30 November 2009

Chapter 20

“Alles ok?” Ich sah zur Seite und schüttelte nur fassungslos mit dem Kopf. Rafa drehte sich dann auf den Rücken, sah mich leicht verwirrt an und schien zu überlegen was jetzt mit mir los ist. “Sara kommt her” Sagte ich leise und starrte Rafa mit großen Augen an. “Wie, sie kommt hier her? Wann denn?” ”Morgen” Sagte ich während ich grübelte.
Im nächsten Moment war sein Gesicht auch so schön wie meins eben. “Wie einfach so spontan?” ”Sí!” Die nächsten Augenblicke sagte keiner was. In meinem Kopf war eben das Horrorszenario das Sara mich hier mit Rafa sieht. Oh Gott, dass wäre so ziemlich das schlimmste was passieren könnte! Und dann noch Jenny, meine Nerven! Eigentlich hatte ich geplant drei Tage länger zu bleiben wenn Rafa nichts dagegen hat aber unter den neuesten Entwicklungen wäre das vielleicht gar nicht so angeracht. “Jenny gibt mir noch den Rest” Murmelte ich mehr zu mir selbst.
”Wer ist Jenny?” ”Diese Verrückte aus den USA die damals auch schon wegen dir hier war im Mai. Warte, ich habe ein Bild von ihr in meinem Handy” Ich suchte das Bild was ich damals mit ihr in Port de Soller gemacht hatte und gab ihm dann mein Handy. Mir entging natürlich nicht sein Gesicht als er auf das Bild sah. Davon hat sie wohl schon immer geträumt, das Rafa sie kennt wenn auch nicht im positiven Sinne. “Du kennst sie?” Fragte ich vorsichtig obwohl ich die Antwort schon kannte.
“Ich würde gerne no sagen aber leider habe ich sie öfters gesehen als mir lieb ist. Die hat gar keine Hemmung und wirft sich jedem an den Hals der mit mir zu tun hat. Dunkel erinnere ich mich das die mal bei einem Turnier die ganze Zeit mit im Hotel der Spieler war und dort Tag und Nacht auf mich gelauert hat. Ich meine, das erlebe ich bei allen Turnieren aber die ist besonders hartnäckig. Sie hat gedacht das sie ganz schlau ist und hat meinen Physio Rafa Maymo angemacht aber auf eine extrem peinliche Art und mitten in der Lobby vom Hotel. Ich kam nur zufällig aus dem Lift sonst hätte ich es gar nicht mitbekommen. Zum Glück hat sie mich nicht gesehen”
Obwohl es nicht lustig war konnte ich nicht anders und musste lachen. Alleine die Vorstellung war verrückt. Vor meinem inneren Auge sah ich schon wie sie sich an Maymo festkrallt und ihm was weiß ich alles verspricht wenn sie im Gegenzug Rafa sehen kann. “Wieso hat sie dich damals nicht gesehen?” Fragte ich dann, da mich das wirklich interessierte. ”Weil sie mit dem Rücken zu mir stand und mein Physio angedeutet hat das ich verschwinden soll. Wir kannten sie nach ein paar Tagen schon also habe ich einen Bogen um sie gemacht wenn es möglich war. Hätte mir ja auch gleich denken können das die es drauf hat hier her zu kommen. Eigentlich will ich so was gar nicht genauer wissen weil es mich nur aufregt” ”Sie hat jedenfalls schon länger über Internet Kontakt mit Sara. Damals als wir im Mai hier waren haben die sich zum ersten mal getroffen und es war Liebe auf den ersten Blick obwohl Jenny fast 20 Jahre älter ist als wir. Soweit ich weiß, arbeitet sie nicht weil ihr Mann genug verdient und da er öfters auf Geschäftsreise ist macht sie alleine Urlaub. Sie kann es sich jedenfalls leisten spontan hier her zu kommen” ”Wo wohnt die?” ”Miami” Rafa schüttelte mit dem Kopf als wenn er das alles nicht glauben will und sah in den Sand.
“Sieht aus als hätte ich bald ein Problem” Sagte ich dann gedankenverloren. Langsam erschien sein Lächeln wieder und als nächstes rückte er näher an mich und umarmte mich. “Vielleicht machst du dir zu viele Gedanken” ”Vielleicht sieht sie uns auch zusammen” Er sah mich mit einem ernsten Blick an und strich ein paar Haarsträhnchen aus meinem Gesicht hinter mein Ohr. “Wäre das so schlimm wenn uns jemand zusammen sieht?” Worauf er hinaus wollte war mir schon klar. Was für eine dumme Frage!
Ich würde mich geehrt fühlen wenn er sich mit mir sehen lässt. “Es ist nicht so das ich nicht mit dir gesehen werden will aber die wird total ausrasten. Würde zwar sowieso irgendwann rauskommen wenn wir uns weiterhin sehen sollten aber wieso muss die auch jetzt hier her kommen? Ich hatte absolut keine Ahnung das die praktisch über Nacht beschließt hier her zu kommen” ”Ich will dich natürlich nicht in eine unbequeme Situation bringen aber ich habe auch keine Lust dich zu verstecken. Ich meine, ich lasse mir sicher nicht von meinen Fans ins Privatleben reinreden. Außerdem bist du doch nur noch bis Übermorgen hier, wird schon nicht gleich auffliegen”
Das heißt er würde öffentlich zu mir stehen? Oh wow, dass schockierte mich schon ein wenig. Ja, ich hatte auch einen Rückflug für Übermorgen gebucht aber ich hätte noch drei Tage Zeit da ich noch einen Tag Urlaub hatte und dann das Wochenende noch. Eigentlich hätte ich gleich zwei Wochen hier bleiben können aber ich ging davon aus das Rafa dann wieder trainiert und hatte deswegen nur die eine Woche geplant.
“Eigentlich wollte ich länger bleiben. Ich habe noch drei Tage Zeit bis ich wieder arbeiten muss. Also das heißt falls es dich nicht stört und ich einen anderen Rückflug bekomme, würde ich länger bleiben” Sein Lächeln machte gleich deutlich, was er davon hielt. “Natürlich kannst du länger hier bleiben! Ich freue mich doch dich zu sehen und werde dich sicher nicht rausschmeißen. Wenn du willst kümmere ich mich um den Flug” ”Dann wäre das ja geklärt” ”Mhh, sieht aus als wenn ich dich nicht mehr los werde” Ich zwickte ihn in die Seite und umarmte ihn dann wieder.
”Tja, du wolltest es ja so” ”Natürlich will ich das so. Als du wieder abgereist bist im Mai hätte ich nie gedacht das ich dich jemals wieder sehen würde. Zuerst dachte ich du bist von hier weil in der Bar nie Touristen sind. Mir wurde das erst klar als du anfingst vom Rückflug zu reden” ”Bist du deswegen auf Toilette verschwunden?” ”Ich musste da nachdenken. Es ist ziemlich schwierig da ich nie genau wissen kann wer mich nur kennen lernen will weil ich bekannt bin. Außerdem bin ich ja oft weg, es ist schon schwierig mit jemandem zusammen zu sein der hier wohnt. Wie soll das erst gehen wenn jemand in einem anderen Land wohnt? Es ist nicht so das ich dich nicht wieder sehen wollte. Ich war mehrmals kurz davor dich nach deiner Nummer zu fragen aber ich dachte es ist besser so weil es mir nichts bringt wenn du in Deutschland bist und wir nur telefonieren können”
Ich war erstaunt darüber, dass er das selbe dachte wie ich. Aus dem gleichen Grund das er keine Zeit hat hatte ich ihn ja damals auch nicht nach seiner Nummer gefragt. “Hast du es bereut wie der Abend damals gelaufen ist?” Sein Gesicht wurde ziemlich nachdenklich. Wenn er mich nicht schon umarmen würde, hätte ich das spätestens jetzt mit ihm getan. ”Abgesehen vom Ende eigentlich nicht. Klar wurde mir dann ein paar Tage später klar das es dumm war dich nicht nach deiner Nummer zu fragen. Wir hätten ja trotzdem reden können. Wenn es nicht funktioniert hätte wäre es dann auch egal gewesen aber so bestand die Möglichkeit ja nicht mehr. Manche Fehler macht man eben nur einmal”

Da er mich so betreten ansah, küsste ich ihn spontan. Soweit der Plan, womit ich nicht gerechnet hatte war das er nicht mehr locker lässt. Ich habe kein Problem damit wenn er mich küsst aber wir sind ja nicht alleine hier. Seine Hand wanderte von meiner Hüfte meinen Rücken nach oben. Im Moment ist hier ja keiner von uns abgesehen aber das muss ja nicht so bleiben. Es war schon verlockend das einfach Rafa zu überlassen und es zu genießen. Irgendwie hatte ich aber den Eindruck das er nicht mehr aufhören würde und wo das hinführt war ja klar.
Natürlich waren das verlockende Gedanken aber wir sind an einem öffentlichen Strand! Das kann nicht nur peinlich werden sondern auch richtig teuer. Der Spaß verging ihm aber als er meinen Hals nach unten küsste. Ziemlich abrupt löste er sich von mir und verzog sein Gesicht. “Was ist?” Fragte ich mit einem Lächeln und sah ihn neugierig an. “Du schmeckst richtig lecker... nach Sonnencreme und Salz” Stimmt! Ich war ja im Wasser und hatte jetzt einen klebrigen Salzfilm auf meiner Haut. “Klingt ja sehr begeistert” ”Du hast Glück das hier keine Duschen sind” ”Warum?” Fragte ich kichernd. “Sonst würde ich dich jetzt dorthin schleifen und dann nicht mehr locker lassen” ”Tja, sieht wohl so aus als wenn du dich beherrschen müsstest, denke einfach an etwas anderes”
Sein Blick ließ keinen Zweifel aufkommen das er das eben ernst meinte. Es war nicht meine Absicht gewesen ihn auf die Art von Gedanken zu bringen als ich ihn geküsst hatte. Er lehnte sich nach hinten bis er auf dem Rücken lag und schloss seine Augen. Ich sah langsam von seinen Füssen angefangen an ihm nach oben und schluckte erstmal kräftig.
Wenn ich Rafa so sehe, würde mir auch etwas anderes einfallen als nur mit ihm am Strand zu liegen. Wenn er so daliegt ist das ja schon eine halbe Einladung irgendwie zu reagieren, ich kann's auch nicht ändern. Ich konnte meine Finger nicht von ihm lassen also küsste ich ihn auf den Bauch und verteilte dann Küsse um seinen Bauchnabel. Weit kam ich nur nicht da er dann sofort eine Hand an meinem Kopf hatte und mich davon abhielt weitere Küsse auf ihm zu verteilen. “Höre auf!” Kam es dann noch ernst. Ich hob meinen Kopf und sah in sein Gesicht.
“Warum?” Fragte ich ganz unschuldig. ”Weil ich nur auf dumme Gedanken komme” ”Hast du die nicht sowieso schon?” ”Du musst es ja nicht noch unterstützen!” Das er das jemals sagen würde hätte ich auch nicht gedacht. Ja, er hat ja Recht aber ich kann einfach nicht anders! “Denke an etwas anderes” ”Wie soll das gehen wenn du Küsse auf mir verteilst?” Ich rollte mit den Augen und legte mich neben ihn. “Ok, dann eben nicht” Jetzt wo ich einmal daran dachte war es gar nicht so einfach so zu tun als wenn nichts wäre.
Mir doch egal ob uns jemand sieht! Zu blöd das wir zu weit weg von seinem Haus sind und nicht mal eben dorthin fahren können. Wenn ich daran denke das es alleine 20 Minuten dauert um von hier zum Auto zu laufen. Oh Gott! Zu wissen das Rafa ein bisschen mehr Nähe nicht abgeneigt wäre hilft auch nicht sondern macht es nur noch schlimmer.

Um nicht noch etwas ganz unanständiges zu tun ging ich noch mal ins Wasser zum abkühlen. Das wirkte Wunder! Wobei, wenn ich so an das Wasser denke, drängen sich mir die Erinnerungen von gestern Nachmittag vom Pool auf. Ich tauchte erst mal unter und sah dann Rafa direkt vor mir stehen als ich wieder auftauchte. Und ich dachte schon er traut sich heute nicht ins Wasser.
Wenn ich ihn so sehe und dann weiß das wir hier alleine sind... Ohne Vorwarnung schlag ich meine Arme um seinen Hals und meine Beine um seine Hüften. “Hey, was soll das werden?” Kam es dann auch gleich etwas hektisch von ihm. “Entspanne dich” Sagte ich mit einem breiten grinsen und musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen. “Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist” Kam es dann nur.
Wieso hat er sich so? Hier ist niemand weiter. Ich ignorierte seine Bedenken und küsste ihn. Vielleicht hätten wir doch nicht damit anfangen sollen, es wurde so langsam wärmer. Bevor ich mich total in seinen Küssen verlieren konnte löst er sich von mir was mir so gar nicht passte. “Es reicht jetzt, wir können es uns nicht leisten hier die Kontrolle über uns zu verlieren” Ich schluckte und rollte mit den Augen. Klar wusste ich das er Recht hat aber trotzdem! Seine Abweisung stachelt mich nur noch mehr an und ich komme in Versuchung auszuprobieren wie lange er nein sagen würde.
Sicherlich würde ich ihn früher oder später doch dazu kriegen das er nicht mehr daran denkt wo er eben ist aber leider ändert das nichts an der Tatsache das wir immer noch am Strand sind und ich mir die Art von Peinlichkeit ersparen will egal wie verlockend es auch ist. “Spielverderber!” Sagte ich dann trotzig und ließ ihn wieder los. Blieb uns wohl keine Wahl als nur eine Runde im Meer zu planschen wenn wir uns schon beherrschen müssen aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Kurz vor halb vier packten wir alles zusammen und machten uns auf den Rückweg zum Auto. Ich staunte nicht schlecht darüber, dass wir wirklich dort alleine an dem Strand waren und den ganzen Tag über niemand weiter dort aufgetaucht war. Es war doch sehr schön, als das Auto zwischen den Bäumen in Sicht kam. Es dauert länger vom Auto zum Strand zu laufen als von Porto Cristo hier her zu fahren.
Der Weg war jetzt auch einfacher zu finden also fuhr ich, Porto Cristo ist von hier aus ausgeschildert und wo Rafa wohnt wusste ich inzwischen und finde es auch ohne Karte. Jetzt müsste ich erstmal duschen und vor allem Haare waschen. Auf Haare waschen hatte ich so gar keine Lust aber es musste sein. Da war so ein Salzfilm überall und so könnte ich meine Haare kaum kämmen also kam ich um waschen nicht drum rum.
“Ich habe gar keine Lust jetzt duschen zu gehen” Sagte ich während ich meine Tasche und den Schirm aus dem Kofferraum holte als wir wieder an seinem Haus waren. “Wenn du dich nicht wäschst, kommst du nicht in mein Bett!” Ich sah vom Kofferraum aus nach hinten und sah Rafa mit einem frechen Grinsen direkt neben mir stehen. Der bildet sich ja viel ein! “Vielleicht will ich auch gar nicht in dein Bett” ”Das kam mir vorhin aber schon so vor” ”Bilde dir nur nichts ein” Ich klemmte mir den Schirm unter den Arm und lief dann ins Haus, Rafa direkt hinter mir her.

