Im Gästezimmer setzte ich mich direkt neben der Tür auf den Boden und schlang meine Arme um meine Knie. Es war zu viel alles. Vielleicht sollte ich sofort zurückfliegen anstatt noch ein paar Tage zu warten. Hätte ich gewusst in welche Richtung sich das entwickelt wäre ich nicht hier her gekommen. Mir war klar das irgendwas passieren wird wenn ich ihn länger sehe aber das ging mir zu schnell alles. Warum muss er sich auch darauf einlassen?
Er hätte mich ja auch von sich fernhalten können. Mir war das noch nie passiert das ich nach so kurzer Zeit so an jemandem hänge. Meine Gefühle gerieten total außer Kontrolle. Das Rafa bekannt ist war schon lange nicht mehr das größte Problem. Plötzlich erschien es mir auch gar nicht so abwegig das ganze zu beenden. Es wäre doch immer so das ich mich nicht von ihm verabschieden will wenn er wieder weg müsste, dauerhaft würde ich das sowieso nicht mitmachen. Also kann ich doch auch gleich einen Schlussstrich ziehen auch wenn ich weiss das es ziemlich weh tun würde. Rafa würde das wahrscheinlich nicht nachvollziehen können wenn ich so eine Entscheidung treffe.
Als ich merkte wie die Tür langsam auf ging, sah ich nach oben und sagte gar nichts. Da ich auf dem Boden saß und Rafa stand, fühlte ich mich plötzlich richtig klein, am liebsten würde ich mich in seine Arme flüchten und gar nicht mehr nachdenken. Er kam langsam ins Zimmer und ging vor mir in die Hocke. Immerhin hatte er es im Gegensatz zu mir geschafft etwas anzuziehen. Ohne das er etwas sagte nahm er meine Hände in seine und zog mich hoch.
Da ich keinen Wiederstand leistete, lief er mit mir zum Bett und deutete an das ich mich hinsetzen soll. Er nahm meine Hand dann wieder in seine und sah mich an. “Ich weiss das es schwierig ist. Ich meine, ich bin so oft weg, es ist echt hart da eine Beziehung zu führen aber ich kann es nicht ändern. Damals als ich mich entscheiden musste wollte ich die Tenniskarriere und ich kann jetzt daran nichts ändern das ich so viel unterwegs bin.
Manchmal wäre es mir auch lieber das ich einen normalen Job hätte und so dauerhaft an einem Ort sein kann. Überlege dir das, wenn du damit nicht umgehen kannst ist es besser wenn wir uns nicht mehr sehen. Das soll jetzt nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will aber ich fühle mich selbst auch nicht gut dabei. Ich will dir nicht weh tun, ich kann nur privaten Stress so gar nicht gebrauchen weil es mich runterzieht und ich dann nicht gut spielen kann weil ich ständig nachdenke” Ich sagte gar nichts und musste das erstmal sacken lassen.
Wieso fängt er an von Beziehung zu sprechen? So weit waren wir noch lange nicht oder sollte es eine Art Vorwarnung sein? Schön das er sagt das ich mir das genau überlegen soll aber das kann er sich sparen weil es nichts mehr zu überlegen gibt. Es war längst zu spät zum überlegen. Irgendwie ging mir das zu schnell alles, ich wurde das Gefühl nicht los das er es ein bisschen eilig hat. Bis vor ein paar Tagen hat er absolut gar nichts durchblicken lassen wie er zu mir steht und jetzt fängt er vom einen Tag auf den anderen an von Beziehung zu reden.
Wenn er darüber ernsthaft nachdenkt, kann ich mich ja auch geehrt fühlen nur nutzt mir das nichts. “Es gibt nichts mehr zu überlegen...” Sagte ich dann ernst und sah ihn wieder an. “...ab dem Moment wo ich dich hier wieder gesehen habe war es sinnlos noch irgendwas zu überlegen. Ich kann nicht über alles in Ruhe nachdenken wenn du direkt vor mir stehst” Ein Lächeln konnte ich mir nicht länger verkneifen und Rafa schien sich auch langsam zu entspannen. Wenn er so ein vorsichtiges Lächeln zieht, komme ich auf ganz unanständige Gedanken.
