27 September 2010

Chapter 63 - Porto Cristo VI

Mit der Ruhe war es tatsächlich bald vorbei. Wir warfen uns in Schale und dann ging es ab zum Champions Dinner. Es war so blöd geregelt, dass wir nicht mal mit Rafa an einem Tisch sitzen konnten aber das machen die immer so. Serena Williams hatte die Ehre neben Rafa zu sitzen da sie die Damenkonkurrenz gewonnen hatte und die restlichen Leute an dem Tisch waren alle vom Turnierveranstalter.
Der offizielle Teil lief etwas steif ab aber das hatte ich mir schon so gedacht und es gab sich dann und Rafa konnte sich dann auch abseilen zu uns an den Tisch. Es war ein bisschen verrückt so übertrieben vornehm gekleidet Champagner zu schlürfen. Ich fühlte mich wie in einem Traum, das muss sicher erst ein paar Tage sacken. Es klingt ja schon irgendwie verrückt wenn ich sage das mein Freund Wimbledon gewonnen hat und das schon zum zweiten Mal.
Es ist unfassbar, überall wo Rafa spielt gewinnt er auch, es scheint kein Ende zu geben. Jetzt kommt ja nach der Sommerpause noch Berlin und Cincinnati und dann das letzte große Turnier des Jahres, die US Open. Was wenn er da auch noch gewinnt? Der Gedanke ist verrückt aber so langsam wird es doch unheimlich und es gibt manchmal dumme Zufälle. Rafa denkt sicher noch nicht daran, der wird gedanklich schon in Südafrika sein.

Ich war gedanklich schon wieder zu Hause, zumindest hatten wir alles fertig gepackt und müssen theoretisch nur noch zum Flughafen fahren. Es war schon ein bisschen stressig mit dem Champions Dinner aber das nahmen wir natürlich gerne mit wenn wir die Möglichkeit haben denn wer kann schon von sich behaupten da dabei gewesen zu sein? Unsere Hektik scheint ansteckend zu sein denn plötzlich rannten Leute quer durch das Haus und packten ihre Sachen zusammen. Der Einzige den es nicht zu kümmern schien war Rafa. Er hatte noch den Anzug vom Champions Dinner an und machte einen unbeteiligten Eindruck, er fliegt ja auch erst morgen früh.
Das er im Türrahmen lehnte und mich beobachtete, machte es mir auch nicht einfacher alles einzupacken. Ich konnte meinen Blick kaum von ihm lösen, er sah direkt verboten gut aus auch wenn es vielleicht eine Spur zu vornehm ist. „Höre auf mich zu beobachten!“ Sagte ich und ging in Gedanken nochmal alles durch, ich müsste alles fertig gepackt haben, so viel war es nun auch nicht. „Warum?“ Fragte er mit einem breiten Lächeln zurück. „Das macht mich nervös“ “Ich mache gar nichts“ Da ich inzwischen fertig war, blieb ich direkt vor ihm stehen und umarmte ihn. Viel Zeit bleibt nicht, ich müsste eigentlich schon längst mit Sara auf dem Weg zum Flughafen sein.
„Du musst auch nichts machen, deine reine Anwesenheit reicht aus. Außerdem siehst du zu gut aus, ich kann kaum woanders hin sehen“ Er sah kurz an sich nach unten und dann wieder zu mir. „Jetzt übertreibe mal nicht. Ich kam leider nicht wirklich lange in den Genuss dich in dem Kleid zu sehen“ “Ich kann es auch nicht ändern das ich heute Abend fliege und ich kann schlecht im Abendkleid nach Hause fliegen. Ich bringe es nächste Woche mit nach Porto Cristo wenn es dich glücklich macht“ Sein Lächeln ging schon vom einen Ohr zum anderen. „Keine schlechte Idee“ Ich sah auf meine Uhr und hatte gar keine Lust mich jetzt von ihm zu verabschieden. Nachdem wir uns ja wirklich lange nicht gesehen hatten waren die letzten Tage richtig schön. „Ich muss los“ Sagte ich leise und sah in seine Augen. Wie schon erwartet verschwand sein Lächeln sofort. „Kann man eben nicht ändern, wir sehen uns ja nächste Woche“ “Du bist doch gut abgelenkt und es ist ja nur eine Woche“ “Stimmt ja aber ich habe trotzdem keine Lust dich gehen zu lassen“ Das er nicht will das ich gehe kann ich ja verstehen aber ich muss los und es nutzt nichts wenn wir es noch schlimmer machen.
„Wir sehen uns schneller wieder als dir lieb sein wird“ Sein Lächeln erschien dann doch gleich wieder. „Klingt schon besser“ Da er mich so ansah konnte ich nicht anders und küsste ihn spontan. Darauf stieg er nur zu gerne ein und ich kam gar nicht mehr von ihm los. Hätte ich gewusst das er plant mich aufzufressen, hätte ich ihn gleich auf Abstand gehalten. Je mehr ich mich darauf einlasse umso schwerer komme ich von ihm los. Bevor ich aber noch total vergesse wo ich bin, musste ich die Notbremse ziehen weil ich sonst nie mehr zum Flughafen komme. „Ich muss los“ Das er das nicht hören wollte sah ich schon aber es ändert nichts an den Tatsachen. Er löste sich von mir und holte tief Luft. „Ok, dann bis nächste Woche“ “Ich wünsche dir viel Spaß in Südafrika und übertreibe es nicht so mit feiern!“ “Meinst du heute Abend oder die Fußball WM?“ “Beides“ “Ich versuche es, telefonieren wir nochmal?“ Das muss er eigentlich nicht fragen weil wir es immer so machen das wir nochmal telefonieren wenn sich unsere Wege trennen und jeder woanders hin fliegt.
„Ich rufe an wenn ich zu Hause bin“ “Besser als gar nichts“ Da wir uns sonst im Kreis drehen, küsste ich ihn nochmal kurz und ging dann auch. Sara drehte schon am Rad weil ich so lange brauchte.

Buchstäblich in letzter Minute erreichten wir den Schalter zum Einchecken aber es klappte alles. Wenn man spät kommt, muss man auch nicht ewig auf den Abflug warten. Schneller als mir lieb war, fand ich mich zu Hause in meiner Wohnung wieder. Das Wochenende war ja total verrückt gelaufen und Sara hatte wohl noch gar nicht alles realisieren können. Bei mir wird es auch ein paar Tage dauern bis mir alles so richtig bewusst wird.

Die Woche danach war richtig schlimm, ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen auf Arbeit. Erst beschäftigte mich noch Wimbledon und dann die Gedanken an zwei Wochen Urlaub. Alleine das Wort klingt herrlich. Es ist ja nicht zu fassen das Rafa mal die zwei Wochen lang gar keine Termine hat, er will sich ja komplett ausklinken und auch nicht trainieren in der Zeit.
Zwar hat er eine Pause dringend nötig aber das er gar nichts macht ist mir neu. Er macht ja diese Woche auch nichts. Ich machte mir ja schon Gedanken um ihn wegen dem Termin bei seinen Ärzten aber er meinte es wäre gar nicht so schlimm gewesen. Das sagt er zumindest, ich weiß das er am Telefon immer alles beschönigt was Verletzungen oder Arzttermine angeht weil er glaubt das ich mir sonst zu viele Gedanken um ihn mache. Südafrika kam da gerade recht, da war er ja mehr als nur abgelenkt. Das er ein fanatischer Fußball Fan ist wusste ich ja schon aber es war schon extrem. In Deutschland war die Euphorie ja schon vorbei aber Spanien drehte total durch.
Er war ja mit seiner Schwester und seinem Vater nach Südafrika geflogen, das Fußball Gen scheint in der Familie zu liegen. Ich mache mir ja nun gar nichts aus Fußball daher war es vielleicht gut so, dass ich zu Hause geblieben bin. Ich würde doch alle nur nerven mit doofen Fragen. Meine Gedanken kreisten auch vorrangig darum was ich in meinen Koffer packe und nicht um Fußball. Ich packte schon immer ein paar Tage eher alles zusammen damit ich nichts vergesse. Die Woche schien nie zu vergehen aber plötzlich war es Samstag und ich auf dem Weg zum Flughafen. Endlich komme ich mal zwei Wochen raus aus dem Alltag. Rafa sehe ich zwar erst am Montag aber das trübte meine gute Laune nicht wirklich, ich war froh überhaupt nach Mallorca zu kommen.

