23 August 2010

Chapter 59

Durch Geräusche aus dem Flur wurde ich dann aus meinen sentimentalen Gedanken gerissen, sieht so aus als wenn Leben in die Bude kommt. Zum Glück saß ich bequem, ich war plötzlich total aufgeregt. Es war fast so als hätte ich Rafa noch nie live gesehen und würde ihn gleich zum ersten Mal sehen. Das geht wohl fast allen Fans auch so nur das ich mit einer anderen Intention hier bin. Die Stimmen im Flur wurden dann leiser und diverse Türen gingen auf und zu wie ich hören konnte aber weiter passierte nichts. Ich könnte jetzt aufspringen und dann wie eine Verrückte umherrennen und Rafa suchen damit ich ihm dann um den Hals fallen kann aber ich fühlte mich aus irgendeinem Grunde unfähig aufzustehen. Ich fühlte mich komisch aber ich kann nicht sagen warum.
Zeit zum Nachdenken blieb mir keine mehr da die Tür aufging und Rafa plötzlich vor mir stand. Wie festgeklebt blieb ich sitzen und sah ihn einfach nur an. Es ist wie eine Fata Morgana ihn jetzt wieder zu sehen, die Tür geht auf und er kommt einfach rein als wenn nichts wäre. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich dann aber doch auf und schlang meine Arme um seinen Hals. Es war ein bisschen viel auf einmal alles, ich war total überwältigt und wusste nicht ob ich lachen oder heulen soll, mein Puls muss astronomische Werte erreichen. Seine Umarmung tat richtig gut und vielleicht heule ich ja wirklich noch wenn ich mich nicht zusammenreiße. Ich wusste schon gar nicht mehr wie sich die Nähe zu ihm anfühlt. „Ich dachte schon du kommst gar nicht mehr hier her“ Murmelte ich in seine Schulter als ich mich wieder beherrschen konnte und klammerte mich an ihm fest. „Ich habe mich schon beeilt, da ich wusste das du hier bist fiel es mir schon schwer genug nicht gleich hier her zu kommen aber dann wäre ich nicht mehr gegangen“ Nach ein paar Minuten löste ich mich etwas von ihm und sah in sein Gesicht, das Lächeln hatte ich schon richtig vermisst. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass er hier ist. Die Frage ist wie lange ich es schaffe ihn anzusehen ohne zu heulen.
So sentimental bin ich eigentlich gar nicht aber ich weiß auch nicht woher das plötzlich kam. „Ich dachte schon wir sehen uns nie mehr“ Sagte ich dann leise und biss auf meine Unterlippe. „Es wird langsam wieder mal Zeit, die Woche in Porto Cristo ist so lange her“ Ich antwortete nicht gleich und kämpfte noch mit meinen Emotionen, ich kann mir sicher ein oder zwei Tränen nicht verkneifen. Als ich merkte, dass es nicht mehr ging, sah ich kurz von ihm weg und wischte mit einer Hand eine Träne weg während ich kräftig schluckte. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er es nicht merkt aber sein breites Lächeln war einem besorgten Gesicht gewichen. „Ich freue mich nur dich zu sehen“ Kam ich einer möglichen Frage von ihm gleich zuvor. Er umarmte mich wieder und fuhr mit seiner Hand langsam meinen Rücken auf und ab. Vorerst bin ich am Ziel sämtlicher Wünsche, Rafa ist der Einzige der mich davon abhalten kann total auszuflippen. „Höre auf damit sonst muss ich auch noch heulen“ Kam es plötzlich wie aus dem Nichts, was mich zum Lachen brachte. Nach ein paar Mal tief durchatmen hatte ich mich wieder unter Kontrolle. Wobei, wenn er mich weiter so anlächelt, tue ich vielleicht etwas Unüberlegtes.
Meine Knie wurden richtig weich, würde er mich nicht umarmen, würde ich vielleicht umfallen. Da ich nicht länger an mich halten konnte, küsste ich ihn spontan auch wenn ich erst Zweifel hatte ob es der richtige Zeitpunkt ist. Er hat ja bestimmt noch Termine heute und wer weiß ob wir wieder aufhören könnten. Ich würde viel lieber was anderes mit ihm machen aber da mache ich mir keine großen Hoffnungen zumindest bis heute Abend, macht ja auch keinen Spaß zwischen Tür und Angel. Meine Zweifel waren durchaus berechtigt da wir nicht mehr aufhören konnten, mir war es total egal wo wir sind weil ich alles um mich rum vergaß.

Gestört wurden wir dann von einem klopfen an der Tür beziehungsweise von Toni der kurz darauf in der Tür stand und ein peinlich berührtes Gesicht zog da er wohl nichts Schlimmes ahnte. Schlimm direkt war es ja nicht, wir lagen inzwischen auf der Couch oder besser gesagt Rafa halb über mir aber es gab absolut nichts zu sehen da wir nicht so leichtsinnig waren etwas auszuziehen oder sollte man besser sagen noch nicht? Gut, es sah vielleicht ein bisschen verworren aus und Rafa hatte eine herrliche Sturmfrisur aber so schlimm war es auch nicht. Wir waren nur ein wenig überrascht über das Erscheinen von Toni, ich dachte gerade nichts Böses und musste erstmal Luft tief holen um wieder klar denken zu können. „Hallo Amaia, freut mich dich zu sehen. Ihr solltet vielleicht besser die Tür abschließen“ Bemerkte Toni nur und verschwand wieder mit einem Kopfschütteln.
Ich hielt die Luft an und ließ meinen Blick schweigend zu Rafa wandern. Er zog ein so herrliches Gesicht, das ich spontan laut losprustete weil ich nicht mehr an mich halten konnte. „Genau so dachte ich mir das“ Meinte er dann nur machte es sich wieder bequem an mir. Ich fuhr mit den Händen durch seine Haare und musste noch lachen über die verrückte Situation. „Was hast du denn erwartet?“ “Nicht sowas“ “Musst du eigentlich heute nochmal weg?“ Fragte ich dann neugierig da ich noch nicht auf dem aktuellen Stand war. Er hob seinen Kopf damit er in mein Gesicht sehen konnte und strahlte mich vom einen Ohr zum anderen an. „No, ich habe mir extra nichts weiter vorgenommen und die Pressetermine waren alle schon außerdem habe ich gerade keine Lust an Tennis zu denken“ “Ich fühle mich geehrt“ “Wer sagt denn, dass ich an dich denke?“ Fragte er mit einem frechen Grinsen zurück. Ich schnappte nach Luft und versuchte ihn zu kitzeln, es gelang mir nur nicht.
„Ich gehe gleich wieder!“ “No, das kannst du nicht machen! Ich bin ja froh dich zu sehen. Das war Spaß, natürlich freue ich mich dich zu sehen, ich habe dich richtig vermisst. Mir fehlt das richtig wenn mich nicht ständig jemand ärgert und am Telefon macht es keinen richtigen Spaß“ Ich sah ihn gedankenverloren an während ich mit einer Hand weiter seine Frisur zerstörte. “Mhh, mir kam es auch so vor als hätten wir eine Art Telefonbeziehung“ “Damit ist es jetzt vorbei, die nächste Woche überleben wir nun auch noch und wir sehen uns ja die nächsten Tage. Ich freue mich schon richtig auf Porto Cristo, vier Wochen lang werde ich gar nichts machen außer faul sein“ “Sieht dir gar nicht ähnlich“ “Warte es ab, ich habe ein paar freie Tage mehr als nötig. Klar spiele ich gerne hier aber die letzten Wochen waren anstrengend, ich muss mal eine Weile raus aus dem Tour stress. Das Match heute war auch nicht geschenkt“ “Habe ich gesehen, als ich hier war stand es schon 2-1 in Sätzen für dich sonst hätte ich Angst bekommen wenn Söderling den ersten Satz gewinnt“ “Er wollte es heute wissen und hat gut gespielt. Wenn es machbar ist versuche ich gegen Murray in drei Sätzen durchzukommen“ “Das dürfte machbar sein wenn du dich anstrengst“ “Ich strenge mich immer an, besonders die Spiele letzte Woche waren hart. Die ersten Runden sind schlimmer als die letzten auch wenn das niemand glauben will“

