10 December 2009

Chapter 22

Ein paar Sekunden später wollte ich es aber doch sehen und stellte mich neben Rafa. Mir blieb fast der Mund offen stehen als ich mich selbst in der Zeitung sah! Es war etwas unscharf weil es ja dunkel war aber wie kann uns jemand direkt von vorn fotografiert haben und wir haben nichts gemerkt? Gut, Rafa hätte sicher eh nichts mehr gemerkt und ich war damit beschäftigt ihn irgendwie zum Auto zu bekommen. Der Text dazu war der Hit, die interpretierten seinem Arm um meiner Schulter als öffentlichen Liebesbeweis.
Die gehen davon aus das Rafa sich so outen wollte. Da er sich sonst immer zurückgehalten hat mit öffentlichen Liebesbekundungen welcher Art auch immer denken die wohl das es bei Rafa schon etwas heißt wenn er mit jemandem Arm in Arm läuft. Ganz super, jetzt waren wir schon offiziell zusammen! Da sieht man mal wie man sich mit entsprechenden Bildern eine Story zurechtbiegen kann. Das war alles andere als romantisch. Mir wurde es dann ganz merkwürdig im Bauch, ich erkenne mich auf dem Bild schon auch wenn es unscharf ist.
Die Frage ist ob jemand anderes mich auch erkennen würde, bei Rafa war es eindeutig. Ein paar Minuten musste ich das alles auf mich wirken lassen. So schnell wurde man also öffentlich zur ‘Freundin von’. Langsam sah ich dann zu Rafa und er im selben Augenblick zu mir was mich zum lächeln brachte. “Was sagst du?” Fragte er mal wieder. “Sieht so aus als wären wir offiziell zusammen. Ich wünschte es wäre auch nur halb so romantisch gewesen wie die es darstellen” Da er genervt mit den Augen rollte schien er die Anspielung verstanden zu haben. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut. Was soll ich noch sagen?” ”Nada” Sagte ich nur und freute mich darüber das er offenbar ein schlechtes Gewissen hat. Ich stellte mich direkt vor ihn und sah in seine Augen. Es dauerte auch gar nicht lange bis es anfing zu kribbeln bei mir, ich könnte wegschmelzen wenn er so nah vor mir steht und mich ansieht.
Nach und nach baute sich eine Spannung zwischen uns auf, ich könnte es stundenlang genießen wie sein Blick neugierig über mein Gesicht wandert. Als seine Hand unter meinem Kinn war, schluckte ich erst mal und wurde nervös. Er fuhr mit seinem Daumen über meine Unterlippe während er in meine Augen sah. “Das Bild wäre richtig gut, wenn es kein Paparazzi Foto wäre. Ich meine, es stört mich nicht wenn es solche Bilder von uns gibt” Wenn er solche Dinge in der uns Form sagt und mich dazu so ansieht, wird es mir gleich anders zumute. Da bekomme ich ein bisschen Angst was er noch sagt. Leider wurden wir dann durch das klingeln vom Telefon gestört. Na super, mal wieder im richtigen Moment. “Lass mich raten, deine Mutter?” Fragte ich nur. Sein Lächeln war richtig schön. “Kann sein” In der nächsten Sekunde war Rafa auch schon verschwunden. Na super, jetzt stehe ich hier alleine! Es knisterte eben so schön aber war wohl nix.

Ich lief ins Wohnzimmer und machte es mir da auf der Couch bequem. Zwar hörte ich Rafa reden aber ich verstand kein Wort, vielleicht sollte ich ja Katalan lernen. Wenigstens kann ich spanisch, die Englischkenntnisse von Rafa sind ja eher bescheiden auch wenn es total niedlich klingt wenn er englisch spricht. Ein paar Minuten später erschien er und setzte sich neben mich mit so einem verlegenen Lächeln. “Es war meine Mutter” Ich musste lachen und war stolz auf meine hellseherischen Fähigkeiten. “Sage ich doch!” ”Sie wollte sich nur zurück melden” Ich dachte schon sie fragt ihn jetzt wegen den Bildern. Eigentlich interessierte mich schon ob er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin oder ob niemand etwas weiss.
“Wissen deine Eltern das ich hier bin?” Hoffentlich denkt er nicht das ich zu neugierig bin. “Sí, ich habe ihnen gesagt das du hier bist weil ich ja nicht sicher sein kann das es keine Bilder gibt und ich will nicht das sie es aus der Zeitung erfahren” Wenn er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin, bleibt ja kaum noch eine Möglichkeit für mich abzuspringen. Nicht das ich das plante aber das ging ziemlich fix alles, ich war hier her gekommen um rauszufinden was ich will und nicht damit die Presse nach einer Woche schreibt das ich mit Rafa zusammen bin obwohl es nach dem jetzigen Stand genau darauf hinausläuft.
Ich kann mir schon das Gesicht von meinen Eltern vorstellen wenn die davon Wind bekommen. Eigentlich war ich ja strikt gegen so eine Fernbeziehung aber ich kann nicht nein sagen wenn Rafa vor mir steht.