23 November 2009

Chapter 19

Es war nur etwas unbequem da ich mich verrenken musste um ihn zu umarmen. Kurzerhand stand ich auf und setzte mich rittlings auf ihn, war doch gleich viel bequemer! Immerhin kann ich ihn jetzt ansehen ohne eine Nackenstarre zu bekommen. Erst dachte ich es ist ihm vielleicht zu viel Nähe aber da er seine Hände an meinen Hüften hatte und vom einen Ohr zum anderen lächelte kann es nicht so schlecht sein. Näher konnten wir uns im Moment nicht mehr kommen. “Ich war mir erst nicht ganz sicher ob ich dich wirklich nicht nerve wenn ich herkomme” ”Quatsch, du nervst doch nicht!” Ich zog ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen und sah gleich meine Chance gekommen mal nachzufragen was er heute vor hat.
“Heißt das du kommst auf meine große Inselrundfahrt mit?” Ich fragte es absichtlich total begeistert. Zwar sagte er nicht gleich etwas aber sein Gesicht war schon Antwort genug. Rafa konnte man lesen wie ein offenes Buch. Ich hatte gar nicht vor eine Inselrundfahrt zu machen, ich wollte nur sehen wie groß sein schlechtes Gewissen wegen gestern Abend ist. “Also äh, ich weiss nicht. Muss es gleich die große Inselrundfahrt werden?” Es war ja zu herrlich wie er versuchte sich zu drücken. “Ok, käme dir Strand mehr gelegen?” Sein Gesicht wurde gleich besser. ”Sí, klingt besser!” Ich konnte nicht der Versuchung widerstehen mit meinen Händen durch seine Haare zu fahren, dass könnte ich den ganzen Tag lang machen auch wenn ich weiss das es ihn stört. Wenn er so nahe vor mir ist komme ich auch auf ganz andere Ideen aber wir wollten ja zum Strand. Im Gegensatz zu vorhin roch er jetzt so lecker, was auch der Grund war warum ich auf unanständige Gedanken kam.
“Bueno, gehen wir an den Strand. Ich dachte mir schon das sich deine Lust auf Aktivitäten heute in Grenzen halten wird” Langsam wurde sein grinsen dann zu einem verlegenen lächeln. “Es tut mir leid wie der Abend gestern gelaufen ist. Ich wollte das so nicht, es geriet nur alles außer Kontrolle und ich weiss das es viel schlimmer gewesen wäre wenn du nicht darauf bestanden hättest zu gehen” ”Ich dachte du hast als Leistungssportler genug Disziplin um zu wissen wann es genug ist aber anscheinend war das ein Irrtum” ”So was passiert mir normalerweise auch nicht, ich besaufe mich nicht regelmäßig wenn ich hier bin. Jetzt kann ich es aber nicht mehr rückgängig machen” ”Ich dachte das sind Freunde von dir, stattdessen füllen die dich ab bis nix mehr rein geht” ”Die sind es nicht gewohnt gar nichts zu trinken und vertragen ein bisschen mehr. Es tut mir leid wenn ich dir jetzt den Ausflug vermiese, ich weiss das du wolltest das ich mitkomme aber heute ist ungünstig” “Das nächste mal gehe ich alleine und du kannst sehen wie du dann nach Hause kommst, ich habe keine Lust mir dumme Sprüche anzuhören das ich dein Kindermädchen wäre und auf dich aufpassen muss und so was” ”Das kannst du nicht so ernst nehmen. Wird nicht wieder vorkommen”
Wenn er sagt das es ihm leid tut und mich dann noch dazu mit so einem flehenden Blick ansieht, kann ich sowieso nicht sauer auf ihn sein. “Vielleicht kann ich dir noch mal verzeihen” Sein Lächeln wurde sofort wieder unverschämt. “Habe ich ja Glück gehabt” Ich konnte dann der Versuchung nicht länger widerstehen und seine Lippen waren schon eine Einladung ihn zu küssen also tat ich das dann auch direkt. Es war zu schön, mir wurde es direkt wieder wärmer und mein Puls beschleunigte sich auch. Ich vergesse sofort alles um mich rum und drifte in eine Traumwelt ab wenn Rafa mich küsst und von mir aus muss es auch nicht dabei bleiben, es knisterte zumindest verdächtig zwischen uns und wohin die Spannung führt haben wir ja gestern gesehen.
Erst als ich wieder Luft holen musste, löste ich mich von ihm und schlug meine Augen wieder auf. Ein paar Sekunden musste ich mich erstmal beruhigen. “Willst du wirklich zum Strand?” Fragte ich leise und schlang meine Arme um seinen Hals. “Was willst du sonst machen? Du hast doch Strand vorgeschlagen” ”Uns wird schon was einfallen” ”Mhh, wohin das führt haben wir ja gestern Nachmittag gesehen wobei mich die Art von Spontaneität nicht unbedingt stört aber der Tag ist ja noch lang und wir müssen ja nicht ewig am Strand bleiben, no?” Ich rollte mit den Augen und stand auf auch wenn ich ihn wenn’s nach mir ginge den ganzen Tag umarmen würde. “Ok, geht los”

Ich zog meinen Bikini an und dann kurze Hosen und ein Top und war dann eigentlich fertig. Meine Tasche die ich immer mitnehme an den Strand war ja sowieso schon fertig gepackt. Was zum lesen kann ja auch nicht schaden also machten wir noch kurz Halt an einem Zeitungsladen in Porto Cristo. Rafa wartete im Auto während ich nach Klatschzeitungen Ausschau hielt, schließlich muss man auf dem aktuellen Stand bleiben. Nebenbei sah ich das Rafa es auf die Titelseite vom Diario de Mallorca geschafft hat also nahm ich die Zeitung auch noch mit und lief dann zur Kasse.
Die Frau gab mir Wechselgeld zurück und dachte wohl nichts schlimmes als ich breit grinsend auf das Bild von Rafa auf der Titelseite sah. Die hatten direkt mal kein aktuelles Bild genommen sondern eines von der Siegerehrung bei Wimbledon in diesem Jahr. Daneben stand in Großschrift Nadal terminado la temporada - Nadal beendet Saison. Gab’s nichts wichtigeres an Nachrichten das Rafa als Titelthema erscheint? Kopfschüttelnd klemmte ich mir die Zeitungen unter den Arm und lief zum Auto zurück. “Habe dir was mitgebracht” Sagte ich kaum das ich wieder im Auto saß und hielt Rafa die Zeitung unter die Nase. Er sah auf die Titelseite und rollte dann nur mit den Augen. “Der sieht genau so aus wie du! Komisch was du für gute Doppelgänger hast” Hing ich dann noch trocken an. Ich musste mich schon arg beherrschen dabei ein ernstes Gesicht zu machen da ich mich vor lachen kringeln könnte.
Wie ich nicht anders erwartet habe rollte Rafa gleich noch mal mit den Augen, dass wollte ich doch sehen! “Sehr komisch” Sagte er dann nur und drehte die Zeitung auf die Rückseite. “Wo soll ich eigentlich hinfahren?” Mir wurde dann erst klar das ich nicht wusste wohin wir wollten, Strand ja aber welcher? “Wo soll ich hinfahren” ”Nach Cala Romantica über die MA-4014” Ich sah zu ihm rüber und stieg plötzlich aus. “Vielleicht solltest du ja fahren” Rafa stieg ohne einen Ton zu sagen auch aus und auf der Fahrerseite wieder ein. “Du wolltest nur das ich dich fahren lasse” ”Sí auf so ein Auto war ich schon immer scharf. Es geht schneller wenn ich selbst fahre weil du es nicht finden wirst” Gut, dass musste man so gelten lassen. “Fahre mir ja nirgends dagegen, du bist nicht als Fahrer eingetragen also habe ich dann den Ärger am Hals wenn was passiert” ”Entspanne dich, ich fahre nicht zum ersten mal!”

Nach zehn Minuten waren wir auch schon da. Nur war hier gar nichts, es sah aus als würden wir mitten in einem Pinienwald parken und das Meer war auch nirgends zu sehen. “Wo ist das Meer?” Fragte ich während ich mich neugierig nach allen Seiten umsah. Hier war auch kein weiteres Auto weit und breit. Würde ich Rafa nicht kennen würde ich jetzt Angst bekommen und denken das er mich in einen Wald verschleppen will. “Wir müssen noch ein paar Schritte laufen bis zum Meer” Die paar Schritte stellen sich dann als geschätzt zwei Kilometer quer durch den Wald raus. Ein Wunder das Rafa sich hier nicht verirrte aber man muss auf Mallorca einiges in Kauf nehmen wenn man alleine an einem Strand sein will.
Es gibt ja hier angeblich Strände die selbst die Einheimischen nicht immer finden weil die so versteckt sind. Gut, ich konnte nicht meckern, Rafa trug immerhin meine Strandtasche. Zwar ist die nicht schwer aber es geht um das Prinzip. Ich trug dann eben den Sonnenschirm auch wenn Rafa meinte das wir den nicht brauchen. Ohne Schirm gehe ich an keinen Strand und da ich dachte das Rafa vielleicht gar keinen hat, hatte ich meinen von zu Hause mitgebracht. Ja, ich hatte extra weniger Sachen eingepackt in den Koffer damit ich den Sonnenschirm mitnehmen konnte ohne Übergepäck zu bezahlen.
Als ich schon dachte das die Sonne untergeht bis wir den Strand erreichen lichteten sich plötzlich die Bäume und ich sah das Mittelmeer durch die Bäume schimmern. “Hier gibt es ja doch einen Strand!” Sagte ich überrascht. “Sieht so aus” Kam es nur von neben mir.

Wie gut das ich Rafa dabei hatte, er spielte nicht nur meinen Taschenträger sondern er buddelte auch meinen Sonnenschirm ein während ich vor zum Wasser lief und mit den Füssen die Wassertemperatur testete. Warm war es heute also zog ich meine Hosen und das Oberteil aus, den Bikini hatte ich ja schon drunter. Es ist so ungewohnt Ende September noch ans Meer zu gehen und hier könnte man bis weit in den November an den Strand gehen. War sich Rafa eigentlich klar darüber wie gut er es hat hier zu wohnen?
Noch dazu kennt er es nicht anders, ich könnte sofort neidisch werden, als Kind hatte ich mir auch immer gewünscht am Meer aufzuwachsen aber das war schwierig in Deutschland. Meine Eltern hatten einmal den Fehler gemacht in den Sommerferien an die Ostsee zu fahren um Urlaub zu machen. Ich kann mich nicht erinnern weil ich zu klein war aber es soll da fast zwei Wochen durchgeregnet haben, dass war das letzte mal das wir in Deutschland Urlaub gemacht hatten. Für meinen Vater, der sowieso mit dem eher kühlen Klima in Deutschland seine Probleme hat, muss der Urlaub ja der Horror gewesen sein.
Hier würde es ihm sicher auch sehr gefallen. Ich drehte mich wieder nach hinten um, Rafa war fertig mit dem Schirm und saß mit einem breiten Lächeln darunter. Aww, das Bild war herrlich, Rafa alleine unter dem Schirm und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Hier waren keinerlei Anzeichen von Zivilisation vorhanden und es war praktisch alles im Naturzustand, auch auf Mallorca findet man so was nur selten heutzutage. Mir kam spontan Berlin in den Sinn wo ich da ewig warten musste weil Sara keine Sekunde verpassen durfte wie Rafa trainiert. Das war schon erschreckend wie viele Leute dort waren dabei war es nichtmal ein richtiges Spiel. Umso ungewohnter ist es Rafa hier völlig alleine zu sehen, er saß da wie bestellt und nicht abgeholt. Wenn er bei Turnieren ist sieht man ihn nie alleine.
“Was würde ich ohne dich machen...” Sagte ich mit einem kichern während ich mich mit unter den Schirm setzte. “Ich schätze mal den Schirm selbst aufbauen” Ich sah dann zum Meer und würde mich am liebsten gleich in die Fluten stürzen. Das tat ich auch, leider alleine weil Rafa nicht dazu zu bewegen war mitzukommen. Na gut, davon würde ich mir nicht die Laune verderben lassen also ging ich alleine.

