich es an ihm auslasse wenn es schief geht aber deswegen kann ich es ja trotzdem versuchen.

Wenn es nicht geht, kann ich ja dann wieder zurück nach Deutschland gehen. „Es ist ja nicht so das es dann kein Zurück mehr gibt, wenn es nicht geht, kann ich ja dann immer noch zurück nach Deutschland“ Er sah mich schon wieder so verunsichert an, das ich nicht anders konnte und mich neben ihn setzte. Er kam wohl ins Schwanken, das muss ich ausnutzen! „Du willst es unbedingt, no?“ Kam es dann nach ein paar Sekunden leise mit einem ernsten Blick. Ich musste schmunzeln und nahm seine Hand in meine. „Nicht um jeden Preis. Wenn du absolut dagegen bist, muss und werde ich das auch akzeptieren. Ich will nicht, dass dieses Thema dauerhaft zwischen uns steht. Das du oft weg bist stimmt schon aber es wäre schon vieles einfacher wenn ich nicht immer erst hier her fliegen muss um dich zu sehen. Ich habe keine Lust dauerhaft eine Fernbeziehung zu führen und damit meine ich nicht das du so oft weg bist sondern das hin und her zwischen hier und Deutschland. Das ist kein spontaner Entschluss oder sowas und ich würde jetzt nicht mir dir darüber reden wenn mir das nicht ernst wäre“ “Es ist ja nicht so das ich es absolut nicht will. Klar ist es schön, wenn du schon hier bist wenn ich nach Hause komme. Du brauchst nicht denken das ich nicht mit dir zusammen wohnen will. Wir sehen uns ja nicht jeden Tag so das ein paar Stunden mehr oder weniger schon einen Unterschied machen aber was willst du hier machen wenn ich nicht da bin?“ “Ich mache es natürlich wegen dir aber das ergibt sich dann schon, dass ich auch die restliche Zeit irgendwie rumkriege. So weit weg ist ja Deutschland auch nicht, ich muss ja dort nicht alle Zelte abbrechen. Sara oder meine Eltern können auch hier her kommen“ Anscheinend gab er auf, zumindest deutete sein Gesicht das an.
„Wenn es so ist, das du es unbedingt willst und ich es dir nicht ausreden kann, dann soll es nicht an mir scheitern. Ich meine, klar freue ich mich wenn du hier bist, ich würde dich am liebsten jeden Tag sehen. Wenn du dir das vorher genau überlegst, kriegen wir das schon irgendwie hin zusammen“ Das klang ja richtig gut! Kann ich Rafa am Ende doch noch davon überzeugen? Ein breites Lächeln konnte ich mir nicht länger verkneifen. „Klingt schon besser“ Sagte ich und musste dann kichern. Nach und nach hellte sich sein Gesicht dann auch wieder auf. „Behaupte nie wieder das ich nicht will das du hier bist weil das absolut nicht stimmt“ “Ich glaube das auch nicht aber du hast dich immer so komisch verhalten bei dem Thema. Ich will ja auch nichts überstürzen, ich hätte dich schon gerne dabei beim Planen und der Umsetzung davon. Ich dachte am Jahresende oder so“ “Du kannst auf mich zählen, klar unterstütze ich dich wenn du es wirklich machst. Du brauchst nicht denken das ich darüber nicht selbst schon nachgedacht hätte aber ich will dich nicht dazu drängen weil ich ja kaum hier bin. Die Vorstellung mit dir hier zu wohnen ist ein bisschen zu schön um wahr zu sein“ Ich muss zugeben, dass ich ein wenig überrascht war, dass er es plötzlich doch will. Und wieso spricht er von hier?

„Wie hier?“ Fragte ich vorsichtig nach. Er zog seine Augenbrauen hoch und schien sich zu fragen warum ich das frage. „Na ich dachte du willst hier her ziehen? Willst du woanders wohnen?“ Ich kam gar nicht so schnell nach mit denken. Ich dachte wir reden nur allgemein über umziehen, das er damit meinte das ich sozusagen in sein Haus einziehen soll, wusste ich nicht. „Du meinst ich soll hier einziehen?“ Fragte ich neugierig und etwas unsicher. Es war nur überraschend, dass er so schnell seine Meinung geändert hatte. Erst schien es mir so als wenn er es gar nicht will und dann soll ich hier einziehen? “Sí, ich meine wenn du willst natürlich nur. Hier ist genug Platz. Wolltest du alleine wohnen?“ Hat er das wirklich eben gesagt? Ich dachte ich träume das alles! So lange muss ich da auch nicht überlegen ich war nur ein bisschen überrascht. „No, ich meinte erstmal nur allgemein und ich wusste ja nicht ob du willst das ich hier einziehe. Wenn du das nicht willst, ist das ok für mich, du musst dich nicht dazu verpflichtet fühlen mir anzubieten das ich hier einziehen kann“ Erst zog er ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen und dann rollte er mit den Augen, es sah so herrlich aus das ich nicht anders konnte als zu lachen.