Gedankenverloren sah ich auf die Zeitung die vor mir auf dem Tisch lag. Die wird Sara wahrscheinlich nicht kaufen da Rafa ja nicht auf dem Cover ist und sie kein spanisch versteht und Jenny zum Glück auch nicht. Das nutzt aber nichts, die Bilder sind sicher auch auf der Seite wo sie immer ist. Ich würde es jetzt aussitzen und warten bis irgendwas passiert, freiwillig oute ich mich ganz sicher nicht.
Erst nach ein paar Minuten kam ich wieder in die Realität und mir wurde klar, dass ich ja nicht alleine bin. Ich drehte meinen Kopf und sah zur Seite, Rafa sah mich mit einem nachdenklichen Gesicht an und sagte keinen Ton. Mein Lächeln verschwand langsam wieder. “Was?” Fragte ich leise. “Was machst du wenn Sara die Bilder sieht und dir das nicht verzeihen will oder kann?” Ich schluckte kräftig und wurde unruhig. Darüber wollte ich besser gar nicht nachdenken. Mir wurde es dann doch ein bisschen unangenehm.
Nervös spielte ich mit meinen Händen während ich leicht ins schwitzen geriet und ein übertriebenes Lächeln zog. “Ich ähm, weiss nicht. Ich lasse mich jedenfalls nicht von ihr damit erpressen” Sagte ich leicht hektisch und musste mir selbst gut zureden um ruhig zu bleiben. Rafa rückte so nah es ging an mich und umarmte mich. “Wie lange kennst du sie?” Ich entspannte mich ein wenig und überlegte kurz. ”Seit der fünften Klasse aber mir kommt es vor als würde ich sie mein ganzes Leben kennen. Sind jedenfalls fast 10 Jahre. Wir saßen in der Schule zum Schrecken aller Lehrer nebeneinander und so ergab sich das dann. Ich wollte ja nach der Schule studieren aber dazu hätte ich weiter weg ziehen müssen. Sara wollte nicht studieren also hat sie bei ihren Eltern in der Firma eine Ausbildung gemacht. Obwohl ich schon einen Studienplatz sicher hatte habe ich es dann nicht gemacht und habe auch eine Ausbildung gemacht weil ich da nicht wegziehen musste”
Ich sah nach unten auf meine Hände und schluckte nervös. In den letzten Jahren gab es da so ein paar Momente wo ich mich gefragt habe ob ich nicht doch hätte studieren sollen. Zwar hatte ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und wurde dann auch übernommen was ein großes Glück war da ich gleich einen Job hatte aber es ist nicht so das ich bis zu meinem Lebensende im Büro sitzen will. “Was wolltest du denn studieren?” Ich musste wieder lächeln und war gleich auf sein Gesicht gespannt. “Luft- und Raumfahrttechnik mit Auslandssemester in Madrid. Theoretisch war alles geplant bis ich kalte Füße gekommen habe. Mein ursprünglicher Plan war ja das ganze Studium in Madrid zu machen aber das ging gar nicht weil ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen konnte so weit weg von zu Hause zu leben”
Sein Gesicht war wie von mir erwartet. “Interessante Studienwahl” Ich musste gleich noch breiter grinsen. “Mhhh, ich wollte schon mein ganzes Leben lang irgendwas machen was mit Fliegen zu tun hat. Vor zwei Jahren habe ich ein paar Monate als Flugbegleiterin gejobbt aber das wurde mir zu stressig und gesehen habe ich auch nichts. Es ging immer nur hin und her, ich war zwar manchmal drei mal am Tag in Palma aber habe keinen Fuß auf die Insel gesetzt. Jedenfalls habe ich dann die Ausbildung bei uns im Ort gemacht und bin dann dort gestrandet. Ich meine, heutzutage muss man froh sein wenn man einen Job hat also kann ich das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Meine Eltern konnten sowieso nie verstehen wieso ich studieren wollte und sind froh das ich jetzt arbeite. Zwar kann ich auch später studieren aber das wird sicher nichts, es wird immer schwerer auszusteigen wenn man erst mal arbeitet. Meine Eltern würden es nicht unterstützen und Geld würde ich dann auch keins bekommen also bleibt mir keine große Wahl und Geld ansparen um später davon zu studieren kann ich nicht weil ich viel zu gerne Urlaub mache und durch die Gegend fliege“
”Vielleicht klappt es ja doch noch” ”Noch mal lasse ich mich nicht von Sara abhalten obwohl sie nicht gesagt hat das ich es nicht tun soll” Ich lehnte mich an Rafa während meine Gedanken noch weiter gingen... Wenn es hart auf hart kommt und Sara sich weigert zu akzeptieren das ich mich mit Rafa treffe war alles umsonst. Ich hätte doch studieren sollen ohne mich von derartigen Gefühlen leiten zu lassen.
“Manchmal soll es eben so sein, ich habe auch schon manche Entscheidung im nachhinein bereut” ”Hoffentlich nicht die das du sagtest ich kann hier her kommen” Sein Lächeln munterte mich gleich mit auf. “Bestimmt nicht und wenn es so wäre würde ich es nicht zugeben” Ich schlug scherzhaft nach ihm und tat übertrieben empört. “Sehr charmant” ”Gracias, würde ein Ausflug nach Formentor wo du den Weltuntergang sehen kannst deine Laune bessern?” Macht er sich lustig über mich? “Komisch echt! Ohne Spaß jetzt, kann man hier was machen wenn es regnet?” ”No, du kannst nur hoffen das es wieder aufhört” ”Hier ziehe ich mal nicht hin” ”Aber es regnet selten also verglichen mit Deutschland” ”Fahren wir nach Palma?” ”Du willst nur shoppen gehen” ”Genau und dich brauche ich zum Tütentragen” Er rollte genervt mit den Augen und stand dann auf. “Wenn es sein muss”

