24 June 2010

Chapter 53

Der Perfektionist kam also wieder durch in ihm und ging er doch trainieren. Na wenn er meint, Zeit hatte er ja, das Finale beginnt 16 Uhr falls das Wetter mitspielt. Es sieht nicht gut aus, denn für den Abend ist Regen angesagt und das will niemand. Langweilig wurde es mir aber dank Sara nicht bis das Match anfing. Die Idee von Rafa sie hier her mitzunehmen war doch gut gewesen. Obwohl wir skeptisch waren ob das Match über die Bühne geht, waren wir pünktlich um vier auf unseren Plätzen in der players box.
Das ganze Stadion war ausverkauft, perfekte Kulisse für das Finale. Die Stimmung war auch entspannter als gestern vor dem Match gegen Gulbis. David Ferrer ist Rafa ja bestens bekannt und hinter vorgehaltener Hand zweifelte niemand an einem Sieg von Rafa. Ferrer ist gut aber für Rafa nicht gut genug. Öffentlich würde er das nie sagen aber es ist eine Tatsache und auch wenn Rafa seine Gegner nie unterschätzt, die Statistik spricht eindeutig für Rafa. Das Hauptproblem war aber im Moment nicht David Ferrer sondern das Wetter. Je länger das Match ging, umso dunkler wurde der Himmel. Es stand gerade mal 4-3 als die ersten Tropfen vom Himmel fielen.
Oh weia, das sieht gar nicht gut aus. Ich fürchte es wird nicht durchhalten bis zum Ende. Es ging noch bis zum 4-4 und 40-15 für Ferrer als ein weiterspielen unmöglich wurde weil es inzwischen regelrecht schüttete. Was für ein Drama, ausgerechnet zum Finale! Es nutzte alles nichts, Rafa und Ferrer packten ihre Sachen und verschwanden. Das taten wir auch nur das wir ins Restaurant gingen und nicht in den locker room. „Denkst du es hört nochmal auf?“ Frage Sara und sah skeptisch aus dem Fenster. „Ich hoffe es. Wenn es nicht bald wird, schaffen wir den Flug nicht mehr“ Wir hatten schon alles fertig gepackt und wollten eigentlich heute Abend über Barcelona nach Palma fliegen.
21:30 Uhr ist der Abflug in Rom aber wenn es nicht bald weiter geht, schaffen wir das gar nicht mehr. Sara hatte ja Glück, die hatte sowieso für morgen einen Flug gebucht weil heute Abend keiner mehr ging nach Düsseldorf. „Was passiert wenn es schief geht?“ “Dann kann Carlos Costa zeigen was er kann. Dann bleiben wir die Nacht noch hier und fliegen morgen“ “Muss schön sein wenn sich Leute um alles kümmern“ “In dem Fall ja, er kann sicher etwas drehen das wir morgen früh mit dem ersten Flug nach Barcelona hier wegkommen. Solche worst case Szenarien werden meistens mit eingeplant“ “Na hoffentlich ist es morgen Mittag zu Ende sonst kann ich nicht gucken. Ich hoffe er gibt ein bisschen Gas und braucht keine drei Sätze“
Ja, den Wunsch hatte nicht nur Sara, ich will auch nicht Mitternacht noch Tennis gucken oder warten bis es weiter geht. “Das hoffe ich auch nicht aber wer weiß wie ihm die Regenpause bekommt“ “Eigentlich kommt Rafa immer gut mit sowas zurecht. Zumindest bei den Spielen die ich gesehen habe war es so“

Etwas überraschend ging es nach 30 Minuten schon weiter. Das ging ja fix! Wir hatten uns auf eine längere Pause eingerichtet aber es hörte auf zu regnen auch wenn der Himmel noch Wolkenverhangen war und es so aussah als wäre das eben nicht der letzte Regen gewesen. Es begann also alles wieder von vorne. Die Zuschauer kamen langsam alle wieder und Rafa spielte sich derweil mit David ein.
Mal sehen wer jetzt den besseren Start erwischt. Ein wenig kam Ferrer ins straucheln mit seinen Aufschlägen, er schaffte aber das 5-4. Ich sah schon einen hässlichen Tiebreak auf mich zukommen aber Rafa schaffte bei 5-5 ein Break. Na das sah doch jetzt gut aus. Ich habe ein wirklich gutes Gefühl und bin relativ entspannt, das wird bei weitem nicht so eng wie gestern gegen Gulbis.
Das eigene Aufschlagspiel zog Rafa souverän durch und machte den ersten Satz 7-5 perfekt. Es lief perfekt aber alles Schöne hat mal ein Ende. Das kam unverhofft im zweiten Satz als Rafa eben ein Break zum 2-1 perfekt gemacht hatte. Es fing tatsächlich wieder an zu regnen! Wir mussten also wieder flüchten und fanden es dann nicht mehr zum Lachen. Es stand damit schon fest, dass wir noch eine Nacht länger hier bleiben.
Keiner weiß ob heute überhaupt noch gespielt werden kann also nutzte Carlos die Regenpause um die Flüge auf morgen umzubuchen. Zum Glück musste ich mich um nichts kümmern. Man muss es von der positiven Seite sehen, ich konnte so mal etwas Essen gehen mit Sara. Rafa sahen wir ja nicht aber er hatte sich mal telefonisch gemeldet aus dem locker room und meinte er würde jetzt mit Ferrer Fußball gucken. Ich dachte erst er will mich veräppeln aber das tat er nicht, im Gegenteil er meinte das er das Spiel gerne zu Ende gucken will, das sah ihm ähnlich! Fußball gucken kann er doch auch noch morgen. Es langweilte sich also niemand während der Zwangspause.

Nach um acht ging es erst weiter, es wurde schon langsam dunkel aber Flutlicht gab es hier zum Glück. Zur besten TV Sendezeit um 20:15 Uhr ging das Match also in die Verlängerung. Hoffentlich gibt es nicht noch eine Pause, es wird langsam schon lächerlich. Da Rafa eine überzeugende Vorstellung bot, machte ich mir auch keine Sorgen das ihn die zweite Pause aus dem Konzept bringen könnte. Ferrer kam gar nicht mehr rein in das Match, er machte nur noch ein Spiel zum 2-3 bevor Rafa davonzog und den Satz relativ entspannt 6-2 gewann. Die Freude war bei allen natürlich groß, nach Monte Carlo hat er jetzt gleich noch ein Masters Turnier gewonnen, langsam kommt alles wieder ins rollen.
Rafa freute sich natürlich wieder wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Schon alleine um das zu sehen lohnt es sich die Matches zu gucken. Obwohl er schon so viele Turniere gewonnen hat sieht man, dass es nichts Selbstverständliches für ihn ist, er freut sich immer wieder als wäre es der erste Turniersieg. Da hatte sich der verkorkste Abend wenigstens doch noch gelohnt. Es war auch höchsten halb so spannend wie gestern aber das hatte auch schon ausgereicht.
Jetzt konnte sich auch Sara mal freuen, sie glaubte ja das Rafa immer verliert wenn sie da ist aber sie war ganz aufgekratzt und total aus dem Häuschen. Bis die offizielle Siegerehrung vorbei war warteten wir noch bevor wir unsere Plätze verließen und uns schleunigst auf dem Weg zum locker room machten. Wir müssen Rafa auf dem Gang abpassen weil wir ihn sonst ewig nicht sehen wenn er erst in der Pressekonferenz sitzt. Mit der Idee waren wir nicht alleine da ihm anscheinend jetzt jeder persönlich gratulieren will. Ich musste mich vorerst auf eine Umarmung beschränken weil Rafa gar keine Zeit hatte für lange Glückwünsche.

Da wir nicht warten wollten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel und setzten uns an den Pool. Jetzt wo alles vorbei ist regnet es natürlich nicht mehr. Da der Flug für heute auch ausfällt, haben wir jetzt also noch eine Nacht länger in Rom. Kommt mir auch gelegen, ich hätte keine Lust gehabt heute Abend noch quer durch Südeuropa zu fliegen. „Jenny sitzt bestimmt eben vor ihrem Rechner und machte fiese Screenshots von uns“ Kam es plötzlich total ernst von Sara.
Es kam so trocken, dass ich laut loslachte. „Lass sie doch wenn sie sonst keine Hobbies hat“ “Hoffentlich ist mein Gesichtsausdruck heute etwas intelligenter“ “Dich kennt doch niemand außerdem waren wir doch gestern aufgeregt“ Hinter einer großen Palme tauchte Rafa dann wie aus dem Nichts auf und kam im Dauerlauf direkt auf unseren Tisch zu gelaufen. Ein paar Meter hinter ihm waren Costa und Maymó und die scheinen so eine Art Verfolgungslauf zu machen. Im Vorbeigehen warf Rafa sein Handy bei uns auf den Tisch und rannte dann eine große Runde um den Rand vom Pool. Sara saß mit offenem Mund da und verfolgte gebannt das bizarre Schauspiel.
Mein Gesicht war sicher auch gut, was zum Teufel machen die da? Sind die nicht ein bisschen zu alt zum Fangen spielen? Kurz bevor Maymó Rafa zufassen bekam, sprang er in den Pool. Er hat nur vergessen sich vorher auszuziehen, mir war zumindest nicht erklärbar wieso er einfach in den Pool springt. Costa und Maymó standen am Rand und kringelten sich vor Lachen während Rafa mit einem eigenartigen Gesicht zum Rand schwamm. Toni traf inzwischen auch noch ein und der lachte auch schon so. Ich sah zu Sara und fragte mich ob ich eben bei der versteckten Kamera bin. Rafa kletterte aus dem Pool und zog eine Wasserspur hinter sich her bis zu unserem Tisch. Er sah wortwörtlich wie ein begossener Pudel aus.
„Zum Glück seit ihr hier sonst hätte ich mir jetzt ein neues Handy kaufen können“ Meinte er dann mit einem breiten Lächeln. Ich sah langsam an ihm nach unten und konnte nicht wirklich lachen. Er soll mir ja nicht zu nahe kommen solange er die nassen Klamotten noch an hat. „Würdest du uns bitte aufklären was das Theater zu bedeuten hat?“ Fragte ich dann ganz ruhig. “Die zwingen mich immer in den Pool zu springen wenn ich ein Turnier gewonnen habe, leider weiß ich aber vorher nicht wann genau“ Aus allem raus fing Sara plötzlich an zu lachen. Ich sah zu ihr und überlegte was so lustig ist. „Es tut mir leid aber er sieht zu komisch aus“ Meinte Sara nur und versuchte nicht total die Kontrolle über sich zu verlieren. Bevor ich daran denken konnte was Rafa als nächstes macht, kam er näher und wollte mich umarmen.
Geistesgegenwärtig sprang ich vom Stuhl auf und brachte mich in Sicherheit. „Geh weg“ Rief ich laut und lief vor ihm weg. „Ich will dich doch nur umarmen!“ Ich sah kurz auf die andere Seite vom Pool. Toni kriegte sich kaum noch ein vor Lachen, die haben hier alle eindeutig viel zu viel Spaß! „Erst wenn du dich umgezogen hast“ Antwortete ich aus sicherer Entfernung. „Spielverderberin!“ Kam es nur bevor er sich umdrehte und ins Hotel verschwand. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und setzte mich wieder zu Sara an den Tisch. „Wie im Kindergarten ist das hier“ Meinte ich mehr zu mir selbst. „Geht das immer so?“ Fragte Sara dann nach einer Weile. Sie hatte sichtlich Mühe ernst zu bleiben, mal sehen wann sie wieder anfängt zu kichern. „Keine Ahnung, ich war nicht bei anderen Turniersiegen dabei und Monte Carlo war ganz normal. Manchmal glaube ich wirklich das er in großen Schritten rückwärts macht“ Inzwischen musste ich auch schon lachen.
„Fragt sich was er macht falls er Roland Garros gewinnen sollte…“ Oh Gott, daran möchte ich lieber gar nicht erst denken! „Dann rastet er wahrscheinlich vollkommen aus“

Zum Glück blieb ich dann von weiteren Ritualen verschont. Nachdem Rafa sich umgezogen hatte, gingen wir essen um alles etwas sacken zu lassen. Sara verhielt sich so ruhig, vielleicht war sie ja schon traurig weil das Turnier schon vorbei ist und sie Rafa dann nicht mehr sehen kann. Wenigstens kam sie zu ihren Bildern.
Nachdem sie sich erst nicht traute, hat sie dann doch gefragt ob sie ein paar Bilder mit ihm machen kann. Ich wollte sie ja eigentlich schon direkt nach dem wir wieder im Hotel waren fragen was los ist aber dann war Rafa der Meinung das ich auch noch am nächsten Tag mit ihr reden könnte.