Ich kann so einen unschuldigen Blick einfach nicht ertragen. “Vielleicht solltest du ja für ein paar Tage gar nicht mehr nachdenken” Ich lehnte mich seitlich an ihn und zerrte etwas an dem Handtuch. “Wahrscheinlich hast du recht” Mir entging nicht das sein Blick an mir nach unten wanderte. “Und ziehe dir etwas an” Ich musste wieder kichern und zerrte das Handtuch etwas weiter nach unten. “Ich gehe duschen” Da er nichts sagte, stand ich auf und verließ das Zimmer.
Viel klarer wurden meine Gedanken beim duschen auch nicht. So langsam wurde mir aber klar was Rafa vorhin gesagt hat. Möglicherweise haben wir uns da missverstanden. Mein Problem war nicht das ich nicht will das er unterwegs ist. Das Problem war das ich ihn nicht nur einmal im Monat sehen will. Wenn ich in Deutschland bin wird es aber genau so werden. Mir ist doch klar das er an seinem jetzigen Lebensstil nichts ändern kann, so etwas würde ich auch nie von ihm verlangen. Ich kann aber nicht mal eben am Wochenende hier her kommen, will ich auch gar nicht.
Niemals würde ich mich auf eine Fernbeziehung einlassen. Auf die Art wird man ja verrückt auf die Dauer. Irgendwo hatte ich gewusst das es riesige Probleme mit sich bringt wenn ich mich auf Rafa einlasse. Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und nicht mehr nach Deutschland fliegen. Zwar will ich nicht das Geld von Rafa ausgeben aber arbeiten kann ich auch hier. Das schlechte Wetter andauernd und die Kälte in Deutschland nervt mich sowieso und der Winter hatte noch gar nicht begonnen! Sara wird sowieso ausflippen wenn alles auffliegt also ist es auch egal.
Wahrscheinlich flippt sie heute Abend schon aus oder morgen früh je nachdem wie schnell sich rumspricht das Rafa in diesem Jahr keinen Tennisschläger mehr anrührt. Zum Glück bin ich nicht in ihrer Nähe, ich kann mir schon ausmalen wie sie wieder jammern wird. Vielleicht denke ich auch einfach zu viel nach.
Rafa war wohl auch der Meinung das zu viel Nachdenken nur zum Gegenteil führt also kam er auf die Idee, dass wir Abends nach Manacor fahren. Die Lokalitäten in denen er dort verkehrte kannte ich ja noch nicht. Mir kam es gelegen, zwar müssten wir dann nach Porto Cristo zurück fahren aber ich würde das gerne übernehmen. Ich trinke sowieso nicht so viel Alkohol und habe daher kein Problem damit zurück zu fahren. Da kam auch mein Mietauto mal zum Einsatz und ich dachte schon ich hätte es umsonst gemietet.
Rafa meinte die Paparazzi würden alle seine Autos kennen also ist es gar nicht so verkehrt wenn wir sozusagen mein Auto nehmen. Bevor wir in einen Club verschwanden, fuhren wir noch an dem Haus vorbei wo Rafa früher mit seinen Eltern gewohnt hat. Offiziell wohnt er auch heute noch hier obwohl da niemand mehr von seiner Familie wohnt abgesehen von seinen Großeltern. Es lag gleich um die Ecke von dem Club, so hatte sich das ergeben. Gespannt war ich schon wo wir hingehen, etwa wieder eine arabische Bar? Zu meiner Erleichterung schien es ein ganz normaler Club zu sein, war auch direkt mal nicht in einem Keller.
Als wir ankamen waren schon eine Menge Leute da die ausgelassen feierten obwohl es noch gar nicht so spät war. Ich lies meinen Blick über die Menge schweifen und frage mich warum Rafa sich hier her traut. Bestimmt bricht gleich Chaos aus und alle wollen etwas von ihm. Wir schlängelten uns bis zur Bar und bestellten Getränke. Komischerweise hatte bis jetzt niemand auf Rafa reagiert. Entweder die sind alle blind oder er ist wirklich öfters hier und die kennen ihn alle und finden nichts besonderes dabei wenn er auftaucht.
Kaum saßen wir an einem Tisch, tauchten zwei frühere Schulfreunde von Rafa auf. Ich war schon gespannt wie Rafa mich vorstellt aber er machte es geschickt indem er nur meinen Name sagte. Ob ich mich darüber freuen sollte oder auch nicht wusste ich nicht so genau, vielleicht dachte er ja das ich ausflippe wenn er mich als seine Freundin vorstellt. Wäre möglich das mir das auch nicht gepasst hätte. Da er ihnen offenbar auch zu verstehen gab, dass ich dem Katalan und somit auch Mallorquí nicht mächtig bin, sprachen die spanisch.
