“Also ich ähhmm muss dir da etwas sagen” Fing ich dann vorsichtig an. Ich wusste jetzt schon nicht die richtigen Worte, wo soll das nur hinführen? Erst lächelte er noch aber das verging ihm dann nach ein paar Augenblicken, er schien zu warten bis ich etwas sage aber ich spielte nur nervös mit meinen Händen und sah an ihm vorbei. “Warum siehst du mich jetzt so ernst an? Es ist doch nichts schlimmes oder?” Fragte er dann ein paar Sekunden später mit einem ernsten Gesicht.
Er rechnete wohl mit dem allerschlimmsten, jedenfalls sah er mich todernst an, das machte mich nur noch nervöser. “Na ja also schlimm ist es nicht, hängt davon ab wie du das siehst” Ich schluckte erst mal und wartete ein paar Sekunden aber er sagte nichts und sah mich nur ernst an. “Der Grund warum ich nach dem Wetter in Österreich gucke ist das meine beste Freundin Sara glaubt das ich gerade in Österreich bin” Ich atmete tief durch und war froh zumindest den Anfang gemacht zu haben. Seiner Reaktion nach zu urteilen kann er gar nichts anfangen mit der Information, kein Wunder. “Wieso denkt sie du bist in Österreich?” Fragte er dann mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck, dass hatte ich befürchtet.
“Weil auf meinem Flugticket als Zielort Innsbruck stehen sollte. Ich bin versehentlich ins falsche Flugzeug gestiegen, geht schneller als man denkt” Sein Gesicht wurde immer besser aber wenigstens lächelte er noch vorsichtig. “Ich will dir nicht zu nahe treten aber kann es sein, dass du irgendwelche bunten Pillen schluckst?” Da musste ich auch gleich lachen aber an seiner Stelle würde ich wohl auch so etwas vermuten. Er denkt vielleicht ich drehe jetzt durch. Ok, ich komme wohl nicht drum rum und muss von Anfang an erzählen damit er es nachvollziehen kann. Mein Lächeln verschwand dann wieder und wich einem ernsten Gesicht.
“Gut, dann fange ich mal ganz am Anfang an. Also es war im Jahre 2005 als Sara zufällig beim zappen in einem Tennisspiel hängen blieb. Später stellte sich raus das es sich dabei um das Finale der French Open gehandelt hat. Hätte ja damals niemand ahnen können wohin das führen würde. Gegen wen hast du da eigentlich gespielt?” Einen Moment überlegte Rafa. “Mariano Puerta” Wer war das denn? Komisch, von dem hatte ich nie was gehört in letzter Zeit aber wenn er im Finale war muss der doch gut sein oder nicht? “Hat er aufgehört mit spielen?” ”No, er wurde 2005 acht Jahre wegen Doping gesperrt. Da er Wiederholungstäter ist fiel die Strafe entsprechend hart aus. Er wurde auch nachträglich disqualifiziert von Roland Garros also hätte ich den Titel auch bei einer Niederlage bekommen” Doping gab es also auch im Tennis, wen wundert es...
“Mhh, na jedenfalls war dieser Tag kein Tag wie jeder andere im Leben von Sara. Von da an hat sie kein einziges Spiel von dir verpasst und ich meine damit wirklich kein einziges. Es sei denn die Zeitverschiebung war unzumutbar aber dann war sie trotzdem nervös und konnte nicht schlafen” Ich machte erstmal eine Pause damit Rafa das sacken lassen kann. Er sagte nichts aber mir entging nicht das er erstmal kräftig schluckte. Das machte mich nur wieder nervös aber jetzt war ich schon dabei also kann ich auch die ganze Geschichte erzählen. Es wäre so bequem Rafa nichts weiter zu sagen aber es kommt irgendwann sowieso raus und dann wirft er mir vielleicht vor, dass ich es ihm nicht eher gesagt habe.