Porto Cristo - Juli 2010

Nach einem eher unspektakulären Flug war ich kaum zwei Stunden nach dem Start schon am Ziel! Es kommt mir vor als wenn Mallorca gleich um die Ecke ist. Endlich bin ich wieder mal hier, es ist eine gefühlte Ewigkeit her das ich zuletzt hier gewesen bin. Rafa war ja bekanntlich nicht da also holte mich seine Mutter vom Flughafen ab und fuhr mich nach Porto Cristo. Ich hätte mich ja sowieso mit ihr treffen müssen da sie mir die Schlüssel zum Haus gegeben hat. Erst dachte ich sie ist auch so Fußballverrückt aber sie ist wohl sowas wie eine Ausnahme in der Familie Nadal, das beruhigt mich ungemein. Der Vorteil das Rafa nicht zu Hause ist liegt auch darin das ich ungestört meinen Koffer auspacken konnte, was ja nicht möglich ist wenn Rafa mich ablenkt.
Die Zeit bis zum Montagabend werde ich auf jeden Fall rumkriegen und es war ja schon früher Abend als ich in Palma gelandet war. Viel wurde ja nicht mehr, ich packte alles aus und versackte dann mit Rafa Maymó und seiner Freundin Nicole in einer Bar in Manacor. Mir kamen da wieder die Erinnerungen von dem gemeinsamen Ausflug in den Sinn aber die konnten sich offenbar auch vertragen. Der Sonntag begann dann früher als von mir geplant weil ich durch mein Handy geweckt wurde. Erst dachte ich es wäre etwas Dringendes als ich auf dem Display sah das Rafa anruft aber er war schon total hibbelig wegen dem Finale. Es war ja keine Zeitverschiebung nach Südafrika und weil er schon alleine bei dem Gedanke an das Finale einen Puls von 180 hat, ist er wohl um sieben früh aufgestanden und meinte mir das auch sofort mitteilen zu müssen. Er meinte es sicher nur gut aber manchmal könnte ich ihm etwas antuen.
Da freut man sich die ganze Woche darauf ausschlafen zu können und dann ruft Rafa an und weckt mich wegen nichts. Es war dann auch egal also konnte ich auch aufstehen und frühstücken. Machte nicht so richtig Spaß alleine in dem großen Haus aber die zwei Tage geht es schon. Lange war ich ja auch nicht alleine, da Nicole überraschend klingelte. Ich dachte mir nichts Schlimmes und drückte auf den Türöffner, vielleicht hat sie gestern Abend was vergessen. Wie ich von der Tür aus sah, brachte sie ein paar Schuhe mit. „Hi, lange nicht gesehen“ Sagte ich mit einem Lächeln und blieb in der Tür stehen. Sie umarmte mich kurz und lief dann an mir vorbei. „Hola, ich dachte schon du schläfst vielleicht noch“ Daraufhin konnte ich nur mit den Augen rollen.
„Das würde ich sicher auch tun wenn ich keinen Freund hätte der in aller Frühe hier anruft nur um mir dann zu sagen das er schon ganz schrecklich aufgeregt ist wegen dem Finale heute Abend“ Es dauerte gar nicht lange bis sie in schallendes Gelächter ausbrach. „Das nimmt ihn wirklich mit alles, no?“ “Frage nicht, Wimbledon ist gar nichts dagegen. Er schnappt schon über bevor es begonnen hat. Mir fehlt das Fußball Gen total, dafür hat Rafa anscheinend zu viel davon abbekommen“ Sie hielt mir die Schuhe hin und schien zu warten bis ich sie ihr abnehme. „Apropos, Dein Freund ist auch die Unordentlichkeit in Person“ Jetzt musste ich lachen, da erzählt sie mir nichts Neues. “Erzähle mir was Neues. Seine Mutter hat mir schon stundenlang Vorträge darüber gehalten. Er ist nicht nur unordentlich sondern auch unpünktlich und manchmal ein bisschen vergesslich. Wahrscheinlich weiß er schon gar nicht mehr wo er die Schuhe vergessen hat“ “Das haben Männer so an sich. Riecht es hier eigentlich nach Kaffee?“ Ich war etwas überrascht über die Frage aber das täuschte nicht. „Sí, ich mache eben welchen, willst du auch einen?“ “Wenn du sowieso dabei bist, nehme ich einen“ Ich drehte mich um und lief zurück in die Küche, Nicole mir nach.

„Ich dachte es gibt hier keinen Kaffee im Haus?“ “Wenn ich da bin schon“ Meinte ich nur und sah nebenbei auf die Kaffeemaschine. „Du hast dich ja schon richtig hier eingerichtet“ “Ich bleibe ja auch zwei Wochen hier und ohne Kaffee geht gar nichts“ “Man könnte denken du bleibst länger hier“ “Mal sehen, wenn ich könnte würde ich sofort hier bleiben“ “Du meinst für immer oder wie?“ “Mhh, arbeiten könnte ich auch hier“ “Stimmt!“ Sie setzte sich auf einen Barhocker und schien auf den Kaffee zu warten.
„Ich finde es schon stressig, dass mein Freund so oft unterwegs ist. Man gewöhnt sich an vieles und ich kenne es nicht anders aber es ist sicher noch schwieriger wenn jemand in einem anderen Land wohnt“ Tja, da sprach sie mir aus der Seele.
„Ist es obwohl es auch nur zwei Flugstunden sind. Der logistische Aufwand ist aber enorm, dass stimmt. Es wäre wesentlich einfacher wenn ich hier wäre. Rafa hat da ein bisschen verdrehte Ansichten sonst würde ich vielleicht in Versuchung kommen. Ich habe nur so aus Spaß und um meinen Marktwert zu testen ein paar Bewerbungen geschrieben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber es wäre kein Problem für mich hier einen Job zu bekommen“ “Will Rafa nicht das du hier bist?“ “Doch aber er glaubt das es für mich ein zu großes Opfer wäre wenn ich hier her auswandere. Ich sehe das zwar nicht so aber der ist stur wie ein Esel. Er hat ein paar Mal gesagt, dass es ihm gefällt wenn ich hier bin aber wenn ich dann ernster auf das Thema eingehen will, macht er total dicht und blockt ab. Er müsste ja nicht mal was dazu beitragen, das wäre dann ja meine Sache“ “Vielleicht hat er Angst, dass du ihn verantwortlich machst wenn es schief geht“ “Eine Garantie gibt es nicht aber er wehrt sich mit Händen und Füssen dagegen. Auf der anderen Seite jammert er dann rum, dass es so kompliziert ist mit den Flügen“ “Du musst warten bis er emotional auf dem Höhenflug ist. Vielleicht klappt es ja heute Abend mit der WM“ “Erinnere mich nicht daran! Wenn Spanien gewinnt, können wir ihn von Südafrika bis hier her jubeln hören. Dann kommt er sicher morgen Abend total ko hier an und das nicht wegen dem langen Flug“ “Ich habe schon gehört wie fanatisch er ist, ich habe ehrlich gesagt auch nichts am Hut mit Fußball“
Es gibt ja doch noch Leute deren Leben sich nicht den ganzen Tag um Fußball dreht! Da bin ich jetzt aber auch gespannt ob Spanien heute Abend Weltmeister wird. Das ist schon daher interessant weil ich ja dann morgen Abend Rafa wieder sehe. Wenn die heute verlieren, wird er todunglücklich sein und wenn sie gewinnen, wird er durchdrehen. Er ist ja sehr begeisterungsfähig daher bin ich da mal gespannt.

