25 March 2010

Chapter 37

Zugegeben habe ich nicht damit gerechnet das die sich noch mal melden würde. Seit Abu Dhabi hat sie kein Lebenszeichen von sich gegeben. Eigentlich will ich gar nicht wissen was sie will aber neugierig bin ich schon. `Hi Amaia, tut mir leid das ich mich nicht gemeldet habe. Was ist mit deiner Hand passiert? Ciao S´ Erst rollte ich mit den Augen und runzelte dann die Stirn. Wie kommt sie auf die Hand? Als ich zur Seite sah, merkte ich erst mal das ich beobachtet wurde. „Sara“ Sagte ich nur und zuckte mit den Schultern. Das Gesicht von Rafa wurde auch immer besser.
„Was?“ “Sí, immer wenn man nichts schlimmes denkt meldet die sich“ “Ich denke die hat seit Abu Dhabi nichts von sich hören lassen?“ “Stimmt exakt!“ “Und was will sie?“ “Wissen was mit der Hand passiert ist“ “Wie kommt die darauf?“ Tja, wie kam sie wohl darauf? Ich bin ja nicht blöd, seit gestern bin ich hier und jetzt meldet sie sich und stellt scheinheilige Fragen. Es gibt nur eine Erklärung, es muss Bilder von mir geben! „Es gibt offensichtlich Bilder von uns im Internet“ “Wäre möglich, wenn es welche gibt dann vom Flughafen. Dort hängen fast immer Paparazzi rum“ Das bringt mich direkt in die große Versuchung ihr eine haarsträubende Story aufzutischen. Woher weiß ich denn ob sie nicht nur fragt weil die Fans von Rafa neugierig sind und sie sich beliebt machen will?
„Ich würde ihr am liebsten etwas total abgefahrenes antworten“ “Wieso?“ “Woher weiß ich denn was die plant? Kann sein das es deine Fans auch interessiert und die sich wichtig machen will“ “Glaubst du das wirklich das die das machen würde?“ “Wieso nicht? Warum meldet die sich dann ausgerechnet jetzt?“ “Aber sie hätte das doch auch schon eher tun können. Ich meine, sie hat doch sicher Fotos von dir“ “Schon aber irgendwas verspricht sie sich schon. Vielleicht spielt sie auch die besorgte Freundin weil sie denkt das sie über mich an dich ran kommt“ Rafa schnappte nach Luft und rollte mit den Augen. „Dann antworte eben nicht“ “Mhh, mache ich auch und wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich ihr mal einen Besuch abstatten. Mir reicht es langsam“ Das hatte mir eben noch gefehlt, jetzt grüble ich ja doch ständig nach. Rafa setzte sich dann neben mich und legte seinen Arm um meine Schulter.
„Höre auf nachzudenken!“ “Tue ich gar nicht“ Antwortete ich mit einem schwachen Lächeln. „Doch, ich kann es sehen“ Ich fühlte mich ertappt und legte meinen Kopf an seine Schulter. „Sie nervt mich nur ein bisschen damit“ “Sage es ihr. Mache ihr einfach klar, dass sie sich entweder öfters melden soll oder eben gar nicht“ “Sie wird total erschrecken wenn ich bei ihr auftauche“ “Willst du das nicht?“ Oh ja, darauf freue ich mich schon! „Doch!“

Natürlich musste ich die Bilder sehen. Zwar weiß ich schon vorher, das ich mich wieder aufregen werde aber ich will wenigstens wissen was es für Bilder sind wenn ich schon unfreiwillig abgelichtet werde. Rafa meinte auch ich würde mich nur wieder aufregen aber das ist mir egal, ich will es trotzdem sehen. Da ich keine Ruhe gab, machten wir uns also doch auf die Suche nach den Bildern als wir von dem Bootstrip zurück waren. Natürlich hatte kein Fisch Mitleid mit Rafa aber es störte ihn nicht mal das er keinen einzigen Fisch gefangen hat. Ich war schon ganz hibbelig als ich am PC saß und überlegte wo ich die Bilder am schnellsten finde.
Der erste Weg wären die einschlägigen Fanseiten aber ich will die dummen Kommentare dazu nicht sehen. Ich klapperte auf gut Glück die Seiten der Fotoagenturen ab bis ich Glück hatte und Rafa hatte Recht, es waren Bilder vom Flughafen. Zu sehen gab es nicht viel, eigentlich nur wie wir uns umarmen vor dem Auto und dann einsteigen. Zu blöd das wir uns erst im Auto geküsst hatten. Davon gab es auch Bilder aber es war zu dunkel, man sieht nur noch schwarze Umrisse. Spätestens jetzt besteht wohl kein Zweifel mehr daran in welcher Beziehung ich zu Rafa stehe. Ich hätte ja gar nichts gegen Bilder wenn sie nicht heimlich gemacht worden wären. Wahrscheinlich warten alle nur darauf bis uns irgendwer mal eindeutig erwischt und damit meine ich keine Umarmung.
„Rafa“ Er erschien ein paar Sekunden später und blieb hinter mir stehen. Ich sagte erst mal nichts und ließ ihn die Bilder betrachten. „Es hätte schlimmer kommen können“ Meinte er dann trocken und grinste mich blöd von der Seite an. „Du meinst heute Nachmittag oder wie?“ “Zum Beispiel. Ist mir auch egal also ich meine klar wäre es mir lieber wenn es keine Bilder gibt aber deswegen tue ich sicher nicht so als wenn ich dich nicht kenne“ Ich legte einen Arm um seinen Hals und küsste ihn kurz. „Das wollte ich hören“ “Dachte ich mir außerdem kann ich mich sowieso nicht lange von dir fern halten“ “Habe ich schon bemerkt“ Ich dachte ja er verschwindet wieder und lässt mich in Ruhe im Internet surfen aber das Gegenteil passierte. Es stört mich absolut nicht wenn er mich küsst aber ich wurde das Gefühl nicht los das ihm die Küsse nicht ausreichen, seit gestern Abend lässt er absolut nicht mehr locker. Ich dachte er frisst mich regelrecht auf wenn ich ihn nicht davon abhalte. Ich drückte ihn etwas von mir weg und holte erst mal Luft.
„Entspanne dich!“ Sagte ich mit einem ernsten Gesicht, musste dann aber doch wieder lächeln. „Darf ich dich nicht küssen?“ “Doch aber nicht so“ “Warum nicht?“ Das war echt verrückt und brachte mich zum kichern. Meint er die Frage ernst? “Ich weiß was du willst“ Sagte ich und nickte wissend mit dem Kopf. „Warum lässt du mich dann immer abblitzen?“ “Jetzt tue mal nicht so als wenn ich dich an der kurzen Leine halten würde. Hast du gestern Abend schon vergessen?“ “No aber das ist schon so lange her“ “Denkst du eigentlich irgendwann noch an etwas anderes?“ “Willst du eine ehrliche Antwort auf die Frage?“ Die brauchte er mir gar nicht zu geben, Männer sind alle gleich und Rafa macht da sicher keine Ausnahme.

Es war richtig schön, dass wir mal Zeit hatten. Komisch ist es schon wenn Rafa den ganzen Tag keine Termine hat. Ich bin es schon gewohnt, dass er zumindest für ein paar Stunden irgendwohin muss. Trainieren darf er ja erst mal nicht um das Knie zu schonen. Faul ist er natürlich nicht, er macht eben dann etwas anderes wo das Knie keine große Rolle spielt. Mir käme das auch gelegen wenn er etwas vor hat, da ich mal nach Palma wollte durch die Läden ziehen.
Klar würde ich auch mit Rafa gehen aber er hat sowieso keine Nerven ewig auf mich zu warten nur weil ich vielleicht ein Paar Schuhe mehr anprobieren will. Gewisse Dinge macht man als Frau am besten ganz alleine und shoppen gehört definitiv dazu! Das Problem war nur meine Hand, mit einer Hand kann man nicht viel tragen also könnte ich schon jemanden gebrauchen der die Beutel trägt.

So weit war es aber noch nicht, nach dem Ausflug mit dem Boot machten wir Abends noch einen Abstecher nach Manacor und ich war dann total geschafft und froh als ich endlich schlafen konnte. Es wundert mich wie Rafa das alles aushält nach dem langen Flug mit der Zeitverschiebung. Viel merkte man ihm davon nicht mehr an.

Am nächsten Tag wollte ich mal wieder in Ruhe ausschlafen aber irgendwie klappt das nicht wenn ich hier bin. Es lag dieses mal auch nicht direkt an Rafa, dafür aber an seinem Handy was plötzlich klingelte. Ich dachte echt das kann nicht wahr sein! Kann er es nicht ausschalten wenn er im Bett liegt? Ich dachte ja auch das er nur nachsieht wer es ist aber er ging erst ran und verschwand ein paar Sekunden später aus dem Bett. Na schön, dann bleibe ich eben alleine im Bett also drehte ich mich wieder auf die Seite und zog mir die Decke bis zu den Ohren hoch. Wenn Rafa so wichtige Gespräche hat, muss er eben aufstehen. Worum es ging hatte ich nicht verstanden da er dann aus dem Zimmer gegangen war aber er kommt ja hoffentlich gleich wieder.
Nach ein paar Minuten hörte ich ihn wieder rein kommen. Eigentlich dachte ich er legte sich wieder hin aber er schien sich auf meiner Seite auf die Bettkante zu setzen. Ich wurde neugierig und blinzelte mit einem Auge. „Was?“ Fragte ich dann verschlafen und hoffte das er nicht gleich sagt das er den ganzen Tag weg ist. Antwort kam keine, das heißt nicht so wie ich erwartet hatte. Er lehnte sich zu mir runter und küsste mich auf die Schläfe während er mit seiner Hand meine Haare hinter die Ohren strich. „Musst du weg?“ Fragte ich leise und drehte mich auf den Rücken. „No aber du solltest dir mal etwas ansehen“ Jetzt wurde ich neugierig und schlug meine Augen wieder auf. Das Gesicht von Rafa war nicht so wie ich dachte, er sah mich todernst an und ich dachte er lächelt vom einen Ohr zum anderen. Wie soll ich das jetzt deuten?
„Was ist?“ Fragte ich jetzt doch ein wenig besorgt. „Versprich mir das du dich nicht so sehr aufregst!“ “Kommt drauf an was es ist“ Er nahm meine Hand in seine und zog mich erst aus dem Bett und dann hinter sich her ins Bad. Als ich mich schon fragte was er hier will, blieb er am Fenster stehen. „Sieh zur Einfahrt und vergiss nicht zu atmen“ Ich rollte mit den Augen und folgte seinem Blick.