Ein kichern konnte ich mir nicht verkneifen als ich wieder aus dem Wasser kam und zum Schirm lief. Inzwischen lag Rafa auf dem Bauch unter dem Schirm und hatte sich ein Handtuch um den Kopf gewickelt. So könnte er an jeden Strand hier gehen weil er nicht mehr zu erkennen war. Damit die Handtücher nicht so nass werden blieb ich neben dem Schirm in der Sonne stehen und wartete bis ich trocken bin. “Versteckst du dich?” Fragte ich dann neugierig und sah unter den Schirm. “Ist so hell” Kam es nur unter dem Handtuch hervor. “Tja, dass kommt davon! Hast du Kopfschmerzen?” ”Mhh, geht schon wieder, heute früh war es schlimmer. Ich dachte mein Kopf platzt gleich” ”Hast es verdient!” ”Mache nur so weiter! Willst du ewig darauf rumreiten?” Ich dachte darüber nach was er eben gesagt hatte und musste gleich wieder lachen.
Der Dialog eben hörte sich an als wären wir schon zehn Jahre zusammen. Sehr gesprächig war er ja eben nicht also schnappte ich mir die Zeitung und las die gleich im stehen. Da würde ich doch gleich mal den Artikel über Rafa lesen und suchte den Sportteil. Die hatten ihm ja sogar eine komplette Seite gewidmet! Was neues stand da aber nicht, zumindest nicht für mich. Das einzige was ich so noch nicht wusste war das er schon seit Wochen nur in abgespeckter Form trainiert weil er die Verletzung eben schon länger hat und es ihn auch beim trainieren beeinflusst. Laut dem Artikel soll Rafa gesagt haben das es anfängt ihn mental zu beeinflussen und das es so nicht weiter gehen kann. Passend war dazu ja auch sein Gesicht als ich ihn gestern in Manacor abgeholt habe.
Da man Rafa wenn er spielt schon ansehen kann wie gerne er das macht, ist es für ihn sicherlich so was wie Höchststrafe wenn man ihn nicht spielen lässt. “Trainierst du da jetzt eigentlich gar nicht mehr?” So richtig kann ich mir nicht vorstellen das er gar nicht mehr spielt. Er hob seinen Kopf und zog etwas an dem Handtuch das er mich ansehen konnte. “No, hat keinen Sinn. Dieses Jahr ist nichts mehr also fange ich Mitte November an mich auf die nächste Saison vorzubereiten. Also ich spiele zumindest kein Tennis, faul auf der Couch liegen werde ich natürlich nicht “ ”Ist es nicht komisch hier so alleine zu sein?” ”Wieso?” ”Na sonst sind doch immer viele Leute um dich rum” ”No, ist schon gut so ab und zu brauche ich auch mal meine Ruhe außerdem bin ich ja nicht alleine, du bist ja auch noch hier” ”Ich kann ja gehen wenn es dich stört” ”Klar, verschwinde ruhig”
Ich setzte mich auf mein Handtuch und überlegte wie ich reagiere. “Sehr charmant...” ”Mhh, eine meiner größten Stärken. Dein Handy gibt übrigens Geräusche von sich” Ich ging gleich mal zu meiner Tasche mein Handy suchen. Oh ja, zwei entgangene Anrufe und eine sms. Nichts schlimmes ahnend drückte ich öffnen. ‘Hi, du bist sicher Ski fahren und hörst es nicht klingeln. Wollte dir nur viel Spaß heute wünschen und fahre nicht so schnell! Fliege mit Jenny morgen spontan nach Mallorca, können ja heute Abend mal quatschen, adíos’
Eine Weile saß ich sicher mit offenem Mund da und staunte nur. Mein nächster Gedanke war shit! Wie, sie kommt spontan hier her? Das wäre ja der absolute Wahnsinn!

18 November 2009

Chapter 18

Im Gästezimmer setzte ich mich direkt neben der Tür auf den Boden und schlang meine Arme um meine Knie. Es war zu viel alles. Vielleicht sollte ich sofort zurückfliegen anstatt noch ein paar Tage zu warten. Hätte ich gewusst in welche Richtung sich das entwickelt wäre ich nicht hier her gekommen. Mir war klar das irgendwas passieren wird wenn ich ihn länger sehe aber das ging mir zu schnell alles. Warum muss er sich auch darauf einlassen?
Er hätte mich ja auch von sich fernhalten können. Mir war das noch nie passiert das ich nach so kurzer Zeit so an jemandem hänge. Meine Gefühle gerieten total außer Kontrolle. Das Rafa bekannt ist war schon lange nicht mehr das größte Problem. Plötzlich erschien es mir auch gar nicht so abwegig das ganze zu beenden. Es wäre doch immer so das ich mich nicht von ihm verabschieden will wenn er wieder weg müsste, dauerhaft würde ich das sowieso nicht mitmachen. Also kann ich doch auch gleich einen Schlussstrich ziehen auch wenn ich weiss das es ziemlich weh tun würde. Rafa würde das wahrscheinlich nicht nachvollziehen können wenn ich so eine Entscheidung treffe.

Als ich merkte wie die Tür langsam auf ging, sah ich nach oben und sagte gar nichts. Da ich auf dem Boden saß und Rafa stand, fühlte ich mich plötzlich richtig klein, am liebsten würde ich mich in seine Arme flüchten und gar nicht mehr nachdenken. Er kam langsam ins Zimmer und ging vor mir in die Hocke. Immerhin hatte er es im Gegensatz zu mir geschafft etwas anzuziehen. Ohne das er etwas sagte nahm er meine Hände in seine und zog mich hoch.
Da ich keinen Wiederstand leistete, lief er mit mir zum Bett und deutete an das ich mich hinsetzen soll. Er nahm meine Hand dann wieder in seine und sah mich an. “Ich weiss das es schwierig ist. Ich meine, ich bin so oft weg, es ist echt hart da eine Beziehung zu führen aber ich kann es nicht ändern. Damals als ich mich entscheiden musste wollte ich die Tenniskarriere und ich kann jetzt daran nichts ändern das ich so viel unterwegs bin.
Manchmal wäre es mir auch lieber das ich einen normalen Job hätte und so dauerhaft an einem Ort sein kann. Überlege dir das, wenn du damit nicht umgehen kannst ist es besser wenn wir uns nicht mehr sehen. Das soll jetzt nicht heißen das ich dich nicht mehr sehen will aber ich fühle mich selbst auch nicht gut dabei. Ich will dir nicht weh tun, ich kann nur privaten Stress so gar nicht gebrauchen weil es mich runterzieht und ich dann nicht gut spielen kann weil ich ständig nachdenke” Ich sagte gar nichts und musste das erstmal sacken lassen.

Wieso fängt er an von Beziehung zu sprechen? So weit waren wir noch lange nicht oder sollte es eine Art Vorwarnung sein? Schön das er sagt das ich mir das genau überlegen soll aber das kann er sich sparen weil es nichts mehr zu überlegen gibt. Es war längst zu spät zum überlegen. Irgendwie ging mir das zu schnell alles, ich wurde das Gefühl nicht los das er es ein bisschen eilig hat. Bis vor ein paar Tagen hat er absolut gar nichts durchblicken lassen wie er zu mir steht und jetzt fängt er vom einen Tag auf den anderen an von Beziehung zu reden.
Wenn er darüber ernsthaft nachdenkt, kann ich mich ja auch geehrt fühlen nur nutzt mir das nichts. “Es gibt nichts mehr zu überlegen...” Sagte ich dann ernst und sah ihn wieder an. “...ab dem Moment wo ich dich hier wieder gesehen habe war es sinnlos noch irgendwas zu überlegen. Ich kann nicht über alles in Ruhe nachdenken wenn du direkt vor mir stehst” Ein Lächeln konnte ich mir nicht länger verkneifen und Rafa schien sich auch langsam zu entspannen. Wenn er so ein vorsichtiges Lächeln zieht, komme ich auf ganz unanständige Gedanken.
Ich kann so einen unschuldigen Blick einfach nicht ertragen. “Vielleicht solltest du ja für ein paar Tage gar nicht mehr nachdenken” Ich lehnte mich seitlich an ihn und zerrte etwas an dem Handtuch. “Wahrscheinlich hast du recht” Mir entging nicht das sein Blick an mir nach unten wanderte. “Und ziehe dir etwas an” Ich musste wieder kichern und zerrte das Handtuch etwas weiter nach unten. “Ich gehe duschen” Da er nichts sagte, stand ich auf und verließ das Zimmer.

Viel klarer wurden meine Gedanken beim duschen auch nicht. So langsam wurde mir aber klar was Rafa vorhin gesagt hat. Möglicherweise haben wir uns da missverstanden. Mein Problem war nicht das ich nicht will das er unterwegs ist. Das Problem war das ich ihn nicht nur einmal im Monat sehen will. Wenn ich in Deutschland bin wird es aber genau so werden. Mir ist doch klar das er an seinem jetzigen Lebensstil nichts ändern kann, so etwas würde ich auch nie von ihm verlangen. Ich kann aber nicht mal eben am Wochenende hier her kommen, will ich auch gar nicht.
Niemals würde ich mich auf eine Fernbeziehung einlassen. Auf die Art wird man ja verrückt auf die Dauer. Irgendwo hatte ich gewusst das es riesige Probleme mit sich bringt wenn ich mich auf Rafa einlasse. Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und nicht mehr nach Deutschland fliegen. Zwar will ich nicht das Geld von Rafa ausgeben aber arbeiten kann ich auch hier. Das schlechte Wetter andauernd und die Kälte in Deutschland nervt mich sowieso und der Winter hatte noch gar nicht begonnen! Sara wird sowieso ausflippen wenn alles auffliegt also ist es auch egal.
Wahrscheinlich flippt sie heute Abend schon aus oder morgen früh je nachdem wie schnell sich rumspricht das Rafa in diesem Jahr keinen Tennisschläger mehr anrührt. Zum Glück bin ich nicht in ihrer Nähe, ich kann mir schon ausmalen wie sie wieder jammern wird. Vielleicht denke ich auch einfach zu viel nach.

Rafa war wohl auch der Meinung das zu viel Nachdenken nur zum Gegenteil führt also kam er auf die Idee, dass wir Abends nach Manacor fahren. Die Lokalitäten in denen er dort verkehrte kannte ich ja noch nicht. Mir kam es gelegen, zwar müssten wir dann nach Porto Cristo zurück fahren aber ich würde das gerne übernehmen. Ich trinke sowieso nicht so viel Alkohol und habe daher kein Problem damit zurück zu fahren. Da kam auch mein Mietauto mal zum Einsatz und ich dachte schon ich hätte es umsonst gemietet.
Rafa meinte die Paparazzi würden alle seine Autos kennen also ist es gar nicht so verkehrt wenn wir sozusagen mein Auto nehmen. Bevor wir in einen Club verschwanden, fuhren wir noch an dem Haus vorbei wo Rafa früher mit seinen Eltern gewohnt hat. Offiziell wohnt er auch heute noch hier obwohl da niemand mehr von seiner Familie wohnt abgesehen von seinen Großeltern. Es lag gleich um die Ecke von dem Club, so hatte sich das ergeben. Gespannt war ich schon wo wir hingehen, etwa wieder eine arabische Bar? Zu meiner Erleichterung schien es ein ganz normaler Club zu sein, war auch direkt mal nicht in einem Keller.
Als wir ankamen waren schon eine Menge Leute da die ausgelassen feierten obwohl es noch gar nicht so spät war. Ich lies meinen Blick über die Menge schweifen und frage mich warum Rafa sich hier her traut. Bestimmt bricht gleich Chaos aus und alle wollen etwas von ihm. Wir schlängelten uns bis zur Bar und bestellten Getränke. Komischerweise hatte bis jetzt niemand auf Rafa reagiert. Entweder die sind alle blind oder er ist wirklich öfters hier und die kennen ihn alle und finden nichts besonderes dabei wenn er auftaucht.
Kaum saßen wir an einem Tisch, tauchten zwei frühere Schulfreunde von Rafa auf. Ich war schon gespannt wie Rafa mich vorstellt aber er machte es geschickt indem er nur meinen Name sagte. Ob ich mich darüber freuen sollte oder auch nicht wusste ich nicht so genau, vielleicht dachte er ja das ich ausflippe wenn er mich als seine Freundin vorstellt. Wäre möglich das mir das auch nicht gepasst hätte. Da er ihnen offenbar auch zu verstehen gab, dass ich dem Katalan und somit auch Mallorquí nicht mächtig bin, sprachen die spanisch.
Zum Glück sprechen die offenbar alle auch normales spanisch sonst würde ich keinen Ton verstehen von dem was die reden und dann würde ich mich schon unwohl fühlen. Ich war doch schon angespannt genug da ich damit rechnete das hier Freunde von Rafa sein werden und wer weiss wie die auf mich reagieren.

Kaum hatte ich die Sorge das mich alle Leute komisch angucken nicht mehr, tauchten neue Probleme auf. Ich sah auf die leeren Gläser die auf dem Tisch standen und ließ meinen Blick dann nachdenklich zu Rafa wandern. Von Vodka-Lemon hatte ich was gesehen und den kleineren Gläsern nach zu urteilen waren die inzwischen bei Tequilla shots angelangt. Ich hoffe doch stark das Rafa sich jetzt nicht auf eine Art Wettsaufen einlässt. Zwar habe ich keine Ahnung was er so trinkt aber es kann nicht so viel Alkohol sein. Rafa wird eine unheimliche Disziplin im Bezug auf sein Training nachgesagt also wird er wohl meistens gar nichts alkoholisches trinken. Umso mehr fragte ich mich was bei ihm passiert wenn er doch mal was trinkt. Sehr viel wird wohl nicht nötig sein damit er anfängt sich anders zu benehmen als sonst. Ich hatte schon öfters mit ansehen müssen wie Leute unter Alkoholeinfluss zu komplett anderen Menschen werden.
Nach diesen doch niederschmetternden Nachrichten wegen seinem Knie würde es mich nicht wundern wenn er zu tief ins Glas guckt. Versuche ich ihn davon abzuhalten wirft er mir dann vielleicht noch vor das ich ihn kontrollieren und bevormunden will. Nein, ich trank meinen alkoholfreien Cocktail und sah mir das nur schweigend mit an. Die Stimmung lockerte sich dann auch spürbar, offensichtlich fühlten sich eben alle so richtig gut. Als ich mit Rafa alleine war hielt er mir Tequilla hin und eine Zitronenscheibe.
Sein Blick war zu schön, er weiss ganz genau was er tun muss damit man ja sagt. Ich rollte mit den Augen und nahm ihm die Flasche aus der Hand aber nur um sie auf den Tisch zu stellen. Die Flasche war noch zur Hälfte voll und ich möchte mir nicht ausmalen was passieren würde wenn Rafa die jetzt austrinkt. Dann braucht ihn nämlich die nächsten Tage niemand ansprechen. “Ich muss noch fahren” Sagte ich nur ernst und hielt die Flasche fest damit Rafa nicht auf dumme Gedanken kommt. Er verzog sein Gesicht und lehnte sich an mich. “Spielverderberin!” Mir war nicht entgangen, dass sich bei ihm langsam eine Wirkung zeigte, er kicherte so verdächtig. “Komm schon, du kannst doch wenigstens einen kleinen trinken” ”No!” Sagte ich bestimmt und versuchte ihn von mir fern zu halten. “Wir haben noch gar nicht auf den Australian Open Titel angestoßen” Oh nein, ich hatte es geahnt, jetzt fängt er an jeden Sieg einzeln zu betrinken, dass kann ja noch dauern...
“Das können wir auch ein anderes mal tun” ”Aber jetzt ist doch eine gute Gelegenheit!” Langsam fing Rafa an mir auf die Nerven zu gehen. So aufdringlich ist er im nüchternen Zustand nicht. Ich sah auf meine Uhr und würde am liebsten gleich von hier verschwinden, die Art von feiern war nicht mein Geschmack. Besaufen kann ich mich auch zu Hause. “Morgen vielleicht” ”Warum nicht jetzt? Ist doch noch genug Zeit”
Inzwischen tauchten seine angeblichen Freunde wieder auf. Meine Bemerkung das es doch nun mal genug Alkohol sei wurde nur mit einem lauten Gelächter bedacht und dann gingen die dazu über Rafa zu bedauern weil ich versuche ihn zu bevormunden. Je lustiger alle anderen wurden umso gefrusteter wurde ich. Da meint man es nur gut und wird dann auch noch verspottet! Um erstmal durchzuatmen ging ich auf Toilette.

