Als ich dann an der vorletzten Treppe war und nichts Schlimmes ahnend um die Ecke bog, bekam ich fast einen Herzinfarkt. Da saß doch tatsächlich jemand im Dunkeln auf der Treppe vor meiner Wohnungstür! Ich wäre beinahe einen Schritt zurück gegangen vor Schreck. Da ich mit so was nicht rechnete war ich natürlich umso geschockter. Auf einen Schlag war meine Müdigkeit weg und mein Puls auf 300.
Mein erster Gedanke war das es ein Einbrecher ist aber der würde kaum im Dunkeln auf mich warten. Derjenige bewegte sich auch nicht also hatte ich erst mal keine Angst. Ich ging nicht weiter und blieb stehen. Wer es war weiß ich nicht, da ich nur die Umrisse sehen konnte, es war auf jeden Fall nicht Sara auch wenn ich gleich auf sie getippt hätte. Manchmal neigte die zu spontanen Aktionen die niemand nachvollziehen kann.
Bis jetzt hatte jedenfalls noch nie jemand im Dunkeln vor meiner Wohnung auf mich gewartet. Ich sah zur Seite auf den Lichtschalter, der im Dunkeln leuchtete. Klar wollte ich wissen wer es ist aber ich hatte irgendwie auch ein bisschen Angst davor, vielleicht bin ich dann enttäuscht. Da ich zu neugierig war lief ich näher zum Schalter und drückte drauf während ich gespannt die Treppen nach oben sah.
In der selben Sekunde als ich auf den Schalter drückte ging das Licht an und es wurde hell um mich rum. Ich sah noch die Treppen nach oben zu meiner Tür und stand dann sicher mit offenem Mund da. Habe ich jetzt schon Halluzinationen und bilde mir Dinge ein? Falls nicht, dann sitzt Rafael Nadal vor meiner Wohnungstür. Er saß auf der Treppe mit den Ellenbogen auf den Knien und den Händen vor dem Gesicht.
Ich musste erst mal kräftig schlucken, damit hatte ich nicht gerechnet! Ich wusste gar nicht was ich machen soll! Wurde ich jetzt rot? Ich kam mächtig ins schwitzen und mein Puls überschlug sich fast. Bestimmt starrte ich ihn eben an als wenn er ein seltenes Tier oder so was ist. Wie oft hatte ich mir gewünscht Rafa zu sehen und dann finde ich ihn mitten in der Nacht und im dunkeln vor meiner Wohnung! Er zog dann ein verlegenes Lächeln und blieb sitzen. “Hola” Kam es dann ein paar Sekunden später.
Ich konnte nicht anders als zu lächeln, es sah so herrlich aus wie er dort saß und mich ansah. “Hi” Sagte ich erst mal nur und ging dann die Treppen nach oben. Ich war noch viel zu perplex um irgendwas anderes zu sagen. Vielleicht sollte ich ihn kneifen damit ich sicher sein kann das er wirklich dort sitzt. Zwei Stufen vor ihm blieb ich stehen und sah kurz auf den Schlüssel in meiner Hand. “Was machst du denn hier im Dunkeln?” Fragte ich dann doch mit einem verlegenen Lächeln. „Auf jemanden warten“
Kam es nur. „Aha, na dann noch viel Spaß beim warten“ “Mhh, werde ich haben“ Fragt sich wie lange er hier schon wartet, ich war ja um acht gegangen. Was machte er denn überhaupt hier? Wie soll ich jetzt reagieren? Etwa ihn mit in meine Wohnung nehmen? Es war jetzt die falsche Uhrzeit um zu diskutieren.
Ich hatte Platz da Sara manchmal auch bei mir im Wohnzimmer auf der Couch übernachtet hatte. Ist jetzt auch egal ob Rafa hier ist oder nicht, ich hatte eben keine Lust lange zu grübeln weil ich total müde war.
Als ich die Tür zu meiner Wohnung aufgeschlossen hatte drehte ich mich wieder um. “Komme rein” Er stand auf aber sein zögerlicher Blick blieb. “Wirklich?” Es sah gut aus wie er mich eben ansah, ich würde alleine von dem Blick schwach werden. ”Sí, du kannst von mir aus auf meiner Couch schlafen, es ist jetzt zu spät zum diskutieren. Wenn du willst meine ich, falls du ein Hotel vorziehst ist es auch ok” Er schob seinen Rucksack in meinen Flur und machte dann die Tür nach sich zu. Damit hatte er ja klar gemacht wo er übernachten will. Ich stand einfach nur da und musterte meinen unerwarteten Besuch.
Rafa sah wieder zum anbeißen aus, er hatte Jeans an und eine schwarze Lederjacke. Ich würde ihn am liebsten umarmen und nie mehr los lassen. In den letzten Wochen hatte ich absichtlich einen großen Boden um Tennis und alles andere was mit Rafa zu tun hat gemacht daher war ich jetzt umso erstaunter ihn zu sehen. Obwohl ich daran denken musste was er sagte als ich ihn zum letzten mal gesehen habe, konnte ich nicht so richtig sauer auf ihn sein.
Mit dem Blick kriegt er mich jedes mal rum. Ich zog meine Jacke dann aus und hing sie an die Garderobe ehe ich wieder zu Rafa sah. Mir entging nicht, dass sein Blick an mir nach unten wanderte. Ich hatte dem Anlass entsprechend ein blaues, knielanges Cocktailkleid an. Manche halten das wohl übertrieben für eine Geburtstagsfeier aber in der Firma hatten die so einen Spleen, dass die da sehr vornehmen gekleidet sind zu solchen Anlässen. Wenn man da in Jeans kommt, gucken die blöd. “Du siehst wirklich gut aus” Sagte er dann während er mich mit einem verlegenen Lächeln musterte.
Ich wurde sicher rot und sah an mir nach unten. Natürlich wusste ich, dass mir das Kleid steht aber es von Rafa zu hören klingt sehr gut. “Das Kompliment zurück” Sagte ich dann nervös und fühlte mich leicht unwohl, es ist gefährlich wenn so eine Spannung zwischen uns entsteht.
Sicherheitshalber drehte ich mich um und lief ins Wohnzimmer. “Meine Wohnung ist leider nicht so groß wie dein Haus” ”Schon gut, ich komme auch mit wenig Platz aus” Mein Blick schweifte durch das Wohnzimmer und blieb an der Couch hängen. Wenn ich es mir so überlege will ich doch nicht das Rafa hier schläft. Am liebsten würde ich alles vergessen und ihn in mein Bett locken. Zwar war ich nach wie vor total überrascht aber ich bin da flexibel.
Vielleicht ist es aber besser alles langsam angehen zu lassen. Bis jetzt hat er ja auch nicht gesagt wie lange er beabsichtigt hier zu bleiben. Darüber wollte ich mir jetzt auch nicht den Kopf zerbrechen. Eigentlich passte es mir gerade eben gar nicht das er hier ist. Ich will eigentlich nur meine Ruhe haben und ins Bett gehen und zwar alleine. Ich meine, es stört mich ja nicht ihn zu sehen aber wenn er morgen früh aufgetaucht wäre hätte es doch auch gereicht. Hoffentlich fängt er jetzt keine Endlosdiskussion an, dafür habe ich jetzt wirklich keinen Nerv mehr. Ich zog mir dann erst mal etwas bequemes an und lief danach zurück ins Wohnzimmer.
Ich könnte direkt im stehen einschlafen. Rafa stand vor der Couch und sah auf sein Handy. „Ich will nicht unhöflich sein aber ich bin total ko und gehe ins Bett“ Ich meinte es ja nicht böse aber lange reden wollte ich nicht mitten in der Nacht. Er sah von seinem Handy zu mir und zog ein kurzes Lächeln. „Ok, dann Gute Nacht“ “Dir auch“ Ich machte kehrt und lief in mein Schlafzimmer wo ich ins Bett fiel und ein paar Sekunden später auch schon schlief.
Am nächsten Morgen war alles total friedlich, abgesehen vom Wetter. Es sah draußen noch immer aus als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor. Ausschlafen macht doch schon viel aus, ich fühlte mich gleich viel besser als gestern Abend. Natürlich galt mein erster Gedanke meinem Überraschungsgast. Ich kann nicht glauben, dass er wirklich hier ist! Nachdem ich praktisch eine Nacht drüber geschlafen habe erscheint es mir noch verrückter. Kommt mir vor als hätte ich das alles geträumt. Man denkt nichts Schlimmes und plötzlich taucht Rafa wie aus dem Nichts auf. Wie hat er denn rausgefunden wo ich wohne und vor allem wie kam er alleine hier her? Langsam macht er mir Angst, ich hätte nie gedacht der er mir hier auflauern würde.
In meinem Kopf waren Fragen über Fragen. Der Gedanke an meine Eltern tauchte auch gleich auf, die kommen ja heute Abend hier her. Ich gehe mal davon aus das Rafa da noch hier sein wird. Meine Eltern werden sich freuen, mein Vater fällt aus allen Wolken wenn er Rafa sieht! Die ahnen ja nichts schlimmes, dass kann ja heiter werden. Sicherlich ist heute Zeit die eine oder andere Frage zu klären. Ich stand auf und lief leise vom Schlafzimmer zum Wohnzimmer. Es war alles ruhig also öffnete ich die Tür zum Wohnzimmer einen Spalt. Aww, es sah richtig gut aus wie Rafa so friedlich auf der Couch lag und schlief.
Nie hätte ich gedacht, dass ich mal sehen würde wie Rafa auf meiner Couch schläft. Ich lehnte mich an den Türrahmen und verhielt mich leise damit er nicht aufwacht und beobachtete ihn einfach nur, das könnte ich stundenlang tun! Nur muss ich mich beherrschen das ich ihm nicht zu nahe komme, zu gerne würde ich ihm die Haarsträhnen aus dem Gesicht hinter die Ohren streichen. Leise lief ich dann ins Bad und würde schon immer duschen gehen so lange Rafa noch schläft. Es hebt doch meine Laune zu wissen, dass ich nicht alleine hier bin.
Wobei, vielleicht sollte ich ihn fragen warum er hier ist bevor ich vorschnelle Schlüsse ziehe. Er wird ja nicht extra wegen mir nach Deutschland geflogen sein oder doch? Ich ließ mir Zeit im Bad und als ich fertig war und aus dem Bad kam, stand Rafa plötzlich im Flur. Er sah mich so verschlafen an und seine Haare waren auch total zerwühlt, ich würde am liebsten mit den Händen seine Frisur noch weiter zerstören. Es war unmöglich bei dem Anblick nicht zu lächeln. So unschuldig wie Rafa eben aussieht ist er nur leider nicht. “Bon dia” Sagte ich dann. “Hola” Kam es mir gleich entgegen. “Ich ähm bin fertig im Bad, du kannst duschen gehen” ”Mhhh” Der Gedanke mit der Dusche war gut, da musste ich gleich an den Nachmittag denken wo wir erst am Strand waren und dann zusammen duschen. Sehr gerne würde ich das noch mal wiederholen.
Liebend gerne würde ich Rafa beobachten wie er duscht aber dann wäre ich nicht in der Lage mich von ihm fern zu halten also hielt ich mich so weit wie möglich vom Bad entfernt auf auch wenn ich mich gar nicht von dem verlockenden Gedanken an Rafa unter der Dusche lösen konnte.
Ich machte mich nützlich und kümmerte mich derweil um das Frühstück. Rafa hatte das auch immer gemacht als ich in Porto Cristo war, jetzt ist es eben umgekehrt und er ist hier Gast. Er hat Glück das ich noch Schokopulver da habe weil ich es selbst nicht trinke und nur da habe falls mal Besuch da ist, so wie jetzt. Wäre hätte gedacht das ich noch mal zu der Ehre komme mit Rafa zu frühstücken. Ich machte mir dann erst mal Kaffee, sonst schlafe ich wieder ein. Das Lächeln von Rafa wurde auch gleich breiter als er wieder erschien und die Tasse mit der Schokolade auf dem Tisch stehen sah. Ich saß schon am Tisch und sah ihn an.
Leider sah er jetzt nicht mehr so schön verschlafen aus und diese Sturmfrisur war auch verschwunden. Da er auch wieder so lecker roch, fiel es mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen. “Ich denke du trinkst keine Schokolade?” Fragte er während er sich mir gegenüber an den Tisch setzte. “Tue ich auch nicht, ich habe die nur falls mal jemand da ist der welche trinkt” Ein bisschen still wurde es dann schon während wir frühstückten. Normalerweise war es eine lockere und ausgelassene Stimmung aber es war jetzt leicht angespannt.
Ich wusste nicht so richtig wie ich tun soll und Rafa schien es ähnlich zu gehen. Um die Situation zu klären hilft nur eines, wir müssen einfach mal Klartext reden und zwar so schnell wie möglich. Aber wie soll ich anfangen? Jetzt wäre doch ein guter Zeitpunkt. Ich trank einen Schluck Kaffee und beobachtete ihn während ich trank. Schien so als wenn er rechts an mir vorbei sieht. “Originelle Wanddeko” Ich drehte meinen Kopf und sah nach hinten. Ach, jetzt wusste ich auch was er meinte... Ich hatte in der Küche eine spanische Flagge an der Wand hängen, die hatte mir mal mein Vater geschenkt.
“Das ist ein Souvenir aus Jerez von meinem Vater” Mir fiel da gleich wieder ein das meine Eltern ja auf Besuch kommen. “Meine Eltern kommen übrigens heute Abend zum Essen vorbei. Also ich weiß ja nicht wie lange du gedenkst hier zu bleiben. Nicht das du glaubst ich will dich los werden, ich meine nur so” Je mehr ich sagte umso breiter wurde sein Lächeln. Redete ich mich eben um Kopf und Kragen? “Länger als eine Nacht wollte ich schon bleiben, was nicht heißen soll das ich dich dauerhaft nerven will. Ich weiß das du arbeiten musst”
Schade eigentlich, dachte ich so für mich. Ich wurde nervös und überlegte wie ich ihn frage warum er hier ist. Ein bisschen Angst hatte ich schon und zwar das er sagt das ich nicht der Hauptgrund bin das er hier ist. Kann ja sein er hat Sponsoren in Deutschland oder was weiß ich. “Warum bist du hier?” Fragte ich dann direkt und klammerte mich mit den Händen an meiner Tasse fest. Wieso war ich nur so nervös?
Es war als würde ich Rafa zum ersten mal sehen. “Weil ich dich sehen wollte” Kam es mit einem schüchternen Blick. Das sah gut aus wie er mich so vorsichtig ansah, ich musste erst mal schlucken als er sagte er ist wegen mir hier. Mit so einer direkten Antwort hatte ich nicht gerechnet. Wartet er jetzt darauf, dass ich ihn gleich wieder rauswerfe? Ich hatte da aber noch ein paar mehr Fragen. “Wie kommst du denn hier her? Ich meine, wie hast du das gefunden?” ”Ich hatte deine Adresse noch weil ich doch den Flug umgebucht habe. Na ja und hier gibt es auch Autos mit Navi zum mieten” Wow, ich staunte nicht schlecht.
“Und wie lange hast du vor meiner Tür gelauert?” ”Ein paar Stunden, ich wusste doch nicht wann du kommst. Deine Nachbarin hat gesagt das es länger dauern kann daher dachte ich mir schon das es später werden wird. Notfalls hatte ich aber auch ein Hotel gebucht. Falls du gar nicht gekommen wärst oder mich gleich wieder vor die Tür gesetzt hättest” Der Fall war ausgeschlossen. Klar musste er davon ausgehen das ich ihn nicht sehen will aber ich könnte ihn sowieso nicht rausschmeißen. In ein Hotel hätte ich ihn nicht geschickt, ich bin doch froh ihn zu sehen, nur weiß er das nicht. Ich kann mir schon was einbilden wenn Rafa stundenlang auf mich wartet, es ist doch sonst immer umgekehrt und alle warten auf ihn.
“Es wäre nicht sehr freundlich von mir dich gleich vor die Tür zu setzen” ”Da war ich mir nicht ganz so sicher. Du hast ja gesagt, dass ich nicht mehr anrufen soll” Ja hatte ich ja auch aber ich meinte genau das Gegenteil. “Ich meine nicht immer unbedingt was ich sage” Antwortete ich und sah nervös an Rafa vorbei. “Du klangst damals aber ziemlich entschlossen am Telefon” Mhh, da hatte er Recht! Ich stand auf um mir noch etwas Kaffee einzugießen und blieb dann gleich an den Küchenschrank gelehnt stehen. “Du hast dich ja offenbar nicht daran gehalten” Im nächsten Moment stand Rafa auf, er kam langsam näher und blieb direkt vor mir stehen. Ich schluckte erst mal, er war zu nahe. Da werde ich nervös und bin gespannt was gleich passiert.
Die Versuchung ihn einfach zu umarmen war sehr groß. “Ich habe ja anfangs auch gedacht das ich es wohl nicht ändern kann wenn du es nicht willst” ”Aber?” Fragte ich vorsichtig und sah in seine Augen. “Ich wollte dich sehen und ich habe noch nie locker gelassen wenn ich etwas wollte. Außerdem hast du gesagt, dass ich nicht anrufen soll, dass ich nicht herkommen soll hast du nicht gesagt” Kam es dann leise. Ich sah ihn erst mal nur an, dass er mühe hat meinem Blick stand zu halten war offensichtlich. Sicherlich fürchtet er, dass ich ihn wieder abblitzen lasse, ist klar das er das nicht will und daher so zurückhaltend ist.
Das konnte ich mir nicht mehr länger mit ansehen also sah ich nach unten und nahm seine Hand dann in meine. Es fühlte sich richtig gut an seine Hand in meiner zu haben, dass reichte aus das es bei mir wieder kribbelte. Mir wurde jetzt erst klar wie sehr ich ihn vermisst habe in den letzten sechs Wochen. Ich holte tief Luft und sah ihn dann wieder an. “Ich habe dich vermisst” Sagte ich dann leise und biss auf meine Unterlippe. Er entspannte sich gleich etwas und sein Lächeln wurde auch langsam breiter. “Ich dachte schon ich bin dir egal” ”Du müsstest genau wissen, dass das nicht stimmt” Da ich nicht anders konnte, umarmte ich ihn einfach.
Ich dachte ja er will das vielleicht nicht aber da er mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab fuhr, war er dem wohl nicht abgeneigt. Es war richtig schön, ich sah mich schon am Ziel meiner Wünsche, Rafa ist nicht nur schön warm, er riecht auch wieder so lecker. Von mir aus kann die Welt jetzt untergehen, die Nähe zu ihm hatte mir richtig gefehlt. Ich muss verrückt gewesen sein ihn so abblitzen zu lassen am Telefon! Das musste ich erst mal alles genießen, ein bisschen überrumpelt war ich schon von der plötzlichen Nähe zu ihm. Erst trauere ich ihm nach und dann ist er hier und umarmt mich.
Nachdem wir ein paar Minuten so umschlungen standen, löste er sich soweit von mir bis er in mein Gesicht sehen konnte. “Es tut mir leid wie das in Porto Cristo gelaufen ist. Ich wollte dich nicht verletzen” Ich schluckte und nickte dann langsam. “Weiß ich, kann sein das ich etwas überreagiert habe, ich war nur ziemlich schockiert damals” ”Das war nicht meine Absicht. Mir ist klar dass ich mich vielleicht etwas ungünstig ausgedrückt habe aber ich wollte wirklich nicht, dass du glaubst das ich dir nicht vertraue. Wenn ich dir nicht vertrauen würde hätte ich dich doch nie in mein Haus gelassen”
Oh nein, es fängt schon wieder an! Ich kann nicht nein sagen wenn er mich mit dem flehenden Blick ansieht. Mein Widerstand schmolz von Minute zu Minute dahin. “Und jetzt?” Fragte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. “Ich weiß nicht” Kam es zögerlich zurück. Wenn er mich jetzt fragen würde was ich will müsste ich sagen mit ihm zusammen sein aber wer weiß ob ich es wagen würde das zu sagen. “Vielleicht können wir ja doch wieder telefonieren?” Es war richtig schön zu sehen wie er so rumeiert und wohl gespannt auf meine Reaktion ist. “Du willst also nur mit mir telefonieren?” ”No, ich würde dich lieber sehen aber ich will nicht gleich zu viel verlangen” Ok, jetzt reichte es. Statt weiter um den heißen Brei zu reden sollte ich ihm vielleicht mal sagen, dass ich ihn sehen will und das er keine Angst haben muss das ich ihn abblitzen lasse.
“Natürlich will ich dich sehen! Klar war ich erst mal sauer aber ist eben dumm gelaufen” ”Wirklich?” Fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen, was mich nur noch mehr zum lachen brachte. “Sí wirklich. Ich habe dich richtig vermisst die letzten Wochen. Ich habe mich nicht getraut dich anzurufen weil ich ja gesagt habe, dass du mich nicht anrufen sollst. Ich dachte du bist sauer und legst gleich wieder auf” ”Klar war ich sauer, deine Reaktion war ziemlich heftig. Eine Abfuhr in der Art war mir so auch noch nicht passiert. Ich hätte mich trotzdem gefreut wenn du mal angerufen hättest” ”Kann ich ja demnächst wieder tun wenn du das willst” ”Natürlich will ich das! Wenn ich dich schon nicht sehen kann, will ich dich wenigstens hören”
Aww, das klang gut, geht runter wie Öl. “Du kannst von mir aus auch länger hier bleiben wenn du mich unbedingt sehen willst. Kann aber sein du langweilst dich zu Tode wenn ich arbeiten bin” ”Mhh, dass nehme ich in Kauf. No, Spaß bei Seite, ich wollte am Montag zurück fliegen” Das waren keine guten Aussichten, dann ist er ja in zwei Tagen schon wieder weg! Auf der anderen Seite würde er sich wirklich langweilen wenn ich arbeite und ich könnte keinen klaren Gedanken fassen wenn ich weiß das Rafa hier ist und ich arbeiten müsste.
“Dann bist du zwar nicht lange hier aber besser als gar nicht, ich habe nicht damit gerechnet dich überhaupt noch mal zu sehen” ”Das dachte ich auch daher musste ich irgendwie reagieren. Mir gefiel der Gedanke dich nicht mehr zu sehen überhaupt gar nicht” Da waren wir ja schon zu Zweit und ich dachte schon Rafa gibt es irgendwann auf. Ich dachte wirklich das ich alles vermasselt habe als ich sagte das ich nicht mehr mit ihm telefonieren will. Im Gegensatz zu ihm hätte ich mich aber nie getraut einfach so nach Porto Cristo zu fahren um ihn zu überraschen.
Meine Eltern waren als Thema natürlich noch präsent. Vielleicht schnappen die über wenn sie Rafa sehen. Zwar ist Rafa hier in Deutschland nicht wirklich bekannt, was auch erklärt wie er vom Flughafen bis hier her kam ohne ein einziges Autogramm geben zu müssen. Mein Vater interessiert sich aber sehr für alles was in Spanien vor sich geht und Rafa kennt man bis in den hintersten Winkel von Spanien.
Ich rechne jetzt einfach damit das meine Eltern wissen wen sie vor sich haben wenn sie Rafa sehen. Bleibt nur die Frage wie ich ihnen erkläre was Rafa hier macht, ich kann ihn schlecht als meinen Freund vorstellen obwohl es doch amüsant wäre zu sehen wie sie dann reagieren. Da müsste ich zuvor mit Rafa klären wie ich ihn vorstellen kann oder darf. Nicht das er dann sauer ist wenn ich vielleicht sage das wir nur befreundet sind oder so was.
Ich hätte ja lieber noch ein bisschen gewartet wie sich alles entwickelt bevor ich ihn meinen Eltern vorstelle aber es lässt sich nun nicht vermeiden. Kann ja keiner ahnen das Rafa ausgerechnet dieses Wochenende hier auftaucht, ich hätte nie damit gerechnet das er ohne Vorwarnung hier her kommt. Könnte ja sein ich wäre länger nicht da gewesen aber das hat er wohl einkalkuliert.
Mit Rafa hatte ich praktischerweise auch gleich einen Koch. Es ist nicht so das ich ihn zwinge zu kochen, er wollte es ja unbedingt. Ich war sowieso noch unschlüssig was ich mittags esse, meistens entscheide ich das ja spontan. Aus eigener Erfahrung wusste ich ja das Rafa auch mehr kann als nur Spagetti Bolognese aber es gibt ja heute Abend auch noch mal warm. Eigentlich hatte ich gar keine Lust meine Eltern zu sehen.