Zum Glück sprechen die offenbar alle auch normales spanisch sonst würde ich keinen Ton verstehen von dem was die reden und dann würde ich mich schon unwohl fühlen. Ich war doch schon angespannt genug da ich damit rechnete das hier Freunde von Rafa sein werden und wer weiss wie die auf mich reagieren.
Kaum hatte ich die Sorge das mich alle Leute komisch angucken nicht mehr, tauchten neue Probleme auf. Ich sah auf die leeren Gläser die auf dem Tisch standen und ließ meinen Blick dann nachdenklich zu Rafa wandern. Von Vodka-Lemon hatte ich was gesehen und den kleineren Gläsern nach zu urteilen waren die inzwischen bei Tequilla shots angelangt. Ich hoffe doch stark das Rafa sich jetzt nicht auf eine Art Wettsaufen einlässt. Zwar habe ich keine Ahnung was er so trinkt aber es kann nicht so viel Alkohol sein. Rafa wird eine unheimliche Disziplin im Bezug auf sein Training nachgesagt also wird er wohl meistens gar nichts alkoholisches trinken. Umso mehr fragte ich mich was bei ihm passiert wenn er doch mal was trinkt. Sehr viel wird wohl nicht nötig sein damit er anfängt sich anders zu benehmen als sonst. Ich hatte schon öfters mit ansehen müssen wie Leute unter Alkoholeinfluss zu komplett anderen Menschen werden.
Nach diesen doch niederschmetternden Nachrichten wegen seinem Knie würde es mich nicht wundern wenn er zu tief ins Glas guckt. Versuche ich ihn davon abzuhalten wirft er mir dann vielleicht noch vor das ich ihn kontrollieren und bevormunden will. Nein, ich trank meinen alkoholfreien Cocktail und sah mir das nur schweigend mit an. Die Stimmung lockerte sich dann auch spürbar, offensichtlich fühlten sich eben alle so richtig gut. Als ich mit Rafa alleine war hielt er mir Tequilla hin und eine Zitronenscheibe.
Sein Blick war zu schön, er weiss ganz genau was er tun muss damit man ja sagt. Ich rollte mit den Augen und nahm ihm die Flasche aus der Hand aber nur um sie auf den Tisch zu stellen. Die Flasche war noch zur Hälfte voll und ich möchte mir nicht ausmalen was passieren würde wenn Rafa die jetzt austrinkt. Dann braucht ihn nämlich die nächsten Tage niemand ansprechen. “Ich muss noch fahren” Sagte ich nur ernst und hielt die Flasche fest damit Rafa nicht auf dumme Gedanken kommt. Er verzog sein Gesicht und lehnte sich an mich. “Spielverderberin!” Mir war nicht entgangen, dass sich bei ihm langsam eine Wirkung zeigte, er kicherte so verdächtig. “Komm schon, du kannst doch wenigstens einen kleinen trinken” ”No!” Sagte ich bestimmt und versuchte ihn von mir fern zu halten. “Wir haben noch gar nicht auf den Australian Open Titel angestoßen” Oh nein, ich hatte es geahnt, jetzt fängt er an jeden Sieg einzeln zu betrinken, dass kann ja noch dauern...
“Das können wir auch ein anderes mal tun” ”Aber jetzt ist doch eine gute Gelegenheit!” Langsam fing Rafa an mir auf die Nerven zu gehen. So aufdringlich ist er im nüchternen Zustand nicht. Ich sah auf meine Uhr und würde am liebsten gleich von hier verschwinden, die Art von feiern war nicht mein Geschmack. Besaufen kann ich mich auch zu Hause. “Morgen vielleicht” ”Warum nicht jetzt? Ist doch noch genug Zeit”
Inzwischen tauchten seine angeblichen Freunde wieder auf. Meine Bemerkung das es doch nun mal genug Alkohol sei wurde nur mit einem lauten Gelächter bedacht und dann gingen die dazu über Rafa zu bedauern weil ich versuche ihn zu bevormunden. Je lustiger alle anderen wurden umso gefrusteter wurde ich. Da meint man es nur gut und wird dann auch noch verspottet! Um erstmal durchzuatmen ging ich auf Toilette.
