1 July 2010

Chapter 54 - Porto Cristo V

Porto Cristo - Mai 2010

Es gab noch einen Zwischenstopp in Barcelona wo wir umsteigen mussten weil es keinen Direktflug von Rom nach Palma gab. Es war alles relativ entspannt auf den Flügen und in Barcelona. Wir saßen immer ganz hinten und die restlichen Passagiere alle vorne also hatten wir unsere Ruhe. Ich war schon ganz aufgeregt als endlich Formentor zu sehen war vom Flugzeug aus. Den Anflug kannte ich schon in und auswendig, wenn der Wind nicht gerade anders ist gibt es immer den Anflug über Formentor und Alcúdia und dann direkt über die Insel. Man sah schon das der Sommer kurz bevor steht, die ersten Felder begannen sich schon so typisch braun zu färben. Da fiel mir dann so spontan ein, dass ich noch nie mit Rafa zusammen nach Palma geflogen bin.
Wir waren vor dem Tag heute noch nie zusammen irgendwohin geflogen. „Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass wir noch nie zusammen hier angekommen sind?“ Rafa sah von seiner Zeitung zu mir rüber und machte ein leicht verwirrtes Gesicht. „No aber jetzt wo du es sagst… Komische Sache aber irgendwann ist eben immer das erste Mal“ “Ich meine es waren ja schon ein paar Orte wo wir waren neben Abu Dhabi, Barcelona, Monte Carlo und Rom war ich ja auch ein paar Mal in Porto Cristo“ “Mir ist es am liebsten zu Hause zu sein“ “Kann ich nachvollziehen“ Wenige Minuten nachdem wir über die Halbinsel Formentor geflogen waren, standen wir schon am Gate und packten unsere Sachen zusammen. Wir konnten glücklicherweise die Abkürzung durch den VIP Bereich nehmen und standen im Handumdrehen im Parkhaus und das ohne viele Autogramme geben zu müssen. Ich dachte ja das uns jemand abholt aber wie sich rausstellte, hatte Rafa sein Auto im Parkhaus stehen. Maymó und Toni wurden am Flughafen abgeholt und Carlos Costa hatte sich schon in Barcelona verabschiedet also stand ich dann mit Rafa alleine da.
„Ist das nicht teuer wenn du dein Auto wochenlang hier stehen lässt?“ Rafa sah zu mir rüber bevor er sich wieder auf das ausparken konzentrierte. „Nicht wenn du Nadal heißt außerdem bin ich froh das ich selbst wieder fahren kann“ Wie konnte ich das nur vergessen… gehört wohl alles mit zum VIP Service. „Das heißt ich schnalle mich besser an“ Meinte ich dann nur nebenbei aber mir entging nicht sein Blick daraufhin. „Du kannst gleich laufen!“ Ich grinste ihn blöd von der Seite an und schüttelte mit dem Kopf. „Überlege dir etwas Besseres wenn du mich ärgern willst“ Es gab da so komische Geschichten wonach Rafa unbeabsichtigt die halbe Insel lahmgelegt hat weil er in eine Verteilerstation gefahren ist und dann der Strom überall ausfiel. Das ist aber schon Jahre her und ich würde nie mit ihm fahren wenn ich daran zweifeln würde ob ich auch heil am Ziel ankomme. Eine knappe halbe Stunde nachdem wir am Flughafen losgefahren waren, kamen wir in Porto Cristo an.

Wir schleppten unser Gepäck ins sein Haus und Rafa ließ sich anschließend rückwärts auf sein Bett fallen und stand nicht mehr auf. Ich lief zum Fenster und ließ die Aussicht auf mich wirken. Mir hatte schon der Meerblick gefehlt, ich sollte länger hier bleiben! „Hast du heute noch etwas vor?“ Fragte ich dann als ich mich vom Fenster lösen konnte und wieder zu ihm sah. „No“ Kam es nur mit einem breiten Lächeln. Da er ja noch auf dem Bett lag, machte ich es mir neben ihm bequem. „Und was ist mit morgen? Oder nein, warte, lass mich raten! Du fängst spätestens mittags in der größten Hitze an zu trainieren“ “Du machst mir Angst!“ Kam es gleich ganz begeistert.