„Du spinnst! Es würde ja auch Sinn machen wenn ich erst sage das ich dich jeden Tag sehen will und dann aber nicht will das du hier einziehst. Hier ist mehr als genug Platz und es ist nur ein Angebot, ich bestehe nicht darauf aber ich würde es persönlich nehmen wenn du hier her ziehst und dann alleine wohnen willst“ Ich lehnte mich nach hinten und schlug mir die Hände vors Gesicht. Aber nicht weil ich deprimiert war sondern es war irgendwie lustig alles. Jetzt schieben wir wieder den schwarzen Peter hin und her. Wie ich sah beobachtete er mich mit großen Augen und schien auf meine Antwort zu warten. „Klar ziehe ich hier ein wenn du nix dagegen hast. Was Besseres werde ich ja sicherlich nicht finden“ “Mhh, da sei dir nicht so sicher, es gibt viele Millionäre hier auf der Insel“ “Komme her“ Er lehnte sich nach hinten, bis er neben mir lag. Ich drehte mich und die Seite und umarmte ihn. „Kann sein das es hier viele Leute mit Geld gibt aber deswegen bin ich nicht hier. Ich liebe dich und nicht dein Geld“ “Ich würde jetzt sagen das klingt gut aber dir glaube ich es direkt. Ich meine, erst hielt ich das für einen Scherz als du mir verboten hast dir teure Geschenke zu machen aber inzwischen wundert mich nichts mehr“ Ja, das stimmt, ich hatte ihm mal unmissverständlich klar gemacht, das er mir keine außergewöhnlich teuren Geschenke machen soll weil ich mir da blöd vorkomme. Damals hat er wohl auch gedacht ich mache Scherze aber das habe ich nicht und bisher hat er sich auch daran gehalten.
“Ich will ja nur nicht das du mir ohne Grund ein Auto schenkst oder sowas“ “Das ich dich liebe ist doch Grund genug oder? Ich verstehe das nicht so richtig. Ich bin in der glücklichen Position, dass ich mehr Geld habe als ich mein ganzes Leben ausgeben kann. Das hat nichts damit zu tun das ich dich kaufen will oder du mir dann was schuldig bist. Ich mache das gerne, klar arbeite ich hart dafür aber ich weiß sehr wohl, dass ich überbezahlt bin, die Preisgelder sind jenseits von irgendeiner Relation. Wenn ich das Geld habe, dann sollen auch die Menschen die mir wichtig sind was davon haben und du bist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben“ Ich war ein wenig geplättet von seiner Ansprache. Ich weiß ja schon das er mit mir zusammen ist weil er mich liebt aber ich habe ein bisschen Skepsis was passiert wenn ich sage das er mir alles schenken kann was er will.
Ich weiß, dass er sehr großzügig ist wenn es um seine Familie geht und ich will nicht das er mich zuschüttet mit Geschenken. „Ich weiß deine Großzügigkeit zu schätzen, ich will nur nicht das du mir so große Geschenke machst“ “Ich hatte auch nicht vor dir aus Spaß ein Auto zu schenken. Du könntest mir wenigstens versprechen, dass du mich nicht immer mit diesem bösen Blick ansiehst wenn wir shoppen sind und ich genau sehe das dir etwas gefällt“ “Weil ich weiß das du deine Finger schon an irgendeiner Kreditkarte hast wenn ich dich nicht so ansehe. Kann sein das ich etwas übertreibe aber du musst mich nicht mit Geschenken überhäufen“ “Ich tue es nicht, versprochen. Wenn du hier einziehst, versprichst du mir im Gegenzug, dass du nicht andauernd sagst, dass du nicht hinter meinem Geld her bist weil ich es inzwischen kapiert habe und wenn ich dir was schenke, dann weil ich es will und nicht weil ich eine Gegenleistung haben will. Mir geht das langsam echt auf die Nerven das ich dir nie irgendwas kaufen darf“ “Du lädst mich doch zu den Turnieren ein“ “Du weißt genau was ich meine“ Ja, gut vielleicht hat er ja Recht.
So wie es aussieht, lässt er jetzt nicht mehr locker und ringt mir das Versprechen ab das ich nicht immer ewig mit ihm diskutiere. „Ok, wenn du darauf bestehst“ Sagte ich dann nur und rollte mit den Augen. „Was machen wir jetzt?“ Fragte er mit einem übertrieben breiten Grinsen. Ich wollte gar nicht wissen was er eben dachte. „Bevor du vorschlägst im Bett zu bleiben sage ich wir gehen an den Strand“ “Wie kommst du darauf, dass ich im Bett bleiben will?“ Fragte er ganz unschuldig. Ich küsste ihn kurz und setzte mich wieder hin. „Weil ich dich kenne“

17 October 2010

Chapter 66

Ich blieb stehen und war erstmal platt. Was war das denn für ein Auftritt eben? Der kommt hier an und ist schon auf 300 und macht einen Aufstand wegen gar nichts. Vielleicht hätte ich vorher mit ihm reden sollen und nicht mit Nicole aber mit Rafa kann ich darüber nicht reden weil ich schon weiß was er sagt. Der hat da so verdrehte Ansichten, dass es sinnlos ist mit ihm darüber zu diskutieren, das führt zu nichts.
Ein bisschen sauer war ich jetzt auch, wie er mich einfach stehen lassen hat. Ich wartete ein paar Minuten um mich abzuregen bevor ich rein ging aber da sein Auto verschwunden war und alles ruhig ist, wird er mal wieder die Flucht nach vorn angetreten haben. Na super, so hatte ich mir das vorgestellt!
Der Tag fing so schön an und jetzt? Das er wieder kommt glaube ich nicht und ich wollte auch nicht warten also fuhr ich einfach alleine an den Strand. Besser alleine zu sein als seine absurden Behauptungen zu ertragen. So richtig Ruhe hatte ich natürlich nicht da ich mich frage was da vielleicht noch kommen wird. Rafa ist eigentlich immer relativ ausgeglichen und er regt sich nicht sofort über alles auf aber wenn er es tut, dann richtig.