Lange konnten wir aber nicht faul auf der Couch liegen weil keiner Lust hatte zu kochen also gingen wir in ein argentinisches Restaurant. Dort waren natürlich Leute wie auch vor dem Haus was Rafa für die Dauer des Turniers gemietet hat. Es ist immer das gleiche, ich muss mich nur daran gewöhnen. Zwar stürmen alle nur auf Rafa los aber ich bin nicht so blöd um nicht zu merken, dass einige auch mich fotografieren. Ich schätze es ist so allmählich vorbei mit meiner Anonymität.
Alleine ist es absolut kein Problem aber wenn ich mit Rafa zusammen irgendwo auftauche, scheinen mich doch welche zu erkennen. Es gab ja in der Vergangenheit auch genug Bilder und Berichte in diversen Klatschzeitungen über uns, das letzte Mal in der Woche nach Rom. Danach haben wir uns ja auch nicht mehr gesehen. Was soll’s noch hält es sich im Rahmen. Ich war ja auch nicht mit Rafa alleine essen, sein Anhang war ja noch dabei. Es dauerte auch nicht lange bis sich die Gespräche auf die Fußball WM konzentrierten. Das Finale steht ja da in etwas mehr als einer Woche an und mehr so nebenbei erfuhr ich dann von Rafa das er nach Südafrika fliegen will zum Finale. Er hatte da mal was gesagt als wir letzte Woche telefoniert hatten aber da meinte er noch das er überlegt hinzufliegen zum Finale. Inzwischen hat er sich wohl dafür entschieden, daran hatte ich auch keinen Zweifel, er ist ja schon fast ein fanatischer Fußballfan.
Das war auch alles schön und gut, es ist nur so, dass das Finale am 11. Juli ist. Das ist ein Sonntag und ich fliege ja nach Palma und zwar den Tag davor. Wenn ich am Samstag in Palma lande wird Rafa also gar nicht da sein weil er am Mittwoch nach Südafrika fliegt. Als ich den Flug gebucht habe, wusste ich nichts von Südafrika, ich wollte nur so lange wie möglich auf Mallorca bleiben. Begeistert war ich nicht aber was sollte ich machen? Ich will ihm Südafrika nicht ausreden weil ich weiß das er auf jeden Fall fliegt, unabhängig davon wie ich das finde. Er hat mir auch angeboten mitzukommen aber ich muss da arbeiten. Da ich aber so kurz vorher nicht mehr umbuchen kann, bleibt es so das ich am Samstag fliege. Rafa kommt am Montagabend in Palma an, da bin ich dann eben schon da. Das waren Neuigkeiten, muss mich nur erst an den Gedanken gewöhnen ein paar Tage alleine in seinem Haus zu sein.

Der nächste Tag war mir auch neu. Ich bin es ja so gewohnt, dass spätestens um acht der Wecker klingelt und Rafa dann gleich wie ein Irrer aus dem Bett springt. Ich musste tatsächlich kurz überlegen wo ich bin als ich ein Auge aufschlug und um mich sah. Lange dauerte es aber nicht bis es mir einfiel, es ist also doch nicht nur ein schöner Traum. Ich sah auf die Uhr, es war kurz vor um neun. Wahrscheinlich ist Rafa dieses Mal leise aufgestanden damit ich ausschlafen kann. Ich drehte mich auf den Rücken und streckte mich nichts Schlimmes ahnend. Zu meiner Überraschung stieß ich auf Widerstand als ich meinen Arm strecken wollte.
Noch in derselben Sekunde sah ich zur Seite neben mich und dachte traute meinen Augen nicht. Was macht Rafa hier? Da es schon gleich um neun ist dachte ich er ist schon weg und kam nicht auf die Idee mal neben mich zu sehen. Offenbar hatte ich ihn auch eben geweckt, da er sich auf die Seite drehte und mich mit einem Auge anblinzelte. Ich war es gar nicht mehr gewohnt neben ihm aufzuwachen daher sah ich ihn ein paar Sekunden nur an. Es hat was wenn er mich so verschlafen ansieht, es ist überhaupt schön ihn früh als erstes zu sehen. Ein Lächeln konnte ich mir dann auch nicht länger verkneifen. „Tut mir leid wenn ich dich geweckt habe, ich dachte nur du bist schon weg“ “Man kann sich täuschen. Es wäre nett wenn du zukünftig nicht nach mir schlägst“ Murmelte er leise und schien gleich weiter schlafen zu wollen. “Das habe ich gar nicht, ich wollte mich nur strecken, ich dachte du bist schon irgendwo auf dem Platz und trainierst. Ich meine, sonst bist du doch auch schon längst weg um diese Zeit“ “Komme her“ Da er eine einladende Handbewegung machte, rückte ich so nah es ging an ihn und umarmte ihn.
Es war richtig schön, dass uns keiner nervte, wir könnten doch den ganzen Tag im Bett bleiben. Ich habe das schon vermisst faul mit ihm im Bett zu liegen. Nachdem wir uns ja länger nicht gesehen haben hätte ich nichts dagegen wenn er hier bleibt. „Heute ist doch kein Spiel und ich will mich nicht überanstrengen. Hier ist ja immer ein Tag frei zwischen den Spielen, das ist anders als Rom oder Monte Carlo“ “Mhh gut, dann bleiben wir im Bett“ Er fuhr mit einer Hand langsam meinen Rücken auf und ab und machte nicht den Eindruck als wenn er gleich aufstehen will. “Klingt gut aber das geht auch nicht, ein bisschen Zeit habe ich aber noch. Das du hier bist ist wie Weihnachten, ich habe das richtig vermisst neben dir aufzuwachen“ “Ein paar Tage haben wir doch Zeit und übernächste Woche wirst du mich ja nicht mehr los“ Sein Lächeln sah richtig schön aus. “Ich freue mich schon richtig das wir mal unsere Ruhe haben eine Weile“ “Hast du dann eigentlich noch Zeit das wir zusammen frühstücken können?“ “Klar, die Zeit nehme ich mir. Wenn du schon hier bist will ich auch was davon haben“