Ich war dann noch gar nicht ganz am Tisch zurück, fiel mir auf das Rafa verschwunden ist aber ich dachte mir nichts weiter dabei und setzte mich hin. Nach weiteren erfolglosen Versuchen mich zum trinken zu animieren hatte ich jetzt wenigstens meine Ruhe. Die Scherze gingen jetzt dahin das sie Rafa laut kichernd beneiden das er so viel trinken kann wie er will weil er ja seine Nanny mit hat und nicht fahren muss. Die machten sich nicht mal die Mühe Mallorquí zu reden damit ich es nicht verstehe.
Ein Wunder das die noch einen vernünftigen Satz zu Stande bringen bei dem Alkoholpegel. Ich rollte nur mit den Augen und verkniff mir Kommentare, in dem Zustand war es sinnlos zu diskutieren. Nach ein paar Minuten tauchte Rafa auch wieder auf und setzte sich hin. Im Gegensatz zu vorhin war er aber plötzlich verdächtig still. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und sah ihn an. “Rafael” Er sah mit einem leicht abwesenden Blick zu mir. Mir gefiel es gar nicht wie er mich ansah, inzwischen war jegliche Farbe aus seinem Gesicht gewichen. Nachdem ich vorhin dachte das er jetzt überschnappt, war er jetzt plötzlich total ruhig und sass ganz artig da. Ok, dass war genug, offenbar muss ich ja doch schlimmeres verhindern.
“Ok, dass reicht, wir gehen” Plötzlich wurde es ganz ruhig am Tisch und keiner sagte was. Das muss ich ausnutzen! Ich stand auf und zog Rafa hoch. Wenigstens kam er mit ohne mir zu Wiedersprechen. Ein wenig Schlagseite hatte er schon also legte ich seinen Arm über meine Schulter und meinen um seine Hüften. Zum Glück war das Auto nicht weit. Je mehr ich nachdachte umso wütender wurde ich. Das ist ja wieder typisch Mann, saufen bis zum umfallen. Normalerweise riecht Rafa immer so lecker nach Zitrone und irgendetwas anderem Undefinierbarem.
Leider riecht er eben als wäre er in einer Schnapsbrennerei gewesen, dass war alles andere als antörnend. Am liebsten würde ich Rafa hier lassen und dann alleine fahren. Als ich ihn ansah, drängte sich mir ein unangenehmer Gedanke auf. “Ist dir schlecht?” Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Beifahrertür vom Auto und sah mich an. “Ein bisschen” Ich rollte nur mit den Augen und verfrachtete ihn ins Auto bevor ich selbst einstieg. Er sah kreidebleich aus, hoffentlich geht es ihm morgen so richtig schlecht. Strafe muss sein!
“Ich sage dir was, wenn du mir in das Auto kotzt, machst du es selbst weg!” Er sagte gar nichts und sah nur gerade aus also fuhr ich los.
Ich war heilfroh als wir ohne Vorkommnisse in Porto Cristo an seinem Haus ankamen. Wenigstens lief er mir nach ohne Widerstand zu leisten. Ohne Umweg lief ich mit ihm in sein Schlafzimmer und wartete bis er in seinem Bett lag. Leider wollte er mich aber nicht los lassen, er hatte seine Arme um meinen Hals geschlungen und ließ einfach nicht mehr Locker. “Schlafe jetzt!” Sagte ich dann nur ernst. ”Kannst du nicht hier bleiben?”
Selbst in dem Zustand wo er eben war gelang es ihm noch den flehenden Blick einzusetzen aber damit kriegt er mich jetzt nicht. “Schlafe du erstmal aus” ”Will aber nicht alleine schlafen” Ich löste mit meinen Händen seine Arme von meinem Hals und stand vom Bett auf. “Gute Nacht” Damit er nicht auf die Idee kommt noch mal aufzustehen schaltete ich das Licht aus und verließ zügig sein Zimmer.
Gefrustet ging ich duschen und legte mich dann in dem Gästezimmer ins Bett. Der Abend war ja super gelaufen. Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht mitgegangen und das werde ich ihm auch noch sagen. Klar verstehe ich das er auch mal was trinken will aber doch nicht so viel das er nicht mehr geradeaus laufen kann alleine.
Ich hasse es wie Leute sich verändern unter Alkoholeinfluss, alleine dieser Geruch. Liebend gerne würde ich darauf verzichten Rafa so zu sehen. War wohl etwas viel alles gewesen heute. Erst die mehr oder minder frohe Botschaft das er bis zum Jahresende hier bleiben darf und dann der Zwischenfall am Pool.