Da ließ ich mich dann aber nicht mehr abhalten zu ihr zu gehen also lief ich am nächsten Tag direkt nach dem Frühstück zu ihrem Zimmer. Ein paar Minuten bleiben noch bis es zum Flughafen geht. Sie öffnete auch gleich die Tür als ich geklopft hatte. „Hi“ Sagte ich nur und zog ein breites Lächeln. „Hi“ Kam es etwas überrascht zurück, sie hat mich wohl nicht erwartet.
„Hast du jemand anderes erwartet?“ Fragte ich neugierig nach. „Nein, ich dachte nur wir sehen uns dann wenn wir zum Flughafen fahren“ Sie machte eine einladende Handbewegung also lief ich an ihr vorbei in ihr Zimmer. Sie hatte auch schon ihren Koffer gepackt wie ich gleich sah. „Ich wollte nur mal fragen ob gestern irgendwas war. Ich meine, du hast so einen nachdenklichen Eindruck auf mich gemacht“ Sie setzte sich hin und zog ein verlegenes Lächeln.
„Mir wurde nur klar, dass ich heute nach Hause muss“ Ich setzte mich auch hin und nickte dann mit dem Kopf da ich ja schon sowas vermutet habe. „Dachte ich mir“ “Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll aber die letzten Tage waren total abgedreht. Es wird so ein Hype um Rafa gemacht, dass man dann fast enttäuscht ist weil er auch nur normal ist. Er ist erschreckend normal, das sagen ja immer alle aber es ist was anderes das auch selbst zu sehen.
Ich frage mich wie der das aushält ohne durchzudrehen“ “Ich glaube er lässt es nicht so nah an sich ran alles. Ihm ist bewusst, dass es alles nur Show und Fassade ist. Wenn er öffentlich irgendwo auftritt oder wenn er Essen geht und da vielleicht noch andere Leute als die aus seinem Team dabei sind, weiß er was von ihm erwartet wird. Er ist ja fast schon überhöflich zu allen Leuten egal ob er sie kennt oder nicht, dass gehört einfach dazu. Ich weiß, dass er auch sehr gerne darauf verzichtet ständig im Mittelpunkt zu sein. Er ist den Umgang mit den Medien inzwischen gewohnt aber er würde wohl nie von sich aus vor eine Kamera rennen. Anfangs habe ich mich auch gefragt wie er es schafft nicht abzuheben, mir kam es immer so vor als wenn er ständig alles unter Kontrolle hat. Es gibt auch andere Seiten von ihm, die sieht die Öffentlichkeit aber nicht“ Ganz langsam erschien ihr Lächeln wieder.
„Ich weiß es zu schätzen, dass ich die Möglichkeit hatte ihn mal ein paar Stunden abseits des Turnierwahnsinns zu sehen. Das hätte ich vor einem Jahr schlichtweg nicht für möglich gehalten“ Wenn ich länger darüber nachdenke, ist es auch unglaublich alles. „Bedanke dich bei Rafa, er hat es eingefädelt“ “Du hast Recht“ “Ich dachte auch so manches nicht vor einem Jahr und jetzt sieh wo wir gelandet sind. So verzweifelt habe ich keinen Freund gesucht und an Rafa hätte ich als allerletztes gedacht. Es wäre mir ja nicht im Traum eingefallen ihn mit etwas anderem als Tennis zu verbinden, bis zu diesem schicksalhaften Tag vor fast einem Jahr in Porto Cristo. Ich dachte echt ich habe Halluzinationen als ich ihn in dieser Bar gesehen habe“ “Kann ich verstehen, das wäre mir sicher auch so gegangen“ Ich sah kurz auf meine Uhr und stand dann wieder auf. „Ich muss leider los, muss noch was einpacken“ “Bis gleich“

Ich hätte ja gerne noch mit ihr weiter geredet aber ich musste wirklich los. Es ging dann Schlag auf Schlag. Sara fuhr mit zum Flughafen, sie fliegt erst später und hat noch ein bisschen Zeit aber wir mussten uns beeilen. Sie fuhr nur schon immer mit weil sie sich so den Zubringer zum Flughafen sparen konnte und es kam ihr sicher auch gelegen wenn sie Rafa so lange wie möglich sehen kann.
Nach dem Check in trennten sich unsere Wege vorerst. Wenn ich in einer Woche wieder zu Hause bin, sehen wir uns ja wieder. An zu Hause wollte ich jetzt nicht denken, ich freute mich schon auf Porto Cristo, dort war ich schon viel zu lange nicht mehr und Rafa freute sich auch schon wenigstens mal für ein paar Tage zu Hause zu sein.

Chapter 52

Sara setzte sich hin und holte tief Luft. „Wir wurden enttarnt“ Ich ging näher hin und tatsächlich, da stand mein Name und auch der von Sara! Das war aber nicht die Seite von einer Fotoagentur sondern es sah eher nach der Fanseite aus wo Sara immer ist. Im ersten Moment war ich erschrocken meinen Name dort zu sehen aber das war nur eine Zeitfrage von daher war ich darauf vorbereitet. „Na super“ Murmelte ich nur und schnappte nach Luft. Sara schüttelte langsam mit dem Kopf und sah dann wieder zu mir.
„Das war Jenny“ Im ersten Moment glaubte ich mich verhört zu haben. Jenny? Bei dem Name klingelte es bei mir. Etwa die Jenny, die ich vermute? Jetzt musste ich doch erstmal tief Luft holen. „Das ist nicht dein Ernst!“ Sagte ich vorsichtig und wusste aber schon, dass sie es gewesen ist. „Doch“ Kam es nur deprimiert mit einem Kopfschütteln. „Der Kontakt zu ihr ist schon vor ein paar Monaten abgerissen. Ich weiß nicht was die geritten hat das die unsere Namen da schreibt. Als dieses Bild aus der Bar auftauchte, hat sie noch gesagt, dass sie nichts erzählen wird“ Ganz toll, ich wusste gleich das die mit Vorsicht zu genießen ist aber das die wirklich so dreist ist, hätte ich nicht gedacht. Was für ein Glück das ich sie nur zweimal gesehen habe. Sollen wir uns noch bei ihr bedanken das sie nicht gleich noch unsere Adresse dazu geschrieben hat?
Das zeigt eindeutig, dass man niemandem aus dem Internet trauen sollte. Rafa fiel mir inzwischen wieder ein, der stand noch neben mir und hatte keine Ahnung was los ist also brachte ich ihn mal auf den aktuellen Stand. Begeistert war er auch nicht aber was konnten wir schon tun? Rafa zuckte jedenfalls nur mit den Schultern und sah dann fragend zu mir. Sara hatte vielleicht Angst das Rafa sie einen Kopf kürzer macht aber aufregen bringt doch auch nichts. „Können wir jetzt auch nicht mehr ändern“ Meinte ich dann nur zu Sara. „Schon aber es ist echt deprimierend das sie erst einen auf beste Freundin macht und dann sowas“ “Du hättest es mir ja nicht geglaubt wenn ich es gesagt hätte aber ich wusste gleich das die mit Vorsicht zu genießen ist. Du weißt doch was sie alles gemacht hat, wie normal kann so jemand schon sein?“ “Ich wollte das wirklich nicht“ Ich lief näher zu ihr und zog sie vom Tisch hoch.
„Vergiss es und denke nicht so viel nach, ich habe Hunger und will jetzt nicht den ganzen Abend nachgrübeln“ “Du bist also nicht sauer auf mich?“ “Nein, was hätte ich denn davon? Außerdem ist es doch nicht deine Schuld“ Sie konnte sogar schon wieder ganz leicht lächeln. „Schon gut, ich wollte es ja nur zeigen“ Sie hatte wohl vor Schreck sogar Rafa vergessen da sie sonst ja kein Wort rauskriegt wenn er in der Nähe ist.

Nachdem Sara den Schreck mit dem Bild überwunden hatte konnten wir endlich mal Essen gehen. Ich dachte schon mein Magen knurrt noch laut wenn es nicht bald was zu essen gibt. Rafa durfte noch Autogramme schreiben und Bilder mit Fans machen vor dem Hotel also dauerte es so noch länger. Ich machte mit Sara einen Bogen um die Leute und wartete mit ihr im Auto auf Rafa. Obwohl Sara doch wissen müsste das es immer so ist wenn Rafa auftaucht, sah sie total sprachlos aus dem Fenster. Hoffentlich denkt sie jetzt nicht wieder nach und verfällt in einer erneute Schockstarre. Auf dem Weg zum Restaurant sagte niemand etwas aber es war nicht weit weg vom Hotel.
Costa hatte wohl alles eingefädelt und vorbestellt da keine Panik ausbrach als wir das Restaurant betraten. Einige Leute guckten teils erschrocken, teils erstaunt aber ansonsten passierte nichts weiter. Ich war auch mehr damit beschäftigt mir auszusuchen was ich esse als darüber nachzudenken ob mich eben jemand beobachtet. Rafa saß links neben mir und Sara rechts, Toni, Carlos und Maymó uns gegenüber auf der anderen Seite. Das ist ja nur die kleine Privatrunde, oft gehen da noch Turnierveranstalter, andere Spieler und was weiß ich alles mit Essen. Das Problem mit Sara ist nur das sie wohl nix versteht von dem was gesprochen wird. Mir zuliebe redet ja niemand mallorquí wenn ich dabei bin aber Sara kann auch mit dem normalen spanisch nix anfangen.
Es ist wirklich zu viel verlangt wenn alle nur wegen ihr englisch reden sollen. Wenn etwas Wichtiges passiert, kann ich es ja ihr übersetzen. „Ich fühle mich wie im Zoo“ Kam es plötzlich von der Seite. Ich sah zu Sara rüber und musste dann lachen. „Wieso das denn?“ Sie sah geradeaus auf den Tisch und nuschelte etwas unverständlich während sie so tat als wenn nichts wäre, es sollte wohl keiner merken. „Sieh mal ganz unauffällig zum Tisch schräg gegenüber. Die beobachtet mich ständig“ Ich versuchte so unauffällig wie nur möglich meinen Blick schweifen zu lassen. Da war nix weiter, da saß nur eine Familie mit zwei Kindern. Die eine Tochter war vielleicht ungefähr 14 und die starrte ganz unverfroren zu uns rüber.
„Mache dir nix draus, die beobachtet nicht dich“ “Weiß ich aber ich fühle mich wie bei big brother“ “Das ist überall so wo Rafa auftaucht. Mich stört es schon fast nicht mehr, ich meine am Anfang habe ich mich auch immer total blöd gefühlt, als hätte ich einen Fleck irgendwo oder so“ “Zum Glück bin ich nicht bekannt. Ich dachte immer das ist nicht so schlimm und das die Leute sich nicht so haben sollen aber es nervt schon. Das erinnert mich an diese hässliche Szene vom Flughafen in Palma als Rafa letztes Jahr die Australian Open gewonnen hatte und zu Hause ankam. Wenn mich jemand ungefragt umarmen würde, könnte ich für nichts mehr garantieren“ “Das war selbst Rafa zu viel und der hat sich da eigentlich nicht so“ Ich merkte dann auch das Rafa zu mir sah und wohl auch Interesse an meinem Gespräch mit Sara hatte. „Wir reden nur über dich“ Meinte ich breit grinsend. „Ist mir nicht entgangen“ Kam es mit einem breiten Lächeln zurück. Er braucht gar nicht so zu tun, er hat doch sowieso nix verstanden von seinem Name abgesehen. „Wir werten nur eben das Palma Flughafen Desaster nach den Australian Open letztes Jahr aus“ “Erinnere mich nicht daran!“

