Es war so richtig schwer wieder früh aufzustehen und arbeiten zu gehen. Ich gehöre nicht zu den Menschen die unbedingt arbeiten müssen weil es sonst langweilig wird. Ich könnte auch für längere Zeit jeden Tag am Strand liegen und nichts machen, das war doch eine schöne Vorstellung. In nächster Zeit wird es wohl auch bei der Vorstellung bleiben. Wann ich Rafa wieder sehe weiß ich gar nicht, er hat ja keine Zeit bis Wimbledon und ich kann keinen Urlaub machen. Das wir uns in Madrid nicht sehen stand ja schon fest. Ich versuchte das Turnier soweit es machbar war zu verfolgen, zum Glück kannte Sara sämtliche Seiten wo man die Turniere im Internet angucken kann.
Nie hätte ich gedacht, dass ich sie mal sowas fragen würde! Wir landeten gemeinsam am Sonntagnachmittag vor ihrem PC und verfolgten gespannt das Finale. Rafa hat wie schon letztes Jahr die Ehre gegen Roger Federer zu spielen. Schon bevor es begann, war Sara fertig mit den Nerven weil Rafa ja im letzten Jahr verloren hat. Letztes Jahr hatte ich das ja nicht gesehen aber es lief doch eindeutig besser dieses Jahr soweit ich das beurteilen kann. Wir trauten unseren Augen nicht als Rafa glatt in zwei Sätzen 6-4 und 7-6 gewann. So eindeutig wie das Ergebnis vermuten lässt war es auch nicht da Rafa mehrfach an Aufschlagverlusten vorbeischrammte.
Einige Punkte hat er nur durch Glück und weil er nie aufgibt gewonnen. Der Tiebreak war ganz schlimm für unsere Nerven aber lange ging es zum Glück nicht. Fast ist es schon beängstigend was Rafa alles gewinnt. Überall wo er antritt, heißt der Turniersieger Nadal. Lange feiern konnte er den Erfolg aber nicht da es gleich weiter ging nach Paris. Mit Roland Garros stand ja das wichtigste Sandplatzturnier von allen als nächstes an. Die French Open sind ja so eine Art Hausturnier für Rafa, vier Mal hat er schon gewonnen und wäre er nicht verletzt gewesen letztes Jahr, hätte er möglicherweise den fünften Titel schon in der Tasche. So versucht er es aber jetzt und nach den letzten Wochen ging er als Haushoher Favorit ins Rennen. Nach der Meinung diverser Medien ist weit und breit niemand in Sicht der Rafa aufhalten kann auf Sand. Gerne hätte ich ein paar Spiele gesehen aber es ging nicht. Ich konnte nicht schon wieder Urlaub machen und es passte auch überhaupt gar nicht mit den Flügen.
Er ist ja zwei Wochen in Paris und ich hätte mir auch gerne mal die Stadt angesehen. Zwar hat er nicht gefragt ob ich komme aber das hat er sicher auch nur nicht getan weil er genau weiß das ich schon längst was gesagt hätte wenn ich eine Möglichkeit gehabt hätte zu fahren. Es fiel mir natürlich schon schwer zu Hause zu bleiben als die Tage vergingen und Rafa immer weiter kam. Es lief alles nach Plan, er steuerte direkt auf das Finale zu. In die Hektik fiel ja auch noch sein 24. Geburtstag am 3. Juni. Das war ein Donnerstag und ich brauchte gar nicht daran denken hinzufahren. Es bot sich nur ein Tag an dem ich hinfahren konnte. Wegen der ungünstigen Flugzeiten musste ich mich entscheiden ob ich am Samstag früh hinfliege und am Sonntag zurück oder ob ich ganz zu Hause bleibe und das Finale am Sonntag angucke, beides ging nicht.
Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn ich das Finale hätte live in Paris sehen können aber die Möglichkeit stand außer Betracht. Es ist ja immerhin ein Grand Slam Turnier und ich weiß genau das Rafa um jeden Preis gewinnen will. Nach etlichem hin und her entschied ich mich doch für den Wahnsinnstrip Samstag früh nach Paris und Sonntagnachmittag zurück. Natürlich war mir klar, dass es ungünstig ist wenn ich einen Tag vor dem Finale auch noch in Paris auftauche und Rafa ablenke aber es ging nicht anders. Da er ja am Sonntag das Finale spielt, hatte er wenigstens ein paar Minuten Zeit. Wenn er nicht Geburtstag gehabt hätte, wäre ich ja gar nicht hingefahren. Rafa meinte zwar ihm würde nicht so viel daran liegen unbedingt den Geburtstag feiern zu müssen weil er lieber den Turniersieg feiern würde aber ich wollte ihn auch mal wieder sehen.
Meine Hoffnung war ja das ich vielleicht das Ende vom Finale noch sehen kann wenn ich mich beeile vom Flughafen nach Hause zu kommen. Damit war es aber nichts, es war in drei Sätzen schon zu Ende! Nach dem jähen Aus im letzten Jahr gegen Robin Söderling hat Rafa dieses Mal kurzen Prozess gemacht mit ihm. Ich werde es mir später nochmal ansehen aber drei Sätze sprechen eindeutig für Rafa. Mir war es schon klar was los war als ich total ko bei Sara vor der Wohnungstür stand und sie schon am Durchdrehen war. Ihre Wohnung war am nächsten vom Flughafen aus daher fuhr ich direkt zu ihr aber ich war zu langsam oder Rafa zu schnell, wie man es sieht. Der Siegeszug von Rafa ging also weiter und mit dem Sieg in Paris wird er ab sofort wieder die Nummer eins der Rangliste übernehmen, ich kam gar nicht mehr raus aus dem Staunen.
Ich kann mich noch an sein Gesicht erinnern als wir im Januar zusammen bei ihm zu Hause das Finale der Australian Open gesehen haben. Da sah er alles andere als glücklich aus und jetzt gewinnt er jede Woche ein Turnier! Es ärgerte mich natürlich schon das ich nicht in Paris bin und das alles nur wegen der blöden Flugzeiten und weil ich keinen Urlaub machen kann. Eigentlich habe ich keine Lust mein Leben nach irgendwelchen Arbeitszeiten zu richten, ich dachte erst daran es praktisch zu erzwingen indem ich einfach krank bin und länger bleibe in Paris aber die hätten mich ja mit Sicherheit im Fernsehen gezeigt wenn ich da gewesen wäre und das sieht dann auch doof aus.
Die French Open waren ja nur der Anfang, schon am nächsten Tag war Rafa in London. Dort spielt er ja erst London und dann Wimbledon wobei das erste nur eine Art Vorbereitungsturnier sein wird. Ich muss ja sparen mit Urlaubstagen daher fiel auch das erste Turnier flach für mich. Da kam Rafa entgegen aller Erwartungen auch nicht weit. Er war noch ein bisschen ausgebrannt von Paris und verlor gleich das zweite Match in London was ihn aber nicht kümmerte. Die Aussicht auf ein paar mehr freie Tage war sicher sehr verlockend nach dem Stress mit Roland Garros und Madrid.
In der Woche nach London hätte er sowieso ein paar Tage frei gehabt also flog er nach Hause ein bisschen entspannen bevor dann Wimbledon ansteht. Ich könnte ja auch ein bisschen Urlaub gebrauchen aber den habe ich erst zum Wimbledon Finale. Da ich einfach mal davon ausgehe das Rafa so weit kommt, fliege ich am Mittwoch vor dem Finale nach London, da brauche ich nur drei Urlaubstage. Danach muss ich noch eine Woche arbeiten und mache dann was so viele deutsche Touristen im Sommer machen, für zwei Wochen nach Mallorca fliegen. Soweit zumindest der Plan.