„Ich weiß wie das läuft und habe mir ehrlich gesagt gar keine Hoffnungen gemacht das du die ganze Woche nichts machst“ “Ich trainiere nicht den ganzen Tag, geplant sind drei Stunden, das ist gar nichts verglichen mit dem was ich früher alles gemacht habe“ “Ich will sowieso mal nach Palma und da kann ich dich eh nicht gebrauchen dazu“ “Wenn du wieder stundenlang Schuhe anprobieren willst, brauchst du mich gar nicht fragen ob ich mitkomme“ “Dann hätten wir das ja geklärt“ “Es ist total komisch wieder hier zu sein. Manchmal habe ich das Gefühl hier im Urlaub zu sein, ich bin so oft weg, dass es mir manchmal vorkommt als wenn ich gar kein zu Hause hätte. Letztes Jahr nach den French Open war ich ein paar Monate nur hier, das war auch nicht schlecht aber dieses Jahr ist wie alle anderen Jahre davor auch. Im Moment habe ich gar nicht viel von dem Haus“ Tja, was soll ich dazu sagen? „Aber es läuft dir ja nicht weg und wenn du irgendwann den Schläger an den Nagel hängst, kannst du ja hier Wurzeln schlagen“ “Mal sehen, ich bin schon froh mal ein paar Tage hier sein zu können. Wenn ich ein paar Wochen weg bin, vermisse ich das ruhige Leben hier richtig“ “Ich wusste gar nicht das du so ruhebedürftig bist“ “Ich will nur mal ein paar Tage entspannen ohne das mich ständig jemand beobachtet. Zum Glück konntest du frei machen. Rom war stressig, no?“ “Du meinst weil du nicht viel Zeit hattest? Das wusste ich doch, ich dachte es wird noch schlimmer“ Er sah kurz auf seine Uhr und stand dann wieder auf. „Ich habe jetzt jedenfalls Hunger, da ich weiß das nichts hier ist wird uns nichts übrig bleiben als Essen zu gehen“ Rafa hätte doch eh keine Lust zu kochen aber mir war auch nicht danach. „Von mir aus“

Das Essen nutzte er auch gleich um mal bei seiner Verwandtschaft hola zu sagen, die hatten ihn ja alle seit Wochen nicht mehr gesehen. Das ist ein kleiner Trost, es geht nicht nur mir so, dass ich ihn manchmal wochenlang nicht sehe. Seinen Eltern statteten wir später auch noch einen Besuch ab. Wir wollten gar nicht so lange weg bleiben aber der Tag verging im Zeitraffer. Es war plötzlich um sieben als wir zurück waren in Porto Cristo. Ich packte erstmal meinen Koffer aus, dazu war ich ja noch nicht gekommen. Bei der Gelegenheit fiel mir auch der Siegerpokal aus Rom in die Hände. Rafa bekommt ja nicht das Original sondern eine kleinere Nachbildung. Da wir in Rom nicht wussten wohin damit, hatte ich den zwischen meinen Sachen in den Koffer gepackt.
Es ist ja eigentlich auch schade darum wenn er den in den Schrank stellt und ihn niemand mehr sieht. Mehr zufällig sah ich mich selbst im Spiegel mit dem Pokal in den Händen. Es überkam mich und ich konnte nicht anders also nahm ich eine theatralische Siegerpose ein und konnte mich kaum noch bremsen vor Lachen. Hoffentlich sieht Rafa das nicht! Das sieht doch richtig gut aus und ich musste mich überhaupt nicht groß anstrengen um den Pokal zu bekommen. Ich lief dann mit dem Pokal in den Händen nach unten und suchte Rafa. „Willst du den im Schrank verstecken?“ Fragte ich laut und dachte für eine kurze Sekunde daran doch nichts zu sagen und den Pokal heimlich mit zu mir nach Hause zu nehmen, Rafa hat doch schon so viele. Er drehte sich zu mir um und zog ein breites Lächeln. „No, du wirst es nicht glauben aber ich habe extra eine Vitrine aufgestellt um dort alles unterzubringen“ Was? Das ist mir ja total neu! Ich bin ja nicht zum ersten Mal hier und bisher hatte er alles im Schrank in Kisten verpackt stehen.