War doch gar nicht so dumm die Idee mit Palma, jedenfalls besser als den ganzen Tag fernsehen zu gucken. Natürlich wollte ich nicht nur shoppen gehen, dass hatte ich letzte Woche schon getan. Ich fühlte mich dann wie in einem schlechten Traum da Rafa wohl doch seine Meinung bezüglich des shopping spontan geändert hatte. Jetzt lief ich hinter ihm her weil er wohl dachte sich komplett neu einkleiden zu müssen. In die Läden würde ich alleine nicht reingehen weil es da für meine finanziellen Möglichkeiten nichts gibt. Da meistens auch niemand vom Personal abgesehen in den Läden war stürzten sich die Verkäuferinnen alle auf Rafa.
Mich hatte es schon gewundert das wir vom Auto bis hier her kamen ohne eine Massenpanik auszulösen. Natürlich mussten wir öfters stehen bleiben weil jemand Autogramme oder Bilder wollte. Es war echt komisch zu sehen wie wildfremde Menschen Rafa einfach ansprechen und das schlimme ist die tun alle so als wenn sie ihn schon ewig persönlich kennen würden. Ich bekam einen Schreck als ich vor der Umkleide wartete weil mein Handy plötzlich klingelte. Mein Puls wurde gleich schneller, was wenn das Sara ist?
Nervös sah ich auf das Display, zum Glück ist es nur meine Mutter. Rafa braucht bestimmt noch Stunden also hatte ich Zeit mit meiner Mutter zu reden. Das ich in Palma shoppen bin konnte ich ruhig sagen, Rafa musste ich ja nicht mit erwähnen. “Amaia” Ich stand auf und blieb vor dem Vorhang der Umkleide stehen. “Sí, ich bin noch da” ”Du kannst ruhig reinkommen” Ich zog den Vorhang ein Stück bei Seite und steckte meinen Kopf in die Umkleide. Immerhin hatte er mal etwas angezogen, weiße Jeans und ein gelbes Poloshirt. zu sagen das er gut aussieht darin wäre noch untertrieben. “So gehst du nicht!” Sagte ich dann mit einem ernsten Gesicht.
Leicht verwirrt sah er mich dann schon an da es ihm wohl selbst auch gefiel und er meine Reaktion nicht verstehen konnte. “Wieso? Was ist so schlimm daran?” Ich hatte Mühe ein ernstes Gesicht zu machen da ich am liebsten laut lachen würde. ”Gar nichts, du musst dich nicht wundern wenn sämtliche Frauen dir nachlaufen wenn du das anziehst” Er kam näher und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. “Das ist mir egal, mir reicht es wenn du mir nachläufst” Bevor ich antworten konnte zog er mich in die Umkleidekabine. “Hey, was soll das werden?” Ich war etwas überrascht und sah ihn an. “Ich wollte nur mit dir alleine sein”
Bevor ich darüber nachdenken konnte wie er das eben gemeint hat, küsste er mich auch schon. Es war verlockend aber ich konnte mich nicht darauf einlassen, nicht wenn ich weiss das die Verkäuferin auf der anderen Seite vom Vorhang lauert. “Ich denke wir sollten das hier nicht weiter vertiefen” Sein grinsen wurde darauf hin nur noch dämlicher. “Ach plötzlich? Am Strand störte dich das noch nicht” ”Am Strand war auch keine Verkäuferin in der Nähe” ”Ich stehe auf Zuschauer” ”Du bist unmöglich!” Bevor er noch eine Aktion startet, verschwand ich wieder aus der Umkleide und wartete davor. Die Verkäuferin sah zu mir als ich aus der Umkleide kam aber sie sagte nichts. Ich zog ein ganz unschuldiges Gesicht und tat als wäre nichts.
Nachdem Rafa den halben Laden anprobiert hatte und sich endlich mal entscheiden konnte was er kauft, konnten wir auch wieder gehen. Ich dachte erst er trägt meine Beutel aber inzwischen trage ich seine, so hatte ich mir das gedacht. Machte auch keinen Spaß mit den ganzen Beuteln und wir mussten ja auch gelegentlich stehen bleiben wegen Autogrammen. Essen gingen wir aber noch bevor wir Palma den Rücken kehrten und nach Porto Cristo zurück fuhren.