London - Juli 2010
Es erschien mir ewig bis die erste Wimbledonwoche vorbei war, es war inzwischen Ende Juni. Das es so kommen würde hätte ich ja nie für möglich gehalten aber in den letzten sieben Wochen seit dem Turnier in Madrid habe ich Rafa exakt einen Tag gesehen und das war der Samstag vor dem Finale in Paris. Zwar telefonierten wir nahezu jeden Tag aber es nervt schon das ich ihn nicht sehen kann. Meine Laune war dann entsprechend im Keller und Sara musste es ausbaden. Sie kann ja nix dafür aber ich hatte wirklich keine Lust mehr auf das Ganze. Mir kam es so vor als hätte ich eine Art Telefonbeziehung und das alles nur weil ich arbeiten muss. Das war auch der Grund warum ich ganz am Anfang keine Lust hatte auf so eine Art von Beziehung.
Man kann da kaum von Beziehung sprechen in der Zeit wo wir uns wochenlang gar nicht sehen. Erst dachte ich Rafa stört es gar nicht das wir uns nicht sehen weil er lange Zeit nichts gesagt hat aber als ich in Paris war, merkte ich doch ziemlich schnell das er nicht aus Spaß am Telefon sagt das er mich vermisst. So wirklich viel nutzte der eine Tag nicht aber es war besser als gar nichts. Der 30. Juni war für mich sowas wie Weihnachten weil ich da endlich nach London fliegen konnte. Ich freute mich total auf die nächsten Tage auch wenn ich weiß das Rafa nicht in London ist um Urlaub zu machen. Gerade so kurz vor dem Finale wird es immer besonders hektisch aber er hatte am Telefon gemeint das er für Ablenkung immer dankbar ist.
Ich fühlte mich wie in einem schönen Traum als ich endlich in Heathrow gelandet war. Es vergingen noch fast zwei Stunden bis ich in Wimbledon war. Rafa mietet ja immer ein Haus direkt neben dem Tennisclub und ich hatte Zeit in Ruhe alles auszupacken weil niemand da ist. Man sah zumindest am Chaos das Rafa schon eine Weile hier war aber es störte mich nicht da ich es kaum erwarten konnte ihn zu sehen. Rafa spielte gerade gegen Robin Söderling, es soll wohl die Revanche von Paris werden. Mit einem Auge sah ich auf den TV während ich meinen Koffer auspackte. Ich bekam erst einen Schreck als ich sah, dass Söderling den ersten Satz gewonnen hat aber es stand schon 2-1 nach Sätzen für Rafa als ich einschaltete.
Rafa hat ja vorher gesagt das er nicht mit einem einfachen Spiel rechnet. Am Ende bleiben nur die Besten übrig in jeder Runde und es wird härter von Runde zu Runde. Viel musste ich nicht auspacken also setzte ich mich dann vor den TV und verfolgte das Match, 4-1 stand es schon im vierten Satz, es sieht sehr gut aus für Rafa. Es wäre ja auch schade wenn er heute rausfliegt, dann wäre ich umsonst hier her gekommen. Es sieht alles danach aus als wenn Rafa übermorgen im Halbfinale gegen Andy Murray spielen darf. Sehr gerne wäre ich ja direkt zum Centre Court in die Players Box gegangen und hätte den vierten Satz live vor Ort mitverfolgt aber Rafa wollte das nicht. Er meinte, dass ich ihn aus dem Konzept bringe wenn ich mitten im Match erscheine. Das leuchtete mir dann auch ein, zwar wird er schon die nötige Beherrschung haben da er ja nicht zum ersten Mal in Wimbledon spielt aber ich kann verstehen, dass es ihn zu sehr ablenkt.
Der Punkt ist wohl das wir uns ein paar Wochen nicht gesehen haben da es ihn sonst nie gestört hat wenn ich in der Players Box sitze und zu den Spielen die noch kommen gehe ich ja dann auch. Vielleicht hätte ich es auch gar nicht mehr zur Players Box geschafft, weil das Match plötzlich vorbei war. Mit 6-1 ließ Rafa nichts mehr anbrennen im vierten Satz und schickte Robin Söderling nach Hause. Jetzt muss er also gegen die letzte Hoffnung der Engländer Murray antreten am Freitag. Wenn er sich weiter so steigert, wird das auch machbar sein für Rafa. Er kam ja extrem schwer rein in das Turnier und war mehrfach kurz davor in den ersten Runden zu scheitern, das ist zwar immer so bei Rafa aber bei dem Turnier war es besonders eng.