In der nächsten Sekunde blieb mir die Spucke weg und meine Augen wurden größer. „Oh mein Gott!“ Entfuhr es mir dann etwas geschockt während ich versuchte ruhig zu bleiben. Sara! Ich wünschte das ich mich täusche aber sie ist es! Sie schleicht um das Haus und denkt wohl es fällt nicht auf. Weit kommt sie nicht, es ist ja alles eingezäunt und von der Straße aus gibt es nichts zu sehen. Das scheint sie aber nicht abzuschrecken. Ein Albtraum wird wahr! Ich hatte geahnt das es irgendwann so kommen würde aber sie wirklich hier zu sehen, ist noch schlimmer als die reine Vorstellung. „Ich glaube es ja nicht“ Sagte ich mit einem fassungslosen Kopfschütteln als ich wieder neben mich sah. Rafa schnappte nach Luft und legte seine Hände auf meine Schultern.
„Rege dich nicht so sehr auf, es klärt sich schon“ “Du hast gut reden!“ Ich lief zurück ins Schlafzimmer und ließ mich rückwärts auf das Bett fallen. Das muss ich erst einmal verdauen! Rafa saß wieder auf der Bettkante und sah mich mit einem vorsichtigen Lächeln an. Mich wundert seine Reaktion etwas, mich würde es schon stören wenn Fremde vor meinem Haus lauern. „Und jetzt?“ Fragte ich als ich den ersten Schreck überwunden hatte. „Gute Frage!“ Er legte sich auch wieder hin und drehte sich auf die Seite. „Sie wird höchstwahrscheinlich zu dir wollen oder vielleicht auch zu mir“ Langsam erschien mein Lächeln wieder. „Da wäre ich ja nie drauf gekommen“ “Wolltest du sie nicht sowieso besuchen?“ “Schon aber damit meinte ich doch nicht das ich hoffe das sie hier auftaucht. Ich frage mich was die hier macht! Die muss doch spontan hier her gekommen sein da doch keiner ahnen konnte das dir das mit dem Knie passiert und du schon viel eher wieder hier bist“ “Sieht so aus“
Sein Lächeln wich dann wieder dem ernsten Gesicht. „Mir ist es egal, ich meine, wenn du mit ihr reden willst kannst du das tun aber nicht hier“ “Es war nicht meine Absicht sie hier rein zu lassen. Ich kann nachvollziehen das du keine Fans in deinem Haus haben willst“ “Ich sehe, wir verstehen uns“ “Es hat sie ja auch keiner gebeten hier her zu kommen“ “Soll ich sie dezent entfernen lassen? Ich meine vorhin der Anruf, das war die Sicherheitsfirma die hier gelegentlich nach dem Rechten sieht. Ist nicht das erste mal das die Fremde freundlich aber bestimmt zum gehen auffordern müssen“ Das klang ja richtig dramatisch! „Und wenn sie wieder kommt?“ Fragte ich jetzt doch etwas amüsiert. „Kommt wieder jemand und holt sie ab“ Der Gedanke war verrückt! Fehlt ja nur das die Polizei sie gleich abholt.
Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Sicherheitsfirma das auch wirklich tut, dafür sind die ja da. Es würde sich aber komisch anfühlen wenn ich weiß das sie praktisch rausgeschmissen wird auch wenn sie gar nicht auf dem Privatgrundstück ist. „Lass gut sein, so gefährlich ist sie nicht. Sie geht von selbst wenn sich nichts tut und irgendwann wird es ihr schon langweilig und sie gibt auf“ “Ok, wie du meinst“

Mit der Ruhe war es dann natürlich vorbei. Ich konnte nicht so tun als wenn nichts wäre. Theoretisch können wir uns frei bewegen auch außerhalb vom Haus ohne das sie uns sehen kann aber ich fühlte mich trotzdem beobachtet. Es ist ja nicht zu fassen, meine ehemals beste Freundin lauert wie ein Paparazzi vor dem Haus! Denkt sie auch mal an mich? Ihr muss doch klar sein, dass ich keine Freudensprünge mache. Woran ich erst nicht gedacht hatte war dass wir ja gar nicht vom Grundstück kommen ohne das sie uns sieht. Klar, es würde im Auto gehen aber ich kann ja wohl kaum so tun als wenn ich sie nicht kenne! Geplant hatten wir zwar nichts für heute aber ich bin mir sicher das Rafa nicht vor hat den ganzen Tag nicht aus dem Haus zu gehen.
Vielleicht kommt sie ja morgen wieder wenn sie heute keinen erwischt! Ehe ich mir eine Strategie überlegen konnte, war sie auch wieder verschwunden aber ich bin mir sicher das sie wieder kommen wird. Ich kenne sie doch, so schnell gibt die nicht auf. Wenn ich wüsste das es klappt, würde ich versuchen sie mit Autogrammen von Rafa ruhig zu stellen. Vielleicht leckt sie dann aber erst recht Blut und nervt noch mehr. Den Zustand wollte ich so nicht länger belassen also habe ich doch auf ihre sms geantwortet und ihr vorgeschlagen das wir uns mal treffen. Ort musste ich keinen erwähnen da ich weiß das sie hier ist. Ich will dazu neutralen Boden also schlug ich das Hotel vor wo wir damals waren als wir gemeinsam hier Urlaub gemacht hatten, das findet sie sicher noch. Vielleicht ist sie auch dort, ich weiß nicht wo sie wohnt. Ausgemacht hatten wir um vier vor dem Hotel.

Es wurde später und später und ich kam ins schwanken ob das so eine gute Idee war mit dem Treffen. Vielleicht hätte ich eine Nacht drüber schlafen sollen statt es gleich noch am selben Tag zu machen. Plötzlich wollte ich gar nicht mehr hingehen, ich weiß doch sowieso nicht was ich ihr sagen soll. „Denkst du schon wieder oder immer noch nach?“ Ich drehte mich um und sah Rafa in der Tür stehen. Eigentlich wollte ich mich umziehen aber dann kam es nicht dazu und ich blieb unentschlossen vor meinem Koffer stehen und grübelte nach. „Sehr komisch“ Antwortete ich nur genervt und das war nicht gespielt, ich fand es wirklich nicht lustig.
Er kam langsam näher und nahm meine Hände in seine. „Wird schon schief gehen“ Sicher meinte er es nur gut aber genau das wollte ich jetzt nicht hören. Ich ließ meinen Blick nach unten schweifen auf meine Hände in seinen und sah ihn dann wieder an. „Ich habe gar keine Lust mehr hinzugehen“ “Dann sage doch ab“ “Klar und morgen klingelt sie uns wieder aus dem Bett“ “Na wenn sie komisches Zeug erzählt, kannst du ja eher wieder gehen“ Ja ja, er hat ja Recht, ich bin eben nur ein bisschen nervös. „Wird schon werden“ Ich redete mir selbst ein das es schon wird und werde da also doch mal auftauchen. Ein wenig spät war ich ja schon dran aber ist jetzt auch egal. Es war schon nach um vier bis ich mal fertig war und an der Tür stand. „Ich gehe“ Rief ich laut und zog meine Schuhe an. „Lasse dir ruhig viel Zeit!“ Kam es laut von irgendwoher.
Na das klang ja sehr erfreut! Ich lief in die Richtung aus der seine Stimme kam bis ich Rafa vor der Playstation stehen sah. „Willst du mich los werden?“ Fragte ich neugierig obwohl ich mir denken konnte warum er sich so freut das ich gehe. “Wenn du so fragst, sí! Ich habe kaum Zeit das ich mal spielen kann und mich niemand behelligt“ Er sagte das mit so einer Begeisterung, dass man ins grübeln kommen könnte. Setzt er eine Runde Playstation mit einem Grand Slam Gewinn auf die selbe Stufe? Ich sah kurz auf meine Uhr und leider musste ich wirklich los sonst hätte ich ihn jetzt in eine Diskussion verwickelt. „Wir unterhalten uns noch!“
Er blieb stehen und grinste mich nur breit an da meine Drohung wohl nicht sehr überzeugend war. Verdient hat er es nicht aber ich küsste ihn kurz und machte auf dem Absatz kehrt. „Bis später und sei brav!“ Rief ich ihm nach während ich zur Tür lief. “Sí mamá“ Kam es in der nächsten Sekunde zurück. Ich musste kichern und lief zum Auto.

Weit kam ich nur nicht da ich zufällig auf meine rechte Hand sah. Jetzt wusste ich auch warum ich die ganze Zeit schon so ein unbestimmtes Gefühl hatte. Mir war tatsächlich kurz entfallen, dass ich ja nicht selbst fahren kann. Sieht so aus als wenn die Playstation noch warten muss, er wird sich freuen wenn ich gleich wieder erscheine und ihn als meinen Chauffeur einspannen will. Sein Gesicht war auch dementsprechend als er mich reinkommen sah. „Sitzt du bequem?“ Fragte ich gleich obwohl ich es auch schon sah. „Wieso?“ Fragte er zögerlich und sah mich schon mit einem warnenden Blick an. Ich warf ihm den Autoschlüssel zu und hielt meine rechte Hand hoch.
„Ich störe dich nur sehr ungern aber ich brauche einen Chauffeur“ “Und wie kommst du darauf das ich dich fahre?“ Fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich rollte genervt mit den Augen und sah auf meine Uhr. „Je eher wir fahren, desto eher kannst du weiterspielen“ Er zog ein theatralisches Gesicht und stand auf. Warum ist er denn gleich so genervt? Ich kann auch nix dafür! Wahrscheinlich übertreibt er ohne Ende weil er mich ärgern will. Ich weiß genau, dass er nicht wirklich sauer ist und nur so tut. „Na schön, wenn es unbedingt sein muss“ Ich drehte mich wieder um und lief zurück zum Auto. Es waren nur ein paar Minuten zu fahren und Rafa sagte keinen einzigen Ton mehr, er sah geradeaus auf die Straße und tat als wäre ich nicht da.
Ich beobachtete ihn aus dem Augenwinkel und musste dann lachen weil ich nicht anders konnte. „Was?“ Immerhin sah er mich kurz an auch wenn er gleich wieder mit den Augen rollte. „Ich kann es auch nicht ändern das ich nicht fahren kann. Ich mache das nicht extra weil ich dich ärgern will“ Inzwischen waren wir in der Nähe vom Hotel und er hielt an. „Bis später und komme ja nicht so schnell wieder!“ Jetzt rollte ich mit den Augen und öffnete die Tür. „Ich habe es verstanden! Man sieht sich“ “Mhh“ Kaum hatte ich die Tür zugemacht, war er auch schon verschwunden. Wenn ich gemein bin, rufe ich ihn an wenn er mich abholen soll aber ich werde laufen, so weit ist es nicht.
Ich lief die paar Meter bis zum Eingang vom Hotel und sah mich um. Keine Spur war von Sara zu sehen. Mehr zufällig bemerkte ich dann, dass sie in der Lobby vom Hotel saß. Gesehen hatte sie mich noch nicht aber das wird sich gleich ändern. Ich atmete nochmal tief durch und ging dann in das Hotel.