Mit der gleichen Laune mit der ich ins Bett gegangen war, stand ich am nächsten Tag wieder auf. Eine Weile stand ich am Fenster und sah einfach nur raus. Es war wieder ein herrliches Wetter, blauer Himmel und strahlender Sonnenschein ich könnte sofort an den Strand gehen. Eigentlich wollte ich ja heute einen Ausflug machen aber damit wird es wohl nichts, um schlechte Laune zu haben war der Tag aber auch zu schade. Alleine war ich genug unterwegs die letzten Tage deswegen wollte ich Rafa ja auch mitnehmen aber ich zweifle das er Lust haben wird über die Insel zu fahren. Schlimmstenfalls verbringt er den Tag damit den Rausch von gestern auszuschlafen und ich habe meine Ruhe. Vielleicht sollte ich erst mal nachsehen wie es ihm geht bevor ich überlege was ich mit dem Tag anfange.
Den ganzen Tag im Haus zu bleiben hatte ich jedenfalls nicht vor. Zwar war es schon nach um 9 aber ich ging trotzdem erstmal in Ruhe duschen, Rafa schläft höchstwahrscheinlich sowieso noch eine Weile. Als es fast um zehn war wollte ich dann aber doch mal nachsehen ob er schon aufgewacht ist. Vorsichtig öffnete ich die Tür zu seinem Schlafzimmer einen Spalt und sah rein. Es war alles dunkel aber damit ist es jetzt vorbei. Vielleicht reagiert er empfindlich auf zu viel Licht auf einmal also zog ich den Vorhang nur ein Stück bei Seite. Ein paar Sonnenstrahlen fielen ins Zimmer aber es war noch immer relativ dunkel, wenigstens konnte ich jetzt was sehen. Ich lief dann zu seinem Bett und setzte mich auf die Kante.
Rafa lag auf der Seite mit der Decke bis zu den Ohren hochgezogen und schlief. Zumindest sah er nicht mehr so blass aus wie gestern Abend. Leider roch er nicht mehr ganz so gut wie sonst. In diesem komischen Club wurde kräftig geraucht und auch wenn Rafa nicht raucht, er roch trotzdem als wäre er in einer Tabakfabrik gewesen. Ich hatte sicher den selben Geruch an mir aber ich war schon duschen und Haare waschen und denke es ist jetzt weg. Sehr lecker war der Geruch von kaltem Rauch ja nicht gerade aber das könnte man bekanntlich durch duschen ändern. Ich könnte ihn ewig beobachten, er schafft es selbst wenn er schläft noch gut auszusehen. Gedanklich machte ich es mir gerade neben ihm bequem, sehr gerne würde ich das auch in die Realität umsetzen aber wer weiss wie es ihm geht, bedrängen wollte ich ihn ja auch nicht. Vorsichtig rüttelte ich an seiner Schulter und strich ihm dann seine Haare aus dem Gesicht.
“Hey aufwachen, der Tag ist gleich wieder um!” Im nächsten Moment drehte er sich auf den Rücken und blinzelte mich an. Ich hatte meine Hand noch auf seiner Stirn liegen und musste spontan lachen. “Schön das du auch mal aufwachst. Wie fühlst du dich?” Inzwischen sah er mich richtig an und er machte sich nicht die Mühe ein Lächeln zu ziehen. Seine Antwort konnte ich schon ahnen... “Beschissen” Murmelte er kaum verständlich und gähnte dann. Wenigstens bekommt er jetzt die gerechte Strafe! Er hat es verdient das es ihm jetzt mies geht. “Das habe ich befürchtet. Willst du frühstücken oder nicht? Ich dachte erst das du höchstwahrscheinlich nichts Essen willst aber ich frage nur anstandshalber” ”Bringst du mir alles hier her?” Meinte er das eben ernst?