Klar freue ich mich wenn ich sie sehe aber ich wäre heute lieber mit Rafa alleine. “Ich habe keine Lust auf den Besuch von meinen Eltern” ”Warum nicht?” Inzwischen ging mein Lächeln vom einen Ohr zum anderen. “Weil ich viel lieber mit dir alleine wäre” ”Die gehen doch bestimmt auch mal wieder, no?” ”Trotzdem! Nicht das du denkst ich habe dunkle Absichten, ich meine wir können es ja langsam angehen lassen” ”Dann sollten wir vielleicht doch nicht alleine sein” Ich musste gleich lachen und was er denkt will ich auch gar nicht wissen. Es kann aber schon sein das er Recht hat. Wahrscheinlich würde ich es nicht lange schaffen mich von ihm fern zu halten. Nachdem ich ihn sechs Wochen nicht gesehen habe, hätte ich jetzt nichts gegen ein bisschen mehr Nähe einzuwenden.
“Was denkst du von mir?” Fragte ich dann so und tat übertrieben empört. “Nichts schlimmes” Kam es mit einem unschuldigen Blick. “Du lügst ohne rot zu werden” Er kam näher und blieb direkt vor mir stehen. “Ich würde dich nie anlügen” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog sein Gesicht näher zu meinem. Die Frage ist wie lange ich es schaffe ihn nur anzusehen, ich würde ihn viel lieber küssen. Bevor ich die Nähe genießen konnte küsste er mich aber. Das war zu viel des Guten, ich komme nur auf unanständige Ideen.
Es war wirklich zu lange her das wir uns zu Letzt gesehen hatten und jetzt wo er hier ist wird mir erst klar wie sehr ich ihn vermisst habe. Ich spürte gleich wieder das kribbeln in meinem Bauch. Wie schön das wir Zeit haben und nicht gezwungen sind uns voneinander fern zu halten. Es war einfach richtig schön und ich dachte direkt nicht sofort daran wie ich ihn schnellstmöglich aus seinen Klamotten kriege. Meinetwegen knutschen wir den Rest des Tages, ich hätte nichts dagegen. Zu dumm das wir auch noch Luft holen mussten. Ich war schon total durcheinander als er sich von mir löste, ich hatte schon vermisst wie alles anfängt sich um mich zu drehen.
Wenn er mich küsst, ist es vorbei und ich bin nicht mehr in der Lage nein zu sagen. Ich schlug meine Augen dann wieder auf und sah in seine. “Ich habe das richtig vermisst” Kam es dann leise. Ich zog ein vorsichtiges Lächeln und konnte nicht glauben was eben passiert ist. “Ich auch” Antwortete ich und umarmte ihn dann wieder. Am liebsten würde ich meine Eltern wieder ausladen weil ich nicht weiß was passieren wird. Ich kann nicht versprechen, dass ich meine Finger von Rafa lasse.
Am Nachmittag machten wir uns erst mal auf den Weg zum nächsten Supermarkt. Es sollte ja heute Abend albóndigas geben und Crema Catalana und ich hatte überhaupt keine Zutaten zu Hause. Gespannt war ich schon was passiert wenn Rafa sich unter das Fußvolk mischt. Es war schon irritierend zu sehen das es keinen kümmerte das Rafa hier ist.
So unbekannt kann er doch in Deutschland nicht sein oder? Vielleicht erkennt ihn auch niemand weil ihn hier niemand erwartet und die Leute vielleicht glauben es ist ein Doppelgänger? Kam mir aber auch gelegen, da uns so niemand ablenkte. Zeit war ja noch aber es dauert ja auch eine Weile bis alles fertig ist also konnte ich auch schon eher anfangen mit kochen. Wie gut das Rafa da war, den konnte ich gleich mit einspannen.
Ich kümmere mich um die Tomatensoße während Rafa sich mit den albóndigas beschäftigte. Eigentlich sind es nur Fleischbällchen mit Tomatensoße aber Tomatensoße selbst herstellen ist immer gefährlich. Bei meinem ersten Versuch musste ich danach die Küche neu streichen weil es aussah wie auf einem Schlachtfeld. Da ich keine Ahnung habe ob Rafa sich damit auskennt machte ich es lieber selbst. Nebenbei blieb mir Zeit zu überlegen wie ich Rafa meinen Eltern vorstelle.
Bis jetzt hatten wir da nicht exakt drüber gesprochen aber es wird langsam Zeit wenn wir nicht erst diskutieren wollen wenn es an der Tür klingelt. “Was hättest du denn gerne wie ich meinen Eltern erkläre das du hier bist?” Fragte ich dann direkt. Rafa sah von der Schüssel mit dem Hackfleisch zu mir. “Sie ahnen also nichts?” Ich musste gleich lachen, er fragte das so vorwurfsvoll. ”No, kann keiner wissen das du hier auftauchst und bevor du fragst, sie wissen auch nicht das ich dich kenne” ”Also ich überlasse das dir” Das klang zu schön um wahr zu sein!
”Mhh und dann bist du sauer wenn ich nicht das sage was du hören willst” “Quatsch, es ist schon ok. Wenn du sagst das wir nur Freunde sind ist es auch ok für mich. Ich will dich nicht in Erklärungsnot bringen” Nett von ihm aber ich muss sowieso erklären was ausgerechnet Rafael Nadal bei mir macht. Wäre er nicht bekannt wär's einfacher was zu erfinden aber kann man nicht ändern. Außerdem wäre es blöd ihn als rein platonischen Freund vorzustellen weil meine Eltern nicht blöd sind.
Ich glaube nicht das ich überzeugend rüberbringen kann das ich nur rein freundschaftliches Interesse an ihm habe. Keiner würde doch glauben, dass wir nur Freunde sind selbst wenn es so wäre. Dann nimmt meine Mutter mich noch bei Seite und fragt wen wir verarschen wollen indem wir so tun als wäre nichts.
Als es um sieben war geriet ich doch leicht ins schwitzen. Sie müssten jeden Moment kommen und ich war schon gespannt was gleich passiert. Das Essen war soweit fertig, der Tisch war auch gedeckt, fehlte nur noch der Besuch in Form meiner Eltern. Nervös lief ich im Flur Runden bis Rafa seine Hände auf meinen Schultern hatte und mich so zwang stehen zu bleiben.
“Hey, jetzt entspanne dich mal, es wird schon schief gehen” ”Ich hoffe nicht” ”Was soll passieren? Bei dem Essen kann nichts schief gehen und sie werden schon nicht in Ohnmacht fallen wegen mir” Mehr als ein nervöses lächeln fiel mir nicht ein dazu. Bestimmt hat er Recht, er wird meine Eltern im nu um den Finger wickeln. Eigentlich sollte Rafa aufgeregt sein und nicht ich. „Soll ich mich im Schrank verstecken damit sie mich nicht sehen?“
Fragte er dann mit hochgezogenen Augenbrauen. Die Vorstellung hatte wirklich was. Ich sehe schon vor mir wie meine Mutter nichts ahnend etwas aus dem Schrank holen will und dann Rafa dort findet. Sie würde sicher laut kreischen und dann sagen, dass da jemand in meinem Schrank ist. Das wäre die Krönung von allem. „Jetzt werde mal nicht albern. Wie blöd würde das erst wirken wenn meine Mutter zufällig den Schrank öffnet!“ Meinte ich dann nur mit einem kichern. „Also darauf wäre ich auch gespannt“
Bevor ich länger überlegen konnte klingelte es an der Tür. Ok, showtime! Ich atmete tief durch und drückte dann am Türöffner das sie ins Haus können. Die Tür zu meiner Wohnung öffnete ich schon mal und wartete bis sie oben sind.
Rafa stand hinter mir im Flur und schien zu warten was passiert. Aufgeregt war ich jetzt schon, dass war total neu da es mich normalerweise nicht so ins schwitzen bringt wenn meine Eltern mich besuchen.
Wenige Sekunden später sah ich erst meine Mutter die Treppen nach oben kommen und direkt dahinter meinen Vater. “Hallo, endlich sehen wir dich mal wieder!” Meine Mutter kam näher und umarmte mich als wenn nichts wäre. Mein Vater blieb hinter meiner Mutter stehen und sah an mir vorbei. Obwohl meine Mutter mich umarmte und nichts bemerkte entging mir nicht das Gesicht von meinem Vater als er Rafa sah. Ich hatte schon Angst, dass er gleich mit offenem Mund dasteht und dann mit dem Finger auf Rafa zeigt.
Er räusperte sich dann laut was meine Mutter stutzig machte. Sie löste sich von mir und sah erst zu meinem Vater und dann an mir vorbei. Ihr Gesicht war ähnlich wie das von meinem Vater, nur wusste ich nicht ob sie Rafa erkennt oder einfach nur überrascht ist das ich nicht alleine bin. Jetzt war es wohl meine Aufgabe etwas zu sagen. “Kommen wir ungelegen?” Fragte meine Mutter mit einem erstaunten Blick ehe ich reagieren konnte. “Was? Äh nein, das ist ein bisschen kompliziert” Ich wartete bis meine Eltern in meiner Wohnung waren und machte die Tür dann zu. Ok, jetzt da nicht das halbe Haus zuhörte konnte ich die erste Verwirrung aufklären. Hoffentlich starren meine Eltern Rafa nicht die ganze Zeit so an. Ich stellte mich neben Rafa und sah zu meinen Eltern. “Ja also ich will euch jemanden vorstellen, Rafael Nadal” Ich sah zu Rafa, der zu meinen Eltern sah. “Rafa, meine Mutter Michelle und mein Vater Fernando”
Meine Eltern gaben Rafa nacheinander die Hand und ich wunderte mich darüber wie zurückhaltend Rafa ist. Er lernt doch ständig neue Menschen kennen aber ich weiß ja das er eigentlich eher zurückhaltend ist. Ich scheuchte meine Eltern ins Wohnzimmer und mir entging nicht das riesige imaginäre Fragezeichen über ihren Köpfen schwebten. Es bestand kein Zweifel, dass sie Rafa kannten und daher umso überraschter waren ihn jetzt zu sehen. Kaum dachte ich das meine Eltern brav am Tisch sitzen bleiben, verfolgte mich meine Mutter unter einem fadenscheinigen Vorwand in die Küche. „Wer ist das?“ Fragte sie dann auch gleich direkt.
„Habe ich doch eben gesagt“ “Das meine ich nicht, der kommt mir irgendwie bekannt vor“ Ich musste gleich schmunzeln, meine Mutter überlegt also noch wo sie Rafa einordnen soll. Ich hätte sie gerne raten lassen aber dazu war keine Zeit. „Er spielt Tennis“ Meinte ich dann nur und lief zurück ins Wohnzimmer.
Wir saßen kaum am Tisch als meine lieben Eltern mich schon wieder so ansahen als wenn sie auf eine Erklärung warten. Ich holte tief Luft und hielt unter dem Tisch die Hand von Rafa. “Also, dass war jetzt so alles nicht geplant. Ich hatte euch einfach so zum Essen eingeladen. Rafa ist mehr oder minder überraschend gestern Abend hier aufgetaucht. Ich kenne ihn schon eine Weile und hatte keine Ahnung, dass er plant hier her zu kommen” Ich dachte meine Eltern entspannen sich wieder aber sie sahen uns immer noch mit großen Augen an.
”Ihr kennt euch schon eine Weile?” Fragte mein Vater dann auf Spanisch. “Seit Mai um genau zu sein” Kam Rafa mir gleich zuvor. “Ja genau, ich war doch da mit Sara in Porto Cristo und dann na ja hat sich das irgendwie ergeben” Hing ich mit einem lächeln noch an. Die Gesichter meiner Eltern waren köstlich, mein Vater saß nur da und sah zu Rafa und meine Mutter sah abwechselnd zwischen mir und Rafa hin und her.
Man konnte ihnen ansehen, dass sie nicht so schnell nachkamen mit denken. Zum Glück entspannten sich meine Eltern dann ein wenig, Rafa tut keinem was auch wenn manche das anders sehen. Vielleicht wollten sie ja erst mal abwarten wie Rafa so drauf ist bevor sie etwas sagen. Allmählich benahmen sie sich dann wieder normal, vielleicht kriegen sie es ja hin Rafa nicht in erster Linie als Star oder so was zu sehen. Zu erzählen hatte Rafa jedenfalls genug. Mein Vater dachte wohl er muss die Gunst der Stunde nutzen um ihn auszuquetschen. Bekanntlich machte Rafa jetzt offiziell nichts auch wenn er nächste Woche wieder anfängt mit dem Training.
Über die Knieverletzung war ich auch noch nicht auf dem Laufenden. Noch ist Rafa ja auf Platz drei der Rangliste aber es sieht alles danach aus als wenn er bis zum Jahresende auf den vierten oder wenn es ganz dicke kommt bis auf den fünften Platz abrutscht. Das wäre echt der Hammer wenn er innerhalb von sechs Monaten vom ersten auf den fünften Platz durchgereicht wird nur weil er nicht spielen kann. Na ja, Rafa nahm es mit Humor, ihm bleibt ja auch keine andere Wahl.
27 December 2009
22 December 2009
Chapter 24 - Deutschland
Am übernächsten Tag wollte Sara zu mir kommen. Sie war ja seit gestern wieder hier aber gesehen hatte ich sie noch nicht. Zwar hatten wir mal telefoniert und sie fragte wie es in Österreich war aber nun war's egal also spielte ich das Spiel weiter. Als sie am Telefon sagte dass sie wieder da ist und zu mir kommen will klang sie auch ganz normal also weiß sie wohl immer noch nichts. Ich räumte noch ein bisschen das Chaos in meiner Wohnung auf und lief zur Tür als sie klingelte. Ok, ganz tief durchatmen, alles wird gut! Nach ein paar Minuten kam sie die Treppen nach oben, mit einem für meinen Geschmack zu ernsten Gesicht. Ich versuchte das zu ignorieren und zwang mich zu einem lächeln. “Hey, lange nicht gesehen” ”Hi” Ich dachte sie fällt mir um den Hals aber sie lief an mir vorbei in meine Wohnung. Nichts Böses ahnend machte ich die Tür nach ihr zu. Sie zog ihre Schuhe aus und lief gleich ins Wohnzimmer. “Willst du was trinken?” Fragte ich von der Küche aus. ”Nein, ich bleibe nicht so lange” Ich goss mir selbst Wasser in ein Glas und lief dann auch ins Wohnzimmer. Warum blieb sie stehen und setzt sich nicht hin? Bevor ich dazu kam zu fragen was los ist kramte sie in ihrer Tasche und holte einen Zettel raus. Sie faltete ihn auseinander und gab ihn mir. Ich kam sofort ins schwitzen und griff danach. Im Bruchteil einer Sekunde war mir klar, dass mein Spiel aufgeflogen ist, auf dem Zettel war das gleiche Bild von Rafa und mir was auch schon in der Zeitung gewesen war. Oh weia, ein Albtraum wurde wahr! Ich wünschte mir dass ich auf der Stelle tot umfalle. In meinem Kopf begann sich alles zu drehen während mein Hals trocken wurde. Wie in Trance gab ich ihr den Zettel zurück und musste mich erst mal hinsetzen. Sara blieb stehen und sah mich nur an. Sie machte gar nichts, sie sah mich völlig gleichgültig an, dass machte mir wirklich Angst. Ich holte tief Luft und suchte nach den passenden Worten, sie fielen mir nur nicht ein also sagte ich nichts. Mein Kopf war total leer, ich war unfähig zu reagieren. Was sollte ich auch sagen? “Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass du so etwas machen würdest. Ich meine, das Bild aus der Bar war eine Sache aber das ist echt nicht mehr zu Toppen. Du spielst mir wochenlang vor das du nach Österreich fährst zum Skifahren dabei fliegst du nach Mallorca. Ich dachte erst das muss ein Irrtum sein weil ich dachte, dass ich dich kenne aber das passt überhaupt nicht zu dir. Das du so was machst hätte ich dir nie zugetraut aber anscheinend bedeutet dir unsere Freundschaft nichts. Die sogenannte Freundschaft basiert ja sowieso nur auf Lügen. Weißt du überhaupt was Freundschaft ist? Ich will mich auch gar nicht weiter aufregen weil du es nicht wert bist. Von mir aus werde glücklich mit Rafa, es ist mir egal denn du bist die längste Zeit meine Freundin gewesen” Bevor ich etwas sagen konnte, ließ sie den Zettel auf den Teppich fallen und verschwand mit einem lauten Türknallen aus meiner Wohnung.
Minutenlang starrte ich auf das Bild was auf dem Teppich lag und dachte an gar nichts. Das war eben nicht wirklich passiert oder doch? Sie hat ja gar nicht hysterisch rumgebrüllt und dabei mit den Händen gefuchtelt wie sie es sonst immer tut wenn sie sich so aufregt. Im Gegenteil, sie war total ruhig als wenn nichts passiert wäre. Hat sie mir wirklich eben gesagt das sie nicht mehr mit mir befreundet sein will? Sollte so nach über 10 Jahren alles vorbei sein? Es geht doch nicht das man innerhalb von Sekunden eine jahrelange Freundschaft beendet. Das klang alles so unrealistisch, wie als wäre alles ein Spiel. Sieht so aus als hätte ich eben die Quittung für die letzten Monate bekommen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Da sie so ruhig war fällt es mir schwer zu glauben was passiert ist. Ich hatte es gewusst das es so kommt als ich noch in Porto Cristo war und darüber nachdachte was wäre wenn Rafa mich abserviert und Sara alles rausfindet. Der einzige Unterschied war das Rafa nicht mich abserviert hat sondern ich ihn. Obwohl, er war doch Schuld, hätte er nichts gesagt wäre alles anders gelaufen. Wenn ich an Rafa denke wird Sara plötzlich egal. Vor ein paar Wochen hätte ich nicht gedacht, dass es je zum endgültigen Bruch mit Sara kommen könnte aber es sah alles danach aus. So richtig schockiert mich das auch nicht, ich habe damit gerechnet und hatte mich moralisch darauf eingestellt was schlimmstenfalls passieren würde. Vielleicht zeigt sich auch erst in ein paar Wochen wie sich alles auswirkt, so richtig konnte ich es noch nicht fassen. Womit ich nicht rechnete war wie das mit Rafa endet. Das es so schnell endet hatte ich natürlich nicht gehofft und geahnt als ich nach Mallorca geflogen bin. Damals freute ich mich noch richtig darauf Urlaub zu machen und Rafa zu sehen. Meine Probleme schienen sich in Luft aufzulösen als ich am Flughafen war und auf den Flug nach Palma wartete. Damals dachte ich wirklich ich könnte vor meinen Problemen wegfliegen, dabei sollten noch viel größere auf mich warten. Tja, jetzt hatte ich Stress an allen Fronten und die Aussicht nach Mallorca zu fliegen könnte mich jetzt auch nicht aufheitern. Sicher würde ich da nur noch hinfahren um Urlaub zu machen. Macht aber alleine auch keinen Spaß. So nach und nach wurde mir klar wie irre der Gedanke war gleich auf Mallorca zu bleiben. Ich spielte ja mit dem Gedanke als ich noch in Porto Cristo war, da war ich aber so geblendet von Rafa das mir jedes Mittel recht war um in seiner Nähe bleiben zu können. Es war wohl so was wie die berühmte rosa Brille. Dauerhaft Auswandern hatte ich ja auch nicht vor aber zumindest bis Weihnachten, dann ist Rafa ja sowieso wieder unterwegs. Irgendwo hätte ich dort sicher arbeiten können die paar Monate, Rafa auf der Tasche liegen wollte ich ja auch nicht. Das er mehr als genug Geld hat weiß ich und er würde mir sicher auch welches geben aber dann würde ich mich fühlen als wenn er mich kauft und das ist keine gute Basis. Nun ja, der Traum war ja leider geplatzt. Vielleicht war es gut so, wer weiß was gewesen wäre wenn ich wirklich dort geblieben wäre und er hätte nach mehreren Wochen erst gesagt das er Zweifel hat. Dann hätte ich ein richtiges Problem gehabt.
Deutschland - November
Mitte November waren fast sechs Wochen vergangen seit ich in Spanien war und inzwischen bereute ich es doch. Von Rafa abgesehen hätte es mir eine Menge Stress mit Sara erspart wenn ich damals nicht nach Mallorca geflogen wäre. Hinterher ist man eben immer schlauer. Obwohl ich es für absolut undenkbar gehalten hatte machte Sara Ernst und meldete sich nicht mehr bei mir. Das war wirklich neu für mich, wir konnten erst kaum drei Tage voneinander getrennt sein.
Es war als würde etwas von mir fehlen aber irgendwie gewöhnte ich mich auch daran. Musste ich ja, ich hatte es selbst so kommen lassen und muss eben jetzt damit fertig werden und die Konsequenzen tragen. Was ich eigentlich mit den ganzen Lügen angerichtet hatte war mir jetzt so richtig bewusst. Sie hatte allen Grund sich nicht mehr zu melden.
Das sie es auch durchzieht zeigt ja wie verletzt sie war als sie alles erfahren hat. Ich war davon ausgegangen das sie irgendwann über ihren Schatten springt und sich doch meldet weil sie mich unbedingt über Rafa ausquetschen will. Sie wusste ja nicht das ich gar keinen Kontakt mehr zu ihm habe.
Fragt sich was schlimmer ist, dass Sara sich nicht meldet oder das der Kontakt zu Rafa abgebrochen ist. Er hat tatsächlich meinen Ratschlag befolgt und nicht mehr angerufen. Irgendwie hatte ich gehofft, dass er nicht locker lässt und weiterhin anruft aber nichts passierte. Mir war ja klar das es höchst unwahrscheinlich ist das er sich nochmal meldet aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Es war schon komisch kein Lebenszeichen mehr von ihm zu bekommen.
Er spielte ja nicht mehr also gab es auch keine Berichte und Fotos. Es war als wäre er vom Erdboden verschluckt worden. Sicherlich hätte ich es sowieso nicht fertig gebracht seine Spiele im fernsehen anzusehen, das würde nur zu viele Erinnerungen wachrufen. Sara nervte mich ja auch nicht mehr mit Geschichten über ihn, es kam alles zusammen. Plötzlich hatte ich viel Zeit für andere Freunde und neue Hobbies.
Es ist ja nicht so, dass ich keine Freunde weiter habe aber Sara war eben was besonderes, sie war wie eine Seelenverwandte. Nach und nach kam ich ins grübeln. Es war höchstwahrscheinlich ein Fehler das kurze Abenteuer mit Rafa über die Freundschaft zu ihr zu stellen. Sara kannte ich mein halbes Leben und Rafa nur ein paar Wochen. Das war mehr als dumm alles auf’s Spiel zu setzen nur damit ich Rafa sehen konnte. Das war echt ein Albtraum. Manchmal frage ich mich was ich getan habe das alles so kam.
Vor einem Jahr hätte ich nie geglaubt, dass ich Rafa mal kennen würde und schon gar nicht das er es schaffen würde die Freundschaft zu Sara zu zerstören. Ohne Sara wäre ich doch nie im Mai nach Mallorca gefahren und hätte Rafa wahrscheinlich nie kennengelernt.
Um mich abzulenken ging ich dann eben Freitags Abend mit anderen Leuten weg und auch nicht dort hin wo ich wusste, dass Sara da auch sein könnte. Ich musste es ja nicht zwanghaft auf ein Treffen mit ihr anlegen. Jetzt hatte ich auch genug Zeit mir Flirtopfer zu suchen.
Zeit hatte ich eine Menge und ich muss mir auch nicht überlegen was ich wem erzähle um nicht aufzufliegen. Es war kein Problem Typen zu finden die mich auf Drinks einladen oder die nur zu gerne mit mir flirteten weil sie sich wohl mehr erhofften. Es ist nicht immer von Vorteil wenn man genau weiß was man will und ich wusste genau was ich will. Oder besser gesagt wen! Eigentlich habe ich die Nase voll von dem ganzen Beziehungsmist.
Die können mir alle gestohlen bleiben. Ich sollte vielleicht das Ufer wechseln oder mich auf gar niemanden mehr einlassen. Wenn ich dann alleine in meiner Wohnung war und Zeit zum nachdenken hatte wurde mir nur klar, dass ich immer noch an Rafa hänge und dann wurde mein Frust noch größer. Ich wollte das ja gar nicht aber wenn ich jemanden sehe, ziehe ich gedanklich den Vergleich zu Rafa. Irgendwie vermisse ich ihn schon auch wenn ich es nicht wahr haben wollte.