Nervös war ich schon als ich wieder zurück fuhr. Wir sollen ja eigentlich heute Abend bei seinen Eltern zum Essen erscheinen. Das war schon länger ausgemacht und ich weiß bisher nicht ob es dabei auch bleibt. Natürlich war er nicht da als ich in die Einfahrt fuhr aber damit hatte ich schon gerechnet. Duschen und Haare waschen musste ich ja sowieso nachdem ich am Strand war also tat ich das erstmal.
Wir hatten ausgemacht, dass wir um acht losfahren und es war ungefähr zehn Minuten vor um acht als Rafa wie aus dem nichts auftauchte. Sein Gesicht war dasselbe wie heute früh aber das schockt mich auch nicht mehr. „Bist du fertig?“ Fragte er nur als wenn gar nichts gewesen wäre. Ich blieb sitzen und sah ihn nur an. Will er mich verarschen? Ich hatte jetzt aber echt keine Lust auf sinnlose Diskussionen also lief ich einfach raus zu seinem Auto ohne einen Ton zu sagen. In weiser Voraussicht hatte ich mich schon vor einer halben Stunde umgezogen da ich ja nicht wusste ob wir zu seinen Eltern fahren oder nicht. Er kam ein paar Minuten später und stieg dann ein.
Die Stimmung war natürlich angespannt, keiner sagte einen Ton. Er sah stur geradeaus und würdigte mich keines Blickes, kann er haben dachte ich mir und sah einfach zur Seite aus dem Fenster. Ab und zu sah ich aus dem Augenwinkel zu ihm rüber. Es hat was wenn er so konzentriert auf die Straße sieht aber ich weiß, dass er nicht in Stimmung für Scherze ist. Es dauerte zum Glück nur zehn Minuten bis wir in Manacor waren. So schlecht war die Idee mit seinen Eltern gar nicht, ich habe jedenfalls keine Lust mit ihm alleine zu sein wenn er mich dann nur anschweigt. Komisch ist es ja das er mich mitgenommen hat, er hätte ja auch einfach alleine fahren können. Dann hätten seine Eltern aber sicher gefragt wo ich bin und das wird er wohl nicht wollen also hat er mich mitgenommen. So blöd sind sie aber nicht, seine Mutter merkt doch sofort, dass irgendwas los ist. Ich spielte das Spiel also einfach mal mit. Es war grotesk, mit seinen Eltern redet er als wenn nichts wäre und mich lässt er links liegen obwohl ich direkt neben ihm sitze.
Ich fühlte mich wie im falschen Film. Zwar versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen aber das kann ich mir sparen weil Ana Maria schon so merkwürdig guckte. Die ahnen doch was aber es ist mir ehrlich gesagt egal, Rafa wollte es doch so! Es dauerte nicht lange bis es wieder um Südafrika und das Finale ging also verzog ich mich mit seiner Mutter in die Küche. Sie meinte zwar ich soll sitzen bleiben weil sie keine Hilfe braucht aber ich ließ nicht locker also gab sie nach. Lange dauerte es auch nicht bis sie sich umdrehte und mich neugierig musterte.
„Was war denn los? Ich meine, es ist eine eigenartige Stimmung“ Fragte sie dann auch gleich mit einem vorsichtigen Lächeln. „Das wüsste ich auch gerne. Er hat keinen wirklichen Grund sich so aufzuführen, wenn er sowieso nicht mit mir reden will hätte er mich auch in Porto Cristo lassen können“ Antwortete ich ihr und zuckte mit den Schultern, ich fand es irgendwie schon zum Lachen alles. “Es ist zwar selten, dass er sich so aufregt aber das gibt sich auch wieder. Ich meine, du hast doch einen guten Einfluss auf ihn“ Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln aber mehr aus Verzweiflung.
„Davon merke ich nichts. Ich bringe wohl auch die negativen Seiten in ihm zum Vorschein“ “Hey, das liegt nicht an dir. Das macht er schon immer das er nicht redet wenn er sauer ist“ “Ich weiß ja nicht mal so richtig warum er sauer ist wenn er nicht redet. Manchmal benimmt er sich wie ein verwöhnter Vierjähriger“ Ihr Lächeln sah richtig schön aus, sie fand das wohl auch noch witzig. “Warte eine Weile ab“ “Inzwischen bin ich ja wieder zu Hause. Heute früh war alles noch normal und plötzlich tickt er aus“ “Es war ein bisschen viel alles die letzten Wochen“ Es überrascht mich nicht wirklich, dass sie Rafa in Schutz nimmt.
Ich weiß auch was er in den letzten Wochen alles gemacht hat, das rechtfertigt doch aber sein Verhalten nicht. „Kommt ihr morgen wieder zum Essen vorbei?“ Die Frage war gut! Eigentlich hätte ich gleich zugestimmt. So richtig Lust zu kochen haben wir ja nicht und wenn sie es sowieso schon anbietet. Ich weiß ja das Rafa an seiner Familie hängt und daher nicht lange überlegt ob er hinfährt oder nicht. “Wenn Rafael sich bis dahin entschließt doch noch mit mir zu reden vielleicht“ “Das wird schon wieder“

Meine Laune war im Keller angekommen als wir zurück fuhren. Rafa hat wohl Spaß dabei so zu tun als wenn ich nicht da wäre. Mit seinen Eltern redet er ganz normal und jetzt schweigt er mich wieder an! So ganz allmählich wurde mir das zu blöd. Ich war echt froh als wir wieder in Porto Cristo waren, da konnte ich ihm aus dem Weg gehen. Falls er glaubt, dass ich jetzt ein Bett mit ihm teile nachdem was er abgezogen hat, täuscht er sich!