18 March 2010

Chapter 36

Mit gemütlichem Ausschlafen wurde es dann nichts am nächsten Tag. Wenn es nach mir gegangen wäre schon aber Rafa sah das wohl anders. Normalerweise steht er auf und lässt mich in Ruhe schlafen, nicht so an diesem Tag. Erst weckt er mich und dann bleibt er liegen, da hätte ich doch auch noch schlafen können. Noch dazu lag ich total unbequem auf der rechten Seite. Die Hand war immer im Weg und wenn ich drauf liege tut es weh. „Warum lässt du mich nicht schlafen?“ Fragte ich leise und drehte mich auf den Rücken. Da keine Antwort kam, gähnte ich erst mal und sah dann noch etwas verschlafen neben mich. Rafa strahlte mich vom einen Ohr zum anderen an, er sah aus als hätte er eben Wimbledon gewonnen, dass machte mir Angst! War vielleicht alles etwas viel gestern Abend wobei ich froh bin, dass es endlich mal raus ist. Ein paar Minuten brauche ich um munter zu werden daher freute ich mich nicht gleich übertrieben weil er mich so anstrahlte.
„Was ist?“ Fragte ich weiter und machte ein zerknirschtes Gesicht. „Nada, darf ich keine gute Laune haben?“ Ich drehte mich wieder auf die Seite und legte den rechten Arm über seinen Bauch. Wenn ich so darüber nachdenke, wir könnten auch den ganzen Tag im Bett bleiben. „Nicht um diese Uhrzeit“ Knurrte ich leise und schloss meine Augen wieder. “Ist doch gleich um sieben“ Hatte ich mich eben verhört? Um sieben?! Das ist ja noch mitten in der Nacht! Ich hob kurz meinen Kopf und sah zum Fenster, es ist hell draußen also muss es später als um sieben sein. „Du spinnst!“ “War Spaß, es ist gleich um neun“ Da er höchstwahrscheinlich keine Ruhe gibt, wird das nichts mit weiterschlafen, wo es doch eben so bequem war. „Liegt heute etwas an?“ Fragte ich neugierig da ich nicht wusste ob er den ganzen Tag Zeit hat. „No, nur das Finale der Australian Open“
Ach stimmt, da hatte ich nicht dran gedacht. Roger Federer spielt heute gegen Andy Murray im Finale. Erst dachte ich er ist gefrustet weil er nicht spielen kann, dass passt aber nicht zu seiner Laune. Er ist ein bisschen zu gut gelaunt. „Willst du es sehen?“ “Muss ich nicht, ich meine wenn du irgendwohin willst, macht es nichts“ “Wie du meinst“ Ich schlug meine Augen wieder auf und zog ein breites Lächeln. „Ich dachte schon du bist jetzt total frustriert weil du nicht spielen kannst“ “Klar ärgert es mich und ich würde lieber spielen aber es geht nun mal nicht. Stehen wir auf?“ “No“ Antworte ich nur und blieb liegen. Rafa ist immer so schön warm, es war zu bequem, kein Wunder das ich nicht aufstehen will.

Bis wir mit frühstücken fertig waren, war es nach um zehn und wir waren immer noch unschlüssig was wir anstellen sollen mit dem Tag. Rafa schien aber schnell eine Beschäftigung gefunden zu haben. Ich war kaum mal für ein paar Minuten oben und kam wieder nach unten, saß er ja doch vor dem Fernseher. Ich musste es gar nicht sehen weil ich auch so wusste was er guckt. „Ich denke du willst nicht gucken?“ “Hat sich ergeben“ Meinte er nur mit einem ernsten Gesicht und zuckte mit den Schultern. Ich setzte mich neben ihn und sah auf den TV. Es hatte wohl erst begonnen da der erste Satz noch lief. „Was glaubst du wer gewinnt?“ Einen Moment war ich überrascht über die Frage.
„Ich glaube Federer in vier Sätzen. Es ist ein Grand Slam Finale und im Zweifelsfall gewinnt ja immer Federer“ Das war mehr geraten als gewusst. Die Medien räumten auch Murray Chancen auf den Sieg ein und ich kenne beide nicht besonders genau. Von Federer wusste ich aber immerhin das er alles gewinnt wenn Rafa ihn nicht davon abhält. “Warum nicht Murray?“ “Der hat nicht die Nerven für einen Sieg“ Oh weia, ich höre mich wohl eben wie ein Tennisprofi an! “Mhh könnte stimmen, wenn er gewinnt dann in fünf Sätzen. Das Federer sich das in drei Sätzen aus der Hand nehmen lässt glaube ich nicht auch wenn Murray wirklich gut gespielt hat die letzten beiden Wochen“ Die nächsten Minuten sagte niemand was und wir verfolgten das Spiel. Spannend war es nicht gerade, Federer machte ohne scheinbare Anstrengung den ersten Satz perfekt.
„Vor einer Woche hätte ich nicht für möglich gehalten das Finale hier zu gucken“ Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihm rüber und kaute vorsichtig auf meiner Unterlippe. Rafa ist es nicht egal, ich kann es ihm schon ansehen auch wenn er etwas anderes sagt. „Ich hätte vor einer Woche auch nicht gedacht das ich so blöd bin und vor dem Haus ausrutsche“ Wenigstens lächelte er wieder wenn auch nur zaghaft. „Das kann doch jedem passieren“ “Schon aber ich dachte nie das es mir passieren würde“ “Kannst du da überhaupt schreiben mit dem Verband?“ “Natürlich nicht aber ich habe ja noch die linke Hand. Es wissen nicht viele Leute das ich auch mit links schreiben kann. Ich bin zwar Linkshänder aber ich schreibe fast nur rechts, im Notfall geht es aber auch mit links“ “Es sieht schon grausam aus wenn du eine Schere in der linken Hand hast“ Rafa ist nicht der einzige, meine Eltern bekommen da auch immer Angst. Die glauben wohl alle ich bin zu blöd mit links zu schneiden. „Sehr freundlich“ Meinte ich nur mit einem Augenrollen.
“Das muss ein Wink sein das mir erst das mit dem Knie passiert und du dann noch ausrutschst“ “Ich hätte zwar lieber auf den nervigen Verband verzichtet aber wenigstens sehen wir uns, besser als gar nichts“ “Wenn du hier bist kann ich sowieso keine schlechte Laune haben. Ich weiß ja das ich es nicht ändern kann daher bringt es nichts Frust zu schieben. Ist am Ende doch nur ein Spiel. Die Verletzung an sich ist zwar blöd aber das ist nicht das Schlimmste. Der Zeitpunkt ist das Problem. Ich bereite mich wochenlang auf die Saison vor und beim ersten großen Turnier dann so was. Ich spiele wahrscheinlich erst im März wieder, so hatte ich mir das alles nicht vorgestellt“ “Ich kann nachvollziehen, das dich das nicht sonderlich freut, mir wäre es auch lieber wenn du spielen könntest auch wenn ich dann jetzt nicht hier wäre“ Sein Lächeln wurde langsam breiter, ich dachte schon er trauert jetzt doch dem Spiel nach.
“Zum Glück bist du hier. Vor dir lasse ich mich am liebsten ablenken“ Ich musste lachen und legte meinen Kopf an seine Schulter. „Ich tue was ich kann“ “Dürfte dir nicht schwer fallen mich abzulenken“ “Nicht wirklich“ “Gehen wir heute Mittag essen?“ Wenn er schon so fragt, lasse ich mich nicht lange bitten. “Von mir aus“ Ich hatte erst die Befürchtung, dass es ein spätes Essen werden könnte wenn Rafa das Spiel zu Ende gucken will aber meine Sorge war unbegründet. Es konnte ja auch keiner ahnen, dass Federer locker in drei Sätzen gewinnt. Murray war total vor der Rolle, der spielte wie ein Anfänger, waren wohl doch die Nerven. Mir kam es gelegen da wir so eher los konnten. „Das ging ja fix“ Meinte ich nach dem doch frühen Ende. „Kannst du laut sagen. Drei Sätze sind nicht gerade eine Glanzleistung für ein Finale“ “Da siehst du was passiert wenn du nicht spielst, ist total langweilig“

