5 December 2009

Chapter 21

“Soll ich dir tragen helfen?” Kam es mir nur so vor oder ist er heute besonders aufdringlich? ”No gracias, ich schaffe es alleine so schwer ist der Schirm nun auch nicht” Ich beachtete ihn nicht weiter obwohl ich wusste das er hinter mir herläuft. Die Tasche und den Schirm stellte ich im Gästezimmer ab bevor ich mich umdrehte. “Verfolgst du mich?” ”Sieht wohl so aus, no?” Kam es nur mit einem breiten grinsen. ”Tja, ich gehe dann mal meine Haare waschen” ”Soll ich dir helfen?” Ich schüttelte mit dem Kopf und konnte mir ein kichern nicht verkneifen, er lässt nicht locker! “Ok” Sagte ich dann spontan weil ich sehen wollte was passiert.
Das irgendetwas passiert, davon gehe ich einfach mal aus. Ich lief ins Bad und zog mir meine Hosen und das Top aus bevor ich unter die Dusche verschwand. Meinen Bikini hatte ich ja noch an denn Rafa hatte ja auch noch seine Badeshorts an. Demonstrativ stellte ich mich unter die Dusche und wartete. Rafa drehte das Wasser auf und machte zu meinem Erstaunen gar nichts. Jedenfalls nichts abgesehen vom Haare waschen. Ich schloss meine Augen damit das Shampoo nicht in meine Augen gelangt und drehte mich dann mit dem Rücken zu Rafa. Er kann jetzt immer meine Haare waschen, ein Wunder das er sich nicht zu einer Aktion hinreißen ließ.
Es war ja lächerlich, dass ich meinen Bikini noch an hatte aber ich dachte das er sich darum kümmert. Anders gesagt hoffte ich, dass er sich darum kümmert aber vielleicht dachte er dasselbe und tat es aus genau dem Grund nicht. Als er wohl fertig war, passierte gar nichts mehr also schlug ich meine Augen wieder auf und drehte mich um. “War das schon alles?” ”Sí, deine Haare sind sauber” Kam es nur mit einem breiten Lächeln. “Gracias, dass kannst du jetzt immer machen!” ”Wo bleibt meine Belohnung?” Ach, so lief das also! Eine Gegenleistung will er also auch noch. Ich legte einen Arm um seinen Hals und küsste ihn kurz.
“War das schon alles?” Fragte er dann auch gleich da es ihm wohl zu flüchtig war. Gut, dass ließ ich mir nicht zweimal sagen und küsste ihn wieder. Zwar wollte ich ihn wieder nur kurz küssen aber er hatte inzwischen seine Hände an meinen Hüften und zog mich an sich. Es fing gleich an bei mir zu kribbeln als ich ahnte wo das hinführt. “Jetzt werde mal nicht gierig!” Meinte ich so zwischendurch aber irgendwie schien er gar nicht zuzuhören. Das Wasser lief inzwischen nicht mehr aber wir standen ja noch in der Dusche. Ich legte den anderen Arm auch noch um seinen Hals und erwiderte seine gierigen Küsse.
Vielleicht habe ich jetzt ein bisschen mehr Glück als vorhin am Strand wo er mich abblitzen lassen hat. Während er dann langsam meinen Hals nach unten küsste, zog er mir mein Bikinioberteil aus und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. Das ganze entwickelte eine Eigendynamik und mir wurde immer wärmer je länger er mich küsste. Es tat richtig gut alles und zu wissen, dass uns hier keiner stört war noch viel besser.

