23 November 2009

Chapter 19

Es war nur etwas unbequem da ich mich verrenken musste um ihn zu umarmen. Kurzerhand stand ich auf und setzte mich rittlings auf ihn, war doch gleich viel bequemer! Immerhin kann ich ihn jetzt ansehen ohne eine Nackenstarre zu bekommen. Erst dachte ich es ist ihm vielleicht zu viel Nähe aber da er seine Hände an meinen Hüften hatte und vom einen Ohr zum anderen lächelte kann es nicht so schlecht sein. Näher konnten wir uns im Moment nicht mehr kommen. “Ich war mir erst nicht ganz sicher ob ich dich wirklich nicht nerve wenn ich herkomme” ”Quatsch, du nervst doch nicht!” Ich zog ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen und sah gleich meine Chance gekommen mal nachzufragen was er heute vor hat.
“Heißt das du kommst auf meine große Inselrundfahrt mit?” Ich fragte es absichtlich total begeistert. Zwar sagte er nicht gleich etwas aber sein Gesicht war schon Antwort genug. Rafa konnte man lesen wie ein offenes Buch. Ich hatte gar nicht vor eine Inselrundfahrt zu machen, ich wollte nur sehen wie groß sein schlechtes Gewissen wegen gestern Abend ist. “Also äh, ich weiss nicht. Muss es gleich die große Inselrundfahrt werden?” Es war ja zu herrlich wie er versuchte sich zu drücken. “Ok, käme dir Strand mehr gelegen?” Sein Gesicht wurde gleich besser. ”Sí, klingt besser!” Ich konnte nicht der Versuchung widerstehen mit meinen Händen durch seine Haare zu fahren, dass könnte ich den ganzen Tag lang machen auch wenn ich weiss das es ihn stört. Wenn er so nahe vor mir ist komme ich auch auf ganz andere Ideen aber wir wollten ja zum Strand. Im Gegensatz zu vorhin roch er jetzt so lecker, was auch der Grund war warum ich auf unanständige Gedanken kam.
“Bueno, gehen wir an den Strand. Ich dachte mir schon das sich deine Lust auf Aktivitäten heute in Grenzen halten wird” Langsam wurde sein grinsen dann zu einem verlegenen lächeln. “Es tut mir leid wie der Abend gestern gelaufen ist. Ich wollte das so nicht, es geriet nur alles außer Kontrolle und ich weiss das es viel schlimmer gewesen wäre wenn du nicht darauf bestanden hättest zu gehen” ”Ich dachte du hast als Leistungssportler genug Disziplin um zu wissen wann es genug ist aber anscheinend war das ein Irrtum” ”So was passiert mir normalerweise auch nicht, ich besaufe mich nicht regelmäßig wenn ich hier bin. Jetzt kann ich es aber nicht mehr rückgängig machen” ”Ich dachte das sind Freunde von dir, stattdessen füllen die dich ab bis nix mehr rein geht” ”Die sind es nicht gewohnt gar nichts zu trinken und vertragen ein bisschen mehr. Es tut mir leid wenn ich dir jetzt den Ausflug vermiese, ich weiss das du wolltest das ich mitkomme aber heute ist ungünstig” “Das nächste mal gehe ich alleine und du kannst sehen wie du dann nach Hause kommst, ich habe keine Lust mir dumme Sprüche anzuhören das ich dein Kindermädchen wäre und auf dich aufpassen muss und so was” ”Das kannst du nicht so ernst nehmen. Wird nicht wieder vorkommen”
Wenn er sagt das es ihm leid tut und mich dann noch dazu mit so einem flehenden Blick ansieht, kann ich sowieso nicht sauer auf ihn sein. “Vielleicht kann ich dir noch mal verzeihen” Sein Lächeln wurde sofort wieder unverschämt. “Habe ich ja Glück gehabt” Ich konnte dann der Versuchung nicht länger widerstehen und seine Lippen waren schon eine Einladung ihn zu küssen also tat ich das dann auch direkt. Es war zu schön, mir wurde es direkt wieder wärmer und mein Puls beschleunigte sich auch. Ich vergesse sofort alles um mich rum und drifte in eine Traumwelt ab wenn Rafa mich küsst und von mir aus muss es auch nicht dabei bleiben, es knisterte zumindest verdächtig zwischen uns und wohin die Spannung führt haben wir ja gestern gesehen.
Erst als ich wieder Luft holen musste, löste ich mich von ihm und schlug meine Augen wieder auf. Ein paar Sekunden musste ich mich erstmal beruhigen. “Willst du wirklich zum Strand?” Fragte ich leise und schlang meine Arme um seinen Hals. “Was willst du sonst machen? Du hast doch Strand vorgeschlagen” ”Uns wird schon was einfallen” ”Mhh, wohin das führt haben wir ja gestern Nachmittag gesehen wobei mich die Art von Spontaneität nicht unbedingt stört aber der Tag ist ja noch lang und wir müssen ja nicht ewig am Strand bleiben, no?” Ich rollte mit den Augen und stand auf auch wenn ich ihn wenn’s nach mir ginge den ganzen Tag umarmen würde. “Ok, geht los”

