“Warum hast du damals nicht gesagt das du mit mir zusammen sein willst?” Fragte ich dann direkt und versuchte meine Nervosität zu kontrollieren. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hat er mit allem gerechnet, nur nicht mit der Frage, das war auch meine Absicht. “Weil ich mir nicht sicher war ob du das willst, ich wollte dich zu nichts drängen” Kam es ein paar Sekunden später als er sich wohl vom ersten Schock erholt hatte. Ich nahm seine Hand in meine und zog ihn näher zu mir bis er direkt vor mir stand, seinen Blick konnte ich kaum ertragen. Eben als ich ansetzen wollte etwas zu sagen legte er seinen Zeigefinder auf meine Lippen und hielt mich so davon ab.
“Als du gesagt hast das du keinen Kontakt mehr willst dachte ich erst das ist ein Scherz aber als du dich tatsächlich nicht mehr gemeldet hast wurde mir klar, das es kein Scherz war. Ich weiß das ich am Telefon gesagt habe das ich es dann wohl so akzeptieren muss aber das hatte ich nie vor denn ich habe zu viel investiert um mich so abspeisen zu lassen. Es hört sich abgedroschen an aber ich muss mir genau überlegen auf wen ich mich einlasse, es ist ja nicht so das es hier um etwas Oberflächliches geht. Ich meine, bei meinen Freunden die ich schon 20 Jahre kenne weiß ich das die nicht mit mir befreundet sind weil ich bekannt bin aber ich kenne dich nun mal nicht so lange. Nicht das du jetzt denkst ich will nur mit dir zusammen sein weil ich weiß das du mich nicht als Sprungbrett nutzen willst. Ich dachte echt das könnte was werden und als du dich dann gar nicht mehr gemeldet hast dachte ich es ist dir total egal, das ist der Grund warum ich so reagiere. Mir war nicht klar wie du innerhalb weniger Tage total deine Meinung ändern kannst. Ich wusste, dass es hätte anders ausgehen können als ich zu dir gekommen bin aber ich wollte dann schon von dir hören das es dir egal ist. Ich habe dir sowieso nicht geglaubt das du wirklich den Kontakt abbrechen wolltest also musste ich dich wohl zu einer Reaktion zwingen”
Mir verschlug es direkt die Sprache. Das es so auf ihn wirkt, habe ich nicht mal ansatzweise geahnt. Ich bin davon ausgegangen das er ja nicht lange nach jemandem suchen muss der ihm ein bisschen Gesellschaft leistet. Darüber hatten wir ja letzte Woche auch schon diskutiert aber da war mir das Ausmaß nicht bekannt. Jedenfalls fühlte ich mich jetzt schlecht. Was ich jetzt sagen soll wusste ich nicht also legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn an mich so nah es ging. Das war eben ein bisschen viel alles gewesen aber jetzt war mal alles raus. Nach ein paar Sekunden hatte ich mich wieder im Griff und löste mich soweit von ihm das ich in sein Gesicht sehen konnte. “Ich wollte dich nicht verletzen damit, ich hatte keine Ahnung das du das so empfindest” ”Du weißt es ja jetzt” Kam es mir dann mit einem vorsichtigen Lächeln entgegen.
Ich musste auch wieder lächeln und zog ihn wieder an mich. “Hättest du eher was gesagt, hätte ich mir das vielleicht noch überlegt mit dem überstürzten Rückflug. Ich dachte nur du denkst sowieso das ich es nicht Ernst meine und da konnte ich auch gehen” ”Lief eben blöd trotzdem hättest du dich melden können!” “Wollte ich ja aber ich habe mich nicht getraut und dann dachte ich das du dir jemand anderes suchst” ”Du müsstest inzwischen wissen das ich gar nichts von one night stands halte. Klingt jetzt blöd wegen Berlin aber es ist ja nicht so das wir uns vorher nie gesehen hatten. Wenn du das geglaubt hast, kennst du mich wirklich schlecht” ”Dann gib mir die Chance dich besser kennen zu lernen”
Sein Lächeln wurde langsam wieder breiter. “Wenn es nach mir ginge, wären wir längst zusammen. Ich weiß das es nicht einfach ist aber wenn du willst, funktioniert das auch irgendwie” “Ok” Sagte ich dann nur und gab es auf mich von ihm fernhalten zu wollen, es klappt sowieso nicht. “Ok?” Fragte er nur mit hochgezogenen Augenbrauen zurück, er hatte sich wohl eine andere Antwort erhofft. Ich musste gleich lachen über seine Reaktion.
“Ich meine, die Frage ob ich mit dir zusammen sein will oder nicht steht gar nicht. Ich dachte nur erst es ist zu kompliziert alles aber da du nicht locker lässt wird mir wohl keine Wahl bleiben” ”Sieht so aus!” Kam es mit einem frechen Lächeln. Da er mich so anlächelte, konnte ich mich nicht mehr länger beherrschen und küsste ihn. Zu dumm das wir gerade hier sind, ich würde ihn am liebsten auffressen. Eigentlich vergaß ich relativ schnell wo wir sind. Das wurde mir erst wieder klar, als ich eine Hand hinten unter seiner Jacke verschwinden ließ und er meine Hand festhielt.
“Wir sollten Essen gehen” Kam es dann nur mit einem breiten Lächeln. Ich löste mich von ihm und zog meine Sachen wieder gerade. “Sage nicht das du gerade an Essen denkst!” ”Das habe ich auch nicht behauptet aber das ist gerade ein bisschen ungünstig hier. Denke einfach daran ob du das in den Zeitungen sehen wältest” Blöde Frage, natürlich nicht! Ich will nicht halb Spanien als Zuschauer haben. “Du schaffst es echt jegliche Stimmung zu versauen!” ”Ich weiß” Er küsste mich kurz und lief wieder um das Auto. “Steige ein!” Während ich mit den Augen rollte, stieg ich wieder ein.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber es gab dann doch noch etwas zu Essen in Sóller. Zwar musste ich daran denken als ich mit Jenny und Sara hier war aber ich versuchte das zu verdrängen. Damals hätte ich nie geglaubt das ich mal mit Rafa hier bin und schon gar nicht, dass ich mit ihm zusammen bin. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen. Zwar hatten wir unsere Ruhe aber mir entging nicht das uns einige Leute nachsahen. Nach dem Essen drehten wir noch eine kleine Runde durch den Hafen.
Das war schon etwas neues mit ihm Hand in Hand zu gehen. Die paar Leute hier waren nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was kommt wenn sozusagen offiziell rauskommt das ich mit Rafa zusammen bin. Da musste ich durch und ein bisschen Zeit mich daran zu gewöhnen hatte ich ja. Es wird sich nicht vermeiden lassen das ich in den Medien erscheine auch wenn Rafa nichts sagt. Ich könnte ja nicht mal zu seinen Spielen gehen wenn ich nicht will das mich jemand sieht und eigentlich wollte ich mir schon ein paar Spiele ansehen.
Da dachte ich eben daran das die ja im fernsehen immer einblenden wie die Trainer und Betreuer heißen von den Spielern. Fragt sich wie lange es dauert bis die bei mir schreiben würden Nadal’s girlfriend. Das wäre die Krönung, Sara wird ohnmächtig vor dem Fernseher! “Amaia” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah neben mich. “Mhh?” ”Alles ok?” Ich sah nach unten auf meine Hand in seiner und musste dann wieder lächeln. ”Sí, ich war nur kurz in Gedanken. Wenn ich zu einem Spiel von dir gehe und die im fernsehen diese girlfriend Beschreibung einblenden, fällt Sara vom Stuhl vor Schreck!” ”Sie hat keine Wahl, no?” Ich ließ meinen Blick wieder über das Meer schweifen und zuckte mit den Schultern.
“Scheint so, ist mir auch egal inzwischen” ”Ich denke sie weiß das wir zusammen sind?” ”Schon aber es gab ja keine Bilder mehr von uns zusammen. Es ist eine Sache es zu wissen aber eine andere es auch zu sehen. Ich meine, deine Fans drehen wahrscheinlich am Rad, die wissen ja nicht genau was los ist. Es gab ja nur das eine Bild aus der Bar und dann das aus Manacor und dazwischen waren vier Monate” ”Ich habe kein Interesse daran meine Fans über mein Privatleben aufzuklären” ”Ich weiß, sie wird es überstehen. Eigentlich würde ich jetzt darauf warten wann sie sich wieder meldet weil sie denkt das ich ihr Karten beschaffen kann aber ich glaube ihr Stolz ist zu groß dafür. Die nimmt es lieber in Kauf dich nur im TV zu sehen” ”Mal sehen, fahren wir zurück?” ”Können wir, ich habe genug Bilder gemacht”
Knapp eine Stunde später waren wir zurück in Porto Cristo. Eigentlich wollten wir ja nur Essen gehen und da es ein längerer Ausflug wurde als geplant, war es schon Nachmittag ehe wir zurück waren. Hilfe, morgen um diese Zeit muss ich schon zum Flughafen! Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Während ich am Rand vom Pool stand und in das Wasser sah, dachte ich mal wieder daran mich spontan allen Verpflichtungen zu entziehen und einfach hier zu bleiben. “Machst du dir immer noch Gedanken wegen Sara?”
Rafa stand inzwischen hinter mir und sah mich fragend an. “Daran dachte ich gerade nicht” Er trat einen Schritt näher zu mir und umarmte mich von hinten. Das tat gut, ich schloss meine Augen und lehnte mich nach hinten in seine Arme. “Ich dachte nur daran hier zu bleiben” ”Wieder mal?” Kam es dann direkt neben meinem Ohr. “Das ist nicht komisch” Als er mich umdrehte, schlug ich meine Augen wieder auf. Loslassen wollte ich ihn aber nicht also schlang ich meine Arme um seine Hüften und legte meinen Kopf an seine Schulter.
“Was machst du wenn ich sagen würde das du hier bleiben sollst?” Will er etwa eine ehrliche Antwort auf die Frage? ”Das sollst du niemals zu mir sagen weil du mich sonst nicht mehr los wirst” Er antwortete nichts und fuhr mit seinen Händen langsam meinen Rücken auf und ab. Vielleicht würde ich wirklich hier bleiben wenn er so etwas sagt. Ich kann ihm jetzt schon nichts abschlagen, er hat mich total unter Kontrolle. Irgendwie kann ich nicht klar denken wenn ich ihn sehe, ich weiß nur, dass ich ihn am liebsten jeden Tag um mich hätte.
Wie war das noch mal, man kann sich nicht aussuchen in wen man sich verliebt? Das muss wohl so stimmen da ich mir erst sicher war, dass ich mich nicht noch mal auf ihn einlasse. Während ich darüber nachdachte, machten sich meine Hände selbständig und verschwanden hinten unter seinem Pullover. Zwar hatte ich keine kalten Hände aber Rafa ist immer so schön warm und er riecht schon wieder so verführerisch. Eine Weile blieben wir so stehen, ich hatte schon vergessen wo wir waren. Wäre vielleicht auch bequemer wenn wir uns hinsetzen. “Setzen wir uns hin?” Fragte ich dann. “Wir können auch was anderes machen”
Es war so klar das er es so auslegen würde! Typisch Mann, ich will ihn nur umarmen und er denkt das ich es kaum erwarten kann ihn aus seinen Sachen zu kriegen. “Denke nicht mal daran!” ”Dann höre auf mich zu umarmen und nimm’ deine Hände von meinem Rücken!” ”Kann ich nicht, du bist so schön warm “ ”Komme mit”
Da ich ihn nicht loslassen wollte, stolperten wir umschlungen die Treppen nach oben in sein Schlafzimmer. Als wir vor dem Bett standen drückte er mich nach hinten bis ich auf dem Bett lag. “Du lässt nicht locker, no?” Fragte ich mit einem breiten grinsen. Rafa stand noch vor dem Bett und sah zu mir. “Wenn du schon so fragst, no! Du bist selbst Schuld wenn du mich so ansiehst” Ich setzte mich wieder hin und sah in seine Augen. “Ich sehe dich ganz normal an” ”Du meinst also ich bilde mir das nur ein?” Ich zog an seinem Pullover bis er sich neben mir fallen ließ. “Sí!” ”Was schlägst du vor?” ”Entspanne dich” Meinte ich nur mit einem breiten Lächeln und ließ meine Hand unter seinem Pullover verschwinden.
“Ich bin total entspannt, du hast doch deine Hände nicht unter Kontrolle” Wie ich dann merkte, hatte er noch was unter dem Pullover, vermutlich was Kurzärmeliges. “Warum hast du so viel an?” ”Damit du mehr Spaß daran hast mich auszuziehen” ”Sehr komisch!” Eigentlich gönnte ich es ihm nicht das er damit Erfolg hat aber er riecht so gut, ich konnte nicht anders als ihn zu küssen. Ich weiß doch was er von mir will und leider wird er es auch bekommen! Praktisch habe ich schon verloren wenn ich ihn küsse weil ich schon weiß wohin das führt.
Direkt abgeneigt war ich ja auch nicht. Mein Widerstand schmolz mehr und mehr und als seine Hände unter meinem Pullover an meinem Rücken waren, konnte ich sowieso nicht mehr nein sagen. Ich bin viel zu verrückt nach ihm um ihn abblitzen zu lassen. Ok, ich ergab mich meinem Schicksal und gab es auf. Rafa drehte mich auf den Rücken und verteilte Küsse auf meinem Hals, nur kam er nicht weit wegen dem schönen Rollkragen. Das sah er aber nicht als Problem, da er mir kurzerhand den Pullover auszog. Wenn schon denn schon dachte ich mir und zog ihm auch seinen Pullover über den Kopf. Das war noch schlimmer, wenn er oben nichts an hat, kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder klar denken konnte. Wer weiß wie spät es schon ist aber mir war eben total egal welche Uhrzeit es ist. Vielleicht sollte ich gleich den restlichen Tag im Bett bleiben und einfach nur relaxen. Eigentlich war ich ja schon mehr als entspannt, Rafa ist eindeutig zu nett zu mir, ich könnte wegschmelzen unter seinen Händen. Schlafen wäre doch auch eine gute Idee, ich döse ja sowieso eben vor mich hin.
Die friedliche Stille wurde aber dann gestört, durch ein Handyklingeln. Es hörte sich fast nach meinem Handy an und das lag nicht hier im Zimmer. Eigentlich hatte ich keine Lust jetzt ranzugehen. Ich wusste es! Kaum sind wir eine Weile alleine, will jemand etwas auch wenn es ausnahmsweise mein Handy war und nicht das von Rafa “Dein Handy klingelt” Kam es dann auch gleich. Ich musste kichern und setzte mich hin. “Du merkst auch alles!” Ein paar Sekunden blieb ich einfach sitzen und inzwischen hörte es wieder auf mit klingeln.
“Siehst du, manche Dinge erledigen sich von selbst” ”Sind das deine Eltern oder ist das deine Taktik Anrufe abzulehnen?” Als er Eltern sagte, fiel mir etwas ein. Mein Vater war noch mal bei mir bevor ich hier her kam weil er mir dringend was geben musste. Damit wollte ich aber Rafa jetzt nicht behelligen. Am liebsten würde ich gleich im Bett bleiben aber es war zu früh um gleich liegen zu bleiben. Ich suchte meine Sachen vom Fußboden zusammen und drehte mich dann nach hinten. Bleibt Rafa gleich liegen?
Es sah nicht aus als wenn er vor hätte demnächst aufzustehen. Überhaupt sah es gut aus wie er so total entspannt da lag und vor sich hindöste. Ich sollte mich auch wieder hinlegen auch wenn ich ihn dann mit Sicherheit nicht in Ruhe lassen könnte. “Bleibst du liegen?” Fragte ich sicherheitshalber mal nach. Er drehte seinen Kopf zur Seite und sah zu mir. “Vielleicht” ”Das heißt ich muss alleine duschen gehen?” Fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. “Wenn du das willst, komme ich natürlich mit” Ich hatte es doch gewusst! “Sí, sonst würde ich dich ja nicht fragen!” Wir schafften es tatsächlich ohne größere Vorkommnisse zu duschen auch wenn ich das erst nicht für möglich gehalten hätte.
Mein Vater fiel mir inzwischen wieder ein. Ich lief gleich zu meiner Tasche und suchte etwas darin. Erst hielt ich das für einen Scherz aber mein Vater kam neulich zu mir um mir zwei Werbeanzeigen mit Rafa aus Zeitungen zu geben. Ehe ich fragen konnte was ich damit soll, meinte er doch allen Ernstes, dass er darauf Autogramme von Rafa haben will. Fast wäre ich umgefallen vor lachen, das konnte echt nicht wahr sein! Mal sehen wie Rafa das findet, das meine Eltern ihn jetzt schon nach Autogrammen fragen.
Mit den Anzeigen in der Hand lief ich wieder nach unten und suchte Rafa. “Du hast ja schon wieder etwas an!” Kam es dann übertrieben entrüstet als er mich sah. “Sieht wohl so aus, du kannst mir heute Abend beim ausziehen helfen wenn es dich glücklich macht” ”Es würde mich sehr glücklich machen” Kam es nur mit einem grinsen vom einen Ohr zum anderen. Ich rollte mit den Augen und hielt ihm die Anzeigen hin. “Was ist das?” Fragte er dann auch gleich. “Soll ich dir von meinem Vater geben” ”Wieso?” Fragte er nur mit einem verwirrten Gesichtsausdruck. “Er will Autogramme von dir” Sein Gesicht war so herrlich, wie schade das ich das nicht fotografiert hatte. “Du spinnst” Sagte er dann. “No, dass ist kein Scherz” Langsam begriff er dann wohl das ich keine Scherze machte, ich fand es ja selbst verrückt.
Im nächsten Moment griff er danach und verschwand dann damit. Wenige Sekunden später kam er wieder und gab mir die Anzeigen zurück. Ich sah darauf und musste dann mit dem Kopf schütteln. Das war echt verrückt, jetzt fragt mein Vater meinen Freund schon nach Autogrammen. “Er wird an die Decke springen vor Begeisterung” ”Warum hat er nicht gefragt als ich letzte Woche bei dir war?” Ich legte die Werbung weg und umarmte Rafa. “Weil er sich nicht getraut hat dich zu fragen. Er dachte es stört dich wenn dich jeder nach Autogrammen fragt” ”Aber doch nicht dein Vater. Ich meine klar stört es mich manchmal wenn es zu viel wird aber ich würde doch nicht ablehnen wenn deine Eltern mich fragen” ”Habe ich auch gesagt aber er wollte auf Nummer sicher gehen” ”Traut deine Mutter sich auch nicht zu fragen?” ”No, die guckt nicht so viel Sport im fernsehen. Die lacht auch schon wegen den Autogrammen” “Du kannst deinem Vater auch was anderes mitnehmen, ich habe eine Menge ausrangierte Schläger überall rumliegen. Damit kann ich sowieso nichts mehr anfangen“ Das klang gar nicht so schlecht, mein Vater würde Augen machen wenn Rafa ihm seine ausrangierten Schläger überlässt.
Aber so ohne Grund muss man so was ja nicht verschenken. “Das ist nett gemeint aber es ist ja auch bald Weihnachten“ “Wie du meinst. Es wundert mich ehrlich gesagt das du mich noch nicht nach Autogrammen gefragt hast” ”Die brauche ich nicht wenn ich dich habe außerdem hätte ich lieber was anderes von dir” ”Kannst du haben aber nicht jetzt. Gehen wir eigentlich heute Abend noch mal weg?” ”Willst du schon wieder Essen gehen?” ”Du bist auch eingeladen” “Ok” Na da musste ich natürlich nicht lange überlegen. Das hätte er nicht extra sagen müssen da ich auch so weiß, dass er mich einlädt. Ich glaube Rafa gehört zu der Sorte Mann die eine Frau niemals bezahlen lassen würden im Restaurant egal wie teuer es wird.
“Wir können auch noch woanders hingehen danach wenn du willst” So langsam wurde ich stutzig, auf was will er denn hinaus? “Gibt es etwas zu feiern?” Fragte ich dann und überlegte ob ich etwas vergessen hatte. Geburtstag hatte er aber nicht und Turniersieg war auch keiner der vielleicht letztes Jahr an dem Datum war. “Nicht direkt, außer vielleicht das wir am Ende doch noch irgendwie zusammengekommen sind. Ich meine, es war ja ziemlich knapp und wäre beinahe schief gegangen” ”Du meinst das muss groß gefeiert werden?” ”So groß nun auch nicht, muss ja nicht gleich alle Welt erfahren, es kommt noch früh genug raus. So lange es geht, hätte ich schon lieber meine Ruhe” “Ok, von mir aus“
Da wir Zeit hatten, fuhren wir nach Manacor. Das Haus wo er früher mit seinen Eltern gewohnt hat kannte ich zwar aber nicht von innen. Wir sind nicht extra nach Manacor gefahren damit ich mir das ansehe aber jetzt waren wir sowieso schon dort. Es war gar niemand da also konnte ich mich in Ruhe umsehen. Als wir auf der Dachterrasse waren, musste ich gleich an Sara denken.
