6 September 2010

Chapter 61

Ich sollte Recht behalten. Sara wollte es ja nicht glauben aber Rafa saß tatsächlich auch dann noch vor der Glotze, als das Spiel schon längst zu Ende war. Alleine war er ja nicht, sein Team leistete ihm Gesellschaft und man muss ja alles noch lautstark auswerten bis ins Tausendstel, ich hatte gar nichts anderes erwartet. Da ich keine Lust hatte stundenlang Fußball Ergebnisse auszuwerten, verzog ich mich alleine nach oben.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Rafa sich mal die Ehre gab und erschien. „Was machst du denn?“ Kam es auch gleich. Gar nix machte ich, da ich mir die Zeit vertreiben musste saß ich auf dem Bett und surfte im Internet. „Nach was sieht es aus?“ Fragte ich zurück. “Du hättest auch mit unten bleiben können“ “Klar und dann nur über Fußball reden?“ Er machte es sich neben mir auf dem Bett bequem und rollte dann mit den Augen. „Ist doch vorbei“ Ich klappte den Laptop zu und sah ihn an. „Ich hätte ja nicht herkommen brauchen wenn du sowieso andauernd Fußball guckst“ Sagte ich dann wohl etwas zu ernst. Sein Gesicht war so schön, dass ich schon fast Lachen musste.
Es scheint ihm kurzfristig die Sprache verschlagen zu haben. „Das bildest du dir ein. Denkst du das ist mir wichtiger als du oder wie?“ Ich musste kichern und nickte mit dem Kopf. „Manchmal schon“ Er küsste mich kurz und zog dann ein grinsen vom einen Ohr zum anderen. „Hättest du mal was gesagt, hätte ich nicht so lange geguckt“ “Sehr komisch! Und dann machst du mir bis in alle Ewigkeit Vorwürfe das du wegen mir nicht gucken konntest“ “Hat ja jeder seine Hobbies!“ “Schon nur mit dem Unterschied das du sagen kannst das du zum Finale willst und dann auch Karten bekommst“ “Einer der wenigen Vorteile wenn man bekannt ist. Du kannst doch mitkommen wenn du willst, ich habe genug Karten“ “Würde ich ja aber ich habe keine Zeit, ich habe erst übernächste Woche Urlaub“ “Du meinst also ich hätte zu wenig Zeit für dich?“ Kam es plötzlich mit hochgezogenen Augenbrauen. Wenn er das so sagte, traf das den Nagel auf den Kopf!
„No aber wenn du Zeit hast, guckst du lieber Fußball statt mit mir was zu machen“ Warum war mir nicht sofort klar aber sein breites Grinsen erschien sofort wieder. “Wir können ja jetzt was zusammen machen“ Kam es dann mit so einem begeisterten Blick. Da bei mir inzwischen der Groschen gefallen war, rollte ich nur mit den Augen und legte einen Arm um seinen Hals. Man kann keinen Satz sagen, ohne dass er es zweideutig auffasst. „So meinte ich das nicht und wenn du daran denkst, scheint dich das Finale morgen ja nicht sehr zu beschäftigen“ “Klar denke ich darüber nach aber wir sind heute schon geschätzte 10.000 verschiedene Spielpläne durchgegangen. So viel ist da nicht mehr zu tun, ich versuche nur ein bisschen zu relaxen bis es beginnt“ “Wenn das so ist, wünsche ich dir eine gute Nacht“ Sein Gesicht daraufhin war so herrlich, dass ich mir ein lautes feixen verkneifen musste. Das breite grinsen war ihm aber fix vergangen!
„Na du sollst dich doch nicht anstrengen“ Schob ich mit einem breiten Grinsen noch hinterher und klopfte ihm auf die Schulter. „Wenn du ein bisschen netter zu mir wärst, müsste ich das auch nicht“ Ich verzog nur mein Gesicht und dachte mir meinen Teil. Das könnte ihm so passen das er sich zurücklehnt und alles mir überlässt. Mir kam da so eine gemeine Idee, dass ich ihn erst heiß mache und dann abblitzen lasse. Da werden wir ja sehen wie lange er entspannt liegen bleibt. Zwar ist morgen das Finale und ich will ihn nicht unnötig aufregen aber anscheinend will er es ja so. „Ich war lange genug nett zu dir und die Karten für das Finale habe ich ja jetzt“ Meinte ich dann nach einer Weile und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel. Seinem Gesicht nach zu urteilen musste er sich beherrschen mich nicht mit offenem Mund anzustarren.