Nach einer Weile beruhigte sich Sara dann auch wieder, ich war froh das sie wohl langsam wieder auf den Teppich kam. Nach dem Schock mit Jenny kam ja alles zusammen heute. Nachdem wir eine Weile in dem Restaurant waren und sie wohl gemerkt hat, dass Rafa nicht Allgemeingefährlich ist, entspannte sie sich wieder ein wenig. Das ist wohl immer nur der Schock wenn die Leute Rafa zum ersten Mal sehen. Nach einer Weile geht es meistens wieder, ich war ja selbst erschrocken als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Vor ein paar Wochen hätte ich mir ja nie träumen lassen mal mit Sara und Rafa an einem Tisch zu sitzen. Das erschien mir da wie ein utopisches Märchen. So könnte das von mir aus öfters gehen. Ich könnte die ganze Tour mitmachen wenn Sara dabei ist, es wird nie langweilig mit ihr. Leider geht das aber nicht und ich muss mir meine freie Zeit einteilen.
Es wäre schon spannend mal ein Jahr lang mit Rafa um den Globus zu ziehen. Hätte ich genug Geld und müsste nicht arbeiten, würde ich das sofort machen. Es gibt ja Spieler die ihre Freundinnen oder Frauen überall dabei haben. Einerseits klingt das verlockend aber auf der anderen Seite würde mir das den Boden unter den Füßen wegziehen, mein ganzes Leben würde aus den Fugen geraten. Vorerst ist es schon gut so wie es jetzt ist, ein bisschen Freiraum schadet niemandem. Aus den Gedanken gerissen wurde ich dann erst wieder als mir auffiel, dass Sara ständig und ziemlich penetrant an mir vorbei sieht. Ich sah kurz nach links, Rafa hatte seinen rechten Arm auf dem Tisch liegen und außer den Tellern gab es sonst nichts zu sehen. Erst dachte ich sie hat ihre Uhr vergessen und versucht rauszufinden wie spät es ist aber ihre Uhr war an ihrem Handgelenk.
„Was ist?“ Fragte ich sie leise da ich keine Lust hatte lange zu überlegen was los ist. „Hast du dir mal die Uhr genauer angesehen?“ Ach, das meinte sie. Wenn sie so fragt, nein ich hatte mich auch nicht so genau damit befasst. Er hat mir erzählt, dass er die von einem neuen Sponsor bekommen hat und das er damit demnächst auch spielt aber ich hatte mich nicht weiter dafür interessiert. Rafa kann schon fast einzeln aufzählen was er nicht von irgendwoher geschenkt bekommen hat. „Nein aber wenn wir schon die Möglichkeit haben…“ Ich griff nach seiner Hand und zog seinen Arm näher zu uns. „Wir gucken nur deine Uhr an“ Meinte ich gleich da er uns fragend ansah. Damit gab er sich wohl zufrieden und sah wieder zu Toni. Es scheint mir so als wenn die jetzt den restlichen Abend Fußball Ergebnisse auswerten also bin ich froh das Sara hier ist.
Zwar sahen wir die Uhr jetzt falsch rum aber ich fand da sowieso nix besonderes dabei. Für mich wäre das ja nix, die war ganz einfach schwarz mit einem Kunststoffband. Da gab es nicht mal ein Ziffernblatt, stattdessen sah man verschiedene sich drehende Zeiger und Räder. „Mhh also ich weiß ehrlich gesagt nicht was er an dem Teil findet. Das sieht irgendwie einfach aus alles“ Meinte ich so aus den Gedanken heraus und sah dann aber das betroffene Gesicht von Sara. Die sah auch erst ganz fasziniert auf die Uhr nur traute sie sich nicht zuzugreifen. „Das stimmt, eine modische Sensation ist es nicht gerade. Ich hätte aber Angst sowas teures mit mir rumzutragen“ Ich runzelte meine Stirn und sah in ihr Gesicht. „Teuer?“ Was meinte sie mit teuer?
Ich will mir kein Urteil anmaßen aber so teuer wird die schon nicht sein, außerdem hat er ja nichts dafür bezahlt. „Na ja also ich finde 500.000 schon teuer“ Im nächsten Augenblick musste ich erstmal schlucken. Hat sie eben 500.000 gesagt? „Meinst du 500.000 Yen oder was?“ Fragte ich zurück und glaubte noch an einen Scherz von ihr. „Euro, nicht Yen. Die ist limitiert auf 50 Stück weltweit und da sind irgendwelche neuartige Materialien eingebaut, kostet jedenfalls 500.000 im Laden“ Jetzt war ich aber wirklich verblüfft. “Ach du Schande! Das wusste ich wirklich nicht, er hat es mir zwar erzählt aber danach habe ich nicht gefragt. Ich dachte nicht das es so teure Uhren überhaupt gibt, da ist ja eine Rolex ein Schnäppchen dagegen, die kostet viel mehr als sein Lieblingsauto!“ “Exakt, ich dachte du wüsstest davon!“ “Ist besser das ich es nicht wusste. Ich kann nicht glauben das er eine halbe Million am Arm spazieren trägt“ Sie zog ein verräterisches Lächeln und kicherte schon so. „Also wenn du mal schnell Geld brauchst…“
Sagte sie dann ganz verschwörerisch, dass brachte mich erst Recht zum Lachen. „…klaue ich ihm die Uhr und verscheuere sie meistbietend“ Vervollständigte ich ihren Satz und konnte mich kaum bremsen vor Lachen. „Fragt sich nur ob du einen Dummen findest der das Geld dafür ausgibt. Ich meine der Materialwert ist sicher nicht so hoch. Das ist wie mit teuren Bildern, die sind erst dann soviel wert wenn es einen Dummen gibt der das Geld wirklich ausgibt dafür“ “Woher weißt du eigentlich davon?“ “Im Internet bleibt nichts lange geheim. Offiziell macht er glaube ich erst ab den French Open dafür Werbung“ “Das wusste ich sogar auch schon!“ Ist ja nicht zu fassen, dass er mir dieses kleine aber doch wichtige Detail vorenthalten hat. Oder hat er nichts gesagt damit ich keinen Schreck bekomme? Da kann ich ihn ja in einer ruhigen Minute nochmal fragen.

Als wir dann im Hotel zurück waren und alleine waren, wollte ich gleich nochmal nachhaken bevor ich es vergesse. „Warum hast du mir nicht gesagt wie viel die Uhr wert ist?“ Fiel ich gleich mit der Tür ins Haus als die Tür zu unserem Zimmer nach uns zu war. Sauer bin ich ja nicht, ich fragte aus reinem Interesse. Er sah kurz auf die Uhr und zog dann ein verlegenes Lächeln. „Ich wollte dich nicht so schocken“ “Trotzdem! Ich dachte schon Sara hat Anwandlungen weil sie so komisch guckte“ “Ich würde niemals damit rumlaufen oder spielen wenn ich wüsste, dass der reine Materialwert auch 500.000 ist. Das kommt daher weil es nur 50 Stück gibt“ “Meinte Sara auch aber das rechtfertigt es nicht. Hättest du die gekauft, würde ich dich für verrückt erklären“ “Da kann ich dich beruhigen, ich habe schon lange genug wegen dem Auto überlegt, ich hätte die mit Sicherheit nicht gekauft. So muss ich mein Geld nun nicht zum Fenster rauswerfen“
Ich sah kurz an mir nach unten und musste dann lachen, es war zu grotesk. „Die Hosen die ich eben an habe kamen gerade mal 15 Euro als ich die gekauft habe, war damals ein Sonderangebot. Für 500.000 Euro könnte ich grob überschlagen über 3300 Paar davon kaufen“ “Das sieht dir ähnlich das du so viele Klamotten kaufen würdest!“ “Teuer kaufen kann ja jeder, das ist kein Kunststück“ Rafa kam langsam näher und blieb dann direkt vor mir stehen. Ich sah in seine Augen und überlegte was das werden soll. „Willst du mir jetzt stundenlang Vorträge halten was du für 500.000 Euro alles kaufen könntest?“ Ich rollte mit den Augen und schlang meine Arme um seine Hüften, da er sowieso schon so nah vor mir stand.
„Warum? Hättest du das gerne so?“ Fragte ich ganz unschuldig zurück weil ich doch weiß, dass er das nicht hören will. Ich wollte doch nur sehen wie er sein Gesicht verzieht und lange musste ich darauf auch nicht warten. „Ich weiß das es der größte Fehler meines Lebens wäre aber ich würde zu gerne sehen was du alles kaufst wenn ich dir 500.000 Euro geben würde“ “Das kann ich dir sagen, außer Klamotten brauche ich auch immer Schuhe und Taschen in allen Varianten. Es gibt nichts Schlimmeres als wenn man keine passende Tasche zum Outfit hat. Überhaupt, wieso wäre das ein Fehler?“ “Nicht wegen dem Geld aber das Zeug muss ja dann alles irgendwo hin“ “Du kannst ja das Grundstück neben deinem Haus noch kaufen und dort für mich eine Lagerhalle bauen“ Ein paar Sekunden sah er mich andächtig an. „Du bist verrückt!“ Kam es dann entschlossen mit einem breiten Grinsen. „Gracias, das Kompliment zurück“ Antwortete ich frech.
„An deiner Stelle wäre ich vorsichtig sonst kannst du bei deiner besten Freundin übernachten“ “Das wäre kein Problem für mich. Die Frage ist wie lange es dauern würde bis du vor der Tür stehst und jammerst das ich hier schlafen soll“ “Ach so ist das, du glaubst also das ich sowieso nicht so verrückt bin dich woanders übernachten zu lassen weil ich keine Minute von dir getrennt sein kann?“ Ja, das war eine gute Zusammenfassung meiner Gedanken! Er würde mich doch niemals woanders übernachten lassen. „So in etwa“ Meinte ich ganz überzeugt. “Ok, ich habe es mir überlegt, du kannst doch hier bleiben“ Da er mich so anstrahlte, legte ich einen Arm um seine Schulter und küsste ihn kurz. „Ich wäre sowieso nicht gegangen. Ich bin vielleicht verrückt aber nicht so dumm freiwillig auf dich zu verzichten“

