Durch Geräusche aus dem Flur wurde ich dann aus meinen sentimentalen Gedanken gerissen, sieht so aus als wenn Leben in die Bude kommt. Zum Glück saß ich bequem, ich war plötzlich total aufgeregt. Es war fast so als hätte ich Rafa noch nie live gesehen und würde ihn gleich zum ersten Mal sehen. Das geht wohl fast allen Fans auch so nur das ich mit einer anderen Intention hier bin. Die Stimmen im Flur wurden dann leiser und diverse Türen gingen auf und zu wie ich hören konnte aber weiter passierte nichts. Ich könnte jetzt aufspringen und dann wie eine Verrückte umherrennen und Rafa suchen damit ich ihm dann um den Hals fallen kann aber ich fühlte mich aus irgendeinem Grunde unfähig aufzustehen. Ich fühlte mich komisch aber ich kann nicht sagen warum.
Zeit zum Nachdenken blieb mir keine mehr da die Tür aufging und Rafa plötzlich vor mir stand. Wie festgeklebt blieb ich sitzen und sah ihn einfach nur an. Es ist wie eine Fata Morgana ihn jetzt wieder zu sehen, die Tür geht auf und er kommt einfach rein als wenn nichts wäre. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich dann aber doch auf und schlang meine Arme um seinen Hals. Es war ein bisschen viel auf einmal alles, ich war total überwältigt und wusste nicht ob ich lachen oder heulen soll, mein Puls muss astronomische Werte erreichen. Seine Umarmung tat richtig gut und vielleicht heule ich ja wirklich noch wenn ich mich nicht zusammenreiße. Ich wusste schon gar nicht mehr wie sich die Nähe zu ihm anfühlt. „Ich dachte schon du kommst gar nicht mehr hier her“ Murmelte ich in seine Schulter als ich mich wieder beherrschen konnte und klammerte mich an ihm fest. „Ich habe mich schon beeilt, da ich wusste das du hier bist fiel es mir schon schwer genug nicht gleich hier her zu kommen aber dann wäre ich nicht mehr gegangen“ Nach ein paar Minuten löste ich mich etwas von ihm und sah in sein Gesicht, das Lächeln hatte ich schon richtig vermisst. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass er hier ist. Die Frage ist wie lange ich es schaffe ihn anzusehen ohne zu heulen.
So sentimental bin ich eigentlich gar nicht aber ich weiß auch nicht woher das plötzlich kam. „Ich dachte schon wir sehen uns nie mehr“ Sagte ich dann leise und biss auf meine Unterlippe. „Es wird langsam wieder mal Zeit, die Woche in Porto Cristo ist so lange her“ Ich antwortete nicht gleich und kämpfte noch mit meinen Emotionen, ich kann mir sicher ein oder zwei Tränen nicht verkneifen. Als ich merkte, dass es nicht mehr ging, sah ich kurz von ihm weg und wischte mit einer Hand eine Träne weg während ich kräftig schluckte. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er es nicht merkt aber sein breites Lächeln war einem besorgten Gesicht gewichen. „Ich freue mich nur dich zu sehen“ Kam ich einer möglichen Frage von ihm gleich zuvor. Er umarmte mich wieder und fuhr mit seiner Hand langsam meinen Rücken auf und ab. Vorerst bin ich am Ziel sämtlicher Wünsche, Rafa ist der Einzige der mich davon abhalten kann total auszuflippen. „Höre auf damit sonst muss ich auch noch heulen“ Kam es plötzlich wie aus dem Nichts, was mich zum Lachen brachte. Nach ein paar Mal tief durchatmen hatte ich mich wieder unter Kontrolle. Wobei, wenn er mich weiter so anlächelt, tue ich vielleicht etwas Unüberlegtes.