Obwohl er mehr Zeit hatte als sonst, war Rafa trotzdem nach dem Frühstück verschwunden. Es war da zwar schon fast Mittag aber er wird auch eine Weile weg sein. Ich sah mich derweil ein bisschen in dem Tennisclub um soweit das machbar war. Selbst in dem Bereich wo normale Zuschauer keinen Zutritt haben waren noch viele Leute. Hier waren auch eindeutig zu viele Fotografen und TV Teams überall. Man merkt, dass die Berichterstattung hier eindeutig mehr ist als bei anderen Turnieren. Die reißen sich alle förmlich um Rafa, er gilt mal wieder oder noch immer als heißer Anwärter auf den Titel. Roger Federer war ja total überraschend schon im Viertelfinale an Tomas Berdych gescheitert daher tippen jetzt alle auf Rafa.
Ich versuchte ganz ruhig zu bleiben und nicht verrückt zu werden. Mir ist ja klar, dass ich keinen normalen Freund habe aber man kann es auch übertreiben. Wenn man länger hier ist, erscheint Rafa als so eine Art Übermensch, er ist überall. Ein paar Tage sind ok aber dauerhaft will ich sowas nicht erleben. In Porto Cristo ist alles so schön entspannt und hier drehen alle total durch, es ist wie eine andere Welt. Vielleicht fehlte mir auch jemand zum Quatschen, Sara war ja nicht hier. Das ist aber nur noch eine Zeitfrage und sie weiß noch nichts von ihrem Glück. Sie hat nicht gefragt aber ich weiß, dass sie schon ein bisschen bedrückt geguckt hat als ich sie gesehen habe bevor ich zum Flughafen bin. Rafa im Finale von Wimbledon spielen zu sehen wird sowas wie der Traum aller Fans sein. Ich überlegte mir dann wieso sie nicht versucht hat Karten zu bekommen in den vergangenen Jahren wenn sie so gerne mal ein Finale sehen will.
Warum das nicht geht, bekam ich dann ausführlich von Carlos Costa erläutert. Der hatte ein paar Minuten ruhe als Rafa trainieren war und wartet wohl immer nur darauf bis ich ihm eine total verrückte Frage stelle. Inzwischen hat sich rumgesprochen, dass ich kein Tennisexperte bin und mir daher manches nicht logisch erscheint. Die nehmen es zum Glück alle mit Humor sonst würde ich mir blöd vorkommen und gar nicht fragen. Ich hatte jedenfalls keine Ahnung wie schwer es ist an solche Karten zu kommen! Das die ausgelost werden weil so viele Leute welche haben wollen, hatte ich ja noch nie gehört und das die Leute ernsthaft zwei Wochen direkt vor dem Gelände campen um Karten zu kaufen ist total irre. Die nehmen einiges in Kauf um Rafa sehen zu können.
Es ist also fast unmöglich Karten für das Finale zu bekommen oder wenn dann nur entweder mit Beziehungen oder viel Glück. Da bin ich schon gespannt was Sara sagen wird, sie ahnt gar nichts. Am Samstag wird sie hier her kommen, dann am Sonntag das Finale gucken und dann abends mit mir zusammen nach Deutschland zurück fliegen. Bevor ich sie überrasche, muss ich aber wissen das Rafa auch im Finale steht also muss ich bis nach dem Halbfinale warten.

Hoffentlich beeilt Rafa sich mit dem Match, sonst erfährt Sara erst abends, dass sie am nächsten Tag nach London fliegt! Bevor er spielen konnte war noch ein weiteres Match und es war wieder Berdych, der nach Federer nun auch noch Djokovic mühelos bezwungen hatte. Das hatte so keiner erwartet. Plötzlich steht Tomas Berdych im Finale! Den hatten wohl nur sehr wenige auf dem Zettel, den kannte ich gar nicht bis jetzt. Mal sehen was Rafa zu seinem Gegner sagt falls er ins Finale kommt. Fragen konnte ich ihn nicht mehr weil er sich ja schon auf sein Match vorbereitet.
Bei Andy Murray hatte ich ein ungutes Gefühl, das erinnert mich nur immer an die Australian Open wo Rafa ja verletzt aufgeben musste. Zwar hat er das Knieproblem jetzt unter Kontrolle aber der fade Beigeschmack bleibt. Dieses Mal saß ich auch nicht vor dem TV sondern direkt am Ort des Geschehens in der Players box. Angespannt war ich schon ein wenig als es begann. So langsam wirkt das ganze Wimbledon Mysterium auch auf mich, man glaubt am Nabel der Welt zu sein. Auf Tennis bezog wird das auch zutreffend sein. Es ging unspektakulär los bis Rafa eine kurze Schwächephase von Murray ausnutzte und sich den ersten Satz 6-4 holte.
Da entspannte ich mich ein wenig und hatte nicht mehr das Gefühl gleich total nervös aufspringen zu müssen. Es ist manchmal eine fürchterliche Strafe wenn man so ruhig dasitzen muss. Einfach ausrasten kann ich ja nicht da ich genau weiß, das die mich dann im Fernsehen zeigen. So einfach wie der erste, wurde der zweite Satz dann nicht. Ich hatte mir schon gedacht, das Murray nicht so einfach aufgeben würde. Murray fand in sein Spiel zurück und hielt ganz schön dagegen, dass kann ja noch heiter werden. Es kam natürlich zu einem Tiebreak da sah ich schon alle Hoffnung schwinden. Rafa hat aber schon einige kritische Situationen überstanden in dem Turnier. Etwas Glück hatte Rafa wohl auch das der Tiebreak zu seinen Gunsten ausfiel und er so 2-0 in Sätzen führte. Das war eine Ansage, da muss Murray richtig kämpfen wenn er noch was reißen will. Rafa machte aber einen sehr konzentrierten Eindruck, er will es bis zum Ende durchziehen. Sein Spiel ist ja bekannt und ich würde sagen Rafa diktiert jetzt hier das Match, so sieht es zumindest aus. Wenn er erstmal deutlich in Führung liegt, lässt er nichts mehr anbrennen. Noch während der dritte Satz lief, setzte ich mich mit dem Gedanke auseinander das Rafa es wirklich schafft ins Finale. Was wäre denn wenn er das auch noch gewinnt? Das wäre ja der Wahnsinn! Die French Open sind noch nicht so lange her und davor hat er ja auch schon drei Turniere gewonnen, es wird schon unheimlich! Es fällt mir schwer das alles zu glauben weil es absolut verrückt ist. Noch ist es aber nicht soweit, wobei Rafa schon mit einem Break führte.
Relativ unspektakulär endete dann das Match tatsächlich mit 6-4 und dem Finaleinzug von Rafa. Er freute sich riesig, man dachte das war schon das Finale. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Spontan kam mir die ungeplante Nacht mit Rafa in Berlin in den Sinn. Da hatte ich ja aus Spaß gefragt ob er mir Karten für Wimbledon gibt und jetzt bin ich hier!