„Wo?“ Fragte ich nur. „Neben dem Kamin“ Da war ich noch nicht gewesen also machte ich mich auf den Weg dahin. Tatsächlich! Ich sah mir das alles ein paar Minuten an und versuchte nicht mich davon zu sehr beeindrucken zu lassen. „Ich hatte immer dein Gesicht vor Augen als du zum ersten Mal hier warst und gefragt hast wo die Auszeichnungen alle sind. Meine Mutter sagte auch immer ich soll das nicht alles im Schrank aufbewahren aber ich will nicht hier staubwischen wenn ich schon mal da bin“ Ich sah zur Seite und fragte mich ob er mich veralbern will. „Jetzt tue nicht so als wenn du jemals hier irgendwo staubgewischt hättest!“ Er braucht gar nicht so tun, ich weiß genau, dass seine Mutter das macht. Er trat einen Schritt näher zu mir und umarmte mich von hinten. „Das behaupte ich ja auch nicht“ “Du revanchierst dich hoffentlich bei deiner Mutter“ “Natürlich! Ich betrachte sie nicht als meine Putzfrau. Wie ich vorhin mehr zufällig feststellen konnte hat sie auch Lavendel neben dem Pool gepflanzt“ Ich versuchte von da aus wo ich eben stand aus dem Fenster zu sehen, hier scheint sich doch einiges getan zu haben während ich nicht hier war. Ich wünschte, ich könnte bei mir zu Hause Lavendel pflanzen aber es hätte da nicht mal auf dem Balkon Sinn. Bis der da blühen würde, wäre der Sommer vorbei. „Tatsächlich, sieht wirklich gut aus, man kommt sich vor wie in Südfrankreich“ Meinte ich dann. Ich erinnere mich ganz dunkel daran, dass ich letztes Jahr mal so nebenbei die Bemerkung fallen ließ das Lavendel hier gut aussehen würde.
Damals war Rafa nicht weiter auf die Bemerkung eingegangen aber offenbar ist es doch bei ihm hängen geblieben. Ich drehte mich etwas, dass ich in sein Gesicht sehen konnte. „Ich dachte du hast das gar nicht zur Kenntnis genommen“ “Meine Mutter hatte mich vor ein paar Wochen als ich in den USA war gefragt was sie anstellen soll mit der Fläche rund um den Pool. Da fiel mir das dann wieder ein“ “Wenn ich jetzt sage das du das Haus außen pink streichen sollst, machst du das dann auch?“ “Sehr komisch! Es sieht doch gut aus und ich gestehe das ich selbst nie auf die Idee gekommen wäre“ Dabei beließ ich es auch und stellte den Pokal mit zu den anderen. Langsam wird es voll, wenn er weiter alles gewinnt, muss bald eine neue Vitrine her. Das alles so auf einmal zu sehen wirkt schon sehr einschüchternd. Am beeindruckendsten ist der Wimbledon Pokal und die vier von den French Open. „Also der Wimbledon Pokal sieht irgendwie einsam aus so alleine“ “Ich arbeite daran“ Kam es nur von hinter mir. Das kann ich mir schon sehr gut vorstellen!
Erstaunlich wie Rafa es schafft sich selbst zu motivieren wo er scheinbar alles gewonnen hat was man gewinnen kann. Wimbledon zu gewinnen kommt doch einem Ritterschlag im Tennis gleich. Ich möchte lieber nicht wissen wie viel Schweiß und harte Arbeit in jeder einzelnen Auszeichnung stecken. Erst als Rafa seinen Kopf auf meine Schulter legte, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Die Stimmung war ungewöhnlich ernst geworden, zumindest meine. Mir war für ein paar Sekunden entfallen das er direkt hinter mir steht und mich umarmt. Ich sah an mir nach unten und musste lächeln als ich seine Hände an meinen Hüften sah. Aus einem spontanen Impuls heraus fand ich das aufregend und das er ab und zu meinen Nacken küsst, macht es nicht besser. Er ist zu nett zu mir. Ich bekomme manchmal ein schlechtes Gewissen weil ich weiß, dass er ja fast nie Zeit für sich hat und wenn ich hier bin, liest er mir jeden Wunsch von den Augen ab. Manchmal habe ich das Gefühl das ich ihm das gar nicht alles zurückgeben kann was er mir gibt. Ich drehte mich um und legte meine Arme um seinen Hals als mir so eine Idee kam... „Was hältst du davon wenn wir zusammen duschen gehen?“
Es dauerte nur Millisekunden bis sein Lächeln vom einen Ohr zum anderen ging. “Ahora?“ Da er so begeistert fragte, musste ich noch mehr lachen. “Sí, jetzt und ich meine auch duschen“ “Das sagst du immer oder sollte ich sagen das werden wir ja sehen?“ Meinte er nur frech und zog mich näher an sich. Verflucht, er kennt mich zu gut! Ich küsste ihn sanft und löste mich dann aus seiner Umarmung. „Mitkommen!“ Bevor er reagieren konnte, griff ich nach seiner Hand und zog ihn hinter mir her die Treppen nach oben.