Es kann Vorteile haben wenn man mehr als ein Schlafzimmer hat. Das Schlimme ist das es ihn offensichtlich gar nicht interessierte das ich mich ins Gästezimmer verzogen habe. Ich dachte ja er kommt nochmal rein aber das war ein Irrtum. Irgendwann gab ich es auf und machte das Licht aus. Mir ging so viel durch den Kopf, dass ich keine Ruhe fand. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt.
In England hat er noch rumgejammert das wir uns nicht sehen und das er sich freut, dass ich hier bin. Davon merke ich gerade nicht sehr viel. Zwar würde ich lieber neben ihm schlafen wenn ich schon hier bin aber das bringt mir auch nichts wenn er mich dann ignoriert. Das ist Schlimmer als wenn er rumschreien würde. Vielleicht hätte ich ja erst mit ihm reden sollen und nicht mit Nicole aber deswegen muss er doch nicht gleich so eine Welle machen.

Der nächste Tag ging so weiter wie der davor aufgehört hatte. Ich war mir nicht sicher ob er noch schläft oder gar nicht mehr hier ist. Zumindest war alles ruhig im Haus also frühstückte ich alleine, blieb mir ja auch keine andere Wahl. Ich wäre ja gerne mit Rafa an den Strand gegangen aber damit wird es wohl nichts. Etwas überrascht war ich schon als ich von oben Geräusche vernahm. Ich lehnte mich leicht zur Seite damit ich die Treppe im Flur sehen kann und nach ein paar Sekunden kam Rafa total verschlafen nach unten geschlurft. Hat er so lange geschlafen? Es war schon nach um zehn.
Eigentlich war ich fest davon ausgegangen das er schon weg ist daher war ich etwas überrumpelt jetzt. Er setzte sich mir gegenüber hin und legte dann seine Hände auf den Tisch. „Es tut mir leid wegen gestern, ich ähm… es ging einfach nicht“ Ich stellte meine Tasse weg und sah ihn eine Weile an. Seine Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab und wenn er mich so verschlafen ansieht, komme ich auf ganz dumme Ideen. Da vergesse ich sogar für einen kurzen Moment, dass ich ja sauer auf ihn bin. „Wie, es ging nicht?“ Fragte ich dann da ich wirklich nicht wusste was er genau meint. Er sah auf seine Hände und wieder zu mir. „Ich kann nicht verstehen wieso du nicht mit mir redest darüber. Ich meine, falls du wirklich beabsichtigst hier her zu ziehen, geht mich das ja auch was an. Ist echt schön das von Dritten zu erfahren, ich kam mir total bescheuert vor“ Ich sah etwas betreten in meinen Kaffee und wurde nervös.
„Das war nicht meine Absicht und ich wollte das so nicht. Klar hätte ich mit dir geredet aber ich ahnte nicht, dass es gleich die ganze Insel weiß wenn ich mit Nicole darüber rede. Außerdem stellst du dich immer so an bei dem Thema, wie soll ich mit dir darüber reden ohne das du ausflippst?“ Er blieb zwar sitzen aber er zappelte ziemlich nervös rum, es fiel ihm wohl schwer ruhig zu bleiben. „Ich dachte du vertraust mir“ Kam es dann nur mit einem richtig bösen Blick. Was geht denn jetzt los? Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht aber hätte ich geahnt, dass Rafa gleich so einen Zirkus veranstaltet, hätte ich die Klappe gehalten. „Es tut mir leid, ok? Ich habe das nicht gemacht um dich zu ärgern“
Er sagte nichts und es war ein paar Minuten ruhig. Das er nicht weiter auf das Thema eingeht, spricht ja auch für sich. Jetzt waren wir doch gerade dabei und konnten mal reden aber nein, Rafa hält es wohl nicht für nötig. Klar war das deprimierend, ich habe ja schon öfters versucht mit ihm zu reden aber er lässt mich immer abblitzen. „Kann es sein, dass du gar nicht willst, dass ich hier her ziehe?“ Fragte ich dann direkt und sah ihn vorsichtig von unten an. Ich war echt frustriert und da musste das einfach mal raus.
Eigentlich wollte ich ihn nur provozieren damit. Ich glaube nicht, dass er nicht will das ich hier bin aber wenn er sich gar so komisch anstellt, beschleicht mich eben ab und zu der Gedanke. Sein Gesicht verfinsterte sich weiter bevor er einfach aufstand und ging. Ich sprang auch vom Tisch auf und lief ihm nach. „Rafael“ Er lief weiter die Treppen nach oben ohne mich zu beachten. Ich war noch in der Hälfte der Treppe als oben laut eine Tür zuknallte. Na super! Ich rollte mit den Augen und lief dem Geräusch nach.