Ich lief so ungefähr 20 Minuten später raus zum Pool und machte es mir im Schatten auf der Couch bequem. Irgendwie war ich total geschafft, woher das wohl kommt? Sollte ich doch in Zukunft alleine duschen? Ich war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, irgendwann bringt Rafa mich noch mal um den Verstand. Vielleicht sollte ich ja bis zum Rückflug hier sitzen bleiben! Porto Cristo lag ja in einer Bucht und von hier aus konnte man bequem alle Boote beobachten die in den Hafen oder raus fuhren. Zu sehen gab es jedenfalls genug.
Da drängt sich mir die Frage auf ob Rafa überhaupt irgendwo leben könnte wo kein Meer in der Nähe ist. Ich kannte es nicht anders aber wenn ich das so gewohnt wäre, würde ich wohl auch nicht darauf verzichten wollen. “Gibt es was interessantes zu sehen?” Ich drehte meinen Kopf wieder und sah Rafa vor der Couch stehen. Leider hatte er sich etwas angezogen aber das könnte man ja auch ändern. “Ich gucke nur was so auf dem Meer los ist und denke über dich nach” Er setzte sich hin und grinste schon wieder so breit. “So?” ”Mhh, könntest du irgendwo leben wo kein Meer ist?” ”Ich glaube nicht. Ich bin es gewohnt, ich meine bei einer Insel ist nun mal Ringsum das Meer. Ich wollte unbedingt Meerblick haben als ich das Haus geplant habe. Es gab auch noch andere Grundstücke aber die hatten alle keinen Meerblick. Zwar musste ich die Aussicht teuer bezahlen aber das ist hier so weil alle Meerblick haben wollen. Hier kann zumindest niemand ein weiteres Haus bauen”
Stimmt! Da es hier so eine Art Steilküste war kann es nicht passieren, dass noch jemand ein Haus hier hinsetzt und so die Aussicht verbaut. Ich sah dann in den Pool und musste an gestern Nachmittag und vorhin denken. “Zum Glück kann niemand hier reinsehen” Sagte ich und musste dann kichern obwohl ich versuchte ernst zu bleiben, es gelang mir aber nicht. “Das war mein Hauptanliegen bei der Konstruktion” Kam es ganz sachlich, wodurch ich nur noch mehr lachen musste. Nicht auszudenken was wäre wenn einer gestern Bilder gemacht hätte als wir im Pool bzw. daneben waren. “Wir sollten öfters zusammen duschen gehen” Sagte ich dann spontan mit einem Lächeln das sicher vom einen Ohr zum anderen ging. Das war mein Ernst, es hatte sich auf mehr als eine Art gelohnt. Ich war jetzt auch gleich viel entspannter und dachte nicht ständig daran was ich am liebsten alles Unanständiges mit Rafa machen würde.
Machte aber auch Spaß zu wissen das ich sämtliche Gedanken sofort in die Tat umsetzten könnte wenn ich will. “Obwohl ich der Idee mit dem Strand nicht unbedingt abgeneigt bin” Kam es dann breit grinsend. ”Du wolltest doch nicht” ”Das hat mich eine Menge Selbstbeherrschung gekostet, das kannst du mir glauben! Es ist nicht so das mir nichts eingefallen wäre aber ich kann auf solche Bilder verzichten” Mir blieb keine Wahl als zu kichern, es hätte mich auch gewundert wenn ihn das nicht irgendwie ins schwitzen bringt. Ein Wunder das er sich beherrschen konnte bis wir wieder hier waren.

Um auf andere Gedanken zu kommen dachte ich mir ich könnte ja Sara mal anrufen und so ganz uneigennützig fragen wann sie hier ankommt und wie es überhaupt dazu kam das sie über Nacht beschließt hier her zu kommen.
Fällt mir sicher schwer dabei nicht hysterisch zu werden oder vielleicht zu neugierig obwohl ich alles genau wissen wollte um den größten Schaden noch abzuwenden. Ich frage sie einfach was sie macht und weiß ja dann wo ich nicht hingehen sollte. Inzwischen wird es schon lächerlich alles aber es ging nicht anders.

“Und?” Rafa sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an als ich wieder auf der Terrasse erschien und konnte es wohl kaum abwarten zu erfahren was Sara nun ausgeheckt hat. Ich holte tief Luft und setzte mich an den Tisch. Von mir aus hätte Rafa auch neben mir stehen können wenn ich mit Sara telefoniere weil er sowieso kein Wort versteht. War aber schon besser so weil ich mich erst mal ein paar Minuten abregen musste nachdem ich mit ihr telefoniert hatte.
“Tja, sie landet morgen Nachmittag in Palma und kommt dann hier her. Jenny hatte schon länger geplant hier her zu kommen und Sara hat sich spontan entschieden. Das Dumme ist das sie in der Firma ihrer Eltern arbeitet und so eben auch kurzfristig Urlaub machen kann. Freundlicherweise haben die das selbe Hotel gebucht in dem wir waren als wir im Mai hier waren” ”Wie, etwa das hier in Porto Cristo?” Ich musste lachen über seine Reaktion und trank erst mal einen Schluck Wasser.
“Sí” Das war ja irre, jetzt ist Sara in ein paar Stunden nur ein paar Kilometer Luftlinie von hier weg. Zwar ist der Ort nun auch nicht so klein und Rafa wohnt zum Glück auch nicht mitten im Ort aber damit hatte ich schon gerechnet, dass sie das Hotel bucht. “Und was machen die hier? Ich meine, es ist doch offiziell bekannt, dass ich nicht mehr trainiere”
”Das kam noch dazu. Sie dachte, sie kann mir was Neues erzählen wenn sie sagt dass du vorzeitig die Saison beendet hast. Die glauben vielleicht es ist einfacher dich hier zu sehen weil du ja jetzt hier bist. Die ist doch jetzt sowieso gefrustet weil du nicht mehr spielst also kommt sie eben hier her. Vielleicht glauben die du gehst da mitten im Ort an den Strand?” ”Na super, mal sehen wie lange es dauert bis sie draußen vor dem Tor stehen” Ich musste lachen aber mehr aus Verzweiflung.