Bei dem schlechten Wetter machte es ja auch keinen richtigen Spaß shoppen zu gehen also war ich froh in Ruhe die Füsse hochlegen zu können. Jetzt hatte ich auch wieder Zeit an Sara zu denken, bis jetzt hatte sie sich aber nicht gemeldet und sie war auch nicht hier aufgetaucht. Gut, bei dem schlechten Wetter wird sie hier nicht den ganzen Tag vor der Einfahrt lauern. Ich lief zum Fenster und sah kurz raus bevor ich wieder nach unten ging.
Erst dachte ich Rafa probiert eben alles noch mal an was er gekauft hat aber er stand an der Tür zum Pool und sah raus. “Gibt es was zu sehen?” Fragte ich neugierig und stellte mich neben ihn. Er drehte sich zu mir und sah mich ernst an. “No” Ein paar Sekunden sah ich ihn an und überlegte was mit ihm los ist. Heute früh war seine Laune wesentlich besser als jetzt. Er hat doch gesagt heute früh ich soll aufhören wegen dem Wetter zu jammern, direkt eine Spaßkanone ist er selbst gerade auch nicht. Von der Aktion in der Umkleide abgesehen war er nicht ganz so gesprächig wie sonst.
Macht er sich Gedanken wegen den Bildern oder ist es weil er nicht Tennis spielen kann? Vielleicht hat er auch einfach einen schlechten Tag und ich bilde mir Dinge ein. “Hat Sara sich schon gemeldet?” ”No, mache dir nicht so viele Gedanken. Ich meine, mir fällt schon irgendwas ein, Not macht erfinderisch” Ich dachte ja sein Gesicht hellt sich mal auf aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie werde ich nicht schlau aus Rafa, ich dachte ja ich kenne ihn ein bisschen nachdem ich eine Woche hier war aber er macht jetzt irgendwie dicht und ich weiss nicht warum. Wegen Sara fällt mir schon was ein, darüber soll er sich nicht den Kopf zerbrechen.
Ehe ich länger nachgrübeln konnte nahm er meine Hände in seine und sah mich ernst an. “Ich habe ein bisschen nachgedacht in den letzten Tagen” Ich wurde plötzlich nervös als er so ernst anfing. Wie, er hat nachgedacht? Da er mich so ernst ansah, bekam ich ein bisschen Angst vor dem was er gleich sagt. Nervös schluckte ich und versuchte mir nichts anmerken zu lassen obwohl ich es gar nicht hören wollte. Wenn er mich so ansieht, kann es nichts positives sein. Er holte Luft und sah kurz von mir weg.
“Amaia verstehe mich jetzt nicht falsch aber mir geht da so einiges durch den Kopf. Ich würde das auch nicht sagen wenn es mir nicht wichtig wäre aber ich weiss ehrlich gesagt nicht wo das hinführt mit uns” Ich schluckte kräftig und ahnte schon worauf er hinaus wollte. Was er noch sagen will möchte ich eigentlich gar nicht hören. “Es ist nicht so das ich dir nicht vertraue aber ich gebe ehrlich zu das es mich zum nachdenken bringt das du in der Lage bist jemanden sehr überzeugend an der Nase rumzuführen” Bis gerade eben dachte ich er meint damit das wir uns dann nicht mehr sehen können aber inzwischen war ja klar auf was er anspielte. Wenn ich ihn richtig verstehe zweifelt er daran das ich nur hier bin weil ich ihn sehen will.
Glaubt er ich tische ihm etwas auf so wie ich es mit Sara mache? Mir wurde es gleich anders zumute. Wie konnte ich auch glauben das es ihn nicht zum nachdenken bringt was ich mit Sara mache. Als ich ihm das mit Sara erzählte und er nicht so großartig darauf reagierte kam mir das gleich ein bisschen komisch vor. Offensichtlich brauchte er erst ein paar Tage zum überlegen, wie blöd das ich nicht gleich darauf gekommen war. Ich ging einen Schritt von ihm zurück und drehte mich mit dem Rücken zu ihm. Das war es also worüber er nachdenkt...