Ich hatte ja noch Zeit da Rafa noch Termine hat also ging ich alleine zum Haus zurück und überlegte was ich Sara sage und wie ich es ihr beibringe, sie wird ausflippen! Ich freute mich schon richtig auf ihre Reaktion, schade das ich sie nicht sehen kann aber das kann ich mir dann ja vorstellen. Es ist schon gleich um acht. Langsam wird es Zeit, sie fliegt ja morgen schon! Hoffentlich ist sie nicht so sehr schockiert. Total gespannt nahm ich mein Handy und wählte ihre Nummer.
„Hey, ich dachte schon du hast mich vergessen!“ Kam es plötzlich ganz aufgeregt, ich musste gleich lachen. „Nein, es ging nicht eher, ich habe doch gesagt ich rufe an wenn es zu Ende ist“ “Das Spiel ist schon lange zu Ende. Ist ja egal jetzt, es lief ja richtig gut. Ich war erst skeptisch aber jetzt dürfte es doch kein Problem sein am Sonntag zu gewinnen“ “Sagst du, ich kann Rafa schon hören wie er sagt das kein Spiel einfach ist und schon gar nicht ein Wimbledon Finale“ “Der stapelt grundlos tief, gegen Berdych hat er doch immer gewonnen auch wenn der nicht ohne Grund im Finale sein wird. Ich bin froh das er nicht gegen Federer spielen muss auch wenn der wohl derzeit kein Hindernis für Rafa wäre“ “Eben, es kann immer eine Überraschung geben“ “Die haben dich übrigens gezeigt im Fernsehen, ich meine in der Players box“ “Das habe ich schon erwartet“ “Schon aber die haben deinen Name geschrieben“ Da wurde ich neugierig, bisher hatten die noch nie meinen Name eingeblendet wenn ich zu Turnieren war.
„Ernsthaft?“ Fragte ich nochmal nach um sicher zu sein das wir uns nicht missverstehen. Da war mir doch direkt die Lust auf Scherze vergangen. „Ja, du weißt schon was ich meine, diese girlfriend Bezeichnung“ Ja ja, klar wusste ich was sie meint. „War wohl nur eine Zeitfrage, ich bin es nicht gewohnt meinen Name im Fernsehen zu sehen“ “Dann gewöhne dich besser dran wenn du in Zukunft noch zu Turnieren willst“ “Da muss ich wohl durch“ “Eben, es gibt schlimmeres. Rafa stellt sich zwar doof wenn er nach dir gefragt wird aber es ist doch ein offenes Geheimnis und es wissen doch eh längst alle das ihr zusammen seit“ “Weiß ich ja aber trotzdem ist es komisch. Na wie auch immer, was machst du denn morgen?“ “Ach, nichts wichtiges, meine Eltern haben gesagt ich soll mir unbedingt nichts vornehmen morgen weil ich zu ihnen kommen soll. Keine Ahnung warum die sich so komisch benehmen“ Ich konnte nicht anders und musste lachen, ihre Eltern habe ich doch eingespannt für meinen Plan! Vielleicht sollte ich sie mal aufklären?

12 August 2010

Chapter 58 - London

Es war so richtig schwer wieder früh aufzustehen und arbeiten zu gehen. Ich gehöre nicht zu den Menschen die unbedingt arbeiten müssen weil es sonst langweilig wird. Ich könnte auch für längere Zeit jeden Tag am Strand liegen und nichts machen, das war doch eine schöne Vorstellung. In nächster Zeit wird es wohl auch bei der Vorstellung bleiben. Wann ich Rafa wieder sehe weiß ich gar nicht, er hat ja keine Zeit bis Wimbledon und ich kann keinen Urlaub machen. Das wir uns in Madrid nicht sehen stand ja schon fest. Ich versuchte das Turnier soweit es machbar war zu verfolgen, zum Glück kannte Sara sämtliche Seiten wo man die Turniere im Internet angucken kann.
Nie hätte ich gedacht, dass ich sie mal sowas fragen würde! Wir landeten gemeinsam am Sonntagnachmittag vor ihrem PC und verfolgten gespannt das Finale. Rafa hat wie schon letztes Jahr die Ehre gegen Roger Federer zu spielen. Schon bevor es begann, war Sara fertig mit den Nerven weil Rafa ja im letzten Jahr verloren hat. Letztes Jahr hatte ich das ja nicht gesehen aber es lief doch eindeutig besser dieses Jahr soweit ich das beurteilen kann. Wir trauten unseren Augen nicht als Rafa glatt in zwei Sätzen 6-4 und 7-6 gewann. So eindeutig wie das Ergebnis vermuten lässt war es auch nicht da Rafa mehrfach an Aufschlagverlusten vorbeischrammte.
Einige Punkte hat er nur durch Glück und weil er nie aufgibt gewonnen. Der Tiebreak war ganz schlimm für unsere Nerven aber lange ging es zum Glück nicht. Fast ist es schon beängstigend was Rafa alles gewinnt. Überall wo er antritt, heißt der Turniersieger Nadal. Lange feiern konnte er den Erfolg aber nicht da es gleich weiter ging nach Paris. Mit Roland Garros stand ja das wichtigste Sandplatzturnier von allen als nächstes an. Die French Open sind ja so eine Art Hausturnier für Rafa, vier Mal hat er schon gewonnen und wäre er nicht verletzt gewesen letztes Jahr, hätte er möglicherweise den fünften Titel schon in der Tasche. So versucht er es aber jetzt und nach den letzten Wochen ging er als Haushoher Favorit ins Rennen. Nach der Meinung diverser Medien ist weit und breit niemand in Sicht der Rafa aufhalten kann auf Sand. Gerne hätte ich ein paar Spiele gesehen aber es ging nicht. Ich konnte nicht schon wieder Urlaub machen und es passte auch überhaupt gar nicht mit den Flügen.
Er ist ja zwei Wochen in Paris und ich hätte mir auch gerne mal die Stadt angesehen. Zwar hat er nicht gefragt ob ich komme aber das hat er sicher auch nur nicht getan weil er genau weiß das ich schon längst was gesagt hätte wenn ich eine Möglichkeit gehabt hätte zu fahren. Es fiel mir natürlich schon schwer zu Hause zu bleiben als die Tage vergingen und Rafa immer weiter kam. Es lief alles nach Plan, er steuerte direkt auf das Finale zu. In die Hektik fiel ja auch noch sein 24. Geburtstag am 3. Juni. Das war ein Donnerstag und ich brauchte gar nicht daran denken hinzufahren. Es bot sich nur ein Tag an dem ich hinfahren konnte. Wegen der ungünstigen Flugzeiten musste ich mich entscheiden ob ich am Samstag früh hinfliege und am Sonntag zurück oder ob ich ganz zu Hause bleibe und das Finale am Sonntag angucke, beides ging nicht.
Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn ich das Finale hätte live in Paris sehen können aber die Möglichkeit stand außer Betracht. Es ist ja immerhin ein Grand Slam Turnier und ich weiß genau das Rafa um jeden Preis gewinnen will. Nach etlichem hin und her entschied ich mich doch für den Wahnsinnstrip Samstag früh nach Paris und Sonntagnachmittag zurück. Natürlich war mir klar, dass es ungünstig ist wenn ich einen Tag vor dem Finale auch noch in Paris auftauche und Rafa ablenke aber es ging nicht anders. Da er ja am Sonntag das Finale spielt, hatte er wenigstens ein paar Minuten Zeit. Wenn er nicht Geburtstag gehabt hätte, wäre ich ja gar nicht hingefahren. Rafa meinte zwar ihm würde nicht so viel daran liegen unbedingt den Geburtstag feiern zu müssen weil er lieber den Turniersieg feiern würde aber ich wollte ihn auch mal wieder sehen.