8 October 2010

Chapter 65

Mir schien es als würde ich schon eine Ewigkeit im Dunkeln im Flur sitzen dabei waren es wahrscheinlich nur wenige Minuten. Ich bin aber so ungeduldig und außerdem bin ich schrecklich neugierig und kann es kaum erwarten. Nachdem ich erst nicht so richtig begeistert war von der Idee, war ich jetzt doch gespannt. „Bin wieder da“ Kam es plötzlich ganz begeistert. Na endlich! Ich dachte schon er lässt mich die halbe Nacht hier sitzen! Ich sprang auf und wollte gleich losgehen wohin auch immer. „Zum Glück, ich dachte schon du hast mich vergessen“ “Natürlich nicht, ich habe mich auch extra beeilt weil ich weiß das du es nicht abwarten kannst“
Da musste ich doch lachen und dachte so das er mich ja besser zu kennen scheint als ich vermutet habe. „Wo gehen wir hin?“ Fragte ich dann doch da ich nicht anders konnte. “Jetzt warte doch mal ab!“ Ok, ich gab es auf. Ich lief dann langsam los, Rafa hinter mir und seine Hände waren auf meinen Schultern da ich ja nicht weiß wo ich hinlaufen soll. Ich wartete eigentlich nur darauf, dass er sagt das wir nach oben gehen aber es kam nichts, die Richtung stimmte auch nicht. „Gehen wir nach oben?“ Fragte ich dann einfach während ich mit den Händen nach Hindernissen vor mir tastete. „No, wir bleiben hier“ Ich nahm dann einen leichten Lufthauch wahr, ich glaube wir sind nicht mehr im Haus sondern auf der Terrasse, mysteriöse Sache. Langsam machte das Spaß mit dem umherlaufen mit verbundenen Augen aber er deutete mir dann an das ich stehen bleiben soll. Ich hätte mir ab liebsten den Schal von den Augen gerissen aber ich dachte das ich sowieso gleich was sehen kann und wartete. Rafa stand ja noch hinter mir und er löste schon mal den Knoten von dem Schal. „Es ist nichts Besonderes, mir kam nur vorhin so spontan die Idee dazu“ Ein paar Augenblicke später fiel der Schal von meinen Augen.
Ich sah mich kurz um und staunte erstmal. Sowas hatte ich auch noch nicht gesehen. Es war alles Dunkel, die einzige Beleuchtung war der Pool und unzählige Kerzen die ringsum verteilt waren. Ich bin nicht so übertrieben auf Romantik aus aber es sah wirklich gut aus. Auf die Idee hätte ich doch auch selbst kommen können. Ist er wirklich von ganz alleine darauf gekommen? Ich drehte mich zu ihm um und zog ein breites Lächeln. „Das sieht wirklich gut aus“ Eigentlich dachte ich er freut sich aber etwas skeptisch sah er mich schon an. „Es ist ein bisschen kitschig, no?“ Ich musste kichern und umarmte ihn. „Ein wenig aber es ist trotzdem schön“ “Ich dachte schon es gefällt dir vielleicht nicht“ “Klar gefällt es mir!“ Ich dachte schon er sieht mich jetzt die ganze Zeit so skeptisch an aber sein Lächeln erschien dann doch noch. Wir machten es uns auf der Couch zusammen bequem. Neben dem Pool ist ja so eine überdachte Sitzecke und dort kann man den ganzen Tag faul sein und die Aussicht genießen. Im Dunkeln hat es aber auch was, es war total ruhig und noch richtig warm. Auf dem Tisch standen auch Kerzen, das war mir vorhin entgangen.
Wenn ich es nicht wüsste, würde ich denken das er mich mit Wein abfüllen will weil wir vorhin auch welchen getrunken haben aber er konnte nicht so viel Alkohol trinken weil er hier her zurück fahren musste. Ich könnte richtig sentimental werden wenn ich mich hier umsehe. Vor einer Woche nach dem Wimbledon Finale war noch das totale Chaos und alle haben sich um Rafa geschlagen und jetzt sitzen wir hier völlig entspannt und alleine. Mir ist es lieber wenn wir alleine sind und ich Rafa nicht mit einem Tennisstadion voll Menschen teilen muss. „Hast du dir den Wimbledon Pokal mal aus der Nähe angesehen?“ Ich hob meinen Kopf etwas das ich in sein Gesicht sehen konnte und zog ein breites Lächeln. „Natürlich, obwohl du ja schon einen hattest aber man kann nie genug davon haben“ „Dachte ich mir auch und wollte den unbedingt gewinnen“ Ich betrachtete Rafa eine Weile und musste mich beherrschen nichts Unanständiges zu tun.
Es war alles in ein warmes Licht getaucht durch die Kerzen und wenn Rafa mich so anstrahlt, werde ich immer nervös. Am liebsten würde ich ihn küssen aber ich könnte dann nicht mehr aufhören damit. Ich musste mich schon vorhin als wir im Restaurant waren beherrschen weil er unverschämt gut aussieht in schwarz. Jetzt ist es aber egal weil wir alleine sind also küsste ich ihn doch. Etwas überrascht war er wohl schon anfangs aber das gab sich recht schnell. Mit dem aufhören war das so eine Sache, es ging nicht. Es drehte sich langsam alles in meinem Kopf und warm wurde es mir auch.
Es war alles zu aufregend und ich hatte mich nicht wirklich unter Kontrolle. Ein bisschen mehr wollte ich schon von ihm und er hat so viel an aber das werde ich gleich ändern. Ich zog ihm erst nur sein Hemd aus und küsste mich langsam zu seinem Bauchnabel nach unten. Es kribbelte mir regelrecht in den Fingern weil es mir irgendwie alles zu lange dauert. Vielleicht würde es helfen wenn ich mal ganz tief Luft hole? Gut Idee, da kam ich wieder etwas zu Sinnen. Ich sah langsam an Rafa nach unten und schluckte kräftig. Er lag längs auf der Couch und sah mich gespannt an. Zwar hatte er noch seine Jeans an aber nichts weiter, der Anblick ist der heimliche Traum einer jeden Frau. Zu sagen, dass mir bei dem Anblick das Wasser im Mund zusammen läuft, wäre untertrieben.
