21 November 2010

Chapter 70

Als ich am nächsten Tag aufwachte, hatte ich gleich so ein unruhiges Gefühl in mir. Dazu bestand eigentlich kein Grund da kein Problem anstand. Im Gegensatz zu sonst war Rafa auch nicht mitten in der Nacht aufgestanden und ich wachte alleine auf. Es ist etwas ungewöhnlich, das es schon nach um neun ist und er noch schläft. Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden und konnte mir den Gedanke an gestern Abend nicht verkneifen.
Ich glaube seine Eltern waren nur so erschrocken über den Witz weil er sich gestern Abend grundlegend anders verhalten hat als Vorgestern. Er klebte mir ja ständig an den Fersen, da hat seine Mutter wohl für den Bruchteil einer Sekunde gedacht das es stimmen könnte. Es könnte mir ja egal sein aber mir lässt der Artikel keine Ruhe. Klar bin ich gespannt was passieren wird auch wenn das Dementi sofort folgt. Ich hatte mir ja fest vorgenommen nicht in Panik zu verfallen aber ich musste zumindest mal auf mein Handy sehen also drehte ich mich auf die Seite und griff nach meinem Handy. Es war auch kein große Überraschung das Sara in einer sms meinte das ich sie mal anrufen soll. Angerufen hatte sie auch schon zweimal aber sie müsste wissen das wir nicht vor um neun aufstehen.
Worum es geht kann ich mir denken, sie ist bestimmt vor Schreck fast vom Stuhl gekippt als sie ins Internet gegangen ist. Vermutlich wird es sich schon überall verbreitet haben in kürzester Zeit. „Was machst du da?“ Kam es plötzlich leise von hinter mir. Ich musste schmunzeln und drehte meinen Kopf nach hinten. Es sah wirklich gut aus wie Rafa mich so neugierig ansah. Er sah ein wenig verschlafen und zerzaust aus, was mich noch mehr zum lachen brachte. „Nichts“ Antwortete ich und drehte mich wieder auf den Rücken. „Wenn du nichts machst, wieso hast du dann dein Handy in der Hand?“ Ich sah zu ihm rüber und wusste schon das ich mir die Erklärung sparen kann, er weiß sehr wohl was ich mache. „Sara macht Telefonterror“ In der nächsten Sekunde rollte er gleich mit den Augen. „Überrascht dich das? Ich werde zur Sicherheit gar nicht erst auf mein Handy sehen“ Ich rückte näher zu ihm und schloss meine Augen wieder. „Vergiss Sara“ Meinte er dann nur und nahm mir mein Handy weg bevor er mich umarmte.
„Willst du dich den ganzen Tag im Bett verstecken?“ “No aber ich will auch nicht ständig nachdenken. Es beruhigt sich schon alles wieder. Nicht das du mich falsch verstehst, klar stört es mich sowas in der Zeitung zu lesen vor allem wenn es gar nicht stimmt aber aufregen bringt nichts. Costa regelt das schon, der ist nicht erst seit gestern mein Manager“ Es klingt fast alles gut wenn Rafa nebenbei mit seiner Hand meinen Rücken auf und ab wandert. Vielleicht sollten wir doch im Bett bleiben, jetzt haben wir ja endlich mal Zeit dazu. Es ist richtig komisch wenn Rafa den ganzen Tag Zeit hat, ich bin es gewohnt das er immer für ein paar Stunden weg ist. „Hast du den ganzen Tag Zeit?“ Fragte ich nur um sicher zu gehen. „Willst du mich los werden?“ Fragte er gleich zurück. Ich schlug meine Augen wieder auf und lächelte ihn breit an. „Quatsch, ich werde wohl noch fragen dürfen“ “Es wird dich erschüttern aber ich habe Zeit“ “Davon gehe ich aus da du sonst kaum im Bett liegen bleiben würdest“ “Das würde ich gerne öfters machen aber dazu fehlt mir sonst die Zeit und wenn du nicht da bist ist es langweilig alleine“ Das ist wirklich schade das er sonst so wenig Zeit hat weil ich mich daran gewöhnen könnte den Tag entspannt zu beginnen. Es könnte doch jeden Tag so schön sein auch wenn ich weiß das es keinen großen Unterschied macht ob ich hier wohne oder nicht.