Ich war dann noch gar nicht ganz am Tisch zurück, fiel mir auf das Rafa verschwunden ist aber ich dachte mir nichts weiter dabei und setzte mich hin. Nach weiteren erfolglosen Versuchen mich zum trinken zu animieren hatte ich jetzt wenigstens meine Ruhe. Die Scherze gingen jetzt dahin das sie Rafa laut kichernd beneiden das er so viel trinken kann wie er will weil er ja seine Nanny mit hat und nicht fahren muss. Die machten sich nicht mal die Mühe Mallorquí zu reden damit ich es nicht verstehe.
Ein Wunder das die noch einen vernünftigen Satz zu Stande bringen bei dem Alkoholpegel. Ich rollte nur mit den Augen und verkniff mir Kommentare, in dem Zustand war es sinnlos zu diskutieren. Nach ein paar Minuten tauchte Rafa auch wieder auf und setzte sich hin. Im Gegensatz zu vorhin war er aber plötzlich verdächtig still. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und sah ihn an. “Rafael” Er sah mit einem leicht abwesenden Blick zu mir. Mir gefiel es gar nicht wie er mich ansah, inzwischen war jegliche Farbe aus seinem Gesicht gewichen. Nachdem ich vorhin dachte das er jetzt überschnappt, war er jetzt plötzlich total ruhig und sass ganz artig da. Ok, dass war genug, offenbar muss ich ja doch schlimmeres verhindern.
“Ok, dass reicht, wir gehen” Plötzlich wurde es ganz ruhig am Tisch und keiner sagte was. Das muss ich ausnutzen! Ich stand auf und zog Rafa hoch. Wenigstens kam er mit ohne mir zu Wiedersprechen. Ein wenig Schlagseite hatte er schon also legte ich seinen Arm über meine Schulter und meinen um seine Hüften. Zum Glück war das Auto nicht weit. Je mehr ich nachdachte umso wütender wurde ich. Das ist ja wieder typisch Mann, saufen bis zum umfallen. Normalerweise riecht Rafa immer so lecker nach Zitrone und irgendetwas anderem Undefinierbarem.
Leider riecht er eben als wäre er in einer Schnapsbrennerei gewesen, dass war alles andere als antörnend. Am liebsten würde ich Rafa hier lassen und dann alleine fahren. Als ich ihn ansah, drängte sich mir ein unangenehmer Gedanke auf. “Ist dir schlecht?” Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Beifahrertür vom Auto und sah mich an. “Ein bisschen” Ich rollte nur mit den Augen und verfrachtete ihn ins Auto bevor ich selbst einstieg. Er sah kreidebleich aus, hoffentlich geht es ihm morgen so richtig schlecht. Strafe muss sein!
“Ich sage dir was, wenn du mir in das Auto kotzt, machst du es selbst weg!” Er sagte gar nichts und sah nur gerade aus also fuhr ich los.

Ich war heilfroh als wir ohne Vorkommnisse in Porto Cristo an seinem Haus ankamen. Wenigstens lief er mir nach ohne Widerstand zu leisten. Ohne Umweg lief ich mit ihm in sein Schlafzimmer und wartete bis er in seinem Bett lag. Leider wollte er mich aber nicht los lassen, er hatte seine Arme um meinen Hals geschlungen und ließ einfach nicht mehr Locker. “Schlafe jetzt!” Sagte ich dann nur ernst. ”Kannst du nicht hier bleiben?”
Selbst in dem Zustand wo er eben war gelang es ihm noch den flehenden Blick einzusetzen aber damit kriegt er mich jetzt nicht. “Schlafe du erstmal aus” ”Will aber nicht alleine schlafen” Ich löste mit meinen Händen seine Arme von meinem Hals und stand vom Bett auf. “Gute Nacht” Damit er nicht auf die Idee kommt noch mal aufzustehen schaltete ich das Licht aus und verließ zügig sein Zimmer.

Gefrustet ging ich duschen und legte mich dann in dem Gästezimmer ins Bett. Der Abend war ja super gelaufen. Hätte ich das gewusst, wäre ich nicht mitgegangen und das werde ich ihm auch noch sagen. Klar verstehe ich das er auch mal was trinken will aber doch nicht so viel das er nicht mehr geradeaus laufen kann alleine.
Ich hasse es wie Leute sich verändern unter Alkoholeinfluss, alleine dieser Geruch. Liebend gerne würde ich darauf verzichten Rafa so zu sehen. War wohl etwas viel alles gewesen heute. Erst die mehr oder minder frohe Botschaft das er bis zum Jahresende hier bleiben darf und dann der Zwischenfall am Pool.

Mit der gleichen Laune mit der ich ins Bett gegangen war, stand ich am nächsten Tag wieder auf. Eine Weile stand ich am Fenster und sah einfach nur raus. Es war wieder ein herrliches Wetter, blauer Himmel und strahlender Sonnenschein ich könnte sofort an den Strand gehen. Eigentlich wollte ich ja heute einen Ausflug machen aber damit wird es wohl nichts, um schlechte Laune zu haben war der Tag aber auch zu schade. Alleine war ich genug unterwegs die letzten Tage deswegen wollte ich Rafa ja auch mitnehmen aber ich zweifle das er Lust haben wird über die Insel zu fahren. Schlimmstenfalls verbringt er den Tag damit den Rausch von gestern auszuschlafen und ich habe meine Ruhe. Vielleicht sollte ich erst mal nachsehen wie es ihm geht bevor ich überlege was ich mit dem Tag anfange.
Den ganzen Tag im Haus zu bleiben hatte ich jedenfalls nicht vor. Zwar war es schon nach um 9 aber ich ging trotzdem erstmal in Ruhe duschen, Rafa schläft höchstwahrscheinlich sowieso noch eine Weile. Als es fast um zehn war wollte ich dann aber doch mal nachsehen ob er schon aufgewacht ist. Vorsichtig öffnete ich die Tür zu seinem Schlafzimmer einen Spalt und sah rein. Es war alles dunkel aber damit ist es jetzt vorbei. Vielleicht reagiert er empfindlich auf zu viel Licht auf einmal also zog ich den Vorhang nur ein Stück bei Seite. Ein paar Sonnenstrahlen fielen ins Zimmer aber es war noch immer relativ dunkel, wenigstens konnte ich jetzt was sehen. Ich lief dann zu seinem Bett und setzte mich auf die Kante.
Rafa lag auf der Seite mit der Decke bis zu den Ohren hochgezogen und schlief. Zumindest sah er nicht mehr so blass aus wie gestern Abend. Leider roch er nicht mehr ganz so gut wie sonst. In diesem komischen Club wurde kräftig geraucht und auch wenn Rafa nicht raucht, er roch trotzdem als wäre er in einer Tabakfabrik gewesen. Ich hatte sicher den selben Geruch an mir aber ich war schon duschen und Haare waschen und denke es ist jetzt weg. Sehr lecker war der Geruch von kaltem Rauch ja nicht gerade aber das könnte man bekanntlich durch duschen ändern. Ich könnte ihn ewig beobachten, er schafft es selbst wenn er schläft noch gut auszusehen. Gedanklich machte ich es mir gerade neben ihm bequem, sehr gerne würde ich das auch in die Realität umsetzen aber wer weiss wie es ihm geht, bedrängen wollte ich ihn ja auch nicht. Vorsichtig rüttelte ich an seiner Schulter und strich ihm dann seine Haare aus dem Gesicht.
“Hey aufwachen, der Tag ist gleich wieder um!” Im nächsten Moment drehte er sich auf den Rücken und blinzelte mich an. Ich hatte meine Hand noch auf seiner Stirn liegen und musste spontan lachen. “Schön das du auch mal aufwachst. Wie fühlst du dich?” Inzwischen sah er mich richtig an und er machte sich nicht die Mühe ein Lächeln zu ziehen. Seine Antwort konnte ich schon ahnen... “Beschissen” Murmelte er kaum verständlich und gähnte dann. Wenigstens bekommt er jetzt die gerechte Strafe! Er hat es verdient das es ihm jetzt mies geht. “Das habe ich befürchtet. Willst du frühstücken oder nicht? Ich dachte erst das du höchstwahrscheinlich nichts Essen willst aber ich frage nur anstandshalber” ”Bringst du mir alles hier her?” Meinte er das eben ernst?
Das fehlt noch das ich ihm alles ans Bett bringe und er nur noch mit dem kleinen Finger wackeln muss damit ich springe. Mit so was fangen wir am besten gar nicht erst an. ”Vergiss es! Glaube nicht das du den ganzen Tag im Bett liegen kannst und ich dich bemuttere” Wenn er krank wäre oder so würde ich das schon machen aber er braucht nicht denken das er sich erst besaufen kann und ich ihn dann am nächsten Tag pflege. ”Wie spät ist es?” ”Kurz nach um zehn . Ich weiss, ich habe gesagt der Tag ist gleich um aber ich musste dich ja dazu kriegen aufzuwachen” ”Mhh, ich sollte vielleicht mal duschen gehen” ”Mach das!” Mal sehen wie lange er jetzt dazu braucht, es schien mir so als wenn er heute ein bisschen träge ist.

Während Rafa duschen war frühstückte ich dann eben alleine und sah nebenbei fernsehen. Mir war kurz entfallen das ja sein Management gestern Abend die Pressemeldung rausgegeben hat. Inzwischen lief das über sämtliche Ticker, bestimmt hat er es damit mal wieder auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft. Gerechnet hatte damit wohl keiner da alle glaubten das Rafa verkünden will das er in Paris wieder spielt aber nicht das er gar nicht mehr spielt dieses Jahr.
Ist irgendwie komisch in seinem Haus zu sitzen und ihn dann in den Nachrichten im fernsehen zu sehen. Mir war schon wieder entfallen das Rafa überall bekannt ist. Hier ist alles so entspannt das man schnell vergisst wer Rafa ist. Klar ist das Haus auffällig da die meisten sich so was nicht leisten können mit 23 aber auch daran kann man sich gewöhnen. Mich schockt es auch nicht mehr den Aston Martin in der Garage stehen zu sehen obwohl ich weiss das der so viel Wert ist wie ein besseres Einfamilienhaus. Erschreckend wie man sich daran gewöhnen kann.
Mir kam dann auch sofort Sara in den Kopf, wahrscheinlich weiss sie es inzwischen auch und hat entsprechende Laune. Na ja, ich komme sicher noch zu der Ehre das sie mir davon berichtet da sie wohl davon ausgeht das ich noch nichts davon weiß. Eigentlich sollte ich mich freuen da das bedeutet, dass ich erst mal meine Ruhe habe vor ihren Rafa Stories.

Bevor ich länger über Sara nachdenken konnte erschien Rafa wieder auf der Bildfläche und setzte sich mir gegenüber an den Tisch. Rein äußerlich sah er aus wie immer, zumindest hatte der gestrige Abend keine sichtbaren Spuren bei ihm hinterlassen. Es hätte noch wesentlich schlimmer kommen können und dann wäre er mit Sicherheit heute nicht aufgestanden. “Du bist in sämtlichen Nachrichten also zumindest in denen die eben kamen” Er zog nur ein müdes Lächeln.
“Ich habe nichts anderes erwartet. Die werden es überleben. Hat sich Sara mal gemeldet?” Ich trank einen Schluck Kaffee und sah ihn dann wieder an. “Noch nicht aber sie weiss es mit Sicherheit. Bestimmt dreht sie wieder am Rad und verbreitet die nächsten Tage schlechte Stimmung weil sie bis zum Jahresende auf dich verzichten muss” ”Tja, man kann eben nicht alles haben”
”Mhh, ich sehe heute noch ihr Gesicht vor mir als sie erzählt hat das sie für Berlin Karten hatte. Ich wusste von nix und wäre fast vom Stuhl gekippt als sie mir sagte das ich mitgehen soll und das sie für mich auch schon Karten mit gekauft hat. Dabei hatte sie mir im Mai in Palma am Flughafen als wir auf den Rückflug warteten noch Vorträge gehalten das sie nicht nach Berlin will wegen den Preisen dort und weil es angeblich nur noch schlechte Karten gibt” ”Dann sollte ich mich wohl bei ihr bedanken das sie dich genervt hat und du mitgegangen bist” Ich musste gleich wieder breit lächeln, es klang schon gut wenn Rafa das sagt. ”Ich dachte mir dann nichts weiter, angucken konnte ich es mir ja zumindest mal. Karten hatte sie ja schon also blieb mir kaum eine Wahl und alleine macht es auch keinen Spaß also bin ich eben mitgegangen”
Mir kam eben in den Sinn, dass ich jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hier wäre wenn das in Berlin anders gelaufen wäre. Es war mehr als Zufall das ich Rafa in Berlin zum zweiten Mal gesehen habe. Wäre mehr als unwahrscheinlich das ich Rafa irgendwo anders zufällig noch mal getroffen hätte, er ist ja außer bei den Turnieren nie in Deutschland. Wenn ich so über alles nachdenke, könnte ich gleich richtig sentimental werden. “Man sieht sich immer zweimal. Wenn wir uns in Berlin nicht getroffen hätten wäre mir auch der exklusive Weckservice in Cincinnati entgangen” Mein Lächeln war bestimmt gut. Ging es ihm nur darum?
Den Weckservice für Rafa hätte Sara bestimmt liebend gerne übernommen. ”Wenn es weiter nichts ist...” ”Und ich würde mich jetzt schrecklich langweilen hier weil meine Eltern verreist sind und meine Schwester mit ihrem Freund im Urlaub ist” ”Es hätte sich sicher auch jemand anderes gefunden um dir Gesellschaft zu leisten. Ich meine, wozu hast du denn so viele Fans?” Im nächsten Augenblick rückte er mit seinem Stuhl um den Tisch bis er direkt neben mir saß. Gespannt sah ich ihn an und wartete was gleich kommt.

