15 December 2009

Chapter 23

Obwohl es mir schwer fällt mir nichts anmerken zu lassen ging ich dann mit einem gefassten Gesicht wieder nach unten und wollte Rafa eigentlich nur sagen wie es jetzt weiter geht, nämlich gar nicht. Den Flug hatte ich eben umgebucht auf heute Abend. Unter den gegebenen Umständen sehe ich keinen Grund länger hier zu bleiben. Ich versuche nicht ihn davon zu überzeugen, dass ich ihm nichts vor mache. Wenn er von selbst nicht darauf kommt, tut es mir leid. Das war auch der springende Punkt, dass er denkt ich spiele ihm alles vor.
Hätte er mir nicht geglaubt wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich ihn liebe? Was für ein Glück das ich nichts in der Richtung gesagt hatte, ich hätte mich total zum Deppen gemacht! Er stand noch immer an derselben Stelle wie vorhin und wich meinem Blick aus. Ich schluckte kräftig und versuchte ruhig zu bleiben, sehr gerne würde ich ihm sagen wie beschissen sich das anfühlt so etwas zu hören.
Meine anfängliche Begeisterung für ihn schlug in das Gegenteil um, ich will ihn nicht länger als nötig sehen, er hat ja seinen Standpunkt klar gemacht. “Ich fliege heute Abend nach Hause” Sagte ich dann nur und hoffte das es schnell vorbei ist. Er blieb stehen und sah mich nur an ohne ein Wort zu sagen. Mir entging nicht das er kräftig schluckte, anscheinend überlegte er weil er wohl nicht damit gerechnet hat. Ist er jetzt schockiert weil ich nach Hause will? “Was? Warum denn? Ich habe das nicht so gemeint. Ich meine, dass soll nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will, du kannst wirklich noch hier bleiben”
Kam es dann leise mit einem verlegenen Blick. Ich hob meine Hände abwehrend und hatte Mühe nicht die Kontrolle über mich zu verlieren. Noch ein paar Minuten und es fließen Tränen. “Ist schon gut, es ist dein Recht deine Meinung zu äußern” Da ich keinen Grund sah länger hier zu stehen lief ich wieder nach oben. Ich schloss die Tür und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Im nächsten Moment floss auch schon die erste Träne. Ich war so enttäuscht von ihm dass ich nicht anders konnte. “Amaia” Kam es plötzlich von der anderen Seite der Tür.
Ich wischte mir die Tränen weg und schniefte. “Verschwinde” ”Mach’ die Tür auf!” Er lässt sowieso nicht locker also stand ich auf und schloss wieder auf. Zwar versuchte ich die Tränen wegzuwischen aber von mir aus soll er ruhig sehen was er angerichtet hat. Kaum war ich von der Tür weg kam er rein. “Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen. Ich wollte dir nicht vorwerfen dass du mir etwas vor machst. Ich will nur wissen woran ich bin weil ich Angst habe mich auf jemanden einzulassen. Kannst du das nicht verstehen nachdem du mir gesagt hast was du mit Sara machst?” Erwartet er Mitleid von mir? Ich sah an ihm vorbei und dann wieder zu meinem Koffer. “Meine Entscheidung steht fest. Ich gehe, versuche gar nicht erst mich zu erreichen, ich brauche Zeit zum nachdenken” Er kam näher und blieb direkt vor mir stehen. “Du willst wirklich deswegen gehen?“ Ich wich einen Schritt zurück da er mir zu nahe war.
Ja ja, genau das wollte ich, wieso kapiert er es nicht? Glaubt er ich mache eben einen Scherz? Da ich mich weigerte ihn anzusehen hob er mit seiner Hand mein Kinn und zwang mich so ihn anzusehen. Wenn er so nah vor mir steht komme ich wieder ins schwanken doch weich zu werden. Klar wäre es verlockend das er mich umarmt und sagt das alles wieder gut wird. “Ich will nicht, dass es so endet mit uns” Sagte er dann leise. Ich schluckte und rang um Fassung. “Es gibt kein uns” Er biss auf seine Unterlippe und schloss seine Augen. Es fällt mir sehr schwer ihn auf Distanz zu halten aber er hat sich das selbst zuzuschreiben. Er ging dann einen Schritt zurück und nickte mit dem Kopf. “Wie du meinst. Willst du es dir nicht noch mal überlegen?”
Ich blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen und hatte Mühe nicht auf seinen flehenden Blick reinzufallen. “No” Sagte ich dann nur ernst und wich seinem Blick aus. Gab er jetzt endlich auf? Auch gut, umso einfacher für mich. Ich nahm meinen Koffer und den Schirm und überlegte was ich noch sage. “Adíos” Er sah stur auf den Boden und sagte nichts also ging ich.