Die hatte mir doch in Berlin als Rafa trainiert hat erzählt wie es hier aussieht weil das irgendwo im fernsehen gezeigt wurde. Es kam ihrer Beschreibung von einer Folterkammer nahe, gemütlich sah es nicht gerade aus. Während ich meinen Blick über die Kathedrale und den Ort schweifen ließ dachte ich weiter nach. Gestört wurde ich dann von Rafa, der sich neben mich stellte und mit nach unten sah. „Was machst du denn eigentlich zu Weihnachten?“
Ich sah zu ihm rüber und musste lächeln. „Wie kommst du jetzt darauf?“ “Nur so, ist ja nicht mehr lange hin“ “Ich schätze mal bei meinen Eltern Essen und dann wieder Essen“ „Wann feiert ihr denn genau?“ “Am 24. Dezember, ich weiß das es hier etwas länger dauert“ “Eigentlich schon aber wir feiern auch nicht erst am 6. Januar weil ich da nie zu Hause wäre Weihnachten“ “Wo bist du denn?“ “In Abu Dhabi ist ein Einladungsturnier. Es geht eigentlich um nichts, es gibt keine Punkte dafür eine Menge Geld. Deswegen mache ich es aber nicht, ich nehme das als Vorbereitung für die neue Saison weil dort nur Spieler der oberen Weltrangliste sind und ich so gucken kann wie es läuft. Der Nachteil ist das ich zum Jahreswechsel nicht hier bin und wenn hier Weihnachten ist auch nicht aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen“ “Das heißt du bist in Abu Dhabi zu Silvester?“ “Sí, es fängt am 31. Dezember an. Ich spiele erst am 1. aber ich muss ja noch hinfliegen also fliege ich am 30. Dezember hier los“
Was sollte ich davon halten? Zwar hatte ich über Weihnachten noch nicht nachgedacht aber ich dachte schon, dass ich Rafa mal sehe. Ich habe frei zwischen Weihnachten und Silvester. Wäre schade wenn es da nicht klappt. Das im Januar die neue Saison anfängt, wusste ich ja schon aber ich dachte zumindest das er Silvester zu Hause ist. „Und was kommt nach Abu Dhabi?“ Fragte ich dann neugierig. „Ein Turnier in Doha und dann geht es nach Australien“ “Mhh“ Meinte ich nur und dachte mir meinen Teil. „Was machst du zu Weihnachten?“ Fragte er dann noch mal. “Nichts spektakuläres, ich fahre zu meinen Eltern und bleibe dort bis zum neuen Jahr. Silvester feiern wir meistens jedes Jahr im selben Restaurant“ In den folgenden Sekunden entstand eine leicht drückende Stelle. Eigentlich gefällt mir das gar nicht wenn alles so ernst ist aber wenn ich so über alles nachdenke, würde ich am liebsten gleich wieder flüchten.
Genau so hatte ich mir das gedacht, ich habe frei und Rafa ist irgendwo. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass er unterwegs sein wird, er kann es doch kaum erwarten bis er wieder spielen kann. Nach ein paar Minuten sah ich zur Seite und merkte, dass Rafa mich aus dem Augenwinkel beobachtete. „Was?“ Fragte ich gleich. „Nada, ich beobachte dich nur. Musst du unbedingt mit deinen Eltern Silvester feiern?“ Ich drehte mich halb damit ich ihn besser sehen konnte und überlegte was das jetzt wird.
„No, muss ich nicht aber du bist ja nicht hier“ “Das heißt du wolltest mich besuchen?“ Jetzt musste ich aber doch wieder lächeln. „Jetzt tue nicht noch so überrascht!“ “Das kannst du doch. Ich meine, es ist doch egal ob du hier her fliegst oder nach Abu Dhabi, no?“ „Ich denke du sollst dort Tennis spielen?“ “Ist ja auch so aber nicht nur, das sind nur zwei Spiele. Es ist nicht so das ich rund um die Uhr beschäftigt bin“ Auf was er anspielt, ist mir schon klar. Wenn es nach Rafa geht, soll ich nach Abu Dhabi kommen.
Klingt ja auch alles gut aber es ist genau das was ich nicht wollte. Ich habe ja nix dagegen Urlaub zu machen oder Rafa zu sehen aber das ist erst der Anfang. Meinen Jahresurlaub kann man fast an zwei Händen abzählen. Ich könnte locker bis zu den Australian Open meinen gesamten Urlaub aufbrauchen. Im Januar hat das Jahr aber bekanntlich erst begonnen. Was kommt denn dann? Rafa wird bis zum Sommer total im Stress sein und ich kann keinen Urlaub machen um ihm überall nachzufliegen.
Ich habe keine Lust Rafa nur im fernsehen zu sehen, davon habe ich gar nichts. Auf der anderen Seite ist der Gedanke Rafa gar nicht mehr zu sehen ein echter Albtraum. Ich hatte sowieso geplant über Silvester Urlaub zu machen auch wenn ich da normalerweise zu Hause bin. Dieses Jahr ist es günstig und ich kann bis zum 4. frei machen. „Ich denke darüber nach“ Meinte ich dann nachdenklich. An dem Gesicht was Rafa zog sah ich schon, dass er sich wohl eine andere Antwort erhofft hat. Er dachte sicher ich flippe aus vor Begeisterung.
„Das klingt ja sehr begeistert“ Meinte er dann noch mit einem ernsten Gesicht. Da ich ein paar Sekunden nichts sagte und ihn nur ansah, drehte er sich dann um und ging einfach.
29 January 2010
24 January 2010
Chapter 28
Als ich wieder aufwachte und mit einer Hand neben mir suchte, war da nichts außer dem Bettlaken. Ich gähnte und streckte mich bevor ich meine Augen aufschlug und neben mich sah. Zu meiner Überraschung lag ich alleine im Bett. Wo ist denn Rafa hin? Ich drehte mich auf die Seite und sah an die Uhr, es war gleich halb zehn. Eben war ich dabei mich hinzusetzen und dann aufzustehen als Rafa in der Tür erschien.
“Hey, du bist ja doch schon wach!” Ich blieb auf dem Bett sitzen und wickelte die Bettdecke um mich. “Jetzt ja, warum bist du geflüchtet?” Er kam näher und setzte sich neben mich. “Weil ich dich nicht wecken wollte. Ich war schon eher wach und wollte dich schlafen lassen wenn du schon die ganze Woche Stress hattest” Ich sah auf meine Füße und dann wieder neben mich. “Du hattest dir das gestern Abend anders vorgestellt, no?” Fragte ich dann vorsichtig. Sein Lächeln sah richtig gut aus. “Ach was, ich weiß doch das du Stress hattest. Außerdem war es nicht meine Absicht dich im Bett gefangen zu halten” Ich umarmte ihn und legte die Bettdecke mit um ihn.
“Hast du heute Zeit?” ”Sí” Das klang ja richtig gut! Und ich dachte schon er hat keine Zeit. ”Ich denke du musst trainieren?” ”Aber nicht 24 Stunden lang jeden Tag” Ich sah aus dem Fenster, das Wetter sah ganz gut aus. Es schien die Sonne und auch wenn keine 30 Grad waren, konnten wir uns ja aus dem Haus trauen. “Was schlägst du vor?” Fragte ich dann. ”Was willst du machen?” ”Nicht Jet-ski fahren” ”Wenn dir nichts einfällt, gehen wir Golf spielen. Du musst auch nichts machen außer alles hinter mir herzutragen” ”Sehr komisch!” “Wir können ja erst mal frühstücken und dann weiter überlegen” ”Mhh, na gut”
Das hieß zwar das ich Rafa loslassen muss und wir auch nicht im Bett bleiben aber es wird ja auch mal wieder Abend. Ich bin gerne total faul am Wochenende und mache gar nichts, schließlich habe ich doch an den Wochentagen genug Stress.
Da ich mir das gestern Abend geschenkt hatte, ging ich also erst duschen und zog mich um bevor ich nach unten ging. Zwar schwitze ich vielleicht aber ihn hänge da an einem bestimmten Rolli. Der war gelb und leider mit Rollkragen, nicht ganz das passende für diese Breitengrade aber dann ziehe ich eben nix mehr drüber. Passend dazu hatte ich nach unten ausgestellte Hosen in grau. Zu Hause würde ich nicht so vornehm rumlaufen aber ich gehe mal davon aus das wir nicht den ganzen Tag hier bleiben.
Eigentlich hatte ich auch gar nicht so viel Hunger aber jetzt hat Rafa sich einmal die Mühe gemacht mit dem Frühstück, da konnte ich nicht nein sagen. Mir entging auch nicht sein Gesicht als ich dann erschien. “Willst du irgendwohin?” Ich sah kurz an mir nach unten und dann wieder zu Rafa. “Wieso?” ”Du siehst so vornehm aus” Ja, das könnte ich von ihm auch behaupten, er hatte braune Hosen an und oben einen grauen Pullover. ”Stört es dich?” Fragte ich dann. ”No, du siehst wirklich gut aus” Ich setzte mich an den Tisch und musste breit lächeln. “Heißt das jetzt das ich nicht gut aussehe wenn ich das nicht an habe?”
Ich wusste schon das ich ihn eben in eine verfahrene Situation gebracht habe aus der er selbst nicht mehr raus kommt. Ernst meinte ich das nicht, wollte nur sehen was er macht. “Das habe ich nicht gesagt! Du siehst immer gut aus und jetzt versuche nicht mir die Worte im Mund umzudrehen!” Ab und zu schweifte mein Blick aus dem Fenster während ich nachgrübelte. Es ist schon verrückt das ich jetzt hier bin. Höchstwahrscheinlich hätte ich niemals eingelenkt und wenn Rafa nicht zu mir gekommen wäre hätte ich sicherlich irgendwann aufgegeben. Hatte ich ja auch schon, nur hatte ich mir das einfacher vorgestellt als es war. Ich kann ja meine Gefühle nicht abstellen und von heute auf morgen Rafa aus meinem Leben verbannen.
Sieht wohl so aus als wenn ich ihn nicht so einfach los werden kann. Es ist verrückt, viele Frauen würden keine Sekunde zögern sich auf Rafa einzulassen und er läuft mir nach. “Gehen wir Essen heute Mittag? Ich habe keine Lust zu kochen” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Klar, willst du in ein spezielles Restaurant?” ”No, wir werden schon was finden. So lange es nicht in Palma ist, wird schon nicht gleich eine Massenpanik ausbrechen. Ich kann mich hier zum Glück relativ frei bewegen ohne andauernd genervt zu werden” Das klang schon mal ganz gut also können wir ja losfahren und dann gucken wo wir ankommen.
“Dafür bin ich ja da, ich nerve dich gerne” ”Du schaffst es nicht mich zu nerven weil es mich rein zufällig nicht stört wenn du da bist” Das brachte noch mehr zum lachen. “Habe ich ja Glück gehabt!”
Das mit dem Essen gehen war eine gute Idee von ihm. Da er in kein bestimmtes Restaurant wollte, nutzte ich das aus und ließ ihn quer über die Insel zur Westküste fahren. Dort war ich noch nicht so oft und könnte noch ein paar Bilder gebrauchen. Es war so herrlich ruhig an den Aussichtsplätzen weil nicht mehr so viele Touristen auf der Insel waren und die Einheimischen ja keine Sightseeing Trips machen. Abgesehen von Rafa, der konnte heute dank mir auch das Touristenprogramm genießen. Zu schade das ihn bis jetzt keiner gesehen hatte.
An so einem Aussichtspunkt kam mir eine Idee. Die Landschaft war perfekt, abfallende Felsen bis ins Meer und Oliven- und Mandelbäume soweit das Auge reicht und vor allem waren kaum Häuser zu sehen. Vom Panorama her schlägt das hier den Rest der Insel um längen. Da kommt nicht mal der freie Meerblick von seinem Haus in Porto Cristo mit. Ich drehte mich um und sah zum Auto. Rafa stand daneben und schien zu warten bis ich genug Bilder gemacht habe das wir weiterfahren können. “Gibt es schon einen offiziellen Kalender von dir?” Fragte ich laut. ”Sí, warum?” ”Na die Landschaft hier ist doch perfekt für solche Bilder, was viel besseres wirst du nicht finden abgesehen von Formentor. Das wäre gleichzeitig gute Werbung für die Insel” ”Du klingst schon wie jemand vom Tourismusministerium. Ich muss dich leider enttäuschen, der Kalender für nächstes Jahr ist schon fertig und da sind Bilder von den Turnieren drinnen”
Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen. ”Wieso habe ich noch keinen?“ ”Kannst dir ja einen kaufen wenn du der Meinung bist mich das ganze Jahr über sehen zu müssen” Ich lief zurück und stieg wieder ins Auto. “Hast du keine bei dir zu Hause?” ”No, ich hatte nicht vor Kalender von mir selbst in jedes Zimmer zu hängen” ”Bueno, wo fahren wir jetzt hin?” ”Essen” ”Ich weiß, du redest andauernd davon, hast du so großen Hunger?” ”No, ich ahnte nur nicht das du es ausnutzt und mich zu einer extra großen Inselrundfahrt zwingst” ”Ich zwinge dich zu gar nichts außerdem will ich doch ein paar Bilder machen”
Spontan hielt ich Rafa die Kamera vor das Gesicht und drückte ab. Er versuchte zwar seine Hand davor zu halten aber es war zu spät. Mit einem amüsierten grinsen sah ich mir das Bild an. “Du siehst selbst in der blödesten Situation noch gut aus” ”Ich kann auch nicht ändern das ich so unheimlich fotogen bin” Ich packte die Kamera weg und schlug dann scherzhaft nach ihm. Bei der Gelegenheit hielt er meinen Arm fest und zog mich näher zu sich. “Wenn du nicht aufhörst mich ständig zu fotografieren, gibt es ein Unglück! Ich dachte du willst die Landschaft fotografieren und nicht mich” Huh, jetzt bekam ich aber Angst vor ihm! ”Willst du mich hier aussetzen oder von den Felsen ins Meer stürzen?” ”Beides nacheinander aber vorher binde ich zur Sicherheit einen großen Stein an deine Füße“ Ich drehte mich etwas zur Seite und legte meine Arme um seinen Hals, was gar nicht so einfach war wenn man im Auto sitzt.
”Du bist so nett zu mir!” ”Ich weiß” Kam es mir nur mit einem frechen grinsen entgegen. “Ich könnte ja nach Hause fliegen” Antwortete ich ohne vorher nachzudenken. Ganz allmählich verschwand sein Lächeln dann wieder. “Ich würde jetzt sagen guter Witz aber dir traue ich das zu” Er glaubt wirklich das ich wieder flüchten würde wenn es unangenehm wird oder er etwas sagt das mich stört? Das breite Lächeln verging mir dann aber auch sofort. Woher sollte ich denn auch ahnen, dass ein als Scherz gemeinter Spruch die ganze Stimmung zum kippen bringt? Ich ließ ihn los, setzte mich wieder normal hin und sah geradeaus auf die Straße.
Ganz toll, genau das wollte ich von ihm hören! Im nächsten Moment stieg Rafa aus, lief um das Auto auf meine Seite und öffnete die Tür. Ich sah ihn an und überlegte was jetzt los ist. “Steige aus!”
So richtig konnte ich das erst nicht interpretieren aber ich tat es einfach und stieg aus. “Warum?” Fragte ich leicht skeptisch. Die Situation war plötzlich so ernst, ich konnte absolut nicht einschätzen was in Rafa vorgeht und das gefiel mir gar nicht. “Weil es so zu unbequem ist zum diskutieren oder willst du dich verrenken dabei?” Ich machte die Tür zu und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Er will also diskutieren?
“Das war ein Witz eben, ich hatte nicht vor zu flüchten” Sagte ich dann etwas unsicher da ich nicht wusste was das werden soll. Eigentlich wollte ich die Situation auflockern damit aber es gelang mir nicht wirklich. Ich dachte, er hat verstanden das ich Spaß gemacht habe aber er blieb direkt vor mir stehen und sah mich nachdenklich an. “Ich hoffe du kannst nachvollziehen das ich nicht sofort weiß ob du Witze machst oder nicht. Klar weiß ich das es Spaß war aber genau das dachte ich beim letzten mal auch und dann warst du eine halbe Stunde später weg” Ich holte erst mal nur Luft da mir nicht sofort etwas darauf einfiel. Ja, ich weiß ja was er denkt aber das war wirklich damals eine Kurzschlussreaktion gewesen, ich tue das sonst nicht das ich gleich weglaufe. Was ich nur erstaunlich finde ist das er jetzt wieder anfängt mit dem Thema.
Ich dachte das hätten wir letzte Woche als er bei mir war schon geklärt. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut, das war so eine spontane Reaktion” Antwortete ich dann betreten und wich seinem Blick aus. “Wenn du das selbe so noch mal machen würdest, könnte ich dir nicht versprechen das ich wieder zu dir kommen würde” Kam es dann leise. Obwohl es mir schwer fiel, hob ich meinen Kopf und sah ihn vorsichtig von unten an. So langsam frage ich mich was wir hier machen. Es ist verrückt, die Aussicht auf das Meer und die Landschaft sind grandios und Rafa sieht mich an als ginge die Welt gleich unter, das ist der totale Kontrast.
Das Problem ist das ich nicht verstehe warum ihn das so beschäftigt, ich hatte doch schon mehrfach gesagt das es mir leid tut. Ich kaute ein paar Sekunden auf meiner Unterlippe und dachte nach. “Warum hat dich das so schockiert?” Die Frage meinte ich bitterernst. Er wich meinem Blick kurz aus und sah mich dann aber wieder an, was mich kräftig zum schlucken brachte. Nervös war ich jetzt schon ein wenig. “Weil du mir erst nicht das Gefühl gegeben hast das du plötzlich verschwindest. Ich meine, erst telefonieren wir wochenlang, dann kommst du zu mir und plötzlich verschwindest du von einer Minute auf die andere einfach so. Ich konnte ja nicht mal mit dir reden weil du total dicht gemacht hast. Als du sagtest das du her kommst dachte ich du weißt was du willst. Erst lässt du dich darauf ein und dann rufst du mich an und sagst das du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Du hast mir ja praktisch gar nicht mehr zugehört. Du kannst dir sicher vorstellen das ich nicht so begeistert darüber war wie du mich abblitzen lassen hast” So langsam kam etwas Licht in die Sache. Kann es sein das bei ihm mehr Gefühle im Spiel waren als ich vermutet habe?
Das würde jedenfalls seine Reaktion erklären. Vielleicht dachte er ja das wir zusammen sind nach der einen Woche, dann kann ich verstehen, dass er umso enttäuschter war nach meinem Abgang. Ich wäre auch nicht begeistert wenn ich für jemanden etwas empfinde und derjenige mich dann so knallhart abblitzen lässt. Nur wusste ich davon doch nichts! Ich kann doch nicht ahnen was in ihm vorgeht. Mir war damals nicht klar was er genau von mir will daher hatte ich mich auch gehütet mit ihm darüber zu reden weil ich dachte das er nicht das sagt was ich hören will.
Eigentlich konnte ich mich jetzt freuen da er mir ja eben gesagt hat das er ja doch Interesse an mir hat. Vielleicht war ja jetzt ein guter Moment die Karten auf den Tisch zu legen. Das rätselroten was er nun von mir will und ewige hin und her nervte doch ein wenig daher entschloss ich mich zu einer direkten Frage, die total nach hinten losgehen kann wenn ich das eben falsch interpretiert habe aber das ist eben Risiko.
“Hey, du bist ja doch schon wach!” Ich blieb auf dem Bett sitzen und wickelte die Bettdecke um mich. “Jetzt ja, warum bist du geflüchtet?” Er kam näher und setzte sich neben mich. “Weil ich dich nicht wecken wollte. Ich war schon eher wach und wollte dich schlafen lassen wenn du schon die ganze Woche Stress hattest” Ich sah auf meine Füße und dann wieder neben mich. “Du hattest dir das gestern Abend anders vorgestellt, no?” Fragte ich dann vorsichtig. Sein Lächeln sah richtig gut aus. “Ach was, ich weiß doch das du Stress hattest. Außerdem war es nicht meine Absicht dich im Bett gefangen zu halten” Ich umarmte ihn und legte die Bettdecke mit um ihn.