Langweilig wurde es mir jedenfalls nicht alleine. Nicole hatte mir ja angeboten abends zu ihr zu kommen aber das ging nicht da ich schon letzte Woche in England mit der Mutter von Rafa, Ana Maria, ausgemacht hatte das ich zu ihr komme. Sie ist ja alleine zu Hause daher passt das und wenn ich sie richtig verstanden habe, will sie die Gunst der Stunde nutzen und mit mir Essen gehen.
Ich lasse mich mal überraschen. Das ist praktisch, wenn wir alleine sind erfahre ich auch Dinge von ihr die sie nicht sagen würde wenn Rafa dabei wäre. Ich will sie ja nicht aushorchen aber Rafa liegt ja sowieso viel daran das ich mit seiner Familie klarkomme also wird es ihn nicht stören. Nicole kann ich ja auch am Montag einen Besuch abstatten. Rafa kommt ja erst abends an also habe ich da Zeit. Ich war praktisch ständig beschäftigt und kaum mal alleine. Es dauerte bis zum Montagnachmittag das ich mal eine Weile meine Ruhe hatte und da auch dazu kam mir den Wimbledon Pokal genauer anzusehen. Selbst jetzt da eine Woche vergangen war, konnte ich es noch gar nicht richtig fassen.
Es war so unreal alles und jetzt stehen hier schon zwei von den kleinen Nachbildungen. Das Original gibt es ja immer nur für die Fotos. Es ist erschreckend alle Auszeichnungen zusammen zu sehen dabei waren es nur die von den Grand Slams. Er hat ja noch unzählige andere aber ausgestellt sind nur die wichtigsten. Ihm fehlt jetzt nur noch der US Open Pokal in der Sammlung. Das ist das einzige Turnier was er noch nie gewinnen konnte und wie ich Rafa kenne, wird er jetzt seinen Fokus darauf ausrichten und alles dafür tun um in Besitz von diesem Pokal zu kommen.
Er hat mal gesagt es ist sein großer Traum irgendwann noch die US Open zu gewinnen, es wäre die Krönung seiner Karriere und er hat ja noch ein bisschen Zeit. Dieses Jahr ist schon so unheimlich das da vielleicht auch bei den US Open was gehen könnte. Im Halbfinale war er schon öfters aber er will den ganz großen Triumph in New York. Und selbst wenn er dort gewinnt, setzt er sich neue Ziele. Rafa gehört zu den wenigen Menschen die es immer wieder schaffen sich neu zu motivieren auch wenn sie scheinbar alles erreicht haben.

20 September 2010

Chapter 62

Zwar bin ich froh, das Sara hier ist aber ich war nicht unglücklich darüber als sie gleich in ihr eigenes Haus verschwand nach dem Frühstück. Kaum war sie aus der Tür, trank ich einen Schluck Kaffee und sah dann neben mich. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber die hat doch echt gefragt woher der Fleck ist“ “Welcher Fleck?“ Meinte Rafa nur mit einem fragenden Blick. Ich hielt meinen Arm hoch um ihm zu verstehen zu geben was ich meine. „Ach so, das sieht schlimmer aus als es ist“ “Wegen dir muss ich heute Nachmittag langärmelig gehen. Die Leute denken was wenn ich so zu dem Spiel gehe. Man könnte denken du misshandelst mich“ “Ich habe doch schon gesagt dass es mir leid tut, ich wollte das nicht“
Ich sah eine Weile gedankenverloren auf meinen Teller und versuchte mir den Gedanke an gestern Abend zu verkneifen weil ich sonst auf dumme Ideen komme und mich nicht mehr beherrschen kann und dafür haben wir gerade keine Zeit. Es war zwar meine Idee das wir zusammen duschen aber bisher lief das ohne blaue Flecken ab und woher sollte ich ahnen das wir am Ende auf den Fließen landen? „Ich habe gleich geahnt, dass die Fließen im Bad nicht sehr bequem sind und hätte auf einen praktischen Versuch auch gerne verzichtet“ Meinte ich dann mit einem Kopfnicken. “Das hat dich gestern aber noch nicht gestört“ Kam es dann mit einem sehr breiten Grinsen. „Ich war ein wenig abgelenkt und wusste da auch noch nicht das da sichtbare Spuren bleiben“ “War mal was anderes“ Kam es dann ganz abgeklärt. Ich schlug scherzhaft nach ihm und schüttelte nur mit dem Kopf.
„Machst du so Listen von Orten und hakst dann ab? Dann will ich gar nicht wissen was da noch drauf steht“ “Nichts mit Fließen“ Kam es breit grinsend. “Das beruhigt mich ungemein“ “Außerdem wolltest du ja unbedingt das ich mitkomme und höre auf so zu tun als wenn es dir nicht gefallen hätte!“ Wie kommt er darauf, dass es mir nicht gefallen hat? Das hatte ich ja gar nicht gesagt, es ging nur um den Fleck, der Rest war ja durchaus interessant. Ich dachte das er sich schonen soll am Abend vor dem Finale aber Rafa hat eine eigenartige Definition davon. „Das es mir nicht gefallen hat habe ich gar nicht gesagt“ Er grinste mich blöd von der Seite an und irgendwie ahnte ich das wir heute Nachmittag noch darüber reden wenn ich nicht ein anderes Thema anschneide.
„Da wird es mir ja richtig langweilig werden heute Abend wenn du nicht mehr hier bist“ Da ist er nicht der Einzige, ich habe auch keine Lust heute nach Hause zu fahren. “Du kannst ja dann mit dem Pokal duschen gehen“ “Falls ich ihn gewinne, dann hätte ich Stress heute Abend aber spätestens morgen vermisse ich dich dann“ “Hast du nicht gesagt du musst da zum Arzt? Da bist du doch abgelenkt“ “Erinnere mich nicht daran, eigentlich habe ich gar keine Lust weil ich nicht weiß was die da anstellen mit mir. Also was die vorhaben weiß ich schon aber nicht was hinterher mit dem Knie passiert“
Das er keine Lust darauf hat kann ich verstehen. Es ist eine neuartige Therapie und die verspricht eigentlich nur Gutes. Der Haken ist nur das er in den ersten Tagen nach der Behandlung mit Schmerzen rechnen muss und damit es nicht zu viel auf einmal wird muss er mehrmals hin. Mir tut schon alles weh wenn ich nur daran denke, sicherlich würde ich sowas nicht aushalten ohne verrückt zu werden. „Denke daran, dass du danach nach Südafrika kannst und das du frei hast“ “Kommt mir im Moment alles utopisch vor aber es wird langsam Zeit mal zu entspannen“