So schnell es ging packte ich meine Sachen ins Auto und fuhr dann los ohne noch mal zurück zu sehen. Selbst als ich am Flughafen war hatte ich noch nicht richtig realisiert was passiert war. Obwohl, es war ganz einfach. Genau das was ich vor eine Woche befürchtet hatte war passiert. Erst fürchtete ich Stress mit Sara aber das war inzwischen egal geworden. Das mit Rafa war etwas anderes.
Ich kam nicht darüber weg was passiert ist, zum Glück gab es noch einen Flug heute. Sonst wäre ich in ein Hotel gegangen, unter diesen Umständen will ich Rafa nicht mehr sehen. Woher weiß ich denn ob er nicht weiter an mir zweifelt? Nein, dann lieber gleich einen Schlussstrich ziehen. Gestern dachte ich noch daran länger hier zu bleiben und jetzt das. Wie schnell sich doch alles ändern konnte. Es erwischte mich aus heiterem Himmel da ich wirklich nichts Böses ahnte.
Die Entfernung war offensichtlich das geringste Problem zwischen uns. Wobei, es gab kein uns mehr. Nie hätte ich gedacht, dass ich es bereuen würde hier her gekommen zu sein. Das war es dann wohl. Zwar denke ich das Rafa früher oder später versuchen wird mich zu erreichen aber es wäre vielleicht am Besten wenn ich das Kapitel schließe und nach vorn sehe.

Sieben Stunden nachdem ich in Porto Cristo losgefahren war zum Flughafen war ich wieder zu Hause in meiner Wohnung. Ich fühlte mich wie im falschen Film. Es kam mir vor als wäre ich nie auf Mallorca gewesen, es war so weit weg alles. War auch gut, so muss ich nicht befürchten das Rafa hier auftauchen könnte. Wie sehr hatte ich mich erst gefreut das es klappte mit dem Rückflug drei Tage später.
Mir hätte Klar sein müssen, dass es alles zu schön war und das es so nicht bleiben konnte. Kam mir doch gleich komisch vor als er sagte das er mich nicht verstecken will vor der Öffentlichkeit. Da steht er hinter mir und dann zweifelt er plötzlich an allem. Hatte ich vielleicht ein wenig überreagiert mit der überstürzten Abreise? Kann sein aber ich konnte nicht anders, ich wollte nur noch weg. Wenn wir das diskutiert hätten wäre es nur noch schlimmer geworden.

Die nächsten Tage verkroch ich mich in meiner Wohnung und ging nur raus wenn es absolut unvermeidbar war. Sara war ja noch in Spanien und meine Eltern ahnten auch nichts Böses also hatte ich meine Ruhe und konnte so ganz entspannt in Selbstmitleid ertrinken. Da ich ja noch Urlaub hatte blieb so genug Zeit zum grübeln. Ich wollte ja nicht das Rafa mich so aus der Bahn wirft weil er es nicht wert ist aber ich konnte nicht anders.
Ich kann auch nichts dafür das ich nicht von ihm los komme und er sich wieder der letzte Idiot benimmt. Hätte ich mich nicht so auf ihn eingelassen, wäre es jetzt auch nicht so schwer alles zu vergessen. Ich vermisste ihn schon nach drei Tagen aber das würde ich ihm niemals sagen. Er rief natürlich an obwohl ich gesagt habe das er es nicht tun soll. Nun, was er zu sagen hat ist mir egal also ging ich gar nicht erst ran wenn er anrief. Egal ist er mir natürlich nicht, ich würde am liebsten sofort wieder nach Mallorca fliegen. So einfach komme ich nicht mehr los von ihm aber ich war so verletzt und sauer auf ihn.
An dem Tag als ich zurückgeflogen bin war ich mir sicher, dass ich ihn nie wieder sehen will, das sah drei Tage später schon anders aus. Nach drei Tagen ohne ein Lebenszeichen von ihm wurde mir langsam klar, dass ich ihn doch mehr als ein bisschen vermisse. Das war noch harmlos formuliert, mir ging es wirklich gar nicht gut. Ich grübelte von früh bis spät und musste erst mal alles sacken lassen. Vielleicht habe ich ja auch überreagiert aber ich konnte in dem Moment nicht anders.
So nach und nach beruhigte ich mich dann wieder etwas, als ich wieder arbeiten musste hatte ich auch nicht mehr so viel Zeit zum nachdenken. Meine Entscheidung war gefallen und daran gab es kein rütteln mehr. Ich mache mich nicht von einem Rafael Nadal abhängig und ich laufe ihm sicher auch nicht nach. War vielleicht der falsche Weg einfach aufzugeben aber ich wollte nicht länger darüber nachdenken. Er hat sowieso bald keine Zeit mehr weil er um die Welt fliegt also warum unnötig Energie investieren? Ist sowieso alles zu kompliziert. Wer weiß was er mir nächstes mal unterstellt also verzichte ich lieber darauf ihn zu sehen. Das lief eben dumm alles, ich werde es überleben.
Da ich sonst ja doch nicht von ihm los komme, hatte ich mich dazu entschieden den Kontakt zu ihm ganz abzubrechen. Das musste ich ihm nur noch sagen, das war ich ihm ja schuldig nachdem er so hartnäckig versuchte mich zu erreichen. Er rief die ersten Tage jeden Tag an aber irgendwann gab er auf da ich nie ran ging.