Weit fahren mussten wir auch nicht, das Restaurant von seinem Onkel war nur ein paar Kilometer weg. Das Wetter kam mir auch gelegen, die Sonne schien und es war eigentlich wie im Frühling. Ich konnte mich gar nicht daran gewöhnen das hier schon alles blüht, bei mir zu Hause fängt das erst im April an und nicht Ende Januar. Zumindest muss ich Fotos machen. Mein Vater wird schön jammern wenn er erfährt wie warm es hier schon ist. Rafa rollte zwar schon mit den Augen wenn er wieder mal anhalten musste damit ich Bilder machen kann aber es ist mir egal, da muss er jetzt durch. Er blieb im Auto sitzen und tat als wenn er nichts damit zu tun hätte. „Willst du jetzt jeden Mandelbaum einzeln fotografieren?“ Fragte er kaum das ich wieder im Auto saß.
„Sei nicht so unromantisch, das sieht doch total schön aus alles“ “Sí aber ich bin es gewohnt. Wo soll ich hinfahren?“ Er konnte das richtig gut das er so tut als wenn er total genervt wäre dabei weiß ich genau das er nur so tut. “Formentor“ Er sah mich streng an aber ich musste trotzdem kichern. „Vergiss es gleich wieder!“ “War Spaß“ Da er immer noch so einen unbeteiligten Eindruck machte, lehnte ich mich zu ihm rüber und küsste ihn kurz. „Fahre irgendwo hin wo wir unsere Ruhe haben“ Sein Gesicht war so köstlich, ich hätte schreien können vor lachen. „Klingt schon viel interessanter“ Kam es gleich mit einem verräterischen grinsen. „Wusste ich doch!“ “Dazu brauchen wir aber nicht weit fahren, ich meine hier ist weit und breit kein Haus in der Nähe. Nur 100.000 Mandelbäume“ Ich sah kurz aus dem Auto und musste dann wieder kichern. „Das Gras ist nass“ “Das stört mich nicht, wir müssen ja nicht liegen“ Kam es direkt zurück. Inzwischen konnte ich mich kaum noch beherrschen vor lachen und schüttelte dabei mit dem Kopf.
„Du bist echt unmöglich!“ “Wer hat denn angefangen? Ich nicht!“ Ich sah von ihm weg und versuchte mich zu beruhigen, es gelang mir nur nicht. Leider kreiste mir der Satz mit dem Gras im Kopf rum. Wie stellt er sich das vor wenn er meint wir müssten nicht liegen? Wenn ich das jetzt frage, wird er aber nur noch direkter werden, fürchte ich zumindest. „Wie soll das gehen ohne zu liegen?“ Fragte ich dann mit einem ernsten Gesicht. Wie schon erwartet, lachte er noch mehr als vorhin schon. „Da mache dir mal kein Sorgen, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ Da hätte ich mir aber eine andere Antwort erhofft. „Wir können uns ja für heute Abend noch etwas aufheben“ Meinte ich dazu mit einem Kopfnicken. Rafa lehnte sich näher zu mir und küsste mich kurz am Hals. Ich wollte ihn von mir fern halten aber es ging nicht da er mich umarmte. Dachte ich wirklich das er aufgibt? Er verteilte kleine Küsse meinen Hals entlang und knabberte dann an meinem Ohrläppchen. Ich schnappte nur nach Luft und versuchte nicht die Kontrolle über mich zu verlieren, ein wenig warm wurde es mir schon. Wir sind hier definitiv am falschen Ort. Eigentlich dachte ich es ist alles nur Spaß aber da bin ich mir nicht mehr so sicher. „Und wenn ich keine Lust habe zu warten?“ Flüsterte er dann in mein Ohr. Es fiel mir sehr schwer ihn abblitzen zu lassen, ich könnte mir auch was anderes vorstellen.
Ich antwortete nichts da ich schon genug damit beschäftigt war nicht weiter darauf einzusteigen. Sicher erhoffte er sich eine andere Antwort, da er sich langsam von meinem Ohr zu meinen Lippen küsste. Ich konnte gar nicht anders als seine Küsse zu erwidern, ist doch egal wo wir eben sind. Spätestens jetzt musste ich ihn bremsen da ich sonst nicht mehr no sagen kann. Nur sehr ungern drückte ich ihn von mir weg und holte erst mal tief Luft damit ich wieder klar denken kann. „Höre auf!“ Sagte ich dann ernst und sah in seine Augen. An seinem Blick sah ich schon, dass er nicht hören wollte das er aufhören soll. Wenn er mich mit leicht geöffneten Lippen und so einem gierigen Blick ansieht, würde ich am liebsten sofort über ihn herfallen. Ein paar Sekunden musterten wir uns gegenseitig ohne etwas zu sagen. Die Spannung zwischen uns war fast zum greifen, ich liebe es wenn es so knistert. Plötzlich löste er sich ganz von mir und stieg aus. Ich sah ihm nach und atmete erst mal tief durch bevor ich auch ausstieg. Da Rafa sich mit dem Rücken gegen das Auto lehnte, lief ich auf die andere Seite und blieb vor ihm stehen. Er sah mich erst an und dann auf den Boden. Ich nahm seine Hand in meine und da er mich nicht ansah, umarmte ich ihn dann. Immerhin erwiderte er die Umarmung.
„Ich will dich nicht ärgern, sondern dir nur einen peinlichen Skandal ersparen“ “Ich weiß“ Antwortete er direkt. Ich löste mich etwas von ihm das ich in sein Gesicht sehen konnte und lächelte ihn vom einen Ohr zum anderen an. „Ich liebe dich zwar aber ich will das Ergebnis davon nicht unbedingt in der Zeitung sehen“ Innerhalb von Sekunden erschien sein berühmtes Lächeln wieder. „Es tut mir leid, dass ich die Kontrolle über mich verliere wenn ich dich sehe“ “Das muss dir nicht leid tun“ “Was hältst du davon wenn wir den Ausflug auf dem Wasser fortsetzen?“ Mein grinsen wurde bestimmt wieder unverschämt. “Du suchst nur einen fadenscheinigen Vorwand um mit mir alleine zu sein“ Im nächsten Moment lachte er laut und sah von mir weg. „No, ich meine es ernst“ “Ich auch“ “Wir können ja meinen Vater fragen ob er mitkommt wenn du Angst davor hast mit mir alleine zu sein“
Also wenn ich so überlege ziehe ich es dann doch vor mit Rafa alleine zu sein. “Mit dir werde ich schon fertig“ “Denkst du zumindest“ Ich löste mich von ihm und lief um das Auto. „Wir werden sehen“ Meinte ich mit einem vielsagenden grinsen und stieg ein.

Ich war zwar erst auf einen Ausflug mit dem Auto aus gewesen aber gut, fahren wir eben eine Runde mit dem Boot. Wir fuhren zurück zu seinem Haus und zogen etwas Wärmeres an und dann zum Hafen. Wirklich kalt war es nicht heute aber auf dem Meer weht immer ein kühles Lüftchen. Ich war schon gespannt was Rafa sich unter einem Boot vorstellt, hoffentlich nicht wieder einen Jet ski. Während Rafa die Schlüssel organisierte und den Papierkram erledigte, sah ich mich an den Anlegestellen um und versuchte das Gefährt ausfindig zu machen. Kaum zehn Minuten später waren wir schon fast auf dem offenen Meer.
Der Hafen war ja in einer Bucht und die letzten Häuser oder besser gesagt Villen zogen eben vorbei. Eigentlich müsste auch gleich das Haus von Rafa zu sehen sein, bin schon gespannt wie es vom Meer aus gesehen aussieht. Kaum hatte ich zu Ende gedacht, tauchte es auch schon auf. „Dein Haus“ Meinte ich nur und musste darüber lachen. „Das ist die einzige Seite wo man reinsehen kann“ “Hast du ein Fernglas hier irgendwo?“ Er kramte kurz in einer großen Kiste und gab mir dann das Fernglas. Ich versuchte das Haus zu erwischen was gar nicht so leicht war wegen dem Wellengang. Man kann zwar die Seite sehen die man von der Straße aus nicht sieht aber man sieht trotzdem nichts, es ist ja alles Steilküste und man kann von Meereshöhe aus nichts sehen, nur die obere Etage und da waren alle Rollläden unten wegen der Sonne.
„Man sieht ja gar nix“ “Ich weiß, die Architekten haben gute Arbeit geleistet“ Ich legte das Fernglas wieder weg und sah nach vorn. „Wo fahren wir eigentlich hin?“ Fragte ich rein aus Interesse. „Nach Algerien“ Meine Augen wurden sicher immer größer. Ist er verrückt? „War Spaß“ Kam es gleich noch mit einem amüsierten Lächeln. „Sehr komisch!“ “Ich dachte nur eben an deine abstruse Geschichte als wir mit dem Jet ski gefahren sind. Ich meine die mit dem kaputten Motor und das wir in Algerien stranden“ “Immer lache!“ “Spätestens da war ich überzeugt das du verrückt bist“ “Das denke ich schon lange von dir“ Antwortete ich nur und war mir ziemlich sicher, dass er eine andere Antwort hören wollte. „Seit wann denn genau?“ Fragte er nach. „Schon bevor ich dich persönlich kannte, es reicht aus dich im TV zu sehen“ “Ich werfe dich gleich über Bord“ “Ich kann es kaum erwarten“

Nach ein paar Minuten blieben wir stehen und Rafa packte doch allen Ernstes eine Angel aus. Das hätte ich mir auch gleich denken können! Glaubt er etwa einen Fisch fangen zu können? Was mache ich denn derweil? In der Sonne liegen? Wie schade das das Wasser noch so kalt ist und man nicht baden gehen kann wobei ich das sowieso nicht könnte mit dem Verband. Erst sagte ich nix aber ich blieb neben Rafa stehen und sah ihm skeptisch zu wie er den Köder ins Wasser warf.
„Haben wir heute Abend nichts zu essen wenn du nichts fängst?“ “Könnte passieren“ “Nimm‘ es nicht persönlich aber ist das nicht langweilig?“ “No, ist richtig schön hier mal alleine zu sein. Hier ist kein Handyempfang und ich kann mal richtig entspannen. Im Sommer mache ich das öfters wenn ich mal hier bin und auf andere Gedanken kommen will. Manchmal bin ich froh wenn ich nichts von Tennis höre und sehe“ “Kann ich nachvollziehen“ “Ist es dir jetzt schon langweilig?“ Wieso fragt er noch? Klar ist es langweilig immer auf die gleiche Stelle zu starren aber das kann ich ja jetzt schlecht sagen also muss ich eben das Thema wechseln.
“No, das war nur eine Frage. Du willst doch nicht bis zum Sonnenuntergang hier bleiben oder?“ “Mal sehen“ Eigentlich war es doch ganz schön, es war so schön ruhig. Man hat tatsächlich das Gefühl das man flüchten könnte. Einfach immer geradeaus fahren bis sämtliche Landmassen am Horizont verschwinden und ringsum nur noch das Meer ist. Man kommt sich ein bisschen verloren vor, wie ein Sandkorn in der Wüste. Vielleicht ist das ja der Grund das Rafa noch nicht abgehoben ist bei der ganzen Aufmerksamkeit die er bekommt. Ich wünschte ich könnte auch einfach so mal flüchten wenn mir danach ist, bei mir zu Hause geht das aber schlecht. Die entspannte Stimmung verflog aber gleich als ich in meiner Tasche nach einem Taschentuch suchte und dabei zufällig auf mein Handy sah. Meinte Rafa nicht vorhin hier wäre kein Empfang?
Dann ist mein Handy wohl eine Ausnahme oder wie soll sonst die sms hier her kommen? „Mein Handy hat Empfang!“ “Dann sind wir nicht weit genug weg“ Ich ging in den Posteingang um zu sehen wer mich jetzt schon wieder behelligt. In der nächsten Sekunde blieb mir die Luft weg. Es ist mal wieder Sara!