“Hast du heute Zeit?” ”Sí” Das klang ja richtig gut! Und ich dachte schon er hat keine Zeit. ”Ich denke du musst trainieren?” ”Aber nicht 24 Stunden lang jeden Tag” Ich sah aus dem Fenster, das Wetter sah ganz gut aus. Es schien die Sonne und auch wenn keine 30 Grad waren, konnten wir uns ja aus dem Haus trauen. “Was schlägst du vor?” Fragte ich dann. ”Was willst du machen?” ”Nicht Jet-ski fahren” ”Wenn dir nichts einfällt, gehen wir Golf spielen. Du musst auch nichts machen außer alles hinter mir herzutragen” ”Sehr komisch!” “Wir können ja erst mal frühstücken und dann weiter überlegen” ”Mhh, na gut”
Das hieß zwar das ich Rafa loslassen muss und wir auch nicht im Bett bleiben aber es wird ja auch mal wieder Abend. Ich bin gerne total faul am Wochenende und mache gar nichts, schließlich habe ich doch an den Wochentagen genug Stress.
Da ich mir das gestern Abend geschenkt hatte, ging ich also erst duschen und zog mich um bevor ich nach unten ging. Zwar schwitze ich vielleicht aber ihn hänge da an einem bestimmten Rolli. Der war gelb und leider mit Rollkragen, nicht ganz das passende für diese Breitengrade aber dann ziehe ich eben nix mehr drüber. Passend dazu hatte ich nach unten ausgestellte Hosen in grau. Zu Hause würde ich nicht so vornehm rumlaufen aber ich gehe mal davon aus das wir nicht den ganzen Tag hier bleiben.
Eigentlich hatte ich auch gar nicht so viel Hunger aber jetzt hat Rafa sich einmal die Mühe gemacht mit dem Frühstück, da konnte ich nicht nein sagen. Mir entging auch nicht sein Gesicht als ich dann erschien. “Willst du irgendwohin?” Ich sah kurz an mir nach unten und dann wieder zu Rafa. “Wieso?” ”Du siehst so vornehm aus” Ja, das könnte ich von ihm auch behaupten, er hatte braune Hosen an und oben einen grauen Pullover. ”Stört es dich?” Fragte ich dann. ”No, du siehst wirklich gut aus” Ich setzte mich an den Tisch und musste breit lächeln. “Heißt das jetzt das ich nicht gut aussehe wenn ich das nicht an habe?”
Ich wusste schon das ich ihn eben in eine verfahrene Situation gebracht habe aus der er selbst nicht mehr raus kommt. Ernst meinte ich das nicht, wollte nur sehen was er macht. “Das habe ich nicht gesagt! Du siehst immer gut aus und jetzt versuche nicht mir die Worte im Mund umzudrehen!” Ab und zu schweifte mein Blick aus dem Fenster während ich nachgrübelte. Es ist schon verrückt das ich jetzt hier bin. Höchstwahrscheinlich hätte ich niemals eingelenkt und wenn Rafa nicht zu mir gekommen wäre hätte ich sicherlich irgendwann aufgegeben. Hatte ich ja auch schon, nur hatte ich mir das einfacher vorgestellt als es war. Ich kann ja meine Gefühle nicht abstellen und von heute auf morgen Rafa aus meinem Leben verbannen.
Sieht wohl so aus als wenn ich ihn nicht so einfach los werden kann. Es ist verrückt, viele Frauen würden keine Sekunde zögern sich auf Rafa einzulassen und er läuft mir nach. “Gehen wir Essen heute Mittag? Ich habe keine Lust zu kochen” Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und sah ihn wieder an. “Klar, willst du in ein spezielles Restaurant?” ”No, wir werden schon was finden. So lange es nicht in Palma ist, wird schon nicht gleich eine Massenpanik ausbrechen. Ich kann mich hier zum Glück relativ frei bewegen ohne andauernd genervt zu werden” Das klang schon mal ganz gut also können wir ja losfahren und dann gucken wo wir ankommen.
“Dafür bin ich ja da, ich nerve dich gerne” ”Du schaffst es nicht mich zu nerven weil es mich rein zufällig nicht stört wenn du da bist” Das brachte noch mehr zum lachen. “Habe ich ja Glück gehabt!”
Das mit dem Essen gehen war eine gute Idee von ihm. Da er in kein bestimmtes Restaurant wollte, nutzte ich das aus und ließ ihn quer über die Insel zur Westküste fahren. Dort war ich noch nicht so oft und könnte noch ein paar Bilder gebrauchen. Es war so herrlich ruhig an den Aussichtsplätzen weil nicht mehr so viele Touristen auf der Insel waren und die Einheimischen ja keine Sightseeing Trips machen. Abgesehen von Rafa, der konnte heute dank mir auch das Touristenprogramm genießen. Zu schade das ihn bis jetzt keiner gesehen hatte.
An so einem Aussichtspunkt kam mir eine Idee. Die Landschaft war perfekt, abfallende Felsen bis ins Meer und Oliven- und Mandelbäume soweit das Auge reicht und vor allem waren kaum Häuser zu sehen. Vom Panorama her schlägt das hier den Rest der Insel um längen. Da kommt nicht mal der freie Meerblick von seinem Haus in Porto Cristo mit. Ich drehte mich um und sah zum Auto. Rafa stand daneben und schien zu warten bis ich genug Bilder gemacht habe das wir weiterfahren können. “Gibt es schon einen offiziellen Kalender von dir?” Fragte ich laut. ”Sí, warum?” ”Na die Landschaft hier ist doch perfekt für solche Bilder, was viel besseres wirst du nicht finden abgesehen von Formentor. Das wäre gleichzeitig gute Werbung für die Insel” ”Du klingst schon wie jemand vom Tourismusministerium. Ich muss dich leider enttäuschen, der Kalender für nächstes Jahr ist schon fertig und da sind Bilder von den Turnieren drinnen”
Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen. ”Wieso habe ich noch keinen?“ ”Kannst dir ja einen kaufen wenn du der Meinung bist mich das ganze Jahr über sehen zu müssen” Ich lief zurück und stieg wieder ins Auto. “Hast du keine bei dir zu Hause?” ”No, ich hatte nicht vor Kalender von mir selbst in jedes Zimmer zu hängen” ”Bueno, wo fahren wir jetzt hin?” ”Essen” ”Ich weiß, du redest andauernd davon, hast du so großen Hunger?” ”No, ich ahnte nur nicht das du es ausnutzt und mich zu einer extra großen Inselrundfahrt zwingst” ”Ich zwinge dich zu gar nichts außerdem will ich doch ein paar Bilder machen”
Spontan hielt ich Rafa die Kamera vor das Gesicht und drückte ab. Er versuchte zwar seine Hand davor zu halten aber es war zu spät. Mit einem amüsierten grinsen sah ich mir das Bild an. “Du siehst selbst in der blödesten Situation noch gut aus” ”Ich kann auch nicht ändern das ich so unheimlich fotogen bin” Ich packte die Kamera weg und schlug dann scherzhaft nach ihm. Bei der Gelegenheit hielt er meinen Arm fest und zog mich näher zu sich. “Wenn du nicht aufhörst mich ständig zu fotografieren, gibt es ein Unglück! Ich dachte du willst die Landschaft fotografieren und nicht mich” Huh, jetzt bekam ich aber Angst vor ihm! ”Willst du mich hier aussetzen oder von den Felsen ins Meer stürzen?” ”Beides nacheinander aber vorher binde ich zur Sicherheit einen großen Stein an deine Füße“ Ich drehte mich etwas zur Seite und legte meine Arme um seinen Hals, was gar nicht so einfach war wenn man im Auto sitzt.
”Du bist so nett zu mir!” ”Ich weiß” Kam es mir nur mit einem frechen grinsen entgegen. “Ich könnte ja nach Hause fliegen” Antwortete ich ohne vorher nachzudenken. Ganz allmählich verschwand sein Lächeln dann wieder. “Ich würde jetzt sagen guter Witz aber dir traue ich das zu” Er glaubt wirklich das ich wieder flüchten würde wenn es unangenehm wird oder er etwas sagt das mich stört? Das breite Lächeln verging mir dann aber auch sofort. Woher sollte ich denn auch ahnen, dass ein als Scherz gemeinter Spruch die ganze Stimmung zum kippen bringt? Ich ließ ihn los, setzte mich wieder normal hin und sah geradeaus auf die Straße.
Ganz toll, genau das wollte ich von ihm hören! Im nächsten Moment stieg Rafa aus, lief um das Auto auf meine Seite und öffnete die Tür. Ich sah ihn an und überlegte was jetzt los ist. “Steige aus!”
So richtig konnte ich das erst nicht interpretieren aber ich tat es einfach und stieg aus. “Warum?” Fragte ich leicht skeptisch. Die Situation war plötzlich so ernst, ich konnte absolut nicht einschätzen was in Rafa vorgeht und das gefiel mir gar nicht. “Weil es so zu unbequem ist zum diskutieren oder willst du dich verrenken dabei?” Ich machte die Tür zu und lehnte mich mit dem Rücken dagegen. Er will also diskutieren?
“Das war ein Witz eben, ich hatte nicht vor zu flüchten” Sagte ich dann etwas unsicher da ich nicht wusste was das werden soll. Eigentlich wollte ich die Situation auflockern damit aber es gelang mir nicht wirklich. Ich dachte, er hat verstanden das ich Spaß gemacht habe aber er blieb direkt vor mir stehen und sah mich nachdenklich an. “Ich hoffe du kannst nachvollziehen das ich nicht sofort weiß ob du Witze machst oder nicht. Klar weiß ich das es Spaß war aber genau das dachte ich beim letzten mal auch und dann warst du eine halbe Stunde später weg” Ich holte erst mal nur Luft da mir nicht sofort etwas darauf einfiel. Ja, ich weiß ja was er denkt aber das war wirklich damals eine Kurzschlussreaktion gewesen, ich tue das sonst nicht das ich gleich weglaufe. Was ich nur erstaunlich finde ist das er jetzt wieder anfängt mit dem Thema.
Ich dachte das hätten wir letzte Woche als er bei mir war schon geklärt. “Ich habe doch schon gesagt das es mir leid tut, das war so eine spontane Reaktion” Antwortete ich dann betreten und wich seinem Blick aus. “Wenn du das selbe so noch mal machen würdest, könnte ich dir nicht versprechen das ich wieder zu dir kommen würde” Kam es dann leise. Obwohl es mir schwer fiel, hob ich meinen Kopf und sah ihn vorsichtig von unten an. So langsam frage ich mich was wir hier machen. Es ist verrückt, die Aussicht auf das Meer und die Landschaft sind grandios und Rafa sieht mich an als ginge die Welt gleich unter, das ist der totale Kontrast.
Das Problem ist das ich nicht verstehe warum ihn das so beschäftigt, ich hatte doch schon mehrfach gesagt das es mir leid tut. Ich kaute ein paar Sekunden auf meiner Unterlippe und dachte nach. “Warum hat dich das so schockiert?” Die Frage meinte ich bitterernst. Er wich meinem Blick kurz aus und sah mich dann aber wieder an, was mich kräftig zum schlucken brachte. Nervös war ich jetzt schon ein wenig. “Weil du mir erst nicht das Gefühl gegeben hast das du plötzlich verschwindest. Ich meine, erst telefonieren wir wochenlang, dann kommst du zu mir und plötzlich verschwindest du von einer Minute auf die andere einfach so. Ich konnte ja nicht mal mit dir reden weil du total dicht gemacht hast. Als du sagtest das du her kommst dachte ich du weißt was du willst. Erst lässt du dich darauf ein und dann rufst du mich an und sagst das du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. Du hast mir ja praktisch gar nicht mehr zugehört. Du kannst dir sicher vorstellen das ich nicht so begeistert darüber war wie du mich abblitzen lassen hast” So langsam kam etwas Licht in die Sache. Kann es sein das bei ihm mehr Gefühle im Spiel waren als ich vermutet habe?
Das würde jedenfalls seine Reaktion erklären. Vielleicht dachte er ja das wir zusammen sind nach der einen Woche, dann kann ich verstehen, dass er umso enttäuschter war nach meinem Abgang. Ich wäre auch nicht begeistert wenn ich für jemanden etwas empfinde und derjenige mich dann so knallhart abblitzen lässt. Nur wusste ich davon doch nichts! Ich kann doch nicht ahnen was in ihm vorgeht. Mir war damals nicht klar was er genau von mir will daher hatte ich mich auch gehütet mit ihm darüber zu reden weil ich dachte das er nicht das sagt was ich hören will.
Eigentlich konnte ich mich jetzt freuen da er mir ja eben gesagt hat das er ja doch Interesse an mir hat. Vielleicht war ja jetzt ein guter Moment die Karten auf den Tisch zu legen. Das rätselroten was er nun von mir will und ewige hin und her nervte doch ein wenig daher entschloss ich mich zu einer direkten Frage, die total nach hinten losgehen kann wenn ich das eben falsch interpretiert habe aber das ist eben Risiko.
17 January 2010
Chapter 27 - Porto Cristo III
“Bist du nächstes Wochenende zu Hause?” Fragte ich dann spontan. Sein Lächeln wurde immer breiter. “Warum, willst du mich etwa besuchen?” Ich umarmte ihn soweit das möglich war und sah ihn an. “Vielleicht” “Du kannst auch gleich mitkommen” Oh ja, dass klang richtig gut! Der Gedanke gleich mitzufliegen war extrem verlockend. Ich will ihn ja auch sehen und habe keine Lust mich morgen früh von ihm zu verabschieden auch wenn wir uns in einer Woche wieder sehen. Ich würde die eine Woche lieber mit Rafa verbringen als arbeiten zu gehen und ihn erst nächstes Wochenende wieder zu sehen.
“Da muss ich dich leider enttäuschen, daraus wird nichts weil ich arbeiten muss” ”Das kannst du auch in Manacor, also ich meine wenn das dein Hobby ist und du unbedingt arbeiten musst. Meine Mutter wäre sicher dankbar wenn ihr jemand hilft den ganzen Papierkram zu erledigen” ”Kann ich nicht irgendetwas machen das wir uns sehen?” Er fing schon wieder an so blöd zu grinsen. ”Ich dachte du spielst kein Tennis” Ja, da hatte er absolut Recht, vielleicht spiele ich noch Tennis mit ihm. Ganz so lebensmüde bin ich noch nicht.
”Genau und dabei wird es auch bleiben, du musst auf mich als Trainingspartner verzichten” ”Wie du meinst, dann sehen wir uns eben nächstes Wochenende” Ich dachte schon weiter als nächstes Wochenende und machte dann ein ernstes Gesicht. “Und danach? Ich meine, das Wochenende ist nicht sehr lang” Nach ein paar Sekunden verschwand sein breites Lächeln auch. Er sah auf meine Hände in seinen und dann wieder in mein Gesicht. ”Mal sehen. Ich bin im Moment eingespannt mit Training und habe nicht unbegrenzt freie Zeit. Das meinte ich als ich zu dir in Porto Cristo gesagt habe das du dir das überlegen sollst. Es geht nicht anders und obwohl ich weiß das ich da ziemlich viel von dir verlange kann ich es nicht ändern. Mir ist bewusst das meine häufige Abwesenheit nicht besonders förderlich ist für Beziehungen jeder Art” Ich zog ein Lächeln auch wenn er wohl etwas anderes erwartet hat.
“Das nutzt mir gar nichts das du mir das jetzt sagst. Ich weiß, das ich das eigentlich nicht will aber ich kann nicht nein sagen. Aus mir nicht näher bekannten Gründe ist es unmöglich das ich mich von dir fern halte” ”Das stört mich nicht direkt”
Da es ja heute relativ frisch war, liefen wir eine halbe Stunde später zum Auto zurück und fuhren wieder zu meiner Wohnung. Es war doch bequemer bei dem Wetter in der Wohnung zu bleiben. Leider verging die Zeit wie im Flug, ich wunderte mich wie schnelle es plötzlich Abends war. Und leider muss ich etwas früher ins Bett gehen da ich sonst morgen früh nicht raus komme. Ich löste mich schweren Herzens von ihm und stand auf bevor ich noch hier auf der Couch einschlafe. “Ich gehe duschen” ”Mhh”
Lust hatte ich zwar keine auf duschen aber es nutzt ja alles nichts. Rafa würde mir sicher gerne behilflich sein aber dann duschen wir Mitternacht noch. “Amaia” ”Jaaa?” Rief ich laut und war etwas erstaunt darüber das er offenbar im Bad ist. Von der Duschkabine aus hatte ich nicht gesehen das er reingekommen war. “Wollte nur hören ob du noch lebst” War ich echt so lange weg? Ich öffnete die Duschkabine etwas und sah raus.
“Alles ok” Antwortete ich mit einem breiten Lächeln und stellte mich absichtlich so das er nichts von mir sah außer meinen Kopf. Ich wollte ihn nur ein bisschen ärgern weil ich genau wusste was er eigentlich wollte. Langsam wurde sein Lächeln dann auch breiter. “Soll ich dir helfen?” ”Du kannst mir später helfen” Bevor er dazu kam etwas zu sagen hatte ich schon die Duschkabine wieder zugeschoben.
Ich trocknete mich dann ab und wickelte ein großes Handtuch um mich bevor ich aus der Dusche stieg. “Du bist ja immer noch da!” Ich tat so als wäre ich überrascht dabei hatte ich damit gerechnet das er noch hier ist. “Ich warte nur bis du fertig bist” ”Bin fertig!” Breit grinsend ließ ich ihn stehen und verließ das Bad.
Ich machte es mir in meinem Bett bequem und überlegte ob ich etwas anziehe oder nicht. Vermutlich würde Rafa mir auch beim ausziehen behilflich sein. Gut, ich hatte ja noch das Handtuch um mich gewickelt also beließ ich es vorerst dabei. Da Rafa noch nicht hier war, stellte ich derweil den Wecker damit ich es nicht vergesse, zu spät auf Arbeit kommen kann ich mir nicht leisten. Kaum hatte ich den Wecker gestellt und wieder hingestellt, erschien Rafa in der Tür nur mit einem Handtuch um die Hüften. Ich sah zu ihm und schluckte erst mal.
Kann er nicht etwas anziehen? Er braucht sich nicht zu wundern das ich mich nicht beherrschen kann wenn er so rumläuft. Der Anblick war wirklich zu viel für meine Nerven, mir lief gleich das Wasser im Mund zusammen und warm wurde es mir auch. “Ist was?” Fragte er als wenn nichts wäre. Ich holte tief Luft und schluckte nur. “No” Sagte ich nur obwohl ich am liebsten aus dem Bett springen würde. Mein Blick klebte an ihm, ich war unfähig woanders hinzusehen. Er lief um das Bett auf die andere Seite und verschwand dann unter der Bettdecke.
Verflucht, jetzt gibt es nichts mehr zu sehen! Ich sah zu ihm rüber und musste plötzlich laut lachen. “Du bist gemein!” ”Warum?” Fragte er breit grinsend. “Tue nicht so” ”Das gleiche zurück!” Ich drehte mich auf die Seite und rückte näher zu ihm. “Hast du nichts zum anziehen gefunden?” Fragte ich scheinheilig. “Doch aber mir war plötzlich so warm” Ich musste mich wirklich beherrschen nicht aufdringlich zu werden, er riecht so lecker und das er nichts an hat macht alles noch viel schlimmer. Irgendwie wurde ich leicht nervös. “Dir war es warm?” Fragte ich weiter und küsste ihn am Hals während ich eine Hand über seinen Bauch nach unten wandern ließ. “Mhh” Kam es nur, was mich noch mehr zum lachen brachte. “Woran das wohl liegen wird” Er umarmte mich und lächelte vom einen Ohr zum anderen.
“Du bist wirklich gut darin die Unschuldige zu spielen, fast würde ich es glauben” Ich schlang eine Bein um seine Hüften und küsste ihn verführerisch. “Ich habe keine Ahnung was du meinst” Seine Hand verschwand in meinem Handtuch und fuhr langsam meinen Rücken nach oben. “Sieht so aus als müsste ich dir etwas auf die Sprünge helfen!” Oh ja, darauf war ich schon gespannt!
Als am nächsten Tag früh der Wecker klingelte, hätte ich ihn am liebsten unter das Kopfkissen gesteckt und weitergeschlafen. 5:45 Uhr aufstehen ist ja schon fast unmenschlich. Montags kam ich immer besonders schwer aus dem Bett und Rafa macht es auch nicht besser. Ich würde auch lieber bis Mittag mit ihm im Bett bleiben statt zu arbeiten. Wenn er mich umarmt, fällt es mir noch viel schwerer aufzustehen, es war auch noch so dunkel, wie in der Nacht. Es war doch viel schöner im Bett. Nachdem der Abend gestern so interessant angefangen hatte, passte das jetzt so gar nicht dazu. Mit einer Hand suchte ich den Wecker und schaltete ihn aus.