Am nächsten Tag konnte ich mal ausschlafen oder besser gesagt Rafa nannte es zumindest so. Er stand statt um sieben dann eben um acht auf. Da ich ihm aber ja versprechen musste mich nicht mehr aufzuregen sagte ich nichts. Nach dem doch sehr interessanten Abend gestern wäre es mir lieber gewesen wenn er noch eine Weile im Bett geblieben wäre aber damit war es nichts. Es ist immer das gleiche, abends kann er es kaum erwarten ins Bett zu kommen und am nächsten Tag steht er in aller Frühe auf. Er hatte ja auch am Freitag verkündet, dass er nicht trainiert vor dem Finale, das sah heute schon ganz anders aus. Ich saß noch im Bett als er aus dem Bad kam und versuchte nicht gleich wieder einzuschlafen.
„Musst du wirklich schon weg?“ Fragte ich etwas hilflos aber ich kannte die Antwort sowieso schon. Er kam näher und setzte sich neben mich auf die Bettkante. „Ich bin nicht lange weg, wir können morgen bis Mittag im Bett bleiben“ Langsam musste ich lächeln. „Versprochen?“ Er küsste mich kurz am Hals und zog dann das unwiderstehliche Lächeln. “Versprochen!“ Mhhh, also das klang doch schon richtig gut! „Ok, dann verschwinde!“ Meinte ich nur und gab es auf. Er küsste mich kurz und stand auf. „Bis später“

14 June 2010

Chapter 51

Eigentlich wollten wir auf Rafa warten und dann zusammen zum Hotel fahren aber er tauchte nicht mehr auf, wahrscheinlich dauert die Pressekonferenz heute länger. Es war schon bald um acht also gaben wir es auf und fuhren alleine zum Hotel zurück. Ich machte es mir alleine im Bett bequem und war froh mal ein bisschen Ruhe zu haben nach dem turbulenten Abend. Zwar hatte ich nicht geplant jetzt den ganzen Abend fernsehen zu gucken aber zumindest bis Rafa hier ist kann ich ja gucken. Ich zappte ein bisschen durch die Kanäle und blieb bei einem Musiksender hängen. Kaum war ich durch mein Handy kurz abgelenkt, ertönten die ersten Takte von Gypsy.
Ich traute erst meinen Ohren nicht und sah dann wieder zum TV. Es fiel mir schwer nicht gleich nach der Fernbedienung zu greifen um umzuschalten. Das fehlte mir jetzt gerade noch. Jetzt lief es aber sowieso schon und ich kann nicht wegsehen wenn ich Rafa sehe. Außerdem merkt ja jetzt keiner, dass ich es sehe. Ich war schon stolz auf mich das ich in den letzten Monaten erfolgreich einen Bogen darum gemacht hatte und jetzt kommt das hier! Wegschalten kann ich dann ja immer noch oder wegsehen also versuchte ich entspannt zu bleiben. Erstaunlicherweise hielt ich es bis zum bitteren Ende aus und holte dann erstmal tief Luft. In der fertigen Version sieht es natürlich nochmal anders aus als ich es gesehen habe. Besonders glücklich bin ich nicht über das Ende aber es ist jetzt auch egal.
Ich habe mich schon lange genug darüber aufgeregt und inzwischen stehe ich da drüber. Ich sehe mich lieber selbst in der Rolle die Shakira da spielt. Vielleicht habe ich mich da wirklich in etwas verrannt und völlig unnötig Panik erzeugt.

So lange konnte ich auch nicht nachdenken weil sich Rafa inzwischen die Ehre gab und erschien. „Auch schon da?“ Fragte ich vom Bett aus und zog ein breites Lächeln. „Hast du etwa auf mich gewartet?“ Kam es zurück bevor er sich neben mir auf dem Bett längs fallen ließ. „No, wie kommst du darauf das ich wegen dir hier bin?“ Fragte ich zurück mit hochgezogenen Augenbrauen. Im nächsten Moment drehte er sich auf die Seite und umarmte mich dann. „Die Fragen waren heute besonders dumm“ “Es war ja auch ein besonderes Spiel. Ich dachte echt ich bekomme einen Herzinfarkt!“ “Ich wollte es so auch nicht, das kannst du mir glauben. Zwar habe ich sowas erwartet aber es war dann doch ziemlich eng. Mich wundert es das ich überhaupt gewonnen habe, denn eine Glanzleistung war das mit Sicherheit heute nicht aber ich freue mich natürlich im Finale zu sein“ “Ob du gut warst oder nicht ist jetzt egal, ich freue mich das du es am Ende doch noch geschafft hast“ Sein Lächeln ging im nächsten Augenblick vom einen Ohr zum anderen und ich bekomme immer weiche Knie davon.
„Das klingt wirklich gut wenn du es sagst“ Wenn er sich so freut, könnte ich schmelzen. In meinem Bauch kribbelt es richtig, das Gefühl hatte mir richtig gefehlt die letzten Wochen. Mir wurde da wieder klar, wie knapp es wirklich war. Um Haaresbreite hätten wir uns nie wieder gesehen, ein fürchterlicher Gedanke und das alles nur weil Rafa mindestens genauso stur ist wie ich. Die Stimmung wandelte sich langsam von der Ausgelassenheit hin zum Ernsten. Ich hatte das dringende Gefühl ihm nochmal sagen zu müssen, dass ich es wirklich zu schätzen weiß, dass er mir sozusagen noch eine Chance gibt. „Ich bin wirklich froh, dass wir wieder zusammen sind. Die ersten Tage nach Barcelona waren nicht schön. Ich habe dich schon vermisst als ich noch gar nicht zu Hause war. Irgendwie wird mir jetzt erst so richtig klar wie knapp es alles war, ich hätte es möglicherweise den Rest meines Lebens bereut wenn das so mit uns auseinander gegangen wäre“ Ich sah schon das er damit nicht gerechnet hatte, sein Lächeln verschwand dann nach und nach.
„Mir wurde auch erst viel zu spät klar, dass es vielleicht der falsche Weg gewesen ist. Zum Glück hat Maymó sich eingemischt. Ich finde es nicht gut was er gemacht hat aber am Ende bin ich froh das er reagiert hat. Das du jetzt hier bist ist der beste Beweis dafür. Natürlich freue ich mich morgen im Finale zu sein. Nach fast einem Jahr ohne Turniersieg hat Monte Carlo richtig gut getan und es wäre sehr schön hier auch zu gewinnen aber ich freue mich fast mehr darauf mit dir ein paar Tage alleine zu sein. Mir nützen alle Turniersiege nichts wenn ich es nicht mit dir teilen kann. Meine Familie und Freunde freuen sich ja auch aber das ist etwas anderes“ Wenn er nicht gleich aufhört, werde ich noch rot, mir wurde es schon warm im Gesicht. Klar fühle ich mich da geschmeichelt. Wenn Rafa spielt, kommt er immer ziemlich abgeklärt rüber aber die Person auf dem Platz hat nicht viel mit dem privaten Rafa gemeinsam.
„Dafür liebe ich dich“ Ich dachte ja sein breites Lächeln kommt gleich aber er machte ein verwirrtes Gesicht was mich noch mehr zum Schmunzeln brachte. „Wofür?“ Fragte er auch gleich. „Dafür das du eine Grenze ziehen kannst zwischen dem hier und deinem Leben in Porto Cristo. Dein Leben ist nicht wirklich so normal wie du es gerne siehst aber gemessen an dem was du machen könntest ist es noch langweilig. Ich meine du könntest ja Geld in Bündeln aus dem Hotelzimmer werfen einfach aus Spaß“ Immerhin erschien sein Lächeln dann wieder. “Das ist eine tolle Idee! Ich gehe gleich zur nächsten Bank und hole 10.000 Euro in bar“ Das war durchaus mein Ernst gewesen aber ich hätte ahnen können das er es ins lächerliche zieht, mir bleibt keine Wahl als mit dem Kopf zu schütteln. „Du bist wie ein Kleinkind manchmal!“ Er fand das aber gar nicht schlimm, im Gegenteil, sein Lächeln wurde noch breiter.
„Da musst du durch wenn du mit mir zusammen sein willst“ Ich legte einen Arm um seinen Hals und zog ihn näher zu mir, inzwischen lag er halb über mir und grinste mich breit an. „Ich schenke dir ein ferngesteuertes Auto zum Geburtstag oder willst du lieber einen Titanic Modellbausatz?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und übertrieben ernst. Bevor ich wusste was los war küsste er mich kurz und grinste dann weiter. „Also wenn du so direkt fragst, hätte ich gerne was anderes von dir“ Bei dem Gesicht das er eben machte, muss er gar nichts weiter sagen. Ich sagte nichts sondern rollte nur mit den Augen aber das hielt ihn nicht davon ab mich am Hals zu küssen. Seine Haare kitzelten nur an meinem Hals also musste ich kichern und versuchte ihn von mir fernzuhalten nur war er ziemlich hartnäckig. „Höre auf!“ Versuchte ich streng zu sagen aber es interessierte ihn gar nicht. Das er rausfindet das ich kitzelig bin darf auf keinen Fall passieren weil ich mich sonst nicht mehr beherrschen kann und er das dann ständig ausnutzt. Es artete etwas aus denn es war nicht mein Plan, dass wir uns quer über das Bett wälzen und das ich vor ihm flüchten muss, mir tat nur schon alles weh vom Lachen und ich versuchte ihm zu entkommen.
Er gab erst auf als er auf dem Rücken lag und ich über ihm. So bekam ich auch seine Hände zu fassen und er konnte mich nicht mehr kitzeln. „Ich wusste gar nicht das du so kitzelig bist“ Meinte er dann auch gleich breit grinsend. „Gibst du auf?“ Fragte ich um sicher zu gehen. „Ich verspreche es“ Meinte er dann mehr oder weniger überzeugend also ließ ich seine Hände wieder los und lehnte mich näher zu ihm. Seine Haare waren total zerwühlt also strich ich ihm mit einer Hand vorsichtig ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Dabei kam ich ihm aber zu nah und es knisterte schon die ganze Zeit zwischen uns. Ich konnte nicht anders und musste ihn einfach küssen. Leider währte die Freude nur sehr kurz da plötzlich jemand an der Tür klopfte. Ich dachte echt das kann jetzt nicht wahr sein! Eigentlich wollte ich das Ignorieren aber leider war die Stimmung im Eimer also holte ich tief Luft und setzte mich dann wieder hin. „Na super!“ Meinte ich dann gefrustet mehr zu mir selbst. „Alles hat sich gegen uns verschworen“ Kam es von hinter mir.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und musste plötzlich lachen. „Wir gegen den Rest der Welt, ich glaube es gleich!“ Da es jetzt egal war, stand ich auf und lief zur Tür. Da es nur einmal geklopft hatte, tippe ich auf Sara und bingo, sie strahlte mich breit an als ich die Tür öffnete. „Komme ich ungelegen?“ Fragte sie auch gleich und sah über meine Schulter ins Zimmer. Wie gut, dass sie die Frage auf deutsch gestellt hatte sonst hätte Rafa sich vielleicht noch zu einem Kommentar hinreißen lassen. „Ach was“ Sagte ich nur als Antwort. „Hast du heute Abend noch etwas vor? Ich meine, ich will euch nicht stören“ Ich drehte mich um und sah zu Rafa, er war immerhin schon vom Bett aufgestanden. „Haben wir heute Abend schon etwas vor?“ Fragte ich laut damit er merkt, dass ich mit ihm rede. Er kam näher und blieb hinter mir stehen.
Ich sah schon wie Sara schluckte aber sie blieb noch ganz locker, ich stand ja praktisch auch zwischen ihr und Rafa. „Toni und Carlos wollen chinesisch Essen gehen, wir können ja mitgehen“ Kurz überlegte ich mir das. Ist vielleicht keine schlechte Idee, wenn ich mit Rafa und Sara alleine Essen gehe ist sie doch das fünfte Rad am Wagen. „Willst du mit chinesisch Essen gehen? Also Toni und Carlos Costa kommen noch mit“ Übersetzte ich das Ganze dann noch für Sara und sah sie fragend an. „Wenn es niemanden stört schon“ Das sie sich die Chance nicht entgehen lässt war ja auch klar! Wir machten noch eine Zeit aus und sie verschwand dann wieder.