Meine Hoffnung war ja das ich vielleicht das Ende vom Finale noch sehen kann wenn ich mich beeile vom Flughafen nach Hause zu kommen. Damit war es aber nichts, es war in drei Sätzen schon zu Ende! Nach dem jähen Aus im letzten Jahr gegen Robin Söderling hat Rafa dieses Mal kurzen Prozess gemacht mit ihm. Ich werde es mir später nochmal ansehen aber drei Sätze sprechen eindeutig für Rafa. Mir war es schon klar was los war als ich total ko bei Sara vor der Wohnungstür stand und sie schon am Durchdrehen war. Ihre Wohnung war am nächsten vom Flughafen aus daher fuhr ich direkt zu ihr aber ich war zu langsam oder Rafa zu schnell, wie man es sieht. Der Siegeszug von Rafa ging also weiter und mit dem Sieg in Paris wird er ab sofort wieder die Nummer eins der Rangliste übernehmen, ich kam gar nicht mehr raus aus dem Staunen.
Ich kann mich noch an sein Gesicht erinnern als wir im Januar zusammen bei ihm zu Hause das Finale der Australian Open gesehen haben. Da sah er alles andere als glücklich aus und jetzt gewinnt er jede Woche ein Turnier! Es ärgerte mich natürlich schon das ich nicht in Paris bin und das alles nur wegen der blöden Flugzeiten und weil ich keinen Urlaub machen kann. Eigentlich habe ich keine Lust mein Leben nach irgendwelchen Arbeitszeiten zu richten, ich dachte erst daran es praktisch zu erzwingen indem ich einfach krank bin und länger bleibe in Paris aber die hätten mich ja mit Sicherheit im Fernsehen gezeigt wenn ich da gewesen wäre und das sieht dann auch doof aus.

Die French Open waren ja nur der Anfang, schon am nächsten Tag war Rafa in London. Dort spielt er ja erst London und dann Wimbledon wobei das erste nur eine Art Vorbereitungsturnier sein wird. Ich muss ja sparen mit Urlaubstagen daher fiel auch das erste Turnier flach für mich. Da kam Rafa entgegen aller Erwartungen auch nicht weit. Er war noch ein bisschen ausgebrannt von Paris und verlor gleich das zweite Match in London was ihn aber nicht kümmerte. Die Aussicht auf ein paar mehr freie Tage war sicher sehr verlockend nach dem Stress mit Roland Garros und Madrid.
In der Woche nach London hätte er sowieso ein paar Tage frei gehabt also flog er nach Hause ein bisschen entspannen bevor dann Wimbledon ansteht. Ich könnte ja auch ein bisschen Urlaub gebrauchen aber den habe ich erst zum Wimbledon Finale. Da ich einfach mal davon ausgehe das Rafa so weit kommt, fliege ich am Mittwoch vor dem Finale nach London, da brauche ich nur drei Urlaubstage. Danach muss ich noch eine Woche arbeiten und mache dann was so viele deutsche Touristen im Sommer machen, für zwei Wochen nach Mallorca fliegen. Soweit zumindest der Plan.

London - Juli 2010

Es erschien mir ewig bis die erste Wimbledonwoche vorbei war, es war inzwischen Ende Juni. Das es so kommen würde hätte ich ja nie für möglich gehalten aber in den letzten sieben Wochen seit dem Turnier in Madrid habe ich Rafa exakt einen Tag gesehen und das war der Samstag vor dem Finale in Paris. Zwar telefonierten wir nahezu jeden Tag aber es nervt schon das ich ihn nicht sehen kann. Meine Laune war dann entsprechend im Keller und Sara musste es ausbaden. Sie kann ja nix dafür aber ich hatte wirklich keine Lust mehr auf das Ganze. Mir kam es so vor als hätte ich eine Art Telefonbeziehung und das alles nur weil ich arbeiten muss. Das war auch der Grund warum ich ganz am Anfang keine Lust hatte auf so eine Art von Beziehung.
Man kann da kaum von Beziehung sprechen in der Zeit wo wir uns wochenlang gar nicht sehen. Erst dachte ich Rafa stört es gar nicht das wir uns nicht sehen weil er lange Zeit nichts gesagt hat aber als ich in Paris war, merkte ich doch ziemlich schnell das er nicht aus Spaß am Telefon sagt das er mich vermisst. So wirklich viel nutzte der eine Tag nicht aber es war besser als gar nichts. Der 30. Juni war für mich sowas wie Weihnachten weil ich da endlich nach London fliegen konnte. Ich freute mich total auf die nächsten Tage auch wenn ich weiß das Rafa nicht in London ist um Urlaub zu machen. Gerade so kurz vor dem Finale wird es immer besonders hektisch aber er hatte am Telefon gemeint das er für Ablenkung immer dankbar ist.
Ich fühlte mich wie in einem schönen Traum als ich endlich in Heathrow gelandet war. Es vergingen noch fast zwei Stunden bis ich in Wimbledon war. Rafa mietet ja immer ein Haus direkt neben dem Tennisclub und ich hatte Zeit in Ruhe alles auszupacken weil niemand da ist. Man sah zumindest am Chaos das Rafa schon eine Weile hier war aber es störte mich nicht da ich es kaum erwarten konnte ihn zu sehen. Rafa spielte gerade gegen Robin Söderling, es soll wohl die Revanche von Paris werden. Mit einem Auge sah ich auf den TV während ich meinen Koffer auspackte. Ich bekam erst einen Schreck als ich sah, dass Söderling den ersten Satz gewonnen hat aber es stand schon 2-1 nach Sätzen für Rafa als ich einschaltete.
Rafa hat ja vorher gesagt das er nicht mit einem einfachen Spiel rechnet. Am Ende bleiben nur die Besten übrig in jeder Runde und es wird härter von Runde zu Runde. Viel musste ich nicht auspacken also setzte ich mich dann vor den TV und verfolgte das Match, 4-1 stand es schon im vierten Satz, es sieht sehr gut aus für Rafa. Es wäre ja auch schade wenn er heute rausfliegt, dann wäre ich umsonst hier her gekommen. Es sieht alles danach aus als wenn Rafa übermorgen im Halbfinale gegen Andy Murray spielen darf. Sehr gerne wäre ich ja direkt zum Centre Court in die Players Box gegangen und hätte den vierten Satz live vor Ort mitverfolgt aber Rafa wollte das nicht. Er meinte, dass ich ihn aus dem Konzept bringe wenn ich mitten im Match erscheine. Das leuchtete mir dann auch ein, zwar wird er schon die nötige Beherrschung haben da er ja nicht zum ersten Mal in Wimbledon spielt aber ich kann verstehen, dass es ihn zu sehr ablenkt.
Der Punkt ist wohl das wir uns ein paar Wochen nicht gesehen haben da es ihn sonst nie gestört hat wenn ich in der Players Box sitze und zu den Spielen die noch kommen gehe ich ja dann auch. Vielleicht hätte ich es auch gar nicht mehr zur Players Box geschafft, weil das Match plötzlich vorbei war. Mit 6-1 ließ Rafa nichts mehr anbrennen im vierten Satz und schickte Robin Söderling nach Hause. Jetzt muss er also gegen die letzte Hoffnung der Engländer Murray antreten am Freitag. Wenn er sich weiter so steigert, wird das auch machbar sein für Rafa. Er kam ja extrem schwer rein in das Turnier und war mehrfach kurz davor in den ersten Runden zu scheitern, das ist zwar immer so bei Rafa aber bei dem Turnier war es besonders eng.