Um nicht wieder einzuschlafen, schaltete ich die Nachttischlampe an. Nach ein paar Sekunden kam ich langsam zu mir und sah dann neben mich. Rafa lag auf der Seite mit dem Gesicht in meine Richtung und schlief als wenn nichts wäre. Tja, ausschlafen kann er heute nicht, zwar hat er noch Zeit bevor er zurück fliegt aber ich muss kurz vor um sieben los. Ich ließ ihn erst mal schlafen und ging derweil ins Bad duschen auch wenn es mir schwer fiel mich aus seiner Umarmung zu lösen. Nach 20 Minuten war ich fertig und lief zurück zum Schlafzimmer, vorsichtig lief ich näher zum Bett. Er schläft ja immer noch!
Der Anblick war richtig gut aber es nutzte nichts. Ich sah das Handtuch was ich gestern Abend an hatte vor dem Bett liegen und musste dann breit lächeln. Da wird mir nur wieder klar wie blöd ich war so lange auf ihn zu verzichten. Eine Nacht würde kaum reichen um das wieder auszugleichen aber es war zumindest ein guter Anfang. “Hey, aufstehen” Sagte ich dann laut. Es kam keine Reaktion also strich ich mit einer Hand seine Haare aus dem Gesicht und küsste ihn dann auf die Schläfe. “Ich muss gleich los” Flüsterte ich in sein Ohr und wartete. ”Mhh” Kam es nur leise, wenigstens blinzelte er mich dann schon mal an.
Am liebsten würde ich mich auch gleich wieder zu ihm ins Bett legen. Er drehte sich dann auf den Rücken und gähnte erst mal. “Wie spät ist es?” ”Gleich halb sieben” Er schaffte es dann auf wundersame Weise doch irgendwie aus dem Bett zu kommen und ins Bad zu gehen.
“Stehst du immer so früh auf?” Ich sah ihn an als er in die Küche kam und musste dann lächeln. “Sí auch wenn es eine unmenschliche Zeit ist” ”Stimmt, dass würde ich nicht aushalten auf die Dauer” Er setzte sich dann mir gegenüber an den Tisch und sah in die Tasse mit der Schokolade. Ich sah ihm schon an, dass er noch halb schlief. “Du kannst ja am Flughafen noch ein bisschen schlafen” ”Mhh, ich gehe heute Abend um acht ins Bett” ”Du kannst dann auch in Ruhe schlafen” Langsam erschien sein breites Lächeln. ”Ich kann damit leben wenn du mich vom schlafen abhältst” Ich dachte auch eben daran das ich heute Abend wieder auf ihn verzichten muss.
Kaum ist er hier, muss er schon wieder weg wo ich mich doch eben an ihn gewöhnt hatte. “Ich habe gar keine Lust heute Abend alleine zu schlafen” Sagte ich nach ein paar Sekunden. ”Wir sehen uns doch am Freitag, wenn du nett bist, lasse ich dich auch in mein Bett” ”Ich glaube ich bin eindeutig zu nett zu dir. Wenn du jetzt frech wirst, bereust du es spätestens am Freitag” Sein grinsen ging schon vom einen Ohr zum anderen. “Du kannst dich doch sowieso nicht von mir fern halten” Kurz sah ich auf meine Uhr.
“Ich würde gerne noch weiter mit dir diskutieren aber ich muss gleich los” ”Ok” Rafa packte sein Zeug zusammen und wartete im Flur auf mich. Ich packte noch mein Frühstück in meine Tasche und zog mich dann auch an. “Ziehe nicht so ein Gesicht!” Kam es plötzlich. Ich sah ihn an und zog meine Jacke an. “Ich will nicht arbeiten, kannst du nicht hier bleiben? Ich bin einfach krank” ”Das geht nicht, ich muss trainieren” Ich verzog mein Gesicht und wusste doch schon das es nicht geht. “Gut, dann verschwinde eben” ”Willst du mich jetzt los werden?” ”No aber Drama machen nutzt auch nichts. Wir sehen uns am Freitag” Er kam näher und umarmte mich. “Drei Tage kann ich gerade so aushalten ohne dich zu sehen”
Muss er jetzt so anfangen? Ich komme nie von ihm los... ”Du hast es die letzten sechs Wochen irgendwie ohne mich ausgehalten” ”Sí, ich habe die schlechte Laune an meiner Schwester und meinen Freunden ausgelassen” Ich zog ihn näher und küsste ihn kurz. “Das musst du ja jetzt nicht mehr” Je länger ich ihn ansehe umso größer wird die Versuchung gleich mit nach Spanien zu fliegen. “War das schon alles?” Fragte er plötzlich. ”Sí, ich komme sonst auf dumme Gedanken” ”Ok” Kam es dann nur mit einem eigenartigen Blick. Glaubte er wirklich das war alles? Bevor er reagieren konnte zog ich ihn wieder an mich und küsste ihn. Vermutlich sollte ich das nicht tun weil ich sonst nie dazu komme mich von ihm zu verabschieden. Bevor ich die Kontrolle über mich verliere, löste ich mich wieder von ihm. “Ich muss los” ”Mhh”
Wir liefen zusammen die Treppen nach unten und ich verzichtete lieber darauf ihn noch mal zu umarmen weil ich weiß wo das hinführt. Ich saß in meinem Auto, sah ihm nach wie er in sein Auto einstieg und fuhr dann los, ich war schon viel zu spät dran. Bestimmt fällt es auf wenn ich mit einem zu breiten Lächeln rumlaufe die nächsten Tage. Es dauert eine Weile bis ich mich davon erholt habe Rafa zu sehen.
Bis Freitag kann ich vielleicht gerade so auf ihn verzichten. Ich hatte es geahnt das es dann so werden würde... Wahrscheinlich werde ich zum Vielflieger und fliege öfters mal nach Mallorca. Immer nur übers Wochenende lohnt sich aber nicht. Es ist nicht nur teuer sondern nicht sehr effektiv, Schade um den Aufwand wegen den zwei Tagen.
Porto Cristo - November 2009
Ein paar Tage später sah ich das schon wieder anders mit dem hin und her fliegen. Klar lohnt es sich nicht aber besser als Rafa gar nicht zu sehen. Das ich am Freitag hinfliege war ja schon ausgemacht. Wie er sich das vorstellt wenn er wieder auf Tour ist werde ich ja sehen. Eigentlich wollte ich mir ja wieder ein Auto mieten und dann selbst vom Flughafen nach Porto Cristo fahren, da hatte ich aber nicht mit Rafa gerechnet.
Er meinte es wäre Unfug wenn ich ein Auto miete wenn er selbst genug Autos hat. Bevor ich etwas sagen konnte meinte er gleich noch das er seine Schwester zum Flughafen schickt mich abholen weil die sowieso in Palma ist. Ich wollte zwar erst nicht aber er ließ nicht mehr locker. Na gut, von mir aus soll sie mich eben abholen wenn Rafa darauf besteht. Ich kannte sie zwar nicht aber das wird sich ja bald ändern.
Ich war froh als ich endlich in Palma landete. Den ganzen Tag war ich schon im Stress. Um den Flug noch zu schaffen, ließ ich meine Mittagspause ausfallen damit ich eher gehen kann und trotzdem musste ich in Schallgeschwindigkeit zum Flughafen hetzen. Zum Glück hat alles geklappt und ich war nicht zu spät dran.
War schon komisch als ich schon wieder in Palma landete. Bisher war ich höchstens einmal pro Jahr auf Mallorca und jetzt war es schon das dritte mal in diesem Jahr und bestimmt war das nicht das letzte mal. Ist zwar erst vier Tage her das ich Rafa zuletzt gesehen habe aber die Versuchung hier her zu fliegen war zu groß. Leider werde ich Übermorgen schon wieder zurück fliegen aber daran wollte ich jetzt nicht denken, schließlich war ich noch gar nicht richtig hier.
Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich auf meinen Koffer wartete und die überdimensionale Werbung für Mallorca mit Rafa hängen sah. Die hatte ich nun schon paar mal gesehen aber sieht immer wieder gut aus wobei ich das Original der Werbung vorziehe. Ich bin schon gespannt darauf Rafa gleich zu sehen.
Gespannt lief ich mit meinem Koffer zum Ausgang und dann weiter zu den Bushaltestellen. Dort sollte ich warten bis seine Schwester Maria Isabel auftaucht. Mhh, na gut, ich sah mich kurz um, es war niemand zu sehen. Viel war nicht mehr los da es schon Abends war. Vielleicht kommt sie ja später also stellte ich meinen Koffer ab und suchte mein Handy in meiner Tasche. Ich schaltete es wieder an aber es gab nichts neues. Eben als ich es wieder in meine Tasche stecken wollte, bekam ich den Schreck meines Lebens als mir jemand von hinten die Augen zuhielt.
“Überraschung” Kam es dann nur. Ich holte tief Luft und musste dann lächeln da ich schon wusste wer es war. Rafa riecht immer so lecker, dass ich ihn auch so erkenne. Das war mal eine gute Überraschung! Ich legte meine Hände über seine und drehte mich dann um. Es war keine Täuschung, Rafa stand wirklich vor mir und er lächelte vom einen Ohr zum anderen. Er sah auch wieder zu gut aus in Jeans und einer schwarzen Lederjacke. Ich musste dann lachen und schüttelte mit dem Kopf. “Das ist eine gute Überraschung. Was machst du hier?” ”Ich kann ja wieder gehen wenn es dich stört” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir.
“Quatsch, ich bin ja froh dich zu sehen. Ich dachte nur wir sehen uns erst in Porto Cristo” ”Ich hatte eher Zeit und dachte ich hole dich ab” Da ich seinem Lächeln nicht länger widerstehen konnte, küsste ich ihn spontan. Ich konnte nicht anders und es war mir total egal ob es jemand sieht oder nicht. “Ich freue mich schon die ganze Woche darauf dich zu sehen” ”Ich merke es schon” Kam es nur mit einem lachen. “Wir sollten gehen” Ich ließ ihn wieder los und hielt nach seinem Auto Ausschau. So wie er das versteckt hatte war's ja kein Wunder das ich ihn nicht entdeckt hatte. Außer mir hat ihn wohl auch niemand weiter gesehen da es keinen kümmerte das Rafa hier ist.
Gut, hier waren weit und breit keine anderen Leute zu sehen. Was neues war nur das er meine Hand nicht los ließ als wir zum Auto liefen. Bisher waren wir ja nicht Hand in Hand gegangen. Damit outen wir uns aber das wird er schon wissen. Ich sah aus dem Augenwinkel zu Rafa und sagte dann nichts mehr. Mich stört es nicht, von mir aus können wir bis Sonntag zusammen kleben.
Als wir auf dem Weg nach Manacor waren, sah ich zu ihm rüber und musste dann wieder vom einen Ohr zum anderen lächeln. Es sah gut aus wie Rafa so konzentriert auf die Straße sieht. Am liebsten würde ich ihn umarmen und dann überall Küsse auf ihm verteilen. Nur muss ich mich beherrschen da ich nicht will, dass er irgendwo dagegen fährt.
Später ist ja auch noch Zeit und ich freute mich schon darauf ein bisschen mit ihm alleine zu sein. “Wie lief eigentlich das Training heute?” ”Mhh, ging schon. Ich bin zwar nicht in Bestform aber es wird schon noch werden. Zumindest kann ich wieder spielen, es wurde schon fast langweilig immer zu Hause zu sein” ”Sei froh das du mal entspannen konntest” ”So lange hätte es aber nicht gleich sein müssen. Andererseits hatte ich so Zeit dich zu besuchen” ”Vor allem überraschend, ich komme immer noch nicht drüber weg das du einfach zu mir gekommen bist” ”Hat sich doch gelohnt!”
Ich musste spontan laut lachen, meinte er das so zweideutig wie ich es verstanden habe? “Sí” Meinte ich dann nur mit einem Lächeln vom einen Ohr zum anderen.
Eine halbe Stunde nachdem wir vom Flughafen losgefahren waren, kamen wir endlich mal in Porto Cristo an. Es war inzwischen nach um acht und bei dem ganzen Stress den ich heute hatte dachte ich schon daran ob es nicht besser gewesen wäre erst am Samstag zu fliegen aber dann gleich am nächsten Tag zurück wäre ja noch sinnloser. Wenigstens musste ich nichts auspacken da ich nicht viel mit hatte. Theoretisch hätte ich nur mit Handgepäck fliegen können aber das sieht immer so komisch aus also hatte ich eine kleine Tasche und gab die einfach als Gepäck auf. Als ich an dem Gästezimmer vorbei lief, blieb ich stehen und sah kurz rein.
“Kann ich mir selbst aussuchen wo ich schlafe?” Rief ich laut, da Rafa noch unten irgendwo war. “Sí” Kam es ein paar Sekunden später laut. Ok, wie er meinte! Ich lief weiter zu seinem Schlafzimmer und warf meine Tasche im hohen Bogen auf das Bett. Eben als ich mich umdrehte, kam Rafa zur Tür rein. Erst sah er zu meiner Tasche und dann zu mir. “Das ist aber meine Seite” Ich folgte seinem Blick zum Bett und zog dann ein breites grinsen.
”Jetzt nicht mehr! Du hast gesagt ich kann mir aussuchen wo ich schlafe. Kannst ja vor dem Bett auf dem Teppich schlafen wenn du unbedingt auf diese Seite bestehst” Sein Lächeln wurde immer breiter. “Darf ich dich daran erinnern, dass es mein Haus ist? Wenn hier jemand entscheidet wo ich schlafe dann ich! Du solltest mir dankbar sein das ich dich überhaupt in mein Bett lasse und nicht auch noch Forderungen stellen” ”Deine Interpretation von dankbar sein kann ich mir schon sehr gut vorstellen” ”Letzte Woche hat dich das noch nicht gestört”
Ich lief zum Bett und ließ mich rückwärts fallen. “Ich bin zu nett zu dir” Rafa kam näher und setzte sich auf die Kante. “Das stört mich aber nicht” Ich sah zu ihm und rollte dann mit den Augen. “Würde ich dich nicht ein bisschen kennen, würde ich dir jetzt unterstellen das du nur wolltest das ich hier her komme weil es dir alleine langweilig wird im Bett” ”Wer sagt denn, dass ich sonst alleine im Bett bin?” Ich schlug nach ihm und setzte mich wieder hin. “An deiner Stelle wäre ich vorsichtig, sonst bereust du es sehr bald” ”Willst du mit Sexentzug drohen? Das funktioniert nicht” So sicher wie er wäre ich mir da aber nicht. ”Sagt der Richtige!” Antwortete ich nur mit einem kichern und warf mit dem Kopfkissen nach ihm.
Da er wohl fürchtete, dass ich weitere Dinge nach ihm werfe, hielt er meine Handgelenke fest. Leider gelang es mir auch nicht mich aus seinem Klammergriff zu befreien. “Lasse mich los!” Sagte ich während ich lachen musste und nebenbei versuchte mich zu befreien. Plötzlich gab er nach. “Ok, ich fasse dich nie wieder an” ”Das habe ich ja gar nicht gesagt” Bevor er auf die Idee kommt wieder aufzustehen, legte ich meine Arme um seinen Hals und hielt ihn fest. “Wenn ich wälte das du dich von mir fern hältst, wäre ich jetzt kaum hier no?” ”Kann ja sein das Wetter ist hier besser als bei dir zu Hause” Ja, dass stimmt auch aber inzwischen war es hier auch schon ziemlich kühl und baden gehen kann man höchstens noch im Schwimmbad.
“Du wirst es mir vermutlich sowieso nicht glauben aber ich bin wegen dir hier und nicht wegen dem Wetter” ”Dann will ich das einfach mal glauben” Bevor ich reagieren konnte, küsste er mich kurz und stand dann wieder auf. “Ich gehe duschen” Ich sah ihm nach bis er nicht mehr zu sehen war und sah dann auf meine Uhr. Es ist noch nicht mal um neun und ich könnte mich sofort auf die Seite drehen und schlafen. Die Woche war eindeutig zu lang und das frühe aufstehen bekommt mir auch nicht.
Durch ein Geräusch wurde ich aus einer Art Dämmerschlaf gerissen und schlug mühsam meine Augen auf. Rafa schien vor dem Bett zu stehen und sah mich mit großen Augen an. “Schläfst du schon?” Momentan konnte ich ihm nicht ganz folgen da ich erst mal meine Gedanken ordnen musste. “Mhh?” Machte ich nur leise. Da er nichts sagte und auf die andere Seite lief, drehte ich mich auf die andere Seite damit ich ihn sehen kann.
Inzwischen konnte ich auch wieder etwas genauer nachdenken, ich muss wohl vorhin eingeschlafen sein obwohl es nicht meine Absicht war. Zwar hatte ich noch alles an aber ich war jetzt wirklich zu faul noch mal aufzustehen um etwas anderes anzuziehen. So richtig bequem waren die Jeans aber auch nicht, schlafen wollte ich zumindest nicht darin. Mühselig zog ich wenigstens die Jeans aus. Als ich wieder bequem lag und neben mich sah, merkte ich erst das ich wohl beobachtet werde. “Was?” Fragte ich nur.
Im nächsten Moment wurde sein Lächeln breiter. “Nada, ich hatte nur nicht vor so früh ins Bett zu gehen” ”Früh? Ich hätte heute Nachmittag schon schlafen können. Die Woche war eindeutig zu lang, ich bin total breit. Du musst nicht ins Bett gehen wenn du noch nicht müde bist, es ist schon ok wenn du noch auf bleibst” ”Komme her” Ich rückte so nah es ging an ihn und machte es mir bequem. Seine Umarmung entschädigte gleich für sämtlichen Stress der letzten Tage, von mir aus bleiben wir bis zum Sonntag Nachmittag im Bett. Das wäre doch mal was! Er ist auch so schön warm, noch ein paar Minuten und ich bin im Tiefschlaf.
“Willst du schlafen?” Oh ja, schlafen, das klang herrlich! ”Mhh” Machte ich nur und sah ihn mit großen Augen an. “Dann wünsche ich dir eine Gute Nacht” Ich küsste ihn kurz und legte mich dann wieder hin. ”Dir auch” Es war richtig schön als das Licht aus ging und alles dunkel wurde. Leider konnte ich dann aber nicht einschlafen. Die Nähe von Rafa war zu aufregend. Die Idee heute hier her zu kommen war doch nicht so verkehrt, wenn ich schon so wenig Zeit habe hier zu bleiben muss ich es doch auch ausnutzen. Zu schade, dass ich Rafa nicht jeden Tag sehen kann. Nachdem ich vor ein paar Wochen der Meinung war, das es alles zu kompliziert wäre, sah ich das jetzt ein bisschen anders. Da ich offensichtlich sowieso nicht mehr von ihm los komme, kann ich ja auch aufhören mich gegen alles zu wehren.
Die Frage ob ich mit ihm zusammen sein will oder nicht steht gar nicht, das ist alles nur noch Formsache, zumindest von meiner Seite aus. Mir kommt es irgendwie sowieso schon vor als wenn wir zusammen sind auch wenn wir darüber noch nicht gesprochen haben. Zumindest hätte er nicht den ganzen Aufwand betreiben müssen um zu mir zu kommen wenn ich ihm egal wäre. Ich bin ja nicht blöd, mir ist klar das er im Handumdrehen jemanden anderes finden würde wenn er das wälte. Das es alleine an ihm liegt das ich jetzt hier bin ist mir auch bewusst. Ich hätte mich sicher nicht getraut ihn anzurufen und schon gar nicht einfach so hier her zu fahren und ihn zu überraschen. Da hätte ich sicher zu viel Angst gehabt das er mich dann abblitzen lässt nachdem wie das damals endete als ich zuletzt hier war.
Ich hätte mich wohl an seiner Stelle nicht getraut so was spontanes zu machen. Immerhin habe ich ihm ziemlich direkt gesagt das ich keinen Kontakt mehr mit ihm haben will. Zum Glück hat er sich davon nicht abschrecken lassen. Um Haaresbreite hätte ich alles vergeigt und wir hätten uns wohl nie wieder gesehen. Wenn es so gekommen wäre, hätte ich das sicher sehr bald bereut und würde Rafa ewig nachtrauern.
“Da muss ich dich leider enttäuschen, daraus wird nichts weil ich arbeiten muss” ”Das kannst du auch in Manacor, also ich meine wenn das dein Hobby ist und du unbedingt arbeiten musst. Meine Mutter wäre sicher dankbar wenn ihr jemand hilft den ganzen Papierkram zu erledigen” ”Kann ich nicht irgendetwas machen das wir uns sehen?” Er fing schon wieder an so blöd zu grinsen. ”Ich dachte du spielst kein Tennis” Ja, da hatte er absolut Recht, vielleicht spiele ich noch Tennis mit ihm. Ganz so lebensmüde bin ich noch nicht.