Ich machte die Tür dann wieder zu und gab die Hoffnung das Rafa mal eine Weile nichts zu tun hat auf. Kaum ist er hier, klingelt entweder sein Handy oder es ist jemand an der Tür. Soll ich ihm jetzt sagen das ich Gypsy eben gesehen habe? Auf seine Reaktion bin ich schon gespannt und wer weiß ob wir heute Abend nochmal auf das Thema zu sprechen kommen. Erstmal lief ich zum Bett zurück und wartete bis Rafa wieder erscheint weil er ins Bad verschwunden war. „Was ist?“ Fragte er auch gleich als er aus dem Bad kam und mich auf dem Bett sitzen sah. „Nichts“ Antwortete ich nur mit einem vorsichtigen Lächeln. Er setzte sich neben mich und nahm meine Hand in seine. „Ich kann auch nichts dafür, dass ständig jemand stört aber wir haben ja Übermorgen unsere Ruhe“ Das brachte mich noch mehr zum Schmunzeln.
„Daran dachte ich eben nicht“ “Nicht?“ Fragte er gleich etwas überrascht zurück. Ich lehnte mich seitlich an ihn und überlegte was ich sage, ich will nicht das wir wieder streiten deswegen. „Gypsy kam vorhin“ Sagte ich nur und wartete auf seine Reaktion. „Das Video ?“ Fragte er vorsichtig zurück. Ich nickte mit dem Kopf und sah schon das er etwas ins Schwitzen geriet. „Muss ich in Deckung gehen?“ Fragte er nur mit einem gequälten Lächeln. Hat er so eine Angst vor mir? Ich konnte da nicht länger ernst bleiben und musste kichern. „Sei nicht albern!“ Ein paar Sekunden sagte dann niemand etwas. Die Stimmung war aber bei weitem nicht so angespannt wie damals in Barcelona. „Und was sagst du dazu?“ Traute er es sich dann nach einer Weile zu fragen. „Deine weiblichen Fans werden sich sehr darüber gefreut haben, die haben doch schon immer davon geträumt dich so zu sehen. Eigentlich ist es wirklich gut geworden, wenn man bedenkt das du kein Schauspieler bist. Ich hätte ein anderes Ende bevorzugt aber ich will jetzt nicht wieder Theater machen wegen dem einen Kuss“ Sein Gesicht entspannte sich sichtbar im nächsten Moment. „Ich finde eigentlich auch das es gut geworden ist, ich stehe dazu das ich das gemacht habe. Es war mal was ganz anderes als die normalen Werbespots und ich habe das mit dem Kuss sicher nicht gemacht weil ich dich ärgern wollte. Das es dir egal ist habe ich nicht erwartet aber mit der Art Konsequenzen hatte ich nicht gerechnet sonst hätte ich es nicht gemacht“ Da er mich deprimiert ansah, musste ich schon wieder darüber lachen und umarmte ihn.
„Es lief eben dumm, ich weiß das ich erst gesagt habe das ich dich nicht davon abhalten will aber es kommt manchmal anders als man denkt. Was ich wirklich schade finde ist das wir so lange keinen Kontakt hatten. Wir hätten ja auch nach einer Woche wieder reden können oder so, dass hätte deinem Physio eine Menge Stress erspart“ Sein Lächeln kehrte sofort zurück. „Nett von dir das du dir solche Gedanken um Maymó machst. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken das du ja ein sehr großes Interesse an ihm hast“ Ja ja, das fehlte jetzt noch das er mir unterstellt das ich auf Maymó scharf bin. “Das täuscht, ich meine er ist genauso oft weg wie du, da hätte ich ja nicht viel gekonnt oder?“ Rafa tat so als wenn er überlegen würde und nickte dann übertrieben mit dem Kopf. „Wenn du es von der Seite betrachtest stimmt das natürlich“ Ich konnte nicht mehr ernst bleiben und zwickte ihn in die Seite.
„Du spinnst aber man gewöhnt sich an vieles“ “Gleichfalls“ “Außerdem liebe ich dich. Aus welchem Grund sollte ich es dann auf Maymó abgesehen haben?“ “Das kann man nie so genau wissen“ Meinte er feixend also schlug ich scherzhaft nach ihm und stand auf. „Lass uns Essen gehen“

Fast pünktlich auf die Minute halb neun stand ich mit Rafa bei Sara vor der Tür. Wir wollten ja essen gehen und müssen jetzt erstmal alle Leute zusammensuchen. Kaum hatte ich an der Tür geklopft, ging sie auch schon auf von innen. „Bist du fertig?“ Fragte ich gleich gut gelaunt ohne abzuwarten was sie sagt. Sie sah mich etwas merkwürdig an und machte einen zögerlichen Eindruck auf mich. Etwas war los, ich sehe es ihr förmlich an. „Na ja, eigentlich schon aber ähhm hast du ganz kurz Zeit?“ Na jetzt wurde ich aber neugierig, ich sah kurz zu Rafa, er war mit seinem Handy beschäftigt und schien zu warten bis Sara erscheint. „Jetzt? Hat das nicht bis später Zeit?“ Fragte ich zurück. Sie sah mich schon fast mit einem flehenden Blick an, da kann man Angst bekommen. Mir entging nicht das sie unter Strom steht, warum auch immer.
„Dauert nicht lange, ich will dir nur was zeigen“ Na schön, wenn es ihr so wichtig ist, ein paar Minuten haben wir nun auch noch Zeit. „Gut aber beeile dich“ Sie drehte sich um und lief in ihr Zimmer zurück. Rafa merkte nichts und er hat ja auch nix verstanden also zog ich an seinem Ärmel und gab ihm zu verstehen, dass er mitkommen soll. Wir müssen ja nicht alles auf dem Gang klären. Erwartungsgemäß zog er ein fragendes Gesicht aber es war keine Zeit für Erklärungen. Sara drehte ihr Notebook zu uns um und im nächsten Moment sah ich mich selbst und Sara im Internet. Das war ein Bild von vorhin aus der players box, war doch klar das es davon Bilder geben würde. Die Aufregung verstand ich immer noch nicht. Ich sah kurz neben mich aber Rafa schien auch nichts zu verstehen. „Was ist so schlimm daran?“ Fragte ich dann da ich mir keinen Reim darauf machen konnte.

6 June 2010

Chapter 50

Das war so einfach gesagt. Rafa scheint sich vor uns zu verstecken weil niemand wusste wo er ist dabei kann er gar nicht so weit weg sein. Man muss eigentlich nur den Menschenmassen nachlaufen. Tja, können wir dann eben auch nicht ändern also gingen wir eben erstmal was essen. Während ich mit der Pasta auf meinem Teller kämpfte, machte Sara ein eigenartiges Gesicht. Ich sah sie an und überlegte was jetzt los ist, sie starrte an mir vorbei und saß da wie zur Salzsäule erstarrt. Sehr lange musste ich nicht raten wieso sie sich so komisch verhält aber sicherheitshalber drehte ich meinen Kopf nach hinten. Rafa gibt sich ja doch noch die Ehre sich mal zu zeigen vor dem Match. Er sah kurz durch das players restaurant und kam dann zielsicher auf uns zu als er uns entdeckt hatte. Na jetzt bin ich aber gespannt was Sara macht. Erst machte sie nichts, sie saß einfach da und starrte geradeaus. Im nächsten Augenblick saß Rafa neben mir und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. „Ich dachte schon du versteckst dich vor uns“ Sein grinsen wurde immer breiter. „Das würde ich nie tun“ Ich sah über den Tisch zu Sara, die saß noch immer da als hätte sie der Blitz eben getroffen. Rafa folgte meinem Blick und zog wieder das breite Lächeln. „Hola Sara, freut mich das wir uns mal kennen lernen. Ich habe schon eine ganze Menge von dir gehört“ Er meinte es sicher nur gut aber ich sah mich trotzdem gezwungen ihm einen warnenden Blick zuzuwerfen. Sara hat keine Ahnung wie viel Rafa wirklich über sie weiß und sie muss es ja nicht gleich erfahren. Er muss jetzt nicht so tun als wenn er es kaum erwarten könnte sie endlich mal zu sehen. „Hi“ Kam es nur von Sara und sie schien ziemlich zu schlucken weil sie vielleicht nicht damit gerechnet hat das Rafa sie kennt. Ist vielleicht doch zu viel des Guten. Es war schon amüsant zu sehen wie sie plötzlich keinen Ton rauskriegt und nur total ergriffen guckt. „Bleibst du eigentlich hier bis zu dem Match?“ Fragte ich dann um mal das Thema mal zu wechseln. „Sí, es geht zwar erst um vier los aber langweilig wird es mir schon nicht werden. Sie ist ein bisschen schockiert, no?“ Ich musste lachen und nickte dann mit dem Kopf. Da er nach seiner englischen Ansprache an Sara wieder zum spanisch übergegangen war, verstand sie es ja nicht. „Habe ich doch gesagt! Das gibt sich noch oder auch nicht“ “Bleibt ihr hier?“ Kam es dann aber doch wieder auf englisch. Es wäre auch gemein wenn wir jetzt spanisch reden damit sie nichts versteht. Ich sah kurz fragend zu Sara und dann wieder zu Rafa. „Ich denke schon, du musst keine Angst haben das wir so schnell verschwinden. Wir gucken derweil von hier aus was Verdasco und Ferrer machen“ Wir konnten ja von unseren Logenplätzen aus den Campo Centrale überblicken. „Das werde ich auch tun damit ich weiß was mich morgen vielleicht erwartet. Derweil überlege ich mir was für Gulbis“ Ja, er spielt heute im Halbfinale gegen Ernests Gulbis aus Lettland. Der hat es als ungesetzter Spieler bis ins Halbfinale geschafft und dabei überraschend Roger Federer in der zweiten Runde geschlagen. „Das kriegst du hin oder nicht?“ Fragte ich und bin eigentlich davon überzeugt, dass er gewinnt. “Ich hoffe doch aber es wird nicht einfach. Ich weiß nicht was mich erwartet weil sein Spiel schwankt je nach dem was er für eine Laune hat. Ich kann mich kaum auf ihn einstellen und muss abwarten was passiert. Er hat auf jeden Fall eine Menge Potential und einen ziemlich guten ersten Aufschlag“ “Wir drücken dir die Daumen“ “Ich weiß es zu schätzen“ Leider sah er dann schon wieder auf seine Uhr. „Leider muss ich los“ “Ist schon gut, wir sehen uns dann bei dem Match“ “Bis später“ Er zog wieder das umwerfende Lächeln während er aufstand und dann wieder aus dem players restaurant verschwand.