Ich hielt es kaum noch aus vor dem Fernseher aber es nutzt nichts, ich muss warten bis Rafa hier ist. Er muss ja noch zur Pressekonferenz und danach noch zu seinem Physio Rafa Maymó. Da ist er schon ganz in der Nähe und wir sehen uns trotzdem nicht aber das ist zum Glück nur noch eine Frage von Stunden. Nach den letzten Wochen war es nun auch egal. Bis jetzt kann ich es sowieso nicht glauben, dass ich Rafa heute noch sehe. Die Woche nach Rom in Porto Cristo ist schon ewig weit her, als wären schon Jahre vergangen seit dem. Noch knapp eine Woche und dann habe ich ja endlich Urlaub. Wenn es so weiter gehen würde wie die letzten Wochen, hätte ich ernsthafte Zweifel ob es so überhaupt alles noch Sinn hat. Eigentlich hat es das nicht denn es wird so weiter gehen wobei die stressigste Zeit vorbei sein wird nach Wimbledon.
Einen Monat macht Rafa ja sowas wie Ferien vom Tour Stress und im August ist ja erst noch Berlin bevor er in die USA fliegt. Da er nur Cincinnati und dann die US Open spielt, wird er wohl vier Wochen in den USA bleiben und dann hat er ja fast drei Wochen frei bevor es in Bangkok weiter geht. Er will ja unbedingt nach den US Open Mitte September sowas wie Urlaub machen aber nicht auf Mallorca. Wir hatten zwar noch nicht drüber gesprochen aber ihm scheinen da exotische Ziele vorzuschweben die nur durch Langstreckenflüge zu erreichen sind weil er gesagt hat das er in den vergangenen Jahren auf Mauritius und Hawaii war. Das war ja auch der Grund warum ich bis jetzt so mit Urlaub sparen musste, da werde ich ja sicher mehr als eine Woche Urlaub brauchen.
Mit der doppelten Anzahl an Urlaubstagen könnte ich auch gut leben, ich bräuchte sogar die dreifache Zahl. Vielleicht sollte ich mich selbstständig machen, da kann mir keiner reinreden wann und wie lange ich frei mache. Gedanken machte ich mir natürlich schon, ob das auf die Dauer gut geht ist fraglich. Anders formuliert will ich das so gar nicht auf die Dauer und da Rafa nichts ändern kann an den Tourplänen würde es dann an mir liegen. Vielleicht sollte ich doch nach Mallorca übersiedeln? Ich müsste eben einfach mal mit ihm reden. Er hat ja bisher immer gesagt, dass er das nicht will aber ich weiß nicht ob er es grundsätzlich nicht will oder ob er es nur sagt damit ich nicht mein ganzes Leben umkrempeln muss wegen ihm. Bis vor ein paar Monaten hätte ich nie daran gedacht nach Mallorca zu ziehen aber inzwischen erscheint es mir durchaus verlockend, arbeiten kann ich auch dort. So eine Art konkreten Plan hatte ich schon fertig im Kopf.
Erst wollte ich ja schöne geregelte Arbeitszeiten und freute mich anfangs im Büro sitzen zu können. Es wird aber doch ziemlich schnell eintönig und langweilig. Der Grund warum ich den Job als Flugbegleiterin aufgegeben hatte war ja weil ich an allen denkbaren Tagen und Zeiten arbeiten musste. So ein paar Jahre würde ich aber schon noch fliegen, im Büro sitzen kann ich auch später noch. Mit Palma liegt der drittgrößte Flughafen Spaniens ja praktisch vor der Haustür und es würde mich wundern wenn ich da nicht irgendwie wieder reinkommen würde in meinen früheren Job. Da ich Rafa aber nicht vor vollendete Tatsachen stellen will, muss ich mal sehen wann sich eine günstige Gelegenheit bietet ihn zu fragen was er davon hält.

4 August 2010

Chapter 57

Wenige Minuten später erschien er wieder. Er hatte sich direkt in Schale geworfen wobei er ja in fast allem gut aussieht. Statt kurzer Hosen hatte er jetzt lange Hosen in weiß und oben ein schwarzes Hemd an. Ich schluckte erstmal als ich ihn die Treppen nach unten kommen sah. Er muss sich nicht wundern wenn ihm reihenweise Frauen nachlaufen, ich glaube er würde so ziemlich jede kriegen mit dem Outfit.
Ich klopfte mir innerlich selbst auf die Schulter und eigentlich müsste ich mich manchmal kneifen um zu testen ob ich das nicht alles träume. Das ist zu schön um wahr zu sein. „Bin fertig“ Kam es mit einem breiten Grinsen als er vor mir stehen blieb. „Ich sehe es“ Meinte ich nur und sah langsam an ihm nach unten. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen wenn ich ihn so betrachte, ich würde ihn am liebsten gleich wieder ausziehen. Am besten wir gehen ganz schnell bevor ich mich zu etwas hinreißen lasse und wir nicht mehr dazu kommen aus dem Haus zu gehen.
Ich kam aber nicht dazu den Anblick lange zu genießen weil er gleich in die Garage verschwand. Na der Abend kann ja nur interessant werden dachte ich mir und lief ihm nach.