Nach dem Frühstück war es vorbei mit der Ruhe, langsam machte sich Hektik breit obwohl das Match ja erst am Nachmittag beginnt. Inzwischen kam ja auch noch die Familie von Toni und die von Rafa also war es vorbei mit der langen Weile. Es war ein mittleres Wunder das es alle halbwegs pünktlich in die Players Box geschafft hatten. Es ist eigentlich ein schöner Sommertag und ich sitze mit Jacke da! Ich hatte glücklicherweise einen weißen Blazer mit und hatte den an. Weiß ist noch erträglich bei den Temperaturen und direkter Sonneneinstrahlung.
Sara schien sich keinen Reim drauf machen zu können wieso ich praktisch mit Jacke da sitze. Ich hoffte ja das sie vielleicht die Eltern von Rafa beobachtet oder sowas aber sie drehte gar nicht so durch wie ich vermutet hatte. „Hast du wegen dem Fleck die Jacke an?“ Fragte sie dann aber doch direkt und sah mich an dabei. „Es muss ja nicht gleich jeder sehen“ “So schlimm ist es auch nicht wobei man das erstmal schaffen muss“ Ich sah sie an und überlegte ob sie das ernst meinte oder ob sie mich auf den Arm nimmt. Sicherheitshalber beschloss ich da nicht weiter drauf einzugehen. Es ist verrückt, kaum ist da mal ein kleiner Fleck, fragen alle Leute woher der ist, als gäbe es nichts Wichtigeres mehr. Da kam es mir doch recht gelegen als das Match pünktlich kurz nach um zwei begann. Gespannt bin ich schon darauf was gleich passiert. Vielleicht ist die Sicherheit ja trügerisch oder ich habe keine Ahnung aber ich gehe fest davon aus das Rafa gewinnt.
Die Möglichkeit, dass er verliert habe ich nicht wirklich in Betracht gezogen. Zwar hat Berdych Federer geschlagen aber das heißt nichts und Berdych war noch nie in einem Grand Slam Finale. Rein vom logischen her spricht alles für Rafa. Mir wäre es nur lieb wenn es nicht so wie das Finale 2008 wird. Das hatte ich inzwischen auch als Video gesehen und das war ja schon sehr nervenaufreibend. Vor einem Finale der Sorte fürchteten sich wohl heimlich alle. Das erste Break ließ aber nicht lange auf sich warten. Ok, es ist ja erst der erste Satz aber es lief irgendwie zu gut, da muss man normalerweise skeptisch werden. Etwas sprachlos waren wir schon als Rafa den ersten Satz ganz locker und bequem nach etwas über eine halben Stunde Spielzeit 6-3 zumachte.
Es sah aus als wenn er noch Luft hätte nach oben und nicht am Limit spielt, was man von Berdych nicht behaupten konnte. Er war ja nicht schlecht aber er machte eben die wichtigen Punkte nicht. Da war ich doch erstmal beruhigt, wenn das so weitergeht, wird es gar nichts zum Aufregen geben. Das es aber fatal ist sich viel zu früh zu freuen sahen wir im zweiten Satz. So blöd war ja Berdych nun auch nicht das er den Titel einfach Rafa schenkt. Es gab zumindest keine Breaks also wird wohl ein Tiebreak über den Satz entscheiden müssen. Wenn Rafa 2-0 Sätze führt, wäre das doch schon mal richtig gut, nur ein Satzausgleich von Berdych wäre nicht so prickelnd. Noch gab es keinen Tiebreak aber es stand 6-5 für Rafa also fehlt da nicht mehr viel. Ich richtete mich schon das Schlimmste ein als sich dann plötzlich eine Breakmöglichkeit für Rafa ergab. Von mir aus muss es keinen Tiebreak geben, das kann ich sowieso nicht ausstehen wenn es so knapp ist.
Sara rutschte nervös neben mir in ihrem Sitz rum, es ging also nicht nur mir so. Ich würde am liebsten an den Fingernägeln kauen oder aufspringen aber die zeigen uns ja ab und zu also müssen wir uns artig benehmen um Rafa nicht total zu blamieren. Ab und zu sieht er ja hoch zu uns und es will ja keiner, dass sich die Anspannung auf ihn überträgt. Im Moment hatte er aber andere Sorgen da es ja noch um das Break ging. Kaum das ich mal ein paar Sekunden was in meiner Tasche suchte, zeigte es plötzlich 7-5 auf der Anzeigetafel an und es wurde laut um mich rum. Nein, da sieht man mal kurz weg und verpasst alles! Die Wiederholung vom letzten Punkt gab es aber gleich nochmal zu sehen auf der Videoleinwand. Na das lief ja jetzt doch alles nach Plan. So sah es zwar 2008 auch aus aber das ist was anderes heute. Ich denke nicht das Berdych die Energie und den Willen hat hier noch bis zum fünften Satz zu gehen. Vor meinem inneren Auge sah ich schon Rafa mit dem Pokal in den Händen. Noch ist es aber ein Satz und es ging direkt weiter.
Zwar ist die ganze Atmosphäre hier einschüchternd aber bei dem Spielstand müssen wir uns erstmal keine Sorgen machen. Zu einer kurzen Schrecksekunde kam es nur etwa in der Mitte des dritten Satzes als Berdych doch tatsächlich einen Breakball hatte! Glücklicherweise konnte er ihn aber nicht nutzen und Rafa holte sich das Spiel doch noch. Bis zum 5-4 ging alles normal weiter. Jetzt wurde es aber doch spannend, nur ein Game fehlt Rafa zum zweiten Titel hier und ich habe keinen Zweifel daran, dass er unbedingt gewinnen will. Berdych gab aber nicht auf und leistete sich keine leichten Fehler.
Er machte nur einen einzigen in dem Spiel was Rafa einen Breakball und somit Championship point einbrachte. Oh Gott, mit viel Glück ist es gleich zu Ende obwohl es erst vor reichlich zwei Stunden begonnen hatte! Sara krallte sich an mir fest aber ich konnte nicht zu ihr sehen. Jetzt war ich aber doch tierisch aufgeregt, hoffentlich klappt es gleich. Eher unspektakulär versenkte Berdych den Ball im Netz und Rafa hatte den Titel sicher. Es war fast ein bisschen schade wie es zu Ende ging. Bevor ich wusste wie mir geschieht, fiel Sara mir um den Hals, die war gleich am Durchdrehen. Ich konnte nur lachen und versuchte sie nicht noch weiter aufzuputschen.
Sie war wohl aufgeregter als ich. Direkt im Anschluss folgte die Siegerehrung und es war doch recht verhalten alles. Klar freuten sich alle aber es war kein Vergleich zu 2008. Das war eine recht eindeutige Angelegenheit heute daher hielt sich die Euphorie in Grenzen. Ich kann es trotzdem noch gar nicht richtig glauben. Nach den French Open hat er jetzt auch noch Wimbledon abgeräumt, man gewöhnt sich langsam dran! Natürlich freue ich mich für Rafa, er wird sicher überglücklich sein auch wenn er das eben auf dem Platz nicht so extrem zeigt. Nachdem die Siegerehrung vorbei war, kehrte langsam wieder Ruhe ein. Es ist schade aber wir müssen uns wohl noch etwas gedulden bis wir Rafa sehen. Er ist jetzt total im Stress und hat keine Minute Ruhe. Toni und Maymó durften ja in den locker room aber da dürfen wir nicht mit rein also war es sinnlos das wir warten.