Ich hätte es nie für möglich gehalten aber am nächsten Tag konnte ich direkt mal ausschlafen! Außerdem hatte er mir versprochen nicht vor dem Sonnenaufgang aus dem Bett zu springen. Das war zwar am Sonntag und da sprachen wir von Montag aber zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass sich das Finale in Rom so lange hinzieht und wir erst am Montag zurückfliegen können. Jetzt war also Dienstag aber nicht irgendein Dienstag. Heute war es genau ein Jahr her, dass wir uns zum ersten Mal gesehen haben in dieser Bar. Natürlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass er sich nichts vornimmt an dem Tag. Das er trainieren will wusste ich ja schon und ich wollte ja auch nach Palma also fuhr ich nach dem Frühstück los. Zielgerichtet etwas kaufen wollte ich ja gar nicht, ich wollte nur einfach mal gucken. Um die Läden der oberen Preisklasse machte ich gleich einen Bogen obwohl ich mit ziemlicher Sicherheit weiß das ich Rafa nicht lange bitten müsste wenn mir etwas gefällt. Es war aber ziemlich warm an dem Tag und ich hatte bald keine Lust mehr durch die Stadt zu laufen also ging ich etwas Essen und blieb dann einfach noch sitzen um die vorbeigehenden Leute zu beobachten.
Ob Rafa überhaupt gemerkt hat was heute für ein Tag ist? Bis jetzt hatte er so getan als wenn nichts wäre. Er ist immerhin ein Mann, da kann man allgemein nicht erwarten, dass er sich an jeden einzelnen Tag erinnert aber soweit müsste sein Gedächtnis doch noch zurück reichen. Was wir heute Abend machen hatten wir noch nicht besprochen aber wenn es ihm wirklich nicht mehr einfällt, werde ich ihn eben erinnern. Ich wusste ja das er erst nach um vier wieder zu Hause sein wird aber ich fuhr trotzdem schon eher zurück und war um drei wieder in Porto Cristo. Erwartungsgemäß war alles ruhig als ich bei seinem Haus ankam also parkte ich das Auto in der Garage und lief dann rein. Es war eben so schön ruhig, dass musste ich erstmal auf mich wirken lassen. Ich stand seitlich an die Tür zur Terrasse gelehnt und beobachtete das glitzernde Wasser im Pool. Da musste ich gleich an letztes Jahr denken wo ich zum ersten Mal hier war. Damals war ich ja auch in Palma aber da hatte ich gewartet bis Rafa wieder hier ist weil ich nicht alleine hier sein wollte.
Inzwischen ist es so weit gekommen das ich seine Autos spazieren fahre und einen Schlüssel zu seinem Haus habe. Das hätte mir vor einem Jahr mal jemand erzählen sollen! Es fühlt sich auch nicht mehr komisch an alleine hier zu sein, manchmal habe ich das Gefühl das ich nicht mehr genau weiß ob ich hier noch Gast bin oder doch schon halb hier wohne. Ich fühle mich jedenfalls nicht so wie jemand der eine Weile auf Besuch ist. Abgesehen von dem einen Mal wo ich mit Rafa bei mir zu Hause spazieren war, hatten wir das Thema nie wieder angesprochen. Rafa vertritt ja die Auffassung, dass er kein Recht hat von mir zu verlangen das ich wegen ihm hier her ziehe. Das stimmt ja im Prinzip auch aber ich will nicht ewig hin und her pendeln. Er glaubt vielleicht ich würde ein zu großes Opfer bringen wenn ich wegen ihm hier her ziehe. Es ist eigentlich egal ob ich in Deutschland wohne und hier her komme um ihn zu sehen oder ob ich hier wohne und nach Deutschland fliege um meine Eltern zu sehen. Es wird immer ein hin und her sein, egal wo ich nun wohne. So oft ist er nicht hier, mir ist klar das ich die meiste Zeit alleine hier wäre und ich beabsichtige nicht mit ihm dauerhaft auf Tour zu gehen.