Das Rafa Zeit hat liegt nur daran das er zwei Wochen Pause vom Tennis macht, sonst würde er jetzt längst auf einem Tennisplatz stehen und trainieren. „Gehen wir da wieder zum Strand heute?“ “Wenn du willst...“ Es ist total ungewohnt das ich entscheiden kann was wir machen heute und dabei keine Rücksicht auf Rafa nehmen muss weil er zu einer bestimmten Zeit wieder hier sein muss. So viele Möglichkeiten bleiben auch nicht, es wird ziemlich heiß werden um die Mittagszeit. Man braucht keine Wettervorhersage weil es immer um die 30 Grad oder knapp darüber sind und da hat man keine große Lust was anderes als Strand zu machen. „Dann gehen wir zum Strand“ “Dazu müssten wir aber aufstehen“ “Mhh, es ist aber eben so bequem“ Zwar kann er mich auch am Strand umarmen aber nicht so innig weil ich das nicht sehen will in den Zeitungen. Kussfotos will ich erst recht nicht sehen aber das lässt sich nicht immer vermeiden. Das wir zusammen sind wissen jetzt ja alle und wir müssen es ja nicht übertrieben öffentlich zur Schau stellen, das sollen andere Stars machen, manche haben ja Spaß dran ihre Beziehungen öffentlich auszuleben.
Da bin ich froh das Rafa so eine vermeintlich spießige Einstellung hat zu dem Thema und lieber zu wenig sagt als zu viel denn ich will keine Details von meiner Beziehung mit ihm in den Klatschblättern lesen.

„Dein Kleid sieht komisch aus auf dem Fußboden“ Ich hob meinen Kopf etwas und sah zur Seite. Es stimmt ja schon, es ist zu schade um auf dem Boden zu liegen aber da lagen ja noch mehr Sachen. An mir liegt das ja auch nicht, wenn Rafa mich nicht so abgelenkt hätte, würden meine Sachen jetzt nicht im ganzen Haus verteilt liegen. „Ich hatte gestern Abend keine Zeit es erst ordentlich zusammen zu legen aber wenn du nicht da wärst, würde es jetzt nicht auf dem Boden liegen“ Antwortete ich mit einem breiten Lächeln. „Wenn du mich so anlächelst, kannst du alles mögliche zu mir sagen ohne das ich es dir übel nehme. Um aber auf das Thema zurückzukommen verbitte ich mir die Unterstellung, dass es an mir alleine liegt. Du hättest dich ja wehren können und ich habe dich zu nichts gezwungen“ “Das es mir ganz offensichtlich unmöglich ist no zu sagen müsstest du inzwischen gemerkt haben“ “Das würde ich aber nie ausnutzen“ Er grinste mich so unverschämt an als er das sagte, dass ich in schallendes Gelächter ausbrach.
„Ich kann schon deinen Heiligenschein sehen“ “Ich kann auch nichts dafür das niemand etwas böses von mir denkt“ “Es ist aber besser unterschätzt zu werden als überschätzt“ Rafa sah aus dem Augenwinkel auf mein Handy. „Sara hat lange Weile, no?“ Den Ton hatte ich ausgestellt aber man sah es ja am Display wenn jemand anruft. Der Aussage von Rafa entnehme ich mal das Sara versucht mich anzurufen also streckte ich mich etwas um an mein Handy zu gelangen. „Hey Sara, lange nichts gehört von dir“ Ging ich ran und das war ironisch gemeint denn wir hatten gestern Abend erst telefoniert aber da hatte ich nichts erwähnt von den vermeintlichen Neuigkeiten. Ich wollte nur sehen wie lange es dauert bis es sich herumspricht aber es ging offenbar sehr schnell. „Hallo, ich habe dich hoffentlich nicht geweckt oder sollte ich sagen euch?“ “Na ja, nicht wirklich“ Auf die zweite Bemerkung ging ich lieber nicht weiter ein. „Du glaubst nicht was im Internet los ist“ Na jetzt war ich aber gespannt und Rafa sah auch so aus als wenn es ihn interessiert. Zwar versteht er nichts aber es ist nicht schwer zu erraten wieso Sara anruft. Rafa tut wahrscheinlich nur so als wenn es ihm egal ist, insgeheim kann er es wahrscheinlich kaum erwarten zu hören wie das ankommt.