Auf der Anlage bleiben ist auch sinnlos also gingen wir nach Hause und packten unsere Sachen zusammen. Rafa fliegt erst morgen früh aber ich reise ja mit Sara schon heute Abend ab. Das ging nicht anders mit den Flügen aber immerhin können wir das Champions Dinner noch mitnehmen. So viele Sachen hatte ich auch nicht mit daher musste ich nicht lange packen und ging dann nebenan zu Sara nachsehen ob sie schon fertig ist. War sie natürlich nicht weil sie immer ewig braucht also ging ich nach unten und würde dann derweil Kaffee schlürfen bis sie fertig ist. Es war alles schön ruhig hier, es ist keiner in dem Haus von Sara und mir abgesehen weil die Eltern von Rafa noch auf der Anlage waren. Die Haustür ging dann auf und zu aber ich dachte mir nichts weiter.
Umso erstaunter war ich als Rafa plötzlich in der Tür zur Küche stand. Anscheinend ist er alleine und ich war überrascht das er hier ist weil ich dachte es dauert noch lange. War ein bisschen komisch nach dem Zirkus und dem ganzen Hype vorhin das er plötzlich in der Tür steht als wenn nichts wäre. „Hey, was machst du hier?“ Fragte ich während ich meine Kaffeetasse hinstellte und vom Tisch aufstand. „Ich wollte nur nachsehen wo du bist weil du drüben nirgends warst und meine Schwester meinte das du hier bist“ Ich lief mit einem breiten Lächeln näher zu ihm und umarmte ihn erstmal. „Ich dachte du hast eben andere Sorgen“ Sein Lächeln ging schon vom einen Ohr zum anderen. „Ich wollte dich nur mal kurz sehen“ “Ich freue mich richtig das du gewonnen hast, es wird langsam unheimlich. Obwohl ich das Gefühl nicht loswerde, das du das ziemlich locker gewonnen hast, bin ich natürlich total stolz auf dich. Ich kann es gar nicht glauben das du einfach so Wimbledon gewinnst, das schaffen die meisten in ihrem ganzen Leben nicht und du hast jetzt schon zweimal gewonnen“ “So einfach wie es heute schien war es aber nicht. Der Weg bis hier her war die größte Anstrengung“ “Ich weiß wie hart du dafür gearbeitet hast, umso schöner ist es doch jetzt“ “Sí, das war sowas wie der krönende Abschluss vor der Sommerpause. Jetzt will ich eigentlich nur noch nach Südafrika und dann nach Hause wo ich nach Möglichkeit von niemandem behelligt werden will“ “Du hast ja wenigstens schon frei, ich muss ja die Woche noch arbeiten und ich habe da mal so gar keine Lust drauf“ “Denke dran das du dann zwei Wochen frei hast. Ich freue mich schon richtig auf mein Haus“
Er sollte aufhören davon zu reden weil ich auch lieber heute als morgen hinfahren würde aber es sind ja nur noch sechs Tage bis ich nach Mallorca fliege. „Ich freue mich auch schon, das wird ja dann richtig öde wenn wir gar nichts mehr zu tun haben. Also ich meine keine Termine“ Er küsste mich kurz und strahlte mich dann wieder an. “Ich glaube nicht das es uns langweilig wird“ Wenn er jetzt eben hier ist, kann er doch gleich hier bleiben bis ich los muss aber er muss sicher noch weg. „Hast du jetzt Zeit?“ Fragte ich hoffnungsvoll. „Leider nicht, ich muss gleich wieder los. Wir sehen uns zwar beim Champions Dinner aber da werden wir nicht alleine sein“ “Ist schon ok, ich kann verstehen das sich alle um dich schlagen“ “In Porto Cristo habe ich mehr Zeit für dich, versprochen“ “Ist schon gut, ich habe damit gerechnet“ “War zwar etwas hektisch aber ich bin trotzdem froh das du hier warst, ich weiß es zu schätzen. Wenn es nicht gegangen wäre das du herkommst wäre es auch ok aber es ist schon schöner wenn du hier bist“ “Ich komme doch gerne und solange du gewinnst macht es auch Spaß zuzusehen“ Ich sah über seine Schulter und sah Sara im Flur stehen. Ich hatte sie gar nicht bemerkt aber sie äugte neugierig zu uns. „Komme her“ Rief ich laut und ließ Rafa wieder los.
Er drehte sich um da er sie wohl auch nicht bemerkt hatte. Sie nutzte auch gleich die günstige Chance ihm sozusagen persönlich zu gratulieren. Rafa strahlte sowieso vom einen Ohr zum anderen, ihm wird es egal sein was heute alles noch passiert. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie Rafa mal umarmt ohne dabei in Ohnmacht zu fallen. Ja gut, sie hat ihn ja öfters gesehen die letzten Tage und Rafa beißt wirklich nicht, er ist sehr umgänglich.

6 September 2010

Chapter 61

Ich sollte Recht behalten. Sara wollte es ja nicht glauben aber Rafa saß tatsächlich auch dann noch vor der Glotze, als das Spiel schon längst zu Ende war. Alleine war er ja nicht, sein Team leistete ihm Gesellschaft und man muss ja alles noch lautstark auswerten bis ins Tausendstel, ich hatte gar nichts anderes erwartet. Da ich keine Lust hatte stundenlang Fußball Ergebnisse auszuwerten, verzog ich mich alleine nach oben.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Rafa sich mal die Ehre gab und erschien. „Was machst du denn?“ Kam es auch gleich. Gar nix machte ich, da ich mir die Zeit vertreiben musste saß ich auf dem Bett und surfte im Internet. „Nach was sieht es aus?“ Fragte ich zurück. “Du hättest auch mit unten bleiben können“ “Klar und dann nur über Fußball reden?“ Er machte es sich neben mir auf dem Bett bequem und rollte dann mit den Augen. „Ist doch vorbei“ Ich klappte den Laptop zu und sah ihn an. „Ich hätte ja nicht herkommen brauchen wenn du sowieso andauernd Fußball guckst“ Sagte ich dann wohl etwas zu ernst. Sein Gesicht war so schön, dass ich schon fast Lachen musste.
Es scheint ihm kurzfristig die Sprache verschlagen zu haben. „Das bildest du dir ein. Denkst du das ist mir wichtiger als du oder wie?“ Ich musste kichern und nickte mit dem Kopf. „Manchmal schon“ Er küsste mich kurz und zog dann ein grinsen vom einen Ohr zum anderen. „Hättest du mal was gesagt, hätte ich nicht so lange geguckt“ “Sehr komisch! Und dann machst du mir bis in alle Ewigkeit Vorwürfe das du wegen mir nicht gucken konntest“ “Hat ja jeder seine Hobbies!“ “Schon nur mit dem Unterschied das du sagen kannst das du zum Finale willst und dann auch Karten bekommst“ “Einer der wenigen Vorteile wenn man bekannt ist. Du kannst doch mitkommen wenn du willst, ich habe genug Karten“ “Würde ich ja aber ich habe keine Zeit, ich habe erst übernächste Woche Urlaub“ “Du meinst also ich hätte zu wenig Zeit für dich?“ Kam es plötzlich mit hochgezogenen Augenbrauen. Wenn er das so sagte, traf das den Nagel auf den Kopf!
„No aber wenn du Zeit hast, guckst du lieber Fußball statt mit mir was zu machen“ Warum war mir nicht sofort klar aber sein breites Grinsen erschien sofort wieder. “Wir können ja jetzt was zusammen machen“ Kam es dann mit so einem begeisterten Blick. Da bei mir inzwischen der Groschen gefallen war, rollte ich nur mit den Augen und legte einen Arm um seinen Hals. Man kann keinen Satz sagen, ohne dass er es zweideutig auffasst. „So meinte ich das nicht und wenn du daran denkst, scheint dich das Finale morgen ja nicht sehr zu beschäftigen“ “Klar denke ich darüber nach aber wir sind heute schon geschätzte 10.000 verschiedene Spielpläne durchgegangen. So viel ist da nicht mehr zu tun, ich versuche nur ein bisschen zu relaxen bis es beginnt“ “Wenn das so ist, wünsche ich dir eine gute Nacht“ Sein Gesicht daraufhin war so herrlich, dass ich mir ein lautes feixen verkneifen musste. Das breite grinsen war ihm aber fix vergangen!
„Na du sollst dich doch nicht anstrengen“ Schob ich mit einem breiten Grinsen noch hinterher und klopfte ihm auf die Schulter. „Wenn du ein bisschen netter zu mir wärst, müsste ich das auch nicht“ Ich verzog nur mein Gesicht und dachte mir meinen Teil. Das könnte ihm so passen das er sich zurücklehnt und alles mir überlässt. Mir kam da so eine gemeine Idee, dass ich ihn erst heiß mache und dann abblitzen lasse. Da werden wir ja sehen wie lange er entspannt liegen bleibt. Zwar ist morgen das Finale und ich will ihn nicht unnötig aufregen aber anscheinend will er es ja so. „Ich war lange genug nett zu dir und die Karten für das Finale habe ich ja jetzt“ Meinte ich dann nach einer Weile und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel. Seinem Gesicht nach zu urteilen musste er sich beherrschen mich nicht mit offenem Mund anzustarren.
Er sah mich an wie ein Goldfisch der nach Luft schnappt. Ich konnte mich aber nicht lange beherrschen und musste dann kichern. „Es war ein Fehler von mir dir Karten in Aussicht zu stellen wenn du dich anstrengst, no?“ Meinte er dann breit grinsend und küsste mich kurz am Hals. Da ihm das wohl noch nicht reichte, drehte er sich auf die Seite und rückte so nah es ging an mich. „Versprochen ist versprochen!“ Antwortete ich nur und versuchte mich nicht von seinem Blick einwickeln zu lassen. Ich kann da immer kaum hinsehen wenn er mich so von unten mit großen Augen ansieht. “Du meinst Berlin letztes Jahr? Da habe ich dir gar nichts versprochen“ Ach, jetzt kann er sich wohl plötzlich an nichts mehr erinnern? Komisch das er sich zwar an gewisse Details sehr gut erinnern kann aber nicht an den Rest. Ich zog nur eine Augenbraue hoch und musterte ihn.
„Außerdem konntest du doch da im Gegenzug kostenfrei in dem Hotel übernachten“ Kam es dann noch hinterher. Also jetzt wird es aber langsam! Glaubt er ich würde nur mit ihm schlafen um dafür kostenfrei irgendwo übernachten zu können? „Falls du denkst, dass ich mit dir schlafen würde um dann irgendwo übernachten zu dürfen, muss ich dich enttäuschen. Ganz so nötig habe ich es doch nicht“ “Dachte ich mir auch. Ich meine, ich konnte dann ja nicht so tun als wenn nichts gewesen wäre. Was sollte ich tun? Mir blieb gar keine Wahl als dich nach deiner Nummer zu fragen um nicht komplett als Depp dazustehen“ Wenn ich nicht wüsste, dass er das gerade nicht ernst meint, würde ich ihm jetzt die Hölle heiß machen.
“Ach so, dann hast du es nur gemacht um dein Gewissen zu beruhigen...“ “Na ja und weil ich dich wieder sehen wollte. Ich hätte dich am liebsten gleich mit nach Cincinnati genommen. Die Aussicht dich wochenlang nicht zu sehen war fürchterlich aber was sollte ich machen? Es hätte ja auch sein können das du nach ein paar Wochen keine Lust mehr gehabt hättest nach Mallorca zu kommen. Es lagen ja sechs Wochen dazwischen und es ist nicht immer von Vorteil wenn man viel Zeit zum Überlegen hat“ “Du meinst, das ich mir inzwischen überlegen konnte das ich es doch nicht will?“ “Zum Beispiel“ Ich drehte mich auch auf die Seite damit ich ihn direkt ansehen kann. Es fiel mir schon richtig schwer ihn nicht gleich zu küssen. Langsam wird die Spannung zwischen uns greifbar.
Vorhin das war ja nur Spaß aber allmählich wurde es ernst. Es kribbelte ziemlich in meinem Bauch und es ist wohl nur noch eine Zeitfrage bis ich über ihn herfalle. “Ich hätte auch noch länger gewartet um dich zu sehen“ Sagte ich dann ernst und sah in seine Augen. Das meinte ich wirklich ernst und nicht nur weil es vielleicht gut klingt. Für einen kurzen Moment schoss mir durch den Kopf das er es vielleicht gleich wieder ins lächerliche zieht indem er sagt das er sowas öfters hört oder sowas in der Art. Es passierte aber nichts, er sah mich einfach nur an. Ein paar Sekunden war es ja ok aber ein wenig wunderte ich mich dann schon was jetzt los ist. Er reagierte ja gar nicht, er sah mich einfach nur an.
„Kannst du nicht mit auf Tour kommen?“ Kam es dann völlig ohne Vorwarnung. Erst dauerte es ein paar Sekunden bis ich kapiert hatte was er eben gesagt hat und im nächsten Moment war ich es der fast die Kinnlade runterklappte. Ich gebe zu, dass ich schon erstmal kräftig schlucken musste da ich nicht damit gerechnet habe, dass er sowas jemals sagt. Zumindest habe ich gehofft, dass er das nie fragt. Ob ich ja oder nein sage ist egal, es ist alles falsch also wäre es am besten darauf gar nicht zu antworten. „Vergiss was ich eben gesagt habe, es tut mir leid“ Kam es dann plötzlich da ich nicht gleich etwas sagte und ihn wohl nur fassungslos ansah. Noch ehe ich reagieren konnte löste er sich von mir. Er rückte zum Rand vom Bett und drehte mir seinen Rücken zu.
Ich kam gar nicht so schnell nach mit überlegen was jetzt los ist. Das es sich in die Richtung entwickelt hätte ich nicht gedacht vor ein paar Minuten. Ein bisschen angespannt war die Stimmung schon. Mir ist völlig klar, dass er eben keinen Scherz gemacht hat und dass er es wohl bitterernst meinte.