”Genau und dabei wird es auch bleiben, du musst auf mich als Trainingspartner verzichten” ”Wie du meinst, dann sehen wir uns eben nächstes Wochenende” Ich dachte schon weiter als nächstes Wochenende und machte dann ein ernstes Gesicht. “Und danach? Ich meine, das Wochenende ist nicht sehr lang” Nach ein paar Sekunden verschwand sein breites Lächeln auch. Er sah auf meine Hände in seinen und dann wieder in mein Gesicht. ”Mal sehen. Ich bin im Moment eingespannt mit Training und habe nicht unbegrenzt freie Zeit. Das meinte ich als ich zu dir in Porto Cristo gesagt habe das du dir das überlegen sollst. Es geht nicht anders und obwohl ich weiß das ich da ziemlich viel von dir verlange kann ich es nicht ändern. Mir ist bewusst das meine häufige Abwesenheit nicht besonders förderlich ist für Beziehungen jeder Art” Ich zog ein Lächeln auch wenn er wohl etwas anderes erwartet hat.
“Das nutzt mir gar nichts das du mir das jetzt sagst. Ich weiß, das ich das eigentlich nicht will aber ich kann nicht nein sagen. Aus mir nicht näher bekannten Gründe ist es unmöglich das ich mich von dir fern halte” ”Das stört mich nicht direkt”
Da es ja heute relativ frisch war, liefen wir eine halbe Stunde später zum Auto zurück und fuhren wieder zu meiner Wohnung. Es war doch bequemer bei dem Wetter in der Wohnung zu bleiben. Leider verging die Zeit wie im Flug, ich wunderte mich wie schnelle es plötzlich Abends war. Und leider muss ich etwas früher ins Bett gehen da ich sonst morgen früh nicht raus komme. Ich löste mich schweren Herzens von ihm und stand auf bevor ich noch hier auf der Couch einschlafe. “Ich gehe duschen” ”Mhh”
Lust hatte ich zwar keine auf duschen aber es nutzt ja alles nichts. Rafa würde mir sicher gerne behilflich sein aber dann duschen wir Mitternacht noch. “Amaia” ”Jaaa?” Rief ich laut und war etwas erstaunt darüber das er offenbar im Bad ist. Von der Duschkabine aus hatte ich nicht gesehen das er reingekommen war. “Wollte nur hören ob du noch lebst” War ich echt so lange weg? Ich öffnete die Duschkabine etwas und sah raus.
“Alles ok” Antwortete ich mit einem breiten Lächeln und stellte mich absichtlich so das er nichts von mir sah außer meinen Kopf. Ich wollte ihn nur ein bisschen ärgern weil ich genau wusste was er eigentlich wollte. Langsam wurde sein Lächeln dann auch breiter. “Soll ich dir helfen?” ”Du kannst mir später helfen” Bevor er dazu kam etwas zu sagen hatte ich schon die Duschkabine wieder zugeschoben.
Ich trocknete mich dann ab und wickelte ein großes Handtuch um mich bevor ich aus der Dusche stieg. “Du bist ja immer noch da!” Ich tat so als wäre ich überrascht dabei hatte ich damit gerechnet das er noch hier ist. “Ich warte nur bis du fertig bist” ”Bin fertig!” Breit grinsend ließ ich ihn stehen und verließ das Bad.
Ich machte es mir in meinem Bett bequem und überlegte ob ich etwas anziehe oder nicht. Vermutlich würde Rafa mir auch beim ausziehen behilflich sein. Gut, ich hatte ja noch das Handtuch um mich gewickelt also beließ ich es vorerst dabei. Da Rafa noch nicht hier war, stellte ich derweil den Wecker damit ich es nicht vergesse, zu spät auf Arbeit kommen kann ich mir nicht leisten. Kaum hatte ich den Wecker gestellt und wieder hingestellt, erschien Rafa in der Tür nur mit einem Handtuch um die Hüften. Ich sah zu ihm und schluckte erst mal.
Kann er nicht etwas anziehen? Er braucht sich nicht zu wundern das ich mich nicht beherrschen kann wenn er so rumläuft. Der Anblick war wirklich zu viel für meine Nerven, mir lief gleich das Wasser im Mund zusammen und warm wurde es mir auch. “Ist was?” Fragte er als wenn nichts wäre. Ich holte tief Luft und schluckte nur. “No” Sagte ich nur obwohl ich am liebsten aus dem Bett springen würde. Mein Blick klebte an ihm, ich war unfähig woanders hinzusehen. Er lief um das Bett auf die andere Seite und verschwand dann unter der Bettdecke.
Verflucht, jetzt gibt es nichts mehr zu sehen! Ich sah zu ihm rüber und musste plötzlich laut lachen. “Du bist gemein!” ”Warum?” Fragte er breit grinsend. “Tue nicht so” ”Das gleiche zurück!” Ich drehte mich auf die Seite und rückte näher zu ihm. “Hast du nichts zum anziehen gefunden?” Fragte ich scheinheilig. “Doch aber mir war plötzlich so warm” Ich musste mich wirklich beherrschen nicht aufdringlich zu werden, er riecht so lecker und das er nichts an hat macht alles noch viel schlimmer. Irgendwie wurde ich leicht nervös. “Dir war es warm?” Fragte ich weiter und küsste ihn am Hals während ich eine Hand über seinen Bauch nach unten wandern ließ. “Mhh” Kam es nur, was mich noch mehr zum lachen brachte. “Woran das wohl liegen wird” Er umarmte mich und lächelte vom einen Ohr zum anderen.
“Du bist wirklich gut darin die Unschuldige zu spielen, fast würde ich es glauben” Ich schlang eine Bein um seine Hüften und küsste ihn verführerisch. “Ich habe keine Ahnung was du meinst” Seine Hand verschwand in meinem Handtuch und fuhr langsam meinen Rücken nach oben. “Sieht so aus als müsste ich dir etwas auf die Sprünge helfen!” Oh ja, darauf war ich schon gespannt!
Als am nächsten Tag früh der Wecker klingelte, hätte ich ihn am liebsten unter das Kopfkissen gesteckt und weitergeschlafen. 5:45 Uhr aufstehen ist ja schon fast unmenschlich. Montags kam ich immer besonders schwer aus dem Bett und Rafa macht es auch nicht besser. Ich würde auch lieber bis Mittag mit ihm im Bett bleiben statt zu arbeiten. Wenn er mich umarmt, fällt es mir noch viel schwerer aufzustehen, es war auch noch so dunkel, wie in der Nacht. Es war doch viel schöner im Bett. Nachdem der Abend gestern so interessant angefangen hatte, passte das jetzt so gar nicht dazu. Mit einer Hand suchte ich den Wecker und schaltete ihn aus.
Um nicht wieder einzuschlafen, schaltete ich die Nachttischlampe an. Nach ein paar Sekunden kam ich langsam zu mir und sah dann neben mich. Rafa lag auf der Seite mit dem Gesicht in meine Richtung und schlief als wenn nichts wäre. Tja, ausschlafen kann er heute nicht, zwar hat er noch Zeit bevor er zurück fliegt aber ich muss kurz vor um sieben los. Ich ließ ihn erst mal schlafen und ging derweil ins Bad duschen auch wenn es mir schwer fiel mich aus seiner Umarmung zu lösen. Nach 20 Minuten war ich fertig und lief zurück zum Schlafzimmer, vorsichtig lief ich näher zum Bett. Er schläft ja immer noch!
Der Anblick war richtig gut aber es nutzte nichts. Ich sah das Handtuch was ich gestern Abend an hatte vor dem Bett liegen und musste dann breit lächeln. Da wird mir nur wieder klar wie blöd ich war so lange auf ihn zu verzichten. Eine Nacht würde kaum reichen um das wieder auszugleichen aber es war zumindest ein guter Anfang. “Hey, aufstehen” Sagte ich dann laut. Es kam keine Reaktion also strich ich mit einer Hand seine Haare aus dem Gesicht und küsste ihn dann auf die Schläfe. “Ich muss gleich los” Flüsterte ich in sein Ohr und wartete. ”Mhh” Kam es nur leise, wenigstens blinzelte er mich dann schon mal an.
Am liebsten würde ich mich auch gleich wieder zu ihm ins Bett legen. Er drehte sich dann auf den Rücken und gähnte erst mal. “Wie spät ist es?” ”Gleich halb sieben” Er schaffte es dann auf wundersame Weise doch irgendwie aus dem Bett zu kommen und ins Bad zu gehen.
“Stehst du immer so früh auf?” Ich sah ihn an als er in die Küche kam und musste dann lächeln. “Sí auch wenn es eine unmenschliche Zeit ist” ”Stimmt, dass würde ich nicht aushalten auf die Dauer” Er setzte sich dann mir gegenüber an den Tisch und sah in die Tasse mit der Schokolade. Ich sah ihm schon an, dass er noch halb schlief. “Du kannst ja am Flughafen noch ein bisschen schlafen” ”Mhh, ich gehe heute Abend um acht ins Bett” ”Du kannst dann auch in Ruhe schlafen” Langsam erschien sein breites Lächeln. ”Ich kann damit leben wenn du mich vom schlafen abhältst” Ich dachte auch eben daran das ich heute Abend wieder auf ihn verzichten muss.
Kaum ist er hier, muss er schon wieder weg wo ich mich doch eben an ihn gewöhnt hatte. “Ich habe gar keine Lust heute Abend alleine zu schlafen” Sagte ich nach ein paar Sekunden. ”Wir sehen uns doch am Freitag, wenn du nett bist, lasse ich dich auch in mein Bett” ”Ich glaube ich bin eindeutig zu nett zu dir. Wenn du jetzt frech wirst, bereust du es spätestens am Freitag” Sein grinsen ging schon vom einen Ohr zum anderen. “Du kannst dich doch sowieso nicht von mir fern halten” Kurz sah ich auf meine Uhr.
“Ich würde gerne noch weiter mit dir diskutieren aber ich muss gleich los” ”Ok” Rafa packte sein Zeug zusammen und wartete im Flur auf mich. Ich packte noch mein Frühstück in meine Tasche und zog mich dann auch an. “Ziehe nicht so ein Gesicht!” Kam es plötzlich. Ich sah ihn an und zog meine Jacke an. “Ich will nicht arbeiten, kannst du nicht hier bleiben? Ich bin einfach krank” ”Das geht nicht, ich muss trainieren” Ich verzog mein Gesicht und wusste doch schon das es nicht geht. “Gut, dann verschwinde eben” ”Willst du mich jetzt los werden?” ”No aber Drama machen nutzt auch nichts. Wir sehen uns am Freitag” Er kam näher und umarmte mich. “Drei Tage kann ich gerade so aushalten ohne dich zu sehen”
Muss er jetzt so anfangen? Ich komme nie von ihm los... ”Du hast es die letzten sechs Wochen irgendwie ohne mich ausgehalten” ”Sí, ich habe die schlechte Laune an meiner Schwester und meinen Freunden ausgelassen” Ich zog ihn näher und küsste ihn kurz. “Das musst du ja jetzt nicht mehr” Je länger ich ihn ansehe umso größer wird die Versuchung gleich mit nach Spanien zu fliegen. “War das schon alles?” Fragte er plötzlich. ”Sí, ich komme sonst auf dumme Gedanken” ”Ok” Kam es dann nur mit einem eigenartigen Blick. Glaubte er wirklich das war alles? Bevor er reagieren konnte zog ich ihn wieder an mich und küsste ihn. Vermutlich sollte ich das nicht tun weil ich sonst nie dazu komme mich von ihm zu verabschieden. Bevor ich die Kontrolle über mich verliere, löste ich mich wieder von ihm. “Ich muss los” ”Mhh”
Wir liefen zusammen die Treppen nach unten und ich verzichtete lieber darauf ihn noch mal zu umarmen weil ich weiß wo das hinführt. Ich saß in meinem Auto, sah ihm nach wie er in sein Auto einstieg und fuhr dann los, ich war schon viel zu spät dran. Bestimmt fällt es auf wenn ich mit einem zu breiten Lächeln rumlaufe die nächsten Tage. Es dauert eine Weile bis ich mich davon erholt habe Rafa zu sehen.
Bis Freitag kann ich vielleicht gerade so auf ihn verzichten. Ich hatte es geahnt das es dann so werden würde... Wahrscheinlich werde ich zum Vielflieger und fliege öfters mal nach Mallorca. Immer nur übers Wochenende lohnt sich aber nicht. Es ist nicht nur teuer sondern nicht sehr effektiv, Schade um den Aufwand wegen den zwei Tagen.
Porto Cristo - November 2009
Ein paar Tage später sah ich das schon wieder anders mit dem hin und her fliegen. Klar lohnt es sich nicht aber besser als Rafa gar nicht zu sehen. Das ich am Freitag hinfliege war ja schon ausgemacht. Wie er sich das vorstellt wenn er wieder auf Tour ist werde ich ja sehen. Eigentlich wollte ich mir ja wieder ein Auto mieten und dann selbst vom Flughafen nach Porto Cristo fahren, da hatte ich aber nicht mit Rafa gerechnet.
Er meinte es wäre Unfug wenn ich ein Auto miete wenn er selbst genug Autos hat. Bevor ich etwas sagen konnte meinte er gleich noch das er seine Schwester zum Flughafen schickt mich abholen weil die sowieso in Palma ist. Ich wollte zwar erst nicht aber er ließ nicht mehr locker. Na gut, von mir aus soll sie mich eben abholen wenn Rafa darauf besteht. Ich kannte sie zwar nicht aber das wird sich ja bald ändern.
Ich war froh als ich endlich in Palma landete. Den ganzen Tag war ich schon im Stress. Um den Flug noch zu schaffen, ließ ich meine Mittagspause ausfallen damit ich eher gehen kann und trotzdem musste ich in Schallgeschwindigkeit zum Flughafen hetzen. Zum Glück hat alles geklappt und ich war nicht zu spät dran.
War schon komisch als ich schon wieder in Palma landete. Bisher war ich höchstens einmal pro Jahr auf Mallorca und jetzt war es schon das dritte mal in diesem Jahr und bestimmt war das nicht das letzte mal. Ist zwar erst vier Tage her das ich Rafa zuletzt gesehen habe aber die Versuchung hier her zu fliegen war zu groß. Leider werde ich Übermorgen schon wieder zurück fliegen aber daran wollte ich jetzt nicht denken, schließlich war ich noch gar nicht richtig hier.
Ich musste mir ein lachen verkneifen als ich auf meinen Koffer wartete und die überdimensionale Werbung für Mallorca mit Rafa hängen sah. Die hatte ich nun schon paar mal gesehen aber sieht immer wieder gut aus wobei ich das Original der Werbung vorziehe. Ich bin schon gespannt darauf Rafa gleich zu sehen.
Gespannt lief ich mit meinem Koffer zum Ausgang und dann weiter zu den Bushaltestellen. Dort sollte ich warten bis seine Schwester Maria Isabel auftaucht. Mhh, na gut, ich sah mich kurz um, es war niemand zu sehen. Viel war nicht mehr los da es schon Abends war. Vielleicht kommt sie ja später also stellte ich meinen Koffer ab und suchte mein Handy in meiner Tasche. Ich schaltete es wieder an aber es gab nichts neues. Eben als ich es wieder in meine Tasche stecken wollte, bekam ich den Schreck meines Lebens als mir jemand von hinten die Augen zuhielt.
“Überraschung” Kam es dann nur. Ich holte tief Luft und musste dann lächeln da ich schon wusste wer es war. Rafa riecht immer so lecker, dass ich ihn auch so erkenne. Das war mal eine gute Überraschung! Ich legte meine Hände über seine und drehte mich dann um. Es war keine Täuschung, Rafa stand wirklich vor mir und er lächelte vom einen Ohr zum anderen. Er sah auch wieder zu gut aus in Jeans und einer schwarzen Lederjacke. Ich musste dann lachen und schüttelte mit dem Kopf. “Das ist eine gute Überraschung. Was machst du hier?” ”Ich kann ja wieder gehen wenn es dich stört” Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn näher zu mir.
“Quatsch, ich bin ja froh dich zu sehen. Ich dachte nur wir sehen uns erst in Porto Cristo” ”Ich hatte eher Zeit und dachte ich hole dich ab” Da ich seinem Lächeln nicht länger widerstehen konnte, küsste ich ihn spontan. Ich konnte nicht anders und es war mir total egal ob es jemand sieht oder nicht. “Ich freue mich schon die ganze Woche darauf dich zu sehen” ”Ich merke es schon” Kam es nur mit einem lachen. “Wir sollten gehen” Ich ließ ihn wieder los und hielt nach seinem Auto Ausschau. So wie er das versteckt hatte war's ja kein Wunder das ich ihn nicht entdeckt hatte. Außer mir hat ihn wohl auch niemand weiter gesehen da es keinen kümmerte das Rafa hier ist.
Gut, hier waren weit und breit keine anderen Leute zu sehen. Was neues war nur das er meine Hand nicht los ließ als wir zum Auto liefen. Bisher waren wir ja nicht Hand in Hand gegangen. Damit outen wir uns aber das wird er schon wissen. Ich sah aus dem Augenwinkel zu Rafa und sagte dann nichts mehr. Mich stört es nicht, von mir aus können wir bis Sonntag zusammen kleben.
Als wir auf dem Weg nach Manacor waren, sah ich zu ihm rüber und musste dann wieder vom einen Ohr zum anderen lächeln. Es sah gut aus wie Rafa so konzentriert auf die Straße sieht. Am liebsten würde ich ihn umarmen und dann überall Küsse auf ihm verteilen. Nur muss ich mich beherrschen da ich nicht will, dass er irgendwo dagegen fährt.
Später ist ja auch noch Zeit und ich freute mich schon darauf ein bisschen mit ihm alleine zu sein. “Wie lief eigentlich das Training heute?” ”Mhh, ging schon. Ich bin zwar nicht in Bestform aber es wird schon noch werden. Zumindest kann ich wieder spielen, es wurde schon fast langweilig immer zu Hause zu sein” ”Sei froh das du mal entspannen konntest” ”So lange hätte es aber nicht gleich sein müssen. Andererseits hatte ich so Zeit dich zu besuchen” ”Vor allem überraschend, ich komme immer noch nicht drüber weg das du einfach zu mir gekommen bist” ”Hat sich doch gelohnt!”
Ich musste spontan laut lachen, meinte er das so zweideutig wie ich es verstanden habe? “Sí” Meinte ich dann nur mit einem Lächeln vom einen Ohr zum anderen.
Eine halbe Stunde nachdem wir vom Flughafen losgefahren waren, kamen wir endlich mal in Porto Cristo an. Es war inzwischen nach um acht und bei dem ganzen Stress den ich heute hatte dachte ich schon daran ob es nicht besser gewesen wäre erst am Samstag zu fliegen aber dann gleich am nächsten Tag zurück wäre ja noch sinnloser. Wenigstens musste ich nichts auspacken da ich nicht viel mit hatte. Theoretisch hätte ich nur mit Handgepäck fliegen können aber das sieht immer so komisch aus also hatte ich eine kleine Tasche und gab die einfach als Gepäck auf. Als ich an dem Gästezimmer vorbei lief, blieb ich stehen und sah kurz rein.
“Kann ich mir selbst aussuchen wo ich schlafe?” Rief ich laut, da Rafa noch unten irgendwo war. “Sí” Kam es ein paar Sekunden später laut. Ok, wie er meinte! Ich lief weiter zu seinem Schlafzimmer und warf meine Tasche im hohen Bogen auf das Bett. Eben als ich mich umdrehte, kam Rafa zur Tür rein. Erst sah er zu meiner Tasche und dann zu mir. “Das ist aber meine Seite” Ich folgte seinem Blick zum Bett und zog dann ein breites grinsen.
”Jetzt nicht mehr! Du hast gesagt ich kann mir aussuchen wo ich schlafe. Kannst ja vor dem Bett auf dem Teppich schlafen wenn du unbedingt auf diese Seite bestehst” Sein Lächeln wurde immer breiter. “Darf ich dich daran erinnern, dass es mein Haus ist? Wenn hier jemand entscheidet wo ich schlafe dann ich! Du solltest mir dankbar sein das ich dich überhaupt in mein Bett lasse und nicht auch noch Forderungen stellen” ”Deine Interpretation von dankbar sein kann ich mir schon sehr gut vorstellen” ”Letzte Woche hat dich das noch nicht gestört”
Ich lief zum Bett und ließ mich rückwärts fallen. “Ich bin zu nett zu dir” Rafa kam näher und setzte sich auf die Kante. “Das stört mich aber nicht” Ich sah zu ihm und rollte dann mit den Augen. “Würde ich dich nicht ein bisschen kennen, würde ich dir jetzt unterstellen das du nur wolltest das ich hier her komme weil es dir alleine langweilig wird im Bett” ”Wer sagt denn, dass ich sonst alleine im Bett bin?” Ich schlug nach ihm und setzte mich wieder hin. “An deiner Stelle wäre ich vorsichtig, sonst bereust du es sehr bald” ”Willst du mit Sexentzug drohen? Das funktioniert nicht” So sicher wie er wäre ich mir da aber nicht. ”Sagt der Richtige!” Antwortete ich nur mit einem kichern und warf mit dem Kopfkissen nach ihm.