„Ich kann es mir vorstellen“ Meinte ich dann nur vielsagend und machte mich auf das Schlimmste gefasst. „Du weißt es schon?“ Oh, sie klang doch ein wenig enttäuscht. Dachte sie wir wissen noch nichts davon? „Aber nicht lange, Carlos Costa hat uns gestern vorgewarnt das der Artikel heute erscheint“ Beeilte ich mich gleich zu sagen da ich nicht will das sie sauer ist weil ich sie nicht vorgewarnt habe. „Warum konntest du mich nicht warnen gestern Abend? Na ja, egal jetzt, jedenfalls bin ich fast vom Glauben abgefallen als ich vorhin ins Internet ging und die Scans von der Zeitung gesehen habe!“ Es ist schon ein bisschen schade das ich nicht dabei war als sie das gesehen hat. Ihr Gesicht dabei kann ich mir schon bildlich vorstellen und das sie total geschockt war kann ich nachvollziehen, das ging mir ja selbst so.
„Was steht denn da? Ich weiß nur von dem Artikel und den Bildern aber nicht was da steht“ “Na da steht nicht so viel weil ja nicht wirklich was bekannt ist über dich außer dein Name und die spekulieren eben ob das ein Verlobungsring ist also quasi als Krönung von Wimbledon. Die Bilder toppen aber alles, da ist eines von uns in der Players Box von Wimbledon und da haben die extra als Ausschnitt nur den Ring vergrößert, der ja eigentlich meiner ist. Mir war gar nicht bekannt, dass die Öffentlichkeit so außerordentliches Interesse an meinem Schmuck hat“ Jetzt musste ich aber doch lachen, sie sagte das so als wenn sie sich das gar nicht erklären könnte. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht wohin das führen würde“ “Mache dir nix daraus, bis heute früh habe ich mir da auch keine Gedanken weiter gemacht aber die suchen wohl auf Teufel komm raus nach einer Story um die Seiten zu füllen. Das offizielle Dementi ist zwar schon auf der Seite von Rafa aber die Aufregung ist trotzdem groß. Ich hätte es auch nicht geglaubt wenn es kein Dementi geben würde“ “Wieso?“ Fragte ich nach und war da aber doch neugierig wie sie das meinte.
„Na ich will mich nicht weit aus dem Fenster lehnen und behaupten Rafa zu kennen aber das schien mir ein bisschen weit hergeholt. Sag' s mir wenn ich mich täusche aber mir scheint es nicht so als wenn er überstürzt Entscheidungen trifft“ “Du kennst mich ja auch aber die anderen haben ja keine Ahnung und können es nicht einschätzen“ “Stimmt! Außerdem gehe ich mal davon aus das du mir das sagen würdest bevor es in der Zeitung steht wenn es stimmen würde oder?“ “Klar würde ich es dir sagen und dann würde es auch nicht in der Zeitung stehen weil es dazu keine offizielle Meldung geben würde“ “Dachte ich mir auch schon aber ich war trotzdem erstmal erschrocken“ Ich versuchte mich auf das Gespräch zu konzentrieren aber es fiel mir schwer weil mir nicht der Blick von Rafa entging. Es nervt ihn wohl das ich jetzt mit Sara quatsche aber nicht weil er kein Wort versteht sondern weil wir immer eine halbe Ewigkeit telefonieren.