“Inzwischen ist sie wahrscheinlich der größte Fan von dir in Deutschland. Sie hatte auch die Idee im Mai hier her zu fahren. Natürlich wusste ich nicht was sie vor hat. Nimm’ es nicht persönlich aber ich bin kein großer Tennisfan und kann ihre Begeisterung nur teilweise verstehen. Ich meine, die ist total verrückt und schreckt vor nichts zurück. Es war wohl schon immer ihr Traum dich in Manacor spielen zu sehen und da ich keine Ahnung hatte was sie plant bin ich mit hier her gefahren. Irgendwie hat sie gewusst das du eine Woche hier bist vor dem Turnier in Madrid. Sie hat sich dann immer mit einer anderen getroffen die auch wegen dir hier war und deshalb war ich immer alleine unterwegs weil ich das nicht unterstützen wollte. Kann ja keiner ahnen das ich dich eher sehe als sie obwohl sie die ganze Insel nach dir absucht. Ich habe den Schreck meines Lebens bekommen als du in dieser Bar aufgetaucht bist. Sie weiss jedenfalls nicht das ich hier bin weil ich genau weiss, dass sie total ausflippt wenn sie es erfährt. Um genau zu sein hat sie absolut keine Ahnung das ich dich überhaupt kenne” Ich war vielleicht erleichtert als alles raus war!
Gut, alles war es noch nicht aber der größte Teil schon.
Ein paar Sekunden passierte gar nichts, Rafa sah gedankenverloren in das Wasser vom Pool und kaute auf seiner Unterlippe. Das er das erstmal verdauen muss, hatte ich mir schon gedacht daher wunderte mich diese Reaktion nicht. Ich hoffe nur das er es alles einordnen kann und nicht glaubt, dass es mir nur um den Tennisspieler geht. Je mehr Zeit verging ohne das er etwas sagte, umso nervöser und unruhiger wurde ich. Es war als stünde Sara zwischen uns. Zwar war die Stille unangenehm aber ich traute mich nicht etwas zu sagen. Stattdessen kaute ich nervös auf meine Unterlippe und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel.
Leider konnte ich ihm auch nicht ansehen was in ihm vorgeht. Das er nichts sagt war kein gutes Zeichen oder? Ich fürchte schon das er mich jeden Moment hochkant rauswirft. “Mhhh” Kam es dann nur. Wie sollte ich das verstehen? Kann er sich mal exakter äußern? Ich warte total gespannt auf eine Reaktion von ihm und er sagt nur mhhh. “Warum hast du nicht eher was gesagt?” Fragte er dann direkt mit einem ernsten Gesicht. “Wollte ich ja aber es hat sich nicht ergeben außerdem wusste ich nicht wie du reagierst. Was hätte ich denn sagen sollen? Ich meine, was hättest du gedacht wenn ich sage das meine beste Freundin total verrückt ist und extra hier her fliegt um dich zu sehen? Außerdem will ich nicht das du denkst das ich nur hier bin um an Informationen zu kommen. Ich bin ja auch nicht stolz darauf aber ich komme da nicht mehr raus, ich weiss nicht wirklich was ich machen soll. Ich wollte dich auch nicht am Telefon damit langweilen deswegen habe ich nichts gesagt” Ganz langsam erschien dann ein Lächeln bei ihm, das wollte ich sehen! “Komme her”
Ich setzte mich auf die Kante seiner Liege und sah ihn an. “Warum hast du das gemacht?” Fragte er während er sich hinsetzte, so das er dann neben mir saß. Ja warum hatte ich das gemacht? Ich wusste es doch selbst nicht aber ich steckte da so weit drinnen, dass es keinen Ausweg mehr gibt. Erstmal war ich froh, dass er nicht ausgerastet ist, hätte ja sein können er wirft mich hochkant raus.