Da ich ja irgendwie reagieren musste, rückte ich näher an ihn und umarmte ihn von hinten. Er legte seine Hände über meine und sah nach unten auf meine Hände in seinen. Zwar war zu dem Thema theoretisch alles gesagt aber es geht wohl doch nicht so spurlos an ihm vorüber, dass wir uns so lange nicht gesehen haben. „Ihm ähmm, glaube ich brauche Urlaub. Die letzten Wochen waren eindeutig zu stressig“ Meinte er dann ohne mich anzusehen. Offensichtlich glaubt er, dass ich nicht darüber reden will und versucht daher es zu verharmlosen.
Ich will ihn aber schon ansehen wenn ich mit ihm rede also machte ich etwas Platz und zog ihn dann nach hinten bis er auf dem Rücken lag. Er sah mich noch immer so todernst an und schien auf meine Reaktion zu warten. Damit er nicht auf die Idee kommt zu flüchten, lehnte ich mich über ihn und versuchte ein Lächeln zu ziehen. „Es muss dir nicht leidtun das du mich sehen willst. Ich weiß, dass es schwierig ist. Mir macht das auch keinen Spaß wenn wir uns wochenlang nicht sehen können aber die Bedingungen lassen sich nicht ändern“ “Mir kommt es manchmal vor als würde mein Leben im Zeitraffer ablaufen. Früher ging das auch irgendwie, ich meine ich hatte ja schon Freundinnen aber das war etwas anderes. Ich will nicht, dass alles zwischen uns kaputt geht weil wir uns nicht sehen können“ Inzwischen war ich fast mit meinem Latein am Ende.
Wenn er nicht gleich aufhört hier einen auf sentimental zu machen, fließen noch Tränen. Ich lehnte mich näher zu ihm und fuhr mit einer Hand durch seine Haare, unsere Nasenspitzen berührten sich schon fast so nah war ich ihm. „Es gibt keine Garantie, es könnte genauso schief gehen wenn wir uns jeden Tag sehen und das sage ich jetzt nicht weil ich nicht mit dir auf Tour gehen will“ Seine Hände machten sich selbständig und sorgten dafür das ich halb auf ihm liege. Es lenkte mich ziemlich ab als seine Hand unter meinem Top verschwand und langsam meinen Rücken auf und ab fuhr. „Ich liebe dich und will einfach mit dir zusammen sein, mir fehlt das richtig. Die letzten Tage waren fast zu schön um wahr zu sein nachdem ich dich eine Ewigkeit nicht gesehen habe“ Es klang gut wie er das sagte, da konnte ich auch wieder lächeln. „Ich liebe dich auch“ Ein paar Augenblicke später entspannte sich sein Gesicht merklich, ansatzweise erschien sogar ein Lächeln.
„Es tut mir leid, dass ich eben so sentimental bin“ “Das muss es nicht, ich kann es verstehen, wahrscheinlich ist das normal nach dem ganzen Stress den du in den letzten Wochen hattest“ “Ich habe nur ein bisschen Tennis gespielt“ Er ist gerade der Richtige der sowas sagt. Ich weiß inzwischen ziemlich genau, dass ihm die Turniere nicht nur körperlich alles abverlangen. “Du weißt genau das es mehr als das ist“ Er sagte nichts mehr und sah mich wieder so nachdenklich an also küsste ich ihn damit er nicht noch mehr komische Dinge sagt. Ich wollte ja eigentlich noch schnell duschen gehen aber ich kam nicht mehr los von Rafa weil er nicht mehr locker ließ. Seine Hände schienen ein Eigenleben zu führen und irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los das ihm ein paar Küsse nicht reichen.
Ich bekam nur am Rande mit der er mir mein Top ausgezogen hatte und keine weitere Zeit verschwendete sich an meinen restlichen Kleidungsstücken zu schaffen zu machen. Es wurde mir ein wenig warm, was er wohl auch beabsichtigte. „Ich wollte eigentlich noch duschen gehen“ Sagte ich dann leise mit einem breiten Lächeln als ich kurz zum Luft holen kam. „Das kannst du auch später noch“ Ich versuchte mich aus seiner Umarmung zu befreien aber ich hatte keine Chance. „Du könntest ja mitkommen“ Meinte ich dann mit einem breiten Lächeln und nicht ganz uneigennützigen Hintergedanken. „Sí und dann sagst du wieder ich hätte angefangen oder könnte mich nicht beherrschen“ “Ich sage es nicht, versprochen“ Antwortete ich nach ein paar Sekunden und küsste ihn dann verführerisch.
Er sprang im nächsten Augenblick vom Bett auf und zog mich an der Hand hoch. „Wenn das so ist, komme ich mit!“ Kam es dann gleich ganz begeistert. Ich musste Lachen und konnte nur noch mit dem Kopf schütteln als er mich hinter sich her zog ins Bad. Erst will er nicht und dann kann es gar nicht schnell genug gehen und ich gehe mal nicht davon aus, dass er so wild darauf ist weil er wirklich nur duschen will.