Er kommt meiner Idealvorstellung von einem Mann näher als mir lieb ist. Das ich ihm nach sechs Wochen immer noch nachtrauere hätte ich nicht gedacht. Ich wollte ja auch nicht mehr an ihn denken aber das war ziemlich schwierig. Es würde mir ja schon reichen erst mal nur seine Stimme zu hören aber ich kann ihn doch nicht einfach anrufen. Seine Nummer habe ich noch und ich dachte auch schon öfters daran ihn anzurufen aber ich wollte es doch so! Ja mir war als ich das sagte das er nicht anrufen soll noch nicht die Tragweite des Ganzen bewusst.
Jetzt, sechs Wochen später, war ich schlauer und ein bisschen sauer auf mich selbst. Durch eigene Dummheit habe ich alles vermasselt. Klar war es übertrieben wie ich reagiert hatte auf seine letzte Äußerung in Porto Cristo aber ich suchte nur einen Aufhänger um mich abzuseilen und das war es dann eben. Vielleicht denkt er ja wirklich das ich nur wegen dem was er gesagt hat so reagiert habe. Ich machte mir schon länger ein paar Gedanken.
Bevor ich mich ganz auf ihn einlasse und dann alles schief geht, springe ich lieber ab so lange ich noch kann. Den Absprung hatte ich ja geschafft nur war ich jetzt auch nicht glücklich, im Gegenteil. Muss wohl so was wie Schicksal sein, es war doch schon mehr als Glück das ich Rafa in Berlin wieder gesehen habe.
Außerdem will er vielleicht gar nicht das ich ihn anrufe, ich würde mir da schon dumm vorkommen. Erst sage ich er soll nicht bei mir anrufen und dann rufe ich ihn an. Das geht ja nun wirklich nicht, am Ende denkt er noch ich weiß nicht was ich will.
Als ich an einem Freitag Abend Ende November mitten in der Nacht nach Hause kam, war ich mal wieder in einer Weltuntergangsstimmung. Alle hatten Spaß mich ausgenommen natürlich. Sinnlos betrinken brachte ja auch nichts außer Kopfschmerzen und zugucken wie alle um mich rum happy sind nutzt mir auch nichts. Es lag sicher an mir selbst aber mir war eben nicht nach Party, nur hatte ich mich überreden lassen und musste dann eben auch gehen. Eine Arbeitskollegin hatte Geburtstag und feierte in einem Club, da konnte ich nicht nein sagen, dass hätte doof ausgesehen wenn alle mitgehen und ich nicht.
Zu allem Überfluss war die Kupplerin vom Dienst, Nicole, wieder in absoluter Hochform. Die hat es echt drauf irgendwelche Typen von der Seite anzuquatschen und mit an unseren Tisch zu schleppen. Das heiterte mich aber auch nicht auf, ich habe keine Lust mit irgendwelchen Leuten zu reden die mir egal sind. Am Ende muss ich noch klar sagen, dass ich nicht beabsichtige meine Telefonnummer wahllos zu verteilen. Die meisten wurde ich auf die Art schnell wieder los, zum Ärger der anderen. Alle regen sich dann auf das ich die Stimmung versaue dabei wurde ich gezwungen mitzugehen. Man könnte das ganze Chaos ja festhalten also suchte ich mein Handy und machte damit ein paar Bilder von der ausgelassenen Runde.
Beim speichern der Bilder kam ich zufällig auf ein Bild von mir und Rafa. Das hatte ich am Pool gemacht an dem Tag als er so gefrustet war weil er nicht mehr spielen durfte. Nach ein paar Stunden verschwand seine Laune dann ja wieder. Das Bild war wirklich gut, es war zu gut, ich stand damals auf dem Rand vom Pool und Rafa hinter mir. So auf Verdacht hatte ich das Handy von mir weggehalten und war überrascht, dass es doch relativ gut geworden war.
Wenn ich jetzt so daran denke, werde ich nur wieder sentimental und zerfließe in Selbstmitleid. Am liebsten würde ich Rafa einfach anrufen, scheiß drauf was er sagt. Er kann von mir aus sagen was er will, Hauptsache er redet überhaupt mit mir.
Eigentlich wollte ich schon viel eher wieder nach Hause aber es dauerte bis um eins in der Nacht ehe ich mich erfolgreich abseilen konnte. Das Wetter passte zu meiner Stimmung, es war kalt und nebelig. Weltuntergang eben. Ich dachte an diesen verregneten Tag in Porto Cristo zurück, damals störte mich der Regen aber jetzt wäre ich lieber auf Mallorca.
Kein Wunder das ich wieder in einer üblen Laune war, dieses kalte und raue Klima vertrage ich ganz schlecht. Der einzige Lichtblick ist das morgen Samstag ist und ich da endlich ausschlafen kann. Zwar muss ich ein bisschen aufräumen und Ordnung machen weil meine Eltern morgen Abend zum Essen zu mir kommen aber es gab schlimmeres.
Es gab keinen besonderen Anlass, sie wollten mich einfach mal besuchen. Bestimmt sind sie wieder neugierig was ich mache und da ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, kommen sie eben zu mir.
Während ich gähnte suchte ich den Haustürschlüssel in meiner Tasche und freute mich auf mein Bett. Ich war jetzt schon müde, der Tag war lang, sehr lang. Ich war ja wie immer unter der Woche halb sieben aufgestanden und fühlte mich jetzt entsprechend ko.
Kalt war es mir auch in dem Kleid und meine Füße taten auch weh von den hohen Schuhen. Die Straßenlaternen warfen immer noch ein bisschen Licht durch die Fenster in den Hausflur also verzichtete ich darauf extra Licht anzumachen und lief im Dunkeln die Treppen nach oben zu meiner Wohnung.
Minutenlang starrte ich auf das Bild was auf dem Teppich lag und dachte an gar nichts. Das war eben nicht wirklich passiert oder doch? Sie hat ja gar nicht hysterisch rumgebrüllt und dabei mit den Händen gefuchtelt wie sie es sonst immer tut wenn sie sich so aufregt. Im Gegenteil, sie war total ruhig als wenn nichts passiert wäre. Hat sie mir wirklich eben gesagt das sie nicht mehr mit mir befreundet sein will? Sollte so nach über 10 Jahren alles vorbei sein? Es geht doch nicht das man innerhalb von Sekunden eine jahrelange Freundschaft beendet. Das klang alles so unrealistisch, wie als wäre alles ein Spiel. Sieht so aus als hätte ich eben die Quittung für die letzten Monate bekommen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Da sie so ruhig war fällt es mir schwer zu glauben was passiert ist. Ich hatte es gewusst das es so kommt als ich noch in Porto Cristo war und darüber nachdachte was wäre wenn Rafa mich abserviert und Sara alles rausfindet. Der einzige Unterschied war das Rafa nicht mich abserviert hat sondern ich ihn. Obwohl, er war doch Schuld, hätte er nichts gesagt wäre alles anders gelaufen. Wenn ich an Rafa denke wird Sara plötzlich egal. Vor ein paar Wochen hätte ich nicht gedacht, dass es je zum endgültigen Bruch mit Sara kommen könnte aber es sah alles danach aus. So richtig schockiert mich das auch nicht, ich habe damit gerechnet und hatte mich moralisch darauf eingestellt was schlimmstenfalls passieren würde. Vielleicht zeigt sich auch erst in ein paar Wochen wie sich alles auswirkt, so richtig konnte ich es noch nicht fassen. Womit ich nicht rechnete war wie das mit Rafa endet. Das es so schnell endet hatte ich natürlich nicht gehofft und geahnt als ich nach Mallorca geflogen bin. Damals freute ich mich noch richtig darauf Urlaub zu machen und Rafa zu sehen. Meine Probleme schienen sich in Luft aufzulösen als ich am Flughafen war und auf den Flug nach Palma wartete. Damals dachte ich wirklich ich könnte vor meinen Problemen wegfliegen, dabei sollten noch viel größere auf mich warten. Tja, jetzt hatte ich Stress an allen Fronten und die Aussicht nach Mallorca zu fliegen könnte mich jetzt auch nicht aufheitern. Sicher würde ich da nur noch hinfahren um Urlaub zu machen. Macht aber alleine auch keinen Spaß. So nach und nach wurde mir klar wie irre der Gedanke war gleich auf Mallorca zu bleiben. Ich spielte ja mit dem Gedanke als ich noch in Porto Cristo war, da war ich aber so geblendet von Rafa das mir jedes Mittel recht war um in seiner Nähe bleiben zu können. Es war wohl so was wie die berühmte rosa Brille. Dauerhaft Auswandern hatte ich ja auch nicht vor aber zumindest bis Weihnachten, dann ist Rafa ja sowieso wieder unterwegs. Irgendwo hätte ich dort sicher arbeiten können die paar Monate, Rafa auf der Tasche liegen wollte ich ja auch nicht. Das er mehr als genug Geld hat weiß ich und er würde mir sicher auch welches geben aber dann würde ich mich fühlen als wenn er mich kauft und das ist keine gute Basis. Nun ja, der Traum war ja leider geplatzt. Vielleicht war es gut so, wer weiß was gewesen wäre wenn ich wirklich dort geblieben wäre und er hätte nach mehreren Wochen erst gesagt das er Zweifel hat. Dann hätte ich ein richtiges Problem gehabt.
Deutschland - November
Mitte November waren fast sechs Wochen vergangen seit ich in Spanien war und inzwischen bereute ich es doch. Von Rafa abgesehen hätte es mir eine Menge Stress mit Sara erspart wenn ich damals nicht nach Mallorca geflogen wäre. Hinterher ist man eben immer schlauer. Obwohl ich es für absolut undenkbar gehalten hatte machte Sara Ernst und meldete sich nicht mehr bei mir. Das war wirklich neu für mich, wir konnten erst kaum drei Tage voneinander getrennt sein.
Es war als würde etwas von mir fehlen aber irgendwie gewöhnte ich mich auch daran. Musste ich ja, ich hatte es selbst so kommen lassen und muss eben jetzt damit fertig werden und die Konsequenzen tragen. Was ich eigentlich mit den ganzen Lügen angerichtet hatte war mir jetzt so richtig bewusst. Sie hatte allen Grund sich nicht mehr zu melden.
Das sie es auch durchzieht zeigt ja wie verletzt sie war als sie alles erfahren hat. Ich war davon ausgegangen das sie irgendwann über ihren Schatten springt und sich doch meldet weil sie mich unbedingt über Rafa ausquetschen will. Sie wusste ja nicht das ich gar keinen Kontakt mehr zu ihm habe.
Fragt sich was schlimmer ist, dass Sara sich nicht meldet oder das der Kontakt zu Rafa abgebrochen ist. Er hat tatsächlich meinen Ratschlag befolgt und nicht mehr angerufen. Irgendwie hatte ich gehofft, dass er nicht locker lässt und weiterhin anruft aber nichts passierte. Mir war ja klar das es höchst unwahrscheinlich ist das er sich nochmal meldet aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Es war schon komisch kein Lebenszeichen mehr von ihm zu bekommen.
Er spielte ja nicht mehr also gab es auch keine Berichte und Fotos. Es war als wäre er vom Erdboden verschluckt worden. Sicherlich hätte ich es sowieso nicht fertig gebracht seine Spiele im fernsehen anzusehen, das würde nur zu viele Erinnerungen wachrufen. Sara nervte mich ja auch nicht mehr mit Geschichten über ihn, es kam alles zusammen. Plötzlich hatte ich viel Zeit für andere Freunde und neue Hobbies.
Es ist ja nicht so, dass ich keine Freunde weiter habe aber Sara war eben was besonderes, sie war wie eine Seelenverwandte. Nach und nach kam ich ins grübeln. Es war höchstwahrscheinlich ein Fehler das kurze Abenteuer mit Rafa über die Freundschaft zu ihr zu stellen. Sara kannte ich mein halbes Leben und Rafa nur ein paar Wochen. Das war mehr als dumm alles auf’s Spiel zu setzen nur damit ich Rafa sehen konnte. Das war echt ein Albtraum. Manchmal frage ich mich was ich getan habe das alles so kam.
Vor einem Jahr hätte ich nie geglaubt, dass ich Rafa mal kennen würde und schon gar nicht das er es schaffen würde die Freundschaft zu Sara zu zerstören. Ohne Sara wäre ich doch nie im Mai nach Mallorca gefahren und hätte Rafa wahrscheinlich nie kennengelernt.
Um mich abzulenken ging ich dann eben Freitags Abend mit anderen Leuten weg und auch nicht dort hin wo ich wusste, dass Sara da auch sein könnte. Ich musste es ja nicht zwanghaft auf ein Treffen mit ihr anlegen. Jetzt hatte ich auch genug Zeit mir Flirtopfer zu suchen.
Zeit hatte ich eine Menge und ich muss mir auch nicht überlegen was ich wem erzähle um nicht aufzufliegen. Es war kein Problem Typen zu finden die mich auf Drinks einladen oder die nur zu gerne mit mir flirteten weil sie sich wohl mehr erhofften. Es ist nicht immer von Vorteil wenn man genau weiß was man will und ich wusste genau was ich will. Oder besser gesagt wen! Eigentlich habe ich die Nase voll von dem ganzen Beziehungsmist.
Die können mir alle gestohlen bleiben. Ich sollte vielleicht das Ufer wechseln oder mich auf gar niemanden mehr einlassen. Wenn ich dann alleine in meiner Wohnung war und Zeit zum nachdenken hatte wurde mir nur klar, dass ich immer noch an Rafa hänge und dann wurde mein Frust noch größer. Ich wollte das ja gar nicht aber wenn ich jemanden sehe, ziehe ich gedanklich den Vergleich zu Rafa. Irgendwie vermisse ich ihn schon auch wenn ich es nicht wahr haben wollte.
Er kommt meiner Idealvorstellung von einem Mann näher als mir lieb ist. Das ich ihm nach sechs Wochen immer noch nachtrauere hätte ich nicht gedacht. Ich wollte ja auch nicht mehr an ihn denken aber das war ziemlich schwierig. Es würde mir ja schon reichen erst mal nur seine Stimme zu hören aber ich kann ihn doch nicht einfach anrufen. Seine Nummer habe ich noch und ich dachte auch schon öfters daran ihn anzurufen aber ich wollte es doch so! Ja mir war als ich das sagte das er nicht anrufen soll noch nicht die Tragweite des Ganzen bewusst.
Jetzt, sechs Wochen später, war ich schlauer und ein bisschen sauer auf mich selbst. Durch eigene Dummheit habe ich alles vermasselt. Klar war es übertrieben wie ich reagiert hatte auf seine letzte Äußerung in Porto Cristo aber ich suchte nur einen Aufhänger um mich abzuseilen und das war es dann eben. Vielleicht denkt er ja wirklich das ich nur wegen dem was er gesagt hat so reagiert habe. Ich machte mir schon länger ein paar Gedanken.
Bevor ich mich ganz auf ihn einlasse und dann alles schief geht, springe ich lieber ab so lange ich noch kann. Den Absprung hatte ich ja geschafft nur war ich jetzt auch nicht glücklich, im Gegenteil. Muss wohl so was wie Schicksal sein, es war doch schon mehr als Glück das ich Rafa in Berlin wieder gesehen habe.
Außerdem will er vielleicht gar nicht das ich ihn anrufe, ich würde mir da schon dumm vorkommen. Erst sage ich er soll nicht bei mir anrufen und dann rufe ich ihn an. Das geht ja nun wirklich nicht, am Ende denkt er noch ich weiß nicht was ich will.
Als ich an einem Freitag Abend Ende November mitten in der Nacht nach Hause kam, war ich mal wieder in einer Weltuntergangsstimmung. Alle hatten Spaß mich ausgenommen natürlich. Sinnlos betrinken brachte ja auch nichts außer Kopfschmerzen und zugucken wie alle um mich rum happy sind nutzt mir auch nichts. Es lag sicher an mir selbst aber mir war eben nicht nach Party, nur hatte ich mich überreden lassen und musste dann eben auch gehen. Eine Arbeitskollegin hatte Geburtstag und feierte in einem Club, da konnte ich nicht nein sagen, dass hätte doof ausgesehen wenn alle mitgehen und ich nicht.
Zu allem Überfluss war die Kupplerin vom Dienst, Nicole, wieder in absoluter Hochform. Die hat es echt drauf irgendwelche Typen von der Seite anzuquatschen und mit an unseren Tisch zu schleppen. Das heiterte mich aber auch nicht auf, ich habe keine Lust mit irgendwelchen Leuten zu reden die mir egal sind. Am Ende muss ich noch klar sagen, dass ich nicht beabsichtige meine Telefonnummer wahllos zu verteilen. Die meisten wurde ich auf die Art schnell wieder los, zum Ärger der anderen. Alle regen sich dann auf das ich die Stimmung versaue dabei wurde ich gezwungen mitzugehen. Man könnte das ganze Chaos ja festhalten also suchte ich mein Handy und machte damit ein paar Bilder von der ausgelassenen Runde.
Beim speichern der Bilder kam ich zufällig auf ein Bild von mir und Rafa. Das hatte ich am Pool gemacht an dem Tag als er so gefrustet war weil er nicht mehr spielen durfte. Nach ein paar Stunden verschwand seine Laune dann ja wieder. Das Bild war wirklich gut, es war zu gut, ich stand damals auf dem Rand vom Pool und Rafa hinter mir. So auf Verdacht hatte ich das Handy von mir weggehalten und war überrascht, dass es doch relativ gut geworden war.
Wenn ich jetzt so daran denke, werde ich nur wieder sentimental und zerfließe in Selbstmitleid. Am liebsten würde ich Rafa einfach anrufen, scheiß drauf was er sagt. Er kann von mir aus sagen was er will, Hauptsache er redet überhaupt mit mir.
Eigentlich wollte ich schon viel eher wieder nach Hause aber es dauerte bis um eins in der Nacht ehe ich mich erfolgreich abseilen konnte. Das Wetter passte zu meiner Stimmung, es war kalt und nebelig. Weltuntergang eben. Ich dachte an diesen verregneten Tag in Porto Cristo zurück, damals störte mich der Regen aber jetzt wäre ich lieber auf Mallorca.
Kein Wunder das ich wieder in einer üblen Laune war, dieses kalte und raue Klima vertrage ich ganz schlecht. Der einzige Lichtblick ist das morgen Samstag ist und ich da endlich ausschlafen kann. Zwar muss ich ein bisschen aufräumen und Ordnung machen weil meine Eltern morgen Abend zum Essen zu mir kommen aber es gab schlimmeres.
Es gab keinen besonderen Anlass, sie wollten mich einfach mal besuchen. Bestimmt sind sie wieder neugierig was ich mache und da ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, kommen sie eben zu mir.
Während ich gähnte suchte ich den Haustürschlüssel in meiner Tasche und freute mich auf mein Bett. Ich war jetzt schon müde, der Tag war lang, sehr lang. Ich war ja wie immer unter der Woche halb sieben aufgestanden und fühlte mich jetzt entsprechend ko.
Kalt war es mir auch in dem Kleid und meine Füße taten auch weh von den hohen Schuhen. Die Straßenlaternen warfen immer noch ein bisschen Licht durch die Fenster in den Hausflur also verzichtete ich darauf extra Licht anzumachen und lief im Dunkeln die Treppen nach oben zu meiner Wohnung.
15 December 2009
Chapter 23
Obwohl es mir schwer fällt mir nichts anmerken zu lassen ging ich dann mit einem gefassten Gesicht wieder nach unten und wollte Rafa eigentlich nur sagen wie es jetzt weiter geht, nämlich gar nicht. Den Flug hatte ich eben umgebucht auf heute Abend. Unter den gegebenen Umständen sehe ich keinen Grund länger hier zu bleiben. Ich versuche nicht ihn davon zu überzeugen, dass ich ihm nichts vor mache. Wenn er von selbst nicht darauf kommt, tut es mir leid. Das war auch der springende Punkt, dass er denkt ich spiele ihm alles vor.
Hätte er mir nicht geglaubt wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich ihn liebe? Was für ein Glück das ich nichts in der Richtung gesagt hatte, ich hätte mich total zum Deppen gemacht! Er stand noch immer an derselben Stelle wie vorhin und wich meinem Blick aus. Ich schluckte kräftig und versuchte ruhig zu bleiben, sehr gerne würde ich ihm sagen wie beschissen sich das anfühlt so etwas zu hören.
Meine anfängliche Begeisterung für ihn schlug in das Gegenteil um, ich will ihn nicht länger als nötig sehen, er hat ja seinen Standpunkt klar gemacht. “Ich fliege heute Abend nach Hause” Sagte ich dann nur und hoffte das es schnell vorbei ist. Er blieb stehen und sah mich nur an ohne ein Wort zu sagen. Mir entging nicht das er kräftig schluckte, anscheinend überlegte er weil er wohl nicht damit gerechnet hat. Ist er jetzt schockiert weil ich nach Hause will? “Was? Warum denn? Ich habe das nicht so gemeint. Ich meine, dass soll nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will, du kannst wirklich noch hier bleiben”
Kam es dann leise mit einem verlegenen Blick. Ich hob meine Hände abwehrend und hatte Mühe nicht die Kontrolle über mich zu verlieren. Noch ein paar Minuten und es fließen Tränen. “Ist schon gut, es ist dein Recht deine Meinung zu äußern” Da ich keinen Grund sah länger hier zu stehen lief ich wieder nach oben. Ich schloss die Tür und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Im nächsten Moment floss auch schon die erste Träne. Ich war so enttäuscht von ihm dass ich nicht anders konnte. “Amaia” Kam es plötzlich von der anderen Seite der Tür.
Ich wischte mir die Tränen weg und schniefte. “Verschwinde” ”Mach’ die Tür auf!” Er lässt sowieso nicht locker also stand ich auf und schloss wieder auf. Zwar versuchte ich die Tränen wegzuwischen aber von mir aus soll er ruhig sehen was er angerichtet hat. Kaum war ich von der Tür weg kam er rein. “Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen. Ich wollte dir nicht vorwerfen dass du mir etwas vor machst. Ich will nur wissen woran ich bin weil ich Angst habe mich auf jemanden einzulassen. Kannst du das nicht verstehen nachdem du mir gesagt hast was du mit Sara machst?” Erwartet er Mitleid von mir? Ich sah an ihm vorbei und dann wieder zu meinem Koffer. “Meine Entscheidung steht fest. Ich gehe, versuche gar nicht erst mich zu erreichen, ich brauche Zeit zum nachdenken” Er kam näher und blieb direkt vor mir stehen. “Du willst wirklich deswegen gehen?“ Ich wich einen Schritt zurück da er mir zu nahe war.
Ja ja, genau das wollte ich, wieso kapiert er es nicht? Glaubt er ich mache eben einen Scherz? Da ich mich weigerte ihn anzusehen hob er mit seiner Hand mein Kinn und zwang mich so ihn anzusehen. Wenn er so nah vor mir steht komme ich wieder ins schwanken doch weich zu werden. Klar wäre es verlockend das er mich umarmt und sagt das alles wieder gut wird. “Ich will nicht, dass es so endet mit uns” Sagte er dann leise. Ich schluckte und rang um Fassung. “Es gibt kein uns” Er biss auf seine Unterlippe und schloss seine Augen. Es fällt mir sehr schwer ihn auf Distanz zu halten aber er hat sich das selbst zuzuschreiben. Er ging dann einen Schritt zurück und nickte mit dem Kopf. “Wie du meinst. Willst du es dir nicht noch mal überlegen?”
Ich blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen und hatte Mühe nicht auf seinen flehenden Blick reinzufallen. “No” Sagte ich dann nur ernst und wich seinem Blick aus. Gab er jetzt endlich auf? Auch gut, umso einfacher für mich. Ich nahm meinen Koffer und den Schirm und überlegte was ich noch sage. “Adíos” Er sah stur auf den Boden und sagte nichts also ging ich.
So schnell es ging packte ich meine Sachen ins Auto und fuhr dann los ohne noch mal zurück zu sehen. Selbst als ich am Flughafen war hatte ich noch nicht richtig realisiert was passiert war. Obwohl, es war ganz einfach. Genau das was ich vor eine Woche befürchtet hatte war passiert. Erst fürchtete ich Stress mit Sara aber das war inzwischen egal geworden. Das mit Rafa war etwas anderes.