Ein paar Minuten später waren wir schon am Ziel. Es lohnt sich eigentlich kaum für die wenigen Kilometer den Aston Martin aus der Garage zu holen aber das ist ja sowieso sein Lieblingsauto daher habe ich auch schon damit gerechnet. So wirklich haut mich das nicht mehr um. Das es kein normales Auto ist merkt man nur wenn man drinnen sitzt und die Blicke der Leute sieht.
So viele Autos der Sorte wird es nicht geben auf der Insel also weiß dann auch gleich jeder wer da drinnen sitzt. Es muss ja Rafa sein da er niemanden anderes damit fahren lässt. Ich hatte zwar noch nicht mein Glück versucht aber ich würde mich auch nicht trauen damit zu fahren.

Wie anders zu erwarten waren dann auch schon etliche Leute in der Bar. Die ist eigentlich immer gut besucht, egal welcher Tag es ist. Man könnte denken es geht gar keiner arbeiten weil alle die halbe Nacht in einer Bar zubringen und erst spät in der Nacht ins Bett gehen. Es war schön, das direkt mal nicht alle Leute mit offenem Mund starrten als wir da erschienen. Da war schon ein bisschen unangenehm, besonders in Rom in dem Restaurant. Ich versuche zwar das zu ignorieren aber man merkt es trotzdem. Das Rafa so gerne hier ist kann ich jedenfalls gut nachvollziehen. Wir organisierten uns Getränke und verzogen uns in eine Ecke. Es war ein bisschen zu entspannt alles.
Wenn es zu gut läuft, frage ich mich immer wie lange es dauert bis wir uns wieder wegen Nichtigkeiten in die Haare kriegen. Manch andere fanden es amüsant über was wir so streiten aber ich kann es mir auch nicht erklären. Bei manchen Dingen frage ich mich im Nachhinein selbst wieso ich da so dämlich reagiert habe wegen nichts. So kannte ich mich selbst auch gar nicht, es muss an Rafa liegen. Er hat ja auch mal gesagt ich würde ich manchmal auf die Palme bringen wie wegen dem Shakira Video. Direkt als streitsüchtig ist Rafa ja auch nicht bekannt, im Gegenteil, er flüchtet eigentlich wenn es Stress gibt. Danach ist es so als wäre nie etwas gewesen, wie jetzt.
Man könnte denken wir sind total friedlich und führen eine total harmonische Beziehung. Nachdem ich gestern Abend echt sauer war, war das direkt mal eine gute Idee von ihm gewesen so zu tun als wäre gestern heute. Es war sehr schön das mal kein Problem anstand. Von mir aus könnte jeder Tag so laufen das wir erst faul am Strand liegen und dann Abends weg gehen. Leider muss ich wieder nach Hause in zwei Tagen und Rafa nach Madrid. Es ist viel zu selten, dass wir mal Zeit haben und da wirklich nur faul sind. Möglicherweise wäre doch vieles einfacher wenn ich nicht immer erst hier her fliegen müsste. Nur traue ich mich irgendwie nicht mit Rafa darüber zu reden.
Ich fürchte, dass er gar nicht so begeistert davon wäre wenn ich sage das ich hier bleiben will. Er hätte es vielleicht schon gerne aber dann denkt er wieder das er sich ein Art Schuld auflädt wenn ich hier her ziehe wegen ihm. Jetzt wäre eigentlich ein guter Moment weil ich den Eindruck habe das er schön entspannt ist. Wenn manchmal das Training nicht so läuft wie er sich das vorstellt, merke ich das auch an seiner Laune. Zwar kenne ich ihn nicht ewig aber gut genug um das zu merken. Es war aber eben zu schön und ich wollte nicht die Stimmung versauen. Aus den Gedanken gerissen wurde ich dann als er fragte was ich noch trinken will. Wir hatten schon eine Flasche Wein zusammen getrunken also nahm ich einfach nur Wasser. Es war noch relativ warm heute Abend und da ist das mit Alkohol immer so eine Sache. Ich will mich ja nicht so besaufen das ich dann nichts mehr merke.
„Irgendwie ist es fast ein Wunder das wir jetzt zusammen hier sind“ Platzte es plötzlich aus mir raus. Rafa trank einen Schluck aus seinem Glas und sah dann zu mir. „Mehr als das. Eigentlich dachte ich, dass es das war als wir letztes Jahr um diese Zeit hier waren und du nach Hause musstest. Mir kommt es gar nicht her als wäre schon ein Jahr vergangen, es ist als wäre das erst ein paar Wochen her“ “Mhh, kommt mir auch so vor. Die Zeit vergeht viel zu schnell, daher sollten wir das nicht mit sinnlosen Streits verplempern“ “Sagt die Richtige! Du bist doch damals von hier geflüchtet und warst der Meinung das du mich nicht mehr sehen willst“ Ja, er hat ja Recht damit, dass hatte ich ja auch gesagt zu ihm. “Klar wollte ich dich sehen, nur wollte ich es nicht zugeben“ Meinte ich mit einem vorsichtigen Lächeln während ich ihn gespannt ansah. Er freute sich wohl darüber da ein Lächeln vom einen Ohr zum anderen ging.
„Du hast dich ja echt lange geweigert dich auf mich einzulassen“ “Das kommt dir nur so vor. Ich konnte ja nicht wissen was du von mir willst. Konnte ja sein du suchst so eine Art ab und zu mal Freundin, die du eben nur siehst wenn du gerade mal Lust und Laune dazu hast“ “Wenn du das so sagst klingt das wirklich gut, so ganz ohne Stress“ Da er sich ganz offensichtlich zu sehr darüber freute, zwickte ich ihn in die Seite. „Leider scheinst du das nicht komisch zu finden“ Schob er gleich noch mit einem breiten Grinsen nach. „Du brauchst gar nicht so zu tun! Ein bisschen kenne ich dich inzwischen. Ich weiß, dass du sowas nicht machen würdest“ Da war ich mir sogar ziemlich sicher. Obwohl es ihm mit Sicherheit nicht an Gelegenheiten mangelt mache ich mir da keine Gedanken weiter. „Du glaubst zumindest mich zu kennen“ Meinte noch immer so breit grinsend als er näher zu mir rückte und seinen Arm um meine Schulter legte.
Ich nickte übertrieben stark mit dem Kopf und zog ein theatralisches Gesicht. „Und dabei dachte ich am Anfang, dass du irgendwie verrückt bist nur um dann festzustellen das du auch so langweilig wie alle anderen bist“ Ich freute mich schon auf sein Gesicht aber er grinste mich weiter breit an. „Du schläfst im Gästezimmer heute Nacht“ “Ich wusste gar nicht das du im Gästezimmer schlafen willst“ “Ich schlafe da auch nicht, du alleine“ „Du lässt mich sowieso nicht alleine schlafen“ Meinte ich ganz überzeugt und muss da gar nicht drüber nachdenken weil der Fall nicht eintreten wird. „Du scheinst dir da ja sehr sicher zu sein“ “Mhhh“ Meinte ich nur und musste mich beherrschen nicht über ihn herzufallen. Wenn er mich so anlächelt, komme ich auf dumme Gedanken. Zwar starrt uns niemand permanent an aber mir ist schon klar, dass wir hier nicht unbeobachtet sind.
„Wie wäre es wenn wir gehen?“ “Wohin?“ Fragte er allen Ernstes. Ich rollte mit den Augen und wunderte mich immer wie er es schafft mit einem Wort die Stimmung zu versauen. „Nach Palma die Kathedrale angucken. Man, ich meinte zu dir“ Im nächsten Moment hatte er wohl auch kapiert was ich meinte. „Von mir aus“