Ich sah ihm nach bis er nicht mehr zu sehen war und drehte mich dann wieder um. Sara saß noch da wie vom Blitz getroffen. Da fiel mir dann auch ein das sie eben keinen Ton gesagt hat und nur total verblüfft guckte. „Das meinte ich, der hat nie Zeit. Ich mache drei Kreuze im Kalender wenn wir in Porto Cristo sind morgen Abend“ Allmählich kam sie wohl wieder zu Sinnen, da ihr Lächeln immer breiter wurde. „Höre auf zu jammern, du kannst ihn fast die ganze nächste Woche sehen!“ “Du bist doch nur neidisch“ Meinte ich trocken und musste dann lachen. Ernst hatte ich das eben nicht gemeint. „Ich sage es nur ungern aber ja, ich bin neidisch“ “Das meinte ich auch nicht Ernst, ich weiß das er nicht hier ist um Urlaub zu machen außerdem werde ich ihn nicht die ganze nächste Woche sehen weil er da auch trainiert und ich da nicht mitgehe“ Sie lehnte sich andächtig nach hinten und grinste vom einen Ohr zum anderen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal hier her schaffen würde. Ich meine die players area“ “Ist gar nicht so schwierig hier her zu kommen“ Meinte ich dazu nur. „Für dich nicht, du hast keine Ahnung was manche tun würden um hier her zu kommen. Das ist der Traum aller Fans. Es ist total komisch zu sehen das Rafa hier alleine rumläuft und nicht hunderte Leute laut schreiend hinter ihm her sind“ “Das ist ja der Grund warum er hier ist und nicht bei den normalen Zuschauern. Denke nicht so viel nach sonst drehst du noch durch. Stell dir vor Rafa wäre nicht bekannt, der tut wirklich nichts“ “Das sagst du so leicht! Du guckst auch nicht seit Jahren jedes Match an. Ich meine wenn man es so lange vom PC aus verfolgt und im TV ist das alles so weit weg und nicht greifbar und jetzt bin ich plötzlich mitten drin, noch mehr als das. Das ist ein bisschen viel“ Meinte sie mit einem nervösen Lächeln. Ist es vielleicht doch alles zu viel für sie? „Kann ich ansatzweise nachvollziehen. Vielleicht würde ich auch durchdrehen wenn ich Rafa nur von Tennis kennen würde. Ich wusste ja schon wer es ist als ich ihn gesehen habe in Porto Cristo aber das ist schon einschüchternd was sich bei den Turnieren um ihn abspielt. Er hatte zwar jetzt nicht viel Zeit aber du bekommst deine Autogramme und Bilder schon noch“ “Ich will keine Umstände machen“ Man, wieso ist sie so zögerlich? Sie hat mir doch lange genug vorgeheult wie sehr sie mal ein Bild mit Rafa zusammen haben will. „Wir erwischen ihn schon noch, spätestens heute Abend wenn es hier nicht klappt“

Das erste Halbfinale war pünktlich zu Ende gegangen und somit kann Rafa pünktlich um 16 Uhr spielen. Wir waren schon eher auf unseren Plätzen und genossen die gute Aussicht. Das Stadion war ja neu gebaut worden und es war heute ausverkauft. Wenn Rafa spielt, ist es sowieso immer ausverkauft. Sara glaubte wohl noch, dass wir auf ganz normalen Plätzen sitzen weil sie ganz entspannt war und tonnenweise Bilder machte. Vor uns die Reihe war noch frei weil Toni, Costa und Maymó noch nicht da waren. Das grinsen verging ihr aber schlagartig als die dann mal erschienen und sich in die Reihe vor uns setzten. Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihr und sah wie sie nach Luft schnappte und mich dann streng ansah. Da konnte ich nicht anders und musste lachen. „Sind wir in der players box?“ Fragte sie dann leise. „Du hast es erfasst! Ich dachte du regst dich nur auf wenn ich es dir sage“ “Oh ja, vor allem wenn Toni vor mir sitzt. Meine Nerven!“ “Der tut nix, die sind alle harmlos“ “Du kennst die ja wahrscheinlich auch alle. Das wird ja immer schöner hier“ Murmelte sie leise und machte dann weiter Bilder. „Sind wir da jetzt im Fernsehen?“ Fragte sie dann weiter. „In Deutschland sicher nicht aber in den Ländern wo es übertragen wird vermutlich schon. Früher oder später zeigen die doch immer den Anhang der Spieler aber das muss ich dir ja nicht erklären oder?“ “Oh Gott… das mir das mal passiert hätte ich auch nie gedacht. Kommen noch mehr Überraschungen?“ “Vorerst nicht“ Zum Glück war es relativ laut weil Rafa sich eben mit Gulbis einspielte und wir so reden konnten ohne das Toni es versteht. Er kann ja deutsch aber ich weiß nicht ob er uns so folgen kann im Gespräch. Das eigentliche Match lenkte Sara dann wohl davon ab wer vor ihr sitzt. Ich war ja erst noch ganz zuversichtlich was den Spielausgang betrifft aber nur so lange bis die erste halbe Stunde vorbei war. Wo hat man denn Gulbis losgelassen? Der spielte als wäre es sein letztes Spiel. Die Aufschläge sind perfekt und er macht einen Winner nach dem anderen, der schlägt Rafa die Bälle förmlich um die Ohren. Es war mehr als offensichtlich das Rafa Probleme hat Punkte zu machen. Ein einfaches Spiel habe ich nicht erwartet aber das es so heftig wird hat Rafa selbst wohl auch nicht erwartet. Es war mehr ein Zufall das Rafa den ersten Satz 6-4 gewann. Zum Glück machte Gulbis auch viele Fehler sonst würde Rafa gar kein Land mehr sehen. Der zweite Satz wurde noch schlimmer als der erste. Es war nur eine Zeitfrage bis Gulbis sich ein Aufschlagspiel von Rafa holt. Es macht keinen Spaß zu sehen wie Rafa sich wirklich Mühe gibt und der Gegner dann die Punkte macht. Im zweiten Satz beschlich mich zum ersten Mal das Gefühl, dass es vielleicht heute nicht reichen könnte für Rafa. Es lief unweigerlich auf einen dritten Satz zu und Rafa machte inzwischen ungewöhnlich viele Fehler weil Gulbis ihn dazu zwang. Meine Laune war im Keller und mein Puls auf 300 als der zweite Satz dann tatsächlich 6-3 für Gulbis endete. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, war es das. Am liebsten würde ich gehen weil es mich zu sehr aufregt und ich nicht sehen will wie Rafa verliert. Sogar Toni wurde nervös, der fummelte ständig an seinem Cap rum. Ich sah zu Sara rüber, die sah auch schon ganz deprimiert und fertig aus. „Das wird eng“ Meinte sie mit einem hilflosen Schulterzucken. „Das kann nicht wahr sein, ich kriege die Krise! Warum muss der ausgerechnet heute so gut spielen?“ “Ich habe mir schon gedacht das es nicht leicht wird aber das ist heftig. Ich bin mir nicht so sicher was das wird im dritten Satz. Es ist wie in Berlin!“ Ja, da hatte Rafa verloren als wir Zuschauer waren aber das muss ja jetzt nicht auch so sein. Ich versuchte positiv zu denken obwohl das schwer war wenn man das Match sieht. “Wir können nur hoffen das Gulbis einbricht. Es kann doch nicht sein das er wirklich Rafa schlägt und auch noch auf Sand“ “Ich will es auch nicht sehen, warten wir ab wie der Satz anfängt“ “Mein Optimismus hält sich in Grenzen“ “Wie oft habe ich dir schon gesagt das man Rafa nie vorzeitig abschreiben sollte?“ Ich sah zu ihr rüber und musste lachen. „Zu oft! Gut versuchen wir gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Es wirkt sicher nicht motivierend auf Rafa wenn wir jetzt das Gesicht hängen lassen“

Gulbis ließ auch im dritten Satz nichts anbrennen und feuerte weiter wie ein Verrückter Bälle zu Rafa. Es war nicht mal ein Break zu erahnen. Es stand öfters mal 30-0 für Rafa, da kann man Hoffnung schöpfen für ein Break aber dann machte Gulbis eben vier Punkte in Folge und alles war futsch. Es war anstrengend das zu sehen, seit fast drei Stunden sitzen wir hibbelig auf den Sitzen und hoffen auf ein Wunder. Zumindest schaffte Gulbis jetzt kein Break aber Rafa braucht eins und zwar dringend. Wenn es zum Tiebreak kommen sollte, bin ich mir nicht sicher das es zu den Gunsten von Rafa ausgehen würde. Die Chancen auf ein Break schwanden aber Zusehens, es stand doch schon 5-4 für Rafa, ihm bleiben nur noch zwei Möglichkeiten das ohne Tiebreak zu beenden. Es wurde totenstill um uns rum, ich hielt es kaum aus auf meinem Sitz. Zwei Fehler machte Gulbis gleich aber 30-0 hatten wir schon so oft heute, das heißt gar nix. Einen Punkt spielte sich Rafa aber selbst raus also 40-0. Es scheint wie eine optische Täuschung! Drei Breakbälle die zugleich Matchbälle waren. Es könnte so herrlich sein. Nur ein einziger Punkt fehlt Rafa! An Dramatik ist das jetzt nicht mehr zu überbieten. Es folgte mal wieder ein Ass und ich konnte schon kaum noch hinsehen. Muss ein fürchterliches Gefühl sein wenn man weiß das nur ein Punkt fehlt und man selbst absolut nichts ändern kann weil der Gegner so perfekt serviert. Der nächste Aufschlag wurde aber kein Ass und Rafa musste den Ball nicht lange im Feld halten bis Gulbis endlich den entscheidenden Fehler machte und der Ball seitlich im Aus landete. Rafa freute sich im nächsten Moment so als hätte er eben ein Grand Slam Turnier gewonnen. Es war auch ein Drama, da kochen die Emotionen bei allen Beteiligten hoch. Ich konnte es gar nicht fassen das Rafa noch gewonnen hat, ich könnte ihm stundenlang zusehen wie er sich freut nach so einem engen Sieg. Wenn es so knapp ist, macht der Sieg noch mehr Spaß, ich war jedenfalls froh, dass es vorbei ist.

Sara hatte sich auch ziemlich aufgeregt also mussten wir erstmal was Kaltes trinken gehen und eine Weile ganz ruhig dasitzen. „Ich bin total fertig mit den Nerven“ Sagte ich sicher zum x-ten Male heute. „Nicht nur du, das war ja ein Drama vom Feinsten“ “Wenn es morgen auch so wird, gehe ich bevor es zu Ende ist“ “Ich verliere eigentlich nicht so schnell den Optimismus weil ich weiß das Rafa schon mehrfach Niederlagen in Siege umgewandelt hat aber heute habe ich echt nicht mehr daran geglaubt. Ich wäre an den Aufschlägen verzweifelt an seiner Stelle, würde er so servieren wie Gulbis heute, wäre er unschlagbar“ “Der war ja echt eine harte Nuss umso schöner ist der Sieg. Das wird gut für sein Ego sein“ “Wird jetzt groß gefeiert?“ “Nein, er feiert grundsätzlich nur Turniersiege und morgen muss er ja spielen. Sollte er morgen gewinnen, ist zwar nicht mehr viel Zeit bevor wir zum Flughafen müssen aber anstoßen können wir sicher mit ihm“ “Ich bin gespannt“ Kam es breit grinsend. Das bin ich auch, hoffentlich wird das nicht so wie heute. Wenn er verloren hätte, wäre es kein Weltuntergang aber der Turniersieg ist in greifbarer Nähe. Morgen noch das Finale gegen Ferrer und das könnte sogar einfacher werden als heute weil er Ferrer natürlich kennt. Da weiß er genau auf was er sich einrichten kann.