Inzwischen wussten auch seine Fans das Rafa hier ein Haus hat. Nur wo er seinen Wohnsitz hat wusste keiner weil er noch mehr Häuser in anderen Orten hat. Die anderen sind alle nur Kapitalanlagen aber das wusste offiziell keiner. Die Vorstellung das Sara zusammen mit Jenny vor der Einfahrt lauert war irgendwie zum lachen. “Was würdest du machen wenn sie wirklich hier auftauchen?” Fragte ich und hoffte dass es sich um eine hypothetische Frage handelt.
Sein Gesicht wurde gleich wieder todernst und er rutschte leicht nervös auf seinem Stuhl rum. “Also verstehe mich nicht falsch aber keine von denen kommt hier rein. Ich habe nichts gegen die aber ich will sicher keine Fans in meinem Haus haben und auf Bilder im Internet kann ich auch verzichten. Vermutlich sind sie ein wenig geschockt falls die dich hier sehen aber wenn nicht will ich nur gleich vorher klarstellen was Sache ist. Diese Jenny würde ich am liebsten gleich nach Miami zurück schicken” Es war doch deutlich zu spüren das Rafa empfindlich reagiert wenn er sein Privatleben bedroht sieht.
Ich kann es verstehen, ich würde auch nicht Fremde in mein Haus lassen. Dann machen die noch heimlich Bilder und veröffentlichen die... “Hey, ich kann verstehen, dass du die nicht reinlassen würdest. Daran habe ich auch nie gedacht. Ich finde die Vorstellung nur irgendwie absurd das die hier her kommen und auf dich lauern” ”Das kommt ab und zu mal vor nur sind das meistens keine Leute die ich kenne. Was willst du jetzt machen? Die nächsten Tage nicht aus dem Haus gehen?” ”Die werden ja wohl nicht jeden Tag von früh bis spät hier warten. Es kommt doch sowieso irgendwann raus und ich habe auch keine Lust mich vor ihnen zu verstecken”
Rafa sah auf den Tisch und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Ich habe ja schon einiges erlebt aber so was noch nie” ”Mhhh” Ich hing meinen Gedanken nach und konnte das alles nicht so richtig glauben. Vor ein paar Monaten war ich praktisch auch noch auf der anderen Seite und hätte wohl Sara zu liebe irgendwo auf Rafa gelauert. Aus meiner jetzigen Sichtweise ist es schon ein bisschen verrückt ihm aufzulauern. Was geht nur in Sara vor?
Ihr wird klar sein das sie nie mehr als ein paar Autogramme und Bilder von Rafa bekommen wird egal wie sehr sie hinter ihm her schnüffelt. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Vielleicht träumen ja alle heimlich davon mit Rafa zusammen zu sein? Er bietet eine perfekte Projektionsfläche für die Art von Wunsch. Mir ist klar, dass viele sofort mit mir tauschen würden.