Am nächsten Tag schliefen wir aus sofern das möglich war an einem Tag wo das Wimbledon Finale ist. Normalerweise steht Rafa ja immer früh auf weil er noch trainiert vor dem Match aber das hat er nicht getan heute also hatte er Zeit. Er kann sich dann noch genug bewegen wenn er spielt also sollte er gar nichts machen. Nach um zehn waren natürlich alle schon fertig mit frühstücken also waren wir da alleine. Da ich mir dachte, dass Sara auch noch nichts gefrühstückt hat weil ich weiß das sie auch immer spät aufsteht, habe ich sie zu uns bestellt und sie erschien auch ein paar Minuten später.
Es war eigentlich relativ entspannt, darüber war ich schon froh weil sie bisher immer angespannt war wenn Rafa dabei war. Damit war es aber vorbei als sie fragte woher der blaue Fleck an meinem Arm kommt. Da sie uns gegenüber saß, hatte ich gedacht, dass sie es nicht sieht. Ich wusste natürlich, dass ich am rechten Ellenbogen einen blauen Fleck habe aber ich dachte nicht, dass sie nachfragt. Sie muss es wohl gesehen haben als ich nach dem Marmeladenglas gegriffen habe. Ich sah kurz neben mir zu Rafa aber er kaute weiter als wenn nichts wäre was wohl daran lag das er die Frage auf Deutsch nicht verstanden hatte und daher nichts Schlimmes dachte. Tja, was sollte ich auf die Frage antworten ohne das es peinlich wird?
Der Fleck ist ein Überbleibsel von gestern Abend als ich mit Rafa duschen war und wenn man es genau nimmt, ist er schuld. Etwas kam ich aber doch ins Schwitzen. „Das ist nichts weiter, ich kam nur zufällig mit dem Arm an den Wasserhahn beim Duschen“ Sie sagte nichts aber an ihrem Stirnrunzeln und dem eigenartigen Blick sah ich schon das meine Antwort wohl nicht sehr überzeugend war. „Sowas ist mir noch nicht passiert“ Meinte sie dann nach einer Weile. Sie war ja auch noch nicht mit Rafa duschen, schoss es mir so durch den Kopf aber ich verkniff es mir das auch laut zu sagen obwohl mich dann ihre Reaktion interessieren würde.

2 September 2010

Chapter 60

„Du sollst morgen nicht zu deinen Eltern fahren, ich habe sie für eine Überraschung eingespannt“ “Hä, wie jetzt?“ Fragte sie dann hörbar verwirrt. „Du kannst am besten gleich anfangen ein paar Klamotten einzupacken weil du morgen früh nach London fliegen wirst“ “Ja ja, schön wär‘s! Höre auf dich über mich lustig zu machen“ “Wenn du mir nicht glaubst, gehe mal in dein E-Mail Postfach, ich habe dir eben die Bestätigung für die Flüge geschickt. Die druckst du aus und fährst zum Flughafen damit, das gilt als Ticket“ “Eh, höre auf jetzt mir umsonst Hoffnungen zu machen! Ich finde das gar nicht lustig“ “Mensch Sara, das ist kein Witz. Ich weiß doch wie gerne du mal hier her willst. Ich konnte es nicht eher sagen weil ich warten musste ob Rafa auch im Finale ist. Ich meine das Ernst, ich habe Karten für das Finale Übermorgen. Also Karten nicht aber in der Players box ist noch Platz. Du musst dich um nichts kümmern, nur zum Flughafen fahren morgen. Am Sonntagabend fliegen wir zusammen zurück. Wenn du natürlich keine Lust hast, kannst du auch zuhause bleiben“ Eine Weile war es verdächtig ruhig in der Leitung. Ist sie schon umgekippt?
„Echt jetzt?“ Fragte sie dann ganz leise und etwas nervös. Ich musste wieder lachen und konnte mir schon ihr Gesicht vorstellen. Bestimmt schnappt sie eben hektisch nach Luft. „Echt! Du musst dir keine Gedanken machen, es klappt alles. Rafa wusste schon ein bisschen länger davon als du und seine Familie kommt auch am Sonntag also macht einer mehr auch nichts mehr aus“ Ein paar Sekunden passierte gar nichts. „Wenn du mich gerade veräppeln willst, bin ich dann aber so richtig sauer. Du weißt genau das ich gerne mal das Finale sehen will daher wäre es ganz besonders gemein wenn du mich auf den Holzweg führst“ Ich rollte mit den Augen und dachte schon sie glaubt es mir wirklich nicht. „Ich weiß, dass du da keinen Spaß verstehst. Rafa ist doch Schuld an allem. Ich wollte es dir schon letzte Woche sagen aber er kam auf die dämliche Idee es als Überraschung zu machen“ “Seit wann hörst du auf ihn?“ Ich musste Lachen und stand dann auf um ans Fenster zu laufen.
„Es ist vielleicht etwas spontan für dich aber du musst doch nicht viel packen“ “Hast du eine Ahnung! Da kann ich mich ja gar nicht richtig auf das Finale vorbereiten!“ Was meinte sie denn jetzt mit vorbereiten? Wenn sich jemand vorbereiten sollte dann Rafa, wir sitzen doch nur da und gucken ihm zu. „Auf was willst du dich vorbereiten?“ “Na alles so. Man geht doch nicht jeden Tag zu einem Wimbledon Finale. Vielleicht ist es gut so weil ich schon längst durchgedreht wäre wenn ich es eher gewusst hätte“ “Eben und es hätte ja sein können das Rafa schon vor dem Finale rausfliegt und dann wärst du doch total enttäuscht wenn er gar nicht spielt“ “Mhh“ Ich wunderte mich etwas, das sie so ruhig und gelassen blieb. „Kommst du nun?“ Nervte ich sie weiter.
„Ja klar, ich meine, das ist total verrückt. Klar freue ich mich, ich muss das nur erstmal sacken lassen“ “Gut, dann sehen wir uns ja morgen“ “Ich kann‘s noch gar nicht glauben, das kommt etwas überraschend“ “So überrumpeln wollte ich dich ja auch nicht aber es wird bestimmt aufregend. Ich bin schon ganz gespannt“ “Mhh, kann sein du wünschst dir noch mich nicht neben dir sitzen zu haben im Finale“ “Ach was, ich muss mich ja an jemandem festkrallen wenn es eng wird“ “Du müsstest dich mal reden hören. Vor einem Jahr hätte ich das für schlichtweg unmöglich gehalten das du mal freiwillig zu einem Tennisspiel gehst“ Ich sah ja nebenbei aus dem Fenster und da vor dem Haus ein paar Leute standen und aufgeregt tuschelten, wird Rafa nicht weit weg sein. “Die Zeiten ändern sich eben manchmal. Ich muss dann mal Schluss machen, wenn du noch Fragen hast wegen den Flügen oder so, können wir ja heute Abend nochmal quatschen“ “Ok, ich muss mich sowieso erst von dem Schock erholen“ “Dann bis später“ “Adíos bis später“
Ich steckte mein Handy wieder ein und dachte mir so, dass es nur eine Zeitfrage sein wird bis sie anruft. Vor Schreck fiel ihr wohl nichts weiter ein.