14 March 2010

Chapter 35 - Porto Cristo IV

Den ersten Schock mit der Hand hatte ich dann überwunden und fand die Idee mit zwei Wochen krank gar nicht so dumm. Bisschen entspannen ist doch immer gut und ich saß pünktlich am Dienstag um zehn vor dem Fernseher und wartete auf das Spiel. Es sollte schon um neun beginnen aber da waren die davor noch nicht fertig. Ich war schon ein bisschen aufgeregt und gespannt was gleich passiert.
Es könnte zumindest eng werden heute. Los ging es wie schon erwartet normal. Man hätte sich auch denken können, dass es zum tie break kommen würde. Murray spielte unheimlich gut, ich sah schon das Rafa zu kämpfen hat. Es wurde richtig spannend und ich klebte förmlich an der Bildröhre. Leider gewann Murray den ersten Satz. Mist! Im zweiten hatte Rafa Probleme mit seinem Aufschlag doch dann schaffte er ein Break. Ich hatte aber nicht lange Zeit mich darüber zu freuen da er es gleich im nächsten Moment wieder verspielte. Das war die Chance überhaupt den Satz zu gewinnen! Es lief ein bisschen zäh für Rafa und plötzlich stand es auch im zweiten Satz 6-3 für Murray.
Das wird wohl nicht reichen für Rafa, ich glaube nicht das er das noch umbiegen kann, nicht gegen einen wie Murray. Der war einfach zu gut. Murray begann den dritten Satz und ging natürlich in Führung, verständlich bei dem Spielstand. Rafa spielte irgendwie anders als in den ersten beiden Sätzen, kam mir so vor als wenn er langsamer ist. Zumindest machte er sich nicht die Mühe extrem weit in die Ecken zu rennen, normalerweise rennt er überall hin egal wie aussichtslos es erst scheinen mag. Den Grund dafür sah ich dann auch in der nächsten Pause als es schon 3-0 für Murray stand. Rafa setzte sich hin und dann kam der Physio auf den Platz und blieb vor Rafa stehen. Mir blieb fast die Luft weg als Rafa auf sein rechtes Knie zeigte. Bitte nicht schon wieder eine Knieverletzung!
Der Kommentator meinte das würde nicht gut aussehen aber das sah man auch schon an dem Gesicht was Rafa zog. Rafa gönnte sich also ein medical time out aber ich wusste schon das es nichts harmloses sein wird. Ohne Grund lässt er nicht den Physio kommen und das der durch ein paar Massagen nichts mehr retten kann wusste ich auch. Wenn es so ist, dass man es Rafa ansehen kann das er Schmerzen hat, dann lässt sich da spontan gar nichts mehr machen. Er kann nur aufhören mit spielen. Was in Rafa vorgeht, kann ich mir ansatzweise vorstellen. Nach fast drei Monaten Pause kommt er auf die Tour zurück und dann hat er beim ersten großen Turnier gleich wieder eine Verletzung. Ich konnte das kaum mit ansehen und hoffte inständig das er nicht wieder aufsteht und weiter spielt.
Wie ich ihn kenne wird er aber weiter spielen bis es absolut nicht mehr geht. Ich musste mit dem Kopf schütteln als er tatsächlich aufstand und wieder zur Grundlinie lief. Der muss verrückt sein, er riskiert eine viel schlimmere Verletzung nur weil er unbedingt bis zum Ende spielen muss. Er liegt doch schon hinten, es hat doch gar keinen Sinn mehr. Murray nutzte es natürlich aus und ließ Rafa ein bisschen laufen bis es ihm wohl reichte und er zum Netz lief. Ein paar Sekunden dauerte es bis Murray wohl kapiert hatte das Rafa aufgibt. Gott sei dank hört er auf! Der Abgang von Rafa war filmreif, sein Gesicht war herzzerreißend, ich weiß ja wie gerne er noch weiter gespielt hätte.
Ich konnte kaum noch hinsehen, ich würde ihn ja gerne trösten aber das wird schwierig. Der Tag war dann gelaufen für mich, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Natürlich will ich nicht sehen wie er verliert. Noch schlimmer ist aber das er schon wieder Probleme mit dem Knie hat. Der Traum von der Titelverteidigung hatte ein jähes Ende gefunden. Verständlicherweise war Rafa mehr als nur niedergeschlagen. Wenigstens kommt er so eher nach Hause.

Einen Tag nach dem Spiel saß er schon im Flieger zurück nach Spanien. Bevor er nach Hause kann, muss er nach Barcelona weil er dort immer hinfährt wenn ihn Knieprobleme ärgern. Hoffentlich ist es nichts schlimmes, bis jetzt wusste keiner was los war. Die Medien verbreiteten natürlich gleich wieder Horrormeldungen. Ich wusste auch nichts, Rafa meinte nur er hätte einen Knacks gehört in dem Knie.
Das klang nicht gut, Geräusche sind immer ein schlechtes Zeichen. Kann man bloß hoffen, dass es nichts ernstes ist. Ich machte mir natürlich auch meine Gedanken. In den nächsten Tagen wird er zu Hause bleiben und aller Wahrscheinlichkeit nach kann er das Turnier in Rotterdam nicht spielen. Es ist tragisch weil ich ja nach Rotterdam wollte aber so hatte er plötzlich noch viel mehr Zeit. Ich bin ja noch krank, mindestens eine Woche, vermutlich länger. Mein Arbeitgeber war nicht begeistert darüber das ich mindestens zwei Wochen nicht da bin aber kann man nicht ändern.
Ich fragte vorsichtig nach wie Rafa das finden würde wenn ich vorbei komme. Er meinte dazu nur das ich ihn nicht extra fragen muss ob ich zu ihm kommen darf. Das klang gut, ich vermisste ihn schon, es war ja fast vier Wochen her das wir uns zuletzt gesehen hatten in Abu Dhabi.

Porto Cristo – Januar 2010

Ich packte also meine Sachen und flog mehr oder weniger spontan nach Mallorca. Jetzt hatte ich direkt mal Zeit und würde mindestens eine Woche dort bleiben. Am Dienstag hätte ich nie für möglich gehalten vier Tage später nach Mallorca zu fliegen. Eher hätte ich sowieso nicht fahren können weil Rafa ja erst noch in Barcelona war. Er kommt praktisch auch erst jetzt zu Hause an. Da ich mit einer Hand auch nicht Auto fahren kann, darf Rafa mich auch am Flughafen abholen.
Es war direkt ein Erlebnis als ich in Palma aus dem Terminal kam. Nicht weil ich das noch nie gesehen hatte sondern weil hier schon der Frühling ausgebrochen ist. 14 Grad waren es und zwar Plus, bei mir zu Hause gab es auch 14 Grad aber Minus. Schon erstaunlich was die relativ kurze Entfernung ausmachen kann. Dieses Jahr war der Winter auch besonders extrem, man muss immer Angst haben das man gar nicht weg kommt wenn man wohin fliegen will. Ein paar Zentimeter Schnee und auf sämtlichen Flughäfen geht nichts mehr. Ist gleich viel schöner hier, ich sollte länger als eine Woche hier bleiben.

Ich war schon gespannt als ich mit meinem Koffer zur Bushaltestelle lief. Inzwischen freute ich mich richtig darauf Rafa gleich zu sehen. Er war aber noch nicht da also setzte ich mich hin und wartete. Wegen mir hätte er nicht zum Flughafen kommen müssen, er kam ja selbst erst vor ein paar Stunden hier an und ich wollte nicht das er zwei mal hin und her fährt. Mich hätte es nicht gestört wenn mich jemand anderes abholt aber Rafa wollte es unbedingt so. Trotz der Umstände ist der Gedanke eine Woche hier zu bleiben gut. Ich saß kaum richtig bequem, als ich ein mir bekanntes Auto auf mich zufahren sah. Erst mal blieb ich sitzen und wartete bis er stehen blieb und dann ausstieg.
Ich war schon total nervös und konnte es kaum erwarten. Er lief um das Auto und grinste mich vom einen Ohr zum anderen an. „Hi, wartest du auf jemanden?“ Ich konnte nur lachen, es war zu herrlich ihn endlich wieder zu sehen. Ohne zu antworten stand ich auf und umarmte ihn. „Nicht auf dich aber man muss nehmen was man kriegen kann“ Murmelte ich in seine Schulter und schlang meine Arme um seine Hüften. Das war richtig schön, mir hatte die Nähe zu ihm schon richtig gefehlt. Mein Puls machte wohl eben Überschläge. „Ich habe dich richtig vermisst“ “Ich dich auch! Wenn du nicht auf mich wartest, auf wen dann?“ Er löste sich sowieso von mir das er mich ansehen konnte und schien auf eine Antwort zu warten. „Du kennst ihn nicht“ Meinte ich nur mit einem frechen Grinsen und verfrachtete meinen Koffer in sein Auto.
„Das macht gar nichts, du kannst ihn mir gerne vorstellen“ “No, der bekommt nur einen Schreck wenn er dich sieht“ “Willst du weiter warten oder mit zu mir kommen?“ “Ich denke ich kann auch bei dir zu Hause warten“ “Ich fühle mich geehrt!“ Ich schüttelte lachend mit dem Kopf und stieg ins Auto. „Steigst du immer bei Fremden ins Auto?“ Fragte er kaum das er im Auto saß. Ich griff nach seiner Jacke und zog ihn näher zu mir. „Ich mache noch ganz andere Dinge“ Bevor er antworten konnte, küsste ich ihn spontan, mir war es auch total egal ob es jemand sieht oder nicht. War vielleicht doch kein gute Idee mit dem küssen, ich komme nur nicht mehr los von ihm. „Da bin ich aber gespannt!“ Kam es dann von der Seite mit einem frechen grinsen, das verging ihm aber gleich wieder als er länger auf meine rechte Hand sah. „Sieht ja echt gefährlich aus“ Ich folgte seinem Blick und nickte eifrig mit dem Kopf.
„Das täuscht, es ist nur nervig das ich nix machen kann mit der Hand. Ich darf ja nicht mal Auto fahren. Außerdem ist der Verband nicht gerade ein modischer Knaller. Das Ding sieht aus wie so ein Gelenkschoner zum inline skate fahren“ “Besser als ein Gips, no? Könntest du das nicht theoretisch abmachen? Es sind doch alles Klettverschlüsse“ “Klar könnte ich es abmachen aber dann kriege ich das vielleicht nicht mehr dran. Ich bin schon froh, dass ich nicht die ganze Zeit mit so einer Schlinge um den Hals rumlaufen muss. Ich kam mir echt bescheuert vor damit die letzte Woche“

Ich konnte es noch gar nicht richtig fassen als wir im Auto saßen auf dem Weg nach Porto Cristo. Es fiel mir sehr schwer ihn in Ruhe fahren zu lassen, ich musste ständig zu ihm sehen, es war wie ein Zwang. Das wird richtig gut, zwar will ich nicht das er verletzt ist und nicht spielen kann aber es steht inzwischen fest das er zwei Wochen nicht trainieren wird. Die Verletzung ist nicht so schlimm wie erst befürchtet aber er musste Rotterdam absagen und wahrscheinlich auch noch Dubai.
Das heißt also er kann die nächste Woche mal richtig entspannen, kommt mir sehr gelegen. „Hast du eigentlich die ganze Woche frei?“ “Ich weiß das es sich komisch anhört aber es ist so!“ “Klingt doch ganz gut, da habe ich wenigstens Zeit dir richtig auf die Nerven zu gehen“ “Vielleicht nerve ich dich auch. Wir müssen übrigens noch etwas zu Essen besorgen. Ich gehe mal davon aus das du morgen früh keine Chips oder Pizza zum Frühstück willst“ “Nicht unbedingt“ “Ok, da ich länger nicht hier war, ist absolut nix im Kühlschrank und meine Mutter kann ich nicht einkaufen lassen weil die garantiert das erwischt was ich nicht esse“ Es ging also nicht direkt nach Porto Cristo sondern erst nach Manacor.
Der Vorteil ist das ich mir mehr oder minder aussuchen kann was ich essen will. In Palma gibt es größere Supermärkte aber Rafa wollte wohl seine Ruhe haben, zumindest heute. Ich hatte direkt mal nicht das Gefühl, dass uns alle Leute anstarren wie im Zoo. Rafa geht wohl öfters hier her also schockt es niemanden mehr ihn zu sehen.