Da er wohl fürchtete, dass ich weitere Dinge nach ihm werfe, hielt er meine Handgelenke fest. Leider gelang es mir auch nicht mich aus seinem Klammergriff zu befreien. “Lasse mich los!” Sagte ich während ich lachen musste und nebenbei versuchte mich zu befreien. Plötzlich gab er nach. “Ok, ich fasse dich nie wieder an” ”Das habe ich ja gar nicht gesagt” Bevor er auf die Idee kommt wieder aufzustehen, legte ich meine Arme um seinen Hals und hielt ihn fest. “Wenn ich wälte das du dich von mir fern hältst, wäre ich jetzt kaum hier no?” ”Kann ja sein das Wetter ist hier besser als bei dir zu Hause” Ja, dass stimmt auch aber inzwischen war es hier auch schon ziemlich kühl und baden gehen kann man höchstens noch im Schwimmbad.
“Du wirst es mir vermutlich sowieso nicht glauben aber ich bin wegen dir hier und nicht wegen dem Wetter” ”Dann will ich das einfach mal glauben” Bevor ich reagieren konnte, küsste er mich kurz und stand dann wieder auf. “Ich gehe duschen” Ich sah ihm nach bis er nicht mehr zu sehen war und sah dann auf meine Uhr. Es ist noch nicht mal um neun und ich könnte mich sofort auf die Seite drehen und schlafen. Die Woche war eindeutig zu lang und das frühe aufstehen bekommt mir auch nicht.
Durch ein Geräusch wurde ich aus einer Art Dämmerschlaf gerissen und schlug mühsam meine Augen auf. Rafa schien vor dem Bett zu stehen und sah mich mit großen Augen an. “Schläfst du schon?” Momentan konnte ich ihm nicht ganz folgen da ich erst mal meine Gedanken ordnen musste. “Mhh?” Machte ich nur leise. Da er nichts sagte und auf die andere Seite lief, drehte ich mich auf die andere Seite damit ich ihn sehen kann.
Inzwischen konnte ich auch wieder etwas genauer nachdenken, ich muss wohl vorhin eingeschlafen sein obwohl es nicht meine Absicht war. Zwar hatte ich noch alles an aber ich war jetzt wirklich zu faul noch mal aufzustehen um etwas anderes anzuziehen. So richtig bequem waren die Jeans aber auch nicht, schlafen wollte ich zumindest nicht darin. Mühselig zog ich wenigstens die Jeans aus. Als ich wieder bequem lag und neben mich sah, merkte ich erst das ich wohl beobachtet werde. “Was?” Fragte ich nur.
Im nächsten Moment wurde sein Lächeln breiter. “Nada, ich hatte nur nicht vor so früh ins Bett zu gehen” ”Früh? Ich hätte heute Nachmittag schon schlafen können. Die Woche war eindeutig zu lang, ich bin total breit. Du musst nicht ins Bett gehen wenn du noch nicht müde bist, es ist schon ok wenn du noch auf bleibst” ”Komme her” Ich rückte so nah es ging an ihn und machte es mir bequem. Seine Umarmung entschädigte gleich für sämtlichen Stress der letzten Tage, von mir aus bleiben wir bis zum Sonntag Nachmittag im Bett. Das wäre doch mal was! Er ist auch so schön warm, noch ein paar Minuten und ich bin im Tiefschlaf.
“Willst du schlafen?” Oh ja, schlafen, das klang herrlich! ”Mhh” Machte ich nur und sah ihn mit großen Augen an. “Dann wünsche ich dir eine Gute Nacht” Ich küsste ihn kurz und legte mich dann wieder hin. ”Dir auch” Es war richtig schön als das Licht aus ging und alles dunkel wurde. Leider konnte ich dann aber nicht einschlafen. Die Nähe von Rafa war zu aufregend. Die Idee heute hier her zu kommen war doch nicht so verkehrt, wenn ich schon so wenig Zeit habe hier zu bleiben muss ich es doch auch ausnutzen. Zu schade, dass ich Rafa nicht jeden Tag sehen kann. Nachdem ich vor ein paar Wochen der Meinung war, das es alles zu kompliziert wäre, sah ich das jetzt ein bisschen anders. Da ich offensichtlich sowieso nicht mehr von ihm los komme, kann ich ja auch aufhören mich gegen alles zu wehren.
Die Frage ob ich mit ihm zusammen sein will oder nicht steht gar nicht, das ist alles nur noch Formsache, zumindest von meiner Seite aus. Mir kommt es irgendwie sowieso schon vor als wenn wir zusammen sind auch wenn wir darüber noch nicht gesprochen haben. Zumindest hätte er nicht den ganzen Aufwand betreiben müssen um zu mir zu kommen wenn ich ihm egal wäre. Ich bin ja nicht blöd, mir ist klar das er im Handumdrehen jemanden anderes finden würde wenn er das wälte. Das es alleine an ihm liegt das ich jetzt hier bin ist mir auch bewusst. Ich hätte mich sicher nicht getraut ihn anzurufen und schon gar nicht einfach so hier her zu fahren und ihn zu überraschen. Da hätte ich sicher zu viel Angst gehabt das er mich dann abblitzen lässt nachdem wie das damals endete als ich zuletzt hier war.
Ich hätte mich wohl an seiner Stelle nicht getraut so was spontanes zu machen. Immerhin habe ich ihm ziemlich direkt gesagt das ich keinen Kontakt mehr mit ihm haben will. Zum Glück hat er sich davon nicht abschrecken lassen. Um Haaresbreite hätte ich alles vergeigt und wir hätten uns wohl nie wieder gesehen. Wenn es so gekommen wäre, hätte ich das sicher sehr bald bereut und würde Rafa ewig nachtrauern.
4 January 2010
Chapter 26
Als alle mit dem Essen fertig waren verkrümelte ich mich kurz in die Küche um den Nachtisch zu holen. Ich kann Rafa ja sicher mal ein paar Minuten mit meinen Eltern alleine lassen. Zumindest dachte ich, dass ich alleine in der Küche wäre. “Soll ich dir helfen?” Kam es plötzlich von hinter mir, meine Mutter, es war so klar! Sie will es wohl jetzt genau wissen und gibt nicht auf. Ich drehte mich um und zog ein lächeln. “Nein, geht schon” Sie kam näher und blieb neben mir stehen. Was gleich kommt ahnte ich schon. “Hättest du uns nicht vorwarnen können?” ”Warum? Er tut keinem was, ihr hättet euch nur unnötig Gedanken gemacht” ”Von dem Schock erholt sich dein Vater nie” Jetzt musste ich aber doch lachen.
“Warum denn? Ist doch nichts passiert” ”Weil dein Vater zufällig auch guckt wenn hier mal Tennis im fernsehen übertragen wird. Sein Gesicht war doch eindeutig oder nicht? Ich gebe zu, dass ich erst nicht wusste wer das ist aber wie groß muss der Schock erst für jemanden sein der Tennis guckt wenn er spielt” ”Ja, ich kann auch nichts dafür das alle erschrecken wenn sie Rafa sehen. Ich wusste wirklich nicht das er hier her kommt sonst hätte ich euch nicht auch noch eingeladen” Sie grinste mich so verdächtig von der Seite an.
“Na das kann ich mir vorstellen! Wie bist du eigentlich an den geraten?” ”Na im Mai als ich mit Sara in Porto Cristo gewesen bin. Ich war da alleine in einer Bar weil Sara woanders hingehen wollte. Rafa wohnt dort und ist auch dort aufgetaucht, na und der Rest ist eine lange Geschichte” “Ja aber ich meine ihr wart doch nur eine Woche dort. Wieso taucht er ein halbes Jahr später plötzlich hier auf?” Inzwischen fiel mir auch ein auf was sie anspielte. Mir war kurz entfallen das sie nicht wissen wo ich war als ich zuletzt auf Mallorca war vor knapp sechs Wochen. “Das war nicht nur dort. Ich war doch im August auch in Berlin mit Sara zu dem Turnier und na ja im September war ich doch noch mal in Spanien. Das ich mit Sara dort Urlaub gemacht habe war nur die halbe Wahrheit” Sie zog gleich wieder so ein herrliches Gesicht.
“Du warst also gar nicht mit Sara im Urlaub? Jetzt sage nicht du bist heimlich mit ihm abgetaucht” ”Das war nicht heimlich, er war eben zu Hause in der Woche. Sara dachte ich bin mit euch in Österreich in der Woche. Ich weiß, dass ich es hätte eher sagen sollen aber was hätte ich denn machen sollen? Hättet ihr mir das geglaubt?” ”Wahrscheinlich nicht. Du musst zugeben das die Story ein bisschen zu abgedreht klingt” ”Eben” Das grinsen meiner Mutter wurde immer breiter. ”Ich hätte an deiner Stelle auch nicht lange überlegt” Ich rollte mit den Augen und hoffte das sie wieder locker lässt. “Es ist nicht so das ich dachte ich muss ihn mir warm halten weil er eine Menge Geld hat” ”Sagt ja auch niemand. Wir sind deine Eltern und wollen eben wissen mit wem du zusammen bist” ”Wir sind nicht zusammen” “Warum nicht? Den würde ich an deiner Stelle nicht gehen lassen” Ich rollte mit den Augen und gab es auf.
Meine Mutter konnte manchmal extrem nerven. ”Das ist noch nicht spruchreif” ”Schon gut von uns erfährt niemand etwas. Jedenfalls solange dein Vater sich beherrschen kann. Wenn ich den nicht zwinge zu gehen, sind wir morgen noch hier. Für den ist Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Erst jammert er weil hier kein Tennis kommt und dann taucht Rafael Nadal hier auf. Der fragt ihn bis in alle Ewigkeit aus wenn du ihn lässt“ “Ich glaube es wird Rafa nicht stören, der ist es gewohnt das alle Fragen stellen“ Bevor sie noch weiter nervt, lief ich mit der Crema Catalana wieder ins Wohnzimmer. Da war ich sicher vor nervigen Fragen von meiner Mutter.
Kaum das wir mit dem Nachtisch fertig waren drängelte meine Mutter das sie nach Hause will. Mein Vater wollte zwar noch bleiben aber meine Mutter setzte ihren Kopf durch. Sie dachte wohl ich will mit Rafa alleine sein und wollte deswegen so schnell gehen. So auffällig hätte sie es aber nicht gleich machen müssen. Es kam mir ja durchaus entgegen wenn sie gehen, so haben wir noch ein bisschen unsere Ruhe. Tja, was sollten wir machen?
Ehe ich es mir versah standen meine Eltern im Flur und verabschiedeten sich. Spätestens als meine Mutter mir so verräterisch zuzwinkerte wusste ich warum sie so drängt zu gehen. Als die Luft wieder sauber war atmete ich tief durch und lief dann ins Wohnzimmer zurück. Rafa saß am Tisch und zog ein breites Lächeln als er mich reinkommen sah. Wortlos setzte ich mich wieder neben ihn und sah auf das Geschirr auf dem Tisch. “Das war's dann wohl” ”Es ging doch als sie den ersten Schock überwunden hatten” ”Ja, es hätte schlimmer kommen können” ”Du kannst mich jetzt immer mit Rafa ansprechen” Jetzt da er es sagte fiel mir das erst auf. Bis jetzt hatte ich ihn immer mit dem vollen Name angesprochen auch wenn ich sonst an seinen Spitzname Rafa gewöhnt war.
“Wenn du darauf bestehst” ”Sí, ich bin es gewohnt, die halbe Welt spricht mich so an. Es ist selten das mich jemand mit dem vollen Name anspricht außer meine Eltern, die bestehen auf dem kompletten Name” ”Das ist ja wie mein Vater, der dreht durch wenn es sich jemand traut ihn mit Nando anzusprechen, das kann er gar nicht leiden” ”Aber es lief doch ganz gut oder?” ”Mhh, wenn man bedenkt das sie keine Ahnung hatten was sie erwartet schon. Das Gesicht von meinem Vater war echt herrlich, ich hatte keine Ahnung das er Tennis guckt“
Ich räumte erst mal den Tisch ab und suchte dann nach einer Flasche Rotwein, von der ich mir sicher war das sie irgendwo in meiner Abstellkammer ist. Als ich sie endlich gefunden hatte lief ich zurück ins Wohnzimmer und stellte die Flasche auf den Tisch. “Willst du mich abfüllen?” Kam es auch gleich. “Im Gegenteil, so was habe ich nicht nötig und dieses mal passe ich auf wie viel du trinkst” Sein grinsen verging ihm gleich. Ja, ich dachte da an diesen Abend in Manacor der so harmlos anfing und für Rafa beinahe im Vollrausch endete. “Erinnere mich nicht daran” Ich holte noch zwei Gläser und setzte mich dann neben ihn.
“Hast du eigentlich den Zeitungsartikel mit dem Bild aufgehoben?” ”Sí obwohl ich normalerweise keine Artikel über mich aufhebe. Wenn du in der Zeitung bist muss ich es aufheben” ”Kannst du mal einscannen und mir schicken wenn du daran denkst” ”Kannst mich ja erinnern falls ich es vergesse. Hat dich jemand erkannt auf dem Bild?” Meinte er jetzt Sara? Ich sah auf das Weinglas und trank erst mal einen großen Schluck. “Falls du Sara meinst, sie kam zwei Tage nachdem sie wieder hier war hier her und hat mir die Freundschaft gekündigt” Sein Gesicht wurde immer besser. Ein bisschen betroffen sah er schon aus. “Wirklich? Nur wegen dem Bild?” ”No, das Bild war nur der Auslöser. Ich habe sie doch monatelang an der Nase rumgeführt. Irgendwie kann ich sie auch verstehen, ich weiß doch selber das es daneben war. Sie ist ja nicht mal ausgeflippt, sie war nur ein paar Minuten hier und hat gesagt das ich die längste Zeit ihre Freundin war. Bevor ich reagieren konnte war sie schon wieder weg. Tja, das ist jetzt über fünf Wochen her und sie hat sich nicht gemeldet seit dem Tag” Rafa sah mich immer noch so nachdenklich an.
“Und du denkst nicht das sie sich wieder beruhigt?” Ich zuckte mit den Schultern und fragte mich das selbst. “Ich weiß nicht. Erst dachte ich sie hält es sowieso nicht lange aus ohne sich zu melden aber inzwischen fürchte ich fast das sie Ernst macht. Ich meine, die letzten zehn Jahre hatten wir nie länger als drei Tage keinen Kontakt. Ich traue mich nicht sie anzurufen weil ich fürchte das es alles noch schlimmer machen würde wenn ich versuche mich rauszureden” Rafa lehnte sich seitlich an mich und umarmte mich dann.
“Ich wollte das natürlich nicht, ich will nicht Schuld sein das du nicht mehr mit ihr befreundet bist wegen mir” ”Das bist du nicht. Also nicht direkt, ich hätte sie ja nicht anlügen müssen dann wäre auch nichts passiert” ”Wäre das so schlimm gewesen es ihr zu sagen?” ”Frage ich mich auch. Ich habe es nur nicht getan weil ich nicht wollte das sie mich nutzt um an Informationen über dich zu kommen. Eigentlich hält sie dicht aber ich traue ihr nicht in der Hinsicht, sie hat schon immer gerne getratscht” ”Ich will ja nicht urteilen aber das hast du wirklich toll hinbekommen” Ich zog nur ein gequältes Lächeln, ich bin an allem Schuld, dass ist nichts neues.
“Gracias, wenn ich so überlege, du bist doch Schuld an allem” Das war natürlich ein Scherz von mir. “Sí aber das stört mich nicht, bin ich gewohnt” ”Es muss so was wie Schicksal sein das du hier bist. Die letzten drei Jahre hatte ich einen riesigen Spaß dabei mich über Sara lustig zu machen weil sie ein Spiel von dir angucken musste oder weil sie stundenlang Bilder von dir anguckt und dann sabbert. Ich habe ihr Gebetsmühlenartig vorgepredigt das sie aufhören soll damit weil sie dich sowieso nicht länger als zehn Minuten sehen wird und dann werde ausgerechnet ich eines Besseren belehrt” ”Tja, jetzt hast du mich am Hals. So ist das wenn man es zu gut meint” ”Ich war ja nur realistisch. Wenn sie es schon nicht ist dachte ich mir das ich sie wenigstens darauf hinweise das sie verrückt ist. Leider hat sie das so interpretiert das ich neidisch bin oder es ihr nicht gönne”
Schneller als ich wollte, zeigte der Wein seine Wirkung bei mir. Ich war plötzlich so müde das ich schon dachte das ich es gar nicht mehr alleine von hier bis in mein Bett schaffe. Außerdem müsste ich dazu Rafa loslassen und ich lag eben so bequem an ihm. Er war so schön warm, kein Wunder das ich an Ort und Stelle einschlafen könnte.
“Schläfst du schon?” Kam es dann leise. Er sah ja mein Gesicht nicht da ich meinen Kopf an seiner Schulter liegen hatte. ”Mhh, fast” Antwortete ich leise. “Vielleicht solltest du ja ins Bett gehen” ”Ich schaffe es nicht mehr” Ein paar Augenblicke später stand er auf und hob mich plötzlich hoch. Ich klammerte mich an ihm fest und wurde aus meinem Dämmerschlaf gerissen. “Was soll das werden?” ”Du schläfst gleich ein” Ja, das stimmte.
Gerechnet hätte ich damit nie aber er trug mich tatsächlich in mein Bett, von mir aus kann er das jetzt jeden Abend machen. Es wäre mir aber noch lieber gewesen wenn er gar nicht aufgestanden wäre. Es war doch gleich sehr viel bequemer im Bett zu liegen als auf der Couch. Er deckte mich zu und küsste mich kurz auf die Stirn. “Bin gleich zurück, ich gehe nur schnell duschen” ”Mhh” Ich sah ihm nach wie er aus dem Zimmer ging und schloss dann meine Augen.
Stunden später wachte ich wieder auf weil ich dringend auf Toilette musste. Ich drehte mich auf den Rücken und schlug meine Augen auf, es war alles dunkel um mich rum, sicher war es mitten in der Nacht. Mit der linken Hand suchte ich neben mir nach Rafa aber er war nicht da, ich spürte nur die Bettdecke und das Bettlaken neben mir. Wieso ist er nicht hier? Ich dachte er geht duschen und schläft dann mit hier.
Aufstehen musste ich ja sowieso also quälte ich mich hoch und schlich im Dunkeln ins Bad. Jetzt war ich sowieso schon mal auf den Beinen also lief ich dann weiter zum Wohnzimmer und spähte rein. Rafa lag tatsächlich auf der Couch und schlief! Ich dachte es wäre klar gewesen das er neben mir schläft aber offensichtlich hat er es anders interpretiert. Eigentlich wollte ich ja warten bis er wieder zurück ist vom duschen aber ich muss wohl vorher eingeschlafen sein. Zwar hatte ich nicht direkt gesagt das er neben mir schlafen soll aber ich dachte auf die Idee kommt er auch von selbst. Ich lief näher zur Couch und ging davor in die Hocke, wecken wollte ich Rafa ja auch nicht aber zu Zweit ist es definitiv zu eng auf der Couch.
Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden im Dunkeln und fuhr dann mit einer Hand durch seine Haare, es störte ihn nur gar nicht. Kurz kam ich ins schwanken doch wieder ins Bett zu gehen und ihn in Ruhe schlafen zu lassen. Auch auf die Gefahr hin das er vielleicht sauer ist wenn ich ihn wecke... ich rüttelte sanft an seiner Schulter und wartete bis er ein Lebenszeichen von sich gibt. “Rafa?” Fragte ich leise und ließ nicht locker. Er wurde dann unruhig und drehte sich auf die Seite.
“Mhh?” Kam es dann leise. Ich sah ihn an soweit das im Dunkeln ging und strich ihm seine Haare aus dem Gesicht. “Ich will neben dir schlafen” Flüsterte ich leise und war gespannt auf seine Reaktion. „Du kannst mir gerne Gesellschaft leisten, es ist wirklich bequem hier“ Irgendwie klang das jetzt so als wenn er das Gegenteil meinte, zumindest der letzte Teil. Gut, kann schon sein das die Couch etwas kurz ist oder Rafa ist einfach zu groß je nachdem wie man es nimmt. „Wo ist es denn unbequem? Wenn dir das nicht ausreicht, liegt es nicht an der Couch sondern an dir. Ziehe einfach die Füße ein“ „Du bist zu freundlich“ „Falls es dich beruhigt, mein Bett ist etwas länger als die Couch“ “Ist ja gut, ich komme mit“ Ich stand also wieder auf und zog ihn an der Hand hinter mir her in mein Schlafzimmer.