Ich hielt es kaum noch aus vor dem Fernseher aber es nutzt nichts, ich muss warten bis Rafa hier ist. Er muss ja noch zur Pressekonferenz und danach noch zu seinem Physio Rafa Maymó. Da ist er schon ganz in der Nähe und wir sehen uns trotzdem nicht aber das ist zum Glück nur noch eine Frage von Stunden. Nach den letzten Wochen war es nun auch egal. Bis jetzt kann ich es sowieso nicht glauben, dass ich Rafa heute noch sehe. Die Woche nach Rom in Porto Cristo ist schon ewig weit her, als wären schon Jahre vergangen seit dem. Noch knapp eine Woche und dann habe ich ja endlich Urlaub. Wenn es so weiter gehen würde wie die letzten Wochen, hätte ich ernsthafte Zweifel ob es so überhaupt alles noch Sinn hat. Eigentlich hat es das nicht denn es wird so weiter gehen wobei die stressigste Zeit vorbei sein wird nach Wimbledon.
Einen Monat macht Rafa ja sowas wie Ferien vom Tour Stress und im August ist ja erst noch Berlin bevor er in die USA fliegt. Da er nur Cincinnati und dann die US Open spielt, wird er wohl vier Wochen in den USA bleiben und dann hat er ja fast drei Wochen frei bevor es in Bangkok weiter geht. Er will ja unbedingt nach den US Open Mitte September sowas wie Urlaub machen aber nicht auf Mallorca. Wir hatten zwar noch nicht drüber gesprochen aber ihm scheinen da exotische Ziele vorzuschweben die nur durch Langstreckenflüge zu erreichen sind weil er gesagt hat das er in den vergangenen Jahren auf Mauritius und Hawaii war. Das war ja auch der Grund warum ich bis jetzt so mit Urlaub sparen musste, da werde ich ja sicher mehr als eine Woche Urlaub brauchen.
Mit der doppelten Anzahl an Urlaubstagen könnte ich auch gut leben, ich bräuchte sogar die dreifache Zahl. Vielleicht sollte ich mich selbstständig machen, da kann mir keiner reinreden wann und wie lange ich frei mache. Gedanken machte ich mir natürlich schon, ob das auf die Dauer gut geht ist fraglich. Anders formuliert will ich das so gar nicht auf die Dauer und da Rafa nichts ändern kann an den Tourplänen würde es dann an mir liegen. Vielleicht sollte ich doch nach Mallorca übersiedeln? Ich müsste eben einfach mal mit ihm reden. Er hat ja bisher immer gesagt, dass er das nicht will aber ich weiß nicht ob er es grundsätzlich nicht will oder ob er es nur sagt damit ich nicht mein ganzes Leben umkrempeln muss wegen ihm. Bis vor ein paar Monaten hätte ich nie daran gedacht nach Mallorca zu ziehen aber inzwischen erscheint es mir durchaus verlockend, arbeiten kann ich auch dort. So eine Art konkreten Plan hatte ich schon fertig im Kopf.
Erst wollte ich ja schöne geregelte Arbeitszeiten und freute mich anfangs im Büro sitzen zu können. Es wird aber doch ziemlich schnell eintönig und langweilig. Der Grund warum ich den Job als Flugbegleiterin aufgegeben hatte war ja weil ich an allen denkbaren Tagen und Zeiten arbeiten musste. So ein paar Jahre würde ich aber schon noch fliegen, im Büro sitzen kann ich auch später noch. Mit Palma liegt der drittgrößte Flughafen Spaniens ja praktisch vor der Haustür und es würde mich wundern wenn ich da nicht irgendwie wieder reinkommen würde in meinen früheren Job. Da ich Rafa aber nicht vor vollendete Tatsachen stellen will, muss ich mal sehen wann sich eine günstige Gelegenheit bietet ihn zu fragen was er davon hält.
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