Ich nahm eine Woche nachdem ich so überstürzt zurückgeflogen war allen Mut zusammen und wollte es dann hinter mich bringen und alles vergessen. Mein Hals wurde ganz trocken als ich seine Nummer wählte und dann wartete bis jemand ran ging. Mein Kopf war total leer, was soll ich nur sagen?
Am liebsten wäre es mir wenn er gar nicht ran geht, da brauche ich nichts sagen. Ich fürchte, dass er es nicht gut finden wird, dass ich den Kontakt abbrechen will aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen. Aufgeregt war ich auch, meine Hände waren schon ganz feucht und ich rutschte unruhig auf dem Stuhl umher. “Sí?” Kam es plötzlich und ich wurde in meinen Gedanken gestört. Aww, es klang richtig gut seine Stimme zu hören auch wenn er nur ein Wort sagte. Wie soll ich nur anfangen? “Ich bin es” Sagte ich dann zögerlich und war auf seine Reaktion gespannt.
Ein paar Sekunden war es ruhig in der Leitung, hoffentlich legt er nicht einfach wieder auf. “Hi, ich dachte schon du meldest dich nie mehr” Kam es dann leise zurück. Ich hatte Mühe mich nicht ablenken zu lassen, es war zu schön wieder mit ihm zu reden. “Deswegen rufe ich an. Ich weiß das du angerufen hast aber ich musste erst mal nachdenken” ”Mhh” Kam es dann nur kaum hörbar. Es entstand gleich wieder so eine unangenehme Stille, Rafa wollte wohl warten was ich sage und ich wusste nicht wie ich es sagen soll das ich nicht mehr mit ihm reden will obwohl ich jetzt schon ins schwanken kam, die Vorstellung ihn noch mal zu sehen war sehr verlockend. Nie hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein kann mit ihm zu telefonieren, sonst fiel mir auch immer mehr als genug ein worüber wir reden konnten.
Ich räusperte mich dann laut und dachte jetzt oder nie. “Ich ähm denke das es am Besten ist wenn wir uns nicht mehr sehen” Sagte ich schließlich und schluckte kräftig. Puh, war ich froh das ich das gesagt hatte! ”Was?” Kam es etwas lauter bevor es wieder ruhig war in der Leitung. War er jetzt schockiert? So interpretiere ich seine Reaktion jedenfalls. “Du willst den Kontakt ganz abbrechen?” Fragte er nach ein paar Sekunden, ich sah ihn zwar nicht aber so wie er das sagte, hat er nicht damit gerechnet, dass ich gar nicht mehr mit ihm telefonieren will. Wahrscheinlich ging er davon aus das ich mich nach einer Weile schon wieder beruhige und dann alles vergessen ist.
“Sí” Sagte ich dann ernst und das kostete mich wirklich Überwindung. Eine Weile herrschte wieder Stille. “Dann bleibt mir wohl keine Wahl als deine Entscheidung zu akzeptieren” Kam es ein paar Augenblicke später nicht mehr ganz so freundlich. Mir entging nicht das er sich etwas anderes erhofft hatte und jetzt wohl entsprechend enttäuscht war, er machte sich auch nicht die Mühe das zu verbergen. Das zeigt zwar das ich ihm doch nicht egal bin aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. “Es tut mir leid” Sagte ich leise und merkte wie mir das Wasser in die Augen stieg.
Zum Glück sah ich ihn nicht sonst würde ich es nie fertig bringen ihm zu sagen, dass ich ihn nicht sehen will obwohl das Gegenteil der Fall ist. “No, muss es nicht auch wenn ich nicht verstehen kann warum du den Kontakt abbrechen willst. Ich war damals nur ehrlich und hätte nicht damit gerechnet was das für Konsequenzen hat. Wäre es dir lieber gewesen ich hätte gar nichts gesagt? Ich habe das nicht gesagt weil ich daran zweifle warum du da warst” Ich schüttelte mit dem Kopf und war froh das ich ihn jetzt nicht sehe sonst würde ich wieder schwach werden.
“Ist egal jetzt, es spielt keine Rolle mehr” ”Für mich schon, wenn du nicht mehr mit mir reden willst, dann sollten wir das wenigstens klären denn ich will nicht das es so endet” Warum lässt er einfach nicht locker? So langsam beschlich mich das Gefühl, das es nicht so friedlich bleibt wenn er nicht locker lässt, streiten will ich nicht mit ihm. “Was willst du klären? Da ist nichts zu klären! Ich meine es fühlte sich wirklich richtig gut an das du mir vorwirfst das ich dir alles nur vorspiele” ”So habe ich das doch gar nicht gemeint. Ich dachte nur darüber nach, ich stelle doch nicht gleich alles in Frage. Kannst du das nicht verstehen, dass ich wissen will auf wen ich mich einlasse? Kann sein das ich zu misstrauisch bin aber mir bleibt keine Wahl, ich will nicht das jemand nur wegen meinem Name mit mir zusammen ist”
Ich wurde wieder nachdenklich und sah nach unten auf den Teppich. “Genau das ist das Problem. Ich dachte du merkst das von selbst, dass ich dir nichts vorspiele, ich habe keine Lust mich für meine Gefühle zu rechtfertigen und wenn du der Ansicht bist, dass ich es nicht ernst meine, ist das nicht mein Problem. Für mich gab es keinen Grund noch länger bei dir zu bleiben, da du offensichtlich denkst das ich nicht wegen dir dort war konnte ich ja auch gehen” ”Ich habe nie gesagt, das ich glaube das du nicht wegen mir da warst. Ich wollte nicht das du gehst, ehrlich gesagt war ich mehr als nur überrascht, dass du gleich geflüchtet bist. Das du nachdenken wolltest kann ich verstehen aber das du jetzt den Kontakt ganz abbrechen willst finde ich übertrieben”
Er gibt nicht auf oder? Ich hatte auch keine Lust mehr mich noch länger zu rechtfertigen. “Rafael, lasse es gut sein” “Wie du meinst” Kam es nach einer kurzen Pause. Was sollte ich jetzt noch sagen? Ich hatte ja sonst auch keine Lust mich von ihm zu verabschieden aber das war etwas anderes. “Es tut mir leid wenn du dir das anders vorgestellt hast. Ich wünsche dir was und rufe bitte nicht mehr bei mir an” ”Werde ich nicht, dann bleibt mir wohl nichts mehr zu sagen außer adíos”
Ich biss auf meine Unterlippe und versuchte meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Noch was sagen konnte ich nicht also legte ich einfach auf.