Am nächsten Tag brauchte ich dann auch tatsächlich nicht aus dem Haus gehen aber nicht wegen Sara und Jenny sondern weil es in Strömen regnete. Ich war ja in der Vergangenheit auch schon im Frühling und Winter auf Mallorca aber so ein Wetter hatte ich hier noch nie erlebt! Erst traute ich ja meinen Augen nicht als Rafa die Jalousie hochzog und es munter an das Fenster plätscherte. Es war wie in Deutschland im November, ein richtiges Mistwetter. Es regnete als gäbe es kein Morgen mehr und kalt war es auch noch.
Da der Himmel mit tiefhängenden Regenwolken verhangen war und weit und breit keine Sicht auf Besserung bestand, wird es wohl aller Wahrscheinlichkeit nach den ganzen Tag durchregnen. Wind schien auch noch zu sein, es war ein mächtiger Wellengang auf dem Meer, hoffentlich kommt keine Flutwelle bis hier hoch. Rafa fand es auch noch amüsant das ich mich so aufregen kann über schlechtes Wetter. Der hat gut reden, wahrscheinlich hat er hier auch seit dem Frühjahr keinen Regen mehr erlebt.
Da meinte er doch allen Ernstes, dass ich den Sonnenschirm heute sicher nicht brauche. Wenn so schlechtes Wetter ist, wird einem erst bewusst wie sehr man hier auf schönes Wetter angewiesen ist. So was wie Museen gab es hier weit und breit nicht also kann man praktisch gar nichts machen wenn man nicht erst bis nach Palma fahren will. Dem Wetter entsprechend war auch meine Laune also blieb ich im Bett liegen. Rafa war es wohl zu langweilig, der war ins Bad oder wohin auch immer verschwunden.

“Bleibst du den ganzen Tag im Bett?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zur Tür. Mhh, wenn er so fragt... ich würde auch länger als nur einen Tag in seinem Bett bleiben. “Sí, das schlechte Wetter kann ich auch von hier aus genießen” Der freie Meerblick und die riesigen Fenster hatten eben auch unangenehme Seiten, so war man hautnah dabei wenn draußen die Welt untergeht. Er lief zum Fenster und sah eine Weile raus. “Glaubst du das hört heute noch mal auf?” Fragte ich hoffnungsvoll und klammerte mich an die Hoffnung das Rafa es Besser weiß und sagt, dass es gleich aufzieht.
”Also ich will nicht deine Urlaubslaune vermiesen aber ich fürchte es bleibt den ganzen Tag so. Sieht nicht nach einem kurzen Schauer aus” Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und schnappte nach Luft. “Bueno, dann bleibe ich doch den ganzen Tag im Bett. Du kannst mir ab und zu was zu Essen und Trinken vorbei bringen” Sein Lächeln sah zwar gut aus aber meine Laune war trotzdem noch im Keller. “Bestimmt... würde es deine Laune aufhellen wenn ich Sara und Jenny hier reinlasse?” Ich rollte mit den Augen und schüttelte dann mit dem Kopf. “Werde nicht albern! Wir können auch zum Hotel fahren sie besuchen wenn du so wild darauf bist sie zu sehen” Er kam näher zum Bett und setzte sich hin.
“Willst du jetzt den ganzen Tag liegen bleiben und dich über das schlechte Wetter aufregen? Mich stört es auch aber es lässt sich doch sowieso nicht ändern. Wenn du keine Lust hast den ganzen Tag hier zu bleiben können wir doch trotzdem irgendwohin fahren” ”Mhh, die Aussicht am Cap de Formentor ist heute sicher grandios, Armageddon hautnah” Ein bisschen gequält sah sein Lächeln jetzt aber schon aus. “Jetzt entspanne dich mal und höre auf Terror zu machen” Ich setzte mich hin und legte meine Arme um seinen Hals.
“Es tut mir leid wenn ich dir auf die Nerven gehe” ”Das tust du nicht du sollst nur aufhören wegen dem Wetter zu jammern” ”Ist ja schon gut, ich sage nix mehr. Da du offensichtlich nicht im Bett bleiben willst und es alleine auch keinen Spaß macht werde ich mich mal ins Bad quälen” “Ok” Ich drehte mich dann auf den Bauch und blieb noch liegen, wenn ich so überlege habe ich doch keine Lust aufzustehen. Rafa blieb neben mir sitzen und fing plötzlich an Küsse auf meinem Nacken zu verteilen. Das trägt nicht gerade dazu bei das ich vielleicht doch noch aufstehe.
Ich schloss meine Augen wieder und genoss seine Küsse, hoffentlich hört er nie mehr auf! Da muss ich nur an gestern Abend denken, wo das hinführt wenn ich ihn tun lasse was er will hatte ich ja gemerkt. Ich habe nichts dagegen mit ihm länger im Bett zu bleiben, langweilig wird es sicher nicht. Ein lachen konnte ich mir nicht verkneifen als er sich langsam meinen Rücken nach unten küsste, seine Haare kitzelten auf meinem Rücken daher musste ich ja auch so kichern. “Höre auf!” Sagte ich dann schweren Herzens und leider hörte er wirklich auf. “Warum?” ”Deine Haare kitzeln auf meinem Rücken” ”Ich könnte den ganzen Tag Küsse auf dir verteilen” ”Mhh, wenn das so ist, habe ich nichts dagegen”
Wenn Rafa mich auf die Art ablenkt, ist das schlechte Wetter gleich nicht mehr so schlimm! Ich wickelte die Bettdecke um mich und stand dann doch auf. Rafa blieb auf dem Bett sitzen und sah mir mit einem breiten grinsen nach. “Du siehst wirklich gut aus nur mit der Bettdecke” “Ich weiß” Mit einem kichern verschwand ich ins Bad.