Ich kam nicht darüber weg was passiert ist, zum Glück gab es noch einen Flug heute. Sonst wäre ich in ein Hotel gegangen, unter diesen Umständen will ich Rafa nicht mehr sehen. Woher weiß ich denn ob er nicht weiter an mir zweifelt? Nein, dann lieber gleich einen Schlussstrich ziehen. Gestern dachte ich noch daran länger hier zu bleiben und jetzt das. Wie schnell sich doch alles ändern konnte. Es erwischte mich aus heiterem Himmel da ich wirklich nichts Böses ahnte.
Die Entfernung war offensichtlich das geringste Problem zwischen uns. Wobei, es gab kein uns mehr. Nie hätte ich gedacht, dass ich es bereuen würde hier her gekommen zu sein. Das war es dann wohl. Zwar denke ich das Rafa früher oder später versuchen wird mich zu erreichen aber es wäre vielleicht am Besten wenn ich das Kapitel schließe und nach vorn sehe.
Sieben Stunden nachdem ich in Porto Cristo losgefahren war zum Flughafen war ich wieder zu Hause in meiner Wohnung. Ich fühlte mich wie im falschen Film. Es kam mir vor als wäre ich nie auf Mallorca gewesen, es war so weit weg alles. War auch gut, so muss ich nicht befürchten das Rafa hier auftauchen könnte. Wie sehr hatte ich mich erst gefreut das es klappte mit dem Rückflug drei Tage später.
Mir hätte Klar sein müssen, dass es alles zu schön war und das es so nicht bleiben konnte. Kam mir doch gleich komisch vor als er sagte das er mich nicht verstecken will vor der Öffentlichkeit. Da steht er hinter mir und dann zweifelt er plötzlich an allem. Hatte ich vielleicht ein wenig überreagiert mit der überstürzten Abreise? Kann sein aber ich konnte nicht anders, ich wollte nur noch weg. Wenn wir das diskutiert hätten wäre es nur noch schlimmer geworden.
Die nächsten Tage verkroch ich mich in meiner Wohnung und ging nur raus wenn es absolut unvermeidbar war. Sara war ja noch in Spanien und meine Eltern ahnten auch nichts Böses also hatte ich meine Ruhe und konnte so ganz entspannt in Selbstmitleid ertrinken. Da ich ja noch Urlaub hatte blieb so genug Zeit zum grübeln. Ich wollte ja nicht das Rafa mich so aus der Bahn wirft weil er es nicht wert ist aber ich konnte nicht anders.
Ich kann auch nichts dafür das ich nicht von ihm los komme und er sich wieder der letzte Idiot benimmt. Hätte ich mich nicht so auf ihn eingelassen, wäre es jetzt auch nicht so schwer alles zu vergessen. Ich vermisste ihn schon nach drei Tagen aber das würde ich ihm niemals sagen. Er rief natürlich an obwohl ich gesagt habe das er es nicht tun soll. Nun, was er zu sagen hat ist mir egal also ging ich gar nicht erst ran wenn er anrief. Egal ist er mir natürlich nicht, ich würde am liebsten sofort wieder nach Mallorca fliegen. So einfach komme ich nicht mehr los von ihm aber ich war so verletzt und sauer auf ihn.
An dem Tag als ich zurückgeflogen bin war ich mir sicher, dass ich ihn nie wieder sehen will, das sah drei Tage später schon anders aus. Nach drei Tagen ohne ein Lebenszeichen von ihm wurde mir langsam klar, dass ich ihn doch mehr als ein bisschen vermisse. Das war noch harmlos formuliert, mir ging es wirklich gar nicht gut. Ich grübelte von früh bis spät und musste erst mal alles sacken lassen. Vielleicht habe ich ja auch überreagiert aber ich konnte in dem Moment nicht anders.
So nach und nach beruhigte ich mich dann wieder etwas, als ich wieder arbeiten musste hatte ich auch nicht mehr so viel Zeit zum nachdenken. Meine Entscheidung war gefallen und daran gab es kein rütteln mehr. Ich mache mich nicht von einem Rafael Nadal abhängig und ich laufe ihm sicher auch nicht nach. War vielleicht der falsche Weg einfach aufzugeben aber ich wollte nicht länger darüber nachdenken. Er hat sowieso bald keine Zeit mehr weil er um die Welt fliegt also warum unnötig Energie investieren? Ist sowieso alles zu kompliziert. Wer weiß was er mir nächstes mal unterstellt also verzichte ich lieber darauf ihn zu sehen. Das lief eben dumm alles, ich werde es überleben.
Da ich sonst ja doch nicht von ihm los komme, hatte ich mich dazu entschieden den Kontakt zu ihm ganz abzubrechen. Das musste ich ihm nur noch sagen, das war ich ihm ja schuldig nachdem er so hartnäckig versuchte mich zu erreichen. Er rief die ersten Tage jeden Tag an aber irgendwann gab er auf da ich nie ran ging.
Ich nahm eine Woche nachdem ich so überstürzt zurückgeflogen war allen Mut zusammen und wollte es dann hinter mich bringen und alles vergessen. Mein Hals wurde ganz trocken als ich seine Nummer wählte und dann wartete bis jemand ran ging. Mein Kopf war total leer, was soll ich nur sagen?
Am liebsten wäre es mir wenn er gar nicht ran geht, da brauche ich nichts sagen. Ich fürchte, dass er es nicht gut finden wird, dass ich den Kontakt abbrechen will aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen. Aufgeregt war ich auch, meine Hände waren schon ganz feucht und ich rutschte unruhig auf dem Stuhl umher. “Sí?” Kam es plötzlich und ich wurde in meinen Gedanken gestört. Aww, es klang richtig gut seine Stimme zu hören auch wenn er nur ein Wort sagte. Wie soll ich nur anfangen? “Ich bin es” Sagte ich dann zögerlich und war auf seine Reaktion gespannt.
Ein paar Sekunden war es ruhig in der Leitung, hoffentlich legt er nicht einfach wieder auf. “Hi, ich dachte schon du meldest dich nie mehr” Kam es dann leise zurück. Ich hatte Mühe mich nicht ablenken zu lassen, es war zu schön wieder mit ihm zu reden. “Deswegen rufe ich an. Ich weiß das du angerufen hast aber ich musste erst mal nachdenken” ”Mhh” Kam es dann nur kaum hörbar. Es entstand gleich wieder so eine unangenehme Stille, Rafa wollte wohl warten was ich sage und ich wusste nicht wie ich es sagen soll das ich nicht mehr mit ihm reden will obwohl ich jetzt schon ins schwanken kam, die Vorstellung ihn noch mal zu sehen war sehr verlockend. Nie hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein kann mit ihm zu telefonieren, sonst fiel mir auch immer mehr als genug ein worüber wir reden konnten.
Ich räusperte mich dann laut und dachte jetzt oder nie. “Ich ähm denke das es am Besten ist wenn wir uns nicht mehr sehen” Sagte ich schließlich und schluckte kräftig. Puh, war ich froh das ich das gesagt hatte! ”Was?” Kam es etwas lauter bevor es wieder ruhig war in der Leitung. War er jetzt schockiert? So interpretiere ich seine Reaktion jedenfalls. “Du willst den Kontakt ganz abbrechen?” Fragte er nach ein paar Sekunden, ich sah ihn zwar nicht aber so wie er das sagte, hat er nicht damit gerechnet, dass ich gar nicht mehr mit ihm telefonieren will. Wahrscheinlich ging er davon aus das ich mich nach einer Weile schon wieder beruhige und dann alles vergessen ist.
“Sí” Sagte ich dann ernst und das kostete mich wirklich Überwindung. Eine Weile herrschte wieder Stille. “Dann bleibt mir wohl keine Wahl als deine Entscheidung zu akzeptieren” Kam es ein paar Augenblicke später nicht mehr ganz so freundlich. Mir entging nicht das er sich etwas anderes erhofft hatte und jetzt wohl entsprechend enttäuscht war, er machte sich auch nicht die Mühe das zu verbergen. Das zeigt zwar das ich ihm doch nicht egal bin aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. “Es tut mir leid” Sagte ich leise und merkte wie mir das Wasser in die Augen stieg.
Zum Glück sah ich ihn nicht sonst würde ich es nie fertig bringen ihm zu sagen, dass ich ihn nicht sehen will obwohl das Gegenteil der Fall ist. “No, muss es nicht auch wenn ich nicht verstehen kann warum du den Kontakt abbrechen willst. Ich war damals nur ehrlich und hätte nicht damit gerechnet was das für Konsequenzen hat. Wäre es dir lieber gewesen ich hätte gar nichts gesagt? Ich habe das nicht gesagt weil ich daran zweifle warum du da warst” Ich schüttelte mit dem Kopf und war froh das ich ihn jetzt nicht sehe sonst würde ich wieder schwach werden.
“Ist egal jetzt, es spielt keine Rolle mehr” ”Für mich schon, wenn du nicht mehr mit mir reden willst, dann sollten wir das wenigstens klären denn ich will nicht das es so endet” Warum lässt er einfach nicht locker? So langsam beschlich mich das Gefühl, das es nicht so friedlich bleibt wenn er nicht locker lässt, streiten will ich nicht mit ihm. “Was willst du klären? Da ist nichts zu klären! Ich meine es fühlte sich wirklich richtig gut an das du mir vorwirfst das ich dir alles nur vorspiele” ”So habe ich das doch gar nicht gemeint. Ich dachte nur darüber nach, ich stelle doch nicht gleich alles in Frage. Kannst du das nicht verstehen, dass ich wissen will auf wen ich mich einlasse? Kann sein das ich zu misstrauisch bin aber mir bleibt keine Wahl, ich will nicht das jemand nur wegen meinem Name mit mir zusammen ist”
Ich wurde wieder nachdenklich und sah nach unten auf den Teppich. “Genau das ist das Problem. Ich dachte du merkst das von selbst, dass ich dir nichts vorspiele, ich habe keine Lust mich für meine Gefühle zu rechtfertigen und wenn du der Ansicht bist, dass ich es nicht ernst meine, ist das nicht mein Problem. Für mich gab es keinen Grund noch länger bei dir zu bleiben, da du offensichtlich denkst das ich nicht wegen dir dort war konnte ich ja auch gehen” ”Ich habe nie gesagt, das ich glaube das du nicht wegen mir da warst. Ich wollte nicht das du gehst, ehrlich gesagt war ich mehr als nur überrascht, dass du gleich geflüchtet bist. Das du nachdenken wolltest kann ich verstehen aber das du jetzt den Kontakt ganz abbrechen willst finde ich übertrieben”
Er gibt nicht auf oder? Ich hatte auch keine Lust mehr mich noch länger zu rechtfertigen. “Rafael, lasse es gut sein” “Wie du meinst” Kam es nach einer kurzen Pause. Was sollte ich jetzt noch sagen? Ich hatte ja sonst auch keine Lust mich von ihm zu verabschieden aber das war etwas anderes. “Es tut mir leid wenn du dir das anders vorgestellt hast. Ich wünsche dir was und rufe bitte nicht mehr bei mir an” ”Werde ich nicht, dann bleibt mir wohl nichts mehr zu sagen außer adíos”
Ich biss auf meine Unterlippe und versuchte meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Noch was sagen konnte ich nicht also legte ich einfach auf.
Die nächsten Minuten saß ich da wie erstarrt und sah auf das Telefon in meiner Hand. Langsam wurde mir klar, dass es das war, es ist vorbei! Ich fühlte mich wie taub. Erst dachte ich, dass ich in Tränen ausbrechen würde wenn ich auflege aber es ging irgendwie nicht.
So richtig wollte ich nicht glauben dass es wirklich so endet. Ich telefoniere normalerweise aller zwei Tage mit Rafa. Mir fehlte schon die letzte Woche was und jetzt soll ich nie mehr mit ihm reden? Es bringt mich doch zum nachdenken das er nach allem was abgelaufen ist trotzdem noch mit mir in Kontakt bleiben wollte. War ja egal jetzt, ich sollte nicht darüber nachdenken, es zieht mich nur runter. Morgen kommt Sara wieder und wenn die jetzt auch noch anfängt mir auf die Nerven zu gehen, kriege ich die Krise.
Vielleicht weiß sie ja noch nichts von den Bildern aber irgendwann ist sie ja wieder hier und spätestens dann geht sie wieder jeden Tag ins Internet und guckt was sie verpasst hat die letzte Woche. Irgendwie war es mir aber eben total egal ob sie es rausfindet oder nicht.
Ich könnte noch was retten indem ich es ihr vorher sage aber jetzt war es auch egal und ich habe jetzt keine Energie mich mit ihr zu streiten da ich andere Probleme hatte.
Hätte er mir nicht geglaubt wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich ihn liebe? Was für ein Glück das ich nichts in der Richtung gesagt hatte, ich hätte mich total zum Deppen gemacht! Er stand noch immer an derselben Stelle wie vorhin und wich meinem Blick aus. Ich schluckte kräftig und versuchte ruhig zu bleiben, sehr gerne würde ich ihm sagen wie beschissen sich das anfühlt so etwas zu hören.
Meine anfängliche Begeisterung für ihn schlug in das Gegenteil um, ich will ihn nicht länger als nötig sehen, er hat ja seinen Standpunkt klar gemacht. “Ich fliege heute Abend nach Hause” Sagte ich dann nur und hoffte das es schnell vorbei ist. Er blieb stehen und sah mich nur an ohne ein Wort zu sagen. Mir entging nicht das er kräftig schluckte, anscheinend überlegte er weil er wohl nicht damit gerechnet hat. Ist er jetzt schockiert weil ich nach Hause will? “Was? Warum denn? Ich habe das nicht so gemeint. Ich meine, dass soll nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will, du kannst wirklich noch hier bleiben”
Kam es dann leise mit einem verlegenen Blick. Ich hob meine Hände abwehrend und hatte Mühe nicht die Kontrolle über mich zu verlieren. Noch ein paar Minuten und es fließen Tränen. “Ist schon gut, es ist dein Recht deine Meinung zu äußern” Da ich keinen Grund sah länger hier zu stehen lief ich wieder nach oben. Ich schloss die Tür und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Im nächsten Moment floss auch schon die erste Träne. Ich war so enttäuscht von ihm dass ich nicht anders konnte. “Amaia” Kam es plötzlich von der anderen Seite der Tür.
Ich wischte mir die Tränen weg und schniefte. “Verschwinde” ”Mach’ die Tür auf!” Er lässt sowieso nicht locker also stand ich auf und schloss wieder auf. Zwar versuchte ich die Tränen wegzuwischen aber von mir aus soll er ruhig sehen was er angerichtet hat. Kaum war ich von der Tür weg kam er rein. “Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen. Ich wollte dir nicht vorwerfen dass du mir etwas vor machst. Ich will nur wissen woran ich bin weil ich Angst habe mich auf jemanden einzulassen. Kannst du das nicht verstehen nachdem du mir gesagt hast was du mit Sara machst?” Erwartet er Mitleid von mir? Ich sah an ihm vorbei und dann wieder zu meinem Koffer. “Meine Entscheidung steht fest. Ich gehe, versuche gar nicht erst mich zu erreichen, ich brauche Zeit zum nachdenken” Er kam näher und blieb direkt vor mir stehen. “Du willst wirklich deswegen gehen?“ Ich wich einen Schritt zurück da er mir zu nahe war.
Ja ja, genau das wollte ich, wieso kapiert er es nicht? Glaubt er ich mache eben einen Scherz? Da ich mich weigerte ihn anzusehen hob er mit seiner Hand mein Kinn und zwang mich so ihn anzusehen. Wenn er so nah vor mir steht komme ich wieder ins schwanken doch weich zu werden. Klar wäre es verlockend das er mich umarmt und sagt das alles wieder gut wird. “Ich will nicht, dass es so endet mit uns” Sagte er dann leise. Ich schluckte und rang um Fassung. “Es gibt kein uns” Er biss auf seine Unterlippe und schloss seine Augen. Es fällt mir sehr schwer ihn auf Distanz zu halten aber er hat sich das selbst zuzuschreiben. Er ging dann einen Schritt zurück und nickte mit dem Kopf. “Wie du meinst. Willst du es dir nicht noch mal überlegen?”
Ich blieb mit verschränkten Armen vor ihm stehen und hatte Mühe nicht auf seinen flehenden Blick reinzufallen. “No” Sagte ich dann nur ernst und wich seinem Blick aus. Gab er jetzt endlich auf? Auch gut, umso einfacher für mich. Ich nahm meinen Koffer und den Schirm und überlegte was ich noch sage. “Adíos” Er sah stur auf den Boden und sagte nichts also ging ich.
So schnell es ging packte ich meine Sachen ins Auto und fuhr dann los ohne noch mal zurück zu sehen. Selbst als ich am Flughafen war hatte ich noch nicht richtig realisiert was passiert war. Obwohl, es war ganz einfach. Genau das was ich vor eine Woche befürchtet hatte war passiert. Erst fürchtete ich Stress mit Sara aber das war inzwischen egal geworden. Das mit Rafa war etwas anderes.
Ich kam nicht darüber weg was passiert ist, zum Glück gab es noch einen Flug heute. Sonst wäre ich in ein Hotel gegangen, unter diesen Umständen will ich Rafa nicht mehr sehen. Woher weiß ich denn ob er nicht weiter an mir zweifelt? Nein, dann lieber gleich einen Schlussstrich ziehen. Gestern dachte ich noch daran länger hier zu bleiben und jetzt das. Wie schnell sich doch alles ändern konnte. Es erwischte mich aus heiterem Himmel da ich wirklich nichts Böses ahnte.
Die Entfernung war offensichtlich das geringste Problem zwischen uns. Wobei, es gab kein uns mehr. Nie hätte ich gedacht, dass ich es bereuen würde hier her gekommen zu sein. Das war es dann wohl. Zwar denke ich das Rafa früher oder später versuchen wird mich zu erreichen aber es wäre vielleicht am Besten wenn ich das Kapitel schließe und nach vorn sehe.
Sieben Stunden nachdem ich in Porto Cristo losgefahren war zum Flughafen war ich wieder zu Hause in meiner Wohnung. Ich fühlte mich wie im falschen Film. Es kam mir vor als wäre ich nie auf Mallorca gewesen, es war so weit weg alles. War auch gut, so muss ich nicht befürchten das Rafa hier auftauchen könnte. Wie sehr hatte ich mich erst gefreut das es klappte mit dem Rückflug drei Tage später.
Mir hätte Klar sein müssen, dass es alles zu schön war und das es so nicht bleiben konnte. Kam mir doch gleich komisch vor als er sagte das er mich nicht verstecken will vor der Öffentlichkeit. Da steht er hinter mir und dann zweifelt er plötzlich an allem. Hatte ich vielleicht ein wenig überreagiert mit der überstürzten Abreise? Kann sein aber ich konnte nicht anders, ich wollte nur noch weg. Wenn wir das diskutiert hätten wäre es nur noch schlimmer geworden.
Die nächsten Tage verkroch ich mich in meiner Wohnung und ging nur raus wenn es absolut unvermeidbar war. Sara war ja noch in Spanien und meine Eltern ahnten auch nichts Böses also hatte ich meine Ruhe und konnte so ganz entspannt in Selbstmitleid ertrinken. Da ich ja noch Urlaub hatte blieb so genug Zeit zum grübeln. Ich wollte ja nicht das Rafa mich so aus der Bahn wirft weil er es nicht wert ist aber ich konnte nicht anders.
Ich kann auch nichts dafür das ich nicht von ihm los komme und er sich wieder der letzte Idiot benimmt. Hätte ich mich nicht so auf ihn eingelassen, wäre es jetzt auch nicht so schwer alles zu vergessen. Ich vermisste ihn schon nach drei Tagen aber das würde ich ihm niemals sagen. Er rief natürlich an obwohl ich gesagt habe das er es nicht tun soll. Nun, was er zu sagen hat ist mir egal also ging ich gar nicht erst ran wenn er anrief. Egal ist er mir natürlich nicht, ich würde am liebsten sofort wieder nach Mallorca fliegen. So einfach komme ich nicht mehr los von ihm aber ich war so verletzt und sauer auf ihn.
An dem Tag als ich zurückgeflogen bin war ich mir sicher, dass ich ihn nie wieder sehen will, das sah drei Tage später schon anders aus. Nach drei Tagen ohne ein Lebenszeichen von ihm wurde mir langsam klar, dass ich ihn doch mehr als ein bisschen vermisse. Das war noch harmlos formuliert, mir ging es wirklich gar nicht gut. Ich grübelte von früh bis spät und musste erst mal alles sacken lassen. Vielleicht habe ich ja auch überreagiert aber ich konnte in dem Moment nicht anders.
So nach und nach beruhigte ich mich dann wieder etwas, als ich wieder arbeiten musste hatte ich auch nicht mehr so viel Zeit zum nachdenken. Meine Entscheidung war gefallen und daran gab es kein rütteln mehr. Ich mache mich nicht von einem Rafael Nadal abhängig und ich laufe ihm sicher auch nicht nach. War vielleicht der falsche Weg einfach aufzugeben aber ich wollte nicht länger darüber nachdenken. Er hat sowieso bald keine Zeit mehr weil er um die Welt fliegt also warum unnötig Energie investieren? Ist sowieso alles zu kompliziert. Wer weiß was er mir nächstes mal unterstellt also verzichte ich lieber darauf ihn zu sehen. Das lief eben dumm alles, ich werde es überleben.
Da ich sonst ja doch nicht von ihm los komme, hatte ich mich dazu entschieden den Kontakt zu ihm ganz abzubrechen. Das musste ich ihm nur noch sagen, das war ich ihm ja schuldig nachdem er so hartnäckig versuchte mich zu erreichen. Er rief die ersten Tage jeden Tag an aber irgendwann gab er auf da ich nie ran ging.
Ich nahm eine Woche nachdem ich so überstürzt zurückgeflogen war allen Mut zusammen und wollte es dann hinter mich bringen und alles vergessen. Mein Hals wurde ganz trocken als ich seine Nummer wählte und dann wartete bis jemand ran ging. Mein Kopf war total leer, was soll ich nur sagen?
Am liebsten wäre es mir wenn er gar nicht ran geht, da brauche ich nichts sagen. Ich fürchte, dass er es nicht gut finden wird, dass ich den Kontakt abbrechen will aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen. Aufgeregt war ich auch, meine Hände waren schon ganz feucht und ich rutschte unruhig auf dem Stuhl umher. “Sí?” Kam es plötzlich und ich wurde in meinen Gedanken gestört. Aww, es klang richtig gut seine Stimme zu hören auch wenn er nur ein Wort sagte. Wie soll ich nur anfangen? “Ich bin es” Sagte ich dann zögerlich und war auf seine Reaktion gespannt.
Ein paar Sekunden war es ruhig in der Leitung, hoffentlich legt er nicht einfach wieder auf. “Hi, ich dachte schon du meldest dich nie mehr” Kam es dann leise zurück. Ich hatte Mühe mich nicht ablenken zu lassen, es war zu schön wieder mit ihm zu reden. “Deswegen rufe ich an. Ich weiß das du angerufen hast aber ich musste erst mal nachdenken” ”Mhh” Kam es dann nur kaum hörbar. Es entstand gleich wieder so eine unangenehme Stille, Rafa wollte wohl warten was ich sage und ich wusste nicht wie ich es sagen soll das ich nicht mehr mit ihm reden will obwohl ich jetzt schon ins schwanken kam, die Vorstellung ihn noch mal zu sehen war sehr verlockend. Nie hätte ich gedacht, dass es so schwierig sein kann mit ihm zu telefonieren, sonst fiel mir auch immer mehr als genug ein worüber wir reden konnten.
Ich räusperte mich dann laut und dachte jetzt oder nie. “Ich ähm denke das es am Besten ist wenn wir uns nicht mehr sehen” Sagte ich schließlich und schluckte kräftig. Puh, war ich froh das ich das gesagt hatte! ”Was?” Kam es etwas lauter bevor es wieder ruhig war in der Leitung. War er jetzt schockiert? So interpretiere ich seine Reaktion jedenfalls. “Du willst den Kontakt ganz abbrechen?” Fragte er nach ein paar Sekunden, ich sah ihn zwar nicht aber so wie er das sagte, hat er nicht damit gerechnet, dass ich gar nicht mehr mit ihm telefonieren will. Wahrscheinlich ging er davon aus das ich mich nach einer Weile schon wieder beruhige und dann alles vergessen ist.