Ich konnte nicht anders und küsste ihn wieder während ich mit den Händen den Verschluss seiner Jeans öffnete. „Was soll das werden?“ Kam es dann tatsächlich. Ich sah nach oben in sein Gesicht und grinste ihn nur breit an. „So schwer kann es nicht zu erraten sein oder?“ Wieso fragt er jetzt so und warum tut er so scheinheilig? „Ich würde mal sagen du willst mich ausziehen“ Ich rollte nur mit den Augen und musste mir ein Lachen verkneifen. „Du merkst auch alles! Höre auf solche Fragen zu stellen weil ich sonst gehe und du dich mit dir selbst beschäftigen kannst“ “Das kannst du nicht machen!“ Kam es gleich mit weit aufgerissenen Augen. Bekam er jetzt doch Angst, dass ich gehen könnte? Ich lehnte mich wieder zu ihm und küsste ihn verführerisch. „Was denkst du was ich alles machen kann“

Ich sah kurz um mich als ich wieder klar denken konnte, wir lagen noch auf der Couch direkt neben dem Pool. Mir war es aber total egal gewesen wo wir sind solange ich von ihm kriege was ich will. Es war mehr als nur gut, ich bin ja sicher nicht sexsüchtig oder sowas aber es fehlt mir schon wenn wir uns länger nicht sehen können. Umso schöner ist die Aussicht, dass wir die nächsten zwei Wochen hier sind. Ich hob meinen Kopf etwas und sah in sein Gesicht. Seine Hand wandert zwar langsam meinen Rücken auf und ab aber er lag so entspannt da das man denken könnte er schläft.
Das würde ich jetzt auch gerne tun aber mir ließen die Kerzen keine Ruhe. Die brennen zwar runter und gehen dann von selbst aus aber das lässt mir trotzdem keine Ruhe. Zwar habe ich keine Lust nochmal aufzustehen aber einer muss es ja machen und Rafa sieht nicht so aus als wenn er Lust hätte dazu. Ich setzte mich hin und griff nach einer Decke die über den Sessel hing. Es könnte etwas frisch werden ohne Decke und Rafa scheint ja hier liegen zu bleiben wie es scheint. Ich deckte ihn zu und stand dann auf. Eigentlich wollte ich ja die Kerzen auspusten aber es war interessanter Rafa zu beobachten wie er auf der Couch liegt. Am liebsten würde ich mich gleich wieder neben ihn legen aber das kann ich ja später noch tun also machte ich mich auf den Weg zu den Kerzen.
Es wurde dunkler und dunkler mit jeder Kerze die ich auspustete. Zum Schluss schaltete ich noch die Beleuchtung vom Pool aus und dann sah ich so gut wie gar nichts mehr. Zur Straße hin waren ja hohe Hecken also schien überhaupt gar kein Licht mehr rein. Jetzt konnte man endlich mal die Sterne sehen. Das geht ja kaum bei mir zu Hause wegen der Beleuchtung überall aber hier kann man in aller Ruhe Sterne beobachten. Da werde ich nur wieder sentimental. Leider wurde es ein bisschen frisch, ich sollte vielleicht etwas anziehen wenn ich länger hier stehe.
Mir kam dann auch so in den Kopf das ich ja auch ins Haus gehen könnte und mich bequem ins Bett liege aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Rafa nicht mehr aufsteht. Na schön, dann bleiben wir eben draußen, die eine Nacht wird das schon gehen. Ich lief zurück zur Couch und drängelte etwas damit er Platz macht. Zwar umarmte er mich aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht mehr wach ist. „Schläfst du?“ Fragte ich leise und versuchte ihn anzusehen. Es kam gar keine Reaktion also schläft er doch. Ich machte es mir bequem soweit das ging und schloss auch meine Augen.

Ein lautes Knallen beendete dann jäh die Nacht. Ich wurde erst unruhig und wollte mich auf die andere Seite drehen aber ich merkte ziemlich schnell, dass ich nicht im Bett liege. Und wieso ist es so hell und warm in meinem Gesicht? Ich blinzelte mit einem Auge und mir schien voll die Sonne ins Gesicht außerdem tat mir der Nacken weh weil Rafa seinen Arm darunter liegen hatte. Ich setzte mich mühselig hin und kniff die Augen zu weil mit die Sonne blendete. Ich wusste das die Idee mit dem schlafen direkt neben dem Pool bedeutet, dass die Nacht früh zu Ende ist. Zwar ist die Sitzecke überdacht aber die Sonne ging direkt über dem Meer auf und stand noch entsprechend tief.
Eigentlich ist das ja schön den Sonnenaufgang über dem Meer zu sehen aber ich hätte lieber noch geschlafen. Kurz sah ich nach hinten, Rafa machte sich gar nichts aus lauten Geräuschen und direkter Sonneneinstrahlung, der schlief als wenn nichts wäre! Ich stand auf und verzog mich erstmal ins Haus, duschen und etwas anziehen. Das es noch recht früh ist hatte ich mir schon gedacht aber es war tatsächlich erst kurz nach um sieben! Ist jetzt aber auch egal, nun bin ich munter. Es war nicht wirklich geplant, dass wir sozusagen unter freiem Himmel übernachten aber der Abend hatte sich ja doch noch gelohnt! Ich machte mir schon immer mal einen Kaffee und sah ab und zu mal nach draußen aber es blieb alles ruhig. Rafa hatte sich inzwischen umgedreht und es war so gut wie nichts zu sehen von ihm, ich sah nur ein Haarbüschel aus der blauen Decke rausgucken.