Die nächsten Minuten saß ich da wie erstarrt und sah auf das Telefon in meiner Hand. Langsam wurde mir klar, dass es das war, es ist vorbei! Ich fühlte mich wie taub. Erst dachte ich, dass ich in Tränen ausbrechen würde wenn ich auflege aber es ging irgendwie nicht.
So richtig wollte ich nicht glauben dass es wirklich so endet. Ich telefoniere normalerweise aller zwei Tage mit Rafa. Mir fehlte schon die letzte Woche was und jetzt soll ich nie mehr mit ihm reden? Es bringt mich doch zum nachdenken das er nach allem was abgelaufen ist trotzdem noch mit mir in Kontakt bleiben wollte. War ja egal jetzt, ich sollte nicht darüber nachdenken, es zieht mich nur runter. Morgen kommt Sara wieder und wenn die jetzt auch noch anfängt mir auf die Nerven zu gehen, kriege ich die Krise.
Vielleicht weiß sie ja noch nichts von den Bildern aber irgendwann ist sie ja wieder hier und spätestens dann geht sie wieder jeden Tag ins Internet und guckt was sie verpasst hat die letzte Woche. Irgendwie war es mir aber eben total egal ob sie es rausfindet oder nicht.
Ich könnte noch was retten indem ich es ihr vorher sage aber jetzt war es auch egal und ich habe jetzt keine Energie mich mit ihr zu streiten da ich andere Probleme hatte.

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