Irgendwie riecht er wieder so unverschämt gut, ich muss mich beherrschen nicht die Kontrolle über mich zu verlieren. “Schon aber ich lasse doch nicht jeden in mein Bett” Kam es dann mit einem breiten Lächeln. ”Das hätte ich dir auch nicht zugetraut” Allmählich wurde sein Gesicht dann wieder ernst. “Was denkst du denn von mir?” ”Das du nicht zu der Sorte Mensch gehörst die zu ihrem eigenen Vorteil über Leichen gehen. Du wärst nicht der Erste der seinen Status ausnutzt aber ich hätte mich niemals auf das alles eingelassen wenn ich das Gefühl hätte das es dir nur um Sex geht denn dafür bin ich mir wirklich zu schade” ”Ich halte gar nichts von one night stands. Das bringt mir gar nichts und ich kann mir so was auch nicht leisten, zumindest will ich keinen Exklusivbericht darüber in den Zeitungen lesen. Ich meine Berlin hat sich irgendwie ergeben auch wenn das jetzt doof klingt. Klar kam es mir nicht ungelegen und ich war für ein bisschen Ablenkung nach der Niederlage durchaus dankbar aber es würde mir nie in den Sinn kommen dann so zu tun als wenn ich dich nicht mehr kenne” Ich schluckte und sah auf meine Tasse.
Was sollte ich jetzt sagen? Er hätte mich ja auch nicht hier her eingeladen wenn es ihm alles egal wäre. “Ich war mir erst nicht sicher was du willst aber ich gehe mal davon aus das du mir nicht angeboten hättest hier her zu kommen wenn dir alles egal wäre” ”Natürlich nicht! Ich könnte mir keine bessere Gesellschaft als dich vorstellen. Ich meine, wenn ich dich sehe kann ich nichtmal schlechte Laune haben weil ich nicht mehr spielen kann dieses Jahr” Aww, gleich würde ich wegschmelzen!
Wie gut das ich gerade saß, sonst würden meine Beine vielleicht jetzt nachgeben. Mir kroch sicher eben die Röte ins Gesicht und unruhig wurde ich auch. “Und ich habe mich schon gefragt warum es dir anscheinend nichts aus macht das du nicht spielen kannst” ”Das tut es natürlich aber du lenkst mich perfekt ab. Wenn es irgendwie möglich wäre würde ich einiges dafür tun um spielen zu können aber manchmal geht es eben nicht. Ich freue mich wirklich darüber das du hier bist. Mir wäre es lieber gewesen wenn ich dich eher schon mal gesehen hätte aber ich wusste ja das es nicht geht.
Ich wollte nur nicht alles noch komplizierter machen indem ich sage das ich dich sehen will” Dachte er das ich dann dumme Dinge tue? Zumindest war ich etwas erstaunt, dass er plötzlich sagt das er mich sehen wollte. Erst hat er sich völlig bedeckt gehalten und ich wusste bis vor ein paar Tagen nicht woran ich bei ihm bin. Auf die Idee das er es nicht tut um es nicht noch komplizierter zu machen kam ich nicht.
Ich dachte eher er will sich nicht festlegen, dass ging ja vielen so. “Was hättest du gemacht wenn ich nicht gleich gesagt hätte das ich hier her komme als du mir das angeboten hast?” ”Ich wollte nicht aufdringlich werden” Da Rafa sowieso schon direkt neben mir saß und mich so ansah, umarmte ich ihn spontan.

12 November 2009

Chapter 17

Ein bisschen sauer war ich dann schon. Wenn er schlechte Laune hat, soll er es nicht an mir auslassen. War wohl mein Pech, dass ich eben als Einzige in seiner Nähe war. Das ich frage was los war ist doch normal, das würde doch jeder machen. Wenn ich nicht frage stört es ihn auch, dann sagt er mir wäre es egal. Gestört wurden meine Gedanken durch die aufgehende Tür. Ich sah zur Seite und wartete erstmal ab. Da ich nichts sagte, kam er näher und setzte sich neben mich. An seinem Blick konnte ich schon ahnen was gleich kommt.
“Es tut mir leid das ich ein bisschen lauter geworden bin, ich wollte das nicht” Am liebsten hätte ich ihn zappeln lassen aber ich kann es nicht ertragen wenn er mich so ansieht. “Vergiss es einfach. Wenn du nicht sagen willst was los ist sage es und ich frage auch nicht mehr aber ich kann nicht ahnen das du gleich austickst” Er lehnte sich nach hinten und lag dann hinter mir quer auf dem Bett. “Es ist nichts weiter, die Saison ist nur gelaufen für mich” Kam es dann als wenn gar nichts weiter wäre aber es war ja offensichtlich das er nicht erfreut darüber war. Gut, dass ließ ich kurz sacken. Wenn ich ihn richtig verstehe ist es so wie letztes Jahr als er auch vorzeitig die Saison beenden musste nur das es damals Mitte Oktober war, jetzt war ja erst September. So langsam ergab seine Laune einen Sinn, ich wusste das er das Masters in Paris und das ATP World Tour Finale in London unbedingt spielen wollte.
Die Turniere in den nächsten Wochen hat er ja alle schon abgesagt aber es dachten alle das er in Paris wieder spielt. Was sollte ich jetzt antworten? Was er von dem Ganzen hält sah ich ja schon also war es überflüssig zu fragen. “Wegen der Knieverletzung?” Fragte ich dann doch vorsichtig und drehte meinen Kopf nach hinten damit ich ihn sehen kann. “Mhh, die haben gesagt wenn ich es jetzt übertreibe, war es das und dann falle ich nicht nur bis zum Jahresende aus” Ich musste mich beherrschen jetzt nicht zu sagen das er das aber selbst zu verantworten hat. Warum lässt er es denn erst so weit kommen das seine Karriere auf der Kippe steht? Ich nahm seine Hände in meine und umarmte ihn dann, immerhin blockte er das nicht ab. “Und da lässt sich gar nichts machen?“ ”No, ich kann es höchstens alles noch schlimmer machen”
Von mir aus können wir hier den restlichen Tag liegen bleiben, ich könnte mich jedenfalls daran gewöhnen ihn zu umarmen. Schön das wir hier alleine sind und ich Rafa nicht teilen muss. “Wo warst du überhaupt heute?” Fragte er dann plötzlich. Ach, interessiert ihn das doch? “Erst war ich in Alcúdia die Altstadt ansehen und dann bin ich weiter gefahren zum Platja de Formentor. Da wollte ich schon immer mal an den Strand gehen. War richtig erholsam, dort waren kaum Menschen. Es hat sich jedenfalls gelohnt, ich könnte jeden Tag kreuz und quer über die Insel fahren und einfach gucken wo ich ankomme” Ganz langsam erschien sein Lächeln dann wieder. “Sollte ich vielleicht auch mal machen. Ist jedenfalls besser als jeden Tag zum Arzt zu rennen nur damit der dann sagt das es sowieso keinen Sinn hat” Langsam schöpfte ich Hoffnung und musste auch lächeln. “Kannst ja morgen mitkommen” ”Sieht so aus als wenn ich Zeit hätte dafür. Es tut mir leid das ich dir jetzt die Urlaubslaune vermiese. Ich hatte mir das nur alles anders vorgestellt”
Langsam wurde er wieder normal, zumindest redet er mit mir, war schon mal ein Fortschritt gegenüber erst. “Ich kann verstehen das du enttäuscht bist weil du nicht spielen kannst. Es klingt vielleicht doof jetzt aber entspanne dich und spiele die nächste Saison dafür umso besser” ”So einfach ist das nicht. Ich kann nicht einfach entspannen und gar nichts machen. Mir fehlt die komplette Matchpraxis wenn ich so lange raus bin. Wenn ich länger hier bin kriege ich die Krise. Ich höre ja nicht auf mit dem Training aber es wird echt hart sich da wieder ranzuarbeiten” ”Du kriegst das schon hin, hat doch in diesem Jahr auch geklappt” ”Mhh hoffentlich endet es nächstes Jahr nicht wieder wie dieses Jahr bei den French Open” ”Es kann doch nur noch besser werden” ”Sage ich mir auch immer. Wenn das mit dem Knie ok ist nächstes Jahr wird es schon werden oder auch nicht” ”Hast du offiziell schon alles abgesagt?” ”Mein Management gibt heute Abend eine Pressemeldung raus in der stehen wird das die Saison für mich auf Grund anhaltender Knieprobleme beendet ist”
Ich dachte da gleich an Sara, die wird wieder total niedergeschlagen sein. Sehr positiv hört sich diese Meldung ja auch nicht an. Für die Medien ist das ein gefundenes Fressen. Jetzt werden wieder sämtliche Mediziner per Internet Diagnosen stellen und dann dummes Zeug erzählen und in den Zeitungen steht dann das Rafa vielleicht gar nicht mehr spielt und was weiß ich alles. Es ist so langweilig Tennis zu gucken wenn Rafa nicht spielt, also wird sie wohl dann gar nicht mehr gucken. Nach dem letzten Jahr hoffte sie wohl das sich der Albtraum nicht wiederholt aber genauso sieht es aus. Sie langweilt sich dann und kommt auf dumme Ideen.
“Deine Fans wird es freuen” Meinte ich dann nur. ”Mich auch, ich würde auch lieber spielen aber ich kann es nicht erzwingen auch wenn ich zugebe, dass es mich in diesem Jahr besonders getroffen hat. Letztes Jahr dachte ich schon das ist dumm gelaufen aber schlimmer als dieses Jahr kann es nicht mehr werden. So eine Saison habe ich noch nie gehabt seit ich auf der ATP Tour spiele und das sind schon ein paar Jahre”

Ich musste eben wieder an Toni denken, sein Gesicht von vorhin ging mir nicht aus dem Kopf. “Weiß dein Onkel eigentlich das ich hier bin?” Sein grinsen wurde immer breiter bis es vom einen Ohr zum anderen ging. “Sí ich habe es ihm gesagt weil ich ihn ärgern wollte” Wie bitte? Es hörte sich aber gut an wie Rafa das so gesagt hatte. ”Warum?” Fragte ich und musste lachen. “Nur so, er glaubt ich schnappe jetzt über weil du hier bist. Er weiss nicht das du schon mal hier warst und auch nicht das wir in den letzten Wochen Kontakt hatten. Ich will gar nicht wissen was er denkt”
Wenn er wirklich nur von Berlin wusste, glaubt er sicher das ich nur hier bin um Rafa nachts ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Hilfe, was wirft das für ein Licht auf mich? “Du lässt ihn in dem Glauben das ich dein Lieblingsgroupie bin?” ”Er glaubt es sowieso nicht, ein bisschen kennt er mich schon. Ich habe das nur gesagt weil er immer sagt das es ihm egal ist was ich in meiner Freizeit mache. Er hat sich dann trotzdem dazu hinreißen lassen zu sagen das es ihm egal ist wie viel ich schlafe oder auch nicht, so lange ich am nächsten Tag kein Spiel habe” Ich musste gleich wieder lachen und schüttelte mit dem Kopf.
“Was hat er gesagt in Berlin als ich weg war?” ”Nada, er hat bis heute kein Wort dazu gesagt” Das konnte ich jetzt nicht glauben! Dabei hatte ich so gehofft das Rafa ein bisschen Stress bekommt. ”Gar nichts?” ”No, mich erstaunt es auch. Lag wohl daran das das Turnier sowieso für mich schon beendet war. Oder er war so geschockt das er nicht darüber reden will. Ich mache das normalerweise nicht, bis jetzt hat niemand von meinem Team eine spärlich bekleidete Frau in meinem Hotelzimmer getroffen die nicht meine Freundin war und selbst die würde ich nicht mit einer Bettdecke bekleidet zur Tür lassen. Bekanntlich hattest du aber keine Hemmungen” Hatte er also doch gelegentlich seine Freundin beziehungsweise Exfreundin mit bei den Turnieren? Vielleicht war sie auch viel öfters da und es hat sie niemand gesehen weil sie nicht zu den Spielen gegangen war. “Ich wollte dich in eine peinliche Lage bringen, dein Onkel kam mir da sehr gelegen” ”Können wir die Unterhaltung draußen fortführen?” ”Klar”