Ein kleines bisschen hatte sich meine Laune dann doch gebessert nachdem ich duschen war. Besser schlechtes Wetter hier als schlechtes Wetter zu Hause in Deutschland und vielleicht hört es ja zumindest auf mit regnen. Außerdem bin ich ja nicht in erster Linie hier um an den Strand zu gehen, soll Rafa sich überlegen wie er mich heute beschäftigen kann. Nix schlimmes ahnend lief ich nach unten in die Küche.
Auf den ersten Blick sah alles normal aus, Rafa hatte sich freiwillig bereit erklärt das Frühstück zu machen und er saß am Tisch und sah zu mir. Was mich gleich stutzig machte war sein Gesichtsausdruck, irgendwas war los. Wäre es nicht so, dass er ja schon nicht mehr Tennis spielen kann, hätte ich sofort darauf getippt. Vorhin war seine Laune noch um einiges besser gewesen. Ich setzte mich erst mal ihm gegenüber an den Tisch und überlegte ob ich warte bis er etwas sagt oder ob ich frage, neugierig war ich jetzt schon.
“Was ist passiert?” Fragte ich dann doch direkt da ich es nicht mehr abwarten konnte, Geduld war noch nie meine Stärke. Ich sah wie er sich räusperte und dann schluckte. “Wir sind in der Zeitung” Kam es dann direkt.