“Was hätte ich ihr sagen sollen? Außerdem stört es mich das sie so extrem neugierig ist und vor nichts zurückschreckt. Angenommen ich hätte ihr damals als ich dich in der Bar getroffen habe alles erzählt, dann hätte ich alles bis ins Detail erzählen können und sie redet schon viel zu oft von dir. Ich hatte keine Lust stundenlang alles breitzutreten. Ist doch schon schlimm genug das sie extra hier her fährt um dich zu nerven oder siehst du das anders?” ”Hat sie mich irgendwo gesehen?” ”Na in Manacor wo du trainiert hast und dann noch mal kurz in dem Club wo du deine Schwester abgeholt hast. Ich meine den Abend wo wir uns zum letzten mal gesehen haben. Die ist da schon fast übergeschnappt, da wollte ich ihr den Rest nicht noch zumuten. Wie das in Berlin läuft konnte ich ja vorher nicht ahnen und sagen konnte ich da schon lange nichts mehr. Sie hat sicher gedacht ich spinne als ich Abends immer verschwunden bin weil ich ja nicht sagen konnte wo ich hingehe. Die hätte gedacht ich bin verrückt wenn ich gesagt hätte das ich bei dir war außerdem geht es sie nichts an weil ich keine Lust darauf habe das sie mich benutzt um an Informationen über dich zu kommen. Na ja und so ging das weiter, tja und jetzt bin ich hier. Jemand von der Internetseite wo sie immer ist hat das Bild von der Bar gefunden und das Bild ist plötzlich auf sämtlichen Seiten. Sara ist total ausgeflippt und hat mir vorgeworfen ich würde ihr in den Rücken fallen weil ich ihr nicht gesagt habe das ich dich getroffen habe. Da sie schon wegen dem einen Bild so reagiert will ich mir gar nicht erst ausmalen was sie macht wenn rauskommt das ich die Woche hier bin und nicht in Österreich. Das mit der Ausrede war so nicht geplant aber ich musste ihr ja sagen wo ich bin”
Ich sah in das Wasser und fühlte mich plötzlich richtig schlecht. Wie konnte es nur so weit kommen? Aus reinem Egoismus hatte ich meine Interessen über die von Sara gestellt. Ich bin aber nicht bereit Rafa ihrer übertriebenen Neugierde zu opfern. Kann ich doch nichts dafür wenn sie es übertreibt. Sonst interessiert es sie doch auch nicht so extrem mit wem ich zusammen bin. Andererseits schwebt immer die Frage mit im Raum ob es das alles wert ist. Jetzt wo alles raus war fühlte ich mich auch nicht besser obwohl ich das gehofft hatte.
“Das heißt es war kein Zufall das du im Mai hier warst?” Ich sah vorsichtig zu ihm rüber und schluckte kräftig. Mir war klar das ich besser genau überlege was ich jetzt sage. Hoffentlich denkt er jetzt nicht das ich mit ihr unter eine Decke stecke und ihm ein Märchen auftische. “No, sie hatte die Idee und ich bin einfach mitgefahren” Es entstand eine drückende Stille in den nächsten Sekunden. Das er nicht begeistert ist kann ich nachvollziehen. ”Ist ja auch egal jetzt” Langsam schöpfte ich wieder Hoffnung, vielleicht ist ja doch noch nicht alles verloren. “Bist du jetzt sehr geschockt?” Fragte ich vorsichtig. Sein Lächeln beantwortete die Frage eigentlich schon.
“Ein wenig aber ich kann es sowieso nicht ändern. Mir ist natürlich klar, dass ich mir gar nicht die Illusion machen brauche das mich jemand nicht kennt auch wenn ich mir das manchmal wünschen würde. Es hätte ja auch sein können das du ein Fan von mir bist, dagegen kann ich nichts machen” Will er eben sagen, dass er sich auch auf einen Fan einlassen würde? So einfach wie er das jetzt darstellt ist es auch nicht. “Und jetzt?” Fragte ich dann und sah ihn zerknirscht an. “Nada, es ändert doch nichts. Klar versuche ich mein Privatleben vor der Öffentlichkeit zu schützen aber mir ist klar, dass es nur bedingt möglich ist. Offensichtlich gehörst du nicht zu denjenigen die alles breittreten. Mir bleibt jetzt ja keine andere Wahl als dir das zu glauben” Meinte er jetzt die Nacht in Berlin?