Wir liefen raus zum Pool und machten es uns da auf einer Liege bequem. Ich war erst ein bisschen traurig weil ich ihn loslassen musste als wir rausliefen aber ich drängelte dann einfach so lange bis er mich mit auf seine Liege ließ. War doch viel besser direkt an ihm zu liegen als auf einer eigenen Liege. Wenigstens lagen wir beide auf dem Rücken und Arm an Arm, ich könnte mich auch auf die Seite drehen und ihn umschlingen. “Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Berlin. Ich wollte erst gar nicht zur Tür gehen aber dann kam mir die Idee mit der Bettdecke. Als ich durch den Spion sah und Toni gesehen habe dachte ich, das ist perfekt und habe geöffnet.
Das du nur mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad kamst war dann Zufall” Ich dachte an den Moment zurück und freute mich gleich wieder, das Gesicht von Rafa war so herrlich gewesen. Der Anblick von ihm nur mit dem Handtuch und den nassen Haaren auch. Möglicherweise war das auch ein Grund als ich überlegte ob ich hier her komme oder nicht. Die Vorstellung Rafa so noch mal zu sehen machte es fast unmöglich nein zu sagen. “Ich dachte echt du spinnst als du vor der Badtür warst und sagtest das Toni an der Tür wartet” ”Dein Gesicht war auch köstlich” Rafa sah aus dem Augenwinkel zu mir rüber und schluckte kurz. “Warum hast du das gemacht? Und sage nicht es hätte wichtig sein können” ”Ich wollte mich nur rächen weil du mich vorher so abweisend behandelt hast” ”Du hast doch das selbe mit mir gemacht!” ”Was? Habe ich gar nicht“ Versuchte ich mich zu verteidigen. So hatte ich das nicht in Erinnerung.
”Natürlich, du bist so weit wie möglich von mir weggerückt und hast schon einen Anfall bekommen weil meine Hand an deinem Rücken war. Die Nacht zuvor störte dich das noch nicht” ”Die Nacht zuvor hast du mich auch nicht mit einem eiskalten Blick angesehen und gesagt das ich verschwinden soll” Er rollte mit den Augen und sah mich dann wieder an. ”Das war eine Trotzreaktion weil ich dachte das du jetzt so tust als würdest du mich nicht kennen” ”Das meinte ich nicht so, ich wollte es nur nicht übertreiben weil es mir dann noch schwerer gefallen wäre zu gehen. Hast du wirklich geglaubt ich wäre nur auf einen one night stand mit dir aus gewesen?“ ”Anfangs schon, woher sollte ich wissen was du willst? Ich kann nicht hellsehen” Toller Spruch! Jetzt rollte ich mit den Augen. Er braucht gar nicht versuchen die Verantwortung alleine auf mich abzuwälzen, dazu gehören schließlich immer noch zwei.
”Du hättest ja auch no sagen können” ”Tue ich normalerweise auch, ich hatte nur keine Kontrolle mehr über mich” Irgendwie musste ich dann spontan lachen. Er hatte keine Kontrolle mehr über sich? Das ist sehr selten, wenn er spielt hat er vom ersten Aufschlag bis zum letzten Ballwechsel alles unter Kontrolle und bei den Pressekonferenzen hat er normalerweise auch alles im Griff. Daran scheiterten ja auch alle seine Gegner, Rafa ist wenn er spielt nicht unter Kontrolle zu bringen weil er allen sein eigenes Spiel aufzwingt und so nicht zu schlagen ist oder wenn dann nur mit großer Anstrengung. Lässt man Rafael Nadal beim spielen in seinen Rhythmus reinkommen, hat man praktisch schon so gut wie verloren egal wie gut man spielt. Klar liegt der Verdacht nahe das er sich dann den Ausgleich dazu im Privatleben holt sonst würde er das nicht durchhalten auf die Dauer.
“Das du keine Kontrolle über dich hast kann ich auch nicht ändern, es war nicht alleine meine Schuld du warst bekanntlich auch beteiligt” ”Das es deine Schuld ist habe ich auch nicht gesagt. Ist ja egal jetzt, es lässt sich sowieso nicht mehr rückgängig machen” ”Würdest du es rückgängig machen wenn du es könntest?” Er sah wieder aus dem Augenwinkel zu mir und zuckte dann mit den Schultern. “Klar würde ich es rückgängig machen” Für einen kurzen Moment war ich sprachlos aber nur so lange, bis sein Grinsen wieder erschien. Ich schnappte nach Luft und schlug ihn am Arm. “Das ist nicht komisch!” Sagte ich ernst und musste dann aber doch wieder lächeln.
“Höre auf mich zu schlagen ich kann es mir nicht leisten außer dem Knie noch weitere Verletzungen zu haben” ”Warum nicht? Du hast doch jetzt Zeit” ”Du machst mir Angst!” Jetzt musste ich noch mehr lachen. Rafa war ja echt herrlich, er ist ja auch nicht in der Lage sich zu wehren. Niemand würde glauben das ich ihm ernsthafte Verletzungen zufügen würde. Es hatte aber auch noch kein Mann zu mir gesagt das er vor mir Angst hat.

Ich drehte mich auf die Seite, legte meinen Kopf an seine Schulter und umarmte ihn dann soweit es ging. “Tue einfach was ich dir sage dann passiert auch nichts” Sein Lächeln was daraufhin folgte war richtig schön. Da könnte ich auf der Stelle schmelzen, zum Glück lag ich schon und konnte so das Kribbeln in meinem Bauch genießen. Es war zu viel Nähe zwischen uns und allmählich entstand diese gefährliche Spannung zwischen uns. “Könnte dir so passen!” Kam es dann nur. Da ich der Versuchung nicht wiederstehen konnte, fuhr ich mit einer Hand durch seine Haare. Wenn es nach mir geht, würde ich das den ganzen Tag machen. Mein Puls wurde dann merklich schneller, ich liess meinen Blick über sein Gesicht wandern und musste mich beherrschen nicht gleich über ihn herzufallen. Seine Lippen waren ja schon eine Einladung ihn zu küssen.
Je länger ich darüber nachdachte umso mehr hatte ich zu kämpfen nicht die Beherrschung zu verlieren. Irgendwann konnte ich seinen Blick nicht länger ertragen und küsste ihn sanft während ich mit einer Hand seine Frisur zerstörte. Bevor ich dazu kam total die Kontrolle über mich zu verlieren, klingelte das Telefon. Ich verfluchte die Person die jetzt anrief und uns störte. Man, dass war der dümmste Zeitpunkt überhaupt! Rafa löste sich etwas von mir und sah mich mit einem flehenden Blick an. Erst dachte ich es hört schon irgendwann auf mit klingeln aber es klingelte munter weiter. “Geh’ schon” Sagte ich dann nur und rollte mit den Augen. Er küsste mich kurz am Hals und verschwand in der nächsten Sekunde ins Haus.

Ich drehte mich auf den Rücken und verzog mein Gesicht. Echt super gelaufen! Jetzt fehlt es nur noch das er gleich noch dringend einen Termin hat und verschwindet. Wer jetzt anrief war auch egal, es war definitiv der falsche Zeitpunkt. Ich glaube am Ende noch er lässt mich auf ewig abblitzen, wenn das so weiter geht falle ich irgendwann über ihn her und lasse dann nicht mehr locker bis ich von ihm kriege was ich will. Wie lange es jetzt dauert wusste ich ja auch nicht also setzte ich mich dann auf den Rand vom Pool und liess die Füsse im Wasser baumeln.
Zu meiner Überraschung hörte ich Schritte und drehte meinen Kopf nach hinten, Rafa kam auf mich zugelaufen und blieb neben mir stehen. Ich sah zu ihm hoch und wartete auf eine Erklärung. “War es wenigstens wichtig?” Sein verlegenes Lächeln deutete ein nein an. “Nicht wirklich, meine Mutter neigt dazu im unpassendsten Moment überhaupt anzurufen, die hat Talent dafür” Na super, seine Mutter war es also! Das kam mir bekannt vor, meine Eltern neigen auch zu Kontrollanrufen einfach so ohne Grund. “Kommt mir bekannt vor. Ruft sie auch ohne Grund an? Machen meine Eltern bei mir manchmal, die wollen dann einfach nur reden über irgendwas”
Rafa setzte sich neben mich und sah mich dann wieder an. “Sie wollte nur ein Lebenszeichen von sich geben. Sie leitet ja meine Stiftung und ist gerade geschäftlich in Honduras. Ich würde mir das auch selbst ansehen aber ich habe einfach keine Zeit dazu. Zeit hätte ich jetzt aber ich muss ja das Knie schonen” Interessant das er von seiner Mutter sprach. Von seinen Eltern wusste ich nicht viel außer das was durch die Medien geistert. Da waren teilweise haarsträubende Geschichten dabei. Offiziell macht Rafa einen auf happy family, angeblich leben alle in einem großen Haus in Manacor zusammen und wahrscheinlich sind sie glücklich bis an ihr Lebensende.
Soweit die Illusion. Es war auch zu schön wenn seine Eltern und Großeltern alle zu seinen Spielen gehen und da die perfekte Vorzeigefamilie sind. Das war fast schon mehr heile Welt als man ertragen kann. Zumindest stimmt ja schon mal nicht das Rafa in Manacor wohnt. Er übernachtet dort nur wenn er nur einen Tag hier ist um die Koffer umzupacken denn es lohnt sich nicht dann erst Essen einzukaufen also übernachtet er dann bei seinen Eltern. Wenn er länger hier ist, wohnt er hier in Porto Cristo, so hatte ich das jedenfalls verstanden.

Zu schade das der Anruf seiner Mutter uns in die Quere gekommen war. Das hatte die ganze Stimmung versaut und ich war zu recht ein bisschen gefrustet. Ich sah aus dem Augenwinkel zu ihm rüber und musste dann lachen da er im selben Moment zu mir sah. “Was?” Fragte er auch gleich mit einem breiten Lächeln. “Nichts, es stört irgendwie nur andauernd jemand” Sagte ich dann langsam und sah ins Wasser vom Pool. ”Ich kann es auch nicht ändern, ich kenne meine Mutter die lässt es ewig klingeln” ”Kannst du nicht die Stecker alle ziehen und dein Handy in den Pool werfen?” ”Und dann?” Ich überlegte was ich sage und sah ihn wieder an.
Er soll mal nicht so tun als wenn er nicht wüsste was ich meine. Sein Lächeln verriet sowieso das er genau wusste worauf ich anspiele. “Würde niemand mehr stören” ”Hast du etwas vor?” Ich musste jetzt richtig lachen und schüttelte mit dem Kopf. “Wenn ich dir das jetzt sage ist es doch keine Überraschung mehr” ”Ich hasse Überraschungen aber bei dir mache ich gerne eine Ausnahme” Aww, es war zu verlockend wie es eben zwischen uns knisterte. Da ich seinem Blick nicht widerstehen konnte, küsste ich ihn am Hals. Leider machte das alles viel schlimmer, ich driftete gedanklich ganz weit ab und würde ihm am liebsten seine Klamotten runterreißen. Langsam küsste ich mich seinen Hals nach oben über sein Kinn zu seinen Lippen.
Ab dem Moment war sowieso alles zu spät. Dieses mal entkommt er mir nicht! Bisschen unbequem war es schon im Moment also drückte ich ihn nach hinten auf die Fliessen und legte mich dann halb auf ihn. War doch gleich viel bequemer so! Und es war einfacher ihn auszuziehen, es war jedenfalls kein Problem ihm sein Shirt auszuziehen. Seine Küsse waren auch zu verlockend, ich hatte schon vergessen wo wir eigentlich sind. So langsam wurde es mir wärmer und das lag nicht an der Sonne. Seine Hände auf meinem Hintern tragen auch nicht dazu bei mich nicht auf dumme Gedanken zu bringen. Zu dumm das ich auch noch Luftholen musste sonst würde ich ihn ewig küssen.
Irgendwie schaffte ich es dann aber doch mich ein paar Sekunden von seinen Lippen zu lösen. Sein Blick gab mir dann noch den Rest, die Art von Überraschung scheint ihm ja doch zu gefallen. “Du willst gar nicht wissen was ich jetzt am liebsten mit dir machen würde” Sagte ich während ich mit einer Hand durch seine Haare fuhr. “Ich bin schon gespannt” Kam es mit einem breiten Lächeln bevor er mich wieder an sich zog.

Als ich dazu kam wieder darüber nachzudenken was ich am liebsten mit Rafa anstellen würde, war es zu spät. Ich holte ein paar mal tief Luft und sah dann zu Rafa. Er lag mit geschlossenen Augen direkt an mir und schien erst mal eine Runde zu schlafen. Ich fuhr mit einer Hand über seinen Rücken und überlegte nebenbei warum es nicht eher dazu gekommen war und wie er hier schlafen kann, auf dem Rand vom Pool. War nicht meine Absicht gewesen am Pool zu bleiben aber es war mir dann egal wo wir sind, glücklicherweise kann niemand von außen hier rein sehen. Es ging mir definitiv nicht nur um Sex aber es tut so verdammt gut und ich weiß doch das Rafa dem nicht abgeneigt ist und das genauso genießt wie ich.
Irgendwie bekam ich nie genug von ihm, ich würde am liebsten jeden Tag mit ihm schlafen. Aus meinen Gedanken wurde ich gerissen als er seinen Kopf anhob und mich ansah, sein Blick verschlug mir direkt die Sprache. Ich könnte sofort wieder auf dumme Gedanken kommen wenn er mich so verführerisch ansieht. Dazu kam es aber nicht da er sich von mir löste und ins Wasser sprang. Ich war etwas überrascht über seine Aktivität und sprang nichts schlimmes ahnend hinter ihm her. Einen Schrei konnte ich mir aber nicht verkneifen als ich wieder auftauchte. Was für eine dumme Idee einfach so ins Wasser zu springen!
“Mierda! Wie kalt ist das Wasser?” Fragte ich während ich hektisch mit den Armen ruderte und mich von dem Schock erholen musste. Kann er nicht sagen das er das Wasser so kalt eingestellt hat das hier Eisberge schwimmen könnten? Er schwamm einen großen Kreis um mich und grinste wieder so unverschämt dabei. “Das Wasser hat 24 Grad, kalt kann man es wohl nicht nennen” “Es fühlt sich an wie vier Grad!” Da er zum Rand schwamm und sich da festhielt, verfolgte ich ihn gleich mal. Das kalte Wasser bewirkte nur das ich auf einen Schlag wieder nüchtern war. Am Rand war eine Art Sims wo man stehen konnte aber dort war Rafa bekanntlich gerade also legte ich meine Arme um seinen Hals und hielt mich an ihm fest damit ich nicht unter gehe.
“Ich dachte du schläfst eine Runde” Er legte seine Hände an meine Hüften und zog mich näher an sich. Wären wir jetzt nicht im Wasser, könnte das schon wieder gefährlich werden. ”So kann man sich täuschen” Ein breites Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen, ich könnte ihn den ganzen Tag lang ansehen. “Was hältst du von der Überraschung?” Fragte ich dann frech. Er küsste mich verführerisch und sah mich dann wieder an. “So kannst du mich öfters überraschen und dieser Art von Wunsch komme ich gerne nach” Mein Lächeln ging sicher vom einen Ohr zum anderen, ich konnte auch nicht anders als ihn wieder zu küssen. Dabei kam ich aber nur auf dumme Ideen. “Was hältst du von ein bisschen Wasser?” Seinem Grinsen nach zu urteilen verstand er die Frage. “Höre auf mich auf dumme Gedanken zu bringen sonst garantiere ich für nichts mehr!” Die Vorstellung von dem Wasser hatte wirklich was.
Jetzt waren wir ja sowieso schon im Pool und störende Sachen waren auch nicht im Weg. ”Ich bin da flexibel” Antwortete ich nur und rückte so nah es ging an ihn. “Ich denke wir sollten vorerst auf dem trockenen bleiben” ”Ok” Meinte ich nur und musste wieder kichern. Ein paar Sekunden sagte dann niemand etwas und wir sahen uns nur gegenseitig an. Die ausgelassene Stimmung wurde ernster je länger niemand ein Wort sagte. Wenn ich Rafa so sehe fange ich nur an nachzudenken. Ich hatte mir ja vorgenommen mich nicht zu sehr auf ihn einzulassen aber dafür war es höchstwahrscheinlich viel zu spät, ich würde nicht mehr von ihm los kommen. Das Schöne ist ja das ich mich nicht verstellen muss weil er mich so akzeptiert wie ich bin.
Andernfalls würde mir auch nie in den Sinn kommen über jemanden mitten am Tag gleich neben dem Pool herzufallen. Mir war das noch nicht mal peinlich, im Gegenteil, es fühlte sich normal an und schämen musste ich mich auch für nichts. Vielleicht sollte ich der Wahrheit ins Auge sehen und mir selbst eingestehen das Rafa mehr ist als ein Flirt oder eine Urlaubsbekanntschaft. Ist ja eigentlich was schönes nur bringt es eine Menge Probleme mit sich. Ich hätte nie den ganzen Stress mit Sara in Kauf genommen wenn mir Rafa nicht wichtig wäre. Nach den paar Tagen hier würde ich am liebsten hier bleiben, ich will nicht auf ihn verzichten.
Es ist verrückt aber ich hatte mich schon daran gewöhnt ihn zu sehen und will das eigentlich auch nicht mehr missen. Es half mir auch nicht zu wissen das er bis zum Januar hier sein wird. Wenn er Turniere spielt ist es einfacher weil ich weiss das er dann sowieso keine Zeit hat aber jetzt wo er nicht mehr spielt dieses Jahr tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf. “Was denkst du?” Fragte er plötzlich leise und strich mit seiner Hand Haarsträhnchen aus meinem Gesicht. “Ich würde am liebsten hier bleiben” Sagte ich leise und sah in seine Augen. Er sagte erst mal nichts, vermutlich wird ihm klar sein das wir uns keinen Gefallen tun wenn wir uns so aufeinander einlassen. Wenn ich wieder nach Deutschland muss wird alles nur viel schlimmer je mehr ich an ihm hänge. Aus diesem Grund war ich auch gegen Urlaubsflirts nur das Rafa längst kein Flirt mehr war.
Je mehr ich nachdachte umso auswegsloser erschien mir alles. Mir wurde die Nähe zu ihm plötzlich zu viel, ich drückte ihn von mir weg und kletterte hastig aus dem Pool. “Amaia” Ich musste dringend hier weg! Ohne Rafa weiter zu beachten schwamm ich zum anderen Ende und flüchtete aus dem Pool. Im vorbeigehen schnappte ich mir ein Handtuch von einer Liege und wickelte es um mich bevor ich mit eiligen Schritten ins Haus verschwand.