“Sí” Sagte ich dann ernst und das kostete mich wirklich Überwindung. Eine Weile herrschte wieder Stille. “Dann bleibt mir wohl keine Wahl als deine Entscheidung zu akzeptieren” Kam es ein paar Augenblicke später nicht mehr ganz so freundlich. Mir entging nicht das er sich etwas anderes erhofft hatte und jetzt wohl entsprechend enttäuscht war, er machte sich auch nicht die Mühe das zu verbergen. Das zeigt zwar das ich ihm doch nicht egal bin aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. “Es tut mir leid” Sagte ich leise und merkte wie mir das Wasser in die Augen stieg.
Zum Glück sah ich ihn nicht sonst würde ich es nie fertig bringen ihm zu sagen, dass ich ihn nicht sehen will obwohl das Gegenteil der Fall ist. “No, muss es nicht auch wenn ich nicht verstehen kann warum du den Kontakt abbrechen willst. Ich war damals nur ehrlich und hätte nicht damit gerechnet was das für Konsequenzen hat. Wäre es dir lieber gewesen ich hätte gar nichts gesagt? Ich habe das nicht gesagt weil ich daran zweifle warum du da warst” Ich schüttelte mit dem Kopf und war froh das ich ihn jetzt nicht sehe sonst würde ich wieder schwach werden.
“Ist egal jetzt, es spielt keine Rolle mehr” ”Für mich schon, wenn du nicht mehr mit mir reden willst, dann sollten wir das wenigstens klären denn ich will nicht das es so endet” Warum lässt er einfach nicht locker? So langsam beschlich mich das Gefühl, das es nicht so friedlich bleibt wenn er nicht locker lässt, streiten will ich nicht mit ihm. “Was willst du klären? Da ist nichts zu klären! Ich meine es fühlte sich wirklich richtig gut an das du mir vorwirfst das ich dir alles nur vorspiele” ”So habe ich das doch gar nicht gemeint. Ich dachte nur darüber nach, ich stelle doch nicht gleich alles in Frage. Kannst du das nicht verstehen, dass ich wissen will auf wen ich mich einlasse? Kann sein das ich zu misstrauisch bin aber mir bleibt keine Wahl, ich will nicht das jemand nur wegen meinem Name mit mir zusammen ist”
Ich wurde wieder nachdenklich und sah nach unten auf den Teppich. “Genau das ist das Problem. Ich dachte du merkst das von selbst, dass ich dir nichts vorspiele, ich habe keine Lust mich für meine Gefühle zu rechtfertigen und wenn du der Ansicht bist, dass ich es nicht ernst meine, ist das nicht mein Problem. Für mich gab es keinen Grund noch länger bei dir zu bleiben, da du offensichtlich denkst das ich nicht wegen dir dort war konnte ich ja auch gehen” ”Ich habe nie gesagt, das ich glaube das du nicht wegen mir da warst. Ich wollte nicht das du gehst, ehrlich gesagt war ich mehr als nur überrascht, dass du gleich geflüchtet bist. Das du nachdenken wolltest kann ich verstehen aber das du jetzt den Kontakt ganz abbrechen willst finde ich übertrieben”
Er gibt nicht auf oder? Ich hatte auch keine Lust mehr mich noch länger zu rechtfertigen. “Rafael, lasse es gut sein” “Wie du meinst” Kam es nach einer kurzen Pause. Was sollte ich jetzt noch sagen? Ich hatte ja sonst auch keine Lust mich von ihm zu verabschieden aber das war etwas anderes. “Es tut mir leid wenn du dir das anders vorgestellt hast. Ich wünsche dir was und rufe bitte nicht mehr bei mir an” ”Werde ich nicht, dann bleibt mir wohl nichts mehr zu sagen außer adíos”
Ich biss auf meine Unterlippe und versuchte meine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Noch was sagen konnte ich nicht also legte ich einfach auf.
Die nächsten Minuten saß ich da wie erstarrt und sah auf das Telefon in meiner Hand. Langsam wurde mir klar, dass es das war, es ist vorbei! Ich fühlte mich wie taub. Erst dachte ich, dass ich in Tränen ausbrechen würde wenn ich auflege aber es ging irgendwie nicht.
So richtig wollte ich nicht glauben dass es wirklich so endet. Ich telefoniere normalerweise aller zwei Tage mit Rafa. Mir fehlte schon die letzte Woche was und jetzt soll ich nie mehr mit ihm reden? Es bringt mich doch zum nachdenken das er nach allem was abgelaufen ist trotzdem noch mit mir in Kontakt bleiben wollte. War ja egal jetzt, ich sollte nicht darüber nachdenken, es zieht mich nur runter. Morgen kommt Sara wieder und wenn die jetzt auch noch anfängt mir auf die Nerven zu gehen, kriege ich die Krise.
Vielleicht weiß sie ja noch nichts von den Bildern aber irgendwann ist sie ja wieder hier und spätestens dann geht sie wieder jeden Tag ins Internet und guckt was sie verpasst hat die letzte Woche. Irgendwie war es mir aber eben total egal ob sie es rausfindet oder nicht.
Ich könnte noch was retten indem ich es ihr vorher sage aber jetzt war es auch egal und ich habe jetzt keine Energie mich mit ihr zu streiten da ich andere Probleme hatte.
10 December 2009
Chapter 22
Ein paar Sekunden später wollte ich es aber doch sehen und stellte mich neben Rafa. Mir blieb fast der Mund offen stehen als ich mich selbst in der Zeitung sah! Es war etwas unscharf weil es ja dunkel war aber wie kann uns jemand direkt von vorn fotografiert haben und wir haben nichts gemerkt? Gut, Rafa hätte sicher eh nichts mehr gemerkt und ich war damit beschäftigt ihn irgendwie zum Auto zu bekommen. Der Text dazu war der Hit, die interpretierten seinem Arm um meiner Schulter als öffentlichen Liebesbeweis.
Die gehen davon aus das Rafa sich so outen wollte. Da er sich sonst immer zurückgehalten hat mit öffentlichen Liebesbekundungen welcher Art auch immer denken die wohl das es bei Rafa schon etwas heißt wenn er mit jemandem Arm in Arm läuft. Ganz super, jetzt waren wir schon offiziell zusammen! Da sieht man mal wie man sich mit entsprechenden Bildern eine Story zurechtbiegen kann. Das war alles andere als romantisch. Mir wurde es dann ganz merkwürdig im Bauch, ich erkenne mich auf dem Bild schon auch wenn es unscharf ist.
Die Frage ist ob jemand anderes mich auch erkennen würde, bei Rafa war es eindeutig. Ein paar Minuten musste ich das alles auf mich wirken lassen. So schnell wurde man also öffentlich zur ‘Freundin von’. Langsam sah ich dann zu Rafa und er im selben Augenblick zu mir was mich zum lächeln brachte. “Was sagst du?” Fragte er mal wieder. “Sieht so aus als wären wir offiziell zusammen. Ich wünschte es wäre auch nur halb so romantisch gewesen wie die es darstellen” Da er genervt mit den Augen rollte schien er die Anspielung verstanden zu haben. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut. Was soll ich noch sagen?” ”Nada” Sagte ich nur und freute mich darüber das er offenbar ein schlechtes Gewissen hat. Ich stellte mich direkt vor ihn und sah in seine Augen. Es dauerte auch gar nicht lange bis es anfing zu kribbeln bei mir, ich könnte wegschmelzen wenn er so nah vor mir steht und mich ansieht.
Nach und nach baute sich eine Spannung zwischen uns auf, ich könnte es stundenlang genießen wie sein Blick neugierig über mein Gesicht wandert. Als seine Hand unter meinem Kinn war, schluckte ich erst mal und wurde nervös. Er fuhr mit seinem Daumen über meine Unterlippe während er in meine Augen sah. “Das Bild wäre richtig gut, wenn es kein Paparazzi Foto wäre. Ich meine, es stört mich nicht wenn es solche Bilder von uns gibt” Wenn er solche Dinge in der uns Form sagt und mich dazu so ansieht, wird es mir gleich anders zumute. Da bekomme ich ein bisschen Angst was er noch sagt. Leider wurden wir dann durch das klingeln vom Telefon gestört. Na super, mal wieder im richtigen Moment. “Lass mich raten, deine Mutter?” Fragte ich nur. Sein Lächeln war richtig schön. “Kann sein” In der nächsten Sekunde war Rafa auch schon verschwunden. Na super, jetzt stehe ich hier alleine! Es knisterte eben so schön aber war wohl nix.
Ich lief ins Wohnzimmer und machte es mir da auf der Couch bequem. Zwar hörte ich Rafa reden aber ich verstand kein Wort, vielleicht sollte ich ja Katalan lernen. Wenigstens kann ich spanisch, die Englischkenntnisse von Rafa sind ja eher bescheiden auch wenn es total niedlich klingt wenn er englisch spricht. Ein paar Minuten später erschien er und setzte sich neben mich mit so einem verlegenen Lächeln. “Es war meine Mutter” Ich musste lachen und war stolz auf meine hellseherischen Fähigkeiten. “Sage ich doch!” ”Sie wollte sich nur zurück melden” Ich dachte schon sie fragt ihn jetzt wegen den Bildern. Eigentlich interessierte mich schon ob er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin oder ob niemand etwas weiss.
“Wissen deine Eltern das ich hier bin?” Hoffentlich denkt er nicht das ich zu neugierig bin. “Sí, ich habe ihnen gesagt das du hier bist weil ich ja nicht sicher sein kann das es keine Bilder gibt und ich will nicht das sie es aus der Zeitung erfahren” Wenn er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin, bleibt ja kaum noch eine Möglichkeit für mich abzuspringen. Nicht das ich das plante aber das ging ziemlich fix alles, ich war hier her gekommen um rauszufinden was ich will und nicht damit die Presse nach einer Woche schreibt das ich mit Rafa zusammen bin obwohl es nach dem jetzigen Stand genau darauf hinausläuft.
Ich kann mir schon das Gesicht von meinen Eltern vorstellen wenn die davon Wind bekommen. Eigentlich war ich ja strikt gegen so eine Fernbeziehung aber ich kann nicht nein sagen wenn Rafa vor mir steht.
Gedankenverloren sah ich auf die Zeitung die vor mir auf dem Tisch lag. Die wird Sara wahrscheinlich nicht kaufen da Rafa ja nicht auf dem Cover ist und sie kein spanisch versteht und Jenny zum Glück auch nicht. Das nutzt aber nichts, die Bilder sind sicher auch auf der Seite wo sie immer ist. Ich würde es jetzt aussitzen und warten bis irgendwas passiert, freiwillig oute ich mich ganz sicher nicht.
Erst nach ein paar Minuten kam ich wieder in die Realität und mir wurde klar, dass ich ja nicht alleine bin. Ich drehte meinen Kopf und sah zur Seite, Rafa sah mich mit einem nachdenklichen Gesicht an und sagte keinen Ton. Mein Lächeln verschwand langsam wieder. “Was?” Fragte ich leise. “Was machst du wenn Sara die Bilder sieht und dir das nicht verzeihen will oder kann?” Ich schluckte kräftig und wurde unruhig. Darüber wollte ich besser gar nicht nachdenken. Mir wurde es dann doch ein bisschen unangenehm.
Nervös spielte ich mit meinen Händen während ich leicht ins schwitzen geriet und ein übertriebenes Lächeln zog. “Ich ähm, weiss nicht. Ich lasse mich jedenfalls nicht von ihr damit erpressen” Sagte ich leicht hektisch und musste mir selbst gut zureden um ruhig zu bleiben. Rafa rückte so nah es ging an mich und umarmte mich. “Wie lange kennst du sie?” Ich entspannte mich ein wenig und überlegte kurz. ”Seit der fünften Klasse aber mir kommt es vor als würde ich sie mein ganzes Leben kennen. Sind jedenfalls fast 10 Jahre. Wir saßen in der Schule zum Schrecken aller Lehrer nebeneinander und so ergab sich das dann. Ich wollte ja nach der Schule studieren aber dazu hätte ich weiter weg ziehen müssen. Sara wollte nicht studieren also hat sie bei ihren Eltern in der Firma eine Ausbildung gemacht. Obwohl ich schon einen Studienplatz sicher hatte habe ich es dann nicht gemacht und habe auch eine Ausbildung gemacht weil ich da nicht wegziehen musste”
Ich sah nach unten auf meine Hände und schluckte nervös. In den letzten Jahren gab es da so ein paar Momente wo ich mich gefragt habe ob ich nicht doch hätte studieren sollen. Zwar hatte ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und wurde dann auch übernommen was ein großes Glück war da ich gleich einen Job hatte aber es ist nicht so das ich bis zu meinem Lebensende im Büro sitzen will. “Was wolltest du denn studieren?” Ich musste wieder lächeln und war gleich auf sein Gesicht gespannt. “Luft- und Raumfahrttechnik mit Auslandssemester in Madrid. Theoretisch war alles geplant bis ich kalte Füße gekommen habe. Mein ursprünglicher Plan war ja das ganze Studium in Madrid zu machen aber das ging gar nicht weil ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen konnte so weit weg von zu Hause zu leben”
Sein Gesicht war wie von mir erwartet. “Interessante Studienwahl” Ich musste gleich noch breiter grinsen. “Mhhh, ich wollte schon mein ganzes Leben lang irgendwas machen was mit Fliegen zu tun hat. Vor zwei Jahren habe ich ein paar Monate als Flugbegleiterin gejobbt aber das wurde mir zu stressig und gesehen habe ich auch nichts. Es ging immer nur hin und her, ich war zwar manchmal drei mal am Tag in Palma aber habe keinen Fuß auf die Insel gesetzt. Jedenfalls habe ich dann die Ausbildung bei uns im Ort gemacht und bin dann dort gestrandet. Ich meine, heutzutage muss man froh sein wenn man einen Job hat also kann ich das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Meine Eltern konnten sowieso nie verstehen wieso ich studieren wollte und sind froh das ich jetzt arbeite. Zwar kann ich auch später studieren aber das wird sicher nichts, es wird immer schwerer auszusteigen wenn man erst mal arbeitet. Meine Eltern würden es nicht unterstützen und Geld würde ich dann auch keins bekommen also bleibt mir keine große Wahl und Geld ansparen um später davon zu studieren kann ich nicht weil ich viel zu gerne Urlaub mache und durch die Gegend fliege“
”Vielleicht klappt es ja doch noch” ”Noch mal lasse ich mich nicht von Sara abhalten obwohl sie nicht gesagt hat das ich es nicht tun soll” Ich lehnte mich an Rafa während meine Gedanken noch weiter gingen... Wenn es hart auf hart kommt und Sara sich weigert zu akzeptieren das ich mich mit Rafa treffe war alles umsonst. Ich hätte doch studieren sollen ohne mich von derartigen Gefühlen leiten zu lassen.
“Manchmal soll es eben so sein, ich habe auch schon manche Entscheidung im nachhinein bereut” ”Hoffentlich nicht die das du sagtest ich kann hier her kommen” Sein Lächeln munterte mich gleich mit auf. “Bestimmt nicht und wenn es so wäre würde ich es nicht zugeben” Ich schlug scherzhaft nach ihm und tat übertrieben empört. “Sehr charmant” ”Gracias, würde ein Ausflug nach Formentor wo du den Weltuntergang sehen kannst deine Laune bessern?” Macht er sich lustig über mich? “Komisch echt! Ohne Spaß jetzt, kann man hier was machen wenn es regnet?” ”No, du kannst nur hoffen das es wieder aufhört” ”Hier ziehe ich mal nicht hin” ”Aber es regnet selten also verglichen mit Deutschland” ”Fahren wir nach Palma?” ”Du willst nur shoppen gehen” ”Genau und dich brauche ich zum Tütentragen” Er rollte genervt mit den Augen und stand dann auf. “Wenn es sein muss”
War doch gar nicht so dumm die Idee mit Palma, jedenfalls besser als den ganzen Tag fernsehen zu gucken. Natürlich wollte ich nicht nur shoppen gehen, dass hatte ich letzte Woche schon getan. Ich fühlte mich dann wie in einem schlechten Traum da Rafa wohl doch seine Meinung bezüglich des shopping spontan geändert hatte. Jetzt lief ich hinter ihm her weil er wohl dachte sich komplett neu einkleiden zu müssen. In die Läden würde ich alleine nicht reingehen weil es da für meine finanziellen Möglichkeiten nichts gibt. Da meistens auch niemand vom Personal abgesehen in den Läden war stürzten sich die Verkäuferinnen alle auf Rafa.
Mich hatte es schon gewundert das wir vom Auto bis hier her kamen ohne eine Massenpanik auszulösen. Natürlich mussten wir öfters stehen bleiben weil jemand Autogramme oder Bilder wollte. Es war echt komisch zu sehen wie wildfremde Menschen Rafa einfach ansprechen und das schlimme ist die tun alle so als wenn sie ihn schon ewig persönlich kennen würden. Ich bekam einen Schreck als ich vor der Umkleide wartete weil mein Handy plötzlich klingelte. Mein Puls wurde gleich schneller, was wenn das Sara ist?
Nervös sah ich auf das Display, zum Glück ist es nur meine Mutter. Rafa braucht bestimmt noch Stunden also hatte ich Zeit mit meiner Mutter zu reden. Das ich in Palma shoppen bin konnte ich ruhig sagen, Rafa musste ich ja nicht mit erwähnen. “Amaia” Ich stand auf und blieb vor dem Vorhang der Umkleide stehen. “Sí, ich bin noch da” ”Du kannst ruhig reinkommen” Ich zog den Vorhang ein Stück bei Seite und steckte meinen Kopf in die Umkleide. Immerhin hatte er mal etwas angezogen, weiße Jeans und ein gelbes Poloshirt. zu sagen das er gut aussieht darin wäre noch untertrieben. “So gehst du nicht!” Sagte ich dann mit einem ernsten Gesicht.
Leicht verwirrt sah er mich dann schon an da es ihm wohl selbst auch gefiel und er meine Reaktion nicht verstehen konnte. “Wieso? Was ist so schlimm daran?” Ich hatte Mühe ein ernstes Gesicht zu machen da ich am liebsten laut lachen würde. ”Gar nichts, du musst dich nicht wundern wenn sämtliche Frauen dir nachlaufen wenn du das anziehst” Er kam näher und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. “Das ist mir egal, mir reicht es wenn du mir nachläufst” Bevor ich antworten konnte zog er mich in die Umkleidekabine. “Hey, was soll das werden?” Ich war etwas überrascht und sah ihn an. “Ich wollte nur mit dir alleine sein”
Bevor ich darüber nachdenken konnte wie er das eben gemeint hat, küsste er mich auch schon. Es war verlockend aber ich konnte mich nicht darauf einlassen, nicht wenn ich weiss das die Verkäuferin auf der anderen Seite vom Vorhang lauert. “Ich denke wir sollten das hier nicht weiter vertiefen” Sein grinsen wurde darauf hin nur noch dämlicher. “Ach plötzlich? Am Strand störte dich das noch nicht” ”Am Strand war auch keine Verkäuferin in der Nähe” ”Ich stehe auf Zuschauer” ”Du bist unmöglich!” Bevor er noch eine Aktion startet, verschwand ich wieder aus der Umkleide und wartete davor. Die Verkäuferin sah zu mir als ich aus der Umkleide kam aber sie sagte nichts. Ich zog ein ganz unschuldiges Gesicht und tat als wäre nichts.
Nachdem Rafa den halben Laden anprobiert hatte und sich endlich mal entscheiden konnte was er kauft, konnten wir auch wieder gehen. Ich dachte erst er trägt meine Beutel aber inzwischen trage ich seine, so hatte ich mir das gedacht. Machte auch keinen Spaß mit den ganzen Beuteln und wir mussten ja auch gelegentlich stehen bleiben wegen Autogrammen. Essen gingen wir aber noch bevor wir Palma den Rücken kehrten und nach Porto Cristo zurück fuhren.
Bei dem schlechten Wetter machte es ja auch keinen richtigen Spaß shoppen zu gehen also war ich froh in Ruhe die Füsse hochlegen zu können. Jetzt hatte ich auch wieder Zeit an Sara zu denken, bis jetzt hatte sie sich aber nicht gemeldet und sie war auch nicht hier aufgetaucht. Gut, bei dem schlechten Wetter wird sie hier nicht den ganzen Tag vor der Einfahrt lauern. Ich lief zum Fenster und sah kurz raus bevor ich wieder nach unten ging.
Erst dachte ich Rafa probiert eben alles noch mal an was er gekauft hat aber er stand an der Tür zum Pool und sah raus. “Gibt es was zu sehen?” Fragte ich neugierig und stellte mich neben ihn. Er drehte sich zu mir und sah mich ernst an. “No” Ein paar Sekunden sah ich ihn an und überlegte was mit ihm los ist. Heute früh war seine Laune wesentlich besser als jetzt. Er hat doch gesagt heute früh ich soll aufhören wegen dem Wetter zu jammern, direkt eine Spaßkanone ist er selbst gerade auch nicht. Von der Aktion in der Umkleide abgesehen war er nicht ganz so gesprächig wie sonst.
Macht er sich Gedanken wegen den Bildern oder ist es weil er nicht Tennis spielen kann? Vielleicht hat er auch einfach einen schlechten Tag und ich bilde mir Dinge ein. “Hat Sara sich schon gemeldet?” ”No, mache dir nicht so viele Gedanken. Ich meine, mir fällt schon irgendwas ein, Not macht erfinderisch” Ich dachte ja sein Gesicht hellt sich mal auf aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie werde ich nicht schlau aus Rafa, ich dachte ja ich kenne ihn ein bisschen nachdem ich eine Woche hier war aber er macht jetzt irgendwie dicht und ich weiss nicht warum. Wegen Sara fällt mir schon was ein, darüber soll er sich nicht den Kopf zerbrechen.
Ehe ich länger nachgrübeln konnte nahm er meine Hände in seine und sah mich ernst an. “Ich habe ein bisschen nachgedacht in den letzten Tagen” Ich wurde plötzlich nervös als er so ernst anfing. Wie, er hat nachgedacht? Da er mich so ernst ansah, bekam ich ein bisschen Angst vor dem was er gleich sagt. Nervös schluckte ich und versuchte mir nichts anmerken zu lassen obwohl ich es gar nicht hören wollte. Wenn er mich so ansieht, kann es nichts positives sein. Er holte Luft und sah kurz von mir weg.
“Amaia verstehe mich jetzt nicht falsch aber mir geht da so einiges durch den Kopf. Ich würde das auch nicht sagen wenn es mir nicht wichtig wäre aber ich weiss ehrlich gesagt nicht wo das hinführt mit uns” Ich schluckte kräftig und ahnte schon worauf er hinaus wollte. Was er noch sagen will möchte ich eigentlich gar nicht hören. “Es ist nicht so das ich dir nicht vertraue aber ich gebe ehrlich zu das es mich zum nachdenken bringt das du in der Lage bist jemanden sehr überzeugend an der Nase rumzuführen” Bis gerade eben dachte ich er meint damit das wir uns dann nicht mehr sehen können aber inzwischen war ja klar auf was er anspielte. Wenn ich ihn richtig verstehe zweifelt er daran das ich nur hier bin weil ich ihn sehen will.
Glaubt er ich tische ihm etwas auf so wie ich es mit Sara mache? Mir wurde es gleich anders zumute. Wie konnte ich auch glauben das es ihn nicht zum nachdenken bringt was ich mit Sara mache. Als ich ihm das mit Sara erzählte und er nicht so großartig darauf reagierte kam mir das gleich ein bisschen komisch vor. Offensichtlich brauchte er erst ein paar Tage zum überlegen, wie blöd das ich nicht gleich darauf gekommen war. Ich ging einen Schritt von ihm zurück und drehte mich mit dem Rücken zu ihm. Das war es also worüber er nachdenkt...
Je länger niemand etwas sagte umso unangenehmer wurde es. Erst nach ein paar Minuten wurde mir bewusst was er mir eben unterstellt hat. Ich fühlte mich als wäre ich mit dem Kopf voraus durch eine Wand gelaufen und wäre mit einem Schlag in die Realität gekommen. Er denkt wirklich ich wäre nur hier weil ich mal ein bisschen Spaß haben wollte oder vielleicht weil ich sehen wollte wie man als Star lebt.
Obwohl er das sicher nicht beabsichtigte fühlte sich das an wie ein Schlag ins Gesicht. Wieso redet er nicht mit mir darüber und wartet erstmal ein paar Tage ab? Langsam bekam ich Wut. Über eine Woche lässt er mich hier wohnen und dann fängt er plötzlich an zu zweifeln? Ganz offensichtlich zweifelt er also auch die Küsse und alles andere an. Vielleicht war es auch Absicht weil er sich ein bisschen Spaß nicht verderben wollte und ich war ja jetzt schon mal hier.