Meine Knie wurden richtig weich, würde er mich nicht umarmen, würde ich vielleicht umfallen. Da ich nicht länger an mich halten konnte, küsste ich ihn spontan auch wenn ich erst Zweifel hatte ob es der richtige Zeitpunkt ist. Er hat ja bestimmt noch Termine heute und wer weiß ob wir wieder aufhören könnten. Ich würde viel lieber was anderes mit ihm machen aber da mache ich mir keine großen Hoffnungen zumindest bis heute Abend, macht ja auch keinen Spaß zwischen Tür und Angel. Meine Zweifel waren durchaus berechtigt da wir nicht mehr aufhören konnten, mir war es total egal wo wir sind weil ich alles um mich rum vergaß.
Gestört wurden wir dann von einem klopfen an der Tür beziehungsweise von Toni der kurz darauf in der Tür stand und ein peinlich berührtes Gesicht zog da er wohl nichts Schlimmes ahnte. Schlimm direkt war es ja nicht, wir lagen inzwischen auf der Couch oder besser gesagt Rafa halb über mir aber es gab absolut nichts zu sehen da wir nicht so leichtsinnig waren etwas auszuziehen oder sollte man besser sagen noch nicht? Gut, es sah vielleicht ein bisschen verworren aus und Rafa hatte eine herrliche Sturmfrisur aber so schlimm war es auch nicht. Wir waren nur ein wenig überrascht über das Erscheinen von Toni, ich dachte gerade nichts Böses und musste erstmal Luft tief holen um wieder klar denken zu können. „Hallo Amaia, freut mich dich zu sehen. Ihr solltet vielleicht besser die Tür abschließen“ Bemerkte Toni nur und verschwand wieder mit einem Kopfschütteln.
Ich hielt die Luft an und ließ meinen Blick schweigend zu Rafa wandern. Er zog ein so herrliches Gesicht, das ich spontan laut losprustete weil ich nicht mehr an mich halten konnte. „Genau so dachte ich mir das“ Meinte er dann nur machte es sich wieder bequem an mir. Ich fuhr mit den Händen durch seine Haare und musste noch lachen über die verrückte Situation. „Was hast du denn erwartet?“ “Nicht sowas“ “Musst du eigentlich heute nochmal weg?“ Fragte ich dann neugierig da ich noch nicht auf dem aktuellen Stand war. Er hob seinen Kopf damit er in mein Gesicht sehen konnte und strahlte mich vom einen Ohr zum anderen an. „No, ich habe mir extra nichts weiter vorgenommen und die Pressetermine waren alle schon außerdem habe ich gerade keine Lust an Tennis zu denken“ “Ich fühle mich geehrt“ “Wer sagt denn, dass ich an dich denke?“ Fragte er mit einem frechen Grinsen zurück. Ich schnappte nach Luft und versuchte ihn zu kitzeln, es gelang mir nur nicht.
„Ich gehe gleich wieder!“ “No, das kannst du nicht machen! Ich bin ja froh dich zu sehen. Das war Spaß, natürlich freue ich mich dich zu sehen, ich habe dich richtig vermisst. Mir fehlt das richtig wenn mich nicht ständig jemand ärgert und am Telefon macht es keinen richtigen Spaß“ Ich sah ihn gedankenverloren an während ich mit einer Hand weiter seine Frisur zerstörte. “Mhh, mir kam es auch so vor als hätten wir eine Art Telefonbeziehung“ “Damit ist es jetzt vorbei, die nächste Woche überleben wir nun auch noch und wir sehen uns ja die nächsten Tage. Ich freue mich schon richtig auf Porto Cristo, vier Wochen lang werde ich gar nichts machen außer faul sein“ “Sieht dir gar nicht ähnlich“ “Warte es ab, ich habe ein paar freie Tage mehr als nötig. Klar spiele ich gerne hier aber die letzten Wochen waren anstrengend, ich muss mal eine Weile raus aus dem Tour stress. Das Match heute war auch nicht geschenkt“ “Habe ich gesehen, als ich hier war stand es schon 2-1 in Sätzen für dich sonst hätte ich Angst bekommen wenn Söderling den ersten Satz gewinnt“ “Er wollte es heute wissen und hat gut gespielt. Wenn es machbar ist versuche ich gegen Murray in drei Sätzen durchzukommen“ “Das dürfte machbar sein wenn du dich anstrengst“ “Ich strenge mich immer an, besonders die Spiele letzte Woche waren hart. Die ersten Runden sind schlimmer als die letzten auch wenn das niemand glauben will“
Lange konnten wir aber nicht faul auf der Couch liegen weil keiner Lust hatte zu kochen also gingen wir in ein argentinisches Restaurant. Dort waren natürlich Leute wie auch vor dem Haus was Rafa für die Dauer des Turniers gemietet hat. Es ist immer das gleiche, ich muss mich nur daran gewöhnen. Zwar stürmen alle nur auf Rafa los aber ich bin nicht so blöd um nicht zu merken, dass einige auch mich fotografieren. Ich schätze es ist so allmählich vorbei mit meiner Anonymität.