5 November 2009

Chapter 16

“Also ich ähhmm muss dir da etwas sagen” Fing ich dann vorsichtig an. Ich wusste jetzt schon nicht die richtigen Worte, wo soll das nur hinführen? Erst lächelte er noch aber das verging ihm dann nach ein paar Augenblicken, er schien zu warten bis ich etwas sage aber ich spielte nur nervös mit meinen Händen und sah an ihm vorbei. “Warum siehst du mich jetzt so ernst an? Es ist doch nichts schlimmes oder?” Fragte er dann ein paar Sekunden später mit einem ernsten Gesicht.
Er rechnete wohl mit dem allerschlimmsten, jedenfalls sah er mich todernst an, das machte mich nur noch nervöser. “Na ja also schlimm ist es nicht, hängt davon ab wie du das siehst” Ich schluckte erst mal und wartete ein paar Sekunden aber er sagte nichts und sah mich nur ernst an. “Der Grund warum ich nach dem Wetter in Österreich gucke ist das meine beste Freundin Sara glaubt das ich gerade in Österreich bin” Ich atmete tief durch und war froh zumindest den Anfang gemacht zu haben. Seiner Reaktion nach zu urteilen kann er gar nichts anfangen mit der Information, kein Wunder. “Wieso denkt sie du bist in Österreich?” Fragte er dann mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck, dass hatte ich befürchtet.
“Weil auf meinem Flugticket als Zielort Innsbruck stehen sollte. Ich bin versehentlich ins falsche Flugzeug gestiegen, geht schneller als man denkt” Sein Gesicht wurde immer besser aber wenigstens lächelte er noch vorsichtig. “Ich will dir nicht zu nahe treten aber kann es sein, dass du irgendwelche bunten Pillen schluckst?” Da musste ich auch gleich lachen aber an seiner Stelle würde ich wohl auch so etwas vermuten. Er denkt vielleicht ich drehe jetzt durch. Ok, ich komme wohl nicht drum rum und muss von Anfang an erzählen damit er es nachvollziehen kann. Mein Lächeln verschwand dann wieder und wich einem ernsten Gesicht.
“Gut, dann fange ich mal ganz am Anfang an. Also es war im Jahre 2005 als Sara zufällig beim zappen in einem Tennisspiel hängen blieb. Später stellte sich raus das es sich dabei um das Finale der French Open gehandelt hat. Hätte ja damals niemand ahnen können wohin das führen würde. Gegen wen hast du da eigentlich gespielt?” Einen Moment überlegte Rafa. “Mariano Puerta” Wer war das denn? Komisch, von dem hatte ich nie was gehört in letzter Zeit aber wenn er im Finale war muss der doch gut sein oder nicht? “Hat er aufgehört mit spielen?” ”No, er wurde 2005 acht Jahre wegen Doping gesperrt. Da er Wiederholungstäter ist fiel die Strafe entsprechend hart aus. Er wurde auch nachträglich disqualifiziert von Roland Garros also hätte ich den Titel auch bei einer Niederlage bekommen” Doping gab es also auch im Tennis, wen wundert es...
“Mhh, na jedenfalls war dieser Tag kein Tag wie jeder andere im Leben von Sara. Von da an hat sie kein einziges Spiel von dir verpasst und ich meine damit wirklich kein einziges. Es sei denn die Zeitverschiebung war unzumutbar aber dann war sie trotzdem nervös und konnte nicht schlafen” Ich machte erstmal eine Pause damit Rafa das sacken lassen kann. Er sagte nichts aber mir entging nicht das er erstmal kräftig schluckte. Das machte mich nur wieder nervös aber jetzt war ich schon dabei also kann ich auch die ganze Geschichte erzählen. Es wäre so bequem Rafa nichts weiter zu sagen aber es kommt irgendwann sowieso raus und dann wirft er mir vielleicht vor, dass ich es ihm nicht eher gesagt habe.
“Inzwischen ist sie wahrscheinlich der größte Fan von dir in Deutschland. Sie hatte auch die Idee im Mai hier her zu fahren. Natürlich wusste ich nicht was sie vor hat. Nimm’ es nicht persönlich aber ich bin kein großer Tennisfan und kann ihre Begeisterung nur teilweise verstehen. Ich meine, die ist total verrückt und schreckt vor nichts zurück. Es war wohl schon immer ihr Traum dich in Manacor spielen zu sehen und da ich keine Ahnung hatte was sie plant bin ich mit hier her gefahren. Irgendwie hat sie gewusst das du eine Woche hier bist vor dem Turnier in Madrid. Sie hat sich dann immer mit einer anderen getroffen die auch wegen dir hier war und deshalb war ich immer alleine unterwegs weil ich das nicht unterstützen wollte. Kann ja keiner ahnen das ich dich eher sehe als sie obwohl sie die ganze Insel nach dir absucht. Ich habe den Schreck meines Lebens bekommen als du in dieser Bar aufgetaucht bist. Sie weiss jedenfalls nicht das ich hier bin weil ich genau weiss, dass sie total ausflippt wenn sie es erfährt. Um genau zu sein hat sie absolut keine Ahnung das ich dich überhaupt kenne” Ich war vielleicht erleichtert als alles raus war!
Gut, alles war es noch nicht aber der größte Teil schon.

Ein paar Sekunden passierte gar nichts, Rafa sah gedankenverloren in das Wasser vom Pool und kaute auf seiner Unterlippe. Das er das erstmal verdauen muss, hatte ich mir schon gedacht daher wunderte mich diese Reaktion nicht. Ich hoffe nur das er es alles einordnen kann und nicht glaubt, dass es mir nur um den Tennisspieler geht. Je mehr Zeit verging ohne das er etwas sagte, umso nervöser und unruhiger wurde ich. Es war als stünde Sara zwischen uns. Zwar war die Stille unangenehm aber ich traute mich nicht etwas zu sagen. Stattdessen kaute ich nervös auf meine Unterlippe und beobachtete Rafa aus dem Augenwinkel.
Leider konnte ich ihm auch nicht ansehen was in ihm vorgeht. Das er nichts sagt war kein gutes Zeichen oder? Ich fürchte schon das er mich jeden Moment hochkant rauswirft. “Mhhh” Kam es dann nur. Wie sollte ich das verstehen? Kann er sich mal exakter äußern? Ich warte total gespannt auf eine Reaktion von ihm und er sagt nur mhhh. “Warum hast du nicht eher was gesagt?” Fragte er dann direkt mit einem ernsten Gesicht. “Wollte ich ja aber es hat sich nicht ergeben außerdem wusste ich nicht wie du reagierst. Was hätte ich denn sagen sollen? Ich meine, was hättest du gedacht wenn ich sage das meine beste Freundin total verrückt ist und extra hier her fliegt um dich zu sehen? Außerdem will ich nicht das du denkst das ich nur hier bin um an Informationen zu kommen. Ich bin ja auch nicht stolz darauf aber ich komme da nicht mehr raus, ich weiss nicht wirklich was ich machen soll. Ich wollte dich auch nicht am Telefon damit langweilen deswegen habe ich nichts gesagt” Ganz langsam erschien dann ein Lächeln bei ihm, das wollte ich sehen! “Komme her”

Ich setzte mich auf die Kante seiner Liege und sah ihn an. “Warum hast du das gemacht?” Fragte er während er sich hinsetzte, so das er dann neben mir saß. Ja warum hatte ich das gemacht? Ich wusste es doch selbst nicht aber ich steckte da so weit drinnen, dass es keinen Ausweg mehr gibt. Erstmal war ich froh, dass er nicht ausgerastet ist, hätte ja sein können er wirft mich hochkant raus.
“Was hätte ich ihr sagen sollen? Außerdem stört es mich das sie so extrem neugierig ist und vor nichts zurückschreckt. Angenommen ich hätte ihr damals als ich dich in der Bar getroffen habe alles erzählt, dann hätte ich alles bis ins Detail erzählen können und sie redet schon viel zu oft von dir. Ich hatte keine Lust stundenlang alles breitzutreten. Ist doch schon schlimm genug das sie extra hier her fährt um dich zu nerven oder siehst du das anders?” ”Hat sie mich irgendwo gesehen?” ”Na in Manacor wo du trainiert hast und dann noch mal kurz in dem Club wo du deine Schwester abgeholt hast. Ich meine den Abend wo wir uns zum letzten mal gesehen haben. Die ist da schon fast übergeschnappt, da wollte ich ihr den Rest nicht noch zumuten. Wie das in Berlin läuft konnte ich ja vorher nicht ahnen und sagen konnte ich da schon lange nichts mehr. Sie hat sicher gedacht ich spinne als ich Abends immer verschwunden bin weil ich ja nicht sagen konnte wo ich hingehe. Die hätte gedacht ich bin verrückt wenn ich gesagt hätte das ich bei dir war außerdem geht es sie nichts an weil ich keine Lust darauf habe das sie mich benutzt um an Informationen über dich zu kommen. Na ja und so ging das weiter, tja und jetzt bin ich hier. Jemand von der Internetseite wo sie immer ist hat das Bild von der Bar gefunden und das Bild ist plötzlich auf sämtlichen Seiten. Sara ist total ausgeflippt und hat mir vorgeworfen ich würde ihr in den Rücken fallen weil ich ihr nicht gesagt habe das ich dich getroffen habe. Da sie schon wegen dem einen Bild so reagiert will ich mir gar nicht erst ausmalen was sie macht wenn rauskommt das ich die Woche hier bin und nicht in Österreich. Das mit der Ausrede war so nicht geplant aber ich musste ihr ja sagen wo ich bin”
Ich sah in das Wasser und fühlte mich plötzlich richtig schlecht. Wie konnte es nur so weit kommen? Aus reinem Egoismus hatte ich meine Interessen über die von Sara gestellt. Ich bin aber nicht bereit Rafa ihrer übertriebenen Neugierde zu opfern. Kann ich doch nichts dafür wenn sie es übertreibt. Sonst interessiert es sie doch auch nicht so extrem mit wem ich zusammen bin. Andererseits schwebt immer die Frage mit im Raum ob es das alles wert ist. Jetzt wo alles raus war fühlte ich mich auch nicht besser obwohl ich das gehofft hatte.
“Das heißt es war kein Zufall das du im Mai hier warst?” Ich sah vorsichtig zu ihm rüber und schluckte kräftig. Mir war klar das ich besser genau überlege was ich jetzt sage. Hoffentlich denkt er jetzt nicht das ich mit ihr unter eine Decke stecke und ihm ein Märchen auftische. “No, sie hatte die Idee und ich bin einfach mitgefahren” Es entstand eine drückende Stille in den nächsten Sekunden. Das er nicht begeistert ist kann ich nachvollziehen. ”Ist ja auch egal jetzt” Langsam schöpfte ich wieder Hoffnung, vielleicht ist ja doch noch nicht alles verloren. “Bist du jetzt sehr geschockt?” Fragte ich vorsichtig. Sein Lächeln beantwortete die Frage eigentlich schon.
“Ein wenig aber ich kann es sowieso nicht ändern. Mir ist natürlich klar, dass ich mir gar nicht die Illusion machen brauche das mich jemand nicht kennt auch wenn ich mir das manchmal wünschen würde. Es hätte ja auch sein können das du ein Fan von mir bist, dagegen kann ich nichts machen” Will er eben sagen, dass er sich auch auf einen Fan einlassen würde? So einfach wie er das jetzt darstellt ist es auch nicht. “Und jetzt?” Fragte ich dann und sah ihn zerknirscht an. “Nada, es ändert doch nichts. Klar versuche ich mein Privatleben vor der Öffentlichkeit zu schützen aber mir ist klar, dass es nur bedingt möglich ist. Offensichtlich gehörst du nicht zu denjenigen die alles breittreten. Mir bleibt jetzt ja keine andere Wahl als dir das zu glauben” Meinte er jetzt die Nacht in Berlin?
Jetzt wo er es sagte, klar hätte ich das alles breittreten können aber wer hätte mir das denn geglaubt? Niemals würde ich so was im Internet veröffentlichen, dadurch würde ich nicht nur Rafa sondern auch mich selbst bloß stellen. “Du musst keine Angst haben das ich irgendwem zu viel erzähle. Ich habe nicht vor in die Klatschpresse zu kommen” ”Wenn ich die Befürchtung hätte, würde ich dich niemals hier her einladen. Mir ist natürlich klar das ich nie komplett ausschließen kann das jemand nur wegen meinem Name oder Geld an mir interessiert ist. Das ist einfach so und ich kenne einige Leute bei denen ich mir ziemlich sicher bin das die sich nicht mehr melden würden wenn ich aufhöre mit Tennis”
Das hörte sich richtig gut an! Offensichtlich genieße ich sein Vertrauen und das würde ich sicher nicht aufs Spiel setzen. Für einen Moment war ich sprachlos. Wenn er solche Dinge wie eben sagt, mache ich mir nur noch mehr Hoffnungen.