Das Gefühl flüchten zu wollen wurde dann immer stärker, ich war total durcheinander. Erwartet er das ich ihn jetzt auch noch verstehe? Es tut schon weh das er mir unterstellt das ich ihm etwas vorspiele, er hat kein Recht meine Gefühle für ihn anzuzweifeln. “Amaia” Was das hier werden soll wusste ich auch nicht mehr. Eigentlich wäre ich jetzt am liebsten eine Weile alleine. Ohne ein Wort zu sagen drehte ich mich um und ging.
Ich lief nach oben und schloss mich in meinem vorrübergehenden Zimmer ein. Rafa ist der letzte den ich jetzt sehen will. Was für eine Enttäuschung! Er hat ja echt Nerven mir das so direkt zu sagen. Zwar besser als wie wenn er gar nichts sagt aber anscheinend habe ich alles falsch eingeschätzt, denn er ist offensichtlich nicht bereit sich weiter auf mich einzulassen. Wie konnte ich mich nur so täuschen? Ich war so perplex das ich erst nach einer Weile die Situation begriff.
Wenn er das so sieht, gibt es auch keinen Grund das ich noch länger hier bleibe. Ich muss das echt nicht haben das er mir das noch mal vorwirft. Denkt er wirklich ich würde mit ihm schlafen wenn er mir egal wäre? Wenn er das wirklich glaubt, will ich gar nicht wissen wie er mich einschätzt. Ich dachte so blind kann kein Mensch sein aber anscheinend doch. Ich kann nachvollziehen das er es nicht gut findet was ich mit Sara mache aber das er wirklich so weit geht zu glauben ich würde ihm etwas vorspielen hätte ich nicht gedacht.
Meine Wunschvorstellung länger hier zu bleiben löste sich wie eine Seifenblase in Luft auf. So langsam frage ich mich ob ich mir selbst etwas vorgemacht habe die letzte Woche. Es ist alles eben doch viel komplizierter als gedacht. Am liebsten würde ich in Tränen ausbrechen und ihm eine riesige Szene machen aber den Gefallen tue ich ihm nicht. Ganz sicher werde ich mich nicht für meine Gefühle rechtfertigen, darüber diskutiere ich nicht. Mein Blick schweifte zu meinem Koffer und dem Sonnenschirm. Sieht so aus als müsste ich eine Entscheidung treffen.
Die gehen davon aus das Rafa sich so outen wollte. Da er sich sonst immer zurückgehalten hat mit öffentlichen Liebesbekundungen welcher Art auch immer denken die wohl das es bei Rafa schon etwas heißt wenn er mit jemandem Arm in Arm läuft. Ganz super, jetzt waren wir schon offiziell zusammen! Da sieht man mal wie man sich mit entsprechenden Bildern eine Story zurechtbiegen kann. Das war alles andere als romantisch. Mir wurde es dann ganz merkwürdig im Bauch, ich erkenne mich auf dem Bild schon auch wenn es unscharf ist.
Die Frage ist ob jemand anderes mich auch erkennen würde, bei Rafa war es eindeutig. Ein paar Minuten musste ich das alles auf mich wirken lassen. So schnell wurde man also öffentlich zur ‘Freundin von’. Langsam sah ich dann zu Rafa und er im selben Augenblick zu mir was mich zum lächeln brachte. “Was sagst du?” Fragte er mal wieder. “Sieht so aus als wären wir offiziell zusammen. Ich wünschte es wäre auch nur halb so romantisch gewesen wie die es darstellen” Da er genervt mit den Augen rollte schien er die Anspielung verstanden zu haben. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut. Was soll ich noch sagen?” ”Nada” Sagte ich nur und freute mich darüber das er offenbar ein schlechtes Gewissen hat. Ich stellte mich direkt vor ihn und sah in seine Augen. Es dauerte auch gar nicht lange bis es anfing zu kribbeln bei mir, ich könnte wegschmelzen wenn er so nah vor mir steht und mich ansieht.
Nach und nach baute sich eine Spannung zwischen uns auf, ich könnte es stundenlang genießen wie sein Blick neugierig über mein Gesicht wandert. Als seine Hand unter meinem Kinn war, schluckte ich erst mal und wurde nervös. Er fuhr mit seinem Daumen über meine Unterlippe während er in meine Augen sah. “Das Bild wäre richtig gut, wenn es kein Paparazzi Foto wäre. Ich meine, es stört mich nicht wenn es solche Bilder von uns gibt” Wenn er solche Dinge in der uns Form sagt und mich dazu so ansieht, wird es mir gleich anders zumute. Da bekomme ich ein bisschen Angst was er noch sagt. Leider wurden wir dann durch das klingeln vom Telefon gestört. Na super, mal wieder im richtigen Moment. “Lass mich raten, deine Mutter?” Fragte ich nur. Sein Lächeln war richtig schön. “Kann sein” In der nächsten Sekunde war Rafa auch schon verschwunden. Na super, jetzt stehe ich hier alleine! Es knisterte eben so schön aber war wohl nix.
Ich lief ins Wohnzimmer und machte es mir da auf der Couch bequem. Zwar hörte ich Rafa reden aber ich verstand kein Wort, vielleicht sollte ich ja Katalan lernen. Wenigstens kann ich spanisch, die Englischkenntnisse von Rafa sind ja eher bescheiden auch wenn es total niedlich klingt wenn er englisch spricht. Ein paar Minuten später erschien er und setzte sich neben mich mit so einem verlegenen Lächeln. “Es war meine Mutter” Ich musste lachen und war stolz auf meine hellseherischen Fähigkeiten. “Sage ich doch!” ”Sie wollte sich nur zurück melden” Ich dachte schon sie fragt ihn jetzt wegen den Bildern. Eigentlich interessierte mich schon ob er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin oder ob niemand etwas weiss.
“Wissen deine Eltern das ich hier bin?” Hoffentlich denkt er nicht das ich zu neugierig bin. “Sí, ich habe ihnen gesagt das du hier bist weil ich ja nicht sicher sein kann das es keine Bilder gibt und ich will nicht das sie es aus der Zeitung erfahren” Wenn er seinen Eltern gesagt hat das ich hier bin, bleibt ja kaum noch eine Möglichkeit für mich abzuspringen. Nicht das ich das plante aber das ging ziemlich fix alles, ich war hier her gekommen um rauszufinden was ich will und nicht damit die Presse nach einer Woche schreibt das ich mit Rafa zusammen bin obwohl es nach dem jetzigen Stand genau darauf hinausläuft.
Ich kann mir schon das Gesicht von meinen Eltern vorstellen wenn die davon Wind bekommen. Eigentlich war ich ja strikt gegen so eine Fernbeziehung aber ich kann nicht nein sagen wenn Rafa vor mir steht.
Gedankenverloren sah ich auf die Zeitung die vor mir auf dem Tisch lag. Die wird Sara wahrscheinlich nicht kaufen da Rafa ja nicht auf dem Cover ist und sie kein spanisch versteht und Jenny zum Glück auch nicht. Das nutzt aber nichts, die Bilder sind sicher auch auf der Seite wo sie immer ist. Ich würde es jetzt aussitzen und warten bis irgendwas passiert, freiwillig oute ich mich ganz sicher nicht.
Erst nach ein paar Minuten kam ich wieder in die Realität und mir wurde klar, dass ich ja nicht alleine bin. Ich drehte meinen Kopf und sah zur Seite, Rafa sah mich mit einem nachdenklichen Gesicht an und sagte keinen Ton. Mein Lächeln verschwand langsam wieder. “Was?” Fragte ich leise. “Was machst du wenn Sara die Bilder sieht und dir das nicht verzeihen will oder kann?” Ich schluckte kräftig und wurde unruhig. Darüber wollte ich besser gar nicht nachdenken. Mir wurde es dann doch ein bisschen unangenehm.
Nervös spielte ich mit meinen Händen während ich leicht ins schwitzen geriet und ein übertriebenes Lächeln zog. “Ich ähm, weiss nicht. Ich lasse mich jedenfalls nicht von ihr damit erpressen” Sagte ich leicht hektisch und musste mir selbst gut zureden um ruhig zu bleiben. Rafa rückte so nah es ging an mich und umarmte mich. “Wie lange kennst du sie?” Ich entspannte mich ein wenig und überlegte kurz. ”Seit der fünften Klasse aber mir kommt es vor als würde ich sie mein ganzes Leben kennen. Sind jedenfalls fast 10 Jahre. Wir saßen in der Schule zum Schrecken aller Lehrer nebeneinander und so ergab sich das dann. Ich wollte ja nach der Schule studieren aber dazu hätte ich weiter weg ziehen müssen. Sara wollte nicht studieren also hat sie bei ihren Eltern in der Firma eine Ausbildung gemacht. Obwohl ich schon einen Studienplatz sicher hatte habe ich es dann nicht gemacht und habe auch eine Ausbildung gemacht weil ich da nicht wegziehen musste”
Ich sah nach unten auf meine Hände und schluckte nervös. In den letzten Jahren gab es da so ein paar Momente wo ich mich gefragt habe ob ich nicht doch hätte studieren sollen. Zwar hatte ich die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und wurde dann auch übernommen was ein großes Glück war da ich gleich einen Job hatte aber es ist nicht so das ich bis zu meinem Lebensende im Büro sitzen will. “Was wolltest du denn studieren?” Ich musste wieder lächeln und war gleich auf sein Gesicht gespannt. “Luft- und Raumfahrttechnik mit Auslandssemester in Madrid. Theoretisch war alles geplant bis ich kalte Füße gekommen habe. Mein ursprünglicher Plan war ja das ganze Studium in Madrid zu machen aber das ging gar nicht weil ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen konnte so weit weg von zu Hause zu leben”
Sein Gesicht war wie von mir erwartet. “Interessante Studienwahl” Ich musste gleich noch breiter grinsen. “Mhhh, ich wollte schon mein ganzes Leben lang irgendwas machen was mit Fliegen zu tun hat. Vor zwei Jahren habe ich ein paar Monate als Flugbegleiterin gejobbt aber das wurde mir zu stressig und gesehen habe ich auch nichts. Es ging immer nur hin und her, ich war zwar manchmal drei mal am Tag in Palma aber habe keinen Fuß auf die Insel gesetzt. Jedenfalls habe ich dann die Ausbildung bei uns im Ort gemacht und bin dann dort gestrandet. Ich meine, heutzutage muss man froh sein wenn man einen Job hat also kann ich das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Meine Eltern konnten sowieso nie verstehen wieso ich studieren wollte und sind froh das ich jetzt arbeite. Zwar kann ich auch später studieren aber das wird sicher nichts, es wird immer schwerer auszusteigen wenn man erst mal arbeitet. Meine Eltern würden es nicht unterstützen und Geld würde ich dann auch keins bekommen also bleibt mir keine große Wahl und Geld ansparen um später davon zu studieren kann ich nicht weil ich viel zu gerne Urlaub mache und durch die Gegend fliege“
”Vielleicht klappt es ja doch noch” ”Noch mal lasse ich mich nicht von Sara abhalten obwohl sie nicht gesagt hat das ich es nicht tun soll” Ich lehnte mich an Rafa während meine Gedanken noch weiter gingen... Wenn es hart auf hart kommt und Sara sich weigert zu akzeptieren das ich mich mit Rafa treffe war alles umsonst. Ich hätte doch studieren sollen ohne mich von derartigen Gefühlen leiten zu lassen.
“Manchmal soll es eben so sein, ich habe auch schon manche Entscheidung im nachhinein bereut” ”Hoffentlich nicht die das du sagtest ich kann hier her kommen” Sein Lächeln munterte mich gleich mit auf. “Bestimmt nicht und wenn es so wäre würde ich es nicht zugeben” Ich schlug scherzhaft nach ihm und tat übertrieben empört. “Sehr charmant” ”Gracias, würde ein Ausflug nach Formentor wo du den Weltuntergang sehen kannst deine Laune bessern?” Macht er sich lustig über mich? “Komisch echt! Ohne Spaß jetzt, kann man hier was machen wenn es regnet?” ”No, du kannst nur hoffen das es wieder aufhört” ”Hier ziehe ich mal nicht hin” ”Aber es regnet selten also verglichen mit Deutschland” ”Fahren wir nach Palma?” ”Du willst nur shoppen gehen” ”Genau und dich brauche ich zum Tütentragen” Er rollte genervt mit den Augen und stand dann auf. “Wenn es sein muss”
War doch gar nicht so dumm die Idee mit Palma, jedenfalls besser als den ganzen Tag fernsehen zu gucken. Natürlich wollte ich nicht nur shoppen gehen, dass hatte ich letzte Woche schon getan. Ich fühlte mich dann wie in einem schlechten Traum da Rafa wohl doch seine Meinung bezüglich des shopping spontan geändert hatte. Jetzt lief ich hinter ihm her weil er wohl dachte sich komplett neu einkleiden zu müssen. In die Läden würde ich alleine nicht reingehen weil es da für meine finanziellen Möglichkeiten nichts gibt. Da meistens auch niemand vom Personal abgesehen in den Läden war stürzten sich die Verkäuferinnen alle auf Rafa.
Mich hatte es schon gewundert das wir vom Auto bis hier her kamen ohne eine Massenpanik auszulösen. Natürlich mussten wir öfters stehen bleiben weil jemand Autogramme oder Bilder wollte. Es war echt komisch zu sehen wie wildfremde Menschen Rafa einfach ansprechen und das schlimme ist die tun alle so als wenn sie ihn schon ewig persönlich kennen würden. Ich bekam einen Schreck als ich vor der Umkleide wartete weil mein Handy plötzlich klingelte. Mein Puls wurde gleich schneller, was wenn das Sara ist?
Nervös sah ich auf das Display, zum Glück ist es nur meine Mutter. Rafa braucht bestimmt noch Stunden also hatte ich Zeit mit meiner Mutter zu reden. Das ich in Palma shoppen bin konnte ich ruhig sagen, Rafa musste ich ja nicht mit erwähnen. “Amaia” Ich stand auf und blieb vor dem Vorhang der Umkleide stehen. “Sí, ich bin noch da” ”Du kannst ruhig reinkommen” Ich zog den Vorhang ein Stück bei Seite und steckte meinen Kopf in die Umkleide. Immerhin hatte er mal etwas angezogen, weiße Jeans und ein gelbes Poloshirt. zu sagen das er gut aussieht darin wäre noch untertrieben. “So gehst du nicht!” Sagte ich dann mit einem ernsten Gesicht.
Leicht verwirrt sah er mich dann schon an da es ihm wohl selbst auch gefiel und er meine Reaktion nicht verstehen konnte. “Wieso? Was ist so schlimm daran?” Ich hatte Mühe ein ernstes Gesicht zu machen da ich am liebsten laut lachen würde. ”Gar nichts, du musst dich nicht wundern wenn sämtliche Frauen dir nachlaufen wenn du das anziehst” Er kam näher und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. “Das ist mir egal, mir reicht es wenn du mir nachläufst” Bevor ich antworten konnte zog er mich in die Umkleidekabine. “Hey, was soll das werden?” Ich war etwas überrascht und sah ihn an. “Ich wollte nur mit dir alleine sein”
Bevor ich darüber nachdenken konnte wie er das eben gemeint hat, küsste er mich auch schon. Es war verlockend aber ich konnte mich nicht darauf einlassen, nicht wenn ich weiss das die Verkäuferin auf der anderen Seite vom Vorhang lauert. “Ich denke wir sollten das hier nicht weiter vertiefen” Sein grinsen wurde darauf hin nur noch dämlicher. “Ach plötzlich? Am Strand störte dich das noch nicht” ”Am Strand war auch keine Verkäuferin in der Nähe” ”Ich stehe auf Zuschauer” ”Du bist unmöglich!” Bevor er noch eine Aktion startet, verschwand ich wieder aus der Umkleide und wartete davor. Die Verkäuferin sah zu mir als ich aus der Umkleide kam aber sie sagte nichts. Ich zog ein ganz unschuldiges Gesicht und tat als wäre nichts.
Nachdem Rafa den halben Laden anprobiert hatte und sich endlich mal entscheiden konnte was er kauft, konnten wir auch wieder gehen. Ich dachte erst er trägt meine Beutel aber inzwischen trage ich seine, so hatte ich mir das gedacht. Machte auch keinen Spaß mit den ganzen Beuteln und wir mussten ja auch gelegentlich stehen bleiben wegen Autogrammen. Essen gingen wir aber noch bevor wir Palma den Rücken kehrten und nach Porto Cristo zurück fuhren.
Bei dem schlechten Wetter machte es ja auch keinen richtigen Spaß shoppen zu gehen also war ich froh in Ruhe die Füsse hochlegen zu können. Jetzt hatte ich auch wieder Zeit an Sara zu denken, bis jetzt hatte sie sich aber nicht gemeldet und sie war auch nicht hier aufgetaucht. Gut, bei dem schlechten Wetter wird sie hier nicht den ganzen Tag vor der Einfahrt lauern. Ich lief zum Fenster und sah kurz raus bevor ich wieder nach unten ging.
Erst dachte ich Rafa probiert eben alles noch mal an was er gekauft hat aber er stand an der Tür zum Pool und sah raus. “Gibt es was zu sehen?” Fragte ich neugierig und stellte mich neben ihn. Er drehte sich zu mir und sah mich ernst an. “No” Ein paar Sekunden sah ich ihn an und überlegte was mit ihm los ist. Heute früh war seine Laune wesentlich besser als jetzt. Er hat doch gesagt heute früh ich soll aufhören wegen dem Wetter zu jammern, direkt eine Spaßkanone ist er selbst gerade auch nicht. Von der Aktion in der Umkleide abgesehen war er nicht ganz so gesprächig wie sonst.
Macht er sich Gedanken wegen den Bildern oder ist es weil er nicht Tennis spielen kann? Vielleicht hat er auch einfach einen schlechten Tag und ich bilde mir Dinge ein. “Hat Sara sich schon gemeldet?” ”No, mache dir nicht so viele Gedanken. Ich meine, mir fällt schon irgendwas ein, Not macht erfinderisch” Ich dachte ja sein Gesicht hellt sich mal auf aber das Gegenteil war der Fall. Irgendwie werde ich nicht schlau aus Rafa, ich dachte ja ich kenne ihn ein bisschen nachdem ich eine Woche hier war aber er macht jetzt irgendwie dicht und ich weiss nicht warum. Wegen Sara fällt mir schon was ein, darüber soll er sich nicht den Kopf zerbrechen.
Ehe ich länger nachgrübeln konnte nahm er meine Hände in seine und sah mich ernst an. “Ich habe ein bisschen nachgedacht in den letzten Tagen” Ich wurde plötzlich nervös als er so ernst anfing. Wie, er hat nachgedacht? Da er mich so ernst ansah, bekam ich ein bisschen Angst vor dem was er gleich sagt. Nervös schluckte ich und versuchte mir nichts anmerken zu lassen obwohl ich es gar nicht hören wollte. Wenn er mich so ansieht, kann es nichts positives sein. Er holte Luft und sah kurz von mir weg.
“Amaia verstehe mich jetzt nicht falsch aber mir geht da so einiges durch den Kopf. Ich würde das auch nicht sagen wenn es mir nicht wichtig wäre aber ich weiss ehrlich gesagt nicht wo das hinführt mit uns” Ich schluckte kräftig und ahnte schon worauf er hinaus wollte. Was er noch sagen will möchte ich eigentlich gar nicht hören. “Es ist nicht so das ich dir nicht vertraue aber ich gebe ehrlich zu das es mich zum nachdenken bringt das du in der Lage bist jemanden sehr überzeugend an der Nase rumzuführen” Bis gerade eben dachte ich er meint damit das wir uns dann nicht mehr sehen können aber inzwischen war ja klar auf was er anspielte. Wenn ich ihn richtig verstehe zweifelt er daran das ich nur hier bin weil ich ihn sehen will.
Glaubt er ich tische ihm etwas auf so wie ich es mit Sara mache? Mir wurde es gleich anders zumute. Wie konnte ich auch glauben das es ihn nicht zum nachdenken bringt was ich mit Sara mache. Als ich ihm das mit Sara erzählte und er nicht so großartig darauf reagierte kam mir das gleich ein bisschen komisch vor. Offensichtlich brauchte er erst ein paar Tage zum überlegen, wie blöd das ich nicht gleich darauf gekommen war. Ich ging einen Schritt von ihm zurück und drehte mich mit dem Rücken zu ihm. Das war es also worüber er nachdenkt...
Je länger niemand etwas sagte umso unangenehmer wurde es. Erst nach ein paar Minuten wurde mir bewusst was er mir eben unterstellt hat. Ich fühlte mich als wäre ich mit dem Kopf voraus durch eine Wand gelaufen und wäre mit einem Schlag in die Realität gekommen. Er denkt wirklich ich wäre nur hier weil ich mal ein bisschen Spaß haben wollte oder vielleicht weil ich sehen wollte wie man als Star lebt.
Obwohl er das sicher nicht beabsichtigte fühlte sich das an wie ein Schlag ins Gesicht. Wieso redet er nicht mit mir darüber und wartet erstmal ein paar Tage ab? Langsam bekam ich Wut. Über eine Woche lässt er mich hier wohnen und dann fängt er plötzlich an zu zweifeln? Ganz offensichtlich zweifelt er also auch die Küsse und alles andere an. Vielleicht war es auch Absicht weil er sich ein bisschen Spaß nicht verderben wollte und ich war ja jetzt schon mal hier.
Das Gefühl flüchten zu wollen wurde dann immer stärker, ich war total durcheinander. Erwartet er das ich ihn jetzt auch noch verstehe? Es tut schon weh das er mir unterstellt das ich ihm etwas vorspiele, er hat kein Recht meine Gefühle für ihn anzuzweifeln. “Amaia” Was das hier werden soll wusste ich auch nicht mehr. Eigentlich wäre ich jetzt am liebsten eine Weile alleine. Ohne ein Wort zu sagen drehte ich mich um und ging.
Ich lief nach oben und schloss mich in meinem vorrübergehenden Zimmer ein. Rafa ist der letzte den ich jetzt sehen will. Was für eine Enttäuschung! Er hat ja echt Nerven mir das so direkt zu sagen. Zwar besser als wie wenn er gar nichts sagt aber anscheinend habe ich alles falsch eingeschätzt, denn er ist offensichtlich nicht bereit sich weiter auf mich einzulassen. Wie konnte ich mich nur so täuschen? Ich war so perplex das ich erst nach einer Weile die Situation begriff.
Wenn er das so sieht, gibt es auch keinen Grund das ich noch länger hier bleibe. Ich muss das echt nicht haben das er mir das noch mal vorwirft. Denkt er wirklich ich würde mit ihm schlafen wenn er mir egal wäre? Wenn er das wirklich glaubt, will ich gar nicht wissen wie er mich einschätzt. Ich dachte so blind kann kein Mensch sein aber anscheinend doch. Ich kann nachvollziehen das er es nicht gut findet was ich mit Sara mache aber das er wirklich so weit geht zu glauben ich würde ihm etwas vorspielen hätte ich nicht gedacht.
Meine Wunschvorstellung länger hier zu bleiben löste sich wie eine Seifenblase in Luft auf. So langsam frage ich mich ob ich mir selbst etwas vorgemacht habe die letzte Woche. Es ist alles eben doch viel komplizierter als gedacht. Am liebsten würde ich in Tränen ausbrechen und ihm eine riesige Szene machen aber den Gefallen tue ich ihm nicht. Ganz sicher werde ich mich nicht für meine Gefühle rechtfertigen, darüber diskutiere ich nicht. Mein Blick schweifte zu meinem Koffer und dem Sonnenschirm. Sieht so aus als müsste ich eine Entscheidung treffen.
5 December 2009
Chapter 21
“Soll ich dir tragen helfen?” Kam es mir nur so vor oder ist er heute besonders aufdringlich? ”No gracias, ich schaffe es alleine so schwer ist der Schirm nun auch nicht” Ich beachtete ihn nicht weiter obwohl ich wusste das er hinter mir herläuft. Die Tasche und den Schirm stellte ich im Gästezimmer ab bevor ich mich umdrehte. “Verfolgst du mich?” ”Sieht wohl so aus, no?” Kam es nur mit einem breiten grinsen. ”Tja, ich gehe dann mal meine Haare waschen” ”Soll ich dir helfen?” Ich schüttelte mit dem Kopf und konnte mir ein kichern nicht verkneifen, er lässt nicht locker! “Ok” Sagte ich dann spontan weil ich sehen wollte was passiert.