Je länger niemand etwas sagte umso unangenehmer wurde es. Erst nach ein paar Minuten wurde mir bewusst was er mir eben unterstellt hat. Ich fühlte mich als wäre ich mit dem Kopf voraus durch eine Wand gelaufen und wäre mit einem Schlag in die Realität gekommen. Er denkt wirklich ich wäre nur hier weil ich mal ein bisschen Spaß haben wollte oder vielleicht weil ich sehen wollte wie man als Star lebt.
Obwohl er das sicher nicht beabsichtigte fühlte sich das an wie ein Schlag ins Gesicht. Wieso redet er nicht mit mir darüber und wartet erstmal ein paar Tage ab? Langsam bekam ich Wut. Über eine Woche lässt er mich hier wohnen und dann fängt er plötzlich an zu zweifeln? Ganz offensichtlich zweifelt er also auch die Küsse und alles andere an. Vielleicht war es auch Absicht weil er sich ein bisschen Spaß nicht verderben wollte und ich war ja jetzt schon mal hier.
Das Gefühl flüchten zu wollen wurde dann immer stärker, ich war total durcheinander. Erwartet er das ich ihn jetzt auch noch verstehe? Es tut schon weh das er mir unterstellt das ich ihm etwas vorspiele, er hat kein Recht meine Gefühle für ihn anzuzweifeln. “Amaia” Was das hier werden soll wusste ich auch nicht mehr. Eigentlich wäre ich jetzt am liebsten eine Weile alleine. Ohne ein Wort zu sagen drehte ich mich um und ging.

Ich lief nach oben und schloss mich in meinem vorrübergehenden Zimmer ein. Rafa ist der letzte den ich jetzt sehen will. Was für eine Enttäuschung! Er hat ja echt Nerven mir das so direkt zu sagen. Zwar besser als wie wenn er gar nichts sagt aber anscheinend habe ich alles falsch eingeschätzt, denn er ist offensichtlich nicht bereit sich weiter auf mich einzulassen. Wie konnte ich mich nur so täuschen? Ich war so perplex das ich erst nach einer Weile die Situation begriff.
Wenn er das so sieht, gibt es auch keinen Grund das ich noch länger hier bleibe. Ich muss das echt nicht haben das er mir das noch mal vorwirft. Denkt er wirklich ich würde mit ihm schlafen wenn er mir egal wäre? Wenn er das wirklich glaubt, will ich gar nicht wissen wie er mich einschätzt. Ich dachte so blind kann kein Mensch sein aber anscheinend doch. Ich kann nachvollziehen das er es nicht gut findet was ich mit Sara mache aber das er wirklich so weit geht zu glauben ich würde ihm etwas vorspielen hätte ich nicht gedacht.
Meine Wunschvorstellung länger hier zu bleiben löste sich wie eine Seifenblase in Luft auf. So langsam frage ich mich ob ich mir selbst etwas vorgemacht habe die letzte Woche. Es ist alles eben doch viel komplizierter als gedacht. Am liebsten würde ich in Tränen ausbrechen und ihm eine riesige Szene machen aber den Gefallen tue ich ihm nicht. Ganz sicher werde ich mich nicht für meine Gefühle rechtfertigen, darüber diskutiere ich nicht. Mein Blick schweifte zu meinem Koffer und dem Sonnenschirm. Sieht so aus als müsste ich eine Entscheidung treffen.

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