Nachdem ich gewartet hatte bis er bequem lag, rückte ich so nah es ging an ihn. War doch gleich viel bequemer so! Vor ein paar Wochen war ich mir sicher das ich ihn nie in mein Bett lassen würde aber so ändern sich eben die Dinge. Ich habe irgendwie keine Kontrolle über mich wenn ich ihn sehe.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte und neben mich sah, musste ich gleich lächeln. In den letzten Wochen hatte ich mir oft genug gewünscht neben Rafa aufzuwachen. Das er jetzt hier ist, erscheint mir so unreal. Wäre ja noch schöner gewesen wenn er ab jetzt immer auf der Couch schläft. Ich drehte mich auf die Seite und umarmte ihn. Da er noch schlief konnte ich ihn ja beobachten. Das könnte ich öfters tun, mir hatte schon was gefehlt die letzten Wochen wenn ich aufwache und dann alleine bin. Natürlich hätte ich mir selbst nie eingestanden das ich Rafa vermisse auch wenn es so war, umso schöner das er jetzt hier ist.
Wenn ich ihn direkt neben mir sehe, wird mir klar wie blöd ich sein muss wen ich freiwillig darauf verzichte. Schon erstaunlich das er das Risiko eingegangen ist hier her zu kommen ohne Vorwarnung. Am Telefon hätte er mich sicher nicht so schnell einwickeln können. Da komme ich nur wieder ins grübeln. Einerseits ist es irgendwie sinnlos weil wir uns viel zu selten sehen können aber wenn ich ihn dann sehe, sind alle Zweifel wie weggewischt. Vielleicht ist er dann ja wieder vier oder sechs Wochen weg und ich würde es auf die Dauer nicht aushalten ihn nur aller ein paar Wochen mal für zwei oder drei Tage zu sehen, ich will das so auch gar nicht.
Auf der anderen Seite ist mir klar, dass ich blöd sein muss wenn ich ihn abblitzen lasse. Er wäre ja nicht hier wenn ich ihm egal wäre und ich glaube nicht das er noch mal einfach so hier her kommen würde wenn ich ihm sage das ich keinen Kontakt zu ihm will.
Ehe ich lange nachdenken konnte wachte Rafa aber auf. Es war so schön wie er mich so verschlafen ansah. “Bon dia” Sagte ich breit lächelnd. Er drehte sich auf die Seite und umarmte mich. Es war so bequem das ich direkt wieder einschlafen könnte. “Warum hast du es vorgezogen auf der Couch zu schlafen statt hier?” Fragte ich ihn dann gleich direkt. “Weil ich mir nicht sicher war ob du willst das ich hier schlafe” ”Klar will ich das du neben mir schläfst. Das wir uns eine Weile nicht gesehen haben heißt ja nicht das wir so tun müssen als wäre nie was gewesen” Das war ja echt verrückt, wenn jemand Ansprüche stellen kann neben mir zu schlafen dann ja wohl Rafa daher verstehe ich nicht warum er sich so ziert.
Ist aber auch egal jetzt, er ist ja hier. “Wie du meinst” Kam es dann nur. Ich fuhr mit den Fingerspitzen über seinen Arm und musste an vorhin denken. “Was machst du denn jetzt eigentlich jetzt? Ich meine außer mich besuchen“ “Nächste Woche geht die Vorbereitung für die neue Saison los. Ansonsten hatte ich genug Zeit zum relaxen. Langsam wird es auch langweilig weil ich es nicht gewohnt bin nicht viel zu machen. Ich würde am liebsten gleich wieder das Finale der Tour in London spielen aber Toni lässt mich sowieso nicht” ”Wenn du die letzten Monate gar nicht gespielt hast bist du auch nicht optimal vorbereitet oder?” ”Ich will ja auch nicht gleich gewinnen, mir würde für den Anfang auch das Halbfinale reichen. Wenn ich so viel Zeit zum überlegen habe komme ich auf dumme Ideen, deswegen bin ich auch hier” ”So dumm war die Idee gar nicht”
Langsam verschwand sein Lächeln dann wieder. “Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?” ”Habe ich doch schon gesagt, ich dachte du bist sauer auf mich” ”Ich meinte warum du den Kontakt abgebrochen hast. Etwa nur wegen dem was ich in Porto Cristo gesagt habe?” Ich überlegte kurz was ich sage. ”No also nicht nur. Es war nur ein guter Aufhänger, ich meine wir sehen uns doch kaum, wie stellst du dir das vor?” ”Du kannst jederzeit nach Mallorca zu mir kommen” ”Jetzt ja und wenn du nächstes Jahr wieder auf Tour bist?” Sein Gesicht sagte schon alles, er hat keine Ahnung, ich sehe es ihm förmlich an.
“Es wird schon irgendwie gehen vorausgesetzt du willst es. Ich wäre jetzt sicher nicht hier wenn ich der Ansicht wäre das es sinnlos ist” ”Ich will dich nicht nur aller paar Wochen mal sehen. Das soll auch kein Vorwurf sein weil ich weiß das du nichts daran ändern kannst” Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, glaubt er ich will ihn jetzt doch abservieren? Ich weiß doch selbst nicht was ich will. Klar will ich mit ihm zusammen sein aber das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt.
“Sieh mich nicht so an!” Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. “Was erwartest du?” Kam es immer noch so ernst. “Rafa, das sollte eben nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will. Im Gegenteil, ich bin total gerne mit dir zusammen daher will ich auch nicht auf dich verzichten” Wenigstens entspannte sich sein Gesicht wieder. “Was soll ich davon halten? Erst sagst du das du das so nicht willst und dann sagst du das du mit mir zusammen sein willst. Es ist ja nicht so das du nicht mitkommen kannst.
Von mir aus kannst du die ganze Tour mitmachen” “Das geht nicht auch wenn es verlockend klingt” ”Ich meine ja nur, es ist nicht so das ich dich nicht dabei haben will bei den Turnieren. Mir wär's auch am liebsten wenn du überall dabei wärst aber ich weiß das ich das nicht von dir verlangen kann” Langsam erschien mein Lächeln wieder. “Na ja also das wichtigste könnte ich natürlich schon mitnehmen, Wimbledon würde ich mir schon mal ansehen” ”Dir geht es ja doch nur um Karten” Er sagte das so trocken, da musste ich noch mehr lachen. “Das ist eine verleumderische Unterstellung! Es ist nicht so das ich da auch hingehen würde wenn du aus irgendeinem Grund gar nicht spielst” ”Wenn du dort auftauchst, wird die Presse sich freuen. Die hatten viel zu lange keine Klatschgeschichten mehr über mein Privatleben” ”Das lässt sich dann wohl nicht ändern. Mir ist klar das ich unfreiwillig in der Presse lande” ”Ich sage sowieso nichts dazu. Sicherlich werde ich es nicht noch breittreten, geht auch keinen etwas an außer uns”
Wenn ich ihn so reden höre, es klingt ja irgendwie so als wenn wir richtig zusammen wären. Es scheint ihm ja wirklich alles ernst zu sein. Hat er eigentlich seinen Eltern gesagt das er bei mir ist? Damals wussten sie ja das ich in Porto Cristo war. “Wissen deine Eltern das du hier bist?” ”Mhh, ich habe gesagt das ich vor habe dich zu besuchen. Ich wusste ja nicht was passiert und ich will nicht das die Presse schneller ist. Eigentlich bin ich zwar aus dem Alter raus wo ich alles meinen Eltern erzählen muss aber meine Mutter hat reges Interesse an meinem Privatleben” Ist es also doch so das er nicht alles unter den Teppich gekehrt hat vor seinen Eltern. Nachdem ich so überraschend abgereist war hätte er ja auch sagen können das es sich erledigt hat.
Wenn er seine Eltern mit reinzieht, macht er es ja schon fast offiziell das wir zusammen sind. “Wie findet sie es das du hier her kommst und ich nichts ahne?” ”Genau das ist der Punkt, sie hat gesagt ich bin verrückt und das ich dich wenigstens vorwarnen soll” ”Du hättest auf sie hören sollen. Hätte sein können ich bin nicht da oder so” ”Das war Risiko. Meine Eltern glauben sowieso das ich übergeschnappt bin. Die sind bestimmt gespannt darauf dich mal zu sehen weil sie wissen wollen wie du es schaffst mich zu solchen Aktionen zu verleiten”
Mein lächeln sah bestimmt gut aus. Was kann ich dafür das Rafa sich nicht unter Kontrolle hat? Ich habe ihn nicht angebettelt das er hier her kommt. Hätte ich es getan wäre es interessant gewesen zu sehen wie viele Stunden er bis hier her gebraucht hätte.
Wir bequemten uns dann aus dem Bett und frühstückten erst mal. Ich wäre auch bis Mittag im Bett geblieben aber Rafa kann sowieso nicht lange ruhig liegen bleiben. Wahrscheinlich fehlt ihm schon das ganze Training und da muss er sich anderweitig abreagieren wenn er schon nicht Tennis spielen kann. Heute war verhältnismäßig schönes Wetter also müssen wir ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung bleiben.
Es gab unweit von meiner Wohnung einen kleinen See mitten im Wald. Baden gehen wäre schlecht um diese Jahreszeit aber man könnte zumindest dort spazieren gehen oder wenigstens ein bisschen frische Luft schnappen. Dort kann Rafa sich auch gänzlich unbeobachtet fühlen denn dort wird niemand sein und wenn dann gehen nur Rentner spazieren. Es wunderte mich nur das er nicht protestierte, ich dachte das ist ihm zu langweilig aber er sagte nichts also setzten wir das in die Tat um.
“Und es ist dir wirklich nicht zu langweilig?” Fragte ich als wir am Parkplatz aus dem Auto stiegen. Ich sah in den Wald und dachte jetzt ist die letzte Möglichkeit das er sagen kann wenn er doch keine Lust hat. “No, ist schon ok, bisschen frische Luft kann ja nicht schaden. Ich bin zwar nicht solche Temperaturen gewohnt aber wir müssen ja nicht ewig hier bleiben” Tja, wahrscheinlich ist noch Sommer auf Mallorca oder zumindest Herbst während es hier schon wie Winter aussah.
Blätter waren schon lange keine mehr auf den Bäumen und die Landschaft war richtig kahl geworden. Von den Temperaturen dürfte sich es auch gravierend unterscheiden, hier schneit es manchmal schon auch wenn nichts liegen bleibt, Nachtfrost ist zumindest normal. “Also gut, wie du meinst“ Ich schloss das Auto ab und lief dann mit ihm los.
Nachdem wir ungefähr 20 Minuten liefen tauchte der See auf. Es war alles total ruhig und friedlich, im Sommer ist hier immer die Hölle los. So richtig schön einsam sah es auch gut aus, es waren auch keine Menschen weit und breit zu sehen. Ich sah auf das Wasser während ich meine Gedanken schweifen ließ. Hätte mir vor zwei Tagen einer gesagt das ich heute mit Rafa hier bin, hätte ich den für irre erklärt. Etwas frisch war es schon also steckte ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke. “Ist dir kalt?”
Fragte er gleich. Ihm entging auch nichts oder? “Geht schon” “Gib mir deine Hände” Ich zog ein lächeln und blieb auch stehen. ”Warum?” ”Lass dich überraschen” Gut, ich zog also meine Hände aus den Taschen der Jacke und hielt sie ihm hin. Mir wurde auch klar was er wollte als er meine Hände in seine nahm. Die Idee war gut, seine Hände waren richtig schön warm. Bei mir kribbelte es gleich wieder, ich konnte nicht anders als ihn breit anzulächeln. “Besser?” Fragte er dann auch gleich. ”Viel besser, das kannst du den ganzen Winter über machen“ ”Komme zu mir nach Spanien, dort ist es nicht so kalt”
Ja, es hörte sich gut an, ich musste auch nicht unbedingt Winter haben. Liebend gerne würde ich den ganzen Winter über in Spanien bleiben. “Höre auf solche Vorschläge zu machen, ich könnte mal ja sagen” ”Würde mich nicht stören” Würde er das auch sagen wenn ich ernst machen würde? Sein Gesicht wälte ich sehen wenn ich sage das ich nach Mallorca ziehe. “Kann ich bei dir einziehen?” Fragte ich direkt, ich wollte nur seine Reaktion sehen. Sein Lächeln verschwand aber nicht. “Das würdest du doch sowieso nicht machen!” ”Woher willst du das wissen?” ”Weil ich weiß das du hier arbeitest” ”Das muss ja nicht so bleiben. Ich spreche ja auch nicht von nächster Woche oder so, ganz so eilig habe ich es nun auch nicht” Eigentlich plante ich das gar nicht. Klar, so grob durchdacht stimmt es das ich auf Mallorca wesentlich schöner leben könnte als hier. Dafür müsste ich aber mein ganzes Leben umkrempeln.
”Ich denke darüber nach” Kam es dann nur. Das machte mir ein bisschen Angst, ich schätze mal er würde nicht so lange überlegen. Der Gedanke, das ich bei ihm einziehe war total absurd, das wäre mir nie in den Sinn gekommen vor ein paar Tagen. Umso erschreckender ist es zu wissen das er dem grundsätzlich nicht abgeneigt ist. Ich hatte damit gerechnet das er jetzt unzählige Gründe sagt die mich davon abhalten würden das zu tun. So ernst war das ja jetzt noch nicht zwischen uns das wir uns darum Gedanken machen müssten, das wäre dann nur längerfristig gesehen eine Überlegung wert. Auf die Dauer habe ich jedenfalls keine Lust zwischen Deutschland und Mallorca zu pendeln. Mit dem straffen Tourplan zusammen wird das ja der totale Stress es alles passend zu machen. Schon verrückt das wir bis vor zwei Tagen keinen Kontakt hatten und jetzt von umziehen reden.
“Warum denn? Ist doch nichts passiert” ”Weil dein Vater zufällig auch guckt wenn hier mal Tennis im fernsehen übertragen wird. Sein Gesicht war doch eindeutig oder nicht? Ich gebe zu, dass ich erst nicht wusste wer das ist aber wie groß muss der Schock erst für jemanden sein der Tennis guckt wenn er spielt” ”Ja, ich kann auch nichts dafür das alle erschrecken wenn sie Rafa sehen. Ich wusste wirklich nicht das er hier her kommt sonst hätte ich euch nicht auch noch eingeladen” Sie grinste mich so verdächtig von der Seite an.
“Na das kann ich mir vorstellen! Wie bist du eigentlich an den geraten?” ”Na im Mai als ich mit Sara in Porto Cristo gewesen bin. Ich war da alleine in einer Bar weil Sara woanders hingehen wollte. Rafa wohnt dort und ist auch dort aufgetaucht, na und der Rest ist eine lange Geschichte” “Ja aber ich meine ihr wart doch nur eine Woche dort. Wieso taucht er ein halbes Jahr später plötzlich hier auf?” Inzwischen fiel mir auch ein auf was sie anspielte. Mir war kurz entfallen das sie nicht wissen wo ich war als ich zuletzt auf Mallorca war vor knapp sechs Wochen. “Das war nicht nur dort. Ich war doch im August auch in Berlin mit Sara zu dem Turnier und na ja im September war ich doch noch mal in Spanien. Das ich mit Sara dort Urlaub gemacht habe war nur die halbe Wahrheit” Sie zog gleich wieder so ein herrliches Gesicht.
“Du warst also gar nicht mit Sara im Urlaub? Jetzt sage nicht du bist heimlich mit ihm abgetaucht” ”Das war nicht heimlich, er war eben zu Hause in der Woche. Sara dachte ich bin mit euch in Österreich in der Woche. Ich weiß, dass ich es hätte eher sagen sollen aber was hätte ich denn machen sollen? Hättet ihr mir das geglaubt?” ”Wahrscheinlich nicht. Du musst zugeben das die Story ein bisschen zu abgedreht klingt” ”Eben” Das grinsen meiner Mutter wurde immer breiter. ”Ich hätte an deiner Stelle auch nicht lange überlegt” Ich rollte mit den Augen und hoffte das sie wieder locker lässt. “Es ist nicht so das ich dachte ich muss ihn mir warm halten weil er eine Menge Geld hat” ”Sagt ja auch niemand. Wir sind deine Eltern und wollen eben wissen mit wem du zusammen bist” ”Wir sind nicht zusammen” “Warum nicht? Den würde ich an deiner Stelle nicht gehen lassen” Ich rollte mit den Augen und gab es auf.
Meine Mutter konnte manchmal extrem nerven. ”Das ist noch nicht spruchreif” ”Schon gut von uns erfährt niemand etwas. Jedenfalls solange dein Vater sich beherrschen kann. Wenn ich den nicht zwinge zu gehen, sind wir morgen noch hier. Für den ist Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Erst jammert er weil hier kein Tennis kommt und dann taucht Rafael Nadal hier auf. Der fragt ihn bis in alle Ewigkeit aus wenn du ihn lässt“ “Ich glaube es wird Rafa nicht stören, der ist es gewohnt das alle Fragen stellen“ Bevor sie noch weiter nervt, lief ich mit der Crema Catalana wieder ins Wohnzimmer. Da war ich sicher vor nervigen Fragen von meiner Mutter.
Kaum das wir mit dem Nachtisch fertig waren drängelte meine Mutter das sie nach Hause will. Mein Vater wollte zwar noch bleiben aber meine Mutter setzte ihren Kopf durch. Sie dachte wohl ich will mit Rafa alleine sein und wollte deswegen so schnell gehen. So auffällig hätte sie es aber nicht gleich machen müssen. Es kam mir ja durchaus entgegen wenn sie gehen, so haben wir noch ein bisschen unsere Ruhe. Tja, was sollten wir machen?
Ehe ich es mir versah standen meine Eltern im Flur und verabschiedeten sich. Spätestens als meine Mutter mir so verräterisch zuzwinkerte wusste ich warum sie so drängt zu gehen. Als die Luft wieder sauber war atmete ich tief durch und lief dann ins Wohnzimmer zurück. Rafa saß am Tisch und zog ein breites Lächeln als er mich reinkommen sah. Wortlos setzte ich mich wieder neben ihn und sah auf das Geschirr auf dem Tisch. “Das war's dann wohl” ”Es ging doch als sie den ersten Schock überwunden hatten” ”Ja, es hätte schlimmer kommen können” ”Du kannst mich jetzt immer mit Rafa ansprechen” Jetzt da er es sagte fiel mir das erst auf. Bis jetzt hatte ich ihn immer mit dem vollen Name angesprochen auch wenn ich sonst an seinen Spitzname Rafa gewöhnt war.
“Wenn du darauf bestehst” ”Sí, ich bin es gewohnt, die halbe Welt spricht mich so an. Es ist selten das mich jemand mit dem vollen Name anspricht außer meine Eltern, die bestehen auf dem kompletten Name” ”Das ist ja wie mein Vater, der dreht durch wenn es sich jemand traut ihn mit Nando anzusprechen, das kann er gar nicht leiden” ”Aber es lief doch ganz gut oder?” ”Mhh, wenn man bedenkt das sie keine Ahnung hatten was sie erwartet schon. Das Gesicht von meinem Vater war echt herrlich, ich hatte keine Ahnung das er Tennis guckt“
Ich räumte erst mal den Tisch ab und suchte dann nach einer Flasche Rotwein, von der ich mir sicher war das sie irgendwo in meiner Abstellkammer ist. Als ich sie endlich gefunden hatte lief ich zurück ins Wohnzimmer und stellte die Flasche auf den Tisch. “Willst du mich abfüllen?” Kam es auch gleich. “Im Gegenteil, so was habe ich nicht nötig und dieses mal passe ich auf wie viel du trinkst” Sein grinsen verging ihm gleich. Ja, ich dachte da an diesen Abend in Manacor der so harmlos anfing und für Rafa beinahe im Vollrausch endete. “Erinnere mich nicht daran” Ich holte noch zwei Gläser und setzte mich dann neben ihn.
“Hast du eigentlich den Zeitungsartikel mit dem Bild aufgehoben?” ”Sí obwohl ich normalerweise keine Artikel über mich aufhebe. Wenn du in der Zeitung bist muss ich es aufheben” ”Kannst du mal einscannen und mir schicken wenn du daran denkst” ”Kannst mich ja erinnern falls ich es vergesse. Hat dich jemand erkannt auf dem Bild?” Meinte er jetzt Sara? Ich sah auf das Weinglas und trank erst mal einen großen Schluck. “Falls du Sara meinst, sie kam zwei Tage nachdem sie wieder hier war hier her und hat mir die Freundschaft gekündigt” Sein Gesicht wurde immer besser. Ein bisschen betroffen sah er schon aus. “Wirklich? Nur wegen dem Bild?” ”No, das Bild war nur der Auslöser. Ich habe sie doch monatelang an der Nase rumgeführt. Irgendwie kann ich sie auch verstehen, ich weiß doch selber das es daneben war. Sie ist ja nicht mal ausgeflippt, sie war nur ein paar Minuten hier und hat gesagt das ich die längste Zeit ihre Freundin war. Bevor ich reagieren konnte war sie schon wieder weg. Tja, das ist jetzt über fünf Wochen her und sie hat sich nicht gemeldet seit dem Tag” Rafa sah mich immer noch so nachdenklich an.
