Wenige Minuten später erschien er wieder. Er hatte sich direkt in Schale geworfen wobei er ja in fast allem gut aussieht. Statt kurzer Hosen hatte er jetzt lange Hosen in weiß und oben ein schwarzes Hemd an. Ich schluckte erstmal als ich ihn die Treppen nach unten kommen sah. Er muss sich nicht wundern wenn ihm reihenweise Frauen nachlaufen, ich glaube er würde so ziemlich jede kriegen mit dem Outfit.
Ich klopfte mir innerlich selbst auf die Schulter und eigentlich müsste ich mich manchmal kneifen um zu testen ob ich das nicht alles träume. Das ist zu schön um wahr zu sein. „Bin fertig“ Kam es mit einem breiten Grinsen als er vor mir stehen blieb. „Ich sehe es“ Meinte ich nur und sah langsam an ihm nach unten. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen wenn ich ihn so betrachte, ich würde ihn am liebsten gleich wieder ausziehen. Am besten wir gehen ganz schnell bevor ich mich zu etwas hinreißen lasse und wir nicht mehr dazu kommen aus dem Haus zu gehen.
Ich kam aber nicht dazu den Anblick lange zu genießen weil er gleich in die Garage verschwand. Na der Abend kann ja nur interessant werden dachte ich mir und lief ihm nach.
Ein paar Minuten später waren wir schon am Ziel. Es lohnt sich eigentlich kaum für die wenigen Kilometer den Aston Martin aus der Garage zu holen aber das ist ja sowieso sein Lieblingsauto daher habe ich auch schon damit gerechnet. So wirklich haut mich das nicht mehr um. Das es kein normales Auto ist merkt man nur wenn man drinnen sitzt und die Blicke der Leute sieht.
So viele Autos der Sorte wird es nicht geben auf der Insel also weiß dann auch gleich jeder wer da drinnen sitzt. Es muss ja Rafa sein da er niemanden anderes damit fahren lässt. Ich hatte zwar noch nicht mein Glück versucht aber ich würde mich auch nicht trauen damit zu fahren.
Wie anders zu erwarten waren dann auch schon etliche Leute in der Bar. Die ist eigentlich immer gut besucht, egal welcher Tag es ist. Man könnte denken es geht gar keiner arbeiten weil alle die halbe Nacht in einer Bar zubringen und erst spät in der Nacht ins Bett gehen. Es war schön, das direkt mal nicht alle Leute mit offenem Mund starrten als wir da erschienen. Da war schon ein bisschen unangenehm, besonders in Rom in dem Restaurant. Ich versuche zwar das zu ignorieren aber man merkt es trotzdem. Das Rafa so gerne hier ist kann ich jedenfalls gut nachvollziehen. Wir organisierten uns Getränke und verzogen uns in eine Ecke. Es war ein bisschen zu entspannt alles.
Wenn es zu gut läuft, frage ich mich immer wie lange es dauert bis wir uns wieder wegen Nichtigkeiten in die Haare kriegen. Manch andere fanden es amüsant über was wir so streiten aber ich kann es mir auch nicht erklären. Bei manchen Dingen frage ich mich im Nachhinein selbst wieso ich da so dämlich reagiert habe wegen nichts. So kannte ich mich selbst auch gar nicht, es muss an Rafa liegen. Er hat ja auch mal gesagt ich würde ich manchmal auf die Palme bringen wie wegen dem Shakira Video. Direkt als streitsüchtig ist Rafa ja auch nicht bekannt, im Gegenteil, er flüchtet eigentlich wenn es Stress gibt. Danach ist es so als wäre nie etwas gewesen, wie jetzt.
Man könnte denken wir sind total friedlich und führen eine total harmonische Beziehung. Nachdem ich gestern Abend echt sauer war, war das direkt mal eine gute Idee von ihm gewesen so zu tun als wäre gestern heute. Es war sehr schön das mal kein Problem anstand. Von mir aus könnte jeder Tag so laufen das wir erst faul am Strand liegen und dann Abends weg gehen. Leider muss ich wieder nach Hause in zwei Tagen und Rafa nach Madrid. Es ist viel zu selten, dass wir mal Zeit haben und da wirklich nur faul sind. Möglicherweise wäre doch vieles einfacher wenn ich nicht immer erst hier her fliegen müsste. Nur traue ich mich irgendwie nicht mit Rafa darüber zu reden.
Ich fürchte, dass er gar nicht so begeistert davon wäre wenn ich sage das ich hier bleiben will. Er hätte es vielleicht schon gerne aber dann denkt er wieder das er sich ein Art Schuld auflädt wenn ich hier her ziehe wegen ihm. Jetzt wäre eigentlich ein guter Moment weil ich den Eindruck habe das er schön entspannt ist. Wenn manchmal das Training nicht so läuft wie er sich das vorstellt, merke ich das auch an seiner Laune. Zwar kenne ich ihn nicht ewig aber gut genug um das zu merken. Es war aber eben zu schön und ich wollte nicht die Stimmung versauen. Aus den Gedanken gerissen wurde ich dann als er fragte was ich noch trinken will. Wir hatten schon eine Flasche Wein zusammen getrunken also nahm ich einfach nur Wasser. Es war noch relativ warm heute Abend und da ist das mit Alkohol immer so eine Sache. Ich will mich ja nicht so besaufen das ich dann nichts mehr merke.
