27 July 2010

Chapter 56

Als ich am nächsten Tag aufwachte und neben mich sah, war Rafa dann immerhin da. Ich habe keine Ahnung wann er nach Hause gekommen ist. Es muss nach um zwei gewesen sein da ich kurz vor zwei nochmal auf Toilette war und da war er noch nicht da. Ich hatte mir ja erst vorgenommen nicht sauer auf ihn zu sein weil er den Jahrestag sozusagen verpennt hat aber das er den ganzen Abend lang nicht mehr aufgetaucht ist war alles andere als nett. Da bin ich ja mal auf seine Erklärung gespannt, die ich eigentlich gar nicht hören will. Es geht mir ja gar nicht darum das er auch mal alleine mit seinen Freunden weg geht aber dann soll er sagen wie lange es dauert das ich mir vielleicht auch was vornehmen kann und nicht ewig hier auf ihn warte nur um dann festzustellen das er die halbe Nacht weg ist.
Ein paar Minuten blieb ich ruhig liegen und beobachtete ihn beim Schlafen aber ich stand dann leise auf weil ich ihn nicht wecken wollte und ich würde nur ewig nachgrübeln im Bett. Ich ging duschen und machte dann schon immer mal das Frühstück. Kaffee trinkt er ja nie welchen aber er hat zum Glück welchen da wenn ich hier bin weil ich ohne Kaffee gar nicht in Gang komme früh. Irgendwann hatte ich aber Hunger und hatte keine Lust mehr noch länger zu warten also frühstückte ich eben alleine. Man hätte denken können er steht irgendwann mal auf aber es tat sich gar nichts. Ich überlegte schon immer wegen dem Mittagessen und da er wieder nichts Anständiges an Zutaten da hat, machte ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt. Zur Strafe gibt es eine Karibikpfanne heute Mittag. Das Rezept war zum Glück im Internet zu finden da ich es nicht im Kopf hatte und bei mir zu Hause liegt es gut.
Ich beobachtete die Hähnchenstreifen wie sie in der Pfanne brutzelten als ich von oben Geräusche vernahm. Ist er etwa doch noch aufgestanden? Ich sah kurz auf meine Uhr, halb 12. Am besten er kommt gar nicht erst nach unten da ich für nicht viel garantieren kann da ich sauer auf ihn bin. Kaum ein paar Sekunden später kam er anscheinend wirklich die Treppen nach unten. Ich sah ihn zwar nicht da ich mich nicht umdrehte aber ich hörte ihn ja daher war ich auch nicht erschrocken als er mich von hinten umarmte. „Hey, bist du schon lange wach?“ Kam es plötzlich ein bisschen zu begeistert direkt von hinter mir. Meinte er die Frage etwa ernst? Er versuchte auch mich zu küssen aber ich drehte meinen Kopf zur Seite und wich ihm aus. „Sieht wohl so aus“ Antwortete ich nur knapp und sah wieder in die Pfanne. Er ließ aber nicht etwa locker, er blieb so stehen und legte seinen Kopf von hinten auf meine Schulter. „Es tut mir leid“ Eigentlich hatte ich gar keine Lust jetzt auf das Ganze, ich kann nicht kochen wenn er mich von hinten umschlingt.
„Mir auch“ Antwortete ich kurz und tat als wäre er nicht da. „Amaia, ich meine das ernst! Es tut mir wirklich leid wie der Abend gestern gelaufen ist, ich wollte nicht so lange wegbleiben“ Ich holte ruhig Luft und redete mir selbst zu ganz ruhig zu bleiben. Ausflippen würde ich am liebsten und zwar so richtig! „No, du musst dich nicht entschuldigen. Mich stört es wirklich nicht wenn du die halbe Nacht weg bleibst ohne zu sagen wo du bist und wann du wieder hier bist. Es hat mir wirklich riesigen Spaß gemacht den ganzen Abend hier auf dich zu warten“ “Ich kann verstehen, dass du sauer bist, das war keine Absicht. Ich weiß, dass wir zusammen noch weggehen wollten aber ich habe total die Zeit vergessen. Es lässt sich jetzt nicht mehr rückgängig machen. Ich habe um zwei Training aber dann habe ich Zeit, wir können ja heute Abend was zusammen machen“ Denkt er, dass er so einfach davon kommt? „Würdest du mich bitte ansehen wenn ich mit dir rede?“ Fragte er dann plötzlich da ich nicht reagierte. „Warum? Von mir aus kannst du auch heute Abend Golf spielen gehen. Ist ja nur noch heute und morgen bevor du nach Madrid fliegst und keine Zeit mehr dazu haben wirst“
Ohne das er noch ein Wort sagte verschwand er wieder. Jetzt war ich erst so richtig auf 300. Er denkt ich lasse ihn so davonkommen! Das war echt unterste Schublade was er gestern gemacht hat. Er hätte ja sagen können als er anrief das ich nicht auf ihn warten soll aber nein, er tat so als wäre er praktisch schon da und dann kommt er erst Stunden später.