Er kennt das ja schon aber meistens rufe ich Sara an wenn ich alleine bin und viel Zeit habe. „Zwei Minuten, ok?“ Sagte ich leise und hielt meine Hand kurz über das Handy. Er rollte nur mit den Augen und verzog sein Gesicht aber er sagte zumindest nichts. „Du kannst ja noch ein bisschen beobachten was weiter passiert im Internet“ Widmete ich mich dann wieder Sara. “Wenn du meinst aber ich lese das nicht alles durch weil mir die Kommentare dazu zu blöd sind“ Zwei Minuten später hatte ich schon längst wieder vergessen was ich zu Rafa gesagt hatte. Ich hatte das auch nur gesagt damit er nicht meckert weil ich so lange telefoniere aber ich wurde dann wieder daran erinnert als er plötzlich aufstand und ohne einen Ton zu sagen aus dem Zimmer verschwand. Da es ja dann nicht mehr so viel zu bereden gab, beendete ich das Gespräch mit Sara und stand dann auf. Natürlich habe ich nicht gewollt das Rafa quasi aus seinem eigenen Bett flüchtet, vielleicht hätte ich doch nicht an mein Handy gehen sollen da ich ahnte das es ein längeres Gespräch wird.

Jetzt war es aber zu spät also stand ich dann auf und verschwand ins Bad, Rafa ist ja vermutlich gerade in dem anderen Bad. Hoffentlich ist er jetzt nicht sauer deswegen, ich habe keine Lust auf neuen Stress wegen Kleinigkeiten. Als ich wieder aus dem Bad kam, war Rafa zufällig eben im Flur. Er blieb stehen und sah mich an als wenn er wartet bis ich zuerst etwas sagte. Ich lief näher zu ihm und machte ein übertrieben betroffenes Gesicht. „Es tut mir leid wegen vorhin. Ich wollte nicht ewig mit ihr reden und ich will es auch nicht auf sie alleine schieben aber ich wollte schon wissen wie schnell sich das herumspricht“ Er verzog keine Mine und zuckte dann etwas hilflos mit den Schultern.
„Was soll ich sagen, ich kann es offensichtlich nicht ändern das du stundenlang mit ihr telefonierst“ Da er noch immer so ein ernstes Gesicht machte, nahm ich erst seine Hände in meine und umarmte ihn dann. „Sieh mich nicht so an“ Sagte er plötzlich mit einem vorsichtigen Lächeln. „Warum?“ Fragte ich übertrieben ahnungslos zurück. „Du weißt genau das ich den Blick nicht ertragen kann!“ Kam es mit einem breiten Lächeln zurück. Ich werde irgendwie immer nervös wenn er mich so breit anlächelt. Das ist richtig schön wie es kribbelt und genau da liegt ja das Problem wenn wir uns nicht sehen können. „Ich kann nachvollziehen das es dich nervt wenn sie andauernd anruft und ich wäre ja auch nicht ran gegangen wenn ich nicht gewusst hätte das sie andauernd anruft bis sie mich erwischt“ “Obwohl sie nicht hier ist, geht sie mir langsam auf die Nerven. Hat die niemand anderes zum reden?“ “No, zumindest keinen mit dem sie über dich reden kann deswegen musste ich es auch immer ertragen“ Da er nichts mehr sagte und mich nur verlegen musterte, umarmte ich ihn wieder und küsste ihn spontan.
Das lenkte ihn dann wenigstens davon ab über Sara zu meckern. Zugegeben, ich dachte auch nicht mehr lange über Sara nach. Zwar wollte ich ihn erst nur kurz küssen aber es stört mich auch nicht wenn es nicht dabei bleibt. „Das können wir den ganzen Tag machen“ Kam es dann mit einem breiten Lächeln. „Was? Hier stehen?“ Fragte ich mit einem kichern zurück. „Das auch“ “Was machen wir heute eigentlich? Zum Strand gehen?“ “Mhh, klingt ganz gut“ “Das ist total komisch das du andauernd Zeit hast“ “Weiß ich aber das wird bald wieder anders also gewöhne dich besser nicht daran wobei ich mich auch daran gewöhnen könnte eine Weile faul zu sein und nur mit dir am Strand zu liegen“ “Das hältst du höchstens zwei Wochen durch“ “Deswegen fange ich dann auch wieder mit dem Training an“

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