„Irgendwie ist es fast ein Wunder das wir jetzt zusammen hier sind“ Platzte es plötzlich aus mir raus. Rafa trank einen Schluck aus seinem Glas und sah dann zu mir. „Mehr als das. Eigentlich dachte ich, dass es das war als wir letztes Jahr um diese Zeit hier waren und du nach Hause musstest. Mir kommt es gar nicht her als wäre schon ein Jahr vergangen, es ist als wäre das erst ein paar Wochen her“ “Mhh, kommt mir auch so vor. Die Zeit vergeht viel zu schnell, daher sollten wir das nicht mit sinnlosen Streits verplempern“ “Sagt die Richtige! Du bist doch damals von hier geflüchtet und warst der Meinung das du mich nicht mehr sehen willst“ Ja, er hat ja Recht damit, dass hatte ich ja auch gesagt zu ihm. “Klar wollte ich dich sehen, nur wollte ich es nicht zugeben“ Meinte ich mit einem vorsichtigen Lächeln während ich ihn gespannt ansah. Er freute sich wohl darüber da ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen ging.
„Du hast dich ja echt lange geweigert dich auf mich einzulassen“ “Das kommt dir nur so vor. Ich konnte ja nicht wissen was du von mir willst. Konnte ja sein du suchst so eine Art ab und zu mal Freundin, die du eben nur siehst wenn du gerade mal Lust und Laune dazu hast“ “Wenn du das so sagst klingt das wirklich gut, so ganz ohne Stress“ Da er sich ganz offensichtlich zu sehr darüber freute, zwickte ich ihn in die Seite. „Leider scheinst du das nicht komisch zu finden“ Schob er gleich noch mit einem breiten Grinsen nach. „Du brauchst gar nicht so zu tun! Ein bisschen kenne ich dich inzwischen. Ich weiß, dass du sowas nicht machen würdest“ Da war ich mir sogar ziemlich sicher. Obwohl es ihm mit Sicherheit nicht an Gelegenheiten mangelt mache ich mir da keine Gedanken weiter. „Du glaubst zumindest mich zu kennen“ Meinte noch immer so breit grinsend als er näher zu mir rückte und seinen Arm um meine Schulter legte.
Ich nickte übertrieben stark mit dem Kopf und zog ein theatralisches Gesicht. „Und dabei dachte ich am Anfang, dass du irgendwie verrückt bist nur um dann festzustellen das du auch so langweilig wie alle anderen bist“ Ich freute mich schon auf sein Gesicht aber er grinste mich weiter breit an. „Du schläfst im Gästezimmer heute Nacht“ “Ich wusste gar nicht das du im Gästezimmer schlafen willst“ “Ich schlafe da auch nicht, du alleine“ „Du lässt mich sowieso nicht alleine schlafen“ Meinte ich ganz überzeugt und muss da gar nicht drüber nachdenken weil der Fall nicht eintreten wird. „Du scheinst dir da ja sehr sicher zu sein“ “Mhhh“ Meinte ich nur und musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen. Wenn er mich so anlächelt, komme ich auf dumme Gedanken. Zwar starrt uns niemand permanent an aber mir ist schon klar, dass wir hier nicht unbeobachtet sind.
„Wie wäre es wenn wir gehen?“ “Wohin?“ Fragte er allen Ernstes. Ich rollte mit den Augen und wunderte mich immer wie er es schafft mit einem Wort die Stimmung zu versauen. „Nach Palma die Kathedrale angucken. Man, ich meinte zu dir“ Im nächsten Moment hatte er wohl auch kapiert was ich meinte. „Von mir aus“
Ich schüttelte noch leicht mit dem Kopf als wir Hand in Hand zum Auto liefen und dann einstiegen. Manchmal steht Rafa echt komplett auf der Leitung aber das ist auch schon wieder lustig. Vielleicht sollte ich ja aus Spaß auf seinen Vorschlag mit den Gästezimmer eingehen. Die Idee kam mir so als ich duschen war. Den Spaß mache ich mir! Ohne ein Wort zu sagen, lief ich vom Bad aus zum Gästezimmer und legte mich dort ins Bett. Rafa ist noch unten irgendwo und ahnt nichts Böses. Es dauerte zum Glück nicht lange bis er in der Tür stand und anscheinend nach mir suchte. Sein Gesicht ließ das zumindest vermuten. „Hier bist du, ich dachte schon du versteckst dich vor mir!“ Ich hatte mir die Decke bis zum Kinn hochgezogen und grinste ihn breit an.