3 June 2010

Chapter 49

Ich streckte ein paar Minuten später meinen rechten Arm aus und versuchte mein Handy zu erreichen was gleich neben dem Bett lag weil ich mal auf die Uhr sehen wollte. Es ist tatsächlich noch nicht mal um sechs, es könnte so bequem sein. Da es nichts Neues gab, legte ich mein Handy wieder weg und sah leicht zur Seite. Großartig suchen musste ich nicht, Rafa liegt ja direkt an mir. Es war keine gute Idee gewesen jetzt faul im Bett zu liegen weil ich keine Lust habe wieder aufzustehen. Ich wusste, dass es ein Fehler als ich ihm in Monte Carlo großspurig und voreilig unmoralische Versprechen gegeben habe. Das er dann nicht mehr locker lässt hätte mir doch klar sein müssen! Kurz beobachtete ich ihn und überlegte ob er wirklich schläft oder nicht. Er hatte jedenfalls seine Augen geschlossen und gab kein Lebenszeichen von sich. „Schläfst du?“ Fragte ich dann da ich das nicht glauben konnte. „Jetzt nicht mehr“ Kam es gleich zurück. Kurz darauf schlug er erst seine Augen auf und zog dann ein breites Lächeln.
„Dann hat sich das ja mit dem Essen gehen erledigt“ “Wieso?“ Fragte ich zurück und sah ihn skeptisch an. „Sollte nur ein Vorwand sein damit du nicht wieder auf dumme Ideen kommst und mich abblitzen lässt“ Ich schnappte nach Luft und dachte ich höre schlecht! Wenn er mich nicht so übertrieben angrinsen würde, käme ich noch in Versuchung ihm das zu glauben. „Und jetzt wo du hast was du wolltest, ist es dir egal oder wie?“ Fragte ich gespannt und war schon ganz neugierig darauf wie er versuchen wird sich da rauszureden. Er drehte sich auf die Seite und grinste mich weiter so unverschämt an. „War Spaß, natürlich ist es mir nicht egal. Außerdem würde ich dir ja damit nur wieder eine weitere Bestätigung liefern für die Theorie, dass ich nichts tue ohne den Hintergedanken zu haben dir irgendwie näher kommen zu wollen“ “Ist doch auch so! Wäre es nicht so, würden wir jetzt nicht hier liegen“ “Ich stehe trotzdem dazu. Es ist lange her das wir uns gesehen haben und wenn du mir in Monte Carlo schon ein Versprechen der Art gegeben hast, wäre ich ja blöd wenn ich noch lange abwarte, no?“ Ich sah ihn an und musste lachen weil er das wohl so richtig ernst meinte.
„Ist für dich Sex so eine Art einkalkuliertes Training? Das hört sich so an als würdest du das systematisch einplanen zwischen den Matches und Trainingsstunden“ Sein grinsen ging immer noch vom einen Ohr zum anderen. “Du wirst es nicht schaffen mir ein schlechtes Gewissen einzureden“ “Das habe ich nicht vor weil ich weiß das du sowieso nie genug kriegen kannst, ich frage nur so aus Neugierde“ Ich weiß doch, dass er Spaß macht. Es würde mir nicht im Traum einfallen ihm zu unterstellen, dass er alles Mögliche nur tut um mich in sein Bett zu locken. Er verzog dann sein Gesicht und sah mich übertrieben deprimiert an. „Außerdem kann ich nichts dafür!“ Na jetzt wurde es aber richtig interessant! Er kann nichts dafür! Diese Ausrede habe ich schon mehrmals gehört, ein Mann kann grundsätzlich für nichts. “Wie kommst du zu der Annahme?“ Fragte ich interessiert nach.
“Ich sehe mich als Opfer der Evolution“ Kam es ganz ernst. Im nächsten Moment brach ich in schallendes Gelächter aus und hielt mir eine Hand vor den Mund weil ich mich nicht mehr beherrschen konnte. Das ist mit Abstand die verrückteste Ausrede die ich je gehört habe von einem Mann. „Du solltest den Arzt wechseln oder mal ganz kalt duschen gehen“ Meinte ich nach einer Weile und musste immer noch kichern. Kurz küsste er mich bevor sein breites Lächeln wieder erschien. „Bist du dir sicher, dass ich verschwinden soll?“ Wenn er schon so fragt, hat er viel Zeit? Bevor ich antworten konnte, wurden wir abgelenkt von einem klopfen an der Zimmertür. Kurz sah ich zur Tür und dachte nur oh nein! „Ist nicht für mich“ Kam es gleich als ich ihn fragend ansah.
„Woher willst du das wissen?“ Er lehnte sich über mich und griff nach meinem Handy um auf die Uhr zu sehen. „Weil ich jetzt keine Termine habe außerdem hat es nur einmal geklopft“ “Machst du immer noch den Quatsch mit dem zweimal klopfen?“ “Es funktioniert“ Kam es direkt als Antwort. Im nächsten Moment kam mir Sara in den Sinn. Sie hatte doch vorhin gesagt, dass sie auch erstmal ihren Koffer auspackt und wir uns dann wieder sehen. „Sara“ Sagte ich nur und ließ meinen Kopf wieder in die Kissen fallen. „Wollte sie hier her kommen?“ “Wir haben keine Zeit ausgemacht. Ich hatte nur vorhin gesagt, dass sie ihr Zeug auspacken soll und wir uns später wieder sehen. Sie glaubt das du noch nicht hier bist“ “Das erklärt einiges“ Kam es dann mit einem wenig begeisterten Gesichtsausdruck. Scheint so als wenn es vorbei ist mit dem faulen im Bett liegen. Die Mühe aufzustehen machte ich mir aber auch nicht. So kann ich unmöglich zur Tür gehen!
Ich könnte mir zwar einen Bademantel umhängen aber ich weiß nicht wie Sara es findet wenn sie nichts ahnend reinkommt und dann Rafa im Bett liegt und breit grinst. Die würde wohl ihren Augen nicht trauen, davon träumt sie sicher heimlich. Auf dem Fußboden liegen überall diverse Kleidungsstücke verteilt, hier kann man gar keinen mehr reinlassen ohne dass es peinlich wird. „Willst du nicht nachsehen?“ Fragte er nach ein paar Sekunden da ich mich nicht rührte. „No, wenn sie dich schon sieht, wäre es vielleicht angebracht wenn du vorher etwas anziehst“ Es klopfte dann nochmal kurz aber da wir nicht reagierten, war dann auch wieder Ruhe. „Gehen wir duschen?“ Fragte ich und gab es auf im Bett bleiben zu wollen weil wir sowieso nicht lange unsere Ruhe haben werden. „Zusammen?“ Fragte er gleich mit einem interessierten Gesichtsausdruck zurück. „Klar, so können wir Wasser sparen und die Erde retten“

Ob wir wirklich Wasser sparen wenn wir zusammen duschen darf bezweifelt werden. Es dauert dann von der Zeit her einfach länger aber dafür war es auch interessanter als alleine zu duschen. Ich würde ihn am liebsten gar nicht mehr aus den Augen lassen, bis morgen früh hat er ja auch Zeit. Wenn da Sara nur nicht wäre. Mal sehen wann sich eine günstige Chance ergibt, dass sie Rafa sehen kann ohne überzuschnappen. Da wir ja nun schon mal duschen waren, nutzte ich die Chance dann gleich etwas kurzärmeliges anzuziehen, hier ist es ja schon fast Sommer während bei mir zu Hause noch Winter herrscht. Ich dachte es ist vielleicht nicht verkehrt wenn ich Sara mal aufkläre wegen vorhin also machte ich mich dann alleine auf den Weg zu ihrem Zimmer. Kaum hatte ich geklopft, ging die Tür auch schon auf und sie strahlte mich breit an.
„Hey, ich war vorhin bei dir aber du hast es wahrscheinlich nicht gehört“ Ich schluckte und hoffte, dass ich nicht zu rot im Gesicht werde, meine Wangen wurden ziemlich warm. “Kann sein, ich war beschäftigt“ Sagte ich nur zögerlich und wurde nervös weil ihr Gesicht schon dementsprechend war. „Na ja, ich habe nur meinen Koffer ausgeräumt“ Schob ich gleich noch nach. Zumindest bis Rafa erschien, dachte ich so für mich, sagte das aber nicht mehr. Ihr Gesicht entspannte sich dann auch wieder und sie fraß das anscheinend auch. „Ach so, macht ja nichts“ “Macht es dir etwas aus heute Abend alleine zu essen?“ Fragte ich vorsichtig und hoffte, dass sie es nachvollziehen kann. Lange dauerte es auch nicht bis sie mit dem Kopf nickte. „Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen. Ich kann verstehen, dass du mit ihm alleine sein willst. Ich bin froh überhaupt hier zu sein und morgen die Spiele zu sehen also verschwinde schon. Außerdem kommt heute Abend die Wiederholung vom Finale letztes Jahr, habe ich schon mehrfach gesehen aber dann gucke ich es eben nochmal an. Es macht nichts wenn wir uns erst am Sonntag wieder sehen“ “Wir werden uns sicher eher wieder sehen, ich dachte du willst Rafa mal abseits der Tennisanlage sehen“ “Wenn es ihn nicht stört schon“ “Sei nicht albern, er kennt dich namentlich sowieso schon und von Bildern“ “Du hast mich hoffentlich nicht als total verrückt dargestellt?“ Fragte sie hoffnungsvoll und an ihrem Gesicht sah ich schon, dass die Frage kein Scherz war.
„Natürlich nicht sonst wärst du jetzt auch nicht hier. Mache dir nicht so viele Gedanken, er hat schon viel verrücktere Leute getroffen. Es stört ihn wirklich nicht. Ich weiß, dass er überall belagert wird und alle etwas von ihm wollen aber der ist das gewohnt. Ich weiß nicht ob es heute noch klappt, falls nicht, kannst du ihn morgen früh beim Training nerven“

Sara waren wir also vorerst los. Es war natürlich nicht so, dass ich mit Rafa Essen gehen kann und es niemand merkt. Fans scheinen überall zu sein und die kennen ja auch die Hotels wo die Spieler sind. Als wir endlich in einem Restaurant saßen, hatten wir vorerst unsere Ruhe aber nur solange, bis wir zum Hotel zurück wollten denn vorm Eingang warteten auch welche und wollten Bilder mit Rafa und Autogramme. Sowas hatte ich erwartet aber wenigstens hat uns beim Essen niemand gestört. Ein bisschen schockt es mich immer wieder zu sehen wie ihn fremde Menschen einfach so ansprechen. Rafa kann wirklich keinen Schritt unbeobachtet machen. Es stört ihn aber nicht, er schreibt brav Autogramme und macht Bilder, ich habe noch nie erlebt, dass er abgelehnt hat wenn jemand nach Bildern oder Autogrammen gefragt hat.
Wirklich unsere Ruhe werden wir erst in Porto Cristo haben, darauf freue ich mich schon richtig. Im Hotelzimmer waren wir ja auch alleine aber ich will mich schon mal aus dem Zimmer wagen mit ihm. Der restliche Abend verlief relativ entspannt da wir keine Lust mehr auf Zuschauer hatten und einfach auf dem Zimmer blieben. Ich habe immer nur darauf gewartet wenn jemand anruft und Rafa doch noch wohin muss aber es passierte nichts. Es ist schon was Neues wenn Rafa Zeit hat und nicht ständig überlegt zu welchem Termin er als nächstes muss.

Dem entspannten Abend folgte ein hektischer Morgen. Wie konnte ich auch nur so blöd sein und glauben, dass ich am Samstag mal ausschlafen kann! Es war kurz nach um sieben als der Wecker klingelte und Rafa in der nächsten Sekunde auch schon aus dem Bett sprang und ins Bad verschwand. Das war mir zu viel Stress am Morgen also drehte ich mich gemütlich auf die andere Seite aber schlafen konnte ich nicht weil Rafa ständig etwas suchte und wie aufgezogen kreuz und quer durch das Zimmer rannte. Mir wäre es lieber gewesen wenn er im Bett geblieben wäre statt hier so eine Stress zu erzeugen.
Kann man nicht irgendwie die Batterien rausnehmen bei ihm? Mit einem mürrischen Gesicht zog ich die Decke etwas nach unten und setzte mich dann hin um mich erstmal zu strecken. Während ich noch halb schlafe, scheint Rafa schon einen Puls von 300 zu haben und das macht mich wahnsinnig wenn er so planlos rumrennt. Um mich nicht gleich zu überanstrengen, lehnte ich mich zur Seite und suchte etwas zum Anziehen auf dem Fußboden nur fand ich nichts von mir in Reichweite also zog ich das Hemd an, welches Rafa gestern Abend getragen hatte.