Ich schüttelte noch leicht mit dem Kopf als wir Hand in Hand zum Auto liefen und dann einstiegen. Manchmal steht Rafa echt komplett auf der Leitung aber das ist auch schon wieder lustig. Vielleicht sollte ich ja aus Spaß auf seinen Vorschlag mit den Gästezimmer eingehen. Die Idee kam mir so als ich duschen war. Den Spaß mache ich mir! Ohne ein Wort zu sagen, lief ich vom Bad aus zum Gästezimmer und legte mich dort ins Bett. Rafa ist noch unten irgendwo und ahnt nichts Böses. Es dauerte zum Glück nicht lange bis er in der Tür stand und anscheinend nach mir suchte. Sein Gesicht ließ das zumindest vermuten. „Hier bist du, ich dachte schon du versteckst dich vor mir!“ Ich hatte mir die Decke bis zum Kinn hochgezogen und grinste ihn breit an.
„Vorhin meintest du noch das ich hier schlafen soll“ Er setzte sich auf den Rand vom Bett und rollte mit den Augen. „Seit wann tust du was ich dir sage?“ “Wenn ich das nicht tue beschwerst du dich das ich dich ungerecht behandeln würde und jetzt passt es dir auch nicht!“ Er schüttelte langsam mit dem Kopf und musste sich wohl ein Lachen verkneifen. “Du bist verrückt aber ich liebe dich trotzdem“ Na das klang doch mal gut! „Ich dich auch“ “Wenn dann alles geklärt ist kannst du ja auch mit rüber kommen“ “No, nun nicht mehr“ Es dauerte nur Sekunden bis er anscheinend aufgab.
„Na schön, wenn du unbedingt hier schlafen willst, bleibe ich eben auch hier“ Ich musste kichern und beobachtete ihn wie er auf die andere Seite vom Bett lief und dann unter der Decke verschwand. Woher es kam weiß ich auch nicht aber ich musste spontan anfangen laut zu lachen. Sein Blick war leicht verwundert aber ich konnte nicht anders. Ich rückte so nah es ging an ihn und umarmte ihn unter der Decke. „Wenn es dich nervt sage es, ich habe manchmal so eine blöde Art an mir“ “Quatsch, ich weiß, dass du nur Spaß gemacht hast. Es wäre ja auch langweilig wenn du mich nicht ständig schikanieren würdest“ “Ich weiß auch nicht woher das manchmal kommt“ Da er mit einer Hand durch meine Haare fuhr, legte ich meinen Kopf an seine Schulter und machte es mir bequem. “Wenn mich das so extrem stören würde wäre ich nicht mit dir zusammen. Wenn ich unterwegs bin ist schon immer alles ernst genug. Mein Team macht auch gelegentlich derbe Streiche aber davon abgesehen traut sich das niemand“ “Die haben alle Angst wenn du erscheinst aber das ist nur Fassade. Wer dich nur von den Spielen kennt, hat vielleicht Angst dir zu nahe zu kommen“ Sein Lächeln ging noch immer vom einen Ohr zum anderen.
“Habe ich ja Glück gehabt das du mich nicht so oft spielen sehen hast“ “Man muss auch mal Glück haben“ Ganz langsam verschwand sein breites Lächeln dann aber wieder. Es schien mir so als wenn er sich hier umsieht, warum auch immer. „Wenn ich es mir so recht überlege, will ich doch lieber in meinem eigenen Bett schlafen“ Was er damit andeuten will, kann ich mir vorstellen aber wir lagen doch eben so bequem und ich habe wirklich keine Lust jetzt nochmal aufzustehen. Bis gerade eben hat es ihn doch auch noch nicht gestört. „Es ist doch dein Bett“ “Ist es nicht, das ist das Gästezimmer“ Ich versuchte es mit vorgeschobener Unterlippe und großen Augen aber er sah mich immer noch so entschlossen an. „Ich habe aber keine Lust nochmal aufzustehen“ Zwar sagte er nichts aber der Blick blieb der gleiche. „Ok“ Kam es dann nur nach ein paar Sekunden mit einem genervten Augenrollen. „Denke an etwas anderes“
Da er wieder nichts antwortete und mich nur so entsprechend ansah, küsste ich ihn kurz am Hals und konnte mir dann ein Lächeln nicht verkneifen, sein übertrieben genervter Blick war zu herrlich. „Willst du mich jetzt nur noch so ansehen?“ Ganz kurz huschte dann ein Lächeln über sein Gesicht. “Lasse dir etwas einfallen“ Meinte er das jetzt so wie ich es verstanden habe, nämlich als direkte Aufforderung? Das muss er eigentlich nicht sagen, da ich mich schon den ganzen Abend beherrschen musste. So schön es ist wegzugehen, es hat auch Nachteile wenn man nicht unbeobachtet ist. „Entspanne dich und lasse dich überraschen“ Im Bruchteil einer Sekunde schien seine schlechte Laune verflogen zu sein und er lächelte wieder vom einen Ohr zum anderen.

Am nächsten Tag war es gleich wieder vorbei mit faul sein. Für mich nicht aber Rafa verschwand nicht erst mittags nach Manacor zum Tennisclub sondern gleich nach dem Frühstück. So hatte ich mir das nicht vorgestellt weil es da mal wieder nix mit ausschlafen wurde aber dafür war er dann ja am Nachmittag eher wieder da.
Viel wurde nicht mehr, der Tag war wie im Zeitraffer vorbei und am nächsten Tag hieß es für mich schon wieder Koffer packen und auf nach Hause. Ich fühlte mich total fehl am Platz als ich wieder zu Hause in meiner Wohnung war aber das geht mir immer so. Erst Rom und dann Mallorca, es waren nicht mal zwei Wochen aber es fühlte sich an als wäre ich ein halbes Jahr weg gewesen. Gedanklich war ich noch auf Mallorca aber ich werde noch viel Zeit haben mich hier wieder einzugewöhnen.