Eigentlich war es so gedacht, dass wir zusammen Essen aber er war ja weg. Ich dachte erst er wäre oben aber seine Trainingsklamotten waren weg und sein Lieblingsauto auch also wird er wohl in Manacor bei dem Tennisclub sein. Na ganz toll, jetzt war ich wieder alleine hier! Kann sein das ich zu hart zu ihm war aber ich konnte nicht anders. Ich fühle mich irgendwie verarscht von ihm. Es ist ein saublödes Gefühl das er mich hier hoffnungsvoll warten lässt. So schnell wird er nicht wieder kommen, wenn er um zwei trainiert, ist er vor um vier nicht wieder hier. Den ganzen Tag hier rumsitzen wollte ich auch nicht also ging ich alleine zum Strand. Ich falle nicht so sehr auf alleine also ging ich gleich hier in Porto Cristo zum Strand. Da bin ich schon nur ein paar Tage hier, da sehen wir uns trotzdem nicht, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich will ja gar nicht mit ihm streiten aber er provoziert mich regelrecht dazu. Um vier ist er sicher noch nicht da also blieb ich bis halb fünf am Strand und lief dann langsam zurück.
Es wurde um fünf bis ich bei seinem Haus war und sein Auto stand in der Einfahrt also ist er hier. Ich holte nochmal tief Luft und ging dann rein. Im Haus war alles ruhig, ich sah mehr nebenbei, dass er auf der Terrasse saß. Gleich neben dem Haus war ein Pavillon mit einer bequemen Sitzecke und dort hatte er es sich wohl bequem gemacht. Duschen musste ich mich sowieso also tat ich das gleich bevor ich wieder nach unten ging. Wir hatten uns doch lange genug angeschwiegen. Kurz sah er zu mir als ich auf die Terrasse kam aber er sagte nichts und blieb mit einem todernsten Gesicht sitzen. Sein nachdenklicher Blick verunsicherte mich schon, das war der gleiche Blick wie in Barcelona als er mich abserviert hat. Obwohl ich ein flaues Gefühl im Magen hatte setzte ich mich neben ihn und sah ihn an. „Ich will nicht das wir uns jetzt anschweigen“ Sagte ich leise. Er drehte seinen Kopf leicht und sah mich direkt an. „Du willst doch nicht mit mir reden“ “Es tut mir leid, ich war nur so sauer auf dich. Ich meine, erst sagst du wir gehen zusammen weg und dann lässt du mich hier hängen und kommst erst mitten in der Nacht. Ich habe ja gar nichts dagegen wenn du mit deinen Freunden weg gehst und ich muss auch nicht überall dabei sein aber du hättest wenigstens sagen können, dass ich nicht auf dich warten soll“ Er sah nach unten auf seine Hände und kaute auf seiner Unterlippe.