Alleine ist es absolut kein Problem aber wenn ich mit Rafa zusammen irgendwo auftauche, scheinen mich doch welche zu erkennen. Es gab ja in der Vergangenheit auch genug Bilder und Berichte in diversen Klatschzeitungen über uns, das letzte Mal in der Woche nach Rom. Danach haben wir uns ja auch nicht mehr gesehen. Was soll’s noch hält es sich im Rahmen. Ich war ja auch nicht mit Rafa alleine essen, sein Anhang war ja noch dabei. Es dauerte auch nicht lange bis sich die Gespräche auf die Fußball WM konzentrierten. Das Finale steht ja da in etwas mehr als einer Woche an und mehr so nebenbei erfuhr ich dann von Rafa das er nach Südafrika fliegen will zum Finale. Er hatte da mal was gesagt als wir letzte Woche telefoniert hatten aber da meinte er noch das er überlegt hinzufliegen zum Finale. Inzwischen hat er sich wohl dafür entschieden, daran hatte ich auch keinen Zweifel, er ist ja schon fast ein fanatischer Fußballfan.
Das war auch alles schön und gut, es ist nur so, dass das Finale am 11. Juli ist. Das ist ein Sonntag und ich fliege ja nach Palma und zwar den Tag davor. Wenn ich am Samstag in Palma lande wird Rafa also gar nicht da sein weil er am Mittwoch nach Südafrika fliegt. Als ich den Flug gebucht habe, wusste ich nichts von Südafrika, ich wollte nur so lange wie möglich auf Mallorca bleiben. Begeistert war ich nicht aber was sollte ich machen? Ich will ihm Südafrika nicht ausreden weil ich weiß das er auf jeden Fall fliegt, unabhängig davon wie ich das finde. Er hat mir auch angeboten mitzukommen aber ich muss da arbeiten. Da ich aber so kurz vorher nicht mehr umbuchen kann, bleibt es so das ich am Samstag fliege. Rafa kommt am Montagabend in Palma an, da bin ich dann eben schon da. Das waren Neuigkeiten, muss mich nur erst an den Gedanken gewöhnen ein paar Tage alleine in seinem Haus zu sein.
Der nächste Tag war mir auch neu. Ich bin es ja so gewohnt, dass spätestens um acht der Wecker klingelt und Rafa dann gleich wie ein Irrer aus dem Bett springt. Ich musste tatsächlich kurz überlegen wo ich bin als ich ein Auge aufschlug und um mich sah. Lange dauerte es aber nicht bis es mir einfiel, es ist also doch nicht nur ein schöner Traum. Ich sah auf die Uhr, es war kurz vor um neun. Wahrscheinlich ist Rafa dieses Mal leise aufgestanden damit ich ausschlafen kann. Ich drehte mich auf den Rücken und streckte mich nichts Schlimmes ahnend. Zu meiner Überraschung stieß ich auf Widerstand als ich meinen Arm strecken wollte.