Jetzt wo er es sagte, klar hätte ich das alles breittreten können aber wer hätte mir das denn geglaubt? Niemals würde ich so was im Internet veröffentlichen, dadurch würde ich nicht nur Rafa sondern auch mich selbst bloß stellen. “Du musst keine Angst haben das ich irgendwem zu viel erzähle. Ich habe nicht vor in die Klatschpresse zu kommen” ”Wenn ich die Befürchtung hätte, würde ich dich niemals hier her einladen. Mir ist natürlich klar das ich nie komplett ausschließen kann das jemand nur wegen meinem Name oder Geld an mir interessiert ist. Das ist einfach so und ich kenne einige Leute bei denen ich mir ziemlich sicher bin das die sich nicht mehr melden würden wenn ich aufhöre mit Tennis”
Das hörte sich richtig gut an! Offensichtlich genieße ich sein Vertrauen und das würde ich sicher nicht aufs Spiel setzen. Für einen Moment war ich sprachlos. Wenn er solche Dinge wie eben sagt, mache ich mir nur noch mehr Hoffnungen.
“Was machst du wenn es Bilder gibt?” Fragte er dann leise. Tja, die Frage ging mir seit Wochen durch den Kopf. Wenn rauskommt, dass ich hier bin, ist es vorbei mit Sara. Das sie mir das verzeihen würde, glaube ich nicht. Es war total unlogisch, ich setze eine jahrelange Freundschaft aufs Spiel wegen Rafa, den ich gar nicht so lange kenne. Ein ganz kleines bisschen fragte ich mich auch immer ob es das alles wert ist. Was wenn Rafa sich das anders vorstellt als ich? Im schlimmsten Fall kündigt Sara mir die Freundschaft und Rafa serviert mich ab. Ein bisschen wartete ich nur darauf, dass alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht.
“Wenn rauskommt das ich hier bin habe ich ein echtes Problem” Sagte ich dann nachdenklich mehr zu mir selbst. Ich schüttelte leicht mit dem Kopf als wenn ich es selbst nicht wahrhaben wälte und lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Seine Umarmung tat richtig gut, es war gleich alles nicht mehr so schlimm. Es ist gut zu wissen, dass ich mich bei ihm anlehnen kann. “Ich will es natürlich nicht aber ich habe keinen Einfluss darauf wer mich fotografiert. Eigentlich will ich nicht das du wegen mir Ärger bekommst” Ich hob meinen Kopf von seiner Schulter und sah in seine Augen. Das er sich Vorwürfe macht, wollte ich auf keinen Fall.
“Mir ist klar das ich riskiere aufzufliegen wenn ich hier bin” Der Grund warum ich das alles in Kauf nehme ist das ich Rafa unbedingt sehen wollte auch wenn ich ihm das nie so direkt gesagt habe. Von dem Moment an als ich ihn Vorgestern Abend wieder gesehen habe, waren alle Zweifel wie weggewischt. Ich würde noch mehr riskieren um ihn zu sehen. Als ich ihn ansah und über alles nachdachte, spürte ich wieder dieses Kribbeln in meinem Bauch. “Ich bin hier weil ich dich sehen will” Sagte ich dann noch leise und wurde nervös.