Das fehlt noch das ich ihm alles ans Bett bringe und er nur noch mit dem kleinen Finger wackeln muss damit ich springe. Mit so was fangen wir am besten gar nicht erst an. ”Vergiss es! Glaube nicht das du den ganzen Tag im Bett liegen kannst und ich dich bemuttere” Wenn er krank wäre oder so würde ich das schon machen aber er braucht nicht denken das er sich erst besaufen kann und ich ihn dann am nächsten Tag pflege. ”Wie spät ist es?” ”Kurz nach um zehn . Ich weiss, ich habe gesagt der Tag ist gleich um aber ich musste dich ja dazu kriegen aufzuwachen” ”Mhh, ich sollte vielleicht mal duschen gehen” ”Mach das!” Mal sehen wie lange er jetzt dazu braucht, es schien mir so als wenn er heute ein bisschen träge ist.
Während Rafa duschen war frühstückte ich dann eben alleine und sah nebenbei fernsehen. Mir war kurz entfallen das ja sein Management gestern Abend die Pressemeldung rausgegeben hat. Inzwischen lief das über sämtliche Ticker, bestimmt hat er es damit mal wieder auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft. Gerechnet hatte damit wohl keiner da alle glaubten das Rafa verkünden will das er in Paris wieder spielt aber nicht das er gar nicht mehr spielt dieses Jahr.
Ist irgendwie komisch in seinem Haus zu sitzen und ihn dann in den Nachrichten im fernsehen zu sehen. Mir war schon wieder entfallen das Rafa überall bekannt ist. Hier ist alles so entspannt das man schnell vergisst wer Rafa ist. Klar ist das Haus auffällig da die meisten sich so was nicht leisten können mit 23 aber auch daran kann man sich gewöhnen. Mich schockt es auch nicht mehr den Aston Martin in der Garage stehen zu sehen obwohl ich weiss das der so viel Wert ist wie ein besseres Einfamilienhaus. Erschreckend wie man sich daran gewöhnen kann.
Mir kam dann auch sofort Sara in den Kopf, wahrscheinlich weiss sie es inzwischen auch und hat entsprechende Laune. Na ja, ich komme sicher noch zu der Ehre das sie mir davon berichtet da sie wohl davon ausgeht das ich noch nichts davon weiß. Eigentlich sollte ich mich freuen da das bedeutet, dass ich erst mal meine Ruhe habe vor ihren Rafa Stories.
Bevor ich länger über Sara nachdenken konnte erschien Rafa wieder auf der Bildfläche und setzte sich mir gegenüber an den Tisch. Rein äußerlich sah er aus wie immer, zumindest hatte der gestrige Abend keine sichtbaren Spuren bei ihm hinterlassen. Es hätte noch wesentlich schlimmer kommen können und dann wäre er mit Sicherheit heute nicht aufgestanden. “Du bist in sämtlichen Nachrichten also zumindest in denen die eben kamen” Er zog nur ein müdes Lächeln.
“Ich habe nichts anderes erwartet. Die werden es überleben. Hat sich Sara mal gemeldet?” Ich trank einen Schluck Kaffee und sah ihn dann wieder an. “Noch nicht aber sie weiss es mit Sicherheit. Bestimmt dreht sie wieder am Rad und verbreitet die nächsten Tage schlechte Stimmung weil sie bis zum Jahresende auf dich verzichten muss” ”Tja, man kann eben nicht alles haben”
”Mhh, ich sehe heute noch ihr Gesicht vor mir als sie erzählt hat das sie für Berlin Karten hatte. Ich wusste von nix und wäre fast vom Stuhl gekippt als sie mir sagte das ich mitgehen soll und das sie für mich auch schon Karten mit gekauft hat. Dabei hatte sie mir im Mai in Palma am Flughafen als wir auf den Rückflug warteten noch Vorträge gehalten das sie nicht nach Berlin will wegen den Preisen dort und weil es angeblich nur noch schlechte Karten gibt” ”Dann sollte ich mich wohl bei ihr bedanken das sie dich genervt hat und du mitgegangen bist” Ich musste gleich wieder breit lächeln, es klang schon gut wenn Rafa das sagt. ”Ich dachte mir dann nichts weiter, angucken konnte ich es mir ja zumindest mal. Karten hatte sie ja schon also blieb mir kaum eine Wahl und alleine macht es auch keinen Spaß also bin ich eben mitgegangen”
Mir kam eben in den Sinn, dass ich jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hier wäre wenn das in Berlin anders gelaufen wäre. Es war mehr als Zufall das ich Rafa in Berlin zum zweiten Mal gesehen habe. Wäre mehr als unwahrscheinlich das ich Rafa irgendwo anders zufällig noch mal getroffen hätte, er ist ja außer bei den Turnieren nie in Deutschland. Wenn ich so über alles nachdenke, könnte ich gleich richtig sentimental werden. “Man sieht sich immer zweimal. Wenn wir uns in Berlin nicht getroffen hätten wäre mir auch der exklusive Weckservice in Cincinnati entgangen” Mein Lächeln war bestimmt gut. Ging es ihm nur darum?