Er sah mich an wie ein Goldfisch der nach Luft schnappt. Ich konnte mich aber nicht lange beherrschen und musste dann kichern. „Es war ein Fehler von mir dir Karten in Aussicht zu stellen wenn du dich anstrengst, no?“ Meinte er dann breit grinsend und küsste mich kurz am Hals. Da ihm das wohl noch nicht reichte, drehte er sich auf die Seite und rückte so nah es ging an mich. „Versprochen ist versprochen!“ Antwortete ich nur und versuchte mich nicht von seinem Blick einwickeln zu lassen. Ich kann da immer kaum hinsehen wenn er mich so von unten mit großen Augen ansieht. “Du meinst Berlin letztes Jahr? Da habe ich dir gar nichts versprochen“ Ach, jetzt kann er sich wohl plötzlich an nichts mehr erinnern? Komisch das er sich zwar an gewisse Details sehr gut erinnern kann aber nicht an den Rest. Ich zog nur eine Augenbraue hoch und musterte ihn.
„Außerdem konntest du doch da im Gegenzug kostenfrei in dem Hotel übernachten“ Kam es dann noch hinterher. Also jetzt wird es aber langsam! Glaubt er ich würde nur mit ihm schlafen um dafür kostenfrei irgendwo übernachten zu können? „Falls du denkst, dass ich mit dir schlafen würde um dann irgendwo übernachten zu dürfen, muss ich dich enttäuschen. Ganz so nötig habe ich es doch nicht“ “Dachte ich mir auch. Ich meine, ich konnte dann ja nicht so tun als wenn nichts gewesen wäre. Was sollte ich tun? Mir blieb gar keine Wahl als dich nach deiner Nummer zu fragen um nicht komplett als Depp dazustehen“ Wenn ich nicht wüsste, dass er das gerade nicht ernst meint, würde ich ihm jetzt die Hölle heiß machen.
“Ach so, dann hast du es nur gemacht um dein Gewissen zu beruhigen...“ “Na ja und weil ich dich wieder sehen wollte. Ich hätte dich am liebsten gleich mit nach Cincinnati genommen. Die Aussicht dich wochenlang nicht zu sehen war fürchterlich aber was sollte ich machen? Es hätte ja auch sein können das du nach ein paar Wochen keine Lust mehr gehabt hättest nach Mallorca zu kommen. Es lagen ja sechs Wochen dazwischen und es ist nicht immer von Vorteil wenn man viel Zeit zum Überlegen hat“ “Du meinst, das ich mir inzwischen überlegen konnte das ich es doch nicht will?“ “Zum Beispiel“ Ich drehte mich auch auf die Seite damit ich ihn direkt ansehen kann. Es fiel mir schon richtig schwer ihn nicht gleich zu küssen. Langsam wird die Spannung zwischen uns greifbar.
Vorhin das war ja nur Spaß aber allmählich wurde es ernst. Es kribbelte ziemlich in meinem Bauch und es ist wohl nur noch eine Zeitfrage bis ich über ihn herfalle. “Ich hätte auch noch länger gewartet um dich zu sehen“ Sagte ich dann ernst und sah in seine Augen. Das meinte ich wirklich ernst und nicht nur weil es vielleicht gut klingt. Für einen kurzen Moment schoss mir durch den Kopf das er es vielleicht gleich wieder ins lächerliche zieht indem er sagt das er sowas öfters hört oder sowas in der Art. Es passierte aber nichts, er sah mich einfach nur an. Ein paar Sekunden war es ja ok aber ein wenig wunderte ich mich dann schon was jetzt los ist. Er reagierte ja gar nicht, er sah mich einfach nur an.
„Kannst du nicht mit auf Tour kommen?“ Kam es dann völlig ohne Vorwarnung. Erst dauerte es ein paar Sekunden bis ich kapiert hatte was er eben gesagt hat und im nächsten Moment war ich es der fast die Kinnlade runterklappte. Ich gebe zu, dass ich schon erstmal kräftig schlucken musste da ich nicht damit gerechnet habe, dass er sowas jemals sagt. Zumindest habe ich gehofft, dass er das nie fragt. Ob ich ja oder nein sage ist egal, es ist alles falsch also wäre es am besten darauf gar nicht zu antworten. „Vergiss was ich eben gesagt habe, es tut mir leid“ Kam es dann plötzlich da ich nicht gleich etwas sagte und ihn wohl nur fassungslos ansah. Noch ehe ich reagieren konnte löste er sich von mir. Er rückte zum Rand vom Bett und drehte mir seinen Rücken zu.
Ich kam gar nicht so schnell nach mit überlegen was jetzt los ist. Das es sich in die Richtung entwickelt hätte ich nicht gedacht vor ein paar Minuten. Ein bisschen angespannt war die Stimmung schon. Mir ist völlig klar, dass er eben keinen Scherz gemacht hat und dass er es wohl bitterernst meinte.