“Was machst du wenn es Bilder gibt?” Fragte er dann leise. Tja, die Frage ging mir seit Wochen durch den Kopf. Wenn rauskommt, dass ich hier bin, ist es vorbei mit Sara. Das sie mir das verzeihen würde, glaube ich nicht. Es war total unlogisch, ich setze eine jahrelange Freundschaft aufs Spiel wegen Rafa, den ich gar nicht so lange kenne. Ein ganz kleines bisschen fragte ich mich auch immer ob es das alles wert ist. Was wenn Rafa sich das anders vorstellt als ich? Im schlimmsten Fall kündigt Sara mir die Freundschaft und Rafa serviert mich ab. Ein bisschen wartete ich nur darauf, dass alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht.
“Wenn rauskommt das ich hier bin habe ich ein echtes Problem” Sagte ich dann nachdenklich mehr zu mir selbst. Ich schüttelte leicht mit dem Kopf als wenn ich es selbst nicht wahrhaben wälte und lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Seine Umarmung tat richtig gut, es war gleich alles nicht mehr so schlimm. Es ist gut zu wissen, dass ich mich bei ihm anlehnen kann. “Ich will es natürlich nicht aber ich habe keinen Einfluss darauf wer mich fotografiert. Eigentlich will ich nicht das du wegen mir Ärger bekommst” Ich hob meinen Kopf von seiner Schulter und sah in seine Augen. Das er sich Vorwürfe macht, wollte ich auf keinen Fall.
“Mir ist klar das ich riskiere aufzufliegen wenn ich hier bin” Der Grund warum ich das alles in Kauf nehme ist das ich Rafa unbedingt sehen wollte auch wenn ich ihm das nie so direkt gesagt habe. Von dem Moment an als ich ihn Vorgestern Abend wieder gesehen habe, waren alle Zweifel wie weggewischt. Ich würde noch mehr riskieren um ihn zu sehen. Als ich ihn ansah und über alles nachdachte, spürte ich wieder dieses Kribbeln in meinem Bauch. “Ich bin hier weil ich dich sehen will” Sagte ich dann noch leise und wurde nervös.
Es fiel mir schon schwer in seine Augen zu sehen. Seine Hand war unter meinem Kinn während er mit seinem Gesicht immer näher kam. Ich wurde immer nervöser je näher er kam. Sekunden später schloss ich meine Augen als er mich küsste. Mir wurde es schlagartig heiß, ich würde auch wegen einem einzigen Kuss extra hier her kommen. Es war alles zu viel, ich könnte mich total vergessen wenn er mich küsst. Es war auch anders als in Berlin, ganz so gierig war er jetzt nicht oder eben noch nicht. Sehr zu meinem Bedauern löste er sich dann wieder von mir. “Ich dachte schon du bist wegen dem Wetter hier” Ich legte meine Arme um seinen Hals und lächelte ihn an. Da war ich wirklich froh, dass sich die Stimmung so langsam wieder entspannte. “Unter anderem bin ich auch wegen dem Wetter hier. Hotel musste ich ja auch keins buchen, ich wäre doch blöd wenn ich da nein sage oder?” ”Mhh stimmt, ist ein schöner gratis Urlaub” Warum klang das jetzt so vorwurfsvoll auch wenn er dabei lächelt?
”Hey, dachtest du etwa ich komme nur wegen dir hier her?” Offenbar gefiel ihm das noch viel besser. “Das hast du doch eben gesagt” ”Ich hatte einen schwachen Moment” Antwortete ich breit grinsend. “Gracias, genau das wollte ich hören! Bestimmt machst du das alles hier nur damit ich dich hier wohnen lasse” ”Was?” Fragte ich zurück und musste mir ein kichern verkneifen. Er küsste mich kurz und grinste dann wieder so herrlich. “Das! Würdest du auch noch weiter gehen damit du hier bleiben kannst?” Jetzt konnte ich aber nicht anders und musste wirklich lachen, dass war ja echt eine absurde Frage. “Vielleicht” Sagte ich dann nur mit einem vielsagenden grinsen. “Das sollte ich vielleicht ausnutzen, no?”
Mhh, genau so sah er auch gerade aus. Sein Gesicht ließ keinen Zweifel daran aufkommen das er es wirklich ausnutzen würde. Er benahm sich eben als wenn er ein Grand Slam Turnier gewonnen hätte, dieses umwerfende Lächeln hatte er aber länger nicht mehr gezeigt bei seinen Spielen daher freut es mich das mal zu sehen.

Ich war schon froh, das Rafa so entspannt ist und jetzt nicht Frust schiebt wegen der Verletzung. Das er keine Lust hat reihenweise Turniere abzusagen die er eigentlich spielen will kann ich ja verstehen. Teilweise hat er sich das aber auch selbst zuzuschreiben weil er in der Vergangenheit viel zu viel gespielt hat ohne Rücksicht auf seine Gesundheit zu nehmen. Immerhin hat er das auch eingesehen, hoffentlich lernt er davon auch was. Es war auch nicht möglich das ganze mit dem Knie zu umgehen, da er ja am nächsten Tag natürlich wieder zu seinen Ärzten musste. Inzwischen hatte ich mich aber schon gedanklich darauf eingestellt und würde dann eben irgendwohin einen Ausflug machen derweil. In Palma war ich ja schon gewesen also fuhr ich in die andere Richtung nach Alcúdia und dann weiter nach Formentor.
Der Spaß hielt sich in Grenzen da ich alleine war aber na ja, ich will mich nicht beschweren. Schließlich hätte ich nicht damit gerechnet überhaupt in diesem Jahr noch mal hier zu sein. Dieses mal würde ich Rafa auch nichts mitbringen, er macht sich ja doch nur wieder lustig über mich auch wenn er wohl Spaß gemacht hat gestern. Während ich mich am Platja de Formentor in der Sonne grillte, hatte ich auch Zeit zu überlegen was heute Abend passiert. Gestern hatten wir uns nicht dazu durchringen können weg zu gehen Abends. Ich war sowieso ein bisschen müde da ich ja stundenlang durch Palma gelaufen bin und war daher froh die Füsse hochlegen zu können.
Außerdem bin ich lieber mit Rafa alleine als irgendwo in der Öffentlichkeit wo ich immer daran denken muss das uns jemand beobachtet und dann zur Presse rennt. Zu schade das er jetzt nicht mit hier war. Im Sommer sind viele Touristen hier aber jetzt gehört der Strand hier praktisch den Einheimischen. Die Leute die sich hier her verirrt hatten konnte man fast an einer Hand abzählen. Hier ist weit und breit kein Ort in der Nähe und in der ganzen Bucht gibt es nur ein einziges Hotel. Es war schon immer ein Traum von mir hier mal an den Strand zu gehen. Ich war schon mal früher hier als ich einen Ausflug machte aber da hatten wir nur zwei Stunden Zeit und mussten dann weiter. Jetzt hatte ich viel Zeit alles ausführlich zu genießen.
Was wird wohl Sara gerade machen? Bestimmt ist sie jetzt arbeiten und zählt die Stunden bis zum Feierabend. Sie wäre sicher liebend gerne mit hier her gekommen aber das ging ja nun mal nicht. Ich hatte jedenfalls keinen Plan B. Wenn es auffliegt, muss ich dann irgendwie versuchen zu retten was zu retten ist. Das sie sauer ist steht ja schon fest aber vielleicht beruhigt sie sich wieder. Das dumme wäre nur wenn sie wüsste das ich Rafa kenne kann es sein das die dann hinter mir herschnüffelt um über mich an ihn ranzukommen.
Das wollte ich auch nicht, ich beabsichtige nicht ihr als Insider Informationen zuzuspielen die sie dann exklusiv im Internet verbreitet. Es passt nicht zusammen weil sie immer auf der anderen Seite steht. Ihr geht es um die öffentliche Figur weil sie keine Möglichkeit hat zu wissen wie Rafa privat ist. Erzähle ich ihr aber alles, vermische ich sein öffentliches Image mit seinem Privatleben. Ob sie wirklich dichthalten könnte und der Versuchung wiederstehen könnte sich bei allen beliebt zu machen indem sie Dinge postet die andere nicht wissen weiss ich nicht.
Zumindest ist Rafa erst mal auf dem aktuellen Stand, da hatte ich schon mal nicht die Sorge das er vielleicht ausflippt wenn er es erfährt. Es war jedenfalls gut zu wissen das er hinter mir steht und ich nicht befürchten muss das dann alle sauer auf mich sind.

Die Zeit verging wie im Flug und ich machte mich am frühen Nachmittag wieder auf den Weg zurück nach Manacor. Als ich heute früh losgefahren bin hatte ich Rafa in Manacor bei dem Tennisclub abgesetzt und es war eigentlich geplant das ich ihn jetzt wieder dort abhole. Er hätte auch selbst fahren können aber er wusste nicht was mit seinem Knie nach der Behandlung passiert und ob er dann noch in der Lage ist zu fahren. Mir tat schon alles weh wenn ich nur darüber nachdenke was er alles auf sich nimmt um schnellstmöglich wieder fit zu werden. Ich würde mir mit Sicherheit nicht so was antun nur um schneller gesund zu werden aber Rafa als Leistungssportler hat keine Zeit.
Die Saison lief ja noch bis Ende November und er will ja schon noch ein paar Turniere spielen. Nichts schlimmes ahnend parkte ich das Auto auf dem Parkplatz vom Tennisclub und stieg aus. Hoffentlich muss ich Rafa nicht erst ewig suchen, wo er genau ist weiss ich nämlich nicht. Erstmal lief ich zu den Plätzen und sah mich dort um. Zwar spielten dort welche aber es war nichts zu sehen von Rafa. Rein zufällig sah ich dann Toni. Ich musste erstmal kräftig schlucken. Seit dem Vorfall in Berlin hatte ich ihn ja nicht mehr gesehen, im Nachhinein bereute ich was ich da getan hatte.
Damals hätte ich aber nicht gedacht das ich ihn noch mal sehe und mich dann dafür schämen kann. Das er mir früher oder später über den Weg läuft war mir ja klar aber musste es ausgerechnet heute sein? Ich weiss ja nichtmal ob er weiss das ich hier bin, vielleicht hatte Rafa ja auch keinen Ton von mir erwähnt. Mein Vorteil war nur das Toni mich nicht gesehen hatte und ich so Zeit hatte mich darauf einzurichten das er vielleicht nicht so begeistert ist mich zu sehen. Nachdem ich gewartet hatte bis er weg ist, lief ich in die Richtung aus der er gekommen war. Rafa kam aus dem Restaurant was direkt mit zum Tennisclub gehörte und lief in meine Richtung. Sein Gesicht gefiel mir gar nicht, so ernst ist er normalerweise nicht.
Selbst als er mich sah, änderte sich sein Gesicht nicht. Ich ignorierte das erstmal und blieb vor ihm stehen. “Hi, bist du fertig?” Fragte ich mit einem lächeln. “Sí, wir können los” Kam es mir sachlich entgegen. Flüchtig sah ich an ihm nach unten, er hatte die gleiche Bandage um das Knie wie gestern also rein äußerlich hatte sich nichts verändert. Ich drehte mich um und lief zurück zum Auto. Rafa steckte seine Hände in die Hosentaschen und lief schweigend neben mir her.
Was los war weiss ich nicht aber seine gute Laune von heute früh scheint sich buchstäblich in Luft aufgelöst zu haben. Mir kam es fast so vor als wenn er gedanklich in seiner eigenen Welt ist, er sagte absolut keinen Ton und sah mit einem Tunnelblick geradeaus. Ich traute mich irgendwie gar nicht zu fragen was passiert ist das er jetzt so eine Laune hat.

Zum Glück war es nicht weit bis nach Porto Cristo, die Stille wurde langsam drückend. Zwar gab es im Auto ein Radio aber ich würde lieber mit Rafa reden anstatt Radio zu hören. Ich würde aber erst abwarten ob er von selbst irgendwann sagt was los ist bevor ich nachhake. Als wir wieder bei seinem Haus waren, lief er direkt in die Küche. Anscheinend redet er jetzt kein einziges Wort mehr. Ein paar Gedanken machte ich mir schon, er war alles andere als gesprächig und ich habe keine Lust den restlichen Tag zuzusehen wie er sich so komisch verhält.
Ich ging erstmal nach oben mich duschen und umziehen und lief dann wieder nach unten. Rafa war immer noch in der Küche und es schien mir als wenn er gedankenverloren aus dem Küchenfenster sieht. Ich blieb stehen und beobachtete ihn ein paar Sekunden aber es tat sich rein gar nichts, er stand nur da und sah geradeaus. So langsam wollte ich mir das nicht mehr mit ansehen also lief ich näher zu ihm und blieb neben ihm stehen. Wenigstens drehte er sich zur Seite und sah mich an während er seine Arme vor dem Bauch verschränkte. Ich holte tief Luft und dachte jetzt oder nie. “Was ist los?” Fragte ich direkt und wurde nervös da ich nicht abschätzen kann wie er reagiert.
“Eigentlich nichts” Kam es dann leise mit einem abschweifenden Blick. Nichts? Warum verhält er sich dann so merkwürdig? Ich antwortete nichts und wartete auf eine nähere Erklärung von ihm. Leider sah es so aus als wenn er von selbst nichts mehr sagt. “Nichts?” Hakte ich weiter nach. Er schüttelte langsam mit dem Kopf und rollte dann mit den Augen. “Sí, du hast mich schon richtig verstanden, nichts! Spreche ich irgendwie undeutlich oder soll ich es dir noch aufschreiben?”
Kam es dann etwas lauter zurück. Ich war ein wenig überrascht, wie aggressiv er plötzlich war. War doch nur eine Frage, das ist kein Grund gleich auszuflippen! Ok, ich weiß nicht wo es hinführt wenn ich weiter nachbohre also sollte ich ihn vielleicht eine Weile in Ruhe lassen. Eigentlich könnte ich sauer sein, mit welchem Recht geht er mich gleich so an? Ohne noch ein Wort zu sagen ließ ich ihn stehen und ging wieder nach oben.