Noch in derselben Sekunde sah ich zur Seite neben mich und dachte traute meinen Augen nicht. Was macht Rafa hier? Da es schon gleich um neun ist dachte ich er ist schon weg und kam nicht auf die Idee mal neben mich zu sehen. Offenbar hatte ich ihn auch eben geweckt, da er sich auf die Seite drehte und mich mit einem Auge anblinzelte. Ich war es gar nicht mehr gewohnt neben ihm aufzuwachen daher sah ich ihn ein paar Sekunden nur an. Es hat was wenn er mich so verschlafen ansieht, es ist überhaupt schön ihn früh als erstes zu sehen. Ein Lächeln konnte ich mir dann auch nicht länger verkneifen. „Tut mir leid wenn ich dich geweckt habe, ich dachte nur du bist schon weg“ “Man kann sich täuschen. Es wäre nett wenn du zukünftig nicht nach mir schlägst“ Murmelte er leise und schien gleich weiter schlafen zu wollen. “Das habe ich gar nicht, ich wollte mich nur strecken, ich dachte du bist schon irgendwo auf dem Platz und trainierst. Ich meine, sonst bist du doch auch schon längst weg um diese Zeit“ “Komme her“ Da er eine einladende Handbewegung machte, rückte ich so nah es ging an ihn und umarmte ihn.
Es war richtig schön, dass uns keiner nervte, wir könnten doch den ganzen Tag im Bett bleiben. Ich habe das schon vermisst faul mit ihm im Bett zu liegen. Nachdem wir uns ja länger nicht gesehen haben hätte ich nichts dagegen wenn er hier bleibt. „Heute ist doch kein Spiel und ich will mich nicht überanstrengen. Hier ist ja immer ein Tag frei zwischen den Spielen, das ist anders als Rom oder Monte Carlo“ “Mhh gut, dann bleiben wir im Bett“ Er fuhr mit einer Hand langsam meinen Rücken auf und ab und machte nicht den Eindruck als wenn er gleich aufstehen will. “Klingt gut aber das geht auch nicht, ein bisschen Zeit habe ich aber noch. Das du hier bist ist wie Weihnachten, ich habe das richtig vermisst neben dir aufzuwachen“ “Ein paar Tage haben wir doch Zeit und übernächste Woche wirst du mich ja nicht mehr los“ Sein Lächeln sah richtig schön aus. “Ich freue mich schon richtig das wir mal unsere Ruhe haben eine Weile“ “Hast du dann eigentlich noch Zeit das wir zusammen frühstücken können?“ “Klar, die Zeit nehme ich mir. Wenn du schon hier bist will ich auch was davon haben“
Obwohl er mehr Zeit hatte als sonst, war Rafa trotzdem nach dem Frühstück verschwunden. Es war da zwar schon fast Mittag aber er wird auch eine Weile weg sein. Ich sah mich derweil ein bisschen in dem Tennisclub um soweit das machbar war. Selbst in dem Bereich wo normale Zuschauer keinen Zutritt haben waren noch viele Leute. Hier waren auch eindeutig zu viele Fotografen und TV Teams überall. Man merkt, dass die Berichterstattung hier eindeutig mehr ist als bei anderen Turnieren. Die reißen sich alle förmlich um Rafa, er gilt mal wieder oder noch immer als heißer Anwärter auf den Titel. Roger Federer war ja total überraschend schon im Viertelfinale an Tomas Berdych gescheitert daher tippen jetzt alle auf Rafa.
Ich versuchte ganz ruhig zu bleiben und nicht verrückt zu werden. Mir ist ja klar, dass ich keinen normalen Freund habe aber man kann es auch übertreiben. Wenn man länger hier ist, erscheint Rafa als so eine Art Übermensch, er ist überall. Ein paar Tage sind ok aber dauerhaft will ich sowas nicht erleben. In Porto Cristo ist alles so schön entspannt und hier drehen alle total durch, es ist wie eine andere Welt. Vielleicht fehlte mir auch jemand zum Quatschen, Sara war ja nicht hier. Das ist aber nur noch eine Zeitfrage und sie weiß noch nichts von ihrem Glück. Sie hat nicht gefragt aber ich weiß, dass sie schon ein bisschen bedrückt geguckt hat als ich sie gesehen habe bevor ich zum Flughafen bin. Rafa im Finale von Wimbledon spielen zu sehen wird sowas wie der Traum aller Fans sein. Ich überlegte mir dann wieso sie nicht versucht hat Karten zu bekommen in den vergangenen Jahren wenn sie so gerne mal ein Finale sehen will.