Als wir endlich mal in Porto Cristo ankamen, war es schon fast Abends. Viel wird heute nicht mehr werden. Eine Weile war ich ja nicht hier aber es hatte sich nichts verändert. Gut, Rafa war fast genauso lange nicht mehr hier, er war seit Ende Dezember wo er nach Abu Dhabi geflogen ist nicht mehr zu Hause. Ich packte erst mal meinen Koffer aus und lief dann wieder nach unten. Rafa saß ganz entspannt auf der Couch und aß Schokolade. Ich blieb im Türrahmen stehen und stemmte meine Hände in die Hüften. „Was machst du da?“ Fragte ich übertrieben empört.
„Wonach sieht es denn aus?“ Meinte er nur und kaute weiter als wenn nichts wäre. Ich setzte mich neben ihn und aß auch gleich ein Stück, wer weiß wie viel er noch davon isst und ich bin mir nicht so sicher ob er mir was übrig lassen würde. „Darfst du das essen?“ Bohrte ich weiter. Er sah zu mir rüber und rollte nur mit den Augen. „Es sieht doch keiner und du wirst kaum zu Toni rennen und petzen, no?“ “Da kann man nie so sicher sein“ “Du bist echt eine tolle Freundin“ Ich machte es mir bequem und umarmte ihn. Wir könnten ja eigentlich die ganze Woche hier sitzen bleiben, ich musste ja lange genug auf ihn verzichten. “Ich tue was ich kann. Du hättest mich übrigens nicht unbedingt vom Flughafen abholen müssen. Ich meine, wegen mir musst du nicht zweimal am Tag hin und her fahren. Du hättest sicher jemanden dafür einspannen können oder?“ “Klar aber ich wollte dich so schnell wie möglich sehen“ Obwohl er das sicherlich ernst meinte, musste ich lachen.
„Ich fühle mich geehrt“ Er sah absichtlich von mir weg und zog ein breites Lächeln. Ich könnte ihn ewig beobachten wobei ich früher oder später nicht der Versuchung widerstehen könnte überall auf ihm Küsse zu verteilen. „Das wollte ich jetzt nicht hören“ Was wollte er denn hören? Das ich keine Sekunde länger ohne ihn leben könnte? „Ich konnte keinen Moment länger leben ohne dich zu sehen“ Sagte ich in einer sachlichen Tonlage als wenn ich eben etwas aus der Zeitung vorlesen würde. Immerhin sah er mich dann wieder an. „Also das hat mich jetzt sofort überzeugt“ “Willst du mir unterstellen das ich das nicht ernst meine?" “Das hast du gesagt“ Will er mir jetzt eine Steilvorlage liefern, damit ich ihm eine kitschige Liebeserklärung mache? Damit soll er dann schon selbst anfangen.
Klar würde ich ihm sagen das ich ihn liebe aber nur wenn er es vorher zu mir gesagt hat. Leider kam nichts in der Richtung, er stand auf und meinte er wäre gleich zurück. Von wegen gleich zurück, ich dachte schon er ist vor mir geflüchtet weil er gar nicht wieder kam.

Als es mir reichte, stand ich auf und ging nachsehen wo er sich vor mir versteckt. Dachte mir doch gleich das er in der Küche ist. „Willst du mich mit irgendwelchen Kräutertees abfüllen?“ Fragte ich und blieb hinter ihm stehen. Sah zumindest so aus als wenn er wartet bis das Wasser mal kocht. „So nötig habe ich es noch nicht“ Kam es nur ohne das er mich ansah. Da ich mich nicht beherrschen konnte, umschlang ich ihn von hinten und versuchte über seine Schulter zu gucken. „Höre auf!“ Kam es nur halbherzig. „Ich denke gar nicht daran“ “Ich kann mich nicht konzentrieren!“ Sagte er ernst und wieder ohne mich anzusehen. Falls er denkt, dass er mich loswerden kann, täuscht er sich aber ganz gewaltig.
“Musst du auch nicht, der Wasserkocher kocht auch von alleine“ Da er so tat als wäre er ganz beschäftigt, verteilte ich Küsse auf seinem Nacken weil ich wusste das er ausflippen wird. „Amaia!“ Ich fühlte mich überhaupt nicht angesprochen. Die letzten Wochen musste ich lange genug auf ihn verzichten. „Kann ich mich umdrehen ohne das du über mich herfällst?“ Das war eine gute Frage. Er sollte mal nicht so tun als wenn es ihn stören würde und die Frage brachte mich erst recht auf dumme Gedanken. „No“ Meinte ich und verteilte weiter Küsse auf seinem Hals. So langsam könnte ich die Kontrolle über mich verlieren. Zu meinem Erstaunen drehte er sich dann doch zu mir um. Ich sah in seine Augen und musste mich beherrschen nicht aufdringlich zu werden.
Das kribbeln in meinem Bauch hatte mir schon richtig gefehlt und langsam wurde ich auch nervös. Es baute sich eine gefährliche Spannung zwischen uns auf, wohin das führt wusste ich schon. Ich würde ihn am liebsten anspringen und dann alle Klamotten runterreißen. Nach schier endlosen Sekunden kam er langsam näher und küsste mich dann verführerisch. Ich umarmte ihn und zog ihn an mich während ich total die Kontrolle über mich verlor. Um nicht ständig auf Zehenspitzen stehen zu müssen, machte ich es mir auf der Kante vom Küchenschrank bequem. Es war vielleicht zu bequem, ich schlang meine Beine um seine Hüften und zog ihn an mich so nah es ging während ich mit einer Hand seine Frisur zerstörte. Es wurde mir immer wärmer und wo wir sind hatte ich schon sehr bald vergessen, seine leidenschaftlichen Küsse machten mich total wahnsinnig.
Seine Hände waren an meinen Hüften und verschwanden dann unter meinem Top an meinem Rücken. Hilfe, wie hatte mir die Nähe schon gefehlt und vor allem seine schönen warmen Hände! Ich hatte den rechten Arm auf seiner Schulter liegen und zog ihm mit der anderen Hand so weit es ging sein Shirt nach oben. Jeglicher Stoff war absolut zu viel zwischen uns. Mein Herz schlug bis zum Hals als ich ihm sein Shirt auszog und ihn wieder umarmte. Der Anblick war absolut zu viel. Er hatte diesen lüsternen Blick der mich zum ausflippen bringt!

„Das war verrückt“ Murmelte er nach ein paar Minuten in meine Schulter. Ich löste mich etwas von ihm und sah in seine Augen. „Könnte man so sagen“ Sagte ich leise und könnte mich gleich wieder in seinem Blick verlieren. Direkt nachdem wir Sex hatten herrscht immer so eine friedliche und entspannte Stimmung, ich genieße einfach die Nähe zu ihm. Er kam näher küsste mich wieder sanft, der Kuss war aber anders als sonst. Mir lief es wieder kalt den Rücken runter, das waren zu viele Gefühle auf einmal. Ich liebe das total wenn er hauchzarte Küsse auf mir verteilt.
Während ich überlegte, was in ihm vorgeht, fuhr er mit seiner Hand über meine Wange und ließ sie dann unter meinem Kinn. „Ich liebe dich“ Kam es plötzlich leise. In der nächsten Sekunde saß ich sicher mit offenem Mund da. Ein paar Sekunden brauchte ich um zu realisieren was er gerade gesagt hat. Oh mein Gott, er hat gesagt das er mich liebt! Ich musste ganz ruhig Luft holen um nicht auszuflippen. Und ich dachte schon er sagt das nie. Ganz vorsichtig zog ich ein lächeln. „Was?“ Fragte ich obwohl ich ihn verstanden hatte, ich wollte es nur nochmal hören.
„Ich liebe dich Amaia“ Wiederholte er nochmal mit einem breiten Lächeln und sah mich gespannt an. Es klang zu gut, kann er es nicht gleich nochmal sagen? Ok, ich wollte ihn nicht unnötig lange auf die Folter spannen. „Ich liebe dich auch“ Antwortete ich dann mit einem breiten Lächeln und umarmte ihn wieder. Der Moment war eben zu schön um wahr zu sein, ich war überglücklich und könnte die ganze Welt umarmen. Von mir aus bleiben wir die ganze Nacht in der Küche, ich lasse ihn nur sehr ungern wieder los. „Ich dachte schon du sagst das nie!“ Meinte ich nach ein paar Minuten und musste kichern. „Ich wollte dich nicht dazu drängen“ “Das tust du nicht. Ich wäre nie seit zwei Monaten mit dir zusammen wenn ich dich nicht lieben würde“ “Klingt zu gut um wahr zu sein“ “Es ist wahr“ Kurz sah er an mir nach unten und dann wieder in mein Gesicht.
„Wir sollten duschen gehen“ “Du kannst mir helfen“ Meinte ich gleich mit einem frechen grinsen. „Wobei?“ Fragte er übertrieben unschuldig zurück und sah mich dazu auch noch so unwissend an. Er hat es wirklich drauf den Ahnungslosen zu mimen. Ich hielt meinen rechten Arm hoch und rollte mit den Augen. „Nicht das was du denkst, es lässt sich schwierig duschen mit einer Hand weil ich den rechten Arm nach oben halten muss damit er nicht nass wird“ “Ich helfe dir doch gerne. Hat vielleicht doch was gutes das du das Ding nicht abmachen kannst“ Ich verkniff mir einen anzüglichen Kommentar und rollte nur mit den Augen.

Das meinte ich ernst mit dem duschen. Die scheinbar einfachsten Dinge werden zur Herausforderung mit einer Hand. Ich hatte zwar viel Zeit die letzte Woche aber es war trotzdem umständlich und ich kann schlecht meine Mutter fragen ob sie mir beim duschen hilft, dass wäre mir zu peinlich. Rafa musste ich nicht zweimal bitten, das war mir schon vorher klar. Vielleicht hat er ja gedacht ich würde das nur als Vorwand nutzen weil ich unter der Dusche über ihn herfallen will.
Wollte ich wirklich nicht, es blieb auch beim duschen. Ich wickelte dann ein großes Handtuch um mich und ließ mich direkt ins Bett fallen. Rafa erschien ein paar Sekunden später mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt und verschwand auf der anderen Seite im Bett. Ich sah zu ihm rüber und konnte nicht anders als vom einen Ohr zum anderen zu lächeln. „Was ist?“ Fragte er neugierig. Er hatte doch nicht schon wieder Angst das ich es auf ihn abgesehen habe oder? Ich drehte mich auf die Seite und rückte so nah es ging an ihn. „Ich bin total glücklich“ Sein dreistes grinsen deutete schon die entsprechende Antwort an.
„Das will ich hoffen nachdem du praktisch in der Küche über mich hergefallen bist“ “Jetzt tue nicht so als wäre das etwas schlimmes!“ “Tue ich auch nicht, ich war nur etwas überrascht. Wobei ich nicht behaupten will das ich gar nichts unternommen hätte wenn du nicht angefangen hättest“ “Hat sich eben ergeben, wir haben uns ja eine Weile nicht gesehen.“ “Mhh, das klingt als hätten wir uns ein halbes Jahr nicht gesehen, es waren knapp drei Wochen“ “War schon viel zu lange aber wenn du anderer Meinung bist, können wir auch schlafen und müssen nicht diskutieren“
Ich hatte den Satz kaum zu Ende gesprochen, als das Licht ausging. „Bueno, schlafen wir“ Dauert bestimmt noch eine Weile bis ich schlafe, ich war viel zu aufgekratzt. Ist doch verrückt, vorhin dachte ich noch darüber nach und ein paar Minuten später sagt er es auch. Er hatte wohl einen schwachen Moment vorhin aber das ging mir nicht anders.