Als er sah, dass ich mich hingesetzt hatte kam er näher zum Bett und setzte sich hin. „Du kannst ruhig noch weiterschlafen“ Ich rollte mit den Augen und sah ihn ernst an. „Sehr komisch! Ich musste die ganze Woche früh aufstehen und dann verbreitest du hier eine Hektik, dass kein Mensch schlafen kann. Und das alles nur weil du so früh schon trainieren musst“ Schlechte Laune habe ich ja nicht, es dauert nur etwas bis ich munter bin. Er lächelte mich breit an und rückte etwas näher zu mir. „Du kannst in Porto Cristo ausschlafen und morgen trainiere ich auch nicht. Von mir aus kannst du die ganze nächste Woche im Bett bleiben. Das Frühstück kommt übrigens gleich hier her“ “Das heißt ich muss etwas anziehen“ Ich meinte das einfach als Feststellung und ohne Hintergedanken aber sein grinsen wurde gleich unverschämt. „Wegen mir musst du nichts anziehen“ “Das hättest du nicht extra erwähnen müssen“ Entgegnete ich ihm trocken.
„Jetzt ziehe nicht so ein Gesicht! Außerdem musst du doch von Montag bis Freitag auch aufstehen“ “Genau deswegen will ich dann am Wochenende ausschlafen“ Ich lehnte mich bequem an ihn und würde am liebsten gleich weiterschlafen. „Tja, wenn du darauf bestehst lange zu schlafen, kannst du ja heute Abend woanders übernachten“ Es war doch so klar, dass er das sagen würde! „Schon gut, ich sage nix mehr“ Blieb mir ja jetzt keine andere Wahl als das zu sagen. Sein grinsen wurde gleich wieder breiter. „Heule mir ja morgen früh nicht die Ohren voll!“ “Ich denke du trainierst da nicht?“ “Das heißt aber nicht das ich bis Mittag im Bett bleiben kann“ “Wir werden sehen“ Murmelte ich mehr zu mir selbst und stand auf um ins Bad zu schleichen. Lange war ich nicht im Bad aber das Frühstück war inzwischen eingetroffen wie ich merkte als ich aus dem Bad kam. Es roch nach Kaffee, vielleicht wache ich danach ja richtig auf. Rafa trinkt ja keinen Kaffee also bestellt er nur extra für mich welchen aber das war eine gute Idee weil er wohl dachte, dass ich dann aufhöre zu jammern. Gemütlich war es aber nicht lange weil er halb zehn schon trainiert und ich dann alleine da saß.

Da ich Zeit hatte sah ich in seine leere Tasse und dachte über Schokolade nach. Wenn er könnte, würde er sich nur von Schokolade in allen Varianten ernähren. Das er welche trinkt, schockt mich schon nicht mehr denn er erscheint ja auch zu Pressekonferenzen so das er Cookies mit extragroßen Schokostücken isst. Was die Journalisten dann denken, will ich gar nicht so genau wissen. Für einen Profisportler ist Rafa ziemlich verfressen. Vielleicht sollte ich ihm zum Geburtstag eine lebensgroße Kopie von sich selbst schenken, nur eben aus Schokolade.

Rafa war kaum ein paar Minuten weg, als es an der Tür klopfte. Bin gespannt was er jetzt wieder vergessen hat also stand ich vom Tisch auf und lief zur Tür. Davor stand aber Sara, an sie dachte ich eben nicht. „Hi, ich hoffe, ich habe niemanden geweckt?“ Fragte sie vorsichtig und äugte neugierig an mir vorbei ins Zimmer. “Nicht wirklich, Rafa dreht total am Rad und steht in der Nacht auf. Du kannst ruhig reinkommen“ Sie blieb stehen und zögerte kurz. „Wirklich?“ “Ja, die Luft ist sauber, es ist nur ein bisschen Chaos“ Sie lief also an mir vorbei und sah sich kurz um, dass Zimmer war genauso wie ihres eingerichtet nur das in ihrem keine Tennisausrüstung liegt.
Viel gibt es nicht zu sehen, die Rackets hat Rafa vorhin alle mitgenommen, es liegen nur noch Teile seines blauen Outfits rum. Das war für sie wohl schon interessant genug wie ich dann sah. Vermutlich ist es das erste Mal, dass sie sowas aus der Nähe sieht. Die Shirts gibt es zwar auch in normalen Läden zu kaufen aber das für Rafa ist alles Maßanfertigung und neben der üblichen Größenhinweise ist überall sein Name aufgedruckt. „Was macht er denn so früh schon?“ Fragte sie dann als sie den ersten Schock überwunden hatte. “Trainieren, ich dachte auch das kann er später noch machen aber er hat sowieso keine Ruhe und wer weiß ob er nach dem Match heute Nachmittag noch Zeit hat“ “Und was machst du jetzt?“ “Warten bis du hier auftauchst und wir der Tennisanlage mal einen Besuch abstatten können, es sei denn du willst lieber die Stadt sehen“ “Dir wäre vielleicht Stadt angucken lieber aber wir sind doch nur zwei Tage hier und wenn er sowieso schon trainiert“ Ja ja, ich wusste doch das sie lieber guckt was Rafa macht als das Kolosseum oder den Vatikan anzusehen.

Ich trank meinen Kaffee noch aus und machte mich dann mit Sara auf den Weg zum Foro Italico. Das Stadion war erst neulich gebaut worden und feierte bei dem Turnier die Einweihung. Rafa trainiert natürlich wieder auf dem größten Platz der ganzen Anlage weil er gerne da trainiert wo er später auch spielt. Erst mussten wir uns aber die Besucher Pässe organisieren. Die sind ja mit so einer Art Passbild und ich sah aus wie ein Schwerverbrecher aber es ist zum Glück relativ klein. Die machen das mit dem Bild sicher damit ich damit nicht jemanden anderes reinschleusen kann. Sara sah aber auch schrecklich aus, wir hatten zumindest was zum Lachen. Bevor wir gucken was Rafa macht, drehten wir eine Runde über die Anlage. Wäre ich alleine, würde ich es mir jetzt im players restaurant bequem machen und Cappuccino schlürfen.
So wirklich spannend ist es nicht beim Training aber Sara war schon ganz aufgeregt. Es war schon ergreifend als wir das ganze Stadion überblicken konnten. Außerdem hatten andere Leute auch die Idee hier her zu kommen da doch schon ein paar Leute hier und das saßen und verfolgten was auf dem Platz vor sich geht. Sara blieb stehen wie angewurzelt und sah zu Rafa. Ich sah schweigend aus dem Augenwinkel neben mich und musste mir ein lachen verkneifen. Sie verhielt sich als wenn sie das achte Weltwunder sieht. Bevor ich etwas sagen konnte, stürzte sie die Ränge nach unten bis in die erste Reihe. Wie schön, dass man beim Training auch dort sitzen kann wo man sonst nie hinkommt. Eine Weile sah ich mir das mit an aber es war nicht so richtig spannend, zumindest für mich. Sara hat sicher schon 10.000 Bilder gemacht, sie schnappt sicher gleich über. So lange sieht sie ja Rafa nicht daher glaubt sie wohl das Maximum rausholen zu müssen. Bisher war es eigentlich wie in Berlin wo ich auch notgedrungen warten musste bis Rafa verschwand. Na ja, ich hatte mir aus dem Hotel eine Zeitung mitgebracht und las die dann eben derweil. Rafa hatte uns gar nicht bemerkt, was kein Wunder ist da wir zwischen den anderen Leuten nicht auffielen und ich ihm vorhin gesagt hatte das ich noch nicht weiß ob wir kommen.
Wenn Sara jetzt schon so aufgekratzt ist mache ich mir Gedanken was passiert wenn sie Rafa aus der Nähe sieht. Entweder sie steht nur da und starrt ihn an oder sie fängt an hysterisch zu kreischen wobei ich dann eher auf das erste hoffe. Eine reichliche Stunde später packte Rafa seine sieben Sachen zusammen und verschwand wieder. Rafa war kaum vom Platz, als wir Zeuge eines in meinen Augen verrückten Vorfalles wurden. Maymó und Toni waren noch da und räumten Zeug in ihre Rucksäcke. Da allgemein bekannt ist, dass die Fans alles nehmen was von Rafa zu kriegen ist, warf Maymó die Bälle mit denen Rafa trainiert hatte in die Zuschauer. Damit war es aber nicht genug, ich hätte es nicht geglaubt wenn ich es nicht gesehen hatte aber Maymó angelte eine leere Flasche von Rafa wieder aus dem Mülleimer und gab sie einer Frau weil die ihn wohl darum gebeten hatte. Die war noch nicht mal in dem Alter wo man sowas noch entschuldigen könnte, die war locker über 40! Danach gab es wirklich nichts mehr zu sehen aber wir saßen mit offenem Mund da und schüttelten mit dem Kopf. „Ich fasse es nicht!“ Kam es dann total ergriffen von Sara. Aus ihren Mund will das schon etwas heißen!
Immerhin hat sie sich auch dazu hinreißen lassen nach Porto Cristo zu kommen aber das ist eindeutig krank. „Bestimmt baut die jetzt zu Hause einen Altar wo die Flasche dann steht. Da ist DNA von Rafa dran, zum Glück ist klonen noch verboten“ Kam es ganz fasziniert. Ich sah langsam aus dem Augenwinkel zu ihr rüber und wusste nicht was ich sagen soll. Das er öfters Autogramme gibt oder Fotos mit Fans macht kenne ich ja schon aber sowas ist mir auch neu. „Sowas habe ich ja noch nie gesehen“ Sagte ich dann als ich mich wieder im Griff hatte. „Gehört habe ich schon davon aber gesehen habe ich es auch noch nicht live. Wenn ich sowas sehe, beruhigt es mich denn so krank wie die bin ich noch lange nicht. Einen Tennisball würde ich auch nehmen aber doch keine leere Flasche!“ Langsam konnte ich dann wieder lachen. „Tennisbälle kann ich dir organisieren… Rafa persönlich auch“ “Was würde ich ohne dich machen“ Kam es gleich mit einem breiten Lächeln. „Ohne mich würdest du genau wie alle anderen Fans auch leere Flaschen von Rafa sammeln“ “Was macht er eigentlich jetzt?“ Ja, das war eine gute Frage und interessierte wohl auch alle. “Duschen gehen, dann wird er Maymó nerven, dann wird Toni noch so eine Art Kurzzusammenfassung vom Training zum Besten geben und dann erscheint vielleicht Carlos Costa noch und erinnert ihn an die nächsten Termine heute. Nach dem Training gibt er meistens auch noch Interviews. Da ja das Halbfinale in ein paar Stunden ist, wird Rafa nicht so richtig zum Entspannen kommen und aus dem Grund hoffe ich, dass Costa so intelligent war für heute Abend keine Termine zu machen weil ich Rafa nicht nur sehen will wenn er spielt“
Ihr breites Lächeln verschwand gleich wieder. „Das heißt er hat keine Zeit“ “Mache dir keine Sorgen, für ein paar Autogramme hat er immer Zeit, wir müssen ihn nur finden“