Warum das nicht geht, bekam ich dann ausführlich von Carlos Costa erläutert. Der hatte ein paar Minuten ruhe als Rafa trainieren war und wartet wohl immer nur darauf bis ich ihm eine total verrückte Frage stelle. Inzwischen hat sich rumgesprochen, dass ich kein Tennisexperte bin und mir daher manches nicht logisch erscheint. Die nehmen es zum Glück alle mit Humor sonst würde ich mir blöd vorkommen und gar nicht fragen. Ich hatte jedenfalls keine Ahnung wie schwer es ist an solche Karten zu kommen! Das die ausgelost werden weil so viele Leute welche haben wollen, hatte ich ja noch nie gehört und das die Leute ernsthaft zwei Wochen direkt vor dem Gelände campen um Karten zu kaufen ist total irre. Die nehmen einiges in Kauf um Rafa sehen zu können.
Es ist also fast unmöglich Karten für das Finale zu bekommen oder wenn dann nur entweder mit Beziehungen oder viel Glück. Da bin ich schon gespannt was Sara sagen wird, sie ahnt gar nichts. Am Samstag wird sie hier her kommen, dann am Sonntag das Finale gucken und dann abends mit mir zusammen nach Deutschland zurück fliegen. Bevor ich sie überrasche, muss ich aber wissen das Rafa auch im Finale steht also muss ich bis nach dem Halbfinale warten.
Hoffentlich beeilt Rafa sich mit dem Match, sonst erfährt Sara erst abends, dass sie am nächsten Tag nach London fliegt! Bevor er spielen konnte war noch ein weiteres Match und es war wieder Berdych, der nach Federer nun auch noch Djokovic mühelos bezwungen hatte. Das hatte so keiner erwartet. Plötzlich steht Tomas Berdych im Finale! Den hatten wohl nur sehr wenige auf dem Zettel, den kannte ich gar nicht bis jetzt. Mal sehen was Rafa zu seinem Gegner sagt falls er ins Finale kommt. Fragen konnte ich ihn nicht mehr weil er sich ja schon auf sein Match vorbereitet.
Bei Andy Murray hatte ich ein ungutes Gefühl, das erinnert mich nur immer an die Australian Open wo Rafa ja verletzt aufgeben musste. Zwar hat er das Knieproblem jetzt unter Kontrolle aber der fade Beigeschmack bleibt. Dieses Mal saß ich auch nicht vor dem TV sondern direkt am Ort des Geschehens in der Players box. Angespannt war ich schon ein wenig als es begann. So langsam wirkt das ganze Wimbledon Mysterium auch auf mich, man glaubt am Nabel der Welt zu sein. Auf Tennis bezog wird das auch zutreffend sein. Es ging unspektakulär los bis Rafa eine kurze Schwächephase von Murray ausnutzte und sich den ersten Satz 6-4 holte.
Da entspannte ich mich ein wenig und hatte nicht mehr das Gefühl gleich total nervös aufspringen zu müssen. Es ist manchmal eine fürchterliche Strafe wenn man so ruhig dasitzen muss. Einfach ausrasten kann ich ja nicht da ich genau weiß, das die mich dann im Fernsehen zeigen. So einfach wie der erste, wurde der zweite Satz dann nicht. Ich hatte mir schon gedacht, das Murray nicht so einfach aufgeben würde. Murray fand in sein Spiel zurück und hielt ganz schön dagegen, dass kann ja noch heiter werden. Es kam natürlich zu einem Tiebreak da sah ich schon alle Hoffnung schwinden. Rafa hat aber schon einige kritische Situationen überstanden in dem Turnier. Etwas Glück hatte Rafa wohl auch das der Tiebreak zu seinen Gunsten ausfiel und er so 2-0 in Sätzen führte. Das war eine Ansage, da muss Murray richtig kämpfen wenn er noch was reißen will. Rafa machte aber einen sehr konzentrierten Eindruck, er will es bis zum Ende durchziehen. Sein Spiel ist ja bekannt und ich würde sagen Rafa diktiert jetzt hier das Match, so sieht es zumindest aus. Wenn er erstmal deutlich in Führung liegt, lässt er nichts mehr anbrennen. Noch während der dritte Satz lief, setzte ich mich mit dem Gedanke auseinander das Rafa es wirklich schafft ins Finale. Was wäre denn wenn er das auch noch gewinnt? Das wäre ja der Wahnsinn! Die French Open sind noch nicht so lange her und davor hat er ja auch schon drei Turniere gewonnen, es wird schon unheimlich! Es fällt mir schwer das alles zu glauben weil es absolut verrückt ist. Noch ist es aber nicht soweit, wobei Rafa schon mit einem Break führte.