Mit dem Kaffee und einer Tasse heiße Schokolade lief ich wieder raus und stellte die Tassen auf den Tisch bevor ich mich hinsetzte. Wenn er nicht aufwacht, wecke ich ihn eben. Ich schob die Decke etwas nach unten und küsste ihn auf die Schulter, mit eher mäßigem Erfolg. Die Welt könnte untergehen und Rafa würde nichts davon merken. Ich versuchte mit einer Hand seine Frisur zu retten und verteilte nebenbei weiter Küsse auf ihm. „Hey, aufwachen“ Flüsterte ich in sein Ohr und ließ nicht locker. Immerhin gab er ein Lebenszeichen von sich indem er sich auf den Rücken drehte und sich eine Hand vor die Augen hielt. Ja, so ist das wenn einen die Sonne blendet! Noch ziemlich verschlafen sah er erst auf den Tisch und dann zu mir. Ich konnte mir ein breites Lächeln nicht verkneifen, er sah zu herrlich aus. „Ich dachte schon du wachst nie auf!“ Sagte ich ganz begeistert und strahlte ihn an. „Wie spät ist es?“ Fragte er leise und gähnte dann erstmal. „Inzwischen fast halb acht. Ich weiß nicht ob es dein Plan war hier zu schlafen aber ich kann’s auch nicht ändern, dass die Sonne so früh aufgeht“ Lange dauerte es nicht bis zu seinem breiten Lächeln.
„Geplant war das nicht aber es stört mich auch nicht“ “Habe dir etwas mitgebracht“ Ich hielt ihm die Tasse mit der Schokolade hin und wartete bis er sich hingesetzt hatte und nach der Tasse griff. „Gute Idee“ Ich betrachtete ihn und holte dann ruhig Luft. Ich weiß ja, dass er nichts an hat und die Decke war bis zu seinem Bauchnabel nach unten gerutscht. Sein Lächeln verschwand dann aber ziemlich schnell wieder. Ein bisschen kenne ich ihn ja nun inzwischen und ich weiß, dass etwas los ist wenn er so ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter zieht. „Was ist los?“ Fragte ich direkt und nippte an der Tasse. „Eigentlich nichts“ Meinte er mit einem Blick auf sein Knie unter der Decke.
So blöd bin ich nun auch nicht wie es vielleicht scheint. „Sage nicht dir tut das Knie weh!“ Meinte ich mehr als Feststellung und sah ihn aufmerksam an. Er sagte nichts aber der Blick den er mir zuwarf war eindeutig als ja zu verstehen. Gestern habe ich ihm nichts angemerkt daher war es schon ein bisschen komisch. Das kommt doch nicht über Nacht und vor allem hat er gar kein Tennis gespielt die letzte Woche. Er trank einen Schluck und sah mich dann wieder an. „Das ist von der Behandlung letzte Woche, es soll ja dann besser werden aber das dauert eine Weile bis es abgeheilt ist. Es tut nur weh wenn ich mich eine Weile nicht bewegt habe“ Dann scheint das ja doch nicht so harmlos gewesen zu sein wie er gesagt hat wenn es eine Woche danach noch weh tut. Da ich weiß das Rafa nicht zimperlich ist, wird es schon entsprechend sein. „Es war nicht ganz so harmlos wie du gesagt hast no?“ So direkt eine Frage war das nicht da ich die Antwort ja schon wusste.
„Ich bin echt froh, dass ich das nicht nochmal machen muss. Es waren ja nur drei Behandlungen verteilt über mehrere Monate und ich bin einiges gewohnt aber das war hart an der Grenze. Ich habe das extra so gelegt das es in die Zeit nach Wimbledon fällt weil ich schon vorher wusste das ich danach 10 Tage nicht trainieren darf“ Eine Weile sagte niemand etwas und wir hingen unseren Gedanken nach. Ich kann es nicht verstehen warum er bis zum Äußersten geht für die Karriere. Er nimmt es in Kauf seine Gesundheit auf’s Spiel zu setzen und das weiß er auch. Es mag vielleicht kurzfristig helfen aber es steht außer Frage, dass es nur eine Zeitfrage bis zur nächsten Verletzung ist. Das lässt sich auch nicht vermeiden wenn man immer 100% geben muss. Die Luft ist sehr dünn in der oberen Weltrangliste also muss man sich auch wirklich anstrengen um das Level halten zu können und das fällt keinem einfach so zu. Es ist ja nicht nur Rafa, das trifft auf alle Spieler zu. „Gehen wir zum Strand?“ Fragte ich dann um das Thema zu wechseln.