Ein paar Sekunden dauerte es bis ich realisiert hatte was er da eben gesagt hat. Mein erster Gedanke war, oh nein! “Was?” Fragte ich dann etwas nervös und hoffte das er gleich sagt es war ein Witz aber ich traue Rafa nicht zu das er die Art von Scherzen mit mir machen würde.
“Als wir Vorgestern Abend in Manacor waren hat jemand Bilder gemacht als wir aus dem Club kamen und zum Auto liefen” Kurz dachte ich an Vorgestern und wunderte mich dann weil es doch Dunkel war und ich hatte keinen Blitz gesehen also wie soll da einer heimlich Bilder gemacht haben? Falls doch, kann ich mir vorstellen was das für Bilder sind... Rafa hatte ja seinen Arm um meiner Schulter liegen, ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse! “Es war doch Dunkel!” Sagte ich und wollte das alles nicht wahr haben indem ich mir einrede dass es einfach nicht sein kann.
“Sí aber mit der heutigen Technik kann man auch im dunkeln Bilder machen” Ein paar Sekunden sagte ich gar nichts sondern starrte nur in meine Tasse während ich den Kaffee rührte. Sicherlich brauche ich heute drei Liter Kaffee um meine Nerven zu beruhigen. Es dauert offensichtlich nur noch Stunden bis Sara und Jenny den Schock ihres Lebens bekommen werden. “Amaia” Ich wurde aus meinen düsteren Gedanken gerissen und sah über den Tisch zu Rafa.
Er sah mich an und überlegte wohl wie ich jetzt reagiere, vielleicht erwartet er ja das ich gleich ausflippe oder ihn dafür verantwortlich mache. Das kann ich aber nicht da ich weiß das es früher oder später sowieso Bilder gegeben hätte und das er da zu viel getrunken hat und nicht mehr alleine zum Auto kam macht es auch nicht mehr schlimmer. Damit musste ich rechnen als ich mich entschieden hatte hier her zu kommen. “Wenn es Bilder gibt und die in der Zeitung sind, kann man da wohl nichts mehr machen” Sagte ich dann mit einem gefassten Gesicht. So richtig überzeugt sah Rafa nicht aus, er hat wohl eine andere Reaktion erwartet.
“Und jetzt?” Das war eine gute Frage, welche Wahl hatte ich denn jetzt noch? Gar nichts werde ich tun, ich warte einfach ab was passiert. “Ich weiß nicht” Sagte ich nachdenklich und überlegte was jetzt am Besten ist. Rafa stand auf und lief um den Tisch um sich neben mich zu setzen. Er nahm dann meine Hand in seine und rückte so nah es ging an mich. “Es tut mir leid, ich will dich nicht in Schwierigkeiten bringen” Da er mich so betreten ansah, musste ich lächeln. “Schon gut, wäre sowieso irgendwann aufgeflogen” ”Du bist nicht sauer?” Da er so zögerlich fragte dachte er wohl, dass ich ihm den Kopf abreiße wegen den Bildern.
“Was hätte ich davon? Ändern kann ich es ja nicht mehr außerdem war mir klar das es Bilder geben könnte wenn ich hier bin” Ich hatte schon so viel Abstand von dem Ganzen das es mir fast egal war. Obwohl ich knapp eine Woche hier war kam es mir vor wie ein halbes Jahr und Sara schien ewig weit weg zu sein obwohl ich ja mit ihr telefonierte. Wieso sah er mich immer noch so zögerlich an? Dachte er das ist die Ruhe vor dem Sturm? “Sieh mich nicht so an!” Sagte ich und musste gleich wieder lächeln. Immerhin entspannte sich sein Gesicht dann mal etwas.
“Hätte ich nicht zu tief ins Glas geguckt wäre es nie dazu gekommen” ”Ist egal jetzt außerdem hattest du ja einen Grund” ”Es war kein Grund, dass ich nicht spielen kann rechtfertigt es nicht” ”Sieht man überhaupt etwas auf den Bildern? Ich meine, hast du die Bilder gesehen?” ”No, normalerweise gucke ich die nicht an weil es mich nicht interessiert. Ich weiß es nur weil mein Manager vorhin angerufen hat und sagte das es Bilder im Internet gibt und das welche in einer Zeitung sind”

Natürlich ließ mir das keine Ruhe, ich musste die Bilder unbedingt sehen. Vielleicht bin ich ja gar nicht zu erkennen und mache mir jetzt umsonst die ganzen Gedanken. Zeit hatten wir ja heute da wir nicht an den Strand gehen konnten also nutzte ich mein Mietauto und fuhr ins Zentrum von Porto Cristo. Rafa war gar nicht erst mitgekommen, würde vielleicht auch komisch aussehen wenn er Zeitungen kauft in denen Klatschgeschichten über ihn stehen. Ich hatte ja immerhin noch den Vorteil, dass mich niemand kennt.
Zielstrebig schnappte ich mir so eine Zeitung und lief dann zur Kasse. Ein bisschen komisch fühlte ich mich schon. Es war eigenartig zu wissen dass darin ein Bild von mir mit Rafa sein soll. Wie fühlt es sich an sich selbst unfreiwillig in der Zeitung zu sehen? Da ich mich nicht traute direkt in dem Laden nachzusehen verschwand ich schnellstmöglich wieder. Aus irgendeinem Grund dachte ich schon die Leute erkennen mich wenn mich jemand ansieht.
Ohne Umweg fuhr ich zurück und war schon ganz gespannt. Ich war echt froh als sich hinter mir das Tor schloss und ich so erstmals sicher war vor neugierigen Blicken. Vielleicht drehe ich ja durch und bilde mir alles ein, so wird es sein. Natürlich kam ich nicht trocken vom Auto ins Haus aber das war mir jetzt egal, soll es meinetwegen eben den ganzen Tag regnen. Ich hatte kaum die Tür geöffnet als Rafa vor mir stand und mich mit großen Augen ansah. “Und?” Kam es gleich neugierig. Ich rollte mit den Augen und machte die Tür zu.
“Ich habe nicht alles schon im Laden gelesen, wollte mir den Schock noch aufheben. Eigentlich will ich gar nicht gucken. Kannst du nicht erst mal gucken?” ”Gib her” Ich gab ihm die Zeitung und zog dann meine Schuhe aus um mich irgendwie abzulenken.

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