Relativ unspektakulär endete dann das Match tatsächlich mit 6-4 und dem Finaleinzug von Rafa. Er freute sich riesig, man dachte das war schon das Finale. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Spontan kam mir die ungeplante Nacht mit Rafa in Berlin in den Sinn. Da hatte ich ja aus Spaß gefragt ob er mir Karten für Wimbledon gibt und jetzt bin ich hier!
Ich hatte ja noch Zeit da Rafa noch Termine hat also ging ich alleine zum Haus zurück und überlegte was ich Sara sage und wie ich es ihr beibringe, sie wird ausflippen! Ich freute mich schon richtig auf ihre Reaktion, schade das ich sie nicht sehen kann aber das kann ich mir dann ja vorstellen. Es ist schon gleich um acht. Langsam wird es Zeit, sie fliegt ja morgen schon! Hoffentlich ist sie nicht so sehr schockiert. Total gespannt nahm ich mein Handy und wählte ihre Nummer.
„Hey, ich dachte schon du hast mich vergessen!“ Kam es plötzlich ganz aufgeregt, ich musste gleich lachen. „Nein, es ging nicht eher, ich habe doch gesagt ich rufe an wenn es zu Ende ist“ “Das Spiel ist schon lange zu Ende. Ist ja egal jetzt, es lief ja richtig gut. Ich war erst skeptisch aber jetzt dürfte es doch kein Problem sein am Sonntag zu gewinnen“ “Sagst du, ich kann Rafa schon hören wie er sagt das kein Spiel einfach ist und schon gar nicht ein Wimbledon Finale“ “Der stapelt grundlos tief, gegen Berdych hat er doch immer gewonnen auch wenn der nicht ohne Grund im Finale sein wird. Ich bin froh das er nicht gegen Federer spielen muss auch wenn der wohl derzeit kein Hindernis für Rafa wäre“ “Eben, es kann immer eine Überraschung geben“ “Die haben dich übrigens gezeigt im Fernsehen, ich meine in der Players box“ “Das habe ich schon erwartet“ “Schon aber die haben deinen Name geschrieben“ Da wurde ich neugierig, bisher hatten die noch nie meinen Name eingeblendet wenn ich zu Turnieren war.
„Ernsthaft?“ Fragte ich nochmal nach um sicher zu sein das wir uns nicht missverstehen. Da war mir doch direkt die Lust auf Scherze vergangen. „Ja, du weißt schon was ich meine, diese girlfriend Bezeichnung“ Ja ja, klar wusste ich was sie meint. „War wohl nur eine Zeitfrage, ich bin es nicht gewohnt meinen Name im Fernsehen zu sehen“ “Dann gewöhne dich besser dran wenn du in Zukunft noch zu Turnieren willst“ “Da muss ich wohl durch“ “Eben, es gibt schlimmeres. Rafa stellt sich zwar doof wenn er nach dir gefragt wird aber es ist doch ein offenes Geheimnis und es wissen doch eh längst alle das ihr zusammen seit“ “Weiß ich ja aber trotzdem ist es komisch. Na wie auch immer, was machst du denn morgen?“ “Ach, nichts wichtiges, meine Eltern haben gesagt ich soll mir unbedingt nichts vornehmen morgen weil ich zu ihnen kommen soll. Keine Ahnung warum die sich so komisch benehmen“ Ich konnte nicht anders und musste lachen, ihre Eltern habe ich doch eingespannt für meinen Plan! Vielleicht sollte ich sie mal aufklären?
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