„Ich weiß, dass ich es vermasselt habe und mir tut es wirklich leid. Wir sehen uns ja nicht so lange daher will ich nicht mit dir streiten. Ich kann es jetzt aber nicht mehr rückgängig machen also musst du mir das jetzt nicht ständig vorhalten“ Da er mich so deprimiert ansah, konnte ich nicht länger hart bleiben also rückte ich näher an ihn und umarmte ihn. Mit dem Blick kriegt er mich irgendwie immer. „Ich wollte auch gar nicht so extrem reagieren. Es ist nur so, dass es gestern ein Jahr her ist das wir uns kennengelernt haben“ War jetzt auch egal also konnte ich es ihm auch sagen. Sein Gesicht war richtig gut, ich konnte ihm förmlich ansehen, dass er nicht daran dachte und jetzt das entsprechende Gesicht zieht. Er schlug sich die Hände vors Gesicht und schüttelte langsam mit dem Kopf als wenn er es nicht fassen kann. „Oh shit! Das habe ich total vergessen und ich gehe auch noch in aller Ruhe Golf spielen!“ Ich wartete erstmal bis er sich von dem Schock erholt hatte und zog dann ein Lächeln. „Jetzt ist es zu spät um es zu bereuen. Ich dachte du kommst von alleine drauf!“ Er umarmte mich dann und schien es immer noch nicht glauben zu wollen. „Warum hast du nichts gesagt? In Rom habe ich auch noch darüber nachgedacht und dann verpenne ich das! Ich wäre mit Sicherheit nicht Golf spielen gewesen wenn es mir eingefallen wäre. Das du so sauer bist kann ich verstehen“
Langsam wurde mein Lächeln breiter, ich war wirklich froh das es sich klärte. „Ich dachte schon du ziehst eine Runde Golf vor“ “Natürlich nicht, ich kann nicht glauben das ich das wirklich vergessen habe. Du hättest was sagen sollen“ “Wollte ich ja daher habe ich dich gestern als wir am Strand waren auch gefragt welcher Tag ist aber du hast so getan als wenn nichts wäre und das hat mich geärgert deshalb habe ich nichts gesagt“ “Und wenn wir so tun als wäre gestern heute?“ Fragte er dann ganz hoffnungsvoll, das brachte mich nur noch mehr zum Lachen. „Ist jetzt auch egal oder wie? Wenn du mir versprichst heute Abend nicht wieder zu verschwinden können wir das so machen“ Sein Lächeln wurde gleich wieder breiter. „Ich stehe dir bis morgen Mittag zur Verfügung. Wir können hinfahren wo du willst“ “Auch Formentor?“ Fragte ich mit einem breiten Grinsen.
„Wenn es sein muss“ Kam es nur leise. War ja nur Spaß weil ich nur sehen wollte wie er reagiert. „Hast du eigentlich einen neuen Fernseher? Ich war zu Tode erschrocken als da plötzlich Videos aus dem Internet auftauchten“ Das kam mir so völlig spontan in den Sinn daher sah er mich auch so merkwürdig an. „Den habe ich noch nicht so lange. Ich kam noch nicht dazu mich genauer damit zu befassen. Damit soll man angeblich auch 3D Filme angucken können“ Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus! „Was hast du mit dem alten gemacht?“ “Den habe ich zu meiner Schwester nach Barcelona geschickt“ “Wenn du wieder einen aufgenötigt bekommst und ihn nicht haben willst, schicke mir auch mal einen“ “Von mir aus, ich brauche jedenfalls keinen mehr“ Da bin ich ja mal gespannt wie lange es dauert bis Rafa wieder mit der neuesten Technik zugeschüttet wird.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber er blieb tatsächlich hier. Normalerweise muss er die Tage generalstabsmäßig planen um alle Termine zu schaffen. Hoffentlich sind wir dann auch wirklich alleine heute Abend, nicht das er noch auf die Idee kommt Maymó oder noch mehr Leute einzuladen. Da wir nicht den ganzen Abend hier bleiben wollten dachten wir uns wir könnten ja auch zu der Bar gehen wo sozusagen alles angefangen hat. Ich hatte extra in weiser Voraussicht auch ein Kleid in meinem Koffer gepackt. Es ist nur leider unmöglich das anzuziehen ohne sich dabei zu verrenken. Ich konnte mich krümmen wie ich will, an den Reißverschluss auf dem Rücken komme ich nicht ran alleine. Eigentlich wollte ich nicht das Rafa mich sieht bevor ich das Kleid an habe aber es nutzt ja alles nichts also lief ich die Treppen nach unten und hielt nach ihm Ausschau.