6 March 2010

Chapter 34

Ein paar Sekunden schnappte ich nach Luft und rollte dann mit den Augen. Rafa löste sich etwas von mir und zog ein entsprechendes Gesicht, mir war ja auch klar das er jetzt nicht rangehen will. Seine Haare hingen schon fast bei mir im Gesicht da er so nah war. „War wohl nix, eh?“ Meinte ich dann mit einem frechen Grinsen und strich ihm die Haare hinter die Ohren. Ich weiß ja das er es immer in der rechten Hosentasche hat also zog ich ihm das Handy aus der Tasche und hielt ihm das Display vor die Nase. Er nahm mir das Handy aus der Hand und ließ es auf den Fußboden fallen nachdem er kurz nachgesehen hatte wer es war. „Nichts wichtiges?“ Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Ich bin beschäftigt“ Ich hatte noch gar nicht Luft geholt um zu antworten als es wieder klingelte. Das war es dann wohl! Ein paar Sekunden sah er mich nur an aber da es nicht aufhörte, ging er also doch ran. Es klang irgendwie nach Toni. Zwar verstand ich nicht viel von dem Mallorquí aber es konnte dauern also zog ich meine Sachen wieder gerade. Toni will sicher das Spiel mit Rafa auswerten auch wenn er nicht hier ist. Rafa machte es sich nach ein paar Minuten bequem und legte seinen Kopf an meine Schulter. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Blieb mir ja jetzt keine Wahl als abzuwarten also zerstörte ich derweil seine Frisur. So wie Rafa an mir lag konnte ich auch nicht aufstehen also braucht er sich nicht zu wundern wenn es mir langweilig wird und er dann eine Frisur hat als wäre er in einen Hurrikan geraten. Es stellte sich dann raus, dass es doch länger dauern kann ein Spiel auszuwerten. Geht Toni jetzt jeden Punkt einzeln noch mal in Echtzeit durch? Der hat das Spiel bestimmt im fernsehen gesehen und gibt jetzt seine Meinung zum Besten. Als ich schon dachte, dass es Abend wird bis Rafa mal fertig ist, legte er auf. Endlich! Ein paar Sekunden später hob Rafa seinen Kopf und sah wieder an. „Toni musste unbedingt alles analysieren“ “Habe ich gemerkt, wozu hast du denn Francesco?“ “Mit dem hat er auch schon telefoniert“ Ich rollte mit den Augen und dachte nur, dass die mal nicht so übertreiben sollen.
Das Spiel ist doch vorbei, da muss man nix stundenlang analysieren und vom hundertstel ins tausendstel verfallen. „Das war’s dann wohl, no?“ Meinte ich mehr feststellend. Die Stimmung war mehr als nur versaut. Wenigstens lächelte Rafa noch auch wenn es inzwischen etwas verlegen aussah. „Mhh, er hat mich mit unforced errors und Breakbällen genervt. Es tut mir leid, dass er die Stimmung ruiniert hat. Ich revanchiere mich heute Abend“ Das klang gar nicht mal so schlecht! Wie blöd müsste ich sein um das Versprechen nicht auszunutzen? „Ich nehme dich beim Wort!“ Es dauerte keine zwei Sekunden bis er wieder so frech grinste. „Kannst du! Es ist übrigens echt bequem so zu telefonieren“ “Schön wenn es dir gefällt. Ich dachte schon es dauert Stunden“ “Gehen wir Essen?“ “Sí“ Zwar mussten wir uns da von der Couch hochbequemen aber es war egal denn wer weiß wer noch alles angerufen hätte.

Dafür das Rafa hier bei einem Turnier ist, ist alles ziemlich entspannt. Er kann sich relativ frei bewegen ohne behelligt zu werden. Gut, die offiziellen Sachen waren alle schon. Er muss ja immer bei der players party und anderen Veranstaltungen erscheinen. Es war kaum zu glauben aber wir hatten tatsächlich am Abend unsere Ruhe. So könnte mir das gefallen aber ich weiß ja, dass hier so was wie eine Ausnahme ist und das er sonst nicht so viel Zeit hat während der Turniere. Wer weiß ob Rafa zu viel Ablenkung während der normalen Turniere vertragen könnte. So richtig ernst nimmt das ja hier keiner.
Man nehme Roger Federer als Beispiel, der hat gleich das erste Spiel verloren und war raus. Der nimmt wohl nur das Geld und die Gratisfeier mit. Es geht ja erst nächste Woche in Doha so richtig los. Da bin ich leider schon wieder zu Hause, ich fliege am 3. nach Hause und Rafa direkt nach Katar. 3. Januar klang gut aber nicht wenn schon der 2. Januar ist. Die entspannte Stimmung von gestern Abend hielt nicht lange vor. Das Finale beginnt um drei also genau wie gestern. Gleich nach dem Frühstückt düste Rafa gutgelaunt zur Tennisanlage ab. Er war ziemlich optimistisch was das Spiel betrifft, warten wir es ab.
Natürlich glaube ich an Rafa, sonst wäre ich ja nicht hier aber ich war ja nicht dabei als er die letzten Wochen trainiert hat. Wobei man bei Rafa keine Angst haben muss, dass er es nicht ernst genug nimmt eher im Gegenteil, er übertreibt es hemmungslos wenn ihn niemand stoppt. Söderling scheint ihn nicht weiter zu kümmern, von wegen Angstgegner! Die Presse übertreibt immer außerdem weiß Rafa ja das er verletzt war als er gegen ihn verloren hat.

Nervös war ich schon als es anfing. Söderling hat irgendwie schon so eine negative Ausstrahlung, kein Wunder das Rafa nicht klar kommt mit ihm. Das geht ja nicht nur Rafa so, Söderling hat es sich mit mehreren Spielern verscherzt durch unfaires Benehmen während der Spiele. Hoffentlich gewinnt Rafa. Ein Turniersieg würde ihm etwas Selbstvertrauen in sein Spiel geben. Ist sicher schwierig wieder anzufangen nachdem er ein paar Monate nicht gespielt hat.
Kurz dachte ich auch an Sara, die wird mich wohl wieder sehen auch wenn sie sich nicht mehr gemeldet hatte. Ich würde darauf wetten, dass sie eben zu Hause vor dem TV klebt und sabbert. An Sara dachte ich aber nicht lange da das match begann. Ich hätte es gerne wenn Rafa 6-0 6-0 gewinnt aber so einfach war es nicht. Der erste Satz ging ausgeglichen bis es 6-6 stand. Nicht schon wieder ein tie break! Ich hasse es! Am besten gar nicht erst hinsehen. Ich war heilfroh als Rafa den tie break für sich entscheiden konnte und den ersten Satz gewann. Man kann sich da voll reinsteigern und dann zum Nervenbündel werden, so langsam bekomme ich eine Ahnung davon wie sich die Fans von Rafa immer fühlen wenn er spielt. Entspannen konnte Rafa sich aber noch nicht denn Söderling ließ nicht locker. Der würde es sofort auf einen dritten Satz anlegen wenn Rafa es soweit kommen lässt.
Ich hoffte inständig, dass es nicht noch einen tie break gibt aber es sah alles danach aus. Es stand doch schon 6-5 und 30-30 bei Aufschlag Söderling. Wenn Rafa jetzt ein Break gelingt, wäre das Spiel zu Ende. Ehe ich nachgedacht hatte, bekam Rafa auch einen Breakball der gleichzeitig ein Matchball war. Noch ein Punkt fehlte Rafa um Söderling mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Ich hielt die Luft an und hoffte das es schnell vorbei ist. Wenige Sekunden später wurde ich endlich erlöst und Rafa machte den entscheidenden Punkt zum 7-5. Puh, dass ging ja noch mal gut! Es war eng aber Sieg ist Sieg. Ich freute mich total über den Sieg, wer hätte das vor einem Jahr für möglich gehalten, dass ich mal so mitfiebern würde!
Die Gratulation von Söderling an Rafa fiel auch recht frostig aus, es war nicht zu übersehen das die Beiden keine Freunde mehr werden. Ein entsprechend verbissenes Gesicht machte Söderling dann auch bei der Siegerehrung aber Rafa strahlte dafür umso mehr. Es sah richtig gut aus ihn mit der Siegertrophäe zu sehen. Rafa hat sich das auch verdient in den letzten Wochen wo er bei jedem Wetter trainiert hat. Roig und Maymo waren auch ganz aus dem Häuschen, dass ist doch ein gelungener Saisonauftakt. Schade ist nur das nun alles vorbei ist und morgen schon wieder die Heimreise auf dem Programm steht.
Ich könnte mich daran gewöhnen ein paar Turniere mehr mitzumachen auch wenn meine Nerven das nicht auf die Dauer aushalten würden. Vielleicht leiden ja die Betreuer und Trainer der Spieler emotional mehr als die Betroffenen selbst.

Leider musste ich mich noch eine Weile gedulden bis ich Rafa mal sehen konnte. Er musste ja erst noch zur Pressekonferenz und dann will sein Physio sicher auch noch was von ihm. Klar hätte Rafa auch zu uns hoch kommen können in die Box nach dem Sieg aber ich hatte schon vor ein paar Tagen mit ihm darüber geredet.
Es wird ja sowieso früher oder später rauskommen wer ich bin aber deswegen müssen wir es ja nicht gleich an die große Glocke hängen. Ich erwarte mit Sicherheit keinen öffentlichen Liebesbeweis von Rafa. Ich habe lieber meine Ruhe und verzichte darauf auf die Art in die Medien zu kommen. Irgendwas kommt ja sicher nachdem es Bilder von mir geben wird. Die Klatschzeitungen warten wahrscheinlich nur darauf. Zu dumm das Rafa so bekannt ist sonst wäre es wesentlich einfacher.
Die Mehrheit der weiblichen Fans wird weniger begeistert von mir sein aber ich erwarte auch nichts anderes. Ich gehe sicher nicht noch ins Internet und gucke nach was die über mich schreiben. Persönlich würde ich es erst nehmen wenn Sara sich daran beteiligt aber das kann ich mir nicht vorstellen. Bin ja gespannt ob sie sich noch mal meldet oder nicht.

Die Zeit bis zu meinem Rückflug verging zu schnell für meinen Geschmack. Ein bisschen konnten wir ja den Turniersieg feiern aber mir kam es so vor als wenn Rafa gedanklich schon bei dem nächsten Turnier in Katar ist. Würde er dort gewinnen, kriegt er 500 Punkte für die Weltrangliste aber dort werden sich die anderen Spieler dann auch richtig anstrengen.
Ist vielleicht besser das ich nicht mit nach Doha fliege, ich würde mich nur daran gewöhnen. Auf die Art kann man auch schön leben, immer um die Welt fliegen und auch noch Geld dafür bekommen. Wann ich Rafa das nächste mal sehe, weiß ich noch nicht. Nach den Australian Open ist ja eine Woche nichts und dann spielt er in Rotterdam. Es hängt davon ab wie weit er bei den Turnieren kommt.