Es fiel mir schon schwer in seine Augen zu sehen. Seine Hand war unter meinem Kinn während er mit seinem Gesicht immer näher kam. Ich wurde immer nervöser je näher er kam. Sekunden später schloss ich meine Augen als er mich küsste. Mir wurde es schlagartig heiß, ich würde auch wegen einem einzigen Kuss extra hier her kommen. Es war alles zu viel, ich könnte mich total vergessen wenn er mich küsst. Es war auch anders als in Berlin, ganz so gierig war er jetzt nicht oder eben noch nicht. Sehr zu meinem Bedauern löste er sich dann wieder von mir. “Ich dachte schon du bist wegen dem Wetter hier” Ich legte meine Arme um seinen Hals und lächelte ihn an. Da war ich wirklich froh, dass sich die Stimmung so langsam wieder entspannte. “Unter anderem bin ich auch wegen dem Wetter hier. Hotel musste ich ja auch keins buchen, ich wäre doch blöd wenn ich da nein sage oder?” ”Mhh stimmt, ist ein schöner gratis Urlaub” Warum klang das jetzt so vorwurfsvoll auch wenn er dabei lächelt?
”Hey, dachtest du etwa ich komme nur wegen dir hier her?” Offenbar gefiel ihm das noch viel besser. “Das hast du doch eben gesagt” ”Ich hatte einen schwachen Moment” Antwortete ich breit grinsend. “Gracias, genau das wollte ich hören! Bestimmt machst du das alles hier nur damit ich dich hier wohnen lasse” ”Was?” Fragte ich zurück und musste mir ein kichern verkneifen. Er küsste mich kurz und grinste dann wieder so herrlich. “Das! Würdest du auch noch weiter gehen damit du hier bleiben kannst?” Jetzt konnte ich aber nicht anders und musste wirklich lachen, dass war ja echt eine absurde Frage. “Vielleicht” Sagte ich dann nur mit einem vielsagenden grinsen. “Das sollte ich vielleicht ausnutzen, no?”
Mhh, genau so sah er auch gerade aus. Sein Gesicht ließ keinen Zweifel daran aufkommen das er es wirklich ausnutzen würde. Er benahm sich eben als wenn er ein Grand Slam Turnier gewonnen hätte, dieses umwerfende Lächeln hatte er aber länger nicht mehr gezeigt bei seinen Spielen daher freut es mich das mal zu sehen.
Ich war schon froh, das Rafa so entspannt ist und jetzt nicht Frust schiebt wegen der Verletzung. Das er keine Lust hat reihenweise Turniere abzusagen die er eigentlich spielen will kann ich ja verstehen. Teilweise hat er sich das aber auch selbst zuzuschreiben weil er in der Vergangenheit viel zu viel gespielt hat ohne Rücksicht auf seine Gesundheit zu nehmen. Immerhin hat er das auch eingesehen, hoffentlich lernt er davon auch was. Es war auch nicht möglich das ganze mit dem Knie zu umgehen, da er ja am nächsten Tag natürlich wieder zu seinen Ärzten musste. Inzwischen hatte ich mich aber schon gedanklich darauf eingestellt und würde dann eben irgendwohin einen Ausflug machen derweil. In Palma war ich ja schon gewesen also fuhr ich in die andere Richtung nach Alcúdia und dann weiter nach Formentor.
Der Spaß hielt sich in Grenzen da ich alleine war aber na ja, ich will mich nicht beschweren. Schließlich hätte ich nicht damit gerechnet überhaupt in diesem Jahr noch mal hier zu sein. Dieses mal würde ich Rafa auch nichts mitbringen, er macht sich ja doch nur wieder lustig über mich auch wenn er wohl Spaß gemacht hat gestern. Während ich mich am Platja de Formentor in der Sonne grillte, hatte ich auch Zeit zu überlegen was heute Abend passiert. Gestern hatten wir uns nicht dazu durchringen können weg zu gehen Abends. Ich war sowieso ein bisschen müde da ich ja stundenlang durch Palma gelaufen bin und war daher froh die Füsse hochlegen zu können.