“Und du denkst nicht das sie sich wieder beruhigt?” Ich zuckte mit den Schultern und fragte mich das selbst. “Ich weiß nicht. Erst dachte ich sie hält es sowieso nicht lange aus ohne sich zu melden aber inzwischen fürchte ich fast das sie Ernst macht. Ich meine, die letzten zehn Jahre hatten wir nie länger als drei Tage keinen Kontakt. Ich traue mich nicht sie anzurufen weil ich fürchte das es alles noch schlimmer machen würde wenn ich versuche mich rauszureden” Rafa lehnte sich seitlich an mich und umarmte mich dann.
“Ich wollte das natürlich nicht, ich will nicht Schuld sein das du nicht mehr mit ihr befreundet bist wegen mir” ”Das bist du nicht. Also nicht direkt, ich hätte sie ja nicht anlügen müssen dann wäre auch nichts passiert” ”Wäre das so schlimm gewesen es ihr zu sagen?” ”Frage ich mich auch. Ich habe es nur nicht getan weil ich nicht wollte das sie mich nutzt um an Informationen über dich zu kommen. Eigentlich hält sie dicht aber ich traue ihr nicht in der Hinsicht, sie hat schon immer gerne getratscht” ”Ich will ja nicht urteilen aber das hast du wirklich toll hinbekommen” Ich zog nur ein gequältes Lächeln, ich bin an allem Schuld, dass ist nichts neues.
“Gracias, wenn ich so überlege, du bist doch Schuld an allem” Das war natürlich ein Scherz von mir. “Sí aber das stört mich nicht, bin ich gewohnt” ”Es muss so was wie Schicksal sein das du hier bist. Die letzten drei Jahre hatte ich einen riesigen Spaß dabei mich über Sara lustig zu machen weil sie ein Spiel von dir angucken musste oder weil sie stundenlang Bilder von dir anguckt und dann sabbert. Ich habe ihr Gebetsmühlenartig vorgepredigt das sie aufhören soll damit weil sie dich sowieso nicht länger als zehn Minuten sehen wird und dann werde ausgerechnet ich eines Besseren belehrt” ”Tja, jetzt hast du mich am Hals. So ist das wenn man es zu gut meint” ”Ich war ja nur realistisch. Wenn sie es schon nicht ist dachte ich mir das ich sie wenigstens darauf hinweise das sie verrückt ist. Leider hat sie das so interpretiert das ich neidisch bin oder es ihr nicht gönne”
Schneller als ich wollte, zeigte der Wein seine Wirkung bei mir. Ich war plötzlich so müde das ich schon dachte das ich es gar nicht mehr alleine von hier bis in mein Bett schaffe. Außerdem müsste ich dazu Rafa loslassen und ich lag eben so bequem an ihm. Er war so schön warm, kein Wunder das ich an Ort und Stelle einschlafen könnte.
“Schläfst du schon?” Kam es dann leise. Er sah ja mein Gesicht nicht da ich meinen Kopf an seiner Schulter liegen hatte. ”Mhh, fast” Antwortete ich leise. “Vielleicht solltest du ja ins Bett gehen” ”Ich schaffe es nicht mehr” Ein paar Augenblicke später stand er auf und hob mich plötzlich hoch. Ich klammerte mich an ihm fest und wurde aus meinem Dämmerschlaf gerissen. “Was soll das werden?” ”Du schläfst gleich ein” Ja, das stimmte.
Gerechnet hätte ich damit nie aber er trug mich tatsächlich in mein Bett, von mir aus kann er das jetzt jeden Abend machen. Es wäre mir aber noch lieber gewesen wenn er gar nicht aufgestanden wäre. Es war doch gleich sehr viel bequemer im Bett zu liegen als auf der Couch. Er deckte mich zu und küsste mich kurz auf die Stirn. “Bin gleich zurück, ich gehe nur schnell duschen” ”Mhh” Ich sah ihm nach wie er aus dem Zimmer ging und schloss dann meine Augen.
Stunden später wachte ich wieder auf weil ich dringend auf Toilette musste. Ich drehte mich auf den Rücken und schlug meine Augen auf, es war alles dunkel um mich rum, sicher war es mitten in der Nacht. Mit der linken Hand suchte ich neben mir nach Rafa aber er war nicht da, ich spürte nur die Bettdecke und das Bettlaken neben mir. Wieso ist er nicht hier? Ich dachte er geht duschen und schläft dann mit hier.
Aufstehen musste ich ja sowieso also quälte ich mich hoch und schlich im Dunkeln ins Bad. Jetzt war ich sowieso schon mal auf den Beinen also lief ich dann weiter zum Wohnzimmer und spähte rein. Rafa lag tatsächlich auf der Couch und schlief! Ich dachte es wäre klar gewesen das er neben mir schläft aber offensichtlich hat er es anders interpretiert. Eigentlich wollte ich ja warten bis er wieder zurück ist vom duschen aber ich muss wohl vorher eingeschlafen sein. Zwar hatte ich nicht direkt gesagt das er neben mir schlafen soll aber ich dachte auf die Idee kommt er auch von selbst. Ich lief näher zur Couch und ging davor in die Hocke, wecken wollte ich Rafa ja auch nicht aber zu Zweit ist es definitiv zu eng auf der Couch.
Ich beobachtete ihn ein paar Sekunden im Dunkeln und fuhr dann mit einer Hand durch seine Haare, es störte ihn nur gar nicht. Kurz kam ich ins schwanken doch wieder ins Bett zu gehen und ihn in Ruhe schlafen zu lassen. Auch auf die Gefahr hin das er vielleicht sauer ist wenn ich ihn wecke... ich rüttelte sanft an seiner Schulter und wartete bis er ein Lebenszeichen von sich gibt. “Rafa?” Fragte ich leise und ließ nicht locker. Er wurde dann unruhig und drehte sich auf die Seite.
“Mhh?” Kam es dann leise. Ich sah ihn an soweit das im Dunkeln ging und strich ihm seine Haare aus dem Gesicht. “Ich will neben dir schlafen” Flüsterte ich leise und war gespannt auf seine Reaktion. „Du kannst mir gerne Gesellschaft leisten, es ist wirklich bequem hier“ Irgendwie klang das jetzt so als wenn er das Gegenteil meinte, zumindest der letzte Teil. Gut, kann schon sein das die Couch etwas kurz ist oder Rafa ist einfach zu groß je nachdem wie man es nimmt. „Wo ist es denn unbequem? Wenn dir das nicht ausreicht, liegt es nicht an der Couch sondern an dir. Ziehe einfach die Füße ein“ „Du bist zu freundlich“ „Falls es dich beruhigt, mein Bett ist etwas länger als die Couch“ “Ist ja gut, ich komme mit“ Ich stand also wieder auf und zog ihn an der Hand hinter mir her in mein Schlafzimmer.
Nachdem ich gewartet hatte bis er bequem lag, rückte ich so nah es ging an ihn. War doch gleich viel bequemer so! Vor ein paar Wochen war ich mir sicher das ich ihn nie in mein Bett lassen würde aber so ändern sich eben die Dinge. Ich habe irgendwie keine Kontrolle über mich wenn ich ihn sehe.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte und neben mich sah, musste ich gleich lächeln. In den letzten Wochen hatte ich mir oft genug gewünscht neben Rafa aufzuwachen. Das er jetzt hier ist, erscheint mir so unreal. Wäre ja noch schöner gewesen wenn er ab jetzt immer auf der Couch schläft. Ich drehte mich auf die Seite und umarmte ihn. Da er noch schlief konnte ich ihn ja beobachten. Das könnte ich öfters tun, mir hatte schon was gefehlt die letzten Wochen wenn ich aufwache und dann alleine bin. Natürlich hätte ich mir selbst nie eingestanden das ich Rafa vermisse auch wenn es so war, umso schöner das er jetzt hier ist.
Wenn ich ihn direkt neben mir sehe, wird mir klar wie blöd ich sein muss wen ich freiwillig darauf verzichte. Schon erstaunlich das er das Risiko eingegangen ist hier her zu kommen ohne Vorwarnung. Am Telefon hätte er mich sicher nicht so schnell einwickeln können. Da komme ich nur wieder ins grübeln. Einerseits ist es irgendwie sinnlos weil wir uns viel zu selten sehen können aber wenn ich ihn dann sehe, sind alle Zweifel wie weggewischt. Vielleicht ist er dann ja wieder vier oder sechs Wochen weg und ich würde es auf die Dauer nicht aushalten ihn nur aller ein paar Wochen mal für zwei oder drei Tage zu sehen, ich will das so auch gar nicht.
Auf der anderen Seite ist mir klar, dass ich blöd sein muss wenn ich ihn abblitzen lasse. Er wäre ja nicht hier wenn ich ihm egal wäre und ich glaube nicht das er noch mal einfach so hier her kommen würde wenn ich ihm sage das ich keinen Kontakt zu ihm will.
Ehe ich lange nachdenken konnte wachte Rafa aber auf. Es war so schön wie er mich so verschlafen ansah. “Bon dia” Sagte ich breit lächelnd. Er drehte sich auf die Seite und umarmte mich. Es war so bequem das ich direkt wieder einschlafen könnte. “Warum hast du es vorgezogen auf der Couch zu schlafen statt hier?” Fragte ich ihn dann gleich direkt. “Weil ich mir nicht sicher war ob du willst das ich hier schlafe” ”Klar will ich das du neben mir schläfst. Das wir uns eine Weile nicht gesehen haben heißt ja nicht das wir so tun müssen als wäre nie was gewesen” Das war ja echt verrückt, wenn jemand Ansprüche stellen kann neben mir zu schlafen dann ja wohl Rafa daher verstehe ich nicht warum er sich so ziert.
Ist aber auch egal jetzt, er ist ja hier. “Wie du meinst” Kam es dann nur. Ich fuhr mit den Fingerspitzen über seinen Arm und musste an vorhin denken. “Was machst du denn jetzt eigentlich jetzt? Ich meine außer mich besuchen“ “Nächste Woche geht die Vorbereitung für die neue Saison los. Ansonsten hatte ich genug Zeit zum relaxen. Langsam wird es auch langweilig weil ich es nicht gewohnt bin nicht viel zu machen. Ich würde am liebsten gleich wieder das Finale der Tour in London spielen aber Toni lässt mich sowieso nicht” ”Wenn du die letzten Monate gar nicht gespielt hast bist du auch nicht optimal vorbereitet oder?” ”Ich will ja auch nicht gleich gewinnen, mir würde für den Anfang auch das Halbfinale reichen. Wenn ich so viel Zeit zum überlegen habe komme ich auf dumme Ideen, deswegen bin ich auch hier” ”So dumm war die Idee gar nicht”
Langsam verschwand sein Lächeln dann wieder. “Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?” ”Habe ich doch schon gesagt, ich dachte du bist sauer auf mich” ”Ich meinte warum du den Kontakt abgebrochen hast. Etwa nur wegen dem was ich in Porto Cristo gesagt habe?” Ich überlegte kurz was ich sage. ”No also nicht nur. Es war nur ein guter Aufhänger, ich meine wir sehen uns doch kaum, wie stellst du dir das vor?” ”Du kannst jederzeit nach Mallorca zu mir kommen” ”Jetzt ja und wenn du nächstes Jahr wieder auf Tour bist?” Sein Gesicht sagte schon alles, er hat keine Ahnung, ich sehe es ihm förmlich an.
“Es wird schon irgendwie gehen vorausgesetzt du willst es. Ich wäre jetzt sicher nicht hier wenn ich der Ansicht wäre das es sinnlos ist” ”Ich will dich nicht nur aller paar Wochen mal sehen. Das soll auch kein Vorwurf sein weil ich weiß das du nichts daran ändern kannst” Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, glaubt er ich will ihn jetzt doch abservieren? Ich weiß doch selbst nicht was ich will. Klar will ich mit ihm zusammen sein aber das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt.
“Sieh mich nicht so an!” Sagte ich dann mit einem vorsichtigen Lächeln. “Was erwartest du?” Kam es immer noch so ernst. “Rafa, das sollte eben nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will. Im Gegenteil, ich bin total gerne mit dir zusammen daher will ich auch nicht auf dich verzichten” Wenigstens entspannte sich sein Gesicht wieder. “Was soll ich davon halten? Erst sagst du das du das so nicht willst und dann sagst du das du mit mir zusammen sein willst. Es ist ja nicht so das du nicht mitkommen kannst.
Von mir aus kannst du die ganze Tour mitmachen” “Das geht nicht auch wenn es verlockend klingt” ”Ich meine ja nur, es ist nicht so das ich dich nicht dabei haben will bei den Turnieren. Mir wär's auch am liebsten wenn du überall dabei wärst aber ich weiß das ich das nicht von dir verlangen kann” Langsam erschien mein Lächeln wieder. “Na ja also das wichtigste könnte ich natürlich schon mitnehmen, Wimbledon würde ich mir schon mal ansehen” ”Dir geht es ja doch nur um Karten” Er sagte das so trocken, da musste ich noch mehr lachen. “Das ist eine verleumderische Unterstellung! Es ist nicht so das ich da auch hingehen würde wenn du aus irgendeinem Grund gar nicht spielst” ”Wenn du dort auftauchst, wird die Presse sich freuen. Die hatten viel zu lange keine Klatschgeschichten mehr über mein Privatleben” ”Das lässt sich dann wohl nicht ändern. Mir ist klar das ich unfreiwillig in der Presse lande” ”Ich sage sowieso nichts dazu. Sicherlich werde ich es nicht noch breittreten, geht auch keinen etwas an außer uns”
Wenn ich ihn so reden höre, es klingt ja irgendwie so als wenn wir richtig zusammen wären. Es scheint ihm ja wirklich alles ernst zu sein. Hat er eigentlich seinen Eltern gesagt das er bei mir ist? Damals wussten sie ja das ich in Porto Cristo war. “Wissen deine Eltern das du hier bist?” ”Mhh, ich habe gesagt das ich vor habe dich zu besuchen. Ich wusste ja nicht was passiert und ich will nicht das die Presse schneller ist. Eigentlich bin ich zwar aus dem Alter raus wo ich alles meinen Eltern erzählen muss aber meine Mutter hat reges Interesse an meinem Privatleben” Ist es also doch so das er nicht alles unter den Teppich gekehrt hat vor seinen Eltern. Nachdem ich so überraschend abgereist war hätte er ja auch sagen können das es sich erledigt hat.
Wenn er seine Eltern mit reinzieht, macht er es ja schon fast offiziell das wir zusammen sind. “Wie findet sie es das du hier her kommst und ich nichts ahne?” ”Genau das ist der Punkt, sie hat gesagt ich bin verrückt und das ich dich wenigstens vorwarnen soll” ”Du hättest auf sie hören sollen. Hätte sein können ich bin nicht da oder so” ”Das war Risiko. Meine Eltern glauben sowieso das ich übergeschnappt bin. Die sind bestimmt gespannt darauf dich mal zu sehen weil sie wissen wollen wie du es schaffst mich zu solchen Aktionen zu verleiten”
Mein lächeln sah bestimmt gut aus. Was kann ich dafür das Rafa sich nicht unter Kontrolle hat? Ich habe ihn nicht angebettelt das er hier her kommt. Hätte ich es getan wäre es interessant gewesen zu sehen wie viele Stunden er bis hier her gebraucht hätte.
Wir bequemten uns dann aus dem Bett und frühstückten erst mal. Ich wäre auch bis Mittag im Bett geblieben aber Rafa kann sowieso nicht lange ruhig liegen bleiben. Wahrscheinlich fehlt ihm schon das ganze Training und da muss er sich anderweitig abreagieren wenn er schon nicht Tennis spielen kann. Heute war verhältnismäßig schönes Wetter also müssen wir ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung bleiben.
Es gab unweit von meiner Wohnung einen kleinen See mitten im Wald. Baden gehen wäre schlecht um diese Jahreszeit aber man könnte zumindest dort spazieren gehen oder wenigstens ein bisschen frische Luft schnappen. Dort kann Rafa sich auch gänzlich unbeobachtet fühlen denn dort wird niemand sein und wenn dann gehen nur Rentner spazieren. Es wunderte mich nur das er nicht protestierte, ich dachte das ist ihm zu langweilig aber er sagte nichts also setzten wir das in die Tat um.
“Und es ist dir wirklich nicht zu langweilig?” Fragte ich als wir am Parkplatz aus dem Auto stiegen. Ich sah in den Wald und dachte jetzt ist die letzte Möglichkeit das er sagen kann wenn er doch keine Lust hat. “No, ist schon ok, bisschen frische Luft kann ja nicht schaden. Ich bin zwar nicht solche Temperaturen gewohnt aber wir müssen ja nicht ewig hier bleiben” Tja, wahrscheinlich ist noch Sommer auf Mallorca oder zumindest Herbst während es hier schon wie Winter aussah.
Blätter waren schon lange keine mehr auf den Bäumen und die Landschaft war richtig kahl geworden. Von den Temperaturen dürfte sich es auch gravierend unterscheiden, hier schneit es manchmal schon auch wenn nichts liegen bleibt, Nachtfrost ist zumindest normal. “Also gut, wie du meinst“ Ich schloss das Auto ab und lief dann mit ihm los.
Nachdem wir ungefähr 20 Minuten liefen tauchte der See auf. Es war alles total ruhig und friedlich, im Sommer ist hier immer die Hölle los. So richtig schön einsam sah es auch gut aus, es waren auch keine Menschen weit und breit zu sehen. Ich sah auf das Wasser während ich meine Gedanken schweifen ließ. Hätte mir vor zwei Tagen einer gesagt das ich heute mit Rafa hier bin, hätte ich den für irre erklärt. Etwas frisch war es schon also steckte ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke. “Ist dir kalt?”
Fragte er gleich. Ihm entging auch nichts oder? “Geht schon” “Gib mir deine Hände” Ich zog ein lächeln und blieb auch stehen. ”Warum?” ”Lass dich überraschen” Gut, ich zog also meine Hände aus den Taschen der Jacke und hielt sie ihm hin. Mir wurde auch klar was er wollte als er meine Hände in seine nahm. Die Idee war gut, seine Hände waren richtig schön warm. Bei mir kribbelte es gleich wieder, ich konnte nicht anders als ihn breit anzulächeln. “Besser?” Fragte er dann auch gleich. ”Viel besser, das kannst du den ganzen Winter über machen“ ”Komme zu mir nach Spanien, dort ist es nicht so kalt”
Ja, es hörte sich gut an, ich musste auch nicht unbedingt Winter haben. Liebend gerne würde ich den ganzen Winter über in Spanien bleiben. “Höre auf solche Vorschläge zu machen, ich könnte mal ja sagen” ”Würde mich nicht stören” Würde er das auch sagen wenn ich ernst machen würde? Sein Gesicht wälte ich sehen wenn ich sage das ich nach Mallorca ziehe. “Kann ich bei dir einziehen?” Fragte ich direkt, ich wollte nur seine Reaktion sehen. Sein Lächeln verschwand aber nicht. “Das würdest du doch sowieso nicht machen!” ”Woher willst du das wissen?” ”Weil ich weiß das du hier arbeitest” ”Das muss ja nicht so bleiben. Ich spreche ja auch nicht von nächster Woche oder so, ganz so eilig habe ich es nun auch nicht” Eigentlich plante ich das gar nicht. Klar, so grob durchdacht stimmt es das ich auf Mallorca wesentlich schöner leben könnte als hier. Dafür müsste ich aber mein ganzes Leben umkrempeln.
”Ich denke darüber nach” Kam es dann nur. Das machte mir ein bisschen Angst, ich schätze mal er würde nicht so lange überlegen. Der Gedanke, das ich bei ihm einziehe war total absurd, das wäre mir nie in den Sinn gekommen vor ein paar Tagen. Umso erschreckender ist es zu wissen das er dem grundsätzlich nicht abgeneigt ist. Ich hatte damit gerechnet das er jetzt unzählige Gründe sagt die mich davon abhalten würden das zu tun. So ernst war das ja jetzt noch nicht zwischen uns das wir uns darum Gedanken machen müssten, das wäre dann nur längerfristig gesehen eine Überlegung wert. Auf die Dauer habe ich jedenfalls keine Lust zwischen Deutschland und Mallorca zu pendeln. Mit dem straffen Tourplan zusammen wird das ja der totale Stress es alles passend zu machen. Schon verrückt das wir bis vor zwei Tagen keinen Kontakt hatten und jetzt von umziehen reden.
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