Das irgendetwas passiert, davon gehe ich einfach mal aus. Ich lief ins Bad und zog mir meine Hosen und das Top aus bevor ich unter die Dusche verschwand. Meinen Bikini hatte ich ja noch an denn Rafa hatte ja auch noch seine Badeshorts an. Demonstrativ stellte ich mich unter die Dusche und wartete. Rafa drehte das Wasser auf und machte zu meinem Erstaunen gar nichts. Jedenfalls nichts abgesehen vom Haare waschen. Ich schloss meine Augen damit das Shampoo nicht in meine Augen gelangt und drehte mich dann mit dem Rücken zu Rafa. Er kann jetzt immer meine Haare waschen, ein Wunder das er sich nicht zu einer Aktion hinreißen ließ.
Es war ja lächerlich, dass ich meinen Bikini noch an hatte aber ich dachte das er sich darum kümmert. Anders gesagt hoffte ich, dass er sich darum kümmert aber vielleicht dachte er dasselbe und tat es aus genau dem Grund nicht. Als er wohl fertig war, passierte gar nichts mehr also schlug ich meine Augen wieder auf und drehte mich um. “War das schon alles?” ”Sí, deine Haare sind sauber” Kam es nur mit einem breiten Lächeln. “Gracias, dass kannst du jetzt immer machen!” ”Wo bleibt meine Belohnung?” Ach, so lief das also! Eine Gegenleistung will er also auch noch. Ich legte einen Arm um seinen Hals und küsste ihn kurz.
“War das schon alles?” Fragte er dann auch gleich da es ihm wohl zu flüchtig war. Gut, dass ließ ich mir nicht zweimal sagen und küsste ihn wieder. Zwar wollte ich ihn wieder nur kurz küssen aber er hatte inzwischen seine Hände an meinen Hüften und zog mich an sich. Es fing gleich an bei mir zu kribbeln als ich ahnte wo das hinführt. “Jetzt werde mal nicht gierig!” Meinte ich so zwischendurch aber irgendwie schien er gar nicht zuzuhören. Das Wasser lief inzwischen nicht mehr aber wir standen ja noch in der Dusche. Ich legte den anderen Arm auch noch um seinen Hals und erwiderte seine gierigen Küsse.
Vielleicht habe ich jetzt ein bisschen mehr Glück als vorhin am Strand wo er mich abblitzen lassen hat. Während er dann langsam meinen Hals nach unten küsste, zog er mir mein Bikinioberteil aus und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. Das ganze entwickelte eine Eigendynamik und mir wurde immer wärmer je länger er mich küsste. Es tat richtig gut alles und zu wissen, dass uns hier keiner stört war noch viel besser.
Ich lief so ungefähr 20 Minuten später raus zum Pool und machte es mir im Schatten auf der Couch bequem. Irgendwie war ich total geschafft, woher das wohl kommt? Sollte ich doch in Zukunft alleine duschen? Ich war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, irgendwann bringt Rafa mich noch mal um den Verstand. Vielleicht sollte ich ja bis zum Rückflug hier sitzen bleiben! Porto Cristo lag ja in einer Bucht und von hier aus konnte man bequem alle Boote beobachten die in den Hafen oder raus fuhren. Zu sehen gab es jedenfalls genug.
Da drängt sich mir die Frage auf ob Rafa überhaupt irgendwo leben könnte wo kein Meer in der Nähe ist. Ich kannte es nicht anders aber wenn ich das so gewohnt wäre, würde ich wohl auch nicht darauf verzichten wollen. “Gibt es was interessantes zu sehen?” Ich drehte meinen Kopf wieder und sah Rafa vor der Couch stehen. Leider hatte er sich etwas angezogen aber das könnte man ja auch ändern. “Ich gucke nur was so auf dem Meer los ist und denke über dich nach” Er setzte sich hin und grinste schon wieder so breit. “So?” ”Mhh, könntest du irgendwo leben wo kein Meer ist?” ”Ich glaube nicht. Ich bin es gewohnt, ich meine bei einer Insel ist nun mal Ringsum das Meer. Ich wollte unbedingt Meerblick haben als ich das Haus geplant habe. Es gab auch noch andere Grundstücke aber die hatten alle keinen Meerblick. Zwar musste ich die Aussicht teuer bezahlen aber das ist hier so weil alle Meerblick haben wollen. Hier kann zumindest niemand ein weiteres Haus bauen”
Stimmt! Da es hier so eine Art Steilküste war kann es nicht passieren, dass noch jemand ein Haus hier hinsetzt und so die Aussicht verbaut. Ich sah dann in den Pool und musste an gestern Nachmittag und vorhin denken. “Zum Glück kann niemand hier reinsehen” Sagte ich und musste dann kichern obwohl ich versuchte ernst zu bleiben, es gelang mir aber nicht. “Das war mein Hauptanliegen bei der Konstruktion” Kam es ganz sachlich, wodurch ich nur noch mehr lachen musste. Nicht auszudenken was wäre wenn einer gestern Bilder gemacht hätte als wir im Pool bzw. daneben waren. “Wir sollten öfters zusammen duschen gehen” Sagte ich dann spontan mit einem Lächeln das sicher vom einen Ohr zum anderen ging. Das war mein Ernst, es hatte sich auf mehr als eine Art gelohnt. Ich war jetzt auch gleich viel entspannter und dachte nicht ständig daran was ich am liebsten alles Unanständiges mit Rafa machen würde.
Machte aber auch Spaß zu wissen das ich sämtliche Gedanken sofort in die Tat umsetzten könnte wenn ich will. “Obwohl ich der Idee mit dem Strand nicht unbedingt abgeneigt bin” Kam es dann breit grinsend. ”Du wolltest doch nicht” ”Das hat mich eine Menge Selbstbeherrschung gekostet, das kannst du mir glauben! Es ist nicht so das mir nichts eingefallen wäre aber ich kann auf solche Bilder verzichten” Mir blieb keine Wahl als zu kichern, es hätte mich auch gewundert wenn ihn das nicht irgendwie ins schwitzen bringt. Ein Wunder das er sich beherrschen konnte bis wir wieder hier waren.
Um auf andere Gedanken zu kommen dachte ich mir ich könnte ja Sara mal anrufen und so ganz uneigennützig fragen wann sie hier ankommt und wie es überhaupt dazu kam das sie über Nacht beschließt hier her zu kommen.
Fällt mir sicher schwer dabei nicht hysterisch zu werden oder vielleicht zu neugierig obwohl ich alles genau wissen wollte um den größten Schaden noch abzuwenden. Ich frage sie einfach was sie macht und weiß ja dann wo ich nicht hingehen sollte. Inzwischen wird es schon lächerlich alles aber es ging nicht anders.
“Und?” Rafa sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an als ich wieder auf der Terrasse erschien und konnte es wohl kaum abwarten zu erfahren was Sara nun ausgeheckt hat. Ich holte tief Luft und setzte mich an den Tisch. Von mir aus hätte Rafa auch neben mir stehen können wenn ich mit Sara telefoniere weil er sowieso kein Wort versteht. War aber schon besser so weil ich mich erst mal ein paar Minuten abregen musste nachdem ich mit ihr telefoniert hatte.
“Tja, sie landet morgen Nachmittag in Palma und kommt dann hier her. Jenny hatte schon länger geplant hier her zu kommen und Sara hat sich spontan entschieden. Das Dumme ist das sie in der Firma ihrer Eltern arbeitet und so eben auch kurzfristig Urlaub machen kann. Freundlicherweise haben die das selbe Hotel gebucht in dem wir waren als wir im Mai hier waren” ”Wie, etwa das hier in Porto Cristo?” Ich musste lachen über seine Reaktion und trank erst mal einen Schluck Wasser.
“Sí” Das war ja irre, jetzt ist Sara in ein paar Stunden nur ein paar Kilometer Luftlinie von hier weg. Zwar ist der Ort nun auch nicht so klein und Rafa wohnt zum Glück auch nicht mitten im Ort aber damit hatte ich schon gerechnet, dass sie das Hotel bucht. “Und was machen die hier? Ich meine, es ist doch offiziell bekannt, dass ich nicht mehr trainiere”
”Das kam noch dazu. Sie dachte, sie kann mir was Neues erzählen wenn sie sagt dass du vorzeitig die Saison beendet hast. Die glauben vielleicht es ist einfacher dich hier zu sehen weil du ja jetzt hier bist. Die ist doch jetzt sowieso gefrustet weil du nicht mehr spielst also kommt sie eben hier her. Vielleicht glauben die du gehst da mitten im Ort an den Strand?” ”Na super, mal sehen wie lange es dauert bis sie draußen vor dem Tor stehen” Ich musste lachen aber mehr aus Verzweiflung.
Inzwischen wussten auch seine Fans das Rafa hier ein Haus hat. Nur wo er seinen Wohnsitz hat wusste keiner weil er noch mehr Häuser in anderen Orten hat. Die anderen sind alle nur Kapitalanlagen aber das wusste offiziell keiner. Die Vorstellung das Sara zusammen mit Jenny vor der Einfahrt lauert war irgendwie zum lachen. “Was würdest du machen wenn sie wirklich hier auftauchen?” Fragte ich und hoffte dass es sich um eine hypothetische Frage handelt.
Sein Gesicht wurde gleich wieder todernst und er rutschte leicht nervös auf seinem Stuhl rum. “Also verstehe mich nicht falsch aber keine von denen kommt hier rein. Ich habe nichts gegen die aber ich will sicher keine Fans in meinem Haus haben und auf Bilder im Internet kann ich auch verzichten. Vermutlich sind sie ein wenig geschockt falls die dich hier sehen aber wenn nicht will ich nur gleich vorher klarstellen was Sache ist. Diese Jenny würde ich am liebsten gleich nach Miami zurück schicken” Es war doch deutlich zu spüren das Rafa empfindlich reagiert wenn er sein Privatleben bedroht sieht.
Ich kann es verstehen, ich würde auch nicht Fremde in mein Haus lassen. Dann machen die noch heimlich Bilder und veröffentlichen die... “Hey, ich kann verstehen, dass du die nicht reinlassen würdest. Daran habe ich auch nie gedacht. Ich finde die Vorstellung nur irgendwie absurd das die hier her kommen und auf dich lauern” ”Das kommt ab und zu mal vor nur sind das meistens keine Leute die ich kenne. Was willst du jetzt machen? Die nächsten Tage nicht aus dem Haus gehen?” ”Die werden ja wohl nicht jeden Tag von früh bis spät hier warten. Es kommt doch sowieso irgendwann raus und ich habe auch keine Lust mich vor ihnen zu verstecken”
Rafa sah auf den Tisch und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Ich habe ja schon einiges erlebt aber so was noch nie” ”Mhhh” Ich hing meinen Gedanken nach und konnte das alles nicht so richtig glauben. Vor ein paar Monaten war ich praktisch auch noch auf der anderen Seite und hätte wohl Sara zu liebe irgendwo auf Rafa gelauert. Aus meiner jetzigen Sichtweise ist es schon ein bisschen verrückt ihm aufzulauern. Was geht nur in Sara vor?
Ihr wird klar sein das sie nie mehr als ein paar Autogramme und Bilder von Rafa bekommen wird egal wie sehr sie hinter ihm her schnüffelt. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Vielleicht träumen ja alle heimlich davon mit Rafa zusammen zu sein? Er bietet eine perfekte Projektionsfläche für die Art von Wunsch. Mir ist klar, dass viele sofort mit mir tauschen würden.
Am nächsten Tag brauchte ich dann auch tatsächlich nicht aus dem Haus gehen aber nicht wegen Sara und Jenny sondern weil es in Strömen regnete. Ich war ja in der Vergangenheit auch schon im Frühling und Winter auf Mallorca aber so ein Wetter hatte ich hier noch nie erlebt! Erst traute ich ja meinen Augen nicht als Rafa die Jalousie hochzog und es munter an das Fenster plätscherte. Es war wie in Deutschland im November, ein richtiges Mistwetter. Es regnete als gäbe es kein Morgen mehr und kalt war es auch noch.
Da der Himmel mit tiefhängenden Regenwolken verhangen war und weit und breit keine Sicht auf Besserung bestand, wird es wohl aller Wahrscheinlichkeit nach den ganzen Tag durchregnen. Wind schien auch noch zu sein, es war ein mächtiger Wellengang auf dem Meer, hoffentlich kommt keine Flutwelle bis hier hoch. Rafa fand es auch noch amüsant das ich mich so aufregen kann über schlechtes Wetter. Der hat gut reden, wahrscheinlich hat er hier auch seit dem Frühjahr keinen Regen mehr erlebt.
Da meinte er doch allen Ernstes, dass ich den Sonnenschirm heute sicher nicht brauche. Wenn so schlechtes Wetter ist, wird einem erst bewusst wie sehr man hier auf schönes Wetter angewiesen ist. So was wie Museen gab es hier weit und breit nicht also kann man praktisch gar nichts machen wenn man nicht erst bis nach Palma fahren will. Dem Wetter entsprechend war auch meine Laune also blieb ich im Bett liegen. Rafa war es wohl zu langweilig, der war ins Bad oder wohin auch immer verschwunden.
“Bleibst du den ganzen Tag im Bett?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zur Tür. Mhh, wenn er so fragt... ich würde auch länger als nur einen Tag in seinem Bett bleiben. “Sí, das schlechte Wetter kann ich auch von hier aus genießen” Der freie Meerblick und die riesigen Fenster hatten eben auch unangenehme Seiten, so war man hautnah dabei wenn draußen die Welt untergeht. Er lief zum Fenster und sah eine Weile raus. “Glaubst du das hört heute noch mal auf?” Fragte ich hoffnungsvoll und klammerte mich an die Hoffnung das Rafa es Besser weiß und sagt, dass es gleich aufzieht.
”Also ich will nicht deine Urlaubslaune vermiesen aber ich fürchte es bleibt den ganzen Tag so. Sieht nicht nach einem kurzen Schauer aus” Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und schnappte nach Luft. “Bueno, dann bleibe ich doch den ganzen Tag im Bett. Du kannst mir ab und zu was zu Essen und Trinken vorbei bringen” Sein Lächeln sah zwar gut aus aber meine Laune war trotzdem noch im Keller. “Bestimmt... würde es deine Laune aufhellen wenn ich Sara und Jenny hier reinlasse?” Ich rollte mit den Augen und schüttelte dann mit dem Kopf. “Werde nicht albern! Wir können auch zum Hotel fahren sie besuchen wenn du so wild darauf bist sie zu sehen” Er kam näher zum Bett und setzte sich hin.
“Willst du jetzt den ganzen Tag liegen bleiben und dich über das schlechte Wetter aufregen? Mich stört es auch aber es lässt sich doch sowieso nicht ändern. Wenn du keine Lust hast den ganzen Tag hier zu bleiben können wir doch trotzdem irgendwohin fahren” ”Mhh, die Aussicht am Cap de Formentor ist heute sicher grandios, Armageddon hautnah” Ein bisschen gequält sah sein Lächeln jetzt aber schon aus. “Jetzt entspanne dich mal und höre auf Terror zu machen” Ich setzte mich hin und legte meine Arme um seinen Hals.
“Es tut mir leid wenn ich dir auf die Nerven gehe” ”Das tust du nicht du sollst nur aufhören wegen dem Wetter zu jammern” ”Ist ja schon gut, ich sage nix mehr. Da du offensichtlich nicht im Bett bleiben willst und es alleine auch keinen Spaß macht werde ich mich mal ins Bad quälen” “Ok” Ich drehte mich dann auf den Bauch und blieb noch liegen, wenn ich so überlege habe ich doch keine Lust aufzustehen. Rafa blieb neben mir sitzen und fing plötzlich an Küsse auf meinem Nacken zu verteilen. Das trägt nicht gerade dazu bei das ich vielleicht doch noch aufstehe.
Ich schloss meine Augen wieder und genoss seine Küsse, hoffentlich hört er nie mehr auf! Da muss ich nur an gestern Abend denken, wo das hinführt wenn ich ihn tun lasse was er will hatte ich ja gemerkt. Ich habe nichts dagegen mit ihm länger im Bett zu bleiben, langweilig wird es sicher nicht. Ein lachen konnte ich mir nicht verkneifen als er sich langsam meinen Rücken nach unten küsste, seine Haare kitzelten auf meinem Rücken daher musste ich ja auch so kichern. “Höre auf!” Sagte ich dann schweren Herzens und leider hörte er wirklich auf. “Warum?” ”Deine Haare kitzeln auf meinem Rücken” ”Ich könnte den ganzen Tag Küsse auf dir verteilen” ”Mhh, wenn das so ist, habe ich nichts dagegen”
Wenn Rafa mich auf die Art ablenkt, ist das schlechte Wetter gleich nicht mehr so schlimm! Ich wickelte die Bettdecke um mich und stand dann doch auf. Rafa blieb auf dem Bett sitzen und sah mir mit einem breiten grinsen nach. “Du siehst wirklich gut aus nur mit der Bettdecke” “Ich weiß” Mit einem kichern verschwand ich ins Bad.
Ein kleines bisschen hatte sich meine Laune dann doch gebessert nachdem ich duschen war. Besser schlechtes Wetter hier als schlechtes Wetter zu Hause in Deutschland und vielleicht hört es ja zumindest auf mit regnen. Außerdem bin ich ja nicht in erster Linie hier um an den Strand zu gehen, soll Rafa sich überlegen wie er mich heute beschäftigen kann. Nix schlimmes ahnend lief ich nach unten in die Küche.
Auf den ersten Blick sah alles normal aus, Rafa hatte sich freiwillig bereit erklärt das Frühstück zu machen und er saß am Tisch und sah zu mir. Was mich gleich stutzig machte war sein Gesichtsausdruck, irgendwas war los. Wäre es nicht so, dass er ja schon nicht mehr Tennis spielen kann, hätte ich sofort darauf getippt. Vorhin war seine Laune noch um einiges besser gewesen. Ich setzte mich erst mal ihm gegenüber an den Tisch und überlegte ob ich warte bis er etwas sagt oder ob ich frage, neugierig war ich jetzt schon.
“Was ist passiert?” Fragte ich dann doch direkt da ich es nicht mehr abwarten konnte, Geduld war noch nie meine Stärke. Ich sah wie er sich räusperte und dann schluckte. “Wir sind in der Zeitung” Kam es dann direkt.
Ein paar Sekunden dauerte es bis ich realisiert hatte was er da eben gesagt hat. Mein erster Gedanke war, oh nein! “Was?” Fragte ich dann etwas nervös und hoffte das er gleich sagt es war ein Witz aber ich traue Rafa nicht zu das er die Art von Scherzen mit mir machen würde.
“Als wir Vorgestern Abend in Manacor waren hat jemand Bilder gemacht als wir aus dem Club kamen und zum Auto liefen” Kurz dachte ich an Vorgestern und wunderte mich dann weil es doch Dunkel war und ich hatte keinen Blitz gesehen also wie soll da einer heimlich Bilder gemacht haben? Falls doch, kann ich mir vorstellen was das für Bilder sind... Rafa hatte ja seinen Arm um meiner Schulter liegen, ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse! “Es war doch Dunkel!” Sagte ich und wollte das alles nicht wahr haben indem ich mir einrede dass es einfach nicht sein kann.
“Sí aber mit der heutigen Technik kann man auch im dunkeln Bilder machen” Ein paar Sekunden sagte ich gar nichts sondern starrte nur in meine Tasse während ich den Kaffee rührte. Sicherlich brauche ich heute drei Liter Kaffee um meine Nerven zu beruhigen. Es dauert offensichtlich nur noch Stunden bis Sara und Jenny den Schock ihres Lebens bekommen werden. “Amaia” Ich wurde aus meinen düsteren Gedanken gerissen und sah über den Tisch zu Rafa.
Er sah mich an und überlegte wohl wie ich jetzt reagiere, vielleicht erwartet er ja das ich gleich ausflippe oder ihn dafür verantwortlich mache. Das kann ich aber nicht da ich weiß das es früher oder später sowieso Bilder gegeben hätte und das er da zu viel getrunken hat und nicht mehr alleine zum Auto kam macht es auch nicht mehr schlimmer. Damit musste ich rechnen als ich mich entschieden hatte hier her zu kommen. “Wenn es Bilder gibt und die in der Zeitung sind, kann man da wohl nichts mehr machen” Sagte ich dann mit einem gefassten Gesicht. So richtig überzeugt sah Rafa nicht aus, er hat wohl eine andere Reaktion erwartet.
“Und jetzt?” Das war eine gute Frage, welche Wahl hatte ich denn jetzt noch? Gar nichts werde ich tun, ich warte einfach ab was passiert. “Ich weiß nicht” Sagte ich nachdenklich und überlegte was jetzt am Besten ist. Rafa stand auf und lief um den Tisch um sich neben mich zu setzen. Er nahm dann meine Hand in seine und rückte so nah es ging an mich. “Es tut mir leid, ich will dich nicht in Schwierigkeiten bringen” Da er mich so betreten ansah, musste ich lächeln. “Schon gut, wäre sowieso irgendwann aufgeflogen” ”Du bist nicht sauer?” Da er so zögerlich fragte dachte er wohl, dass ich ihm den Kopf abreiße wegen den Bildern.
“Was hätte ich davon? Ändern kann ich es ja nicht mehr außerdem war mir klar das es Bilder geben könnte wenn ich hier bin” Ich hatte schon so viel Abstand von dem Ganzen das es mir fast egal war. Obwohl ich knapp eine Woche hier war kam es mir vor wie ein halbes Jahr und Sara schien ewig weit weg zu sein obwohl ich ja mit ihr telefonierte. Wieso sah er mich immer noch so zögerlich an? Dachte er das ist die Ruhe vor dem Sturm? “Sieh mich nicht so an!” Sagte ich und musste gleich wieder lächeln. Immerhin entspannte sich sein Gesicht dann mal etwas.
“Hätte ich nicht zu tief ins Glas geguckt wäre es nie dazu gekommen” ”Ist egal jetzt außerdem hattest du ja einen Grund” ”Es war kein Grund, dass ich nicht spielen kann rechtfertigt es nicht” ”Sieht man überhaupt etwas auf den Bildern? Ich meine, hast du die Bilder gesehen?” ”No, normalerweise gucke ich die nicht an weil es mich nicht interessiert. Ich weiß es nur weil mein Manager vorhin angerufen hat und sagte das es Bilder im Internet gibt und das welche in einer Zeitung sind”
Natürlich ließ mir das keine Ruhe, ich musste die Bilder unbedingt sehen. Vielleicht bin ich ja gar nicht zu erkennen und mache mir jetzt umsonst die ganzen Gedanken. Zeit hatten wir ja heute da wir nicht an den Strand gehen konnten also nutzte ich mein Mietauto und fuhr ins Zentrum von Porto Cristo. Rafa war gar nicht erst mitgekommen, würde vielleicht auch komisch aussehen wenn er Zeitungen kauft in denen Klatschgeschichten über ihn stehen. Ich hatte ja immerhin noch den Vorteil, dass mich niemand kennt.
Zielstrebig schnappte ich mir so eine Zeitung und lief dann zur Kasse. Ein bisschen komisch fühlte ich mich schon. Es war eigenartig zu wissen dass darin ein Bild von mir mit Rafa sein soll. Wie fühlt es sich an sich selbst unfreiwillig in der Zeitung zu sehen? Da ich mich nicht traute direkt in dem Laden nachzusehen verschwand ich schnellstmöglich wieder. Aus irgendeinem Grund dachte ich schon die Leute erkennen mich wenn mich jemand ansieht.
Ohne Umweg fuhr ich zurück und war schon ganz gespannt. Ich war echt froh als sich hinter mir das Tor schloss und ich so erstmals sicher war vor neugierigen Blicken. Vielleicht drehe ich ja durch und bilde mir alles ein, so wird es sein. Natürlich kam ich nicht trocken vom Auto ins Haus aber das war mir jetzt egal, soll es meinetwegen eben den ganzen Tag regnen. Ich hatte kaum die Tür geöffnet als Rafa vor mir stand und mich mit großen Augen ansah. “Und?” Kam es gleich neugierig. Ich rollte mit den Augen und machte die Tür zu.
“Ich habe nicht alles schon im Laden gelesen, wollte mir den Schock noch aufheben. Eigentlich will ich gar nicht gucken. Kannst du nicht erst mal gucken?” ”Gib her” Ich gab ihm die Zeitung und zog dann meine Schuhe aus um mich irgendwie abzulenken.