Außerdem bin ich lieber mit Rafa alleine als irgendwo in der Öffentlichkeit wo ich immer daran denken muss das uns jemand beobachtet und dann zur Presse rennt. Zu schade das er jetzt nicht mit hier war. Im Sommer sind viele Touristen hier aber jetzt gehört der Strand hier praktisch den Einheimischen. Die Leute die sich hier her verirrt hatten konnte man fast an einer Hand abzählen. Hier ist weit und breit kein Ort in der Nähe und in der ganzen Bucht gibt es nur ein einziges Hotel. Es war schon immer ein Traum von mir hier mal an den Strand zu gehen. Ich war schon mal früher hier als ich einen Ausflug machte aber da hatten wir nur zwei Stunden Zeit und mussten dann weiter. Jetzt hatte ich viel Zeit alles ausführlich zu genießen.
Was wird wohl Sara gerade machen? Bestimmt ist sie jetzt arbeiten und zählt die Stunden bis zum Feierabend. Sie wäre sicher liebend gerne mit hier her gekommen aber das ging ja nun mal nicht. Ich hatte jedenfalls keinen Plan B. Wenn es auffliegt, muss ich dann irgendwie versuchen zu retten was zu retten ist. Das sie sauer ist steht ja schon fest aber vielleicht beruhigt sie sich wieder. Das dumme wäre nur wenn sie wüsste das ich Rafa kenne kann es sein das die dann hinter mir herschnüffelt um über mich an ihn ranzukommen.
Das wollte ich auch nicht, ich beabsichtige nicht ihr als Insider Informationen zuzuspielen die sie dann exklusiv im Internet verbreitet. Es passt nicht zusammen weil sie immer auf der anderen Seite steht. Ihr geht es um die öffentliche Figur weil sie keine Möglichkeit hat zu wissen wie Rafa privat ist. Erzähle ich ihr aber alles, vermische ich sein öffentliches Image mit seinem Privatleben. Ob sie wirklich dichthalten könnte und der Versuchung wiederstehen könnte sich bei allen beliebt zu machen indem sie Dinge postet die andere nicht wissen weiss ich nicht.
Zumindest ist Rafa erst mal auf dem aktuellen Stand, da hatte ich schon mal nicht die Sorge das er vielleicht ausflippt wenn er es erfährt. Es war jedenfalls gut zu wissen das er hinter mir steht und ich nicht befürchten muss das dann alle sauer auf mich sind.
Die Zeit verging wie im Flug und ich machte mich am frühen Nachmittag wieder auf den Weg zurück nach Manacor. Als ich heute früh losgefahren bin hatte ich Rafa in Manacor bei dem Tennisclub abgesetzt und es war eigentlich geplant das ich ihn jetzt wieder dort abhole. Er hätte auch selbst fahren können aber er wusste nicht was mit seinem Knie nach der Behandlung passiert und ob er dann noch in der Lage ist zu fahren. Mir tat schon alles weh wenn ich nur darüber nachdenke was er alles auf sich nimmt um schnellstmöglich wieder fit zu werden. Ich würde mir mit Sicherheit nicht so was antun nur um schneller gesund zu werden aber Rafa als Leistungssportler hat keine Zeit.
Die Saison lief ja noch bis Ende November und er will ja schon noch ein paar Turniere spielen. Nichts schlimmes ahnend parkte ich das Auto auf dem Parkplatz vom Tennisclub und stieg aus. Hoffentlich muss ich Rafa nicht erst ewig suchen, wo er genau ist weiss ich nämlich nicht. Erstmal lief ich zu den Plätzen und sah mich dort um. Zwar spielten dort welche aber es war nichts zu sehen von Rafa. Rein zufällig sah ich dann Toni. Ich musste erstmal kräftig schlucken. Seit dem Vorfall in Berlin hatte ich ihn ja nicht mehr gesehen, im Nachhinein bereute ich was ich da getan hatte.