Solange er in Europa ist, können wir darüber reden das ich am Wochenende da bin aber ich fliege sicher nicht wochenlang mit in die USA oder nach Kanada im Sommer. Wir müssten dann auch nicht schon immer Wochen im Voraus überlegen wie wir es anstellen das ich frei machen kann wenn er hier ist. Ich wäre dann nichtmehr auf meine freien Urlaubstage und günstige Flugverbindungen angewiesen. Vielleicht sollten wir mal darüber reden. Ich fürchte er wird wieder sagen, dass es für ihn so ok ist weil er nicht will, dass ich mein ganzes Leben umkrempeln muss. Auf die Dauer kommen wir aber zu nichts mit dem hin und her, dass wird ihm sicher auch klar sein. Ich wollte das ja am Anfang sowieso nicht und hätte mich auch nicht darauf eingelassen wenn ich ihn nicht lieben würde und unbedingt mit ihm zusammen sein wälte. Das er etwas dagegen hat wenn ich hier wohne, glaube ich nicht, er hat ganz vage Angedeutet das es ihm schon gefallen würde wenn ich hier wäre. Er hätte es vielleicht gerne wenn er von der Tour nach Hause kommt und ich schon hier bin und traut sich nur nicht das auch zu sagen.

Gestört wurde ich in meinen Gedanken von der auf und zu gehenden Tür und kurz darauf hörte ich wie er den Schlüssel fallen ließ. Ein paar Sekunden später sah ich ihn auch direkt auf mich zukommen. „Hey, du bist ja schon zurück!“ “Es war so warm, ich hatte dann keine Lust mehr durch die Stadt zu laufen“ Er kam näher und küsste mich kurz. “Ich habe mich zu Tode geschwitzt!“ So sah er gar nicht aus aber ich weiß, dass er immer duschen geht im Tennisclub bevor er nach Hause fährt. „Du musst ja auch unbedingt in der größten Hitze trainieren“ “Besser ich gewöhne mich daran. Wenn ich ein Turnier spiele und die setzen das Match mittags an kann ich dann auch nicht sagen das es mir da zu warm ist“ “Morgen um dieselbe Zeit?“ Fragte ich nur. Er nickte mit dem Kopf und stellte seine Tasche ab. „Sí“ Ich weiß das er jeden Tag trainiert, er hätte am Montag frei gehabt aber dann klappte das mit den Flügen nicht und wir kamen erst Montagmittag hier an und somit steht fest, dass er bis nach Wimbledon keinen einzigen freien Tag mehr haben wird.
Zumindest keinen an dem er nicht Tennis spielt. Es ist verrückt wie hart er arbeitet aber es zahlt sich aus und der Erfolg gibt ihm Recht. „Musst du nochmal weg?“ “No, ich stehe dir den restlichen Tag zur freien Verfügung“ Ich musste Lachen und umarmte ihn wieder. „Das wollte ich hören!“ Er schien ein paar Sekunden das Wetter zu beobachten bevor er wieder zu mir sah. „Wie wär’s wenn wir eine Runde planschen?“ Ich sah in den Pool und dabei lief mir gleich ein kalter Schauer über den Rücken. Ich war vorhin schon so leichtsinnig einen Fuß in den Pool zu halten. „Das Wasser ist zu kalt“ “Ich meinte nicht das Wasser sondern das große am Horizont“ Kam es gleich breit grinsend. „Ach so, sag’s doch gleich! Von mir aus“ “Macht es dir was aus wenn Maymó mitkommt? Ich beabsichtige mir sein Boot einzuverleiben aber er wird darauf bestehen mitzukommen“ “Wenn’s sein muss. Langweilt der sich dann nicht alleine?“ “Es wird dich vielleicht erschüttern aber er hat eine Freundin“ Ich tat so als wäre ich total schockiert und schnappte übertrieben nach Luft. „Was? Warum sagst du das jetzt erst?“ Wie ich sah freute er sich über meine Reaktion. “Habe ich dir jetzt jegliche Hoffnung genommen? War nicht meine Absicht“ “Ich bin zutiefst deprimiert“ “Ich tröste dich aber gerne“ “Ich weiß aber ich kann es kaum erwarten ihn zu sehen“ “Dann haben wir ja alle was davon!“ Ich konnte nicht länger Ernst bleiben und schüttelte mit dem Kopf bevor ich mich von ihm löste. „Ich gehe mich umziehen“

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