Er weiß wie ich darüber denke das er alles tut um spielen zu können und das es nichts bringt wenn wir darüber diskutieren. Ich muss es akzeptieren, es ist seine Entscheidung am Ende auch wenn ich es nicht gut finde. „Können wir machen, ich muss dann nur mal kurz zu Maymó was abholen“ Kam es dann mit einem freundlicheren Gesicht als zuvor. „Außerdem bist du nicht der einzige dem etwas weh tut, dein Arm war die ganze Nacht unter meinem Nacken und jetzt kann ich meinen Kopf nicht mehr drehen“ Er rückte näher zu mir und legte seine Hände auf meine Schultern. „Da lässt sich vielleicht was machen“ Ich drehte ihm meinen Rücken zu und musste lachen. Es war nicht so gemeint als ich das sagte aber wenn er es mir schon anbietet. „Aber nicht so fest, es tut wirklich weh“ “Habe ich jemals irgendwas getan, das du nicht wolltest?“ Ich drehte meinen Kopf zur Seite damit ich ihn sehen kann. „Ich wollte dir nichts unterstellen“
Ich hatte ja erst meine Zweifel was er so für Qualitäten als Masseur hat aber anscheinend hat er gut aufgepasst bei seinem Physio. Rafa ist vielleicht nicht perfekt aber es tat wirklich gut, er kann das den ganzen Tag machen! Ich schloss meine Augen und genoss es einfach. „Wenn du irgendwann mal keine Lust mehr auf Tennis hast, kannst du ja eine Karriere als Masseur anstreben“ “Es gefällt dir also?“ “Klar gefällt es mir, das tut richtig gut“ Lange konnte ich es nur nicht genießen weil Rafa jammerte das ihm angeblich die Hände wehtun. Was soll sein Physio Rafa Maymó sagen wenn er ihn stundenlang durchknetet? Gut, der bekommt Geld dafür und das auch nicht wenig aber trotzdem.

Es war zwar noch früh aber jetzt sind wir sowieso schon mal wach also konnten wir auch frühstücken. Er wollte ja unbedingt noch zu Maymó irgendwas abholen also rief ich derweil mal meine Eltern an und wartete bis Rafa wieder hier erscheint das wir zum Strand fahren können. Meine Eltern waren direkt erschrocken, dass ich so früh schon wach bin, die glaubten wohl wir liegen bis Mittag im Bett. Die kennen ja Rafa nicht, er würde niemals so lange im Bett bleiben es sei denn er ist erst um vier oder später ins Bett gegangen.
Anscheinend dauert es eine Weile also zog ich immer meinen Bikini drunter und packte meine Strandtasche ein. Der Schirm war ja auch schon hier. Es ist ja Schwachsinn das ich ihn immer mit nach Hause nehme, also bleibt der hier wenn ich nicht da bin. Ich dachte schon die Sonne geht wieder unter bis Rafa mal wieder erscheint aber er tauchte dann doch wieder auf. Ich lief vom Pool rein ins Haus und hielt neugierig nach ihm Ausschau. „Können wir los?“ Rief ich laut in Richtung Flur. Es kam keine Antwort aber Rafa kam ein paar Augenblicke später in meine Richtung gelaufen und ließ den Autoschlüssel nebenbei auf den Tisch fallen. Sein Gesicht war auch wieder herrlich, das Knie scheint ihn ja echt zu beschäftigen. Er lief an mir vorbei und blieb plötzlich stehen.
Ich fand das jetzt ein bisschen komisch, er verhält sich sonderbar. Erst redet er nicht mit mir und dann läuft er an mir vorbei als wenn ich gar nicht da wäre. Kurz überlegte ich was jetzt wieder los ist mit ihm aber bevor ich nachfragen konnte, drehte er sich zu mir um und sah mich an. „Kannst du mir mal erklären wieso ich von Maymó erfahre das du hier her ziehen willst?“ Fragte er übertrieben freundlich. Mir entging natürlich nicht, dass er sich wohl beherrschen muss um ruhig zu bleiben. Ich stand nur da und schnappte nach Luft. Hä, was geht denn jetzt ab? „Wie kommst du darauf?“ Er hob seine Hände abwehrend und hielt kurz inne. „Ich habe gerade keinen Nerv und muss mich beherrschen nicht total auszuflippen also beantworte einfach meine Frage nicht mit einer Gegenfrage“ Was ist denn jetzt los? Ich wusste gar nicht wie mir geschieht aber inzwischen erklärt sich warum er so ein Gesicht zieht. Er schien ziemlich unter Strom zu stehen.
Da ich ihm nicht ganz folgen konnte, verschränkte ich meine Arme vor dem Bauch und lehnte mich an den Tisch. „Wo ist denn jetzt das Problem?“ Fragte ich dann da ich mir keinen Reim darauf machen konnte warum er jetzt so sauer ist. Vielleicht hätte ich das besser nicht fragen sollen da Rafa sich anscheinend nur noch mehr aufregte. „Wo das Problem ist? Das ist jetzt nicht dein ernst oder? Ich tauche nichts Schlimmes ahnend bei dem auf und der fragt mich allen Ernstes wann du hier her ziehst. Offensichtlich hast du ja auch schon Bewerbungen geschrieben. Du erzählst mir jeden Scheiß aber anscheinend erfahre ich nur die unwichtigen Dinge. Er fahre ich am Ende die Neuigkeiten aus der Zeitung oder wie?“ Wieso regt er sich denn jetzt so fürchterlich auf?
Ich verstehe das gar nicht so richtig. „Das war doch nichts weiter, ich habe mit Nicole darüber geredet als sie hier war aber das muss die missverstanden haben. Ich meine, dass ich darüber nachdenke heißt noch lange nicht, dass ich es auch tue“ Er rollte mit den Augen und fuchtelte dann mit den Armen. „Ich kann mir das nicht länger antuen“ Ehe ich noch was sagen konnte, drehte er sich um und stürmte ins Haus.