„Vorhin meintest du noch das ich hier schlafen soll“ Er setzte sich auf den Rand vom Bett und rollte mit den Augen. „Seit wann tust du was ich dir sage?“ “Wenn ich das nicht tue beschwerst du dich das ich dich ungerecht behandeln würde und jetzt passt es dir auch nicht!“ Er schüttelte langsam mit dem Kopf und musste sich wohl ein Lachen verkneifen. “Du bist verrückt aber ich liebe dich trotzdem“ Na das klang doch mal gut! „Ich dich auch“ “Wenn dann alles geklärt ist kannst du ja auch mit rüber kommen“ “No, nun nicht mehr“ Es dauerte nur Sekunden bis er anscheinend aufgab.
„Na schön, wenn du unbedingt hier schlafen willst, bleibe ich eben auch hier“ Ich musste kichern und beobachtete ihn wie er auf die andere Seite vom Bett lief und dann unter der Decke verschwand. Woher es kam weiß ich auch nicht aber ich musste spontan anfangen laut zu lachen. Sein Blick war leicht verwundert aber ich konnte nicht anders. Ich rückte so nah es ging an ihn und umarmte ihn unter der Decke. „Wenn es dich nervt sage es, ich habe manchmal so eine blöde Art an mir“ “Quatsch, ich weiß, dass du nur Spaß gemacht hast. Es wäre ja auch langweilig wenn du mich nicht ständig schikanieren würdest“ “Ich weiß auch nicht woher das manchmal kommt“ Da er mit einer Hand durch meine Haare fuhr, legte ich meinen Kopf an seine Schulter und machte es mir bequem. “Wenn mich das so extrem stören würde wäre ich nicht mit dir zusammen. Wenn ich unterwegs bin ist schon immer alles ernst genug. Mein Team macht auch gelegentlich derbe Streiche aber davon abgesehen traut sich das niemand“ “Die haben alle Angst wenn du erscheinst aber das ist nur Fassade. Wer dich nur von den Spielen kennt, hat vielleicht Angst dir zu nahe zu kommen“ Sein Lächeln ging noch immer vom einen Ohr zum anderen.
“Habe ich ja Glück gehabt das du mich nicht so oft spielen sehen hast“ “Man muss auch mal Glück haben“ Ganz langsam verschwand sein breites Lächeln dann aber wieder. Es schien mir so als wenn er sich hier umsieht, warum auch immer. „Wenn ich es mir so recht überlege, will ich doch lieber in meinem eigenen Bett schlafen“ Was er damit andeuten will, kann ich mir vorstellen aber wir lagen doch eben so bequem und ich habe wirklich keine Lust jetzt nochmal aufzustehen. Bis gerade eben hat es ihn doch auch noch nicht gestört. „Es ist doch dein Bett“ “Ist es nicht, das ist das Gästezimmer“ Ich versuchte es mit vorgeschobener Unterlippe und großen Augen aber er sah mich immer noch so entschlossen an. „Ich habe aber keine Lust nochmal aufzustehen“ Zwar sagte er nichts aber der Blick blieb der gleiche. „Ok“ Kam es dann nur nach ein paar Sekunden mit einem genervten Augenrollen. „Denke an etwas anderes“
Da er wieder nichts antwortete und mich nur so entsprechend ansah, küsste ich ihn kurz am Hals und konnte mir dann ein Lächeln nicht verkneifen, sein übertrieben genervter Blick war zu herrlich. „Willst du mich jetzt nur noch so ansehen?“ Ganz kurz huschte dann ein Lächeln über sein Gesicht. “Lasse dir etwas einfallen“ Meinte er das jetzt so wie ich es verstanden habe, nämlich als direkte Aufforderung? Das muss er eigentlich nicht sagen, da ich mich schon den ganzen Abend beherrschen musste. So schön es ist wegzugehen, es hat auch Nachteile wenn man nicht unbeobachtet ist. „Entspanne dich und lasse dich überraschen“ Im Bruchteil einer Sekunde schien seine schlechte Laune verflogen zu sein und er lächelte wieder vom einen Ohr zum anderen.
Am nächsten Tag war es gleich wieder vorbei mit faul sein. Für mich nicht aber Rafa verschwand nicht erst mittags nach Manacor zum Tennisclub sondern gleich nach dem Frühstück. So hatte ich mir das nicht vorgestellt weil es da mal wieder nix mit ausschlafen wurde aber dafür war er dann ja am Nachmittag eher wieder da.
Viel wurde nicht mehr, der Tag war wie im Zeitraffer vorbei und am nächsten Tag hieß es für mich schon wieder Koffer packen und auf nach Hause. Ich fühlte mich total fehl am Platz als ich wieder zu Hause in meiner Wohnung war aber das geht mir immer so. Erst Rom und dann Mallorca, es waren nicht mal zwei Wochen aber es fühlte sich an als wäre ich ein halbes Jahr weg gewesen. Gedanklich war ich noch auf Mallorca aber ich werde noch viel Zeit haben mich hier wieder einzugewöhnen.
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