Das irgendetwas passiert, davon gehe ich einfach mal aus. Ich lief ins Bad und zog mir meine Hosen und das Top aus bevor ich unter die Dusche verschwand. Meinen Bikini hatte ich ja noch an denn Rafa hatte ja auch noch seine Badeshorts an. Demonstrativ stellte ich mich unter die Dusche und wartete. Rafa drehte das Wasser auf und machte zu meinem Erstaunen gar nichts. Jedenfalls nichts abgesehen vom Haare waschen. Ich schloss meine Augen damit das Shampoo nicht in meine Augen gelangt und drehte mich dann mit dem Rücken zu Rafa. Er kann jetzt immer meine Haare waschen, ein Wunder das er sich nicht zu einer Aktion hinreißen ließ.
Es war ja lächerlich, dass ich meinen Bikini noch an hatte aber ich dachte das er sich darum kümmert. Anders gesagt hoffte ich, dass er sich darum kümmert aber vielleicht dachte er dasselbe und tat es aus genau dem Grund nicht. Als er wohl fertig war, passierte gar nichts mehr also schlug ich meine Augen wieder auf und drehte mich um. “War das schon alles?” ”Sí, deine Haare sind sauber” Kam es nur mit einem breiten Lächeln. “Gracias, dass kannst du jetzt immer machen!” ”Wo bleibt meine Belohnung?” Ach, so lief das also! Eine Gegenleistung will er also auch noch. Ich legte einen Arm um seinen Hals und küsste ihn kurz.
“War das schon alles?” Fragte er dann auch gleich da es ihm wohl zu flüchtig war. Gut, dass ließ ich mir nicht zweimal sagen und küsste ihn wieder. Zwar wollte ich ihn wieder nur kurz küssen aber er hatte inzwischen seine Hände an meinen Hüften und zog mich an sich. Es fing gleich an bei mir zu kribbeln als ich ahnte wo das hinführt. “Jetzt werde mal nicht gierig!” Meinte ich so zwischendurch aber irgendwie schien er gar nicht zuzuhören. Das Wasser lief inzwischen nicht mehr aber wir standen ja noch in der Dusche. Ich legte den anderen Arm auch noch um seinen Hals und erwiderte seine gierigen Küsse.
Vielleicht habe ich jetzt ein bisschen mehr Glück als vorhin am Strand wo er mich abblitzen lassen hat. Während er dann langsam meinen Hals nach unten küsste, zog er mir mein Bikinioberteil aus und fuhr mit seinen Händen meinen Rücken auf und ab. Das ganze entwickelte eine Eigendynamik und mir wurde immer wärmer je länger er mich küsste. Es tat richtig gut alles und zu wissen, dass uns hier keiner stört war noch viel besser.
Ich lief so ungefähr 20 Minuten später raus zum Pool und machte es mir im Schatten auf der Couch bequem. Irgendwie war ich total geschafft, woher das wohl kommt? Sollte ich doch in Zukunft alleine duschen? Ich war nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, irgendwann bringt Rafa mich noch mal um den Verstand. Vielleicht sollte ich ja bis zum Rückflug hier sitzen bleiben! Porto Cristo lag ja in einer Bucht und von hier aus konnte man bequem alle Boote beobachten die in den Hafen oder raus fuhren. Zu sehen gab es jedenfalls genug.
Da drängt sich mir die Frage auf ob Rafa überhaupt irgendwo leben könnte wo kein Meer in der Nähe ist. Ich kannte es nicht anders aber wenn ich das so gewohnt wäre, würde ich wohl auch nicht darauf verzichten wollen. “Gibt es was interessantes zu sehen?” Ich drehte meinen Kopf wieder und sah Rafa vor der Couch stehen. Leider hatte er sich etwas angezogen aber das könnte man ja auch ändern. “Ich gucke nur was so auf dem Meer los ist und denke über dich nach” Er setzte sich hin und grinste schon wieder so breit. “So?” ”Mhh, könntest du irgendwo leben wo kein Meer ist?” ”Ich glaube nicht. Ich bin es gewohnt, ich meine bei einer Insel ist nun mal Ringsum das Meer. Ich wollte unbedingt Meerblick haben als ich das Haus geplant habe. Es gab auch noch andere Grundstücke aber die hatten alle keinen Meerblick. Zwar musste ich die Aussicht teuer bezahlen aber das ist hier so weil alle Meerblick haben wollen. Hier kann zumindest niemand ein weiteres Haus bauen”
Stimmt! Da es hier so eine Art Steilküste war kann es nicht passieren, dass noch jemand ein Haus hier hinsetzt und so die Aussicht verbaut. Ich sah dann in den Pool und musste an gestern Nachmittag und vorhin denken. “Zum Glück kann niemand hier reinsehen” Sagte ich und musste dann kichern obwohl ich versuchte ernst zu bleiben, es gelang mir aber nicht. “Das war mein Hauptanliegen bei der Konstruktion” Kam es ganz sachlich, wodurch ich nur noch mehr lachen musste. Nicht auszudenken was wäre wenn einer gestern Bilder gemacht hätte als wir im Pool bzw. daneben waren. “Wir sollten öfters zusammen duschen gehen” Sagte ich dann spontan mit einem Lächeln das sicher vom einen Ohr zum anderen ging. Das war mein Ernst, es hatte sich auf mehr als eine Art gelohnt. Ich war jetzt auch gleich viel entspannter und dachte nicht ständig daran was ich am liebsten alles Unanständiges mit Rafa machen würde.
Machte aber auch Spaß zu wissen das ich sämtliche Gedanken sofort in die Tat umsetzten könnte wenn ich will. “Obwohl ich der Idee mit dem Strand nicht unbedingt abgeneigt bin” Kam es dann breit grinsend. ”Du wolltest doch nicht” ”Das hat mich eine Menge Selbstbeherrschung gekostet, das kannst du mir glauben! Es ist nicht so das mir nichts eingefallen wäre aber ich kann auf solche Bilder verzichten” Mir blieb keine Wahl als zu kichern, es hätte mich auch gewundert wenn ihn das nicht irgendwie ins schwitzen bringt. Ein Wunder das er sich beherrschen konnte bis wir wieder hier waren.
Um auf andere Gedanken zu kommen dachte ich mir ich könnte ja Sara mal anrufen und so ganz uneigennützig fragen wann sie hier ankommt und wie es überhaupt dazu kam das sie über Nacht beschließt hier her zu kommen.
Fällt mir sicher schwer dabei nicht hysterisch zu werden oder vielleicht zu neugierig obwohl ich alles genau wissen wollte um den größten Schaden noch abzuwenden. Ich frage sie einfach was sie macht und weiß ja dann wo ich nicht hingehen sollte. Inzwischen wird es schon lächerlich alles aber es ging nicht anders.
“Und?” Rafa sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an als ich wieder auf der Terrasse erschien und konnte es wohl kaum abwarten zu erfahren was Sara nun ausgeheckt hat. Ich holte tief Luft und setzte mich an den Tisch. Von mir aus hätte Rafa auch neben mir stehen können wenn ich mit Sara telefoniere weil er sowieso kein Wort versteht. War aber schon besser so weil ich mich erst mal ein paar Minuten abregen musste nachdem ich mit ihr telefoniert hatte.
“Tja, sie landet morgen Nachmittag in Palma und kommt dann hier her. Jenny hatte schon länger geplant hier her zu kommen und Sara hat sich spontan entschieden. Das Dumme ist das sie in der Firma ihrer Eltern arbeitet und so eben auch kurzfristig Urlaub machen kann. Freundlicherweise haben die das selbe Hotel gebucht in dem wir waren als wir im Mai hier waren” ”Wie, etwa das hier in Porto Cristo?” Ich musste lachen über seine Reaktion und trank erst mal einen Schluck Wasser.
“Sí” Das war ja irre, jetzt ist Sara in ein paar Stunden nur ein paar Kilometer Luftlinie von hier weg. Zwar ist der Ort nun auch nicht so klein und Rafa wohnt zum Glück auch nicht mitten im Ort aber damit hatte ich schon gerechnet, dass sie das Hotel bucht. “Und was machen die hier? Ich meine, es ist doch offiziell bekannt, dass ich nicht mehr trainiere”
”Das kam noch dazu. Sie dachte, sie kann mir was Neues erzählen wenn sie sagt dass du vorzeitig die Saison beendet hast. Die glauben vielleicht es ist einfacher dich hier zu sehen weil du ja jetzt hier bist. Die ist doch jetzt sowieso gefrustet weil du nicht mehr spielst also kommt sie eben hier her. Vielleicht glauben die du gehst da mitten im Ort an den Strand?” ”Na super, mal sehen wie lange es dauert bis sie draußen vor dem Tor stehen” Ich musste lachen aber mehr aus Verzweiflung.
Inzwischen wussten auch seine Fans das Rafa hier ein Haus hat. Nur wo er seinen Wohnsitz hat wusste keiner weil er noch mehr Häuser in anderen Orten hat. Die anderen sind alle nur Kapitalanlagen aber das wusste offiziell keiner. Die Vorstellung das Sara zusammen mit Jenny vor der Einfahrt lauert war irgendwie zum lachen. “Was würdest du machen wenn sie wirklich hier auftauchen?” Fragte ich und hoffte dass es sich um eine hypothetische Frage handelt.
Sein Gesicht wurde gleich wieder todernst und er rutschte leicht nervös auf seinem Stuhl rum. “Also verstehe mich nicht falsch aber keine von denen kommt hier rein. Ich habe nichts gegen die aber ich will sicher keine Fans in meinem Haus haben und auf Bilder im Internet kann ich auch verzichten. Vermutlich sind sie ein wenig geschockt falls die dich hier sehen aber wenn nicht will ich nur gleich vorher klarstellen was Sache ist. Diese Jenny würde ich am liebsten gleich nach Miami zurück schicken” Es war doch deutlich zu spüren das Rafa empfindlich reagiert wenn er sein Privatleben bedroht sieht.
Ich kann es verstehen, ich würde auch nicht Fremde in mein Haus lassen. Dann machen die noch heimlich Bilder und veröffentlichen die... “Hey, ich kann verstehen, dass du die nicht reinlassen würdest. Daran habe ich auch nie gedacht. Ich finde die Vorstellung nur irgendwie absurd das die hier her kommen und auf dich lauern” ”Das kommt ab und zu mal vor nur sind das meistens keine Leute die ich kenne. Was willst du jetzt machen? Die nächsten Tage nicht aus dem Haus gehen?” ”Die werden ja wohl nicht jeden Tag von früh bis spät hier warten. Es kommt doch sowieso irgendwann raus und ich habe auch keine Lust mich vor ihnen zu verstecken”
Rafa sah auf den Tisch und schüttelte langsam mit dem Kopf. “Ich habe ja schon einiges erlebt aber so was noch nie” ”Mhhh” Ich hing meinen Gedanken nach und konnte das alles nicht so richtig glauben. Vor ein paar Monaten war ich praktisch auch noch auf der anderen Seite und hätte wohl Sara zu liebe irgendwo auf Rafa gelauert. Aus meiner jetzigen Sichtweise ist es schon ein bisschen verrückt ihm aufzulauern. Was geht nur in Sara vor?
Ihr wird klar sein das sie nie mehr als ein paar Autogramme und Bilder von Rafa bekommen wird egal wie sehr sie hinter ihm her schnüffelt. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Vielleicht träumen ja alle heimlich davon mit Rafa zusammen zu sein? Er bietet eine perfekte Projektionsfläche für die Art von Wunsch. Mir ist klar, dass viele sofort mit mir tauschen würden.
Am nächsten Tag brauchte ich dann auch tatsächlich nicht aus dem Haus gehen aber nicht wegen Sara und Jenny sondern weil es in Strömen regnete. Ich war ja in der Vergangenheit auch schon im Frühling und Winter auf Mallorca aber so ein Wetter hatte ich hier noch nie erlebt! Erst traute ich ja meinen Augen nicht als Rafa die Jalousie hochzog und es munter an das Fenster plätscherte. Es war wie in Deutschland im November, ein richtiges Mistwetter. Es regnete als gäbe es kein Morgen mehr und kalt war es auch noch.
Da der Himmel mit tiefhängenden Regenwolken verhangen war und weit und breit keine Sicht auf Besserung bestand, wird es wohl aller Wahrscheinlichkeit nach den ganzen Tag durchregnen. Wind schien auch noch zu sein, es war ein mächtiger Wellengang auf dem Meer, hoffentlich kommt keine Flutwelle bis hier hoch. Rafa fand es auch noch amüsant das ich mich so aufregen kann über schlechtes Wetter. Der hat gut reden, wahrscheinlich hat er hier auch seit dem Frühjahr keinen Regen mehr erlebt.
Da meinte er doch allen Ernstes, dass ich den Sonnenschirm heute sicher nicht brauche. Wenn so schlechtes Wetter ist, wird einem erst bewusst wie sehr man hier auf schönes Wetter angewiesen ist. So was wie Museen gab es hier weit und breit nicht also kann man praktisch gar nichts machen wenn man nicht erst bis nach Palma fahren will. Dem Wetter entsprechend war auch meine Laune also blieb ich im Bett liegen. Rafa war es wohl zu langweilig, der war ins Bad oder wohin auch immer verschwunden.
“Bleibst du den ganzen Tag im Bett?” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah zur Tür. Mhh, wenn er so fragt... ich würde auch länger als nur einen Tag in seinem Bett bleiben. “Sí, das schlechte Wetter kann ich auch von hier aus genießen” Der freie Meerblick und die riesigen Fenster hatten eben auch unangenehme Seiten, so war man hautnah dabei wenn draußen die Welt untergeht. Er lief zum Fenster und sah eine Weile raus. “Glaubst du das hört heute noch mal auf?” Fragte ich hoffnungsvoll und klammerte mich an die Hoffnung das Rafa es Besser weiß und sagt, dass es gleich aufzieht.
”Also ich will nicht deine Urlaubslaune vermiesen aber ich fürchte es bleibt den ganzen Tag so. Sieht nicht nach einem kurzen Schauer aus” Ich ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen und schnappte nach Luft. “Bueno, dann bleibe ich doch den ganzen Tag im Bett. Du kannst mir ab und zu was zu Essen und Trinken vorbei bringen” Sein Lächeln sah zwar gut aus aber meine Laune war trotzdem noch im Keller. “Bestimmt... würde es deine Laune aufhellen wenn ich Sara und Jenny hier reinlasse?” Ich rollte mit den Augen und schüttelte dann mit dem Kopf. “Werde nicht albern! Wir können auch zum Hotel fahren sie besuchen wenn du so wild darauf bist sie zu sehen” Er kam näher zum Bett und setzte sich hin.
“Willst du jetzt den ganzen Tag liegen bleiben und dich über das schlechte Wetter aufregen? Mich stört es auch aber es lässt sich doch sowieso nicht ändern. Wenn du keine Lust hast den ganzen Tag hier zu bleiben können wir doch trotzdem irgendwohin fahren” ”Mhh, die Aussicht am Cap de Formentor ist heute sicher grandios, Armageddon hautnah” Ein bisschen gequält sah sein Lächeln jetzt aber schon aus. “Jetzt entspanne dich mal und höre auf Terror zu machen” Ich setzte mich hin und legte meine Arme um seinen Hals.
“Es tut mir leid wenn ich dir auf die Nerven gehe” ”Das tust du nicht du sollst nur aufhören wegen dem Wetter zu jammern” ”Ist ja schon gut, ich sage nix mehr. Da du offensichtlich nicht im Bett bleiben willst und es alleine auch keinen Spaß macht werde ich mich mal ins Bad quälen” “Ok” Ich drehte mich dann auf den Bauch und blieb noch liegen, wenn ich so überlege habe ich doch keine Lust aufzustehen. Rafa blieb neben mir sitzen und fing plötzlich an Küsse auf meinem Nacken zu verteilen. Das trägt nicht gerade dazu bei das ich vielleicht doch noch aufstehe.
Ich schloss meine Augen wieder und genoss seine Küsse, hoffentlich hört er nie mehr auf! Da muss ich nur an gestern Abend denken, wo das hinführt wenn ich ihn tun lasse was er will hatte ich ja gemerkt. Ich habe nichts dagegen mit ihm länger im Bett zu bleiben, langweilig wird es sicher nicht. Ein lachen konnte ich mir nicht verkneifen als er sich langsam meinen Rücken nach unten küsste, seine Haare kitzelten auf meinem Rücken daher musste ich ja auch so kichern. “Höre auf!” Sagte ich dann schweren Herzens und leider hörte er wirklich auf. “Warum?” ”Deine Haare kitzeln auf meinem Rücken” ”Ich könnte den ganzen Tag Küsse auf dir verteilen” ”Mhh, wenn das so ist, habe ich nichts dagegen”
Wenn Rafa mich auf die Art ablenkt, ist das schlechte Wetter gleich nicht mehr so schlimm! Ich wickelte die Bettdecke um mich und stand dann doch auf. Rafa blieb auf dem Bett sitzen und sah mir mit einem breiten grinsen nach. “Du siehst wirklich gut aus nur mit der Bettdecke” “Ich weiß” Mit einem kichern verschwand ich ins Bad.
Ein kleines bisschen hatte sich meine Laune dann doch gebessert nachdem ich duschen war. Besser schlechtes Wetter hier als schlechtes Wetter zu Hause in Deutschland und vielleicht hört es ja zumindest auf mit regnen. Außerdem bin ich ja nicht in erster Linie hier um an den Strand zu gehen, soll Rafa sich überlegen wie er mich heute beschäftigen kann. Nix schlimmes ahnend lief ich nach unten in die Küche.
Auf den ersten Blick sah alles normal aus, Rafa hatte sich freiwillig bereit erklärt das Frühstück zu machen und er saß am Tisch und sah zu mir. Was mich gleich stutzig machte war sein Gesichtsausdruck, irgendwas war los. Wäre es nicht so, dass er ja schon nicht mehr Tennis spielen kann, hätte ich sofort darauf getippt. Vorhin war seine Laune noch um einiges besser gewesen. Ich setzte mich erst mal ihm gegenüber an den Tisch und überlegte ob ich warte bis er etwas sagt oder ob ich frage, neugierig war ich jetzt schon.
“Was ist passiert?” Fragte ich dann doch direkt da ich es nicht mehr abwarten konnte, Geduld war noch nie meine Stärke. Ich sah wie er sich räusperte und dann schluckte. “Wir sind in der Zeitung” Kam es dann direkt.
Ein paar Sekunden dauerte es bis ich realisiert hatte was er da eben gesagt hat. Mein erster Gedanke war, oh nein! “Was?” Fragte ich dann etwas nervös und hoffte das er gleich sagt es war ein Witz aber ich traue Rafa nicht zu das er die Art von Scherzen mit mir machen würde.
“Als wir Vorgestern Abend in Manacor waren hat jemand Bilder gemacht als wir aus dem Club kamen und zum Auto liefen” Kurz dachte ich an Vorgestern und wunderte mich dann weil es doch Dunkel war und ich hatte keinen Blitz gesehen also wie soll da einer heimlich Bilder gemacht haben? Falls doch, kann ich mir vorstellen was das für Bilder sind... Rafa hatte ja seinen Arm um meiner Schulter liegen, ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse! “Es war doch Dunkel!” Sagte ich und wollte das alles nicht wahr haben indem ich mir einrede dass es einfach nicht sein kann.
“Sí aber mit der heutigen Technik kann man auch im dunkeln Bilder machen” Ein paar Sekunden sagte ich gar nichts sondern starrte nur in meine Tasse während ich den Kaffee rührte. Sicherlich brauche ich heute drei Liter Kaffee um meine Nerven zu beruhigen. Es dauert offensichtlich nur noch Stunden bis Sara und Jenny den Schock ihres Lebens bekommen werden. “Amaia” Ich wurde aus meinen düsteren Gedanken gerissen und sah über den Tisch zu Rafa.
Er sah mich an und überlegte wohl wie ich jetzt reagiere, vielleicht erwartet er ja das ich gleich ausflippe oder ihn dafür verantwortlich mache. Das kann ich aber nicht da ich weiß das es früher oder später sowieso Bilder gegeben hätte und das er da zu viel getrunken hat und nicht mehr alleine zum Auto kam macht es auch nicht mehr schlimmer. Damit musste ich rechnen als ich mich entschieden hatte hier her zu kommen. “Wenn es Bilder gibt und die in der Zeitung sind, kann man da wohl nichts mehr machen” Sagte ich dann mit einem gefassten Gesicht. So richtig überzeugt sah Rafa nicht aus, er hat wohl eine andere Reaktion erwartet.
“Und jetzt?” Das war eine gute Frage, welche Wahl hatte ich denn jetzt noch? Gar nichts werde ich tun, ich warte einfach ab was passiert. “Ich weiß nicht” Sagte ich nachdenklich und überlegte was jetzt am Besten ist. Rafa stand auf und lief um den Tisch um sich neben mich zu setzen. Er nahm dann meine Hand in seine und rückte so nah es ging an mich. “Es tut mir leid, ich will dich nicht in Schwierigkeiten bringen” Da er mich so betreten ansah, musste ich lächeln. “Schon gut, wäre sowieso irgendwann aufgeflogen” ”Du bist nicht sauer?” Da er so zögerlich fragte dachte er wohl, dass ich ihm den Kopf abreiße wegen den Bildern.
“Was hätte ich davon? Ändern kann ich es ja nicht mehr außerdem war mir klar das es Bilder geben könnte wenn ich hier bin” Ich hatte schon so viel Abstand von dem Ganzen das es mir fast egal war. Obwohl ich knapp eine Woche hier war kam es mir vor wie ein halbes Jahr und Sara schien ewig weit weg zu sein obwohl ich ja mit ihr telefonierte. Wieso sah er mich immer noch so zögerlich an? Dachte er das ist die Ruhe vor dem Sturm? “Sieh mich nicht so an!” Sagte ich und musste gleich wieder lächeln. Immerhin entspannte sich sein Gesicht dann mal etwas.
“Hätte ich nicht zu tief ins Glas geguckt wäre es nie dazu gekommen” ”Ist egal jetzt außerdem hattest du ja einen Grund” ”Es war kein Grund, dass ich nicht spielen kann rechtfertigt es nicht” ”Sieht man überhaupt etwas auf den Bildern? Ich meine, hast du die Bilder gesehen?” ”No, normalerweise gucke ich die nicht an weil es mich nicht interessiert. Ich weiß es nur weil mein Manager vorhin angerufen hat und sagte das es Bilder im Internet gibt und das welche in einer Zeitung sind”
Natürlich ließ mir das keine Ruhe, ich musste die Bilder unbedingt sehen. Vielleicht bin ich ja gar nicht zu erkennen und mache mir jetzt umsonst die ganzen Gedanken. Zeit hatten wir ja heute da wir nicht an den Strand gehen konnten also nutzte ich mein Mietauto und fuhr ins Zentrum von Porto Cristo. Rafa war gar nicht erst mitgekommen, würde vielleicht auch komisch aussehen wenn er Zeitungen kauft in denen Klatschgeschichten über ihn stehen. Ich hatte ja immerhin noch den Vorteil, dass mich niemand kennt.
Zielstrebig schnappte ich mir so eine Zeitung und lief dann zur Kasse. Ein bisschen komisch fühlte ich mich schon. Es war eigenartig zu wissen dass darin ein Bild von mir mit Rafa sein soll. Wie fühlt es sich an sich selbst unfreiwillig in der Zeitung zu sehen? Da ich mich nicht traute direkt in dem Laden nachzusehen verschwand ich schnellstmöglich wieder. Aus irgendeinem Grund dachte ich schon die Leute erkennen mich wenn mich jemand ansieht.
Ohne Umweg fuhr ich zurück und war schon ganz gespannt. Ich war echt froh als sich hinter mir das Tor schloss und ich so erstmals sicher war vor neugierigen Blicken. Vielleicht drehe ich ja durch und bilde mir alles ein, so wird es sein. Natürlich kam ich nicht trocken vom Auto ins Haus aber das war mir jetzt egal, soll es meinetwegen eben den ganzen Tag regnen. Ich hatte kaum die Tür geöffnet als Rafa vor mir stand und mich mit großen Augen ansah. “Und?” Kam es gleich neugierig. Ich rollte mit den Augen und machte die Tür zu.
“Ich habe nicht alles schon im Laden gelesen, wollte mir den Schock noch aufheben. Eigentlich will ich gar nicht gucken. Kannst du nicht erst mal gucken?” ”Gib her” Ich gab ihm die Zeitung und zog dann meine Schuhe aus um mich irgendwie abzulenken.
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