Sein Gesicht war sehr schön als er mich bemerkte, man könnte denken es hat ihn eben der Blitz getroffen. Er sah mich an als wäre ich das achte Weltwunder, ich fühlte mich ja geehrt aber er soll mal nicht so tun als wenn er mich noch nie in einem Kleid gesehen hätte. „Du kannst den Mund wieder zu machen, es zieht“ Meinte ich dann nur frech und drehte ihm meinen Rücken zu. „Davon abgesehen könntest du so nett sein und mir mit dem Reißverschluss helfen“ “Beim an oder ausziehen?“ Kam es sofort von hinter mir. Ich musste Lachen und schüttelte mit dem Kopf. „Es wäre vielleicht angebracht wenn ich etwas anziehe wenn wir weg gehen wollen“ “Sicher, ich würde dich sowieso nicht zu knapp bekleidet aus dem Haus lassen“ Was wird denn das jetzt? Kommt jetzt so eine Eifersuchtsnummer? Da er inzwischen den Reißverschluss hochgezogen hatte, drehte ich mich um damit ich in sein Gesicht sehen kann.
„Hast du etwas gegen knappe Klamotten?“ “Solange du sie hier an hast nicht. Ich will ja nicht, das die halbe Welt dich nackt sieht“ Rafa erinnert mich an meinen Ex Freund. Dem konnte es auch nicht kurz genug sein solange er es nur sieht. Wenn jemand anderes auch Spaß hat daran hörte der Spaß auf für ihn. „Du kannst dich entspannen, ich hatte nicht vor heute FKK zu machen“ Er blieb stehen und kaute schweigend auf seiner Unterlippe während sein Blick langsam an mir nach unten wanderte. „Du siehst wirklich umwerfend aus“ Kam es dann mit einem schüchternen Lächeln und einem total faszinierten Blick. Jetzt wurde ich wohl doch ein bisschen rot im Gesicht. „Gracias“ Antwortete ich nur da mir nichts Besseres einfiel. Es macht mich richtig nervös wenn er mich so mustert.
„Wären wir nicht schon zusammen, würde ich dich sofort ansprechen. Der Neid der anderen wird mir sicher sein. Ich denke du hättest die freie Auswahl und könntest dich nicht retten vor Verehrern wenn ich nicht dabei wäre“ Jetzt wurde es mir aber doch unangenehm. Er stand zwar vor mir aber es war immer noch etwas Abstand zwischen uns also umarmte ich ihn und zog ihn näher an mich. „Das ist mir egal, ich mache das nicht für die anderen sondern für dich“ Langsam wurde sein Lächeln wieder breiter und er schien sich aus der Schockstarre lösen zu können. “Ich fühle mich geehrt. Es klingt blöd aber du bist die schönste Trophäe von allen. Ich würde alle Turniersiege inklusive der Grand Slams eintauschen um dich zu bekommen. Ich quatsche dummes Zeug, no?“
Ich war erstaunt über seinen letzten Satz und musste spontan kichern. Ich hätte ihn schon viel eher unterbrochen aber ich war gerade so darauf gespannt zu hören was er als nächstes sagt. “Kann man so sagen“ “Eigentlich wollte ich nur sagen das ich es durchaus zu schätzen weiß das du mit mir zusammen bist“ Ich war direkt für einen Moment sprachlos. Was ist denn jetzt plötzlich los mit ihm? Er soll mal nicht so tun als würde ich ein so großes Opfer bringen weil ich mit ihm zusammen bin. Ich weiß auch so, dass er mich nicht als selbstverständlich betrachtet.
Zwar sehen wir uns nicht so oft aber er gibt mir trotzdem das Gefühl das ich jederzeit mit ihm reden kann. Manchmal kommt mir das alles ein bisschen spanisch vor. Da ich nicht wusste was er noch sagt, wollte ich das Thema wechseln. Ich muss es nur schaffen ihn dabei nicht vor den Kopf zu stoßen da er anscheinend eben auf dem sentimentalen Trip ist. „Lass uns gehen“ Sagte ich dann nur. Er lächelte wieder vorsichtig und sah an mir nach unten. „Ich ziehe mich nur um“ Als nächstes küsste er mich kurz und war dann auch schon verschwunden. Ich zog meine Sandalen an und wartete immer an der Tür auf ihn.

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