Den Weckservice für Rafa hätte Sara bestimmt liebend gerne übernommen. ”Wenn es weiter nichts ist...” ”Und ich würde mich jetzt schrecklich langweilen hier weil meine Eltern verreist sind und meine Schwester mit ihrem Freund im Urlaub ist” ”Es hätte sich sicher auch jemand anderes gefunden um dir Gesellschaft zu leisten. Ich meine, wozu hast du denn so viele Fans?” Im nächsten Augenblick rückte er mit seinem Stuhl um den Tisch bis er direkt neben mir saß. Gespannt sah ich ihn an und wartete was gleich kommt.
Irgendwie riecht er wieder so unverschämt gut, ich muss mich beherrschen nicht die Kontrolle über mich zu verlieren. “Schon aber ich lasse doch nicht jeden in mein Bett” Kam es dann mit einem breiten Lächeln. ”Das hätte ich dir auch nicht zugetraut” Allmählich wurde sein Gesicht dann wieder ernst. “Was denkst du denn von mir?” ”Das du nicht zu der Sorte Mensch gehörst die zu ihrem eigenen Vorteil über Leichen gehen. Du wärst nicht der Erste der seinen Status ausnutzt aber ich hätte mich niemals auf das alles eingelassen wenn ich das Gefühl hätte das es dir nur um Sex geht denn dafür bin ich mir wirklich zu schade” ”Ich halte gar nichts von one night stands. Das bringt mir gar nichts und ich kann mir so was auch nicht leisten, zumindest will ich keinen Exklusivbericht darüber in den Zeitungen lesen. Ich meine Berlin hat sich irgendwie ergeben auch wenn das jetzt doof klingt. Klar kam es mir nicht ungelegen und ich war für ein bisschen Ablenkung nach der Niederlage durchaus dankbar aber es würde mir nie in den Sinn kommen dann so zu tun als wenn ich dich nicht mehr kenne” Ich schluckte und sah auf meine Tasse.
Was sollte ich jetzt sagen? Er hätte mich ja auch nicht hier her eingeladen wenn es ihm alles egal wäre. “Ich war mir erst nicht sicher was du willst aber ich gehe mal davon aus das du mir nicht angeboten hättest hier her zu kommen wenn dir alles egal wäre” ”Natürlich nicht! Ich könnte mir keine bessere Gesellschaft als dich vorstellen. Ich meine, wenn ich dich sehe kann ich nichtmal schlechte Laune haben weil ich nicht mehr spielen kann dieses Jahr” Aww, gleich würde ich wegschmelzen!
Wie gut das ich gerade saß, sonst würden meine Beine vielleicht jetzt nachgeben. Mir kroch sicher eben die Röte ins Gesicht und unruhig wurde ich auch. “Und ich habe mich schon gefragt warum es dir anscheinend nichts aus macht das du nicht spielen kannst” ”Das tut es natürlich aber du lenkst mich perfekt ab. Wenn es irgendwie möglich wäre würde ich einiges dafür tun um spielen zu können aber manchmal geht es eben nicht. Ich freue mich wirklich darüber das du hier bist. Mir wäre es lieber gewesen wenn ich dich eher schon mal gesehen hätte aber ich wusste ja das es nicht geht.
Ich wollte nur nicht alles noch komplizierter machen indem ich sage das ich dich sehen will” Dachte er das ich dann dumme Dinge tue? Zumindest war ich etwas erstaunt, dass er plötzlich sagt das er mich sehen wollte. Erst hat er sich völlig bedeckt gehalten und ich wusste bis vor ein paar Tagen nicht woran ich bei ihm bin. Auf die Idee das er es nicht tut um es nicht noch komplizierter zu machen kam ich nicht.
Ich dachte eher er will sich nicht festlegen, dass ging ja vielen so. “Was hättest du gemacht wenn ich nicht gleich gesagt hätte das ich hier her komme als du mir das angeboten hast?” ”Ich wollte nicht aufdringlich werden” Da Rafa sowieso schon direkt neben mir saß und mich so ansah, umarmte ich ihn spontan.
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