Ich zog meinen Bikini an und dann kurze Hosen und ein Top und war dann eigentlich fertig. Meine Tasche die ich immer mitnehme an den Strand war ja sowieso schon fertig gepackt. Was zum lesen kann ja auch nicht schaden also machten wir noch kurz Halt an einem Zeitungsladen in Porto Cristo. Rafa wartete im Auto während ich nach Klatschzeitungen Ausschau hielt, schließlich muss man auf dem aktuellen Stand bleiben. Nebenbei sah ich das Rafa es auf die Titelseite vom Diario de Mallorca geschafft hat also nahm ich die Zeitung auch noch mit und lief dann zur Kasse.
Die Frau gab mir Wechselgeld zurück und dachte wohl nichts schlimmes als ich breit grinsend auf das Bild von Rafa auf der Titelseite sah. Die hatten direkt mal kein aktuelles Bild genommen sondern eines von der Siegerehrung bei Wimbledon in diesem Jahr. Daneben stand in Großschrift Nadal terminado la temporada - Nadal beendet Saison. Gab’s nichts wichtigeres an Nachrichten das Rafa als Titelthema erscheint? Kopfschüttelnd klemmte ich mir die Zeitungen unter den Arm und lief zum Auto zurück. “Habe dir was mitgebracht” Sagte ich kaum das ich wieder im Auto saß und hielt Rafa die Zeitung unter die Nase. Er sah auf die Titelseite und rollte dann nur mit den Augen. “Der sieht genau so aus wie du! Komisch was du für gute Doppelgänger hast” Hing ich dann noch trocken an. Ich musste mich schon arg beherrschen dabei ein ernstes Gesicht zu machen da ich mich vor lachen kringeln könnte.
Wie ich nicht anders erwartet habe rollte Rafa gleich noch mal mit den Augen, dass wollte ich doch sehen! “Sehr komisch” Sagte er dann nur und drehte die Zeitung auf die Rückseite. “Wo soll ich eigentlich hinfahren?” Mir wurde dann erst klar das ich nicht wusste wohin wir wollten, Strand ja aber welcher? “Wo soll ich hinfahren” ”Nach Cala Romantica über die MA-4014” Ich sah zu ihm rüber und stieg plötzlich aus. “Vielleicht solltest du ja fahren” Rafa stieg ohne einen Ton zu sagen auch aus und auf der Fahrerseite wieder ein. “Du wolltest nur das ich dich fahren lasse” ”Sí auf so ein Auto war ich schon immer scharf. Es geht schneller wenn ich selbst fahre weil du es nicht finden wirst” Gut, dass musste man so gelten lassen. “Fahre mir ja nirgends dagegen, du bist nicht als Fahrer eingetragen also habe ich dann den Ärger am Hals wenn was passiert” ”Entspanne dich, ich fahre nicht zum ersten mal!”