Da ich ja irgendwie reagieren musste, rückte ich näher an ihn und umarmte ihn von hinten. Er legte seine Hände über meine und sah nach unten auf meine Hände in seinen. Zwar war zu dem Thema theoretisch alles gesagt aber es geht wohl doch nicht so spurlos an ihm vorüber, dass wir uns so lange nicht gesehen haben. „Ihm ähmm, glaube ich brauche Urlaub. Die letzten Wochen waren eindeutig zu stressig“ Meinte er dann ohne mich anzusehen. Offensichtlich glaubt er, dass ich nicht darüber reden will und versucht daher es zu verharmlosen.
Ich will ihn aber schon ansehen wenn ich mit ihm rede also machte ich etwas Platz und zog ihn dann nach hinten bis er auf dem Rücken lag. Er sah mich noch immer so todernst an und schien auf meine Reaktion zu warten. Damit er nicht auf die Idee kommt zu flüchten, lehnte ich mich über ihn und versuchte ein Lächeln zu ziehen. „Es muss dir nicht leidtun das du mich sehen willst. Ich weiß, dass es schwierig ist. Mir macht das auch keinen Spaß wenn wir uns wochenlang nicht sehen können aber die Bedingungen lassen sich nicht ändern“ “Mir kommt es manchmal vor als würde mein Leben im Zeitraffer ablaufen. Früher ging das auch irgendwie, ich meine ich hatte ja schon Freundinnen aber das war etwas anderes. Ich will nicht, dass alles zwischen uns kaputt geht weil wir uns nicht sehen können“ Inzwischen war ich fast mit meinem Latein am Ende.
Wenn er nicht gleich aufhört hier einen auf sentimental zu machen, fließen noch Tränen. Ich lehnte mich näher zu ihm und fuhr mit einer Hand durch seine Haare, unsere Nasenspitzen berührten sich schon fast so nah war ich ihm. „Es gibt keine Garantie, es könnte genauso schief gehen wenn wir uns jeden Tag sehen und das sage ich jetzt nicht weil ich nicht mit dir auf Tour gehen will“ Seine Hände machten sich selbständig und sorgten dafür das ich halb auf ihm liege. Es lenkte mich ziemlich ab als seine Hand unter meinem Top verschwand und langsam meinen Rücken auf und ab fuhr. „Ich liebe dich und will einfach mit dir zusammen sein, mir fehlt das richtig. Die letzten Tage waren fast zu schön um wahr zu sein nachdem ich dich eine Ewigkeit nicht gesehen habe“ Es klang gut wie er das sagte, da konnte ich auch wieder lächeln. „Ich liebe dich auch“ Ein paar Augenblicke später entspannte sich sein Gesicht merklich, ansatzweise erschien sogar ein Lächeln.
„Es tut mir leid, dass ich eben so sentimental bin“ “Das muss es nicht, ich kann es verstehen, wahrscheinlich ist das normal nach dem ganzen Stress den du in den letzten Wochen hattest“ “Ich habe nur ein bisschen Tennis gespielt“ Er ist gerade der Richtige der sowas sagt. Ich weiß inzwischen ziemlich genau, dass ihm die Turniere nicht nur körperlich alles abverlangen. “Du weißt genau das es mehr als das ist“ Er sagte nichts mehr und sah mich wieder so nachdenklich an also küsste ich ihn damit er nicht noch mehr komische Dinge sagt. Ich wollte ja eigentlich noch schnell duschen gehen aber ich kam nicht mehr los von Rafa weil er nicht mehr locker ließ. Seine Hände schienen ein Eigenleben zu führen und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los das ihm ein paar Küsse nicht reichen.
Ich bekam nur am Rande mit der er mir mein Top ausgezogen hatte und keine weitere Zeit verschwendete sich an meinen restlichen Kleidungsstücken zu schaffen zu machen. Es wurde mir ein wenig warm, was er wohl auch beabsichtigte. „Ich wollte eigentlich noch duschen gehen“ Sagte ich dann leise mit einem breiten Lächeln als ich kurz zum Luft holen kam. „Das kannst du auch später noch“ Ich versuchte mich aus seiner Umarmung zu befreien aber ich hatte keine Chance. „Du könntest ja mitkommen“ Meinte ich dann mit einem breiten Lächeln und nicht ganz uneigennützigen Hintergedanken. „Sí und dann sagst du wieder ich hätte angefangen oder könnte mich nicht beherrschen“ “Ich sage es nicht, versprochen“ Antwortete ich nach ein paar Sekunden und küsste ihn dann verführerisch.
Er sprang im nächsten Augenblick vom Bett auf und zog mich an der Hand hoch. „Wenn das so ist, komme ich mit!“ Kam es dann gleich ganz begeistert. Ich musste Lachen und konnte nur noch mit dem Kopf schütteln als er mich hinter sich her zog ins Bad. Erst will er nicht und dann kann es gar nicht schnell genug gehen und ich gehe mal nicht davon aus, dass er so wild darauf ist weil er wirklich nur duschen will.