Um nachzusehen ob Rafa sich wirklich die Ehre gibt, lief ich in den Flur und sah ihn eben die Treppen nach oben kommen. „Auch schon da?“ Fragte ich breit grinsend und lehnte mich oben an das Geländer. „Du kannst froh sein, das es nicht über fünf Sätze ging, sonst wäre ich noch lange nicht hier“ Er küsste mich kurz im Vorbeigehen und verschwand in sein Zimmer also drehte ich mich um und lief ihm nach.
„Sara kommt übrigens“ Er drehte seinen Kopf zu mir und grinste mich breit an. „Bestand daran Zweifel?“ “No aber sie dachte ich will sie veralbern. Ich dachte ja sie fängt an laut zu schreien am Telefon aber es passierte gar nichts. Ich glaube das muss erst sacken, es war erst so ruhig das ich dachte sie ist umgekippt aber sie lebt noch. Sie meinte das sie gar keine Zeit hat sich mental vorzubereiten. Wahrscheinlich hat sie sich schon auf einen gemütlichen Nachmittag vor dem TV gefreut“ “Vielleicht war es doch ein Fehler sie einzuladen?“ Ich lief näher zu ihm und umarmte ihn.
„Sie wird später ausflippen, mir ist ja inzwischen bekannt das man hier kaum an Karten für das Finale kommen kann daher dachte sie wohl das sie mal nie hier her kommt“ “Tja, man muss nur die richtigen Leute kennen, no?“ “Stimmt, du hättest es aber nicht machen müssen. Ich wäre ja ohne dich jetzt auch nicht hier“ “Meine Familie kommt doch auch, das macht dann nichts mehr aus. Ich dachte wir wären darüber hinaus das du mir Vorträge hältst, dass du das alles nicht machst nur um an Karten zu kommen“ Ich musste Lachen und war froh, das er mir zuvor kam da ich sonst vielleicht wirklich noch sowas gesagt hätte. „Ich sage nichts mehr“ Meinte ich dann nur mit einem verlegenen Lächeln. Vielleicht nervt es ihn ja wirklich wenn ich sowas sage aber ich will ja nur klarstellen das ich es zu schätzen weiß, dass er mich immer einlädt.

Am nächsten Tag brach das Chaos dann vollends aus. Es kam zwar erstmal nur Sara aber es reichte schon aus. Da hatte ich direkt mal etwas anderes zu tun als nur die Zeit totzuschlagen wenn Rafa trainieren war. Sara war in so einer Art Schockstarre als sie ankam dabei wusste die da noch gar nicht, dass sie sich mit den Eltern von Rafa und der Familie von Toni ein Haus teilt auch wenn es nur für einen Tag sein wird. Das Haus wo Rafa logierte war nicht so groß das man da so viele Leute unterbringen kann also hat er nur für das Finalwochenende noch das Haus nebenan gemietet. Man kann leider auch nicht vom einen Haus zum anderen gehen ohne gesehen zu werden. Es stehen ja fast rund um die Uhr Fans und Reporter vor dem Haus. Rafa hat zwar so eine Art Abmachung mit den Medien, dass die ihn in Ruhe lassen vor dem Haus aber die sind ja trotzdem da.

Man merkte auch schon daran das es mehr Leute werden das wir Abends immer mehr Autos brauchten um Essen zu gehen. Es hat sich so eingeschliffen, das Rafa die letzten beiden Wochen jeden Abend in einem anderen Restaurant essen war. Ein bisschen zurückhaltend war Sara zwar noch aber es war nicht mit Rom vergleichbar als sie ja gar kein Wort rausbrachte wenn Rafa dabei war.
Es müsste sie doch freuen, dass sie praktisch mit Rafa essen geht, denn damit hätte sie ja vor 24 Stunden gar nicht gerechnet. Ich war auch froh, dass sie da ist weil ich nicht ständig über Fußball reden will und Rafa würde am liebsten von nichts anderem mehr reden. Der ist ja schon jetzt total aufgeregt wegen dem Finale in Südafrika dabei steht noch gar nicht fest ob Spanien ins Finale kommt weil die erst noch gegen Deutschland spielen müssen aber daran denkt er wohl gar nicht.

Sara kam gar nicht mehr aus dem Lächeln raus, es war wie eingemeißelt. Selbst als wir schon längst wieder in unserem vorrübergehenden Zuhause waren, strahlte sie weiter. Ich leistete ihr noch Gesellschaft da sie ja noch alleine ist in dem Haus. Rafa wird es nicht stören, der sitzt längst vor der Glotze und nimmt alles mit was über die Fußball WM zu sehen ist. „Der Tag war ja echt verrückt. Gestern ahnte ich noch nichts Schlimmes und jetzt bin ich hier. Ich komme gar nicht drüber weg“ Da musste ich jetzt aber auch lachen.
„Ich dachte mir das du dich freust“ “Klar, ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Es ist wie ein Lottogewinn, ich bin schon total gespannt auf das Finale morgen. Das kann ich erst glauben wenn es wirklich anfängt“ “Ein bisschen aufgeregt bin ich auch. Da wird dann hier auch ein bisschen Leben in die Bude kommen“ “Ja, wer kommt denn? Ich habe mich schon gewundert, dass hier das ganze Hause leer ist. Ist nicht nur für mich oder?“ “Nein, in dem wo Rafa sich breit gemacht hat ist nicht so viel Platz. Seine Eltern kommen morgen und die Familie von Toni“ Ein bisschen blass wurde Sara dann schon um die Nase.
„Ehrlich?“ “Ja aber die beißen alle nicht, du wirst schon klar kommen mit denen“ “Ok, wenn du es sagst…“ Das sie etwas nervös ist kann ich ja verstehen aber dazu besteht wirklich kein Grund. “Wenn wir in der Players Box sitzen, siehst du sie sowieso und morgen Abend sind wir doch nicht mehr hier“ “Es lohnt sich gar nicht richtig“ “Weiß ich aber es ist nun mal Wimbledon und nicht irgendein Turnier“ Aus mir unerfindlichen Gründen fing sie plötzlich wieder an so breit zu lächeln.
„Du müsstest dich mal reden hören. Ich erschrecke immer wenn du so selbstverständlich über Tennis redest. Rafa kann sich wirklich was einbilden darauf das er es geschafft hat dich doch noch dafür zu begeistern“ “Das war nicht so schwer und ich habe ja auch keine Wahl da es ihn nicht ohne Tennis gibt. Ich glaube er kann gar nicht anders, der wäre todunglücklich wenn er nicht Tennis spielen könnte. Ich habe mich anfangs manchmal gefragt warum er das macht. Manche machen es ja wegen dem Geld oder wegen dem Ruhm aber ich glaube er würde auch so spielen. Nur wegen Geld würde er sonst sicher nicht die negativen Seiten mit in Kauf nehmen“ “Erinnere mich ja nicht an die Knieverletzungen“ “Zum Beispiel. Zum Glück ist das so weit unter Kontrolle. Er hat zwar Probleme mit dem linken Knie aber das Match morgen hält er sicher aus und er fliegt ja sowieso am Montag nach Bilbao seinen Ärzten einen Besuch abstatten“ “Sage nicht er hat schon wieder eine neue Verletzung!“ “Nein, der Termin ist schon lange geplant“ “Ach so. Was machst du denn heute Abend noch?“
Tja, was mache ich wohl noch? Da hatte ich noch nicht so drüber nachgedacht aber viel wird nicht mehr werden, der Tag ist ja fast um. „Nichts Spannendes. Fußball kommt ja also kann ich mir selbst die Zeit vertreiben“ Ihr Gesicht war richtig gut, es sah aus als könnte sie es sich nur schwer verkneifen laut zu lachen. „Spanien spielt doch, was erwartest du?“ “Jetzt ja aber der guckt jedes Spiel, unabhängig davon wer spielt. Das ist doch nicht mehr normal!“ “Ist doch bald vorbei“ “Zum Glück! Wahrscheinlich ist ihm der Trip nach Südafrika nächste Woche wichtiger als das Finale morgen“ “Das kann ich mir nicht vorstellen“ “Du kennst ihn nicht gut genug“ Meinte ich nur mit einem wissenden Kopfnicken.