Damals hätte ich aber nicht gedacht das ich ihn noch mal sehe und mich dann dafür schämen kann. Das er mir früher oder später über den Weg läuft war mir ja klar aber musste es ausgerechnet heute sein? Ich weiss ja nichtmal ob er weiss das ich hier bin, vielleicht hatte Rafa ja auch keinen Ton von mir erwähnt. Mein Vorteil war nur das Toni mich nicht gesehen hatte und ich so Zeit hatte mich darauf einzurichten das er vielleicht nicht so begeistert ist mich zu sehen. Nachdem ich gewartet hatte bis er weg ist, lief ich in die Richtung aus der er gekommen war. Rafa kam aus dem Restaurant was direkt mit zum Tennisclub gehörte und lief in meine Richtung. Sein Gesicht gefiel mir gar nicht, so ernst ist er normalerweise nicht.
Selbst als er mich sah, änderte sich sein Gesicht nicht. Ich ignorierte das erstmal und blieb vor ihm stehen. “Hi, bist du fertig?” Fragte ich mit einem lächeln. “Sí, wir können los” Kam es mir sachlich entgegen. Flüchtig sah ich an ihm nach unten, er hatte die gleiche Bandage um das Knie wie gestern also rein äußerlich hatte sich nichts verändert. Ich drehte mich um und lief zurück zum Auto. Rafa steckte seine Hände in die Hosentaschen und lief schweigend neben mir her.
Was los war weiss ich nicht aber seine gute Laune von heute früh scheint sich buchstäblich in Luft aufgelöst zu haben. Mir kam es fast so vor als wenn er gedanklich in seiner eigenen Welt ist, er sagte absolut keinen Ton und sah mit einem Tunnelblick geradeaus. Ich traute mich irgendwie gar nicht zu fragen was passiert ist das er jetzt so eine Laune hat.
Zum Glück war es nicht weit bis nach Porto Cristo, die Stille wurde langsam drückend. Zwar gab es im Auto ein Radio aber ich würde lieber mit Rafa reden anstatt Radio zu hören. Ich würde aber erst abwarten ob er von selbst irgendwann sagt was los ist bevor ich nachhake. Als wir wieder bei seinem Haus waren, lief er direkt in die Küche. Anscheinend redet er jetzt kein einziges Wort mehr. Ein paar Gedanken machte ich mir schon, er war alles andere als gesprächig und ich habe keine Lust den restlichen Tag zuzusehen wie er sich so komisch verhält.
Ich ging erstmal nach oben mich duschen und umziehen und lief dann wieder nach unten. Rafa war immer noch in der Küche und es schien mir als wenn er gedankenverloren aus dem Küchenfenster sieht. Ich blieb stehen und beobachtete ihn ein paar Sekunden aber es tat sich rein gar nichts, er stand nur da und sah geradeaus. So langsam wollte ich mir das nicht mehr mit ansehen also lief ich näher zu ihm und blieb neben ihm stehen. Wenigstens drehte er sich zur Seite und sah mich an während er seine Arme vor dem Bauch verschränkte. Ich holte tief Luft und dachte jetzt oder nie. “Was ist los?” Fragte ich direkt und wurde nervös da ich nicht abschätzen kann wie er reagiert.
“Eigentlich nichts” Kam es dann leise mit einem abschweifenden Blick. Nichts? Warum verhält er sich dann so merkwürdig? Ich antwortete nichts und wartete auf eine nähere Erklärung von ihm. Leider sah es so aus als wenn er von selbst nichts mehr sagt. “Nichts?” Hakte ich weiter nach. Er schüttelte langsam mit dem Kopf und rollte dann mit den Augen. “Sí, du hast mich schon richtig verstanden, nichts! Spreche ich irgendwie undeutlich oder soll ich es dir noch aufschreiben?”
Kam es dann etwas lauter zurück. Ich war ein wenig überrascht, wie aggressiv er plötzlich war. War doch nur eine Frage, das ist kein Grund gleich auszuflippen! Ok, ich weiß nicht wo es hinführt wenn ich weiter nachbohre also sollte ich ihn vielleicht eine Weile in Ruhe lassen. Eigentlich könnte ich sauer sein, mit welchem Recht geht er mich gleich so an? Ohne noch ein Wort zu sagen ließ ich ihn stehen und ging wieder nach oben.
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