Am nächsten Tag schliefen wir aus sofern das möglich war an einem Tag wo das Wimbledon Finale ist. Normalerweise steht Rafa ja immer früh auf weil er noch trainiert vor dem Match aber das hat er nicht getan heute also hatte er Zeit. Er kann sich dann noch genug bewegen wenn er spielt also sollte er gar nichts machen. Nach um zehn waren natürlich alle schon fertig mit frühstücken also waren wir da alleine. Da ich mir dachte, dass Sara auch noch nichts gefrühstückt hat weil ich weiß das sie auch immer spät aufsteht, habe ich sie zu uns bestellt und sie erschien auch ein paar Minuten später.
Es war eigentlich relativ entspannt, darüber war ich schon froh weil sie bisher immer angespannt war wenn Rafa dabei war. Damit war es aber vorbei als sie fragte woher der blaue Fleck an meinem Arm kommt. Da sie uns gegenüber saß, hatte ich gedacht, dass sie es nicht sieht. Ich wusste natürlich, dass ich am rechten Ellenbogen einen blauen Fleck habe aber ich dachte nicht, dass sie nachfragt. Sie muss es wohl gesehen haben als ich nach dem Marmeladenglas gegriffen habe. Ich sah kurz neben mir zu Rafa aber er kaute weiter als wenn nichts wäre was wohl daran lag das er die Frage auf Deutsch nicht verstanden hatte und daher nichts Schlimmes dachte. Tja, was sollte ich auf die Frage antworten ohne das es peinlich wird?
Der Fleck ist ein Überbleibsel von gestern Abend als ich mit Rafa duschen war und wenn man es genau nimmt, ist er schuld. Etwas kam ich aber doch ins Schwitzen. „Das ist nichts weiter, ich kam nur zufällig mit dem Arm an den Wasserhahn beim Duschen“ Sie sagte nichts aber an ihrem Stirnrunzeln und dem eigenartigen Blick sah ich schon das meine Antwort wohl nicht sehr überzeugend war. „Sowas ist mir noch nicht passiert“ Meinte sie dann nach einer Weile. Sie war ja auch noch nicht mit Rafa duschen, schoss es mir so durch den Kopf aber ich verkniff es mir das auch laut zu sagen obwohl mich dann ihre Reaktion interessieren würde.

2 comments:

  1. Hi finde deine FF soo gut kann gar nicht mehr aufhören zu lesen hoffe das nächste Kapitel kommt schon bald ;-)

    Lg

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  2. Danke für deine Review, ich war eine Woche im Urlaub und konnte da nicht weiter schreiben aber es geht bald weiter.

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