Nach zehn Minuten waren wir auch schon da. Nur war hier gar nichts, es sah aus als würden wir mitten in einem Pinienwald parken und das Meer war auch nirgends zu sehen. “Wo ist das Meer?” Fragte ich während ich mich neugierig nach allen Seiten umsah. Hier war auch kein weiteres Auto weit und breit. Würde ich Rafa nicht kennen würde ich jetzt Angst bekommen und denken das er mich in einen Wald verschleppen will. “Wir müssen noch ein paar Schritte laufen bis zum Meer” Die paar Schritte stellen sich dann als geschätzt zwei Kilometer quer durch den Wald raus. Ein Wunder das Rafa sich hier nicht verirrte aber man muss auf Mallorca einiges in Kauf nehmen wenn man alleine an einem Strand sein will.
Es gibt ja hier angeblich Strände die selbst die Einheimischen nicht immer finden weil die so versteckt sind. Gut, ich konnte nicht meckern, Rafa trug immerhin meine Strandtasche. Zwar ist die nicht schwer aber es geht um das Prinzip. Ich trug dann eben den Sonnenschirm auch wenn Rafa meinte das wir den nicht brauchen. Ohne Schirm gehe ich an keinen Strand und da ich dachte das Rafa vielleicht gar keinen hat, hatte ich meinen von zu Hause mitgebracht. Ja, ich hatte extra weniger Sachen eingepackt in den Koffer damit ich den Sonnenschirm mitnehmen konnte ohne Übergepäck zu bezahlen.
Als ich schon dachte das die Sonne untergeht bis wir den Strand erreichen lichteten sich plötzlich die Bäume und ich sah das Mittelmeer durch die Bäume schimmern. “Hier gibt es ja doch einen Strand!” Sagte ich überrascht. “Sieht so aus” Kam es nur von neben mir.

Wie gut das ich Rafa dabei hatte, er spielte nicht nur meinen Taschenträger sondern er buddelte auch meinen Sonnenschirm ein während ich vor zum Wasser lief und mit den Füssen die Wassertemperatur testete. Warm war es heute also zog ich meine Hosen und das Oberteil aus, den Bikini hatte ich ja schon drunter. Es ist so ungewohnt Ende September noch ans Meer zu gehen und hier könnte man bis weit in den November an den Strand gehen. War sich Rafa eigentlich klar darüber wie gut er es hat hier zu wohnen?
Noch dazu kennt er es nicht anders, ich könnte sofort neidisch werden, als Kind hatte ich mir auch immer gewünscht am Meer aufzuwachsen aber das war schwierig in Deutschland. Meine Eltern hatten einmal den Fehler gemacht in den Sommerferien an die Ostsee zu fahren um Urlaub zu machen. Ich kann mich nicht erinnern weil ich zu klein war aber es soll da fast zwei Wochen durchgeregnet haben, dass war das letzte mal das wir in Deutschland Urlaub gemacht hatten. Für meinen Vater, der sowieso mit dem eher kühlen Klima in Deutschland seine Probleme hat, muss der Urlaub ja der Horror gewesen sein.
Hier würde es ihm sicher auch sehr gefallen. Ich drehte mich wieder nach hinten um, Rafa war fertig mit dem Schirm und saß mit einem breiten Lächeln darunter. Aww, das Bild war herrlich, Rafa alleine unter dem Schirm und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Hier waren keinerlei Anzeichen von Zivilisation vorhanden und es war praktisch alles im Naturzustand, auch auf Mallorca findet man so was nur selten heutzutage. Mir kam spontan Berlin in den Sinn wo ich da ewig warten musste weil Sara keine Sekunde verpassen durfte wie Rafa trainiert. Das war schon erschreckend wie viele Leute dort waren dabei war es nichtmal ein richtiges Spiel. Umso ungewohnter ist es Rafa hier völlig alleine zu sehen, er saß da wie bestellt und nicht abgeholt. Wenn er bei Turnieren ist sieht man ihn nie alleine.
“Was würde ich ohne dich machen...” Sagte ich mit einem kichern während ich mich mit unter den Schirm setzte. “Ich schätze mal den Schirm selbst aufbauen” Ich sah dann zum Meer und würde mich am liebsten gleich in die Fluten stürzen. Das tat ich auch, leider alleine weil Rafa nicht dazu zu bewegen war mitzukommen. Na gut, davon würde ich mir nicht die Laune verderben lassen also ging ich alleine.

Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen als ich wieder aus dem Wasser kam und zum Schirm lief. Inzwischen lag Rafa auf dem Bauch unter dem Schirm und hatte sich ein Handtuch um den Kopf gewickelt. So könnte er an jeden Strand hier gehen weil er nicht mehr zu erkennen war. Damit die Handtücher nicht so nass werden blieb ich neben dem Schirm in der Sonne stehen und wartete bis ich trocken bin. “Versteckst du dich?” Fragte ich dann neugierig und sah unter den Schirm. “Ist so hell” Kam es nur unter dem Handtuch hervor. “Tja, dass kommt davon! Hast du Kopfschmerzen?” ”Mhh, geht schon wieder, heute früh war es schlimmer. Ich dachte mein Kopf platzt gleich” ”Hast es verdient!” ”Mache nur so weiter! Willst du ewig darauf rumreiten?” Ich dachte darüber nach was er eben gesagt hatte und musste gleich wieder lachen.
Der Dialog eben hörte sich an als wären wir schon zehn Jahre zusammen. Sehr gesprächig war er ja eben nicht also schnappte ich mir die Zeitung und las die gleich im stehen. Da würde ich doch gleich mal den Artikel über Rafa lesen und suchte den Sportteil. Die hatten ihm ja sogar eine komplette Seite gewidmet! Was neues stand da aber nicht, zumindest nicht für mich. Das einzige was ich so noch nicht wusste war das er schon seit Wochen nur in abgespeckter Form trainiert weil er die Verletzung eben schon länger hat und es ihn auch beim trainieren beeinflusst. Laut dem Artikel soll Rafa gesagt haben das es anfängt ihn mental zu beeinflussen und das es so nicht weiter gehen kann. Passend war dazu ja auch sein Gesicht als ich ihn gestern in Manacor abgeholt habe.
Da man Rafa wenn er spielt schon ansehen kann wie gerne er das macht, ist es für ihn sicherlich so was wie Höchststrafe wenn man ihn nicht spielen lässt. “Trainierst du da jetzt eigentlich gar nicht mehr?” So richtig kann ich mir nicht vorstellen das er gar nicht mehr spielt. Er hob seinen Kopf und zog etwas an dem Handtuch das er mich ansehen konnte. “No, hat keinen Sinn. Dieses Jahr ist nichts mehr also fange ich Mitte November an mich auf die nächste Saison vorzubereiten. Also ich spiele zumindest kein Tennis, faul auf der Couch liegen werde ich natürlich nicht “ ”Ist es nicht komisch hier so alleine zu sein?” ”Wieso?” ”Na sonst sind doch immer viele Leute um dich rum” ”No, ist schon gut so ab und zu brauche ich auch mal meine Ruhe außerdem bin ich ja nicht alleine, du bist ja auch noch hier” ”Ich kann ja gehen wenn es dich stört” ”Klar, verschwinde ruhig”
Ich setzte mich auf mein Handtuch und überlegte wie ich reagiere. “Sehr charmant...” ”Mhh, eine meiner größten Stärken. Dein Handy gibt übrigens Geräusche von sich” Ich ging gleich mal zu meiner Tasche mein Handy suchen. Oh ja, zwei entgangene Anrufe und eine sms. Nichts schlimmes ahnend drückte ich öffnen. ‘Hi, du bist sicher Ski fahren und hörst es nicht klingeln. Wollte dir nur viel Spaß heute wünschen und fahre nicht so schnell! Fliege mit Jenny morgen spontan nach Mallorca, können ja heute Abend mal quatschen, adíos’
Eine Weile saß ich sicher mit offenem Mund da und staunte nur. Mein nächster Gedanke war shit! Wie, sie kommt spontan hier her? Das wäre ja der absolute Wahnsinn!

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