Es war schon ein bisschen langweilig wieder zu Hause. Mir kam es nach ein paar Tagen schon so vor als wenn ich gar nicht in Abu Dhabi gewesen wäre. Es war auch gleich wieder so unangenehm kalt in Deutschland, ich hasse den Winter. Zeit zum jammern hatte ich aber nicht weil ich wieder arbeiten musste. Zum Glück gibt es Internet, dadurch konnte ich stundenlang mit Rafa quatschen ohne das ich dann eine astronomische Telefonrechnung bekomme.
Sehen konnte ich ihn auch dank einer Webcam, theoretisch sehe ich ihn so jeden Tag. So lange er in Doha war klappte das noch ganz gut mit dem quatschen ab er das wurde anders als er nach Australien flog. Leider ist er ja im Finale von Doha an Davydenko gescheitert und das obwohl er zwei Matchbälle hatte. Rafa kam gar nicht drüber weg das er zwei Matchbälle vergeben hat und dann das Spiel noch verloren hat. Er meinte nur das wäre ihm früher nie passiert aber da musste er auch nicht monatelang pausieren wegen diverser Verletzungen. Es dauert eben bis er wieder auf dem gleichen Level wie früher spielt nur sieht er das nicht ein. Rafa würde am liebsten rund um die Uhr trainieren und alle möglichen Turniere spielen die es gibt.
Er will immer zu viel auf einmal. Für die Australian Open hat er sich ja auch viel vorgenommen. Als Titelverteidiger ist ja schon klar was alle erwarten. Er selbst glaubt zwar nicht das er gewinnt aber wie ich ihn kenne sagt er das nur, klar will er gewinnen. Er würde doch nicht spielen wenn er nicht gewinnen wälte.

Wegen der Zeitverschiebung nach Melbourne konnte ich auch die Spiele nicht sehen. Zwar spielte Rafa fast immer Abends aber das nutzte mir nichts weil es dann bei mir ungefähr um zehn früh ist und ich da arbeiten muss. Wenn ich dann zu Hause bin, liegt Rafa längst im Bett also mussten wir das so machen das ich ihn früh anrufe. Wenn es bei mir um sechs ist, hat er ja Zeit, nur bin ich um diese Uhrzeit nicht so gesprächig.

Unverhofft kam ich aber doch dazu die Spiele in der zweiten Woche zu sehen. Ich wollte ja am Samstag zu meinen Eltern fahren und ging also nichts schlimmes ahnend aus dem Haus. Weit kam ich nur nicht, denn kaum war ich vor der Tür und wollte zu meinem Auto gehen, zog es mir blitzartig den Boden unter den Füssen weg und ich fand mich ein paar Sekunden später auf dem Boden wieder.
Es stellte sich dann raus, das keiner von den Nachbarn sich zuständig fühlte das Eis vor dem Haus zu entfernen. Nachts hatte es noch schön drüber geschneit und ich kann ja nicht ahnen, das die Treppen vor dem Haus vereist sind. Erst war nix weiter, ich stand wieder auf und fuhr zu meinen Eltern. Nach ein paar Stunden tat mir aber die rechte Hand weh und es wurde mit jeder Stunde schlimmer. Erst hatten meine Eltern noch über mich gelacht weil ich ausgerutscht war aber das verging ihnen als sie meine Hand sahen. Die wurde immer dicker und irgendwie fühlte es sich auch ein wenig taub an.
Meine Mutter bekam schließlich Angst und meinte ich soll zum Arzt gehen. Das wollte ich auch aber wo soll ich zum Samstag Abend hingehen? Da müsste ich schon bis zum Montag warten aber das dauerte meiner Mutter zu lange und sie meinte ich soll ins Krankenhaus gehen. Ich dachte erst die spinnt aber sie meinte es Ernst. Nach dem sie lange genug auf mich eingeredet hatte, stimmte ich also zu und ließ mich von ihr hinfahren.

Ein paar Stunden später saß ich mit einem langen Gesicht bei mir zu Hause. Ich kann gar nicht an mir nach unten sehen weil es so komisch aussieht. Jetzt darf ich die nächsten Wochen mit so einer Schlinge um den Hals rumrennen wo der Arm drinnen liegt. Es stellte sich raus das zwei Finger der rechten Hand übel verstaucht waren und der Mittelfinger angebrochen. Dank der Schmerzmittel merkte ich immerhin nichts mehr davon aber ich sah es ja. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!
Zwei Wochen bin ich erst mal krank geschrieben. Ich sitze ja auf Arbeit fast nur am Computer und mit einer Hand kann ich damit nicht arbeiten. Der einzige Lichtblick ist das ich so die Spiele von Rafa gucken kann, er darf als nächstes gegen Ivo Karlovic spielen. Das ist an einem Sonntag also hätte ich mir das auf jeden Fall angesehen. Da er ausgerechnet am Sonntag nicht Abends spielt, musste ich auch noch eher aufstehen um es zu sehen. Damit kann ich aber leben, wir telefonieren dann eben nach dem Spiel. Rafa wusste ja noch nix von meinem Missgeschick mit der Hand.
Ich hätte es ihm sowieso nicht vor dem Spiel gesagt, er macht sich sonst zu viele Gedanken. Es stellte sich schon schwierig genug für ihn raus. Karlovic spielte als wäre es sein letztes Spiel. Er brachte Rafa mehr als nur in Bedrängnis aber am Ende machte Rafa die entscheidenden Punkte. Am Ende kam Rafa mit vier Sätzen ohne tie break davon. Damit war es aber vorbei mit dem Entspannen denn im Viertelfinale wartet Andy Murray auf Rafa. Das wird um Längen schwieriger als alle Spiele bisher. Mal sehen wie Rafa das sieht, er meinte er würde anrufen sobald er Zeit hat nach dem Spiel.

Ich fuhr schon immer mal meinen PC hoch und surfte ein bisschen im Internet. Wenn Rafa sich anmeldet kriege ich es schon mit. Zum Glück braucht man nur eine Hand um die Maus zu bedienen. Da ich eigentlich Linkshänder bin, kann ich die Maus auch mit der linken Hand bedienen. Ich war gerade in der Küche als ich Geräusche von meinem PC hörte. Um die Überraschung nicht zu verderben, hielt ich die Hand hinter meinen Rücken und setzte mich an den Rechner. „Hola“ Sagte ich und zog erst mal ein breites Lächeln. Es fiel mir schon schwer nicht über seine Frisur zu lachen. Er geht ja immer duschen nach dem Spiel und dann lässt er die Haare wohl so trocken wie sie sind, das führt immer zu amüsanten Frisuren.
Ansonsten sah er noch relativ frisch aus, wenn man bedenkt das er eben vier Sätze gespielt hat. „Hi, ich dachte schon du redest heute nicht mit mir“ “Ich war nur kurz in der Küche“ “Hast du das Spiel gesehen?“ “Sí auch wenn ich eher aufstehen musste. Ging ja nochmal gut“ “War schon ok, dass nächste wird dafür umso anstrengender“ “Du machst das schon“ “Und wenn nicht? Ich habe gestern ein Stück von dem Spiel von Murray gesehen, der ist in der Form seines Lebens“ “Na wenn du verlierst, kann man es nicht ändern. Es wissen doch alle das du dich anstrengst, dir wird kaum jemand vorwerfen das du dir keine Mühe gibst“ “Trotzdem will ich gewinnen“ Ich musste gleich wieder lächeln, es klang so herrlich wie er das sagte. Sein Blick dazu war auch entsprechend.
„Ich drücke dir die Daumen“ Sein breites Lächeln erschien gleich wieder. “Weiß ich, vielleicht kann ich mich noch ein bisschen steigern. Zumindest habe ich keine Verletzung, dass ist schon mal viel wert“ “Eben, das nächste Turnier kommt bestimmt“ “Was hast du denn so gemacht das Wochenende?“ Wenn er so fragt, ist das wohl ein Zeichen für mich. Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt um ihm zu sagen was passiert ist. Hoffentlich lacht er nicht über mich. „Gestern war ich den ganzen Tag bei meinen Eltern. Mein Vater guckt auch den ganzen Tag Tennis, der ist noch ganz aus dem Häuschen wegen dem Schläger den er zu Weihnachten bekommen hat“ “Das ist kein neuer, ich habe damit auch kein Turnier gespielt“ “Das weiß er doch aber der Gedanke zählt. Der rennt bestimmt bei uns im Ort in den Tennisverein und sagt er hat einen Schläger von dir. Das würde ihm keiner glauben“ “Das könnte ich nachvollziehen“ Mein Lächeln verschwand als ich meinen rechten Arm vor die Webcam hielt. Ich sah schon wie sich das Gesicht von Rafa veränderte.
„Was hast du gemacht?“ Fragte er auch gleich entsetzt bevor ich etwas erklären konnte. Gut, er fand es wohl nicht zum lachen. „Frage lieber nicht, dass ist etwas peinlich“ “Das sieht ja gefährlich aus!“ “Ich bin gestern früh vor dem Haus auf den Treppen ausgerutscht weil da Eis unter dem Schnee war. Tja und jetzt habe ich zwei verstauchte Finger und einen angebrochenen“ “Ist das Gips?“ “Bist du verrückt! Das ist nur eine Bandage, sieht schlimmer aus als es ist. Tut auch nicht weh, zumindest nicht so lange ich die Tabletten nehme“ “Du machst Sachen! Ich habe gerade einen Riesenschreck bekommen!“ “Das wird schon wieder, du musst dir keine Sorgen um mich machen. Ich will dich nicht ablenken“ “Klar mache ich mir Sorgen wenn ich das sehe, hast du ja noch mal Glück gehabt wie es scheint“ “Das haben die im Krankenhaus auch gesagt, hätte noch viel schlimmer ausgehen können“ “Kannst du so arbeiten?“ “Natürlich nicht, ich bin die nächsten zwei Wochen krank geschrieben. Ich soll den Arm ruhig halten und mich am besten gar nicht bewegen. So kann ich aber wenigstens die Spiele angucken“ “Stimmt, ich muss gleich noch mal weg, wir gehen Sushi essen. Wir können ja dann nochmal reden“ “Sí, ich bleibe heute zu Hause und lege die Füße hoch“ “Bis später“ “Mhh, viel Spaß beim Essen“ “Ciao“
In der nächsten Sekunde wurde der Bildschirm dunkel. Das ging ja noch mal gut. Waren meine Sorgen ob er mich vielleicht auslacht also doch unbegründet. Es war ja richtig rührend wie er gleich nachgefragt hat was passiert ist. Leider kann er nicht hier her kommen aber Webcams sind schon mal eine gute Idee, besser als nur telefonieren.